Newsletter XLVIII 2022

Der THTR-Rundbrief

01. bis ... Dezember

 

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Nuclear Power Accidents

Diese PDF-Datei enthält eine Liste bekannt gewordener Unfälle und Freisetzungen von Radioaktivität. Sobald neue Informationen verfügbar sind, wird diese Liste erweitert und aktualisiert ...

Auszug für diesen Monat:

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02. Dezember 1949 (INES 4 | NAMS 3,8) Atomfabrik Hanford, USA

05. Dezember 1965 (Broken Arrow) Douglas A-4E Skyhawk, USA

06. Dezember 1972 (INES 3 | NAMS 1,6) Atomfabrik Sellafield, GBR

07. Dezember 1975 (INES 3) Akw Greifswald, DDR

21. Dezember 1972 (INES Klass.?!) Atomfabrik Pawling, USA

31. Dezember 1978 (INES 4) Akw Belojarsk, UdSSR

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Wir suchen aktuelle Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: nukleare-welt@reaktorpleite.de

 

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02. Dezember

 

Frankreich | BlackoutNotfallplan

Energie-Notfallplan in Frankreich

Wann der Strom abgeschaltet werden soll

Angesichts der Probleme mit den AKW befürchtet der französische Netzbetreiber RTE Stromengpässe. Die Regierung hat einen Notfallplan ausgearbeitet - mit konkreten Zeiten, wann das Licht ausgehen könnte.

Kein Licht, keine Elektroheizung, keine Züge, kein Telefon und kein Internet - Vorbereitung auf den Krisenfall. Die französische Regierung nimmt die Warnungen des Stromnetzbetreibers RTE ernst: Im Januar könnte es, je nach Wetterlage, zu Engpässen beim Strom kommen. "Im Falle einer Überlastung des Stromnetzes", erklärt Frankreichs Regierungssprecher Olivier Véran, "wollen wir handlungsfähig sein. Es geht darum, einen totalen Blackout zu vermeiden. Und daher bereitet die Regierung gerade zusammen mit den Regionen, Kommunen und den Netzbetreibern jegliche Szenarien vor." ...

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Chomsky | Iran Sanktionen

Chomsky: US-Sanktionen schaden Iraner:innen und helfen Protesten nicht

Noam Chomsky: Die Sanktionen schaden der iranischen Wirtschaft und verursachen enormes Leid. Aber das ist seit über 40 Jahren das Ziel der USA. Was hinter der amerikanischen Iran-Politik tatsächlich steckt.

Seit Mitte September gibt es im Iran Proteste gegen den Tod von Mahsa Amini, der 22-jährigen kurdisch-iranischen Frau, die in einem Krankenhaus in Teheran starb, nachdem sie einige Tage zuvor von der iranischen Sittenpolizei verhaftet worden war, weil sie angeblich gegen die Kleiderordnung des islamisch-theokratischen Regimes für Frauen verstoßen hatte.

[...]

Die Proteste haben weite Teile des Landes erfasst und werden nun von Arbeiter:innen aller Branchen, von Fachleuten wie Ärzten und Anwälten, Künstlern und Ladenbesitzern unterstützt. Als Reaktion darauf verschärft das Regime sein gewaltsames Vorgehen gegen die Demonstrant:innen, und zahlreiche Künstler, Filmemacher und Journalisten wurden wegen ihrer Unterstützung der regierungsfeindlichen Proteste verhaftet oder mit einem Arbeitsverbot belegt.

Bahnt sich hier eine Revolution an?

Das Interview mit Noam Chomsky führt der Politikwissenschaftler C.J. Polychroniou ...

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02. Dezember 1949 (INES 4 | NAMS 3,8) Atomfabrik Hanford, USA

Die Betreiber setzen an zwei Tagen 8.000 Curie (289 Tbq) Jod-131 frei, dieses Experiment wurde bekannt als "Green Run".

