Die Reaktorpleite - THTR 300 Die THTR-Rundbriefe
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Die THTR-Rundbriefe aus 2006

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THTR Rundbrief Nr. 105, Maerz 2006


Nuklearer Wasserstoff aus Hochtemperatur-Reaktoren

Thobens Träume

Mit einem unerwarteten Paukenschlag meldete sich die CDU-Energieministerin Christa Thoben in der energiepolitischen Debatte zu Wort. Ausgerechnet das milliardenteure Pleiteprojekt Hochtemperatur-Reaktor (HTR) favorisiert sie als stärker zu fördernde Zukunftstechnologie in NRW.

Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt wurde allerdings insbesondere im Forschungszentrum Jülich (NRW) fleißig mit Unterstützung von Bund und Land weiter an der HTR-Linie geforscht. Auch von 1998 bis 2005 unter rotgrünen Regierungen. Der Mythos des angeblich inhärent sicheren Reaktors wirkte unterschwellig ebenso weiter fort, wie die Geldquellen aus dem Staatssäckel sprudelten.

Wenn auch ein Neubau des HTR´s in der BRD während dieser Zeit unmöglich war, so konnte durch offensiven Know-How Export Ländern wie Südafrika, China und Japan der marode Reaktortyp angedient werden. Die EU, Südkorea, USA und diverse Schwellenländer bereiten ebenfalls seit Jahren den Einstieg in diese neue IV. Generation der Atomreaktoren vor und haben sich in diversen Netzwerken organisiert.

Nach dem Regierungswechsel in Düsseldorf und Berlin nutzte Thoben die Gunst der Stunde: "Wir sind in NRW führend in der Entwicklung der Brennstoffzelle, für deren Betrieb man Wasserstoff braucht. Experten sagen die Herstellung von Wasserstoff mit erneuerbaren Energien dauert noch 25 Jahre. Über den Hochtemperaturreaktor ginge das wesentlich schneller" (WA 07.01.2006). Bei diesem Verfahren soll nicht nur Strom, sondern auch Prozesswärme und "umweltfreundlicher" Wasserstoff als Treibstoff für zukünftige Fahrzeuge entstehen, versprachen ihr die "Experten" aus Jülich, denen sie prompt "stärkere Unterstützung" (Rheinische Post 06.01.2006) zusagte.

Ein einfacher Hochtemperatur-Reaktor reicht als Bezeichnung für das ehrgeizige Ziel jetzt nicht mehr aus. Jetzt heißt das Wunderding "Höchsttemperaturreaktor" oder auf englisch: Very High Temperature Reactor (VHTR). Die Financial Times Deutschland erklärt uns fachkundig, wie es funktionieren soll: "Im Unterschied zu den weltweit verbreiteten Leichtwasserreaktoren wird beim VHTR die Betriebstemperatur bei der Spaltung von angereichertem Uran nicht etwa bei 300, sondern mindestens bei 950 Grad Celsius liegen. Damit lässt sich in einem Parallelkreislauf beispielsweise das Edelgas Helium aufheizen, das zuerst Turbinen zur Stromerzeugung in Rotation versetzt. Diese Hitze reicht aber auch aus, um zusätzlich chemische Prozesse zur Gewinnung des Energieträgers Wasserstoff in Gang zu setzen" (06.01.2006).

Über die möglichen Gefahren eines solchen Reaktorbetriebes erfährt man weder bei Thoben noch in der Finanzzeitung etwas. Dabei hat dieser Reaktortyp bei der Wasserstoffproduktion gravierende Nachteile:

