Newsletter III 2024

14. bis 20. Januar

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Vorfälle wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.

1. Januar 1977 (INES 5) Belojarsk, UdSSR

2. Januar 1958 (INES 4) Atomfabrik Majak, UdSSR

3. Januar 1961 (INES 4 | NAMS 2,9) NRTS Idaho Falls, USA

4. Januar 1986 (INES 4) Atomfabrik Sequoyah, USA

5. Januar 1976 (INES 3) Akw Jaslovské Bohunice, SVK

6. Januar 2016 (Nordkoreas 4. Nuklearwaffentest) Punggye-ri, PRK

6. Januar 1981 (INES 3) Atomfabrik La Hague, FRA

13. Januar 1977 (INES ? Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU

17. Januar 1966 (Broken ArrowPalomares, USA

18. Januar 2012 (INES 2) Akw Cattenom, FRA

20. Januar 1965 (INES 4 | NAMS 3,7) LLNL, Livermore, USA

21. Januar 2002 (INES 2) Akw Flamanville, FRA

21. Januar 1969 (INES 5 | NAMS 1,6) VAKL Lucens, CHE

21. Januar 1968 (Broken ArrowThule Airport, Grönland, USA

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Wir suchen aktuelle Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: nukleare-welt@reaktorpleite.de

 


20. Januar


 

IsraelZweistaatenlösungPalästina

Forderung nach Waffenruhe

Guterres: Israel muss Recht auf Palästinenser-Staat anerkennen

Israels Ministerpräsident Netanjahu lehnt einen eigenständigen palästinensischen Staat ab. UN-Generalsekretär Guterres hält das für "inakzeptabel".

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich erneut für eine Zweistaatenlösung ausgesprochen. "Das Recht des palästinensischen Volkes darauf, einen eigenen Staat zu schaffen, muss von allen anerkannt werden", sagte Guterres beim Treffen der Blockfreien Staaten in Ugandas Hauptstadt Kampala. Die Verweigerung des Rechts auf Eigenstaatlichkeit für das palästinensische Volk sei inakzeptabel.

Guterres meinte weiter, dass die Verweigerung einer Zweistaatenlösung einen Konflikt, der zu einer weltweiten Bedrohung von Frieden und Sicherheit geworden sei, verlängere, zur Polarisierung beitrage und überall Extremisten stärke. Er erneuerte auch Forderungen nach einer sofortigen Waffenruhe im Kampf zwischen Israel und der Hamas ...

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Die Länder des Globalen Südens und die Heuchelei des Westens in Davos

Der Globale Süden stellt sich zunehmend gegen westliche Heuchelei – zu Recht

China zeigt Selenskyj in Davos die kalte Schulter. Südafrika reicht gegen Israel eine Genozid-Klage ein. Wenn Moral und Macht multipolar werden. Kommentar.

[...] Selenskyj weiß, dass er für seinen Plan nicht nur die Unterstützung der westlichen Staaten braucht. Denn der "Rest der Welt" ist geopolitisch immer relevanter geworden, insbesondere, weil die Länder des sogenannten Globalen Südens wirtschaftlich an Einfluss gewonnen haben.

Die wirtschaftliche Macht der Brics-Staaten

So vereinen die Brics-Staaten heute 30 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf sich, die der G7 liegt darunter – und die Tendenz läuft gegen USA, Deutschland, Japan und Co.

[...] Der "Krieg gegen den Terror", den die Vereinigten Staaten unter Präsident Bush 2001 starteten und bis heute im arabischen und afrikanischen Raum fortsetzen, wurde nicht, wie vom Weißen Haus proklamiert, vom "kollektiven Willen der Welt" durchgeführt, um die globale Friedensordnung wiederherzustellen.

Vielmehr agierte das westliche Bündnis auf eigene Rechnung, Werte dabei mit Füßen tretend und gleichgültig gegenüber den Interessen und Bedürfnissen des "Rests der Welt", wenn nicht gegen sie gerichtet.

Aber es stimmt auch, dass viele Staaten im Süden sich den Anordnungen und Befehlen aus Washington fügten oder sich an die Seitenlinie stellten, weil sie nicht die Missgunst der Vereinigten Staaten auf sich ziehen wollten.

Das hat sich geändert. Nicht nur, was den Ukraine-Krieg angeht, bei dem viele Länder, darunter China und Indien, trotz des US- und EU-Sanktionsregimes weiter und sogar vermehrt mit Russland handeln, während Brasilien unter Präsident Lula selbstbewusst verkündet, Putin zu globalen Treffen (Brics und G20) dieses Jahr einzuladen ...

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Vereinigte StaatenRüstungsindustrieMilitärausgaben

Von der Ukraine-Hilfe profitiert die Rüstungsindustrie, nicht die Wirtschaft

In den USA werden Gelder für Kiew als Jobmotor verkauft. Doch das stimmt nicht. Warum es eher den Reichen als den ärmeren Schichten dient. Gastbeitrag.

Werden die Vereinigten Staaten ihre Finanzierung für den Verteidigungskrieg der Ukraine gegen Russland verlängern? Der US-Kongress tut sich schwer mit der Antwort auf diese Frage.

Die Republikaner wollen ihre Zustimmung so lange verweigern, bis US-Präsident Joe Biden sich bereit erklärt, die Sicherheit an der Grenze zwischen den USA und Mexiko zu verstärken. Da die politische Unterstützung für die Ukraine zu wackeln scheint, ist das Weiße Haus nervös – und das zu Recht.

Die Erzählung vom allgemeinen Vorteil

Um die Gesetzgeber von der Notwendigkeit einer Bewaffnung der Ukraine zu überzeugen, betonte US-Präsident Biden im vergangenen Jahr die wirtschaftlichen Vorteile in den Vereinigten Staaten. Die Idee hinter dieser Strategie war, dass viele Wähler fälschlicherweise annehmen könnten, dass "Hilfe für die Ukraine" bedeutet, riesige Geldsummen auf Bankkonten in Kiew zu überweisen.

Tatsächlich erfolgt ein Großteil der amerikanischen Militärhilfe in Form von Sachleistungen wie Waffen und Munition aus den vorhandenen US-Lagerbeständen. Wenn der Kongress für eine weitere Unterstützung der Ukraine stimmt, wird der Löwenanteil dieser Mittel an einheimische Firmen gehen, die die Aufgabe haben, die Waffenlager des Pentagons aufzufüllen ...

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VerfolgungVernichtungMassenmord

Erinnern an Wannsee-Konferenz

"Was tun Menschen einander an?"

Am 20. Januar 1942 schmiedeten die Nazis Pläne zur Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Europas. Wie wichtig die Erinnerung an die Wannsee-Konferenz gerade heute ist, erklärt der stellvertretende Gedenkstättenleiter im Interview.

tagesschau.de: Am 20. Januar 1942 trafen sich im Haus der Wannsee-Konferenz 15 Verwaltungsbeamte zu einer Besprechung mit anschließendem Frühstück, wie es hieß, um einen Massenmord zu planen. Wie bringen Sie dieses historische Ereignis Kindern und Jugendlichen nahe?

Matthias Haß: Das ist in der Tat eine komplexe Geschichte, die Beteiligung der staatlichen Verwaltung an der Organisation, Planung und Durchführung des Massenmordes zu vermitteln. Wir müssen uns an den Teilnehmern orientieren und das anhand von konkreter Geschichte machen, anhand von konkreten Biografien: Was bringt die Täter dazu, sich an solchen Verbrechen zu beteiligen, und sei es an ihren Schreibtischen? Welche Ideologie steht im Hintergrund von Volksgemeinschaft, von Antisemitismus?

Aber natürlich müssen wir auch die Geschichte der Opfer erzählen. Wir müssen erzählen, was ist den Menschen passiert, die ja nicht erst seit dem Januar 1942 mit Verfolgung konfrontiert sind, sondern gleich nach nach dem 30. Januar 1933 Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung erfahren? Und wie gehen sie damit um? Diese konkrete Geschichte müssen wir erzählen.

Und im Übrigen ist es ja nicht nur für Kinder und Jugendliche interessant, sondern für uns alle. Das ist eine verstörende und irritierende Geschichte, die wir erzählen müssen. Normale staatliche Verwaltung: Von 9 bis 5 wird gearbeitet und Ziel der Arbeit ist die Deportation und millionenfache Ermordung von Menschen. Das ist eine Herausforderung, der wir uns immer wieder stellen müssen.

[...] Treffen in Potsdam "auch für uns schockierend"

tagesschau.de: Vergangene Woche wurde bekannt, dass in einer Villa in Potsdam, die Luftlinie nur wenige Kilometer von ihrer Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz entfernt liegt, ein Treffen rechter und rechtsextremer Kreise stattfand. Dort diskutierte man unter anderem die Vetreibung von Menschen mit Migrationshintergrund. Welche Herausforderungen ergeben sich denn aus dem Wiedererstarken von rechtspopulistischen und rechtsextremen Bewegungen? 

Haß: Das ist in der Tat auch für uns schockierend. Und die Referenzen, die gemacht wurden, eben gerade zum Ort der Wannsee-Konferenz, die sind ja vielfältig. Ich glaube, wir sind alle in den letzten zehn Jahren überrascht, dass wir an vielen Punkten doch wieder Diskussionen, Debatten und Aufklärungsarbeit leisten müssen, bei denen wir dachten, dass wir sie an einigen Punkten schon hinter uns gelassen haben. Das ist nicht der Fall. Das ist eine Herausforderung.

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Demonstrationen für Demokratie

Zehntausende Menschen bei Demonstrationen gegen rechts erwartet

Deutschlandweit sind am Wochenende mehr als 90 Demonstrationen gegen Rechtsextremismus angekündigt. Zehntausende Menschen werden erwartet. Wo überall demonstriert wird

Am Wochenende werden deutschlandweit Zehntausende Menschen bei Demonstrationen gegen rechts und für die Demokratie erwartet.

[...] Eine Demonstration gegen rechts und die AfD in Hamburg musste am Freitagabend wegen des großen Menschenandrangs sogar abgebrochen werden. Einer der Organisatoren verwies auf Sicherheitsbedenken. Menschen seien in der Menge kollabiert und die Feuerwehr sei nicht mehr durchgekommen. Die Polizei sprach von 50.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 80.000. In Münster gingen nach Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen auf die Straße, in Bochum 13.000, in Kiel etwa 4.000 und in Jena 3.000 ...

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PhotovoltaikanlagenNetzbetreiberLadesäulen

Solardächer und Ladesäulen

Einzelhandel beklagt lange Wartezeiten

Der Einzelhandel in Deutschland beklagt lange Wartezeiten beim Anschluss von Photovoltaikanlagen und Ladesäulen und fordert eine schnellere Bearbeitung durch die Verteilnetzbetreiber. Von den Verzögerungen betroffen sind nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unter anderem die Handelsriesen Aldi Nord, Edeka, Lidl und Rewe, der Großhandelskonzern Metro und der Möbelhändler Ikea.

„Händlerinnen und Händler haben große Schwierigkeiten, Solaranlagen und E-Ladepunkte überhaupt an das Netz angeschlossen zu bekommen. Das kann nicht im Sinne der Energiewende sein”, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Unternehmen warten demnach bis zu 18 Monate, bis ein Anschluss steht.

[...] Die Bundesnetzagentur steht nach eigenen Angaben im Austausch mit den Netzbetreibern. Die Zubauzahlen haben sich der Behörde zufolge zwischen 2021 und 2023 vervierfacht. Bemerkenswert sei, dass die befragten Netzbetreiber es geschafft hätten, die Bearbeitungszeiten ungefähr konstant zu halten, sagte ein Sprecher. Das vom Bundeswirtschaftsministerium auf den Weg gebrachte Solarpaket werde weitere Erleichterungen bringen. „Wir sind optimistisch, dass die Bearbeitungsdauer kein dauerhaftes Problem bleiben wird.”

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IsraelKriegsverbrechenGaza

Nahostkonflikt

Blackout als Waffe

Gazakrieg: Israel verbirgt Angriffe hinter Kommunikationssperren. Neue Klagen eingereicht

Am siebten Tag in Folge sind auch am Freitag Telefon- und Internetverbindungen in Gaza ausgefallen. Der Blackout wird von Israel verursacht. Seit Beginn des Krieges am 7. Oktober 2023 schneidet Israel vor besonders schweren Angriffen den palästinensischen Küstenstreifen von allen Kommunikationsverbindungen ab, um bei seinen militärischen Aktionen nicht gestört zu werden. Ohne Telefon und Internet können die Menschen sich aber nicht gegenseitig warnen. Betroffene können Rettungssanitäter und Zivilschutzkräfte nicht erreichen. Umgekehrt können Rettungsteams nicht verfolgen, wo die Bomben und Raketen eingeschlagen sind, um dorthin zu eilen und zu helfen. Die gewollten Blackouts sollen nicht zuletzt Journalisten an Übertragungen ihrer Berichte aus dem Kriegsgebiet hindern. Ohne Telefon- und Internetverbindungen ist es internationalen Organisationen wie der UNO auch nicht möglich, ihre medizinischen und humanitären Hilfsgüter, Lebensmittel und warme Kleidung oder Decken zu den Menschen zu transportieren.

