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Die THTR-Rundbriefe aus 2007

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THTR Rundbrief Nr. 113, Mai 2007


Der HTR in China: „ ..... which orginally comes from Germany“ (1)

19 Seiten sind über Atomkraft in China in der „atw“ (Atomwirtschaft), dem Leib- und Magenblatt für schwärmerisch veranlagte Nuklearfetischisten, zu lesen. Es ist auch eine kleine Homage an Wang Dazong, der Anfang der 80er Jahre in den strahlend herausgeputzten Wallfahrtsorten Jülich und Aachen die reine Lehre von den absolut inhärent sicheren Hochtemperaturreaktoren (HTR´s) begierig in sich aufnahm und sie weitertrug bis in das riesige Land hinter der Großen Mauer, nach China. Hier wurde er in den 90er Jahren Präsident der Pekinger Tsinghua-Universität und bastelte sich sogleich einen eigenen HTR-Versuchsreaktor, um damit den Beginn einer neuen HTR-Ära auf diesem Kontinent einzuläuten. Die Weichen sind gestellt.
Im letzten Jahr wurde der „Mittel- und langfristige Entwicklungsplan zur Kernenergie 2005 – 2020“ verabschiedet. Er sieht unter anderem die Weiterentwicklung sogenannter fortschrittlicher Reaktorkonzepte vor. Hierzu gehört der HTR. Er ist einer von 16 Schlüsselprojekten von höchster Priorität. Nachdem der Versuchsreaktor bei Peking seit dem Jahre 2000 in Betrieb ist, soll ein 195 MW HTR auf der Halbinsel Shandong gebaut werden. Bis 1914 war das altes deutsches Kolonialgebiet – welch bedeutungsvoller Fingerzeig!
Baubeginn soll nach chinesischen Angaben 2009, die Inbetriebnahme 2013 sein. Etwas übereifrige berliner Ingenieure (2) von der Firma TETRA ENERGIE GmbH (Allee der Kosmonauten 28) datieren die Prognosen in der atw drei Jahre vor. Es kann ihnen offensichtlich nicht schnell genug gehen. Ungeniert geben sie zu: „China hat frühzeitig mit der Entwicklung der Nuklearindustrie begonnen, allerdings anfangs speziell für militärische Zwecke“ (S. 775). Der Zusammenhang bei der Herstellung nuklearer Brennelemente ist offensichtlich: „Die Yibin Nuclear Fuel Factory (Objekt 812) ist eines der 500 größten Unternehmen Chinas, in dem Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb (einschließlich Export) zusammengefasst sind. Anfangs war die Anlage Teil des Kernwaffenprogramms, sie war auf die Plutonium-Produktion und –verarbeitung, die Fertigung von Pu-Brennelementen sowie die Produktion von Tritium und Lithium-6 ausgerichtet“ (S. 780).
Und in diesem Zusammenhang kommen die atw-Autoren auf die Kugelbrennelemente des Hochtemperaturreaktors zu sprechen: „Eine Fertigung von HTR-Brennstoff wurde bei Peking errichtet und 1997 in Betrieb genommen. Ihre Kapazität beträgt 0,5 kg Uran pro Tag (entspricht ca. 100 Grafitkugeln pro Tag). Diese wurde zur damaligen Zeit für den HTR-Pilotreaktor (10 MWth) als ausreichend angesehen“ (S. 780). Betreiber des neuen HTR´s auf der Halbinsel Shandong wird die China National Nuclear Corporation (CNNC) sein. CNNC ist ein landesweites staatliches Unternehmen (Holding) unter direkter Führung durch die Regierung, Präsident und Vizepräsident werden vom Vorsitzenden des Staatsrates ernannt. Mit der Bildung der CNNC wurde die Integration der militärischen Produktion mit der zivilen Nutzung der Kerntechnik erreicht“ (S. 782). Eine geschönte Umschreibung der Tatsache, dass Atomkraft und die Produktion der Atombombe nicht zu trennen sind.
Bereits 1986 wurden Lieferverträge mit Framatome (Frankreich) für die Lieferung des zweiten Atomkraftwerks in China in der Nähe von Hongkong abgeschlossen. Ein umfassender Technologietransfer-Vertrag wurde mit Framatome im Jahre 1992 ratifiziert. Dieser Konzern ist also gut auf dem chinesichen Nuklearmarkt positioniert. Zusammen mit Siemens als Bestandteil der heutigen AREVA-Gruppe (3) forscht er EU-weit an der Weiterentwicklung der HTR-Linie. Hier bahnen sich in Zukunft sicherlich gute Geschäfte an. Ähnlich wie bei den unter deutsch-kaiserlichem Protektorat fördernden Kohlegruben vor 1914 in China. Gleicher Ort, nur 100 Jahre später.

