Neu! THTR-Rundbrief

Newsletter II 2026

11. Januar bis ...

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...

Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.

 

1. Januar 1977 (INES-5) Akw Belojarsk, UdSSR

2. Januar 1958 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR

3. Januar 1961 (INES-4 NAMS 2,9) SL-1, NRTS, Idaho, USA

4. Januar 1986 (INES-4) Atomfabrik Sequoyah, OK, USA

5. Januar 1976 (INES-3) Akw Jaslovské Bohunice, SVK

6. Januar 2016 (Nordkoreas 4. Nuklearwaffentest) Punggye-ri, PRK

6. Januar 1981 (INES-3) Atomfabrik La Hague, FRA

13. Januar 1977 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU

17. Januar 1966 (Broken Arrow) Palomares, ESP

18. Januar 2012 (INES-2) Akw Cattenom, FRA

20. Januar 1965 (INES-4 NAMS 3,7) Atomfabrik LLNL, Livermore, USA

21. Januar 2002 (INES-2) Akw Flamanville, FRA

21. Januar 1969 (INES-5 NAMS 1,6) Akw VAKL Lucens, CHE

21. Januar 1968 (Broken Arrow) Thule Airport, Grönland, DNK

24. Januar 1961 (Broken Arrow) Goldsboro, NC, USA

 

Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de

 


14. Januar


 

„Brauchen die Infrastruktur“

Nasa bekräftigt Pläne für Atomreaktor auf dem Mond

Die US-Raumfahrtbehörde will zurück auf den Mond – mit Menschen und mit Infrastruktur. Dafür ist eine Energiequelle unabdinglich.

Washington. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat ihre Pläne für den Bau eines Atomreaktors auf dem Mond bekräftigt. Der Reaktor solle bis 2030 in Betrieb gehen, teilten die Nasa und das US-Energieministerium mit.

„Amerika hat sich verpflichtet, zum Mond zurückzukehren, die Infrastruktur zu bauen, die man braucht, um zu bleiben, und die Investitionen vorzunehmen, die es für den nächsten großen Sprung zum Mars und darüber hinaus braucht“, sagte Nasa-Chef Jared Isaacman. „Um diese Zukunft zu erreichen, muss Kernenergie gewonnen werden.“
Wettbewerb mit China und Russland um den Mond

Die Pläne der Nasa waren bereits im vergangenen Sommer bekanntgeworden. Genaue Details wurden bislang jedoch nicht mitgeteilt. Die Forschungen der Nasa dazu laufen schon länger. Mit dem „Artemis“-Programm will die Nasa bald erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen...

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US-Gericht hebt Trumps Baustopp für Offshore-Windpark auf

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Erfolg für den dänischen Energiekonzern Ørsted. Er darf sein von US-Präsident Trump gestopptes Windparkprojekt vor der US-Ostküste weiterbauen.

Vor der US-Ostküste entsteht derzeit ein riesiger Windpark. Bauherr ist der dänische Energiekonzern Ørsted. Im Dezember stoppte die Trump-Regierung dann aber alle großen Offshore-Windprojekte vor den Küsten, darunter auch die besagte Baustelle mit dem Namen "Revolution Wind".

Bis jetzt, denn ein US-Gericht hat den Baustopp aufgehoben. Damit hat die Klage von Ørsted Erfolg. Bundesrichter Royce Lamberth erklärte, das Projekt würde ohne eine einstweilige Verfügung "irreparablen Schaden" erleiden, und der Antrag des Unternehmens sei "im öffentlichen Interesse".

Die Anordnung ermöglicht nun die "sofortige Wiederaufnahme der betroffenen Aktivitäten", zitiert die Tagesschau von der Homepage des Projekts. Die Bauarbeiten würden "so bald wie möglich wieder aufgenommen".

Angebliche Sicherheitsbedenken Unsinn

Das US-Innenministerium hatte den vorläufigen Stopp mit "nationalen Sicherheitsrisiken" begründet. Minister Doug Burgum erklärte, Windräder könnten Radar- und Navigationsanlagen stören, zudem seien Windparks "teuer, unzuverlässig und stark subventioniert"...

 


13. Januar


 

Bill Gates’ Terrapower liefert Meta Platforms Atomreaktoren

Meta Platforms hat einen AKW-Lieferanten gefunden: Die von Bill Gates gegründete Firma Terrapower. Sie will 2 bis 8 Reaktoren liefern.

Meta Platforms möchte seinen KI-Strombedarf auch mit Kernkraft decken. Dazu hat es einen Projektentwickler für neue Atomkraftwerke gesucht und jetzt auch gefunden: die 2006 von Bill Gates gegründete Firma Terrapower.

Das hat Terrapower am Freitag bekanntgegeben. Sie entwickelt vergleichsweise kleine Plutonium-Brutreaktoren mit Natriumkühlung und baut seit 2024 einen solchen Small Modular Reaktor (SMR) in Wyoming. Der Fertigstellungstermin hat sich von ursprünglich 2028 auf 2030 verschoben. Bereits zwei Jahre danach soll Terrapower Meta die ersten beiden Reaktoren liefern. Meta hat eine Option auf sechs weitere.

Jedes dieser Atomkraftwerke (AKW) soll 345 Megawatt leisten. Eingebaute Akkumulatoren erlauben die Abgabe von 500 Megawatt für bis zu fünf Stunden. Bei acht Nuklearreaktoren macht das vier Gigawatt Spitzenleistung.

[...] Terrapower stellt sich als "grünes" Unternehmen dar, weil die Kernreaktoren vor Ort nur geringe Emissionen erzeugen. Die kleinen Atomreaktoren sind jedoch genauso wenig umweltfreundlich wie größere Kernkraftwerke, denn die Entsorgung nuklearen Abfalls ist ebenso problematisch. Die Halbwertszeit des im Brutreaktor erzeugten Plutonium-239 beträgt mehr als 24.000 Jahre...

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Schulfach Jura

„Rechtsbildung lässt Po­pu­lis­ten unattraktiver werden“

Juristische Grundlagen müssen zum Schulfach werden, fordert der Anwalt und Hochschullehrer Andreas Gran. Das würde auch helfen im Kampf gegen die AfD.

taz: Herr Gran, Sie sind Jurist, arbeiten als Hochschullehrer und Anwalt. Solche Menschen werden üblicherweise von ihrem Umfeld gern befragt, wenn sie ein juristisches Problem haben. Was war Ihr letzter Fall?

