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THTR Rundbrief Nr. 136, Juli 11


Inhalt:

Whistleblowerpreis für THTR-Kritiker Moormann

Interview mit Rainer Moormann

THTR-Forschung geht weiter!

Steuererleichterungen für THTR-Betreiber

Vor 20 Jahren: THTR-Kühlturmsprengung

Angelas Pleitereaktor für Angola?

Freude durch Kraft für die Energiekonzerne


Whistleblowerpreis für THTR-Kritiker Moormann

Die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm gratuliert dem Aachener Wissenschaftler Dr. Rainer Moormann zur Verleihung des alle zwei Jahre vergebenen Whistleblowerpreises 2011, den er zusammen mit einer anonymen Persönlichkeit, die das Video "Collateral Murder" über Wikileaks veröffentlichte, erhalten hat.

Dr. Rainer Moormann, der seit 35 Jahren im Forschungszentrum Jülich (FZJ) über Hochtemperatur-Reaktoren (HTR) forscht, hat in den vergangenen Jahren mit wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen maßgeblich dazu beigetragen, dass das mit Kugelhaufen-Reaktoren verbundene Risikopotenzial heute in einem neuen Licht erscheint. Der Mythos der "inhärenten Sicherheit" dieses Reaktor-Typs wurde durch seine wissenschaftlichen Erkenntnisse erschüttert.

Der Whistleblowerpreis

Am 1. Juli 2011 vergab die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und die Deutsche Sektion der Juristenvereinigung IALANA ("Juristinnen und Juristen gegen atomare, biologische und chemischen Waffen") in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften zum siebenten Mal den "Whistleblowerpreis".

Mit dem "Whistleblower-Preis" werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die als Insider schwer wiegende Missstände, Risiken oder Fehlentwicklungen aus ihrem beruflichen Umfeld im öffentlichen Interesse aufgedeckt haben.

Die VDW wurde 1959 in Berlin von einer Gruppe prominenter Atomwissenschaftler gegründet, unter ihnen Carl Friedrich von Weizsäcker und die Nobelpreisträger Max Born, Otto Hahn, Werner Heisenberg und Max von Laue. Zwei Jahre zuvor war dieser Kreis einer breiten Öffentlichkeit als 'Göttinger 18' bekannt geworden: Die Atomwissenschaftler hatten sich öffentlich gegen eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr ausgesprochen. Göttinger Erklärung und Gründung der VDW waren beides Ausdruck eines neuen Verantwortungsbewusstseins der dort versammelten Naturwissenschaftler nach dem Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki.

Kritik am Kugelhaufenreaktor wird bestärkt

Die BI Umweltschutz Hamm befasst sich seit 36 Jahren schwerpunktmäßig mit den Gefahren und den Störfällen des gleichen Reaktortyps wie in Jülich und fühlt sich durch die sachlichen Aussagen von Rainer Moormann in ihrer Kritik an dem THTR 300 bestätigt.

Der Verleihung des Whistleblowerpreises für Rainer Moormann kommt in der jetzigen Situation eine besondere Bedeutung zu. In einer Zeit, in der die Kritik an der Atomkraft deutlich zunimmt, versuchen Teile der Atomindustrie und der von ihr abhängigen Wissenschaftler, die HTR-Linie als besonders sichere nukleare Variante wieder in die Diskussion zu bringen. Obwohl der Kugelhaufenreaktor trotz des aktuellen Einsatzes von insgesamt 1,5 Milliarden Euro in Südafrika ein weiteres Mal fulminant gescheitert ist, wird immer noch versucht, diesen Reaktortyp in anderen Ländern wieder zu bauen!

Im Forschungszentrum Jülich wurden allein im Jahre 2010 unter einer rot-grünen Landesregierung in NRW immer noch über ein Dutzend Projekte und wissenschaftliche Arbeiten zur Weiterentwicklung (!) des Kugelhaufenreaktors durchgeführt und durch den Steuerzahler bezahlt (siehe weiter unten). Welche Probleme und Schwierigkeiten man heute noch im Forschungszentrum Jülich bekommen kann, wenn man an das Allerheiligste rührt, ist in der angefügten Begründung für den Preis nachzulesen. Wie sehr die Ausrichtung der Forschung in bundesdeutschen Institutionen den seit Jahrzehnten vielfach bekundeten Mehrheitswillen der Bevölkerung zugunsten bestimmter Konzerninteressen konsequent ignoriert, ist ein Skandal!

Die Preisverleihung für Rainer Moormann ist ein Ansporn für all Jene, die in den letzten Jahrzehnten auf die Gefahren der HTR-Technologie hingewiesen haben und die sich gegen den Bau zukünftiger Reaktoren einsetzen.

Die Begründung der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) und der Deutschen Sektion der Juristenvereinigung IALANA ("Juristinnen und Juristen gegen atomare, biologische und chemischen Waffen"):

Whistleblowerpreis 2011 für Dr. Rainer Moormann, Aachen.

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Dr. Rainer Moormann arbeitet seit 35 Jahre in der Kernforschungsanlage (KFA), dem heutigen Forschungszentrum in Jülich (FZJ). Zu seinen wissenschaftlichen Arbeitsschwerpunkten zählte über lange Zeit die Sicherheit von Kugelhaufen-Reaktoren (Hochtemperatur-Reaktoren, HTR). Ein Versuchsreaktor dieses Typs (AVR) mit einer Kapazität von 15 Megawatt war in Jülich bis 1988 in Betrieb. Er wurde mit in Graphitkugeln eingeschlossenem Brennstoff betrieben und mit Helium-Gas gekühlt. Hochtemperatur-Reaktoren werden von interessierten Kreisen in der Fachwelt, in der Wirtschaft und in der Politik bis heute dafür gerühmt, dass sie "inhärent sicher" seien: Bei ihnen bestehe, im Gegensatz etwa zu Leichtwasser-Reaktoren, nicht das Risiko einer Kernschmelze; nukleare Katastrophen seien damit nicht zu befürchten. Dr. Moormann ist in seinen Untersuchungen demgegenüber zu dem Schluss gelangt, dass mit der Kugelhaufen-HTR-Technologie andere, nicht minder bedrohliche Störfallmöglichkeiten und Risiken mit katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt verbunden sind.

Er hat in den vergangenen Jahren mit wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen im In- und Ausland, vor allem aber mit Stellungnahmen und Interviews in den Medien maßgeblich dazu beigetragen, dass das mit Kugelhaufen-Reaktoren verbundene Risikopotenzial in einem neuen Licht erscheint. Der Mythos der "inhärenten Sicherheit" dieses Reaktor-Typs ist erschüttert.

Dr. Moormann hat aufgedeckt, dass der 1988 endgültig stillgelegte Versuchsreaktor in Jülich im Normalbetrieb jahrelang unzureichend gegenüberhöhte Betriebstemperaturen im Reaktorkern gesichert war. Zeitnahe direkte Temperaturmessungen erschienen nicht möglich; langwierige Messverfahren wurden zwar schon bis 1974 entwickelt, aber bis 1986 nur unzureichend angewandt. Hinweisen auf zu hohe Reaktortemperaturen wurde nicht hinreichend nachgegangen. Dr. Moormann hat Indizien dafür vorgelegt, dass der Betreiber-Gesellschaft mutmaßlich schon seit Ende der 1970er Jahre die Problematik überhöhter Betriebstemperaturen aufgefallen war. Möglicherweise befürchtete man, dass entsprechende Untersuchungen das Ende des AVR-Betriebs bedeuten könnten. Die Aufsichtsbehörde gab sich mit der Vorlage von Modellrechnungen durch die Betreiber-Gesellschaft zufrieden.