  • Bei der nuklearen Wasserstoffproduktion im HTR handelt es sich um ein gekoppeltes nuklear-chemisches System. Nukleare und konventionelle Anlagenteile greifen prozessbedingt ineinander und führen zu qualitativ völlig neuen Gefahren. Bekanntlich besteht in der chemischen Industrie eine hohe Explosionsgefahr. Ebenfalls können sich Störfälle im nuklearen Teil auf den konventionellen Anlagenteil auswirken.
  • Die erhöhte Störanfälligkeit des nuklearen Anlagenteils beeinträchtigt die Funktionsweise der Gesamtanlage. Da Hochtemperatur-Reaktoren bei ihren bisherigen Betriebsversuchen durch zahllose Störfälle besonders aufgefallen sind, würde bei einem temporären Ausfall der nuklearen Wärmequelle der konventionelle Teil ebenfalls nicht funktionieren ("thermodynamische Rückkopplung").
  • Es besteht die Gefahr, dass bisherige nukleare Sicherheitsstandards zugunsten von weniger strengen Bestimmungen in konventionellen Anlagen aufgeweicht werden.
  • Es besteht die Möglichkeit einer radioaktiven Verseuchung der eingesetzten Produktgase.
  • Der Nachweis der Wettbewerbsfähigkeit der Wasserstoffproduktion durch HTR´s ist bisher nicht erbracht worden. Hohe Investitionskosten und die bisher fehlende Möglichkeit einer kostengünstigen großräumigen Speicherung des Wasserstoffs führen zusätzlich dazu, dass diese Technik auch in nächster Zeit unausgereift bleiben wird und auf lange Sicht nicht mit anderen Energieproduktionsformen konkurrieren kann.
  • Wasserstoff ist ein Sekundärenergieträger, dem man nicht ansieht, wie er erzeugt wurde. Ökologisch sinnvoll ist seine Erzeugung nur mit Hilfe von erneuerbaren Energien. Bei ihnen fallen eben keine CO2-Emissionen durch Uranabbau, Erzaufbereitung, Anreicherung, der Sanierung riesiger Abfallhalden an. Von der Gefahr der nuklearen Verseuchung und dem Atommüll ganz zu schweigen.

Mit der nuklearen Wasserstofftechnologie versucht die Atomindustrie sich ein CO2-freies, positives Image zu geben und durch diesen Etikettenschwindel Fördergelder aus dem Bereich erneuerbarer Energien zur Atomkraftforschung zurückzuleiten. Wie viel Dutzend Millionen Euro an verdeckter Förderung in der BRD bereits in den letzten Jahren ausgegeben wurde, wird auf unserer Homepage detailliert auf drei Seiten nachgewiesen.

Thoben bekam Kontra

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Es war alles so schön eingefädelt. Hamms CDU-Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann suchte für den traditionellen Stadtempfang einen prominenten Redner, am besten natürlich mit dem gleichen Parteibuch. Da passte es doch gut, das die CDU seit fast einem Jahr in NRW Regierungspartei ist und Energieministerin Christa Thoben am 1. März noch einen Termin frei hatte. So eine schöne Rede über Innovationen, neue Entwicklungen, blühende Landschaften und Zukunftstechnologien wäre doch für Hamm genau das Richtige.

Dummerweise sagte Thoben wenige Wochen zuvor nach Ansicht vieler Umweltschützer in Hamm genau das Falsche. Sie sprach sich für längere Laufzeiten bei Atomkraftwerken und für eine verstärkte Förderung der nuklearen Wasserstoffproduktion durch Hochtemperatur-Reaktoren in NRW aus.

"Genau solche Pleitereaktoren, wie den hier in Hamm-Uentrop strahlend vor sich hinstörenden, will die wieder bauen? Die hat ja nicht alle Tassen im Schrank" brummelten ärgerlich ein paar dickköpfige Westfalen und beschlossen, etwas dagegen zu tun.

Zufällig ergab es sich, das kurze Zeit zuvor bei ihnen ein Glückwunschschreiben zum 30. Geburtstag der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm eintraf. Absender: Der Bundesverband "Christliche Demokraten gegen Atomkraft" (CDAK) mit Sitz in Mainz; einem Ort also, von dem besonders im Februar manch unkonventionelle und überraschende Initiative ausgeht.