Andreas Gran: Gestern rief mich der Freund eines Sohnes an und fragte mich, was er bei einem Mietvertrag beachten solle. Der junge Mann studiert und hat wohl einen Standardmietvertrag vorgelegt bekommen. Ich habe mir dann gern Zeit genommen, um mit ihm darüber zu sprechen, und ihm unter anderem erklärt, dass er keine lange Laufzeit vereinbaren sollte. Denn nach deutschem Recht verlängern sich Wohnraummietverträge grundsätzlich ohnehin automatisch – und es ist wahrscheinlich nicht im Interesse eines Studierenden, sich zwei, drei Jahre zu binden.

[...] taz: Sie meinen, Rechtsbildung in Schulen würde die AfD unattraktiver machen? Ist das nicht ein bisschen viel?

Gran: Natürlich würde etwas Rechtsbildung nicht gleich Po­pu­lis­t:in­nen aus den Parlamenten fegen, aber ja: Ich glaube, das wäre ein Faktor, der sie unattraktiver werden ließe, insbesondere bei jungen Menschen mit fehlender Zuversicht in unsere freiheitliche Demokratie. Zum einen, weil das Wissen um die eigenen Rechte ein Selbstbewusstsein und ein Vertrauen in die Teilhabe fördert. Es schafft Stärke und ein großes Gefühl von Selbstwirksamkeit, die eigenen Rechte zu kennen und sie gegebenenfalls durchsetzen zu können. Dann sind junge Menschen wehrhafter gegenüber Angst- und Frustmache...

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Krieg gegen Palästinenser

Sturm über Gaza

Menschen erfrieren und werden von einstürzenden Mauern erschlagen – eine direkte Folge von Israels Blockade humanitärer Güter und Baumaterialien

Palästina und Israel treffen schwere Stürme und Regenfälle. In Jerusalem ist am Dienstag eine 50jährige Frau von einem schweren Gegenstand erschlagen worden, als ihr Haus überflutet wurde. Die israelische Tageszeitung Haaretz meldete außerdem Verletzte und blockierte Autobahnen. Im Gazastreifen sind die meisten Menschen dem Unwetter noch schutzloser ausgeliefert. Seit Beginn des Genozids gegen die Palästinenser in der abgeriegelten Enklave hat die israelische Armee UN-Angaben zufolge 92 Prozent der Gebäude zerstört oder beschädigt. Mindestens 1,1 Millionen Menschen benötigen dringend eine adäquate Unterkunft, sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric auf einer Pressekonferenz am Montag.

Doch das israelische Militär verhindert noch immer die uneingeschränkte Einfuhr von Zelten, Baumaterialien und schwerem Gerät zum Beseitigen von Trümmern – trotz gegenteiliger Zusagen im am 11. Oktober in Kraft getretenen »Waffenstillstandsabkommen« mit der Hamas. Seitdem hat die Armee sogar weitere 2.500 Gebäude zerstört, wie die New York Times am Montag berichtete. Während selbst die US-Regierung laut einem Haaretz-Bericht vom Dezember anerkennt, dass sich die palästinensische Seite weitgehend an die Vereinbarung gehalten hat, hat Tel Aviv sie nach Belieben gebrochen. 447 Palästinenser wurden seit der Einigung laut jüngsten Angaben der lokalen Gesundheitsbehörde durch das Militär getötet, 1.246 verletzt. Unter den Getöteten seien mehr als 100 Kinder, sagte UNICEF-Sprecher James Elder am Dienstag.

[...] Während Israels Armee ungeachtet des sogenannten Waffenstillstands die Lebensgrundlagen der Palästinenser in Gaza weiter systematisch zerstört, will US-Präsident Donald Trump rasch seinen »Friedensrat« in der Enklave installieren. In neokolonialer Manier soll dem Gremium unter US-Leitung die Regierungsmacht in Gaza übergeben werden. Laut einem Haaretz-Bericht vom Dienstag sieht Washington außerdem vor, dem Rat ein über den Küstenstreifen hinausgehendes Mandat zu geben. Das hätten mehrere Quellen aus dem Umfeld des Weißen Hauses der Zeitung gesagt. Demnach soll er in Konkurrenz zur UNO weltweit Konflikte lösen.

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TSMC muss Firmen in USA bauen

Taiwan erzielt Einigung über Handelsabkommen mit den USA

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Trumps Zollhammer im vergangenen Jahr trifft auch Taiwan hart. Zuerst wird der Inselstaat mit Zöllen in Höhe von 32 Prozent belegt, später werden die auf 20 Prozent reduziert. Nun haben die langen Verhandlungen weitere Früchte getragen. Auch die USA sollen profitieren.

Taiwan hat nach Angaben der Unterhändler der demokratisch regierten Insel nach monatelangen Verhandlungen einen "allgemeinen Konsens" mit den USA über ein Handelsabkommen erzielt. Eine Einigung erreichten die Verhandlungspartner über "gegenseitige Zollsenkungen" sowie die "bevorzugte Behandlung" für "Halbleiter, Halbleiterderivate und andere Artikel" aus Taiwan, erklärte die taiwanische Behörde für Handelsverhandlungen. Derzeit werde über einen Termin für ein abschließendes Treffen beider Seiten beraten.

Taipeh und Washington hatten im April mit Verhandlungen über ein Handelsabkommen begonnen, nachdem US-Präsident Donald Trump Zölle in Höhe von 32 Prozent auf taiwanische Importe verhängt hatte, die später auf 20 Prozent reduziert wurden. Daraufhin sagte der taiwanische Präsident Lai Ching-te zu, die Investitionen in den USA anzukurbeln und die Verteidigungsausgaben Taiwans zu erhöhen.

[...] Auch die "New York Times" hatte über den Deal berichtet. Der Zeitung zufolge könnte der Zollsatz für das Land auf 15 Prozent gesenkt werden. Das schrieb das Blatt unter Berufung auf drei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der weltweit führende Chiphersteller TSMC würde sich zum Bau von mindestens fünf weiteren Produktionsstätten im US-Bundesstaat Arizona verpflichten.

