Newsletter XIV 2026
5. April bis ...
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Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. April 1960 ("Gerboise blanche", Frankreichs 2. Atombombentest) Reggane, DZA
3. April 1960 (INES-4) Akw WTR-2, Waltz Mill, Madison, PA, USA
6. April 1993 (INES-4 NAMS 4,8) Atomfabrik Tomsk 7 Sewersk, RUS
7. April 1989 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-278 "Komsomolez" sank südwestlich der Bäreninsel
9. April 2007 (INES-1 Klass.?) Akw Dampierre, FRA
10. April 2003 (INES-3 NAMS 3,9) Akw Paks, HUN
10. April bis 15. Mai 1967 (Staubstürme) Atomfabrik Majak, UdSSR
10. April 1963 (Atom-U-Boot) U-Boot-Unglücke, SSN-593 "Thresher" sank vor Cape Cod, USA
11. April 1970 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-8 sank im Golf von Biskaya
19. April 2005 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
21. April 1957 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR
25. April 1961 ("Gerboise verte", Frankreichs 4. Atombombentest) Reggane, DZA
25. April 1954 ("Castle Union" H-Bombe mit 6.9 MT) Bikini Atoll, MHL
26. April 1986 (INES-7 NAMS 8) Akw Tschernobyl, UdSSR
28. April 2011 (INES Klass.?) Akw Ascó, ESP
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
11. April
Neue KI wird für Hacker und Terroristen zur Traumwaffe
Neuer KI-Agent kann Stromnetze, Spitäler oder Militäranlagen lahmlegen. Bereits hat er kritische Sicherheitslücken aufgedeckt.
Zurzeit schlägt der neue Agent von Anthropic, «Claude Mythos Preview», hohe Wellen. Im Gegensatz zu einem Chatbot, der auf eine Frage eine Antwort gibt, kann ein KI-Agent ein Ziel selbstständig verfolgen. Er plant, führt aus und liefert dir ein Ergebnis zurück.
Der neue Agent habe bisher unentdeckte Sicherheitslücken in der Software von sicherheitsrelevanten Anlagen gefunden und könne in den falschen Händen zur verheerenden Cyberwaffe werden. Tatsächlich hat sich KI in den letzten Monaten mit exponentieller Geschwindigkeit entwickelt, wie im Folgenden aufgezeigt wird. Die Schlussfolgerungen (Kasten) sind disruptiv – aber es gibt Hoffnung.
Anthropics «Claude Mythos Preview»
Was der Agent «Claude Mythos Preview» wirklich kann, lässt sich nur von den Expertenteams jener rund 40 Tech-Firmen nachprüfen, die exklusiven Zugang zum Agenten erhielten. Auch die Konkurrenten von Anthropic wurden mit der Aktion «Projekt Glasswing» bedient. Es geht um Fragen der nationalen, ja der globalen Sicherheit. Wie die «New York Times» schrieb, seien mit «Mythos» bereits tausende gefährliche und zum Teil langjährige Schwachstellen aufgedeckt worden. Es betreffe dies Betriebssysteme, die weltweit Stromnetze, Wasserversorgungsanlagen, Spitäler und militärische Systeme steuern.
Die US-Tech-Firmen können nun ihre Modelle mit diesem Agenten auf Sicherheitslücken prüfen, in der Hoffnung, diese noch rechtzeitig zu stopfen. Denn derselbe Agent wird für Hacker zur Traumwaffe, um Schwachstellen zu finden und auszunutzen. Das Schadenspotenzial ist riesig. Wichtige Infrastruktursysteme zu hacken, war bisher nur mit Expertenwissen grosser Institutionen möglich. Mit dem Agenten «Mythos» wird dies offensichtlich zu einem Kinderspiel, zugänglich für Kriminelle, Terrororganisationen und auch kleine Staaten, unabhängig von ihrem KI-Knowhow.
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Dukovany-AKW soll bis zu 80 Jahre laufen
Ursprünglich waren 30 Jahre konzipiert!
Diese Woche haben der tschechische Industrieminister Karel Havlícek und der großteils staatliche tschechische Atomstromkonzern CEZ eine so weitreichende wie riskante Weichenstellung bekannt gegeben: Die bestehenden Atomreaktoren in Dukovany sollen nicht wie bisher angenommen rund 60, sondern bis zu 80 Jahre in Betrieb bleiben können.
"Die heutige Ankündigung, über welche CTK berichtete, zeigt vor allem, wie sehr die Atomindustrie auf Laufzeitverlängerungen angewiesen ist, um überhaupt noch relevant zu bleiben. Die Dukovany-Blöcke wurden Mitte der 1980er-Jahre in Betrieb genommen und für eine Laufzeit von 30 Jahren konzipiert. Sie müssten daher längst abgeschaltet sein", hält Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben! fest.
Auch Modernisierungsprogramme ändern nichts an einem zentralen Problem: Es bleiben alte Reaktoren. Besonders kritisch ist dabei der Reaktordruckbehälter. Er ist eine der wichtigsten sicherheitsrelevanten Komponenten, versprödet zunehmend und kann nicht ausgetauscht werden.
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11. April 1970 (Broken Arrow) U-Boot K-8 sank im Golf von Biskaya
Das sowjetische Atom-U-Boot K-8 sank am 11. April 1970 im Golf von Biskaya, 52 Seeleute starben. Seither liegen 2 Atomreaktoren und mehrere Nukleartorpedos in 4300 m Tiefe ...
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
K-8 (U-Boot)
Das K-8 war ein Atom-U-Boot der sowjetischen Marine aus der Zeit des Kalten Krieges. Es war das zweite Atom-U-Boot, dessen Bau die Sowjetunion unter der Bezeichnung Projekt 627A in Auftrag gegeben hatte. Sein Untergang im Jahr 1970 war der erste Verlust der sowjetischen Nuklear-Marine.
[ ...] Untergang 1970
Am 8. April 1970, dem 51. Tag dieses Einsatzes, befand sich das Boot noch auf der Rückfahrt in der Biskaya. Es befand sich in 120 Metern Tiefe und war mit 10 Knoten Fahrt unterwegs, als es an der Sonarstation in Abteilung 3 und einem Steuerstand in Abteilung 7 vermutlich durch Kurzschlüsse fast zeitgleich zu Kabelbränden kam. Der Kommandant ließ K-8 sofort auftauchen. In Abteilung 3 konnte die Besatzung den Brand schnell löschen, musste die Abteilung aber wegen der beim Brand freigesetzten giftigen Dämpfe verlassen. In Abteilung 7 speiste sich das Feuer mittlerweile auch aus den dort verwendeten Schmierölen, sodass es nicht zu löschen war und die Seeleute die Abteilung ebenfalls evakuieren mussten. Nach dem Abschalten der beiden Kernreaktoren dauerte es noch 40 Minuten, bevor der Brand in Abteilung 7 durch den Sauerstoffentzug infolge der Abschottung erstickte.
10. April
Orban versucht es im Wahlkampfendspurt mit Fake News
Es sind nur noch zwei Tage, bis feststeht, wer die Zukunft Ungarns gestalten darf. Auf den letzten Wahlkampfmetern überziehen sich Ministerpräsident Orban und Herausforderer Magyar gegenseitig mit Vorwürfen. Auch Donald Trump mischt fleißig weiter mit.
Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn am Sonntag hat Regierungschef Viktor Orban den Ton gegen die in Umfragen führende Opposition noch einmal drastisch verschärft. Er warf seinen Gegnern in einem Facebook-Post vor, "vor nichts zurückzuschrecken, um die Macht zu ergreifen" und sich mit ausländischen Geheimdiensten zu verschwören. US-Präsident Donald Trump gab ihm derweil abermals Schützenhilfe und rief die Ungarn auf, für den Rechtsnationalisten zu stimmen. Nach 16 Jahren im Amt könnten Orban und seine Fidesz-Partei am Sonntag abgewählt werden.
Über die Opposition schrieb Orban. "Sie kooperieren mit ausländischen Geheimdiensten. (...) Schon jetzt, bevor Ihre Stimmen überhaupt ausgezählt worden wären, organisieren sie Proteste und Unruhen", führte er weiter in seiner Botschaft "an alle Ungarn" aus. "Das ist ein organisierter Versuch, um mit Chaos, Druckausübung und internationaler Diffamierung die Entscheidung der ungarischen Menschen in Zweifel zu ziehen." Beweise für diese Behauptungen legte er nicht vor.
Der ungarische Sicherheitsexperte und ehemalige Geheimdienstoffizier Peter Buda wies in einem Substack-Posting darauf hin, dass die Falschbehauptung, die Opposition würde zusammen mit der Ukraine Unruhen vorbereiten, schon seit einiger Zeit von einschlägigen russischen Social-Media-Kanälen verbreitet werde.
Dabei würden gefälschte Videos produziert, die etwa angebliche ukrainische Soldaten bei der Vorbereitung einer angeblichen Intervention in Ungarn zeigen, schrieb Buda weiter. Mit der Übernahme dieser Verschwörungserzählungen ziele die Orban-Regierung darauf ab, die Bevölkerung "auf eine gewaltsame Provokation einzustimmen", um deren Urheberschaft dann fälschlicherweise der Opposition zuzuschreiben.
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Schafft dieser neue Staaten-Club den Ausstieg aus den fossilen Energien?
Der Irankrieg und die Schließung der Straße von Hormus verursachten den größten Energieschock seit Jahrzehnten. Eine schon länger geplante neue Initiative zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas könnte nun ganz neuen Auftrieb erhalten.
Nach fünf Wochen Krieg ist den Menschen in der Region die wahrscheinlich schlimmste Eskalation gerade noch erspart geblieben. Anfang der Woche hatte Donald Trump Iran mit massiven Kriegsverbrechen gedroht, wenn Teheran seinen Forderungen nicht nachkomme. Am Dienstagabend folgte die spektakuläre Kehrtwende: Der US-Präsident verkündete eine zweiwöchige Waffenruhe. Wie es danach weitergeht und ob die Feuerpause überhaupt so lange hält, ist offen. Am Wochenende wird in Islamabad darüber verhandelt.
Seit Jahrzehnten wurde der Welt ihre Verwundbarkeit durch die Abhängigkeit von fossilen Energien nicht mehr so deutlich vor Augen geführt. Weil Iran die Straße von Hormus sperrte, über die ein Fünftel des weltweiten Öls transportiert wurde, fehlten der gesamten Weltwirtschaft zuletzt rund elf Millionen Barrel Öl pro Tag, rechnete die Internationale Energieagentur (IEA) vor. Selbst wenn die Meerenge für den Schiffsverkehr bald wieder frei befahrbar sein sollte, wäre die Energiekrise keinesfalls vorüber. Es dürfte lange dauern, bis die durch iranische Angriffe verursachten Schäden an Flüssigerdgasanlagen in Katar behoben sind.
Von fossilen Importen abhängige Staaten ziehen aus der aktuellen Lage teils unterschiedliche Schlüsse. Thailand etwa, so berichtet es die »Financial Times«, hat infolge des Irankriegs Kohlekraftwerke hochgefahren, um Energieengpässe auszugleichen, Japan und Südkorea haben demnach aus demselben Grund Beschränkungen für die Kohleverbrennung gelockert, und in Großbritannien wird wieder einmal über die Freigabe für neue Öl- und Gasförderungen in der Nordsee diskutiert . Unter anderem die EU-Kommission, China und Taiwan wollen dagegen jetzt stärker auf die Energiewende setzen (hier lesen Sie eine Übersicht). Was von diesen kurzfristigen Reaktionen auf die Krise bleibt, wenn die Preise für Öl und Gas nach einiger Zeit wieder sinken sollten, ist freilich unklar.
Passus zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas verhindert
Einen deutlich größeren und langfristigen Effekt könnte da ein Plan haben, der ausgerechnet jetzt auf einer Konferenz in Kolumbien konkreter diskutiert wird: Vertreter aus mehr als 40 Ländern treffen sich in zwei Wochen in Santa Marta, um einen Fahrplan für den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energien zu erarbeiten – der erste Gipfel dieser Art überhaupt. Wichtige Staaten wie China, die USA oder Indien gehören offenbar nicht zu den Teilnehmern, dafür mehrere Staaten aus Europa, darunter Deutschland, und unter anderem Australien, Kanada und Mexiko.