Nun muss man wissen, dass unser Bürgermeister Hunsteger-Petermann in Hamm nicht nur die Häschen der Kaninchenzüchter öffentlichkeitswirksam streichelt, sondern sogar eilfertig zusammen mit Emanzipationsbewegten gegen (angeblich) schwulenfeindliche Reggaemusiker demonstriert – kurzum, er vereinnahmt alles und drückt so ziemlich Jeden an sein großes Herz. Deswegen ist er ja Bürgermeister geworden. Aber weshalb sollte es nicht auch einmal anders gehen?

Schon bald traf die flammende Philippika der engagierten Christdemokraten gegen die gottlose Atomkraft in Hamm ein, wurde vervielfältigt und den über 400 Besuchern des Stadtempfangs zur Kenntnis gebracht; das Ganze garniert mit einem schönen Atommüllfass, großen Transparenten und Plakaten: "Tschernobyl schon vergessen, Frau Thoben?" und "Ein Pleitereaktor reicht!" In Radio Lippewelle waren die mahnenden Worte der kritischen Christdemokraten zu hören und im WDR in der Sendung "Lokalzeit Dortmund" die etwa 25 Demonstranten zu sehen. Die geladenen Abordnungen aus Hamms Partnerstädten Bradford (Britannien), Oranienburg und Afyon (Türkei) bekamen ebenfalls einen guten Eindruck über die Protestkultur in Hamm.

Ministerin Thoben hielt auf der Zufahrt zum Veranstaltungsort kurz an, um das denkwürdige christdemokratische Flugblatt mit folgendem Titel in Empfang zu nehmen: "‘Elch‘-Test für volkswirtschaftliche Energie-Kompetenz". Für Volkswirtschaftlerin Thoben angesichts parteipolitischer und energiepolitischer Scheuklappen sicherlich eine harte Nuss. Nachhilfe in Mainz wäre hier eine echte Investition in die Zukunft.

Die demonstrierenden "Westfalen" gingen übrigens in Hamm ziemlich Selbstbewusst nach der Aktion nach Hause, denn sie wissen nun, notfalls können sie immer noch so stark wie früher sein. Nicht umsonst wurde der Reaktor 1989 stillgelegt.

(Dieser Artikel wurde bereits im WA am 08.03.2006 mit einem Foto der Aktion als Leserbrief veröffentlicht!) 

Horst Blume

Medien-Echo

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Es ist sicherlich kein schlechtes Zeichen, wenn eine Bürgerinitiative auf den nostalgischen Festakt zu ihrem 30. Geburtstag verzichtet und stattdessen bei dem Hammer Stadtempfang mit der Atomministerin eine vielbeachtete Protestaktion zu einem höchst aktuellen Thema durchführt. Besser kann man wirklich nicht "feiern".

Doch so ganz übergehen können wir das Jubiläum nicht. Der WDR brachte am 18. Februar eine sechsminütige Sendung über die Geschichte der BI, ihre Aktivitäten und den gescheiterten THTR. Vor dem Hintergrund der jüngsten Thoben-Äußerungen also ein höchst passender und aktueller Bericht. Zur Feier des Tages haben wir es uns nicht nehmen lassen, den Fiedel Michel-Song von 1976 "In Uentrop und Schmehausen" zum anhören und mit einer kleinen Geschichte versehen auf unsere Homepage zu stellen (historie). Anzuhören ist ebenfalls ein längeres Interview mit Horst Blume zum THTR, welches in den freien Radios von Freiburg bis Hamburg gesendet wurde: http://www.podster.de/ (Beitrag Nr. 519).

Per Leserbrief korrigiert werden musste am 20.02.2006 ein Artikel in "Neues Deutschland", der in einigen Passagen zur militärischen Nutzbarkeit des THTR´s in Südafrika unrichtige und verharmlosende Angaben enthielt.

