Newsletter XII 2026
22. bis 28. März
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| Aktuelles+ | Hintergrundwissen |
Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. März 2006 (INES-2) Akw Kozloduy, BGR
5. März 1969 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
6. März 2006 (INES Klass.?) Atomfabrik NFS, Erwin, TN, USA
8. März 2002 (INES-3) Akw Davis Besse, OH, USA
8. März 1968 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-129 sank 2900 km nw Hawaii
10. März 1970 (INES-3 NAMS 2,6) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
11. März 2011 (INES-7 NAMS 7,5) Akw Fukushima I Daiichi, JPN
11. März 2006 (INES-4) Nuklearmedizin IRE Fleurus, BEL
11. März 1997 (INES-3) Atomfabrik Tōkaimura, JPN
11. März 1958 (Broken Arrow) Mars Bluff, South Carolina, USA
12. März 2011 (INES-3) Akw Fukushima II Daini, JPN
13. März 1980 (INES-4) Akw Saint-Laurent, FRA
14. März 2011 (INES Klass.?) Akw Pickering, ON, CAN
14. März 1961 (Broken Arrow) Yuba City, CA, USA
18. März 2011 (INES-2) Akw Doel, BEL
19. März 1971 (INES-3 NAMS 2) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
22. März 1975 (INES Klass.?) Akw Browns Ferry, Alabama, USA
25. März 1955 (INES-4 NAMS 4,3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
26. März 1954 ("Castle Romeo" H-Bombe mit 11 MT) Bikini Atoll, MHL
28. März 1979 (INES-5 NAMS 7,9) Akw Three Mile Island, Harrisburg, USA
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
28. März
Aktuelle Informationen zur radiologischen Lage im Iran
Stand 28. März 2026
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- Am Abend des 17. März 2026 meldete die iranische Atomaufsichtsbehörde über die IAEO, dass ein Geschoss das Gelände des Atomkraftwerks Bushehr getroffen habe.
- IAEO Generaldirektor Grossi sieht keine Anzeichen für größere Schäden an der Anlage. Es sei ein Gebäude mit einem Labor getroffen worden, nicht das eigentliche Kraftwerk. Opfer seien nicht zu verzeichnen. Grossi beruft sich auf Informationen von Russland und Iran, die IAEO könne sich kein eigenes Bild vor Ort machen.
- Gleichzeitig bekräftigt Grossi seine Forderung, jegliche Angriffe auf atomare Einrichtungen zu unterlassen.
- Am Morgen des 21. März 2026 meldete die iranische Atomaufsichtsbehörde über die IAEO, dass die Nuklearanlage in Natanz erneut Luft- und Raketenangriffen durch Israel und den USA ausgesetzt war. Bislang würde kein Anstieg der Radioaktivität außerhalb des Geländes gemeldet.
- Am Abend des 21. März 2026 erklärte die IAEO, sie habe Kenntnis von einem Raketeneinschlag in der israelischen Stadt Dimona, aber "keine Hinweise auf Schäden am Kernforschungszentrum Negev". Erhöhte Strahlungswerte wurden in der Region demnach nicht festgestellt. IAEO Generaldirektor Grossi rief erneut zu größter militärischer Zurückhaltung auf, "insbesondere in der Nähe von Nuklearanlagen".
- Am Abend des 24. März 2026 informierte die iranische Atomaufsichtsbehörde erneut über die IAEO, dass ein Geschoss das Gelände des Atomkraftwerks Bushehr getroffen habe. Meldungen über Schäden an der Anlage oder Verletzte liegen nicht vor.
- IAEO-Generaldirektor Grossi rief erneut zu größtmöglicher Zurückhaltung auf, um Risiken für die nukleare Sicherheit während des Konflikts zu vermeiden.
- Am 27.03.2026 meldete die iranische Atomaufsichtsbehörde über die IAEO, dass eine Anlage zur Verarbeitung von Uranerz in der Provinz Yazd aus der Luft angegriffen wurde. Es seien keine erhöhten Strahlungswerte oder Kontaminationen detektiert worden.
- Am 27.03.2026 berichteten die iranischen Staatsmedien, dass der Schwerwasser-Forschungsreaktor am Standort Arak angegriffen wurde. Es habe keine Verletzten gegeben und es sei keine Radioaktivität freigesetzt worden. Nach Kenntnis des BMUKN war der Reaktor nie in Betrieb und enthält kein Kernmaterial. Er wurde bereits im 12-Tagekrieg im Sommer 2025 beschädigt.
- In der Nacht vom 27. auf den 28.03.2026 meldete die iranische Atomaufsichtsbehörde über die IAEO, dass am späten Abend ein Geschoss auf dem Gelände des Atomkraftwerks Bushehr eingeschlagen sei. Berichte über Schäden an der Anlage oder Verletzte sind nicht gemeldet worden.
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Jupiter und der Ochs
Der israelische Außenminister Gideon Saar und der deutsche Botschafter in Israel Steffen Seibert sind aneinandergeraten. Allzu diplomatisch ging es dabei nicht zu.
In der israelischen Tageszeitung “Haaretz” berichtete die Kolumnistin Liza Rozovsky am 22.3.2026 folgenden bemerkenswerten Vorfall: “Außenminister Gideon Saar griff den deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert, an und schrieb, dass ‘seine Besessenheit ihn daran hindert, die Tötung von Juden zu verurteilen’, nachdem dieser zuvor auf der Plattform X eine Stellungnahme veröffentlicht hatte. In seiner Mitteilung schrieb Seibert, dass der vergangene Tag ein ‘Tag des Zorns und der Trauer’ gewesen sei. Er erwähnte dabei die Tötung des Landwirts Ofer Mushkovitz im Norden durch Beschuss der Hisbollah sowie hunderte Verletzte durch Raketenangriffe aus dem Iran. Gleichzeitig merkte der Botschafter an, dass sich in einer ‘parallelen Realität’ eine ‘gewaltsame Zerstörungswelle von Siedlern in palästinensischen Dörfern’ ereignet habe, nachdem ein Israeli unter bislang ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war. Als Reaktion auf diese Aussagen schrieb Saar, daß es für Seibert ‘sehr schwer ist, Angriffe gegen Israelis zu verurteilen, ohne die Palästinenser zu erwähnen’. Saar fügte hinzu, dass es ‘gut zu wissen sei, dass bald ein neuer Botschafter eintreffen wird’, und erklärte, er erwarte eine Ernennung, die zur Stärkung der deutsch-israelischen Beziehungen beitragen werde.”
Der Schlusssatz des israelischen Außenministers ist bezeichnend. Was meint er mit “eine Ernennung, die zur Stärkung der deutsch-israelischen Beziehungen beitragen werde”? Nichts anderes, als einen deutschen Diplomaten, der exakt das sagt, was der israelische Minister von ihm erwartet. Warum darf er das erwarten? Weil der israelische Minister Jude ist, und der Botschafter ein Deutscher. Das ist die Essenz der “besonderen Beziehungen” zwischen Israel und Deutschland. Sie basieren, seitdem 1965 die vollen diplomatischen Beziehungen etabliert worden sind, primär auf der Grundlage des Gedenkens der deutsch-jüdischen Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
[...] Über die Integrität Gideon Saars als Politiker sei hier nur kurz angeführt, was der Journalist Ilan Lukatch über ihn im September letzten Jahres schrieb: “Bis vor Kurzem galt Gideon Saar als einer der angesehensten Politiker, der sich ein Image als wertebewusster Mensch aufgebaut hatte und die Likud-Partei verließ, um sich Netanjahu zu widersetzen. Bei einem der größten Flickflacks hier ‘kehrte Saar nach Hause zurück’ in die Arme von Netanjahu – und begann sofort begeistert, Positionen zu verteidigen, die er gerade noch heftig kritisiert hatte.” In Wahrheit gehörte Saar im Hinblick auf den Konflikt mit den Palästinensern schon immer zu den Hardlinern in der Likud-Partei, ein dezidierter Anhänger der Großisrael-Ideologie und Unterstützer der Siedler im Westjordanland.
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Vier Wochen nach Kriegsbeginn
Der Unmut am Golf wächst
Tausende Drohnen und Raketen hat Iran seit Kriegsbeginn auf die arabischen Golfstaaten abgeschossen. Beschädigt ist vor allem ihr Geschäftsmodell - das auf dem Export von Öl und Gas basiert.
Anders als zu Kriegsbeginn sind es nicht mehr Hunderte Raketen und Drohnen am Tag, die Iran auf die arabischen Golfstaaten abschießt - die Intensität der Angriffe hat deutlich abgenommen. Tödlich können sie dennoch sein.
Am Donnerstag meldeten die Behörden in den Vereinigten Arabischen Emiraten, dass zwei Menschen getötet wurden - durch herabfallende Trümmer, nachdem eine Rakete aus Iran abgeschossen wurde. Die Getöteten kamen aus Indien und Pakistan. Es waren Gastarbeiter, wie die meisten der bislang 25 Todesopfer in den arabischen Golfstaaten im ersten Kriegsmonat.
"Wir hier am Golf sind Kriege nicht gewohnt, auch keinen Raketenbeschuss", sagt Ahmed Youssef, ein älterer Mann aus Katar. Allzu besorgt wirkt er dennoch nicht: Er fühle sich sicher, vertraue den Staatsführungen in der Region, dass sie die richtigen Entscheidungen treffen werden.
Emirate sprechen von ökonomischem Terrorismus
Die Regierungen der Golfstaaten reagieren mit zunehmender Verärgerung auf die anhaltenden Angriffe aus Iran: Katar hat iranische Diplomaten ausgewiesen, Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnen es inzwischen als ökonomischen Terrorismus, dass Iran damit droht, Öltanker und andere Schiffe in der Straße von Hormus zu beschießen.
Lana Nusseibeh, Staatsministerin im Außenministerium der Emirate, zählt in einem Fernsehinterview auf, wie wichtig die Meerenge für die Weltwirtschaft ist: Nicht nur ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte geht üblicherweise durch die Straße von Hormus - auch 30 Prozent der Düngemittel für die weltweite Landwirtschaft. "Im Grunde versucht Iran, der Weltwirtschaft einen Herzinfarkt zu verpassen. Wir dürfen Iran, einem staatlichen Förderer von Terrorismus, nicht erlauben, die Weltmarktpreise für Lebensmittel und Benzin zu bestimmen."
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Trump erwähnt Merz namentlich
US-Präsident stellt Beistand für europäische Verbündete infrage
Bei Donald Trump hat sich Wut über die traditionellen Verbündeten der USA in Europa aufgestaut. In dieser Woche beklagt sich der US-Präsident immer wieder über ausbleibende Hilfe im Krieg gegen den Iran. Jetzt stellt er sogar das wichtigste Prinzip der Nato infrage.
US-Präsident Donald Trump stellt den Beistand seines Landes für die Nato-Verbündeten infrage. Die USA gäben jährlich Hunderte Milliarden für die Allianz aus, sagt er auf einem Investorenforum in Miami. Bislang seien die USA immer für die Partner da gewesen. "Aber jetzt, angesichts ihres Handelns, müssen wir das wohl nicht mehr", sagt Trump. "Warum sollten wir für sie da sein, wenn sie nicht für uns da sind? Sie waren für uns nicht da." Trump hat sich wiederholt beklagt, dass die Nato-Verbündeten nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran nicht auf deren Seite eingegriffen haben.
"Falls das Große je passieren würde, garantiere ich Ihnen, dass sie nicht für uns da wären", beklagte sich Trump über die Nato. Er ging nicht näher darauf ein, was er mit "das Große" ("the big one") meinte. Möglicherweise könnte er damit auf einen direkten Angriff auf die Vereinigten Staaten angespielt haben.
Trump bedankte sich bei Saudi-Arabien, das "anders als die Nato" im Krieg gegen den Iran sehr hilfreich sei. Das Königreich habe gekämpft, genauso wie Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain. Sogar Kuwait habe an der Seite der USA gekämpft, obwohl das Land "drei unserer besten Flugzeuge mit ihren besten Raketen abgeschossen" habe. Dafür erntete Trump Gelächter der Zuhörer.
Kanzler Friedrich Merz wurde von Trump direkt adressiert: "Der deutsche Bundeskanzler - das sind alles meine Freunde - Friedrich. Der deutsche Bundeskanzler, er sagte: 'Das ist nicht unser Krieg'." Trump schob nach, dass dann der Ukraine-Krieg auch nicht der der USA sei.
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Brennstab statt Nudel
Der explosive Kernenergiekenner Söder und die fossile Wirtschaftsministerin Reiche zum Dauerbrennerthema Mini-Atomkraftwerke
War der Ausstieg aus der Kernenergie ein Fehler? Diese Frage kann nur sicher beantworten, wer neue Atomkraftwerke baut und abwartet, ob sie in die Luft fliegen. Nachdem jetzt die Europäische Union eine Förderung von Mini-AKWs in Aussicht gestellt hat, wittern ehemalige stramme Atomkraftablehner strahlende Frühlingsmorgenluft. Allen voran begeistert sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder für die so neu scheinende Technik aus den Fünfzigern, so wie er sich für alles begeistert, was nach Zukunft riecht und klamme Vergangenheit atmet.