Hervorgegangen ist die Gruppe aus dem letzten Klimagipfel im brasilianischen Belém, dort war es mehreren Petrostaaten wie Saudi-Arabien noch gelungen, einen Passus zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in der Abschlusserklärung zu verhindern. Zahlreiche Länder hatten sich daraufhin zu einer eigenen Konferenz zusammengefunden, die nun im April gemeinsam von Kolumbien und den Niederlanden ausgetragen wird.
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Das Nazi-Kartell - Folge 2 - Das Narco-Reich
Im Juli 1980 kommt es in Bolivien zum sogenannten "Kokain-Putsch", es entsteht der erste Narco-Staat der Geschichte. Der NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie zieht im Hintergrund entscheidende Fäden.
Bolivien, 1980. Ein Ex-Nazi und ein Drogenbaron stürzen die Regierung und gründen den ersten Narcostaat der Geschichte. "Das Nazi-Kartell" enthüllt bislang unbekannte Verstrickungen.
Drogen, Kriminalität und Politik
Im Mittelpunkt der dreiteiligen Doku-Serie stehen drei Männer: der berüchtigte NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie, der Geschäftsmann und Drogenhändler Roberto Suarez und der DEA-Undercoveragent Michael Levine, der den Dealern das Handwerk legen will.
Der Kokainhandel ist heute eines der größten und gewaltigsten kriminellen Geschäfte der Welt. Südamerika und vor allem Bolivien und Kolumbien spielen dabei von Anfang an eine Schlüsselrolle. Die Verstrickungen zwischen Drogen, Kriminalität und Politik sind so machtvoll wie undurchsichtig.
Ein Agent, ein Drogenbaron und ein NS-Kriegsverbrecher
Die Geschichte beginnt 1979, als der US-amerikanische DEA-Agent Mike Levine nach Buenos Aires versetzt wird, um den Drogenhandel in Südamerika zu stoppen. Sein Undercover-Plan gegen Roberto Suarez, den "König des Kokains", scheint zunächst aufzugehen.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Anstatt im Gefängnis zu landen, gelingt es dem Suarez-Clan immer erfolgreicher, die Strippen im Land zu ziehen. Im Juli 1980 kommt es in Bolivien zum "Kokainputsch" und infolge dessen zur grausamen Diktatur unter Präsident García Meza.
Welche Rolle spielt der NS-Kriegsverbrecher Klaus Barbie dabei, der unter dem Decknamen Klaus Altmann eng mit Roberto Suarez zusammenarbeitet? Und kann es Mike Levine in dieser Situation trotzdem noch gelingen, seine Mission zum Ziel zu führen?
Folge 1 - Der König des Kokains
Folge 2 - Das Narco-Reich
Folge 3 - Der Drogenkrieg
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AKW-Wartungsstillstand in Belgien auch 2027 und 2028
Belgien schaltet alle Atomkraftwerke für sieben Monate ab
Brüssel – In Belgien sind Anfang April 2026 die letzten zwei Atomkraftwerke für sieben Monate abgeschaltet worden. Ziel ist die Modernisierung der beiden Kernkraftwerke Doel 4 und Tihange 3.
Im Rahmen der Planung des belgischen Netzbetreibers Elia werden diese Reaktoren zwischen dem 1. April und 1. November 2026, sowie für denselben Zeitraum in den Sommern 2027 und 2028, nicht verfügbar sein. Die Abschaltung dient umfangreichen Modernisierungs- und LTO-Arbeiten (Long-Term Operation) im Zuge der zehnjährigen Laufzeitverlängerung.
Durch die geplanten Modernisierungen summiert sich die Stillstandszeit der beiden Reaktoren auf insgesamt 21 Monate – fast zwei Jahre.
Belgien hat bereits fünf seiner einst sieben Reaktoren abgeschaltet. Allein im Jahr 2025 wurden die Atomkraftwerke Doel 1, Doel 2 und Tihange 1 stillgelegt. Übrig bleiben nun nur die beiden leistungsstarken Reaktoren Doel 4 (1.090 MW) und Tihange 3 (1.089 MW) mit einer Gesamtbruttoleistung von rund 2.200 MW.
Die belgische Regierung hatte im Dezember 2023 die Verlängerung der Laufzeiten bis 2035 beschlossen. Beide Kraftwerke wurden 1985 in Betrieb genommen und erreichen am Ende damit ein Alter von rund 50 Jahren.
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10. April 2003 (INES-3 NAMS 3,9) Akw Paks, HUN
Bei Reinigungsarbeiten im Block 2 des Akw Paks wurde die Umhüllung einiger Brennstäbe beschädigt. Dabei traten 360 TBq radioaktives Gas aus.
(Kosten ca. 43 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
AtomkraftwerkePlag
Paks (Ungarn)
2003 ereignet sich am Reaktor 2 ein ernster Störfall der INES-Stufe 3, bei dem mehrere Brennelemente beim Reinigen beschädigt wurden und radioaktives Gas austrat. Es wurde niemand verletzt, aber der Reaktor konnte erst vier Jahre später wieder in Betrieb genommen werden. In einem Bericht der IAEO hieß es, man habe zunächst in einem Reinigungsbecken nahe des Reaktorkerns erhöhte Strahlung festgestellt und öffnete das Reinigungssystem. "Es stellte sich heraus, dass die Mehrzahl der 30 Brennelemente durch mangelnde Kühlung überhitzt und stark beschädigt beziehungsweise angeschmolzen waren." Die havarierten Brennelemente wurden im August 2014 mit der Eisenbahn ins russische Majak transportiert, ohne dass die Öffentlichkeit zu jener Zeit davon informiert wurde.
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10. April bis 15. Mai 1967 (Staubstürme) Atomfabrik Majak, UdSSR
Wikipedia de
Kerntechnische Anlage Majak#1967: Kontaminierte Staubstürme
Eine Dürre-Periode im Frühjahr 1967 führte zu einem absinkenden Wasserspiegel des als Zwischenlager genutzten Karatschai-Sees. Starke Winde verfrachteten zwischen dem 10. April und dem 15. Mai radioaktiv belastete Sedimentstäube von den trockenen Ufern über ein Gebiet von 1.800 bis 5.000 km². Ihre Gesamtaktivität wird von verschiedenen Quellen auf 22 TBq bis 220 TBq (2,2 bis 22 · 1013 Bq) geschätzt.
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10. April 1963 (Gesunkenes Atom-U-Boot) SSN-593 "Thresher" sank vor Cape Cod
Beim Untergang des atomgetriebenen U-Boots der US-Marine kamen 129 Seeleute ums Leben.
Wikipedia
Atom-U-Boot#Zwischen- und Unglücksfälle
Das erste verlorene Atom-U-Boot überhaupt war 1963 die Thresher, die bei Tieftauchtests mit der gesamten Besatzung von 129 Mann verloren ging.
Thresher (U-Boot, 1961)
Die Thresher war ein nuklearbetriebenes U-Boot der United States Navy und gehörte der nach ihr benannten Thresher-Klasse an. Das 1961 in Dienst gestellte Boot ging am 10. April 1963 etwa 350 Kilometer vor Cape Cod an der Ostküste der Vereinigten Staaten bei Tauchtests verloren, wobei 129 Männer umkamen. Damit war die Thresher das erste gesunkene Atom-U-Boot.
Als Grund für den Untergang wird ein unkontrollierbarer Wassereinbruch vermutet. Durch einen in der Folge aufgetretenen Kurzschluss schaltete sich der Reaktor automatisch ab und ließ damit den Antrieb des Bootes ausfallen, woraufhin die Thresher unter ihre Zerstörungstiefe sank. Nach längerer Suche konnte die US Navy das Wrack aufspüren und Fotos anfertigen, die zeigten, dass der Druckkörper beim Sinken noch stabil war und erst in einer großen Tiefe vom steigenden Wasserdruck zerdrückt wurde.
Noch heute liegt das Wrack in ca. 2500 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Über austretende radioaktive Stoffe ist nichts bekannt.
9. April
So läuft Orbáns „Propaganda“-System: „Was in Ungarn passiert ist, kann auch anderswo passieren“
Viktor Orbáns Macht könnte mit der Wahl am Sonntag enden. Zementiert hat er sie jahrelang auch über die Medien, wie ein aktuelles Buch zeigt.
Am Sonntag wählt Ungarn ein neues Parlament – und zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt scheint eine Niederlage von Viktor Orbáns Fidesz mehr als greifbar. Umfragen sehen Herausforderer Peter Magyar und dessen Tisza-Partei in Führung. Doch selbst wenn Magyar die Stimmenmehrheit holt: Er wird Schwierigkeiten haben. Mit dem komplexen Wahlsystem, mit den ungarischen Institutionen. Und mit den Medien. Denn die hat Orbán seit 2016 in einer enormen Aktion auf seine Bedürfnisse getrimmt.
Wie das funktioniert und wohin es geführt hat, beschreibt der Journalist Ákos Toth in seinem aktuellen Buch „Nach der Eroberung“ (Wahrheitsperlen Verlag, 31 Euro). Klar macht Tóth: Es geht um ganz andere Fragen und Mechanismen als jene, über die in Deutschland mit Blick auf öffentlich-rechtliche Medien gestritten wird. Und Orbáns System wird nicht direkt zu den Akten zu legen sein, selbst wenn es sich nach einer Fidesz-Niederlage erledigen sollte – was ohnehin nur eines von mehreren denkbaren Szenarien in diesem Fall ist. Denn, so meint Tóth: Autoritäre Kräfte auf der ganzen Welt blicken interessiert auf diese Muster. Bis hin zu US-Präsident Donald Trump.
„Qualvolle Kosten“: Wie Orbán in Ungarn freie Medien eindämmte
Tóth hat viele Teile des Prozesses hautnah miterlebt: Er war Autor und Führungskraft in der mittlerweile aufgelösten Tageszeitung Népszabadság und später Chefredakteur der Wochenzeitung 168 Óra – die sich mittlerweile auf Unpolitisches konzentriert. Wie ist die Lage ungarischer Journalisten? „Zwar besteht keine direkte Lebensgefahr, doch hat dieses Regime eine Spur ruinierter und zerstörter Leben hinterlassen“, sagte Tóth unserer Redaktion zuletzt im Interview. Das Eintreten für die eigenen Prinzipien sei „oft mit qualvollen Kosten verbunden“.
Tóth beschreibt in seinem Buch, wie Anfragen, Hinweise, „Wünsche“ aus der Regierung Orbán und deren Umfeld auf Redaktionen einprasseln, teils bei unliebsamer Berichterstattung auch Köpfe gefordert werden.
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ID.4
VW stellt die Produktion von Elektro-SUV in den USA ein
Wegen eines "schwierigen Marktumfelds" für E-Autos produziert VW den Elektro-SUV ID.4 künftig nicht mehr in den USA. Stattdessen stellt VW dort auf Verbrenner um.
Volkswagen beendet die Produktion des Elektro-SUV ID.4 in den USA noch in diesem Monat. Der Wolfsburger Autobauer begründete den Schritt mit dem dortigen schwierigen Marktumfeld für Elektroautos. So hatte die US-Regierung im Herbst einen Steuerbonus von 7.500 Dollar als Kaufanreiz für Elektrofahrzeuge gestrichen.
Der Absatz des ID.4 war im vierten Quartal 2024 im Jahresvergleich um 62 Prozent eingebrochen. Volkswagen will in seinem Werk in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee die Produktion stattdessen auf seine absatzstärkeren SUV-Modelle mit Benzinmotor, den Atlas und den Atlas Cross Sport, umstellen.
VW plant zwar eine künftige Version des ID.4 für den nordamerikanischen Markt, nannte bislang aber noch keinen Zeitpunkt für die Einführung. Der aktuelle Lagerbestand des ID.4 soll bis ins Jahr 2027 reichen.
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Energiewende: Wie Reiche mit falschen und irreführenden Zahlen täuscht
Am Osterwochenende veröffentlichte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche in der FAZ einen Gastbeitrag (+) mit dem Titel "Schluss mit der Selbsttäuschung in der Energiepolitik". Der Iran-Krieg und die Schließung der Straße von Hormus nutzt sie als Anlass, um die Energiewende grundsätzlich infragezustellen. Mehrere der zentralen Behauptungen in Reiches Artikel sind falsch und gezielt irreführend – perfide verdreht sie die Fakten, um Stimmung gegen Erneuerbare zu machen. Und verdreht mit Tricks Argumente für die Energiewende.
