Grüngewaschene Atom-Propaganda in der Schweiz?!

28.11.2017 - Öko-Millionen für die frühere Atom-PR-Agentur

Artikel von Kurt Marti aus www.infosperber.ch

Die jahrelange Atom-PR-Agentur «Burson-Marsteller» kassiert Öko-Millionen. Eine Beschwerde wurde erstaunlicherweise zurückgezogen.

Im November letzten Jahres ging die Kampagne der Atomlobby gegen die Atom-Ausstiegs-Initiative in die Schlussrunde. Mitten drin stand das «Nuklearforum», dessen Geschäftsstelle jahrelang von der PR-Agentur «Burson-Marsteller» geführt wurde, welche die Atomenergie stets lobpreiste und die erneuerbaren Energien kleinredete.

Trotzdem hatte wenige Wochen vor der Atom-Ausstiegs-Abstimmung das Bundesamt für Energie (BFE) der Atom-PR-Agentur «Burson-Marsteller» einen lukrativen 3,6 Millionen-Auftrag für die Kommunikation des Projekts «Energiestadt» zugesprochen, das die Förderung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz zum Ziel hat, und das ursprünglich von der Anti-Atom-Bewegung lanciert wurde.

Infosperber stellte darauf die Frage des Interessenkonflikts beziehungsweise der Unvereinbarkeit der Mandate und berichtete über eine Beschwerde, die vor dem Bundesverwaltungsgericht gegen den BFE-Zuschlag hängig war.

Beschwerde wurde zurückgezogen

Weil in der Entscheiddatenbank des Bundesverwaltungsgerichts bis Mitte November 2017 noch immer kein Entscheid aufgelistet war und «Burson-Marsteller» bereits seit Januar 2017 als «Energiestadt»-Kommunikationsstelle auftritt, wollte Infosperber vom Bundesverwaltungsgericht BVG wissen, wo die Beschwerde gegen den «Energiestadt»-Auftrag geblieben war und bekam Erstaunliches zu lesen:

Laut BVG-Sprecher Rocco R. Maglio hat das BVG das «genannte Verfahren Ende 2016 abgeschrieben», weil «die Beschwerdeführenden die Beschwerde zurückgezogen hatten». Dieser Prozessentscheid sei «gemäss Artikel 6 des Informationsreglements nicht in der Entscheiddatenbank des Bundesverwaltungsgerichts veröffentlicht». Dieser Rückzug ist deswegen erstaunlich, weil die Chancen für die Beschwerde sehr gut standen.

Möglicher juristischer Rüffel verhindert

Wer die Beschwerde eingereicht und folglich zurückgezogen hat, ist nicht bekannt. Die Konkurrenten von «Burson-Marsteller», «Dr. Schenker Kommunikation» und «Weissgrund AG», gaben sich vor einem Jahr auf Anfrage von Infosperber wortkarg.

Auf jeden Fall dürfen sich das BFE und die PR-Agentur «Burson-Marsteller» über den Rückzug freuen, denn dadurch blieben ihnen mögliche unangenehme Rüffel des BVG erspart, insbesondere die Beantwortung der folgenden Fragen, welche Infosperber im November 2016 gestellt hatte:

  • Fällt das aktuelle Nuklearforum (NF)-Mandat, das noch bis Ende 2016 läuft, unter die Unvereinbarkeits-Klausel der Ausschreibung, welche verlangt: «Die Agentur betreut aktuell und während einer allfälligen Zusammenarbeit mit dem BFE keine Mandate, die nicht mit den Zielen des BFE vereinbar sind.»
  • Wirkt die Unvereinbarkeits-Klausel auch über die Beendigung des NF-Mandats auf Ende Jahr hinaus?
  • Hatte und hat «Burson-Marsteller» weitere Mandate, die nicht mit den Zielen des BFE vereinbar sind?
  • Wie sind die Mandate von «Burson-Marsteller» auf internationaler Ebene, insbesondere von «ExxonMobil» in Brüssel, bezüglich der Unvereinbarkeit zu bewerten?
  • Welchen Stellenwert hat das Kriterium der Glaubwürdigkeit bei einer solchen Auftragsvergabe?

Zwei PR-Männer mit CVP-Hintergrund

Fakt ist: «Burson-Marsteller» hat der «Dr. Schenker Kommunikation» (seit Mai 2017 «Communicators»), welche den Auftrag bisher ausführte, den Millionen-Auftrag des Bundes vor der Nase weggeschnappt.

Dabei wanderte der Auftrag von einem PR-Büro mit CVP-Duftmarke zum anderen: Denn bei «Burson-Marsteller» und bei «Communicators» sitzen Männer mit CVP-Hintergrund an leitender Stelle: «Communicators»-Partner Stefan Wyer war Mitarbeiter der früheren CVP-Bundesrätin Ruth Metzler und bis 2015 als «persönlicher Mitarbeiter» der Walliser CVP-Nationalrätin Viola Amherd im Nationalrats-Register der Zutrittsberechtigten eingetragen. Aktuell figuriert Wyer als «Gast» des Walliser CSPO-Nationalrats Thomas Egger. «Burson-Marsteller»-Geschäftsleitungsmitglied Tim Frey war von 2009 bis 2012 CVP-Generalsekretär. Im Nationalrat hat er aktuell eine Zutrittsberechtigung der grünliberalen Waadtländer Nationalrätin Isabelle Chevalley.

Auf der Homepage die alte Atom-PR-Leier

Als Infosperber Frey vor einem Jahr auf die erstaunliche Metamorphose von «Burson-Marsteller» ansprach, erklärte er, dass sich Ende 2016 «eine neue Situation» ergeben habe, indem das achtköpfige Team des «Nuklearforums» ausgegliedert wurde. Quasi über Neujahr wurde so aus der Atom- eine Öko-Agentur.

Ganz ist die Metamorphose von «Burson-Marsteller» jedoch noch nicht abgeschlossen, denn auf der Homepage steht unter der «Energie und Umwelt»-Kompetenz noch die alte Atom-PR-Leier*:

'Energie und Umwelt - Kompetenzen' Quelle: Burson-Marsteller

«Energie und Umwelt»-Kompetenzen (Quelle: Burson-Marsteller)

- -

Nachträgliche Bemerkung (29. November 2017):

* «Burson-Marsteller» hat den Atom-Abschnitt inzwischen gelöscht.

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2017

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish
block1.jpg