Die Reaktorpleite - THTR 300 Die THTR-Rundbriefe
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Die HTR-Forschung Der THTR-Störfall im 'Spiegel'

Die THTR-Rundbriefe aus 2008

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THTR Rundbrief Nr. 121, Mai 2008


KiKKeriki: Aufwachen, Herr Minister!!

Fünf Monate nach Veröffentlichung der KiKK-Studie kann schon jetzt festgestellt werden: Die an dieser Stelle so vertrauten, aber ansonsten von vielen Menschen nur mühsam ausgesprochenen vier Buchstaben THTR sind wieder präsent. In der Öffentlichkeit dieser Region und im Bewusstsein der hier lebenden Bevölkerung.

22 Jahre nach dem Störfall im Pleitereaktor blicken die Menschen nach rechts und links und stellen erschrocken fest, wer alles an Krebs und Leukämie erkrankt war und ist. Die Ursache liegt sicherlich nicht in jedem Fall im THTR, aber Genaueres würde man schon gerne wissen. Eine wissenschaftlich fundierte Untersuchung von unabhängigen Fachleuten wäre genau das Richtige. Doch die soll es nach Bundesumweltminister Gabriel nicht geben. Deswegen die Aufregung und die unzähligen Medienberichte. Noch bevor die negative Antwort des Ministers bei der Bürgerinitiative eintraf, beschloss Welver am 12. März 2008 als dritte Kommune nach Lippborg und Hamm, sich der Forderung nach einer Krebsstudie anzuschliessen.
Gabriel schrieb: “Es ist nicht beabsichtigt, die KiKK-Studie um weitere Einzelstandorte zu erweitern.“ Auf die Forderung, notfalls eine eigene Studie für die THTR-Region erstellen zu lassen, ging er erst gar nicht ein. Der Brief von Minister Gabriel enthielt weiterhin nur diejenigen Informationen, die bereits seit drei Monaten bekannt und die  äußerst unzureichend  waren.  Die wenig hilfreiche Anregung, sich bei dem Deutschen Krebsregister zu informieren, hilft nicht weiter. Dieses Krebsregister versucht zur Zeit, lediglich die Daten ab dem 1. Juli 2005 aufzubereiten, während die beim THTR zur Debatte stehenden Krebsfälle bereits ab dem Störfalljahr 1986 relevant sind!

All diese dürftigen Informationen, die Gabriel jetzt gebetsmühlenartig wiederholt, sind seit Monaten bekannt. Er tischt Sie wieder auf, um von seinem einzigen aussagekräftigen, aber blamablen Satz abzulenken: Es soll keine Krebsstudie am THTR geben! Offensichtlich gibt es gegen eine eigene Krebsstudie am Pannenreaktor THTR grosse Widerstände innerhalb der Bundesregierung.

Zum Einen ist besteht offensichtlich die Befürchtung, dass ein ähnlicher Skandal wie in der Elbmarsch offenbar wird, wo nach einem Störfall mit genau den gleichen im THTR zur Anwendung gekommenen radioaktiven PAC-Kügelchen die weltweit höchste Leukämierate der Welt bei Kindern zu vermelden ist. Aus einem zweiten Grund ist der THTR für die wissenschafliche Untersuchung  ein Tabu: Er ist der Prototyp für die Reaktoren der Generation IV, in die in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit der größte Anteil an nuklearen Forschungsgeldern gesteckt werden soll. Überdurchschittlich viele Krebstote in der Nähe des Prototyps der „Reaktorlinie der Zukunft“ machen sich allerdings nicht so gut.

