25.01.2018

Radon

Die unsichtbare Gefahr aus dem Untergrund

Dieser Artikel erschien in www.br.de

Man kann es nicht sehen, nicht fühlen, nicht riechen oder schmecken. Das Edelgas Radon ist jedoch die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Über den Boden kann das natürlich vorkommende radioaktive Gas in Häuser eindringen.

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht durch radioaktiven Zerfall von Uran, das es überall auf der Welt in unterschiedlichen Konzentrationen im Boden gibt. Besonders hoch liegt die Radonkonzentration deshalb in Böden und Gesteinen, die viel Uran enthalten. "Wir haben zum Beispiel in Deutschland ein höheres Radonpotenzial in bestimmten Gegenden: In Bayern sind das der ostbayerische Wald und das Voralpenland, auch Gegenden bis hin zu München. Das liegt wirklich am Urangehalt. Zum Beispiel der Bayerische Wald - das sind eher Granitgebiete. Und Granit hat ein höheres Radonpotenzial", erläutert Michaela Kreuzer, Leiterin der Abteilung "Wirkungen und Risiken ionisierender Strahlung" am Bundesamt für Strahlenschutz.

Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

Über Risse und Spalten im Boden entweicht Radon ins Freie oder ins Innere von Gebäuden. Wird Radon eingeatmet, gelangt es in die Lunge und in die Bronchien. Das Radongas ist an sich nicht gefährlich, weil es zum Großteil einfach wieder ausgeatmet wird. Gefährlich sind die Zerfallsprodukte, vor allem Polonium 214 und 218. "Das sind Schwermetalle, die lagern sich auf der Lunge ab, können dort DNA schädigen, Zellen schädigen, und begünstigen dadurch eine mögliche Lungenkrebserkrankung", sagt Michaela Kreuzer. Gefährlich wird das vor allem, wenn ein Mensch über längere Zeit hohen Dosen von Radon ausgesetzt ist. Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. "Führend ist Rauchen, aber selbst Asbestbelastung oder Dieselbelastung kommt nach Radonbelastung." Laut Berechnungen der Strahlenschützer sterben jedes Jahr in Deutschland etwa 2.000 Menschen an den Folgen einer Radon-Exposition.

Radon brachte bereits Bergleuten im Mittelalter den Tod

Schon im Jahr 1550 gab es Berichte von Georg Agricola, dass in Schneeberg im Erzgebirge viele Bergleute an Atemwegserkrankungen starben. Erst im 19. Jahrhundert erkannte man, dass es sich dabei um Lungenkrebs handelte. "Und so um 1950 wusste man: Die Ursache sind Radon und seine Zerfallsprodukte", erläutert Michaela Kreuzer. "Und dann hat man bei den Bergarbeitern großflächig Studien initiiert und untersucht, wie hoch ist das Lungenkrebs-Risiko durch Radon. Dort wurde gefunden: Es gibt ganz klar einen ursächlichen Zusammenhang." Besonders betroffen waren die Bergarbeiter im Uranabbau, die unter schwierigen Arbeitsbedingungen und ohne Belüftung in den Stollen extrem hoher Radonbelastung ausgesetzt waren. Seit 1993 wird am Bundesamt für Strahlenschutz eine der weltweit größten Studien zu beruflich mit Radon belasteten Bergarbeitern durchgeführt. Sie umfasst knapp 60.000 ehemalige Beschäftigte, die zwischen 1946 und 1990 für das Uranerzbergbau-Unternehmen Wismut gearbeitet haben. Allein bis zum Jahr 2011 wurden mehr als 9.000 Fälle von Lungenkrebs ehemaliger Wismut-Beschäftigter als Berufskrankheit anerkannt.

Radon gelangt vom Boden über undichte Stellen ins Haus

Tückisch ist, dass man das radioaktive Radon weder sehen noch riechen noch schmecken kann. Wissenschaftler haben jedoch Karten erstellt, auf denen farblich markiert ist, in welchen Gebieten in Deutschland besonders viel Radon vorkommt. "Das Radon ist ja gasförmig und sehr mobil und entweicht aus dem Boden ins Freie. Und im Freien, in der Außenluft, kann sich das sofort verteilen und verdünnen. In der Außenluft haben wir Konzentrationen zwischen fünf bis 30 Becquerel pro Kubikmeter. Problematisch sind eher die Wohnungen", stellt Michaela Kreuzer fest. Radon kann nämlich über undichte Fundamente, Rohre, Fugen oder Kabelschächte ins Haus eindringen und sich dort anreichern. Die Radonkonzentration ist dann oft in den Kellerräumen besonders hoch, kann aber über Türen und Treppen in die oberen Stockwerke gelangen. "Da verdünnt es sich zusehends, aber hat eben deutlich höhere Konzentrationen als in der Außenluft", weiß Michaela Kreuzer.