Durch die Untersuchungen von Dr. Moormann ist auch der begründete Verdacht aufgekommen, dass der AVR Jülich am 13. Mai 1978 nur knapp einem _GAU_ mit den verheerenden Folgen einer weitflächigen radioaktiven Verseuchung der Umwelt entging. Ursache dafür war ein Haarriss in einem Dampferzeuger-Rohr, das sich über dem Reaktorkern befand und aus dem mehr als eine Woche erst Dampf und später flüssiges Wasser in den Reaktorbehälter gelangte (ca. 30 t). Wenn das Leck und damit die Wassereinbruchsrate größer gewesen und bei den typischerweise überhöhten Temperaturen eingetreten wäre, so Dr. Moormann, wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit in sehr großen Mengen hochexplosives Gas (Wasserstoff plus Kohlenmonoxid) entstanden. Weiterhin hätte es durch das Graphit-Wasser-Gemisch einen positiven Reaktivitäts-Koeffizienten geben können, der innerhalb kürzester Zeit zum Durchgehen des Reaktors geführt hätte -- wie in Tschernobyl. Die geringen Sicherheitsbarrieren des AVR wären durchbrochen worden. Bereits die Freisetzung der radioaktiven Stäube im Reaktorbehälter, die durch die schlechte Rückhaltung der Brennstoffkugeln bedingt war, hätte zu einer erheblichen Kontaminierung der Umgebung geführt. Betreiber-Gesellschaft, FZ Jülich und Aufsichtsbehörden in Land und Bund haben sich der Aufarbeitung dieser Gefahrensituation bisher nicht hinreichend gestellt.

In der Folge des 1978 als normaler Störfall eingestuften Wassereinbruchs gelangte zudem beim Abpumpen radioaktiv hoch kontaminiertes Wasser aus dem Reaktorbehälter ins Erdreich unter dem Reaktor und ins Grundwasser. Die konkreten Auswirkungen dieser Kontamination liegen bis heute im Dunkeln. Über damit verbundene Gesundheitsgefährdungen sowie einen möglichen Zusammenhang mit gehäuften Leukämieerkrankungen im Umland herrscht Ungewissheit. Der gegenwärtige Leiter der Reaktorsicherheitsforschung am FZ Jülich, Prof. Allelein, äußerte unlängst vor laufenden Kameras im WDR, eine Gefahr für Mensch und Umwelt sei vom AVR niemals ausgegangen. Die Analyse des Störfalls von 1978 sei nicht Sache seines Instituts.

Nach einer dreiteiligen Serie im WDR im April 2011 und Präsenz in den ARD-Tagesthemen am 8.4.2011 hat das FZ Jülich nunmehr am 11.4. 2011 in einer Presseerklärung Stellung genommen. Darin heißt es: "Die von Dr. Moormann dargestellten Fakten werden -- nach Einschätzung des Forschungszentrums -- in der Fachwelt nicht in Frage gestellt. Wissenschaftlich kontrovers wird hingegen diskutiert, wie die Schlussfolgerungen von Dr. Moormann im Hinblick auf die Spaltproduktfreisetzung innerhalb des Reaktors und die Sicherheit des Betriebes des AVR damals zu bewerten sind."

Nun soll es offenbar zu einer ernsthaften Untersuchung des damaligen Störfalls durch ein vom FZ Jülich in "Reaktion auf das Reaktorunglück in Fukushima" in Aussicht genommenes Expertengremium kommen. Dessen pluralistische Zusammensetzung, Arbeitsfähigkeit und wissenschaftliche Unabhängigkeit ist bislang allerdings nicht hinreichend gesichert.

Angesichts den intensiven Bestrebungen der "Atom-Community", nach dem seit 2001 beschlossenen "Atom-Ausstieg" Deutschlands das technologische Know-How wie auch Konstruktionselemente des HTR nunmehr zu exportieren und z.B. in Südafrika, China und anderen Ländern, darunter Polen, zu vermarkten, ist eine von der Betreibergesellschaft und vom FZ Jülich unabhängige Untersuchung der AVR/HTR-Technologie überfällig. Ihr Ergebnis wird u. a. daran zu messen sein, inwieweit sie sich detailliert und allgemein nachvollziehbar mit den von Dr. Moormann aufgezeigten Wissens- und Forschungslücken auseinandersetzt.

Dr. Moormanns Whistleblowing begründet auch starke Zweifel an der Atomaufsicht. So wurde Hinweisen auf viel zu hohe Temperaturen im Reaktorkern nicht nur vom Betreiber und vom FZJ, sondern auch von Seiten der Atomaufsichtsbehörde nicht rechtzeitig nachgegangen. Hier gilt es die Verantwortlichkeiten zu klären. Bis heute sind die Ursachen der stark überhöhten Core-Temperaturen und anderer wesentlicher Bedingungen des Störfalls von 1978 sowie daraus resultierender Sicherheitsprobleme nicht zweifelsfrei ermittelt. Es ist nicht einmal sicher, dass ausnahmslos alle sicherheitsrelevanten Vorkommnisse lückenlos dokumentiert wurden.

Das Whistleblowing von Dr. Moormann hat zudem dazu beigetragen, dass die Probleme und immensen Kosten der Entsorgung des 1988 stillgelegten AVR Jülich für Steuerzahler und Wähler ins öffentliche Blickfeld geraten sind. Wie intern seit langem bekannt, ist der Reaktordruckbehälter radioaktiv hoch kontaminiert. Die genauen Ursachen für die hohe Kontamination konnten bisher nicht ermittelt werden, zumal der Reaktor mit Beton ausgegossen wurde, um den radioaktiven Staub zu binden. Offen ist, inwieweit es sich bei der hohen Kontaminierung um ein "inhärentes" Problem der Kugelhaufen-Technologie handelt. Die entstehenden Entsorgungskosten sind zwischenzeitlich von 39 Millionen DM in den Prognosen aus den 90er Jahren auf -- vorläufig - 600 Millionen € explodiert, die von den Steuerzahlern aufgebracht werden sollen. Eine beschönigende Informationspolitik hat dies lange zu verschleiern versucht.

Nach der Stilllegung des AVR 1988 und der Umwandlung der KFA in das FZ Jülich wurde dort an den Sicherheitsproblemen der HTR-Technologie weitergeforscht. Die Sicherheitsforschung für den geplanten HTR-Reaktor in Südafrika erbrachte reichlich Drittmittel. Zu den ungeschriebenen Gesetzen am FZ Jülich zählte dabei, dass keine Negativmeldungen über die Reaktorsicherheit "nach draußen" gelangen sollten. Dass Dr. Moormann seine Kritik trotzdem intern und öffentlich ohne disziplinare Sanktionen artikulieren konnte, ist erfreulich.

Dennoch hat er teuer für seine Zivilcourage zahlen müssen. Er wurde intern und von der externen "Kugelhaufen-Community" als Nestbeschmutzer diffamiert und als "verrückt" ("insane") verleumdet. Seine Arbeitsgruppe im FZ Jülich wurde aufgelöst. Er selbst wurde in eine andere Abteilung versetzt, wo er für das Projekt "Europäische Spallationsquellen" (ESS) arbeitet. Dort wurde er aufgefordert, seine "nuklearfeindlichen Aktivitäten" einzustellen, da man auf Aufträge aus dem Nuklearbereich angewiesen sei. In Kürze soll er "aus finanztechnischen Gründen" erneut versetzt werden. In wenigen Monaten geht er in den vorzeitigen Ruhestand.

Dr. Moormanns Whistleblowing und seine Orientierung am Gemeinwohl sind beispielhaft für verantwortliches wissenschaftliches Handeln. Darum erhält er den Whistleblowerpreis 2011.