Um mehr Druck aufzubauen, starteten wir am 8. April eine Unterschriftenaktion, um breiten Teilen der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, ihre Sorgen auszudrücken und ihre Forderung nach einer Krebsstudie zu unterstreichen. Mitmachen können dabei nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Vereine und Gruppen. Obwohl wir wissen, dass in unmittelbarer Nähe zum Reaktor einige Menschen Gefährdungen und Krebsfälle vielleicht am liebsten verdrängen möchten, verteilten wir in Vellinghausen und Lippborg fast flächendeckend Unterschriftenlisten und Flugblätter für die Tschernobyl-Kundgebung. Erstaunlicherweise haben sich daraufhin wieder einige besorgte Bürger gemeldet. In Lippborg werden sogar selbstorganisiert Unterschriften im Lebensmittelladen gesammelt, die Listen untereinander weitergereicht. Zusammen mit dem Dachverband kritischer AktionärInnen und Aktionäre trugen wir unsere Forderungen am 17. April auf der Aktionärsversammlung der RWE in Essen vor. Die RWE sollte endlich die Verantwortung für ihre misslungene Atompolitik übernehmen und eine unabhängige Krebsstudie mitfinanzieren und die 5,6 Millionen Euro für den Erhaltungsbetrieb des THTR selbst bezahlen und die Kosten nicht mehr dem Steuerzahler aufbürden. Diese Anträge wurden erwartungsgemäss abgelehnt. Allerdings erwiess sich auch diese Aktion als sehr medienwirksam. Dutzende von Meldungen und Fernseh- und Rundfunkberichte waren die Folge.

Kurz vor der Kundgebung zum Tschernobyl-Jahrestag drücken wir mit Hilfe eines Hammer „Exilanten“ nochmal auf die Tube. Um auch jüngeren Bürgern, welche die bundesweit stark beachteten THTR-Störfälle im Jahre 1986 nicht miterlebt haben, einen Eindruck von der damaligen dramatischen Situation zu vermitteln, haben wir die offiziellen Tagesschau-Nachrichten über dieses Ereignis in das vielbesuchte Film-Portal „You Tube“ gestellt und mit unserer Homepage verlinkt. Die Internetgemeinde nahm diese lebendige Gedächtnisauffrischung dankbar an und verlinkte sie eifrig.

Etwa 120 Teilnehmer demonstrierten am 26. April auf der Kundgebung vor dem stillgelegten THTR in Hamm-Uentrop für den sofortigen Atomausstieg und forderten eine Krebsstudie für die Umgebung des THTRs. Ein Trecker mit Anhänger weckte lebhafte Erinnerungen an die vielbeachteten Zufahrtsblockaden zur Zeit der Störfälle im THTR vor 22 Jahren. Die seit 33 Jahren aktive Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm zeigte mit dieser gutbesuchten Kundgebung, dass sie immer noch für Überraschungen gut ist. Der lange Atem der BI ist immer noch notwendig.

Auf der Kundgebung sprach ebenfalls der Vorsitzende der Ahauser Bürgerinitiative, Heiner Möllers und berichtete über die Situation aus Hamms „nuklearer Partnerstadt“, in der die Brennelementekugeln des THTRs seit 13 Jahren provisorisch in einer Halle lagern.

Matthias Eickhoff von dem Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen betonte, dass auch 22 Jahre nach Tschernobyl die Atomindustrie und ihre willfährigen Parteien nichts aus der Reaktorkatastrophe gelernt haben. Sie predigen noch immer Atomkraft als Wundermittel für die Zukunft. Dabei werden sie nicht mal mit den Ruinen der einstigen Wunderkinder fertig. Es wird weiter massiv verdrängt, vertuscht und verheimlicht, um das positive Wunschbild der Atomenergie nicht zu stören.

Horst Blume von der BI Hamm berichtete über die fehlende Krebsstudie und den möglichen THTR-Abriss. Eine Woche später fanden diese Themen auf der gutbesuchten Frühjahrskonferenz der Anti-Atombewegung in Ahaus mit einem eigenen „Standortbericht“ überregionale Beachtung.

Insgesamt liegen zwei ereignisreiche Monate hinter uns, in denen der THTR so sehr im Mittelpunkt stand, wie die beiden letzten Jahrzehnte nicht mehr

THTR-Kugeln: Bitte, bitte nicht kaputtgehen!

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Zuerst einen völlig neuen Reaktortyp bauen, dann sich von Störfall zu Störfall hangeln und anschliessend 19 Jahre nach seiner Stilllegung der Frage nachgehen, was mit dem hochradioaktiven nuklearen Brennstoff in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten passieren könnte. Zum Beispiel wenns feucht wird (wie in Ahaus), das umhüllende Material müde oder eine hinzukommende Säure zu ätzend. – Wer macht sowas??