Der Journalist und Energieexperte Malte Kreutzfeldt hat den Text in einem ausführlichen Faktencheck bei Table.Media (+) sowie einem 17-teiligen Bluesky-Thread zerlegt, wir stützen uns in Teilen auf seine Recherche. Folgeempfehlung!
In ihrem Gastbeitrag relativiert Katherina Reiche inmitten einer riesigen Ölkrise den bisherigen Erfolg der Energiewende und betont einseitig die Kosten. Sie leugnet, dass uns Wind und Sonne durch die Krise bringen könnten. Dabei greift sie auch systematisch auf Desinformation zurück: Viele Zahlen, die sie verwendet, sind irreführend oder einfach falsch. So manipuliert die Wirtschaftsministerin für ihre Agenda in ihrem Gas(t)beitrag:
Faktencheck 1: Welche "Explosion" der Strompreise"?
Reiche schreibt, in Deutschland „explodierten die Strompreise“. Sie behauptet: „Deutsche Haushalte zahlen bis zu 37 Cent pro Kilowattstunde“.
Die Zahlen sind nur in einer Quelle korrekt, aber selbst dann kann von einer „Explosion“ wirklich keine Rede sein. Tatsächlich haben wir bereits in dieser Rechnung zurzeit sogar die niedrigsten Strompreise seit 5 Jahren. Und damit nur 25 % höher als im Vergleich vor zehn Jahren.
Bei Verivox ist der durchschnittliche Preis sogar ein gutes Stück niedriger – 32 Cent. Und zeigt: auf dem gleichen Niveau wie zuletzt im Dezember 2025. Nach stetig sinkenden Preisen. Vor genau zehn Jahren waren es hier 27 Cent.
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Israels Regierung billigt offenbar 34 neue illegale Siedlungen im Westjordanland
Israels Siedlungspolitik im Westjordanland verstößt gegen das Völkerrecht. Die Regierung von Premier Netanyahu hat nun 34 neue Siedlungen gebilligt – so viele wie noch nie in einer Einzelgenehmigung.
Die israelische Regierung hat mehreren Medienberichten zufolge die Errichtung von 34 illegalen Siedlungen im Westjordanland genehmigt. Das berichten unter anderem der israelische Nachrichtensender i24news sowie die Onlinezeitung »Times of Israel« übereinstimmend.
Das israelische Sicherheitskabinett habe das Vorhaben bereits vor zwei Wochen gebilligt, heißt es in den Berichten. Da die Beschlüsse des Kabinetts geheim seien, stehe eine offizielle Bestätigung der israelischen Regierung aus.
Mit dem Schritt steige die Gesamtzahl der neuen Siedlungen, die die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu seit ihrem Amtsantritt im Jahr 2022 errichtet oder nachträglich legalisiert habe, auf 103, heißt es weiter in den Berichten. Es soll sich um die bislang umfangreichste Einzelgenehmigung von Siedlungen handeln.
Bei den neuen Siedlungen handele es sich wahrscheinlich nicht nur um neue Siedlungen, sondern auch um die nachträgliche Legalisierung bestehender Außenposten, berichtet die »Times of Israel«. Israels Siedlungspolitik im Westjordanland ist völkerrechtswidrig. Die Regierung behauptet jedoch immer wieder, dass die Siedlungen rechtmäßig seien.
[...] Die Menschenrechtsorganisation Yesh Din, die sich für die Rechte von Palästinensern einsetzt, beklagte laut »Times of Israel«, dass mit der Genehmigung der Siedlungen die »ethnische Säuberung« des Westjordanlands vorangetrieben werde. »Während wir in die Schutzräume rannten, war es für die Kabinettsmitglieder offenbar vordringlich, Dutzende weitere neue Siedlungen im Westjordanland zu errichten und damit den Smotrich-Plan zur ethnischen Säuberung des Westjordanlands voranzutreiben«, erklärte die Gruppe mit Blick auf Israels Krieg gegen Iran und die Hisbollah. Der rechtsextreme Finanzminister Bezalel Smotrich ist ein entschiedener Unterstützer der israelischen Siedlungspolitik.
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Wer von neuen AKWs schwärmt, soll einmal diese Tunnel besuchen
Im weltweit ersten Atommüll-Endlager sind 50 Kilometer Tunnel im Bau. Hochradioaktiver Müll muss dort 100’000 Jahre sicher sein.
Ein erster Teil des finnischen Atommüll-Lagers «der neuen Generation» soll im Jahr 2030 in Betrieb gehen. Es heisst «Onkalo» oder Höhle. Es wird das weltweit erste geologische Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle und wird 450 Meter tief in Granitfels gebaut.
Über hunderttausend Jahre sollen strahlende abgebrannte Brennstäbe aus Kernkraftwerken versenkt und gelagert werden. Während 100 bis 200 Jahren sollen sie noch überwacht und dann für mindestens 100’000 Jahre «versiegelt» werden.
Die Haftung übernimmt niemand. Das Risiko tragen die kommenden über 3000 Generationen von Menschen.
Dass Risiken bestehen, zeigt ein eindrücklicher Dokumentarfilm von Arte. Er wurde erstmals am 31. März 2026 ausgestrahlt und ist bis Ende Juni 2026 online verfügbar. Die PR-Stelle von «Onkalo» lud Journalisten ein, erste Tunnels, Endlagerbehälter und Musterräume zu besichtigen.
arte - Mediathek:
Giftmüll: Grundwasser in Gefahr
«Die Endlagerung in tiefen geologischen Formationen ist mit langfristigen Risiken und Unsicherheiten verbunden», stellten die wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestags 2025 fest.
AKW-Lobbyisten verbreiten die Hoffnung, dass der gefährlichste Atommüll so bearbeitet werden kann, dass sein sein Volumen geringer wird und er deutlich weniger lang strahlt. Der Fachjargon nennt dies «Transmutation von Atommüll». Es geht um das Umwandeln langlebiger radioaktiver Isotope in kurzlebigere oder stabile Isotope.
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9. April 2007 (INES-1 Klass.?) Akw Dampierre, FRA
Wikipedia de
Kernkraftwerk Dampierre
Ausfall von externem Netz einschließlich Reservenetz sowie von einem Notstrom-Dieselaggregat mit 100 % Versorgungs-Kapazität. Das Werk liegt ca. 80 km vor Paris. Der Reaktor wurde mit dem einzigen verbliebenen Diesel (100 %) heruntergekühlt. Dennoch stufte die französische Aufsichtsbehörde ASN den Störfall nur mit INES 1 ein. Begründung: Es seien noch die Redundanz-Reserven eigendampf-getriebene Hilfsturbine (sofort einsatzfähig) sowie Gasturbine (deren Synchronisation könne aber Stunden dauern) vorhanden gewesen (Quellen: ASN, IRSN)
AtomkraftwerkePlag
Dampierre (Frankreich)
Am 9. April 2007 wurde das AKW nach dem Defekt eines Überspannungsschutzrelais und weiterer Defekte in Dampierre-3 komplett von der Stromversorgung abgeschnitten, so dass nur noch ein Notstromdieselgenerator als einzige Spannungsquelle übrigblieb. Die Stromversorgung konnte durch ein zusätzliches Notstromaggregat stabilisiert und nach diversen Reparaturen am nächsten Morgen wiederhergestellt werden ...
8. April
Uno-Bericht
Weltweit 326 humanitäre Helfer im vergangenen Jahr getötet
Die Zahl der getöteten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen bleibt hoch. Die meisten starben in den vergangenen Jahren in Gaza und im Westjordanland. Die Uno mahnt, dass das Schutzsystem für Helfer zusammengebrochen sei.
Den Vereinten Nationen zufolge sind im Jahr 2025 weltweit mindestens 326 humanitäre Helfer bei der Ausübung ihrer Tätigkeit getötet worden. In den vergangenen drei Jahren seien es sogar mehr als 1000 gewesen, berichtete der Uno-Nothilfekoordinator Tom Fletcher am Mittwoch bei einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats, bei der es um den Schutz von Zivilisten in Konflikten ging.
Fletcher zufolge wurden die mit Abstand meisten Todesfälle im Gazastreifen und im Westjordanland verzeichnet – insgesamt 560 humanitäre Helfer starben in den beiden Gebieten. Danach folgen der Sudan mit 130 getöteten Helfern und der Südsudan mit 60. Im Vorjahr 2024 wurden weltweit 383 Helfer getötet.
»Dies ist keine zufällige Eskalation, sondern das Schutzsystem ist zusammengebrochen«, kritisierte Fletcher. Er hob hervor, dass die Helfer während ihrer Einsätze getötet wurden, während sie Hilfsgüter verteilten und in deutlich gekennzeichneten Konvois unterwegs waren.
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Maßnahmen gegen Kraftstoffpreise
SPD "in höchsten Maßen unzufrieden" mit Katherina Reiche
Nach der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran bleiben die Preise für Diesel und Benzin hoch. Die SPD fordert weitere Maßnahmen - und ärgert sich laut und deutlich über Wirtschaftsministerin Reiche. Die bleibe untätig, heißt es aus der Fraktion. Bundesfinanzminister Klingbeil startet einen Alleingang.
In der SPD wächst die Unzufriedenheit über den Umgang von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mit der anhaltenden Spritpreis-Krise. Er sei "in höchsten Maßen unzufrieden über das Bundeswirtschaftsministerium und das nicht vorhandene Handeln, das da teilweise stattfindet", sagte am Mittwoch SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese. Fraktionsvize Esra Limbacher erklärte als Sprecher des unternehmerfreundlichen SPD-Flügels Seeheimer Kreis, CDU-Politikerin Reiche müsse "endlich ins Handeln kommen". Nachdem sich auch am Tag nach der Waffenruhe zwischen den USA und Iran keine Entspannung bei den Benzin- und Dieselpreisen ankündigt, rufen die Sozialdemokraten weiter nach einer Spritpreisbremse und einer Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Bei Reiche stoßen sie damit auf taube Ohren, dafür gaben die Spritpreise am Nachmittag etwas nach.
"Ich habe ehrlicherweise manchmal hier den Eindruck, Katherina Reiche lässt hier die Bürgerinnen und Bürger ehrlicherweise im Stich und ist sich gar nicht bewusst, welche Krisensituationen wir hier in den nächsten Tagen und Wochen möglicherweise bei einer weiteren Verschärfung der Lage auf uns zukommen sehen", sagte Wiese. "Ich glaube, wir werden hier sehr lange von dieser Situation, von dem Kriegsgeschehen auch betroffen sein und ich kann nur noch mal sagen, ich glaube, wir müssen jetzt hier auch in einen Krisenmodus reinwechseln, Vorbereitungen treffen." Eine zeitweise Erhöhung der Pendlerpauschale betrachtet die SPD als ungenügend, weil das Geld frühestens im kommenden Jahr bei den Verbrauchern ankommt und die Pauschale bei Niedrigeinkommen kaum bis gar nicht zum Tragen kommt.
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Trump und Netanjahu: Zwei Verrückte, die Gott spielen
Wenn geistesgestörte Führer göttliche Katastrophen als politisches Instrument heranziehen, sind nicht nur ihre Feinde davon betroffen. Wenn man sie nicht aufhält, werden wir alle Opfer dieser beiden Psychopathen sein.
Hier ist Donald Trumps Osterbotschaft an die Welt:
Am Dienstag wird es im Iran den „Kraftwerks-Tag“ und den „Brücken-Tag“ geben – alles in einem. So etwas hat es noch nie gegeben!!! Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – WARTET ES AB! Gelobt sei Allah. Präsident DONALD J. TRUMP
Donald Trump und sein Komplize bei Kriegsverbrechen, Benjamin Netanjahu, führen gemeinsam einen mörderischen Angriffskrieg gegen den Iran, eine Nation mit 90 Millionen Einwohnern. Sie sind im Griff von drei sich gegenseitig verstärkenden Pathologien. Die erste ist die Persönlichkeit: Beide sind bösartige Narzissten. Die zweite ist die Arroganz der Macht: Männer, die die Macht besitzen, nukleare Vernichtung zu befehlen, und infolgedessen keinerlei Zurückhaltung empfinden. Die dritte und gefährlichste von allen ist religiöser Wahn: zwei Männer, die glauben – und denen dies täglich von ihrem Umfeld eingetrichtert wird –, dass sie Messiasse sind, die Gottes Werk vollbringen. Jede dieser Pathologien verschärft die anderen, sodass sie gemeinsam die Welt in eine beispiellose Gefahr stürzen.