Interview mit Rainer Moormann

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Womit waren sie im Forschungszentrum Jülich befasst und was haben Sie dort aufgedeckt?

Ich war lange im Bereich Sicherheit von Kugelhaufenreaktoren tätig. Anders als bei konventionellen Leichtwasserreaktoren ist hier der Brennstoff in Grafit eingeschlossen und wird mit Helium gekühlt. Die Brennelemente sind tennisballgroß und permanent in Bewegung. Im Laufe der Jahre, genauer: Als dieses Modell nach Südafrika exportiert worden war, ist mir immer klarer geworden, dass nur positive Eigenschaften dieser Technologie kommuniziert wurden aber die ausgeprägt negativen Eigenschaften vollständig unter den Teppich gekehrt wurden. Beispielsweise der Reaktor in Jülich: Der Betrieb war über Jahre hinweg quasi ein einziger Störfall. Der Reaktorbehälter ist derartig verstrahlt, dass man ihn in den nächsten 60-70 Jahren noch nicht einmal auseinanderbauen kann. Dieses Desaster hat seine Ursachen auch in der Technologie selbst. Ich habe weiterhin einen schweren Störfall, einen Wassereinbruch, den es 1978 gab, untersucht. Wäre das Leck damals größer gewesen, hätte es eine Katastrophe geben können -- ausgelöst durch eine Explosion, wie man sie in Fukushima erlebt hat.

Was waren die ersten Schritte?

2007 habe ich dann einen Bericht an die Verantwortlichen des Nuklearbereichs im Forschungszentrum verfasst, das hat natürlich nichts gebracht. Ich habe mich dann an den Vorstand des Forschungszentrums Jülich gewandt und ein Jahr später nach längeren internen Diskussionen eine Untersuchung veröffentlicht, die für Aufsehen gesorgt hat. Diese hat sicherlich dazu beigetragen, dass der Bau eines Kugelhaufen-Reaktors in Südafrika nun nicht mehr verfolgt wird. Hier ging es um eine ganze Menge Geld: Südafrika hatte bereits mindestens 1,5 Mrd. Euro in diese Technik investiert.

Über welche Kanäle haben Sie die Missstände noch öffentlich gemacht?

Zuerst fand das auf der rein wissenschaftlichen Ebene stand. Erst, als die Unterstützung des Forschungszentrums schwächer wurde, ging ich auch an die breite Öffentlichkeit. Dazu muss man sagen, dass das Forschungszentrum auch unter dem Einfluss seiner Gesellschafter steht, und das ist unter anderem das Land Nordrhein-Westfalen mit einer damals schwarz-gelben Regierung, darunter mindestens zwei glühende Anhänger der Kugelhaufentechnik. Meine Vermutung ist, dass von dort Druck ausgeübt wurde, mir weniger Spielraum zu lassen. Das heißt, ich bekam Auflagen: Beispielsweise durfte ich Fachpublikationen keine Interviews geben. Anfang 2009 habe ich dann in einer Dokumentation vom WDR mitgewirkt, die sich mit dem Reaktorprojekt in Südafrika befasst, es folgte ein Artikel im Spiegel zum Reaktor in Jülich.

Welchen Widerständen sind Sie begegnet?

Anfangs, als ich an den Vorstand herangetreten bin, wurde ich von der Spitze des Forschungszentrums noch wirksam unterstützt. Das ist dann immer weniger geworden. Ich wurde eine Last für das Forschungszentrum, spürte den massiven Druck. Ich musste die Nukleartechnik verlassen, wurde ausgegrenzt. Meine Mitarbeiter wurden abgezogen, ohne dass ich zuvor informiert worden wäre. Dienstreisen wurden gestrichen. Es gab plötzlich keine adäquate Computertechnik mehr für mich. Ich habe dann selbst darum gebeten, in einen anderen Bereich zu wechseln. Das hatte etwas von einem Abstellgleis, und so habe ich dann Altersteilzeit beantragt. Anfang 2012 werde ich faktisch nicht mehr im Forschungszentrum tätig sein.

Welche Rolle spielte damals die Atomaufsichtsbehörde?

Mein Eindruck ist, dass die Atomaufsichtsbehörde sehr nachlässig mit dem umgegangen ist, was sich in Jülich abgespielt hat. Sie hat nicht genau hingeguckt. Es gab frühzeitig Hinweise auf die hohen Temperaturen im Reaktor. Anfang 1988 stellte man fest, dass er weit über die zulässigen Grenzen gefahren wurde, dass er hochgradig unsicher war. Die Aufsichtsbehörde hätte sich natürlich blamiert, wenn sie hätten zugeben müssen, dass mehr als 10 Jahre ein unsicherer Reaktor betrieben wurde, schließlich ist es ihr Job, genau das zu verhindern. Da der Reaktor ja ohnehin Ende 1988 abgeschaltet werden sollte, dachte die Behörde wahrscheinlich: ,Schwamm drüber'. Das Schlimme dabei: Für alle Befürworter dieser unsicheren Technologie war das Signal: Probleme gab es keine, die Aufsichtsbehörde hatte keinerlei Beanstandungen. Dies hat bis heute Auswirkungen: Mitte März, also nach der Katastrophe von Fukushima, erschien ein Artikel in der WELT unter dem Titel "Gibt es sichere Atomkraftwerke?" Die Frage wurde mit Hinweis auf die Kugelhaufen-Reaktor mit Ja beantwortet!

Was wird der Pannen-Reaktor den Steuerzahler noch kosten?

Der Reaktor in Jülich hatte einmal rund 120 Millionen DM gekostet. Bei den Entsorgungskosten werden wir mit Glück bei einer Milliarde Euro landen -- geplant waren Ende der 90er-Jahre noch 39 Millionen DM. Ein totaler Reinfall! Kapazitäten, die wir in Jülich im Bereich Reaktortechnik haben, und die ja offensichtlich nicht mehr benötigt werden, sollte man jetzt verlagern in den Bereich nuklearer Rückbau, das Thema wird uns noch viele Jahrzehnte beschäftigen.

Die Fragen stellte Henrik Flor.

Aus: Entermagazin, 2011

THTR-Forschung geht weiter!

... "altersbedingtes Auslaufen" erst 2025?

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Wer denkt, nach dem halbherzigen "Atomausstieg" würden zwar nicht alle Atomkraftwerke sofort abgeschaltet, aber doch zumindest die Entwicklung und Forschung am Pleitereaktor THTR eingestellt werden, ist ein unverbesserlicher Illusionist. Natürlich geht es weiter. Ausnahmsweise machen die Grünen in Sachsen -- weil sie gerade in der Opposition sind (in der Regierung machen sie bekanntlich das Gegenteil; siehe NRW) -- diesen Tatbestand zum Thema. Hier ihre Presseerklärung vom 14. 6. 2010:

Die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag fordert die Beendigung der öffentlichen Finanzierung der Atomforschung aus dem sächsischen Haushalt. "Wenn Deutschland aus der Atomenergie aussteigt, ist es doch aberwitzig, zwei Professuren mit sächsischen Steuergeldern zu finanzieren, die weiter an der Nutzung der Atomenergie arbeiten", so Karl-Heinz Gerstenberg, hochschulpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion. "Die Professuren sowie das zugehörige Personal sollten so schnell wie möglich für die Forschung zu erneuerbaren Energien, Netz- und Speichertechnologien sowie Energieeffizienz umgewidmet werden."

"Ich stelle die Freiheit der Forschung nicht in Frage", so der Abgeordnete. "Aber ich sehe nicht ein, Dinge öffentlich zu finanzieren, die gesellschaftlich nicht gewollt sind. Nachfolgeprofessuren sollten nur besetzt werden, wenn Personal und Ausstattung durch Unternehmen, etwa über dauerhafte Stiftungsprofessuren, finanziert werden."

