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Die THTR-Rundbriefe aus 2006

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THTR Rundbrief Nr. 107, Juni 2006


Inhalt:

Wasserstoffforschung ist auch Nuklearforschung!

Der Stoff, aus dem die atomaren Träume sind

Ministerien: Die Erde ist eine Scheibe!

RWE verkauft HTR-Brennelenmente-Hersteller an Advent

Presseschau

DIDO in Jülich abgeschaltet

Windenergie in Kapstadt

Neue AKW-Generation in England

18. Juni: Inspektion in Gronau


Wasserstoffforschung ist auch Nuklearforschung!

Anfang 2003 kündigte US-Präsident Bush eine 1,2 Milliarden Dollar teure Wasserstoffinitiative an. 2004 zog die EU mit einem ähnlichen Programm nach. Anfang 2006 brachte die NRW-Wirtschaftsministerin Thoben die verstärkte Förderung der nuklearen Wasserstofftechnologie in Verbindung mit dem THTR ins Gespräch. Bereits in den letzten Jahren sind schon mehrere Dutzend Millionen Euro hierfür ausgegeben worden.

Wasserstoff ist ein Sekundärenergieträger, der auf verschiedene Weise hergestellt werden kann. Alternativenergie ist hier ebenso möglich wie Atomkraft. In der BRD sind die Forschungszentren Karlsruhe (FZK) und Jülich intensiv mit der Wasserstoffforschung beschäftigt.

Das FZK schreibt in ihrer Zeitschrift "Nachrichten": "Wasserstoff ist nicht gefährlicher als alle anderen Energieträger, wenn seine besonderen Eigenschaften berücksichtigt werden" (1). - Und wenn dies nicht geschieht? Was ist von solchen Äußerungen zu halten, wenn in geradezu abenteuerlichen Verrenkungen folgende Energieformen den regenerativen Energiequellen zugerechnet werden: "Hierzu sollen die Sonnenenergie, Erdwärme und brütende Kernspaltung zählen" (2) ?! Dazu passt, dass von der Atomlobby der Wasserstofftechnologie ein umweltfreundliches, CO2-freies Deckmäntelchen umgehängt wird. Dass bei den nuklearen Vorstufen diese CO2-Freiheit nicht im Geringsten besteht, wird natürlich nicht gesagt. In der BRD soll bekanntlich aus der Atomkraft ausgestiegen werden. Deswegen wurde die enge Verbindung von Nuklear- und Wasserstoffforschung bei den bisherigen Projekten nicht an die große Glocke gehängt. Von Rotgrün nicht, um Ärger mit konsequenten Umweltschützern zu vermeiden. Von der Atomindustrie und der CDU nicht, weil sie froh waren, dass es mit der Nuklearforschung immer noch emsig weiterging. Die hinter schwer verständlichem Wissenschaftschinesisch verborgenen komplizierten Zusammenhänge verstanden ohnehin fast nur Wissenschaftler und EU-Lobbyisten.

Kerntechnische Wurzeln

Neuerdings weist die FZK-Zeitung jedoch diskret auf den Zusammenhang von Nuklear- und Wasserstoffforschung hin: "Gerade auf dem Gebiet der Wasserstoffsicherheit gibt es in Europa eine stark fragmentierte Forschungslandschaft: Einige Institute haben kerntechnische Wurzeln, (...)". Und deswegen musste folgendermaßen Abhilfe geschaffen werden: "Seit März 2004 wird das Europäische Exzellenz-Netzwerk (NoE) ‚Hysafe‘ vom Forschungszentrum Karlsruhe koordiniert. (...) Der eigentliche Auftrag an diese Netzwerke ist somit ‚Integration‘" (3). Einerseits soll in der BRD aus der Atomkraft ausgestiegen werden, andererseits wird das FZK beauftragt, für eine enge Verzahnung von Nuklear- und Wasserstofftechnologieforschung zu sorgen. Ein offensichtlicher Widerspruch. In der Graphik der FZK-Zeitung (4,siehe unten) wird dieser Zusammenhang visualisiert. Innerhalb des Wasserstoff-"Kuchens", befinden sich als Anwendungsform nicht nur Kohle, Erdgas, Biomasse und Solarwärme. Nuklearstrom und Nuklearwärme haben ihr eigenes "Viertel" und dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Für die Umsetzung einer solcher-