Söder empfängt die Wahrheit in einem Mini-Thinktank – ein Denkpanzer so klein, dass nur jeweils ein einziger Gedanke hineinpasst. Warum nun doch wieder eine Rückkehr zu Atomstrom, fragen wir. „Erst einmal geht es darum, den Grünen eins auszuwischen, und zwar mit Technologie, die CO2 einspart, aber den Nachfolgern vom Habeck nicht gefällt.“ Söder lacht meckernd, zieht die Knie dichter an die Ohren. „Dann ist es natürlich ein Uran-Liegen … Quatsch, Ur-Anliegen der Union, aus dem Thema Atomkraft Energie zu schöpfen. Denken Sie stets daran: Spaltung ist unser Kerngeschäft!“
Nicht nur Söder, auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plädiert entschieden für die Mini-AKWs. Ortstermin tags zuvor in Berlin. Reiche steigt im Mini aus ihrem Mini, war beim Friseur, trägt Minipli. Im kleinsten Backwerk der Stadt erläutert die sonst als so hart geltende Wirtschaftsmini uns mit warmen Worten bei Teilchen und Käffchen die Vorzüge der kleinen Kraftwerke: „Sie sind wenig leistungsfähig, letztlich aber ähnlich teuer wie die großen. Mich reizt vor allem die Unwirtschaftlichkeit“, gesteht Reiche. „Wann immer es aussieht, als würde sich etwas nicht lohnen, hat die Sache ja meist einen Haken. Aber es lohnt sich doch! Etwa für die Baufirmen!“
Wie Elektroroller oder Fast Fashion werden auch Mini-AKWs in Serie gefertigt und dann je nach Bedarf in der Landschaft verteilt. Im Unterschied zum klassischen Tschernobyl-Modell seien die Kleinkraftwerke zudem deutlich sicherer. „Wenn nichts schief geht, kann so ein Ding praktisch nicht explodieren“, versichert die Ministerin. „Außer, Sie erwischen ein Montagsmodell, haha!“
[...] Markus Söder in seinem Mini-Thinktank erleidet beim Gedanken an jene atomare Utopie vor Freude fast eine Hirnschmelze. Ließe sich die Bevölkerung von seiner Begeisterung anstecken, so glaubt er, könnten die kleinen Kraftwerke zu den „Mitochondrien Bayerns“ werden. „In meiner Kindheit wollte jeder Bub eine Dampfmaschine. Diesen Geist möchten wir mit den winzigen AKWs wiederbeleben. So wie in dem Sketch vom Loriot. Nur dass dann halt ein Brennstab im Gesicht hängt statt einer Nudel.“
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28. März 1979 (INES-5 NAMS 7,9) Akw
Three Mile Island, Harrisburg, USA
Es wurden etwa 3,7 Millionen TBq Radioaktivität freigesetzt. Geräteversagen und Bedienungsfehler führten zum Kühlmittelverlust und zur teilweisen Kernschmelze im Block 2 des Akw Three Mile Island.
(Kosten ca. 1091 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Three Mile Island, USA
[...] Bis heute verhindert effektive Lobbyarbeit der Atomindustrie eine aussagekräftige wissenschaftliche Analyse der Folgen für Umwelt und Gesundheit.
[...] Mehr als zwei Millionen Menschen lebten damals im Umkreis von 80 km. Am 28. März 1979 ereignete sich dort die bis dahin schwerste Katastrophe der zivilen Atomenergie. Eine Notklappe öffnete sich zur Druckentlastung, wodurch versehentlich große Mengen Kühlflüssigkeit freigesetzt wurden. Dies führte zu einer kritischen Überhitzung des Reaktorkerns und der berüchtigten Kernschmelze. Der Schutzmantel des Reaktors hielt dem enormen Druck stand, aber einige Tage lang entwichen große Mengen radioaktiver Partikel in die Atmosphäre und kontaminierten die Umgebung in Form von radioaktivem Niederschlag ...
Wikipedia de
Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island
Der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg (Pennsylvania) in den USA am 28. März 1979 war ein Ernster Unfall (INES-Stufe 5), bei dem es im Reaktorblock 2 des Kernkraftwerks Three Mile Island zu einer partiellen Kernschmelze kam, in deren Verlauf etwa ein Drittel des Reaktorkerns fragmentiert wurde oder geschmolzen ist ...
27. März
Siedlerterror im Westjordanland
Die Gewalt eskaliert, der Staat bezahlt
Mehr als fünf Milliarden Euro flossen seit 2022 von der israelischen Regierung an Siedler. Deren Gewalttätigkeit gegenüber Palästinensern nimmt zu.
kna/taz | Die israelische Friedensorganisation Peace Now wirft Israels Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor, öffentliche Gelder zugunsten von Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten zu plündern. Seit dessen Amtsübernahme im Dezember 2022 seien Milliardenbeiträge in den Siedlungsbau geflossen, „oft auf Kosten übergeordneter nationaler Interessen“, beklagte die Gruppe in einem am Freitag veröffentlichten Bericht.
Die Regierung betreibe „einen regelrechten Raub öffentlicher Gelder zugunsten einer kleinen Gruppe innerhalb der Regierungsbasis“. Während für den Verteidigungshaushalt fast alle Bereiche von Finanzkürzungen betroffen seien und die kriegsbetroffenen Gemeinden im Norden und Süden des Landes noch gar nicht mit dem Wiederaufbau begonnen hätten, schütte die Regierung Geld in Siedlungen und Außenposten, so Peace Now.
Laut dem Bericht flossen in den vergangenen Jahren umgerechnet 5,3 Milliarden Euro Regierungsgelder in Siedlungen und Siedlungsaußenposten, die selbst nach israelischem Recht illegal seien.
Nach Berichten israelischer Medien wurden in den vergangenen Tagen fünf neue dieser Siedlungsaußenposten errichtet. Vier der neuen Außenposten entstanden in sogenannten A-Gebieten, die gemäß den Osloer Abkommen aus den 1990er Jahren unter vollständiger Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde stehen.
Außenposten und landwirtschaftliche Außenposten seien mit mindestens 235 Millionen Euro unterstützt worden, private Sicherheitsdienste für rund 3.500 bis 4.000 Siedler in Ostjerusalem mit 135 Millionen Euro und Tourismusprojekte in Ostjerusalem sowie dem besetzten Westjordanland mit 262 Millionen Euro.
Zunehmender Terror durch israelische Siedler
Ein Toter, 14 Verletzte und 5 neue israelische Siedlungsaußenposten in den besetzten palästinensischen Gebieten: Das ist laut örtlichen Berichten das Ergebnis der jüngsten Welle von Gewalt radikaler jüdischer Siedler gegen Palästinenser. Demnach verübten Siedler am Donnerstag an drei verschiedenen Orten Angriffe. Sie treten mittlerweile sogar als Miliz auf.
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Grünes Wissen:
Stahl mit „glasähnlichen“ Eigenschaften: Neuer Elektromotor schafft Rekord-Wirkungsgrad
Grünes Wissen to go: Elektromobilität wird sich durchsetzen, schon allein weil die Verbrenner viel zu ineffizient sind. Trotzdem hält die konservative Politik an der Uralt-Technik fest
Schon deshalb hat der Verbrenner keine Zukunft: Benzinmotoren weisen einen Wirkungsgrad zwischen 25 und 35 Prozent auf. Das bedeutet: 75 bis 65 Prozent der eingesetzten Energie gehen als Abwärme über den Auspuff und als Motorwärme im Kühlsystem verloren.
Motoren in Elektroautos sind dagegen deutlich effizienter, sie können 85 bis 95 Prozent der eingesetzten Energie in nutzbare Bewegung umwandeln.
In Großbritannien hat jetzt ein Motorbauer ein Modell entwickelt, das es auf einen Wirkungsgrad von 98,2 Prozent bringt. Das ist ein neuer Rekord: Lediglich noch 1,8 Prozent der eingesetzten Energie gehen verloren.
Die Entwickler nutzten „metallisches Glas“, das auch als amorpher Stahl bezeichnet wird: In dieser Metalllegierung sind die Atome nicht regelmäßig (kristallin) angeordnet, sondern wie im Glas „zufällig“. Der amorphe Stahl besitzt nur einen kleinen Eisenanteil, weshalb er auch „glasähnliche“ Eigenschaften aufweist: Das Material ist sehr fest und korrosionsbeständig.
Ein extrem dünner Stator
Die Entwickler mussten für diesen Motor deshalb nur sehr wenig davon einsetzen: Der Stator dieses Elektromotors besteht aus nur 0,025 Millimeter dicken Lagen aus amorphem Stahl. Der Stator bildet ein konstantes Magnetfeld, das den Rotor anzieht und abstößt und so die Bewegungsenergie herstellt.
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Europäisches Land verspricht Hausbesitzern Gratisstrom statt Abschalten von Windrädern
Weil Europas Energienetz veraltet ist und seit Jahren zu wenig Geld hineinfließt, gehen jedes Jahr gewaltige Mengen an Ökostrom ungenutzt verloren.
Der Krieg gegen Iran macht die Risiken der Abhängigkeit von Öl und Gas deutlicher denn je. Damit spricht so viel wie noch nie für den Ausbau erneuerbarer Energien.
Der Preis für Brent-Öl, die wichtigste Referenzsorte, ist gestern Morgen (26. März) in der Hoffnung auf eine Deeskalation zwar leicht gefallen. Seit Beginn des Konflikts hat ein Barrel jedoch immer wieder die Marke von 100 Dollar (rund 86,38 Euro) überschritten. Vor dem Krieg der USA und Israels gegen Iran lag der Ölpreis bei unter 63 Euro je Barrel.
Viele Fachleute machen die faktische Schließung der Straße von Hormus für den Preissprung verantwortlich. Durch diese Meerenge verläuft rund ein Fünftel der weltweiten Öllieferungen – einer der wichtigsten Engpässe für fossile Energien überhaupt.
[...] Die Investitionen in die Netze sind in Europa in den vergangenen fünf Jahren zwar um siebenundvierzig Prozent gestiegen und liegen nun bei rund 70 Milliarden Euro pro Jahr. Nach Einschätzung von Expertinnen und Experten reicht das aber noch immer nicht aus.
Gratisstrom als Lösung?
Parallel zu den Forderungen nach einer Modernisierung der Netze hat das britische Ministerium für Energiesicherheit und Nettonull-Pläne vorgestellt, Haushalte an windreichen Tagen mit vergünstigtem Strom zu versorgen.
„Manchmal weht so viel Wind, dass unser veraltetes Netz damit überfordert ist, besonders in Schottland und im Osten Englands“, schrieb die Regierung auf X (früher Twitter).
„Statt Windparks fürs Abschalten zu bezahlen, testen wir nun ein System, bei dem Menschen in diesen Regionen günstigeren – oder sogar kostenlosen – Strom bekommen.“
Greg Jackson, CEO von Octopus Energy, der seit Langem Reformen fordert, um Strom günstiger zu machen statt Windleistung abzuregeln, hält die geplanten Tests trotz seiner „Freude“ über die Ankündigung für „sehr ineffektiv“.
„Dauerhafte Änderungen würden bedeuten, dass man sich ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder Batterien anschaffen kann, um Strom dann zu nutzen, wenn er günstig ist – oder ein Rechenzentrum bauen“, sagt er.
„All das würde die Nachfrage viel stärker verschieben, als es in irgendeinem Pilotversuch möglich ist. Ohne solche dauerhaften Lösungen dürften die Tests ziemlich wirkungslos bleiben.“
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Klima
Extreme Klimafolgen unterschätzt?
Spannbreite der Klimamodelle zeigt Potenzial für Worst-Case-Ausreißer
Übersehenes Worst Case? Schon bei zwei Grad Erwärmung könnten einige Klimafolgen erheblich schlimmer ausfallen als bislang prognostiziert, wie neue Analysen enthüllten. Demnach könnten Dürren, Starkregen und Feuerwetter in einigen Regionen dann so heftig ausfallen wie eigentlich erst für drei oder vier Grad Erwärmung erwartet. Der Grund dafür: Gängige Prognosen beruhen meist auf Mittelwerten mehrerer Modelle. Dies kann aber die wahre Spannbreite der Prognosen kaschieren, wie Klimaforscher in „Nature“ berichten.
Durch den Klimawandel und die globale Erwärmung nehmen auch die Wetterextreme zu – das ist schon jetzt nachweisbar. Doch in welchem Maße sich Klimafolgen wie Starkregen, Dürren und Co verstärken und häufen werden, ist noch unklar. . „Es gibt erhebliche Unsicherheiten darüber, welche klimatischen Treiber bei den verschiedenen Graden der Erwärmung zum Tragen kommen“, erklären Emanuele Bevacqua vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und seine Kollegen.
Das Problem der Mittelwerte
Um diese Unsicherheiten auszugleichen, beruhen Prognosen für künftige Klimafolgen und Extremwetter bisher meist auf Mittelwerten mehrerer verschiedener Klimamodelle. Das bedeutet aber auch, dass Ausreißer in diesem Endergebnis nicht mehr auftauchen. Das Problem dabei: Bisher ist nicht klar, ob nicht einige der als Ausreißer deklarierten Modelle möglicherweise treffsicherer sind als die in der Mitte liegenden.
„Im Sinne einer verantwortungsvollen Risikobewertung sollten wir deshalb über die wahrscheinlichsten Entwicklungen hinausblicken und auch extreme Szenarien berücksichtigen, die schwerwiegende gesellschaftliche oder ökologische Folgen haben könnten“, sagt Bevacqua. Für ihre Studie haben er und sein Team daher Prognosen für drei Bereiche ausgewählt, die eine besondere gesellschaftliche und ökologische Bedeutung haben. Dazu gehören Starkniederschläge in dicht besiedelten Regionen, Dürren in wichtigen Agrargebieten und Feuerwetterbedingungen in Wäldern.