Horst Blume

Wang Dazong), Präsident der Tsinghua-Universiät, und der bayrische Ministerpräsident Stoiber unterzeichneten bereits 2002 ein Forschungs-Kooperationsabkommen zwischen der Universität Qingdao in der Provinz Shandong (Standort des neuen THTR!) und der Uni Peking mit der Technischen Universität München. Das Forschungs-AKW in Garching ist ebenfalls Bestandteil dieser Kooperationsvereinbarung.

Anmerkungen:
1. Zuoyi Zhang und Yuliang Sun von INET (Tsinghua Universität) in „atw“ 12/2006, Seite 792
2. Jürgen Kraemer und Horst Bauer in „atw“ 12/2006 „Nutzung der Kernenergie in China“
3. Zu AREVA siehe THTR-Rundbriefe Nr. 94 und Nr. 96

 

Die nukleare „Rattenlinie“, Teil 2

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Im Teil 1 des Artikels habe ich berichtet, dass das Essener Hochdruck Röhrenwerk (EHR) mit seinem Zweigwerk in Dortmund nicht nur Teile für den THTR in Südafrika, sondern auch für das 1995 nur zu 80 Prozent fertiggestellte Atomkraftwerk Atucha 2 in Argentinien baut. Mit diesen Geschäftsbeziehungen steht das EHR in einer unrühmlichen geschichtlichen Kontinuität.

Die „arische“ Atombombe

„Der Traum großdeutscher Nazis scheint in Erfüllung zu gehen. ‚Deutsch-arische Wissenschaftler‘ werden endlich das zustande bringen, was ihnen die ‚Vorsehung‘ mit dem Zusammenbruch des 1000jährigen Reichs am 8. Mai 1945 verwehrte: Den Bau einer arischen Atombombe. Nur einen Schönheitsfehler wird dieser Traum deutscher Alt- und Neonazis sowie ihrer langjährigen ‚Freunde‘ in bekannten Wirtschaftsunternehmen haben. Die Atombombe wird im Ausland gebaut, in Argentinien, Brasilien oder Südafrika, und liegt damit noch nicht direkt in der Verfügungsgewalt der Groß-Deutschen selbst.“ (8)
Doch der bereits oben genannte Altnazi Ronald Richter schaffte ein wenig Abhilfe. In Bariloche, am Fuße der Anden und in chilenischer Grenznähe gelegen, gründete er das argentinische Atomforschungszentrum. Bariloche ist die deutsche Kolonie in Argentinien schlechthin, der Fluchtpunkt vieler Nazis. Hier träumten sie gemeinsam mit den Leitern des Atomzentrums von einer zukünftigen Plutonium- und Wasserstoffbombe. Von Bariloche mit seinen zahlreichen deutschen Schulen und Vereinen wird am Ende des Artikels noch die Rede sein.
Warum nur interessierten sich gerade Nazis so sehr für die Atomtechnologie? Robert Jungk zitiert in seinem Buch „Der Atomstaat“ den jüdischen Physiker Grünbaum: „Sie müssen sich schon zu einem frühen Zeitpunkt gesagt haben, daß hier eine Schlüsselindustrie entsteht, die einmal alle anderen an Machtfülle und Einfluß überflügeln würde.“ (9) So etwas zieht Nazis, Militärs und große deutsche Konzerne magisch an.
„Diese Technologie – in Deutschland von ihrem Ursprung her mit den militärischen Absichten des Faschismus verbunden – bedingt nach ihrem späteren  ‚Umschlagen‘  von  der  militärischen in die sogenannte ‚friedliche‘ Nutzung zu ihrer politischen Durchsetzung und zu ihrer Überwachung autoritäre, wenn auch nicht unbedingt faschistische Strukturen. (...) Die für die Atompolitik typischen verflochtenen administrativen Apparate und ihre schwer durchschaubaren Entscheidungsstrukturen und Auswirkungen entziehen sich sogar weitgehend den traditionellen Entscheidungsgremien – wie Parlamente und Parteien – und konzentrieren sich vor allem auf einen engen Kreis beteiligter Interessen.“ (10)
In den 50er Jahren akzeptierte die Adenauer-Regierung die vieldeutige westdeutsche Selbstverpflichtung, „auf eigenem Boden“ (!) keine Atomwaffen herzustellen. „Diese Erklärung hindert die BRD juristisch nicht daran, auf ausländischem Territorium Atomwaffen herzustellen – z. B. in Südafrika, Brasilien oder Argentinien. (...) Die BRD hat in allen Phasen des argentinischen Atomprogramms als Berater gewirkt und zugleich selbst von den Ergebnissen profitiert. So bezog sie bereits 1961  5 t Uran aus Argentinien.“ (11)
Es war geradezu eine deutsche Spezialität, Nukleargeschäfte mit Diktaturen zu machen.