maßen ausgerichteten Energieforschung erhält das FZK im Rahmen von "Hysafe" 13 Millionen Euro. Davon kommen sieben Millionen Euro von der Europäischen Kommission. 110 Wissenschaftler beteiligen sich an diesem Projekt. Die Entscheidungsstrukturen sind einigermaßen undurchsichtig und verwirrend: "Das eigentlich steuernde, Entscheidungen vorbereitende Gremium ist das Koordinations-Komitee (CC), welches vierteljährlich einberufen wird. (...) Die wesentlichen Entscheidungen werden im ‚Network Governing Board‘ (NGB) getroffen. Dieses wird vom Beratergremium (AC) beraten"(5). – Alles klar?? Ob mehr in Richtung Nuklearenergie oder Alternativenergie geforscht wird, entscheiden also diese dubiosen Arbeitskreise. Der Ausstiegswille der Mehrheit der Bevölkerung spielt hier keine Rolle mehr.

Zündenergie

Probleme gibt es bei der Einführung der Wasserstofftechnologie mehr als genug. Das müssen sogar die damit betrauten Forscher zugeben. Sehr groß sind die Gefahren bei einem Unfall, etwa bei einem Wasserstoffauto oder bei Lagerstätten in einer Garage oder einem Depot: "Die extrem kleine Zündenergie begünstigt spontane Zündung ..." (5). Folglich bereitet die Möglichkeit einer Wasserstoff-Leckage den Forschern erhebliches Kopfzerbrechen, denn die Folgen wären erheblich: "Die Speicherung von Wasserstoff in umschlossenen Räumen, wie z. B. Garagen oder Keller, hat jedoch sicherheitstechnische Brisanz. Dort kann der Vorteil von Wasserstoff, nämlich sein schnelles Entweichen aufgrund des starken Auftriebs, nicht wirksam werden. Zusätzlich fördert die starke Verdämmung den Umschlag von unkritischen Verbrennungen mit erheblichen Druckbelastungen" (6) Es wird hierbei zu Personengefährdungen kommen, "die vor allem aus der Druckwelle und den thermischen Lasten resultieren. (...) Es kann zu Trommelfellschäden, Lungenverletzungen oder Ganzkörpertranslation mit Aufprallverletzungen kommen" (7).

Grundlegende Probleme gibt es bei dem weiteren zentralen Punkt der Wirtschaftlichkeit, geben die H2-Freunde zu: "Während die physikalisch-technischen Fragen hinsichtlich der Erzeugung und Nutzung grundlegend geklärt sind, sind die Fragen bezüglich einer möglichst effektiven Speicherung von Wasserstoff noch weitgehend ungelöst" (8). Es existieren "für die flächendeckende, private Nutzung noch nicht allzu viele Untersuchungen oder Regelwerke. Diese Aspekte werden in dem Network of Exellence Hysafe im Rahmen des 6. Rahmenprogramms der EU bearbeitet, bei dem das Forschungszentrum (Karlsruhe) federführend ist" (9)

Die Wasserstofftechnologie wird sich bei Weitem nicht so schnell verwirklichen lassen, wie es sich seine Propagandisten erhoffen. Der US-Forscher Joseph J. Roman warnte bereits eindringlich vor überzogenen Erwartungen (10). Eine aktuelle Meldung aus der TAZ unterstreicht diese Warnungen: "Im Rahmen von EU-Projekten fahren derzeit in sieben europäischen Städten insgesamt 27 Wasserstoffbusse im Linienverkehr. In Stockholm wurde der Betrieb der Busse im vergangenen Jahr allerdings wieder eingestellt. Der Betrieb sei zu teuer, sagt Projektleiter Jonas Ericson" (11).