Wikipedia

Green Run

Das Experiment 'Green Run' sah die Freisetzung einer radioaktiven Wolke aus dem militärischen Nuklearkomplex Hanford Site vor. Schätzungen liegen im Bereich mehrerer 100 TBq Jod 131 und noch mehr Cäsium 133. Allein der Anteil Jod 131 betrug 5500 Curie; das entspricht ungefähr der 250-fachen Menge, die gemäß offiziellen Angaben 1979 beim Unfall im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg in die Umgebung gelangte. Die Gefährlichkeit von Jod 131 für die Schilddrüse war in den 1940er Jahren noch nicht erkannt, Jod 131 konnte auch im bestimmungsgemäßen Betrieb ungefiltert aus den Anlagen der Hanford Site entweichen. Im Normalbetrieb wurden täglich mehrere 10 TBq mittel- und langlebiger Nuklide in den Columbia River entlassen. Hanford gilt als der radioaktiv am schwersten verstrahlte Ort in der westlichen Hemisphäre.

Erfahren hat damals kaum Jemand etwas davon, was am 02.12.1949 in Hanford Washington passierte. Abbekommen haben wir alle was davon ...

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Hanford Site

Die USA zahlen über zwei Milliarden US-Dollar jährlich an private Konzerne für die erforderliche Dekontamination der Anlage; zudem müssen etwa 200.000 Kubikmeter radioaktiven Abfalls entsorgt werden. Anfang 2014 wurde bereits zum dritten Mal ein Leiter der Dekontaminationsprojekte entlassen, nachdem er oder sie Bedenken wegen der Sicherheit der Maßnahmen und der Überwachungsverfahren geäußert hatten.[6] Ein vorläufiger Plan sah als Ende der Arbeiten das Jahr 2047 vor, seit 2014 geht das Energieministerium von mindestens 2052 aus ...

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Nuclear power accidents by country#United_States

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AtomkraftwerkePlag

Hanford (USA)

Der militärische Komplex Hanford befindet sich am Columbia River nördlich der Stadt Richland im nordwestlichen Bundesstaat Washington und diente ab 1943 zur Herstellung von Plutonium für militärische Zwecke ...

Mit Hanford besitzen die USA die am schlimmsten verstrahlte nukleare Anlage der westlichen Welt, die 1988 stillgelegt wurde und seitdem dekontaminiert wird.

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Vergleichbare Atomfabriken gibt es überall auf der Welt:

Uran-Anreicherung und Wiederaufarbeitung - Anlagen und Standorte

Bei der Wiederaufarbeitung lässt sich das Inventar abgebrannter Brennelemente in einem aufwändigen chemischen Verfahren (PUREX) voneinander separieren. Abgetrenntes Uran und Plutonium können danach erneut verwendet werden ...

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Youtube - Reaktorpleite

Uranwirtschaft: Anlagen zur Verarbeitung von Uran

Wiederaufarbeitungsanlagen machen aus wenigen Tonnen Atommüll, viele Tonnen Atommüll

Alle Uran- und Plutoniumfabriken produzieren radioaktiven Atommüll: Uran-Aufbereitungs-, -Anreicherungs- und -Wiederaufarbeitungsanlagen, ob in Hanford, La Hague, Sellafield, Mayak, Tokaimura oder wo auch immer auf der Welt, haben alle das gleiche Problem: Mit jedem Bearbeitungsschritt entstehen mehr und mehr extrem giftige und hochradioaktive Abfälle ...

 

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01. Dezember

 

Erneuerbar | StromerzeugungWindstrom

Januar bis November 2022: Strom aus Wind und Solar in Deutschland steigt um 14 Prozent auf fast 170 Mrd. kWh

Die Stromerzeugung aus Wind- und Solarenergie in Deutschland im Jahr 2022 liegt auch nach 11 Monaten deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Die Windstromerzeugung klettert auf über 110 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) und bleibt damit im Stromsektor die wichtigste Energiequelle in Deutschland.

Die Wind- und Solarstromanlagen in Deutschland haben von Januar bis November 2022 insgesamt 167,9 Mrd. kWh in die Netze eingespeist. Gegenüber dem Vorjahrszeitraum ist das ein Plus von fast 21 Mrd. kWh bzw. 14 Prozent (Jan-Nov 21: 147,3 Mrd. kWh) ...

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Erneuerbare Energien | KlimazieleSkandinavien

Erlösabschöpfung verzögert und verteuert Wind- und Solarparks

Durch die geplante Erlösabschöpfung werden förderfähige Solarparks im nächsten Jahr einbrechen, prophezeit Robert Busch vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft. Neuanlagen würden sich nicht mehr rechnen, wenn die Finanzierung nicht weiterhin wie marktüblich durch PPAs abgesichert werden kann.