[...] Mexiko hat sich am Freitag einer Klage angeschlossen, die Chile am 9. Januar vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag eingereicht hatte. Wie Südafrika werfen die beiden lateinamerikanischen Staaten Israel Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrechen in Gaza vor. Der Schritt von Mexiko und Chile sei eine Reaktion auf die zunehmende Gewalt in Gaza vor allem gegen die Zivilbevölkerung, hieß es in einer Erklärung des mexikanischen Außenministeriums.

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INES Kategorie 4 "Unfall" 20. Januar 1965 (INES 4 | NAMS 3,7) LLNL, Livermore, USA

Etwa 259 TBq wurden 1965 aus dem Schornstein der Tritium-Anlage freigesetzt. Dieser Unfall wurde über Jahre geheim gehalten, in dieser Zeit wuchs die Bevölkerung und baute Häuser auf belasteten Böden. (Kosten ca. 6,1 Millionen US$)

Nuclear Power Accidents
 

Watching out for the ecology of Livermore

Livermore Eco Watchdogs (Diese Domain ist 2023 nicht mehr erreichbar.)

Historical Doses To The Public from Routine and Accidental Releases of Tritium

In den dreiundfünfzig Betriebsjahren wurden am Standort Livermore des Lawrence Livermore National Laboratory schätzungsweise 29.300 TBq Tritium in die Atmosphäre freigesetzt; etwa 75 % davon wurden in den Jahren 1965 und 1970 versehentlich als gasförmiges Tritium abgegeben. Die routinemäßigen Emissionen trugen mit etwas mehr als 3.700 TBq gasförmigem Tritium und etwa 2.800 TBq tritiiertem Wasserdampf zur Gesamtdosis bei ...

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Die zweithöchste Dosis ergab sich aus der Freisetzung von 222 TBq im Jahr 1970.

VERWENDUNG VON TRITIUM IM LIVERMORE-LABOR:

Tritium and the Lawrence Livermore National Laboratory

Zwei der drei größten Tritiumunfälle, die ich je dokumentiert gesehen habe, ereigneten sich hier am Livermore Lab Hauptstandort. In den Jahren 1965 und 1970 setzte das Livermore Lab etwa 650.000 Curies (23.700 TBq) Tritium aus den Schornsteinen der Tritiumanlage (Gebäude 331) in die Luft frei.

Anmerkung: Ein Curie entspricht 37 Milliarden radioaktiven Zerfallsprozessen pro Sekunde, in Becquerel 37 GBq.

Nach dem Unfall von 1965 sind nicht viele Daten über Windmuster, Niederschläge usw. verfügbar, aber nach dem Unfall von 1970, fanden Wissenschaftler des Livermore Labs erhöhte Tritiumwerte, die sie mit dem Unfall von 1970 in Verbindung brachten, und zwar bis nach Fresno, in südöstlicher Richtung etwa 200 Meilen entfernt.

Übersetzung mit https://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)
 

Wikipedia de

Leider finden sich in der deutschen Wikipedia keine Informationen zu den Unfällen aus den Jahren 1965 und 1970.

Lawrence_Livermore_National_Laboratory

Wikipedia en

Auch in der englischen Wikipedia findet sich nur die übliche Hofberichterstattung.

Lawrence_Livermore_National_Laboratory#Public_protests

Öffentliche Proteste

Die Livermore Action Group organisierte von 1981 bis 1984 zahlreiche Massenproteste gegen die Produktion von Atomwaffen durch das Lawrence Livermore National Laboratory. Am 22. Juni 1982 wurden mehr als 1.300 Atomwaffengegner bei einer gewaltfreien Demonstration verhaftet. In jüngerer Zeit wird jährlich gegen die Kernwaffenforschung in Lawrence Livermore protestiert. Im August 2003 protestierten 1.000 Menschen in den Livermore Labs gegen "Atomsprengköpfe der neuen Generation". Bei den Protesten 2007 wurden 64 Personen verhaftet. Im März 2008 wurden mehr als 80 Menschen verhaftet, als sie vor den Toren protestierten.

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19. Januar


 

GroßbritannienVereinigte StaatenAssange

Assange-Solidarität in London:

Ein Tory sagt, wie es ist

Ende Februar wird in Großbritannien über die Auslieferung von Julian Assange in die USA entschieden. Über ein Treffen in der Conway Hall.

[...] In einem Monat, am 20. und 21. Februar, wird das Anwaltsteam des Wikileaks-Gründers Assange vor dem Obersten Gerichtshof den wahrscheinlich letzten möglichen Versuch starten, in Großbritannien gegen dessen Ausweisung in die Vereinigten Staaten juristisch vorzugehen.

Assange hatte vorherige Gerichtsverfahren teils gewonnen und auch wieder verloren. Der letzte Stand ist, dass die britische Regierung ihn per Auslieferungsabkommen zwischen den USA und Großbritannien ausweisen wird. Sollte er auch im Februar scheitern, ist noch Berufung beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte möglich.

[...] Unter allen Anwesenden ist es David Davis, der als Tory in Regierungskreisen am ehesten Gehör finden kann. „Alle, egal welcher Farbe, Politik, Herkunft oder Religion verdienen einen fairen Prozess, faire Justiz, keine willkürliche Freiheitsberaubung“, beginnt er mit einer Bemerkung zu seinem ehemaligen Einsatz für Gefangene in Guantanamo Bay.

[...] Davis beendete seine Ansprache mit dem Zitat des bekannten britischen Hochrichters Lord Sumption: „Meinungsfreiheit beinhaltet das Recht, Informationen zu veröffentlichen, selbst wenn sie kontrovers, beunruhigend sind oder Autoritäten oder andere Personen in Verlegenheit bringen.“ Wer an eine freie Gesellschaft, an eine freie Presse und an eine faire Justiz glaube, müsse davon überzeugt sein, dass Assange seit langem auf freien Fuß sein sollte ...

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CSU und andere Bauernfänger

Wie es dazu kam, dass die CSU ihre Radwege in Peru vergaß

CSU-Generalsekretär Huber wirft der Regierung vor, deutsches Geld weltweit zu verteilen, statt heimische Bauern zu unterstützen. Ähnlich hatte zuvor die AfD argumentiert. Die Ampel verteidigt die Entwicklungshilfe, die sie gar nicht gestartet hatte.

Joana Cotar hat angefangen mit den Radwegen in Peru. Am 1. Dezember 2023 hält sie der Ampel-Koalition im Bundestag vor, in ihrem Haushalt falsche Schwerpunkte zu setzen. Cotar war früher Mitglied der AfD-Fraktion, jetzt sitzt sie als fraktionslose Abgeordnete im Parlament.

[...] Auch CSU-Generalsekretär Martin Huber greift es auf. Am 16. Januar schreibt er bei X: "Die Ampel verteilt Geld in aller Welt, aber für unsere hart arbeitenden Bäuerinnen und Bauern ist angeblich kein Geld da? Das geht so nicht!"

Huber zählt in seinem Post eine Reihe von Projekten auf, die Deutschland mitfinanziert: grüne Kühlschränke in Kolumbien zum Beispiel und gendersensitive Dorfentwicklung in Bangladesch.

Was Huber nicht erwähnt: Die von ihm genannten Projekte werden von der Ampel nur fortgeführt. Die Zusagen für Zuschüsse und Kredite für Radwege und Busse in Peru zum Beispiel stammen aus dem Jahr 2020. Gegeben hat sie Schulzes Vorgänger: Gerd Müller – wie Huber von der CSU ....

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Bundeswehr | Nato | Militärübung

Kriegsspiele in Europa: Wie sich die Bundeswehr auf möglichen Russland-Angriff vorbereitet

Es geht beim Quadriga-Manöver um die schnelle Truppenverlegung an die russische Grenze. In einem "Geheimpapier" werden Szenarien durchgespielt. Was steckt dahinter?

Aktuell macht in den Medien ein "Geheimpapier" der Bundeswehr die Runde, dem ein Szenario zugrunde liegt, in dem mit massiven Truppenverlegungen auf einen – aus Nato-Sicht – möglicherweise bevorstehenden russischen Angriff reagiert wird. Generell wird der raschen Verlegung von Soldat:innen und Material an die Grenzen Russlands inzwischen große Bedeutung beigemessen.

Mehrere Monate Krieg spielen

Bereits auf dem Nato-Gipfel im Juni 2022 beschloss die Nato die diesbezüglichen Zielgrößen, die nun auch die Grundlage für das aktuell diskutierte Bundeswehr-Papier bilden, massiv nach oben zu schrauben. Vor allem logistisch stellt dies eine enorme Herausforderung dar, wobei Deutschland und die Bundeswehr eine zentrale Rolle spielen.

[...] Tatsächlich ist es alles andere als normal, wenn alle Ressourcen in die Aufrüstung und die Vorbereitung auf einen möglichen Krieg mit Russland gesteckt werden, während kaum Anstrengungen unternommen werden, aus der jetzigen Eskalationsspirale wieder herauszukommen ... 

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FrankreichSchweizMobiltelefoneSAR-Wert

Gerätestrahlung: Bundesrat stemmt sich gegen Kontrolle

Über 40 Mobiltelefone fielen bisher durch französische Sicherheitstests. Die Schweiz schaut weiterhin ganz bewusst weg.

Vor wenigen Monaten machte auch in der Schweiz Schlagzeilen, dass das iPhone 12 von Apple durch die französischen Tests rasselte. Die ANFR reagierte auch darauf mit einem Rückruf. Apple hat seither zwar ein Softwareupdate angeboten, womit das Gerät in Frankreich wieder zugelassen ist.

Belgien, Deutschland und Italien, welche das Update ebenfalls verlangten, erhielten es jedoch nicht. Und auch Schweizer Nutzende haben keines erhalten. Dies bestätigte ein Apple-Sprecher gegenüber Infosperber. Damit wäre das Gerät hierzulande eigentlich nicht marktkonform.

Ein Sprecher des Bundesamts für Kommunikation (BAKOM) schrieb Infosperber: «Die Schweiz hat von Apple kein Update verlangt.» Sie warte, wie andere EU-Staaten auch, auf einen Entscheid der EU-Kommission zur Übernahme der französischen Konformitätsbewertung. Apple sagte, das Resultat sei auf das besondere französische Testprotokoll zurückzuführen.

Insider sind von diesem Argument nicht überzeugt. Frankreich ist das einzige europäische Land, welches systematisch testet (Infosperber berichtete). Der emeritierte ETH-Professor Niels Kuster, welcher mit der Firma SPEAG die Messanlagen entwickelt und vertreibt, sagte Infosperber: «Dass Apple das Update nur auf in Frankreich registrierten Geräten installieren musste, hat viele in Europa überrascht.» ...

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Letzte Generation | angeklagt | kriminelle Vereinigung

Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt gegen Letzte Generation

Unter Juristen ist umstritten, ob es sich bei der Letzten Generation um eine kriminelle Vereinigung handeln könnte. Nun schließen sich Ermittler im Norden einer harten Linie an.

Die Staatsanwaltschaft Flensburg ermittelt gegen mehrere Mitglieder der Letzten Generation wegen des Verdachts, Teil einer kriminellen Vereinigung zu sein. Das erklärte die Behörde in einer Mitteilung.

Grundlage seien »Erkenntnisse zur Organisationsstruktur sowie zu Angriffen auf abgesicherte Verkehrs- und Versorgungsinfrastruktur in mehreren Bundesländern«. Details wurden in der Mitteilung nicht genannt. Die Ermittlungen seien noch im Gange, hieß es.

[...] Auf Sylt besprühten sie im vorigen Juni unter anderem eine Hotelbar und ein Flugzeug mit Farbe, außerdem beschädigten sie den Rasen eines Golfplatzes. Wegen des Verdachts auf Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Störung öffentlicher Betriebe klagte die Staatsanwaltschaft Flensburg nun mehrere Mitglieder an.

