Neu! THTR-Rundbrief

Newsletter II 2026

11. Januar bis ...

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...

Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.

 

1. Januar 1977 (INES-5) Akw Belojarsk, UdSSR

2. Januar 1958 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR

3. Januar 1961 (INES-4 NAMS 2,9) SL-1, NRTS, Idaho, USA

4. Januar 1986 (INES-4) Atomfabrik Sequoyah, OK, USA

5. Januar 1976 (INES-3) Akw Jaslovské Bohunice, SVK

6. Januar 2016 (Nordkoreas 4. Nuklearwaffentest) Punggye-ri, PRK

6. Januar 1981 (INES-3) Atomfabrik La Hague, FRA

13. Januar 1977 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU

17. Januar 1966 (Broken Arrow) Palomares, ESP

18. Januar 2012 (INES-2) Akw Cattenom, FRA

20. Januar 1965 (INES-4 NAMS 3,7) Atomfabrik LLNL, Livermore, USA

21. Januar 2002 (INES-2) Akw Flamanville, FRA

21. Januar 1969 (INES-5 NAMS 1,6) Akw VAKL Lucens, CHE

21. Januar 1968 (Broken Arrow) Thule Airport, Grönland, DNK

24. Januar 1961 (Broken Arrow) Goldsboro, NC, USA

 

Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de

 


18. Januar


 

INES Kategorie 2 "Störfall"18. Januar 2012 (INES-2) Akw Cattenom, FRA

 Fehlen von Überlaufschutzvorrichtungen in zwei von vier Reaktoren der Anlage.

(Kosten ?)

Nuclear Power Accidents
 

Wikipedia de

Cattenom

Durch ein fehlendes Bauteil wurde der Rückfluss in den Kühlleitungen des Lagerbeckens der Brennelemente der Blöcke 2 und 3 nicht verhindert. So hätte das Lagerbecken unkontrolliert leer werden können. Bedingt durch eine Störung könnte die Kühlwasser-Einspeiseleitung des Abklingbeckens für abgebrannte Brennelemente – statt regulär Wasser einzuspeisen – Wasser aus dem Becken ansaugen, was dieses langsam leeren würde und zu größeren Radioaktivitäts-Freisetzungen führen würde. Zur Unterbrechung dieses Ansaug-Vorgangs existiert im Normalfall eine Vorrichtung. In Cattenom wurde im Januar festgestellt, dass diese bei Block 2 und 3 gar nie angebracht worden war. Wäre es dort zu einer Entleerung des Beckens gekommen, hätte man als letzte Gegenmaßnahme mit Tanklösch-Fahrzeugen und Schlauchverbindungen externes Wasser, etwa aus dem Fluss, einpumpen können ...
 

AtomkraftwerkePlag

Cattenom

Im Juli 2012 machte es die französische Atomaufsicht (ASN) dem Betreiber Électricité de France (EDF) zur Auflage, Motorpumpen für die Wasserzufuhr der Abklingbecken auszutauschen, da diese im Falle einer Überhitzung von Brennmaterialien nicht robust genug seien. Dies betrifft die Atomkraftwerke Cattenom, Belleville, Flamanville, Paluel und Saint-Alban ...

 


17. Januar


 

Empa: Immer mehr PFAS im Regen

Durch Kühlmittel gelangt immer mehr Trifluoracetat (TFA) in die Luft – und in Folge ins Wasser.

Fluorchemikalien, die in der Natur nicht zerfallen, sind ungemein praktisch und werden breit verwendet. Sie sind seit Jahrzehnten Bestandteil von etlichen Alltagsgegenständen. Es wird immer deutlicher, wie problematisch das ist. Während einzelne Substanzen aus der riesigen Stoffklasse der PFAS bereits verboten sind, ist die Wirkung von anderen völlig unbekannt. Bei manchen besteht ein Verdacht.

Zum Beispiel bei Trifluoracetat oder kurz: TFA. Das kleinste bekannte PFAS ist sehr gut wasserlöslich und wird seit Jahrzehnten verwendet. Es findet sich in quasi allen Gewässern und galt als sicher, bis es vor zwei Jahren in den Verdacht geriet, Geburtsschäden auszulösen.

Vor allem aus Pestiziden und Kühlmittel

Im vergangenen Jahr warnten bereits die Wasserversorger vor den ständig steigenden Mengen im Grund- und Oberflächenwasser (Infosperber berichtete). Wenn TFA einmal im Wasser ist, ist es sehr schwer zu entfernen. Reguliert ist Trifluoracetat dennoch nicht. In der Schweiz und der EU gibt es lediglich Empfehlungswerte. Die Neubewertung der Chemikalie durch die EU-Chemikalienagentur Echa läuft.

TFA in der Umwelt stammt hauptsächlich aus drei Quellen: Pestizide, aus denen sich die Chemikalie abspalten kann, verdampfende Kältemittel, die in der Atmosphäre Trifluoracetat abgeben, das mit Regen wieder zur Erde gelangt, sowie Industrieabwässer.

Die Empa hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) und der Uni Bern untersucht, wie TFA in der Atmosphäre gebildet wird und ins Wasser gelangt. Mit besorgniserregenden Ergebnissen: Die TFA-Konzentration im Wasser steigt immer weiter an...

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Hochsee unter Schutz:

Wer das Meer liebt, kann wieder hoffen

Die Hochsee war lange Niemandsland. Ein historisches Meeresschutzabkommen ändert das ab sofort. Zeit, wieder von sauberen Ozeanen und üppigen Riffen zu träumen?

Fährt man weit genug raus aufs Meer, kommt die Hochsee. Nach zwölf Seemeilen enden die Hoheitsgewässer, nach 200 Seemeilen, also 370 Kilometer vor den Küsten, die Wirtschaftszonen der Staaten. Doch wer glaubt, hier beginne die unberührte Natur, irrt. Tiefseebergbau, Überfischung, Ölbohrungen – vieles gefährdet das Leben in den kaum kontrollierten Weiten der Ozeane.

Seit Jahrzehnten verdunkeln Müllteppiche aus Plastik das Meer. Jeden Tag ersticken Meeresschildkröten und Seevögel im Abfall. Delfine und Robben verenden als Beifang in Reusen und Fischernetzen. Mikroplastik vergiftet das Meer bis in die Tiefsee. Haien werden bei lebendigem Leib die Flossen abgeschnitten, die als Delikatessen in Asien Höchstpreise erzielen. Und der wachsende Schiffsverkehr aus Tankern und Fähren tötet sogar Wale, die größten Meeressäuger der Erde.

Damit die hohe See endlich Schutz bekommt, haben die Vereinten Nationen 20 Jahre lang über ein Abkommen verhandelt. Jetzt, am 17. Januar, tritt es in Kraft.

Wendepunkt für den Meeresschutz

Mit dem High Seas Treaty, das bereits 2023 beschlossen und von 145 der 198 UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde, werden Schutzmaßnahmen endlich auch auf hoher See möglich. Meeresbiologinnen und Umweltschützer feiern es als Wendepunkt für die Meere. "Das ist ein historischer Durchbruch", sagte der Biologe und Aktivist Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe wenige Tage vor Inkrafttreten des Abkommens. "Endlich erhalten wir ein Werkzeug, um das größte Ökosystem der Welt nachhaltig zu schützen."

[...] Bis zum Inkrafttreten des Hochseeabkommens haben es 83 der 145 Unterzeichnerstaaten ratifiziert und sich damit bereits verpflichtet, die Vereinbarungen für die Hochsee national umzusetzen. Deutschland hat zumindest die Gesetzesentwürfe dafür schon auf den Weg gebracht, hinkt aber mit der Ratifizierung hinterher.

Die USA steigen praktisch ganz wieder aus

Neben der EU, fast ganz Südamerika, China, Indien, Australien und weiten Teilen Südostasiens sowie den meisten Küstenstaaten Afrikas hatten auch die USA unter Joe Biden das Abkommen unterzeichnet. Sein Nachfolger Donald Trump wird es aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht ratifizieren. Im Gegenteil: Der US-Präsident verfolgt eigene Pläne, in der Hochsee Rohstoffe abzubauen – ungeachtet der in dem Abkommen vereinbarten Prinzipien. Auch sein Griff nach Grönland betrifft arktische Meeresgebiete, die teilweise unter das High Seas Treaty fallen...

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Von der Ohnmacht des Linken

Der gegenwärtig weltweit aufblühende repressive Autoritarismus und Faschismus müsste nachgerade Linke, mithin linkes Denken, auf den Plan rufen. Warum geschieht das nicht?

Bereits 1992 stellte der britische Sozialtheoretiker und Politikwissenschaftler Steven Lukes die doppeldeutige Frage “What is Left?”, die sowohl auf die Definition des gesellschaftlichen und politischen Linken zielte als auch auf die Erörterung dessen, was von ihm nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion übriggeblieben sei. Rund ein Jahrzehnt später hat er dazu ein kleines Buch veröffentlicht, in welchem er im Hinblick auf die Beendigung des Kalten Krieges, die Dominanz neoliberaler Politik und die programmatische Entleerung vieler linker Parteien der Frage nachging, ob der Begriff “links” noch einen normativen Gehalt wahre oder sich historisch vollends erledigt habe.

Seine klare Antwort lautete, dass “Links” zwar nicht tot sei, aber neu bestimmt werden müsse. Dezidiert grenzte er sich dabei ab vom orthodoxen Marxismus und staatlichen Zentralismus, vom ökonomischen Determinismus und von der Idee, dass Geschichte zwangsläufig in eine sozialistische Zukunft führe. Diese Vorstellungen galten ihm als politisch gescheitert und moralisch diskreditiert. Stattdessen redete er dem normativen Kern des Linken das Wort; “links” sei eher eine moralische Orientierung. Es gelte, ungerechtfertigte Ungleichheit zu bekämpfen und eine Sensibilität für strukturelle Machtasymmetrien zu entfalten, mithin Macht und ihre Auswirkungen sichtbar zu machen. Zugleich müsse Solidarität zur Norm erhoben und kollektive Verantwortung betont werden. Den Universalismus begriff Lukes als Skepsis gegenüber rein identitätspolitischen oder partikularen linken Ansätzen; Menschenrechte und soziale Gerechtigkeit seien für alle, nicht nur für bestimmte Gruppen zu postulieren.

Am 8.1.2026 hat der bedeutende Soziologe Richard Sennett der “Frankfurter Rundschau” ein bemerkenswertes Interview gegeben. Wie zu erwarten, ging es vordringlich um Donald Trump bzw. um die unmittelbare Drohung, die von seiner globalen Politik ausgeht. Sennett orakelt, dass die Grönland-Krise die Nato binnen Wochen zerstören könnte. Denn würde Trump Grönland einnehmen, träte der Fall ein, dass ein Nato-Mitglied faktisch das Territorium eines anderen Mitglieds an sich reißt: “Entweder die übrigen Staaten reagieren – dann ist das Bündnis durch offenen Konflikt zerstört. Oder sie reagieren nicht – dann ist es politisch erledigt. In beiden Fällen wäre die Nato funktionslos.” Er halte das für ein realistisches Szenario und macht keinen Hehl aus seiner Angst vor einem möglich gewordenen Krieg in Europa.

Er vergleicht gar die Lage mit München 1938, und erklärt dies mit der Schwäche der Europäischen Union, deren Führer sich hinter “Komplexität” versteckten. “Die Lage ist kompliziert” sei die sicherste Zuflucht für Politiker: “Sie schafft einen öffentlichen Raum der Untätigkeit, während sie hinter den Kulissen manövrieren. Das war Neville Chamberlains fataler Fehler. Beschwichtigung in der Öffentlichkeit, Vorbereitung hinter den Kulissen. Churchill verstand, daß dies nicht funktioniert. Man kann nicht öffentlich beschwichtigen und erwarten, dass sich die Gesellschaften im Hintergrund still mobilisieren. Führung erfordert Klarheit, insbesondere wenn die Architektur des Friedens selbst auf dem Spiel steht.” Eine erschreckend geringe Rolle spielten dabei internationale Institutionen, wobei ihn die völlige Bedeutungslosigkeit der Vereinten Nationen besonders traurig mache.

