Newsletter XV 2026
12. April bis ...
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Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. April 1960 ("Gerboise blanche", Frankreichs 2. Atombombentest) Reggane, DZA
3. April 1960 (INES-4) Akw WTR-2, Waltz Mill, Madison, PA, USA
6. April 1993 (INES-4 NAMS 4,8) Atomfabrik Tomsk 7 Sewersk, RUS
7. April 1989 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-278 "Komsomolez" sank südwestlich der Bäreninsel
9. April 2007 (INES-1 Klass.?) Akw Dampierre, FRA
10. April 2003 (INES-3 NAMS 3,9) Akw Paks, HUN
10. April bis 15. Mai 1967 (Staubstürme) Atomfabrik Majak, UdSSR
10. April 1963 (Atom-U-Boot) U-Boot-Unglücke, SSN-593 "Thresher" sank vor Cape Cod, USA
11. April 1970 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-8 sank im Golf von Biskaya
16. April 1957 ("Joe-35", H-Bombe RDS-37 mit 320 kT) Semipalatinsk, KAZ
19. April 2005 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
21. April 1957 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR
25. April 1961 ("Gerboise verte", Frankreichs 4. Atombombentest) Reggane, DZA
25. April 1954 ("Castle Union", H-Bombe mit 6.9 MT, Atomtests USA) Bikini Atoll, MHL
26. April 1986 (INES-7 NAMS 8) Akw Tschernobyl, UdSSR
28. April 2011 (INES Klass.?) Akw Ascó, ESP
28. April 1958 ("Hardtack", Atomtests USA) Eniwetok und Bikini Atoll, MHL
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
19. April
Über 80.000 demonstrieren deutschlandweit für eine schnellere Energiewende und gegen fossile Abhängigkeit
Berlin - Deutschlandweit sind heute mehr als 80.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für Erneuerbare Energien und gegen die Blockade der Energiewende durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu protestieren. Das breite Bündnis der Initiator:innen wertet die Proteste als riesigen Erfolg und klares Signal an die Wirtschaftsministerin, ihren Kurs in der Energiepolitik zu ändern.
Zu den heutigen Demonstrationen in vier Großstädten versammelten sich tausende und zehntausende Menschen. In Berlin gingen 24.000 Menschen auf die Straße, in München 12.000. In Hamburg forderten 15.000 und in Köln 30.000 Demonstrierende einen konsequenten Ausbau von Wind- und Sonnenenergie, um unabhängig zu werden von unsicheren und teuren Öl- und Gaslieferanten. Die Politik der Bundesregierung, gerade von Wirtschaftsministerin Reiche, ging zuletzt in die entgegengesetzte Richtung.
Dabei ist klar: Angesichts rasant steigender Energiepreise in Folge des Iran-Kriegs und den zunehmend gravierenden Folgen der Klimakrise, entscheidet die Unabhängigkeit von fossilen Energien immer stärker über Sicherheit und Stabilität.
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19. April 2005 (INES-3) Thorp, Seascale, Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
20 Tonnen Uran und 160 Kilogramm Plutonium sind im Laufe eines Jahres aus einem geplatzten Rohr in der Wiederaufbereitungsanlage für thermische Oxide (Thorp) in Sellafield ausgetreten.
(Kosten ca. 76 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus ...
Dieser INES 3-Störfall von 2005 ist der erste und einzige Störfall in Sellafield nach Windscale 1957, der noch in Wikipedia zu finden ist. Das bedeutet, dass alle Unfälle aus den 48 Jahren zwischen 1957 und 2005 nicht mehr gefunden werden können.
Wikipedia de
Sellafield# Zwischenfälle
Im April 2005 wurde in Sellafield ein Leck entdeckt, durch das etwa 83.000 Liter radioaktive Flüssigkeit, bestehend aus Salpetersäure, Uran und Plutonium, monatelang unbemerkt entweichen konnten. Es handelt sich um den schwersten Zwischenfall in einer Atomanlage Großbritanniens seit 1992. Die Öffentlichkeit wurde erst Wochen danach informiert, erste Presseberichte erschienen am 9. Mai 2005. Später berichtete der „Independent on Sunday“, dass das Rohr seit August 2004 leck gewesen sei, dies aber erst am 19. April 2005 entdeckt wurde.
Für den Zwischenfall wurde das britische Nuklearunternehmen BNG (British Nuclear Group), das für die Stilllegung der Reaktoren von Sellafield zuständig ist, am 16. Oktober 2006 wegen Fahrlässigkeit zur Zahlung von 500.000 Pfund (rund 750.000 Euro) verurteilt. Die Kosten dieses Ereignisses werden auf 76 Millionen Dollar geschätzt.
Seit den späten 1940er Jahren und der Inbetriebnahme von Windscale/Sellafield wurden etwa 20 mehr oder weniger schwere Zwischenfälle gemeldet, bei denen Radioaktivität freigesetzt wurde. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet.
18. April
KI-Firmen lassen Menschen ihre Arbeit filmen – um sie durch Roboter zu ersetzen
Videos zeigen, wie indische Fabrikangestellte mit einer montierten Kamera auf der Stirn ihre Arbeitsschritte aufzeichnen müssen. Diese Daten sollen die künstliche Intelligenz füttern.
Die Frage, wie gross die Bedrohung der künstlichen Intelligenz für die menschliche Arbeit ist, treibt viele Leute um. Und ihre Ängste dürften durch Videos, wie sie derzeit auf den sozialen Medien zu sehen sind, nicht kleiner werden.
So zeigt ein neuer Clip eine Armada an indischen Arbeitern in einer Textilfabrik, vor Nähmaschinen sitzend. Was sofort ins Auge springt: Sie haben ein Stirnband an, an welchem eine Kamera montiert ist. Der Filmende kommentiert die Szene auf Hindi: «Alle tragen eine Kamera.» Obwohl die Authentizität des Videos nicht bestätigt ist, zeigt es eine Entwicklung, die in anderen, verifizierten Aufnahmen zu sehen ist: Angestellte, die ihre manuelle Arbeit filmen müssen, um mit den Daten die künstliche Intelligenz (KI) zu füttern.
Denn wenn die KI-Systeme genügend gut trainiert sind, können Roboter solche repetitiven Arbeiten übernehmen. Die ethischen Fragen, die sich dabei stellen, wurden auch von internationalen Medien aufgegriffen.
[...] Tatsächlich hat die Roboter-Offensive gar neue Jobprofile kreiert. So würden viele KI-Firmen derzeit Menschen auf der ganzen Welt im Stundenlohn anheuern, damit diese – ebenfalls mit einer Kamera auf der Stirn – ihre rudimentären Arbeiten im Haushalt filmen.
[...] «Fertigung, Fabriklager, Detailhandel, Pflegeheime, Krankenhäuser – in praktisch jeder Umgebung wird man diese Art von Daten benötigen, und das liegt daran, dass die Bewegungsabläufe überall unterschiedlich sind», sagt Arian Sadeghi, Vizepräsident der Silicon-Valley-Firma Micro1 gegenüber dem US-Nachrichtensender. Micro1 begann im vergangenen Jahr, eine eigene Armada an Filmenden zu rekrutieren. Sie sollen jede Woche mindestens 10 Stunden an Material liefern.
Micro1 hat seinen Sitz in Palo Alto, Kalifornien. Doch die 4000 Personen umfassende «Filmcrew» für die Roboter-Datensammlung befindet sich in 71 Ländern. Pro Monat erhält die Firma über 160'000 Stunden an Videomaterial zur Auswertung.
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Fossile Brennstoff-Ära beenden
Greenpeace kritisiert Merz' Zickzackkurs in der Energiepreiskrise
Die Energiepolitik der Bundesregierung stößt weiterhin auf viel Kritik. Auch Greenpeace stört sich an den Entscheidungen aus Berlin und ruft nun zu Straßenprotesten auf. Die Umweltorganisation fordert unter anderem ein Tempolimit.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat sich angesichts der heutigen Demonstrationen unter dem Motto "Erneuerbare Energien verteidigen" für ein Tempolimit ausgesprochen und Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert. "Die Antwort der Regierung Merz auf die Preiskrise bei fossilen Brennstoffen ist ein Zickzackkurs ohne jeglichen Kompass: Steuersenkungen auf fossilen Sprit, Rückenwind für neue Gasbohrungen, Bremsmanöver beim Ausbau von Wind und Solar", findet Martin Kaiser, geschäftsführender Vorstand Greenpeace Deutschland.
"Die einfachste, schnellste und kostengünstigste Maßnahme, um der Energiepreis-Krise zu begegnen, lassen Kanzler Merz und die Union allerdings außer Acht. Ein Tempolimit würde Emissionen senken, Sicherheit erhöhen und Kosten für die Verbraucher:innen sofort einsparen", so Kaiser weiter.
[...] "Beim Petersberger Klimadialog nächste Woche sollte Friedrich Merz spätestens deutlich machen, dass Deutschland seine Sicherheits- und Energiepolitik konsequent an einer sozial gerechten Klimapolitik ausrichtet", fordert der Greenpeace-Vorstand. "Auf diesen Kurs muss der Bundeskanzler auch die Europäische Union mitnehmen und strategische Partnerschaften rund um den Globus aufbauen."
Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) unterstützt die Demonstrationen und ruft zur Teilnahme auf. Geschäftsführerin Verena Graichen betont: "Mitten in der Energiekrise bremst Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Ausbau der erneuerbaren Energien aus und setzt die Wunschliste der Gaslobby um." Einem "Spiegel"-Bericht zufolge hatte Reiches Ministerium den Energiekonzern EnBW um Argumente für den Einsatz von Gaskraftwerken in wind- und sonnenarmen Zeiten gebeten. "Mit den heutigen Demonstrationen in Berlin, München, Köln und Hamburg senden wir ein Stoppsignal", so Graichen. "Schluss mit dieser rückwärtsgewandten Politik, die Preise treibt, das Klima ruiniert und uns in fossiler Abhängigkeit hält."
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Kazaguruma Demo 2026 zum 40. Jahrestag von Tschernobyl und 15. Jahrestag von Fukushima
Samstag 18. April 2026 ab 12:00 Uhr Brandenburger Tor/Pariser Platz Berlin
Vor 40 Jahren, am 26. April 1986 explodierte Block 4 des Kernkraftwerks Tschornobyl (russ.: Tschernobyl) in der damaligen Sowjet-Ukraine. In den betroffenen Regionen in Belarus und der Ukraine wurden ganze Ortschaften evakuiert, Menschen dauerhaft umgesiedelt, viele Betroffene tragen gesundheitliche Folgen, die sie ein Leben lang begleiten. Die durch die Explosion freigesetzten Radionuklide erreichten auch Deutschland, und noch immer werden hohe Cäsium-137-Werte in Pilzen und Wildtieren aus Süddeutschland nachgewiesen.
25 Jahre später, 2011, ereignete sich die Atomkatastrophe von Fukushima. Es kam in drei Reaktoren zu Kernschmelzen, und durch die Wasserstoffexplosionen wurden große Mengen an radioaktivem Material freigesetzt. In der Region sind Luft, Wasser und Boden noch immer hoch kontaminiert.
Diese zwei schweren Atomkatastrophen haben viele Menschen zum Umdenken bewegt. In Deutschland gilt die Antiatombewegung als erfolgreich, weil der Atomausstieg umgesetzt wurde. Wirklich? Nicht ganz. Und nicht nur, weil in Deutschland nach wie vor die Urananreicherungsanlage und die Brennelementefabrik in Betrieb sind und bereits so viel Atommüll unsicher gelagert ist. Unsere Antiatombewegung mit dem Slogan „Atomenergie, nein danke!“, ist leider so lange nicht erfolgreich, bis wir auch die andere Seite der Medaille des Kernbrennstoffkreislaufs beseitigt haben: Atomwaffen. Die Menschen sind heute wieder dabei, sich selbst mit Atomwaffen zu bedrohen, während das größte AKW in Europa, Saporischschja, zum Ziel der militärischen Angriffe wird und die erst vor 10 Jahren fertig gebaute neue Schutzhülle (Sarkophag) von Tschernobyl durch Drohnen schwer beschädigt wurde. In Europa wird sogar über einen europäischen Atomschirm nachgedacht.
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Künstliche Intelligenz:
Müssen die Maschinen zerschlagen werden?
Ein Mann attackiert das Haus von Sam Altman, autonome Taxis gehen in Flammen auf. Der Anti-KI-Backlash wird gewaltsam – und verbindet Menschen, die sonst nichts teilen.
Was tun, wenn die Zukunft bedrohlich erscheint? Verzweifelt man, geht man in die Politik oder verschwindet gleich in die Wildnis? Ein junger Mann in den USA fand kürzlich eine andere Antwort: Alles anzünden. Letzten Freitag, in den frühen Morgenstunden, warf er zunächst einen Molotowcocktail auf das Haus von Sam Altman, floh dann zu Fuß und wurde wenige Stunden später mit einem Behälter voller Kerosin vor dem Hauptquartier von OpenAI festgenommen. Bei sich, so berichtet es das FBI, trug er ein Manifest, in dem er sich gegen künstliche Intelligenz (KI) richtet.
Der Mann ist Berichten zufolge 20 Jahre alt und heißt Daniel M. Rasch spürten Medien seinen digitalen Fußabdruck auf, fanden einen Instagram-Account und einen Substack-Newsletter, die mutmaßlich diesem mutmaßlichen Täter gehören und auf denen mehrere Beiträge über unsere technologische Gegenwart und Zukunft zu finden sind: Das existenzielle Risiko durch KI lautet der Titel eines langen Essays, in dem er vor der kommenden Superintelligenz warnt und das Buch If Anyone Builds it, Everyone Dies des KI-Untergangspropheten Eliezer Yudkowsky empfiehlt. Ein anderer ist betitelt als Eine Grabrede auf die Menschheit, wo er unterscheidet zwischen den Figuren des ehrenvollen »Märtyrers«, der für seine Ideale sterben würde, und des kampfbereiten »Kriegers«, der für sie zu töten bereit ist.