Atucha I: BRD-Hilfe für die Diktatur
1974 ging der Natururan-Reaktor Atucha I in der Nähe der Hauptstadt Buenos Aires in Betrieb. Siemens hatte in aller Stille diesen Reaktortyp entwickelt,   damit  Argentinien  nicht  von  den Brennstofflieferungen der USA abhängig sein würde. Besonders brisant: Bei Schwerwasser-Reaktoren fällt besonders viel Plutonium an, das für militärische Zwecke genutzt werden kann.
Bei der Finanzierung half die BRD ebenfalls: „ Die Bundesregierung half nach Kräften beim Abschluß nach, unter anderem mit einem 100 Mio-DM-Kredit zu besonders günstigen Konditionen und einem weiteren Kredit über die Kreditanstalt für Wiederaufbau.“ (12)

Atucha II: Die unendliche Geschichte
Nun kommen wir endlich zu dem Reaktor, der mit Hilfe der EHR in Dortmund nach 12 Jahren Stillstand zuende gebaut werden soll. 1979 standen sich die Kraftwerk Union (KWU) und die kanadische Firma AECL als Konkurrenten gegenüber, um den geplanten 745 MW-Natururanreaktor zu bauen. Obwohl das deutsche KWU-Angebot 400 Mill. Dollar teurer war, erhielt es von der Militärregierung den Zuschlag. Warum?
Die KWU bot der argentinischen Regierung ein breites Kooperationsabkommen an, in der der besonders brisante atombombenrelevante Teil von einer ganz bestimmten dortmunder Firma geliefert werden sollte: „Der Bau der Schwerwasseranlage sollte der Hoechsttochter UHDE aus Dortmund in Auftrag gegeben werden.“(13)
Die US-amerikanische Regierung wurde auf den sich anbahnenden Deal aufmerksam und hellhörig. Schwerwiegende diplomatische Verwicklungen bahnten sich an, da die BRD mit der Lieferung der Schwerwasser-Produktionsanlage den Bau einer argentinischen Atombombe möglich machte. Zudem verhinderten kanadische Hafenarbeiter und eine diktaturkritische Solidaritätsbewegung bereits die termingerechte Auslieferung einer Ladung Schweren Wassers nach Argentinien.
Um einen Ausweg war die bundesdeutsche KWU nicht verlegen. Die Schwerwasseranlage war schnell aus dem Vertragsentwurf verschwunden. Die KWU lieferte nur das AKW – und die schweizer Firma Sulzer die umstrittene Schwerwasseranlage. Die BRD konnte ihre Hände in Unschuld waschen. Vor dem Sulzer Firmengebäude in Winterthur demonstrierten 1980 immerhin 1500 Menschen gegen die Beihilfe zur Produktion der Atombombe.
Die BRD half den Militärs noch in einem weiteren wichtigen Punkt: „Mit der Bewilligung eines 1,1 Mrd. DM Kredits wurden zunächst einmal die finanziellen Rahmenbedingungen geschaffen.“ (14) Und alles schön abgesichert durch staatliche Hermes-Bürgschaften.
Mit der gleichzeitig im Bau befindlichen Wiederaubereitungsanlage Ezeiza war Argentinien auf dem Weg, einen autonomen nuklearen Brennstoffkreislauf zu schaffen. Dies stellte ein großes Risiko dar: Das Atomprogramm lag von Anfang an in den Händen der Militärs, die ihre eigene Politik machen wollten und sich nicht von Anderen in ihre Politik hereinreden lassen wollten. In den 70er Jahren gewährte Argentinien sogar faschistischen italienischen Attentätern Zuflucht (15).