Und es ist in diesem Zusammenhang, daß er auch auf die Linke zu sprechen kommt. Die amerikanische Politik sei ihm ein echtes Rätsel: “Kategorien wie links und rechts erfassen diese Komplexität nicht. Selbst Klassenanalysen greifen oft zu kurz.” Gefragt, ob er glaube, dass wir in eine Epoche der Kriege eintreten, antwortet Sennett: “Ja. Das glaube ich. Und das ist für die Linke besonders schwer zu akzeptieren. Ich zähle mich selbst zur Linken, genauer gesagt zu einer bürgerlichen Linken. Wir haben lange geglaubt, dass Regeln, Institutionen, Zwischeninstanzen Macht bändigen können. Dass das der Normalzustand ist. Aber wir sind nicht in einem normalen Moment. Und viele Linke behandeln diesen Ausnahmezustand so, als wäre er Routine.” Und auf die folgende Frage, ob die Linke, “so wie sie heute besteht und ausgeprägt ist, darauf überhaupt noch antworten” könne, gibt er die Antwort: “In den USA wird das sicher passieren. Hier in Europa bin ich mir nicht sicher. In Großbritannien sehe ich im Moment keinen wirklichen linken Widerstand. Die Linke ist erschöpft, defensiv, ohne klare Antwort. Und ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass wir – die Linke – im Moment die Lösung dieses Problems sind.”

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Minneapolis:

US-Bundesrichterin schränkt Maßnahmen von ICE-Beamten in Minnesota ein

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...ICE darf in Minneapolis kein Pfefferspray bei friedlichen Protesten einsetzen, urteilt Katherine Menendez. Die Behörde muss den Beschluss binnen dreier Tage umsetzen.

Angesichts der angespannten Lage wegen des Einsatzes der US-Abschiebebehörde ICE im Bundesstaat Minnesota hat eine Bundesrichterin die Befugnisse der dortigen ICE-Beamten eingeschränkt. Friedliche Protestierende und Autofahrer dürften nicht festgenommen oder mit Pfefferspray vertrieben werden, teilte Bundesrichterin Katherine Menendez in ihrer 83-seitigen Anordnung mit. Sie gab dem US-Heimatschutzministerium 72 Stunden Zeit für die Umsetzung.

Unterdessen soll das US-Justizministerium Ermittlungen gegen Minnesotas Gouverneur Tim Walz und den Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, eingeleitet haben. Das berichteten mehrere US-Medien unter Berufung auf anonyme Quellen. Hintergrund sind demnach Aussagen von Walz und Frey, in denen diese sich kritisch gegenüber den ICE-Beamten in Minneapolis geäußert haben.

"Die Justiz gegen eure Gegner zu instrumentalisieren, ist eine autoritäre Taktik", schrieb Walz in Reaktion auf die Berichte über die Untersuchung auf X. Frey sagte: "Dies ist ein offensichtlicher Versuch, mich einzuschüchtern, weil ich für Minneapolis, die lokale Strafverfolgung und die Anwohner angesichts des Chaos und der Gefahr, die diese Regierung in unsere Stadt gebracht hat, eingestanden bin."

ICE wähnt sich im Kampf mit "inländischen Terroristen"

Die Proteste gegen Trumps Abschiebepolitik und ICE hatten sich ausgeweitet, nachdem ein ICE-Polizist am Mittwoch der vergangenen Woche die unbewaffnete Mutter Renee Nicole Good in ihrem Auto mit mehreren Schüssen getötet hatte. Die Trump-Regierung stellt Good als "inländische Terroristin" dar, die von dem Polizisten aus Notwehr getötet worden sei, nachdem sie ihn "überfahren" habe. Videoaufnahmen zeigen aber, dass Good ihr Fahrzeug von dem ICE-Beamten wegsteuerte...

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60 Jahre Palomares-Zwischenfall

»Die Einwohner wurden fortwährend falsch informiert«

Über den Atomwaffenunfall von Palomares, symbolische Dekontaminierungsaktionen und die bleibenden Schäden für Menschen und Umwelt. Ein Gespräch mit José Herrera Plaza

Vor 60 Jahren, am 17. Januar 1966, kam es über dem Süden Spaniens zu einem der schwerwiegendsten Unfälle mit Atomwaffen während des Kalten Kriegs. Ein Tankflugzeug der US-Luftwaffe kollidierte mit einem B-52-Bomber mit vier Wasserstoffbomben an Bord. Beide Flugzeuge explodierten; die Einzelteile und die gefährliche Fracht fielen über dem kleinen Küstendorf Palomares in Andalusien vom Himmel. Bei zwei der vier Bomben öffnete sich der Fallschirm nicht. Sie zerbarsten beim Aufprall auf der Erde und verseuchten Luft und Boden rund um Palomares mit Plutonium und Uran. Die vierte Bombe fiel ins Mittelmeer und wurde erst 80 Tage später gefunden. Wo waren Sie im Januar 1966, als die Wasserstoffbomben vom Himmel fielen?

Ich begann damals gerade meine Schulzeit in Almería. Das liegt rund 90 Kilometer von Palomares entfernt. So wie die meisten Menschen in Andalusien ahnte ich nichts von den Wasserstoffbomben über unseren Köpfen.

Wann und warum haben Sie mit Ihren Recherchen zum Unfall von Palomares begonnen und ihn zu Ihrem Hauptthema gemacht?

Am 13. Januar 1986 nahm ich an einer Versammlung der Einwohner von Palomares teil. Es war drei Tage vor dem 20. Jahrestag des Unfalls, und ihr Anspruch auf Entschädigung für Gesundheitsschäden lief bald ab. Ich wollte eine Dokumentation über diese wenig bekannte, fast unglaubliche Geschichte drehen, doch damals war das für einen Dokumentarfilm relevante Quellenmaterial als geheim eingestuft. 21 Jahre lang wartete ich und trug alle verfügbaren Dokumente zusammen, bis ich schließlich den Dokumentarfilm »Operation Gebrochener Pfeil: Der Atomunfall von Palomares« fertigstellen konnte.

[...] Wie war es möglich, dass die Medien während der Franco-Diktatur so rasch darüber berichteten?

Der spanisch-amerikanische Journalist von United Press, André del Amo, war zwei Tage nach dem Unfall in Palomares und stellte die Beteiligung von Atomwaffen sowie die Bodenmessungen mit Geigerzählern fest. Am folgenden Tag erschien seine Meldung in den wichtigsten Medien weltweit. Die Diktatur reagierte in gewohnter Manier: Sie beschlagnahmte Zeitungen an Kiosken und an den Flughäfen von Madrid und Barcelona, ​​sobald internationale Flüge landeten.

[...] Wurde die Bevölkerung vor der Plutoniumverseuchung und dem Verzehr potentiell kontaminierter Lebensmittel wie zum Beispiel Tomaten gewarnt?

Die Einwohner von Palomares wurden fortwährend und auf perfide Weise falsch informiert, und dies setzte sich fünfzig Jahre lang fort, sowohl unter der Franco-Diktatur als auch im demokratischen Spanien. Kenntnis über die prekäre Lage erhielten sie größtenteils durch verbotene Kurzwellensender wie dem kommunistischen Radio España Independiente sowie durch BBC und Radio Paris mit ihren nächtlichen spanischsprachigen Programmen. Auch eine prominente Angehörige des spanischen Adels, die Herzogin von Medina Sidonia, trug ebenfalls dazu bei, die lokale Bevölkerung über ihre Lage und ihre Rechte aufzuklären, weshalb sie von der faschistischen Diktatur inhaftiert wurde...

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Verlust einer Atombombe (Broken Arrow)17. Januar 1966 (Broken Arrow) Palomares, ESP

Absturz eines B-52 Bombers mit 4 Wasserstoffbomben an Bord… 
(Kosten ?)

Nuclear Power Accidents
 

Die Nukleare Kette

Palomares, Spanien

Absturz eines Atomwaffenflugzeugs

Im Januar 1966 schlugen vier Wasserstoffbomben in der Nähe der spanischen Stadt Palomares auf, nachdem eine B-52 der US-Luftwaffe in der Luft mit einem anderen Flugzeug zusammengestoßen war. Der nichtatomare Sprengstoff zweier Bomben detonierte und führte zur großflächigen Verbreitung von radioaktivem Niederschlag. Auch 40 Jahre nach dem Unglück findet man radioaktiv verseuchte Böden in der Nähe der Absturzstelle.

Hintergrund

Am 17. Januar 1966 kollidierte ein B-52-Bomber der US-Luftwaffe während des Betankens in der Luft mit dem Tank-Flugzeug. Das Unglück ereignete sich etwa 9.500 m über dem kleinen spanischen Fischerdorf Palomares. Die B-52 hatte zu diesem Zeitpunkt vier Wasserstoffbomben an Bord, die sich nach der Kollision lösten und zusammen mit dem Flugzeug abstürzten. Bei zwei der Bomben funktionierten die Fallschirme nicht. Sie schlugen jeweils am östlichen und westlichen Rand der Stadt auf, wodurch der nicht-atomare Sprengstoff der Waffen teilweise detonierte. Nur einem Zufall ist es zu verdanken, dass es in den atomaren Sprengköpfen nicht zu einer Kettenreaktion kam. Allerdings wurde durch die Explosion radioaktives Material, vor allem Uran und Plutonium, über die Felder von Palomares verteilt. Starker Wind blies die radioaktive Wolke mit Plutonium-Staub über weite Strecken und führte so zur großflächigen Verseuchung des Umlands. Die dritte Wasserstoffbombe wurde von Bergungstrupps rasch und relativ intakt aufgefunden, während die vierte Bombe erst 80 Tage später vom Meeresboden geborgen werden konnte. Nach dem Unfall bei Palomares verbot Spanien Überflüge mit Atomwaffen in seinem Luftraum. Die regulären Patrouillenflüge mit Atomwaffen wurden reduziert, aber erst nach dem Unfall bei Thule 1968 komplett eingestellt...

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16. Januar


 

Jurist Friedman mit klaren Worten für ein AfD-Verbot

Warum Michel Friedman die Angst vor einem möglichen Scheitern eines AfD-Verbotsverfahrens für ein schwaches Argument hält.

Hamburg (dpa/lno) - Der Publizist Michel Friedman hat sich klar für ein AfD-Verbotsverfahren ausgesprochen. Argumente, das Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht könne ja verloren gehen und sollte deshalb vorsichtshalber gar nicht erst begonnen werden, machten ihn wütend, sagte er beim Neujahrsempfang der Grünen-Bürgerschaftsfraktion im Hamburger Rathaus. Dann habe er das Gefühl, "man verblödet mich gerade".

"Ich bin Anwalt", rief der Jurist geradezu vor rund 1.000 Gästen im Großen Festsaal. "Wenn ich meine Mandanten nur in einem Prozess begleiten würde, wenn ich schon wüsste, wie das Urteil ist, lebe ich in Moskau, nicht in einem freien Land." Nachdem nun auch von Gerichten bestätigt worden sei, dass die AfD in Teilen die Demokratie vernichten wolle, und das Verfassungsgericht nur noch klären müsse, ob die Aktivität so sei, dass sie deswegen verboten gehöre, "dann warte ich doch nicht auf den Moment, wo sie es bereits geschafft haben, sondern mache es mal ausnahmsweise rechtzeitig", so Friedman...

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Rote Hilfe: Kontenkündigung war rechtswidrig

Eilfverfahren: Landgericht sieht keinen Grund für Maßnahme der Sparkasse Göttingen

Vor dem Göttinger Landgericht hat die Solidaritätsorganisation Rote Hilfe am Freitag einen Etappensieg erzielt. Die Sparkasse Göttingen muss ein Konto des Vereins fortführen.

Zur Erinnerung: Mitte Dezember hatten sowohl die GLS Bank als auch die Sparkasse Göttingen die Konten der Roten Hilfe gekündigt. Zur Begründung machten beide Banken nur vage Angaben. Von der GLS Bank hieß es etwa, dass man sich an die »gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Vorgaben im deutschen und europäischen Bankensystem sowie an international verbindliche Abkommen« halten müsse.