Anmerkungen:
(1) NACHRICHTEN – Forschungszentrum Karlsruhe, 3/2005, Seite 110
(2) Siehe Anmerkung (1) Seite 109
(3) Siehe Anmerkung (1) Seite 146
(4) Siehe Anmerkung (1) Seite 112
(5) Siehe Anmerkung (1) Seite 140
(6) Siehe Anmerkung (1) Seite 150
(7) Siehe Anmerkung (1) Seite 144
(8) BWK, Bd. 58 (2006) Nr. 1 u. 2, Seite S 6
(9) Siehe Anmerkung (1) Seite 108
(10) Siehe Buchbesprechung im ND vom 27.03.2006: "Klimaschutz mit High Tech" auf unserer Homepage
(11) TAZ vom 13.04.2006

Der Stoff, aus dem die atomaren Träume sind

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NRW ist das Bundesland, welches bisher am stärksten in die Wasserstoff-Technologie eingestiegen ist.

In der BRD werden zahlreiche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Projekte im Rahmen der Forschung und Entwicklung (F+E)-Förderung von der EU, der Bundesregierung und dem Land NRW unterstützt. Insbesondere die Forschungszentren in Jülich und Karlsruhe, GKSS Geesthacht sowie Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Der Wissenschaftler K. Verfondern vom Forschungszentrum Jülich (FZJ) schrieb in der offiziellen Zeitschrift des Forschungszentrums Karlsruhe ("Nachrichten", 3/2005, Seite 124) über die angestrebte (angeblich) CO2-freie Energieversorgung: "Im Hinblick auf eine Wasserstoffproduktion im großen Maßstab bei konstanter Rate kommt dabei der Nuklearenergie eine entscheidende Rolle zu."

Der Wissenschaftler Verfondern hat in dem oben genannten Beitrag "Nukleare Wasserstoffproduktion" Folgendes ausgeführt: "So haben mit CHRISGAS, SOLREF, HYTHEC, HI2 H2-Projekte begonnen, die sich der Wasserstofferzeugung durch Vergasung von Biomasse, Dampfreformierung, thermochemische Kreisprozesse bzw. Hochtemperatur-Wasserelektrolyse widmen."

In der "Übersicht in den Jahren 2004/2005 aktueller Wasserstoff- und Brennstoffzellenprojekte mit deutscher Beteiligung. Europäische Union – 6. Rahmenprogramm 2002-2006" erstellt von der Nationalen Koordinierungsstelle Jülich für Wasserstoff und Brennstoffzellen (NKJ) beim Projektträger Jülich (PTJ) vom November 2005 werden folgende Projekte genannt:

Nr. 1: CHRISGAS, 9,5 Millionen Euro Zuwendung

Nr. 2: SOLREF, 2,1 Millionen Euro Zuwendung

Nr. 3: HYTECH, 1,9 Millionen Euro Zuwendung

Nr. 4: Hi2H2 1,1 Millionen Euro Zuwendung

Darüber hinaus weisen die Angaben der Nationalen Koordinierungsstelle Jülich für Wasserstoff- und Brennstoffzellen (NKJ) daraufhin, dass die Forschung an Hochtemperatur-Brennstoffzellen SOFC (Solid Oxide Fuel Cell) auch für eine nukleare Nutzung in Frage kommen:

Nr. 27: Real-SOFC, 9 Millionen Zuwendung

Nr. 30 SOFC 600 6,5 Millionen Euro Zuwendung (Die Austrittstemperatur des Gases Helium beträgt über 600 Grad Celsius und ist damit besonders für die nukleare HTR-Linie geeignet),

Nr. 31: FLAME SOFC (Fuel Flexibel ...) 7,5 Millionen Euro Zuwendung

In der Anmerkung zu diesen Projekten heißt es: "Die NKJ hat am 1. September 2004 ihre Arbeit aufgenommen und wird durch Mittel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) sowie des Ministeriums für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWME NRW) finanziert."

Bei den oben genannten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten kann unter Umständen die Wasserstoff-Energieproduktion mit nuklearen Hochtemperaturreaktoren gekoppelt werden.

In dem "Newsletter" vom 28.09.2005 wird von der NKJ auf die zeitlich letzte energierelevante Fördermöglichkeit bis zum 10.01.2006 durch das 6. EU-Forschungsrahmenprogramm hingewiesen. Nach Angaben der EU-Kommission vom 01.10.2004 auf eine Anfrage der EU-Abgeordneten Hiltrud Breyer haben sich in der Vergangenheit verschiedene Forschungseinrichtungen in Eigeninitiative mit Projektvorschlägen und Finanzierungswünschen für nukleare HTR-Forschungsprojekte gemeldet, welches ein zentrales Element der Rahmenpläne darstellt.