Grüner Strom ist günstig. Power Purchase Agreements, kurz PPAs, sind heute das Mittel der Wahl, um diesen CO2-freien Strom an Abnehmer wie Industrie und Unternehmen zu liefern. Dieses Instrument wird durch die Art der Erlösabschöpfung massiv blockiert, denn die Finanzierung ist so nicht mehr möglich. Neue Anlagen werden teurer und grüner günstiger Strom für Industrie und Mittelstand deutlich knapper. Dabei setzen Unternehmen immer häufiger auf solche direkten langfristigen Abnahmeverträge, um unabhängig von der Preis-Volatilität an der Börse zu werden und gleichzeitig ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen.

Mehrjährige Stromlieferverträge sind Finanzierungsvoraussetzung für EEG-Anlagen

Betreiber von Solarparks streben heute meist nur deshalb einen Zuschlag in einer EEG-Ausschreibung an, um ihre Investition abzusichern. Die tatsächliche Finanzierung erfolgt üblicherweise über mehrjährige Stromlieferverträge – PPAs. Diese PPA-Erträge sind daher existenziell für die Bankenfinanzierung und um gestiegene Kosten – unter anderem für Material und Zinsen – aufzufangen. Die in diesem und vergangenem Jahr typischen Ausschreibungszuschläge für Solarparks zwischen 5-6 Cent je Kilowattstunde (kWh) sind nicht mehr kostendeckend und neue Projekte kaum finanzierbar ...

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Erneuerbare Energien | KlimazieleSkandinavien

Skandinavien macht viel Wind

Die nordischen Staaten Europas wollen ihre Kapazität an Erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Mit Solarenergie, Windkraft und Wasserstoff gelten die Länder als Protagonisten zur Dekarbonisierung ihres Energiesystems – zählen jedoch Atomkraft dazu.

Dänemark, Schweden und Finnland planen in den kommenden Jahren einen erheblichen Ausbau ihrer erneuerbaren Erzeugungskapazität. In der neuen Analyse des norwegischen Forschungsunternehmens Rystad Energy gehen die Studienautoren davon aus, dass die Kapazität von Onshore-Windenergie und Photovoltaik in diesen Ländern von insgesamt 30 Gigawatt (GW) im Jahr 2022 auf 74 GW bis 2030 wachsen wird ...

 

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Aktuelles+

 

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KlimaleugnerKlimawandel | Wetterextrem

Die New York Times und die neuen Klimaleugner

Niemand kann mehr behaupten, dass der Klimawandel nicht stattfindet. Jetzt argumentieren die neuen Leugner, dass wir uns dem Klimachaos anpassen können. Die schnelle Energiewende wird als "magisches Denken" abgetan.

"Ja, Grönlands Eis schmilzt ..."

Die Überschrift des Meinungsartikels der New York Times vom konservativen Kolumnisten Bret Stephens steht über einem Bild der schmelzenden Eiskappe Grönlands, die in das darunter liegende matschige Schmelzwasser stürzt. Scrollt man weiter, erscheint das Wort "Aber ..." über dem Eis, das einem schmelzenden Schneematschhaufen auf einem Parkplatz ähnelt.

Schon ein Blick auf die Überschrift machte klar, worauf dieser Artikel hinauslaufen wird. In dem 6.000 Wörter umfassenden Artikel wird Stephens' Reise nach Grönland geschildert, die er als selbsternannter "Agnostiker" der globalen Erwärmung unternommen hat. Dort änderten die dramatischen Auswirkungen des Klimawandels "seine Meinung" über das Problem, bestärkten ihn aber in seiner "Überzeugung, dass die Märkte und nicht die Regierung das Heilmittel liefern".

Stephens' Sichtweise steht für eine neue Art der Klimaleugnung: Kein vernünftiger Mensch kann mehr behaupten, dass der Klimawandel nicht durch menschliche Ursachen beschleunigt wird oder dass er keinen Schaden verursacht. Stattdessen argumentieren sie, wie Stephens, dass das schnelle, entschlossene Handeln, das die Wissenschaftler für notwendig halten, "magisches Denken", dass echte Existenzangst "alarmistisch" sei und die meisten Menschen in der Lage sein werden, sich an die Klimakatastrophe anzupassen.