Die Rote Hilfe vermutete einen Zusammenhang zwischen ihrer Kontokündigung und der Aufnahme der »Antifa-Ost« auf die Terrorliste der USA. Die Banken agierten aus Angst vor möglichen Sanktionen der USA, so die Schlussfolgerung der Organisation, die linke Gefangene unterstützt. Gegen die Kontenkündigung bei der GLS Bank protestierten zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen mit einem Brief, der die Bank aufforderte, das »Debanking« zu stoppen. Den Brief haben mittlerweile Tausende Menschen unterschrieben.

[...] Hartmut Brückner vom Bundesvorstand der Roten Hilfe erklärte dazu: »Das Gericht hat klargestellt, dass politische Entscheidungen und Listungen eines Drittstaates kein Maßstab für das Handeln deutscher Banken sein dürfen. Die von der Sparkasse vorgebrachten Gründe konnten das Gericht nicht überzeugen. Das Urteil ist ein wichtiges Signal gegen politisch motivierte Kontokündigungen.«

Rechtsanwalt Jasper Prigge, der das Verfahren für die Rote Hilfe geführt hat, sieht eine große Bedeutung der Entscheidung für die Zivilgesellschaft: »Der Zugang zu einem Konto ist für Vereine existenziell. Willkürliche Entscheidungen der Trump-Regierung dürfen in Deutschland grundrechtlich geschütztes Verhalten nicht faktisch unterbinden. Das ist durch die Entscheidung des Landgerichts nun klargestellt.«

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Atommüll-Tourismus in NRW

BUND sieht Umwelt-Rechtsschutz in Gefahr

Im Streit um Castor-Transporte in NRW will der BUND sein Klagerecht verteidigen. Die Grünen gehen vorsichtig auf Distanz zur eigenen Landesregierung.

Das juristische Tauziehen um Dutzende Castor-Transporte mit hoch radioaktivem Atommüll mitten durch Nordrhein-Westfalen geht weiter: Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat Beschwerde gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Berlin eingelegt, das einen Eilantrag des Umweltverbands gegen den seit Jahren als „unsinnig und gefährlich“ kritisierten Atommülltourismus für unzulässig erklärt hatte.

Jetzt soll das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg sicherstellen, dass die Transporte von 288.161 Brennelementen des Hochtemperatur-Reaktors des ehemaligen Kernforschungszentrums in Jülich bei Aachen ins rund 170 Kilometer entfernte Zwischenlager Ahaus nicht während des laufenden Eilverfahrens starten dürfen.

Denn das Verwaltungsgericht als erste Instanz hatte den Antrag des BUND lediglich aus formalen Gründen abgeschmettert: Der Umweltverband sei gegenüber dem in Berlin ansässigen Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), das SPD-Bundesumweltminister Carsten Schneider untersteht, schlicht „nicht antragsbefugt“, so die Berliner Richter – im konkreten Fall habe der BUND kein Verbandsklagerecht.

Inhaltlich hatte die 10. Kammer des Verwaltungsgerichts dagegen beschlossen, aufgrund der Sicherheitsbedenken des BUND sei der Erfolg eines juristischen Hauptverfahrens „zum gegenwärtigen Zeitpunkt als offen zu beurteilen“.

[...] Überhaupt sei die Transportgenehmigung des BASE rechtlich nur eingeschränkt bewertbar gewesen, so das Verwaltungsgericht: Zentrale Teile der Genehmigungsunterlagen waren geschwärzt und deshalb auch für die Berliner Richter nicht lesbar.

Vom BUND hagelt es deshalb Kritik: „Wenn Gerichte anerkennen, dass Sicherheitsfragen nicht umfassend zu beurteilen sind, aber gleichzeitig verhindern, dass sie überhaupt überprüft werden können, läuft effektiver Rechtsschutz ins Leere“, sagt Kerstin Ciesla, in NRW stellvertretende Landesvorsitzende des Umweltverbands. „Hier wurde nicht über Sicherheit entschieden, sondern darüber, wer überhaupt fragen darf.“

[...] Für Sonntag sind Demos angekündigt

Anti-Atom-Initiativen wie das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, das Aktionsbündnis Stop Westcastor Jülich und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) begrüßten die BUND-Beschwerde.

Für den kommenden Sonntag rufen Anti-Atom-Aktivist:innen deshalb zu einer Kundgebung vor dem Rathaus in Ahaus auf, die um 14 Uhr beginnen soll. Und am Samstag, 24. Januar, soll ab 11 Uhr am Autobahnrasthof Bottrop-Süd demonstriert werden.

Die An­woh­ne­r:in­nen entlang der Autobahnen wurden bisher weder von der Bundes- noch der Landesregierung oder der Polizei über die „erheblichen Unfall- und Sicherheitsgefahren der Lkw-Atommülltransporte“ informiert, sagt der Atomkraftgegner Jens Dütting von der Ahauser Initiative zur Begründung. Wegen einer Autobahn-Großbaustelle zwischen Bottrop und Oberhausen sei die A 2 dort ein „offensichtliches sicherheitstechnisches Nadelöhr“...

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Mexiko, die Monroe-Doktrin und die Deutschen

Für die Vereinigten Staaten ist klar: Was sie auf ihren Kontinent tun oder lassen, geht keine außeramerikanische Macht etwas an.

Das Telegramm von Arthur Zimmermann, seines Zeichens Staatssekretär im Auswärtigen Amt während des Ersten Weltkrieges, hatte das Potential, Weltgeschichte zu verändern. Adressiert war es an die deutsche Botschaft in Mexico City, und die war gehalten, es an die mexikanische Regierung weiterzuleiten.

In dem Telegramm, 1917 gesandt, schlug Zimmermann dem Präsidenten von Mexiko, Venustiano Carranza, ein Bündnis vor: Deutschland plane, einen uneingeschränkten U-Boot-Krieg gegen Großbritannien zu beginnen; sollten daraufhin die USA an die Seite von Frankreich und England in den Krieg eintreten, dann sollte Mexiko ein Bündnis mit Deutschland eingehen und die USA vom Süden her militärisch aufrollen.

Ein ungewöhnlicher Vorgang

Was würde für Mexiko dabei herausspringen? Einiges von der guten deutschen Goldmark. Und die Gebiete, die Amerika im mexikanisch-amerikanischen Krieg von 1848 beschlagnahmt hatte, sollten an Mexiko zurückgegeben werden; was heißt, Kalifornien, Arizona, New Mexico, und Texas, praktisch der gesamte Wilde Westen.

Leider wurde das Telegramm vom britischen Geheimdienst abgefangen, der es entschlüsselte und an den US-Präsidenten Woodrow Wilson weiterreichte. Wilson war Demokrat, der heute dafür bekannt ist, dass er im Norden die Rassentrennung wiedereinführte. Nicht nur fand Wilson das nicht komisch; Zimmermann war auch dumm genug, die Echtheit des Telegramms zu bestätigen. Die USA erklärten Deutschland den Krieg, rettete damit das gerade geschlagene Russland – und der Rest ist bekannt.

Dabei war Mexiko zu einem neuerlichen Waffengang an der Seite der alemanes gar nicht bereit. Gleichwohl machte das die USA nervös, weil sich die US-Army gerade mit dem mexikanischen Revolutionär Francisco „Pancho“ Villa bekriegte. Villa, der kurz zuvor daran beteiligt gewesen war, den mexikanischen Diktator Porfirio Diaz, einen Verbündeten der USA, zu stürzen, war mit seinen Mannen in New Mexico eingeritten und hatte Städte belagert. Die deutsche Regierung hatte auch Pancho Villa Geld angeboten, um die Gringos aufzumischen, aber er nahm es nicht.

[...] Der Hinterhof kommt nach Nordamerika

Unter den Weggeputschten waren der bolivianische Präsident Juan José Torres und die argentinische Präsidentin Isabella Peron, aber auch Staatschefs von Guatemala, Haiti, Ecuador, El Salvador und Nicaragua – Ronald Reagan arbeitete mit den iranischen Mullahs zusammen, um den nicaraguanischen Contras Waffen zu liefern.

Zuletzt ließ Papa Bush – der Reagans Vize gewesen war – Manuel Noriega aus Panama entführen. Noriega war einst ein Verbündeter der USA gewesen, hatte nun aber den Anforderungen nicht mehr so richtig entsprochen.

Nun also Venezuela. Schon seit Barack Obama versuchten die USA, das Land durch Sanktionen, Boykotte und wirtschaftlichen Druck in die Knie zu zwingen. Die Entführung war letztlich unblutiger als die Aktionen in Chile oder Panama, allerdings fehlte diesmal gänzlich die Versicherung, es gehe um Freiheit, Friede und Demokratie...

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Uranmüll aus Gronau

Für wie gefährlich halten Sie die Transporte?

In Gronau wird wieder ein Sonderzug mit radioaktivem Uranmüll vorbereitet, vermutet Udo Buchholz

An der Urananreicherungsanlage in Gronau stehen seit dem 18. Dezember Uranwaggons, möglicherweise könnte also bald wieder ein Sonderzug mit Uranmüll nach Frankreich aufbrechen. Da all dies streng geheim gehandhabt wird, können Sie das nur vermuten. Was ist Ihnen bekannt?

Etwa 18 Waggons stehen dort; die genaue Anzahl ist nicht festzustellen, weil sie auf drei Gleisen parallel stehen und so einander verdecken. Da ich in Gronau wohne, war ich am Dienstag dort, um nachzusehen, ob sie noch da sind. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass sie, mit Uranmüll befüllt, in der Regel nach Frankreich fahren. Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Urantransporten, eine davon sind die Transporte mit Uranmüll. Andere Transporte enthalten das angereicherte Uran, mit etwa fünf Prozent Uran-235 in der gesamten Menge. Transportiert wird das Uran als Uranhexafluorid. Der Atomkonzern Urenco speist dieses zur Anreicherung gasförmig in Metallröhren, sogenannte Zentrifugen, ein. Darin könnte es nach Umbauarbeiten auch atomwaffentauglich angereichert werden.

Für wie gefährlich halten Sie die Transporte?

Uran ist radioaktiv und strahlt. Bei Transportunfällen könnte Uranhexafluorid freigesetzt werden, eine Substanz, die bei Kontakt mit Luftfeuchtigkeit hochkorrosive und giftige Produkte bildet, etwa den stark ätzenden Fluorwasserstoff. Ähnlich könnten aber auch bei einem Störfall in der Anlage im Innenstadtbereich Gronaus bleibende gesundheitliche Schäden verursacht werden – in dem Fall bis hin zu Todesfällen in Anlagennähe. Innerhalb weniger Minuten müsste in so einem Fall die Bevölkerung in einem Umfeld von etwa fünf Kilometern evakuiert werden. Da weder Hilfskräfte vom Technischen Hilfswerk und vom Roten Kreuz noch von der Feuerwehr informiert sind, wann Transporte geplant sind, könnten sie gar nicht rechtzeitig zur Stelle sein. Ein Skandal! Wir fordern, die Lagerung vor Ort besser zu sichern und Transporte zu unterlassen.

[...] Wird es wieder eine breite Antiatombewegung geben? Oder sind jetzt alle Aktiven damit beschäftigt, gegen die aktuell bedrohlichen Kriegsvorbereitungen zu demonstrieren?

Tatsächlich haben viele Menschen aufgrund von weltweiten Krisen, Aufrüstung und Sozialabbau gerade zahlreiche Sorgen. Wir versuchen, mit der Friedensbewegung zu kooperieren, auch wegen der Gefahr eines Atomkriegs, sowie ebenso mit der Klimabewegung. Die CSU preist ja permanent die Atomenergie als angebliche Lösung für das Klimaproblem an. Wir, Initiativen und BBU, kämpfen schon seit rund 50 Jahren gegen diese Anlage in Gronau: von deren Bau an bis hin zu den Ausbauverfahren. Wir fordern, sie stillzulegen und keinesfalls umzurüsten. Wir machen weiter.