Empfehlenswert ist eine Radon-Langzeitmessung

Um für einen Ort zuverlässige Radonwerte zu erhalten, braucht man allerdings Geduld, wie Simone Körner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg erklärt: "Die Radonkonzentration schwankt sehr stark im Jahresverlauf. Also zum einen Mal durch den Tag-Nacht-Rhythmus - auch wie die Leute die Wohnung benutzen - also lüften und durchmischen. Und auch im Jahresverlauf, weil im Sommer lüftet man in der Regel mehr als im Winter. Darum ist es besser, Sie machen eine Langzeitmessung, sodass Sie einen zuverlässigen Wert haben, der Ihnen auch was über die Jahresmittel aussagt." Strahlenschützer und Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO empfehlen, einen Wert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft möglichst nicht zu überschreiten. Wird dieser Wert im Jahresmittel überschritten, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz bereits Sanierungsmaßnahmen, um die Radonkonzentration zu senken. 2017 wurde ein Strahlenschutzgesetz verabschiedet: Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft. "Dieses Strahlenschutzgesetz tritt am 31.12.2018 in Kraft. Ab dann ist der Referenzwert sozusagen Gesetz", sagt Simone Körner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg.

Unterschied zwischen Wohn- und Arbeitsräumen

Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass es in etwa jedem zehnten Haus in Deutschland ein Problem mit Radon geben könnte. Wird der Referenzwert überschritten, müssen Schutzmaßnahmen gegen Radon ergriffen werden. Das Strahlenschutzgesetz unterscheidet allerdings zwischen Aufenthaltsräumen und Arbeitsräumen. Für Aufenthaltsräume, und da gehören auch Wohnungen dazu, wird tatsächlich nur der Referenzwert festgeschrieben. "Da kommt den Vermietern eine Schlüsselrolle zu und da ist es sehr empfehlenswert, frühzeitig Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen", sagt Simone Körner. Bei Arbeitsräumen sind die Regelungen beim Überschreiten verbindlicher: "Dann muss reduziert werden und im Gesetz ist dann auch schon vorgegeben, dass das innerhalb von 24 Monaten erfolgen muss. Da muss auch schon die Nachmessung passiert sein. Da sind tatsächlich konkrete Zeiträume vorgegeben."

Schutzmaßnahmen vor erhöhter Radon-Belastung

Bei hohen Werten kann man ein Haus gegen das Einströmen von Radon wappnen. "Ein Radonbrunnen saugt die radonhaltige Luft unter dem Gebäude ab, sodass sie gar nicht erst in die Räume gelangt", erklärt Simone Körner. Eine Drainage, die unterhalb des Fundaments verlegt wird, kann die radonhaltige Bodenluft absaugen. Eine einfache Maßnahme ist es, häufig intensiv zu lüften. Besonders im Bodenbereich sollten Risse, Fugen und Rohrdurchführungen abgedichtet werden. Wird ein Keller nicht genutzt, sollte man die Wege vom Keller ins Erdgeschoss abdichten - oder zumindest dichte Türen zwischen Keller und Wohnräumen einbauen. Wird der Keller genutzt, sollte man ihn belüften - zum Beispiel durch Ventilatoren oder Lüftungsanlagen. Auch ist es empfehlenswert, im ersten Stock oder noch höher zu schlafen und nicht im Erdgeschoss oder tiefer. Bei einem Neubau kann bereits eine Gebäudeisolierung gegen Bodenfeuchte vor Radon schützen.

Ist Radon auch für andere Krebsarten verantwortlich?

"Derzeit ist nur nachgewiesen, dass Radon Lungenkrebs verursacht. Aus Bergarbeiterstudien haben wir Hinweise darauf, dass auch andere Tumore, wie Hals-Nasen-Rachen-Tumore häufiger vorkommen. Aber man kann davon ausgehen, dass bei Radonkonzentrationen, die in Wohnungen wesentlich niedriger sind, andere Tumore wahrscheinlich keine Rolle spielen", sagt Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus der Schweiz, nach der Radon ein Risikofaktor für Hautkrebs ist, hält das Bundesamt für Strahlenschutz bislang für nicht ausreichend belegt.

Radon sollte man sich nicht unnötig aussetzen

Trotzdem wird Radon sogar für medizinische Zwecke genutzt. Manche Kurorte werben mit einer Radontherapie, die zum Beispiel Rheumakranken helfen soll. Inwiefern es sinnvoll ist, Radon zu Heilzwecken zu verwenden, wird kontrovers diskutiert. Der gesundheitsfördernde Effekt ist umstritten. "Risikoabschätzungen über die Radonbelastung in Radonheilbädern kommen zu dem Schluss, dass Patienten bei Trink- und Inhalationskuren einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt sind, die unter gesundheitlichen Aspekten den Sinn solcher Kuren in Frage stellen", heißt es auf radon-info, der Radon-Informationsseite eines Sachverständigenbüros. Und: "Zudem können vor allem Behandlungspersonal und die Bevölkerung in der Umgebung von Radonbädern einer erhöhten Strahlenbelastung unterliegen." Die gezielte Behandlung mit Radon sollte jedenfalls nicht als Wellness-Urlaub missverstanden werden. "Früher war das ja tatsächlich so: Einer war an Rheuma erkrankt und die ganze Familie ist in das Radonbad gezogen und hat dort zwei Wochen Urlaub gemacht. Also davon raten wir ganz ganz dringend ab. Wirklich nur diejenige Person mit Schmerzen bei medizinischer Indikation und sonst kein Aufenthalt, weil eben jede unnötige Strahlenexposition vermieden werden sollte", rät Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz.

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Bundesamt für Strahlenschutz:
Die Wismut Uranbergarbeiter-Kohortenstudie

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Radon

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