In dem "Newsletter" der NKJ werden als von bundesdeutschen Forschungsinstituten avisierte Arbeitsbereiche SOFC-Systeme (insbesondere großen Maßstabs) und Hochtemperatur-MEE genannt. Vorrang für diese "strategisch wichtigen Initiativen" sei die Zusammenarbeit mit "der bestehenden internationalen Kooperationsstruktur International Partnership for the Hydrogen Economy (IPHE)". An der Kooperationsstruktur IPHE ist neben 16 anderen Mitgliedern auch Deutschland beteiligt. In diesem Rahmen finden ebenfalls Fachkonferenzen zu SOFC statt. Über die EU ist Deutschland in diesem Rahmen an vier weiteren Projekten beteiligt.

In dem "Newsletter" von 14.11.2005 der NKJ ist zu lesen: "Deutsche Forscher aus Industrie und Wissenschaft haben in den letzten Monaten Interesse an einer aktiven Mitarbeit am Arbeitsprogramm ‚Hydrogen Implementing Agreement" (HIA) der IEA gezeigt. Deshalb haben wir angekündigt, dass ein deutscher Beitritt zu diesem internationalen Zusammenarbeitsprojekt möglich ist. Derzeit wird an folgenden Themen gearbeitet: (...) Integrated Systems Evaluation, Hydrogen Safety (...), High Temperature Produktion of Hydrogen (...)." Im Rahmen des Forschungsprogramms "Reactor for Process Heat and Electricity" (RAPHAEL) wird an dem "Very High Temperature Reactor Projekt" (VHTR) mit dem Ziel gearbeitet, mit nuklear erzeugter Energie Strom, Wasserstoff und nutzbare Wärme zu erzeugen. An dem Projekt RAPHAEL arbeiten neben AREVA (Framatome) und Anderen ebenfalls Vertreter des Instituts für Kernenergetik der Uni Stuttgart (W. Scheuermann) und des Forschungszentrum Jülich (W. von Lensa) mit.

Seit dem 30.07.2003 ist Euratom Mitglied im Generation IV International Forum (GIF), einer internationalen Initiative zur Entwicklung der vierten Generation von Reaktorsystemen, zu der auch der Hochtemperaturreaktor gehört. Die Zeitschrift "atw" vom Februar 2005 schreibt: "Die Teilnahme von Euratom in GIF wurde von vielen Mitgliedern und Organisationen begrüßt, weil sie (...) eine Plattform für die Teilnahme von Forschungsorganisationen und Firmen bietet, deren Mitgliedsstaaten nicht direkt Mitglied sind, und eine Koordinierung und Komplementarität der insgesamt von der EU geförderten Nuklearforschung mit den Zielen der GIF ermöglicht." Die Teilnahme von deutschen Forschungsinstitutionen an Aktivitäten der GIF läuft hiermit ganz klar dem Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zuwider.

Ministerien: Die Erde ist eine Scheibe!

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Am 5. Februar haben wir die fünf zuständigen Ministerien in Bund und Land mit unseren in diesem Rundbrief zusammengetragenen Fakten konfrontiert. Hier die Antwort des Wirtschafts- und Energieministeriums von NRW: "Durch die Neufassung des Atomgesetzes vom 22.04.2002 hat der Gesetzgeber lediglich die Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität geregelt. Die Forschungsfreiheit (Artikel 5 Abs. 3 Grundgesetz) wird dadurch nicht berührt. Da die Forschung auf dem Gebiet der Kerntechnik frei bleibt, wird weder ein Widerspruch noch ein Verstoß bei den von Ihnen genannten Forschungs- und Entwicklungsarbeiten – unabhängig von der Koppelungsmöglichkeit mit einer nuklearen Energieproduktion – gegen das geltenden Atomgesetz gesehen." (14.02.2006)

Hier die Antwort des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: "Die Durchführung dieser Arbeiten wird von dem ‚Gesetz zur geordneten Beendigung der Kernenergienutzung zur gewerblichen Nutzung von Elektrizität‘ nicht berührt. Sie sind notwendig, um den hohen Sicherheitsstandard der in Deutschland betriebenen kerntechnischen Anlagen für die Dauer ihrer Laufzeit zu gewährleisten." (15.05.2006) Und die Erde ist eine Scheibe.

