THTR Rundbrief Nr. 118 Dezember 2007


Nuklear-Gangster!

Brutaler Überfall auf südafrikanisches Atomforschungszentrum Pelindaba, wo BRD-Firmen nuklearen Brennstoff für den Hochtemperatur-Reaktor produzieren. Kämpfe im Kontrollzentrum

Dort, wo mit Hilfe der bundesdeutschen Firmen NUKEM (Alzenau), Uhde (Dortmund), SGL Carbon (Wiesbaden, Meitingen), Essener Hochdruck Röhrenwerk EHR (Zweigwerk Dortmund) und des US-Konzernablegers Meridium (Walldorf) in Pelindaba die Herstellung des nuklearen Brennstoffs für den Pebble Bed Modular Reaktor (PBMR) vorbereitet wird, fand am 8. November 2007 ein schwer bewaffneter Überfall auf das Kontrollzentrum des Atomforschungszentrums statt.

Vier Gangster stürmten direkt zur Instrumententafel der Nuklearanlage und verletzten durch Schüsse den zuständigen Manager schwer. In diesem Zusammenhang wurde erst jetzt bekannt, dass bereits im Juni 2007 ebenfalls ein bewaffneter Überfall stattgefunden hat, bei dem ein anderer Manager niedergeschossen wurde.

Spiegel Online meldete am 11. 11. 2007 über die letzte Attacke: „Zwei der vier Bewaffneten hätten sich Zugang zu einem elektronisch gesperrten Kontrollraum verschafft und seien auf die Instrumententafel zugestürmt, berichtet die Zeitung ‚Saturday Star‘. Dem zuständigen Manager Anton Gerber schossen sie in die Brust - und verschwanden kurz darauf wieder.“
 
Pelindaba gehört nach der offiziellen Regierungsphilosophie zu den sichersten Orten in der von schwerster und extrem häufiger Kriminalität heimgesuchten Republik Südafrika. Wie die Täter in die nukleare Schaltzentrale eindringen konnten, ist noch nicht ganz klar. Immerhin mussten nicht nur verschiedene Kontrollposten mit Videoüberwachung, sondern auch elektronische Zäune und Sicherheitssysteme überwunden werden.
Die südafrikanische Zeitung „Pretoria News“ berichtete, dass ein Mitarbeiter der Anlage einen lauten Knall im östlichen Block gehört habe und dass sich die Angreifer unter Benutzung einer außen am Gebäude befindlichen Feuerwehrleiter Zugang zu einem Fenster verschafft haben könnten, das dann mit Gewalt geöffnet wurde.  Bei den anschließenden Kämpfen in dem Kontrollzentrum ist dann der zuständige Manager lebensgefährlich von zwei Kugeln verletzt worden, die nur knapp Herz und Wirbelsäule verfehlten.

Internationale Blamage
Die Angreifer konnten nach dem Überfall fliehen. Aber was wollten sie in dem nuklearen Forschungszentrum?? „Die Welt“ berichtete und versuchte sich am 11. 11. 2007 einen Reim auf die ganze Angelegenheit zu machen:

„Ein Polizeisprecher bestätigte, dass nach den Verbrechern gefahndet werde. Festnahmen habe es bisher aber nicht gegeben. Der Vorfall hatte sich bereits am Donnerstag ereignet. Unklar blieben die Motive der unerkannt geflohenen Täter.

In Pelindaba waren zur Apartheidzeit mehr als sechs Atombomben gebaut worden, die aber noch vor der demokratischen Wende am Kap entschärft worden waren. Das waffenfähige Uran befindet sich nach offiziell unbestätigten Angaben unter internationaler Aufsicht noch heute auf dem Gelände der Anlage und wird für medizinische Zwecke zur Herstellung von Isotopen genutzt. (...)
Die grassierende hohe Gewalt im Ausrichterland der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 hat in der Vergangenheit auch vor Anlagen mit höchster Sicherheitsstufe wie Botschaften oder Flughäfen nicht Halt gemacht.“

Die Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift ASMZ schrieb am 10.11. 2007: „Oppositionspolitiker kritisierten den Zwischenfall als ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit des Landes. ‚Wenn Pelindaba etwa in die Hände von Terroristen fallen würde, könnte die Sicherheit des gesamten Landes in Gefahr gebracht werden‘, erklärte die Abgeordnete Dianne Kohler Barnard von der Demokratischen Allianz.“

Diese Blamage kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Zur Zeit bereitet sich Südafrika darauf vor, den Vorsitz für die International Atomic Energy Agency zu übernehmen, bei der ausgerechnet eine Konvention vorbereitet werden soll, die international ein hohes Mass an nuklearer Sicherheit und wirksamer Gefahrenabwehr bei Nuklearanlagen bewirken soll. Grotesker geht es nicht!