Kurz gesagt, die neuen Klimaleugner sagen:

Ja, das Klima verändert sich in alarmierendem Tempo, aber die Lösung liegt im Status quo.

Gleiche Daten, entgegengesetzte Schlagzeilen

In derselben Woche brachte die New York Times zwei gegensätzliche Schlagzeilen. "Climate Pledges Are Falling Short, and a Chaotic Future Looks More Like Reality" ("Klimazusagen werden nicht eingehalten, und eine chaotische Zukunft wird wahrscheinlicher") zeigte das Bild einer vertriebenen somalischen Frau und ihrer drei kleinen Kinder, die inmitten von Rinderkadavern spielen, die durch die Dürre in der Region in diesem Frühjahr getötet wurden.

Der Reporter Max Bearak beginnt seinen Artikel auf der Titelseite wie folgt:

Länder auf der ganzen Welt kommen ihren Verpflichtungen zur Bekämpfung des Klimawandels nicht nach, so dass die Erde einer Zukunft entgegengeht, die durch stärkere Überschwemmungen, Waldbrände, Dürren, Hitzewellen und Artensterben gekennzeichnet ist, so ein am Mittwoch von den Vereinten Nationen veröffentlichter Bericht.

In dem Artikel heißt es weiter, dass sich der Planet bis 2100 um 2,1 bis 2,9 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau erwärmen wird. Das im Pariser Abkommen von 2015 festgelegte Ziel lag bei 1,5 Grad, bei dessen Überschreitung das Risiko schwerwiegender Klimaauswirkungen zunimmt, wie Wissenschaftler warnen.

Doch einen Tag später trug der beliebte Newsletter der Times, der täglich von Millionen gelesen wird, die Betreffzeile "The Climate's Improved Future" ("Die Zukunft für das Klima hat sich verbessert"). Die Daten, die der Times-Reporter German Lopez in dem Newsletter zitiert, unterscheiden sich nicht von denen in dem Nachrichtenartikel vom Vortag: Die Erde wird sich bis zum Jahr 2100 wahrscheinlich um zwei bis drei Grad Celsius erwärmen, was weit über dem Ziel liegt, das Wissenschaftler als relativ sicher bezeichnet haben.

Der Unterschied besteht darin, dass Lopez eine neue Titelgeschichte von David Wallace-Wells für das Times Magazine zusammenfasst, in der der Autor seinen neu entdeckten Optimismus zum Ausdruck bringt, dass die Welt den worst-case "Weltuntergang" von fünf Grad Erwärmung nicht erreichen wird, den er fünf Jahre zuvor in einem Artikel im New York Magazine untersucht hatte. Wallace-Wells schreibt nun:

Das Fenster der möglichen Klimazukunft wird immer kleiner, und so bekommen wir ein klareres Bild davon, was auf uns zukommt: eine neue Welt voller Störungen mit Milliarden von Menschen, ein Klima, das weit über das Normale hinausgeht, und doch glücklicherweise kurz vor einer echten Klimaapokalypse stehen bleibt.

Im Vergleich zu fünf sind zwei bis drei Grad natürlich besser. Aber man darf nicht vergessen, dass selbst ein Anstieg der Erdtemperatur um 1,5 Grad immer noch schädlich ist. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 lagen die Temperaturen etwa 1,1 Grad über dem vorindustriellen Ausgangswert.

Im Jahr 2021 breiteten sich tödliche Hitzewellen über Nordamerika und das Mittelmeer aus; katastrophale Überschwemmungen verwüsteten die Europäische Union, China, Indien und Nepal; und der Meeresspiegel erreichte Rekordhöhen (World Economic Forum; FAIR.org; US News). Angesichts des noch bevorstehenden Anstiegs um 1,5 Grad kosten die Folgen des Klimawandels auf der ganzen Welt bereits jetzt Menschenleben und Existenzgrundlagen.