Das ganze Schlamassel hat einen Namen: THTR. Und die Verantwortlichen nennen sich RWE und HKG. Doch jetzt haben sie ihre Helfershelfer an Universität und Forschungszentrum Jülich angewiesen zu untersuchen, wie lange die Brennelementekugeln denn so halten. Sie sollen bitte, bitte nicht so schnell kaputtgehen! Am besten untersucht das ein Auszubildender in einer Studien- oder Diplomarbeit in wohlgefälliger Obhut des Dr. Karl Verfondern (1) in Jülich. Am 5. Februar 2008 lesen wir folgende Anzeige auf der Homepage des FZJ:

„Entwicklung und Validierung eines Rechenmodells zu Beschreibung des Verhaltens von HTR-Brennstoffpartikeln unter Endlagerbedingungen.“

Das wird näher erläutert. Eine Kostprobe:

„Im Falle einer Endlagerung von abgebrannten HTR-Brennelementen ist es notwendig zu wissen, inwieweit die beschichteten Brennstoffteilchen in der Lage sind bzw. bleiben, ihre Containment-Funktion für die radioaktiven Spaltprodukte auch über lange Zeiträume aufrechtzuerhalten. Dabei wird die Annahme getroffen, dass es nach Versagen äusserer Barrieren zu Kontakten der beschichteten Brennstoffteilchen mit korrosiven aquatischen Medien kommt. Ziel der Untersuchung ist die Entwicklung und Anwendung eines Rechenmodells, mit dem das Verhalten von Coated-Particles unter Langzeitlagerbedingungen simuliert werden kann. Dabei sollen die für ein Endlager typischen Effekte untersucht werden wie Korrosion der verschiedenen Partikelschichten in endlagerrelevanten korrosiven Lösungen, Materialermüdung über lange Zeiträume ...“.

Das fällt ihnen ja früh ein! Und ein paar weitere Problemchen muss der arme Student ebenfalls noch lösen: „Die für Endlagerbedingungen modifizierte PANAMA Version (ein Rechencode) soll dann auf die in Deutschland vorhandenen abgebrannten kugelförmigen Brennelemente mit TRISO-Partikeln angewandt werden. Ferner soll sie genutzt werden, um für künftige HTR-Brennstoff-Konzepte geeignete Strategien ...“

Ja, ja, die Zukunft liegt den Herren wirklich sehr am Herzen; besonders diejenige von neuen Hochtemperaturreaktoren. Innovativ und immer das Ohr am Puls der Zeit: „Sie haben eine eigene Idee für eine Arbeit? Lassen Sie sie uns wissen!“ - Die wollen offenbar noch so Einiges anrichten. Konkret geplant sind innerhalb der Arbeitsgruppe „Innovative Reaktoren“ noch folgende Studienarbeiten:

- Verifizierung verschiedener Codes zur Simulation von Druckentlastungsstörfällen beim HTR
- Entwicklung von Rückschlagklappen zur Beherrschung von Druckentlastungsstörfällen beim HTR
- Vergleich von vorgespannten und normalverstärkten inneren Betonzellen beim HTR
- Auslegung eines textilen Zwischenspeichers für Schwallgase eines Hochtemperaturreaktors

Nach einer Phase irritierter Verzagtheit stellt das Forschungszentrum Jülich wieder selbstbewusst seine „historische Mission“ in den Vordergrund, in Zukunft auf internationaler Ebene bei der Weiterentwicklung der Generation IV ganz oben mitzumischen:

„Faktisch ist das IEF-6 (2) eines der wenigen Forschungsinstitute in der Welt, welches in reale Bauprojekte für innovative Reaktoren (z. B. China, Südafrika) eingebunden ist.“ – Und das in einem „Ausstiegsland“!! Über den kleinen Umweg Euratom, Internationale Atomenergiebehörde oder Direktfinanzierung durch die Atomwirtschaft ist das kein wirkliches Problem mehr.
Völlig zufällig ist die Beschäftigung mit den Endlagerbedingungen der THTR-Brennelemente zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht. Hinter den Kulissen wird in Politik und Atomwirtschaft eifrig  durchgerechnet, wie man am billigsten die nukleare Altlast THTR entsorgen könnte. Ein früherer Abriss als ursprünglich geplant, ist nicht auszuschliessen.

