Die Reaktorpleite - THTR 300 Die THTR-Rundbriefe
Studien zum THTR uvm. Die THTR-Pannenliste
Die HTR-Forschung Der THTR-Störfall im 'Spiegel'

Die THTR-Rundbriefe aus 2005

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THTR Rundbrief Nr. 98, Maerz 2005


Erfolg in Südafrika: PBMR-Verfahren muß neu aufgerollt werden!

Der oberste Gerichtshof Südafrikas hat eine wichtige Entscheidung über den Fortgang des Verfahrens zur Beurteilung der Umweltverträglichkeit des geplanten Pebble Bed Modular Reactors (PBMR) in Südafrika getroffen. Die Umweltorganisation Earthlife Africa hatte dagegen geklagt, dass die Betreiber nicht alle relevanten Fakten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatten und kein ordnungsgemäßes Anhörungsverfahren stattgefunden habe. In seinem 40seitigen Urteilsspruch gab das Gericht den Umweltschützern Recht. Die Regierung erkannte den Urteilsspruch an. Diese Entscheidung bedeutet, dass das Verfahren neu aufgerollt werden muss. Nach Ansicht von Beobachtern wird eine Verzögerung von etwa einem Jahr die Folge sein. - Ein großartiger Erfolg für die südafrikanischen Umweltschützer!

China steigt massiv ins HTR-Geschäft ein!

"Nach dem Störfall erst mal Pizza essen"

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"Die Ingenieure taten das Undenkbare: Sie schalteten die Sicherheitssysteme des kleinen Reaktors ab, dann gaben sie Vollgas und zogen bei voller Leistung die Kontrollstäbe aus der Brennkammer heraus – und das am Stadtrand von Peking. In allen anderen Atomkraftwerken der Welt wäre ein Tschernobyl-Desaster die Folge gewesen. Doch die Chinesen waren sich ihrer Sache sicher und hatten für das spektakuläre Experiment 60 Experten aus aller Welt in den Kontrollraum ihres Versuchsmeilers HTR- 10 eingeladen. Erleichtert applaudierten die Gäste im Kontrollraum, als die Katastrophe ausblieb."

Über diese makabere Veranstaltung berichtete am 21.10.2004 das schweizer Nachrichtenmagazin "FACTS" erkennbar bewundernd und setzte noch einen drauf: "Der Meiler sei ‚walk-awaysafe‘, sagen seine Erfinder. Will heissen: Nach einem Unfall könnte die Bedienungsmannschaft erst einmal Pizza essen gehen und in Ruhe beraten, was nun zu tun sei." Es handelte sich bei dieser Veranstaltung um die internationale HTR-Tagung im September 2004 (siehe THTR-RB Nr. 93).

Im Jahr 2010 soll HTR Strom liefern

Inzwischen haben die jahrzehntelangen Bemühungen der deutschen HTR-Lobby Früchte getragen. Spiegel-Online meldete am 8. 2. 2005: "Ein chinesisches Energiekonsortium hat bereits einen Bauplatz in der Provinz Shandong ausgewählt, berichtet die "Financial Times". Dort soll ein 195-Megawatt-Reaktor entstehen, der nach dem Kugelhaufenprinzip arbeitet.
Ein Verantwortlicher des chinesischen Energiekonzerns Huaneng erklärte, das Kraftwerk solle in fünf Jahren den Betrieb aufnehmen. Damit würde China eine Vorreiterrolle in Sachen Nukleartechnologie einnehmen. Das Land benötigt dringend neue Energiequellen, um den Energiehunger der boomenden Wirtschaft zu stillen."

Mit im Boot sitzen auch die Freunde des Pebble Bed Modular Reactors (PBMR): "Südafrikas Präsident Thabo Mbeki kündigte an, mit China bei der Weiterentwicklung der Technologie kooperieren zu wollen." Die sehr industriefreundlichen VDI-Nachrichten merken zu dieser Entwicklung am 11. 2. 2005 sogar vorsichtig an: " Kritiker sehen in Kugelhaufenreaktoren jedoch ein Ziel für terroristische Anschläge. Zudem bleibe die Frage nach der Entsorgung des radioaktiven Abfalls."