Gerstenberg verweist auf Prof. Antonio Hurtado (TU Dresden), der sich noch Mitte April für den Bau eines Kugelhaufenreaktors auf polnischer Seite des Dreiländerecks eingesetzt hatte (LVZ/DNN, 11.04.11). "Altes Denken sollte nicht weiter mit Steuergeld finanziert werden."---

Über die Bestrebungen, in Grenznähe in Polen einen THTR zu errichten, hatten wir im THTR-RB Nr. 132 bereits berichtet; über den umtriebigen Professor Hurtado ebenfalls in Ausgabe 117. Die Antwort der sächsischen Landesregierung auf die Anfrage von Karl-Heinz Gerstenberg (Grüne) zur staatlichen Nuklearforschung bringt einige pikante Details zutage:

"Derzeitige und künftige Aufgabenschwerpunkte der Professur Wasserstoff- und Kernenergietechnik an der Technischen Universität Dresden (TUD) sind Grundlagen für Wasserstofftechnologien auf der Basis von Hochtemperaturreaktorensowie Beiträge zur Entwicklung fortschrittlicher Leistungsreaktoren auf dem Weg zur Hochtemperatur-Energietechnik." -- Und wie lange soll der Herr Professor sein nukleares Unwesen im Ausstiegsland BRD noch weitertreiben?? -- ... "altersbedingtes Auslaufen 2025" schreibt die sächsische Landesregierung und stellt dem Professor auch noch 6 Mitarbeiterstellen zur Seite - "unbefristet"! Es soll also noch 14 Jahre so weiter gehen!

Zur finanziellen Ausstattung der Nuklearforschung in Sachsen schreibt die Landesregierung:

Technische Universität Dresden:

2008: 347,8 TEUR

2009: 76,3 TEUR

Forschungszentrum Dresden-Rossendorf 2010:

7,825 TEUR für Betrieb (7,825 Millionen Euro)

2,543 TEUR für Invest

7,993 TEUR Drittmittel

Bei den Drittmitteln fallen die THTR-spezifischen Zuschüsse der EU für die Projekte RAPHAEL und HTR-E (siehe THTR-Rundbrief Nr. 107) über 169 TEUR auf. Mit einigen Hunderttausend Euro werden ebenfalls Gastaufenthalte polnischer, tschechischer und ukrainischer (...) Wissenschaftler bezuschusst, damit sie sich während ihrer monatelangen Aufenthalte in Sachsen Vorträge über Hochtemperaturreaktorenund andere Nuklearanlagen anhören können, um diese dann in ihren Heimatländern zu propagieren. Hier wird also eine perfekte Kaderschmiede für eine ganz besondere Fraktion der Atomfreunde mit Steuergeldern finanziert! Wenn die Geschäfte der Atomindustrie in Deutschland nicht mehr so ganz ungehemmt weitergehen können, dann aber bitte ein paar Kilometer hinter der Grenze!

In dem für 11,7 Millionen Euro frisch fertiggestellten "Zentrum für Energietechnik" (ZET) in Dresden bieten sich ungeahnte Möglichkeiten, Millionen Euro Steuergelder für die THTR-Forschung auszugeben. Professor Hurtado gerät im Interview mit dem Dresdner Universitätsjournal ins schwärmen: "Das ZET bietet uns eine Nutzfläche von rund 1500 qm und die Infrastruktur, um eine experimentielle Basis für die energietechnische Spitzenforschung aufzubauen. Diese beinhaltet, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, den modernsten Ausbildungskernreaktor in Deutschland zur Nachwuchsförderung und Kompetenzerhalt in der Kerntechnik, einen Hochtemperaturreaktor nach dem Prinzip der zirkulierenden Wirbelschicht ..." (9/2009).

Wer sich jetzt über das Bundesland Sachsen ärgert, sollte die lange Liste der HTR-Projekte und --Ausarbeitungen des Jahres 2010 aus dem wieder rot-grün regierten NRW einmal ansehen. Die haben nach 10 Jahren Regierungstätigkeit in NRW und 7 Jahren im Bund es nicht geschafft, die THTR-Weiterentwicklung zu stoppen und werden es während der dritten gemeinsamen NRW-Legislaturperiode wohl wieder nicht schaffen.

Forschungszentrum Jülich - Veröffentlichungen im Jahr 2010 zur Kugelhaufenreaktorentwicklung (ohne Rückbau/Entsorgung):

Allelein, H.-J.; Kasselmann, S.; Xhonneux, A.; Herber, S.-C. "Progress on the development of a fully integrated HTR code package" 5th International Conference on High Temperature Reactor Technology, HTR 2010,Prague, Czech Republic, October 18-20, 2010 Aufsatz in einem Buch (Proceedingsband)

Li, J.; Nünighoff, K.; Pohl, C.; Allelein, H.-J. "Investigating Spatial Self-Shielding and Temperature Effects for Homogeneous and Double Heterogeneous Pebble Models with MCNP" Jahrestagung Kerntechnik 2010, Berlin, 4.-6. Mai 2010, auf CD-ROM, Deutsches Atomforum e.V. und Kerntechnische Gesellschaft e.V., Berlin

Nabielek, H.; Verfondern, K.; Kania, M.J. "HTR Fuel Testing in AVR and in MTRs" Proc. of HTR 2010, Paper 064, Prague, Czech Republic, CD-Proceedings, 12 pages, 2010

Nünighoff, K.; Druska, C.; Allelein, H.-J. "Code-to-code comparison between TINTE and MGT for transient scenarios" Proceedings of the 5th International Conference on High Temperature Reactor Technology, HTR 2010, Prague, Czech Republic, October 18-20, 2010

Pohl, C. *Temperature reactivity coefficient for plutonium fuel in a high temperature reactor* Proceedings PHYSOR 2010, Pittsburgh, Pennsylvania, USA. May, 9. - 14. 2010

Pohl, C. "Temperature Reactivity Coefficient for Plutonium Fuel in a HighTemperature Reactor" Proceedings der American Nuclear Society,LaGrange Park, IL (2010) bisher nur auf CD-ROM erhältlich

Pohl, C.; Allelein, H.-J. *Burning minor actinides in a HTR energy spectrum* 5th International Conference on High Temperature Reactor Technology, HTR, 2010, Prague, Czech Republic, October 18-20, 2010

Verfondern, K.; von Lensa, W. "Nuclear Coal Gasification for Hydrogen and Synthetic Fuels Production Proc." 18th International Conference on Nuclear Engineering ICONE18, Paper 29176

Von Lensa, W.; Verfondern, K. "Coal Gasification for Hydrogen Production Using Nuclear Energy Proc." 18th World Hydrogen Energy Conference WHEC2010, Paper C1004, Essen, Germany

Sowie zusätzlich zwei Vorträge von FZJ und einer von RWTH auf der Freiberg-Konferenz zur Kohlevergasung 2010 (nicht mehr im web verfügbar)

Fragen und Antworten:

Steuererleichterungen für THTR-Betreiber

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Am 10. 5. 2011 haben mehrere Bundestagsabgeordnete der Grünen verschiedene Anfragen zu Rückbau, Entsorgung und Subventionen des THTR Hamm gestellt.

Insbesondere die Steuerbefreiung der THTR-Betreiber, der Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG), sorgt für Unmut. Wir zitieren die Grünen aus der Bundestagsdrucksache 17/5764:

Aktuell liegt ein Vorschlag der EU-Kommission für einen Beschluss des Rates über die Aufrechterhaltung der Vergünstigungen nach dem Euratom-Vertrag "des gemeinsamen Unternehmens Hochtemperatur-Kernkraftwerk GmbH (HKG)" vor, den das Unternehmen seit dem 1. Januar 1974 innehat, zuletzt verlängert im Jahr 1999 für elf weitere Jahre. Ein entsprechender Antrag der HKG vom 26. April 2010 wird von der Bundesregierung unterstützt.

