Zeitungsartikel 2019  

Alle Kosten, die der Steuerzahler für die Hinterlassenschaften der Atomindustrie aufzubringen hat, werden als 'militärisch notwendige Maßnahme zur Gefahrenabwehr' deklariert und keiner kann sagen, wir hätten zu wenig für unsere Landesverteidigung ausgegeben!!!

Aber das würde der Wahrheit wohl zu nahe kommen, war auch nur mal so ein Vorschlag für einen weiteren kreativen ...

*

Rechentrick

01.03.2019 - EU-Kommission erklärt Fusionsreaktor zum Klimaschutzprojekt

Artikel von Markus Becker aus www.spiegel.de

Die EU will die Milliardenausgaben für den Forschungsreaktor "Iter" für den Klimaschutz verbuchen - dabei weiß niemand, ob die Kernfusion je als Energiequelle taugt. Für den Rechentrick gibt es einen simplen Grund.

Manche halten die Kernfusion für die Energiequelle der Zukunft, wenn nicht gar für die Rettung der Menschheit: Die Kraft der Sonne zu bändigen, verspricht unbegrenzte Energie ohne Umweltverschmutzung. Andere lästern, dass die Kernfusion auf ewig die vielversprechendste Technologie der Zukunft bleiben wird. Sicher ist nur eines: Niemand weiß, ob Fusionsreaktoren jemals mehr Strom liefern werden, als ihr Betrieb verschlingt.

Das aber hält die EU-Kommission nicht davon ab, die Ausgaben für den Forschungsreaktor Iter demnächst zu 100 Prozent als Klimaschutz-Maßnahme zu verbuchen. Dass die Brüsseler Behörde dies versucht, geht aus internen EU-Dokumenten hervor, die dem SPIEGEL vorliegen.

Bei einem davon handelt es sich um den Vorschlag für eine Abänderung der 2007 getroffenen Entscheidung über den Bau von Iter, mit dem die Kernfusion erforscht werden soll. Laut dem Papier, das die rumänische EU-Ratspräsidentschaft Ende Februar an die Mitgliedsländer geschickt hat, sollen die Ausgaben für Iter zu 100 Prozent den Klimaschutz-Maßnahmen der EU zugerechnet werden. Bisher wurden sie dafür gar nicht berücksichtigt. Den Grund liefert der Entwurf auch gleich mit: Der Schritt soll beim Erreichen des Ziels helfen, künftig 25 Prozent des EU-Budgets für den Klimaschutz auszugeben.

Die Kommission denkt langfristig - sehr langfristig

Die Zahlen beziehen sich auf den nächsten Mehrjahres-Haushalt der EU, der von 2021 bis 2027 gelten soll. Im aktuellen sogenannten Mehrjährigen Finanzrahmen lag der Anteil der Klimaschutz-Ausgaben noch bei lediglich 20 Prozent - und schon damit hatte die Kommission erhebliche Schwierigkeiten, wie der EU-Rechnungshof bereits Ende 2016 kritisierte.

Im kommenden Haushalt sollen es nun sogar 25 Prozent sein - und der Trick, die Iter-Ausgaben dem Klimaschutz zuzuschlagen, soll helfen, diese Hürde zu nehmen. Praktisch in diesem Zusammenhang: Die Kosten für Iter steigen kräftig. Während im EU-Haushalt von 2014 bis 2020 knapp drei Milliarden Euro für den Forschungsreaktor veranschlagt waren, soll der Betrag im kommenden Budget mit 6,07 Milliarden mehr als doppelt so groß sein. Insgesamt wird der EU-Haushalt von 2021 bis 2027 ein Volumen von voraussichtlich rund 1,1 Billionen Euro haben.

In einer internen Präsentation liefert die Kommission eine kreative Begründung für ihren Plan: Der Kampf gegen den Klimawandel sei eben eine langfristige Angelegenheit, die nach "Lösungen auf verschiedenen Zeitskalen" verlange. Dazu gehöre auch "die Entwicklung von Energiequellen, die Teil einer dekarbonisierten Energielandschaft jenseits des Jahres 2050 sind". Die Fusionsenergie könnte eine "Null-Kohlenstoff-Ergänzung" zu den erneuerbaren Energien dieser fernen Zukunft sein.

"Das wäre ein Sieg für die Atomlobby"

Diese Argumentation hält nicht jeder für überzeugend. "Es ist absurd, dass demnächst mehr als die Hälfte aller Energieforschungsmittel der EU in den Iter-Reaktor fließen soll", sagt der luxemburgische Energieminister Claude Turmes. "Wir müssen stattdessen bei realistischen Technologien vorankommen." Selbst wenn Iter eines Tages Strom liefern sollte, käme das für den Klimaschutz zu spät. Zudem wäre der Reaktor vermutlich doppelt so groß wie ein herkömmliches Atomkraftwerk. "In Zeiten einer zunehmend dezentralen Energieversorgung ist dieses Projekt damit völlig anachronistisch", kritisiert Turmes.

Der Grünen-Politiker warnt zudem davor, dass das Iter-Projekt auch der herkömmlichen Atomenergie neuen Auftrieb verleihen könnte. "Sollte Iter zum Klimaschutz-Projekt umetikettiert werden, wäre das ein wichtiger Sieg für die Atomlobby", so Turmes. Die Energiekonzerne seien wirtschaftlich mit der Atomkraft gescheitert. "Der Klimaschutz ist für sie die letzte Chance, die Atomenergie in Zukunft noch zu rechtfertigen."

Eine Entscheidung über den Vorschlag der Kommission soll in den kommenden Wochen fallen. Nach Angaben von Diplomaten haben sich bisher Luxemburg und Österreich gegen den Vorschlag der Kommission gestellt. Da der Iter-Vertrag unter die Europäische Atomgemeinschaft Euratom fällt, müsste der Rat der Mitgliedsländer einstimmig über die Änderung entscheiden.

*

Durchsuchen aller Inhalte der 'reaktorpleite' mit dem Suchbegriff:

Klimaschutz

*

Durchsuchen aller Inhalte der 'reaktorpleite' mit dem Suchbegriff:

Fusionsreaktor

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2019

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

 

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish
oekologie institut.jpg