Das oben zitierte schweizer Magazin "FACTS" lässt hingegen den ehemals im Sold von Siemens arbeitenden Professor Günter Lohnert völlig unkritisch über den kleinen HTR schwärmen, was von Seiten der Leserschaft nicht unwidersprochen bleibt. Dieser Professor war seit fast 30 Jahren an der Entwicklung des HTR beteiligt, versuchte schon Indonesien diesen Reaktor aufzuschwatzen (siehe THTR-RB Nr. 89) und hat seit 1997 den Lehrstuhl am Institut für Kernenergietechnik und Energiesysteme (IKE) an der Uni Stuttgart inne. Hier wird unter Rotgrün mit EU-Geldern HTR-Forschung betrieben und jetzt zu einem "Kompetenzzentrum für alle relevanten Fragestellungen der Kernenergie" ausgebaut. Lohnert setzt für die Zukunft auf HTR-Module und kritsiert im Nach hinein den THTR in Hamm-Uentrop: "Es war ein entscheidender Fehler, den Reaktor auf Größe zu trimmen."

Seit 30 Jahren Lobby-Arbeit für chinesische HTR´s

Bemerkenswert ist die jahrzehntelange Kontinuität, mit der HTR-Lobbyisten den Kontakt zu China förderten. Bereits 1976 bereisten Ingenieure der Essener Vereinigung der Großkraftwerke (VGB) China und sprachen Einladungen nach Deutschland aus. Am 19. 1. 1978 besuchte der stellvertretende Energieminister Chinas, Chan Pin, den THTR in Hamm-Uentrop. In der Folgezeit gab es Pläne der Essener Firma Innotec Energietechnik KG, kleinere HTRs nach China zu vermarkten. In den 80er Jahren bestanden intensive Kontakte zwischen dem Kernforschungszentrum Jülich und der Tsinghua Universität in Peking (siehe THTR RB Nr. 88). Siemens-Tochter Interatom und der schwedisch-schweizerische Konzern (ABB) planten in dieser Zeit HTR-Modulanlagen in China. Das Massaker auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" in Peking im Jahre 1989 tat den Beziehungen keinen Abbruch. Zwischen 1990 und 1993 arbeiteten deutsche und chinesische Wissenschaftler zusammen am Forschungszentrum Jülich (FZJ) an drei Studien/Vorträgen zum HTR in China. Und im Jahre 2002 machte das FZJ auf ihrer Homepage stolz auf den Gegenstand ihrer wissenschaftlichen Kooperation mit dem Institute of Nuclear Engineering Technology (INET) an der Tsinghua Universität in Peking mit folgenden Worten aufmerksam: "Sicherheitsanalysen zum chinesischen Reaktor HTR-10".

"FACTS" sei Dank geraten jetzt noch einige äußerst interessante Details der Peking-Jülich-Connection ans Licht der Öffentlichkeit: "Der Kernphysiker Wang Dazhong, heute Präsident der Pekinger Universität Tsinghua, hatte Anfang der 80er Jahre in Aachen (mit dem FZJ aufs engste verbunden, H. B.) promoviert und war der erste Wissenschaftler, der seine Doktorarbeit über kleine sich selbst sichernde Kugelhaufenreaktoren verfasste. Wang erkannte den wachsenden Energiebedarf seines Landes und überzeugte die Nomenklatura in Peking. (...) Die Universität Tsinghua erhielt Geld, kaufte den Deutschen zunächst die stillgelegten Maschinen zur Fabrikation der Brennkugeln ab, dann erwarb China die in Deutschland erstellten Pläne für den kleinen Kugelhaufenreaktor"!!!