Das Ergebnis ist eine Verherrlichung der Gewalt, wie man sie seit den Nazi-Führern nicht mehr gesehen hat. Die Frage ist, ob die wenigen „Erwachsenen“ dieser Welt – verantwortungsbewusste Staats- und Regierungschefs, die sich weiterhin dem Völkerrecht verpflichtet fühlen und bereit sind, dies auch zu bekennen – sie in Schach halten können. Es wird nicht einfach sein, aber sie müssen es versuchen.
Beginnen wir mit der zugrunde liegenden psychischen Störung. Maligner Narzissmus ist ein klinischer Begriff, keine Beleidigung. Der Sozialpsychologe Erich Fromm prägte den Begriff 1964, um Adolf Hitler zu beschreiben, als eine Verschmelzung von pathologischer Grandiosität, Psychopathie, Paranoia und antisozialer Persönlichkeit zu einer einzigen Charakterstruktur. Der bösartige Narzisst ist nicht bloß eitel. Er ist strukturell unfähig zu echter Empathie, von Natur aus immun gegen Schuldgefühle und getrieben von der paranoiden Überzeugung, dass Feinde ihn umgeben und vernichtet werden müssen. Bereits 2017 warnten der Psychologe John Garnter und viele andere Fachleute vor Trumps bösartigem Narzissmus.
Mehrere angesehene Psychologen und Psychiater haben Trump anhand der standardisierten Hare-Skala auf Psychopathie untersucht und Werte ermittelt, die deutlich über dem diagnostischen Grenzwert liegen. Siehe zum Beispiel hier. Psychopathie lässt sich am besten als Mangel an Gewissen oder Mitgefühl für andere Menschen charakterisieren.
Sowohl Trump als auch Netanjahu entsprechen diesem Profil auf den Punkt genau. Trumps Psychopathie zeigte sich in vollem Umfang, als US-Streitkräfte eine zivile Brücke in Teheran zerstörten, die keinerlei militärische Bedeutung hatte, wobei mindestens acht Zivilisten getötet und 95 oder mehr verletzt wurden. Trump zeigte keine Trauer. Er triumphierte und versprach weitere Zerstörung. Auch Netanjahus Passah-Ansprache enthielt kein einziges Wort für die Toten. Keine Pause. Kein Anflug von Zweifel. Nur die triumphale Aufzählung der Feinde, die er vernichtet hat.
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EU prüft Milliardenbeihilfen für Frankreichs Atomkraft – sind sie "verhältnismäßig"?
Die Europäische Kommission hat eine vertiefte Untersuchung der staatlichen Unterstützung für den Bau neuer Kernkraftwerke in Frankreich eingeleitet.
Paris & Brüssel - Im Fokus steht ein Großprojekt im Umfang von über 70 Milliarden Euro, mit dem sechs neue Reaktoren errichtet werden sollen. Ziel ist, so Frankreich, die Energieversorgung zu sichern und den CO₂-Ausstoß zu senken.
Geplant sind neue Anlagen an bestehenden Standorten, darunter Penly, Gravelines und Bugey. Der erste Reaktor könnte frühestens ab 2038 Strom liefern, das Gesamtprojekt soll bis Mitte der 2040er-Jahre abgeschlossen sein. Mit rund 10 Gigawatt Leistung würde es einen erheblichen Teil der bestehenden Atomkapazitäten ergänzen.
Brüssel erkennt zwar an, dass das Vorhaben zur Versorgungssicherheit und Dekarbonisierung beitragen kann. Gleichzeitig bestehen aber Zweifel, ob die geplanten Beihilfen verhältnismäßig sind. Frankreich setzt auf ein umfangreiches Förderpaket: günstige Staatskredite, langfristige Preisgarantien über Differenzverträge sowie Mechanismen zur Risikoteilung.
Gerade diese Kombination sorgt für massive Kritik. Die Kommission befürchtet Wettbewerbsverzerrungen und eine mögliche Stärkung des staatlichen Energiekonzerns EDF.
7. April
Genehmigt: Atommüll darf in Grohnde zwischengelagert werden
Niedersachsens Umweltministerium hat die Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen in Grohnde genehmigt. Eine neu gebaute Halle auf dem Gelände des stillgelegten Atomkraftwerks soll als Zwischenlager dienen.
Der Atommüll stammt aus dem Abriss des 2021 dauerhaft abgeschalteten Kraftwerks Grohnde im Landkreis Hameln-Pyrmont, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Die Baugenehmigung für die Halle hatte zuvor der Landkreis erteilt. Die Abfälle sollen so lange in dem Zwischenlager bleiben, bis eine dauerhafte Lagerstätte zur Verfügung steht.
Schacht Konrad soll Endlager werden
Derzeit wird das Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter zum nationalen Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Atommüll ausgebaut. Allerdings wurde der Start des geplanten Endlagers immer wieder verschoben - eigentlich sollte es bereits 2013 in Betrieb gehen. Die geschätzten Kosten wurden in den vergangenen Jahren mehrfach nach oben korrigiert: von 1,6 Milliarden Euro beim Baustart im Jahr 2002 auf 6,3 Milliarden Euro im Jahr 2023.
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Trump droht mit Kriegsverbrechen im Iran: Wie unsere Medien verharmlosen
Wenn Obama "Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde" getwittert hätte, auch noch, um in einem illegalen Krieg mit Kriegsverbrechen zu drohen, wäre die Hölle los gewesen. Aber es hat ja nur der Faschist Trump gemacht, da titelt die Tagesschau nüchtern "Trump droht mit Angriffen auf Kraftwerke am Dienstag".
Ein verbrecherischer Faschist, aber in den Redaktionen business as usual?
Was Donald Trump am Ostersonntag auf seiner rechtsextremen Social-Media-Plattform Truth Social geschrieben hat, ist nicht nur eine "Drohung" oder ein sachliches Setzen eines "Ultimatums". Es war die Ankündigung von Kriegsverbrechen in einem völkerrechtswidrigen Krieg durch den faschistischen Präsidenten – formuliert in Schimpfwörtern und einer unverholenen, rabiaten Drohung. Das würde man allerdings nicht mitbekommen, wenn man so manche deutsche Berichterstattung liest. Und da liegt das Problem.
Seit dem 28. Februar führt die USA gemeinsam mit Israel einen Krieg gegen den Iran. Anfang März wurde der Oberste Führer Ali Khamenei getötet. Der Krieg ist völkerrechtswidrig und auch nach US-Recht illegal von Trump gestartet worden. Iran reagierte, indem es die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr effektiv sperrte – jene Meerenge, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels fließen.
"Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde"
Trump setzte seitdem mehrfach offenbar willkürlich und erratisch Ultimaten, verlängerte sie, setzte neue. Am Ostersonntag eskalierte er auf Truth Social mit dem Post, der zeigt, was für ein rechtloser Faschist und Kriegstreiber er ist:
„Am Dienstag wird es im Iran den Tag der Kraftwerke und den Tag der Brücke in einem geben. So etwas hat es noch nie gegeben!!! Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – IHR WERDET SEHEN! Gelobt sei Allah.“
Das ist der US-Präsident, der buchstäblich unverholen mit Kriegsverbrechen droht – Angriffe auf die Infrastruktur sind Kriegsverbrechen. Da er den Krieg bereits illegal und im Bruch mit dem Völkerrecht gestartet hat, dürften ihn zusätzliche Kriegsverbrechen wohl wenig interessieren.
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US-Besuch in Budapest
Vance wirft der EU Wahlkampfeinmischung in Ungarn vor, während er sich in den ungarischen Wahlkampf einmischt
In wenigen Tagen wählt Ungarn ein neues Parlament, Ministerpräsident Orbán schwächelt in den Umfragen. US-Vizepräsident Vance hilft dem befreundeten Regierungschef nun vor Ort und beschimpft die Europäische Union.
Ungarn steht vor einer wichtigen Parlamentswahl, Ministerpräsident Viktor Orbán muss um seine Wiederwahl bangen . Wenige Tage vor der Wahl erhält er nun eine nur mäßig verschleierte Wahlkampfhilfe durch US-Vizepräsident JD Vance. Am Dienstag war Vance in Budapest gelandet, um mit Orbán zu einem Treffen zusammenzukommen. Der 41-jährige US-Vizepräsident wird von seiner Ehefrau Usha begleitet.
In Budapest sprach Vance von einer »moralischen« Partnerschaft zwischen den USA und Ungarn. Die Regierungszeit Orbáns lobte er ausdrücklich. Wären andere europäische Führer seinem Beispiel gefolgt, würde der Kontinent nun nicht in einer derartigen Krise stecken, behauptete Vance. Zugleich betonte er, Ungarn habe die schlimmsten Beispiele für Einmischung in seine Politik und seinen Wahlkampf erlebt. Allerdings meint er damit nicht sich selbst – sondern »Brüssels Bürokraten«. Die würden Ungarns Wirtschaft zerstören. Orbán selbst sprach nach Vance’ Landung von einem »Goldenen Zeitalter« in den Beziehungen zwischen den USA und Ungarn.
Schon vorab hatten beide Länder darüber gesprochen, die »fruchtbaren« US-ungarischen Beziehungen zu vertiefen. Bei den Gesprächen würden auch »Europa und die Ukraine« eine »ziemlich wichtige« Rolle spielen, hatte Vance vor Abflug angekündigt.
Orbán regiert Ungarn seit 16 Jahren und hat das Land zunehmend von der Europäischen Union entfremdet. Kritiker werfen ihm vor, Freiheiten zu beschränken und demokratische Grundprinzipien auszuhöhlen. Im Umgang mit Flüchtenden sowie in der Unterstützung der Ukraine weicht er mit seinem russlandfreundlichen Angang deutlich vom EU-Kurs ab. Zum Wohlwollen Washingtons: Auch dort werden die Rechte von Minderheiten und Schutzsuchenden unter der Trump-Regierung zunehmend eingeschränkt, das Interesse am Ukrainekrieg schwindet.
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100.000 Standorte in Europa mit PFAS verschmutzt – EU plant Verbote
PFAS verschmutzen an 100.000 Standorten in Europa Wasser und Böden. Es braucht eine Abkehr von Ewigkeitschemikalien. Ein Gastbeitrag von EU-Kommissarin Jessika Roswall.
Die Verschmutzung durch Ewigkeitschemikalien (PFAS) hat einen hohen Preis – für die menschliche Gesundheit, für die Umwelt und für unsere Wirtschaft. Ewigkeitschemikalien verbleiben im Boden, im Wasser, in der Luft, in der Tier- und Pflanzenwelt und sogar im menschlichen Körper. Wir sind es den künftigen Generationen schuldig, eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit anzugehen. Und wir sind es auch unseren Unternehmen schuldig, für Sicherheit und Planbarkeit dahingehend zu sorgen, wie PFAS so sicher wie möglich verwendet werden können. Dies ist eine politische Priorität der Europäischen Kommission – und eine persönliche Priorität für mich.
PFAS-Chemikalien werden in großem Umfang in der industriellen Produktion und in Konsumgütern eingesetzt. Durch ihre hohe Widerstandsfähigkeit eignen sie sich für viele kritische Sektoren und industrielle Anwendungen. Sie werden jedoch auch dann eingesetzt, wenn es sicherere und wirtschaftlich tragfähige Alternativen gibt.
Ewigkeitschemikalien an 100.000 Standorten freigesetzt
Schätzungen zufolge werden PFAS an 100.000 Standorten in Europa freigesetzt. Die Kosten für die Sanierung bereits kontaminierter Standorte sind enorm, aber sie wären weit höher, wenn nichts unternommen würde. Viele Menschen sind – wie auch ich – besorgt über die PFAS-Belastung im Wasser, in der Umwelt und in ihrem eigenen Körper.