Südafrika: Krimineller nuklearer Supermarkt
Nur drei Tage später, nachdem der aktuelle Gangsterüberfall auf das südafrikanische Atomforschungszentrum in der BRD bekannt wurde, meldete die Nachrichtenagentur AP, dass der seit Jahrzehnten im Auftrage des „Vaters der Pakistanischen Atombombe“, Abdul Quadeer Khan, aktive Atomschmuggler Gotthard Lerch sich nach dem formalen Scheitern bisheriger Prozesse doch noch vor dem Oberlandesgericht Stuttgart wegen mutmaßlicher Beteiligung am Aufbau des libyschen Atomwaffenprogramms verantworten muss. Seine wichtigste Operationsbasis für Entwicklung und Bau von Zentrifungen für die Herstellung von Atombomben war Südafrika. Die Baupläne kamen von Khan, der sie als Angestellter des deutsch-niederländischen Konzerns URENCO (Gronau/Almelo) dort in den 70er Jahren illegal entwendet hatte. 

AP meldete am 14. 11. 2007: „Die Zentrifugenteile habe er in Südafrika herstellen lassen. Ein Frachtschiff mit Bauteilen war 2003 auf dem Weg nach Libyen gestoppt worden, die Lieferung wurde vereitelt. Der Ingenieur bekam für seine Dienste damals rund 55 Millionen Mark (rund 28 Millionen Euro), hieß es weiter. Mit dem Betrag war nach Darstellung der Staatsanwaltschaft auch die Herstellung der Zentrifugen abgegolten worden.“

Der Hochtemperaturreaktor PBMR wird in Südafrika insbesondere für den Export in Schwellenländer entwickelt. Hierdurch gelangen immer mehr Staaten in den Besitz von Uran, was das Proliferationsrisiko stark erhöht. Südafrika war nicht nur zur Zeit des Apartheidregimes eine Drehscheibe des internationalen Nuklearschmuggels, sondern ist es bis heute. Die aktuellen Vorfälle in Pelindaba und der  reale Bau von nuklearen Massenvernichtungswaffen zeigen, dass es Polizei, Gerichte und Regierung in den letzten Jahren nicht geschafft haben, den Atomsumpf trockenzulegen.

Mit dem Bau des PBMR, der mit Hilfe der bundesdeutschen Firmen NUKEM, Uhde, SGL Carbon, Essener Hochdruck Röhrenwerk (EHR) und Meridium realisiert wird, werden zukünftige Atomskandale und möglicherweise sogar Atomkriege wahrscheinlicher. – Wer sind hier die wirklichen Nukleargangster?

Update:

Eine Woche nach dem schwersten Anschlag auf eine Atomanlage in der jüngsten Geschichte werden einige neue Details bekannt. Die südafrikanischen Sicherheitsbehörden tappen aber offensichtlich noch immer im Dunkeln.
 
Neu ist laut „The Times“ vom 14. November 2007, dass sich im westlichen Teil der Anlage eine weitere Gruppe von Angreifern befand und nach einem Schusswechsel unerkannt geflohen ist.

Die erste Angreifergruppe mit vier bewaffneten Männern bemächtigte sich eines Komputers, der anschließend auf einem Balkon in der Nähe des Kontrollzentrums liegengelassen wurde. Ob die Festplatte entfernt wurde, ist bisher nicht bekannt geworden. Auf den südafrikanischen Internetseiten verschiedener Zeitungen wurde festgestellt, dass sich die Täter äußerst gut in der nuklearen Anlage ausgekannt haben mussten. Nur eine hochspezialisierte Gruppe mit Insiderwissen konnte demnach in der Lage gewesen sein, Alarmsysteme auszuschalten und alle Schranken zu überwinden. Die Täter haben offenbar genau gewusst, wo sie aktiv werden wollten.
 