Zusätzlich zu den im obigen Artikel genannten Sendungen und Berichten über die Thoben-Aktion waren Meldungen in der TAZ-NRW, Junge Welt, WA und im auflagenstarken Hammer "Wochenblatt" zu lesen. Zuvor wurden von uns in zwei Leserbriefen im "Westfälischen Anzeiger" die Nuklearbestrebungen von Frau Thoben kritisiert.

In der "Graswurzelrevolution" (Nr. 307), der Zeitung also, die mit der Geschichte unserer BI von Anbeginn intensiv verbunden ist, befand sich eine freundliche Würdigung der BI-Arbeit und ein Bericht über die NRW-Konferenz der Anti-Atom-Initiativen, auf der nicht nur ein Vortrag über die aktuelle HTR-Situation gehalten wurde, sondern sich eine spezielle Arbeitsgruppe mit diesem Thema befasste und natürlich auch ein Extrablatt des THTR-Rundbriefes verteilt wurde.

Dank THoben ist der THTR also wieder in aller Munde. Aller? Nicht in der April-Ausgabe der sozialdemokratischen Mitgliederzeitschrift "Vorwärts", die sich auf zwei Seiten mit der nuklearen Wasserstoffförderung beschäftigt. Ein ansehnlicher Teil könnte glatt durch unsere Homepage, die dieses Thema seit längerer Zeit beackert, sagen wir mal "inspiriert" worden sein. Allerdings wird in dem "Vorwärts" peinlichst darauf geachtet, in diesem Zusammenhang nur ja nicht den unbedingt dazugehörigen THTR zu benennen. Denn unter den rotgrünen Koalitionen im Land NRW und im Bund wurden ganz erhebliche Mittel für die Kombination von nuklearem Wasserstoff und HTR bereitgestellt. Liebe SPD: Bitte mehr Vorwärts gehen mit der Ehrlichkeit und wie wär's mit etwas mehr Selbstkritik??

Horst Blume

Frankreich will neuen Reaktor der IV. Generation entwickeln

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Frankreich will nach den Worten von Jacques Chirac einen neuen Reaktor der vierten Generation entwickeln. Die Indienststellung eines Prototyps soll im Jahre 2020 erfolgen.

Die FAZ meldete am 06.01.2006: "Frankreich werde beim nächsten Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs ein Strategiepapier für die europäische Energiepolitik vorlegen. (...) Welcher Reaktortyp Chirac vorschwebt, blieb offen. Im Rahen einer ‚Generation IV‘ genannten Initiative des amerikanischen Energieministeriums arbeiten derzeit zehn Länder, darunter Frankreich, an einer Weiterentwicklung der Kernenergie.

Frankreich konzentriert sich dabei auf Hochtemperaturreaktoren sowie auf Reaktoren, die mit schnellen Neutronen arbeiten (Brüter-Technologie) und entweder mit Gas oder mit Natrium gekühlt werden. ‚Einer dieser Typen wird es wohl werden‘, sagte der Sprecher der französischen Atomenergiebehörde CEA. Die französische Energieindustrie begrüßte den Vorstoß Chiracs. Mit dem Jahr 2020 hat er erstmals eine Frist für die Entwicklung eines Prototyps genannt. Das Projekt stehe auch internationalen Partnern offen, betonte Chirac. ‚Das geht genau in die Richtung, auf die wir uns vorbereiten‘, sagte die Präsidentin des französischen Kraftwerksherstellers AREVA, Anne Lauvergeon. (...)

Frankreich bezieht mehr als drei Viertel seines Stromes aus Nuklearenergie. Sie wird in 58 französischen Reaktoren erzeugt, die überwiegend für eine Laufzeit von 40 Jahren gebaut wurden. Nach Angaben von AREVA werden 40 Reaktoren im Jahr 2020 diese Altersgrenze erreicht oder überschritten haben. (...) Die staatliche Eisenbahn SNCF und die Regionalverkehrsgesellschaft RATP sollen in zwanzig Jahren ‚keinen Tropfen Öl‘ mehr verbrauchen, kündigte Chirac an." – Ein deutlicher Hinweis auf den geplanten Einsatz von Wasserstofftechnologie durch HTR´s.