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Weltraumschrott

Satelliten könnten Gefahr für die Erdatmosphäre werden

Die Zahl der Satelliten im Erdorbit steigt rasant an. Was ihre Überreste in den obersten Schichten der Erdatmosphäre anrichten können, ist kaum erforscht. Wissenschaftler befürchten Konsequenzen für die Ozonschicht.

Mitte Dezember umfasste das Starlink-Netzwerk von Elon Musk genau 9.347 aktive Satelliten. Mit dieser sogenannten "Konstellation", einem großen Satellitenverbund, bietet das Unternehmen Space X Internetverbindungen rund um den Globus an. Damit gehören dem Multimilliardär mehr als zwei Drittel aller von der ESA gelisteten 12.900 aktiven Satelliten im Orbit. Doch das ist erst der Anfang: 42.000 sollen es nach der derzeitigen Planung von SpaceX in den kommenden Jahren werden: Eine bislang nie dagewesene Satellitenschwemme.

Rasanter Anstieg beim Weltraumschrott

Was raufgeschossen wird, kommt irgendwann auch wieder runter. So ist die Menge an Weltraumschrott, die inzwischen aus dem Orbit in Richtung Erde zurückstürzt, gewaltig. Astrophysiker Manuel Metz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beobachtet diese Entwicklung ganz genau. "Vor zehn Jahren haben wir von etwa 100 Tonnen pro Jahr gesprochen, die in die Erdatmosphäre wiedereingetreten sind. Wir sind im Moment im Bereich des Acht- bis Zehnfachen, was im Jahr wiedereintritt und dort zum Verglühen gebracht wird."

[...] Ozonloch 2.0 durch Aluminiumreste?

Was genau sich in der oberen Erdatmosphäre durch Weltraumschrott zusammenbrauen könnte, weiß niemand. Erforscht wurden bislang nur die Stoffe, die hier durch Meteoriten eingebracht wurden, etwa Eisen oder Nickel. Durch die Hightech-Bauteile der Satelliten werden in der oberen Atmosphäre aber Verbindungen freigesetzt, die es hier bislang nicht oder nur in geringen Mengen gab...

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INES Kategorie ?13. Januar 1977 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU


Aufgrund der unklaren Lage (?) wurde diesem Vorfall keine INES Stufe zugewiesen!

'Gar Nix' liefert detailierte Infos

13. Januar 1977 - Bei einem Unfall wird der gesamte Reaktor des AKW Gundremmingen A zerstört. Das Wetter ist feucht und kalt. Eisregen und Raureif lässt die Isolatoren an zwei Hochspannungsleitung brechen. Es kommt zu Kurzschlüssen. Daraufhin wird eine automatische Schnellabschaltung eingeleitet.

Mehrere Anlagenteile funktionieren jedoch nicht richtig. Durch eine Fehlsteuerung wird zuviel Wasser zur Notkühlung in den Reaktor gepresst.

Durch Überdruck-Ventile gelangen – unterschiedlichen Quellen zufolge – zwischen 200 m³ und 400 m³ radioaktives Kühlwasser (ca. 280 Grad Celsius) in das Reaktorgebäude.

Nach zirka zehn Minuten steht dort das Wasser etwa drei Meter hoch und die Temperatur ist auf rund 80 Grad Celsius angestiegen. Hier ist zu berücksichtigen dass es sich um Kühlwasser das kurz vorher im Containment noch Brennstäbe mit porösen Hüllen umspült hat handelt. Daher beinhaltet dieses Wasser die komplette Bandbreite radioaktiver Isotope die dort beim Betrieb entstanden sind ...

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12. Januar


 

Werden Benzin-Autos wirklich verschwinden? Diese Grafiken zeigen es auf einen Blick

Die Verkäufe von Benzin- und Dieselautos brechen ein. Dafür kaufen Schweizer mehr Elektroautos. Der frühere Überflieger Tesla profitiert nicht davon, andere Marken umso mehr.

Die Autoverkäufe in der Schweiz fallen auf den tiefsten Stand seit über 25 Jahren, wenn man die Pandemiezeit ausklammert – und der Markt wandelt sich rapide: E-Autos legen wieder zu, Hybrid-Autos sind am beliebtesten und klassische Benziner und Diesel werden zu Auslaufmodellen.

Auf Herstellerebene gilt: Tesla verliert, Skoda profitiert und die Chinesen bringen sich in Stellung. Aber natürlich gibt es noch andere spannende Entwicklungen.

[...] Benziner und Diesel brechen ein

Auch klassische Hybridautos ohne Ladeanschluss, die allerdings kaum CO₂ einsparen, legten nochmals leicht zu. Hybride machen inzwischen ein gutes Drittel, konkret 35 Prozent der Neuzulassungen, aus.

Die Verkäufe von herkömmlichen Benzin-Autos gingen um 20 Prozent zurück, Diesel-Autos brachen um 29 Prozent ein. Der Marktanteil von Benzinern ist in wenigen Jahren von 60 auf 24 Prozent gefallen, jener von Diesel-Autos von 40 auf 7 Prozent. Zusammen erreichen sie weniger als ein Drittel der Neuzulassungen.

Swiss eMobility-Direktor Krispin Romang bilanziert: «Nach der Stagnation der vergangenen Jahre stellen wir wieder einen Aufwärtstrend fest. Doch der Markt wächst langsamer als nötig. Die CO₂-Zielwerte 2025 wurden nicht erreicht.» Da zu wenig Stromer verkauft wurden, drohen den Autoimporteuren laut dem Verband Auto Schweiz dieses Jahr Strafen in dreistelliger Millionenhöhe...

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Um das 41-fache verschätzt: Warnung vor industriellem Einbruch durch Katherina Reiches künstliche Energieverknappung

Ein EWI-Gutachten lenkte bereits 2012 die Bundesregierung. Heute liegen korrekte Ausbauzahlen vor – dennoch setzt die Ministerin die damalige Bremsrhetorik fort, statt konsequent auf eine beschleunigte Energiewende zu setzen. Eine Analyse dieses anhaltenden Widerspruchs.

Schon 2012 hatte Katherina Reiche (CDU) als verantwortliche Staatssekretärin unter Minister Peter Alt­maier (CDU) eine EEG-Reform zu verantworten, die hohe volkswirtschaftliche Schäden ver­ursachte. Der jährliche Ausbau der Photovoltaik wurde dadurch drastisch von etwa sieben Gigawatt auf unter zwei Gigawatt gedrosselt.