Immer wieder wird in den südafrikanischen Berichten auf die bis zum Jahre 1993 hier scharf gelagerten Atombomben hingewiesen und die Frage gestellt, ob die zwei angreifenden Gruppen zwei verschiedene Komponenten (Bombe und Zündung bzw. Startcodes) in äußerst destruktiver Absicht zusammenbringen und kombinieren wollten. Und welche Informationen sich heute noch auf diesem Komputer befunden haben. Es wäre wirklich ein fataler Fehler, wenn beide Komponenten so nah nebeneinander und offensichtlich so leicht zugänglich positioniert wären!

Oder wollten die Gangster bestimmtes Material oder Informationen erbeuten? Die in dem Komputer gespeicherten Daten könnten für den internationalen Terrorismus nützlich sein.

Weitere Ungereimtheiten werden in der südafrikanischen Presse diskutiert: Was hatte die Verlobte des schwerverletzten Chef-Atommangers Anton Gerber in dem hochsensiblen Anlagenteil zur Zeit des Überfalls zu suchen? Wie ernst sind Gerbers Äußerungen vor dem Überfall zu nehmen, dass er „Ärger“ erwartete. Hat er etwas gewusst?

Das sechsköpfige Sicherheitspersonal dieses Anlagenteils wurde einschließlich ihres Chefs nach dem Anschlag entlassen. Sie selbst und ihre Arbeitsweise werden Gegenstand einer Untersuchung sein. Gab es hier undichte Stellen oder Komplizen?

Die Gesichter der Angreifer sind auf den Überwachungsvideos nur unklar zu sehen. Von den Tätern fehlt jede Spur. – Eine äußerst peinliche Angelegenheit für die südafrikanische Nuklearindustrie und den Staat ist es geworden. Die Umweltschutzorganisation Earthlife Africa wurde mit ihrer kritischen Stellungnahme sogar in der New York Times zitiert. Man darf auf den Fortgang der Ereignisse gespannt sein.

Im THTR-Rundbrief befinden sich Artikel zu folgenden Firmen:
Zu NUKEM: Nr. 101 (2005), 107 (2006) und 110 (2007).
Zu Uhde: Nr. 100 (2005), 101 (2005), 111 (2007)
Zu Essener Hochdruck Röhrenwerk (EHR): Nr. 110 (2007), 111 (2007), 112 (2007)
Zu SGL Carbon: Nr. 102 (2005), Nr. 117 (2007)
Zu Meridium: Nr. 116 (2007)
Zu URENCO und Khan: Nr. 95 (2004), Nr. 99 (2005), Nr. 101 (2005), Nr. 104 (2006), Nr. 111 (2007)

Nuklearwaffenschmuggel im atomaren Dreieck
Deutschland, Südafrika und Pakistan:
Täter noch aktiv!

Während in den Niederlanden das Netzwerk des „Vaters der pakistanischen Atombombe“, Abdul Quadeer Khan, Gegenstand einer breiten gesellschaftlichen Diskussion geworden ist, sind in der BRD nur sporadisch und vereinzelt in ausgesuchten Zeitungen Berichte zu finden. Und dies, obwohl in Südafrika ansässige Deutsche und Schweizer Haupttäter sind.
 
Als im Jahre 2003 Libyen begann, mit der internationalen Atomenergiebehörde zu kooperieren, flogen die skrupellosen Machenschaften auf: Bereits Ende der 90er Jahre wurde von dem deutschen Ingenieur Gotthard Lerch die Lieferung einer Zentrifugenanlage zur Anreicherung von waffenfähigem Uran vorbereitet. Gerhard Wisser aus Zürich hat die Produktion von Komponenten übernommen und in einer Fabrik in Südafrika bauen lassen. Im Folgenden werden die einzelnen Stationen des Skandals dargestellt, wobei ein Ende noch lange nicht absehbar ist.

