THTR Rundbrief Nr. 83 Juli 2003


Ver.di und Forschungsministerium zum Export von Atom-Know-How:

Ätsch! Alles schon passiert, was wollen Sie überhaupt noch??

Auf insgesamt vier Seiten hatten wir die Forschungsministerin Bulmahn, Umweltminister Trittin und den im Beirat der Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungsinstitute vertretenen Verdi-Chef Bsirske unsere Kritik an dem Export von Know-how für den Bau einer THTR Variante nach Südafrika dargelegt und um eine Stellungnahme gebeten. Bsirske und Bulmahn haben geantwortet, Trittin bisher nicht.

Wir dokumentieren zuerst die Antwort des Ver.di Vorsitzenden Bsirske vom 19.04.2003:

Aufgrund Ihres Briefes haben wir Erkundigungen einholen lassen. Danach darf das Forschungszentrum Jülich keinerlei Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zum THTR mehr leisten, auch nicht mit externen Unternehmen. Das Zentrum hält sich auch an diese Auflagen. Falls Wissenschaftler unbedingt auf diesem Gebiet weiterarbeiten wollen, müssen sie das Forschungszentrum verlassen.

Zwischen dieser Information und Ihren Aussagen bleibt ein Widerspruch, den wir mit unseren Mitteln bislang nicht auflösen konnten. Ver.di und seine Vorläuferorganisationen treten seit langer Zeit für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergienutzung ein und unterstützen alle Maßnahmen und Schritte in diese Richtung sowohl in Deutschland als auch im internationalen Maßstab.

Was die Forschung im HGF-Zentrum betrifft, so wird gegenwärtig eine Umstellung von der institutionellen Förderung der Einrichtungen auf eine inhaltliche Programmförderung vorgenommen. Die von den Zentren im Rahmen der Programmbereiche entwickelten Programme werden unter Verantwortung des HGF-Senats von Expertinnen und Experten begutachtet und daraus Förderempfehlungen abgeleitet. Der Programmbereich ,,Energie" steht noch zur Begutachtung an. Wir werden bei dieser Gelegenheit die von Ihnen vorgetragenen Argumente berücksichtigen."

Am 14. Mai 2003 erhielten wir die Antwort vomBundesministerium für Bildung und Forschung:

Wie Sie sicher wissen, sind die Entwicklungsarbeiten des Forschungszentrums Jülich zu Hochtemperaturreaktoren inzwischen eingestellt. Lediglich zu einigen Sicherheitsaspekten wird die in Jülich (noch) vorhandene Expertise von der ausländischen Industrie genutzt. Diese Kooperationen erfolgen allerdings auf rein kommerzieller Basis; eine Förderung mit öffentlichen Mitteln erfolgt nicht. Eine Übertragung der hohen deutschen Sicherheitsstandards auf dritte Länder liegt im übrigen im Interesse der Bundesregierung, da dadurch Kernkraftwerke in dritten Ländern sicherer werden können. Südafrika ist für den Bau des PBMR allerdings nicht auf die in Deutschland vorhandene Expertise angewiesen. Kooperationen in diesem Bereich existieren z. B. mit Frankreich, Großbritannien und/oder den USA.

Die Informationen, die Sie den Internetseiten des Forschungszentrum Jülich entnommen hatten, sind veraltet. Die entsprechenden Seiten wurden inzwischen entfernt bzw. überarbeitet.

Nach den mir vorliegenden Informationen soll der PBMR des ESKOM mit niedrig angereichertem Uran - ohne Thoriumzusatz - betrieben werden. Dieses Material ist nicht kernwaffenfähig. Im übrigen hat sich Südafrika als Mitglied der Internationalen Atomenergie-Organisation und als Beitrittspartner des Atomwaffensperrvertrags den vorgesehenen Kontrollen und Beschränkungen - insbesondere der Nicht-Weitergabe - unterworfen. Südafrika ist außerdem dem Abkommen über nukleare Sicherheit beigetreten.