Millionenschaden auf Sylt

Der Sachschaden ist demnach erheblich. Allein bei dem beschmierten Privatflugzeug betrage es »mindestens eine Million Euro«. Im Hotel gehe es um etwa 46.000 Euro. Insgesamt geht es demnach wohl um knapp 1,4 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft betonte, bei den angeklagten Mitgliedern gehe es nicht um den Verdacht, sich an einer kriminellen Vereinigung beteiligt zu haben ...

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AfD-Verbot und Höcke-Petition:

Raus aus der Ohnmacht

Rechte drohen die Macht zu übernehmen und endlich wächst der antifaschistische Widerstand. Gerichte könnten ihn unterstützen. Pessimismus nicht.

Was für ein Hoffnungsschimmer in diesen düsteren Tagen: Auf deutschen Straßen bewegt sich etwas – und es ist nicht rechts! Rund zehn Jahre nachdem Antifas anfingen, sich gegen die AfD zu organisieren, erkennen jetzt auch ­immer mehr Durchschnittsdeutsche, dass die AfD eine Gefahr ist, gegen die etwas getan werden muss. Tausende strömen zu Demos, streiten über Strategien und signieren Petitionen. Das ist einfach nur gut.

Doch statt sich zu freuen, lamentieren andere: Es sei nicht rechtmäßig, eine Partei wie die AfD zu verbieten oder dem Faschisten Björn Höcke ein paar Grundrechte zu entziehen, wie es die Petition fordert. Haben diese Leute mehr Angst davor, Neonazis zu diskriminieren, als von Neonazis beherrscht zu werden? Oder gehen sie davon aus, selbst zu den Letzten zu gehören, die deportiert würden? ...

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Vereinigte Staaten zahlen 1,1 Mrd. USD für Laufzeitverlängerung von Diabolo Canyon

US-Regierung genehmigt Bundesmittel für Diablo Canyon

Die US-Regierung hat die Kreditvergabe- und Zahlungsvereinbarung unterzeichnet, mit der die Kreditzahlungen in Höhe von 1,1 Mrd. USD im Rahmen des Programms für zivile Nuklearkredite (CNC) zur Aufrechterhaltung des Betriebs des Kernkraftwerks Diablo Canyon abgeschlossen werden.

Die Zahlungen erfolgen im Rahmen des Programms für zivile Nuklearkredite (CNC), einer strategischen Investition in Höhe von 6 Mrd. USD im Rahmen des Bipartisan Infrastructure Law, die dazu beitragen soll, den Betrieb der bestehenden Reaktorflotte in den USA aufrechtzuerhalten. Das Kraftwerk der Pacific Gas and Electric Company (PG&E) hat den Kredit im November 2022 unter Vorbehalt erhalten.

"Der Erhalt der nationalen Kernkraftwerke ist nicht nur für die Erreichung der amerikanischen Ziele im Bereich der sauberen Energie von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Gewährleistung einer zuverlässigen Energieversorgung für Haushalte und Unternehmen im ganzen Land", sagte Maria Robinson, Direktorin des Grid Deployment Office des US-Energieministeriums. Sie fügte hinzu: "Die Ankündigung zeigt das Engagement der Regierung für die heimische Kernenergie, indem wir die bestehende Stromerzeugung erhalten und gleichzeitig eine stärkere Kernenergiebranche unterstützen".

Die Zahlungen werden in Raten über vier Betriebsjahre ab 2023 geleistet, wobei die Beträge unter anderem an die tatsächlichen Kosten für den Betrieb der beiden Blöcke angepasst werden. Die erste Zahlung im Jahr 2025 wird auf der Grundlage des Betriebs des Kraftwerks in den Jahren 2023 und 2024 erfolgen ...

Übersetzung mit https://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

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Subventionen | Landwirte | Agrarindustrie

Gemeinsame Agrarpolitik (GAP)

Fakebauern kassieren

EU-Agrarsubventionen: Landwirte und Höfe nicht unter Topempfängern. Nutznießer etwa Kommunen, Finanzinvestoren, Konzerne – und Umweltverbände

Es klingt wie eine Binse: EU-Agrarsubventionen sind für Landwirte und Hofbetreiber. Für wen sonst, oder? Weit gefehlt! Unter den Top-ten der Empfänger hierzulande ist kein landwirtschaftlicher Betrieb, kein Rübenbauer, kein Viehhalter. Wer kassiert? Ministerien, Landesbetriebe, Agrarriesen. Und branchenferne Konzerne, etwa RWE, Aldi Nord. Eines frappiert beim Blick in die Liste der Nutznießer: Umweltverbände, der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) beziehen gleichfalls Millionensummen aus Fördertöpfen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU. Laut Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gingen 2022 insgesamt sieben Milliarden Euro aus Brüssel an 315.000 Berechtigte in der BRD.

[...] Wie rechtfertigen Umweltverbände ihr subventioniertes Engagement? Der Nabu erhalte viele Gelder aus der EU-Agrarpolitik, bestätigte Laura Henningson, Referentin für Agrarbiodiversität, auf jW-Nachfrage. Diese Finanzmittel würden für die Erbringung von Naturschutzleistungen gezahlt. Sie sagt ferner: »Wir positionieren uns klar gegen pauschale Flächenprämien, nicht aber gegen leistungsgebundene Zahlungen, die eine naturverträgliche Landwirtschaft unterstützen.« Ähnlich argumentiert Patrick Müller vom BUND. Einzelne Gliederungen seines Verbands bekämen Agrarsubventionen. Damit pflegten sie Flächen in ganz besonders hochwertiger Weise, weshalb die Fördermittel »in diesem Fall sehr gerechtfertigt sind«, meinte der Referent für Agrarpolitik. Die Summen für den Verband seien aber eher weniger bedeutend. Das Fachportal top agrar bezifferte die EU-Subventionen 2022 für den BUND auf mehr als 1,45 Millionen Euro.

Nur, wie ist »Landgrabbing« zu verhindern, in großem Stil zumindest? Einen Vorschlag hat van Aken von Greenpeace – die simple Lösung: Subventionen an Großbetriebe kappen, bei 300.000 Euro pro Jahr. Eine Option, die die GAP zulässt. Das Problem: »Die Bundesregierung hat darauf verzichtet.« Die Folge: Auswüchse bleiben, Finanzinvestoren und Konzerne lassen sich ihr »grünes« Image weiter üppig subventionieren.

 


18. Januar


 

Norwegen | Nordsee | Ölbohrungen

Klimaschützer in Norwegen klagen erfolgreich gegen Öl-Zulassung

Im jahrelangen Streit zwischen Klimaschützern und der Ölnation Norwegen konnten die Umweltschutzorganisationen einen Sieg verbuchen. Laut dem Urteil sind die Genehmigungen dreier Öl- und Gasfelder in der Nordsee ungültig.

Klimaschützer haben in Norwegen erfolgreich gegen die Genehmigung dreier Öl- und Gasfelder in der Nordsee geklagt. Das Bezirksgericht von Oslo erklärte die Zulassungen für die Felder Breidablikk, Yggdrasil und Tyrving für ungültig. Der Staat hat dem Urteil zufolge bei den Genehmigungen gegen Auflagen verstoßen. Die klagenden Umweltschutzorganisationen Greenpeace sowie Natur und Jugend bekamen damit in ihrer Argumentation Recht, wonach der Staat gegen Bedingungen des Obersten Gerichts des Landes verstoßen habe, weil die Klimafolgen bei der Genehmigung der Felder nicht untersucht worden seien ...

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2024 wurden in Europa Offshore-Windparks mit der Kapazität von 2 bis 3 großen Atomkraftwerken gebaut

Rekord bei neuen Windrädern auf See

Im vergangenen Jahr sind in Europa so viele neue Offshore-Windräder ans Netz gegangen wie noch nie. Die Leistung der Windparks vor den Küsten stieg nach Branchenangaben um mehr als ein Drittel. 

Im vergangenen Jahr sind nach vorläufigen Zahlen des Windkraftverbands WindEurope in Europa insgesamt 4,2 Gigawatt installierter Leistung in Offshore-Windparks ans Netz gegangen. Das seien 40 Prozent mehr Kapazitäten auf See als im Jahr 2022. Die meisten Kapazitäten seien in den Seegebieten der Niederlande, Frankreichs und Großbritanniens installiert worden.

In Deutschland waren nach Angaben der Stiftung Onshore-Windenergie zur Mitte des vergangenen Jahres mehr als 1.500 Offshore-Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 8,4 Gigawatt in Betrieb.

[...] Die Europäische Union hatte im vergangenen Jahr einen Aktionsplan mit 15 Sofortmaßnahmen zur Unterstützung des Windsektors beschlossen. Die EU plant, einen Anteil Erneuerbarer Energie von mindestens 42,5 Prozent bis 2030 zu erreichen.

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Grönland | Klimawandel | Golfstrom

Grönland verliert 30 Millionen Tonnen Eis pro Stunde

Die größte Insel der Welt ist ins Schwitzen gekommen: Einer neuen Studie zufolge hat Grönland in den vergangenen knapp 40 Jahren 20 Prozent mehr Eis verloren als gedacht. Das könnte Folgen für den Golfstrom haben.

Der Eisschild von Grönland hat von 1985 bis 2022 eine Fläche von 5091 Quadratkilometern verloren, also eine Fläche, die etwa der doppelten Größe des Saarlandes entspricht. Dies geht aus einer Studie hervor, die am Mittwoch in der Zeitschrift »Nature« veröffentlicht wurde. Das seien rund 20 Prozent mehr, als zuvor angenommen wurde.

Untersucht wurde in der Arbeit vor allem der Rückgang der grönländischen Gletscher. Demnach haben diese im untersuchten Zeitraum 1034 Gigatonnen Eis mehr durch den Abbruch ins Meer verloren, als auf die Insel hinzukommen konnte, etwa durch Schneefall – runtergerechnet verliert die Insel also die enorme Zahl von 30 Millionen Tonnen Eis pro Stunde ...

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AfD | wehrhafte Demokratie | Parteiverbot

Hunderttausend auf der Straße: Das ist das „Volk“, AfD!

Die Deutschen stehen auf. Gegen die AfD. Gegen den Faschismus. Das, liebe AfD, ist das „Volk“, von dem ihr immer behauptet, ihr würdet für sie sprechen. Das ist die Mehrheit der Deutschen! Und sie wollen euch nicht!

Als Reaktion auf die Correctiv-Recherchen lässt die AfD die Masken fallen – und bekennt sich spätestens jetzt zu zentralen Code-Wort der extremen Rechten. AfD-Politiker geben offen zu, dass die Pläne von Massen-Deportationen wahr sind. Der offizielle Account gesteht, dass sie Deutschen die Staatsbürgerschaft entziehen wollen, um sie zu deportieren. Und die AfD-Fans fordern zu Tausenden die ethnischen und politischen Säuberungen in den Kommentaren. Die Brandenburger AfD-Fraktion gibt offen zu, dass sie zu den Plänen aus dem Geheimtreffen steht.

[...] Diese Partei ist fundamental auf Hass, Lügen und Spaltung aufgebaut! Ihr Pläne sind entweder offen verfassungsfeindlich oder sie dienen nur dem Zweck, sie zu verharmlosen und die Bevölkerung lange genug zu täuschen, um die Macht zu ergreifen!

[...] Wir können JETZT noch umkehren! Wir können jetzt noch die Menschen aufklären und uns demokratisch vor dieser Partei retten! Bevor es zu spät ist! Das Momentum ist da. Wir debattieren ernsthaft, ob das Bundesverfassungsgericht ein AfD-Verbot entscheiden soll. Unsere Petition hat fast 700.000 Unterschriften.

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Mobiltelefone | SAR-Wert

Handys strahlten jahrzehntelang viel zu stark – bis heute?

Die Mobiltelefonhersteller führten bewusst unrealistische Strahlungstests durch. Noch heute gibt es kaum unabhängige Kontrollen.

Erst vor wenigen Jahren zeigten die sogenannten Phonegate-Enthüllungen, dass die von mobilen Geräten ausgehende Strahlung ungenügend kontrolliert wird. Mit Ausnahme des Beobachters (Paywall) berichtete bisher hierzulande kein Medium vertieft darüber.

Wie stark die Strahlung mobiler Geräte wie Smartphones oder Tablets auf den menschlichen Körper wirkt, wird über den sogenannten SAR-Wert gemessen. Dieser bestimmt die absorbierte Energie an einer bestimmten Körperstelle über die Messung der Temperatur auf der Haut.

Doch die Grenzwerte sind umstritten. Erstens, weil die Hersteller mitbestimmen, wie gemessen wird. Zweitens, weil Wissenschaftler davon ausgehen, dass eine reine Temperaturmessung nicht ausschliesst, dass die Strahlung anderweitig – und bereits bei tieferer Intensität – auf den Körper wirkt. Und drittens, weil eben wie in der Schweiz kaum unabhängig kontrolliert wird, ob die Geräte die festgelegten Grenzwerte einhalten.