THTR Rundbrief Nr. 77 vom November 2002Der Status als "gemeinsames Unternehmen" nach dem Euratom-Vertrag sieht erhebliche Steuervergünstigungen vor, so z. B. Grundsteuer, der Grunderwerbsteuer und der Gewerbeertragsteuer auf Zinsen. Die EU-Kommission befürwortet die Aufrechterhaltung der Vergünstigungen eines gemeinsamen Unternehmens bis 2017, u. a. weil bis dahin zwischen Bund, Land NRW und HKG eine Finanzierungsvereinbarung zum weiteren "sicheren Einschlussbetrieb" geschlossen worden sein soll. Zur Begründung der Steuerprivilegien heißt es in der Vorlage der EU-Kommission u. a.:

"Nach Auffassung der HKG werden die aus der Aufrechterhaltung des sicheren Einschlusses (Einschlusszeit) und dem späteren Rückbau gewonnenen Erkenntnisse für die Kerntechnik in Europa und weltweit von großer Bedeutung sein. Dies umso mehr als mit den Arbeiten zur Generation IV auch die Hochtemperaturreaktortechnik wieder aufgegriffen werde und zu einem Gesamtbild (Lifecycle-Cost) auch die verschiedenen Phasen der Stilllegung gehörten."

Der Fragenkatalog ist sicher zu begrüßen. Die Kritik und das Auskunftsbegehren in Sachen Steuervergünstigung der HKG erfolgt allerdings nicht zum ersten Mal. Bereits im Jahr 2002 hat die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm einen Fragenkatalog zu diesem Thema abgeschickt. Und zwar an die rot-grüne NRW-Landesregierung. Und was hat die geantwortet? Dies: "Weitergehende Angaben zur tatsächlichen Inanspruchnahme der möglichen Befreiungen und zu den damit verbundenen Steuerausfällen sind wegen des Steuergeheimnisses nicht möglich"!!

Im THTR-Rundbrief Nr. 77 (2002) ist der gesamte Vorgang von uns dokumentiert und die Geheimniskrämerei der rot-grünen NRW-Landesregierung kommentiert worden.

Die aktuelle Anfrage im Bundestag ist von Oliver Krischer und Bärbel Höhn namentlich unterzeichnet worden.

Zu dem Zeitpunkt im Jahre 2002 waren beide an genau derjenigen Regierung beteiligt, die unsere BI-Anfrage damals barsch abgebügelt hatte: Krischer war wissenschaftlicher Mitarbeiter der grünen Landtagsfraktion NRW, Höhn Umweltministerin in NRW.

Neun Jahre später stellen sie -- diesmal in der Opposition -- die gleichen Fragen an die Bundesregierung. Dieser Vorgang muss nicht mehr kommentiert werden. Er spricht für sich.

Vor 20 Jahren: THTR-Kühlturmsprengung

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Am 10. 9. 1991 wurde das weithin sichtbare "Wahrzeichen" der Stadt Hamm, der Kühlturm des THTR, gesprengt. Als streng fortschrittsgläubige Partei hatte die Hammer SPD in den 80er Jahrensogar ihre Zeitung nach dem 147 hohen nuklearen Symbol benannt. Sie hieß "Kurhaus, Kühlturm, Kolonie". Nach der Stilllegung des Pleitereaktors im Jahre 1989 sollte die alles überragende peinliche Erinnerung an die in den Sand gesetzten Milliarden möglichst schnell von der Bildfläche verschwinden.

Kurz vor der Sprengung des Trockenkühlturms flammte noch einmal kurz die öffentliche Diskussion auf, welche Nutzungsmöglichkeiten mit Hilfe des markanten Bauwerks möglich wären. Die BI Hamm griff mit einem ironischen Vorschlag nicht ohne ernstgemeinten Hintergedanken in die Debatte ein. Er wurde damals ausführlich mit Artikel und Kommentar im Westfälischen Anzeiger gewürdigt.

Aus Anlass des 20. Jahrestags der Kühlturmsprengung dokumentieren wir den offenen Brief vom 14. 7. 1991 an den zuständigen NRW-Minister für Stadtentwicklung und an das Westfälische Amt für Denkmalpflege:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Nachdem in der Öffentlichkeit bekannt geworden ist, daß das Westfälische Amt für Denkmalpflege auch weiterhin an einer Unterschutzstellung des umstrittenen THTR-Kühlturms festhält, möchte die Bürgerinitative Umweltschutz Hamm e. V. mit eigenen Überlegungen in die Debatte eingreifen.

Die bisherigen Vorschläge (Museum, Disco, Zirkuszelt usw. ) kranken daran, daß sie mit der Realität recht wenig zu tun haben. Sie berücksichtigen nicht, daß der THTR eine für Jahrtausende radioaktiv strahlende Ruine bleiben wird. Es stellt sich die Frage, wie sollen die Menschen in 10.000 Jahren vor solchen gefährlichen Hinterlassenschaften gewarnt werden, damit sie sich vor ihnen schützen können? Das Energieministerium der USA hat sich mit diesem Problem in einer Studie beschäftigt. Es wird festgestellt, daß sich die menschliche Sprache im Durchschnitt alle 300 bis 400 Jahre verändert, sodaß in 10.000 Jahren heutige Sprachen und Schriften nicht mehr verstanden werden.

Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, schlugen namhafte Wissenschaftler in dieser Studie vor, Nuklearfriedhöfe durch die Anlage von Steinringen nach dem Muster des englischen Stonehenge zu markieren. Auf den Obelisken sollen sich Zeichnungen sterbender Menschen und das internationale Emblem für Radioaktivität befinden. Die abschreckende Wirkung soll nach dieser Studie ergänzt werden durch die Schaffung von Mythen und Gerüchten, die -- gar nicht mal so unrealistisch -- suggerieren, daß etwas fürchterliches passiert, wenn man dieser Tabuzone zu nahen kommt.

(Quellen: Marshall Blonsky: The Immense Message -- Semiotics in Agony; Baltimore 1984; William M. Hewitt u. a. : Reducing the Risk from Future Activities that could affect the performance of high-level waste isolation systems, Washington D. C., US-Department of Energy, 1981).

Das Landesamt für Denkmalpflege hat die von ihr angestrebte Unterschutzstellung des THTR-Kühlturms damit begründet, daß es sich hierbei um ein "herausragendes, bedeutendes Industriebauwerk des 20. Jahrhunderts handle, welches einmalig (!) in der Welt sei" (WA vom 21. 6. 1991). Stadtdirektor Dr. Krämer bestätigte unsere Ansicht, daß es sich bei dem Kühlturm um ein Symbol "mit negativer Ausstrahlung handle" (WA vom 3. 7. 1991).

Mit einfachen, leicht durchführbaren gestalterischen Veränderungen könnten zusätzliche Abschreckungswirkungen am Kühlturm erzielt werden, die für Jahrtausende garantieren, daß auch in ferner Zukunft die Menschen eine Höllenangst vor dieser radioaktiv verseuchten Atomruine haben werden.

Wir regen desweiteren an, für die Realisierung dieses Vorhabens einen Wettbewerb auszuschreiben und den besten Vorschlag zu verwirklichen. Da bisher für den THTR ca. 5 Milliarden DM nutzlos verschwendet worden sind, sollte nun zur Sicherung der radioaktiven Ruine nicht engstirnig gespart werden. Zukünftige Generationen werden es uns danken.