RWE verkauft HTR-Brennelenmente-Hersteller an Advent

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Seit dem Jahr 2000 ist RWE NUKEM im südafrikanischen Pebble Bed Modular-Projekt aktiv. Am 24.08.2005 unterzeichnete RWE Nukem einen Kooperationsvertrag für die Herstellung der nuklearen Brennelemente für den südafrikanischen Hochtemperaturreaktor. In der Ausgabe Nr. 101 des THTR-Rundbriefes berichteten wir ausführlich darüber.

Jetzt hat RWE genau diese Firmensparte an den Finanzinvestor "Advent" verkauft. Die Financial Times Deutschland berichtete am 19.05.2006: "Die US-Beteiligungsfirma Advent erwarb die fünf unter dem Namen RWE Solutions zusammengefassten Unternehmen, die insgesamt 9.500 Mitarbeiter beschäftigen und einen Jahresumsatz von rund 1,7 Mrd. € erzielen. (...)" Nach FTD-Informationen erzielte RWE für die Aktivitäten mit einem gemeinsamen operativen Ergebnis (Ebitda) von rund 100 Mio. € einen Preis in der Größenordnung von 650 Mio. € bis 750 Mio. € einschließlich übernommener Schulden. (...) RWE gibt Dienstleister im Umfeld der Energiewirtschaft auf, etwa in den Sparten Leitungsbau und Infrastruktur, Schaltanlagen und Rückbau von Nuklearanlagen. Der Konzern konzentriert sich nach dem Willen von Vorstandschef Harry Roels ganz auf die Versorgung mit Strom und Gas. (...)

Auch die zweitgrößte Firma aus dem Firmenbündel, der Nukleardienstleister Nukem, zeigt große Unterschiede in der Profitabilität seiner Sparten. Nukem ist weltweit größter unabhängiger Uranhändler. Die Sparte arbeite lukrativ, hieß es. Zudem hat sich das Unternehmen mit rund 1.100 Beschäftigten auf die Aufbereitung von Atommüll und die Stilllegung alter Nuklearanlagen spezialisiert. Dieser Bereich arbeitet gegenwärtig offenbar mit unzureichendem Ergebnis. Die Nachfrage wachse in den nächsten Jahren, erklärte Advent. (...) Advent plant, das erworbene Firmenkonglomerat unverzüglich aufzulösen und getrennt zu führen. Die Verhandlungen zogen sich über deutlich mehr als ein Jahr hin. Das zeigt, wie schwer sich der RWE-Konzern tat, einen Käufer für das Firmenpaket zu finden."

Die RWE-Presseerklärung vom 18.05.2006 führt zu Advent folgendes aus: "Advent international ist eines der weltweit führenden Equity-Unternehmen mit einem betreuten Vermögen von 4,8 Mrd. Euro und Standorten in 14 Ländern in West- und Zentraleuropa, Nordamerika, Lateinamerika und im asiatisch-pazifischen Raum. Seit seiner Gründung 1984 hat Advent in mehr als 500 Unternehmen investiert und Firmen dabei unterstützt, Kapital im Wert von 8 Mrd. Euro über Aktien- und Anleiheemissionen aufzubringen, einschließlich 130 Börseneinführungen an weltweiten Börsenplätzen."

Von privaten Pflegeheimen bis hin zu Pharmaunternehmen wird alles aufgekauft. Von der Ursache (radioaktive Strahlung) bis zur Behandlung der Auswirkung (Strahlenkrankheit) kann also in Zukunft alles von einer langen Hand gesteuert werden. Und vielen Menschen geht hoffentlich ein Licht auf.

Horst Blume

Presseschau

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"Es ist frappierend, wie schnell sich viele Menschen in der Region rund um Hamm schon nach so kurzer Zeit an fast nichts mehr erinnern können oder wollen. Fast alle unter Dreißigjährigen wissen heute noch nicht einmal mehr, dass sich zehn Kilometer von der Hammer Innenstadt entfernt ein Reaktor im ‚Stilllegungsbetrieb‘ – so die offizielle Bezeichnung – befindet."