Der "vergessene" HTR-Hanau-Skandal

Bei den stillgelegten Maschinen für die Fabrikation der Brennelementekugeln kann es sich nur um Anlagen der Firma Hobeg in der Hanauer Plutoniumfabrik handeln. Der Verkauf muß vor etlichen Jahren stattgefunden haben und es ging dabei kein Aufschrei durch die Medien, wie letztes Jahr bei dem Exportversuch des Plutoniumkomplexes Hanau nach China! Und zweitens: Auch nach der Stilllegung des THTR lässt sich offensichtlich immer noch Geld mit dem Verkauf von seinen Patenten verdienen. Auf diese Weise eröffnen sich für die umtriebigen Nuklearforscher in Zeiten knapper Kassen und der Beschränkung auf "Sicherheitsforschung" doch noch einige Spielräume.

Außerdem ergeben sich noch einige Fragen: Hat das FZJ profitiert? Oder wer sonst? Etwa noch nach 1998 unter Rotgrün? Was ist das für ein mieses Spiel, wenn an der HTR-Linie fleißig sicherheitsgeforscht werden kann, die entstandenen Produkte anschließend an die Nuklearindustrie ins Ausland verhökert werden und dann die Atomlobby, unterstützt von vielen Medien mit dem erhobenen Zeigefinger vorwurfsvoll betont: Im Ausland wird diese fortschrittliche Reaktorlinie völlig selbstverständlich genutzt!

Es ist unglaublich: Da zieht ein kleines Grüppchen von HTR-Lobbyisten in dem Forschungszentrum Jülich (und oft auch in Karlsruhe) jahrzehntelang und massenhaft getreue Zöglinge heran, schickt sie in alle Welt hinaus, pflegt die Kontakte, verkauft für gutes Geld Patente und muss nur noch warten, bis die entsprechenden Leute die richtigen Positionen besetzt haben – und dann wird das gemacht, was sie zur Zeit in Deutschland nicht dürfen: Es wird ein HTR nach dem anderen gebaut!

Und niemand von Rotgrün hindert sie daran, dieses Spielchen munter weiterzutreiben. Am 2. Februar war NRW-Umweltministerin Bärbel Höhn wieder einmal

in Jülich. Sie interessierte sich nur für die Forschung an Dünge- und Pflanzen"schutz"mitteln. Atomkraft soll vor der NRW-Landtagswahl ein Tabu sein.

Im Jahre 2000 hat ein interministerieller Ausschuss (IMA), der aus Vertretern des Wirtschafts-, Finanz-, Außen- und Entwicklungshilfeministeriums besteht, China Hermesbürgschaften genehmigt, mit denen die Lieferung deutscher Atomtechnologie gefördert wird. "Die Zeit" titelte am 16. März 2000 dazu: "Deutschland ermuntert China zum Einstieg in die Atomkraft" und resümierte zum Schluß: "Jeder weiß, dass die Atomindustrie mit dem Einstieg in China ihre Überlebenschancen verknüpft." Das Kalkül ist aufgegangen und die rotgrüne Ministerialbürokratie hilft fleißig mit und ruft dabei ganz laut immerzu: Es ist nur Sicherheitsforschung, Sicherheitsforschung, Sicherheitsforschung! 

Horst Blume

Pakistan belieferte Teheran

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Im THTR-RB Nr. 95 habe ich beschrieben, wie der deutsch-niederländische Urenco- und Jülich-Zögling Khan sich in den 70er Jahren Informationen und Bezugsquellen für den Bau von Uranzentrifugen verschafft hat und jetzt damit die ganze Welt unsicher macht. Die unendliche Geschichte nimmt ihren Lauf:

"Die pakistanische Regierung hat erstmals die Weitergabe von Nukleartechnologie an Iran durch den früheren Chef des pakistanischen Atomwaffenprogramms eingeräumt. Abdul Qadeer Khan habe ein Zentrifugensystem an Iran geliefert, sagte Informationsminister Sheik Rashid Ahmed am Donnerstag in Islamabad. Eine Befragung Khans durch ausländische oder internationale Ermittler schloss Ahmed erneut aus. Khan gilt als der ‚Vater der islamischen Atombombe‘. Die pakistanische Regierung hat stets bestritten, von den illegalen Geheimgeschäften Khans gewusst zu haben. Dieser hatte im Januar 2004 die Verantwortung für illegale Lieferungen an Iran, Libyen und Nordkorea übernommen. Wegen seiner Verdienste war er aber von Präsident Pervez Musharraf begnadigt worden." (Neues Deutschland, 11. 3. 2005)