Auferstanden aus Ruinen...
Durch den rapiden wirtschaftlichen Abstieg Argentiniens und den damit verbundenen finanziellen Engpässen konnte weder Atucha 2 zuendegebaut, noch die Wiederaufarbeitung realisiert werden. 1997 wurde zwar die Privatisierung von Atucha 2 beschlossen, aber nicht durchgeführt (16). Erst Anfang 2006 kam wieder Bewegung in das Atomkarussel, wie das Argentinische Tageblatt berichtete: „Nach einer Woche langen Verhandlungen in der Siemenszentrale kamen E. Messi, Präsident der Nucleoelectrica Argentina (NASA), und L. Antunez, Generaldirektor des Kernkraftwerkbetreibers, zu dem Schluss, dass mit der Zusammenarbeit der Framatomgruppe für die Fertigstellung von Atucha II nicht gerechnet werden könne“(17). Doch ein paar Monate später verkündete der Planungsminister De Vido einen ersten Erfolg. „Aus ‚pragmatischen und strategischen Gründen‘ werde ‚das ganze wissenschaftliche, technologische und industrielle  Spektrum reaktiviert‘ – einschließlich der Urananreicherung“ (18).
Atucha 2 soll bis zum Jahre 2010 fertiggestellt werden, was 600 Millionen US-Dollar kosten wird. Insgesamt werden 3,5 Milliarden Dollar in das Atomprogramm fließen (19). Federführend beim Weiterbau von Atucha 2 soll der kanadische Betrieb AECL sein, der unterlegene Konkurrent der KWU von 1979. „Siemens habe den Argentiniern allerdings sämtliche Originalpläne ‚umsonst‘ überlassen“ schrieb das ND. Kein Wunder, denn selbst AKW-Befürworter kritisieren die veraltete Technik von Atucha 2 und sprachen sich für den Umbau in ein Gas- und Dampf-Kraftwerk aus.
Auch heute noch will Argentinien nicht gegenüber Brasilien ins Hintertreffen geraten. Der große Nachbar hat bereits 2006 mit dem Bau einer Urananreicherungsanlage begonnen und sich damit eine militärische Option offengehalten. Das dumme, alte Spiel geht also wieder von vorne los. Es ist natürlich die Frage, ob Argentinien das finanziell auf Dauer durchhalten kann. Aber schon stehen Länder wie Venezuela, Peru und Andere auf der Matte und wollen von Argentinien Kerntechnik haben. Besonders bei Venezuela als großem Erdölland ist es allzuoffensichtlich: Hier soll nicht ein Energieproblem gelöst werden, sondern zusammen mit dem neuen, antisemitisch eingestellten Verbündeten Iran an einer Atombombe gebastelt werden. „Linke“ und rechte Militärs unterscheiden sich in ihrem Bestreben, notfalls zum äußersten Mittel zu greifen, nicht allzusehr.