Die gute Nachricht ist, dass die Kommission und die Mitgliedstaaten in den letzten Jahren bereits Maßnahmen ergriffen und einige bekannte Quellen der Verschmutzung durch PFAS verboten haben. Jedoch brauchen wir einen strukturierteren und systematischeren Ansatz. Wir können Innovationen fördern und gleichzeitig den Übergang zu sichereren und nachhaltigeren Ersatzstoffen unterstützen.
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Brennelemente-Kooperation in Lingen:
Russlands Atomgeschäfte: Europa in der Falle
Kernkraftwerke im Osten der EU laufen mit Brennelementen aus Russland. Ein französischer Konzern will Europa aus der Abhängigkeit lösen - ausgerechnet mit russischer Hilfe.
Tief im Westen Deutschlands, in Lingen im Emsland, tragen Atomkraftgegner und Nuklearindustrie seit vier Jahren einen Streit aus, der weit über die Region hinausweist - nach Russland.
Es geht um die Brennelementefabrik vor der Stadt und um die geplante Zusammenarbeit zweier Staatskonzerne, der französischen Framatome und der russischen Rosatom. Die Entscheidung muss das Land Niedersachsen fällen - in den kommenden Wochen.
"Eine Kooperation mit Rosatom würde die Abhängigkeit von Russland weiter ausbauen", warnt Bettina Ackermann vom Anti-Atom-Bündnis "ausgestrahlt". Darum haben sie und ein Dutzend weiterer Atomkraftgegner "Mr. P. aus M." dabei, einen Riesenkopf aus Pappmaché, eine Spottfigur. An einem warmen März-Tag soll sie auf den wahren Geschäftspartner in Lingen hinweisen: Wladimir Putin.
[...] Russische Atomgeschäfte: Keine EU-Sanktionen
Seit Mai 2022 will die EU russische Energieimporte reduzieren, als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Echte Fortschritte macht sie nur bei Gas aus Pipelines. Atomgeschäfte mit Russland unterliegen dagegen keinen Beschränkungen. "Es gibt Länder wie Frankreich, die eine Abhängigkeit von Russland haben", erklärt Osteuropa-Experte Sebastian Hoppe. Diese Länder hätten ein Interesse daran, dass die Lieferbeziehung zum russischen Staatskonzern Rosatom "nicht schlagartig unterbrochen wird."
[...] Die Konkurrenz aus Amerika ist Europa tatsächlich um Jahre voraus, wenn es um den Ersatz russischer Brennelemente geht. Frontal dreht - mitten im Krieg - im ukrainischen Kernkraftwerk Rivne. Im Wasser des Reaktors arbeiten Brennelemente, die der kanadisch-US-amerikanische Konzern Westinghouse entwickelte. Den Auftrag dazu erteilte die Ukraine 2008.
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7. April 1989 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke K-278 Komsomolez sank südlich der Bäreninsel
42 Besatzungsmitglieder starben, der Kernreaktor inklusive des Brennstoffs und zwei Atomtorpedos liegen in einer Tiefe von 1685 Metern …
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Atomwaffen A-Z
Unfälle mit Atomwaffen
Nordkapbecken, 1989
Auf der Linie zwischen Nordkap und Bären-Inseln kam das nukleargetriebene sowjetische U-Boot K-278 „Komsomolets“ (Mike-Klasse) am 7. April 1989 vom Kurs ab und versank nach einigen Stunden Überwasserfahrt. Durch Verbrennungen, Verletzungen, Ersticken und Unterkühlung kamen 42 Besatzungsmitglieder ums Leben. Ein Kernreaktor und zwei Torpedos mit Atomsprengköpfen liegen in 1685 Meter Tiefe, knapp 480 Kilometer von Norwegens Küste entfernt.
Wikipedia de
Komsomolez (U-Boot)
Die K-278 Komsomolez war ein sowjetisches Atom-U-Boot. Es wurde 1984 in Dienst gestellt und sank am 7. April 1989. Der Untergang kostete 42 Besatzungsmitglieder das Leben.
6. April
US-Reaktionen auf Trumps wüsten Iran-Post
»Er ist wahnsinnig geworden« – »Wirre Äußerungen« – »Er droht mit Kriegsverbrechen«
Angesichts der schrillen Drohungen des US-Präsidenten drängen führende Demokraten den Kongress zum Eingreifen. Auch von einer ehemaligen Verbündeten kommt scharfe Kritik an Donald Trumps Tiraden.
Zahlreiche Politiker haben auf Donald Trumps wüsten Post reagiert, in dem er Iran mit einer weiteren Eskalation und Angriffen auf die zivile Infrastruktur gedroht hatte. »Dienstag wird in Iran Kraftwerks-Tag und Brücken-Tag in einem sein«, hatte er auf seiner Plattform »Truth Social« geschrieben. Mit Blick auf die Straße von Hormus forderte er in selbst für seine Verhältnisse drastischen Worten: »Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben.«
Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf schrieb daraufhin auf der Plattform X, mit »Kriegsverbrechen« lasse sich »nichts erreichen«. Die einzige Lösung bestehe darin, »die Rechte des iranischen Volkes zu respektieren und dieses gefährliche Spiel zu beenden«. Ghalibaf drohte, die »leichtsinnigen Schachzüge« könnten die gesamte Region in Flammen aufgehen lassen.
Trumps ehemalige Verbündete und heutige Kritikerin Marjorie Taylor Greene äußerte sich auf X mit scharfen Worten gegen den US-Präsidenten. Jeder in seiner Regierung, der sich Christ nennt, solle auf die Knie gehen, Gott um Vergebung bitten, aufhören, den Präsidenten »anzubeten«, und Trumps »Wahnsinn« entgegentreten. Weiter schrieb die republikanische Ex-Abgeordnete, die in ihrer Zeit im Parlament über Jahre hinweg erzkonservative Positionen vertreten hatte. »Ich kenne euch alle und ihn, und er ist wahnsinnig geworden, und ihr alle seid mitschuldig.«
[...] Minderheitsführer Chuck Schumer meldete sich ebenfalls zu Wort. Trump tobe in den sozialen Medien wie ein »durchgedrehter Irrer«, schrieb der Demokrat bei X. »Er droht mit möglichen Kriegsverbrechen und verprellt Verbündete. So ist er, aber so sind wir nicht. Unser Land verdient so viel Besseres.«
[...] Der Senator Bernie Sanders bezeichnete Trumps Post als »die wirren Äußerungen eines gefährlichen und psychisch labilen Menschen«. Weiter forderte er: »Der Kongress muss JETZT handeln. Beendet diesen Krieg«.
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Teil 2 des Interviews mit Wolfgang Renneberg; siehe Teil 1
«80 Prozent der neuen Kernkraftwerke sind in Atomwaffenstaaten»
Neue AKW sollen sicher, billig, klein und «smart» sein. Der Experte Wolfgang Renneberg widerspricht.
Wolfgang Storz: Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) erlebt die Atomenergie weltweit ein Comeback. Mehr als 40 Länder verfolgten konkrete Pläne und wollen die weltweite Kernkraftkapazität bis 2050 verdreifachen. Auch in der Schweiz gibt es Bestrebungen, neue Atomkraftwerke zu bauen. Wie kommt es zu einer solchen Renaissance?
Wolfgang Renneberg: Die nackten Zahlen sprechen eine andere Sprache als die IAE. Der Kernenergie-Boom, soweit davon überhaupt gesprochen werden kann, ist vorbei. Es gehen im Trend mehr Anlagen vom Netz als neue Anlagen in Betrieb. Der Anteil der Kernenergie am globalen Strommix sinkt kontinuierlich: von etwa 17,5 Prozent im Jahr 1996 auf heute nur noch etwa 9 Prozent. Auch die Zahl der betriebenen Atomkraftwerke in Europa und Nordamerika sinkt, weil sie gegenüber den erneuerbaren Energien einfach zu teuer sind. Wenn überhaupt, dann wächst die Kernenergie im Wesentlichen in China, Russland und Indien. Es ist auch mehr als zweifelhaft, ob diejenigen Atomkraftwerke, die in Planung sind, und von denen die IAE spricht, überhaupt realisiert werden. Weder das Geld noch die zur Verfügung stehende Infrastruktur noch das technische Knowhow wird ausreichen, um diese Pläne zu verwirklichen.
Welche Länder setzen noch auf Atomenergie?
Etwa 80 Prozent der neuen oder neu geplanten Kernkraftwerke sind in Atomwaffenstaaten. Diese Staaten brauchen ihre zivil genutzten Kernkraftwerke und die dazugehörige Technologie und auch die Fachleute, um ihre militärische Atomwaffenfähigkeit zu behalten. Mit dem Klimaschutz hat das nichts zu tun.
Die Rede ist nun viel von neuen Kraftwerks-Generationen, Kleinreaktoren und Fusionsmaschinen. Diese seien viel billiger und auch sicherer. Präsident Macron versprach 2021 die Fertigstellung eines ersten französischen Kleinreaktors (SMR) bis zum Ende des Jahrzehnts. Er nannte es «Réinventer le nucléaire». Was ist an diesen Versprechen dran?
Es ist völlig spekulativ vorherzusagen, wann es mal den Prototyp eines französischen Kleinreaktors geben wird, der ein praktikables Modell für ein künftiges Kernenergieprogramm darstellt. Die staatliche französische Elektrizitätsgesellschaft EDF ist mit über 60 Milliarden Euro hoch verschuldet. Der Grund sind massive Kostenüberschreitungen bei Neubauprojekten wie der von Frankreich entwickelte Europäische Druckwasserreaktor EPR, ein Kernkraftwerk, das eine Kernschmelze überstehen soll. Dazu kamen ungeplante Langzeit-Stillstände der alternden Kraftwerksflotte wegen Korrosionsschäden und die politisch gewollte nicht kostendeckende Preisgestaltung für Atomstrom. Sie haben das Unternehmen an den Rand des finanziellen Kollapses gebracht.
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Klimaaktivistin über Letzte Generation
„Der Staat wird von Rechten und Reichen korrumpiert“
Carla Hinrichs resümiert ihre Zeit bei der Letzten Generation. Ein Gespräch über Repression und das Gefühl, als Mörderin abgestempelt zu werden.
taz: Frau Hinrichs, Sie waren jahrelang als Aktivistin bei der Letzten Generation und haben für eine bessere Klimapolitik demonstriert. Was war das Erlebnis, das Ihren Blick auf den Staat am meisten verändert hat?
Hinrichs: Im Mai 2023 wurde ich von etwa 30 Beamten geweckt, die mit gezogener Waffe in meine Wohnung gestürmt sind – wegen des Vorwurfs, ich wäre Teil einer kriminellen Vereinigung. Das hat mich in dem, wie es mir geht und wie ich mich verhalte, am nachhaltigsten geprägt. Vor Kurzem gab es einen weiteren krassen Moment.
taz: Welchen?
Hinrichs: Als ich erfahren habe, dass ich tatsächlich nach Paragraf 129 als „Rädelsführerin einer kriminellen Vereinigung“ angeklagt werde, dass der Vorwurf also wirklich vor Gericht geht. Es war einer der Momente, in denen für mich die Fassade eines sonst so glitzernden Rechtsstaatsgebildes gebröckelt ist.
taz: Was schockiert Sie so an dieser Anklage?
Hinrichs: Mit diesem Vorwurf soll unser Protest unterdrückt werden. Politiker:innen haben uns mit den Taliban verglichen und uns Terroristen genannt. Die Polizei hat uns mit Schmerzgriffen von der Straße gezerrt und uns präventiv eingesperrt. Die Staatsanwaltschaft hat öffentlichkeitswirksam gegen uns ermittelt und uns überwacht, zum Beispiel unser Pressetelefon abgehört. Das alles hatte eine enorm einschüchternde und abschreckende Wirkung – dabei ist Protest für jede Demokratie essenziell. Ob uns nun ein Gericht in zwei, drei oder vier Jahren freispricht, ist völlig unerheblich: Der Schaden ist da. Dass all dies rein exekutiv und ohne Gewaltenteilung passiert ist, ist ein Schritt der Autokratisierung.
taz: Sie haben kürzlich ein Buch veröffentlicht. Im Untertitel steht: „Wie der Staat uns alle verrät“. Wie meinen Sie das?