Internationales HTR-Abkommen

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"Die USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien und Japan haben am Montag in Washington ein Abkommen über die Entwicklung modernster Atomtechnologie unterzeichnet. Nach den Worten von USA-Energieminister Samuel Bodman werden die geplanten Systeme der so genannten vierten Generation (wozu die HTR-Linie gehört) dazu beitragen, den steigenden Energiebedarf decken zu können. Der französische Botschafter Jean-David Lévitte sagte während der Zeremonie, mit den ersten Reaktoren der neuen Generation sei vermutlich in 30 Jahren zu rechnen. Es wird erwartet, dass das Abkommen in den kommenden Monaten auch von Argentinien, Brasilien, der Schweiz, Südkorea und Südafrika sowie der EU-Atomenergiebehörde Euratom unterzeichnet wird." (Aus: Neues Deutschland, 2. 3. 2005)

Arbeiten des FZ Jülich an der HTR-Linie

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Im THTR-RB Nr. 92 vom August 2004 ist eine Liste von 20 zum Teil sehr umfangreichen Forschungsarbeiten des Forschungszentrums Jülich veröffentlicht worden, die in der Zeit von 1998 bis 2004 unter einer rotgrünen Bundesregierung aktenkundig wurden. Inzwischen sind einige neue Veröffentlichungen hinzugekommen und eine Ältere uns erst jetzt aufgefallen. Hier also die Ergänzungslieferung zur alten Liste:

2004

Verfondern: "HTGR safety anlysis & tests in Germany". Proceedings of the IAEA Workshop on "Safety Demonstration and Market Potential for High-Temperature Gas-Cooled Reactors", Beijing, China. Aufsatz in einem Buch und CD-ROM

Kühn, Hinssen, Moormann: "Differences between the oxidation behaviour af A3 fuel element matrix graphites in air and in steam and its relevance on accident progress in HTRs". Proceedings of the ICAPP 04, Pittsburg, USA

Moormann, Hinssen, Kühn: "Oxidation behaiviour of an HTR fuel element matrix graphite in oxygen compared to a standard nuclear graphite". In: Nuclear Engineering and Design, 277 (2004), S. 281-284

2000

Bisplinghoff, Lochny, Fachinger, Brüchner: "Radiochemical characterization of graphite from Jülich experimental reactor (AVR)." In: Nuclear Energy, 39 (2000), S. 311-315

Der THTR nach 2009

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Antwort des Ministeriums für Verkehr, Energie und Landesplanung NRW auf unsere Fragen zum sicheren Einschluss/Abbau und zur Finanzierung des THTR nach dem Jahre 2009 vom 3.1.2005:

"Diese Fragen (1 bis 4; H. B.) betreffen die laufende und die in einigen Jahren zu besorgende Finanzierung der eingeschlossenen Restanlage THTR. Ihr Schreiben wurde insoweit an das Finanzministerium zur Beantwortung weitergeleitet.

Bisher liegt der atomrechtlichen Genehmigungsbehörde kein Antrag auf Genehmigung zur wesentlichen Veränderung des genehmigten Anlagenrestbestands vor, und es ist nach der Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen vom 14.6. 2000 auch nicht zu erwarten, dass in absehbarer Zeit ein solcher Antrag gestellt wird.

Gemäß § 9 a Abs. 3 des Atomgesetzes hat der Bund Anlagen zur Sicherstellung und zur Endlagerung radioaktiver Abfälle einzurichten. Mehrfachen Verlautbarungen des Bundes zufolge, ausgehend von der Vereinbarung der sie tragenden Koalitionsparteien vom 20. 10. 19998, plant die Bundesregierung, bis zum Jahr 2030 ein Endlager für alle Arten radioaktiver Abfälle in Betrieb zu nehmen. Entscheidungsbedarf für die Landesregierung über die Fortführung des genehmigten Sicheren Einschlusses oder des weiteren Abbaus der Anlage THTR, für den wie für andere kerntechnische Abbauvorhaben allgemein ein verfügbares Endlager eine effiziente Maßnahme wäre, besteht bis auf weiteres nicht.