Wir hoffen, daß Sie unsere Vorschläge mit der gleichen Ernsthaftigkeit prüfen werden, mit der vor wenigen Jahren die oben genannte Studie vom US State Department in Auftrag gegeben worden ist.

Mit freundlichen Grüßen!

i. A.: Horst Blume

Angelas Pleitereaktor für Angola?

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Wer bisher gedacht hat, dass nach der Pleite des Pebble Bed Modular Reactors (PBMR) in Südafrika keine Steigerung des nuklearen Größenwahns bei den Freunden von Hochtemperaturreaktoren (HTR) mehr möglich sei, wird durch den Artikel "Hunger nach Atom und Macht" des angolanischen Kriegsdienstverweigerers Emanuel Matondo in "afrika süd" Nr.5/6 (2010) eines Besseren belehrt.

Der seit 1990 in der BRD lebende Matondo beschreibt in diesem Artikel die Hintergründe, die dazu geführt haben, dass sich mit Angola ein krisengeschütteltes Entwicklungsland nach 30 Jahren Bürgerkrieg bemüht, eine regionale Hegemonialmacht in Afrika zu werden. Und hierzu braucht man bekanntlich ganz dringend Atomkraftwerke und hinter vorgehaltener Hand die Option für Atomwaffen.

Ähnlich wie im benachbarten Namibia und in Südafrika hat in Angola mit der MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola) eine "Befreiungsorganisation" die Staatsmacht erobert. Inzwischen beherrscht eine Partei-Elite von 3.000 Familien nicht nur Angola, sondern kauft sich aufgrund eigener enormer Ölvorkommen sogar in die Wirtschaft der ehemaligen Kolonialmacht Portugal ein (1).

Hier zunächst nach den Angaben von Matondo chronologisch die einzelnen Schritte Angolas auf dem Weg zur angestrebten Nuklearmacht:

1999

Angola trat der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA bei.

2003

Beflügelt durch den Erdölboom und die hohen Erdölpreise, begann die Elite Angolas, eine stärkere Industrialisierung des Landes vorzubereiten. Hierzu muss das Stromproblem gelöst werden.

2004

Die angolanische Regierung bat die USA, eine nationale Energiestrategie für Angola zu entwerfen. Das "AABBEE Training Institute", das von "The American Association of Blacks in Energy (AABE)" gegründet und als Nuklearlobbyverband von dem US-Energieministerium gefördert wird, vereinbart einen dreijährigen Kooperationsvertrag für Wissensvermittlung.

2005

Angola meldete bei der IAEA sein Interesse an der Nutzung der Atomenergie an.

2005 -- 2008

Nordkoreanische Experten und die EDF aus Frankreich besuchen Angola und sondieren Kooperationsmöglichkeiten.

2007

Verabschiedung des Atomgesetzes in Angola. Die Regierung schafft sich per Dekret ihre eigene Aufsichtsbehörde "Autoridade Reguladora de Energia Atomica" (Area), die dem Energie- und Wasserministerium unterstellt ist.

Ende 2007

China bietet finanzielle Unterstützung für das Atomprogramm an. Vietnam sagt wissenschaftliche Hilfe bei der Ausbildung angolanischer Wissenschaftler in Nuklearphysik zu. "Direkt anschließend nahm die vietnamesische Atomenergie-Kommission Maria Candida Teixeira, Mitglied im Zentralkommitee der regierenden MPLA, in ein Doktorandenprogramm für Nuklearphysik auf, welches sie erfolgreich im Jahr 2009 abschließen konnte" (2).

April 2008

Den Entwurf des angolanischen Nuklear-programms verfasst Andrew Kadak, Professor des Massachutetts Institute of Technology (MIT) an der Universität Boston. Kadak ist nicht nur für die Verbreitung der Atomtechnologie in Afrika zuständig, sondern insbesondere ein Förderer der Hochtemperaturreaktor-Linie (HTR) und der Reaktoren der Generation IV!

2008

Die oben bereits genannte Maria Candida Teixeira wird Wissenschafts- und Technologieministerin Angolas. Eine hochrangige Ministerialdelegation aus Angola besucht eine Ausstellung der US-Atomgesellschaft ANS in Reno (Nevada, USA). Titel: "Nuclear Power -- Ready, Steady, Go".

Über diese interessanten Angaben von Matondo hinaus gibt es noch einige weitere wichtige Hintergründe in den Beziehungen zwischen Angola und der BRD zu beachten.

Botschafter als nuklearer Brückenbauer

Als erstes wäre der Botschafter von Angola in der BRD, S. E. Alberto do Carmo Bento Ribeiro zu nennen. Er war in den 60er Jahren Student der Elektrotechnik an der mit dem Forschungszentrum Jülich (FZJ) eng verbundenen RWTH Aachen. Das FZJ ist weltweit die Forschungsinstitution schlechthin, die mit der Entwicklung des THTR's in Verbindung steht. Ob beim "Nord-Süd-Dialog" 2002 oder beim groß zelebrierten "Homecoming"-Treffen der Ehemaligen, Alberto Ribeiro ist dabei und wird in den Medien besonders hervorgehoben. Auf ihrer Homepage schreibt die Botschaft Angolas zum Nord-Süd-Profitdialog der Wirtschaftseliten: "Konkrete Kontakte ermöglichen zwischen Entwicklungs- und Industrieländern, das Nord-Süd-Gefälle verringern, dem Wissenschafts- und Wirtschaftstransfer den Weg bereiten. ,Wir wollen die Zusammenarbeit mit Deutschland stärken, um in unserem Land eine Infrastruktur aufzubauen, und dabei kann die Aachener Hochschule eine wichtige Rolle spielen', sagt Ribeiro" (3).

Als verbindendes Band und internationales Kommunikations- und Karrierenetzwerk fungiert die sogenannte "Alumni-Gruppe" in Aachen, die auch gute Beziehungen zur Tsinghua-Universität auf der Halbinsel Shandong (China) hat. Dort auf dem ehemaligen deutschen Kolonialstützpunkt soll Chinas THTR gebaut werden (4). Alberto Ribeiro ist als Botschafter Mitverfasser des 2008 veröffentlichten "Strategischen Zukunftsplans" der "Southern African Development Community" (SADC), in der 14 südafrikanische Staaten seit 1980 zusammenarbeiten. Hierin wird hinsichtlich einer Zusammenarbeit mit der BRD besonderer Wert auf "Unterstützung von Wissenstransfer und Technologietransfer" gelegt (5).

Wirtschaftsforum als Profitbörse der Eliten

Als Botschafter ist Ribeiro ebenfalls an der Ausrichtung des seit 2008 jährlich stattfindenden "Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsforums" beteiligt (6). Es wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, dem Afrikaverein der Deutschen Wirtschaft und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mitorgansiert und bringt Minister, Unternehmensvertreter und Wissenschaftler der beiden Länder zusammen. Das Wirtschaftsforum, zu dem bis zu 200 Vertreter auch zur Geschäftsanbahnung anreisen, wird unter anderem von RWE, Eon und Enbw gesponsert. Auf dem 2. Deutsch-Angolanischen Wirtschaftsforum wurde am 27. 2. 2009 zwischen beiden Ländern eine Absichtserklärung über eine strategische Partnerschaft unterzeichnet, die auch eine Zusammenarbeit in Energiefragen zum Inhalt hat. Besonders interessant ist folgende Formulierung der beschlossenen Vereinbarung: "Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung (Clean Development Mechanism -- CDM) des Protokolls von Kyoto. Beide Seiten teilen die Auffassung, dass sich auch weitere Bereiche als geeignet erweisen können, in die angestrebte Zusammenarbeit im Energiebereich einbezogen zu werden" (7).