In The Morning nannte Lopez Gründe für eine möglicherweise weniger katastrophale Klimazukunft: Die Kohle ist auf dem Rückzug, die Preise für erneuerbare Energien sinken, und die Weltmächte beschließen Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels. Lopez schreibt:

Zu diesen Ländern gehören auch die Vereinigten Staaten, die vor kurzem mit dem Inflation Reduction Act umfassende Anreize für saubere Energie geschaffen haben.

Das stimmt, aber nur einen Tag zuvor hatte Bearak an gleicher Stelle Folgendes berichtet:

Das neue Gesetz wird die Vereinigten Staaten nur etwa 80 Prozent dessen erzielen können, was an Emissionsreduktionen versprochen wurde.

Wieder einmal ist der Kontext wichtig.

Lopez weist darauf hin, dass "besser nicht gleichbedeutend mit gut" sei und die Länder ihre Klimazusagen nicht eingehalten haben.

Selbst nach den optimistischsten Klimavorhersage-Modellen werden Wetterextreme in den kommenden Jahrzehnten schlimmer und häufiger werden.

"Überschaubar" für die Reichen

Lopez kommt zu dem Schluss, dass "die Aussichten durchwachsen sind":

Hätte man vor 30 Jahren einen politisch zynischen Menschen gefragt, wie die Zukunft des Klimas aussieht, hätte er vielleicht geantwortet, dass wir auf einem Temperaturniveau landen, das für die reichen Länder der Welt schwierig, aber beherrschbar ist, während es für die Entwicklungsländer viel, viel schwieriger ist. Und das ist es, worauf wir zusteuern.

Anhaltende und sich verschlimmernde Wetterextreme, die das Leben "schwierig, aber beherrschbar" für die reichen Länder und "viel, viel schwieriger" für die Entwicklungsländer machen, veranlassen die New York Times zu einer Schlagzeile, in der sie die "verbesserte Zukunft" des Klimas feiert, nur einen Tag nachdem sie gewarnt hatte:

Mit jedem Bruchteil eines Grades Erwärmung wären weltweit Dutzende Millionen Menschen zusätzlich lebensbedrohlichen Hitzewellen, Nahrungsmittel- und Wasserknappheit sowie Überschwemmungen an den Küsten ausgesetzt, während Millionen weiterer Säugetiere, Insekten, Vögel und Pflanzen verschwinden würden.

Wie Aktivisten für Klimagerechtigkeit seit Jahren betonen, sind es die armen Länder und Menschen, die am meisten von der Klimakatastrophe betroffen sind. Die zentrale Bedeutung des Themas "Verluste und Schäden" auf der COP27-Konferenz ist ein weiterer Beweis dafür.

Ein Bericht der International Disaster Database für das erste Halbjahr 2022 listet die zehn Länder auf, die am stärksten von Naturkatastrophen betroffen sind, und zwar nach der Zahl der Todesopfer, der Zahl der betroffenen Menschen und der wirtschaftlichen Schäden. Alle Länder auf dieser Top-Liste sortiert nach "Todesfällen" und "betroffenen Menschen" liegen im globalen Süden und keines in Europa oder Amerika.

Fossile Brennstoffe als Argumente

Wir steuern nicht nur auf einen Anstieg um mindestens 1,5 Grad zu. Ein neuer UN-Bericht vom 27. Oktober besagt, dass es derzeit nicht einmal einen ernsthaften Plan gibt, wie die Länder dieses Ziel erreichen können. Die derzeitigen Reduktionszusagen der Staaten werden die Erdtemperatur um mindestens 2,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts ansteigen lassen.

Inger Andersen, die geschäftsführende Direktorin des UN-Umweltprogramms (UNEP), sagte dem Guardian:

Wir hatten unsere Chance, schrittweise Veränderungen vorzunehmen, aber diese Zeit ist vorbei. Nur eine tiefgreifende Umgestaltung unserer Wirtschaft und Gesellschaft kann uns vor einer beschleunigten Klimakatastrophe bewahren.

Dennoch argumentiert Stephens in seinem ausführlichen Meinungsbeitrag, dass die Antwort auf die Klimakatastrophe im "Markt" liegt, obwohl der uns erst in die derzeitige Krisensituation gebracht hat. Wie Judd Legum und Emily Atkin in Popular Information aufzeigen, ist der Vorschlag, die Probleme, die der Kapitalismus hervorgebracht hat, durch mehr Kapitalismus zu lösen, nichts anderes als ein Argument der fossilen Brennstoffindustrie.