Bezüglich Ihrer Aussage zu ESKOM sollte berücksichtigt werden, dass es in Südafrika nach dem Ende des Apartheidregimes einen tief greifenden Wandel gegeben hat, der auch zu einer beispielhaften Aufarbeitung der Vergangenheit geführt hat. Von daher gehe ich davon aus, dass die heutige ESKOM mit dem ursprünglichen Unternehmen nicht mehr vergleichbar ist. Dafür spricht auch, dass heute u. a. Black Empowerment zu 10 % an ESKOM beteiligt ist.

Ihre Aussage, dass sich das Forschungszentrum Jülich vor seiner ,Verantwortung für die eigenen atomaren Hinterlassenschaften drücken' will, ist nicht richtig. Eigentümer der AVR GmbH - und damit eigentlich zuständig für den Rückbau des Versuchsreaktors - sind 15 kommunale Stadtwerke. Das Forschungszentrum Jülich ist nur insoweit betroffen, dass es logistische Unterstützung für den Stillstandsbetrieb leistet.

Zum Abschluss möchte ich darauf hinweisen, dass das Forschungszentrum Jülich keine Unterstützung für den Bau neuer Reaktoren in Südafrika leistet."

Anfrage der BI Umweltschutz Hamm an das Bundesministerium für Bildung und Forschung, 

Frau Ministerin Bulmahn vom 02.06.2003:

Vielen Dank für Ihre Antwort zum Thema PBMR und Jülich, die wir am 14. Mai 2003 erhalten haben.

Sie schreiben dort: 

,Wie Sie sicherlich wissen, sind die Entwicklungsarbeiten des Forschungszentrums Jülich zu Hochtemperaturreaktoren inzwischen eingestellt.'

Genau dies ist uns bisher nicht bekannt geworden und wir bitten Sie, uns diesen Sachverhalt genauer zu erklären.

1. Innerhalb welchen Zeitraumes wurden die Entwicklungsarbeiten im Forschungszentrum Jülich zu Hochtemperaturreaktoren durchgeführt?
2. Was ist unter Entwicklungsarbeiten zu verstehen?
3. Was ist unter einer Expertise (Gutachten?) zu verstehen, die nach Ihren Angaben doch noch von der ausländischen Industrie genutzt wird und wie lange soll die Nutzung fortgesetzt werden?
4. Sie schreiben, dass die von uns zitierten Internetseiten vom FZJ veraltet wären. Gilt dies auch für die am 28.11.2002 datierten Aktivitäten (...)?
 

Umweltminister Trittin hat auf unser Schreiben bisher nicht reagiert.

 
Die Auseinandersetzung um die Antwort von Bulmahn wird in den nächsten Ausgaben des Rundbriefes weitergehen. In der nächsten Ausgabe werden wir uns detailliert mit dem südafrikanischen Energiekonzern ESKOM und mit den Beziehungen der VEW/HKG nach Südafrika beschäftigen. Und da warten auf uns so einige Überraschungen....
 

Zu den Proliferationsrisiken des PBMR in Südafrika schreiben die möglichen Betreiber, dass im Reaktor Uran nur zu 8 % angereichert würde.

 

Klaus Traube, zur Zeit energiepolitischer Sprecher des BUND schrieb uns am 21.6. recht allgemein:

,,Die militärisch nutzbare Infrastruktur fängt an mit dem grundlegenden atomtechnischen Know How und ist dann vollendet, wenn entweder Urananreicherung oder Wiederaufarbeitung, also Anlagen, in denen waffenfähiges Spaltmaterial erzeugt werden kann, dazu kommen."

- Es muss also noch weiter recherchiert werden.

Veranstaltung: NRW und Südafrika

Die grünennahe Heinrich Böll Stiftung NRW plant, nachdem das Kind möglicherweise dank Rotgrün schon in den Brunnen gefallen ist, eine noch nicht näher datierte Abendveranstaltung ,,Welche Energiestrategie wählt Südafrika?" Ende September in Düsseldorf:

,,Eine Delegation von Energie-Expertlnnen aus dem südlichen Afrika besucht Mitte bis Ende September 2003 verschiedene Institutionen, Unternehmen und Verbände, die sich mit Energieversorgung und Energiepolitik in NRW beschäftigen. NRW pflegt seit einigen Jahren freundschaftliche Kontakte zu Südafrika und kann als ,Energieland NR 1' wichtige Impulse geben.