Für ihre Simulationen nutzten die Forschenden die CMIP6- Klimamodelle – Das Modell-Ensemble, auf denen auch die Berichte des Weltklimarats IPCC beruhen. Für jede der drei Wetterextreme identifizierten die Forscher die sektorspezifischen Klimafaktoren und ließen dann Klimaprojektionen unter Annahme fortschreitenden Klimawandels bis zur Erwärmung von zwei Grad durchlaufen.
So schlimm wie erst für drei bis vier Grad erwartet
Das Ergebnis: Wie erwartet lieferten die Klimamodelle ein breit gefächertes Spektrum von Prognosen. Dabei lagen einzelne Vorhersagen für die drei betrachteten Wetterextreme und Regionen jeweils deutlich über den Mittelwerten. Das bedeutet: Wenn sie zutreffen, könnten die Klimafolgen für Ballungsräume, Anbaugebiete und Wälder schon bei zwei Grad Erwärmung extremer ausfallen als bislang für drei bis vier Grad prognostiziert.
26. März
Atomkraft in Afrika:
Von großen Plänen und großen Hürden
Ein eigenes Atomkraftwerk - Südafrika hat es, Ägypten baut es, Kenia, Ghana und einige andere Länder träumen davon. Die Erfolgsaussichten sind unterschiedlich, die Bedenken aus der Bevölkerung hingegen gleichen sich.
Kaum eine Technologie hat ein derartiges Auf und Ab hinter sich wie die Atomkraft: In den 1950ern boomte die friedliche Nutzung der Kernspaltung, die im Militärischen bis heute als ultimative Abschreckung gilt. Reaktorunfälle in Three Mile Island (USA, 1979), Tschernobyl (Sowjetunion, 1986) und Fukushima (Japan, 2011) dämpften die Euphorie und riefen vielerorts Atomkraft-Gegner auf den Plan. In jüngerer Zeit wird Kernkraft als im Betrieb CO2-freie und damit klimafreundliche Alternative zu den Erneuerbaren angepriesen.
Auch in Afrika wollen einige Regierungen neue Atomkraftwerke bauen. Schon jetzt ist sicher: Das einzige afrikanische Atomkraftwerk - zwei Reaktoren im südafrikanischen Koeberg - bekommt Gesellschaft. Doch wie weit die neue Euphorie tatsächlich trägt, ist ungewiss.
[...] Der afrikanische Kontinent ist für die weltweite Atomindustrie und insbesondere die Anbieter aus Südkorea, China und Russland ein Wachstumsmarkt, sagt Taylor im DW-Interview: "Sie sind sehr interessiert, wo immer eine afrikanische Regierung in der Lage ist, ein Projekt auszuschreiben." Bei den dafür erforderlichen Vorbereitungen helfe die Internationale Atomenergiebehörde IAEA.
Die besten Aussichten, mittelfristig einen Reaktor zu erwerben, hat laut Taylors Bericht Ägypten - dort hat der staatliche russische Atomkonzern Rosatom bereits 2022 begonnen, das AKW El Dabaa zu errichten. Als völlig unrealistisch und rein geopolitisch motiviert bewertet Taylor die Atom-Träume etwa der Sahel-Staaten Niger, Mali und Burkina Faso - und das, obwohl sie bereits Vereinbarungen mit Rosatom unterzeichnet haben.
[...] Südafrika: Alte Meiler und neue Pläne
Ganz im Süden Südafrikas, in Sichtweite des Tafelbergs, steht Afrikas bis dato einziges Atomkraftwerk. Die beiden Reaktoren in Koeberg, unweit der Fünf-Millionen-Einwohner-Metropole Kapstadt, wurden unter dem Apartheid-Regime von einem französischen Konsortium gebaut und Mitte der 1980er-Jahre in Betrieb genommen. Sie produzierten zuletzt rund 4 Prozent des südafrikanischen Stroms.
2024 beziehungsweise 2025 wurde die Betriebserlaubnis für beide Reaktoren nacheinander um jeweils 20 Jahre verlängert - und das, obwohl aus Sicht von Umweltaktivisten beim Reaktor Koeberg-2 offene Fragen blieben.
Francesca de Gasparis, Geschäftsführerin der Nichtregierungsorganisation SAFCEI, die sich im Namen verschiedener Glaubensrichtungen im Umweltbereich engagiert, führt das auf politischen Druck und auf Schwierigkeiten beim ramponierten staatlichen Stromkonzern Eskom zurück: "In anderen Ländern, in denen die Risiken ernstgenommen werden, gibt es Wartungsüberprüfungen, die sicherstellen, dass auch die Überwachungstechnik auf dem Stand ist und die Lehren von Fukushima und anderer Unglücke einpreist", sagt de Gasparis im DW-Interview. In Koeberg sei all das nicht passiert, und die Unterlagen wiesen große Lücken auf.
Derzeit treibt Eskom die Planungen für neue Atomkraftwerke voran. Am weitesten gediehen sind Vorbereitungen für ein 4000-MW-Kraftwerk am Standort Duynefontein, unweit Koeberg. Auch hier bemängelt de Gasparis Intransparenz und eine veraltete Datengrundlage.
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CO₂-Minderung
Klimaschutz tiefergelegt
Das neue Klimaschutzprogramm von Umweltminister Schneider arbeitet mit Luftbuchungen und Hoffnungswerten. Die tatsächlich erreichbaren CO2-Einsparungen sind viel geringer. Die Öffentlichkeit wird regierungsamtlich verschaukelt.
Papier ist geduldig. Dasselbe gilt für Excel-Tabellen, die künftige Treibhausgas-Einsparungen in Millionen Jahrestonnen aufführen. Nimmt man die Berechnungen im neuen Klimaschutzprogramm, die Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch vorgelegt hat, für bare Münze, ist alles in bester Ordnung.
Deutschland wird dann sein gesetzlich festgelegtes CO2-Ziel für das Jahr 2030 von "nur noch" 438 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent einhalten – dank der nun zusätzlich verabredeten Maßnahmen, darunter drei große Posten: mehr Windkraft, mehr Agrosprit, mehr Strom und Wasserstoff statt fossiler Energie in der Industrie.
Also alles paletti? Schneider sieht das so. Und er spart nicht mit Selbstlob. Es sei "uns als Bundesregierung gelungen, dieses Programm ohne Streit zu erarbeiten", bekundet er.
Früher – gemeint ist wohl vor allem das Ampel-Kabinett – habe es ja viel Polarisierung bei der Erarbeitung der richtigen Klimaschutz-Schritte gegeben. Das ist nun, glaubt man der Erzählung, bei der Merz-Regierung Geschichte.
Aber es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch dazu führen, dass die Klimaschutzziele eben nur auf dem Papier und nicht in der Wirklichkeit eingehalten werden. Schneiders Programm arbeitet mit einer ganzen Reihe Luftbuchungen und Hoffnungswerten, die die tatsächlich erreichbaren CO2-Einsparungen stark schrumpfen lassen.
Nur einer der drei großen Posten bringt sichere CO2-Minderung
Es fängt damit an, dass der Minister von überholten Zahlen ausgeht und die Folgen der geplanten Verschlechterungen beim Heizungsgesetz sowie beim Ausbau der erneuerbaren Energien nicht berücksichtigt. Diese werden das CO2-Minus deutlich verkleinern.
Laut Umweltbundesamt (UBA) beträgt die Klimaschutz-Lücke, die bis 2030 mit den zusätzlichen Maßnahmen geschlossen werden muss, 30 Millionen Jahrestonnen. Schneider aber geht von 25 Millionen aus, obwohl er die aktuelle Zahl bestens kennt – er hat sie schließlich selbst bei einem Pressetermin zusammen mit dem UBA-Chef verkündet.
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Ewigkeitschemikalien
EU-Behörde empfiehlt Verbot von PFAS – mit Ausnahmen
PFAS-Chemikalien gefährden die Gesundheit, stecken aber in vielen Alltagsprodukten. Die EU-Chemiebehörde will sie deshalb nun weitgehend verbannen lassen, doch wichtige Fragen sind noch offen.
Die EU-Chemiebehörde (ECHA) hat ein weitreichendes Verbot sogenannter Ewigkeitschemikalien (PFAS) empfohlen, hält aber zugleich eine Reihe von Ausnahmen für sinnvoll. »Die derzeit geltenden Regeln reichen nicht aus«, heißt es in einer Mitteilung der ECHA mit Sitz in Helsinki. Die Behörde veröffentlichte zwei Risikoanalysen, die als Grundlage für einen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission dienen sollen.
PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die synthetisch hergestellt werden. Sie sind wasser- und fettabweisend und stecken deshalb in etlichen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, Funktionskleidung, Imprägniersprays und Einwegverpackungen – aber etwa auch in Medizinprodukten. Sie sind biologisch nicht abbaubar, reichern sich in der Natur sowie im menschlichen Körper an und werden deshalb als Ewigkeitschemikalien bezeichnet.
Milliardengeschäft für die Chemieindustrie
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass einige der Chemikalien bei Menschen die Leber und das Immunsystem schädigen, die Wirkung von Impfungen und die Fruchtbarkeit verringern und Krebs erzeugen können. Einige Untergruppen sind bereits verboten, wurden in der Vergangenheit aber immer rasch durch ähnliche PFAS-Chemikalien ersetzt. Die EU-Kommission arbeitet deshalb seit Jahren an einem umfassenden Verbot.
Fünf EU-Länder, darunter Deutschland, hatten die ECHA um eine Empfehlung gebeten. Mit Blick auf die Gefahren für Umwelt und Gesundheit ist die Studienlage nach Einschätzung der Chemiker eindeutig: »PFAS können Risiken für Menschen und Umwelt verursachen«, erklärte der Vorsitzende des zuständigen ECHA-Ausschusses, Roberto Scazzola.
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Trotz Sanktionen:
Deutsche Firma will Brennelemente mit Putins Atomkonzern bauen
Eine Fabrik im niedersächsischen Lingen soll künftig Brennelemente für russische Reaktortypen herstellen – in Kooperation mit Rosatom, dem staatlichen russischen Atomkonzern. Das Vorhaben ist politisch und rechtlich umstritten.
Im niedersächsischen Lingen produziert die Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF), eine Tochtergesellschaft des französischen Atomkonzerns Framatome, seit 1979 Brennelemente für Kernkraftwerke in Europa. Mit dem deutschen Atomausstieg am 15. April 2023 – als die letzten drei deutschen Kernkraftwerke, darunter das AKW Emsland direkt am ANF-Standort, vom Netz gingen – ist der heimische Markt für das Unternehmen weitgehend weggefallen.
Doch bereits zuvor hatte ANF begonnen, ein neues Geschäftsfeld zu erschließen: die Produktion sechseckiger Brennelemente für Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart (WWER), die noch immer in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Finnland in Betrieb sind. Diese 19 Reaktoren bezogen ihren Brennstoff lange Zeit ausschließlich oder überwiegend aus Russland. Laut EU-Kommission haben inzwischen zwar alle Betreiber Verträge mit alternativen Lieferanten unterzeichnet – sind aber weiterhin in erheblichem Maß auf russische Technologie angewiesen.
Der Weg aus der Abhängigkeit führt über Russland
Auf den ersten Blick wirkt das Projekt energiepolitisch sinnvoll: Wenn westliche Hersteller diese Brennelemente liefern, könnten osteuropäische Staaten ihre Abhängigkeit von Moskau verringern. Doch genau hier liegt ein Widerspruch – denn der Weg aus der russischen Abhängigkeit soll ausgerechnet über russische Technologie und russische Beteiligung führen.
Grundlage des Projekts ist ein Lizenzvertrag aus dem Jahr 2021 zwischen ANF und dem staatlichen russischen Atomenergiekonzern Rosatom sowie dessen Tochter TVEL Fuel Company. Den atomrechtlichen Genehmigungsantrag reichte ANF im März 2022 beim niedersächsischen Umweltministerium ein – wenige Wochen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Seitdem läuft ein Verfahren, das rechtlich komplex und politisch umstritten ist.
[...] Ein politischer Umweg über Frankreich?
Slivyak sieht in der Konstruktion des Projekts zudem den Versuch, politischen Widerstand zu umgehen. Nach seiner Darstellung hatte die damalige Bundesregierung 2022 eine direkte Zusammenarbeit auf deutschem Boden abgelehnt. Daraufhin sei das Joint Venture in Lyon neu gegründet worden – strukturell identisch, aber als französische Rechtsperson. Slivyak sagt: "Das ist ein klarer politischer Umweg. Deutschland zögerte, Rosatom in seinen Nuklearsektor zu lassen – also verlegte Framatome das Joint Venture einfach nach Frankreich und brachte es auf einem anderen Weg zurück. Die russische Rolle ist nie verschwunden, sie wurde nur neu verpackt."
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26. März 1954 ("Castle Romeo" H-Bombe mit 11 MT) Bikini Atoll, MHL
Seit 1945 wurden weltweit über 2050 Atomwaffentests durchgeführt, was eine mögliche Erklärung für die stetig steigende Zahl von Krebserkrankungen sein könnte.
IPPNW Report - August 2023 - Atomwaffentests - (PDF-Datei)
... Oberirdische Tests wurden auf mehreren Atollen im Pazifik, in Semipalatinsk, Kasachstan, auf traditionellem Land der Westlichen Shoshone in Nevada, USA, auf dem Land der Aborigines im australischen Outback, auf dem Land der indigenen Nenetz in der russischen Arktis, auf dem Gebiet von Nomaden in der algerischen Sahara, in der Region der Uiguren in China und anderswo durchgeführt. Die Bewohner*innen wurden oft verspätet oder gar nicht evakuiert und nicht über die Auswirkungen der Tests informiert. Radioaktiver Niederschlag fiel als Staub und Regen herab und verseuchte das Trinkwasser und lokal erzeugte Lebensmittel...