 


15. Januar


 

Mega-Rechenzentrum in NRW: Was die Pläne des US-Investors für die Region bedeuten

Ein neues Rechenzentrum am Rande der A2 und im Schatten des Kraftwerks Westfalen: Was bedeuten die Pläne des Großinvestors für Hamm und die gesamte Umgebung? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Hamm / Lippetal – Bis zu 4 Milliarden Euro – das ist die größte privatwirtschaftliche Investition, die es in Hamm und Umgebung jemals gegeben hat. Der US-Investor QTS will dafür bis zum Ende des Jahrzehnts in Lippetal ein Rechenzentrum bauen. Die Pläne wurden am Donnerstag vorgestellt. Wir erklären die Hintergründe und was das für Hamm und die gesamte Region bedeutet.

[...] Wo soll das Rechenzentrum hin?

In das interkommunale Industriegebiet Westfalen. Das liegt in Lippetal an der A2-Auffahrt Hamm-Uentrop. Noch ist dort Acker, in einigen Jahren jedoch soll QTS dort auf 27 Hektar bauen. Gemeinsame Betreiber des Industriegebietes sind die Stadt Hamm (über die Wirtschaftsförderung Impuls) und die Gemeinde Lippetal. Der 2020 gegründeten gemeinsamen Gesellschaft gehören inzwischen alle Flächen dort; aktuell sind sie noch an Landwirte verpachtet.

[...] Könnte jemand etwas dagegen haben?

Die Hammer Grünen waren gegen das Industriegebiet – als es noch um konventionelle Industrieansiedlungen ging. Im rheinischen Bedburg hat der Bund für Umwelt und Naturschutz eine Petition gegen das dortige Microsoft-Rechenzentrum gestartet: Statt auf Äckern solle lieber auf alten Industrieflächen gebaut werden. 79 000 Bürger haben unterschrieben, Microsoft zeigt sich bisher unbeeindruckt.

Wie ist es mit der Umwelt?

QTS hält sich eigene Umweltstandards zugute, will nur mit Ökostrom und ohne permanente Zufuhr von Lippewasser arbeiten. Für die 27 Hektar Fläche, die das Rechenzentrum beansprucht, stehen die Ausgleichsflächen nach Darstellung aus dem Hammer Rathaus zur Verfügung.

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Castor-Transporte durch NRW: BUND legt Beschwerde ein

Im Tauziehen um die Rechtmäßigkeit der geplanten Castortransporte von Jülich nach Ahaus legt die Umweltschutzorganisation BUND Beschwerde ein. Sie will erreichen, dass das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die geplanten LKW-Transporte noch verhindert.

Es geht um teils hochradioaktiven Atommüll vom Forschungsreaktor Jülich.

Die Organisation war in erster Instanz mit ihrem Eilantrag gescheitert. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte dem BUND abgesprochen, klageberechtigt zu sein. Das sieht der Verband anders. Er sagt außerdem, die Sicherheit der Castortransporte sei bislang nicht ausreichend überprüft worden.

Bürgerinitiative begrüßt Beschwerde

Die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" schöpft nun neuen Hoffnung. Sie fordert, dass die Bundes- sowie die Landesregierung NRW nun neu über das Thema Castor beraten sollen. Ohnehin stehe das Land im Wort, die Transporte nicht vor einer letztinstanzlichen Entscheidung rollen zu lassen.

[...] Weiteren Protest angekündigt

Unterdessen planen Anti-Atominitiativen und BUND gemeinsam weitere Protestaktionen. Beispielsweise wollen sie am 24. Januar hierfür auf einen Rastplatz an der A2 bei Bottrop ziehen. In welcher Form der Protest dort möglich ist, ist aktuell noch Teil von Gesprächen zwischen Polizei und Antragstellern.

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Gundremmingen

In Gundremmingen soll das erste Fusionskraftwerk der Welt entstehen

Ministerpräsident Söder kündigt an: Statt Atomstrom soll aus Schwaben nun Strom aus der Kernfusion kommen. Warum bis dahin aber noch viele Jahre vergehen werden.

Deutschland erstes kommerziell nutzbares Fusionskraftwerk soll in Gundremmingen im Landkreis Günzburg entstehen. Das hat Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag bei der Klausur der CSU-Landtagsfraktion in Kloster Banz angekündigt. Es könnte sogar die weltweit erste Anlage ihrer Art sein. Denn bislang forschen zwar etliche Nationen daran, die Kernfusion für die Erzeugung von Strom zu nutzen, gelungen ist es aber noch niemand.

Fusionskraftwerk für Gundremmingen

In Gundremmingen könnte die Anlage in etwa 15 Jahren in Betrieb gehen, schätzt Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Die Vorarbeiten sollen jedoch wesentlich früher starten. In den nächsten Wochen wollen die Energieunternehmen RWE und Proxima Fusion aus München sowie der Freistaat eine Übereinkunft für das Projekt auf dem Areal des ehemaligen Kernkraftwerks unterzeichnen. Für das Fusions-Kraftwerk sollen laut Blume zum Teil bestehende Gebäude genutzt werden, außerdem ist dort bereits das Leitungsnetz für den Transport großer Mengen von Strom vorhanden.

[...] Rund 230 Millionen Euro investiert der Energieversorger RWE in das Projekt, das laut Unternehmensangaben eine Kapazität von rund 700 Megawattstunden (MWh) sowie eine Leistung von 400 Megawatt (MW) haben wird. Dazu werden 208 Batteriespeichercontainer und mehr als 100 Wechselrichter aufgebaut. Außerdem sollen am früheren Akw-Standort eine gewaltige Fotovoltaikanlage und ein Peaker-Kraftwerk mit Gas- und Wasserstoffbetrieb entstehen. Die Regierung von Schwaben hatte Ende Oktober die Genehmigung für den Bau auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände erteilt.

An anderer Stelle herrscht dagegen weiter Ungewissheit: Der strahlende Abfall, der seit 2006 im Zwischenlager Gundremmingen gelagert wird, hat noch lange keinen endgültigen Platz gefunden. Der Kraftwerksstandort selbst kommt den Untersuchungen der Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) nicht als Standort infrage. In diesem Zusammenhang hatte Söder im Herbst eine andere Idee aufgebracht. Er brachte Gundremmingen als Standort für die so genannte Transmutation radioaktiver Abfälle ins Spiel, deren Menge sich dadurch erheblich verringern könnte. Eine Studie der TU München vom vergangenen Jahr nennt als mögliche Standorte für eine solche Anlage die Zwischenlager ehemaliger Atomkraftwerke.

 


14. Januar


 

Kampf gegen Steuerhinterziehung

Den Milliarden auf der Spur

Dem deutschen Staat entgehen durch Steuerhinterziehung jedes Jahr bis zu 200 Milliarden Euro – und das ist nur eine grobe Schätzung. Doch der Staat selbst könnte etwas dagegen tun.

Deutschland hat mehrere Behörden, deren Aufgabe es ist, Steuerhinterziehung aufzuklären. Trotzdem entgehen dem Staat geschätzt bis zu 200 Milliarden Euro pro Jahr, weil Steuern nicht gezahlt werden. Wo also sind die Lücken bei deren Arbeit? Neben fehlender Vernetzung von Behörden, Zuständigkeitswirrwarr und fähigen Mitarbeitern an den richtigen Positionen ist vor allem der politische Wille zur Strafverfolgung entscheidend.

Wie groß ist die Steuerhinterziehung in Deutschland?

Der Schaden durch Steuerhinterziehung in Deutschland wird von Experten meist auf 100 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die gesamten Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden lagen 2024 bei etwa 950 Milliarden Euro. Das entspricht einem Schaden von etwa zehn Prozent. Die Schätzungen des Schadens schwanken jedoch zwischen 50 und 200 Milliarden Euro.

Selbst diese Schätzungen hält Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit nur für grobe Annäherungen und spricht von „informiert raten“. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen erfolgt Steuerhinterziehung im Verborgenen und lässt sich daher nur schwer schätzen. Zum anderen erschwert das Steuergeheimnis in Deutschland die Nutzung vieler Daten.

[...] Überall, wo Steuern gezahlt werden, kann betrogen werden, sagt Florian Köbler, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft. Es beginne bei Arbeitnehmern, die bei Fahrten mehr Kilometer angeben und ende bei Cum-Ex- und Cum-Cum-Geschäften. Cum-Ex und Cum-Cum bezeichnen Methoden, bei denen Beteiligte bei Aktiengeschäften Steuern umgehen oder sich mehrfach erstatten lassen, obwohl sie diese nur einmal gezahlt haben.
Nach Schätzungen des Netzwerks Steuergerechtigkeit entfallen in Deutschland rund zwei Drittel der Steuerhinterziehung auf kleinere Fälle und rund ein Drittel auf große Fälle. Katharina Beck, finanzpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, meint, dass zu viel über kleine Betrugsfälle gesprochen werde und dadurch die großen oft übersehen würden. Dort gehe es jedoch um viele Milliarden Euro.

[...] Grenzüberschreitende Ermittlungen

Seit zwei Jahren gibt es eine Europäische Staatsanwaltschaft, die Steuerbetrug grenzüberschreitend verfolgt. Für ihre Ermittlungen könnte die Koordination der Behörden in Brüssel verbessert werden.

Mitte 2025 hat außerdem die EU-Aufsichtsbehörde AMLA in Frankfurt am Main ihre Arbeit aufgenommen. AMLA ist die Abkürzung für Anti-Money Laundering Authority, also eine Anti-Geldwäsche-Behörde. Sie soll unter anderem große Banken der EU überprüfen, ob sie ihre Risiken richtig steuern. Und ob ihre Maßnahmen gegen Geldwäsche oder gegen die Finanzierung terroristischer Aktivitäten ausreichen und EU-Standards entsprechen.

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Chinas Fusionsreaktor knackt Plasma-Limit

EAST-Fusionsanlage überschreitet Dichtegrenze des Fusionsplasmas

Neues Plasmaregime: Der chinesische Fusionsreaktor EAST hat eine entscheidende Dichtegrenze für das Fusionsplasma überwunden und erstmals das sogenannte dichtefreie Regime erreicht. Dadurch kann das Plasma zu höherer Dichte komprimiert werden, ohne dass es in Wandnähe des Reaktorgefäßes zu gefährlichen Instabilitäten kommt. Die EAST-Fusionsanlage ebnet damit den Weg zu den für die Kernfusion nötigen Extrembedingungen.

Die Kernfusion gilt als mögliche Energiequelle der Zukunft. Testreaktoren wie Jet, Wendelstein 7-X oder der Großreaktor ITER erproben dafür verschiedene Technologien. Doch um genug Atome im Fusionsplasma zum Verschmelzen zu bringen, sind extreme Temperaturen von mehr als 100 Millionen Grad und eine hohe Plasmadichte nötig. Nur dann setzt eine Kettenreaktion ein, bei der ein Fusionsreaktor mehr Energie erzeugt als in ihn hineingesteckt werden muss.

Greenwald-Limit und Plasma-Instabilitäten

Dabei gibt es jedoch ein Problem: In Fusionsreaktoren nach dem Tokamak-Prinzip, die ihr Plasma durch starke Magnetfelder einschließen, kommt es ab einer bestimmten Dichte zu Instabilitäten. Am Außenrand des Plasmas entstehen dadurch Turbulenzen und Eruptionen, die die Kernfusion stören und sogar den Reaktor beschädigen können. „Einen Betrieb mit Plasmadichten oberhalb dieses sogenannten Greenwald-Limits zu erreichen, ist für Magneteinschlussreaktoren daher eine Herausforderung“, erklären Ping Zhu von der Huazhong Universität in China und seine Kollegen.

Zwar gibt es einige Fusionsreaktoren, die dieses Greenwald-Limit bereits kurzzeitig überschritten haben, darunter der ASDEX-Testreaktor im bayrischen Garching und zwei Tokamak-Testreaktoren in den USA. Erreicht wurde dies vor allem durch die Optimierung des Magnetkäfigs und der Plasmadichte am Rand des heißen Fusionsbrennstoffs. Allerdings gelang es noch nicht, das Plasma auch bei steigender Dichte und Temperatur stabil zu halten und damit ein sogenanntes dichtefreies Regime zu erreichen.