Auf einer Abendveranstaltung diskutieren die BesucherInnen aus Südafrika mit VertreterInnen verschiedener energiepolitischer Institutionen und Umweltverbänden aus NRW. Gemeinsam werden Chancen und Wege für eine erfolgreiche Einführung erneuerbarer Energien ausgelotet. Neue bilaterale Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und Privatwirtschaft werden vorgestellt."

www.boell-nrw.de

Presseecho zum geplanten THTR-Bau in Südafrika

Wie vorauszusehen war, dominierte der Irak-Krieg die Medienberichterstattung. Obwohl alle möglichen Presseorgane mit den neuesten Nachrichten zum Thema THTR und Südafrika versorgt wurden, war die Presseresonanz gleich Null. Entweder musste ich die dann doch gedruckten Artikel selbst schreiben oder unmittelbar anstoßen. Auch die von mir direkt angesprochenen in der Nähe von Jülich gelegenen auflagenstarken ,,Alternativ" Zeitungen in Köln und Aachen reagierten bisher nicht. Wie immer war die mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren erscheinende kleinste unabhängige Tageszeitung ,,Junge Welt" die positive Ausnahme und reagierte auf meinen Anruf sofort. Auf einer ganzen Seite wurde am 28. April ein kompletter Überblick über den derzeitigen Stand der Dinge geboten - eine Zusammenfassung der letzten fünf Ausgaben dieses Rundbriefes. Die Internetseiten werden hiermit allen LeserInnen empfohlen:

www.jungewelt.de

Vom 1. bis 4. Mai 2003 fand die bundesweite Anti-Atom-Konferenz in Münster statt. Dort habe ich ein zweiseitiges Extrablatt des THTR-Rundbriefes an die TeilnehmerInnen verteilt und konnte alle möglichen bundesweiten Initiativen ansprechen. Ein Resultat war, dass die überregionale Zeitung ,,anti atom aktuell" in ihrer Maiausgabe auf zwei Seiten eine Zusammenfassung der wichtigsten Passagen der letzten Rundbriefausgaben abdruckte.

Im Juni veröffentlichte die mit einer Auflage von 2.500 Exemplaren in Hamm erscheinende Zeit-schrift ,,FUgE-News" meinen Artikel ,,Hammer Atomkraft für Südafrika und die ganze Welt?!" ab. Hier heißt es zum Schluss unter anderem: ,,Nicht vergessen werden sollte, dass die Geschichte dieses Reaktortyps in Hamm ihren Ausgangspunkt hatte. Noch in den 80er Jahren erschienen in den Zeitungen Hunderte von kritischen Artikeln über seine technischen Probleme, die zahlreichen Störfälle und unkontrollierte Radioaktivitätsabgaben -Wissen, das heute kaum noch jemand weitergibt. Die fatale Folge: In Internetauftritten von Jülich, ESKOM und atomkraftfreundlichen Wissenschaftlern kann von, erfolgreichen und vielversprechenden' Probeläufen des THTR in Hamm-Uentrop schwadroniert werden, ohne dass jemand widerspricht." - Allerdings nicht mehr lange, denn jetzt gibt es: thtr-a.de

thtr-a.de

Vor einigen Wochen hat sich Werner Neubauer, Hammer Aktivist in den 80er Jahren, aus Berlin gemeldet und sich sehr über die verharmlosenden Internetmeldungen zum THTR geärgert und als er dann noch von einem Bezieher des THTR-Rundbriefes (er wird also weitergereicht, wie schön!) von dem geplanten Bau in Südafrika erfuhr, da war für ihn klar, dass er etwas tun musste. Er produzierte und gestaltete also in Eigeninitiative den oben genannten Internetauftritt. Dort erinnert er an den großen Störfall 1986 und den Widerstand der Bauern und Verbraucher gegen die Wiederinbetriebnahme des THTR. Neben einigen Bildern ist auch der in sich zusammenstürzende Kühlturm zu sehen. Etliche Unterfenster laden dazu ein, sich mit verschiedenen spezielleren Themen zu befassen. Die letzten THTR-Rundbriefe und die diversen Briefwechsel sind hier auch zu finden. Die nächsten Monate werden noch einige Dokumente und Artikel hinzukommen. Es ist wirklich sehr erfreulich, dass es immer wieder Menschen gibt, die sich auf die eine oder andere Weise erneut in den Widerstand gegen Atomkraftwerke einbringen.. 