Epilog: Die Vergangenheit ist nicht vergangen
„Ach, guten Tag Frau Kappler, haben sie auch alles bekommen?“ – Kappler? War das etwa die Frau des Massenmörders Kappler, der in Italien Tausende von Juden umbringen ließ? Und seine Frau hatte ihn später aus dem italienischen Gefängnishospital in einem großen Koffer heimlich herausgeschmuggelt und nach Deutschland gebracht, wo er unbehelligt blieb? – „War das wirklich die Frau vom Massenmörder Kappler?“ fragte ich neugierig. Franz zischte mir unfreundlich zu: „Was Sie wieder denken!“ (20) - Ja, ich hatte während meines Landbau-Praktikums an diese Frau Kappler biologisches Gemüse verkauft und fing an, mich auch für den Mitarbeiter ihres Mannes, den SS-Mann Erich Priebke zu interessieren. Dieser war im März 1944 in Italien für ein Massaker in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom verantwortlich und legte beim Morden selbst Hand an. Es wurden 335 Menschen getötet, davon 75 Juden.
Ich horchte also auf, als ich 1994 in der Wochenzeitung „Freitag“ las: „Ich hol‘ noch schnell Schinken beim Nazi. Im argentinischen Bariloche kannten fast alle die Vergangenheit des SS-Mannes Erich Priebke“ (21). Der Massenmörder hatte es in dem Luftkurort – „Häuser wie in Oberammergau“ schrieb der Spiegel 1995 (22) – und Nuklearzentrum recht bald vom Fleischer zum Vereinsvorsitzenden des „Deutsch-Argentini-schen Kulturverbundes“ gebracht. Hier fröhnte ebenfalls der Held der Deutschen NS-Luftwaffe Oberst Rudel seiner Skileidenschaft und KZ-Arzt Mengele hielt sich hier auf, bevor er nach Brasilien weiterzog.
Der Antisemitismus war bzw. ist in Argentinien übrigens recht verbreitet. Kein Wunder, bei diesen Zugezogenen, möchte man meinen. 1992 wurde ein Bombenattentat auf die israelische Botschaft verübt (29 Tote, 300 Verletzte) und 1994 ein Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires. Dies war der massivste Gewaltakt gegen Juden außerhalb des Staates Israel mit 86 Toten und 300 Verletzten.
Erst nachdem ein US-Fernsehteam Priebke in Bariloche „entdeckte“, mußte Argentinien ihn 1996 an Italien ausliefern, die BRD war nicht interessiert. Die Kette von Justizpannen, milden Urteilen, Revisionen und der Schützenhilfe durch deutsche und italienische Faschisten für einen der Ihren würde ein ganzes Buch füllen. Die öffentliche Aufregung war und ist noch immer riesengroß, weil in Italien bei vielen Menschen noch ein sehr waches Bewußtsein über die Greueltaten der Faschisten vorhanden ist. Bei jedem seiner Anträge auf Haftverschonung oder Umwandlung der Haft in Hausarrest in einem Kloster kommt die Geschichte des inzwischen hochbetagten und heute immer noch uneinsichtig provozierenden Priebke wieder hoch.
Warum konnte Priebke 47 Jahre lang in Bariloche unbehelligt leben, obwohl die deutschen Behörden von seinem Aufenthaltsort wußten und er öfters in der BRD zu Besuch war? Die Antwort führt uns zur dortmunder Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Verbrechen und zum für diesen Fachbereich zuständigen hammer Generalbundesanwalt Herman Weissing. Der „Westfälische Anzeiger“ berichtete 1996: „Weissing räumte ein, daß die Staatsanwälte nichts unternommen hätten, um Priebke zu finden, als sie von 1963 bis 1971 erstmals gegen ihn ermittelten – ‚ein eklatanter Fehler, der nicht hätte passieren dürfen‘. Priebke lebte zu dieser Zeit unter seinem richtigen Namen in Argentinien und ließ sich seit 1952 bei der deutschen Botschaft auch seinen Paß immer wieder verlängern“ (23)
Und es kommt noch schlimmer. Der Westfälische Anzeiger titelte: „Ex-NSDAP-Mitglieder ermittelten Nazi-Taten“ – nicht (!), hätte das Blatt besser hinzufügen sollen. Es ist unfassbar, dass ehemalige NS-Juristen in der Zentralstelle in Dortmund mit der Ermittlung und „Verfolgung“ Ihrer Gesinnungsgenossen betraut wurden. „Aus diesem Personenkreis waren acht Behördenleiter in der NS-Zeit Mitglied der NSDAP oder ihr angeschlossener Organisationen gewesen“ (24).
Die einzelnen Elemente des magischen Dreiecks „Faschisten, Atombombe und Verbrechen“ standen zueinander in sehr enger Beziehung und bedingten vielfach einander. Das Vergangene ist nicht wirklich vergangen, sondern wirkt bis heute fort. Die einzelnen Tatorte sind miteinander verwoben. Bisher wenig beachtete Verbindungslinien werden sichtbar, manche dieser Orte liegen direkt vor unserer Haustür und haben sehr viel mit uns selbst zu tun.

Horst Blume

Lesen Sie auch Teil 1 und Teil 3 dieses Artikels ...