Hinrichs: Mit der Letzten Generation haben wir die Regierung an ihre verfassungsgemäße Verpflichtung erinnert, unsere Zukunft zu schützen. Doch es hat sich gezeigt, dass an das aktuelle politische System zu appellieren nicht funktioniert. Bei der Untätigkeit gegenüber der Klimakrise handelt es sich nicht um ein Wissensproblem, sondern um ausbleibende Handlungen: Alle wissen, was abgeht, aber es wird nichts getan. Der Staat verrät damit uns alle – weil er von den Rechten und Reichen korrumpiert wurde. Wir haben es also mit einem Systemproblem zu tun.
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FR-üh dran zum Abschluss der Ostermärsche: Die Welt rüstet auf – und Zehntausende sagen: Nein
Es ist Ostermontag, die Ostermärsche enden. In diesem Jahr war der Anlass, für Frieden zu werben, dringlicher denn je. Unsere Kolumne „FR-üh dran“.
Berlin – FRüh Radar – das steht heute an: Heute ist Ostermontag, der 6. April 2026 – und damit der letzte Tag der diesjährigen Ostermärsche. Seit Gründonnerstag sind in ganz Deutschland Zehntausende Menschen auf die Straße gegangen: für Frieden, gegen Aufrüstung, gegen Wehrpflicht, gegen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Koordiniert vom Netzwerk Friedenskooperative in Bonn, fanden bundesweit in rund 100 Städten Mahnwachen, Kundgebungen und Demonstrationen statt. Der Hauptaktionstag war der Karsamstag mit über 70 Aktionen. Einer der größten Märsche, der dreitägige Ostermarsch Rhein-Ruhr, endet heute in Dortmund. Und in Büchel – dem einzigen Standort von US-Atombomben auf deutschem Boden – findet heute noch eine Abschlusskundgebung statt.
Was diese Märsche von früheren unterscheidet: Sie finden in einem Moment statt, in dem die nukleare Aufrüstungsdebatte in Europa eine neue, beunruhigende Dynamik gewonnen hat. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron plant die Stationierung atomwaffenfähiger Jets in Großbritannien und sieben weiteren europäischen Ländern. Schweden und Dänemark haben einer strategischen atomaren Zusammenarbeit mit Paris zugestimmt. Finnland diskutiert, sein seit 1987 geltendes Atomwaffenverbot aufzuheben. Und im Hintergrund rüttelt Donald Trump weiter an der NATO. Wir erklären, was das alles bedeutet – und warum die Forderungen der Ostermarschierer:innen heute so unbequem aktuell sind wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Ostermärsche in Deutschland: Die Ausgangslage
Wir fassen zusammen, wie es dazu kam: Der erste Ostermarsch in der Bundesrepublik fand 1960 statt – mit rund 1000 Menschen, die zu einem NATO-Truppenübungsplatz in der Lüneburger Heide marschierten, auf dem Raketen mit möglichen Atomsprengköpfen standen. Laut taz schwoll die Bewegung in den späten 1960er Jahren auf bis zu 300.000 Teilnehmende an. Eine zweite Hochphase kam um 1980, als die NATO atomare Mittelstreckenwaffen in Westeuropa stationieren wollte.
Heute, 2026, fühlt sich die Lage erschreckend vertraut an – und ist doch eine andere.
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6. April 1993 (INES-4 NAMS 4,8)
Tomsk 7 Sewersk, RUS
Im Jahr 1993 ereignete sich in Seversk ein radioaktiver Unfall, als ein Tank explodierte und große Mengen radioaktiver Partikel (3500 TBq) die Umgebung verseuchten.
(Kosten ca. 51 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Hibakusha Weltweit - Tomsk-7/Sewersk, Russland
Die Explosion der Atomanlage in Tomsk-7 führte zur radioaktiven Verseuchung einer Fläche von ca. 120 km², setzte Zehntausende Menschen einer erhöhten Strahlenbelastung aus und kontaminierte Luft, Wasser und Böden für viele Generationen. Diese Katastrophe ist vermutlich der folgenschwerste russische Atomunfall nach Tschernobyl und Majak.
[...] Folgen für Umwelt und Gesundheit
Am schwersten betroffen waren die Orte, über denen sich radioaktiver Niederschlag ereignete, wie die Dörfer Georgiewka und Nadeschda. Hier entstanden sogenannte „Hotspots“ mit erhöhter Radioaktivität von bis zu 30 µGy/h (etwa 100-mal mehr als die normale Hintergrundstrahlung). In den verseuchten Böden wurde ein signifikanter Anstieg von langlebigen Radioisotopen wie Cäsium-137 und Strontium-90 gemessen. Cäsium-137 kann, wenn es über Nahrung, Wasser oder die Atemwege aufgenommen wird, solide Tumore und auch Gendefekte bei folgenden Generationen verursachen, während Strontium-90 zu Leukämie führen kann. Im Rahmen der Aufräumarbeiten wurden mit Unterstützung aus dem Ausland ca. 577 g Plutonium vom Gelände der Anlage entfernt. Bemerkenswert dabei ist, dass die Menge an Plutonium, die sich im explodierten Tank befand, mit lediglich 450 g angegeben wurde, sodass es naheliegt, dass es schon vor dem Unglück Austritte von Plutonium in die Umgebung gegeben haben muss.
5. April
Opposition vermutet Inszenierung
Orban bringt Ukraine mit Pipeline-Sprengstoff in Verbindung
Kurz vor der Parlamentswahl in Ungarn sorgt ein Sprengstoff-Fund an einer Pipeline in Serbien für Aufsehen. Budapest lenkt den Verdacht auf Kiew. Die ungarische Opposition vermutet eine Inszenierung aus wahltaktischen Gründen.
Nachdem Serbien den Fund von Sprengstoff an einer Gas-Pipeline nach Ungarn gemeldet hat, richtet der ungarische Regierungschef Viktor Orban den Verdacht auf die Ukraine. Orban und sein Außenminister ließen nach einer Sondersitzung des nationalen Verteidigungsrats in Budapest durchblicken, dass sie die Ukraine verdächtigen, einen Sabotage-Akt an dieser Pipeline geplant zu haben. Die ungarische Opposition hatte Orban dagegen bereits zuvor Panikmache aus wahlkampftaktischen Gründen vorgeworfen. Bei der Parlamentswahl am kommenden Sonntag muss Orban um die Macht zittern.
Nach Angaben des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic wurden an der Gas-Pipeline Balkan Stream nach Ungarn "Sprengstoff in verheerender Kraft" sowie die dazugehörigen Zündschnüre gefunden. Die Pipeline bringt russisches Erdgas von der Türkei über Bulgarien und Serbien nach Ungarn. Vucic und Orban sprachen telefonisch über den Fall, wie beide bestätigten. Zu dem Fund sei es an einer Pumpstation nahe der ungarischen Grenze bei der serbischen Ortschaft Velebit gekommen, teilte Vucic mit.
Orban kämpft seit Monaten hauptsächlich mit Kritik an der Ukraine und an den EU-Hilfen für das vom russischen Angriffskrieg heimgesuchte Land um Wählerstimmen. Er sprach nun nicht explizit davon, dass er Kiew hinter dem Pipeline-Vorfall vermutet - wiederholte nach der Sitzung zu dem Thema aber bekannte Vorwürfe gegen Kiew. Sein Außenminister Peter Szijjarto erklärte zudem, der Sprengstoff-Fund an der Pipeline in Serbien füge sich ein in die sonstigen von Orban der Ukraine zur Last gelegten Aktionen.
[...] Der Oppositionsführer und Spitzenkandidat der Partei Tisza, Peter Magyar, warf Orban vor, über das Thema eines angeblich geplanten Anschlags auf die Pipeline aus wahlkampftaktischen Gründen Panik schüren zu wollen.
Bereits seit Wochen habe er Signale bekommen, dass Aktionen "unter falscher Flagge" in diese Richtung geplant seien, schrieb Oppositionsführer Magyar bei Facebook. Mehrfach habe man gehört, dass "zufällig" eine Woche vor der Wahl, etwa an Ostern, an dieser Pipeline etwas passieren werde. "Außerdem rufe ich Viktor Orban dazu auf, (wenigstens während der Feiertage) mit der Panikmache und mit dem Stiften von Verwirrung aufzuhören, die russische Berater geplant haben", schrieb Magyar weiter. Sollte Orban den Vorfall für Wahlkampfpropaganda nutzen, käme dies einem Eingeständnis dafür gleich, dass dies eine Aktion "unter falscher Flagge" sei.
Der Direktor des serbischen Militär-Geheimdienstes trat Vorwürfen entgegen, die serbische Armee könnte an einer Aktion unter falscher Flagge beteiligt sein, um die Ukraine der Sabotage beschuldigen zu können. Djuro Jovanic sprach von Desinformation, wie serbische Medien berichteten. Es gebe Hinweise darauf, dass der Sprengstoff in den USA hergestellt worden sei.
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Predigt am Ostersonntag
Kardinal Marx wirft US-Minister Hegseth »schamlose Gotteslästerung« vor
Dafür beten, dass jede Kugel ihr Ziel treffe? Äußerungen des amerikanischen »Kriegsministers« werden in einer deutschen Osterpredigt scharf zurückgewiesen.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat den Missbrauch religiöser Sprache zur Rechtfertigung von Krieg und Gewalt scharf verurteilt. In seiner Predigt am Ostersonntag kritisierte der Erzbischof insbesondere Äußerungen von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth (der sich selbst Kriegsminister nennt).
Es sei eine »schamlose Gotteslästerung«, wenn dafür gebetet werde, dass im Kontext eines Krieges – etwa in Iran – jede Kugel ihr Ziel treffe, sagte Marx in München. Religion dürfe nicht instrumentalisiert werden, um Gewalt zu legitimieren.
Kritik auch am russischen Patriarchen
Zugleich wandte sich der Kardinal gegen entsprechende Aussagen aus Russland. Auch die Bezeichnung des Angriffskriegs gegen die Ukraine als »heiliger Krieg« durch den Moskauer Patriarchen Kirill I. kritisierte Marx deutlich. Der Geistliche mahnte, religiöse Überzeugungen dürften niemals zur Rechtfertigung von Krieg missbraucht werden.
Auferstehung als christliche Hoffnung
Papst Leo XIV. betonte in seiner Predigt am Ostersonntag auf dem Petersplatz in Rom die Auferstehung als Sieg Gottes über den Tod und als Grundlage christlicher Hoffnung. Er rief die Gläubigen dazu auf, diese Hoffnung konkret »in die Welt zu tragen«, indem sie sich von Resignation, Gewalt und Ungerechtigkeit nicht lähmen lassen und sich aktiv für Frieden einsetzen.
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No Kings: Amerika rebelliert gegen seinen Präsidenten
Der König führt Krieg, die Straße rebelliert: Kann die No-Kings-Bewegung dem Trumpismus gefährlich werden? Eine Analyse.
Populismus und Provinz: Zwei Drittel der No-Kings-Proteste fanden außerhalb der großen US-Städte statt. Idaho, Wyoming, Montana galten bisher nicht als Zentren von Gegenmacht – und doch formiert sich gerade dort eine ernstzunehmende Protestbewegung. Abseits der Metropolen, wo Proteste Hunderttausende mobilisierten, gab es in nahezu allen Bundesstaaten Kundgebungen.
Für die Trump-Administration das wohl größte Problem: Rund die Hälfte davon auch in den konservativen Flächenstaaten. Übereinstimmende Medienberichte melden bis zu neun Millionen Teilnehmer in etwa 3.300 Versammlungen.
Im Unterschied zu früher – der Black-Lives-Matter-Bewegung, gewerkschaftlichen Kundgebungen oder Anti-Trump-Demonstrationen – betreffen die Themen diesmal auch direkt die ländlichen Gebiete.
Die Grundlage für den Protest scheint dabei individuell wählbar: Während die Einen – auch durch Todesfälle nach ICE-Razzien auf dem Land – gegen Abschiebungen protestieren, strömen Andere wegen steigender Lebenshaltungskosten, ausbleibender Versprechen, dem Iran-Krieg oder einer generellen Sorge vor autoritärer Erosion auf die Straßen.
Vergleichbar mit den Generation-Z-Protesten einer weltweiten Jugendprotestwelle im Oktober 2025 sind die No-Kings-Kundgebungen dezentral organisiert und ohne identitätsstiftende Führungsfigur. Naht das Ende des Iran-Krieges aus dem US-Inland?