Matondo weist darauf hin, dass dieser Sprachcode eine in internationalen Vereinbarungen geläufige Umschreibung für eine nukleare Zusammenarbeit darstellt, denn immerhin galt zu diesem Zeitpunkt in der BRD formal noch der "Atomausstiegsbeschluss": "Der Begriff ,CDM' wird seit der UN-Klimakonferenz von Kyoto von Atomlobbyisten weltweit in allen Foren immer wieder gerne vorgetragen, um den Regierenden der unterentwickelten Länder eine Pro-Nuklearpolitik schmackhaft zu machen und diese teure und gefährliche Technologie dort verkaufen zu können" (8).

Wismut als strahlendes Vorbild für Angola

Noch am gleichen Tag, an dem diese deutsch-angolanische Vereinbarung abgeschlossen wurde, hielt auf dem 2. Wirtschaftsforum der Wismut-Geschäftsführer Dr.-Ing. Stefan Mann folgenden Vortrag: "Die Wismut, ein Bundesunternehmen -- Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranbergbaus in Sachsen und Thüringen -- Chancen für die Republik Angola". Da Angola nicht nur riesige Ölvorkommen, sondern auch viel Uran in der Erde hat, bereiten sich seine Eliten auf einen erneuten Plünderungs-Raubzug gegen die eigene Bevölkerung vor. "Uranvorkommen gibt es in den Provinzen Bengo (Ucua), Kwanza-Norte (Zenza do Itombe) und Huambo (Longonjo)" (9).

Das Beispiel Wismut müsste eigentlich abschreckend sein: 20 Jahre Sanierung kosteten bisher 6,5 Milliarden Euro; die Arbeiten müssen voraussichtlich bis 2040 fortgeführt werden. Ein irrsinniger Aufwand also, von der Gefährdung der Menschen ganz zu schweigen. Und was sagt der frischgebackene Angola-Berater und Wismut-Geschäftsführer Stefan Mann dazu in der Thüringer Allgemeinen? "Die Wismut zeigt mit ihrer Arbeit, dass angerichtete Schäden in der Natur reparabel sind" (10). Jetzt können wir uns vorstellen, was dieser Mann auf der Veranstaltung den Angolanern gesagt hat. Noch heute ist Angola aufgrund des 30jährigen Bürgerkriegs zu einem Drittel mit Landminen verseucht und nur unter großen Gefahren zu betreten. Demnächst kommen noch Uranabbaugebiete hinzu.

BRD-Institution als Handlanger der Uranindustrie

Ein Jahr später findet 2010 das 3. Wirtschaftsforum in Angola selbst statt. Siebzig geschäftstüchtige deutsche Staatsbürger kommen erwartungsvoll nach Luanda, der Hauptstadt. Dort hören sie einen Vortrag von Dr. Rainer Ellmies (11): "Contribution of the BGR in the International Cooperation with Special Reference to the German-Namibian Partnership". Er ist Projekt-Koordinator (12) des Partnerschaftsabkommens "GSN-BGR" (Geologische Aufnahmeabteilung von Namibia und Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe). In Angolas Nachbarland *Namibia*, ehemals deutsche Kolonie Südwestafrika, betreut er die Uranabbaustandorte in Namibia. Über die Probleme und Skandale an den Standorten "Langer Heinrich" und "Rössing" hat der THTR-Rundbrief ausführlich berichtet (13).

"Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover ist als Fachbehörde des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie die zentrale wissenschaftlich-technische Institution zur Beratung der Bundesregierung in allen georelevanten Fragestellungen" heißt es in der Selbstcharakterisierung dieser Institution (14). Dazu gehören offensichtlich auch die "Lagerstättenerkundung" für Uranminen und "die klassischen Aufgaben der geologischen Kartierung, der Mineralprospektion" in anderen Ländern wie zum Beispiel in Namibia - und als umweltpolitisches Deckmäntelchen die Bearbeitung umweltrelevanter Fragen. Das macht seit 2004 insgesamt 2,8 Millionen Euro, verbucht als Entwicklungshilfe für Namibia beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (15). So ähnlich stellen sich das die jeweiligen Wirtschaftseliten wohl auch für Angola vor.

Und ebenfalls für das Uranland Mauretanien. Auch dort hat am 10. 11. 2010 der umtriebige Rainer Elmies auf der Tagung "Mauritanides 2010" über seine Erfahrungen in Namibia berichtet (16). - Uranabbau ist ein Verbrechen an der Menschheit. Wir sollten den aus der BRD kommenden institutonellen Handlangern für diese menschenfeindlichen Aktivitäten mal genauer unter die Lupe nehmen.

Generation IV -- Reaktoren in Angola?

"Das angolanische Parlament hat im Haushalt 2011 erstmals die Mittel für das Nuklearprogramm bereitgestellt" schreibt Matondo (17).Es ist bemerkenswert, dass in dem vom Andrew Kadak geführten Konsortium (18) speziell die Generation IV-Reaktoren (Seite 12 und 19), Thorium als Brennstoff (Seite 18) und der südafrikanische Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) für Angola propagiert wird. Euphorisch heißt es auf Seite 25 vom "The Angola Citizens' Permanent Trust Fund & Industrial Infrastructure Projekt": "The fantastic worldwide economic potential of South Africa?s Pebble Bed Nucelar Reaktor". Auf die chinesische Tsinghua-Universität, in deren Nähe der neue THTR entstehen soll (19), wird auf Seite 16 ebenfalls hingewiesen. China ist übrigens einer der größten Kreditgeber, Handelspartner, Wiederaufbau"helfer" und Know how-Geber in Angola. Tausende von chinesischen Händlern und Arbeitern sind aus dem Straßenbild von Luanda nicht mehr wegzudenken. - Auffällig ist ebenfalls, das mit Reinaldo Luis da Silva Trindade (siehe Seite 34) ein deutschsprechender ehemaliger Absolvent (1982 -- 1988) der Technischen Universität Ilmenau (BRD) in den Bestrebungen des Konsortiums involviert ist.

Reiches Land -- arme Menschen

Zwischen der aufstrebenden Regionalmacht Angola und dem mächtigen Südafrika herrscht eine besondere Beziehung. Als Angola 1975 von der Kolonialmacht Portugal nach heftigen Kämpfen unabhängig wurde, marschierte die Armee des damaligen brutalen Apartheidstaates Südafrika ein, um den Sieg der damals "marxistischen" Befreiungsfront MPLA zu verhindern. Als 1988 die MPLA zusammen mit kubanischen Truppen das Apartheidregime aus Angola vertrieb und das benachbarte Namibia unabhängig wurde, dauerte es bis zum Sturz des südafrianischen Regime nicht mehr lange. Von daher können diese Länder auf eine gemeinsame Geschichte zurückblicken und zahlreiche ehemalige antikoloniale Widerstandsakteure befinden sich inzwischen in hohen Positionen, kennen sich untereinander und teilen oft leider eine gewisse unkritische Fortschrittsgläubigkeit. Deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass sich Angola für den südafrikanischen PBMR und die namibischen Erfahrungen mit dem Uranabbau interessiert.

Ein Großteil der milliardenschweren Gewinne aus der Erdölförderung verschwindet in Angola in den Taschen der Superreichen, während die Mehrheit der Angolaner sehr arm ist. Trotz zweistelliger Wachstumsraten der Wirtschaft rangiert Angola auf dem aktuellen Index der menschlichen Entwicklung der UNO auf Platz 162 von 177 (20). Die Infrastruktur befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Die Unkultur des Geldes, hemmungslose Bereicherung der Eliten, Korruption und die MPLA-Vetternwirtschaft machen den einfachen Menschen das Überleben schwer. Oppositionelle werden nicht nur behindert wo immer es geht, sondern teilweise umgebracht. Das UN-Menschenrechtsbüro musste auf Druck der angolanischen Regierung 2008 geschlossen werden (21). Die MPLA, die ihren Namen "Volksbefreiungsfront" inzwischen abgelegt hat und nur noch als Vier-Buchstaben-Kürzel auftritt, rekrutiert in der Diaspora ihre Anhänger, die Oppositionelle im Ausland bedrohen (22).

