Japan - Fukushima - Zukunft - Radioaktiv

15.08.2018 - Fukushima schlimmer belastet als erwartet

Artikel von Norbert Lossau aus www.welt.de

Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat verheerende Folgen für die Region. Sie wird jahrzehntelang unbewohnbar bleiben. Nun zeigt eine Studie: Es gibt Hot Spots, an denen die Gefahr besonders groß ist.

Mehr als sieben Jahre sind mittlerweile seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima vergangen. Infolge des Tsunami vom 11. März 2011 kam es in mehreren Reaktoren des japanischen Kernkraftwerks Fukushima Daiichi zur Kernschmelze und zur Freisetzung von radioaktiven Substanzen in die Umwelt – also einem Super-GAU.

Tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Sie konnten bis heute nicht in ihre radioaktiv belastete Heimat zurückkehren. Ein Risiko für die menschliche Gesundheit geht insbesondere von den radioaktiven Cäsium-Atomen Cs-134 und Cs-137 aus, die eine Halbwertzeit von zwei beziehungsweise 30 Jahren besitzen.

Die Halbwertszeit gibt an, nach welchen Zeitraum jeweils die Hälfte der noch vorhandenen Atome zerfallen ist. Auch 60 Jahre nach dem Unglück werden also noch 25 Prozent des freigesetzten Cs-137 existieren.

Bislang gingen die Experten davon aus, dass der größte Teil des Fukushima-Cäsiums in einer wasserlöslichen Form in die Umwelt freigesetzt wurde, deshalb weggeschwemmt und in tonhaltige Mineralien eingebunden werden konnte. Doch dem ist nicht so, wie jetzt Professor Satoshi Utsunomiya von der Kyushu University auf der Goldschmidt Geochemie Konferenz in Boston berichtet.

Sein Forscherteam hat in 20 vom radioaktiven Fallout betroffenen Regionen in Japan Bodenproben entnommen und analysiert. Sie stellten fest, dass der größte Teil des radioaktiven Cäsiums in kleinen glasartigen Partikeln gebunden sind. Diese sind bei den hohen Temperaturen während des Reaktorunglücks entstanden. Die Partikel sind nur wenige Mikrometer groß und nicht wasserlöslich.

Extrem hohe Radioaktivität

„Wir haben festgestellt, dass diese Mikropartikel reich an Cäsium sind und eine extrem hohe Radioaktivität aufweisen“, sagt Utsunomiya. Die Radioaktivität der Teilchen liegt bei 10 hoch 14 Becquerel (also 100 Billionen Becquerel) pro Kilogramm. Zum Vergleich: In Japan gilt für Radioaktivität im Trinkwasser ein Grenzwert von zehn Becquerel pro Kilogramm.

Würde man also nur eines dieser hoch radioaktiven Teilchen in den Körper aufnehmen, wäre das ein Desaster. Und von diesen strahlenden Minikörnchen liegen in den betroffenen Regionen nicht nur vereinzelt welche im Boden, sondern recht viele. „Wir haben bis zu 318 dieser Partikel in nur einem Gramm Erde nachweisen können“, berichtet Utsunomiya, „in einigen Regionen ist das Grund zu größter Sorge.“

Dass sich die radioaktiven Teilchen auch noch nach elf Jahren in so hohen Konzentrationen nachweisen lassen, zeigt, wie stabil sie dort im Erdreich eingelagert sind. Den Wissenschaftlern fiel auch auf, dass es Hot Spots mit besonders hoher Cäsium-Radioaktivität gibt. Dies erklären sie durch Anreicherungsprozesse – zum Beispiel durch das Herunterwaschen von Dächern oder Bäumen.

Cäsium als kleine Körnchen konzentriert

Insgesamt, so errechneten die japanischen Wissenschaftler, wurden beim GAU von Fukushima rund 78 Prozent des Cäsiums in Form von glasartigen Mikropartikeln freigesetzt. Diese Erkenntnis hat Konsequenzen für die Einschätzung gesundheitlicher Risiken und den Umgang mit den kontaminierten Gebieten. Es ist eben ein großer Unterschied, ob die Radioaktivität schön gleichmäßig über größere Regionen verteilt ist, oder ob sie in vielen kleinen Körnchen konzentriert ist.

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