Die Nukleare Kette
Bikini & Eniwetok, Marshallinseln
Atomwaffentests
Atomwaffentests auf den Bikini- und Eniwetok-Atollen machten ganze Inselgruppen unbewohnbar. Tausende von Menschen wurden hohen Dosen von Radioaktivität ausgesetzt. Weltweit stieg die Belastung mit strahlenden Partikeln durch radioaktiven Niederschlag an.
Hintergrund
Die beiden Atolle Bikini (Pikinni) und Eniwetok (Āne-wātak) sind Teil der Marshallinseln. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zunächst von den Japanern, später dann von den US-Streitkräften besetzt. Die US-Streitkräfte wählten das Bikini-Atoll für ihre ersten Atomexplosionen nach dem Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki aus. Nach der Evakuierung der Inselbewohner wurde am 1. Juli 1946 die Atombombe „Able“ über einer Flotte erbeuteter Schiffe gezündet, die mit Versuchstieren gefüllt waren. Fünf der 78 Schiffe sanken, 14 wurden zerstört. Ein Drittel der Tiere starb infolge der Druckwelle. Marinesoldaten mussten die Decks der verbleibenden Schiffe vom radioaktiven Niederschlag reinigen und waren so hohen Strahlenwerten ausgesetzt. Da sich die Dekontaminierung schließlich als unwirksam erwies, wurden viele der Schiffe im Pazifik versenkt. Insgesamt fanden zwischen 1946 und 1958 auf den Bikini und Eniwetok Atollen 67 Atombombenversuche mit einer Gesamtsprengkraft von etwa 214 Megatonnen statt.
25. März
Olmert ruft Strafgerichtshof an
Bericht: Israel bestraft Bürger nicht für Tötung palästinensischer Zivilisten
Die Siedlergewalt im Westjordanland nimmt so heftige Ausmaße an, dass ein früherer israelischer Regierungschef jetzt den Internationalen Strafgerichtshof einschalten will. Einem Bericht zufolge genießen israelische Bürger weitgehende Straffreiheit in dem besetzten Gebiet.
Laut einer Analyse des "Guardian" hat Israel seit Beginn dieses Jahrzehnts keine seiner Bürger wegen der Tötung palästinensischer Zivilisten im besetzten Westjordanland strafrechtlich verfolgt und damit Straffreiheit für gewalttätige Siedler ermöglicht. Wie die Zeitung berichtet, veranlasste dies den ehemaligen israelischen Premierminister Ehud Olmert dazu, eine Intervention des Internationalen Strafgerichtshofs zu fordern, um "die Palästinenser und uns [Israelis]" vor staatlich unterstützter Gewalt durch Siedler zu "retten", die mit der Komplizenschaft und manchmal unter Beteiligung von Polizei und Militär ausgeübt werde.
"Ich habe beschlossen, nicht nur nicht zu schweigen, sondern die Aufmerksamkeit des Strafgerichtshofs in Den Haag darauf zu lenken, damit er Durchsetzungsmaßnahmen ergreift und Haftbefehle erlässt", zitiert die Zeitung aus einer schriftlichen Stellungnahme Olmerts.
Dem Bericht zufolge fordern Dutzende ehemalige israelische Sicherheitskommandeure dringende Maßnahmen, um die "fast täglichen" Angriffe auf Palästinenser im Westjordanland zu stoppen. Demnach warnten sie in einem offenen Brief an den derzeitigen Militärchef des Landes, dass ein Versäumnis, gegen den "jüdischen Terrorismus" vorzugehen, eine existenzielle Bedrohung für Israel darstelle.
Die Gewalt hat sich seit Beginn des Iran-Kriegs noch einmal verschärft. Allein in diesem Monat hätten radikale Siedler und Polizisten im Westjordanland bereits zehn Palästinenser getötet. "Es handelt sich nicht mehr um eine Handvoll gesetzeswidrig handelnder Randalierer", zitiert die Zeitung aus dem Schreiben der israelischen Kommandeure. "Es handelt sich um organisierte Aktionen, an denen mitunter auch Personen in Uniform beteiligt sind, die auf unschuldige Menschen schießen und das Eigentum sowie die Häuser von Zivilisten in Brand stecken."
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Klimaschutzprogramm der Regierung
Keine Abkehr von Fossilen trotz Ölpreisschock
Die schwarz-rote Koalition lässt sich von steigenden Benzinpreisen oder Erderwärmung nicht beirren. Sie täte gut daran, auf Erneuerbare zu setzen.
E s ist in der Tat beeindruckend, was Umweltminister Carsten Schneider (SPD) da zusammengeschrieben hat: Das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung verspricht, bis 2030 jährlich 27 Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Das würde die Lücke schließen, die nach der durchwachsenen Klimapolitik der Ampelregierung zum gesetzlichen Klimaziel geblieben war. Schneider musste sich gegen Kabinettskolleg*innen durchsetzen, denen der Klimaschutz egal bis lästig schien. Das hat er geschafft.
Doch sein politischer Erfolg bleibt in der echten Welt deutlich zu mager. Die Klimaschutzlücke ist unter Schwarz-Rot noch gewachsen. Die Bundesregierung will zudem das Heizungsgesetz entkernen, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) den Ausbau von Wind- und Solaranlagen bremsen. Das bedeutet nicht nur, dass die Bundesregierung ihre Klimaziele verpasst, Vorbild- und Triebkraftwirkung weltweit verspielt sowie wahrscheinlich gegen das Klimaschutzgesetz verstößt.
Es zeigt auch, dass sie sich nicht einmal mitten in einem Energiepreisschock, der die Kosten an der Tankstelle und bald im Heizungskeller nach oben treibt, zu einer raschen Abkehr von fossilen Brennstoffen durchringen kann. Angemessen wäre, wenn die Bundesregierung die stetig steigende Erderhitzung endlich ernst nähme und entsprechend schnell Erneuerbare ausbaute, E-Autos und den öffentlichen Nahverkehr fördert, Wärmepumpen und Fernwärmeanschlüsse einbauen ließe, neue Schienen mit klimafreundlich hergestelltem Stahl baute.
Ein Kampf, der im Heizungskeller ausgetragen wird
Das würde gleichzeitig die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas verringern. Rund 80 Milliarden Euro kosten diese fossilen Importe. Das Geld könnte stattdessen in Bildung und die heimische Wirtschaft fließen. Noch überweisen wir die Millionen fröhlich an autoritäre Ölstaaten und Konzerne in den USA. Um unabhängig zu werden, müsste sich die Bundesregierung mit der heimischen Gaslobby anlegen. Nur sitzt deren wichtigste Vertreterin, Wirtschaftsministerin Reiche, selbst in der Regierung.
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Streit über Zollabkommen
USA drohen EU, den Gashahn zuzudrehen
Washington stellt Gaslieferungen infrage, um den Druck im Zollstreit zu erhöhen. Das EU-Parlament will den Deal nur mit klaren Garantien akzeptieren.
Es ist das Worst-Case-Szenario, das die EU unbedingt vermeiden wollte: Die USA versuchen, die Europäer in der Energiepolitik zu erpressen. Die Lieferung von Flüssiggas (LNG) aus den USA nach Europa könne gefährdet sein, sagte US-Botschafter Andrew Puzder der Financial Times.
Zur Begründung verwies Puzder auf den anhaltenden Streit über den Zolldeal, den die EU im Juli 2025 mit US-Präsident Donald Trump geschlossen hatte. Falls es nun zu Nachverhandlungen kommen sollte, würden die Bedingungen für die EU „möglicherweise nicht mehr so günstig sein“.
Der sogenannte Turnberry-Deal sieht vor, dass die EU aus den USA Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar bezieht – vor allem in Form von LNG. Brüssel soll zudem alle Zölle auf US-Importe abschaffen. Auf Waren aus Europa will Trump jedoch Zölle von 15 Prozent und mehr erheben.
Gegen diesen ungleichen und für die EU-Wirtschaft nachteiligen Deal hatte sich das Europaparlament lange gesträubt und die Ratifizierung auf Eis gelegt. Am Donnerstag wollen die EU-Abgeordneten doch noch grünes Licht geben – allerdings nur unter Bedingungen.
Bedingung: Trump muss Zusagen einhalten
Die Zollfreiheit für Industriegüter aus den USA soll nur dann gelten, wenn Trump seine Zusagen einhält. Dazu zählen niedrigere Zölle auf Stahl- und Aluminiumprodukte. Außerdem hat das Parlament einige Sicherungsklauseln eingebaut, um sich vor Trumps Willkür zu schützen.
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Eine Milliarde gegen Windkraft:
Trumps neuer Deal gegen die Erneuerbaren
Die USA setzen mit allen Mitteln auf fossile Energien. Dafür greift die Regierung jetzt tief in die Tasche. Doch das könnte wegen des Iran-Kriegs zur strategischen Katastrophe werden.
Washington, DC – Die USA setzen alles auf fossile Energien. Jetzt soll die Regierung unter US-Präsident Donald Trump sogar dafür bezahlen, dass sich ein Unternehmen aus dem Geschäft mit Offshore-Windanlagen zurückzieht. „Das US-Innenministerium gab heute eine wegweisende Vereinbarung mit TotalEnergies bekannt, wonach das Unternehmen Kapital von teuren und unzuverlässigen Offshore-Windparkprojekten hin zu erschwinglichen und zuverlässigen Erdgasprojekten umleiten soll“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des US-Innenministeriums.
Laut dem Ministerium gehe dieser Schritt auf die „Energie-Dominanz-Agenda“ von Trump zurück. Man wolle damit verhindern, dass Bürgerinnen und Bürger in den USA „ideologisch motivierte Subventionen finanzieren“. Doch das Abkommen kommt der US-Regierung teuer zu stehen. Denn wie das Handelsblatt unter Berufung auf US-Innenminister Doug Burgum berichtete, soll die Trump-Administration dem Konzern rund eine Milliarde US-Dollar für den Strategiewechsel zurückzahlen, die zuvor in das Leasing von Offshore-Windparks geflossen sind. Diese Summe soll TotalEnergies dann in Projekte für fossile Energien investieren.
Trumps Kampf gegen Erneuerbare – TotalEnergies soll keine neuen Offshore-Windparks bauen
Zu dem Deal gehört auch, dass TotalEnergies keine neuen Offshore-Windparks in den USA baut. Patrick Pouyanné, CEO des französischen Unternehmens, erklärte laut US-Innenministerium, dass sich der Konzern freue, die Energiepolitik Trumps mit der Abmachung zu unterstützen. „Da die Entwicklung von Offshore-Windprojekten nicht im nationalen Interesse liegt, haben wir beschlossen, auf die Entwicklung von Offshore-Windparks in den Vereinigten Staaten zu verzichten und im Gegenzug die Pachtgebühren zurückzuerhalten“, so Pouyanné.
Stattdessen werde man im Zuge der Vereinbarung „den Bau der 29 Mio. Tonnen fassenden LNG-Anlage Rio Grande“ umsetzen und die Öl- und Gasstrategie des Konzerns ausbauen. Damit sei auch gewährleistet, Europa mit Flüssiggas (LNG) aus den Vereinigten Staaten versorgen zu können „und Gas für den Ausbau von Rechenzentren in den USA bereitzustellen“.
Tatsächlich ist die EU und vor allem Deutschland von LNG-Lieferungen aus den USA abhängig. Laut einer Analyse der Deutschen Umwelthilfe vom Januar, kommen 96 Prozent des nach Deutschland importierten LNGs aus den USA.
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Atommüll:
Erster Konvoi von Atommüll aus Jülich in Ahaus angekommen
Seit 2014 soll der Atommüll aus Jülich geräumt werden. Nun werden 152 Castorbehälter in ein Zwischenlager gebracht. Ein erster Transport hat das Ziel erreicht.
Der erste Transport von Atommüll aus dem rheinischen Jülich ist nach einer Fahrt quer durch Nordrhein-Westfalen im Zwischenlager Ahaus im Münsterland angekommen. Der erste Konvoi mit einem Castorbehälter hat als Auftakt einer Serie von Transporten sein Ziel erreicht, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete. Einem Polizeisprecher zufolge verlief der Transport ohne besondere Zwischenfälle und war etwas schneller unterwegs als ursprünglich geplant.
Der Konvoi bestand aus etwa 100 Fahrzeugen. Auch ein Hubschrauber war im Einsatz, wie ein Sprecher des NRW-Innenministeriums mitteilte. Den Transport sicherten insgesamt etwa 2.400 Beamte ab. Die genaue Route hatten die Behörden zuvor nicht bekannt gegeben.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke ins Münsterland sollen insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich transportiert werden. Das Verlagern der Atomabfälle wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Mit 152 Behältern handelt es sich um einen der größten Atommülltransporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Proteste gegen den Transport
Mehrere Antiatomkraftinitiativen protestierten ab Dienstagabend gegen die geplanten Transporte durch NRW. In Jülich fand eine Mahnwache vor dem Forschungszentrum statt. Nach Angaben eines dpa-Reporters waren etwa 20 Teilnehmer vor Ort. "Es wären sicherlich mehr Leute gekommen, aber viele kommen wegen der Polizeisperren nicht durch", sagte Marita Boslar, Sprecherin des Aktionsbündnisses Stop Westcastor.
In Ahaus startete zeitgleich eine Demonstration vom Bahnhof zum Rathaus. Dort fand eine Kundgebung statt. Jens Dütting vom Aktionsbündnis Münsterland sprach von etwa 250 Teilnehmern. Zudem riefen Atomkraftgegner der Bürgerinitiative Ahaus zu einer Mahnwache vor dem Zwischenlager auf.