Angriff auf die US-DNA
Vor dem Hintergrund einer möglichen dritten Amtszeit Trumps – wozu die Verfassung geändert werden müsste – fanden die Proteste aus Anlass der Militärgeburtstagsparade des US-Präsidenten im Juni 2025 erstmals statt. Abseits des biologischen Faktums, dass Trump zur besagten dritten Amtszeit das Alter von 80 Jahren deutlich überschritten hätte, befürchten seine Kritiker einen halbmonarchistischen Umbau der faktischen Zweiparteiendemokratie.
Nach dem Juni fanden die Proteste erneut im Oktober 2025 weitgehend anlasslos statt – konnten ihre Teilnehmerzahl von anfänglich drei Millionen auf sieben Millionen dennoch mehr als verdoppeln.
Der gewählte historische Bezugsrahmen ist dabei kein Zufall. Die No-Kings-Parole knüpft an einen zentralen DNA-Strang der amerikanischen Gründungsgeschichte an: Im Unabhängigkeitskrieg gegen die britische Krone war die Ablehnung der Monarchie Kernidee des republikanischen Selbstverständnisses.
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Offshore-Masterplan für Nordsee
"Deutlich weniger Windräder sparen 50 Milliarden Euro, erzeugen aber nicht weniger Strom"
Die Nordsee ist das Kraftwerk Europas. Theoretisch. Sie hat ein hervorragendes Windangebot, einen guten Baugrund und ist relativ flach. Bisher kocht jeder Anrainer jedoch sein eigenes Offshore-Süppchen und verzettelt sich. Deutschland plant etwa zu viele Windräder. Sie nehmen einander den Wind weg. "Das ist ineffizient", sagt Tim Meyerjürgens. Der Ingenieur leitet Deutschlands größten Übertragungsnetzbetreiber Tennet Germany und ist somit für den Anschluss der Nordsee-Windparks verantwortlich. Meyerjürgens überbringt im "Klima-Labor von ntv" eine überraschende Botschaft: Weniger Turbinen erzeugen nicht weniger Strom. Werden die Windparks europäisch vernetzt, können sie dem Tennet-Chef zufolge sogar rund um die Uhr laufen: "Wir beuten eine Sturmfront erst in Großbritannien aus und übertragen den Strom nach Deutschland. Tags darauf machen wir es umgekehrt."
ntv.de: Wenn Sie der Energiewende eine Schulnote geben müssten, welche wäre es?
Tim Meyerjürgens: Wenn wir den Startpunkt berücksichtigen, durchaus eine Drei. Wir haben nicht alles erreicht, was wir erreichen wollten, aber trotzdem eine ganze Menge. Und wenn ich zurückschaue: Als ich angefangen habe, als Ingenieur im Netzbereich zu arbeiten, haben mir die erfahrenen Kollegen gesagt, dass wir technisch maximal zwei Prozent Erneuerbare ins Stromnetz integrieren können.
Wann war das?
Mitte der 90er Jahre. Inzwischen sehen wir im deutschen Strommix knapp 60 Prozent Erneuerbare. In unserem Netzgebiet sind es sogar 85 Prozent.
[...] Im Januar haben sich zehn Länder beim Nordsee-Gipfel in Hamburg verpflichtet, bis 2050 gemeinsam 100 Gigawatt Offshore-Windkraft zu bauen - mit grenzüberschreitenden Stromleitungen, die alle miteinander verbinden. Warum fällt uns das erst 2026 ein?
Die Ideen für ein europäisches Verbundnetz in der Nordsee haben wir bereits 2015 vorgelegt.
Es hat elf Jahre gedauert, ihn umzusetzen?
Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass wir stärker in diese Richtung denken müssen. Aber Europa ist nach wie vor stark von nationaler Regulierung und nationalen Marktmodellen geprägt. In der Zwischenzeit ist trotzdem eine Menge passiert. Die naheliegendsten Lösungen sind umgesetzt, das sind die radialen Systeme: Punkt zu Punkt vom Offshore-Windpark an Land mit möglichst kurzer Verbindung. Wir als Tennet Germany sind für den Netzanschluss der deutschen Nordsee-Windparks verantwortlich. In den vergangenen 15 Jahren haben wir zehn Gigawatt Offshore erschlossen. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch von 10 Millionen Haushalten.
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Trumps Albtraum nimmt Gestalt an: Demokraten haben heimlich eine mächtige Ermittlungs-Maschinerie aufgebaut
Sollten die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat erobern, wäre die Partei bereit, Amtsenthebungsverfahren gegen Kabinettsmitglieder zu starten und Trumps Finanzen zu untersuchen.
US-Präsident Donald Trumps Albtraumszenario nimmt Gestalt an: Die Demokraten haben still und leise die umfassendste vorgefertigte Ermittlungsinfrastruktur in der modernen Geschichte des Kongresses aufgebaut. Schreiben zur Aufbewahrung von Dokumenten sind versandt. Ziellisten sind zusammengestellt. Strategien für Vorladungen sind entworfen. Die Maschinerie ist gebaut und wartet. Trump selbst hat eingeräumt, was kommen könnte. „Wenn wir die Zwischenwahlen nicht gewinnen, werden sie einen Grund finden, mich anzuklagen“, sagte er im Januar zu republikanischen Abgeordneten.
Mit einer Zustimmungsrate von unter 40 Prozent, einer Arbeitslosenquote von 4,3 Prozent und Benzinpreisen, die seit Beginn des Iran-Kriegs um 36 Prozent gestiegen sind, hat sich der politische Boden entscheidend gegen die Republikaner verschoben. Prognosemärkte taxieren einen Machtwechsel im Repräsentantenhaus zugunsten der Demokraten mittlerweile auf 84 Prozent und geben den Demokraten eine 51-prozentige Chance auf die Kontrolle des Senats – was eine verblüffende Verschiebung im Rennen um die Oberkammer markiert.
Trump unter Druck: Demokraten könnten zum Problem für den US-Präsidenten werden
Doch was die Demokraten mit der Macht tatsächlich anfangen können, hängt vollständig davon ab, was sie gewinnen. Erobern sie nur das Repräsentantenhaus, erhalten sie die Befugnis, Vorladungen zu erteilen, sowie die Möglichkeit, öffentliche Anhörungen abzuhalten – machtvolles politisches Theater mit realen Konsequenzen. Aber Republikaner im Senat können jedes Kabinettsmitglied freisprechen. Missachtungsbeschlüsse können auf unbestimmte Zeit vor Gericht angefochten werden. Gewinnen die Demokraten beide Kammern, ändert das alles. Die Ermittlungsmaschinerie verwandelt sich von vorbereitender Schattenarbeit in eine existenzielle Bedrohung.
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Aktuelles+
5. April 2026
Entlastung bei Energiepreisen, erneuerbare Realität und die Empörung über Lösungen
Statt die Ursachen der fossilen Krisen zu beseitigen, werden Symptome mit Mitteln behandelt, die die Probleme verursachten, kritisiert Claudia Kemfert, Energieökonomin und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Die Regierung müsse endlich auf Technologieklarheit setzen, auf intelligente Netze, Speicher, Flexibilität und Erneuerbare.
Klimareporter°: Frau Kemfert, die durch den Iran-Krieg ausgelösten höheren Preise für fossile Energien kommen nach und nach bei den Haushalten an, nicht nur beim Tanken, sondern auch durch Verteuerung von Lebensmitteln, Strom oder Heizung. Was kann kurzfristig wirklich dagegen getan werden?
Claudia Kemfert: Kurzfristig helfen keine pauschalen Tankrabatte oder Steuersenkungen auf fossile Energien, weil sie teuer sind, sozial oft ungenau wirken und die fossile Abhängigkeit sogar verlängern.
Sinnvoller sind gezielte Entlastungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen, mehr Preisaufsicht und Transparenz auf den Energiemärkten sowie Maßnahmen, die den Verbrauch sofort senken: Tempolimit, mehr Homeoffice, günstigerer öffentlicher Verkehr wie ein verbilligtes Deutschlandticket und schnelle Energieeinsparmaßnahmen bei Gebäuden.
Die beste Krisenpolitik ist nicht das Subventionieren fossiler Preise, sondern das Senken fossiler Nachfrage. Gerade diese Energiekrise zeigt erneut: Wer von Öl und Gas abhängig bleibt, importiert Preisschocks direkt mit.
Weil sich auch der Bau neuer Gaskraftwerke verzögert, stellt Bundeskanzler Friedrich Merz nun den Fahrplan für den gesetzlich festgelegten Kohleausstieg bis spätestens 2038 infrage und will Kohlekraftwerke länger am Netz lassen. Tatsächlich unterhält die Bundesnetzagentur bereits viele tausend Megawatt Kohlekraftwerke als Reserve für ein stabiles Stromnetz. Wird der Kohleausstieg so nicht schon längst ausgehebelt?
Nein. Die Netzreserve ist nicht dasselbe wie ein regulärer Wiedereinstieg in die Kohleverstromung, sondern eine Absicherung für kritische Netzsituationen.
Das Problem ist nicht ein Mangel an Kraftwerken, sondern ein Mangel an Flexibilität im System. Die eigentlichen Engpässe liegen nicht bei der Erzeugung, sondern bei fehlender Flexibilität durch eine massive Lücke bei Digitalisierung und Steuerung.
Wir haben ein Stromsystem, das noch immer auf zentraler, träger Logik basiert, obwohl die Erneuerbaren dezentral und dynamisch sind. Wenn man dann bei Engpässen reflexhaft Kohlekraftwerke länger laufen lassen will, ist das ein klassischer energiepolitischer Kurzschluss.
Stattdessen brauchen wir ein intelligentes System: flexible Nachfrage, Speicher, digitale Netze und Preissignale in Echtzeit. Dann lassen sich viele dieser Engpasssituationen vermeiden und die Kohle wird schlicht überflüssig.
Die Erneuerbaren-Branche beklagt Frontalangriffe auf ihre Erzeugung und legte einen 26-Punkte-Katalog für eine beschleunigte Energiewende vor. Dazu gehören Netzausbau, sinkende Redispatch-Kosten bei Netzengpässen, mehr Planungssicherheit für Investoren sowie eine pragmatische Energiewende im Wärmesektor. Welche Chancen haben solche Forderungen überhaupt, erfüllt zu werden?
Die Chancen sind durchaus da, weil die reale energiewirtschaftliche Entwicklung längst in diese Richtung weist.
Die jüngste Ausschreibung für Windkraft an Land war wieder überzeichnet. Mehrere Bundesländer drängen auf eine zusätzliche Sonderausschreibung von 5.000 Megawatt Wind an Land schon 2026. Auch das neue Klimaschutzprogramm enthält Ansätze für mehr Windkraft und Flexibilität im Stromsystem.
Aber die politische Linie bleibt widersprüchlich: Einerseits weiß man, dass Erneuerbare günstiger, sicherer und krisenfester sind, andererseits werden sie weiter durch Unsicherheit, Angriffe auf Ausbauinstrumente und eine fossil geprägte Wärme- und Kraftwerksdebatte ausgebremst.
Entscheidend ist deshalb, ob die Bundesregierung jetzt endlich auf Technologieklarheit setzt, also auf intelligente Netze, Speicher, Digitalisierung, Flexibilität und Erneuerbare – statt alte fossile Reflexe zu bedienen.
Der Umweltexperte Axel Friedrich fordert Nachbesserungen am Klimaschutzprogramm der Bundesregierung. Er kritisiert, darin komme Energieeffizienz so gut wie gar nicht vor. Wie sehen Sie das neue Programm?
Das Programm enthält viele sinnvolle Einzelmaßnahmen und adressiert wichtige Hebel, etwa Elektrifizierung, Windenergieausbau und industrielle Transformation. Was fehlt, ist eine klare strategische Linie.
An vielen Stellen wirkt das Programm wie ein Kompromiss zwischen alter und neuer Energiewelt. Statt konsequent auf Elektrifizierung und erneuerbare Lösungen zu setzen, werden weiterhin fossile Pfade offengehalten, vor allem im Wärme- und Verkehrssektor. Das ist riskant, weil es Investitionen verzögert und Kosten nach hinten verschiebt.