Sehen wir uns die Koordinaten des Rechenexempels einmal genauer an:
Die jährlich anfallenden 5,6 Millionen Euro müssen fast ganz vom Bund und Land NRW getragen werden. Der Antrag der BI Hamm und der kritischen Aktionäre bei der Aktionärsversammlung der RWE am 17. April 2008, die RWE möge in Zukunft die Stilllegungskosten selbst bezahlen, wurde bekanntlich und erwartungsgemäss abgelehnt. Dreißig oder vierzig Jahre lang 5,6 Millionen Euro pro Jahr zu bezahlen, das summiert sich.

 

Ein Rückbau des THTR bis zur „grünen Wiese“ wurde zuletzt im Jahre 1994 von einer Ingenieurgesellschaft in einer Studie mit 305 Millionen Euro Gesamtkosten beziffert. Die NRW-Landesregierung sagt in ihrer Antwort vom 9. April 2008 auf eine Anfrage der NRW-Grünen hierzu: „Diese Studie wird derzeit aktualisiert und soll voraussichtlich zur nächsten Sitzung der Arbeitsgruppe Restabwicklung im Mai des laufenden Jahres vorliegen“.

Nach der im Jahre 1997 erteilten Stilllegungsgenehmigung muss spätestens in neun Jahren (2017) entschieden worden sein, was mit der Reaktoruine in Zukunft geschehen soll. Ein schneller Abriss wird die Bevölkerung zusätzlich gefährden, da die Radioaktivität noch nicht stark genug abgeklungen ist und es bei dem Reaktorabbau zu radioaktiven Freisetzungen und zu unzähligen Atommülltransporten kommen würde. Durch zusätzliche Transportwege würden noch mehr Menschen gefährdet. Ein sicheres Endlager ist ebenfalls noch nicht in Sicht

Im Reaktor befinden sich noch 1,6 Kilogramm Kernbrennstoff (3). Das heißt Plutonium und Uran. Und zwar nicht nur im Reaktorkern, sondern auch im Rohrsystem für die Brennelementekugeln. Da entgegen unseren Forderungen nach der Stilllegung kein Nuklid-Atlas erstellt wurde, weiss man nicht genau, wo sich alle hochradioaktiven Stellen befinden. Das macht einen Abriss zusätzlich schwieriger und gefährlicher.

Es ist schon klar: Ausbaden muss das ganze Schlamassel vor allem die örtliche Bevölkerung und nicht die RWE. Es geht jetzt nur noch darum, die am wenigsten schlimme Variante für die Menschen der Region durchzusetzen.

Anmerkungen:
1. Verfondern hat in der Zeit von 2003 bis 2007 mindestens neun Veröffentlichungen zum THTR im Rahmen seiner Arbeit im FZJ publiziert. Unter anderem auch in Südkorea und Japan, wo ebenfalls an dieser Reaktorlinie geforscht wird.
2. IEF-6: Institut für Energieforschung und Reaktortechnik im Forschungszentrum Jülich
3. WA vom 24. 6. 1995

Helmuth Bolle ist tot

Helmuth Bolle hat sich bereits ab 1975 als Mitglied der Gewaltfreien Aktion (GA) Arnsberg/Neheim-Hüsten gegen AKW´s eingesetzt und sich an der Gründung von Bürgerinitiativen gegen den THTR beteiligt. Von der GA gingen wichtige Impulse für die inhaltliche Arbeit der Initiativen aus. Später wurde Helmuth Mitglied der Grünen und Abgeordneter im Hochsauerlandkreis. Bereits in den 70ern eröffnete er einen Bioladen und blieb seinen Idealen bis heute treu. Er starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von nur 58 Jahren. Besonders die BI´ler der ersten Stunde werden seiner gedenken.

Je mehr Unterschriften, je mehr Druck wird erzeugt. Um so grösser die Chance auf Erfolg! Noch bis zum 1. Juli. - Helfen Sie mit!!!

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