Der Journalist Wolfgang Frey schrieb in der „Liechtensteiner Wirtschaftswochenzeitung“ vom 28. Juli 2007:

„Während die Ermittlungen gegen die internationale Atommafia in der Schweiz und in Deutschland nicht recht vorankommen, verspricht ein südafrikanisches Verfahren Aufklärung. Zwei Beteiligte haben dort schon ausgepackt.
Gerhard Wissers SMS an seinen Kompagnon Johan Meyer war eindeutig: "Der Vogel muss zerstört werden, Federn und alles." Kurz zuvor war Libyens geheimes Atombombenprogramm durch eine CIA-Geheimdienstoperation aufgeflogen und Wisser hatte offenbar zu Recht Sorge, dass es nun auch bald den Lieferanten der Atomtechnik an den Kragen gehen würde. Immerhin standen zu diesem Zeitpunkt noch mehrere Container mit Teilen für die libysche Bombenproduktion in der Werkshalle von Meyers Firma im südafrikanischen Vanderbijltpark. Wisser machte den Ernst der Lage in einer weiteren SMS an Meyer klar: "Sie haben uns an die Hunde verfüttert. (...)
Zwischenzeitlich hatte die Staatsanwaltschaft jedoch versucht, aus dem Prozess ein Geheimverfahren zu machen, offenbar, um zu verhindern, dass Details über das eigene geheime Atomwaffenprogramm aus Apartheid-Zeiten an Licht kommen. Denn auch darin waren einige der Beteiligten verwickelt - bereits als Lieferanten.“

Nachdem ein erster Atomschmuggelprozess in Mannhein 2006 geplatzt ist, wurde in diesem Jahr das Verfahren in Südafrika neu aufgerollt. Mit überraschenden Ergebnissen. Bemerkenswert, dass von der Justiz versucht wurde, den Prozess teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit durchzuführen.

Ralf E. Krüger berichtete am 4. 9. 2007 für „Der Tagesspiegel“ Folgendes:

„In Südafrika waren heute die Angeklagten um den Schmuggel von Atomtechnik für Libyen vor Gericht. Der als Drahtzieher gehandelte 68-jährige Deutsche (Gerhard Wisser, die RB-Redaktion) war geständig. Er soll ein Bauteil für das libysche Atomwaffenprogramm vermittelt haben.
Knapp ein Jahr nach dem Ende des weltweit ersten Prozesses um einen mutmaßlichen Schmuggel von Nukleartechnik für Libyen - in Mannheim - folgte der Paukenschlag bei einem Folgeprozess am Kap. Im Gegenzug für eine milde Strafe zeigte sich der angeklagte deutsche Geschäftsmann nicht nur geständig, sondern sagte auch volle Kooperation mit deutschen und südafrikanischen Behörden zu. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Neuauflage des 2006 in Mannheim geplatzten Prozesses gegen einen anderen deutschen Manager. Denn der wurde im fernen Pretoria von seinem Ex-Geschäftspartner belastet, mit einem in Dubai ansässigen Sri Lanker sowohl Libyen als auch Pakistan zu Atomtechnologie verholfen zu haben.“
Nach AFP vom 4. 9. 2007 ist Wisser zu 18 Jahren auf Bewährung und drei Jahren Hausarrest verurteilt worden. „Die Justiz wird den Angaben zufolge außerdem umgerechnet 600.000 Euro in bar sowie im Ausland befindliches Vermögen W.s in Höhe von mehr als 2,8 Millionen Euro einziehen. Der Verurteilte verpflichtete sich demnach, die Behörden Südafrikas und anderer Länder bei ihren Ermittlungen gegen weitere Mitglieder des Schmugglerrings zu unterstützen.“

Über den Fortgang der Ermittlungen und über die unglaublichen Dimensionen, die die „größte Bedrohung für den Atomwaffensperrvertrag“ darstellte, schrieb Julia Raabe am 13. 9. 2007 in „Der Standard“:
Mit neuen Ermittlungen und der strafrechtlicher Verfolgung von Verdächtigen will Südafrika die endgültige Zerschlagung eines Schmugglerrings für Atomtechnologie vorantreiben. Teile des im Jahr 2003 aufgeflogenen Netzwerks rund um den pakistanischen Atomwissenschafter Abdul Qadeer Khan könnten immer noch aktiv sein, warnte der südafrikanische Vertreter bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Abdul Minty, am Rande des in dieser Woche tagenden IAEO-Gouverneursrats in Wien. "Das illegale Netzwerk stellt wahrscheinlich die größte Bedrohung für den Atomwaffensperrvertrag dar."