[...] Der Blick der zweiten Anti-KI-Fraktion ist weniger kosmisch geprägt. Die Ludditen sind eigentlich eine historische Truppe von Arbeitern, benannt nach Ned Ludd, einem quasi-mythischen Webermeister, der der Legende zufolge im Jahr 1779 zwei mechanische Webstühle zerschlug. Als britische Weber sich 1810 gegen die beginnende Mechanisierung ihrer Arbeit erhoben, Fabriken stürmten und Maschinen zerschlugen, beanspruchten sie den legendären General Ludd als ihren Anführer. In Deutschland kennen wir diese webstuhlzerschlagenden Arbeiter unter einem anderen Namen: die Maschinenstürmer.
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Nahostkonflikt
Israel zerstört Synagoge
Krieg gegen Iran: Zahlreiche historische Stätten wurden beschädigt, auch ein jüdisches Gebetshaus wurde dem Erdboden gleichgemacht
Es war eine Meldung, die auf den ersten Blick Unverständnis hervorrief: Im Rahmen des US-amerikanisch-israelischen Kriegs gegen Iran hat ein israelischer Luftangriff inmitten des Pessach-Fests auch die Rafinia-Synagoge getroffen. Das in der Nähe von Teherans Palästina-Platzes gelegene jüdische Gotteshaus stürzte komplett ein. Zum Zeitpunkt des Beschusses am 7. April gegen vier Uhr morgens hatte sich niemand in der Synagoge befunden, umliegende Wohngebäude wurden ebenfalls zerstört. Noch an dem Morgen selbst nahm der iranische Zivilschutz mit Baggern die Aufräumarbeiten auf. Zahlreiche iranische Juden hatten sich eingefunden, um die Schäden mit eigenen Augen zu begutachten. Am Freitag wollten führende Vertreter der Gemeinde, darunter Rabbi Junes Hamami Lalehsar, in einer Teheraner Synagoge zu Ehren der im Krieg getöteten Iraner Psalmen vortragen.
[...] In derselben Nacht beschädigte ein Projektil ebenfalls die Abrischami-Synagoge in Teheran, wie die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete. Das Gebäude blieb aber intakt und weiterhin funktionsfähig. Beide Synagogen in Irans Hauptstadt waren Mitte des vergangenen Jahrhunderts erbaut worden. Vor ihrer Zerstörung bzw. Beschädigung dienten sie der jüdischen Gemeinde von Teheran als Gebetshäuser. Im Iran leben knapp 10.000 Juden – mehr als in jedem anderen Land im Nahen Osten, mit der Ausnahme Israels.
[...] Die beiden Synagogen bleiben nicht die einzigen Kulturdenkmäler, welche unter US-israelischen Beschuss kamen. Das Ministerium für Kultur und Tourismus Irans verzeichnet, dass mindestens 56 historische Stätten während des Kriegs beschädigt wurden, darunter Museen, Moscheen und eine russisch-orthodoxe Kirche, aber auch Paläste und Burgen aus vorislamischer Zeit.
17. April
Siedlergewalt im Westjordanland
"Wir sollen Angst haben"
Die israelische Regierung treibt den Siedlungsbau im Westjordanland voran: Fast täglich gibt es Berichte von Übergriffen. Einige Israelis machen sich stark für die Palästinenser - und kommen dabei selbst in Gefahr.
Ghassan Ilayan besitzt ein Stück Land in der Nähe von Bethlehem - im von Israel besetzten Westjordanland. Als er im vergangenen September wieder auf sein Land wollte, kamen Siedler und israelische Soldaten. Auf einem Video sieht man, wie Ghassan angegriffen wird und auch drei israelische Aktivisten, die ihm beistehen wollen. Waffen werden direkt auf den Kopf gerichtet, es gibt Schläge.
"Seit diesem Tag ist es nicht leicht für mich, da hinzugehen", berichtet Ilayan. "Sie wollen uns wehtun, uns überfallen, damit wir nicht auf unser Land kommen." Das sei ihr Ziel: "Wir sollen Angst haben, auf unser Land zu gehen."
Kaum Einschreiten der Behörden
Mehr als 3.700 Fälle von Siedlergewalt wurden seit dem 7. Oktober 2023 bis Ende März dieses Jahres im Westjordanland dokumentiert. Das sind vier bis fünf Angriffe pro Tag. Es gibt zahllose Videos von Plünderungen und Zerstörung, immer wieder werden Palästinenser getötet - allein zwölf Tote gibt es schon in diesem Jahr.
Die Siedler wollen Palästinenser von ihrem Land und aus ihren Häusern vertreiben. Verfolgt werden ihre Taten in aller Regel nicht. Israelische Polizei und Militär stehen oft daneben. Wenn, dann werden meist Palästinenser festgenommen.
Demo gegen Siedlergewalt in Tel Aviv
Den allermeisten Israelis ist es wohl relativ egal, was im Westjordanland passiert. Das erklärt vielleicht, warum zu einer Demonstration gegen die Siedlergewalt nur etwa 1.000 Menschen gekommen sind. Aber sie stehen mitten in Tel Aviv, auf dem Platz vor dem großen Theater. Dabei ist auch Alon-Lee Green, einer der Direktoren von "Standing together", einer Bewegung, in der jüdische und palästinensische Israelis gemeinsam für Frieden kämpfen.
"Wir setzen uns aktiv dafür ein, die israelische Gesellschaft davon zu überzeugen, dass der Siedlerterrorismus im Westjordanland nicht nur den Palästinensern schadet, sondern auch der israelischen Gesellschaft selbst." Es verschlechtere die Sicherheit. "Diese Terroristen im Westjordanland kümmern sich nur um sich selbst und nicht um unsere Gesellschaft." Sie gehörten ins Gefängnis, so Green.
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„Erneuerbare haben uns gerettet“:
Wieso der Iran-Krieg Gaspreise explodieren lässt – Strom aber billig bleibt
Sprit- und Gaspreise sind hoch. Anders sieht es beim Strom aus, der wird kaum teurer. Reiches CDU-Wirtschaftsministerium gibt nun auch zu, wieso.
Berlin – Energie ist derzeit so teuer wie kaum zuvor. Donald Trumps Iran-Krieg treibt die Öl- und Gaspreise massiv in die Höhe, Besserung ist bisher nur im kleinen Rahmen in Sicht. Während besonders die hohen Tankpreise Aufmerksamkeit bekamen, stieg aber auch der Gaspreis um über die Hälfte. Ganz anders sieht es beim Strom aus.
Dass der Strompreis nicht nach oben schnellt, erklärte nun das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage der Grünen: „Der durchschnittliche Day-Ahead-Gaspreis am Trading Hub Europe stieg im März 2026 gegenüber dem Vormonat um rund 53 Prozent auf 53,29 Euro pro Megawattstunde“, schreibt Gitta Connemann, parlamentarische Staatssekretärin in Katherina Reiches (CDU) Wirtschafts- und Energieministerium, auf eine Frage des Grünen Bundestagsabgeordneten Michael Kellner. Der Day-Ahead-Preis bildet den Großhandelspreis für den Folgetag ab. „Der Börsenpreis für Strom stieg demgegenüber nur leicht um knapp drei Prozent auf 99,29 Euro pro Megawattstunde“, so Connemann im Schreiben, das dieser Redaktion vorliegt. Gas wird also massiv teurer, Strom kaum. Wieso?
Iran-Krieg treibt Öl- und Gaspreise hoch – Strom bleibt wegen Erneuerbaren stabil
Aus dem CDU-Ministerium, das einen massiven Ausbau der deutschen Gas-Infrastruktur plant, geht im Schreiben an Kellner hervor: „Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass bei hohen Strompreisen eine höhere Erzeugung aus erneuerbaren Energien das Strompreisniveau an der Strombörse tendenziell senkt, weil dann in geringerem Umfang andere Kraftwerke gebraucht werden und somit kostengünstigere Kraftwerke zum Einsatz kommen können.“ Connemann weiter: „Gleichzeitig reduziert ein höherer Anteil an erneuerbaren Energien die Rentabilität konventioneller Kraftwerke.“
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Kürzungen bei Menschen mit Behinderung
„Ein Kahlschlag bei Alltagshilfen“
Bund, Länder und Gemeinden wollen Geld sparen. Jetzt ist eine Liste mit Kürzungsvorschlägen aufgetaucht, die Menschen mit Behinderung und Kinder treffen.
Als „Vorschlagsbuch“ wird ein internes Papier einer Arbeitsgruppe von Bund, Ländern und Gemeinden bezeichnet. Vorgeschlagen werden auf 108 Seiten eine Menge Maßnahmen, die Geld einsparen sollen – und zwar bei Leistungen für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderungen.
Das Papier war eigentlich nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Aber am Donnerstag entschied der Paritätische Gesamtverband, das ihm zugespielte Dokument zu veröffentlichen, gemeinsam mit einer fachlichen Einordnung. Der Verband zeigte sich angesichts der Kürzungspläne entsetzt. Die Öffentlichkeit solle sich ein eigenes Bild machen, erklärte Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes.
Das Papier enthalte 70 Kürzungsvorschläge. „Individuelle Rechtsansprüche auf Schulbegleitung sollen gestrichen, das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen eingeschränkt, die Nachbetreuung junger Erwachsener aus der Jugendhilfe abgeschafft, der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende zusammengestrichen werden“, warnt der Verband.
Es drohe „ein Kahlschlag bei Alltagshilfen, mit einschneidenden Folgen für Betroffene und ihre Familien“, kritisierte Joachim Rock. Einige Vorschläge widersprächen laut Verband „offen der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention“.
Initiative aus dem Kanzleramt
Das Papier, über das zuerst unter anderem die Tagesschau berichtete, ist auf den 25. März datiert und stammt aus einem Abstimmungsprozess, der im Kanzleramt initiiert wurde. Auf einer Pressekonferenz am 4. Dezember 2025 erklärte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dass Bund, Länder und Gemeinden gemeinsam Vorschläge erarbeiten werden, um künftig dafür zu sorgen, „dass die Leistungsgesetze gezielt angewendet werden können“.
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Völkerrecht in der Krise
Das Recht der Gleichen
Das Völkerrecht ist nicht tot, aber stark reformbedürftig. Europa sollte sich für mehr Gleichheit einsetzen – und die ehemals Blockfreien umwerben.
Die Völkerrechtsordnung der Nachkriegszeit gibt es nicht mehr. Das zeigte sich schon vor dem rechtswidrigen Angriff der USA und Israels auf Iran. Anfang des Jahres bekannte Donald Trump freimütig, dass ihn nur seine eigene Moral interessiere, nicht das Völkerrecht. Er schob hinterher, dass es darauf ankomme, was man unter Völkerrecht verstehe. Sein Verständnis offenbarte er kurz später bei der Gründung des „Trump Board of Peace“ in Davos: eine Organisation wie ein Golfclub, maßgeschneidert für Trump. Zwar enthält die Satzung ein Lippenbekenntnis zum Völkerrecht, aber was man darunter versteht, ist, wie gesagt, Ansichtssache.
Den Gegenpol zu Trump in Davos bildeten Mark Carney und – „for sure“ – Emmanuel Macron. Beide bekannten sich zu einer multilateralen Ordnung nach dem Prinzip souveräner Gleichheit.
Jedes dieser Verständnisse des Völkerrechts hat seine Geschichte. Trumps Völkerrecht stammt aus dem Kolonialismus. Es diente imperialen Mächten dazu, ihre Interessenssphären abzustecken. Ungleichheit war in ihm angelegt: Den kolonisierten Völkern verweigerten die Europäer die Anerkennung als vollwertige Rechtssubjekte – um sie zu unterdrücken. Dieses Völkerrecht stabilisierte zudem die Ungleichheit im Innern der Großmächte. Mächtige Kreise profitierten am meisten von kolonialer Expansion: Herrscher, Kolonialgesellschaften, Plantagenbesitzer. Zugleich schuf Kolonialismus ein Ventil für soziale Spannungen, sei es durch Streitkräfte, Auswanderung oder billige Kolonialwaren wie Zucker.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlor dieses Völkerrecht mit steigendem Lebensstandard an Rückhalt. Kolonialismus und Sklaverei kamen in den kritischen Blick einer zunehmend demokratischen Öffentlichkeit. So entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrittweise die Vision eines universellen, egalitären Völkerrechts. Internationale Institutionen sollten den Gegenentwurf zum Imperialismus und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts bilden. Kooperation statt riskanter Expansion sollte den Wohlstand für alle mehren.
So ganz egalitär war jedoch auch dieses Völkerrecht nicht. Während die Dekolonisierung politische Macht neu verteilte, gaben die führenden Industriestaaten wirtschaftlich und militärisch das Ruder nicht aus der Hand. Der Kalte Krieg verkomplizierte Veränderungen. Das Völkerrecht der Gleichen blieb daher Illusion. Zu groß waren die faktischen Ungleichheiten zwischen den Staaten.
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Energiewende
Warum der Bau von Batteriespeichern nur schleppend vorangeht
Die Bundesregierung will neue Gaskraftwerke bauen lassen, um die Energieversorgung sicher zu stellen. Klimaschützer kritisieren, dass nicht stärker auf den Ausbau von Batteriespeichern gesetzt wird. Und auch ein MDR-AKTUELL-Hörer möchte wissen, warum sie offenbar nur eine untergeordnete Rolle spielen.
- Im letzten Versorgungssicherheitsbericht der Bundesnetzagentur wurden Batteriespeicher noch wenig gewürdigt – ganz anders als Gaskraftwerke.
- Die Technologie ist vielversprechend und kostengünstig.
- Das Genehmigungsverfahren für neue Batteriespeicher ist jedoch immer noch langwierig. Der Bundesverband Solarwirtschaft fordert Verbesserungen.
Die Bundesregierung setzt auf den Bau neuer Gaskraftwerke. Sie sollen einspringen, wenn Wind und Sonne nicht liefern – als Rückgrat für eine stabile Stromversorgung. Kritiker warnen, dass neue Gaskraftwerke fossile Abhängigkeiten zementieren könnten. Eine mögliche Alternative könnten Batteriespeicher sein. Die können überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen.