[...] Frankreich beantragte 2020 in der EU, dass die Grenzwerte neu ohne Abstand eingehalten werden müssen. Niels Kuster erwartet, dass die Änderung diesen Sommer in Kraft treten wird. «Obschon die Industrie daran keine Freude hat, weil es schwieriger wird, konforme Geräte zu produzieren.»

Ob die Geräte die neuen Standards aber dauerhaft einhalten können, dürfte ohne Tests in den entsprechenden Ländern unsicher sein. Denn bisher testet eben nur Frankreich systematisch.

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Portugal | Dürre | Wasserversorgung

Portugals Regierung schränkt Wasserversorgung in der Algarve ein

Seit Monaten leidet der Süden Portugals unter anhaltender Trockenheit. Haushalte und landwirtschaftliche Betriebe müssen sich beim Wasserverbrauch künftig erheblich einschränken.

Angesichts anhaltender Trockenheit in der bei Touristen sehr beliebten Algarve-Region im Süden Portugals hat die Regierung eine Drosselung des Wasserverbrauchs angeordnet. Für Haushalte in der Region werde die Wasserversorgung um 15 Prozent reduziert, teilte am Mittwochabend Umweltminister Duarte Cordeiro nach einer Krisensitzung mit. Landwirtschaftliche Betriebe müssten vorerst sogar mit rund 25 Prozent weniger Wasser auskommen ...

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INES Kategorie 2 "Störfall"18. Januar 2012 (INES 2) Akw Cattenom, FRA

Wikipedia

Cattenom

Durch ein fehlendes Bauteil wurde der Rückfluss in den Kühlleitungen des Lagerbeckens der Brennelemente der Blöcke 2 und 3 nicht verhindert. So hätte das Lagerbecken unkontrolliert leer werden können. Bedingt durch eine Störung könnte die Kühlwasser-Einspeiseleitung des Abklingbeckens für abgebrannte Brennelemente – statt regulär Wasser einzuspeisen – Wasser aus dem Becken ansaugen, was dieses langsam leeren würde und zu größeren Radioaktivitäts-Freisetzungen führen würde. Zur Unterbrechung dieses Ansaug-Vorgangs existiert im Normalfall eine Vorrichtung. In Cattenom wurde im Januar festgestellt, dass diese bei Block 2 und 3 gar nie angebracht worden war. Wäre es dort zu einer Entleerung des Beckens gekommen, hätte man als letzte Gegenmaßnahme mit Tanklösch-Fahrzeugen und Schlauchverbindungen externes Wasser, etwa aus dem Fluss, einpumpen können ...

 

AtomkraftwerkePlag

Cattenom

Im Juli 2012 machte es die französische Atomaufsicht (ASN) dem Betreiber Électricité de France (EDF) zur Auflage, Motorpumpen für die Wasserzufuhr der Abklingbecken auszutauschen, da diese im Falle einer Überhitzung von Brennmaterialien nicht robust genug seien. Dies betrifft die Atomkraftwerke Cattenom, Belleville, Flamanville, Paluel und Saint-Alban ...

 


17. Januar


 

Rosatom | FramatomeBrennelementefabrik Lingen

Brennelementefabrik ohne Russen:

Rosatom soll nicht nach Lingen

Der russische Konzern will bei der Brennstäbe-Produktion in Niedersachsen mitmischen. Umweltschützer fordern den Abbruch des Genehmigungsverfahrens.

BERLIN taz | Das laufende Genehmigungsverfahren für den Ausbau der Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen muss abgebrochen werden. Das forderten Anti-Atom-Initiativen am Mittwoch in Hannover. Die Lingener Fabrik „Advanced Nuclear Fuels“ (ANF) ist, ebenso wie die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, vom deutschen Atomausstieg ausgeklammert.

Der Betreiber der Lingener Anlage, der französische Atomkonzern Framatome, will dort in Lizenz und unter Mitwirkung des russischen Staatsunternehmens Rosatom künftig auch Brennelemente für Reaktoren russischer Bauart produzieren. Framatome hat dazu mit der Rosatom-Tochter TVEL ein Joint Venture in Frankreich gegründet. Die seit Anfang Januar vom niedersächsischen Umweltministerium ausgelegten Antragsunterlagen für den Ausbau verschweigen nach Angaben der Kritiker allerdings die brisante Rolle des russischen Unternehmens bei dem Vorhaben.

[...] Um ihren Forderungen weiteres Gehör zu verschaffen, haben Umwelt- und Anti-Atom-Initiativen eine weitere Demonstration in Lingen angekündigt. Sie soll an diesem Samstag vor dem Tor der Brennelementefabrik beginnen.

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Frankreich | Windenergie | EPR

Windenergie-Allzeitrekord: Frankreich produziert 2023 über 30 Prozent mehr Windstrom

Paris – Frankreich hat im Jahr vergangenen 2023 so viel Windstrom produziert und in die Netze eingespeist wie noch nie. Neben dem Ausbau der Windenergie an Land (onshore) gewinnt auch die Offshore Windenergie zunehmend an Dynamik.

Die Energiepolitik Frankreichs wird in der öffentlichen Wahrnehmung zwar noch hauptsächlich mit den Diskussionen um die Kernenergie verbunden. Gleichwohl verläuft der französische Ausbau der erneuerbaren Energien eher im Hintergrund, das Ausbautempo und die Schlagkraft ist jedoch deutlich höher als bei der Kernenergie.

Windstrom-Produktion in Frankreich steigt 2023 auf neues Rekordniveau

Die Windkraftanlagen in Frankreich haben 2023 insgesamt 48 Mrd. kWh Strom (2022: 36,6 Mrd. kWh) erzeugt und in die Netze eingespeist. Nach den Daten der europäischen Netzbetreiber (Entso-e) ist das ein Anstieg um 31,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Jahresrekord.

[...] Die Offshore Windkraftleistung könnte damit bis 2035 auf rd. 18.000 MW (18 GW) steigen.

Ausbau der Kernenergie zu langsam – maximal ein neues Atomkraftwerk bis 2035 in Betrieb

Während der Ausbau der erneuerbaren Energien in Frankreich mit hohem Bautempo erfolgen kann, kommt der Ausbau der Atomenergie in Frankreich kaum vom Fleck. Mit dem Atomkraftwerk Flamanville (1.650 MW) ist nur ein einziges neues Kernkraftwerk – und das seit 2007 - im Bau. Der zuletzt von EDF genannte Termin für die Inbetriebnahme von Flamanville ist das erste Quartal 2024. Das wäre eine Rekordbauzeit von 17 Jahren ...

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Demokratie | Grundgesetz | Parteiverbot

Debatte über AfD-Verbot

Der Zeitpunkt ist da

In der Diskussion um ein Verbotsverfahren gegen die AfD überwiegt in der Politik die Skepsis. Dafür gibt es gute Argumente. Doch in Zeiten des permanenten Tabubruchs kann die Zivilgesellschaft das Problem nicht allein lösen.

Der frühere Verfassungsgerichtspräsident Hans-Jürgen Papier ist dagegen, ebenso Bundesfinanzminister Christian Lindner oder CDU-Chef Friedrich Merz. Gegen ein Verbotsverfahren gegen die AfD.

Die Argumente der Verbotsgegner erinnern an die Schulzeit. Schon damals im Geschichts- und Politikunterricht gab es die Argumente gegen Parteiverbote, die jetzt in verschiedenen Variationen wiederkehren. Und das soll überhaupt nicht abwertend klingen. Denn die politischen Argumente gegen Parteiverbote sind auch verfassungsrechtlich sehr bedenkenswert.

[...] TikTok, X und YouTube geben den Takt vor. Und diese Medien sind keine Orte des nachdenklichen Debattierens und Zuhörens. Die Algorithmen von Social Media setzen auf den schnellen Reiz, das laute Pöbeln, den permanenten Tabubruch.

Die AfD bewegt sich in dieser neuen Netz-Öffentlichkeit wie ein Fisch im Wasser. Vorurteile und Gehässigkeiten, kindlicher Trotz, das Einteilen der Welt in Freunde und Feinde, in echte Deutsche und gefährliche Migranten - dieses Schema trifft auf eine Social-Media-Öffentlichkeit, in der Nachdenklichkeit, Differenzierung, Geduld und Empathie immer weniger den Ton angeben.

[...] Das Grundgesetz ist nicht blind gegenüber dieser Situation. Es verfügt aus gutem Grund über Instrumente der wehrhaften Demokratie wie ein Parteienverbot oder die Grundrechtsverwirkung bei rechtsextremen Agitatoren wie Björn Höcke. Doch den Schutzschild für die Demokratie muss die Politik schaffen. Der Zeitpunkt ist da, genau jetzt.

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Russland | Ökoaktivist | Baimak

Proteste nach Urteil gegen Ökoaktivisten in Russland

Wer in Russland öffentlich protestiert, schwebt in Gefahr, im Gefängnis zu landen. Das hat etliche Menschen in Baschkortostan nicht abgehalten, sich mit dem verurteilten Fail Alsynow solidarisch zu zeigen.

Die Kleinstadt Baimak liegt im äußersten Südostzipfel Europas. Dort, in Russlands Teilrepublik Baschkortostan an der Wolga haben mehrere Tausend Menschen gegen die Verurteilung des lokalen Ökoaktivisten Fail Alsynow demonstriert. Alsynow wurde nach Medienangaben an diesem Mittwoch wegen angeblich rassistischer Äußerungen zu vier Jahren Haft verurteilt.

In einer Rede gegen den Goldabbau vor einem Dorfrat im vergangenen Jahr hatte Alsynow zwei Wörter auf Baschkirisch verwendet, die ins Russische mit "schwarze Menschen" übersetzt wurden. Das Gericht sagte, seine Rede sei dazu gedacht, "Hass zu schüren und die Würde einer Gruppe von Personen aufgrund von Rasse, Nationalität, Sprache oder Herkunft zu erniedrigen". Alsynow hat ausgesagt, er habe sich auf "arme" Menschen bezogen.

Größter Protest seit Angriff auf die Ukraine

Nach Schätzungen des unabhängigen Internetportals "Wjorstka" versammelten sich in der Kleinstadt Baimak vor dem Gerichtsgebäude mehr als 3000 Menschen, um Alsynow zu unterstützen. Beobachter sprechen von einer der größten Protestaktionen in Russland seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Die Demonstranten riefen "Freiheit für Alsynow" und forderten den Rücktritt des Gebietschefs Radij Chabirow, auf dessen Forderung der Prozess gegen den Ökoaktivisten eingeleitet worden war. Ein von dem Medium "Ostoroschno Nowosti" geteiltes Video soll zeigen, wie Sicherheitskräfte dort die Menge mit Gewalt abdrängen. Laut Augenzeugen wurde auch Tränengas eingesetzt. 15 Menschen sollen verletzt worden sein. Mehrere Personen wurden demnach festgenommen ...

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Klimapolitik | CO2-Preis | Klimageld

Offener Brief von Verbänden an den Finanzminister

»Herr Lindner, zahlen Sie das Klimageld noch in dieser Legislaturperiode aus!«

Umwelthilfe, Verbraucherzentrale, Diakonie – mehr als ein Dutzend Verbände hat sich zu einem dringenden Appell an Finanzminister Lindner zusammengeschlossen. Es gehe um sozial gerechte Klimapolitik.

16 Verbände haben gemeinsam einen offenen Brief an Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) verfasst. Sie fordern, das Klimageld noch in dieser Legislaturperiode auszuzahlen. Das Schreiben liegt dem SPIEGEL exklusiv vor.

Am Wochenende hatte der Minister in einem Interview gesagt, dass erst 2025 die technischen Möglichkeiten geschaffen würden, um das Klimageld auszuzahlen. Ob das Geld dann wirklich komme, werde von der nächsten Bundesregierung zu entscheiden sein. Das war eine eindeutige Absage, dieses Versprechen aus dem Koalitionsvertrag tatsächlich noch vor der nächsten Bundestagswahl auszuzahlen.

Dafür ist er bereits von vielen Seiten kritisiert worden. Mit dem Klimageld sollen die Einnahmen aus der CO₂-Bepreisung etwa von Gas und Öl gleichmäßig an alle Bürger verteilt werden. Die Idee dahinter ist, Verbraucher zu CO₂-armen Alternativen zu lenken, ihnen aber unter dem Strich kein Geld wegzunehmen: Wer besonders wenig CO₂ ausstößt, gibt weniger dafür aus, als er an Klimageld überwiesen bekommt ...