Damit wurde der damals weltweit führenden deutschen Solarindustrie der Heimatmarkt entzogen, mit dramatischen volkswirtschaftlichen Schäden: über 100.000 Jobs in der Solar­bran­che wurden vernichtet. Einst global führende deutsche Photovoltaik-Produzenten gingen in Konkurs. Öffentliche Kassen verloren erhebliche Steuereinahmen: unter anderem Unternehmenssteuern, kommunale Gewerbesteuern, Einkommenssteuer. Die Produktion von heimischer Solar­technik wurde fast völlig beendet und China übernahm fast komplett die solare Industrie­pro­duktion. Europa, einst Technologieführer, hält heute weniger als drei Prozent der globalen Produk­tions­­anteile in der Solarindustrie und Deutschland kauft Photovoltaik-Produkte aus China zu, statt mit eigener Wertschöpfung hier zu produzieren.

Reiche hat die hohen Energiekosten der Energiekrise 2021 bis 2023 mitzuverantworten

Die volkswirtschaftlichen Schäden durch diesen staatlich verordneten Einbruch in der Solarbranche sind enorm. Weitere EEG-Novellen unter dem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) resultierten in einem dramatischen Einbruch auch beim Ausbau von Windkraft und Biogas, insbesondere wegen der Umstellung auf Ausschreibungen.

Wäre der Ausbau der Solar- und Windenergie mit den zuvor erreichten Wachstumsgeschwindig­keiten 2012 bis 2020 fortgeführt worden, zusammen mit einem Ausbau von flexiblen Biogasan­lagen und Spei­chern, hätte Deutschland eine sichere ganzjährige Stromversorgung aus 100 Prozent Erneuerbaren erreicht.

Stattdessen setzte die Bundesregierung auf Erdgas, was die Strompreise massiv ansteigen ließ, da der russische Aggressionskrieg in der Ukraine die Erdgaspreise nach oben trieb. In den Jahren 2021 bis 2023 haben Privatpersonen und Unternehmen insgesamt etwa 150 Milliarden Euro mehr für ihre Stromrechnungen bezahlt. Ein volkswirtschaftlich immenser Schaden, den es so mit 100 Prozent Ökostrom nicht gegeben hätte...

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Kinder fragen, die taz antwortet

Wie können sich die Reichen durchsetzen, obwohl sie in der Minderheit sind?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Theo, 12 Jahre alt.

Viele Menschen glauben, dass sich die Reichen durchsetzen können, weil sie reich sind. Das ist nicht ganz falsch. Denn die Reichen haben genug Geld, um viele Berater zu beschäftigen, die dann die Politiker beeinflussen. Diese Berater heißen Lobbyisten. Sie versuchen die Gesetze so zu gestalten, dass die Reichen profitieren und möglichst wenig Steuern zahlen.

Trotzdem reicht es nicht, nur Lobbyisten zu beschäftigen, damit sich die Reichen durchsetzen können. Denn die Politiker wollen ja wiedergewählt werden. Die Abgeordneten im Parlament müssen daher tun, was die Mehrheit der Wähler will. Die meisten Wähler sind aber nicht reich, sondern gehören zur Mittelschicht oder sogar zu den Armen. Die Reichen können daher ihre Interessen nur durchbringen, wenn sie der Mittelschicht das Gefühl geben, dass sie ebenfalls reich ist – obwohl das gar nicht stimmt. Die Mehrheit der Wähler muss also zur Selbsttäuschung verleitet werden.

Dafür gibt es mindestens drei Tricks. Erstens: Die Reichen rechnen sich arm und erklären sich selbst zu einem Teil der Mittelschicht. Dieser Trick funktioniert, weil es keine genauen Zahlen gibt, wie viel Geld die Reichen wirklich haben.

Zweitens: Die Mittelschicht hofft auf den eigenen Aufstieg. Die meisten Menschen nehmen gar nicht wahr, wie groß der Abstand zu den Reichen wirklich ist. Umfragen zeigen, dass viele Menschen glauben, dass der Reichtum gleich oberhalb ihres eigenen Einkommens anfängt. Da liegt dann der Irrtum nahe, dass man sich nur ein bisschen anstrengen muss, um auch zu den Reichen zu gehören.

Drittens: Die Mittelschicht überschätzt das eigene Einkommen auch deshalb, weil sie sich unbedingt von den Armen abgrenzen will. In der Mittelschicht ist das Vorurteil verbreitet, dass die Armen gar nicht arbeiten wollen und eigentlich nur Schmarotzer sind. Menschen aus der Mittelschicht sehen sich an der Seite der Reichen, weil sie meinen, dass man gemeinsam von den angeblich faulen Armen ausgebeutet würde...

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Sorgenkind in Garching: Forschungsreaktor ohne Forschung

Gelobt als eine der wichtigsten Neutronenquellen Europas, gefeiert als bayerisches Leuchtturmprojekt – aber seit fast sechs Jahren außer Betrieb: Der Forschungsreaktor FRM II der Technischen Universität München (TUM) steht auch zum Start ins neue Jahr still. Wann der wegen seines hoch angereicherten Uran-Brennstoffs kritisierte Reaktor wieder anfahren kann, ist weiter offen. Man hoffe auf dieses Jahr, heißt es bei den Betreibern – die sich inzwischen mit Prognosen zurückhalten.

Was ist das nur, dieser Zentralkanal?

Erst war es die Corona-Pandemie, wegen der man den Reaktor 2020 herunterfuhr, dann folgten Zwischenfälle – und eine scheinbar endlose Reparatur: Die Herstellung der Komponenten für den sogenannten Zentralkanal schleppt sich seit Jahren hin. Immer wieder wird nun über dieses zuvor kaum bekannte Stück diskutiert, das als zentrales Bauteil das Brennelement trägt.

«Niemand hätte gedacht, dass die Fertigung des Zentralkanals so aufwendig ist», räumt FRM-II-Sprecherin Anke Görg ein. «Für 2026 wünschen wir uns nichts lieber als viele Neutronen für die Wissenschaft am FRM II.»

Ersatzteil-Bau wird zur Geduldsprobe

Wie kürzlich aus der Antwort des Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen im bayerischen Landtag hervorging, warten die Garchinger schon seit fast 13 Jahren auf einen neuen Zentralkanal. Er war 2013 als regulär zu wechselndes Ersatzteil bestellt und sollte im Herbst 2014 geliefert werden, hieß es in der Antwort des Ministeriums.