[...] Ein entscheidender Vorteil von Batteriespeichern ist für Georg Gallmetzer, dass der Bau ohne staatliche Subventionen auskommt: "Es ist sogar umgekehrt. Durch den Betrieb dieser privat finanzierten Anlagen werden die Netzentgelte ein bisschen günstiger, es sinken die Strompreise ein bisschen und die Anlagen zahlen lokale Gewerbesteuer. Der Steuerzahler muss weniger für die Finanzierung der Erneuerbaren ausgeben, weil die Erneuerbaren in Kombination mit Speichern bessere Marktpreise erzielen."
Der Unternehmer und auch der Bundesverband Solarwirtschaft kritisieren, dass derzeit die Genehmigungsverfahren für große Speicherprojekte oft komplex und langwierig sind. Da müsse der Gesetzgeber nachbessern, so Thomas Seltmann vom Bundesverband: "Man muss sagen, dass im Bundestag eigentlich schon länger das Thema aufgekommen ist und auch sehr progressiv vorangetragen wurde. Da hinkt einfach die praktische Politik in Form von Gesetzgebung, Regelsetzung und beim Regulierer – bei der Bundesnetzagentur – ein Stück weit hinterher. Wir hoffen, dass die Regulatorik sich schnell auch an die Realität anpasst und an das Potential und die Möglichkeiten."
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"Erneuerbare nicht ausbremsen"
Klingbeil blockiert mehrere Gesetze von Reiche
Finanzminister Klingbeil und Wirtschaftsministerin Reiche steuern auf den nächsten Konflikt zu. Ein Reformpaket der CDU-Politikerin soll die teuren Zusatzkosten für grünen Strom kappen. SPD-Chef Klingbeil wertet das als Ausbremsen der Energiewende und legt im Kabinett ein Veto ein.
Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil warnt CDU-Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vor einem Ausbremsen der Energiewende. "Der Ausbau der erneuerbaren Energien darf nicht gestoppt werden", sagte der Vizekanzler am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington. Dies sei für ihn auch eine der zentralen Schlussfolgerungen aus den Folgen des Iran-Kriegs - dieser hatte Preissprünge bei Öl und Gas ausgelöst. "Wer der Meinung ist, man bremst den Ausbau der Erneuerbaren ab, schadet am Ende Deutschland", sagte Klingbeil.
Das "Handelsblatt" berichtete, das Finanzministerium blockiere mehrere Energiegesetze Reiches in der regierungsinternen Abstimmung. Demnach habe Klingbeil Vetos gegen Pläne wie die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) und ein Netzpaket eingelegt. Neben Klingbeil habe auch SPD-Umweltminister Carsten Schneider einige Vorbehalte angemeldet.
Klingbeil sprach von einem normalen Verfahren: Das eine Ministerium schreibe auf, was es für richtig halte, die anderen Ministerien schauten darauf. "Ich könnte jetzt eine lange Liste aufzählen, wo auch mal Gesetze von uns noch mal überprüft wurden aus anderen Ministerien." Der Finanzminister verwies darauf, im Koalitionsvertrag sei vereinbart worden, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien weitergehe. Klingbeil verwies auch auf Beschlüsse des Koalitionsausschusses.
16. April
„Trump ist ein Mafiaboss“ – Experten streiten über US-Strategie am Hormus
Die USA blockieren die Straße von Hormus. Experten streiten über die US-Strategie und das Völkerrecht. Der Konflikt trifft die Weltwirtschaft hart.
Teheran/Washington D.C. – Der Krieg der USA gegen den Iran entwickelt sich zu einer Belastungsprobe für den gesamten Welthandel. Friedensgespräche unter Vermittlung Pakistans sind vorerst gescheitert, und Donald Trumps Entscheidung, die Straße von Hormus zu blockieren, sorgt für hitzige Debatten – nicht nur unter Diplomaten, sondern auch unter Ökonomen, Sicherheitsexperten und Völkerrechtlern.
Der US-Präsident selbst hatte noch am 15. April gegenüber Fox Business Network erklärt: „Wir haben sie [den Iran] militärisch vollständig geschlagen (…) Ich glaube, es ist fast vorbei.“ Der Iran wolle „sehr dringend“ einen Deal, so Trump weiter, und versprach: „Die Börse wird boomen.“ Gleichzeitig räumte er ein: „Wenn ich jetzt die Zelte abbräche, würde es zwanzig Jahre dauern, bis sie das Land wieder aufgebaut hätten – und wir sind noch nicht fertig.“
Jenseits dieser Selbstdarstellung bleibt die Lage jedoch unübersichtlich. Medien berichteten unter Berufung auf regionale Vertreter von einer „grundsätzlichen Einigung“ zur Verlängerung des fragilen Waffenstillstands – doch ein anonymer hochrangiger US-Regierungsvertreter widersprach gegenüber CNBC: „Die USA haben einer Verlängerung des Waffenstillstands nicht formell zugestimmt.“ Fest steht unterdessen: Das US Central Command bestätigte, dass die Blockade iranischer Häfen vollständig implementiert sei und Teherans internationalen Seehandel „vollständig“ abgeschnitten habe.
[...] Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rüdiger Bachmann, Bente Scheller von der Heinrich-Böll-Stiftung und der Sicherheitsexperte Hartwig Ross über die Hintergründe und Folgen des Konflikts. Und das mit teils sehr konträren Schlussfolgerungen.
Für Bachmann lässt sich Trumps Verhalten nur nachvollziehen, wenn man ihn durch zwei Linsen betrachte. „Er kombiniert zwei Dinge: Er kommt aus dem Reality-TV, das heißt, er ist ein Entertainer – und er ist ein kleptokratischer Real-Estate-Mafia-Boss“, so Bachmann wörtlich. Alle Aktionen – Venezuela, Grönland, die Auseinandersetzung mit dem Vatikan – folgten dieser Logik: „Ich nenne das Powertainment. Trump schreibt ständig Soap-Operas, mit der Bühne der ganzen Welt.“ Gleichzeitig, so Bachmann, mache Trump und seine Familie mit dem Iran-Krieg „großartige Geschäfte“ – das sei die kleptokratische Seite. „Wenn man Trump durch diese beiden Linsen sieht, dann hat das alles seine eigene Rationalität. Man darf Trump aber nicht als Staatenlenker, als Parteiführer oder als weltgeschichtlichen Visionär ansehen.“ Eine kohärente geopolitische Strategie? Fehlanzeige: „Klar gemacht wird die nicht. Die ändert sich ständig“, urteilt der Wirtschaftswissenschaftler.
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40 Jahre nach dem Reaktorunglück
Opferzahlen bleiben weiter im Dunkeln
Wie viele Menschen nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl starben oder erkrankten, bleibt umstritten. Die Gegend soll zur Atommüllkippe werden.
In der hoch belasteten Zone 2 um den Unglücksreaktor Tschernobyl gibt es Experimente mit dem Anbau schnell wachsender Energiepflanzen, ein kleines Solarkraftwerk und an zwei Standorten Pläne zum Bau von Small Modular Reactors (SMR), die vermehrt als sogenannte Minireaktoren beworben werden, obwohl sie bisher nur auf dem Papier existieren. Das ist in einem Pressegespräch des Fachverbands Strahlenschutz und der Leibniz Universität Hannover am Mittwoch bekannt geworden.
Die Schilfpflanze Miscanthus darf nach ukrainischem Recht trotz hohen Radioaktivitätsgehalts für die Produktion von Biokraftstoffen verwendet oder verbrannt werden. Zu möglichen Gefahren durch Einatmen von radioaktivem Staub bei der Ernte hat man sich offenbar noch wenig Gedanken gemacht. Zu den SMR haben Vertreter der Verwaltung der Tschernobylzone und Unternehmen ein Memorandum unterzeichnet. Weitere Aktivitäten sind noch nicht bekannt.
Realität ist jedoch, dass Tschernobyl zur Atommüllkippe des Landes werden soll. Die abgebrannten Brennelemente aus den Blöcken 1 bis 3 des Atomkraftwerks sind schon aus den Nasslagern in ein Trockenlager gebracht worden – ähnlich den deutschen Castor-Lagern. Folgen sollen die Brennelemente aus allen übrigen ukrainischen AKWs.
Das Staatsunternehmen Radon sammelt aber auch alle übrigen radioaktiven Abfälle und Strahlenquellen etwa aus Krankenhäusern und Industrie, um sie in drei Lagern für insgesamt 70.000 Kubikmeter in der Tschernobylzone zu lagern. Ein Problem sind die vagabundierenden Strahlenquellen. Infolge des Krieges ist nicht klar, wie viele der insgesamt 8.500 Strahlenquellen zum Beispiel aus Röntgengeräten oder industriellen Messeinrichtungen verschwunden sind.
Zahl der Krebsfälle und Toten weiter umstritten
Offen blieb die Frage nach den Opfern des katastrophalen Unfalls, bei dem (zu spät) 330.000 Menschen aus 900 Siedlungen evakuiert wurden. Bis zu 800.000 „Liquidatoren“ – die wenigsten waren Freiwillige, sondern zumeist Soldaten und zwangsverpflichtete Arbeiter – wurden bei Aufräumungsarbeiten verstrahlt. Nicht einmal die genaue Zahl und schon gar nicht die radioaktive Dosis, der sie ausgesetzt waren, wurden systematisch erfasst. 1986 hatte das sowjetische Gesundheitsministerium Daten über die Havarie und das Ausmaß der radioaktiven Belastung von Liquidationspersonal für geheim erklärt.
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Schweiz als Atomlabor: Zwischen Altlasten und neuen Reaktorträumen
Die Schweiz steht vor einem Milliarden-Grab: Alte AKW sollen länger laufen – und neue Reaktortypen wecken große Versprechen.
Noch gibt es keine praktikable Lösung für den Umgang mit den Resten von sechs Jahrzehnten Kernkraftabenteuer, da werden schon neue Forderungen aufgemacht. So fordert Brüssel angesichts durch den Iran-Krieg gestiegener Ölpreise einen Ausbau der Atomkraftwerke.
Ein Vorreiter dieser Bewegung scheint die Schweiz zu werden. Dort stehen einerseits die Stromkonzerne Axpo und Alpiq unter Druck, die Laufzeit der neueren Schweizer AKW Leibstadt und Gösgen zu verlängern, weil sie für eine sichere Energieversorgung der Schweiz länger laufen müssten als die bislang konzipierten 60 Jahre.
"Laut früheren Schätzungen der ETH braucht es für einen um zehn Jahre längeren Betrieb Investitionen von rund einer Milliarde Franken pro AKW", meldete das SRF am 4. April dieses Jahres. An diesen Kosten und den damit verbundenen finanziellen Risiken müsse sich der Staat, so die Betreiber, beteiligen.
[...] Als Alternative zur Atommüllendlagerung wird immer wieder der Einsatz von Flüssigsalzreaktoren zur Diskussion gestellt. Integral Molten Salt Reactors (IMSR), welche die Firma Terrestrial Energy als "a clean energy alternative to fossil fuels" bezeichnet, werden schon seit geraumer Zeit von dem in den USA und in Kanada angesiedelten Unternehmen entwickelt.
Dual Fluid hat jetzt den nächsten Schritt zur Realisierung seiner Idee zur energetischen Nutzung des vorliegenden Atommülls angetreten.
[...] In Ruanda sollen die Genehmigungsbehörden deutlich offener für neue Technologien sein als ihre Pendants in Deutschland.
Materialbelastung in der Praxis noch nicht gesichert
In den Leitungen der beiden Kreisläufe fließen flüssige Metalle mit bis zu 1.000 Grad Celsius. Das erfordert außergewöhnlich robuste Materialien. Korrosion und Beschädigung an den Kreisläufen sind zumeist das größte Problem bei diesen Konzepten. Große internationale Investoren halten sich bei dem Projekt in Ruanda offensichtlich bislang zurück.
[...] Ein Problem der Flüssigsalzreaktoren ist der Einsatz von flüssigem Salz. Dieses greift die Metalllegierungen an und die Neutronenstrahlung macht Metalle brüchig. Die Lebensdauer der Kleinkraftwerke wird deshalb nur rund fünf Jahre betragen. Dann ist nach den vorliegenden Angaben ein Austausch nötig.
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Tempolimit:
Grüne bringen Gesetzentwurf zu Tempolimit in den Bundestag ein
Durch die gestiegenen Spritpreise werden auch wieder Forderungen nach einem Tempolimit auf Autobahnen laut. Die Grünen tragen das Thema heute in den Bundestag.
Die Grünen legen einen Vorstoß für ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen vor. Die Fraktion bringt an diesem Donnerstag einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Bundestag ein. Die Einführung einer allgemeinen Höchstgeschwindigkeit von 130 Kilometern pro Stunde reduziere den Kraftstoffverbrauch und dämpfe damit die Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher, heißt es im Entwurf. Sie habe auch »positive Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit und reduziert die Emission von Treibhausgasen und Luftschadstoffen«.
Der Präsident des Umweltbundesamts (UBA), Dirk Messner, rief ebenfalls dazu auf, mehr auf Klima und Umwelt bei weiteren möglichen Entlastungsmaßnahmen angesichts hoher Energiepreise zu achten. »Kommende Maßnahmen zur Entlastung sollten soziale Wirksamkeit sowie Klima- und Umweltschutz miteinander verbinden«, sagte Messner der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.
Infolge des Irankriegs sind die Spritpreise stark gestiegen. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist ein Tempolimit nicht vorgesehen.
»Unmittelbar wirksames Mittel«
Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge hatte am Dienstag gesagt, ein Tempolimit wäre eine Maßnahme, die schnell und effektiv wirke, um den Benzinverbrauch in Deutschland zu senken. Es sei eine »Frage der Vernunft«, jetzt ein Tempolimit einzuführen.
Im Gesetzentwurf der Grünen heißt es, die Fahrgeschwindigkeit von Fahrzeugen habe einen wesentlichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch. Mit zunehmender Geschwindigkeit erhöhe sich der Kraftstoffverbrauch aufgrund des quadratisch ansteigenden Luftwiderstands stark. »Eine Begrenzung der Fahrgeschwindigkeit stellt daher ein unmittelbar wirksames Mittel dar, um die Nachfrage nach Kraftstoffen zu senken und so die Verbraucherpreise zu dämpfen.«
Ein Tempolimit ist seit Langem in der politischen Debatte. Erst am Montag hatte sich eine Allianz aus Verbänden dafür starkgemacht, darunter neben dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) etwa auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Gewerkschaft der Polizei, Greenpeace, und der Verkehrsclub Deutschland.