Vielen Dank Werner!

Nichts zu danken. 

Aber wo wir gerade beim 'Honig um den Bart schmieren' sind :

(trägst Du eigentlich noch Bart?); 

Dank gebührt Dir Horst Blume.

Nach Tschernobyl waren Viele Aktiv, Du warst es vorher und bist es immer noch. Auch in solch' miesen Zeiten für Aktivisten wie diesen, 

2003 mal 'Money, Money, Money - always funny - it's a rich mans world',

bist Du weiterhin, uneigennützig in Hamm, am ackern und hast auch dann nicht aufgehört den Finger auf die strahlenden Wunden dieser Republik und ihrer Schlafmützen zu legen als alle andern (auch ich) müde wurden, den Stab weitergaben an die nächste Generation, privatisierten, auf den Kohletrip kamen oder frustriert nur noch  Bündniss90/Die Grünen wählten ;-) ja ja, ich weiss wovon ich rede ... drum 

Dreimal Hoch Horst

"Bleib wie Du bist und ..."

PAC-Kügelchen

Über die PAC-Kügelchen, die sich unter anderem auch in den THTR-Brennelementen befinden (siehe RB Nr.: 82) hat die Zeitung ,,anti atom aktuell" in ihren Ausgaben 132/3 und 136 auf jeweils drei bzw. sieben Seiten berichtet.

Umfangreiche Recherchierarbeit leistete ebenfalls Reimar Paul in ,,Junge Welt" vom 31.5.2003. Den seit zehn Jahren währenden Expertenstreit um Radioaktivität und Leukämie in der Elbmarsch bezeichnet er als ,,für Außenstehende kaum nach zu vollziehendes Gutachter-Theater". Im letzten Drittel seines Artikels geht er auf die Geschichte der GKSS (Gesellschaft zur Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt) ein und weist nach, dass auch hier ehemaliges wissenschaftliches Führungspersonal aus der Nazizeit in den 50er Jahren in dieser Forschungseinrichtung beschäftigt war. Ferner weist er auf Verbindungen der GKSS zu Firmen hin, die an der Verbreitung von Atomwaffenforschung nach Pakistan und Indien mit mischten.

Welche Bedeutung die gefundenen PAC Kügelchen in Geesthacht und Hanau für die Umgebung des THTR haben, konnte von mir bisher nicht näher untersucht werden. Interessierte MitarbeiterInnen sind jederzeit willkommen!

Castorzüge in Hamm zusammengekoppelt:

Trittin mit gespaltener Zunge

Noch vor zehn Tagen beklagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin bei der Meeresschutzkonferenz in Bremen die Einleitung radioaktiver Abwässer in den Atlantik durch die Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England. Doch vergangene Woche wurde schon wieder deutscher Atommüll in die Fabriken LaHague und Sellafield geliefert.

Das Trittin unterstellte Bundesamt für Strahlenschutz (BFS) hatte den Transport von insgesamt 14 Castorbehältern mit abgebrannten Brennelementen genehmigt - die größte Fuhre von radioaktivem Schrott in diesem Jahr. Der Atommüll stammte aus den Atomkraftwerken Stade und Esenshamm (Niedersachsen), Neckarwestheim und Philipsburg (Baden-Württemberg) sowie Ohu (Bayern). Mit verschiedenen Protestaktionen konnten Atomgegner in Deutschland und Frankreich den Transport mehrmals stoppen. Bereits am Dienstagabend brachten Demonstranten den aus Stade kommenden Zug kurz vor dem Rangierbahnhof Maschen zum Stehen. Eine weitere kurzzeitige Blockade des norddeutschen Teiltransportes gelang Castorgegnern in der Nacht in der Nähe von Münster durch ein falsches Lichtsignal. Nach BGS-Angaben musste der Zug 25 Minuten halten. Vier angeblich an der Aktion beteiligte Männer und zwei Frauen seien vorläufig festgenommen worden. (Eine kleine Ergänzung durch den THTR-RB: Zwei Castorzüge wurden gegen 2.30 Uhr im Hammer Güterbahnhof zusammengekoppelt!)