[...] Wenn der Reaktor wieder anfährt, müsste alsbald auch ein Atomtransport rollen. Das Abklingbecken in Garching für abgebrannte Brennelemente ist fast voll. Genehmigt sind Transport und Einlagerung im Zwischenlager Ahaus, die Transportgenehmigung gilt bis Sommer 2027.

Der Garchinger Atommüll - besonders gefährlich?

Atomgegner kritisieren, der Müll aus Garching - und damit der Transport über 700 Kilometer nach Ahaus - sei besonders problematisch. Der Abfall enthält teils noch immer hoch angereichertes Uran. Laut Gegnern könnte selbst das noch für Atomwaffen missbraucht werden. Die Betreiber des FRM II betonten hingegen stets, für den Bau von Waffen seien spezielle Wiederaufbereitungsanlagen nötig, von denen es weltweit nur eine Handvoll gebe.

Ob die Castoren dieses Jahr rollen, ist unklar. Der konkrete Termin bliebe aus Sicherheitsgründen ohnehin geheim.

 


11. Januar


 

Superreiche und Klimakrise

Ein Leben ohne Privatjet ist machbar

Das reichste eine Prozent hat schon jetzt ihr gesamtes CO2-Jahresbudget aufgebraucht. Klimaschutz bei ihnen einzufordern, ginge ganz ohne Härten.

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung hatte schon am 10. Januar die gesamte Menge an Treibhausgasen ausgestoßen, die ihm für das gesamte Jahr 2026 zusteht. Das hat die Entwicklungsorganisation Oxfam berechnet. Sie setzt als legitime CO2-Menge für eine Person in einem Jahr 2,1 Tonnen an. Der Rechnung nach steht also jeder Person dieselbe Menge CO2 zu.

Die Realität sieht aber eben anders aus. Viele Menschen nehmen sich mehr heraus – aber einige wenige tun das exzessiv. Daten des „Stockholm Environment Institutes“ zeigen, dass das reichste Prozent der Weltbevölkerung 2023 für 75,1 Tonnen CO2 pro Person verantwortlich war. Daraus abgeleitet haben die Superreichen also nach nur zehn Tagen das aufgebraucht, was ihnen 365 Tage reichen müsste. Das ist inakzeptabel – und ein Grund mehr, gegen den übermäßigen Reichtum vorzugehen.

Die Debatten um die Erbschaftsteuer oder auch eine Vermögensteuer zeigen leider, dass die Bundesregierung daran kein Interesse hat. Bei einem Kanzler Friedrich Merz (CDU), der selbst als reich gilt, ist das wohl auch kaum überraschend. Dabei geht es um Staatseinnahmen, die gebraucht werden – auch für den Klimaschutz.

[...] Auch die durchschnittsdeutsche Person trägt mit um die 10 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr viel Klimaschuld, kann also nicht mit Klimaschutz verschont werden. Die Klimapolitik muss (und kann!) nur gut sozial flankiert werden. Aber: Ein Leben ohne Privatjet, Superyacht und Weltraum-Tourismus ist zumutbar. Einfach so, völlig unflankiert.

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Wegen Atombombe: US-Militär gab PFAS entscheidenden Schub

Eine US-Journalistin erzählt erstmals die Geschichte der «Ewigkeitschemikalien». Mit dabei: ein Schweizer Chemiker.

PFAS beschäftigen derzeit in der ganzen Schweiz die Behörden bis auf Gemeindeebene. Doch noch immer wissen wir wenig über die Stoffe. Dass die sogenannten Ewigkeitschemikalien giftig sind und auf die Erfindung von Teflon zurückgehen, ist erst seit etwa zehn Jahren einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Wegen eines Prozesses machten in den USA damals erste Medienberichte über die Gefährlichkeit des Kunststoffs die Runde.

Mit einem erzählenden Sachbuch steuert nun die US-Journalistin Mariah Blake ein weiteres, grosses Puzzleteil zum Wissen über PFAS bei. Blake war eine der ersten Journalistinnen, die 2015 ausführlich über die Vergiftung rund um Duponts Teflon-Fabrik in Parkersburg im US-Staat West Virginia berichtete.

In «They Poisoned the World» (die deutsche Übersetzung erscheint Ende Februar 2026) holt Blake besonders weit aus. Sie erzählt von einem weiteren Vergiftungsskandal um die Firma Saint-Gobain im US-Bundesstaat New York, von erfolgreichem Widerstand, und der bislang kaum bekannten Geschichte der Stoffe, die fast hundert Jahre zurückreicht.

Manhattan-Projekt entscheidend für PFAS-Entwicklung

Deren Details, so sagte Blake in einem Podcast-Interview, waren auch für sie neu: Denn entscheidend für Entwicklung und kommerzielle Verbreitung des Materials war das sogenannte Manhattan-Projekt mit welchem die USA im Zweiten Weltkrieg die Atombombe entwickelten.

In Blakes Erzählung entwickelte ein Dupont-Chemiker Teflon durch Zufall. 1938 arbeitete Roy Plunkett an der Entwicklung eines neuen Kühlmittels mit dem hochgiftigen Gas Fluorin, als er nach einem Experiment ein bestimmtes Material vorfand, das extrem glitschig war und sich auch durch starke Erhitzung nicht auflösen liess. «Es reagierte auf nichts», erinnerte sich Plunkett später.

Plunketts Chefs erkannten das enorme Potenzial des Stoffs sofort. Teflon war stark, hitzeresistent und konnte selbst giftigste Chemikalien abwehren. Doch Duponts Polymerchemie-Abteilung, zu diesem Zeitpunkt Weltmarktführer, schaffte es noch nicht, Teflon in grossen Mengen herzustellen. Dieselben Eigenschaften, welche den Stoff nützlich machten, bargen grosse Herausforderungen. Deshalb kam die Dupont-Direktion Ende der 1930er-Jahre zum Schluss, dass sich die kuriose Laborerfindung wohl nie für die Massenproduktion eignen würde...

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Fossile Füllhörner, zivile C‑Parteien und Energie­sicherheit von nebenan

Ein dezentrales und flexibles Stromsystem kommt besser mit Störungen und Angriffen zurecht als wenige Großkraftwerke, findet Carolin Dähling von der Energiegenossenschaft Green Planet Energy, Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Sie plädiert für eine Art energiepolitische Unabhängigkeitserklärung Europas.