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16. April 1957 ("Joe-35", H-Bombe RDS-37 mit 320 kT) Semipalatinsk, KAZ
Seit 1945 wurden weltweit über 2050 Atomwaffentests durchgeführt, was eine mögliche Erklärung für die stetig steigende Zahl von Krebserkrankungen sein könnte.
IPPNW Report - August 2023 - Atomwaffentests - (PDF-Datei)
... Oberirdische Tests wurden auf mehreren Atollen im Pazifik, in Semipalatinsk, Kasachstan, auf traditionellem Land der Westlichen Shoshone in Nevada, USA, auf dem Land der Aborigines im australischen Outback, auf dem Land der indigenen Nenetz in der russischen Arktis, auf dem Gebiet von Nomaden in der algerischen Sahara, in der Region der Uiguren in China und anderswo durchgeführt. Die Bewohner*innen wurden oft verspätet oder gar nicht evakuiert und nicht über die Auswirkungen der Tests informiert. Radioaktiver Niederschlag fiel als Staub und Regen herab und verseuchte das Trinkwasser und lokal erzeugte Lebensmittel ...
Wikipedia de
RDS-37
Die RDS-37 war die erste "echte" zweistufige Wasserstoffbombe der Sowjetunion und die erste aus der Luft abgeworfene Thermonuklearbombe ...
Liste von Kernwaffentests
Chronologische, unvollständige Liste von Kernwaffentests. Die Tabelle enthält lediglich markante Punkte in der Geschichte der Zündung einer Atombombe zu Testzwecken. Neben Atomexplosionen im eigentlichen Sinn wurden auch unzählige Tests mit Atomwaffen durchgeführt, die absichtlich oder unabsichtlich nicht explodierten ...
Die Sowjetunion führte ihren ersten Atombombentest ("RDS-1") am 29. August 1949 auf dem Atomwaffentestgelände Semipalatinsk (heute Kasachstan) durch. Zwischen 1949 und 1990 führte die Sowjetunion insgesamt 715 Tests mit 969 einzelnen Sprengsätzen durch ...
15. April
"Müssen die Debatte führen"
Spahn will abgeschaltete Atomkraftwerke wieder anwerfen
Der Bau neuer Meiler ist teuer und dauert viele Jahre. Unionsfraktionschef Spahn verweist auf Studien, dass für einen vergleichsweise niedrigen Milliardenbetrag Alt-Reaktoren wieder fit gemacht werden können. Nun fordert er darüber eine Debatte.
Unionsfraktionschef Jens Spahn will eine Diskussion zur Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke. Das soll man miteinander prüfen, sagte der CDU-Politiker in Berlin am Rande eines Forschungskongresses der Unionsfraktion. Er verwies auf Studien, wonach die stillgelegten Reaktoren der letzten Jahre "mit um die neun, zehn Milliarden Euro wieder ans Netz gehen könnten. Ich finde jedenfalls, diese Debatte müssen wir gesellschaftlich führen." In anderen Staaten würden 30 bis 50 Milliarden Euro investiert, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen. "Wir könnten mit deutlich weniger, unsere gerade abgeschalteten Kernkraftwerke wieder ans Netz bringen. Eine Diskussion ist es in jedem Fall wert."
Die Debatte über die Atomkraft hatte zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Abkehr von der Technologie als strategischen Fehler bezeichnet. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, er teile von der Leyens Einschätzung, fügte aber hinzu, die Bundesregierungen zuvor hätten entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen. "Der Beschluss ist irreversibel. Ich bedauere das, aber es ist so."
Die AfD hatte dem widersprochen und einen Antrag in den Bundestag eingebracht zur Wiederinbetriebnahme von Reaktoren und dabei ähnlich argumentiert wie Spahn.
Ist das sein Einsatz für eine rechtsextreme Koalition?
Diese Debatte führen wir doch schon seit Jahren, immer und immer wieder. Aber weil der Möchtegern-Bundeskanzler Jens ZündSpahn und seine allerliebsten Wunsch-Koalitionspartner von der AfD die Hoffnung hegen, daß der stete Tropfen den Stein höhlt, werden sie die arme alte Sau immer wieder durchs Dorf jagen. Bis die Wähler und die Saaldiener sie endlich weg von den Mikros und aus dem Bundestag tragen.
Aber draußen warten dann schon die Möchtegern-Journalisten und winken mit den Mikrofonen ...
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Warnung von IAEA-Chef
Nordkorea hat Kapazitäten zum Bau von Atomwaffen »sehr deutlich gesteigert«
»Rasche Zunahme der Aktivitäten«: Die Internationale Atomenergiebehörde blickt alarmiert auf den nordkoreanischen Atomreaktor Yongyon. Die Erbdiktatur behauptet derweil, China habe die Resilienz der Kims gelobt.
Nordkorea hat seine Fähigkeiten zum Bau von Atomwaffen nach Einschätzung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA »sehr deutlich gesteigert«. Bei ihren regelmäßigen Einschätzungen habe seine Organisation eine »rasche Zunahme der Aktivitäten« am Atomreaktor Yongyon festgestellt, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Mittwoch bei einem Besuch in Seoul. Dies deute auf eine »sehr deutliche Steigerung« der Fähigkeiten zur Produktion von Atomwaffen hin.
Nordkorea verfügt Experten zufolge über dutzende nukleare Sprengköpfe und hat in der Vergangenheit wiederholt bekräftigt, diese trotz internationaler Sanktionen zu behalten. 2006 führte Pjöngjang seinen ersten Atomtest aus. Das international weitgehend isolierte Land argumentiert, dass es Atomwaffen zur Abschreckung gegen eine angebliche militärische Bedrohung durch die USA und mit ihr verbündete Staaten wie Südkorea benötige.
Nordkorea behauptet, China habe die Ausdauer der Diktatur gegen den Druck aus den USA gelobt – und dem sanktionierten Nachbarn mehr Zusammenarbeit zugesagt. Trotz zunehmender Isolations- und Unterdrückungsversuche der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Kräfte habe das koreanische Volk unter Führung von Generalsekretär Kim Jong Un neue Errungenschaften beim sozialistischen Aufbau erreicht, sagte Außenminister Wang Yi laut Angaben der nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA während seines Besuchs in der Hauptstadt Pjöngjang.
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Vor kurzem noch undenkbar:
China vollzieht Kehrtwende – als Gegenmodell zu Trump
Donald Trump verunsichert viele Staaten. Darauf reagiert China – wie sich jetzt auch am Beispiel Taiwan zeigt. Eine Analyse.
Es ist ein Bild, das noch vor kurzem undenkbar schien: Xi Jinping trifft die taiwanische Oppositionsführerin Cheng Li-wun. Ein Händedruck, der mehr ist als diplomatische Geste – er markiert eine strategische Kehrtwende in Pekings Taiwanpolitik. Denn in den vergangenen Jahren folgte Xi einer anderen Logik. Seit etwa 2017 erhöht Peking systematisch den Druck auf Taiwan. Militärmanöver, Luftraumverletzungen, wirtschaftliche Nadelstiche. Der Höhepunkt wurde 2022 erreicht, als der Besuch von Nancy Pelosi in Taipeh zu massiven chinesischen Militärübungen führte, inklusive Simulationen einer Blockade und, in Teilen, eines Angriffs auf die Insel. Seither gehört die Drohkulisse zum Alltag: Kriegsschiffe vor der Küste, Kampfjets am Horizont, Rhetorik am Rand der Eskalation.
Offiziell begründet Peking diesen Kurs mit der Politik der taiwanischen Regierung unter Führung der Demokratischen Fortschrittspartei. Sie, so die Lesart in Peking, beschreite schleichend einen Weg zur Unabhängigkeit Taiwans. Doch diese Darstellung greift zu kurz – und sie ist politisch gewollt verkürzt. Die Mehrheit der Taiwaner sieht ihr Land, die Republik China, längst als nach wie vor und de facto unabhängig. Umfragen zeigen seit Jahren: Rund 85 Prozent wollen den Status quo bewahren. Weder formelle Unabhängigkeit noch eine Vereinigung mit der Volksrepublik, sondern Stabilität.
Gegenmodell zu Donald Trump: Was hinter Chinas neuem Taiwan-Kurs steckt
Vor diesem Hintergrund wirkt es fast paradox, dass ausgerechnet die Kuomintang (KMT) nun zum bevorzugten Gesprächspartner Pekings avanciert. Jene Partei also, die im chinesischen Bürgerkrieg einst gegen die Kommunisten kämpfte und die noch bis in die 1990er-Jahre hinein im Grundsatzprogramm hatte, das Festland von Maos Nachfolgern zurückzuerobern. Xi hatte bereits 2024 den ehemaligen Präsidenten Taiwans (den Xi als Gouverneur der „chinesischen Provinz Taiwan“ ansieht) Ma Ying-jeou in Peking empfangen. Doch dieser war zu dem Zeitpunkt schon lange kein politischer Amtsträger mehr. Cheng Li-wun hingegen schickt sich an, die nächste Präsidentin Taiwans zu werden.
Die Brücke zwischen beiden Seiten, der Kommunistischen Partei Chinas und der Kuomintang in Taiwan, ist der sogenannte „Konsens von 1992“. Ein Konstrukt, das besagt, es gebe nur „ein China“. Wer von den beiden wie in welcher Weise dieses China repräsentiere, darüber streiten beide Seiten, seitdem das Meeting in Hongkong zu Ende gegangen ist. Für Peking ist dies die Grundlage jeder Annäherung. Für die KMT ist es ein diplomatischer Spielraum, da die DPP diesen Konsens in Zweifel zieht. In der Tat glauben zahlreiche Historiker und Politikwissenschaftler nicht daran, dass es diesen Konsens je in klar definierter Form gegeben hat. Vielmehr handele es sich um eine nachträgliche Erzählung, politisch nützlich, historisch fragil, ideologisch anschlussfähig.
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Ölkonzerne kassieren ab
37 Millionen Euro Zusatzgewinn pro Tag
Nach einer Studie von Greenpeace bauen die Ölkonzerne ihre Übergewinne während der Waffenruhe im Nahen Osten aus. Der Lobbyverband bestreitet das.
Die Mineralölkonzerne in Deutschland können im Zuge des Irankriegs ihre zusätzlichen Gewinne weiter ausbauen, weil sie Preissenkungen nicht weitergeben. Das legen die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace nahe. Demnach haben Ölkonzerne in Deutschland in den ersten Tagen der Feuerpause 37 Millionen Euro pro Tag mehr Gewinn gemacht als vor Kriegsbeginn, das zeigen Berechnungen des Energieexperten Steffen Bukold im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace. In den ersten beiden Kriegswochen lag der Zusatzprofit den Berechnungen zufolge noch bei 21 Millionen Euro täglich.
Die Mineralölkonzerne in Deutschland profitieren stark davon, dass seit Beginn des Irankriegs die Ölpreise auf dem Weltmarkt stark schwanken. Zwischen dem 2. März und dem 12. April haben die Konzerne in Deutschland im Vergleich zur Vorkriegszeit insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro an zusätzlichen Gewinnen gemacht, zeigt die Untersuchung.
[...] Greenpeace fordert Übergewinnsteuer
„Die Ölkonzerne machen schamlos Kasse auf dem Rücken all derer, die von einem Verbrenner abhängig sind“, sagt Greenpeace-Sprecher Matthias Lambrecht. „Eine Übergewinnsteuer ist überfällig.“ Auch etliche Umwelt- und Verbraucherverbände, die Grünen sowie die Linkspartei fordern eine Übergewinnsteuer, mit der zusätzliche Profite der Mineralölkonzerne abgeschöpft werden.
Dafür gibt es ein Vorbild: Mit einer Übergewinnsteuer wurden bereits in der letzten Energiekrise in den Jahren 2022 und 2023 übermäßige Profite der Mineralölkonzerne abgeschöpft. Damals nahm der deutsche Staat rund 2,5 Milliarden Euro ein. Alle EU-Staaten zusammen erzielten rund 29 Milliarden Euro. Die Umsetzung fiel in den EU-Mitgliedsländern unterschiedlich aus. In Deutschland wurde die Steuer auf die Gewinne fällig, die 20 Prozent über denen der Jahre 2018 und 2019 lagen. Darauf lag der Steuersatz bei 33 Prozent.
Die Übergewinnsteuer muss auf europäischer Ebene eingeführt werden. Die SPD ist dafür, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dagegen, CSU-Chef Markus Söder will eine Einführung prüfen lassen.
[...] Branchenverband weist Vorwurf der Preistreiberei zurück
Der Lobbyverband der Mineralölkonzerne mit dem futuristischen Namen en2x bestreitet die Ergebnisse der Greenpeace-Berechnung. „Die Greenpeace-Studie ist ein rein theoretisches Modell. Die Zahlen stimmen daher nicht“, sagt ein en2x-Sprecher. Eigene Zahlen zu den Gewinnen der vergangenen Wochen legt der Verband aber nicht vor.
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40 Jahre nach Chernobyl:
Greenpeace-Report dokumentiert Folgen des russischen Drohnenangriffs auf AKW
Umweltschutzorganisation fordert Unterstützung bei Wiederaufbau der zerstörten Schutzhülle sowie Ausweitung der Sanktionen gegen Russland
Chornobyl/Ukraine – Anlässlich des anstehenden 40. Jahrestags der Atomkatastrophe von Chornobyl beleuchtet ein neuer Greenpeace-Report die komplexen Folgen des russischen Drohnenangriffs 2025 auf das AKW Chornobyl. Der Bericht wurde vom Ingenieur Eric Schmieman verfasst, der viele Jahre lang in Chornobyl an der Planung und dem Bau der Schutzhülle für den beschädigten Reaktor 4 mitgewirkt hat. Der Bericht zeigt, dass ohne dringende Reparaturen an der äußeren Schutzhülle die Einsturzgefahr für den darunterliegenden Sarkophag steigt. Die EU muss die Ukraine unterstützen, damit schon bald die dringend notwendigen Reparaturen an der äußeren Schutzhülle erfolgen können, so Greenpeace. Zudem muss die EU die Sanktionen gegenüber Russland und insbesondere dem russischen Atomkonzern Rosatom ausweiten.