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Korruption | EuropaparlamentImmunität

Klage abgewiesen:

EU-Politikerin Kaili scheitert vor EU-Gericht

Die frühere Vizepräsidentin des Europaparlaments Eva Kaili steht wegen Betrug und Korruption unter Verdacht. Nun droht ihr der Verlust der Immunität.

Die unter Betrugs- und Korruptionsverdacht stehende griechische Europaabgeordnete Eva Kaili hat im Kampf gegen die Aufhebung ihrer parlamentarischen Immunität eine Niederlage erlitten.

Das Gericht der EU wies nach Angaben vom Dienstagabend eine Klage Kailis gegen das geplante Verfahren als unzulässig zurück. Die frühere Parlamentsvizepräsidentin hatte damit versucht, den Antrag der europäischen Generalstaatsanwältin Laura Kövesi auf Aufhebung der Immunität anzufechten ...

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CO2 und Wasser per chemischer Umwandlung zu Kohlenstoff und Wasserstoff

Wie man Luft-CO2 in Carbonfasern umwandelt

Kombi-Katalyse erzeugt aus Kohlendioxid feste Kohlenstoff-Nanofasern

Innovativer Kohlenstoffspeicher: Chemikern ist es mit einem neuen Ansatz gelungen, das Treibhausgas Kohlendioxid in ein nützliches Material zu verwandeln – in Kohlenstoff-Nanofasern. Möglich wird dies durch eine Tandem-Reaktion, bei der in zwei katalytischen Schritten aus CO2 und Wasser Carbonfasern entstehen, wie die Forschenden in „Nature Catalysis“ berichten. Das Verfahren könnte somit effektiv Emissionen kompensieren und produziert nebenbei auch noch wertvollen Wasserstoff.

Von menschlichen Aktivitäten erzeugtes Kohlendioxid (CO2) ist maßgeblich für die Erderwärmung verantwortlich. Forschende suchen daher seit Langem nach einem eleganten und effektiven Weg, um die CO2-Konzentration in der Luft zu senken und den Kohlenstoff dauerhaft zu speichern. Ohne diese Bemühungen würden die Klimaziele der Weltgemeinschaft wahrscheinlich verfehlt und sich unser Planet weiter erhitzen.

Bisherige Verfahren für dieses sogenannte CO2-Capture benötigen dafür jedoch oft hohe Temperaturen, hohen Druck und insgesamt viel Energie. Sie sind zudem meist wenig effizient und noch nicht in großem Maßstab anwendbar. Auch die Bindung und Speicherung des Kohlenstoffs durch CCS-Technologien ist bislang noch nicht ausgereift.

Neues Tandem-Verfahren umgeht bisherige Hürden

Eine Forschungsgruppe um Zhenhua Xie von der Brookhaven National Laboratory des US-Energieministeriums und der Columbia University in New York hat nun erfolgreich einen anderen Ansatz getestet ...

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Atombombe (Broken Arrow)17. Januar 1966 (Broken ArrowPalomares, USA

Die nukleare Kette

Palomares, Spanien

Absturz eines Atomwaffenflugzeugs

Im Januar 1966 schlugen vier Wasserstoffbomben in der Nähe der spanischen Stadt Palomares auf, nachdem eine B-52 der US-Luftwaffe in der Luft mit einem anderen Flugzeug zusammengestoßen war. Der nichtatomare Sprengstoff zweier Bomben detonierte und führte zur großflächigen Verbreitung von radioaktivem Niederschlag. Auch 40 Jahre nach dem Unglück findet man radioaktiv verseuchte Böden in der Nähe der Absturzstelle ...

Wikipedia

Nuklearunfall von Palomares

Bei einer Luftbetankung über der spanischen Mittelmeerküste kollidierte ein mit Wasserstoffbomben vom Typ B28RI bestückter B-52G-Bomber der 68th Bomb Wing, der im Rahmen der Operation Chrome Dome von der Seymour Johnson Air Force Base in North Carolina in den USA kam, mit einem KC-135-Tankflugzeug der US Air Force in 9000 Metern Höhe. Es kam zu einer Explosion, wobei die gut 150.000 Liter Treibstoff an Bord des Betankungsflugzeugs in Flammen aufgingen und beide Flugzeuge abstürzten. Alle vier Besatzungsmitglieder des Betankungsflugzeugs starben. Fünf Mitglieder der siebenköpfigen Bomberbesatzung konnten mit dem Schleudersitz aus dem Flugzeug aussteigen, allerdings öffnete sich bei einem der Fallschirm nicht, sodass insgesamt sieben der elf Soldaten starben.

[...] Die Sicherheitsvorkehrungen verhinderten eine thermonukleare Explosion, doch die hochexplosiven konventionellen Sprengladungen in zwei der Bomben detonierten und kontaminierten durch die radioaktiven Bestandteile der Sprengköpfe ca. 170 Hektar Agrarland.

Die chemische Zusammensetzung des Waffenplutoniums wurde von Francos Regierungsapparat im Auftrag der USA strikt geheim gehalten. Es ist nie bekannt geworden, wie viel Waffenplutonium sichergestellt werden konnte. Schätzungen zufolge sind rund 3.000 Gramm Plutonium-239 als feiner Staub freigesetzt worden. Das andalusische Dorf Palomares wurde nicht evakuiert und es wurde darauf verzichtet, es zu reinigen. Am 2. Februar 1966 einigten sich die Repräsentanten der amerikanischen und spanischen Atombehörden lediglich auf ein beschränktes Dekontaminierungsprogramm.

In einer Aktion wurden ca. 1400 Tonnen Erdboden radioaktiv kontaminierter Tomatenplantagen abgetragen und mit dem Schiff USNS Boyce nach Aiken, South Carolina auf das Gelände der Savannah River Site zur Entsorgung gebracht ...

 


16. Januar


 

Waffentechnik | Dual Use | Exportkontrolle

Westliche Technik in Waffen

Russische Marschflugkörper mit TÜV-Siegel

Beinahe täglich greift Russland die Ukraine mit Raketen und Drohnen an. Darin findet sich auch Elektronik aus dem Westen. Wie kann das sein - trotz geltender Sanktionen?

Es sind brisante Funde, die Andrii Rudyk vom ukrainischen Generalstab mitgebracht hat. Seine Einheit analysiert die Überreste russischer Waffen und vor allem deren ausländische Bauteile. Er präsentiert Teile des Bordcomputers eines russischen Marschflugkörpers KH101, der in der Ukraine bereits häufig für Tod und Zerstörung gesorgt hat. Darin befinden sich mehrere kastenförmige, weiße Spannungswandler. "Made in the USA", steht darauf, auch ein TÜV-Logo ist zu sehen. "Dieser Bordcomputer kontrolliert den Flug des Marschflugkörpers", erklärt Rudyk. "Damit wird er zu einer Hochpräzisionswaffe."

Russland, so Rudyk, sei in hohem Maße auf ausländische High-Tech-Komponenten angewiesen, da das Land nicht in der Lage sei, diese selbst herzustellen. Mehr als 70 Prozent der untersuchten Bauteile kommen nach seiner Aussage aus dem Ausland: beispielsweise Mikrochips, Prozessoren, Kameras, Antennen oder moderne Navigationstechnik. "Alles, was mit Hochpräzisionstechnologie zu tun hat, ist vollständig importiert", sagt der Mitarbeiter des ukrainischen Generalstabs ...

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Landwirtschaft | Höfesterben

Strukturwandel in der Landwirtschaft:

Weniger, aber größere Höfe

Tausende Bauern geben jedes Jahr auf. Agrarminister Özdemir erhält für die Tierwohlabgabe Unterstützung von seiner konservativen Amtsvorgängerin.

BERLIN taz | Der Wandel in der Landwirtschaft hin zu weniger und dafür größeren Betrieben hält an, hat sich aber verlangsamt. Das geht aus der Agrarstrukturerhebung 2023 des Statistischen Bundesamt hervor. Danach ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in den vergangenen drei Jahren um 7.800 auf jetzt 255.000 gesunken. Das entspricht 2.600 Höfen pro Jahr.

Gleichzeitig ist die von den Unternehmen genutzte Fläche um im Schnitt 2 Hektar auf 63 Hektar gestiegen, teilte das Bundesamt am Dienstag mit. 2013 bis 2020 gaben jährlich 3.200 Betriebe auf, von 2010 bis 2013 waren es 4.700 pro Jahr gewesen. Die landwirtschaftlich genutzte Fläche ist mit 16,6 Millionen Hektar seit 2010 nahezu gleich geblieben. Davon wird immer mehr ökologisch beackert. Im Vergleich zu 2020 stieg der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche um 16 Prozent auf rund 1,85 Millionen Hektar. Die Zahl der Höfe mit Bio­anbau ist seit 2020 um 10 Prozent auf 28.700 gestiegen, ihr Anteil liegt bei 11 Prozent ...

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Klimawandel | Temperatur | Gesundheit

Bedrückende Prognose bis 2050

Davos-Bericht sagt Millionen Tote durch Klimawandel voraus

Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, tropische Stürme, Waldbrände und steigender Meeresspiegel: Wie wirken sich diese Folgen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen weltweit aus? Das Weltwirtschaftsforum in Davos wagt ein Szenario anhand eines Reports, der nun vorgelegt wird.

Durch den Klimawandel drohen in den kommenden Jahrzehnten einem Bericht zufolge mehrere Millionen Todesfälle, außerdem schwere Krankheiten und hohe Kosten für die Gesundheitssysteme. Das größte Risiko geht dabei von Überschwemmungen aus. Zu diesem Schluss kommt der Report "Folgen des Klimawandels für die globale Gesundheit" des Weltwirtschaftsforums und des Beratungsunternehmens Oliver Wyman, der an diesem Dienstag in Davos vorgelegt wird.

Die Studienautoren betrachten sechs zentrale Klimawandel-Folgen: Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, tropische Stürme, Waldbrände und einen steigenden Meeresspiegel. Zugrunde liegt das mittlere Szenario des Weltklimarats (IPCC) zum Temperaturanstieg bis zum Jahr 2100. Angenommen wird dabei unter anderem ein Anstieg der Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad Celsius ...

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Großbritannien | EDF | Akw Torness 

AKW-Ausfall Torness

In Großbritannien liefern sechs von neun Atomkraftwerken keinen Strom

London - In Großbrianntien fallen im Januar 2024 immer mehr Atomkraftwerke aus und liefern keinen Strom. Jetzt ist mit der Abschaltung von Torness 1 mit einer Bruttoleistung von 682 MW ein weiteres Kernkraftwerk vom Netz genommen worden. Von den noch neun in Betrieb befindlichen britischen Atomkraftwerken (Bruttoleistung 6.500 MW) sind damit nur noch drei Kernkraftwerke mit einer Bruttoleistung von rd. 2.500 MW in Betrieb. Der AKW-Ausfall summiert sich auf sechs Atomkraftwerke mit rd. 4.000 MW (4 GW) Leistung, die derzeit keinen Strom produzieren.

Die britische Atomflotte ist nach einer Serie von AKW-Stilllegungen in den vergangenen Jahren von ehemals in der Spitze rd. 13.000 MW (Mitte der 1990iger Jahre) auf aktuell nur noch 6.500 MW (9 Kernkraftwerke an vier Standorten) geschrumpft.

[...] Nach den bisherigen Planungen soll das Atomkraftwerk Hinkley Point C mit Block C1 am 01. Juni 2027 der Block C2 am 01. Juni 2028 am Netz sein. Doch vieles deutet darauf hin, dass dieser bereits verschobene Zeitplan auch nicht eingehalten werden kann und die Fertigstellung bis zum Ende des Jahrzehnts oder darüber hinaus hinziehen kann ... 

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Venezuela | ÖlExxonMobil | Guyana 

Die fossilen US-"Tentakel": ExxonMobil will einen Krieg in Lateinamerika starten

Öl-Gigant versucht, Keil zwischen Venezuela und Guyana zu treiben. Es geht um riesige Ölfunde in umstrittenen Gewässern. Und einen Rachefeldzug. Gastbeitrag.

Am 3. Dezember 2023 stimmte eine große Zahl von registrierten Wählern in Venezuela in einem Referendum über die mit dem benachbarten Guyana umstrittene Region Essequibo ab. Fast alle Abstimmenden beantworteten die fünf Fragen mit Ja.

Mit diesen Fragen wurde das venezolanische Volk aufgefordert, die Souveränität seines Landes über Essequibo zu bestätigen. "Heute", so der venezolanische Präsident Nicolas Maduro, "gibt es keine Gewinner oder Verlierer". Der einzige Gewinner sei die Souveränität Venezuelas. Der Hauptverlierer, so Maduro, sei ExxonMobil.