Über die Dichtegrenze hinaus

Dies ist Zhu und seinen Kollegen nun am Fusions-Testreaktor EAST im chinesischen Hefei gelungen. Bereits Anfang 2025 hatte das Team einen Rekord aufgestellt, indem es das Fusionsplasma 1.066 Sekunden im sogenannten High-Confinement Modus hielt. In diesem Zustand bildet das Plasma an seiner Außenseite eine besonders dichte, komprimierte Schicht...

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„Brauchen die Infrastruktur“

Nasa bekräftigt Pläne für Atomreaktor auf dem Mond

Die US-Raumfahrtbehörde will zurück auf den Mond – mit Menschen und mit Infrastruktur. Dafür ist eine Energiequelle unabdinglich.

Washington. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat ihre Pläne für den Bau eines Atomreaktors auf dem Mond bekräftigt. Der Reaktor solle bis 2030 in Betrieb gehen, teilten die Nasa und das US-Energieministerium mit.

„Amerika hat sich verpflichtet, zum Mond zurückzukehren, die Infrastruktur zu bauen, die man braucht, um zu bleiben, und die Investitionen vorzunehmen, die es für den nächsten großen Sprung zum Mars und darüber hinaus braucht“, sagte Nasa-Chef Jared Isaacman. „Um diese Zukunft zu erreichen, muss Kernenergie gewonnen werden.“
Wettbewerb mit China und Russland um den Mond

Die Pläne der Nasa waren bereits im vergangenen Sommer bekanntgeworden. Genaue Details wurden bislang jedoch nicht mitgeteilt. Die Forschungen der Nasa dazu laufen schon länger. Mit dem „Artemis“-Programm will die Nasa bald erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen...

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US-Gericht hebt Trumps Baustopp für Offshore-Windpark auf

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Erfolg für den dänischen Energiekonzern Ørsted. Er darf sein von US-Präsident Trump gestopptes Windparkprojekt vor der US-Ostküste weiterbauen.

Vor der US-Ostküste entsteht derzeit ein riesiger Windpark. Bauherr ist der dänische Energiekonzern Ørsted. Im Dezember stoppte die Trump-Regierung dann aber alle großen Offshore-Windprojekte vor den Küsten, darunter auch die besagte Baustelle mit dem Namen "Revolution Wind".

Bis jetzt, denn ein US-Gericht hat den Baustopp aufgehoben. Damit hat die Klage von Ørsted Erfolg. Bundesrichter Royce Lamberth erklärte, das Projekt würde ohne eine einstweilige Verfügung "irreparablen Schaden" erleiden, und der Antrag des Unternehmens sei "im öffentlichen Interesse".

Die Anordnung ermöglicht nun die "sofortige Wiederaufnahme der betroffenen Aktivitäten", zitiert die Tagesschau von der Homepage des Projekts. Die Bauarbeiten würden "so bald wie möglich wieder aufgenommen".

Angebliche Sicherheitsbedenken Unsinn

Das US-Innenministerium hatte den vorläufigen Stopp mit "nationalen Sicherheitsrisiken" begründet. Minister Doug Burgum erklärte, Windräder könnten Radar- und Navigationsanlagen stören, zudem seien Windparks "teuer, unzuverlässig und stark subventioniert"...

 


13. Januar


 

Bill Gates’ Terrapower liefert Meta Platforms Atomreaktoren

Meta Platforms hat einen AKW-Lieferanten gefunden: Die von Bill Gates gegründete Firma Terrapower. Sie will 2 bis 8 Reaktoren liefern.

Meta Platforms möchte seinen KI-Strombedarf auch mit Kernkraft decken. Dazu hat es einen Projektentwickler für neue Atomkraftwerke gesucht und jetzt auch gefunden: die 2006 von Bill Gates gegründete Firma Terrapower.

Das hat Terrapower am Freitag bekanntgegeben. Sie entwickelt vergleichsweise kleine Plutonium-Brutreaktoren mit Natriumkühlung und baut seit 2024 einen solchen Small Modular Reaktor (SMR) in Wyoming. Der Fertigstellungstermin hat sich von ursprünglich 2028 auf 2030 verschoben. Bereits zwei Jahre danach soll Terrapower Meta die ersten beiden Reaktoren liefern. Meta hat eine Option auf sechs weitere.

Jedes dieser Atomkraftwerke (AKW) soll 345 Megawatt leisten. Eingebaute Akkumulatoren erlauben die Abgabe von 500 Megawatt für bis zu fünf Stunden. Bei acht Nuklearreaktoren macht das vier Gigawatt Spitzenleistung.

[...] Terrapower stellt sich als "grünes" Unternehmen dar, weil die Kernreaktoren vor Ort nur geringe Emissionen erzeugen. Die kleinen Atomreaktoren sind jedoch genauso wenig umweltfreundlich wie größere Kernkraftwerke, denn die Entsorgung nuklearen Abfalls ist ebenso problematisch. Die Halbwertszeit des im Brutreaktor erzeugten Plutonium-239 beträgt mehr als 24.000 Jahre...

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Schulfach Jura

„Rechtsbildung lässt Po­pu­lis­ten unattraktiver werden“

Juristische Grundlagen müssen zum Schulfach werden, fordert der Anwalt und Hochschullehrer Andreas Gran. Das würde auch helfen im Kampf gegen die AfD.

taz: Herr Gran, Sie sind Jurist, arbeiten als Hochschullehrer und Anwalt. Solche Menschen werden üblicherweise von ihrem Umfeld gern befragt, wenn sie ein juristisches Problem haben. Was war Ihr letzter Fall?

Andreas Gran: Gestern rief mich der Freund eines Sohnes an und fragte mich, was er bei einem Mietvertrag beachten solle. Der junge Mann studiert und hat wohl einen Standardmietvertrag vorgelegt bekommen. Ich habe mir dann gern Zeit genommen, um mit ihm darüber zu sprechen, und ihm unter anderem erklärt, dass er keine lange Laufzeit vereinbaren sollte. Denn nach deutschem Recht verlängern sich Wohnraummietverträge grundsätzlich ohnehin automatisch – und es ist wahrscheinlich nicht im Interesse eines Studierenden, sich zwei, drei Jahre zu binden.

[...] taz: Sie meinen, Rechtsbildung in Schulen würde die AfD unattraktiver machen? Ist das nicht ein bisschen viel?

Gran: Natürlich würde etwas Rechtsbildung nicht gleich Po­pu­lis­t:in­nen aus den Parlamenten fegen, aber ja: Ich glaube, das wäre ein Faktor, der sie unattraktiver werden ließe, insbesondere bei jungen Menschen mit fehlender Zuversicht in unsere freiheitliche Demokratie. Zum einen, weil das Wissen um die eigenen Rechte ein Selbstbewusstsein und ein Vertrauen in die Teilhabe fördert. Es schafft Stärke und ein großes Gefühl von Selbstwirksamkeit, die eigenen Rechte zu kennen und sie gegebenenfalls durchsetzen zu können. Dann sind junge Menschen wehrhafter gegenüber Angst- und Frustmache...

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Krieg gegen Palästinenser

Sturm über Gaza

Menschen erfrieren und werden von einstürzenden Mauern erschlagen – eine direkte Folge von Israels Blockade humanitärer Güter und Baumaterialien

Palästina und Israel treffen schwere Stürme und Regenfälle. In Jerusalem ist am Dienstag eine 50jährige Frau von einem schweren Gegenstand erschlagen worden, als ihr Haus überflutet wurde. Die israelische Tageszeitung Haaretz meldete außerdem Verletzte und blockierte Autobahnen. Im Gazastreifen sind die meisten Menschen dem Unwetter noch schutzloser ausgeliefert. Seit Beginn des Genozids gegen die Palästinenser in der abgeriegelten Enklave hat die israelische Armee UN-Angaben zufolge 92 Prozent der Gebäude zerstört oder beschädigt. Mindestens 1,1 Millionen Menschen benötigen dringend eine adäquate Unterkunft, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric auf einer Pressekonferenz am Montag.

Doch das israelische Militär verhindert noch immer die uneingeschränkte Einfuhr von Zelten, Baumaterialien und schwerem Gerät zum Beseitigen von Trümmern – trotz gegenteiliger Zusagen im am 11. Oktober in Kraft getretenen »Waffenstillstandsabkommen« mit der Hamas. Seitdem hat die Armee sogar weitere 2.500 Gebäude zerstört, wie die New York Times am Montag berichtete. Während selbst die US-Regierung laut einem Haaretz-Bericht vom Dezember anerkennt, dass sich die palästinensische Seite weitgehend an die Vereinbarung gehalten hat, hat Tel Aviv sie nach Belieben gebrochen. 447 Palästinenser wurden seit der Einigung laut jüngsten Angaben der lokalen Gesundheitsbehörde durch das Militär getötet, 1.246 verletzt. Unter den Getöteten seien mehr als 100 Kinder, sagte UNICEF-Sprecher James Elder am Dienstag.

[...] Während Israels Armee ungeachtet des sogenannten Waffenstillstands die Lebensgrundlagen der Palästinenser in Gaza weiter systematisch zerstört, will US-Präsident Donald Trump rasch seinen »Friedensrat« in der Enklave installieren. In neokolonialer Manier soll dem Gremium unter US-Leitung die Regierungsmacht in Gaza übergeben werden. Laut einem Haaretz-Bericht vom Dienstag sieht Washington außerdem vor, dem Rat ein über den Küstenstreifen hinausgehendes Mandat zu geben. Das hätten mehrere Quellen aus dem Umfeld des Weißen Hauses der Zeitung gesagt. Demnach soll er in Konkurrenz zur UNO weltweit Konflikte lösen.

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TSMC muss Firmen in USA bauen

Taiwan erzielt Einigung über Handelsabkommen mit den USA

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Trumps Zollhammer im vergangenen Jahr trifft auch Taiwan hart. Zuerst wird der Inselstaat mit Zöllen in Höhe von 32 Prozent belegt, später werden die auf 20 Prozent reduziert. Nun haben die langen Verhandlungen weitere Früchte getragen. Auch die USA sollen profitieren.

Taiwan hat nach Angaben der Unterhändler der demokratisch regierten Insel nach monatelangen Verhandlungen einen "allgemeinen Konsens" mit den USA über ein Handelsabkommen erzielt. Eine Einigung erreichten die Verhandlungspartner über "gegenseitige Zollsenkungen" sowie die "bevorzugte Behandlung" für "Halbleiter, Halbleiterderivate und andere Artikel" aus Taiwan, erklärte die taiwanische Behörde für Handelsverhandlungen. Derzeit werde über einen Termin für ein abschließendes Treffen beider Seiten beraten.

Taipeh und Washington hatten im April mit Verhandlungen über ein Handelsabkommen begonnen, nachdem US-Präsident Donald Trump Zölle in Höhe von 32 Prozent auf taiwanische Importe verhängt hatte, die später auf 20 Prozent reduziert wurden. Daraufhin sagte der taiwanische Präsident Lai Ching-te zu, die Investitionen in den USA anzukurbeln und die Verteidigungsausgaben Taiwans zu erhöhen.

[...] Auch die "New York Times" hatte über den Deal berichtet. Der Zeitung zufolge könnte der Zollsatz für das Land auf 15 Prozent gesenkt werden. Das schrieb das Blatt unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der weltweit führende Chiphersteller TSMC würde sich zum Bau von mindestens fünf weiteren Produktionsstätten im US-Bundesstaat Arizona verpflichten.

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Weltraumschrott

Satelliten könnten Gefahr für die Erdatmosphäre werden

Die Zahl der Satelliten im Erdorbit steigt rasant an. Was ihre Überreste in den obersten Schichten der Erdatmosphäre anrichten können, ist kaum erforscht. Wissenschaftler befürchten Konsequenzen für die Ozonschicht.

Mitte Dezember umfasste das Starlink-Netzwerk von Elon Musk genau 9.347 aktive Satelliten. Mit dieser sogenannten "Konstellation", einem großen Satellitenverbund, bietet das Unternehmen Space X Internetverbindungen rund um den Globus an. Damit gehören dem Multimilliardär mehr als zwei Drittel aller von der ESA gelisteten 12.900 aktiven Satelliten im Orbit. Doch das ist erst der Anfang: 42.000 sollen es nach der derzeitigen Planung von SpaceX in den kommenden Jahren werden: Eine bislang nie dagewesene Satellitenschwemme.