Über Jahre hatte der Schmugglerring Nukleartechnologie an der internationalen Kontrolle vorbei an Staaten wie Libyen, Iran und Nordkorea verkauft. Das ganze Ausmaß der heimlichen Geschäfte ist bis heute nicht bekannt; das Netzwerk operierte in über 30 Ländern. Es flog auf, als Libyen auf frischer Tat bei der Lieferung von Nukleartechnologie ertappt wurde und sich nichts mehr leugnen ließ. (...) Über derzeitige Aktivitäten des Rings scheint allerdings kaum etwas bekannt zu sein. "Es gibt keine Anhaltspunkte für eine Aktivität des Khan-Netzwerks", sagte der Nuklearexperte Mark Fitzpatrick vom International Institute for Strategic Studies (IISS) in London dem Standard. "Die Leute, von denen man weiß, dass sie daran beteiligt waren, sind raus aus dem Geschäft." Es gebe aber noch unbekannte Zulieferer, die sich jetzt möglicherweise bedeckt hielten und in Zukunft wieder aktiv werden könnten.“

Während klar wird, dass noch längst nicht alle beteiligten Straftäter und Zulieferer gefasst sind und diese sogar in neue Nuklear-Aktivitäten verwickelt sind, versuchen einige gefasste Täter wieder frei zu kommen. Dies berichtete die „Neue Züricher Zeitung“ am 15. 10. 2007. Der seit Oktober 2004 wegen Verdachts auf illegalen Atomschmuggels verhaftete Schweizer Ingenieur Urs Tinner muss allerdings in Untersuchungshaft bleiben; das Haftentlassungsgesuch wurde abgelehnt.
Am 14. November 2007 meldete PR-Inside, dass Gotthard Lerch sich nach dem Scheitern eines Prozesses in Mannheim erneut vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten muss. Tinners Prozess wird voraussichlich am 5. Februar 2008 in Pretoria/Südafrika beginnen. Fortsetzung folgt.

Zum nuklearen Supermarkt von Khan und was die BRD, deutsche Unternehmen, Südafrika, Pakistan, Iran und Libyen damit zutun haben, siehe auch folgende Artikel im THTR-Rundbrief:
Nr. 111 (2007): Khans Atomschmuggel und NRW-Firmen
Nr. 104 (2006): Wo Khan die Bombe lieben lernte
Nr. 99 (2005): Die Uranzentrifugen wurden in Südafrika fast fertiggebaut
Nr. 98 (2005): Khan belieferte Iran
Nr. 95 (2004): Das atomare Dreieck: Deutschland, Südafrika, Pakistan (Der vielzitierte Artikel)

Uranhexafluorid-Transporte durch Hamm:
Viele Defizite bei der Gefahrenabwehr

Nach dem Unfall bei Rangierarbeiten im Hammer Bahnhof stellt sich verstärkt die Frage nach der Sicherheit für die Hammer Bevölkerung. Insbesondere bei den Gefahrguttransporten mit Uranhexafluorid (UF-6) zur Urananreicherungsanlage Gronau durch Hamm.

 

Die hochgefährlichen Waggons standen bisher in der Regel nachts zwischen ca. 23 Uhr und 5 Uhr unbewacht auf dem Hammer Rangierbahnhof. Genau zur gleichen Zeit um 0.20 Uhr geschah am 6. 11. 2007 der Unfall an dem gleichen Ort: Waggons sprangen aus den Gleisen, Kabel wurden durchtrennt, Stromkästen umgefahren, eine Weiche, das Schienenbett und die Oberleitung beschädigt.

Was wäre passiert, wenn ein entgleister Waggon gegen einen dort viele Stunden parkenden UF-6-Behälter geprallt wäre?