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25. März 1955 (INES-4 NAMS 4,3)
Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
Bei diesem Brand wurden etwa 1000 TBq Terabecquerel Radioaktivität freigesetzt.
(Kosten ca. 4400 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus ...
Dieser Unfall sowie mehrere andere Freisetzungen von Radioaktivität sind in Wikipedia nicht mehr zu finden.
Wikipedia en
Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator
Sellafield#Incidents
Radiologische Freisetzungen
Zwischen 1950 und 2000 gab es 21 schwerwiegende Zwischenfälle oder Unfälle mit radiologischen Freisetzungen außerhalb des Werksgeländes, die eine Einstufung auf der internationalen Skala für nukleare Ereignisse rechtfertigten, einen auf Stufe 5, fünf auf Stufe 4 und fünfzehn auf Stufe 3. Darüber hinaus gab es in den 1950er und 1960er Jahren über längere Zeiträume hinweg bekannte, absichtliche Freisetzungen von Plutonium und bestrahlten Uranoxidpartikeln in die Atmosphäre ...
24. März
170 Kilometer durch NRW:
Erster Atommüll-Transport von Jülich nach Ahaus rollt
Der Atommüll aus dem Forschungsreaktor Jülich soll in das Zwischenlager Ahaus. Mehr als 150 Castoren werden auf der Straße transportiert. Der erste Konvoi mit einem Castor-Behälter ist gestartet.
Der umstrittene Transport von Atommüll durch Nordrhein-Westfalen hat begonnen. Der erste Konvoi mit einem von 152 Castor-Behältern starte jetzt, sagte ein Sprecher des NRW-Innenministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Ziel ist das Zwischenlager in Ahaus im Münsterland.
Auf der gut 170 Kilometer langen Strecke sollen insgesamt rund 300.000 Brennelemente-Kugeln aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich transportiert werden. Das Verlagern des Atommülls in NRW wird sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Mit 152 Castor-Behältern handelt es sich um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten.
Gerichtsentscheidung und Infoveranstaltung
Dem jetzt angelaufenen Transport waren mehrere Gerichtsentscheidungen und eine Infoveranstaltung für die Bürger in Ahaus vorausgegangen. Anfang März entschied das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg in einer Eilentscheidung, dass die Transporte stattfinden dürfen.
Die Umweltorganisation BUND hatte den Transport auf dem Gerichtsweg verhindern wollen. Die Begründung: Die Sicherheit der Castoren sei bei der Fahrt über die Straßen in Nordrhein-Westfalen gegen Störmaßnahmen Dritter nicht gewährleistet.
Kritik kam auch aus Reihen der Polizei. Als „sinnlose Mammutaufgabe“ hatte der NRW-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Patrick Schlüter, im August 2025 die Transporte mit Begleitschutz kritisiert. Die Politik drücke sich um die Endlagerfrage und lasse Atommüll von einem Zwischenlager ins nächste fahren.
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Trumps Winden im Irankrieg
Ein Kindergarten entscheidet über den dritten Weltkrieg
Trump hat sich selbst eine Falle gestellt, weil er die Folgen des Krieges nicht kommen sah. Wir sehen den dümmsten Kriegsherrn der jüngeren USA.
Donald Trump ist ein Meister darin, mit Absicht oder durch Ignoranz und Dummheit schwere Krisen zu erzeugen, die er dann irgendwie gelöst bekommt, um schließlich einen Sieg zu verkünden, den „niemand für möglich gehalten“ habe.
Im Fall des Irankrieges ist es so weit noch nicht. Zunächst hat Trump mit der Androhung, die zivile Energie-Infrastruktur Irans zu zerbomben, eine Eskalationsstufe angedeutet, die nicht nur eine weitere eklatante Verletzung des Völkerrechts wäre, sondern die Weltwirtschaft noch tiefer ins Chaos stürzen würde.
Kurz vor Ablauf des Ultimatums, das vor allem ihn selbst unter Druck gesetzt hat, hat sich Trump dann ausgedacht, dass Gespräche mit irgendeiner Topfigur in Irans Führung schon sehr weit fortgeschritten seien und er daher das Ultimatum aussetzen könne. So habe Iran etwa eingewilligt, auf den Bau einer Atombombe zu verzichten – was für eine Sensation! In all den Jahrzehnten der Auseinandersetzung über sein Atomprogramm hat Iran nie etwas anderes gesagt, auch wenn Teheran nie plausibel erklären konnte, wozu dann die Urananreicherung überhaupt nötig sei.
Als Trump am Montag auf dem Flugfeld von Palm Beach in Florida vor die TV-Kameras trat, war es, als sähe man sein Hirn auf der Suche nach irgendeinem Rettungsanker live dahinschmelzen. Niemand habe vorhersehen können, dass Iran einfach seine Nachbarländer beschießen werde, behauptete Trump – dabei war das so ziemlich das Erste, was absolut alle Analysten vorhergesagt hatten, genau wie die Blockade der Straße von Hormus. Die Meerenge wäre bald geöffnet und könne dann gemeinschaftlich kontrolliert werden, sagte Trump, und zwar vielleicht von ihm selbst und „dem Ajatollah“, wer auch immer das sein werde, man habe ja ganz viele umgebracht. Aber mit irgendwem werde sich ein Deal machen lassen, der dann für alle gut sei.
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Was Wirtschaftsministerin Katherina Reiche überraschend auf einer Öl- und Gaskonferenz in den USA fordert
Die EU hat sich verpflichtet, ín 24 Jahren klimaneutral zu werden – Katherina Reiche möchte dieses Ziel aufweichen. Auf einer US-Konferenz bringt die Wirtschaftsministerin eine Lücke von bis zu zehn Prozent ins Gespräch.
Münster – Der energiepolitische Kurswechsel der Bundesregierung wird immer offensichtlicher. Das zeigt sich besonders deutlich nach einem Auftritt von Katherina Reiche auf einer großen Öl- und Gaskonferenz in den USA.
Reiche setzt ihre energiepolitischen Prioritäten klar auf fossile Energien wie Öl und Gas, aber auch auf Atomkraft und Kernfusion. Klimaschutz bleibt zwar Teil der Agenda – soll jedoch offenbar hinter Interessen von Teilen der Wirtschaft zurückstehen. Trotz gegenteiliger Beteuerungen scheint Teil des Plans zu sein, den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland zu bremsen.
US-Energiekonferenz: Was Katherina Reiche in Texas überraschend fordert
Auf der großen Energiekonferenz CERAWeek im US-Bundesstaat Texas stellte Reiche zentrale Elemente der europäischen Klimapolitik infrage. Die Europäische Union solle ihre bisherigen Ziele zur Klimaneutralität bis 2050 „flexibler“ handhaben. Das berichtet Politico. Konkret schlug sie vor, eine Verfehlung des sogenannten Netto-Null-Ziels um bis zu zehn Prozent zu akzeptieren.
Damit rückt sie von einem Kernkonsens der EU ab. Seit 2019 verfolgt die Europäische Union offiziell das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu werden. Zwischenziele sehen vor, die Emissionen bis 2040 drastisch zu senken.
Reiche argumentiert dagegen laut Politico, zu starre Vorgaben könnten wirtschaftliche Schäden verursachen. Europa müsse „Flexibilität zurückgewinnen“ und auch unvollständige Lösungen akzeptieren. Andernfalls drohe der Verlust energieintensiver Industrien.
Im Zentrum ihrer Argumentation steht ihre Priorität: wirtschaftliches Wachstum vor Klimazielen. Nachhaltigkeit sei wichtig, dies dürfe aber nicht dazu führen, dass die Wirtschaft Schaden nehme.
Darüber hinaus sprach sich Reiche auf der US-Konferenz für eine stärkere Nutzung heimischer fossiler Ressourcen aus. Deutschland solle Gasvorkommen in der Nordsee erschließen, statt sie ungenutzt zu lassen, so die Forderung.
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Wie der Abbau von Seltenen Erden Südostasien vergiftet
Unregulierte Minen verschmutzen den Fluss Mekong, der sechs Länder mit Wasser versorgt. Verantwortlich will keiner sein.
Der Toxikologe Wan Viriya von der Universität von Chiang Mai sammelt Wasser- und Bodenproben von Thailands abgelegenen Flüssen. Viele bekommt er von der lokalen Bevölkerung, die sich Sorgen um ihr Wasser macht. Einer davon ist der Fischer Kob Kotkam aus dem Städtchen Tha Ton an der Grenze zu Myanmar.
Kotkam geht nicht mehr im Fluss Kok angeln, weil er Angst vor Chemikalien hat. Vom Wasser bekommt er juckenden Ausschlag. Seinem Beruf als Fischer könne er «vorerst nicht mehr nachgehen», berichtete die «Tagesschau». Auch andere Anwohnende leiden unter Ausschlägen. Den immer seltener werdenden Fisch aus dem Fluss will niemand mehr essen.
Der Fluss ist zur giftigen Suppe geworden
Was daran liegt, dass der einst saubere Fluss sich in eine giftige Suppe verwandelt hat. In Wasser- und Sedimentproben rund um den Kok fand Viriya Schwermetalle in Konzentrationen, die die Grenzwerte um ein Vielfaches überschreiten. Sein Team stellte vor allem Arsen fest, aber auch Cadmium, Chrom und Quecksilber.
Gemeinsam mit der US-Organisation Stimson Center ging der Wissenschaftler der Sache nach. Die Spur führte zu zwei Minen für Seltene Erden, die bei Tha Ton gleich hinter der Grenze zwischen Thailand und Myanmar liegen. Die giftigen Begleitprodukte des Bergbaus werden dort offenbar einfach in die Umwelt geleitet und damit in die für die Region so wichtigen Flüsse. In der Stadt Chang Rai weiter flussabwärts sollen erhöhte Arsenwerte bereits im Trinkwasser nachgewiesen worden sein, schreibt die «Tagesschau».
[...] Das Gift bedroht eine Lebensader Südostasiens
Der giftige Bergbaumüll bedroht nicht nur die Menschen in der Grenzregion. Wie viele Flüsse im Norden Thailands fliesst der Kok in den Mekong, einen der grössten Flüsse der Welt. Der Mekong fliesst durch sechs Länder, neben Thailand ist er auch für Laos, Kambodscha und Vietnam bedeutend.
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atomstopp:
EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné wirbt in Österreich mit falschen Versprechen für Atomkraft
Jeder Euro für Atomkraft fehlt beim Ausbau der Erneuerbaren und verschärft die Klimakrise. Anlass zur Sorge gibt ein aktueller Österreich-Besuch des Industriekommissars
Linz - "Obwohl er als EU-Kommissar und Kommissions-Vizepräsident die Interessen der gesamten Europäischen Union vertreten sollte, tritt Stéphane Séjourné wie ein französischer Atomlobbyist auf und warb auch bei seinem heutigen Österreich-Besuch für den Ausbau der Atomenergie. Dabei ist evident, dass seine Argumente einer sachlichen Überprüfung nicht standhalten", stellt Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben! fest.
So ist das von ihm bemühte Argument der „Energieunabhängigkeit“ schlicht falsch: Die europäische Atomindustrie ist in zentralen Bereichen der nuklearen Lieferkette weiterhin stark abhängig von Putins Russland. Daher gibt es bis heute keine Sanktionen gegen den staatlichen russischen Atomwaffen- und Atomstromkonzern Rosatom.
Hinzu kommt: Atomkraft ist in Europa ist ein Auslaufmodell. Das Durchschnittsalter der Reaktoren überschreitet heuer die 40-Jahre- Marke. Das heißt, die meisten AKWs hätten längst abgeschaltet werden müssen. Im Durchschnitt dürfte Ende des Jahres kein einziger Reaktor in der EU mehr laufen.
Auch der Neubau von Atomkraftwerken ist keine Lösung. Das weiß Séjourné als ehemaliger franzöischer Minister ganz genau: In Frankreich wurde in den vergangenen 26 Jahren genau 1 AKW eröffnet und es war ein Debakel: Nach jahrelanger Planung wurde mit dem Bau 2007 begonnen, ans Netz ging der Reaktor Ende 2024 - nach 17 Jahren reiner Bauzeit. Gekostet hat er statt der versprochenen 3,3 Milliarden Euro letztlich 23,7 Milliarden.
23. März
Liebe Freundinnen und Freunde,
wir gehen inzwischen fest davon aus, dass am morgigen Dienstag, 24.3., der erste Castor von Jülich nach Ahaus gebracht wird. Also macht euch morgen auf den Weg und demonstriert für einen langfristig sicheren Umgang mit Atommüll statt sinnloser Verschiebung! Folgende Protest-Aktionen sind bereits angemeldet:
- 18 Uhr Mahnwache am Forschungszentrums Jülich
(Stetternicher Staatsforststraße ca. 20m vor der Kreuzung Wilhelm-Johnen-Str.
https://www.westcastor.org/2026/03/22/juelich-anreise-zur-mahnwache-tag-x1/)
- 18 Uhr Auftakt Bahnof Ahaus, danach Demo zum Rathaus, dort Kundgebung
- ab 20 Uhr Mahnwache des BUND Duisburg nahe der Autobahnbrücke A42 über den Rhein
(Hegentweck 47119 Baerl/ Ecke Rheindeichstraße (Pendlerparkplatz), parken bitte z. B. Kohlenstraße oder Verbandsstraße, Infos:
https://castor-stoppen.de/2026/03/23/mahnwache-in-duisburg/)
- ab 20 Uhr Dauer-Mahnwache gegenüber dem Atommülllager Ahaus, inklusive symbolischer Sitzblockade
(Anreise ggf. über die Schöppinger Straße nicht möglich)
-- alle 4 Proteste sind angemeldet und fallen unter das Versammlungsrecht, die Polizei muss euch also Zugang gewähren! Bei Stress mit der Polizei ruft den Ermittlungs-Ausschuss an, egal ob Platzverweise, Identitätskontrollen oder Festnahmen. Der EA ist für euch unter 0151-51402319 erreichbar!