Es genügt nicht, wie von Ihnen vorausgesetzt, ein Endlager zu bestimmen, sondern es muss auch ein Endlager für alle Arten radioaktiver Abfälle tatsächlich in Deutschland verfügbar sein.

Die Bundesregierung hat das Ziel, bis etwa zum Jahr 2030 ein betriebsbereites Endlager zur Verfügung zu haben. Nach ihrer Auffassung ist die Betriebsbereitschaft eines Endlagers für wärmeentwickelnde Abfälle aus technisch-wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht sogar erst um das Jahr 2030 erforderlich. Es ist also in absehbarer Zeit wie von Ihnen angenommen kaum zu erwarten, dass ein entsprechendes Endlager vor 2030 in Deutschland verfügbar sein wird. Damit haben sich auch die Randbedingungen, die zum Beschluss der Herstellung des Sicheren Einschlusses des THTR und der Aufrechterhaltung eines Einschluss-Überwachungsbetriebes geführt haben, nicht geändert." Wilfried Hohmann, 15. 2. 2005

Ein Artikel zu unseren Fragen stand im WA vom 4. 2. 2005

Störfall in Ahauser Atomlager:

Tropfsteinhöhle

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"Defekter Druckschalter löst Überwachungssystem aus. Anti-Atom-Initiativen beklagen mangelnde Sicherheit: Die Lagerhalle gleicht einer "Tropfsteinhöhle", die Atommüll-Castoren rosten weiter.

Der fehlerhafte Druckschalter eines Castor-Behälters hat am Sonntag das Überwachungssystem des Brennelemente-Zwischenlagers Ahaus ausgelöst. Der Atomcontainer sei aber zu jeder Zeit uneingeschränkt dicht gewesen, Radioaktivität sei nicht ausgetreten, teilte die Betreiberfirma "Brennelement-Zwischenlager Ahaus" am Dienstag mit. Das defekte Teil sei in Abstimmung mit den Überwachungsbehörden inzwischen ausgetauscht worden, so die Gesellschaft mit beschränkter Haftung. "Es bestand zu keiner Zeit irgendeine Gefahr", sagt auch Lothar Wittenberg, Sprecher des nordrhein-westfälischen Energieministers Axel Horstmann (SPD).

Jetzt fordern Grüne und Anti-Atom-Initiativen eine umfassende Aufklärung des Zwischenfalls. "Die Verantwortlichen des Zwischenlagers müssen deutlich machen, wo genau der Fehler lag", fordert Rüdiger Sagel, Sprecher der grünen Landtagsfraktion - schließlich sei es in Ahaus schon mehrmals zu gravierenden Störfällen gekommen. "Wir hatten auch schon rostende Castoren."

Die sorgen auch Anti-Atom-Aktivisten: Die Halle, in der die Castoren gelagert werden, sei "total nass", gleiche "einer Tropfsteinhöhle", klagen Matthias Eickhoff von der Münsteraner Initiative Widerstand gegen Atomanlagen und Felix Ruwe von der Anti-Atom-Bürgerinitiative (BI) Ahaus übereinstimmend. Um die Kühlung großer Castor-Behälter mit Brennstäben etwa aus den Kernkraftwerken Grundremmingen und Neckarwestheim sicherzustellen, sollte die Halle luftgekühlt werden. "Und durch die großen Löcher regnet es nun herein."

Für die großen Atommüll-Container, die bei ihrer Anlieferung eine Außentemperatur von rund 100 Grad aufwiesen, sei die Feuchtigkeit kein Problem, so die Anti-Atom-Aktivisten. Derzeit lagern in Ahaus aber auch 305 kleinere Castoren mit hochradioaktiven Brennelementen aus dem stillgelegten Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) in Hamm - und die rosten munter vor sich hin. Von "angeblich tellergroßen Löchern" spricht Burkhard Helling, Vorsitzender der BI Ahaus. So hätten die oberen Deckel der Behälter abgeschraubt, sandgestrahlt und vom Ahauser Malermeister Heuten gestrichen werden müssen. Selbst Zwischenlager-Sprecher Jürgen Auer bestätigt die Probleme im Kern, will aber nur von "Flugrost" sprechen. Dennoch würden derzeit alle 305 THTR-Container mit einem neuen "Korrosions-Anstrich" versehen.