Rasanter Anstieg beim Weltraumschrott

Was raufgeschossen wird, kommt irgendwann auch wieder runter. So ist die Menge an Weltraumschrott, die inzwischen aus dem Orbit in Richtung Erde zurückstürzt, gewaltig. Astrophysiker Manuel Metz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beobachtet diese Entwicklung ganz genau. "Vor zehn Jahren haben wir von etwa 100 Tonnen pro Jahr gesprochen, die in die Erdatmosphäre wiedereingetreten sind. Wir sind im Moment im Bereich des Acht- bis Zehnfachen, was im Jahr wiedereintritt und dort zum Verglühen gebracht wird."

[...] Ozonloch 2.0 durch Aluminiumreste?

Was genau sich in der oberen Erdatmosphäre durch Weltraumschrott zusammenbrauen könnte, weiß niemand. Erforscht wurden bislang nur die Stoffe, die hier durch Meteoriten eingebracht wurden, etwa Eisen oder Nickel. Durch die Hightech-Bauteile der Satelliten werden in der oberen Atmosphäre aber Verbindungen freigesetzt, die es hier bislang nicht oder nur in geringen Mengen gab...

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INES Kategorie ?13. Januar 1977 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU


Aufgrund der unklaren Lage (?) wurde diesem Vorfall keine INES Stufe zugewiesen!

'Gar Nix' liefert detailierte Infos

13. Januar 1977 - Bei einem Unfall wird der gesamte Reaktor des AKW Gundremmingen A zerstört. Das Wetter ist feucht und kalt. Eisregen und Raureif lässt die Isolatoren an zwei Hochspannungsleitung brechen. Es kommt zu Kurzschlüssen. Daraufhin wird eine automatische Schnellabschaltung eingeleitet.

Mehrere Anlagenteile funktionieren jedoch nicht richtig. Durch eine Fehlsteuerung wird zuviel Wasser zur Notkühlung in den Reaktor gepresst.

Durch Überdruck-Ventile gelangen – unterschiedlichen Quellen zufolge – zwischen 200 m³ und 400 m³ radioaktives Kühlwasser (ca. 280 Grad Celsius) in das Reaktorgebäude.

Nach zirka zehn Minuten steht dort das Wasser etwa drei Meter hoch und die Temperatur ist auf rund 80 Grad Celsius angestiegen. Hier ist zu berücksichtigen dass es sich um Kühlwasser das kurz vorher im Containment noch Brennstäbe mit porösen Hüllen umspült hat handelt. Daher beinhaltet dieses Wasser die komplette Bandbreite radioaktiver Isotope die dort beim Betrieb entstanden sind ...

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12. Januar


 

Werden Benzin-Autos wirklich verschwinden? Diese Grafiken zeigen es auf einen Blick

Die Verkäufe von Benzin- und Dieselautos brechen ein. Dafür kaufen Schweizer mehr Elektroautos. Der frühere Überflieger Tesla profitiert nicht davon, andere Marken umso mehr.

Die Autoverkäufe in der Schweiz fallen auf den tiefsten Stand seit über 25 Jahren, wenn man die Pandemiezeit ausklammert – und der Markt wandelt sich rapide: E-Autos legen wieder zu, Hybrid-Autos sind am beliebtesten und klassische Benziner und Diesel werden zu Auslaufmodellen.

Auf Herstellerebene gilt: Tesla verliert, Skoda profitiert und die Chinesen bringen sich in Stellung. Aber natürlich gibt es noch andere spannende Entwicklungen.

[...] Benziner und Diesel brechen ein

Auch klassische Hybridautos ohne Ladeanschluss, die allerdings kaum CO₂ einsparen, legten nochmals leicht zu. Hybride machen inzwischen ein gutes Drittel, konkret 35 Prozent der Neuzulassungen, aus.

Die Verkäufe von herkömmlichen Benzin-Autos gingen um 20 Prozent zurück, Diesel-Autos brachen um 29 Prozent ein. Der Marktanteil von Benzinern ist in wenigen Jahren von 60 auf 24 Prozent gefallen, jener von Diesel-Autos von 40 auf 7 Prozent. Zusammen erreichen sie weniger als ein Drittel der Neuzulassungen.

Swiss eMobility-Direktor Krispin Romang bilanziert: «Nach der Stagnation der vergangenen Jahre stellen wir wieder einen Aufwärtstrend fest. Doch der Markt wächst langsamer als nötig. Die CO₂-Zielwerte 2025 wurden nicht erreicht.» Da zu wenig Stromer verkauft wurden, drohen den Autoimporteuren laut dem Verband Auto Schweiz dieses Jahr Strafen in dreistelliger Millionenhöhe...

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Um das 41-fache verschätzt: Warnung vor industriellem Einbruch durch Katherina Reiches künstliche Energieverknappung

Ein EWI-Gutachten lenkte bereits 2012 die Bundesregierung. Heute liegen korrekte Ausbauzahlen vor – dennoch setzt die Ministerin die damalige Bremsrhetorik fort, statt konsequent auf eine beschleunigte Energiewende zu setzen. Eine Analyse dieses anhaltenden Widerspruchs.

Schon 2012 hatte Katherina Reiche (CDU) als verantwortliche Staatssekretärin unter Minister Peter Alt­maier (CDU) eine EEG-Reform zu verantworten, die hohe volkswirtschaftliche Schäden ver­ursachte. Der jährliche Ausbau der Photovoltaik wurde dadurch drastisch von etwa sieben Gigawatt auf unter zwei Gigawatt gedrosselt.

Damit wurde der damals weltweit führenden deutschen Solarindustrie der Heimatmarkt entzogen, mit dramatischen volkswirtschaftlichen Schäden: über 100.000 Jobs in der Solar­bran­che wurden vernichtet. Einst global führende deutsche Photovoltaik-Produzenten gingen in Konkurs. Öffentliche Kassen verloren erhebliche Steuereinahmen: unter anderem Unternehmenssteuern, kommunale Gewerbesteuern, Einkommenssteuer. Die Produktion von heimischer Solar­technik wurde fast völlig beendet und China übernahm fast komplett die solare Industrie­pro­duktion. Europa, einst Technologieführer, hält heute weniger als drei Prozent der globalen Produk­tions­­anteile in der Solarindustrie und Deutschland kauft Photovoltaik-Produkte aus China zu, statt mit eigener Wertschöpfung hier zu produzieren.

Reiche hat die hohen Energiekosten der Energiekrise 2021 bis 2023 mitzuverantworten

Die volkswirtschaftlichen Schäden durch diesen staatlich verordneten Einbruch in der Solarbranche sind enorm. Weitere EEG-Novellen unter dem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) resultierten in einem dramatischen Einbruch auch beim Ausbau von Windkraft und Biogas, insbesondere wegen der Umstellung auf Ausschreibungen.

Wäre der Ausbau der Solar- und Windenergie mit den zuvor erreichten Wachstumsgeschwindig­keiten 2012 bis 2020 fortgeführt worden, zusammen mit einem Ausbau von flexiblen Biogasan­lagen und Spei­chern, hätte Deutschland eine sichere ganzjährige Stromversorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren erreicht.

Stattdessen setzte die Bundesregierung auf Erdgas, was die Strompreise massiv ansteigen ließ, da der russische Aggressionskrieg in der Ukraine die Erdgaspreise nach oben trieb. In den Jahren 2021 bis 2023 haben Privatpersonen und Unternehmen insgesamt etwa 150 Milliarden Euro mehr für ihre Stromrechnungen bezahlt. Ein volkswirtschaftlich immenser Schaden, den es so mit 100 Prozent Ökostrom nicht gegeben hätte...

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Kinder fragen, die taz antwortet

Wie können sich die Reichen durchsetzen, obwohl sie in der Minderheit sind?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Theo, 12 Jahre alt.

Viele Menschen glauben, dass sich die Reichen durchsetzen können, weil sie reich sind. Das ist nicht ganz falsch. Denn die Reichen haben genug Geld, um viele Berater zu beschäftigen, die dann die Politiker beeinflussen. Diese Berater heißen Lobbyisten. Sie versuchen die Gesetze so zu gestalten, dass die Reichen profitieren und möglichst wenig Steuern zahlen.

Trotzdem reicht es nicht, nur Lobbyisten zu beschäftigen, damit sich die Reichen durchsetzen können. Denn die Politiker wollen ja wiedergewählt werden. Die Abgeordneten im Parlament müssen daher tun, was die Mehrheit der Wähler will. Die meisten Wähler sind aber nicht reich, sondern gehören zur Mittelschicht oder sogar zu den Armen. Die Reichen können daher ihre Interessen nur durchbringen, wenn sie der Mittelschicht das Gefühl geben, dass sie ebenfalls reich ist – obwohl das gar nicht stimmt. Die Mehrheit der Wähler muss also zur Selbsttäuschung verleitet werden.

Dafür gibt es mindestens drei Tricks. Erstens: Die Reichen rechnen sich arm und erklären sich selbst zu einem Teil der Mittelschicht. Dieser Trick funktioniert, weil es keine genauen Zahlen gibt, wie viel Geld die Reichen wirklich haben.

Zweitens: Die Mittelschicht hofft auf den eigenen Aufstieg. Die meisten Menschen nehmen gar nicht wahr, wie groß der Abstand zu den Reichen wirklich ist. Umfragen zeigen, dass viele Menschen glauben, dass der Reichtum gleich oberhalb ihres eigenen Einkommens anfängt. Da liegt dann der Irrtum nahe, dass man sich nur ein bisschen anstrengen muss, um auch zu den Reichen zu gehören.

Drittens: Die Mittelschicht überschätzt das eigene Einkommen auch deshalb, weil sie sich unbedingt von den Armen abgrenzen will. In der Mittelschicht ist das Vorurteil verbreitet, dass die Armen gar nicht arbeiten wollen und eigentlich nur Schmarotzer sind. Menschen aus der Mittelschicht sehen sich an der Seite der Reichen, weil sie meinen, dass man gemeinsam von den angeblich faulen Armen ausgebeutet würde...

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Sorgenkind in Garching: Forschungsreaktor ohne Forschung

Gelobt als eine der wichtigsten Neutronenquellen Europas, gefeiert als bayerisches Leuchtturmprojekt – aber seit fast sechs Jahren außer Betrieb: Der Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität München (TUM) steht auch zum Start ins neue Jahr still. Wann der wegen seines hoch angereicherten Uran-Brennstoffs kritisierte Reaktor wieder anfahren kann, ist weiter offen. Man hoffe auf dieses Jahr, heißt es bei den Betreibern – die sich inzwischen mit Prognosen zurückhalten.

Was ist das nur, dieser Zentralkanal?

Erst war es die Corona-Pandemie, wegen der man den Reaktor 2020 herunterfuhr, dann folgten Zwischenfälle – und eine scheinbar endlose Reparatur: Die Herstellung der Komponenten für den sogenannten Zentralkanal schleppt sich seit Jahren hin. Immer wieder wird nun über dieses zuvor kaum bekannte Stück diskutiert, das als zentrales Bauteil das Brennelement trägt.

«Niemand hätte gedacht, dass die Fertigung des Zentralkanals so aufwendig ist», räumt FRM-II-Sprecherin Anke Görg ein. «Für 2026 wünschen wir uns nichts lieber als viele Neutronen für die Wissenschaft am FRM II.»

Ersatzteil-Bau wird zur Geduldsprobe

Wie kürzlich aus der Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im bayerischen Landtag hervorging, warten die Garchinger schon seit fast 13 Jahren auf einen neuen Zentralkanal. Er war 2013 als regulär zu wechselndes Ersatzteil bestellt und sollte im Herbst 2014 geliefert werden, hieß es in der Antwort des Ministeriums.

[...] Wenn der Reaktor wieder anfährt, müsste alsbald auch ein Atomtransport rollen. Das Abklingbecken in Garching für abgebrannte Brennelemente ist fast voll. Genehmigt sind Transport und Einlagerung im Zwischenlager Ahaus, die Transportgenehmigung gilt bis Sommer 2027.