Die Feuerwehr und die Stadt Hamm hätten überhaupt nicht gewusst, dass ein so gefährlicher Transport durch Hamm fahren würde! Deswegen sollte nach Ansicht der Bürgerinitiative Umweltschutz die Stadt Hamm in Zukunft darauf drängen, dass sie endlich vor den gefährlichen Transporten durch die Betreiber der Urananreicherungsanlage in Gronau informiert wird, damit die Hammer Einsatzkräfte gewarnt sind und bestimmte Vorkehrungen treffen können.

Nach jeweils zwei Anfragen der Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm und der Grünen Ratsfraktion und mehreren Protestaktionen hat die Stadtverwaltung Hamm endlich mit einer ausführlichen Stellungnahme (0809/07) zu den Transporten von hochgefährlichem Uranhexafluorid durch Hamm reagiert.

Unser Mitstreiter Gerhard Piper von dem Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) hat diese Stellungnahme kritisch analysiert und ist - kurz gefasst -  zu folgenden Ergebnissen gekommen (sie werden im Anhang ausführlich dokumentiert):

1. Die Hammer Feuerwehr verfügt gemäß den offiziellen Angaben der Stadtverwaltung Hamm über kein Erkundungsfahrzeug, mit dem eine Kontamination mit dem hochgefährlichen Uranhexafluorid überhaupt festgestellt werden könnte.

2.  Angesichts eines sehr begrenzten und teilweise veralteten Potentials (Einsatzfahrzeuge aus den Jahren 1977 und 1982) ist die Feststellung der Stadtverwaltung, das gesamte Gefahrenabwehrmanagement der Stadt Hamm sei „durchaus nach dem heutigen Stand der Technik gerüstet bzw. ausgestattet“, nicht nachvollziehbar.
 
3. Die Feststellung der Bürgerinitiative, dass der Feuerwehrstandort Rathenaustraße 16 nur wenige Meter von dem Standort der abgestellten Waggons mit dem Uranhexafluorid liegt, konnte von der Verwaltung nicht entkräftet werden. Die Verteilung der verschiedenen Teilaufgaben zur Gefahrenabwehr auf verschiedene Standorte gilt eben nicht für die ABC-Abwehr!

4. Die Hammer Feuerwehr könnte bei einem störfallbedingten Ausfall ihres Geräts in der Rathenaustraße dem Katastrophengeschehen nur noch aus sicherer Entfernung tatenlos zusehen.

5. Bei den von der Stadtverwaltung Hamm genannten Radien von 50 bis 100 Metern für die Gefahren- und Absperrbereiche handelt es sich nach der Feuerwehrdienstvorschrift 500 lediglich um einsatztaktische Empfehlungen, die unter besonderer Berücksichtigung der Windverhältnisse angepasst und lageabhängig ausgeweitet werden müßten. Eine Schadstoffwolke mit Uranhexafluorid kann sich mehrere Kilometer weit ausbreiten!

6. Die Einsatzkräfte würden durch die Anfahrt, das Anlegen einer persönlichen Sonderausrüstung und den Aufbau der benötigten Dekontaminationszelte zu viel Zeit benötigen, um vor einem Aufplatzen eines in Brand geratenen Uranhexafluorid-Behälters fertig zu werden.

7. Die wenigen vorhandenen ABC-Fahrzeuge sollten von der Rathenaustraße verlegt werden, was kein unüberwindbares Finanzproblem darstellen sollte.

8. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Übung mit einer simulierten UF-6- Havarie ist zu begrüßen. Die interessierte Öffentlichkeit sollte dabei als Zuschauer zugelassen werden.

Durch den jetzt begonnenen Erweiterungsausbau der Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau für die Brennstoffproduktion von über 30 Atomkraftwerken werden die Transporte mit Uranhexafluorid um ein Vielfaches zunehmen. Dieser Zustand ist das Gegenteil von einem Ausstieg! Letztendlich kann nur die Abschaltung aller Atomanlagen das Gefahrenpotential für die Bevölkerung verringern.

Dieser Artikel wurde am 14. November 2007 nur leicht gekürzt als Leserbrief im WA abgedruckt und ebenfalls in der Ausgabe 185 von „anti atom aktuell“ (www.anti-atom-aktuell.de) veröffentlicht.

 

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