Klimareporter°: Frau Dähling, fünf Tage lang waren Zehntausende Haushalte im Berliner Südosten ohne Strom, weil Stromleitungen zerstört wurden. Ist gegen so viel kriminelle Energie kein Kraut gewachsen oder lässt sich das Stromnetz besser schützen?

Carolin Dähling: Ich möchte zuerst allen danken, die in den letzten Tagen durchgehalten haben – und allen, die geholfen haben, die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

Deutschland gehört zu den Ländern mit der höchsten Versorgungssicherheit weltweit. Dennoch ist kein Energiesystem vollständig gegen terroristische Angriffe abgesichert. Das Entscheidende ist nicht eine absolute Sicherheit – die gibt es nicht –, sondern wie schnell wir aus einer Störung heraus wieder in ein stabiles Gleichgewicht kommen.

Genau hier ist die Energiewende eine Chance. Dezentral erzeugter Strom ist resilienter als ein System aus wenigen zentralen Großkraftwerken. Wenn Energie aus vielen Quellen stammt – aus Solaranlagen auf Dächern, Windrädern, kleinen Biogasanlagen –, dann verteilt sich das Risiko. Lokale Systeme können unabhängig voneinander stabil bleiben und sich schrittweise wieder aufbauen. Auch auf Haushalts- und Quartiersebene wächst diese Widerstandskraft.

Erneuerbare Energien erhöhen die Resilienz bei einem Stromausfall. Photovoltaikanlagen mit Batteriespeichern, Elektroautos, die bei Bedarf Strom ins Haus zurückspeisen können, oder ein modernes Balkonkraftwerk mit Notstromsteckdose ermöglichen für Stunden oder Tage eine gewisse Autonomie. Natürlich müssen sie dafür auch technisch in der Lage sein und auch ohne Netzanbindung funktionieren. Das ist nicht bei allen Anlagen der Fall, könnte aber noch stärker angereizt und gefördert werden.

Das Haus meiner Nachbar:innen ist beispielsweise mit einer inselnetzfähigen Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher ausgestattet. Bei einem eintägigen Stromausfall im letzten Jahr konnten sie sich selbst mit Strom versorgen und haben vielen in der Nähe angeboten, diesen bei Bedarf mitzunutzen. Eine schöne Erfahrung von guter Nachbarschaft, aber auch resilienter, erneuerbarer Stromerzeugung.

Was mich dagegen in dieser Woche wirklich geärgert hat, war die Panikmache rund um Wärmepumpen von rechter Seite. Die Geschichten von "explodierenden Anlagen" sind frei erfunden. Frost kann jeder Heizung zusetzen – aber Explosionen gibt es nur in den Fake-News-Portalen...

 


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Aktuelles+

11. Januar 2026

Der korrupte Abgrund hinter dem Rückzug der Glyphosat-Studie

Gekaufte Studien und Artikel stellen die Unabhängigkeit von Fachmagazinen und höchsten öffentlichen Institutionen in Frage.

Die Studie aus dem Jahr 2000 galt als «Goldstandard» und damit als Beweis dafür, dass das umstrittene Monsanto-Herbizid «Roundup» mit dem Wirkstoff Glyphosat sicher ist, keinen Krebs erregt und für die Umwelt unbedenklich ist. Sie erschien im Fachjournal «Regulatory Toxicology and Pharmacology», auf dessen Studien sich die Behörden stützen, wenn es darum geht, ein Produkt zuzulassen und Grenzwerte festzulegen.

Im letzten Dezember musste das Journal die Studie zurückziehen. Interne Dokumente hatten gezeigt, dass die Studie von Monsanto-Mitarbeitern manipuliert wurde und Monsanto-Mitarbeiter sogar Ghostwriter waren. Folgen hat dies für Monsanto keine: Der umstrittene Konzern war 2018 für 63 Milliarden Dollar vom deutschen Chemiekonzern Bayer übernommen worden, der sich damit auch gleich Milliardenklagen einhandelte. Ein Zustand, der sich durch den Rückzug der Studie noch verschärfen wird.

Ein spezieller Ort für Sitzungen

Umweltschützer feiern den Rückzug der Studie als gewaltigen Erfolg. Für den Journalisten Paul D. Thacker, der sich auf seiner Internet-Plattform «Disinformation Chronicle» auf die Korruption in Wissenschaft, Medizin und Umweltpolitik spezialisiert hat, sind die «Monsanto-Papers», die das Mauscheln aufdeckten, höchstens eine Bestätigung für das, wogegen er seit Jahren kämpft.

Vor acht Jahren hat er die Studie, die jetzt zurückgezogen werden musste, eingehend untersucht und dabei festgestellt, «dass die Gesellschaft hinter der Zeitschrift von einem Tabakberater geleitet wurde und ihre Sitzungen in den Büros von Keller and Heckman, der führenden Anwaltskanzlei für die chemische Industrie in Washington, D.C., abhielt».

Tabakberater als Chefredaktor

Der Tabakberater, der bis 2019 Herausgeber und Chefredaktor von «Regulatory Toxicology and Pharmacology» war, heisst Gio Gori. Thacker schreibt von Dokumenten, die beweisen, dass Gori ein gut bezahlter Berater der Tabak-Lobbyisten des «Tobacco Institute» und von «Brown & Williamson» (Marken: Lucky Strike, Pall Mall) war. B&W stand im Mittelpunkt der Enthüllungen des berühmtesten Whistleblowers der Geschichte: Jeffrey Wigand, Forschungsleiter bei B&W, enthüllte, dass der Konzern wusste, wie süchtig Nikotin macht, und dass der Konzern die Wirkung durch Zusätze (wie Ammoniak) künstlich verstärkte, um die Abhängigkeit zu erhöhen. Die Geschichte wurde im Jahr 2000 verfilmt: «The Insider» mit Al Pacino erhielt acht Nominierungen, aber keinen Oscar.

Für 30’077 Dollar veröffentlichte Gori (nicht nur in seiner Zeitschrift ) unter dem Titel «Mainstream and environmental tobacco smoke» (Tabakrauch im Mainstream und in der Umgebungsluft) einen Artikel , in dem er die dokumentierten Gefahren des Passivrauchens herunterspielte. 2007 bezeichnete er in einem Kommentar in der «Washington Post» die wissenschaftlich nachgewiesenen Schäden des Passivrauchens als «falsch».