Den Anti-Atom-Initiativen reicht das nicht. Sie bezweifeln die Dichtheit der strahlenden Atommüll-Behälter: "Nach dem Sandstrahlen und Lackieren kann von der angeblichen Präzisions-Dichtung überhaupt keine Rede mehr sein." (Aus: TAZ-Ruhr vom 10.3.2005)

Unbedingt vormerken:

Am Sonntag, den 17. April 2005 findet ab 14 Uhr ab dem Rathaus in Ahaus eine Demonstration zum BEZ statt. Die Landwirte wollen sich mit vielen Treckern an dem Protest gegen den Castortransport von Rossendorf nach Ahaus beteiligen. Dieser Transport soll unmittelbar nach der NRW-Landtagswahl stattfinden. Im Vorfeld soll mächtig Druck gemacht werden, um diese Transporte zu verhindern! Infos: www.bi-ahaus.de und www.wigatom.de

Gronauer Grüne lassen Mitgliedschaft in der Partei ruhen!

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Die Gronauer Grünen wollen die Reißleine ziehen: In einem Brief lassen sie Bundes- und Landesvorstand sowie an Bundes- und Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen wissen, dass sie ihre Mitgliedschaft in der Partei bis auf weiteres ruhen lassen.

Hintergrund ist die von der rot-grünen Landesregierung erteilte Genehmigung zum Ausbau der Urananreicherungsanlage von derzeit 1800 auf 4500 Tonnen Urantrennarbeit/Jahr. Schockiert haben die Grünen von der Genehmigung aus der Zeitung erfahren, schreibt Rüdiger Bartels an die Parteispitze. Und: Damit ist klar, vom Standort Gronau wird der Ausbau der Atomindustrie in Deutschland und der Welt massiv voran getrieben. Die Erteilung der Genehmigung halten Bartels und das runde Dutzend Mitstreiter im Gronauer Ortsverband für einen Affront. Gerade von der rot-grünen Landes- bzw. Bundesregierung haben wir an dieser Stelle erwartet, dass alle möglichen Schritte unternommen werden, um den Ausbau der Urananreicherungsanlage politisch zu verhindern, heißt es weiter.

Stattdessen sei aber ohne erkennbaren Widerstand die Ausbaugenehmigung erteilt worden - eine Vorgehensweise, die die Grünen vor Ort als Schlag ins Gesicht (Bartels) empfinden und nicht für möglich gehalten hätten. Dies vor allem auch vor dem Hintergrund, dass der Ortsverband 1982 mit Ziel gegründet worden sei, die Urananreicherungsanlage zu verhindern.
Bartels im Brief weiter: Wir hätten erwartet, dass die Grünen auf Landes- und Bundesebene dem Koalitionspartner deutlich machen, dass die Genehmigung zum massiven Ausbau der Urananreicherungsanlage Krieg bedeutet und das Ende der Zusammenarbeit darstellt. In Folge der jetzt erteilten Genehmigung sei zudem nicht erkennbar, wie das Ziel des Ausstiegs aus der Atomindustrie in Deutschland und weltweit noch zu erreichen sei.

Die Gronauer Grünen erwarten jetzt plausible Antworten - etwa auf die Fragen, wie die Grünen zum Ausstieg aus der Atomindustrie stehen und wie künftig mit der Gronauer Anlage umgegangen werden soll. Bartels: Nur mit solchen Antworten ist es uns möglich, grüne Politik in Gronauer weiterhin zu vertreten.
Bis zum 31. März wollen die lokalen Alternativen ihrer Parteispitze Zeit für Antworten geben. Bartels: Sollte es bis dahin keine Reaktion geben oder aber die Antworten unbefriedigend sein, werden wir unsere Mitgliedschaft kündigen. (Aus: Westfälische Nachrichten vom 18. 2. 2005)

SPD: Zynismus bei UAA-Ausbau

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Mit großer Empörung reagieren die Münsterländer Anti-Atomkraft-Initiativen auf Äußerungen aus Reihen der SPD-Landtagsfraktion in Düsseldorf im Zusammenhang mit der im Februar genehmigten Erweiterung der Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau.