Der Garchinger Atommüll - besonders gefährlich?

Atomgegner kritisieren, der Müll aus Garching - und damit der Transport über 700 Kilometer nach Ahaus - sei besonders problematisch. Der Abfall enthält teils noch immer hoch angereichertes Uran. Laut Gegnern könnte selbst das noch für Atomwaffen missbraucht werden. Die Betreiber des FRM II betonten hingegen stets, für den Bau von Waffen seien spezielle Wiederaufbereitungsanlagen nötig, von denen es weltweit nur eine Handvoll gebe.

Ob die Castoren dieses Jahr rollen, ist unklar. Der konkrete Termin bliebe aus Sicherheitsgründen ohnehin geheim.

 


11. Januar


 

Superreiche und Klimakrise

Ein Leben ohne Privatjet ist machbar

Das reichste eine Prozent hat schon jetzt ihr gesamtes CO2-Jahresbudget aufgebraucht. Klimaschutz bei ihnen einzufordern, ginge ganz ohne Härten.

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung hatte schon am 10. Januar die gesamte Menge an Treibhausgasen ausgestoßen, die ihm für das gesamte Jahr 2026 zusteht. Das hat die Entwicklungsorganisation Oxfam berechnet. Sie setzt als legitime CO2-Menge für eine Person in einem Jahr 2,1 Tonnen an. Der Rechnung nach steht also jeder Person dieselbe Menge CO2 zu.

Die Realität sieht aber eben anders aus. Viele Menschen nehmen sich mehr heraus – aber einige wenige tun das exzessiv. Daten des „Stockholm Environment Institutes“ zeigen, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung 2023 für 75,1 Tonnen CO2 pro Person verantwortlich war. Daraus abgeleitet haben die Superreichen also nach nur zehn Tagen das aufgebraucht, was ihnen 365 Tage reichen müsste. Das ist inakzeptabel – und ein Grund mehr, gegen den übermäßigen Reichtum vorzugehen.

Die Debatten um die Erbschaftsteuer oder auch eine Vermögensteuer zeigen leider, dass die Bundesregierung daran kein Interesse hat. Bei einem Kanzler Friedrich Merz (CDU), der selbst als reich gilt, ist das wohl auch kaum überraschend. Dabei geht es um Staatseinnahmen, die gebraucht werden – auch für den Klimaschutz.

[...] Auch die durchschnittsdeutsche Person trägt mit um die 10 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr viel Klimaschuld, kann also nicht mit Klimaschutz verschont werden. Die Klimapolitik muss (und kann!) nur gut sozial flankiert werden. Aber: Ein Leben ohne Privatjet, Superyacht und Weltraum-Tourismus ist zumutbar. Einfach so, völlig unflankiert.

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Wegen Atombombe: US-Militär gab PFAS entscheidenden Schub

Eine US-Journalistin erzählt erstmals die Geschichte der «Ewigkeitschemikalien». Mit dabei: ein Schweizer Chemiker.

PFAS beschäftigen derzeit in der ganzen Schweiz die Behörden bis auf Gemeindeebene. Doch noch immer wissen wir wenig über die Stoffe. Dass die sogenannten Ewigkeitschemikalien giftig sind und auf die Erfindung von Teflon zurückgehen, ist erst seit etwa zehn Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Wegen eines Prozesses machten in den USA damals erste Medienberichte über die Gefährlichkeit des Kunststoffs die Runde.

Mit einem erzählenden Sachbuch steuert nun die US-Journalistin Mariah Blake ein weiteres, grosses Puzzleteil zum Wissen über PFAS bei. Blake war eine der ersten Journalistinnen, die 2015 ausführlich über die Vergiftung rund um Duponts Teflon-Fabrik in Parkersburg im US-Staat West Virginia berichtete.

In «They Poisoned the World» (die deutsche Übersetzung erscheint Ende Februar 2026) holt Blake besonders weit aus. Sie erzählt von einem weiteren Vergiftungsskandal um die Firma Saint-Gobain im US-Bundesstaat New York, von erfolgreichem Widerstand, und der bislang kaum bekannten Geschichte der Stoffe, die fast hundert Jahre zurückreicht.

Manhattan-Projekt entscheidend für PFAS-Entwicklung

Deren Details, so sagte Blake in einem Podcast-Interview, waren auch für sie neu: Denn entscheidend für Entwicklung und kommerzielle Verbreitung des Materials war das sogenannte Manhattan-Projekt mit welchem die USA im Zweiten Weltkrieg die Atombombe entwickelten.

In Blakes Erzählung entwickelte ein Dupont-Chemiker Teflon durch Zufall. 1938 arbeitete Roy Plunkett an der Entwicklung eines neuen Kühlmittels mit dem hochgiftigen Gas Fluorin, als er nach einem Experiment ein bestimmtes Material vorfand, das extrem glitschig war und sich auch durch starke Erhitzung nicht auflösen liess. «Es reagierte auf nichts», erinnerte sich Plunkett später.

Plunketts Chefs erkannten das enorme Potenzial des Stoffs sofort. Teflon war stark, hitzeresistent und konnte selbst giftigste Chemikalien abwehren. Doch Duponts Polymerchemie-Abteilung, zu diesem Zeitpunkt Weltmarktführer, schaffte es noch nicht, Teflon in grossen Mengen herzustellen. Dieselben Eigenschaften, welche den Stoff nützlich machten, bargen grosse Herausforderungen. Deshalb kam die Dupont-Direktion Ende der 1930er-Jahre zum Schluss, dass sich die kuriose Laborerfindung wohl nie für die Massenproduktion eignen würde...

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Fossile Füllhörner, zivile C‑Parteien und Energie­sicherheit von nebenan

Ein dezentrales und flexibles Stromsystem kommt besser mit Störungen und Angriffen zurecht als wenige Großkraftwerke, findet Carolin Dähling von der Energiegenossenschaft Green Planet Energy, Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Sie plädiert für eine Art energiepolitische Unabhängigkeitserklärung Europas.

Klimareporter°: Frau Dähling, fünf Tage lang waren Zehntausende Haushalte im Berliner Südosten ohne Strom, weil Stromleitungen zerstört wurden. Ist gegen so viel kriminelle Energie kein Kraut gewachsen oder lässt sich das Stromnetz besser schützen?

Carolin Dähling: Ich möchte zuerst allen danken, die in den letzten Tagen durchgehalten haben – und allen, die geholfen haben, die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Versorgungssicherheit weltweit. Dennoch ist kein Energiesystem vollständig gegen terroristische Angriffe abgesichert. Das Entscheidende ist nicht eine absolute Sicherheit – die gibt es nicht –, sondern wie schnell wir aus einer Störung heraus wieder in ein stabiles Gleichgewicht kommen.

Genau hier ist die Energiewende eine Chance. Dezentral erzeugter Strom ist resilienter als ein System aus wenigen zentralen Großkraftwerken. Wenn Energie aus vielen Quellen stammt – aus Solaranlagen auf Dächern, Windrädern, kleinen Biogasanlagen –, dann verteilt sich das Risiko. Lokale Systeme können unabhängig voneinander stabil bleiben und sich schrittweise wieder aufbauen. Auch auf Haushalts- und Quartiersebene wächst diese Widerstandskraft.

Erneuerbare Energien erhöhen die Resilienz bei einem Stromausfall. Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern, Elektroautos, die bei Bedarf Strom ins Haus zurückspeisen können, oder ein modernes Balkonkraftwerk mit Notstromsteckdose ermöglichen für Stunden oder Tage eine gewisse Autonomie. Natürlich müssen sie dafür auch technisch in der Lage sein und auch ohne Netzanbindung funktionieren. Das ist nicht bei allen Anlagen der Fall, könnte aber noch stärker angereizt und gefördert werden.

Das Haus meiner Nachbar:innen ist beispielsweise mit einer inselnetzfähigen Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher ausgestattet. Bei einem eintägigen Stromausfall im letzten Jahr konnten sie sich selbst mit Strom versorgen und haben vielen in der Nähe angeboten, diesen bei Bedarf mitzunutzen. Eine schöne Erfahrung von guter Nachbarschaft, aber auch resilienter, erneuerbarer Stromerzeugung.

Was mich dagegen in dieser Woche wirklich geärgert hat, war die Panikmache rund um Wärmepumpen von rechter Seite. Die Geschichten von "explodierenden Anlagen" sind frei erfunden. Frost kann jeder Heizung zusetzen – aber Explosionen gibt es nur in den Fake-News-Portalen...

 


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Aktuelles+

11. Januar 2026

Der korrupte Abgrund hinter dem Rückzug der Glyphosat-Studie

Gekaufte Studien und Artikel stellen die Unabhängigkeit von Fachmagazinen und höchsten öffentlichen Institutionen in Frage.

Die Studie aus dem Jahr 2000 galt als «Goldstandard» und damit als Beweis dafür, dass das umstrittene Monsanto-Herbizid «Roundup» mit dem Wirkstoff Glyphosat sicher ist, keinen Krebs erregt und für die Umwelt unbedenklich ist. Sie erschien im Fachjournal «Regulatory Toxicology and Pharmacology», auf dessen Studien sich die Behörden stützen, wenn es darum geht, ein Produkt zuzulassen und Grenzwerte festzulegen.

Im letzten Dezember musste das Journal die Studie zurückziehen. Interne Dokumente hatten gezeigt, dass die Studie von Monsanto-Mitarbeitern manipuliert wurde und Monsanto-Mitarbeiter sogar Ghostwriter waren. Folgen hat dies für Monsanto keine: Der umstrittene Konzern war 2018 für 63 Milliarden Dollar vom deutschen Chemiekonzern Bayer übernommen worden, der sich damit auch gleich Milliardenklagen einhandelte. Ein Zustand, der sich durch den Rückzug der Studie noch verschärfen wird.

Ein spezieller Ort für Sitzungen

Umweltschützer feiern den Rückzug der Studie als gewaltigen Erfolg. Für den Journalisten Paul D. Thacker, der sich auf seiner Internet-Plattform «Disinformation Chronicle» auf die Korruption in Wissenschaft, Medizin und Umweltpolitik spezialisiert hat, sind die «Monsanto-Papers», die das Mauscheln aufdeckten, höchstens eine Bestätigung für das, wogegen er seit Jahren kämpft.

Vor acht Jahren hat er die Studie, die jetzt zurückgezogen werden musste, eingehend untersucht und dabei festgestellt, «dass die Gesellschaft hinter der Zeitschrift von einem Tabakberater geleitet wurde und ihre Sitzungen in den Büros von Keller and Heckman, der führenden Anwaltskanzlei für die chemische Industrie in Washington, D.C., abhielt».

Tabakberater als Chefredaktor

Der Tabakberater, der bis 2019 Herausgeber und Chefredaktor von «Regulatory Toxicology and Pharmacology» war, heisst Gio Gori. Thacker schreibt von Dokumenten, die beweisen, dass Gori ein gut bezahlter Berater der Tabak-Lobbyisten des «Tobacco Institute» und von «Brown & Williamson» (Marken: Lucky Strike, Pall Mall) war. B&W stand im Mittelpunkt der Enthüllungen des berühmtesten Whistleblowers der Geschichte: Jeffrey Wigand, Forschungsleiter bei B&W, enthüllte, dass der Konzern wusste, wie süchtig Nikotin macht, und dass der Konzern die Wirkung durch Zusätze (wie Ammoniak) künstlich verstärkte, um die Abhängigkeit zu erhöhen. Die Geschichte wurde im Jahr 2000 verfilmt: «The Insider» mit Al Pacino erhielt acht Nominierungen, aber keinen Oscar.

Für 30’077 Dollar veröffentlichte Gori (nicht nur in seiner Zeitschrift ) unter dem Titel «Mainstream and environmental tobacco smoke» (Tabakrauch im Mainstream und in der Umgebungsluft) einen Artikel , in dem er die dokumentierten Gefahren des Passivrauchens herunterspielte. 2007 bezeichnete er in einem Kommentar in der «Washington Post» die wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden des Passivrauchens als «falsch».