Thackers Fazit: «Ich verfolge die in «Regulatory Toxicology and Pharmacology» veröffentlichten Studien nun schon seit einigen Jahrzehnten, nicht weil ich der Wissenschaft vertraue, sondern weil ich weiss, dass die Industrie dort gerne Werbung platziert, die sie als Wissenschaft bezeichnet. Und ich möchte verstehen, welche Botschaften die Industrie der wissenschaftlichen Gemeinschaft verkauft. Denn diese helfen Unternehmen bei der Aufgabe, schmutzige Produkte zu verteidigen: Tabak, Pestizide, Chemikalien, Luftverschmutzung – was auch immer.»

Korruption auch in den National Academies

Die Käuflichkeit einer wissenschaftlichen Zeitschrift ist das eine – und schon fast unbedeutend im Vergleich zur Korruption in angesehenen öffentlichen Institutionen wie den «National Academies of Sciences, Engineering and Medicine» (NASEM), der höchsten wissenschaftlichen Instanz der USA. Auch, wenn es um die Zulassung unter anderem von Herbiziden und der Gentechnik geht.

2016 erfreute die NASEM die Gentech-Industrie, mit einer Studie, die zum Schluss kam, dass gentechnisch veränderte Pflanzen sicher verzehrt werden können, der Umwelt nicht schaden und die Agrarbiotechnologie viele nachgewiesene Vorteile für Landwirte, Verbraucher und die Umwelt hat.

In einer Zeit, als für die Wissenschaft noch nicht klar war, ob gentechnisch veränderte Pflanzen unbedenklich sind, schrillten bei der Umweltschutz-NGO «Food & Water Watch» die Alarmglocken. Sie fand heraus, dass Wissenschaftler, die hinter dem Bericht standen, enge Verbindungen zur Industrie hatten, dass sich ein Mitarbeiter der National Academies gleichzeitig um eine Stelle bei einem Biotechnologiekonzern bewarb und dass ein Monsanto-Manager den Mitarbeiter der National Academies für seine Arbeit lobte.

«Reg Tox Pharm» muss eingestellt werden

Das machte Paul Thacker hellhörig und er vertiefte sich in den Bericht der National Academies. Er kam zum Schluss: «Ein Mitarbeiter der National Academies, der einen Job in der Biotech-Industrie suchte, wählte Panelteilnehmer mit Verbindungen zu Biotech-Unternehmen aus, um einen einflussreichen Bericht zu verfassen, der behauptete, dass gentechnisch veränderte Landwirtschaft keine Schäden verursache … und dieser Bericht war zufällig gespickt mit Studien, die in «Regulatory Toxicology and Pharmacology» veröffentlicht worden waren – der Lieblingszeitschrift der Industrie.»

Thacker fordert die Einstellung von «Reg Tox Pharm», wie das Journal abgekürzt wird. Oder zumindest sollten die Bundesbehörden ihren Mitarbeitern verbieten, im Herausgeberrat mitzuwirken. «Der Schaden, den diese Zeitschrift angerichtet hat, geht weit über eine korrupte Studie hinaus, die behauptete, Glyphosat sei sicher, obwohl es das nie war. Die Einstellung dieser Zeitschrift würde ein starkes Signal senden, dass korrupte Forschung aus der amerikanischen Gesellschaft verbannt werden sollte.»

 


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Hintergrundwissen

Die Karte der nuklearen Welt


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Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume!

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Wikipedia

Glyphosat

ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phosphonsäuren. Es ist die biologisch wirksame Hauptkomponente einiger Breitbandherbizide und wurde seit der zweiten Hälfte der 1970er Jahre von Monsanto als Wirkstoff unter dem Namen Roundup zur Unkrautbekämpfung auf den Markt gebracht. Weltweit ist es seit Jahren der mengenmäßig bedeutendste Inhaltsstoff von Herbiziden. Glyphosatprodukte werden von mehr als 40 Herstellern vertrieben.

Glyphosat wird in Landwirtschaft, Gartenbau, Industrie und Privathaushalten eingesetzt. Es wirkt nicht-selektiv gegen Pflanzen, dies bedeutet, dass alle damit behandelten Pflanzen absterben. Ausnahmen bilden Nutzpflanzen, die gentechnisch so verändert worden sind, dass sie eine Herbizidresistenz gegenüber Glyphosat besitzen. Die angebotenen Glyphosatprodukte unterscheiden sich in der Salz-Formulierung, dem Medium (Lösung oder Granulat) sowie dem Wirkstoffgehalt. Beispiele für Formulierungen sind das Glyphosat-Ammonium-Salz und das Glyphosat-Isopropylammonium-Salz. Die Toxizität fertig formulierter, glyphosathaltiger Herbizide, wie z. B. Roundup, kann höher sein als die des reinen Wirkstoffes Glyphosat für sich genommen.

[...] Über die Frage, ob Glyphosat Krebs erzeugen oder die Krebserzeugung fördern kann, hat sich eine intensive öffentliche und wissenschaftliche Debatte entwickelt. Ab 2015 verschärfte sich diese Diskussion zusehends. Eine europäische Bürgerinitiative forderte mit fast 1,1 Millionen gültigen Unterschriften das Verbot von Glyphosat. Anlass dafür war die Ende 2017 anstehende Wiederzulassung in der EU sowie die Bewertung als „wahrscheinlich krebserzeugend“ für den Menschen von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC).

[...] Kontroversen um den Einsatz

Argentinien

Nach Angaben der Süddeutschen Zeitung wurde unter den 6000 Einwohnern in dem Dorf Ituzaingó Anexo bei Córdoba 41-mal so viel Krebs diagnostiziert wie im argentinischen Durchschnitt. Da das Dorf in der Nähe von Feldern liegt, die durch Agrarflugzeuge mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, vermuten Anwohner und Umweltgruppen wie die von Sofía Gatica gegründete Gruppe the Mothers of Ituzaingó, die Ursache unter anderem bei Glyphosat. 2012 wurden ein Pilot und zwei Sojaproduzenten von einem Gericht für schuldig befunden, in der Nähe von Wohngebieten um Córdoba Glyphosat und Endosulfan versprüht zu haben. Des Weiteren wurden vom höchsten Gericht Argentiniens generell Sicherheitsabstände zu Wohngebieten eingerichtet, in denen nicht gesprüht werden darf, und die Beweislast bei Schadensersatzprozessen zugunsten der Kläger umgekehrt.