Das gilt auch für andere Aspekte des Problems:

Viele Menschen denken bei fossilen Brennstoffen vor allem an den Transport, die Stromerzeugung und das Heizen. Aber wie oft denken wir an die Notwendigkeit fossiler Brennstoffe für die Produktion von Stickstoffdünger, ohne den es, wie der kanadische Autor Vaclav Smil feststellt, "unmöglich wäre, mindestens 40 bis 50 Prozent der heute rund acht Milliarden Menschen zu ernähren"?

Stephens argumentiert im Wesentlichen, dass die vollständige Abkehr von fossilen Brennstoffen "gegen die menschliche Natur" sei und die bisherigen Klimaschutz-Lösungen wie eine Krebsbehandlung mit schmerzhaften Nebenwirkungen seien.

Okay, bleiben wir bei dieser Metapher: Wenn die derzeitigen Lösungen wie eine Chemotherapie für Lungenkrebs sind, dann sind fossile Brennstoffe wie Zigaretten. Man gibt jemandem, der sich einer Krebsbehandlung unterzieht, nicht ständig Zigaretten. Es wäre absurd zu behaupten, dass Zigaretten eine notwendige Zwischenlösung für die Behandlung von Krebs sind.

Wenn die, fossilen Brennstoffen zugeneigte New York Times Argumente, wie die von Stephens, veröffentlicht und auf der Grundlage derselben Klimadaten mit der Frage Pingpong spielt, ob die Lage erschreckend oder beruhigend sei, trägt sie dazu bei, die Öffentlichkeit zu verwirren und uns selbstgefällig und mitschuldig zu machen. Es ist diese Unternehmenspropaganda – nicht die "menschliche Natur" –, die unsere Kultur davon abhält, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen, um eine unkontrollierbare und tödliche Zukunft zu vermeiden.

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Nur wer den menschengemachten Klimawandel leugnet oder den Ernst der Lage nicht wahrhaben will, kann ernsthaft nach Haftstrafen für Klimaaktivisten rufen ...

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Die interne Suche nach

Klimawandel

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

06. November 2022 - Strafen für Ak­ti­vis­t:in­nen: Und was ist mit dem Klima?

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01. November 2021 - Ab sofort, unverzüglich

 

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YouTube

Stichwortsuche: Klimawandel doku

https://www.youtube.com/results?search_query=Klimawandel doku

 

Videos:

Phönix - 10.09.2010 - 43:35

Deutschland im Klimawandel

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1:05:57

Prof. Rahmstorf: Klimawandel und Meere

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Arte - 01:38:27

Albtraum Atommüll

 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema

 

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Ecosia

Diese Suchmaschine pflanzt Bäume!

 

Stichwortsuche: Klimawandel

https://www.ecosia.org/search?q=Klimawandel

 

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Wikipedia

Klimawandel

Klimawandel, auch Klimaveränderung, Klimaänderung oder Klimawechsel, ist eine weltweit auftretende Veränderung des Klimas auf der Erde oder erdähnlichen Planeten oder Monden, die eine Atmosphäre besitzen. Die mit einem Klimawandel verbundene Abkühlung oder Erwärmung kann über unterschiedlich lange Zeiträume erfolgen. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal besteht dabei zwischen jenen Witterungsverläufen, die im Rahmen eines Klimazustands beziehungsweise einer Klimazone erfolgen, und dem Klimawandel selbst, der die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Wetterlagen erhöht oder vermindert.

Die gegenwärtige, vor allem durch den Menschen verursachte (anthropogene) globale Erwärmung (siehe dort) ist ein Beispiel für einen sehr rasch verlaufenden, aber noch nicht abgeschlossenen Klimawandel. Hierfür wird in der öffentlichen Diskussion oftmals der Begriff Klimawandel als Synonym genutzt (dann aber als „Der Klimawandel“). Die durch den aktuellen Klimawandel hervorgerufene oder prognostizierte ökologische und soziale Krise wird auch als „Klimakrise“ bezeichnet ...

 

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Newsletter XLVII 2022 - 24. bis 30. November

Zeitungsartikel 2022

 

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