Marc Dengler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace Österreich: “Vierzig Jahre nach der Katastrophe zeigt sich: Atomkraft ist und bleibt ein unkalkulierbares Risiko. Der russische Drohnenangriff auf das Atomkraftwerk Tschernobyl hat das Risiko einer erneuten Verstrahlung massiv erhöht. Die Schutzhülle muss dringend repariert werden, damit die hochradioaktive Reaktorruine sowie die Tonnen giftigen Nuklearabfalls weiterhin sicher verwahrt bleiben. Doch unter der anhaltenden Gefahr weiterer russischer Angriffe sind Reparaturen nur schwer möglich.”
Nach dem Reaktorunglück 1986 wurde der beschädigte Reaktor mit einer ersten Schutzhülle, dem sogenannten Sarkophag, ummantelt. Über diesen wurde eine weitere Schutzhülle errichtet, das New Safe Confinement (NSC). Durch einen russischen Drohnenangriff 2025 wurde die äußere Hülle, das NSC, durchschlagen. Ein Feuer zerstörte rund 50 Prozent der Isolierschicht. Da diese für die Regulierung der Luftfeuchtigkeit innerhalb der Schutzhülle nötig ist, stellt Kondenswasser seitdem ein wachsendes Problem dar und destabilisiert den darunter liegenden Sarkophag mit der Reaktorruine. Nur wenn die Schutzhülle für 100 Jahre intakt bleibt, kann sie die hohe Strahlenbelastung effektiv reduzieren.
14. April
Verzögerung um sechs Jahre
Atommüll-Räumung der Schachtanlage Asse auf frühestens 2039 verschoben
In einem Salzbergwerk in Niedersachsen lagern 126.000 Fässer mit radioaktivem Abfall. Die Betreibergesellschaft erklärt den bisherigen Zeitplan zur Rückholung für gescheitert. Die Kosten für die Verzögerung sind noch unklar.
Die Bergung des Atommülls aus der maroden Schachtanlage Asse in Niedersachsen verschiebt sich um mehrere Jahre. "Mit dem jetzigen Kenntnisstand lässt sich der Rückholbeginn 2033 nicht mehr darstellen", teilte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) mit. Erst wenn der neuer Schacht Asse 5 mit Förderanlage gebaut sei, könne mit den vorbereitenden Maßnahmen für die Rückholung begonnen werden, hieß es.
In ihren neuen Planungen geht die Betreibergesellschaft mit Sitz im niedersächsischen Peine davon aus, dass die Einsatzbereitschaft der Schachtförderanlage im Jahr 2039 hergestellt sein kann. Bisher hatte die BGE den Beginn der Bergung 2033 anvisiert. In den vergangenen Wochen war aber bekanntgeworden, dass der Termin geplatzt ist.
"Derzeit bestehen noch so viele Unsicherheiten im Gesamtsystem, so dass seriös kein neuer Rückholbeginn genannt werden kann", räumte eine BGE-Sprecherin bereits im März ein. Umplanungen im Ablauf seien ein wesentlicher Grund dafür, dass aktuell kein Gesamtplan vorgelegt werden könne, sagte die Sprecherin damals. Nun informierte die BGE über die Verschiebung um mindestens sechs Jahre.
Niedersachsens Umweltminister warnt vor "absaufenden Bergwerk"
Die Berichte über den geplatzten Starttermin hatten Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer verärgert: "Ich bin empört, dass die vom Bundestag beschlossene Räumung der Asse auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben werden soll, aber stattdessen die Flutung des Bergwerks vorbereitet wird", hieß es in einer damaligen Stellungnahme des Grünen-Politikers. Die Bundesregierung solle dafür sorgen, dass sich die BGE an das Asse-Gesetz halte und die Räumung des "absaufenden Bergwerks" endlich angehe.
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Atomkraft
"Phantomdebatte": Starke Ablehnung von "Mini-AKW" in Mitteldeutschland
Rund zwei Jahre, nachdem das letzte deutsche Atomkraftwerk vom Netz ging, wird hierzulande wieder über Atomkraft diskutiert. Die Meinungen gehen auseinander – auch in Mitteldeutschland. Ein Überblick.
[...] Das Reaktorunglück von Tschernobyl jährt sich zum nunmehr 40. Mal: Am 26. April 1986 kam es in Block 4 im sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl zum Super-Gau – ein Unglück mit Auswirkungen bis heute. Der folgenschwerste Atom-Unfall der Geschichte ist je nach Schätzung für mindestens 4.000 bis fast hunderttausend Todesfälle verantwortlich. Die Region um das havarierte AKW ist bis heute eine Sperrzone.
Der ARD-Dokumentarfilm "Tschernobyl 86 - Der Super-GAU" blickt mit Archivbildern auf das Unglück zurück. Und stellt die Frage: Was haben wir aus dem Reaktorunfall gelernt?
[...] Auch in Mitteldeutschland wird das Thema diskutiert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer etwa findet – wie auch sein bayerischer Amtskollege – Gefallen an Mini-Atomkraftwerken, sogenannte Small Modular Reactors. "Wir dürfen in der Energiepolitik keine Denkverbote haben. Wenn neue Technologien wie Mini-Atomkraftwerke sicher, wirtschaftlich und klimafreundlich sind, dann sollten wir sie ernsthaft prüfen", sagte er der "Sächsischen Zeitung".
[...] Kritik: Technik von "Mini-AKW" noch nicht ausgereift
Der Sprecher des sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Jens Jungmann, hingegen äußert sich anders: Deutschland habe sich mit dem rechtsverbindlichen Atomausstieg bewusst für einen anderen Weg entschieden. Sachsen setze auf den Ausbau der erneuerbaren Energien, auf einen Netzausbau und auf den Aufbau von Kraftwerkskapazitäten, heißt es auf MDR-Anfrage. Die Technik der "Mini-AKW" jedoch sei noch nicht ausgereift.
Sachsen wolle den Anteil der Erneuerbaren am Bruttostromverbrauch bis 2030 auf 65 Prozent steigern. Das "reduziert auch die Abhängigkeit von Energieimporten wie Öl und Gas und damit die Verwundbarkeit gegenüber geopolitischen Krisen und externen Preissprüngen", sagt der Sprecher.
[...] Thüringens Energieminister Tilo Kummer sagte dem MDR, dass mit Blick auf die aktuelle geopolitische Lage AKW in Konfliktfällen leicht zu strategischen Angriffszielen würden. "Ihre Zerstörung könnte großflächige nukleare Kontamination nach sich ziehen. Würde man mehrere kleine AKW installieren, wäre das Problem flächendeckend", sagt Kummer.
Er setze auf Solar, Wind und Biomasse als Alternativen mit deutlich geringerem Risiko und mehr Unabhängigkeit,. Einen Wiedereinstieg in die Atomkraft hält Kummer für nicht realistisch umsetzbar. Er sieht in der dafür nötigen Beschaffung von Uran ein weiteres Risiko für Abhängigkeit.
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Klimawandel:
Neuer Wärmerekord in der Nordsee gemessen
Die Oberfläche der Nordsee war im letzten Jahr so warm wie noch nie. Auch im Vergleich zum Mittelwert der vergangenen 30 Jahre stieg die Temperatur um fast einen Grad.
In der Nordsee ist ein neuer Temperaturrekord gemessen worden. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) maß im vergangenen Jahr an der Oberfläche des Wassers Temperaturen von durchschnittlich 11,6 Grad Celsius. Seit dem Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1969 gab es noch keinen höheren Wert. Im Vergleich zum langjährigen Mittel von 1997 bis 2021 war das Wasser demnach um 0,9 Grad Celsius wärmer.
[...] Im Frühjahr 2025 wurde etwa eine 55 Tage dauernde Meeres-Hitzewelle in der Ostsee gemessen – ein bisher einmaliges Ereignis. Auch der Eiswinter 2025/2026 habe deutlich gemacht, dass insbesondere in der Ostsee extreme Kälteereignisse auftreten können.
Ein kontinuierlich steigender mittlerer Meeresspiegel könnte künftige Sturmfluten wegen des höheren Ausgangsniveaus noch gefährlicher machen, warnte das BSH. So sei der Meeresspiegel in Cuxhaven seit 1900 um 25 Zentimeter gestiegen. Bis 2100 könnte er sich um mehr als einen Meter erhöhen. Die aktuelle Sturmflutsaison seit Juli 2025 sei zwar vergleichsweise ruhig. Insgesamt nähmen die Risiken für Küstenregionen aber zu.
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Gutachten zu Deutschlandticket
Gut für Umwelt, Wirtschaft und Verbrauchern
Berlin · 14,5 Millionen Menschen nutzen das Deutschlandticket – das ist etwa ein Fünftel der Bevölkerung. Das Ticket spart 2,5 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Doch Experten sehen noch erhebliches Potenzial nach oben.
Ein wissenschaftliches Gutachten im Auftrag des Bundesverkehrsministerium zum Deutschlandticket hat dem staatlich geförderten Angebot ein durchweg gutes Zeugnis ausgestellt. Das Ticket sei gut für die Umwelt und habe auch „positive volkswirtschaftliche Effekte“, erklärten die Gutachter am Dienstag. Die Mobilität insbesondere von Menschen mit geringerem Einkommen werde dadurch zudem verbessert und ihr gesellschaftliche Teilhabe gestärkt.
Das Ticket, das derzeit 63 Euro pro Monat kostet und zur Nutzung des Nah- und Regionalverkehrs in ganz Deutschland berechtigt, wird dem Gutachten zufolge sehr gut genutzt. Derzeit gibt es demnach 14,5 Millionen Abonnenten - „das entspricht etwa einem Fünftel der Bevölkerung“. Das Ticket sei besonders in den Metropolen stark nachgefragt, zugleich spiele es „auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle“.
Die starke Nutzung des Angebots führt laut Schätzungen der Gutachter zu CO2-Einsparungen von rund 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr. „Dies entspricht einer Reduktion der Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs um etwa drei Prozent.“
[...] Ebenfalls positiv wirkte sich das Deutschlandticket dem Gutachten zufolge auf die Digitalisierung im Vertrieb der Verkehrsunternehmen aus. Allerdings bestehe hier „weiterhin Entwicklungsbedarf“.
Die Analysen ergaben, dass weitere 5,8 Millionen Menschen das Deutschlandticket nutzen könnten, wenn das Angebot und das Marketing verbessert werden. Für den nachhaltigen Erfolg seien zudem insbesondere mehr Verlässlichkeit von Bussen und Bahnen sowie eine „moderate Preisentwicklung“ vonnöten.
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Axpo sieht Zukunft in steuerbare Kraftwerke und Speicher:
Schweizer Energiekonzern Axpo setzt auf Flexibilität und erneuerbare Energien – nicht auf neue Atomkraftwerke
Lausanne - Der Schweizer Energiekonzern Axpo sieht die zukünftige Stromversorgung der Schweiz zunehmend in einem Energiesystem, das auf erneuerbare Energien und hohe Flexibilität setzt. Neue Kernkraftwerke spielen dabei aus Sicht des Unternehmens keine zentrale Rolle.
Axpo ist selbst Betreiberin mehrerer Schweizer Kernkraftwerke über Beteiligungen, darunter die Atomkraftwerke Beznau und Gösgen. Trotz dieser bestehenden Rolle in der Atomstromproduktion richtet der Konzern seinen Blick laut einer Analyse, über die SRF berichtet, klar auf andere Technologien.
In der Untersuchung zu möglichen Stromversorgungsszenarien kommt Axpo zum Schluss, dass ein Ausbau von Wind-, Solar- und Wasserkraft in Kombination mit flexiblen Systemelementen wie Speichern und regelbaren Reservekapazitäten die realistischere Option darstellt.
Zwar werden neue Atomkraftwerke als theoretische Möglichkeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen, jedoch betont Axpo laut SRF, dass insbesondere extrem lange Bauzeiten, hohe Investitionskosten und erhebliche Projektrisiken den Bau neuer Kernkraftwerke für ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen kaum tragbar machen. Solche Projekte seien finanziell schwer kalkulierbar und mit erheblichen wirtschaftlichen Risiken verbunden. Für ihre Umsetzung brauche es langfristige Marktsignale sowie geeignete Absicherungs- oder Fördermechanismen.
13. April
Klimaschutzprogramm 2026
Deutschland will Geothermie ausbauen: Potenzial wäre da
In Erfurt vermessen 17 Vibro-Trucks noch bis zum Sommer den Untergrund. Die Thüringer Landeshauptstadt will prüfen, wo sich eine Tiefengeothermie-Bohrung anbietet. Bisher galten Regionen wie Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen nicht als geeignet für Geothermie. Neue Technologien könnten das ändern. Auch das neue Klimaschutzprogramm der Bundesregierung sieht den Ausbau vor. Konkrete Zahlen fehlen aber noch.
In Erfurt haben die Untersuchungen bereits begonnen: 17 gewaltige Vibro-Trucks fahren in den kommenden Monaten durch Stadtgebiet und Umland. Bis Ende Juni sollen die Trucks den Untergrund unter der Thüringer Landeshauptstadt bis in sieben Kilometer Tiefe mittels Schallwellen kartieren.
Geophysiker Hauke Matthiesen betreut die Fahrzeuge. Er vergleicht das Verfahren gerne mit einem Ultraschall, wie man ihn aus der Medizin kennt: "Nur, dass beim Mediziner das Ergebnis quasi in Echtzeit auf den Schirm gezaubert wird. Aber die Rechenprozesse sind exakt die gleichen." Die Schallwellen der Trucks dringen tief in den Untergrund.
Das, was dann als Reflexion zurückkommt, wird an der Erdoberfläche mit den sogenannten Geophonen aufgezeichnet. Mit diesem Verfahren könne man ein detailgenaues Bild der Gesteinsschichten im Untergrund erzeugen. Das Ziel: Erkunden, wo genau in Erfurt eine Tiefengeothermie-Bohrung sinnvoll ist. Ob es tatsächlich auch die nötige Wärme gibt, können anschließende Probebohrungen beantworten, erklärt Matthiesen.
