Kernkraftwerke altersschwach

08.05.2019 - Forderung nach europaweiter Obergrenze für AKW-Laufzeiten

Artikel aus Tiroler Tageszeitung

Linz/Wien/EU-weit (APA) - Die „Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg“ fordert eine EU-weite Obergrenze für AKW-Laufzeiten. Anlass ist die „Nuclear Energy Conference“ in Linz, bei der Experten und NGOs aus ganz Europa zu Gast sind. Erste Zwischenergebnisse einer noch in Arbeit befindlichen Studie im Auftrag der Allianz belegen, dass die Zahl der Zwischenfälle mit dem Alter der Reaktoren deutlich steigt.

Die europäischen Atomkraftwerke seien im Durchschnitt bereits 34 Jahre alt, bei ihrer Inbetriebnahme sei man von einer Laufzeit von 40 Jahren ausgegangen, erklärte der oberösterreichische Umweltlandesrat Rudi Anschober (Grüne) in einer Pressekonferenz vor der Tagung. Weil neue Kraftwerke kaum mehr durchsetzbar bzw. finanzierbar seien, gehe man häufig den Weg der Laufzeitverlängerung.

Das Risiko bei alten AKW wachse aber deutlich, weil „Sicherheitsreserven aufgebraucht sind“, also etwa Teile verschleißen und das zu negativen Wechselwirkungen führe, erklärte Wolfgang Renneberg, ehemaliger Leiter der deutschen Atomaufsicht. Oder einfacher gesagt: „Das geht einem bei einem alten Auto auch so.“ Die Studie, an der er mitarbeitet, zeige klar, dass sich Zwischenfälle mit dem Alter häufen - auch die sogenannten Precursor-Ereignisse, also Vorstufen zu größeren Unfällen. Bei der Atomanlage Tihange in Belgien etwa komme es bereits jedes Jahr zu einem Precursor-Fall.

Wenn Kernkraftwerke auf 40 Jahre genehmigt seien und die Laufzeit danach verlängert werde, sei man „im Blindflug“ unterwegs, so Renneberg, man könne die Sicherheit über diesen Zeitraum hinaus einfach nicht legitimieren. Anschober verlangt daher, dass bei Verlängerungen mindestens der gleiche Standard wie bei einer Erstgenehmigung angelegt wird. „Und wir müssen über so etwas wie eine Obergrenze reden.“ Das wolle die Allianz der Regionen auch mit der neuen EU-Kommission tun. Denn derzeit werde meist versucht, die Abwrackung wegen der damit verbundenen hohen Kosten noch um einige Jahre hinauszuzögern.

„Atomkraftwerke sind nicht rentabel und waren es nie“, betonte der Schweizer Ökonom Kaspar Müller. Das ergibt sich seiner Erklärung nach u.a. daraus, dass zum Ende Abwrack-Kosten anfallen, die jene der Errichtung deutlich übersteigen und sich zudem über 200 bis 300 Jahre erstrecken. In Deutschland habe man die Aufgabe des Abbaus an den Staat übergeben, berichtete Renneberg. Die Kraftwerksbetreiber zahlen dafür 23 Mrd. Euro - „das wird nie ausreichen“, vielmehr sei mit mindestens 100 Mrd. Euro zu rechnen. „Das sind faule Kredite, die man zurückkauft, um die Kernenergie zu entlasten“, damit diese überhaupt überleben könne, so Renneberg.

*

Karte der nuklearen Welt:

Altersschwache Akws sind weltweit in Betrieb ...

*

Laufzeiten der Atomkraftwerke weltweit. IAEA Status Report:

Operational Reactors by Age

https://pris.iaea.org/PRIS/WorldStatistics/OperationalByAge.aspx

*

Durchsuchen aller Inhalte der 'reaktorpleite' mit dem Suchbegriff:

Laufzeit

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2019

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Aktuell+. Mehr Lesenswertes ...

*

12.05.2019 - Triodos Bank finanziert Photovoltaik-Aufdachanlagen

Triodos Bank und Frankfurt Energy Holding FEH wollen dezentrale Energiewende durch Finanzierung von PV-Aufdachanlagen vorantreiben.

*

12.05.2019 - Automatische Abschaltung beim AKW Leibstadt

Aufgrund einer fehlerhaften Messung schaltete sich das Kernkraftwerk Leibstadt in der Nacht auf heute Sonntag automatisch ab. Bereits am 24. April hatte eine ähnliche Abweichung zu einer solchen Abschaltung geführt.