Dies schrieb ich in der April-Ausgabe der "Graswurzelrevolution". Während der Störfall im THTR vor 20 Jahren in ganz Deutschland in aller Munde war und in Hunderten von Artikeln beschrieben wurde, muss heute sehr viel Energie aufgewendet werden, damit anlässlich des 20. Jahrestages überhaupt noch in einem halben Dutzend Zeitungen über dieses Thema berichtet wird. Aber die Radioaktivität hat sich innerhalb von ein paar Jahren nicht in Luft aufgelöst. Diese Oberflächlichkeit und Geschichtslosigkeit wird Auswirkungen haben. - Das ist die Presseresonanz von heute; wie mag sie nach 50 Jahren aussehen?

  • April-Ausgabe: "20 Jahre nach Tschernobyl"* (Vergesslichkeit und Widerstand gegen die HTR-Linie in Hamm), "Graswurzelrevolution"
  • April-Ausgabe: "SGL Carbon liefert Graphit für PBMR", anti atom aktuell, Ausgabe 170
  • April-Ausgabe: "Generation IV" (und Frankreich), anti atom aktuell, Ausgabe 170
  • 22. April: "Anti-Atom unter Strom"* (mit THTR-Berichterstattung), TAZ-NRW
  • 22. April: "Mär von der schönen neuen Reaktorwelt"* (über die Generation IV), TAZ
  • 26. April: "Eine strahlenden Zukunft" (mit THTR-Berichterstattung), TAZ-NRW
  • 26. April: "20 Jahre nach dem GAU", Wochenblatt
  • 28. April: "Auch Hamm erinnerte an die Katastrophe von Tschernobyl", Westfälischer Anzeiger
  • 29. April: "Unbegrenzte Demo"* (mit THTR-Berichterstattung), TAZ-NRW
  • Mai-Ausgabe: "Neuer THTR in China"*, Titelstory der "Graswurzelrevolution"
  • Mai-Ausgabe: "Absolut skrupellose Leute" (THTR-Kügelchen in der Elbmarsch), 5 Seiten!, Konkret
  • Ausgabe 1/2006: "20 Jahre nach Tschernobyl" (zum THTR), Fuge-News (Hamm)
  • 4. Mai: "Krise nach der Katastrophe" (THTR-Störfall vor 20 Jahren, Westfälischer Anzeiger
  • 17. Mai: "Deutsche Schleichwege zur Atombombe"* (mit THTR-Kügelchen) Junge Welt

Die meisten Medien haben sich der THTR-Geschichte durch Verschweigen entledigt. Sie zeigen mit dem Finger ins weit entfernte Tschernobyl, wo marode russische Meiler Schrecken einjagen. Aber hier in Deutschland wird über den eigenen Schrottreaktor und den erfolgreichen Widerstand gegen ihn lieber der Mantel des Schweigens gelegt – die Bürger könnten ja zu weitergehenden Schlussfolgerungen verleitet werden.

Für Desinteresse und Gleichgültigkeit gegenüber den vom THTR auch heute noch ausgehenden Gefahren besteht keinerlei Grund: Die Geschichte der radioaktiven THTR-Kleinstkügelchen in der Elbmarsch und die dortigen aufsehenerregenden Leukämiefälle zeigen deutlich, dass mit unliebsamen Überraschungen auch in Hamm und Hanau (dem Produktionsort der Kügelchen, wo es ebenfalls zu Störfällen gekommen ist) gerechnet werden muss. Nicht umsonst hat Deutschlands größte linke Monatszeitschrift "Konkret" im Mai dem THTR und der Elbmarsch ganze fünf Seiten gewidmet. Fortsetzung folgt.

Horst Blume

DIDO in Jülich abgeschaltet

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"Gestern erlosch der letzte von ursprünglich drei Reaktoren im Forschungszentrum Jülich. Reaktor DIDO war lange Zeit die stärkste Neutronenquelle in Deutschland, teilte das FZ gestern mit. Sie hatte Neutronen geliefert, um die innere Struktur einer Materie zu erforschen. Die Jülicher werden jetzt den Forschungsreaktor Garching in Bayern nutzen. Nach einer politischen Grundsatzentscheidung, keine hoch angereicherten Brennelemente in Forschungszentren mehr zu verwenden, hätte DIDO umgerüstet werden müssen." (Aus: TAZ-NRW vom 03.05.2006)

Inzwischen mutiert das atomkritikresistente FZ Jülich auch noch zum bevorzugten Rückzugsgebiet rücksichtsloser Sozialräuber: "Aus Angst vor Protesten entscheidet der Senat der Universität Köln heute im 50 Kilometer entfernten FZ Jülich über Studiengebühren. (...) Vor drei Wochen musste eine Sitzung des Uni-Senates ausfallen, weil 1.500 Studierende den Saal blockierten." 