Im Jahr 2022 machte ExxonMobil einen Gewinn von 55,7 Milliarden Dollar und ist damit einer der reichsten und mächtigsten Ölkonzerne der Welt. Unternehmen wie ExxonMobil üben eine übermäßige Macht über die Weltwirtschaft und über Länder mit Ölreserven aus ...

 


15. Januar


 

Volksverhetzungwehrhafte Demokratie | Strafanzeige

Geheimtreffen in Potsdam

Linkenabgeordneter zeigt Martin Sellner wegen Volksverhetzung an

Bei einem Geheimtreffen rechter Netzwerker soll der österreichische Extremist Martin Sellner davon gesprochen haben, Menschengruppen aus Deutschland zu deportieren. Ein Linkenpolitiker sieht eine Straftat darin.

Der Linkenabgeordnete Pascal Meiser hat Strafanzeige gegen den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner wegen Volksverhetzung gestellt. Hintergrund ist ein Geheimtreffen rechter Netzwerker im Jahr 2023 in Potsdam. Die Anzeige liegt dem SPIEGEL vor.

Vor Politikern der AfD und anderen Gästen soll Sellner einen Plan für eine groß angelegte »Remigration« präsentiert haben – die massenhafte Abschiebung oder Verdrängung von Zuwanderern und Menschen mit Migrationshintergrund aus Deutschland. Dabei soll es sich um Asylbewerberinnen und Asylbewerber, ausländische Staatsangehörige mit Bleiberecht und »nicht assimilierte Staatsbürger« handeln.

[...] Wegen des Verdachts der Beihilfe zur Volksverhetzung hat Meiser auch Strafanzeige gegen Gernot Mörig gestellt. Mörig soll Organisator der Veranstaltung gewesen sein. »Die Rede von Martin Sellner war von Gernot Mörig in seinem Einladungsschreiben als »Gesamtkonzept, im Sinne eines Masterplans« angekündigt worden«, schreibt Meiser. Auf der Veranstaltung soll Möring Sellners Rede mit den Worten anmoderiert haben, bei der Frage der »Remigration« gehe es um die Frage, »ob wir als Volk im Abendland noch überleben oder nicht«. »Es ist also anzunehmen, dass Mörig mit Sellners Thesen bereits vor der Veranstaltung vertraut« war, schreibt Meiser in seiner Anzeige ...

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GuatemalaDemokratie

Machtwechsel in Guatemala:

Gegen die alten Kräfte des Landes

Deutlich verspätet leistete Guatemalas neuer Präsident Bernardo Arévalo in der Nacht seinen Amtseid. Schuld war die Opposition im Parlament.

GUATEMALA-STADT taz | Deutlich verspätet leistete Guatemalas neuer Präsident Bernardo Arévalo erst in der Nacht zum Montag kurz nach Mitternacht seinen Amtseid als neuer Präsident Guatemalas. Hartnäckig hatte die Opposition der Party zur Erneuerung der Demokratie den Stecker ziehen wollen – vergeblich.

Wie knapp es war, daraus machte Arévalo in seiner Antrittsrede keinen Hehl. Haarscharf sei das Land an einem neuen Autoritarismus vorbeigeschrammt, und zu verdanken sei das der Einigkeit, lobte der 65-Jährige vor rund 1.000 geladenen Gästen im Nationaltheater der Hauptstadt.

Der Dank des neuen Präsidenten, dessen Antrittsrede auf dem zentralen Platz der Hauptstadt trotz der späten Stunde von Tausenden bejubelt wurde, ging aber auch an die befreundeten Nationen und die indigenen Autoritäten. Letztere hatten mit massiven Protesten über 105 Tage die Reste der Demokratie in Guatemala genauso verteidigt, wie die internationale Gemeinschaft vehement auf die Vereidigung des gewählten Präsidenten gedrängt hatte. Das wurde auf dem „Platz der Verfassung“, dem zentralen Ort in Guatemalas Hauptstadt, von Tausenden mit vehementem Jubel quittiert ...

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Vereinigte StaatenKapitalEinkommen

Klassenkampf von oben in den USA

Die 700 reichsten US-Bürger haben 8,5 Billionen Dollar Kapitalgewinne angehäuft. Diese sollen nun besteuert werden.

Nach aktuellen Schätzungen zahlen die Milliardäre in den USA bloss 4,8 Prozent Einkommenssteuern. Eigentlich müsste dieser Satz sehr nahe beim maximalen Steuersatz von 37 Prozent liegen. Dass dies nicht so ist, hat zwei Gründe. Zum einen haben die Milliardäre genug Geld, um sich Senatoren und Abgeordnete zu kaufen. Vor allem die Republikaner haben in den letzten Jahren viele Steuerschlupflöcher für die Superreichen geschaffen. Nicht zuletzt deshalb ist dadurch die Summe der nicht versteuerten Kapitalgewinne der rund 700 US-Milliardäre von 3200 auf 8500 Milliarden Dollar gestiegen.

Damit sind wir beim zweiten Grund: In dieser Vermögenskategorie fallen die meisten Einkommen nicht durch Löhne und auch nicht durch Zinsen und Dividenden an, sondern durch Kapitalgewinne. Und die sind auch in fast allen anderen Ländern steuerfrei ...

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BauernSubventionenAgrarlobby

Agrar-Subventionen

Die Bauern-Tricks beim Klimaschutz

Im Umfeld der Proteste pflegen die Landwirte auch ihr Image als Umwelt- und Klimaschützer und verlangen Unterstützung dafür. Tatsächlich aber hat der Agrarsektor durch Buchungs- und andere Tricks seine gesetzliche Vorgabe beim Klimaschutz für 2030 schon so gut wie in der Tasche.

[...] Die Bauern, ob jung oder alt, müssen gar nicht mehr klimakonform werden, damit die Landwirtschaft ihr gesetzliches Klimaziel für 2030 erfüllt. Für Letzteres hat die Agrarlobby längst gesorgt.

Das untermauert die jüngste Schätzung der Agraremissionen durch Agora Energiewende. Laut der Anfang Januar präsentierten vorläufigen Jahresbilanz emittierte die Landwirtschaft 2023 knapp 61 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente und damit eine Million Tonnen weniger als im Vorjahr.

Die Verringerung resultiere vornehmlich aus Rückgängen bei der Zahl der Nutztiere und der Stickstoffdüngung, hat der Thinktank ermittelt.

[...] Verbrennt ein Traktor Diesel, ist das keine energiebedingte, sondern eine agrarbedingte Emission. Durch diese Sonderregelung erhielt der Agrarsektor im Klimagesetz bis zu sieben Millionen Tonnen an Emissionen zusätzlich zugeteilt ...

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VertrauenMarktwirtschaftDavos

Ohne Vertrauen fährt die Welt zur Hölle

Das diesjährige World Economic Forum in Davos startet heute. Es steht unter dem Motto »Rebuilding Trust«. Klingt gut. Reden wir über Vertrauen. Und darüber, wie es verloren ging.

Niemand kann alles und jeden kontrollieren. Ohne Vertrauen fährt die Welt zur Hölle. Das wissen auch die globalen Eliten, die sich Mitte Januar wieder am WEF in Davos treffen.

Wofür stehen diese Eliten, deren Ruf in weiten Teilen der Bevölkerung nach etlichen Krisen reichlich gelitten hat? Die WEF-Eliten verstehen sich als Hüter der liberalen Gesellschafts- und Weltordnung. Seit dem Zerfall der Sowjetunion ist man sich im Westen einig, dass der Liberalismus alternativlos ist. Die historischen Ereignisse des späten 20. Jahrhunderts legten diese Schlussfolgerung durchaus nahe. Offensichtlich konnte sich die kommunistische Planwirtschaft im jahrzehntelangen Wettbewerb mit der kapitalistischen Marktwirtschaft nicht durchsetzen. Die freie Marktwirtschaft ist alles andere als perfekt, aber ihr Überleben gab dem Westen recht.

[...] Der Liberalismus war eigentlich eine gute Sache …

Die doppelte Pervertierung

… doch dann ereigneten sich zwei Katastrophen:

  • Katastrophe 1: Der Liberalismus wurde durch den angelsächsischen Neoliberalismus ersetzt (Reagan, Thatcher). War früher die freie Marktwirtschaft im Sozialstaat eingebettet, ist heute der Sozialstaat in der freien Marktwirtschaft eingebettet. Will heißen: Die Staaten richten sich nach den Bedürfnissen des globalisierten Kapitals.
  • Katastrophe 2: Die liberale Weltordnung wurde nach 9/11 durch die neokonservative Weltordnung der USA ersetzt (George W. Bush). Will heißen: Wer nicht mit den USA kooperiert, muss mit Sanktionen und Schlimmerem rechnen. Die EU vertritt Washingtons Interessen im europäischen Binnenmarkt, der nach immer mehr Territorium giert.

[...] Gerüchten zufolge sind auch Eliten lernfähig ...

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ChinaSolarenergieWindenergie

Chinas Solarexplosion: Wie das Land den Westen bei Erneuerbaren abhängt

Die Volksrepublik führt den weltweiten Ausbau der Solarenergie mit großem Abstand an. Auch bei der Windenergie gibt es einen Sprung nach vorn. Die Steigerung ist erstaunlich.

Im vergangenen Jahr hat weltweit der Ausbau von Wind- und vor allem Solarenergieanlagen einen gewaltigen Sprung gemacht. Der Zuwachs stieg um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris berichtet. Das sei eine größere Zunahme als je zuvor in den letzten drei Jahrzehnten.

Enorme 374,9 Gigawatt zusätzlich

Demnach wurden 2023 Solaranlage mit einer Leistung 374,9 Gigawatt (GW) installiert. Das ist rund das Zweieinhalbfache des gesamten deutschen Bestandes. Dieser ist im Übrigen im vergangenen Jahr ebenfalls so stark gewachsen wie nie zuvor, und zwar um 13,1 GW auf 80,7 GW, wie die Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme zeigen ...

 


14. Januar


 

Castor-Transporte aus Jülich ins Atommüll-Zwischenlager Ahaus sind nicht willkommen

Demo gegen Atommüll-Transporte in Ahaus

Es ist ein Vorgeschmack auf die Proteste, die beim "Go!" für die geplanten Castor-Transporte von Jülich ins Atommüll-Zwischenlager Ahaus zu erwarten wären. Ein Bündnis von Atom-Gegnern hat am Sonntag im Münsterland mobil gemacht.

Rund 50 Traktoren fahren am Sonntag laut hupend durch Ahaus. Heute geht es aber nicht um Agrar-Beschlüsse. Das Ziel der Landwirte ist die Anti-Atom-Kundgebung. "Wir fürchten, dass in diesem Jahr die Genehmigung für die Castor-Transporte erteilt wird", sagt Felix Ruwe, Mitorganisator der Demo.

Landwirte, Anti-Atom-Initiativen, Umweltverbände und Vertreter von Kirchen und der Stadt Ahaus stehen Seite an Seite. Rund 300 Menschen sind gekommen. Sie alle wollen verhindern, dass mehr als 150 Castor-Behälter mit Atommüll aus Jülich per Lkw ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden.

Bürgermeisterin von Ahaus: Transporte "teuer und gefährlich"

Die Bürgermeisterin der Stadt, Karola Voß, sagt: "Ich denke, es ist jetzt an der Zeit zu entscheiden, dass solcher Atommüll an den Standorten bleibt, bis man eine endgültige Lösung hat." ...

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EuropaMilitärRüstung

Explosives Wachstum: Europas Militärausgaben im Aufwärtstrend

EU-Militärbudgets auf dem Prüfstand: Erfahren Sie mehr über die kontroversen Entscheidungen in der europäischen Rüstungspolitik. 

Die Militärausgaben der europäischen Länder eilen derzeit von Rekord zu Rekord. Nach Angaben der Nato kletterten die Budgets der europäischen Nato-Länder von 236 Milliarden Dollar im Jahr 2015 auf 375 Milliarden im Jahr 2023 steil nach oben.

EU-Rüstungsfonds: Neue Wege in der Verteidigungspolitik 

Auch über die Europäische Union werden in den letzten Jahren immer relevantere Beträge generiert – EFF, EVF, ASAP, EDIRPA, das sind die wichtigsten Bestandteile der Buchstabensuppe, die für diverse Finanzierungstöpfe steht, die in jüngster Zeit auf die Schiene gesetzt wurden.