Ausführliche Infos zu "AREVA in BRD und Frankreich" befinden sich im THTR-Rundbrief Nr. 96

Neuer THTR in China:

Am deutschen Wesen soll die Reaktor-Welt genesen!

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Wenn am 22. Mai Bundeskanzlerin Merkel in alter deutscher Tradition mit einem Tross von Wirtschaftsvertretern nach China reisen wird, will sie auch der deutschen Industrie die Türen öffnen und zu neuen Aufträgen verhelfen. Ein in diesem Riesenland vergleichsweise kleinerer Landstrich wird hierbei eine besondere Rolle spielen, weil er seit langem mit Deutschland in inniger Verbindung steht.

Eine alte Geschichte...

Es ist der Ort, wo seit über 100 Jahren Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut wird, wo Wilhelm II. bis 1914 im kaiserlichen Kolonialstützpunkt das Sagen hatte und viel später Bayer, Rheinmetall, Degussa – und wo im nächsten Jahr eine längst tot geglaubte altdeutsche Technik aus der Versenkung heraustritt, um erneut die Welt zu erobern: Hier auf der Halbinsel Shandong wird nicht zufällig der Thorium Hoch-Temperatur-Reaktor (THTR) gebaut.

Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte China viele militärische Niederlagen hinnehmen müssen. In den folgenden Jahren verlangten europäische Großmächte, Japan und Russland Hafenrechte, Konzessionen, Einflusszonen und Kriegsentschädigungen. China als Selbstbedienungsladen der Finanzimperien wurde für Deutschland interessant. Bereits 1860 erkundete eine preußischen Expedition die Gegend der Kiautschou-Bucht auf der Halbinsel Shandong, was in den folgenden Jahren zum Abschluss verschiedener Handelsverträge führte. 1890 wurden christliche Missionsstationen unter "Schutz" gestellt und es begann der Wettlauf um Bergbau- und Bahnkonzessionen.

1898 nötigte das Deutsche Kaiserreich China einen auf 99 Jahre befristeten Vertrag über ein Pachtgebiet in der Kiautschou-Bucht auf. Die hier neu entstandene Stadt Tsingtau, später Qingdao genannt, wurde ein paar Wochen später in ein deutsches "Schutzgebiet" umgewandelt. Das Territorium in einem Umkreis von 50 Kilometern zu einer "neutralen" Einflusszone erklärt. Die deutsche Firma Carbwitz & Co sicherte sich bei dem Bau der Eisenbahnlinie von Qingdao in die Provinzhauptstadt Jinan einen 15 Kilometer breiten Korridor rechts und links der Bahnlinie das Recht für die Ausbeutung von Kohleminen.

Die Folge zahlloser unter Zwang und Druck abgeschlossener Verträge war die halbkoloniale Versklavung großer zusätzlicher Gebiete Chinas. Die Ermordung von zwei deutschen Missionaren und des deutschen Gesandten Baron von Ketteler mussten im Gefolge des "Boxer-Aufstandes" für mehr als 40 blutige Strafexpeditionen des deutschen Kaiserreiches in Nordchina herhalten. Der Brigadekommandant Lothar von Trotha nahm übrigens nicht nur an der Niederschlagung des Boxeraufstandes teil, sondern auch vier Jahre später an dem Völkermord an den Herero und Nana in Deutsch-Südafrika. (Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre wurde hier das Uran für den deutschen THTR abgebaut....).

Wilhelm II. rief in seiner berüchtigten "Hunnenrede" am 27.07.1900 zur Schonungslosigkeit auf: "Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer Euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen."