Auch aus Oberhausen wurde eine Zwangspause gemeldet, hier lagen Strohpuppen auf den Schienen. Der in Neckarwestheim gestartete Zug mußte wegen einer Aktion an den Schienen ebenfalls kurzzeitig seine Fahrt unterbrechen.

Im französischen Metz versammelten sich am Mittwochabend rund 100 Antiatomaktivisten aus Frankreich und Deutschland, auch Mitglieder der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg waren angereist. Während eine Gruppe mit Transparenten am Bahnhof demonstrierte, fuhren andere zu einer Mahnwache am Bahnübergang im Vorort Peitre. Französische Polizisten, darunter auch etliche Beamte der für Bürgerkriege gerüsteten Spezialtruppe, verhinderten zunächst, dass Atomgegner auf die Gleise gelangten Einige hundert Meter entfernt schafften einige Demonstranten es aber doch, Rauchfackeln an den Schienen zu entzünden und den Zug zu stoppen.

Französische Atomkraftgegner berichteten noch über eine weitere erfolgreiche Blockade. Bei Hazebrouck hätten etwa 30 Aktivisten den Transport für eine halbe Stunde aufgehalten. Die Proteste sorgten insbesondere in Frankreich für großes Aufsehen, das Fernsehen und mehrere Radiosender berichteten unter anderem über die Demonstrationen in Metz. Deutsche und französischen Initiativen kündigten am Wochenende an, den gemeinsamen Widerstand gegen Atomtransporte zu verstärken." (Aus: ,,Junge Welt" vom 7. Juli 2003)

,Rotgrüne Sozialpolitik‘ Krieg nach Innen!

 

Die Hammer Sozialdemokraten kritisierten im WA auf Seite eins den Ablauf des Berliner Sonderparteitages zur ,,Agenda 2010": ,,,Mit allen Finessen' sei gearbeitet worden, um die Abstimmungsberechtigten zur Zustimmung zu bewegen, ergänzte Juso-Landeschef Herter.

Wer die Vorschläge nicht akzeptiert habe, sei kritisiert worden, die rotgrüne Bundesregierung zu gefährden, sprach Herter von massivem Druck, der auf die Delegierten ausgeübt worden sei." - Ein solches Verhalten ist weder sozial noch demokratisch, aber es ist wenigstens ehrlich, wenn die Hammer Abgeordneten des Sonderparteitages diese haarsträubenden Vorkommnisse offen zugeben.

Im Kommunalwahlprogramm 1999 war von Bündnis 90/Die Grünen in Hamm viel schönes Wortgeklingel unter dem Stichwort ,,Soziales" zu hören: ,,Wichtige Grundlage der Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft ist Solidarität. Politik muss helfen, ein Klima zu schaffen, in dem nicht die schrankenlose Konkurrenz zählt, sondern gegenseitige Anerkennung und Hilfe im Mittelpunkt stehen."

Was darunter konkret zu verstehen ist, machten sie in einem Artikel im WA vom 4. April 2003 klar, als es um die Beratung der städtischen Beschlussvorlage zur Einrichtung eines Jobcenters für Jugendliche im Sozial- und Gesundheitsausschusses ging. Die SPD gab sich hier recht kritisch: ,,,Wir können Menschen, denen die Sozialhilfe zusteht, nicht einfach einen Teil davon entziehen', machte Wobedo seine Meinung deutlich."

Und jetzt kommt die riesengroße Unverschämtheit: ,,Anders sah diese Angelegenheit Uwe Atorf (Grüne). ,Wir haben die Vorlage in der Mandatsträgerkonferenz besprochen und für gut befunden', so Atorf ,Wir können es nicht mit tragen, dass sich Menschen in der sozialen Hängematte ausruhen." Die Überschrift, unter dem dieser verbale Angriff auf die Rechte der Arbeitslosen publiziert wurde, lautete folgerichtig und reißerisch: ,,Atorf gegen ,soziale Hängematte"! Zu öffentlichen Distanzierungen, Korrekturen und kritischen Anmerkungen von diesen skandalösen Äußerungen ließ sich von Bündnis 90/Die Grünen niemand hinreißen.