Kolumbien

Die kolumbianische Polizei verwendet im Rahmen der nationalen Drogenbekämpfung (Plan Colombia) Glyphosat in Kombination mit dem Netzmittel Cosmo-Flux zur Zerstörung von Cocastrauch- und Schlafmohnplantagen mit Sprühflugzeugen. Berichten zufolge soll es bei der im Sprühgebiet lebenden Bevölkerung zu verschiedenen Krankheitssymptomen gekommen sein.

[...] Im Zusammenhang mit den Sprühungen wurden bei der im Sprühgebiet lebenden Bevölkerung Haut- und Augenprobleme, Infektionen der Atemwege, Magen- und Darmerkrankungen sowie Fieber festgestellt. Direkt nach den Sprühungen wurden vor allem Symptome, die auf eine Überreizung des zentralen Nervensystems hindeuten, beobachtet. Diese Symptomatik äußerte sich insbesondere in Kopfschmerzen, Schwindelgefühlen, Magenschmerzen und allgemeiner Schwäche. Da das Hauptsprühgebiet im Grenzgebiet Kolumbien zu Ecuador liegt, kam es hinsichtlich der Folgen der Spritzungen zu diplomatischen Spannungen. So verlangte die ecuadorianische Regierung von der kolumbianischen, bei Sprühungen einen 10-Kilometer-Schutzradius zum Grenzfluss San Miguel einzuhalten. Im Kontext eines binationalen Seminars 2001 versprach die kolumbianische Delegation, einen Schutzradius zu berücksichtigen. Eine Untersuchungskommission stellte jedoch 2002 fest, dass ein solcher nicht eingehalten wurde.

Ecuador verklagte Kolumbien schließlich 2008 vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag und schloss am 9. September 2013 mit Kolumbien einen Vergleich ab.
 

Psychologie-Aktuell

Korruption in der Wissenschaft: eine überwiegend erfolgreiche Strategie

Korruption in der Wissenschaft: Erneut wird ein deutscher Psychologe der Datenmanipulation bezichtigt; Professor Dr. Jens F. soll in mindestens drei Studien die meisten angegebenen Mittelwerte extrem nahe an einem linearen Trend angegeben haben; die statistische Wahrscheinlichkeit für derartige Werte liegt bei etwa eins zu 500 Billionen, grenzt also an Unmöglichkeit. Der Wissenschaftler bestreitet jede Form von Manipulation. Ob er korrekt gearbeitet hat oder auch nicht: Korruption nimmt im Wissenschaftsbetrieb zu, nicht nur in Einzelfällen, sondern im System, analysiert Professor Dr. Thomas Kliche (Hochschule Stendal) in seinem Handbuch "Korruption".

Die Manipulation von Daten dient meist dazu, möglichst signifikante bzw. sensationelle "Befunde" zu erzielen, diese in führenden Zeitschriften zu publizieren und sich selbst damit maximal zu vermarkten. Da die Universitäten bei den Wissenschaftlern einen weltweiten Wettbewerb um derartige Publikationserfolge stimulieren, bleibt ein hoher Level an subtilen bis massiven Manipulationen gesichert.

Thomas Kliche belegt: "Fehlverhalten stellt eine überwiegend erfolgreiche Strategie dar; denn die entsprechenden Texte werden meist nicht entdeckt und berichtigt. Selbst international preisgekrönte und im vollen Licht der Kritik stehende Koryphäen können jahrelang unangefochten gefälschte Daten veröffentlichen und werden dafür womöglich noch gefeiert. Zahlreiche Fallbeispiele belegen konsequenzfreie Plagiate, geistigen Diebstahl, kleine Fälschungen in Biographieen und Daten, die selektive Veröffentlichung von Ergebnissen, die Vertuschung des Fehlverhaltens wichtiger Exponenten seitens der Fachgesellschaften, Universitätsverwaltungen und Kollegien einerseits - und andererseits vernichtende informelle Konsequenzen für die aufdeckenden Personen. Das wissenschaftliche Rekrutierungs- und Reputationssystem reagiert also eingeschränkt und oft garnicht auf Fehlverhalten, sondern personalisiert nur spektakuläre Fälle als ´bad apples´...
 

Quarks Wissenschaft

Darum solltet ihr nicht jeder "wissenschaftlichen" Studie glauben

Eine Recherche von NDR, WDR und SZ zeigt, wie einfach es ist, wissenschaftliche Studien zu fälschen und in Umlauf zu bringen. Leider passiert das immer wieder. Und das schadet der seriösen Wissenschaft.

"Glaube nur der Studie, die du selbst gefälscht hast!" Das ist so ein Spruch, der immer wieder in Zusammenhang mit wissenschaftlichen Publikationen fällt, deren Ergebnisse eventuell für die persönliche Meinung nicht allzu wünschenswert sind. Oder einfach nicht ins Weltbild passen.

Oft werden solche Menschen belächelt – manche mögen ihnen in ihrer Meinung recht geben. Doch ein solches Sprichwort kommt nicht von irgendwoher. Denn: Nicht jede Studie, die als "wissenschaftlich" deklariert ist, ist es auch wirklich.

[...] Gekaufte Studien

Manche Umfragen deutscher Marktforschungsinstitute sind fast vollständig frei erfunden, hat eine Spiegel-Recherche aufgedeckt. Auch manche medizinische Studien zu schwerwiegenden Erkrankungen werden von Wirtschafts- und Pharmaunternehmen manipuliert. Sie bestechen Universitäten oder Marktforschungsinstitute mit großen Summen, um Studienergebnisse zu erstellen, die ihr Produkt hervorheben...

[...] Wo sind die seriösen Studien?

Zwar ist es nicht immer einfach, gute von schlechten Studien zu unterscheiden, es gibt aber einige Hinweise: In der Regel werden gute Studien von unabhängigen renommierten Instituten durchgeführt, haben eine große Teilnehmerzahl, sind nicht finanziell beeinflusst und laufen über einen langen Zeitraum. Gibt es keine Informationen dazu, sollte man misstrauisch bleiben.
 

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YouTube

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