Werner Bischoff, wirtschaftspolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, hatte in einem Zeitungsinterview für die SPD unter anderem erklärt, dass die "Erweiterung in Gronau überhaupt nicht am Ausstieg rüttelt". Außerdem sagte er, dass es der NRW-SPD allein um die Schaffung von bis zu 150 Arbeitsplätzen gehe.
Wir halten diese Äußerungen auf zweifache Weise für dumm und zynisch. Zum einen ist es ein offensichtlicher Widerspruch, in Berlin einen Atomausstieg zu beschließen und dann in Gronau eine Atomanlage auszubauen, die allein der weltweiten Belieferung von Atomkraftwerken mit Kernbrennstoff dient. Wer den Atomausstieg will, darf nicht in die Zukunft der Atomenergie investieren.

Denn die Erweiterung der UAA soll unter anderem den Bedarf von künftig neuen Atomkraftwerken abdecken. Wer zuhause offiziell den Ausstieg verkündet, im Ausland aber mit der Atomenergie gute Geschäfte machen will, handelt schlichtweg verlogen. Zum anderen ist die Technologie der Urananreicherung von herausragender militärischer Bedeutung. Mit der Technologie der UAA-Betreiberfirma Urenco wurde in Pakistan bereits die Atombombe gebaut. Dem Iran wird vorgeworfen, sich mit dieser Technologie ebenfalls eine eigene Atombombe bauen zu wollen. Deshalb bemüht sich die Internationale Atomenergiebehörde zusammen mit der UNO und im Auftrag der USA um ein weltweites Urananreicherungsmoratorium.
Die Aussage der SPD, es gehe ihr allein um Arbeitsplätze in Gronau, ist in diesem Zusammenhang zynisch. Offensichtlich ist der SPD völlig egal, was in der UAA Gronau produziert und wer mit dem Kernbrennstoff beliefert wird. Während durch die verfehlte Industriepolitik der NRW-SPD in den letzten Jahrzehnten Abertausende von Jobs in NRW verloren gegangen sind, sollen die 150 neuen
Arbeitsplätze in Gronau die NRW-Arbeitslosenstatistik von über 1 Millionen Arbeitslosen schönen. Dies ist selbst für die SPD ein absoluter Tiefpunkt bei der Begründung ihrer atomfreundlichen Politik.

Angesichts einer solchen Atompolitik wundert uns nicht, dass die SPD in den Wahlumfragen wieder deutlich zurückfällt. Die Menschen im Münsterland müssen erkennen, dass eine SPD-geführte Landesregierung die Zukunft der Atomanlagen in Gronau und Ahaus zementiert. So plant die SPD auch, Ende Mai neue Castor-Transporte von Dresden nach Ahaus zu bringen. Niemand sollte eine Partei wählen, die eine so dreiste Politik gegen die eigene Bevölkerung betreibt.
Wir rufen deshalb für die kommenden Wochen und Monate zu intensiven Protesten gegen die Atompläne der rot-grünen Landesregierung in Gronau und Ahaus auf, um den Atomausstieg im Münsterland voranzutreiben. (6. 3. 2005) 

Unterzeichner: 

BI "Kein Atommüll in Ahaus", Widerstand gegen Atomanlagen (WIGA) Münster, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, Menschen gegen Atomanlagen (MEGA) Waltrop

Liebe LeserInnen!

Es ist NRW-Landtagswahlkampf. Meinen Vortrag "HTR-Export aus NRW in alle Welt" halte ich gerne nicht nur in Münster und Hamm, sondern auch an anderen Orten. 

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