Organisiert weitere eigene Proteste, ggf. als Spontanversammlung, die Risiko-Str. ist 170km lang, ladet über den Ticker Menschen zum Mitmachen ein:
https://castor-stoppen.de/ticker/
Dort findet ihr auch alle wichtigen Infos, die morgen noch so eintrudeln!
Eine Übersicht mit Infos haben wir auf https://sofa-ms.de/?page_id=3555 zusammengestellt!
Kämpferische Grüße
Sofa Münster/ Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
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Jülich:
Demo zum ersten Castortransport
Anti-Atominitiativen rechnen damit, dass am Dienstag (24. März) erstmals ein Fass mit radioaktiven Brennelemente-Kugeln von Jülich nach Ahaus transportiert wird.
Das Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ rechnet damit, dass am Dienstag der erste Castor-Transport stattfinden wird. Dazu gebe es entsprechende Hinweise aus verschiedenen Quellen, heißt es in einer entsprechenden Mitteilung der Anti-Atominitiativen aus Jülich und Ahaus. In Jülich ruft die Initiative deshalb ab 18 Uhr zu einer Demonstration vor dem Forschungszentrum auf, wo der Transport starten soll.
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Volksabstimmung in Italien
Meloni scheitert mit Justizreform
Die geplante Justizreform von Italiens Ministerpräsidentin Meloni ist gescheitert. Bei einem Referendum stimmten fast 54 Prozent dagegen. Meloni erkannte ihre Niederlage an, schloss ihren Rücktritt aber aus.
Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni ist mit ihren Plänen für eine grundlegende Justizreform in einer Volksabstimmung gescheitert. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge lehnten knapp 54 Prozent der Italienerinnen und Italiener die Reform ab. Für eine Reform stimmten nur etwa 46 Prozent.
Meloni gestand ihre Niederlage ein. In einem Video auf ihrem Instagram-Kanal sagte die rechte Regierungschefin: "Die Italiener haben entschieden. Und wir werden diese Entscheidung respektieren." Die Vorsitzende der Partei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens) sprach von einer "verlorenen Chance zur Modernisierung Italiens". Zugleich bekräftigte sie, die "Arbeit zum Wohl der Nation" fortsetzen zu wollen. Vor dem Referendum hatte Meloni ausgeschlossen, bei einer Niederlage persönliche Konsequenzen zu ziehen.
Selbstverwaltung von Richtern sollte eingeschränkt werden
Die Reform war ein zentrales Vorhaben der Regierung und hätte Änderungen an mehreren Artikeln der italienischen Verfassung vorgesehen. Ein Kernpunkt des Vorhabens war die Trennung der Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten, so wie das in den meisten europäischen Ländern üblich ist.
Zudem sollte es neue Selbstverwaltungsorgane für Richter und Staatsanwälte geben. An deren Besetzung sollte das Parlament beteiligt werden - damit hätte die Politik mehr Einfluss auf Personalentscheidungen bekommen.
Gegner sehen Unabhängigkeit der Justiz in Gefahr
Meloni und ihre Verbündeten sahen darin einen Schritt, um Richter und Staatsanwälte vom Einfluss politischer Strömungen unabhängig und das Justizwesen insgesamt effizienter zu machen. Italiens Rechte klagt seit Jahrzehnten darüber, dass große Teile der Justiz angeblich aufseiten der Linken stünden.
Die Gegner - der Großteil der italienischen Opposition - warnten vor einem Eingriff in die Unabhängigkeit der Justiz insgesamt. Sie warfen Meloni vor, sie wolle ihren Einfluss auf die Justiz vergrößern.
Sie argumentierten, vor allem die Staatsanwaltschaft hätte stärker politischem Einfluss unterliegen können, während strukturelle Probleme wie lange Verfahrensdauern und überfüllte Gefängnisse ungelöst blieben.
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Wrack der »Komsomolez« in 1700 Meter Tiefe
Gesunkenes russisches Atom-U-Boot strahlt radioaktiv – Meerestiere mit Cäsium belastet
Messwerte bis zu 800.000-mal höher als gewöhnlich: Aus dem Wrack eines 1989 vor Norwegen gesunkenen U-Boots tritt weiterhin Radioaktivität aus. Was bedeutet das für eine der fischreichsten Regionen der Welt?
Aus einem 1989 im Europäischen Nordmeer gesunkenen russischen Atom-U-Boot tritt weiterhin Radioaktivität aus. Die Messwerte des radioaktiven Isotops Strontium-90 liegen bis zu 400.000-mal höher als die natürliche Radioaktivität in diesem Seegebiet, die Messwerte von Cäsium-137 sogar bis zu 800.000-mal höher. Zum Vergleich: Für diese beiden Isotope liegt die natürliche Radioaktivität in dem Seegebiet bei einem Becquerel pro Kubikmeter.
Die Radioaktivität werde jedoch durch Meeresströmungen schnell verdünnt, schreiben Forschende um Justin Gwynn von der Norwegian Radiation and Nuclear Safety Authority in Tromsø im Fachmagazin »PNAS«.
Am 7. April 1989 – noch zur Zeit des Kalten Krieges – befuhr das sowjetische Atom-U-Boot »Komsomolez« das Europäische Nordmeer, auch Norwegische See genannt. Zwischen Norwegen und Spitzbergen brach in etwa 400 Meter Tiefe im Heck ein Brand aus. Um auftauchen zu können, pumpte die Besatzung Luft in die Ballasttanks.
»Vermutlich versagte die Leitung zum Backbord-Ballasttank, wodurch Hochdruckluft in Schott 7 eindrang und das Feuer sich explosionsartig ausbreitete«, schreiben die Forschenden um Justin Gwynn. Das U-Boot erreichte zwar zunächst die Oberfläche, doch das Feuer verursachte ein Leck und das Boot sank. Nur 27 der 69 Menschen an Bord überlebten.
Seitdem liegt die »Komsomolez« in knapp 1700 Meter Tiefe. Die Sowjetunion und später Russland untersuchten das Wrack. Um eine radioaktive Verseuchung zu verhindern, wurden 1994 Torpedorohre und andere Löcher mit Titanplatten versiegelt.
[...] »Im unmittelbaren Umfeld des beschädigten vorderen Teils des U-Boots wurden keine Spuren von Plutonium aus den Sprengköpfen im Torpedoraum gefunden«, schreibt das Team. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass radioaktives Material aus dem atomaren Antrieb und gelagerter nuklearer Brennstoff zerfallen.
Die hohen Werte wurden an einem Lüftungsrohr auf dem Turm des U-Boots sowie an einem Metallgitter in der Nähe gemessen. Dort sammelten die Wissenschaftler auch verschiedene Meeresbewohner ein. Erhöhte Werte für Cäsium-137 fanden sie nur in Proben von Weichkorallen, Seeanemonen und Schwämmen.
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Rheinland-Pfalz: Die CDU wird der SPD im Untergang folgen
Die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz und die Stichwahl in der SPD-Hochburg München, wo der Grüne Dominik Krause den Amtsinhaber Reiter klar hinter sich ließ, scheinen den Niedergang der SPD noch einmal zu bekräftigen. In Baden-Württemberg konnte die SPD gerade noch knapp über der 5-Prozent-Quote bleiben. Zwar war das Ergebnis in Rheinland-Pfalz, seit 35 Jahren SPD regiert, nicht grottenschlecht, aber die SPD kann nicht mehr den Ministerpräsidenten stellen.
10 Prozent krachte die einstige Arbeiterpartei ein und rutschte auf 26 Prozent und damit auf den zweiten Platz vor der AfD, die 19 Prozent wählten und die am meisten diejenigen aktivieren konnte, die bislang dem Nichtwählerklientel angehörten. Die CDU legte mit 3 Prozentpunkten auf 30 Prozent nur wenig zu, die Grünen verloren nur wenig. Die beiden wichtigsten Ergebnisse sind das Debakel der SPD, die Wähler wanderten zur CDU und zur AfD, und der enorme Zuwachs der AfD, die fast 12 Prozentpunkte mehr als bei der letzten Wahl einfuhr und in einem westlichen Bundesland 20 Prozent erhielt.
Ebenso wichtig ist, dass auch in Rheinland-Pfalz die FDP aus dem Landtag fällt. Ein Ende der Partei ist absehbar, deren Inhalte einerseits von den Grünen und andererseits von der CDU und AfD übernommen wurden. Die Linke schafft auch hier den Einzug nicht, auch wenn sie um fast 2 Prozentpunkte zulegen konnte, das BSW mit 1,9 Prozent ist zumindest in Westdeutschland nur eine unbedeutende Marginalie.
In Deutschland scheint wegen der 5-Prozent-Quote die ansonsten oft zu beobachtende Zersplitterung der Parteienlandschaft nicht einzutreten, sondern eine Viererkonstellation mit einer deutlichen konservativ-rechten Schlagseite, die absehbar nicht mehr lange durch die Brandmauer am Zusammenwachsen zu hindern sein wird. Die Grünen im Westen und die Linke im Osten, beide im Bundestag, werden mit einer wohl weiter schwächelnden SPD übrigbleiben und Koalitionen ermöglchen.
Was bei der Wahl auch wieder auffällt, ist der Unterschied zwischen dem Wahlverhalten der Jungen und der Älteren. Wie schon in Wahlen zuvor fällt auf, dass die AfD für junge und Erstwähler attraktiv ist. Von den 18-24-Jährigen haben mit 21 Prozent am meisten die AfD gewählt, 19 Prozent die Linke, aber ebenso viel die SPD. Hier tauchen auch BSW und Volt mit jeweils 3 Prozent auf. Grüne sind nicht mehr so attraktiv. Auch bei den 25-34-Jährigen liegt die AfD vorne. Erst bei denjenigen, die älter als 45 Jahre sind, beginnt die AfD abzurutschen, während SPD und CDU zulegen, die die Parteien der älteren Generation sind, womit das Schicksal nicht nur der SPD, sondern längerfristig auch der CDU abzusehen ist.
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Krieg gegen Iran
Trump provoziert Kollaps am Golf
Iran-Krieg: USA und Israel forcieren wechselseitigen Beschuss nuklearer Anlagen. Iranische Kraftwerke im Visier bei fortgesetzter Kontrolle von Wasserstraße
Mehr als 2.000 Menschen sind bislang in dem von den USA und Israel am 28. Februar gegen Iran entfesselten Krieg getötet worden – und am Wochenende ist eine weitere Schwelle überschritten worden. Nachdem zuvor bereits ein Geschoss die Umgebung des iranischen Reaktors von Buschehr getroffen hatte, bombardierten US-amerikanische und israelische Streitkräfte am Sonnabend morgen die Nuklearanlage Natans. Radioaktivität trat nach beiden Vorfällen nicht aus. Teheran antwortete mit einem schweren Raketenangriff auf Dimona – das Herzstück des israelischen Nuklearprogramms in der Wüste Negev. Bei dem Angriff wurden nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums mindestens 180 Menschen verletzt – allein 116 davon im benachbarten Arad. Die von den USA und Israel provozierten Angriffe auf Atominfrastruktur verstoßen nicht nur gegen die Genfer Konventionen, Attacken auch nur in der Nähe von Reaktoren lassen wenig Fehlertoleranz zu – ein beschädigtes Containment etwa in Buschehr könnte die gesamte Golfküste verseuchen.
Eine weitere Eskalation könnte die Golfstaaten existentiell bedrohen. US-Präsident Donald Trump stellte Iran Sonnabend nacht ein Ultimatum: 48 Stunden, um die Straße von Hormus vollständig zu öffnen – sonst beginnen die USA mit der Bombardierung iranischer Kraftwerke, angefangen beim größten. Teheran reagierte umgehend: Angriffe auf iranische Energieanlagen würden mit Schlägen gegen die gesamte Energieinfrastruktur der US-Verbündeten am Golf beantwortet – auch Trinkwasser. Eine existentielle Drohung: Zwischen 42 und 99 Prozent des Trinkwassers der Golfstaaten kommen aus Entsalzungsanlagen, die allesamt in iranischer Reichweite liegen. Ein koordinierter Angriff auf Entsalzungsanlagen würde binnen weniger Tage zu einem systemischen Versorgungskollaps führen – nicht nur die Trinkwasserversorgung würde zusammenbrechen, auch für Kühlung, Stromproduktion und Industrie wird das entsalzte Meerwasser zwingend gebraucht. Die dafür notwendigen Mittel besitzt Iran nachweislich, was die Drohung strategisch glaubwürdig macht und die Verwundbarkeit der Golfstaaten schonungslos offenlegt.
22. März
Engpass bei Sicherheitspersonal
Trump-Regierung schickt ICE an US-Airports – und scheint uneins über Einsatzzweck
Geht es nur darum, die stundenlangen Wartezeiten zu verkürzen – oder um besonders rigorose Einwanderungskontrollen? 24 Stunden vor dem angekündigten Einsatz von ICE-Beamten an US-Airports bleibt das unklar.
Weniger als 24 Stunden vor dem angekündigten Einsatz der Einwanderungsbehörde ICE an US-Flughäfen scheint unklar, welche Aufgabe die Beamten dort vorrangig erfüllen sollen. Der zuständige Grenzschutzkommandeur Tom Homan sprach im Sender CNN davon, dass seine Behörde noch an den Einsatzplänen arbeite, berichtet die »New York Times« .