Besonders deutlich wird das im Verkehr. Zwar sind einzelne Schritte vorgesehen – wie Förderung von E‑Autos, Deutschlandticket oder Ladeinfrastruktur – aber ein wirklich stringentes Gesamtkonzept fehlt.
Der Verkehr bleibt strukturell auf hohem Emissionsniveau, weil zentrale Hebel nicht ausreichend genutzt werden, insbesondere eine konsequente Elektrifizierung, die auch Effizienzgewinne bringt.
Einzelmaßnahmen ersetzen keine Verkehrswende. Es braucht ein Gesamtsystem aus weniger fossilen Anreizen, besserem ÖPNV und effizienterer Mobilität.
Auch im Wärmesektor bleibt die Linie unklar. Statt konsequent auf erneuerbare Lösungen und Elektrifizierung zu setzen, werden weiterhin fossile Pfade offengehalten. Gleichzeitig kommt die energetische Sanierung zu langsam voran, obwohl sie entscheidend ist, um den Energieverbrauch dauerhaft zu senken.
Das verzögert Investitionen und kann zu erheblichen Mehrkosten führen. Wer heute keine klare Richtung vorgibt, produziert morgen höhere Kosten für Haushalte und Unternehmen.
Und schließlich fehlt die Systemperspektive. Digitalisierung, intelligente Netze und flexible Nutzung von Strom spielen eine zu geringe Rolle. Dabei sind genau diese Elemente entscheidend, um Kosten zu senken und die Energiewende effizient zu gestalten.
Wir brauchen mehr Verlässlichkeit und klare Leitplanken: weg von fossilen Heizsystemen, hin zu erneuerbarer Wärme, Strom und Effizienz. Ohne diese Klarheit bleibt das Programm hinter dem zurück, was ökonomisch und klimapolitisch notwendig wäre.
Und was war Ihre Überraschung der Woche?
Mich überrascht, wie präzise sich gerade das Muster bestätigt, das ich in meinem aktuellen Buch "Kurzschluss" beschreibe: Die Energiepolitik steckt voller Kurzschlüsse. Statt die Ursachen von Krisen zu beseitigen, werden Symptome bekämpft, häufig mit genau den Mitteln, die die Probleme überhaupt erst verursacht haben.
Wochenlang wurde ein angeblicher "Heizhammer" politisch aufgeladen, als wäre hier die Energiewende das Risiko. Jetzt ist der reale Kostenschock da – aber durch fossile Preise, durch "Bio‑Treppen", durch Abhängigkeit und geopolitische Krisen. Und plötzlich bleibt die große Aufregung aus.
Das ist kein Zufall, sondern Absicht: Die Empörung richtet sich gegen Lösungen und nicht gegen das eigentliche Problem.
Statt die Ursachen der fossilen Krisen zu beseitigen, werden Symptome bekämpft, mit genau den Mitteln, die die Probleme überhaupt erst verursacht haben. So bleiben fossile Abhängigkeiten bestehen. Und die fossile Abhängigkeit ist der eigentliche energiepolitische Kurzschluss. Die Energiewende ist der Weg heraus.
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Hintergrundwissen
Die Karte der nuklearen Welt
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Bundeszentrale für politische Bildung
Energiewende
(erneuerbare Energien)., (EEG-Umlage)
die dauerhafte Versorgung von Wirtschaft und Gesellschaft mit Energie wie Strom und Wärme aus nachhaltig nutzbaren, erneuerbaren oder regenerativen Quellen (erneuerbare Energien). Durch die Energiewende soll der Anteil der fossilen Energieträger wie Erdöl, Erdgas, Kohle und der Kernenergieanteil am Energiemix in Deutschland zugunsten der erneuerbaren Energien verringert werden. Zu den erneuerbaren Energien gehören insbesondere Energien aus Wind- und Wasserkraft (z. B. Windenergieanlagen, Wellen- und Strömungsenergie des Meeres), aus Erdwärme (Geothermie) oder aus Sonnenstrahlung (Solarenergie) sowie aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. Biomasse (z. B. Energie aus Holz, Pflanzenöl, Biogas). Die Energiewende baut auf die Steigerung der Energieeffizienz, eine Senkung des Energieverbrauchs und den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien, um die Nachfrage abzudecken. Das Ziel der Bundesregierung ist es, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu senken und bis 2050 zu halbieren.
In Deutschland wurde im Juni 2011 von der Bundesregierung in Anbetracht der Nuklearkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima vom März 2011 ein stufenweiser Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 beschlossen und der Atomausstieg gesetzlich geregelt. Danach erlischt die Betriebsgenehmigung für ältere Kernkraftwerke; der komplette Ausstieg aus der Kernenergie soll bis zum Jahr 2022 stattfinden.
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Wikipedia
Erneuerbare Energien
Als erneuerbare Energien (EE) oder regenerative Energien, auch alternative Energien, werden Energiequellen bezeichnet, die im menschlichen Zeithorizont für nachhaltige Energieversorgung praktisch unerschöpflich zur Verfügung stehen oder sich verhältnismäßig schnell erneuern. Damit grenzen sie sich von fossilen Energiequellen ab, die endlich sind oder sich erst über den Zeitraum von Millionen Jahren regenerieren.
Erneuerbare Energiequellen gelten, neben der effizienten Nutzung von Energie, als wichtigste Säule einer nachhaltigen Energiepolitik (englisch sustainable energy policy) und der Energiewende. Zu ihnen zählen Bioenergie (Biomassepotenzial), Geothermie, Wasserkraft, Meeresenergie, Sonnenenergie und Windenergie. Ihre Energie beziehen sie von der Kernfusion der Sonne, die bei weitem die wichtigste Energiequelle ist, aus der kinetischen Energie der Erddrehung und der Planetenbewegung sowie aus der erdinneren Wärme.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird in vielen Staaten weltweit vorangetrieben. 2018 deckten erneuerbare Energien 17,9 % des weltweiten Endenergieverbrauchs. Daran hatte traditionelle Biomasse, in Entwicklungsländern zum Kochen und Heizen genutzt, mit 6,9 % den größten Anteil, gefolgt von moderner Biomasse und Solar- und Geothermie (4,3 %), Wasserkraft (3,6 %), anderen modernen erneuerbaren Energien wie vor allem Windkraft und Photovoltaik (zusammen 2,1 %) und Biokraftstoffe (1 %). Der Anteil am weltweiten Endenergieverbrauch stieg nur langsam um durchschnittlich 0,8 % pro Jahr zwischen 2006 und 2016. Höher ist der Anteil der erneuerbaren Energien am globalen Stromverbrauch. 2024 wurden etwa 32 % des Stroms mittels Wasser-, Windkraft- und Photovoltaikanlagen erzeugt, wobei Wasserkraftwerke 14 %, Windkraftwerke 8 %, Photovoltaik 7 % und Bioenergie und Abfall 3 % lieferten. 2024 erzeugte Kernenergie 9 % des weltweit erhaltenen elektrischen Stroms, so dass rund 40 % aus nuklearen und erneuerbaren Quellen erhalten wurden. Im ersten Halbjahr 2025 lieferten erneuerbarer Energien weltweit mit 5027 TWh bzw. 34,3 % am globalen Strommix erstmals mehr Strom als Kohle (4896 TWh bzw. 33,1 %).
Kapazitätsreserve, Netzreserve, Sicherheitsbereitschaft
Die Begriffe Kapazitätsreserve, Netzreserve und Sicherheitsbereitschaft beschreiben drei Konzepte aus dem zum 30. Juli 2016 in Kraft getretenen Gesetz zur Weiterentwicklung des Strommarktes (Strommarktgesetz). Häufig werden diese Begriffe in den Medien und gelegentlich auch von offizieller Seite miteinander verwechselt und vermischt.
Netzreserve
Die Netzreserve ist in § 13d EnWG und in der Netzreserveverordnung geregelt. Im Winter ist der Bedarf an elektrischer Energie in der Regel am höchsten. Im Norden Deutschlands kann aufgrund des Wetters mehr Energie durch Windkraftwerke produziert werden. Gelegentlich reicht das vorhandene Übertragungsnetz nicht aus, um den gesamten produzierbaren Strom vom Norden in den Süden zu transportieren. Dann werden im Norden Windkrafträder abgeschaltet und/oder Kraftwerke heruntergefahren; im Süden werden Kraftwerke hochgefahren (Redispatching).
Zu diesem Zweck stehen unter anderem auch Kraftwerke zur Verfügung, die der Kraftwerksbetreiber bereits zur Stilllegung angezeigt hatte, die jedoch durch den Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur als systemrelevant eingestuft wurden und daher nicht stillgelegt werden durften. Diese Kraftwerke bilden gemeinsam die Netzreserve. Die Kosten für die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft der Netzreservekraftwerke werden den Betreibern erstattet und auf die Netzentgelte umgelegt. Die Netzbetreiber greifen jedoch für den Redispatch auch auf beliebige andere Kraftwerke im In- und Ausland zurück, soweit sie für den in der Situation erforderlichen Redispatch geeignet sind.
Tempolimit
Der Begriff Tempolimit bezeichnet eine Vorschrift zur Begrenzung der mit einem Kraftfahrzeug auf Straßen zu fahrenden höchsten Geschwindigkeit. Das Zustandekommen einer solchen Vorschrift stellt eine politische Willensentscheidung dar. Sie kann als Maßnahme zum Klimaschutz sowie zur Erhöhung der Verkehrssicherheit oder aus Lärmschutzgründen erwogen werden und ist wiederkehrend Gegenstand einer öffentlichen Debatte in Deutschland.
Tempolimits werden von zahlreichen Wissenschaftlern ebenso wie von vielen Vertretern von Umweltschutzorganisationen als ein kostengünstiges, einfach und schnell umsetzbares sowie nachweislich wirksames Mittel zur Erreichung von Klimaschutzzielen eingestuft. Hinzu kommen ökonomische Erwägungen. Kritiker verweisen auf die vergleichsweise geringe Reduktion von Treibhausgasen und die Einschränkung der individuellen Freiheit des einzelnen Autofahrers.
Im Verkehrsrecht wird der Begriff „zulässige Höchstgeschwindigkeit“ verwendet, der im Vergleich zu „Tempolimit“ breiter in der Bedeutung angelegt und weniger spezifisch ist.
Zulässige Höchstgeschwindigkeit im Straßenverkehr (Deutschland)
In der Bundesrepublik Deutschland gelten gemäß § 3 Abs. 3 StVO für alle Kraftfahrzeuge als zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb einer geschlossenen Ortschaft seit 1. September 1957 50 km/h, wie in den meisten Ländern Europas. Außerhalb geschlossener Ortschaften beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit für PKW sowie für andere Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bis 3,5 t seit 1. Oktober 1972 100 km/h.
Darüber hinaus gilt seit 1974 auf den Bundesautobahnen sowie allen anderen außerörtlichen Straßen mit einem Mittelstreifen oder mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtung eine Richtgeschwindigkeit (empfohlene maximale Geschwindigkeit) von 130 km/h, also keine definierte generell maximal zulässige Geschwindigkeit. Die jeweils gültige zulässige Geschwindigkeit kann jedoch durch das Sichtfahrgebot und andere Bedingungen des § 3 (Fahrzeugbeherrschung, Straßen-, Verkehrs- und Wetterverhältnisse, persönliche Fähigkeiten, Fahrzeug- und Ladungseigenschaften) weiter eingeschränkt werden.
[...] Studie des Umweltbundesamtes 2023
Gemäß einer 2023 vom Umweltbundesamt veröffentlichten Studie führt ein Tempolimit von 120 Kilometern zu mehr CO2-Einsparung als bisher gedacht. Die Studie geht davon aus, dass dieses Tempolimit wegen längerer Reisezeiten zur verstärkten Nutzung von Bahn und Fernbussen sowie von kürzeren, aber langsamer zu befahrenden Strecken oder zum Verzicht auf Fahrten führen würde. Ein solches Tempolimit könne Treibhausgasemissionen in Höhe von 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr einsparen. Ein zusätzliches Tempolimit von 80 Kilometern pro Stunde auf Straßen außerhalb von Ortschaften würde der Studie zufolge das Einsparpotenzial auf 8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente erhöhen. Durch die Kombination beider Tempolimits könnten die Treibhausgasemissionen der Pkw und Nutzfahrzeuge in Deutschland insgesamt um rund fünf Prozent gesenkt werden.
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