Warum auch. Diese Partei des mehrheitlich betuchten Mittelstandes denkt zuallererst an seine eigenen Interessen. Arme und Arbeitslose sollen gefälligst die Kosten der Wirtschaftskrise zahlen, während die großen Vermögen so gut wie unbesteuert bleiben!

Auf Platz 1 der Ratsliste von Bündnis 90/DieGrünen kandidierte bei der letzten Kommunalwahl die hauptamtlich in führender Position arbeitende ,,Gewerkschaftssekretärin" Inge Menze. Wer also diese Partei wählte, konnte damals erwarten, dass die Anliegen von Arbeitnehmern und Arbeitslosen in gewisser Weise in der konkreten Politik mit berücksichtigt wurden. In der Mitte dieser Legislaturperiode gab sie ihr kommunalpolitisches Amt auf. Wenn erst durch Programmaussagen und Kandidatenaufstellung eine arbeitnehmer- und arbeitslosenfreundliche Politik in Aussicht gestellt wird und dem anschließend in so eklatanter Weise zuwider gehandelt wird, so grenzt das an Wahlbetrug!

Fast überflüssig zu erwähnen ist es, das dieser Kreisverband bei dem Sonderparteitag von Bündnis 90/Die Grünen für den Leitantrag des Bundesvorstandes gestimmt hat, der den größten Angriff auf Arbeitnehmerrechte seit bestehen der Bundesrepublik explizit unterstützt.

Der THTR-Rundbrief hat sich in den Ausgaben 73, 76 und 77 auf insgesamt 7 Seiten ausführlich mit dem sozialen Kahlschlag beschäftigt, was für eine ausgewiesene Anti-Atom-Zeitung eher ungewöhnlich ist. Angesichts der enormen Tragweite des neoliberalen Angriffs auf die Rechte der Arbeitnehmer ist es wohl an dieser Stelle noch öfters notwendig, darüber zu diskutieren, wie man ihm auf kommunaler Ebene begegnen kann und was dies für die nächste Kommunalwahl bedeutet.

Horst Blume

Waldentwicklungskonzept für Hamm

Horst Blume, Redakteur dieses Rundbriefs, hat im Juni diesen Jahres als Agraringenieur ein 56seitiges ,,Waldentwicklungskonzept", vorgelegt, für das er seit Anfang des Jahres 2002 im Umweltamt der Stadt Hamm gearbeitet hat.

Beantragt wurde dieser Bericht im Jahre 2001 ursprünglich von der CDU-Ratsfraktion. Ausgangspunkt war die Tatsache, dass der Waldbestand in Hamm nur 8 % beträgt und zukünftige Planungen zur Erweiterung des Waldanteils gebündelt und optimiert werden sollten. In der Arbeit werden detailliert Ausschlussgebiete für Waldentwicklung definiert, Gebiete mit bedingt möglicher Waldentwicklung benannt und insgesamt 70 konkrete Einzelflächen für eine Erstaufforstung vorgeschlagen. Des weiteren wurden die Chancen und Probleme von Ökosponsoring für diese Maßnahmen abgeschätzt und ein Überblick über die Förderungsmöglichkeiten der Waldvermehrung gegeben. Wenn auch die Waldentwicklung eine langfristige Aufgabe ist, so können die ersten Schritte bereits jetzt getan werden. Wenn also nach der Sommerpause in den parlamentarischen Gremien diskutiert wird, sollte darauf geachtet werden, welche konkrete Schlussfolgerungen Rat und Verwaltung aus dieser Arbeit für die nächsten Jahre ziehen!

Liebe LeserInnen und Leser!

Bereits in der Novemberausgabe 1998 der ,,Blätter für deutsche und internationale Politik" hat der damalige grüne Bundestagsabgeordnete Reinhard Loske aus Geseke (!) in dem Artikel ,,Südafrika, reiches armes Land" über die Bestrebungen in diesem Land berichtet, eine THTR-Variante zu bauen. Auf die Idee, uns als ,,zuständige" Bürgerinitiative zu informieren, ist er nicht gekommen. Deshalb meine Bitte: Schickt uns Zeitungsausschnitte zum Thema zu!

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