Homan sagte, »seiner Meinung« nach sollten die ICE-Beamten vor allem an Flughäfen mit langen Wartezeiten bei den Sicherheitskontrollen eingesetzt werden, vorrangig an jenen mit Wartezeiten von rund drei Stunden. Die Behördenspitze diskutierte aber noch darüber, wie viele Beamte wie schnell entsandt werden sollen – und wohin, sagte Homan weiter.
Am Samstag hatte Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social bereits angekündigt, ICE-Beamte an die Flughäfen schicken zu wollen – dabei jedoch Unklarheit über die Gründe bestehen lassen. Erst thematisierte Trump die Unterstützung der Transportation Security Administration (TSA), die an Flughäfen für die Sicherheitskontrolle von Passagieren verantwortlich ist und wie ICE dem Heimatschutzministerium untersteht.
Große Probleme an Flughäfen
Wegen der seit Mitte Februar andauernden Haushaltsblockade werden die TSA-Beamten derzeit aber nicht bezahlt, viele haben sich daraufhin krankgemeldet. Deshalb staut es sich seit Tagen an den Flughäfen des Landes. Passagiere etwa in Atlanta oder Houston warteten auch am Sonntag stundenlang auf eine TSA-Kontrolle und verpassten trotz genügend Pufferzeit ihre Flüge. Damit könnten die ICE-Beamten an den Flughäfen schlicht zur Unterstützung der TSA-Kräfte eingesetzt werden, um die Wartezeiten zu reduzieren.
[...] ICE-Beamte kamen bislang vor allem im Landesinneren bei Abschiebungen von Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung zum Einsatz und gerieten aufgrund ihres rigorosen Vorgehens bei ihren Razzien in die Negativschlagzeilen. Anfang des Jahres starben zudem zwei US-Amerikaner in Minneapolis, als ICE-Einsatzkräfte auf sie schossen. Mindestens 42 weitere Menschen sind seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit in Obhut der ICE gestorben, die meisten in Abschiebehaft.
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Verfassungsreferendum in Italien
Die Abstimmung über den Generalangriff von Rechts
Diesen Sonntag und Montag entscheiden Italiener*innen über eine Verfassungsänderung. Giorgia Meloni plant so einen radikalen Staatsumbau.
Nein, so war das nicht geplant. Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni war davon ausgegangen, das das am 22. und 23. März anstehende Referendum über die von ihr durchgesetzte Justizreform zum Heimspiel werde. Schließlich hatte die postfaschistische Regierungschefin die verfassungsändernde Reform im vergangenen Oktober mit den Stimmen ihrer Rechtskoalition problemlos durchs Parlament gebracht. Doch aus dem Heimspiel ist mittlerweile eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang geworden.
Plötzlich nimmt das Referendum für Meloni eine ähnliche Bedeutung an, wie es die Mid-Terms für US-Präsident Donald Trump sind: Das Votum wird zum Halbfinale, in dem Bürger*innen nicht nur über die Justizreform befinden, sondern auch über weitergehende Pläne Melonis zum Staatsumbau. In dem auch entschieden wird, welches der beiden politischen Lager bei den Parlamentswahlen im Jahr 2027 Rückenwind haben wird.
Man mag Meloni zugutehalten, dass sie weit weniger rabiat agiert als andere radikal rechte Populisten an der Macht, als ein Trump, Javier Milei in Argentinien, Viktor Orbán in Ungarn. Doch nicht umsonst sieht Meloni diese drei als Brüder im Geiste, will auch sie einen autoritären Staatsumbau. Quintessenz dieses Umbaus ist die Stärkung der Exekutive, um endlich „durchregieren“ zu können. Das heißt: die Schwächung der Gegengewichte – von der Justiz zum Parlament, von den Medien zu gesellschaftlichen Oppositionskräften.
Melonis Justizreform stellt da nur einen ersten Schritt dar. Die Trennung der Laufbahnen von Richter*innen und Staatsanwält*innen, die Aufspaltung ihres Selbstverwaltungsorgans, des Höchsten Rats der Magistratur, in zwei Räte, die dazu noch nicht mehr gewählt werden, sondern deren Mitglieder in Zukunft per Losverfahren ermittelt werden sollen.
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SMR und Atomkraft:
Harald Lesch zerlegt von der Leyens „strategischen Fehler“
Der Physiker erklärt, warum kleine, modulare Kernreaktoren ökonomisch wie technisch keine Antwort auf die Energiewende sind
| In Deutschland kann man die Atomuhr danach stellen: Irgendwann kommt sie wieder, die Debatte über Kernenergie. Jetzt sollen es kleine modulare Reaktoren (SMR) richten. Vergessen ist, dass der Atomausstieg im breiten gesellschaftlichen Konsens geschah; vergessen, dass Ministerpräsident Söder bei einem Nicht-Ausstieg einst mit Rücktritt drohte. Doch jetzt hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diesen Ausstieg als ’strategischen Fehler‘ bezeichnet. Eine Aussage, die den Physiker Prof. Harald Lesch schwer erschüttert, wie er jetzt verriet. |
„Ich bin schwer erschüttert von Frau von der Leyen, dass sie beim Thema Energie solche Aussagen macht“, sagte Lesch im Interview mit WEB.DE News. „Die Abkehr von der teuersten Energiequelle zu einem strategischen Fehler zu erklären, ist nicht im Geringsten nachvollziehbar.“ Der Wissenschaftsjournalist erinnert daran, dass von der Leyen mit dem Green Deal einst selbst für Aufbruchstimmung gesorgt hatte: „Mit ihrem Green Deal hat sie uns allen Hoffnung gegeben, dass endlich Vernunft in die Europäische Union einzieht.“
Dass ausgerechnet sie nun auf eine Technologie setze, die physikalisch, ökonomisch und sicherheitstechnisch in einer Sackgasse steckt, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Lesch: „Frau von der Leyen ist keine Kernphysikerin. Es ist unbegreiflich, wer ihr das eingeredet hat.“
Im Zentrum der europäischen Atomoffensive stehen die „Kleinen, modularen Reaktoren“, kurz SMR. Das politische Versprechen: kleinere, günstigere, serientaugliche Reaktoren, die den Weg in eine neue nukleare Ära ebnen. Die physikalische Realität sieht grundlegend anders aus. SMR erzeugen zwischen fünf- und 30-mal mehr radioaktiven Abfall als große Reaktoren, weil sie weniger effizient arbeiten. Was als Innovation verkauft wird, verschärft das bestehende Müllproblem erheblich.
[...] Die Kostenfrage ist das stärkste Argument gegen den nuklearen Kurs. Neue Kernkraftwerke kommen nach US-Daten, vom Fraunhofer-Institut auf deutsche Verhältnisse umgerechnet, auf 13,6 bis 49 Cent pro Kilowattstunde. Wohlgemerkt: ohne Endlagerungskosten. Zum Vergleich: Onshore-Wind liegt bei 3,9 bis 9,2 Cent, Photovoltaik bei 3 bis 6 Cent. Erneuerbare Energien sind also nicht nur klimafreundlicher, sondern um ein Vielfaches günstiger.
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Luftabwehr stoppt Raketen nicht
Zahlreiche Verletzte bei Angriffen nahe israelischer Atomanlage
Die meisten iranischen Angriffe auf Israel werden von der Luftabwehr des Landes vereitelt. Diesmal kommen Raketen durch und richten verheerende Schäden an. Bei Einschlägen in Häusern gibt es mehr als 100 Verletzte. In der Nähe liegt eine Atomanlage.
Die israelische Luftabwehr hat bei iranischen Raketenangriffen auf Südisrael die Geschosse nicht abgefangen. Die Abwehrsysteme hätten zwar ausgelöst, die Raketen jedoch nicht gestoppt, erklärte der israelische Militärsprecher Effie Defrin auf X. "Wir werden den Vorfall untersuchen und daraus lernen", kündigte der Brigadegeneral an.
Bei den zwei bislang folgenschwersten iranischen Angriffen auf Israel seit Kriegsbeginn sind im Süden des Landes in der Nähe der Atomanlage Dimona mehr als 100 Menschen verletzt worden, mindestens zehn von ihnen schwer. In der Stadt Dimona gab es laut der israelischen Armee einen "direkten Raketeneinschlag in ein Gebäude". Dort versorgte der israelische Rettungsdienst nach eigenen Angaben 33 Verletzte. 75 weitere Menschen mussten in der nahegelegenen Stadt Arad behandelt werden, auch hier wurden Gebäude getroffen. An beiden Orten waren auch Kinder unter den Verletzten.
"Sowohl in Dimona als auch in Arad wurden Abfangraketen gestartet, die ihre Ziele verfehlten, was zu zwei direkten Treffern durch ballistische Raketen mit Sprengköpfen von mehreren hundert Kilogramm führte", erklärte die Feuerwehr. Drei Gebäude seien erheblich beschädigt worden, in einem Gebäude sei auch ein Brand ausgebrochen.
[...] Der Iran hatte Israel nach eigenen Angaben als Vergeltung für einen Angriff auf die Atomanlage Natans angegriffen. Dimona und Arad liegen in der Nähe mehrerer Militärstützpunkte, darunter der Luftwaffenstützpunkt Nevatim, einer der größten des Landes. Die Atomanlage Dimona liegt außerhalb der gleichnamigen Stadt in der Negev-Wüste. Nach offizieller Darstellung handelt es sich um ein Kernforschungszentrum. Weithin wird aber angenommen, dass die Anlage auch der Herstellung von Atomwaffen dient. Israel hat den Besitz von Atomwaffen nie offiziell bestätigt, aber auch nie dementiert.
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rief nach den Angriffen zu "maximaler militärischer Zurückhaltung" auf. Sie erklärte auf X, sie habe Kenntnis von einem Raketeneinschlag in der israelischen Stadt Dimona, aber "keine Hinweise auf Schäden am Kernforschungszentrum Negev". Erhöhte Strahlungswerte wurden in der Region demnach nicht festgestellt.
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22. März 1975 (INES Klass.?) Akw Browns Ferry, Alabama, USA
Ein Feuer brannte sieben Stunden lang und beschädigte mehr als 1.600 Steuerkabel für zwei der drei Reaktoren, wodurch die Kühlsysteme außer Betrieb gesetzt wurden.
(Kosten ca. 281 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
AtomkraftwerkePlag
Browns Ferry (USA)
Großbrand 1975 und andere Störfälle
Eine hochgefährliche Situation entwickelte sich am 22. März 1975 zwischen 12.15 Uhr und 20 Uhr. Ein Arbeiter hatte sich mit einer Kerze (!) auf die Suche nach Lecks begeben, um diese abzudichten, und dabei Polyurethan-Schaumstoff entzündet. Der Schaumstoff war bereits 1963 als gefährlich erkannt und verboten worden, was von der Mannschaft ignoriert wurde. Der folgende Brand griff schnell um sich und zerstörte alle sicherheitstechnisch wichtigen Leitungen. Wegen einer "Kette von Fahrlässigkeiten, Unzulänglichkeiten und fehlerhafter Planung" geriet das komplette Sicherheitssystem außer Kontrolle. Alle Anzeigen über nukleare Vorgänge, alle Stromkreise, die Hauptwasserpumpe und das Notkühlsystem fielen aus. Mit Niederdruckpumpen konnte glücklicherweise der Kühlwasserstand aufrechterhalten werden. Es gelang schließlich, den Reaktor herunterzufahren. Erst nach sieben Stunden war der Brand gelöscht. Nur mit viel Glück war eine Katastrophe verhindert worden ...
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22. März 2026
Transformation der Energieversorgung
Der Todeskampf der fossilen Wirtschaft
Die Energiewende ist nicht zu stoppen. Wer das leugnet, will von ihrem Scheitern profitieren. Erneuerbare Energie wächst schneller als alles andere.
Manche Menschen meinen, die Lage sei ernst und hoffnungslos. Klimaberichte, die präziser werden und düsterer. Eine geopolitische Ordnung, in der Öl und Gas nicht nur Energiequellen sind, sondern Machtinstrumente, mit denen Kriege finanziert und Demokratien unter Druck gesetzt werden. Manche meinen sogar, die alte fossile Ordnung erlebe gerade ihren zweiten Frühling: Öl- und Gasdeals mit Autokraten, neue LNG-Terminals, die viel und laut beschworene Renaissance der Atomkraft, der betörende Ruf nach Brückentechnologien und wie als Echo darauf erschütternde Wahlergebnisse, die zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung lieber die Wirklichkeit wechselt als die Gewohnheiten.
All das führt zu einer fatalen Lähmung. Denn leider haben Dystopien eine verführerische Logik. Sie entbinden uns von der Pflicht zur Entscheidung. Wer überzeugt ist, dass es zu spät ist, muss nichts mehr tun. Und wer glaubt, die Fossilokratie, also jenes Geflecht aus fossilen Interessen, das nicht nur Märkte, sondern Gesetzgebung, Medien und außenpolitische Bündnisse durchdringt, sei eine Art göttlicher Wille, kann sich seiner Ohnmacht hingeben wie dem schlechten Wetter: unangenehm, aber nicht zu ändern. Welch ein Irrtum!
Denn die fossile Ordnung ist nicht stark. Sie ist laut. Das ist ein Unterschied. US-Präsident Donald Trumps Rückzug aus dem Pariser Abkommen, Präsident Javier Mileis Abwicklung des argentinischen Umweltministeriums, der russische Gaskrieg gegen Europa: Das sind keine Zeichen eines Systems in seiner Blüte. Das sind die Zuckungen eines Systems, das spürt, wie sein Fundament wegbricht. Raubtiere kämpfen am wildesten, wenn sie verlieren.