Die EU-Kommission und ihre Verteidigungsstrategie 

Am 27. Februar will die EU-Kommission mit einer Verteidigungsinvestitionsstrategie einen weiteren Baustein hinzufügen. Ein Element davon könnte ein EU-Rüstungstopf in dreistelliger Milliardenhöhe sein, wie er nun von Industriekommissar Thierry Breton gefordert wurde ...

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wehrhafte DemokratieAfD-VerbotVerfassungsfeind | Höckler

Diskussion um AfD-Verbotsverfahren

Prantl: „Zeit, die Instrumente der wehrhaften Demokratie auszupacken“

Nach den Enthüllungen über ein rechtsextremes Treffen in Potsdam wird weiter kontrovers über ein Verbotsverfahren gegen die AfD diskutiert. Der Publizist und Jurist Heribert Prantl sagte im Deutschlandfunk, die Regierung müsse jetzt handeln. Anstelle eines Parteiverbots schlägt Prantl die Anwendung von Artikel 18 des Grundgesetzes vor.

Durch das Grundgesetz gebe es die Möglichkeit, kämpferische Verfassungsfeindlichkeit besonders extremer AfD-Mitglieder dadurch zu ahnden, dass ihnen die Wählbarkeit aberkannt werde. Prantl betonte, dieser Schritt sei schneller umsetzbar als ein Parteiverbot und dennoch ein klares Zeichen für die Demokratie. Er schlug vor, unter anderem den Thüringer AfD-Landeschef Höcke mit den Mitteln von Artikel 18 rechtlich in die Schranken zu weisen ...

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FörderungCO2-Preis | Klimageld

Trotz Forderung von Ökonomen

Lindner: Klimageld kommt nicht mehr in dieser Wahlperiode

In ihrem Koalitionsvertrag kündigen die Ampel-Parteien ein Klimageld an. Doch erst dauert die technische Umsetzung für eine Auszahlung etliche Jahre und soll erst 2025 möglich sein. Nun stellt Lindner klar: Über das Klimageld muss bei der nächsten Bundestagswahl entschieden werden.

Bundesfinanzminister Christian Lindner will erst in der nächsten Legislaturperiode über die Auszahlung eines von der Ampel-Koalition geplanten Klimageldes entscheiden. "Ab 2025 können wir technisch eine Pro-Kopf-Auszahlung vornehmen", sagte der FDP-Chef der "Neuen Osnabrücker Zeitung" mit Blick auf die technischen Voraussetzungen. "Damit liegen wir im Plan. Ob wir die Förderlandschaft in diese Richtung politisch umbauen, das wird nach der nächsten Wahl zu entscheiden sein."

Die Idee des Klimagelds sei, den Menschen die Einnahmen aus dem CO2-Preis pro Kopf zurückzuüberweisen, sagte Lindner. "Gegenwärtig werden die Einnahmen aber genutzt für die Förderung von Heizungen, Gebäudesanierung, grüner Stahlproduktion, Ladesäulen für E-Autos und so weiter." Der FDP-Chef ergänzte: "Kurz gesagt, weil ein Haushalt eine Wärmepumpe gefördert bekommt, können in dem Jahr einige hundert andere kein Klimageld ausbezahlt bekommen."

"Man kann das Geld nicht zweimal ausgeben", betonte der Finanzminister. "Das Klimageld würde also die Förderungen, die wir jetzt haben, ersetzen." Über einen solchen Systemwechsel könne aus seiner Sicht erst nach der nächsten Bundestagswahl entschieden werden ...

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ChinaTaiwan

Reaktionen zur Wahl

China empört über Japans Glückwünsche für Taiwans gewählten Präsidenten

Für China ist die Wahl von William Lai ein Rückschlag. »Ausländische Einmischung« in der Taiwanfrage lehnt Peking ab. Das Auswärtige Amt hebt derweil die Stärke der taiwanischen Demokratie hervor – ohne China direkt zu verprellen.

Nach dem Wahlsieg von William Lai in Taiwan hat sich die chinesische Botschaft in Japan am Sonntag über die Glückwünsche Japans an Taiwans neuen Präsidenten empört gezeigt. Wie die Botschaft mitteilte, sprach man sich entschieden gegen die Erklärung der japanischen Außenministerin Yoko Kamikawa aus, die William Lai zuvor in einer Mitteilung gratulierte und erklärte: »Wir erwarten, dass die Taiwanfrage durch einen Dialog friedlich gelöst wird und so zu Frieden und Stabilität in der Region beiträgt.« Die chinesische Botschaft bezeichnete die Äußerung der Ministerin als »ernsthafte Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas«, wie die Behörde über ihr offizielles Konto beim chinesischen Chat-Dienst »WeChat« mitteilte.

[...] Peking brach 2016 den Kontakt zu Taipeh ab. Die Kommunistische Partei argumentiert historisch, dass Taiwan zu China gehört, obwohl sie die Insel bislang nie regierte und dort seit Jahrzehnten eine unabhängige, demokratisch gewählte Regierung sitzt. China will eine »Wiedervereinigung« und diese notfalls militärisch herbeiführen. Ein Krieg in der für die internationale Schifffahrt wichtigen Taiwanstraße würde jedoch den Welthandel sehr hart treffen und könnte die USA involvieren. Dementsprechend reagierte die KP wenig begeistert auf die Wahl. »Egal wie sich die Situation auf der Insel Taiwan verändert, kann sich die grundlegende Tatsache, dass es nur ein China auf der Welt gibt und dass Taiwan ein Teil Chinas ist, nicht ändern«, teilte die Regierung in Peking in der Nacht zum Sonntag mit.

In Taiwan konterte die dortige Behörde für Angelegenheiten mit China, Peking solle das Wahlergebnis respektieren und »sich vernünftig der neuen Lage in der Taiwanstraße stellen«. China solle mit Taiwan ohne Vorbedingungen kommunizieren, um Stabilität in der Region zu schaffen ...

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FaschistGrundrechte | Die Petition

Fast 500.000 Unterschriften

Petition fordert Entzug der Grundrechte von Björn Höcke

Wenn es nach der Meinung von fast 500.000 Unterzeichnenden einer Petition geht, sollen Björn Höcke die Grundrechte entzogen werden. Im Zentrum der Idee steht seine Kandidatur bei den Landtags­wahlen in Thüringen.

Dem Thüringer AfD-Politiker Björn Höcke sollen die Grundrechte entzogen werden. Das fordert eine Petition, die bereits von fast 500.000 Menschen unterzeichnet wurde. „Stoppen Sie den Faschisten Björn Höcke: Veranlassen Sie, dass die Bundes­regierung beim Bundes­verfassungs­gericht einen Antrag auf Grundrechts­verwirkung nach Artikel 18 Grundgesetz stellt.“ Das fordert eine Petition, die der Physiker Indra Ghosh vor zwei Monaten auf der Petitions­plattform des Kampagnen­netzwerks Campact veröffentlichte ...

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Brennelementefabrik Lingen | Unterschriften | Rosatom

Am Samstag, 20. Januar, geht es um 13 Uhr weiter mit einer Kundgebung vor der Brennelementefabrik Lingen! Ab Bahnhof Lingen starten um 12:30 Uhr eine Raddemo und ein Shuttle-Bus für Bahnreisende.
Für den Shuttle-Bus bitte vorab kurz eine Mail an das Bündnis AgiEL schicken: buendnis.agiel@posteo.de

Gemeinsam wollen wir den Ausbau der Brennelementefabrik und den Einstieg des Kreml-Konzerns Rosatom verhindern.

Sammeleinwendungen gegen Rosatom-Einstieg

Deshalb rufen wir auch nochmals auf, sich am derzeit laufenden Einwendungsverfahren zu beteiligen und bis zum 26. Februar Unterschriften für unsere Sammeleinwendungen zu sammeln:

https://atomstadt-lingen.de/files/Sammeleinwendung-Brennelementfabrik-Lingen.pdf

Weitere Infos zur Demo und zur Brennelementefabrik: https://atomstadt-lingen.de/aktuelles, www.ausgestrahlt.de

Anfahrt aus Münster: Zug RE5 um 11:05 Uhr ab Hbf MS

 


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Klimakrise | KonsequenzenNormenPsycho

Ausgebremst von Normkonflikten

Psychologische Erklärungen fürs Nichtstun: Warum viele die Klimakrise scheinbar kalt lässt

Trotz alarmierender Schlagzeilen und einem wachsendem Klimabewusstsein in der Bevölkerung reagieren wir auf die Klimakrise nur träge oder gar nicht: Das liegt nicht zuletzt auch an psychologischen Barrieren: Was uns hemmt, und wie wir in Wallung kommen.

Rekordwerte für Treibhausgase in der Atmosphäre, bedrückende Prognosen zur Erderwärmung und immer neue Berichte über Hitzewellen, Dürren und Extremwetterereignisse: Der Klimawandel drückt sich schon seit einiger Zeit vor allem in Schreckensmeldungen aus. Dennoch scheinen sowohl Politik als auch jeder und jede Einzelne nur schwer ins Handeln zu kommen. Tatsächlich spielen für unsere Untätigkeit auch psychologische Prozesse eine Rolle.

Im Frühjahr 2023 zeigte eine Studie im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe, dass der Verkehrssektor in Deutschland weiterhin die Klimaziele verfehlt, für den Gebäudebereich bescheinigte der Expertenrat für Klimafragen der Bundesregierung zu wenig Ehrgeiz, und das Umweltbundesamt mahnte allerhöchste Eile beim Ausbau der Erneuerbaren Energien an, um die Klimaziele der kommenden Jahre zu erreichen. Gleichzeitig vermeldete das Luftfahrt-Tracking-Unternehmen Flightradar24, dass am 6. Juli 2023 so viele kommerzielle Flugzeuge in der Luft gewesen seien wie noch nie seit Start des Dienstes im Jahr 2006, während das Statistische Bundesamt im September vergangenen Jahres von einem Rekordwert der Zahl der Pkw je Einwohner in Deutschland für 2022 berichtete.

Gefühl der Hilflosigkeit

Politisch wie individuell wirkt unsere Reaktion auf die Klimakrise im besten Fall schwerfällig – und das, obwohl der Klimawandel vielen Menschen Angst macht und ihnen der Schutz des Klimas wichtig ist, wie Umfragen regelmäßig zeigen. Auch Gerhard Reese, Professor für Umweltpsychologie an der rheinland-pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, sagt: „In den vergangenen Jahrzehnten ist das Klimabewusstsein auf ein sehr hohes Niveau gestiegen.“ Es gebe zwar eine kleine Gruppe von Menschen, die sowohl die eigene Verantwortung als auch den Klimawandel an sich leugneten. Dies sei aber wahrscheinlich nicht die Mehrheit, sondern eine oft sehr laute Minderheit.

„Vielen ist also bewusst, was da passiert, und trotzdem fällt es uns schwer, das mit unserem eigenen Handeln zu verknüpfen“, führt Reese aus. Dadurch, dass es sich um eine globale Krise handele, entstehe ein Gefühl der Hilflosigkeit: „Ich mit meiner eigenen Selbstwirksamkeit als Einzelner kann die Klimakrise ja nicht aufhalten.“

Hinzu kommt, dass der Klimawandel und seine Konsequenzen für viele Menschen immer noch schwer greifbar sind, erklärt Isabella Uhl-Hädicke, Umweltpsychologin an der Universität Salzburg: „Wir reden über 1,5 oder zwei Grad: Das ist nichts, was uns emotional berührt. Natürlich geht es dabei um globale Temperaturunterschiede, aber salopp gesagt spüre ich ein halbes Grad Unterschied im Raum nicht.“ Zudem werde sehr theoretisch, kognitiv und rational darüber gesprochen: „Dinge müssen uns aber emotional berühren, damit wir ins Handeln kommen.“

Von positiven Gewohnheiten verabschieden

Ein Aspekt, den auch Reese aufgreift: „Klimakrise oder Klimawandel sind für uns sehr abstrakt.“ Events wie Dürren würden zwar wahrgenommen und von vielen Menschen auch mit der Klimakrise in Verbindung gebracht. „Wobei wir wissenschaftlich gar nicht sagen können: Dieses eine Event liegt zu 100 Prozent am Klimawandel. Derartige Attributionen sind auch mit Unsicherheiten verbunden, und diese Unsicherheit ist einer der Aspekte, die es uns als Bürgerinnen und Bürgern, aber auch der Politik schwer macht“, führt Reese aus.