Ein solches Regime ist natürlich ein bevorzugter strategischer Partner der BRD und wird seit Jahren mit modernster Rüstungstechnik nur noch so vollgestopft. In seinem Artikel "Angola: Aufrüstung und Korruption" (23) beschreibt Emanuel Matondo die kostspielige Aufrüstung der Diktatur durch die BRD und die intensiven militärisch-wirtschaftlichen Beziehungender beiden Länder.

Etliche Verbindungen in dem Bereich nuklearer Technologietransfer, so ist in diesem Beitrag deutlich geworden, gibt es bereits. Aber wäre mittelfristig der Bau eines Atomkraftwerkes in Angola wirklich realistisch? Millionen Menschen leben in Luanda, einer der teuersten Städte der Welt, in Bretterbuden und daneben steht der von südkoreanischen Unternehmen gebaute höchste Wolkenkratzer ganz Afrikas. Nach den Erfahrungen mit dem PBMR in Südafrika darf durchaus bezweifelt werden, ob dieses Land in der Lage wäre, einen THTR zu bauen. Aber sicher ist, das das viele hierfür ausgegebene Geld besser für soziale Projekte und Armutsbekämpfung angelegt wäre.

Anmerkungen:

  1. "Hunger nach Atom und Macht" von Emanuel Matondo in "afrika süd" Nr. 5/6, 2010, Seite 44. Im Internet: http://www.issa-bonn.org/afsued.htm
  2. Siehe 1., Seite 47
  3. Siehe http://www.botschaftangola.de/content.php?nav=news/themen/kolloquium_ac&details=1 (nicht mehr aktiv)
  4. Siehe http://213.144.5.171/cas0006tw01/teamworks.dll
  5. Siehe http://www.suedafrika.org/fileadmin/downloads/sadc_strategic_plan.pdf
  6. Siehe http://www.dawf.de/de/index.php?node_id=78&rootnodeid=72&parent_id=72&level=2&maxorder=1 (nicht mehr aktiv)
  7. Siehe http://www.botschaftangola.de/regierung/beschluesse_gesetze/absichtserklaerung_deutsch.pdf (nicht mehr aktiv)
  8. Siehe 1., Seite 45
  9. "afrika süd" Nr. 5/07, S. 29
  10. Siehe http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Die-Wismut-bleibt-noch-lange-praesent-Zur-Zukunft-des-Bergbausanierers-177509653
  11. Siehe http://www.dawf.de (nicht mehr aktiv)
  12. Siehe http://www.az.com.na/umwelt/geologen-und-ffentlichkeit-sperren-grundwasser-fr-uranabbau.114229.php
  13. THTR-Rundbriefe Nr. 100, Nr. 101, Nr. 103
  14. Siehe http://www.bgr.bund.de/cln_109/DE/Home/homepage__node.html?__nnn=true
  15. Siehe http://www.bgr.bund.de/cln_160/nn_327772/DE/Themen/TZ/TechnZusammenarbeit/Projekte/Laufend/Afrika/namibia__berat__gd.html (nicht mehr aktiv)
  16. Siehe http://www.mauritanides2010.com/html/conferenceprogram.html (nicht mehr aktiv)
  17. Siehe 1., Seite 47
  18. Siehe http://www.angolaiigroup.com/uploads/AngolaIIProjectupdateApril08xENGLISH75.doc - (nicht mehr aktiv)
  19. "Am deutschen Wesen soll die Reaktorwelt genesen", THTR-Rundbrief Nr. 105
  20. "afrika süd" Nr. 3/08, S. 26
  21. "afrika süd" Nr. 3/08, S. 26
  22. "afrika süd" Nr. 4/05, Seite 17
  23. Siehe http://www.connection-ev.de/z.php?ID=823

Freude durch Kraft für die Energiekonzerne

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Bei der "Atomausstiegs"-Debatte drückte mal wieder die altbekannte Kraft-Werkunion aus SPD und Energiekonzernen auf die Bremse.

Entgegen den vollmundigen Ankündigungen und Versprechungen eines Sigmar Gabriel sieht die reale Positionierung der sozialdemokratischen Führungsriege in NRW ganz und gar anders aus als ihre Schaufensterreden fürs gemeine Wahlvolk. Der WAZ-Zeitungsverlag "Der Westen" schrieb am 29. 5. 2011 in seiner Internetausgabe:

"In der Atomdebatte ist SPD-Frau Hannelore Kraft sich ausgerechnet mit der FDP einig. Die NRW-Ministerpräsidentin warnt vor einem ,Hauruck'-Ausstieg aus der Atomenergie. Die Versorgungssicherheit und die Preise müssten berücksichtigt werden. Die ,Woche der Wahrheit' über den Atomausstieg bringt neue Allianzen hervor: Die FDP und die sozialdemokratische Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft, mahnten am Wochenende ,Realismus' an und warnten vor übereilten Beschlüssen. Der Interessenkonflikt in der Energiepolitik zwischen SPD und Grünen strahlt zunehmend auf NRW ab. Die Grünen forderten auf ihrem Landesparteitag in Emsdetten einen ,Atomausstieg ohne Tricks und Hintertüren'. Spätestens 2017 soll Schluss sein mit der Kernkraft. Kraft hält so viel Eile für riskant."

Ein solches Verhalten verwundert nicht im Geringsten. Als im Jahre 2004 immer mehr beunruhigende Fakten ans Licht kamen, dass das Forschungszentrum Jülich (FZJ) sogar unter dem rot-grünen Pseudoausstieg weiter an der HTR-Linie forschte und international nukleare Dienstleistungen für einstiegswillige Staaten wie Südafrika tätigte, richteten wir als Bürgerinitiative Fragen an die Ministerin für Wissenschaft und Forschung des Landes NRW, Frau Hannelore Kraft. Und erhielten am 12. 7. 2004 als Antwort eine so offenkundige Befürwortung der Nuklearforschung, die selbst die größten Pessimisten unter uns in Erstaunen versetzte:

"Die im Forschungszentrum Jülich betriebene Forschung zur HTR-Technologie ist Sicherheitsforschung. Damit leistet das Zentrum einen wertvollen Beitrag zur internationalen Sicherheit von HTR-Reaktoren. Es wäre nicht gerechtfertigt, auf eine Beendigung dieser Forschung zu drängen. (...) Es bestehen keine Bedenken gegen eine HTR-Sicherheitsforschung mit Mitteln der EU, soweit sie in die Programmplanung der jeweiligen Einrichtung hineinpasst."

Hannelore Kraft war also schon immer eine treue Erfüllungsgehilfin der Energiekonzerne. Sie bekommt jetzt als NRW-Ministerpräsidentin personelle Unterstützung ausgerechnet aus dem Nuklearstandort Hamm durch den Kommunalpolitiker und FDP-Freund (siehe THTR Rundbrief Nr. 132, "Marcig rechts") Marc Herter, der das Amt des SPD-Fraktionsgeschäftsführers in NRW ab Juli 2011 übernahm. Wer hilft Kraft als Nächstes bei der Hilfe für profitgierige Energiekonzerne? Was macht eigentlich Laurenz Meyer gerade? Hat er immer noch das CDU-Parteibuch? Warum nur?


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