In Wahrheit erleben wir nicht den Triumph der fossilen Wirtschaft, sondern ihren Todeskampf, den Moment also, in dem ein tödlich verwundetes Raubtier noch einmal alles mobilisiert, was ihm bleibt: Zähne, Krallen, Gebrüll, Gewalt. Hinter der scheinbaren Blüte der Fossilokratie steckt kein geheimer Masterplan dunkler Mächte, sondern eine über anderthalb Jahrhunderte gewachsene Struktur: ein dichtes Geflecht aus Infrastruktur, Subventionen, politischen Routinen, Konzerninteressen und geopolitischen Abhängigkeiten.
Günstig, schlicht und ökologisch
Ein System, das sich selbst stabilisiert, auch dann noch, wenn es ökonomisch und physikalisch längst am Ende ist. Weil es Kriege, Desinformation und autoritäre Politik hervorbringt, um noch ein paar Jahre länger von der Beute der Vergangenheit zu zehren. Die fossilen Raubtiere verlieren. Und sie wissen es. Solarstrom ist heute die effizienteste Energiequelle, die die Menschheit je hatte. Günstig. Schlicht und ökologisch. China baut in einem einzigen Jahr mehr erneuerbare Kapazität auf als die Europäische Union in einem Jahrzehnt.
In Pakistan, einem Land, das man nicht zu den Vorreitern der Klimapolitik zählen würde, haben Solaranlagen innerhalb weniger Jahre die Abhängigkeit von teuren Gasimporten überwunden. In Deutschland gibt es Tage, an denen erneuerbare Energien mehr als hundert Prozent des Strombedarfs decken. Die Energiewende ist kein Versprechen. Sie ist eine Tatsache, die nur von denen geleugnet wird, die von ihrem Scheitern profitieren wollen.
Wie gelingt das? Durch eine Kurzschlussstrategie: Man „löst“ ein Problem mit den Mitteln, die es verursacht haben. Als Deutschland nach dem russischen Angriff auf die Ukraine über Nacht seine Gasabhängigkeit überwinden musste, baute es in Rekordtempo neue Flüssiggasterminals. Genau wie nach dem Ölschock der 1970er Jahre wechselte man die Lieferanten, nicht die Abhängigkeit. Das fossile System wurde nicht überwunden. Es wurde verlängert und mit neuen Verträgen abgesichert. So verständlich der Reflex, so widersinnig das Ergebnis.
Denn fossile Abhängigkeit heißt politische Erpressbarkeit – von Russland, von Golfstaaten, von globalen Konzernen. Dabei liegt das Geld für eine andere Energiezukunft längst auf dem Tisch. Es fließt nur in die falsche Richtung. Kreuzfahrtkonzerne zahlen keine Energiesteuer auf Schiffsdiesel. Kerosin ist steuerfrei. Fossile Subventionen übersteigen in Deutschland die Förderung der Erneuerbaren um ein Vielfaches.
Ängste sind unnötig
Man kann die Energiewende hassen und verzögern oder sie mögen und gestalten – aber wegdebattieren kann man sie nicht. Weltweit wachsen Wind- und Solarkapazitäten schneller als jede andere Form der Energieerzeugung. Wer heute noch behauptet, wir stünden am Anfang eines gefährlichen Experiments, verwechselt Ursache und Wirkung: Das Experiment war das fossile Zeitalter. Die Energiewende ist die Reparatur.
Die seit Jahrzehnten verzögerte Transformation hat Deutschland nicht geschützt, sondern geschwächt. China und Deutschland haben die Rollen getauscht: Das einstige Billiglohnland führt heute die Märkte für Solartechnik, Batterien und Speicher, während die stolze Made-in-Germany-Nation über Lohnkosten redet statt über Technologieführerschaft. Die Wärmewende ist ein Paradebeispiel für diesen Konflikt. Kaum ein politisches Projekt wurde in den letzten Jahren so aggressiv als Angriff auf das „Lebenswerk“ kleiner Hausbesitzenden geframt.
Dabei ist das Gegenteil richtig: Wer ein Haus besitzt, dessen Heizung an Öl und Gas hängt, sitzt buchstäblich auf einer Zeitbombe – nicht nur klimapolitisch, sondern ökonomisch. Preissteigerungen und Lieferkrisen treffen zuerst diejenigen, deren Wärmeversorgung fest an fossile Importe gekettet ist. Wärmepumpen, Dämmung und Quartierslösungen sind deshalb nicht der Abriss des Lebenswerks, sondern sein Schutz.
Die Fossilokratie weiß das. Und sie weiß, dass sie verloren hat, wenn sich diese Perspektive durchsetzt. Deshalb werden Ängste geschürt: vor Kosten, vor Technik, vor Bürokratie. Deshalb wird so getan, als ginge es um die Frage, ob die Heizungsindustrie überlebt, nicht darum, ob Menschen in zehn oder zwanzig Jahren ihre Häuser noch bezahlbar warm bekommen. Der Todeskampf des alten Systems vollzieht sich nicht im offenen Bekenntnis. Er tarnt sich als Verteidigung der kleinen Leute. Tatsächlich verteidigt er aber vor allem die Renditen derer, die an fossilen Lieferketten verdienen.
Soziale Gerechtigkeit durch Verkehrswende
Ähnlich verhält es sich mit der Verkehrswende. Wenn Debatten auf „Verbrenner gegen E-Auto“ verengt werden, wirkt das wie eine technische Geschmacksfrage. In Wahrheit geht es um Demokratie und soziale Teilhabe. Mobilität entscheidet darüber, wer Zugang zu Bildung, Arbeit, Kultur hat, wie viel Zeit Menschen in Staus oder in überfüllten Bussen verlieren, wem der Straßenraum gehört. Ein fossil getriebener Verkehr zementiert eine Ordnung, in der Autoabhängigkeit zur Eintrittskarte ins gesellschaftliche Leben wird – und alle, die sich dieses Ticket nicht leisten können oder wollen, an den Rand gedrängt werden.
Die Menschen klammern sich nicht an den Verbrenner, sie kämpfen um ihre Zugehörigkeit zur Gesellschaft. Die Fossilokratie lebt von diesen Abhängigkeiten: Pendlerinnen, die ohne Auto nicht zur Arbeit kommen; Kommunen, deren Infrastruktur auf Durchgangsverkehr ausgerichtet ist; Industrien, die an Spritverbrauch, Asphalt und Parkflächen hängen. Wer Mobilität nur als Technikfrage diskutiert, überlässt diese Machtfrage denen, die von genau dieser Abhängigkeit profitieren.
Eine echte Verkehrswende – mehr öffentlicher Nahverkehr, sichere Radwege, kompaktere Städte, weniger Zwang zum Pendeln – ist deshalb immer auch eine Demokratisierungs- und Sozialreform. Sie nimmt Macht von Konzernen und Autokraten und gibt sie den Kommunen und den Menschen zurück. Auch dezentrale Energie ist mehr als eine technische Option. Sie ist eine Frage der Machtverteilung. Jede Solaranlage auf einem Dach, jedes Bürgerwindrad, jedes energieautarke Quartier schneidet ein kleines Stück aus dem Einflussbereich dieses verwundeten Raubtiers heraus.
Je weniger Energie durch wenige, hochkonzentrierte Knoten von Pipelines, Tankern und Großkraftwerken fließt, desto weniger Hebel haben diejenigen, die diese Knoten kontrollieren. Die viel beschworene „Energiesouveränität“ ist kein nationalistisches Projekt, sondern ein demokratisches: Sie entsteht dort, wo viele Menschen gemeinsam über die Infrastruktur verfügen, von der ihr Alltag abhängt.
Aber der größte Kurzschluss ist und bleibt, den Todeskampf der Fossilokratie für das eigene Sterben zu halten, für etwas Unabwendbares, dem wir ausgeliefert sind wie einer höheren Macht. Unser Problem ist nicht die Ohnmacht. Es ist die Frage, die wir stellen. Nicht „Schaffen wir es noch?“, sondern „Was genau hält uns auf?“. Und dann bemerken, dass die Antwort keine Naturgewalt ist, sondern eine politische Entscheidung. Wendepunkte gehorchen einer anderen Logik als Kipppunkte im Klimasystem.
Sie sind nicht vorherbestimmt. Sie entstehen, wenn genug Menschen aufhören zu warten und anfangen zu handeln. In Bürgerenergiegenossenschaften. Bei kommunalen Entscheidungen und der Wahl von Heizung, Auto, Stromtarif. Nicht weil eine gute Tat die Welt rettet, sondern weil sie Teil einer Bewegung wird, die größer ist als die Summe ihrer Teile. Das Gegenmittel gegen die Lähmung ist nicht Optimismus als Gefühl. Es ist Handeln als Entscheidung. Die Energiezukunft ist offen. Offen bedeutet: unentschieden. Unentschieden bedeutet: Es liegt an uns.
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Hintergrundwissen
Die Karte der nuklearen Welt
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Statistisches Bundesamt (Destatis)
Monatliche Erdgasimporte
| Jahr | Monat | Terajoule (Tj) | 1 000 Euro | Euro / Terajoule (Tj) |
|---|---|---|---|---|
| 2026 | Januar | 197 540 | 2 107 194 | 10 667,18 |
| 2025 | Dezember | 213 187 | 1 915 006 | 8 982,75 |
| November | 187 757 | 1 791 542 | 9 541,81 | |
| Oktober | 199 493 | 1 870 181 | 9 374,67 | |
| September | 196 405 | 1 949 177 | 9 924,27 | |
| August | 192 083 | 1 883 896 | 9 807,72 | |
| Juli | 177 678 | 1 807 337 | 10 171,98 | |
| Juni | 173 473 | 1 794 235 | 10 343,02 | |
| Mai | 173 211 | 1 750 283 | 10 104,92 | |
| April | 201 222 | 2 104 887 | 10 460,52 | |
| März | 206 783 | 2 575 100 | 12 453,15 | |
| Februar | 176 974 | 2 530 774 | 14 300,26 | |
| Januar | 217 975 | 2 831 986 | 12 992,25 | |
Wikipedia
Energiewende
Energiewende, auch Energietransition, bezeichnet im Deutschen den Übergang von einer fossilen Energieversorgung zu einem nachhaltigen Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien. In einigen Ländern – etwa Deutschland – umfasst dieser Prozess auch den Ausstieg aus der Kernenergie. International ist überwiegend der englische Begriff energy transition gebräuchlich, während Energiewende im engeren Sinne meist die deutsche Ausprägung dieses Transformationsprozesses bezeichnet.
Der Begriff wurde nach dem 1980 erschienenen Buch Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran des Öko-Instituts kulturell rezipiert und teilweise als Lehnwort in andere Sprachen übernommen (beispielsweise „The German Energiewende“ oder „A Energiewende alemã“).
Ziel der Energiewende ist, die von der konventionellen Energiewirtschaft verursachten ökologischen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Probleme zu minimieren und die dabei anfallenden, bisher im Energiemarkt kaum eingepreisten, externen Kosten vollständig zu internalisieren. Angesichts der maßgeblich vom Menschen verursachten Globalen Erwärmung ist heutzutage besonders die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft durch Beendigung der Nutzung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Erdgas von Bedeutung. Ebenso stellen die Endlichkeit fossiler Energieträger sowie die Gefahren der Kernenergie wichtige Gründe für die Energiewende dar. Die Lösung des globalen Energieproblems gilt als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts ...
Fossile Energie
Fossile Energie wird aus Brennstoffen gewonnen, die in geologischer Vorzeit aus Abbauprodukten von toten Pflanzen und Tieren entstanden sind. Dazu gehören Braunkohle, Steinkohle, Torf, Erdgas und Erdöl. Man nennt diese Energiequellen fossile Energieträger oder fossile Brennstoffe (siehe auch Fossil). Dagegen wird Biomasse aus Holz und weiteren neuzeitlichen organischen Abfällen und Überresten gewonnen.
Fossile Energieträger basieren auf dem Kohlenstoffkreislauf und ermöglichen damit gespeicherte (Sonnen)energie vergangener Zeiten heute zu verwerten. Die technische Erschließung von fossilen Brennstoffen, zunächst fast ausschließlich Kohle, ermöglichte das kontinuierliche Wirtschaftswachstum seit der Industriellen Revolution. Im Jahr 2019 wurden 81 % des weltweiten Energiebedarfs aus fossilen Quellen gedeckt. Bei der weltweiten Stromerzeugung sank der Anteil fossiler Energien von seinem Höchststand 2007 (68,3 %) bis 2024 auf 59,1 % ab, auch wenn die Erzeugung absolut betrachtet noch leicht wuchs. Damit lagen fossile Energien weiterhin deutlich vor erneuerbaren Energien (31,9 %) und Kernenergie (9 %).
Der Energiegehalt der aufgeführten fossilen Brennstoffe basiert auf dem Kohlenstoff-Gehalt. Bei der Verbrennung mit Sauerstoff werden Energie in Form von Wärme und Oxide freigesetzt, darunter immer Kohlenstoffdioxid. Daher ist die Verbrennung fossiler Energieträger sowohl lokal als auch global „in hohem Maße umweltbelastend“.[4] Fossile Energieträger sind die Hauptquelle von menschengemachten Treibhausgasemissionen und damit der globalen Erwärmung.[5] Je nach Zusammensetzung und Reinheit des fossilen Brennstoffes entstehen auch andere chemische Verbindungen wie Stickstoffoxide und Ruß sowie unterschiedlich feine Stäube ...
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