Anmerkungen:
8. „Der Griff nach der Bombe. Das deutsch-argentinische Atomgeschäft“. Herausgeber: Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile – Lateinamerika (FDCL), 1981, Seite 9
9. Robert Jungk „Der Atomstaat“, 1977, Seite 128
10. Siehe unter 6.: Seite 41
11. Siehe unter 8, Seite 12 und 16
12. Siehe unter 8, Seite 20
13. Siehe unter 8, Seite 22
14. Siehe unter 8, Seite 23
15. Siehe unter 8, Seite 60
16. Ricardo Gamboa Valenzuela: „Der Einfluss der Politik auf Wirtschaftsreformen“, 2003, Seite 210
17. Argentinisches Tageblatt, 4. 3. 2006
18. TAZ, 26. 8. 2006
19. Neues Deutschland, 25. und 30. 8. 2006
20. Horst Blume: „14 Szenen über Gärtner und Mörder“ in „Ökolinx“ Nr. 14, 1994
21. Freitag, 1. 7. 1994
22. Der Spiegel, 39/1995, Seite 98
23. Westfälischer Anzeiger, 23. 8. 1996
24. Westfälischer Anzeiger, 27. 8. 1996

Urantransporte durch Hamm

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„Für dieses Aufgabenfeld ist nicht die Stadt Hamm zuständig, sondern der Bund bzw. die Länder“, schrieb uns die Stadtverwaltung Hamm und weigerte sich, unsere Fragen zu den Uranhexafluorid-Transporten nach Gronau zu beantworten (siehe letzte Ausgabe). Hammer Einsatzkräfte kommen zwar als Erste an einen möglichen Katastrophenort an, aber Hamm ist nicht zuständig. – Wie kommt das in den Medien an??
So: „Auskunft verweigert. Verwaltung verhält sich ‚hamm-typisch‘“ (Wochenblatt vom 11. 4. 2007). „Das ist ein Armutszeugnis. Ist Hamm für einen Strahlenunfall gerüstet?“ (Westfälischer Anzeiger vom 5. 4. 2007). „Verantwortung abwälzen, Auskunft verweigern“ (Sonntags Rundblick vom 1. 4. 2007). „Bürgerinitiative enttäuscht. Städte im Umfeld wie Münster, Lünen und Dortmund hätten auf die Fragen inhaltlich reagiert.“ (Radio Lippewelle vom 30. 3. 2007). Vielleicht bequemt sich der Herr Oberbürgermeister nach diesem fulminanten Medien-GAU ja doch noch ein bischen?
Die Gelegenheit erhält er doch gleich: Am 24. 4. 2007 formulierte die Ratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen eine parlamentarische Anfrage zum Thema und kritisierte darüberhinaus das Verhalten der Verwaltung: „Bei ‚wohlwollender‘ Interpretation der Angelegenheit hätte die Verwaltung der Stadt Hamm erkennen müssen, dass die nachgefragten Auskünfte das Ziel haben, eine bessere Information der Anwohner von Gefahrgutrouten – hier insbesondere über die Schienentransporte mit Uranhexafluorid - anzuregen und sich über das bisherige, wenig transparente Verfahren zu beschweren.“ Teil zwei der Vorstellung beginnt.

THTR-Förderung jetzt im EU-Amtsblatt veröffentlicht

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„Das 7. EU-Forschungsrahmenprogramm ist mit einem Volumen von 54,4 Milliarden Euro eines der umfangreichsten Forschungsförderprogramme der Welt“ schreibt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und bietet gleich Eintagesseminare für schlappe 470 Euro (zzgl. 7% Umsatzsteuer) an, wie man sich am besten an den EU-Futtertrögen bedienen kann.
Inzwischen ist die THTR-Förderung im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht worden. Speziell genannt werden „Fortgeschrittene kerntechnische Systeme“ und Reaktoren der Generation IV, die gefördert werden sollen. – Aber im Ernst: Die Futtertrogberatung ist eher etwas für mittelständische Betriebe. Die Nutznießer der EU-Nuklearförderung bedürfen selbstverständlich keiner „Nachhilfe“. Diese haben ja die EU-Gesetze und Förderpläne auf sich selbst zugeschnitten und wissen bestens bescheid.

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