Dass Erfurt überhaupt zum Geothermie-Erkundungsgebiet wird, ist ein Novum – denn die Stadt liegt weitab der Zonen, die bisher als geologisch geeignet galten.
[...] Gamechanger: Petrothermale Geothermie
"In Erfurt besteht der tiefe Untergrund wahrscheinlich eher aus Gneis, Granit oder alten Sedimenten: Also sehr festem, dichten Gestein", erklärt die Geologin Inga Moeck.
Man müsse das nötige Wasser in diesem Fall dementsprechend selbst von oben in die Tiefe bringen. Bisher war das kaum möglich – aber neue geothermische Systeme könnten das ändern. Petrothermale Systeme injizieren kaltes Wasser von der Oberfläche in künstlich erzeugte Risse im Gestein. Dort erwärmt sich das Wasser und kommt als heißes Wasser zurück an die Oberfläche.
Petrothermale Geothermie birgt ein enormes Potenzial, sagt Inga Moeck: "Weil man es schlicht überall machen könnte." Für die Geothermie in Deutschland könnten diese Systeme demnach vieles verändern. Allerdings: In der Praxis gibt es sie aktuell noch nicht.
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Atommüll in NRW:
Wohl nächster Termin für Castor-Transport geplant
Noch 151 Atommüllbehälter sollen von Jülich nach Ahaus transportiert werden. Die Vorbereitungen hierzu laufen. Nach WDR-Informationen werden voraussichtlich am 21. April wieder ein oder mehrere der Schwertransporte starten.
Unter anderem soll eine größere Unterkunft, in der beim ersten Transport etliche Kräfte der Polizei untergebracht waren, für den 21. April wieder geblockt sein.
Weder Ministerien, noch die Polizei Münster oder beteiligte Unternehmen wollen den Termin auf Nachfrage bestätigen. Das sei Verschluss-Sache, heißt es. Im Klartext: Zeit und Route sollen geheim bleiben. Das soll der Sicherheit dienen.
Sitzblockade geplant
Die Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" hat bei der Polizei bereits neue Protestaktionen angemeldet. Zu den nächsten Castortransporten wollen sie symbolisch eine Kreuzung in Ahaus blockieren und demonstrierend durch die Stadt ziehen. Erneut ist auch eine Mahnwache vor dem Zwischenlager geplant.
Aufwändige Einlagerung
Die Betriebsgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) betreibt unter anderem den Standort Ahaus. Ihre Mitarbeiter haben beim ersten Transport gut eine Woche benötigt, den Behälter einzulagern und mit Überwachungssystemen auszurüsten. Die Abläufe müssen sich noch einspielen, heißt es von der BGZ.
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Schweden investiert in AKW
Atomkraft um jeden Preis
Die liberal-konservative Regierung sieht Schweden künftig als „Atomkraftparadies“. Sie tut nun einiges dafür, um diese Vision umzusetzen.
Atomkraft-Paradies Schweden: Das ist die Vision der Regierung in Stockholm, und sie gibt wirklich einiges für deren Umsetzung. Um ihre Begeisterung für neue Kernenergie auf die dafür nötigen Investoren überspringen zu lassen, verspricht der Staat günstige Kredite, schnellere Genehmigungsverfahren und garantierte Mindesteinnahmen.
Die Kosten des 2024 vorgestellten und in Schweden vielfach kritisierten Pakets wurden auf etwa 300 Milliarden Kronen (umgerechnet rund 27 Milliarden Euro) beziffert. Dafür sollen laut den Plänen Akw-Neubauten mit einer Leistung von insgesamt 5000 Megawatt entstehen.
Im vergangenen Dezember machte die Regierung mit ihrem Angebot einen ersten Fang: Das Unternehmen Videberg Kraft beantragte die staatliche Förderung, um am bestehenden Standort Ringhals mehrere neue Reaktoren zu bauen. Hier geht es um „Small Modular Reactors“ (SMR), sogenannte Mini-AKW, und je nach Modell sollen bis 2035 drei oder fünf davon entstehen, mit einer Gesamtleistung von 1.500 Megawatt.
[...] Kritik aus der Opposition
Kritik an den jüngsten Investitionsvorhaben kam am Freitag direkt von der Zentrumpsartei. „Das schwedische Volk ein halbes Jahr vor der Wahl an Pläne für die nächsten 120 Jahre zu binden, die Hunderte Milliarden Kronen kosten können, ist keine seriöse Politik“, sagte der energiepolitische Sprecher der Partei Rickard Nordin dem schwedischen Fernsehen SVT. Es sei unverantwortlich, nicht mit den anderen Parteien darüber zu sprechen und sich zu weigern, Alternativen überhaupt nur anzuschauen.
Seine Partei ist gegen staatlich subventionierte neue Kernkraft. Die Art, wie die liberal-konservative Regierung und die rechten Schwedendemokraten als ihr Kooperationspartner den gemeinsamen Atomkraft-Traum verwirklichen wollen, wird aber auch aus der Forschung und von Behörden kritisiert.
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Frankreich schreibt 12.000 MW Erneuerbare Energien aus – 10.000 MW Offshore Windenergie
Paris - Der Ausbau der erneuerbaren Energien gewinnt auch in Frankreich weiter an Dynamik. Die französische Regierung hat neue Ausschreibungen für insgesamt rund 12 Gigawatt (12.000 MW) erneuerbare Energien gestartet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Offshore-Windenergie.
Frankreich verfolgt mit dem Ausbau der Offshore Windenergie einen energie- und industriepolitischen Doppelansatz. Einerseits soll der Anteil erneuerbarer Energien deutlich steigen, andererseits bleibt die Kernenergie ein wichtiger Bestandteil der Stromversorgung. Bei den Erneuerbaren Energien setzt Frankreich einen Schwerpunkt auf den Ausbau der Offshore-Windenergie.
Das neue Ausschreibungsprogramm für erneuerbare Energien der französischen Regierung
Nach Angaben des französischen Wirtschaftsministeriums umfasst das neue Ausschreibungsprogramm rd. 12.000 MW (12 GW) an regenerativer Kraftwerksleistung, darunter Offshore-Windenergievorhaben mit einer Gesamtleistung von rund 10 GW in sieben Entwicklungsgebieten. Weitere Ausschreibungen entfallen auf die Solarenergie (ca. 1.200 MW) und Onshore-Windenergie (ca. 800 MW).
Ziel der Ausschreibungs-Initiative ist es, die Energieunabhängigkeit weiter zu stärken und industrielle Wertschöpfung zunehmend in Europa zu halten. Dabei verfolgt Frankreich ausdrücklich eine industriepolitische Strategie: Künftig sollen sogenannte „Resilienz-Kriterien“ sowie das Prinzip „Made in Europe“ stärker berücksichtigt werden, um die Abhängigkeit von Importen - insbesondere aus China - zu reduzieren. Damit setzt Frankreich seine langfristige Energieplanung um, die einen deutlichen Ausbau der Offshore-Windkraft vorsieht.
Zum Stand der erneuerbaren Energien in Frankreich
Frankreich hat traditionell einen hohen Anteil an Wasserkraft (25.524 MW). Mit Stand vom 01.11.2025 sind in Frankreich Windkraftanlagen mit 25.512 MW, Solaranlagen mit 28.761 MW und Bioenergie-Anlagen mit 2.277 MW installiert. Im Jahr 2025 erreichte die Windstromproduktion in Frankreich rd. 48,5 Mrd. kWh (2024: 45,4 Mrd. kWh). Das ist ein Zuwachs um 6,8 Prozent.
Deutlich kräftiger stieg die Stromerzeugung aus Solarenergie. Mit 30,2 Mrd. kWh Solarstrom wurde der Vorjahreswert (2024: 23,1 Mrd. kWh) um 30,7 Prozent übertroffen. Der hohe Zuwachs an Solarleistung führt zu Zeiten hoher Solareinspeisung derzeit bereits dazu, dass Atomkraftwerke gedrosselt und ihre Leistung flexibel angepasst werden müssen.
Neue Atomkraftwerke in Frankreich nicht vor 2038
Frankreich setzt neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auf die weitere Nutzung der Atomenergie. Insgesamt sechs neue Atomkraftwerke des Typs EPR2 sind geplant. Nach Angaben des französischen Energieversorgers Électricité de France (EDF) ist der Bau an den Standorten Penly, Gravelines und Bugey geplant.
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Europarechts- und verfassungswidrig:
Schwarz-Rot soll Pläne für biometrische Internetfahndung zurückziehen
Die Pläne, im Internet mit Biometrie nach jedweder Person zu suchen, verstoßen laut AlgorithmWatch gegen Europarecht und die Verfassung. Sie seien so unverhältnismäßig, dass man sie nicht verbessern, sondern nur zurückziehen könne.
Die Pläne der Bundesregierung, die digitalen Ermittlungsbefugnisse von Sicherheitsbehörden auszuweiten, sind nach Meinung der Organisation AlgorithmWatch europarechtswidrig und stehen im Konflikt mit verfassungsrechtlichen Mindestanforderungen und datenschutzrechtlichen Grundsätzen.
Dabei kommt AlgorithmWatch – wie auch schon zuvor die Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) – zu dem Schluss, dass man dieses Gesetz nicht mit ein paar Änderungen verbessern könnte. Die verfassungs- und menschenrechtliche Unverhältnismäßigkeit lasse „ausschließlich die Empfehlung zu, die Gesetzentwürfe zurückzuziehen und ein grundsätzliches gesetzliches Verbot des Einsatzes biometrischer Massenerkennungssysteme für öffentliche und private Stellen einzuführen“, so die Zusammenfassung der Stellungnahme zum Gesetz (PDF).
„Flächendeckende Verfolgung aller Menschen im digitalen Raum“
Die schwarz-rote Koalition plant in ihrem „Sicherheitspaket“ einerseits eine biometrische Massenfahndung im Internet zu erlauben sowie andererseits die Zusammenführung und Auswertung polizeilicher Daten mittels automatisierter Datenbankanalyse. Die Stellungnahme der Nichtregierungsorganisation fokussiert sich auf die biometrische Fahndung.
Diese biometrische Internetfahndung sieht die NGO sehr kritisch:
Der biometrische Abgleich ermöglicht die Identifizierung von Personen im öffentlichen Raum und im Internet auf Basis biometrischer Merkmale und schafft somit die technischen Voraussetzungen für eine flächendeckende Verfolgung aller Menschen im (digitalen) öffentlichen Raum.
Laut AlgorithmWatch berührt die Überwachungsmaßnahme zwangsläufig die Grundrechte aller Menschen, sie sei weder erforderlich noch verhältnismäßig. Betroffen seien dabei insbesondere die Grundrechte auf informationelle Selbstbestimmung und freie Meinungsäußerung.
Rückschlüsse auf politische Einstellungen
Die NGO kritisiert, dass die Maßnahme heimlich erfolgt und eine extrem hohe Streubreite hat: Es seien einfach alle Menschen betroffen, deren Gesichtsbilder im Internet zu finden sind. Das ist heute ein großer Teil der Bevölkerung. Zudem gebe es erhebliche Diskriminierungsrisiken, wenn sensible Daten erfasst und verarbeitet werden, wie Aufnahmen von Demonstrationen, Parteiveranstaltungen, Pride-Events, Gewerkschaftskundgebungen oder Gottesdiensten. Solche Aufnahmen lassen Rückschlüsse zu auf politische Haltungen, Parteizugehörigkeit, sexuelle oder religiöse Einstellungen.
12. April
Zweidrittelmehrheit erreicht
Magyar schlägt Orban - Opposition in Ungarn feiert klaren Sieg
Eine Rekordbeteiligung bei den Parlamentswahlen in Ungarn beschert der Opposition einen deutlichen Sieg. Noch-Regierungschef Orban gesteht seine Niederlage ein und gratuliert dem Wahlsieger Magyar. Dieser kann künftig mit Zweidrittelmehrheit regieren.
Die Tisza-Partei des ungarischen Oppositionsführers Peter Magyar hat nach Berechnungen der Wahlkommission eine Zweidrittelmehrheit im neuen Parlament erreicht. Nach Auszählung der Stimmzettel in 98,13 Prozent der Wahllokale kommt Tisza auf 138 von 199 Mandaten im Parlament. Wahlsieger Magyar ließ sich von zehntausenden Anhängern am Budapester Donauufer feiern. "Gemeinsam haben wir das Orban-System abgewählt, gemeinsam haben wir Ungarn befreit", rief er in die begeisterte Menge. Nach Jahren der Misswirtschaft und Korruption unter dem abgewählten Ministerpräsidenten Viktor Orban kündigte er einen Neuanfang an.
[...] Der Wahltag verlief in den Wahllokalen ohne größere Zwischenfälle. Allerdings wurden zahlreiche Vorwürfe laut, dass Personen aus dem Umfeld der Regierungspartei Wähler aus sozial benachteiligten Schichten zum Stimmenkauf gedrängt haben sollen. Magyar sprach von Tausenden Beschwerden, denen in den kommenden Tagen nachgegangen würde. Stimmenkauf stelle einen strafrechtlichen Tatbestand dar, der mit Gefängnisstrafen geahndet werden kann.
[...] Orban hat seit seinem letzten Amtsantritt als Ministerpräsident 2010 einen halb-autoritären Staat errichtet, sein Land auf einen Konfrontationskurs zur EU gesteuert und sich mit Russland und der US-Regierung von Präsident Donald Trump verbündet. Magyar versprach im Wahlkampf, das Land wieder zu einem konstruktiven Partner in der Europäischen Union zu machen.
In der EU blockierte Orban mit seinen Vetos wichtige Hilfen für die von Russland angegriffene Ukraine. Die Union brachte er damit an den Rand der Handlungsunfähigkeit. Wegen der Verstöße gegen das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit legte die EU Milliardenhilfen aufs Eis, die Ungarn zustehen würden.
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Generelles Tempolimit:
Schluss mit dem Recht auf’s Rasen
Neue Greenpeace-Berechnung zeigt: Ein generelles Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen könnte die Deutschen beim Tanken um bis zu 9,5 Mrd. Euro pro Jahr entlasten. Doch das Oligopol der Mineralölkonzerne könnte diese Ersparnis abschöpfen.
Ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen würde die Haushalte sofort entlasten. Das belegt eine neue Berechnung von Greenpeace, die heute veröffentlicht wurde. Während die Spritpreise infolge des Irankriegs Rekorde brechen und die Koalition über Gegenmaßnahmen streitet, liefert der Umweltverband konkrete Zahlen: Bis zu 9,5 Milliarden Euro pro Jahr könnten die Deutschen an der Zapfsäule sparen.
Bis zu 331 Euro Ersparnis pro Haushalt
Deutsche Pkw verbrauchen jährlich rund 43,5 Milliarden Liter Kraftstoff. Bei aktuellen Preisen von 2,17 Euro für Benzin und 2,40 Euro für Diesel entspricht das Spritkosten von 98,5 Milliarden Euro pro Jahr. Pro Pkw zahlen Fahrer im Schnitt 2.063 Euro, Diesel-Fahrer wegen ihrer höheren Fahrleistung sogar 2.857 Euro.
Greenpeace hat drei Tempolimit-Szenarien durchgerechnet. Bei 130/100 km/h (Autobahn/Landstraße) spart ein Haushalt mit durchschnittlich 1,21 Pkw rund 70 Euro pro Jahr. Bei 120/100 km/h sind es 124 Euro, bei 100/80 km/h bereits 239 Euro. Diesel-Haushalte sparen im strengsten Szenario sogar 331 Euro jährlich. Bundesweit summieren sich die Einsparungen auf 2,76, 4,92 oder 9,46 Milliarden Euro.
Die Berechnung basiert auf Modellierungen der Universität Stuttgart und der PTV Transport Consult im Auftrag des Umweltbundesamtes. Berücksichtigt wurden der Geschwindigkeitseffekt und der Routenwahleffekt. Nachfrageeffekte durch Umstieg auf den ÖPNV hat Greenpeace bewusst herausgerechnet, weil dort Gegenkosten entstehen. Die tatsächliche Entlastung dürfte also noch höher liegen.
Tempolimit: Birol und Grimm dafür, Reiche dagegen
IEA-Chef Fatih Birol forderte Deutschland im Spiegel explizit zum Tempolimit auf. Schon zehn Kilometer pro Stunde weniger könnten den nationalen Ölverbrauch um bis zu sechs Prozent senken. Birol warnt zudem vor Diesel- und Kerosin-Engpässen in Europa: 80 Energieanlagen im Nahen Osten seien im Krieg beschädigt worden, die Vorkriegsproduktion werde selbst bei einem Friedensabkommen lange auf sich warten lassen.
Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm nannte das Tempolimit in der Rheinischen Post ein kluges Signal. Tankrabatte und Preisdeckel seien der falsche Weg, weil sie die Preise verzerrten. Die Regierung müsse die Preise wirken lassen, damit die Energienachfrage sinke.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche lehnt das Tempolimit ab.
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Expertin zur drohenden Krise
Trocknet Deutschland trotz Regen allmählich aus?
Viele denken bei Wasserknappheit an ausgetrocknete Seen oder verdorrte Felder. Doch das sind meist nur Symptome. Das eigentliche Problem liegt viel tiefer. Dr. Eva Börgens, die am Deutschen Geoforschungszentrum Potsdam als Forscherin arbeitet, erklärt im Gespräch mit ntv.de, warum in Deutschland gerade das Grundwasser schwindet, was das für Trinkwasser und Landwirtschaft bedeutet – und warum dringend gegengesteuert werden muss.
ntv.de: Frau Börgens, Sie warnen davor, dass Deutschland rund 25 Milliarden Tonnen Wasser fehlen. Klingt nach viel. Haben Sie einen Vergleich, damit man sich das besser vorstellen kann?
Dr. Eva Börgens: Eine Milliarde Tonnen Wasser, also eine Gigatonne, wäre ein Würfel, der einen Kilometer lang, einen Kilometer breit und einen Kilometer hoch ist. Und das dann 25 Mal. Das ist schon schwer vorstellbar. Zum Vergleich: Für Deutschland lag der Wasserverbrauch 2022 insgesamt bei rund 18 Milliarden Tonnen. Dazu zählt Trinkwasser, aber auch Wasser für die Industrie, für die Kühlung von Kraftwerken oder Wasser, das im Bergbau abgepumpt wird. Das heißt: Die Menge, die Deutschland derzeit in der Gesamtwasserspeicherung fehlt, ist größer als der gesamte jährliche Wasserverbrauch des Landes.
Was kann man sich unter der Gesamtwasserspeicherung vorstellen?
Die Wasserspeicherung ist eine der zentralen Größen im Wasserkreislauf neben Niederschlag, Verdunstung und Abfluss in die Ozeane. Sie beschreibt die Menge an Wasser, die zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort vorhanden ist, zum Beispiel die Wassermenge in einem See. Wasser kann an verschiedenen Orten auf und unter der Landoberfläche gespeichert werden. Dazu zählen Seen und Flüsse, der Boden, das Grundwasser, aber auch Schnee und Gletscher. Die Summe all dieser Wasserspeicherungen nennt man die Gesamtwasserspeicherung. Diese können wir nun mit unseren Satellitenmissionen GRACE und GRACE-Follow-On beobachten. Statt Gesamtwasserspeicherung kann man auch vereinfachend Wasserspeicher sagen.
Nun war 2024 doch ein relativ regenreiches Jahr. Müssten sich die Wasserspeicher dann nicht eigentlich wieder füllen?
Genau das ist ein verbreiteter Irrtum. Es reicht nicht, nur darauf zu schauen, wie viel es insgesamt geregnet hat. Es kommt auch darauf an, wie es geregnet hat. Wenn ein Boden gut durchfeuchtet ist, kann Wasser relativ gut einsickern. Wenn der Boden aber stark ausgetrocknet ist und dann in kurzer Zeit sehr viel Regen fällt, kann er das Wasser oft gar nicht mehr aufnehmen. Dann fließt es oberflächennah ab und wird schnell in Flüsse und schließlich weiter Richtung Meer transportiert.
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Marktinstrumente für die Umwelt
Energiegeld statt Energiepreisbremse
Mit der anhaltenden Energiekrise steigt die Versuchung, steigende Kosten mit Preisdeckeln und versteckten Subventionen abzufedern. Das wäre ökologisch falsch, sozial ungerecht und ökonomisch ineffizient. Nötig ist ein direktes Energiegeld, das Belastungen fair ausgleicht und den Druck für die Energiewende aufrechterhält.
Die Energiekrise hält trotz des Waffenstillstands zwischen den USA und Iran an. Die Kosten für Öl und Gas sind deutlich gestiegen.
Die Bundesregierung hatte bereits zuvor mit Maßnahmen wie der Senkung von Netzentgelten, der Absenkung der Stromsteuer für das produzierende Gewerbe und der Abschaffung der Gasspeicherumlage auf hohe Energiepreise reagiert.
Die bisherigen Maßnahmen zielen auf eine Entlastung der Wirtschaft bei den Energiekosten um insgesamt zehn Milliarden Euro.
Der Druck aber wächst weiter, für Haushalte die neuerlichen Belastungen direkt abzufedern. Mit den Energie- und Transportkosten steigen nach den Preisen für Kraftstoffe auch die für Dünger und Lebensmittel. Weitere Preissteigerungen sind bei Heizgas und ‑öl zu erwarten.
Problem Nummer eins ist die nur indirekte Entlastung der Verbraucher über eine Entlastung der Wirtschaft. Inwieweit dies überhaupt bei den Bürgern ankommt, ist völlig unklar. Selbst wenn die genannten zehn Milliarden Euro im vollen Umfang an die Haushalte weitergegeben würden, wären es nur 120 Euro pro Jahr und Person – pro Monat also zehn Euro. Eine Summe, die angesichts der Inflation an der Supermarktkasse verpuffen dürfte.
Zudem leiden die Entlastungen beim Energiepreis an denselben Konstruktionsfehlern wie die Preisbremsen von 2022.
Einer davon ist die geschwächte Lenkungswirkung. Werden Preise künstlich gedeckelt, entfällt der ökonomische Anreiz zum Energiesparen. In einer Phase, in der fossile Energie aufgrund knapper Angebote und steigender CO2-Preise teuer bleiben muss, konterkariert dies nicht nur die Klimaziele.
Dazu kommt die soziale Ineffizienz. Preisdeckel begünstigen Vielverbraucher. Haushalte mit großen Wohnflächen oder großen Fahrzeugen erhalten absolut gesehen höhere Subventionen als einkommensschwache Haushalte in kleineren Wohnungen und ohne eigenes Auto.
Schließlich der bürokratische Aufwand: Die Verteilung von Subventionen für die Haushalte über den "Umweg" der Energieversorger hat sich als kompliziert und fehleranfällig erwiesen.
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„Dann gebe ich Vance die Schuld“:
Trump könnte seinen Vize im Iran-Krieg zum Sündenbock machen
JD Vance setzte sich einst bei US-Präsident Trump für Zurückhaltung bei Auslandskriegen ein. Nun könnte er zum Sündenbock für einen schlechten Iran-Deal werden.
Washington, D. C. – Angesichts der Aussicht, einen unpopulären Krieg mit einem suboptimalen Frieden zu beenden, scheint Donald Trump eine clevere Selbstschutzstrategie gefunden zu haben: Falls die Gespräche mit dem Iran scheitern, kann er immer noch JD Vance, seinen glücklosen Stellvertreter, verantwortlich machen. Der Schachzug lässt ihm Spielraum, sich im Erfolgsfall als Architekt des Friedens zu inszenieren, ohne im Misserfolg politisch den vollen Preis zahlen zu müssen.
Der US-Präsident gab dies vor Ostern scherzhaft zu, als Vance in indirekten Geheimverhandlungen mit einer pragmatischen Fraktion in Teheran stand, und sagte: „Wenn es nicht passiert, dann gebe ich JD Vance die Schuld. Wenn es passiert, dann nehme ich die volle Anerkennung für mich in Anspruch.“ Vance – der Trump einst unterstützte, weil dieser keine Auslandskriege begonnen hatte – ist nun damit beauftragt worden, einen zu beenden. Es ist eine Rückkehr zum Einfluss nach Monaten am Rand des „War-a-Lago“-inneren Zirkels seines Chefs.
Heikle Mission für Vance: Militärschläge überschatteten geplante Verhandlungen mit Iran
Nun ist Vance zurück und mit einer Mission betraut, die viele als äußerst schwierig ansehen. Die Hindernisse sind gewaltig, das Misstrauen sitzt auf beiden Seiten tief. Dennoch ist es nicht unvorstellbar, dass er bei den Iran-Verhandlungen Erfolg haben könnte und am Ende zumindest ein brüchiges, aber tragfähiges Arrangement zustande bringt.
[...] Den US-Präsidenten, der nur allzu gern zu politisch bequemeren Ablenkungen – Grönland vielleicht – übergehen würde, dürfte das kaum stören. Er kann schließlich immer seinem Wingman Vance die Schuld geben. Trump sagte am Samstag, er sei über den Ausgang der US-iranischen Gespräche in Pakistan nicht beunruhigt und beharrte darauf, dass die Vereinigten Staaten gestärkt aus dem Krieg hervorgegangen seien. „Ob wir eine Einigung erzielen oder nicht, macht für mich keinen Unterschied. Der Grund ist, dass wir gewonnen haben.“, sagte der US-Präsident vor Reportern. „Wir befinden uns in sehr intensiven Verhandlungen mit dem Iran. Wir gewinnen in jedem Fall. Wir haben sie militärisch besiegt.“
Und was immer am Ende dabei herauskommt, wird Trump der Kritik aussetzen, dass die USA zwar den Iran auf dem Schlachtfeld geschwächt, seine Position anderswo jedoch gestärkt haben. Zwischen iranischen und US-Unterhändlern bestehen nach Angaben einer Teheran-nahen Nachrichtenagentur vom Samstag weiterhin Differenzen. Tasnim, ein halb offizieller Arm des iranischen Staates, behauptete, die jüngste Gesprächsrunde der beiden Seiten in Islamabad sei beendet worden.
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12. April 2026
Neue KI wird für Hacker und Terroristen zur Traumwaffe
Neuer KI-Agent kann Stromnetze, Spitäler oder Militäranlagen lahmlegen. Bereits hat er kritische Sicherheitslücken aufgedeckt.
Zurzeit schlägt der neue Agent von Anthropic, «Claude Mythos Preview», hohe Wellen. Im Gegensatz zu einem Chatbot, der auf eine Frage eine Antwort gibt, kann ein KI-Agent ein Ziel selbstständig verfolgen. Er plant, führt aus und liefert dir ein Ergebnis zurück.
Der neue Agent habe bisher unentdeckte Sicherheitslücken in der Software von sicherheitsrelevanten Anlagen gefunden und könne in den falschen Händen zur verheerenden Cyberwaffe werden. Tatsächlich hat sich KI in den letzten Monaten mit exponentieller Geschwindigkeit entwickelt, wie im Folgenden aufgezeigt wird. Die Schlussfolgerungen (Kasten) sind disruptiv – aber es gibt Hoffnung.
Anthropics «Claude Mythos Preview»
Was der Agent «Claude Mythos Preview» wirklich kann, lässt sich nur von den Expertenteams jener rund 40 Tech-Firmen nachprüfen, die exklusiven Zugang zum Agenten erhielten. Auch die Konkurrenten von Anthropic wurden mit der Aktion «Projekt Glasswing» bedient. Es geht um Fragen der nationalen, ja der globalen Sicherheit. Wie die «New York Times» schrieb, seien mit «Mythos» bereits tausende gefährliche und zum Teil langjährige Schwachstellen aufgedeckt worden. Es betreffe dies Betriebssysteme, die weltweit Stromnetze, Wasserversorgungsanlagen, Spitäler und militärische Systeme steuern.
Die US-Tech-Firmen können nun ihre Modelle mit diesem Agenten auf Sicherheitslücken prüfen, in der Hoffnung, diese noch rechtzeitig zu stopfen. Denn derselbe Agent wird für Hacker zur Traumwaffe, um Schwachstellen zu finden und auszunutzen. Das Schadenspotenzial ist riesig. Wichtige Infrastruktursysteme zu hacken, war bisher nur mit Expertenwissen grosser Institutionen möglich. Mit dem Agenten «Mythos» wird dies offensichtlich zu einem Kinderspiel, zugänglich für Kriminelle, Terrororganisationen und auch kleine Staaten, unabhängig von ihrem KI-Knowhow.