*

10.05.2019 - Rosatom erwartet, dass sich die Einnahmen aus dem Auslandsgeschäft bis 2024 verdoppeln werden.

Rosatom erwartet, dass sich die Einnahmen aus dem Überseegeschäft von 6,6 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr auf 15 Milliarden US-Dollar bis 2024 verdoppeln werden, sagte der Generaldirektor Alexey Likhachov dem russischen Premierminister Dmitri Medwedew. In ihrer Sitzung am 6. Mai sagte Lichatschow, ausländische Projekte seien das "Schlüsselthema" für das zukünftige Wachstum des staatlichen Atomkonzerns.

DeepL Übersetzer

*

10.05.2019 - Metallindustrie: Trump setzt Handelspartner des Iran unter Druck

Trump ordnet neue Sanktionen gegen die Metallbranche im Iran an. Auch ausländische Geschäftspartner des Landes sind im Visier Washingtons. Frankreich will dagegen Finanzkanäle mit dem Iran weiter offen halten.

*

09.05.2019 - Castoren kommen 2023 auch nach Brokdorf

Sieben Castorbehälter mit stark radioaktiven Abfällen aus der Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield (England) kommen später nach Brokdorf (Kreis Steinburg) als bisher gedacht - nach neuestem Stand erst 2023 oder 2024.

*

09.05.2019 - KernD – neuer Verband für die Kerntechnik in Deutschland

Aus dem Deutschen Atomforum e.V. (DAtF) und dem Wirtschaftsverband Kernbrennstoff-Kreislauf und Kerntechnik e. V. (WKK) wird Kerntechnik Deutschland e.V. (KernD). Der Zusammenschluss der beiden Verbände der kerntechnischen Branche in Deutschland fand am Rande des 50th Annual Meeting on Nuclear Technology (AMNT) in Berlin statt.

*

09.05.2019 - Radioaktiver Fallout im Marianengraben

Flohkrebse vom Grund der Tiefseegräben haben C-14 der Atomwaffentests angereichert

Verblüffend schnell: Der Fallout der Atomwaffentests hat schon jetzt die tiefsten Tiefseegräben erreicht – schneller als bisher für möglich gehalten. Denn normalerweise dauert der Wassertransport von der Oberfläche in die Tiefsee Jahrhunderte. Doch Krebse im Marianengraben und anderen Tiefseegräben haben das radioaktive C14 der Bombentests bereits angereichert, wie Analysen nun belegen.

*

09.05.2019 - Das "Tschernobyl" der USA - AKW Three Mile Island geht vom Netz

Das Ende ist besiegelt: Gut vier Jahrzehnte nach dem bislang schwersten Nuklear-Störfall in der US-Stromerzeugung kündigt der AKW-Betreiber Exelon das Aus für Three Mile Island an. Im Herbst wird der Meiler unweit der US-Hauptstadt abgeschaltet.

*

08.05.2019 - CGN verpflichtet sich, in die Fertigstellung der rumänischen Reaktoren zu investieren.

Zwischen dem rumänischen nationalen Kernunternehmen Nuclearelectrica und China General Nuclear (CGN) wurde heute eine vorläufige Investorenvereinbarung über die Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 im Kernkraftwerk Cernavoda unterzeichnet.

DeepL Übersetzer

*

08.05.2019 - AKW Mochovce: Köstinger sieht „nur Etappensieg“

Umweltministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hat nach der Verschiebung des Betriebsbeginns zweier Reaktoren des slowakischen Atomkraftwerks Mochovce darauf hingewiesen, dass es sich dabei nur um einen „Etappensieg“ handle.

*

08.05.2019 - Zwischen der Slowakei und Österreich tobt ein Atom-Streit

Kanzler Kurz wettert gegen den Start zweier Reaktorblöcke nahe der Grenze. Im Nachbarstaat ist der Ärger darüber groß.

*

08.05.2019 - Iran - Atomabkommen "light"

Der Iran will seine Verpflichtungen aus dem Wiener Atomabkommen reduzieren. Das bestätigte Außenminister Zarif. Das Land wolle aber nicht aus dem Vertrag aussteigen. Zarif warf den übrigen Vertragspartnern vor, den USA nicht genügend die Stirn geboten zu haben. Darum werde man einigen der freiwilligen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

 

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish
127-09-karrikatur.jpg