Nach der weitgehenden Unterwerfung Chinas durch die neuen europäischen Kolonialherren konnten die Geschäftsinteressen deutscher Firmen intensiver weiterverfolgt und immer mehr diskriminierende Konzessionsverträge abgeschlossen werden. 1914 besaßen deutsche Konzerne 16 % der Anleihen in China. Die Verwaltung von Qingdao unterlag dem Reichsmarineamt. Zu Beginn des 1. Weltkrieges wurde das dort stationierte dritte Seebatallion (1400 Mann) durch 3400 weitere Soldaten verstärkt. Nach wochenlangen Kämpfen gegen japanische und englische Truppen kapitulierte am 07.11.1914 die deutsche Truppe. Qingdao wurde durch Japan besetzt.

Die aktuelle Entwicklung

Und Heute? China und Deutschland bemühen sich auch jetzt darum, den Konzernen alles Recht zu machen, damit sie investieren. Sicherlich, die Vergangenheit hat gewisse "Schatten" hinterlassen. Aber wo das Geschäft winkt, wird sogar von chinesischen Wissenschaftlern mal eben ein koloniales Terrorregime in eine "Musterkolonie" mit Universität, deutscher Architektur und hundertjähriger Brauereitradition umdefiniert; die damalige "Modernisierungsleistung" der Deutschen gelobt und fleißig "differenziert": "Auf der anderen Seite sind Aspekte wie der Bau von Eisenbahnenlinien und die dadurch erreichte Belebung der Wirtschaft der Region und die Entwicklung Qingdaos zur modernen Stadt, der Aufbau einer modernen Verwaltung und eines modernen Ausbildungssystems nicht zu bestreiten. (...) Muss man gar das Ende des kolonialen Zeitalters betrauern?" schrieb 1998 Jing Dexiang in dem Tsingtau-Ausstellungskatalog des Deutschen Historischen Museums.

In den letzten Jahren sind beide Länder im beiderseitigen Geschäftsinteresse im Eiltempo aufeinander zugegangen und knüpfen damit an alte Traditionen an. Helmut Kohl hat während seiner Chinareise 1995 Qingdao besucht und neue Kooperationen angebahnt.

Nukleare Kooperation zwischen China und Deutschland

So ist nicht wirklich verwunderlich, dass die in Deutschland entwickelte HTR-Linie hier ihren Neuanfang nimmt. Ein Konsortium aus Huaneng, Tsinghua und China Nuclear Engineering and Construction (CNEC) hat sich dafür entschieden, bei Weihai an der Nordküste von der Halbinsel Shandong einen 195 MW THTR zu bauen. Huaneng, einer von Chinas größten Stromerzeugern, erhält 50 % in dem Joint Venture. CNEC wird 35 % und Tsinghua 5 % übernehmen. Die restlichen 10 % sollen offen für weitere Investoren sein. 2007 ist Baubeginn, 2010 soll der THTR fertig sein.

Auch diese neuere Entwicklung hat eine unmittelbare Vorgeschichte. Bereits 1976 bereisten Ingenieure der Essener Vereinigung der Großkraftwerke (VGB) China und sprachen eine Einladung nach Deutschland aus. Am 19.01.1978 besuchte der stellvertretende Energieminister Chinas, Chan Pin, den damals im Bau befindlichen THTR in Hamm/Westfalen. In den 80er Jahren bestanden intensive Kontakte zwischen dem Kernforschungszentrum Jülich, wo der THTR entwickelt wurde, und der Tsinghua Universität in Peking. Auch nach dem Massaker auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" im Jahre 1989 in Peking arbeiteten deutsche und chinesische Wissenschaftler an drei Studien für einen zu bauenden HTR in China.