(Aus: TAZ-NRW vom 24.05.2006)

Windenergie in Kapstadt

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Seit kurzem wird Windenergie von der südafrikanischen Westküste in das Stromnetz von Kapstadt eingespeist. Bis zum Jahre 2020 will die Metropole am schönsten Ende der Welt zehn Prozent ihres Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen decken.

Das ist auch ein Sieg gegenüber der Atomlobby, die das nur 35 Kilometer von Kapstadt entfernte Atomkraftwerk Koeberg als einzigen Stromversorger für das Westkap anpreist. (...) Der Schock über die tagelangen Stromausfälle mit Millionenschäden für die Wirtschaft hat endlich das Bürgermeisteramt in Kapstadt erkennen lassen, dass die vollkommene Abhängigkeit der Region von Atomstrom durchbrochen werden muss und auch alternative Energien gefördert werden müssen. (...) Eskom hat das schon vor ein paar Jahren von einer privaten Gesellschaft mit dänischer und deutscher Unterstützung betriebene Pilotprojekt bis jetzt mit allen Mitteln vom Markt fernzuhalten versucht. Auch Kapstadt hatte sich unter dem Druck des Stromkonzerns bislang geweigert, der Darling Wind Farm Strom abzunehmen. Erst durch den Regierungswechsel in Kapstadt vom ANC zur Demokratischen Allianz wurde ein Umdenken möglich.

Man kann die drei Windturbinen schon von weitem auf dem 252 Meter hohen Hügel sehen, wenn man in der Nähe des Küstenortes Yzerfontein die Straße entlang fährt. Wenn die Stromabnahme lukrativ genug ist, wird eine Erweiterung nicht lange auf sich warten lassen. Ein anderer privater Betreiber lässt gerade nördlich von Durbanville, ebenfalls gleich hinter Kapstadt, eine weitere Windfarm mit drei Turbinen entstehen.
Eskom verliert zwar damit das nahezu absolute Monopol über die Stromversorgung Südafrikas zumindest am Westkap, aber vielleicht hilft der Wettbewerb Eskom, auch Marktführer für die alternativen Energien zu werden. Ihr Windenergie-Pilotprojekt steht in Klipheuwel ebenfalls an der Westküste. Es soll die größte Windfarm in Afrika südlich der Sahara werden, liefert aber gegenwärtig nur Strom für 2500 Haushalte.

(Aus: Neues Deutschland vom 08.05.2006)

Neue AKW-Generation in England

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Es mehren sich die Meldungen, dass innerhalb der EU nach Frankreich auch England verstärkt auf die HTR-Linie setzen will. Obwohl Premier Blair die Kommunalwahlen verloren hatte, macht er unbeirrt weiter. "In der Energiefrage will er jeden Nachfolger schon jetzt festnageln. Ja zur Errichtung einer neuen Generation von Atomkraftwerken, verkündete er. Nicht im Parlament oder vor der Fraktion, sondern vor Vertretern des Industriellenverbandes CBI, dessen Mitglieder ihn beklatschten." 

(Aus: ND vom 20.05.2006)

18. Juni: Inspektion in Gronau

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In Gronau ist eine Inspektion der Urananreicherungsanlage (UAA) am 18. Juni (ab 12 Uhr) geplant. Die Diskussion um den Atom-Konflikt mit dem Iran soll hierbei genutzt werden, eine ähnliche Anlage in Westfalen zu problematisieren. Ab Freitag, den 16. 6. beginnt der Campaufbau. Unterstützer sind IPPNW, X-tausendmal quer, Gewaltfreie Aktion Atomwaffen abschaffen. Die Aktion verspricht, sehr interessant zu werden. Wir fahren von Hamm aus auch hin.

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