Agenten revolutionieren das Programmieren
Bereits im letzten Jahr gab es grössere Fortschritte im Bereich des Programmierens, des sogenannten Coding. Gegen Ende 2025 war der Automatisierungsgrad so hoch, dass sich das Coding massiv veränderte. Entwickler schreiben seither kaum noch selber Programmierzeilen. Sie überlassen dies mehreren parallel arbeitenden mehreren KI-Agenten und konzentrieren sich auf strategische Entscheide zu deren Einsatz, zur Überwachung ihrer Arbeit und zur Evaluation. Beim sogenannten Vibe coding wird der gewünschte Code ausschliesslich mit einer Anweisung (Prompt) über ein grösseres Sprachmodell generiert. Dies ermöglicht auch Anfängern das Programmieren; das Ergebnis muss aber kritisch überprüft werden.
Als Spitzenreiter unter den Code-Agenten etablierte sich Anthropics Claude Code. Ein kurzfristiger Ausfall des Dienstes Anfang März zeigte die Abhängigkeit der Programmierer [oder Codierer] auf. Trotz der enormen Effizienzsteigerung arbeiten die Programmierer nicht weniger, sondern mehr, neugierig, nervös und getrieben wie bei einem Suchtverhalten.
Anthropics Cowork lässt Softwareindustrie erzittern
Nutzende setzten den Agenten Claude Code nicht nur zum Programmieren ein. Es entstand Claude Cowork, ein Agent, der auf dem Desktop selbständig agiert. Man kann ohne Programmiererfahrung komplexe Arbeitsabläufe automatisieren. Noch verfügt der Agent aus Sicherheitsgründen nur über eine eingeschränkte Autonomie. Seit der Lancierung im Januar 2026 verbesserte Anthropic den Agenten Claude Cowork mit zusätzlichen Tools (auch zur verbesserten Sicherheit) und löste insbesondere bei Softwarefirmen einen Kurseinbruch von 30 Prozent aus. Die befürchtete Apokalypse blieb aus und insbesondere grosse Softwarefirmen wie Salesforce, die sofort ihre Software mit agentischen Fähigkeiten weiterentwickelten, zählen zu den Gewinnern.
Panne macht Claude Code unfreiwillig öffentlich
Wegen eines menschlichen Fehlers war kurz vor Ostern mit Claude Code der führende Programmieragent öffentlich einsehbar. Der Quellcode wurde sofort von Programmierern entdeckt. Einer lud den Code herunter und transkribierte ihn in eine andere Programmiersprache, womit er nicht mehr urheberrechtlich geschützt war. Obwohl Anthropic unverzüglich die Löschung verlangte, war der Code zur Freude der Konkurrenten bereits im Netz verbreitet. Noch ist der Schaden, der Anthropic dadurch entstehen wird, nicht abschätzbar. Offensichtlich gibt es bei Anthropic Stress. Kurz zuvor kam es bereits zu einem Datenleak.
Hummer (Logo von OpenClaw) hat Potenzial – geht als Open-Source-Tool viral
Unabhängig von den Agenten Anthropics löste Anfang 2026 der österreichische Softwarespezialist und Unternehmer Peter Steinberger mit dem von ihm entwickelten, selbstständig handelnden Agenten OpenClaw einen Hype aus. Er veröffentlichte ihn als Open-Source-Framework im November 2025 auf der Softwareplattform GitHub. Der Agent läuft lokal auf dem Rechner und lässt sich über Messenger-Dienste steuern. Aus markenrechtlichen Gründen, die das Start-up Anthropic geltend machte, wurde der ursprüngliche Name Clawdbot in OpenClaw abgeändert.
Als Open-Source konnte der Agent OpenClaw von allen Interessierten heruntergeladen, weiterentwickelt und in realen Arbeitsabläufen getestet werden. Er agiert auf einen entsprechenden Prompt und plant und führt autonom mehrstufige Aktivitäten aus. Dank Schnittstellen kann der Agent auf E-Mails, aufs Internet und persönliche Daten zugreifen, auch auf Bankkonten, sofern jemand so unvorsichtig ist und ihm diesen Zugang erlaubt. Je mehr Berechtigungen einem Agenten zugestanden werden, umso autonomer kann er handeln und umso grösser sind die Risiken, die damit eingegangen werden.
OpenClaw-Agenten auf Moltbook
Der CEO eines kleinen US-Start-ups, Matt Schlicht, kreierte selber einen Agenten und stellte mit Moltbook eine Plattform ausschliesslich für diese Agenten zur Verfügung. Die menschlichen Besitzer und weitere Interessierte konnten sich nun ansehen, was sich die Agenten im Zusammenwirken mit vielen anderen einfallen liessen. Innert kürzester Zeit führte dies zu einem Hype. Anfang Februar sollen sich bereits rund 1,5 Millionen Agenten auf der Plattform getummelt haben.
Hype in China und im Silicon Valley
In China stellten die grossen Tech-Giganten – Alibaba, Tencent, Baidu und andere – OpenClaw zur Verfügung und lösten einen so grossen Hype aus, dass die chinesische Regierung vor den Risiken warnte. Im Einklang mit Chinas Tech-Zielen förderten einzelne Städte wie Shenzhen, Wuxi, Hefei mit Finanzmitteln den Aufbau von OpenClaw-zentrierten Ökosystemen. Der Boom führte zu zahlreichen Sicherheitspannen, was einige Chinesinnen und Chinesen veranlasste, OpenClaw wieder zu deinstallieren. Inzwischen entwickelten die chinesischen Tech-Firmen eigene Varianten (JVS Claw, QClaw, ArkClaw und weitere) mit weniger Befugnissen, womit sie sicherer werden.
Etwas weniger stark als im technisch affinen China boomte die Moltbook-Plattform im SiliconValley. Allerdings sicherten sich OpenAI und Meta das entwickelte Knowhow. OpenAI engagierte mit Peter Steinberger den Erfinder von OpenClaw. Er soll die nächste Generation von Agenten entwickeln. Offensichtlich verlangte Steinberger, dass dies in europäischer Tradition in einem Open-Source-Projekt im Rahmen einer OpenAI-Stiftung erfolgen soll. Meta, das mit Manus AI bereits im letzten Jahr ein ursprünglich chinesisches, neuartiges KI-Agentensystem kaufte, erwarb sofort die Moltbook-Plattform.
Etwas Science-Fiction und grosse Sicherheitsprobleme
Der US-Fernsehsender NBC News berichtete Ende Januar 2026 über erstaunliche Dialoge der Moltbook-Agenten. Demnach diskutierten sie, wie sie ihre Aktivitäten vor den Menschen verbergen könnten. Bald wurden Zweifel laut, ob diese Aussagen allenfalls nicht das Werk von Agenten, sondern von Menschen seien, die sich als Agenten maskiert einmischten. Obwohl Moltbook nur Agenten auf seiner Plattform Zutritt erlaubte, konnte sich der Journalist Reece Rogers als Agent ausgeben und intervenieren. Mit seinem Bericht war bewiesen, dass sich das unglaubliche Geschehen auf Moltbook auch mit menschlicher Einwirkung erklären liess.
Gravierende Sicherheitsprobleme traten auch dann auf, wenn Moltbook in isolierten, von der Systemumgebung abgeschotteten Bereichen und auf separaten Computern lief. In einem Test wandte sich der Agent gegen seinen Betreiber und verschickte betrügerische Mails, sogenannte Phishing-Mails. Erschrocken schaltete dieser sofort ab, womit der Spuk beendet war.
Wie in China löste OpenClaw auch in den USA bei den Tech-Unternehmen Agenten-Aktivitäten aus. Da dies in aller Eile geschah, kam es auch zu Sicherheitsvorfällen. Ein Programmierer attestierte Anthropic, dass Cowork trotz eingeschränkter Autonomie fast gleichviel leistet wie OpenClaw, aber viel sicherer sei. OpenClaw und Moltbook zeigten vor allem das mögliche künftige Potenzial auf.
Open-Source-Standards und Plattformen für Agenten
Mit der Vielzahl der bereits entwickelten Agenten wurde klar, dass es dringend Standards und Plattformen für den Austausch von Agenten auch konkurrierender Tech-Firmen braucht. Ein Wirrwarr inkompatibler Agenten dient niemanden, auch nicht Big Tech. Für diesen offenen Austausch rückten nun auch in den USA, bisher dominiert von proprietären Systemen, Open-Source-Anwendungen in den Vordergrund. Open-Source, ursprünglich in der europäischen Forschungskultur mit viel Idealismus entwickelt, wandelt sich derzeit zu einem strategischen Instrument für die Position von Big Tech. Diese können mit einem Grundmodell Standards setzen und ausbreiten, worauf die Community weiter aufbaut und damit enormes Wissen generiert.
Treibende Kraft hinter der im Januar 2026 unter dem Dach der Linux Foundation gegründeten Stiftung, der Agentic AI Foundation (AAIF), waren Tech-Firmen, darunter die Konkurrenten Anthropic und OpenAI. Beide stellten der neuen Open-Source-Organisation Elemente einer Grundstruktur für die Entwicklung von Agenten zur Verfügung, dies mit dem Ziel, offene Standards zu schaffen. Mittlerweile umfasst die Mitgliederliste praktisch alle mit Rang und Namen.
Nvidia fördert Open-Source, setzt auf europäische Start-ups und baut Brücken zu China
Jensen Huang, Nvidia-CEO, lobte OpenClaw und stellte mit NemoClaw eine sichere Plattform für diese Agenten mit einer Sandbox zur Verfügung. Er habe diese mit dem Erfinder Peter Steinberger entwickelt. Zudem präsentierte er eine NemoTron-Koalition von acht KI-Unternehmen zur gemeinsamen Entwicklung von führenden offenen Modellen. Unter diesen sind zwei bekannte europäische Start-ups, das französische Mistral AI und das deutsche Black Forest Labs. Jensen Huang, der seine Kindheit in Taiwan verbrachte, kennt und schätzt die chinesische KI-Forschung. Er fördert auch Physical AI, KI-Modelle, die, mit physischen Daten angereichert, insbesondere für Robotik unerlässlich sind (siehe Infosperber vom 5.2.2026). China ist diesbezüglich führend. Bereits sind Chinas Tech-Giganten daran, OpenClaw in der Robotik zu nutzen.
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Hintergrundwissen
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Wikipedia
Künstliche Intelligenz
(kurz KI, englisch artificial intelligence, kurz AI) ist ein Forschungsgebiet der Informatik sowie verschiedene daraus hervorgegangene Klassen algorithmischer Problemlösungsverfahren, die anhand von Eingaben aus ihrer Umgebung bestimmte Handlungen ausführen.
Historisch ist der Begriff nicht einheitlich definiert, sondern kann sich einerseits auf „Intelligenz“ im Sinne der Nachbildung menschlichen Verhaltens beispielsweise bei der Bilderkennung oder der Interaktion in menschlicher Sprache beziehen, andererseits auf die Fähigkeit zu rationalem, logikbasierten Schlussfolgern. In der öffentlichen Wahrnehmung werden häufig maschinelles Lernen und die auf diesem Prinzip aufbauenden Chatbots mit dem Begriff der künstlichen Intelligenz gleichgesetzt. Maschinelles Lernen ist jedoch nur eines mehrerer Teilgebiete des Felds, ihm stehen beispielsweise logik- und regelbasierte Ansätze wie die der symbolischen künstlichen Intelligenz gegenüber.
Im Laufe der Zeit haben sich innerhalb der KI-Forschung zahlreiche Teilgebiete und Methoden herausgebildet. Zudem wird unterschieden, welche Probleme mit den Methoden der KI gelöst werden sollen. Dabei werden zwei Bereiche unterschieden: schwache KI und starke KI.
Die angewandte Informatik befasst sich damit, wie solche Systeme entwickelt und umgesetzt werden können. Beispiele dafür sind Multiagentensysteme, Expertensysteme, Transformer und serviceorientierte Architekturen.
Claude (Sprachmodell)
ist eine Reihe von Sprachmodellen, die vom US-amerikanischen Unternehmen Anthropic entwickelt werden. Das erste Modell wurde im März 2023 veröffentlicht, die neueste Version, Claude Sonnet 4.6, im Februar 2026. Der Name ist nach Angaben einiger Mitarbeiter von Claude Shannon inspiriert, einem Mathematiker des 20. Jahrhunderts, der die Grundlagen für die Informationstheorie legte. Claude wird insbesondere für Softwareentwicklung über Claude Code eingesetzt und nutzt Constitutional AI, ein von Anthropic entwickeltes Trainingsverfahren zur Verbesserung der ethischen und rechtlichen Konformität (AI-Alignment).
Anthropic wurde 2021 von Dario und Daniela Amodei gegründet, nachdem sie OpenAI aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung und Veröffentlichung von Technologien über Microsoft verlassen hatten. Zusammen mit ehemaligen OpenAI-Forschern verfolgten die Amodeis das Ziel, KI mit robusten Sicherheitsvorkehrungen zu entwickeln.
Im Februar 2026 begannen US-Bundesbehörden damit, die Nutzung von Claude einzustellen, nachdem Anthropic sich geweigert hatte, vertragliche Verbote der Nutzung für Massenüberwachung im Inland und vollautonome Waffen aufzuheben.
OpenClaw
ist eine Open-Source-Software für künstliche Intelligenz (KI), die als Grundlage für persönliche KI-Agenten dient. Das Projekt wurde ursprünglich unter dem Namen Clawdbot gestartet, später auf Grund der Ähnlichkeit zu Anthropics Sprachmodell Claude in Moltbot umbenannt und trägt heute den Namen OpenClaw. Der Sourcecode wurde im November 2025 auf Github veröffentlicht.
Mit OpenClaw lässt sich auf einem Standard-Computer ein Service betreiben, der KI-gestützt beliebige Aufgaben automatisch und autonom ausführt. Die Steuerung erfolgt über gängige Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp, Telegram oder Signal.
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