Der Kernphysiker Wang Dazong hatte in der mit Jülich kooperierenden RWTH Aachen promoviert und seine Doktorarbeit über kleine HTRs geschrieben. Er ging zurück nach China, machte Karriere und wurde Präsident der Pekinger Tsinghua Uni. China kaufte die stillgelegten Anlagen aus Hanau zur Herstellung der HTR-Brennelemente – der Skandal blieb damals aus - und erwarb das noch fehlende Know How. 1995 begannen die Chinesen mit dem Bau eines 10 MW Versuchsreaktors auf dem militärisch gesicherten Gelände der Pekinger Universität. Im Jahre 2000 wurde der Reaktor erstmals kritisch. Eine rege Tagungstätigkeit begleitet den Versuchsbetrieb. Deutsche Wissenschaftler und Verbandsvertreter sind natürlich immer dabei.

China hat im März 2005 mit Südafrika, das ebenfalls mit deutscher Hilfe 2007 mit dem Bau eines THTR´s beginnen will, ein Kooperationsabkommen für den Austausch technischer Daten und für Nuklearentwicklung und Vermarktung abgeschlossen.

Inzwischen ist Shandong vom chinesischen Staatsrat zu einer "ökologischen Provinz" erklärt worden. Vom 11.bis zum 13. Januar 2006 fand in Qingdao das zweite Deutsch-Chinesische Umweltforum statt. Neben dem deutschen Umweltstaatssekretär Matthias Maching reiste auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel an. Es nahmen mehr als zweihundert Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik teil. Die deutschen Forschungszentren setzten in diesem Rahmen ihre altbekannte Arbeit fort. "Zusammenarbeit im Technologiebereich", "Energieeffizienz" und "gemeinsame Bemühungen zur Förderung der nachhaltigen Nutzung von Ressourcen" heißt es im Text der "Qingdao-Initiative" zum Ziel der Veranstaltung. Da die Produktion von nuklearem Wasserstoff inzwischen zu einer umweltfreundlichen Energieform umdefiniert wurde, schließen die genannte Thematik und der Konferenzgegenstand die Bemühungen zur Förderung der Atomenergie nicht aus. Denn hier handelt es sich in Anlehnung an die alte rotgrüne Sprachregelung bekanntlich ohnehin um wichtige "Sicherheitsforschung"." 

Horst Blume

Weitere Infos zum HTR in China in den THTR-Rundbriefen Nr. 88 und Nr. 98.

HTR in Indien

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Indien hat zwar begrenzte Uranvorkommen, aber sehr große Thoriumquellen, die für Thorium Hochtemperaturreaktoren genutzt werden können. Bereits seit 1996 ist ein kleiner 30 KW Versuchsreaktor in der Nähe von Madras in Betrieb, der Thorium als Brennstoff nutzt. Die indische Nuklearindustrie verfolgt ihren "Thorium-Plan", um in Zukunft nicht zu sehr von importiertem Uran abhängig zu sein. Im Februar 2006 wurde bekannt, dass hier ein schrittweises Konzept für den Ausbau der HTR-Linie entwickelt wurde (VDI nachrichten, 10.02.2006). Der französische Ministerpräsident Chirac unterzeichnete ebenfalls zu diesem Zeitpunkt eine Erklärung, die ein bilaterales Kooperationsabkommen im nuklearen Bereich vorsieht (Neues Deutschland, 21.02.2006). Die eng mit dem Staat kooperierenden französischen Energiekonzerne sind zur Zeit die maßgebliche treibende Kraft bei der Entwicklung der Generation IV-Reaktorsysteme. Die spektakuläre nukleare Kooperation auch im militärischen Bereich mit den USA eröffnet diesem Land gleich zwei Zugänge zur HTR-Technologie. Indien deckt zur Zeit mit acht Atomkraftwerken etwa 5 Prozent seines Stromverbrauches ab.

Termine:

Samstag, 22.04.2006: Auftaktdemo in Gronau (Alter Rathausturm/Bahnhofstr.) um 11.30 Uhr. Anschließend per Rad bzw. Auto nach Almelo. Dort um 16 Uhr Kundgebung gegen Urananreicherungsanlage (UAA).

Samstag, 29.04.2006: Demonstration in Ahaus um 12 Uhr ab Bahnhof. Infos: www.bi-ahaus.de

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