Wie Uhl-Hädicke erklärt, wird unser Verhalten durch Konsequenzen gesteuert, die wir idealerweise unmittelbar erleben: „Das Problem beim klimafreundlichen Verhalten ist, dass wir vielleicht Verhaltensweisen aufgeben sollen, die wir gern machen, uns wichtig sind und uns positive Emotionen bringen.“ Als Beispiel dafür beschreibt sie eine alltägliche Situation in der Kantine, bei der man sich zwischen einem Fleisch- und einem vegetarischen Gericht entscheiden muss: „Der Punkt ist, dass ich bei der Entscheidung fürs vegetarische Gericht die unmittelbaren Konsequenzen für das Klima nicht spüre, indem etwa die Temperaturen wieder sinken oder die Gletscher wachsen.“

Klimafreundliche Handlungen im Heute würden also erst in fernerer Zukunft Konsequenzen haben: „Das macht es so schwierig: Das unmittelbar positive Erlebnis, das mit dem klimaschädigenden Verhalten einhergehen kann – wie etwa der Griff zum Fleischgericht, das mir schmeckt und Genuss bringt – steht in Konflikt zu dem, was rational gut ist, mir aber vielleicht nicht die positive Bestärkung gibt.“

Klimaschonendes Verhalten ist oft unbequemer

Unser klimaschädliches Verhalten werde allerdings nicht nur von psychologischen oder individuellen Faktoren bestimmt, sondern auch von systemischen Standards, merkt Reese an: „Wenn es überall Straßen gibt, fahren Menschen natürlich Autos. Und wenn das Fliegen billiger ist als Zugfahren, entscheiden sich Menschen für das Flugzeug. Es ist einfach so, dass das klimaschonende Verhalten an den allermeisten Stellen sehr viel schwieriger, zeitaufwendiger und für viele noch ungemütlicher ist.“

Wir reden über 1,5 oder zwei Grad: Das ist nichts, was uns emotional berührt. Natürlich geht es dabei um globale Temperaturunterschiede, aber salopp gesagt spüre ich ein halbes Grad Unterschied im Raum nicht.

Isabella Uhl-Hädicke, Umweltpsychologin an der Universität Salzburg

Uhl-Hädicke verweist auf die Bedeutung sozialer Normen und Verhaltensweisen, die wir in unserem Umfeld beobachten. Um deutlich zu machen, wie stark diese wirken können, erinnert die Klimapsychologin an die sogenannte Rauchstudie, ein Experiment von 1968: Dafür wurden Menschen in einen Raum gesetzt, in den weißer Rauch geleitet wurde. Einem Teil der Teilnehmer war klar, dass der Rauch kein Feuer anzeigt; diese Eingeweihten hatten die Anweisung, sitzen zu bleiben. Doch auch die Nicht-Eingeweihten verharrten im Raum – obwohl der Rauch Signal einer lebensbedrohlichen Situation hätte sein können.

Für Uhl-Hädicke eine gute Analogie zu dem, was gerade in der Klimakrise passiere: „Zum einen sehen wir das Ausbleiben von Konsequenzen, zum anderen aber eben auch, dass wir uns an anderen orientieren. Natürlich lesen wir in den Medien regelmäßig die Schlagzeilen über die katastrophalen Folgen der Klimakrise, aber wenn man sich umschaut, ist niemand so richtig panisch.“ Die ausbleibende Panik im eigenen Umfeld führe zu dem Trugschluss, dass alles nicht so schlimm sein könne.

Das Problem mit dem Normkonflikt

Hinzu kämen sogenannte Normkonflikte: Auf der einen Seite stehe die moralische Norm, auf die wir uns in der Gesellschaft geeinigt hätten und die uns sage, welches Verhalten als erstrebenswert und welches als negativ betrachtet werde. Demgegenüber stehe die beschreibende Norm, „also die Norm, die ich beobachte – das Verhalten, das die Mehrheit zeigt“, so die Klimapsychologin. „Und in einem Normkonflikt zwischen gewünschtem und gezeigtem Verhalten – das zeigt die Forschung – wirkt die deskriptive Norm stärker: zum einen, weil es oft leichter ist, ihr zu folgen, zum anderen aber vor allem, weil wir uns an der Mehrheit orientieren möchten.“

Die Bedeutung sozialer Normen hat für Uhl-Hädicke Folgen für die Kommunikation zur Klimakrise. So würden Schlagzeilen wie „70 Prozent der Männer würden lieber sterben als auf Fleisch zu verzichten“ zeigen, wie sich die Mehrheit verhält – „und daran orientieren wir uns, selbst, wenn ein solches Verhalten an den Pranger gestellt wird“. Daher wäre es sinnvoll, Trendprognosen zu nutzen oder dynamische Normen anzusprechen. „Beim Fleischkonsum könnte also berichtet werden: Die Mehrheit greift noch zu Fleisch, aber immer mehr finden Geschmack an fleischlosen Alternativen. Entsprechende Studien zeigten, dass ein solcher Ansatz wirkt, weil wir auch Teil von Innovationen oder Trends sein wollen“, erläutert Uhl-Hädicke.

Andere Studien machten deutlich, dass die meisten Menschen es als gerecht empfänden, wenn Verursacherinnen oder Verursacher auch die Verantwortung übernähmen, ergänzt Reese. „Das müsste vermutlich stärker kommuniziert werden, denn Menschen ist bewusst, dass sie mit dem Verhalten für etwas verantwortlich sind.“ Konkret könnte das bedeuten, klimaschädigendes Verhalten stärker zu bepreisen.

Neben der Preisgestaltung könnte allerdings auch mit Verboten gearbeitet werden, so Reese: „Verbote sind eigentlich etwas sehr Gerechtes. Wenn ich etwas verbiete, kann ich mich auch nicht mit viel Geld rein- oder rauskaufen.“ Allerdings würden Verbote bei vielen Menschen spontane Abwehr auslösen: „Dennoch können Verbote hilfreich sein, nämlich dann, wenn sie gerecht sind und der Mehrheit sehr viel Gewinn bringen, wie zum Beispiel das Nichtraucher­schutzgesetz oder das Verbot, ohne Gurt Auto zu fahren, zeigen.“ Gerade die Anschnallpflicht mache zudem deutlich, dass politische Maßnahmen der schnellste Hebel seien, um soziale Normen zu verändern, sagt Uhl-Hädicke.

Ein Gefühl von kollektiver Wirksamkeit etablieren

Dass politische Maßnahmen am schnellsten Wirkung zeigten, glaubt auch Reese. Das heiße aber nicht, dass man sich als Einzelner aus der Verantwortung nehmen könne, so Uhl-Hädicke: „Aus psychologischer Sicht schon allein deswegen nicht, weil wir mit Blick auf soziale Normen mit unserem Verhalten eine Vorbildfunktion entfalten und andere motivieren können.“

Sie sieht bei der Kommunikation über die Klimakrise auch die Medien in der Verantwortung: „Eine Vielzahl von Schreckensmeldungen über deren Folgen führen bei den Menschen zu Abwehrmechanismen: Informationen über eine existenzielle Bedrohung lösen dann eine Art Schockstarre oder zumindest ungute Gefühle aus.“ Wichtig wäre daher, positive Beispiele zu berichten: „Wir wissen, dass Horrorszenarien uns hemmen und Mechanismen auslösen, mit denen wir uns von den bedrohlichen Gefühlen lösen, ohne die Ursachen der Szenarien anzugehen. Positive Beispiele motivieren uns hingegen“, führt Uhl-Hädicke aus.

Noch dazu finde die Klimakrise gleichzeitig mit vielen anderen Krisen statt: „Wir Menschen halten nur ein bestimmtes Maß an Krisen aus, insofern ist ein gewisser Grad an Nachrichten­müdigkeit auch verständlich. Aber man kann sich daraus lösen, indem man sich etwa der Bedrohung zuwendet und versucht, etwas zu deren Lösung beizutragen, also konkret: einen klimafreundlichen Lebensstil aufzunehmen.“

Finde eine solche Verhaltensveränderung in einer Gruppe statt, könne ein Gefühl kollektiver Wirksamkeit entstehen, betont Reese: „Wir als Nachbarschaft, wir als Community, wir als Nation oder vielleicht auch wir als ganze Menschheit – auch wenn das utopisch klingen mag – aber wir als Gruppe, wir als Bewegung, wir können etwas verändern.“

 


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Hintergrundwissen

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Die Karte der nuklearen Welt

Erst wenn wir die Gefahr spüren, sehen, hören, riechen oder schmecken ...

Die "Interne Suche"

mit den Suchbegriffen

Klimakrise | KonsequenzenNormenPsycho

brachte u.a. folgende Ergebnisse:
 

12. November 2023 - Gewalt als Konsequenz des Klimawandels: Keine kühlen Köpfe

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4. November 2023 - Gesundheitsexpert:innen fordern Ausstieg aus fossilen Energien

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28. September 2023 - Illegal: Die Wahrheit über das CO2-Budget der Bundesrepublik

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30. Mai 2023 - So diskutierst du mit Menschen, denen die Klimakrise egal ist

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30. Oktober 2022 - Was Macht mit Menschen macht

 


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Psychologie-aktuell

Macht der Gewohnheiten: Vermeidungsverhalten lässt sich leichter ändern als Annäherungsverhalten

Jedes Jahr aufs Neue überlegen sich viele Menschen am Silvesterabend gute Vorsätze für das neue Jahr. Sie nehmen sich vor, mit ihren Gewohnheiten zu brechen, zum Beispiel sich endlich das Smartphone im Schlafzimmer abzugewöhnen oder die Routineuntersuchung beim Zahnarzt nicht wieder von Monat zu Monat aufzuschieben. Aber wie leicht lassen sich solche alten Gewohnheiten verändern? Fällt es uns leichter, ab sofort Dinge zu tun, die wir bisher vermieden haben oder ist es doch eher umgekehrt? Eine aktuell in der Fachzeitschrift "Journal of Experimental Psychology: General" veröffentlichte Studie zeigt: Vermeidungsgewohnheiten sind leichter zu verändern als Annäherungsgewohnheiten!

Gewohnheiten sind schwierig zu ändern. Der automatische Griff nach dem Smartphone auf dem Nachttisch und das automatische Verschieben des Zahnarzttermins von Monat zu Monat sind solche alltäglichen Gewohnheiten. Allerdings besteht zwischen den Beispielen ein wichtiger Unterschied: das Smartphone zu nutzen ist eine Form des Annäherungsverhaltens, denn mit dem Griff zum Smartphone wird aktiv ein positiver Zustand aufgesucht. Den Zahnarzttermin zu verhindern hingegen ist eine Form des Vermeidungsverhaltens: indem man Monat für Monat wieder keinen Termin vereinbart, vermeidet man einen Zustand, den man sich als unangenehm vorstellt ...

 

Wikipedia

Vermeidungsverhalten

Als Vermeidungsverhalten wird das grundsätzliche Vermeiden bestimmter Situationen oder Handlungen, durch die Unannehmlichkeiten oder Bedrohungen für den Körper, die Seele oder die soziale Stellung erwartet werden, bezeichnet. Während Flucht, Erstarren (Bewegungslosigkeit), Auseinandersetzung (Kampf) oder andere Bewältigungsstrategien mögliche Reaktionen auf eine unmittelbare Bedrohung darstellen, ist die Vermeidung eine Reaktion auf innere oder äußere Hinweise, die eine Gefahr ankündigen können. Einige Autoren unterscheiden Vermeidungsverhalten von Sicherheitsverhalten. Sicherheitsverhalten soll gefürchtete Konsequenzen abwenden oder verringern und damit die Bedrohlichkeit einer Situation reduzieren, wenn man bereits in der Situation ist, die man normalerweise vermeidet. Die vorauseilende oder imaginäre Komponente des Vermeidungsverhaltens ist einerseits schützend, andererseits verhindert sie neue Erfahrungen und kann das Leben erheblich einschränken. Da Vermeidung die Erfahrung verhindert, die Situation bewältigen zu können, ist Vermeidungsverhalten extrem stabil. Vermeidungsverhalten ist bei verschiedenen psychischen Störungen von Bedeutung, beispielsweise bei der selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstörung, der passiv-aggressiven Persönlichkeitsstörung und der sozialen Phobie ...

 

Zivilcourage

Bei der Zivilcourage, wörtlich Bürgermut (aus zivil (lateinisch civilis, 1. bürgerlich – nicht militärisch, 2. anständig, annehmbar) und courage (französisch „Mut“)), handelt es sich um einen „Alltagsmut“, wie er nahezu täglich in verschiedenen Formen und Situationen jedem Menschen abverlangt wird. Zivilcourage beinhaltet die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigene Sicherheit und Bequemlichkeit in einer unangenehmen oder auch bedrohlichen Situation zurückzustellen, um sich für eine als gerecht erachtete Sache einzusetzen und entsprechend aktiv zu werden ...

 


YouTube

Suchwort = Vermeidungsverhalten - Angepasstes Verhalten

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Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

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