Thackers Fazit: «Ich verfolge die in «Regulatory Toxicology and Pharmacology» veröffentlichten Studien nun schon seit einigen Jahrzehnten, nicht weil ich der Wissenschaft vertraue, sondern weil ich weiss, dass die Industrie dort gerne Werbung platziert, die sie als Wissenschaft bezeichnet. Und ich möchte verstehen, welche Botschaften die Industrie der wissenschaftlichen Gemeinschaft verkauft. Denn diese helfen Unternehmen bei der Aufgabe, schmutzige Produkte zu verteidigen: Tabak, Pestizide, Chemikalien, Luftverschmutzung – was auch immer.»

Korruption auch in den National Academies

Die Käuflichkeit einer wissenschaftlichen Zeitschrift ist das eine – und schon fast unbedeutend im Vergleich zur Korruption in angesehenen öffentlichen Institutionen wie den «National Academies of Sciences, Engineering and Medicine» (NASEM), der höchsten wissenschaftlichen Instanz der USA. Auch, wenn es um die Zulassung unter anderem von Herbiziden und der Gentechnik geht.

2016 erfreute die NASEM die Gentech-Industrie, mit einer Studie, die zum Schluss kam, dass gentechnisch veränderte Pflanzen sicher verzehrt werden können, der Umwelt nicht schaden und die Agrarbiotechnologie viele nachgewiesene Vorteile für Landwirte, Verbraucher und die Umwelt hat.

In einer Zeit, als für die Wissenschaft noch nicht klar war, ob gentechnisch veränderte Pflanzen unbedenklich sind, schrillten bei der Umweltschutz-NGO «Food & Water Watch» die Alarmglocken. Sie fand heraus, dass Wissenschaftler, die hinter dem Bericht standen, enge Verbindungen zur Industrie hatten, dass sich ein Mitarbeiter der National Academies gleichzeitig um eine Stelle bei einem Biotechnologiekonzern bewarb und dass ein Monsanto-Manager den Mitarbeiter der National Academies für seine Arbeit lobte.

«Reg Tox Pharm» muss eingestellt werden

Das machte Paul Thacker hellhörig und er vertiefte sich in den Bericht der National Academies. Er kam zum Schluss: «Ein Mitarbeiter der National Academies, der einen Job in der Biotech-Industrie suchte, wählte Panelteilnehmer mit Verbindungen zu Biotech-Unternehmen aus, um einen einflussreichen Bericht zu verfassen, der behauptete, dass gentechnisch veränderte Landwirtschaft keine Schäden verursache … und dieser Bericht war zufällig gespickt mit Studien, die in «Regulatory Toxicology and Pharmacology» veröffentlicht worden waren – der Lieblingszeitschrift der Industrie.»

Thacker fordert die Einstellung von «Reg Tox Pharm», wie das Journal abgekürzt wird. Oder zumindest sollten die Bundesbehörden ihren Mitarbeitern verbieten, im Herausgeberrat mitzuwirken. «Der Schaden, den diese Zeitschrift angerichtet hat, geht weit über eine korrupte Studie hinaus, die behauptete, Glyphosat sei sicher, obwohl es das nie war. Die Einstellung dieser Zeitschrift würde ein starkes Signal senden, dass korrupte Forschung aus der amerikanischen Gesellschaft verbannt werden sollte.»

 


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Hintergrundwissen

Die Karte der nuklearen Welt


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Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume!

https://www.ecosia.org/search?q=Monsanto+Glyphosat+Bayer

https://www.ecosia.org/search?q=Korruption+in+der+Forschung

https://www.ecosia.org/search?q=Wie+seriös+sind+wissenschaftliche+Studien
 

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Wikipedia

Glyphosat

ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonsäuren. Es ist die biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wurde seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre von Monsanto als Wirkstoff unter dem Namen Roundup zur Unkrautbekämpfung auf den Markt gebracht. Weltweit ist es seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Glyphosatprodukte werden von mehr als 40 Herstellern vertrieben.

Glyphosat wird in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Es wirkt nicht-selektiv gegen Pflanzen, dies bedeutet, dass alle damit behandelten Pflanzen absterben. Ausnahmen bilden Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert worden sind, dass sie eine Herbizidresistenz gegenüber Glyphosat besitzen. Die angebotenen Glyphosatprodukte unterscheiden sich in der Salz-Formulierung, dem Medium (Lösung oder Granulat) sowie dem Wirkstoffgehalt. Beispiele für Formulierungen sind das Glyphosat-Ammonium-Salz und das Glyphosat-Isopropylammonium-Salz. Die Toxizität fertig formulierter, glyphosathaltiger Herbizide, wie z. B. Roundup, kann höher sein als die des reinen Wirkstoffes Glyphosat für sich genommen.

[...] Über die Frage, ob Glyphosat Krebs erzeugen oder die Krebserzeugung fördern kann, hat sich eine intensive öffentliche und wissenschaftliche Debatte entwickelt. Ab 2015 verschärfte sich diese Diskussion zusehends. Eine europäische Bürgerinitiative forderte mit fast 1,1 Millionen gültigen Unterschriften das Verbot von Glyphosat. Anlass dafür war die Ende 2017 anstehende Wiederzulassung in der EU sowie die Bewertung als „wahrscheinlich krebserzeugend“ für den Menschen von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC).

[...] Kontroversen um den Einsatz

Argentinien

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung wurde unter den 6000 Einwohnern in dem Dorf Ituzaingó Anexo bei Córdoba 41-mal so viel Krebs diagnostiziert wie im argentinischen Durchschnitt. Da das Dorf in der Nähe von Feldern liegt, die durch Agrarflugzeuge mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, vermuten Anwohner und Umweltgruppen wie die von Sofía Gatica gegründete Gruppe the Mothers of Ituzaingó, die Ursache unter anderem bei Glyphosat. 2012 wurden ein Pilot und zwei Sojaproduzenten von einem Gericht für schuldig befunden, in der Nähe von Wohngebieten um Córdoba Glyphosat und Endosulfan versprüht zu haben. Des Weiteren wurden vom höchsten Gericht Argentiniens generell Sicherheitsabstände zu Wohngebieten eingerichtet, in denen nicht gesprüht werden darf, und die Beweislast bei Schadensersatzprozessen zugunsten der Kläger umgekehrt.

Kolumbien

Die kolumbianische Polizei verwendet im Rahmen der nationalen Drogenbekämpfung (Plan Colombia) Glyphosat in Kombination mit dem Netzmittel Cosmo-Flux zur Zerstörung von Cocastrauch- und Schlafmohnplantagen mit Sprühflugzeugen. Berichten zufolge soll es bei der im Sprühgebiet lebenden Bevölkerung zu verschiedenen Krankheitssymptomen gekommen sein.

[...] Im Zusammenhang mit den Sprühungen wurden bei der im Sprühgebiet lebenden Bevölkerung Haut- und Augenprobleme, Infektionen der Atemwege, Magen- und Darmerkrankungen sowie Fieber festgestellt. Direkt nach den Sprühungen wurden vor allem Symptome, die auf eine Überreizung des zentralen Nervensystems hindeuten, beobachtet. Diese Symptomatik äußerte sich insbesondere in Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Magenschmerzen und allgemeiner Schwäche. Da das Hauptsprühgebiet im Grenzgebiet Kolumbien zu Ecuador liegt, kam es hinsichtlich der Folgen der Spritzungen zu diplomatischen Spannungen. So verlangte die ecuadorianische Regierung von der kolumbianischen, bei Sprühungen einen 10-Kilometer-Schutzradius zum Grenzfluss San Miguel einzuhalten. Im Kontext eines binationalen Seminars 2001 versprach die kolumbianische Delegation, einen Schutzradius zu berücksichtigen. Eine Untersuchungskommission stellte jedoch 2002 fest, dass ein solcher nicht eingehalten wurde.

Ecuador verklagte Kolumbien schließlich 2008 vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und schloss am 9. September 2013 mit Kolumbien einen Vergleich ab.
 

Psychologie-Aktuell

Korruption in der Wissenschaft: eine überwiegend erfolgreiche Strategie

Korruption in der Wissenschaft: Erneut wird ein deutscher Psychologe der Datenmanipulation bezichtigt; Professor Dr. Jens F. soll in mindestens drei Studien die meisten angegebenen Mittelwerte extrem nahe an einem linearen Trend angegeben haben; die statistische Wahrscheinlichkeit für derartige Werte liegt bei etwa eins zu 500 Billionen, grenzt also an Unmöglichkeit. Der Wissenschaftler bestreitet jede Form von Manipulation. Ob er korrekt gearbeitet hat oder auch nicht: Korruption nimmt im Wissenschaftsbetrieb zu, nicht nur in Einzelfällen, sondern im System, analysiert Professor Dr. Thomas Kliche (Hochschule Stendal) in seinem Handbuch "Korruption".

Die Manipulation von Daten dient meist dazu, möglichst signifikante bzw. sensationelle "Befunde" zu erzielen, diese in führenden Zeitschriften zu publizieren und sich selbst damit maximal zu vermarkten. Da die Universitäten bei den Wissenschaftlern einen weltweiten Wettbewerb um derartige Publikationserfolge stimulieren, bleibt ein hoher Level an subtilen bis massiven Manipulationen gesichert.

Thomas Kliche belegt: "Fehlverhalten stellt eine überwiegend erfolgreiche Strategie dar; denn die entsprechenden Texte werden meist nicht entdeckt und berichtigt. Selbst international preisgekrönte und im vollen Licht der Kritik stehende Koryphäen können jahrelang unangefochten gefälschte Daten veröffentlichen und werden dafür womöglich noch gefeiert. Zahlreiche Fallbeispiele belegen konsequenzfreie Plagiate, geistigen Diebstahl, kleine Fälschungen in Biographieen und Daten, die selektive Veröffentlichung von Ergebnissen, die Vertuschung des Fehlverhaltens wichtiger Exponenten seitens der Fachgesellschaften, Universitätsverwaltungen und Kollegien einerseits - und andererseits vernichtende informelle Konsequenzen für die aufdeckenden Personen. Das wissenschaftliche Rekrutierungs- und Reputationssystem reagiert also eingeschränkt und oft garnicht auf Fehlverhalten, sondern personalisiert nur spektakuläre Fälle als ´bad apples´...
 

Quarks Wissenschaft

Darum solltet ihr nicht jeder "wissenschaftlichen" Studie glauben

Eine Recherche von NDR, WDR und SZ zeigt, wie einfach es ist, wissenschaftliche Studien zu fälschen und in Umlauf zu bringen. Leider passiert das immer wieder. Und das schadet der seriösen Wissenschaft.

"Glaube nur der Studie, die du selbst gefälscht hast!" Das ist so ein Spruch, der immer wieder in Zusammenhang mit wissenschaftlichen Publikationen fällt, deren Ergebnisse eventuell für die persönliche Meinung nicht allzu wünschenswert sind. Oder einfach nicht ins Weltbild passen.

Oft werden solche Menschen belächelt – manche mögen ihnen in ihrer Meinung recht geben. Doch ein solches Sprichwort kommt nicht von irgendwoher. Denn: Nicht jede Studie, die als "wissenschaftlich" deklariert ist, ist es auch wirklich.

[...] Gekaufte Studien

Manche Umfragen deutscher Marktforschungsinstitute sind fast vollständig frei erfunden, hat eine Spiegel-Recherche aufgedeckt. Auch manche medizinische Studien zu schwerwiegenden Erkrankungen werden von Wirtschafts- und Pharmaunternehmen manipuliert. Sie bestechen Universitäten oder Marktforschungsinstitute mit großen Summen, um Studienergebnisse zu erstellen, die ihr Produkt hervorheben...

[...] Wo sind die seriösen Studien?

Zwar ist es nicht immer einfach, gute von schlechten Studien zu unterscheiden, es gibt aber einige Hinweise: In der Regel werden gute Studien von unabhängigen renommierten Instituten durchgeführt, haben eine große Teilnehmerzahl, sind nicht finanziell beeinflusst und laufen über einen langen Zeitraum. Gibt es keine Informationen dazu, sollte man misstrauisch bleiben.
 

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YouTube

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https://www.youtube.com/results?search_query=Korruption+in+der+Forschung
 

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In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema Atom*

 


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