Newsletter IX 2026
1. bis 7. März
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Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. März 2006 (INES-2) Akw Kozloduy, BGR
5. März 1969 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
6. März 2006 (INES Klass.?) Atomfabrik NFS, Erwin, TN, USA
8. März 2002 (INES-3) Akw Davis Besse, OH, USA
8. März 1968 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-129 sank 2900 km nw Hawaii
10. März 1970 (INES-3 NAMS 2,6) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
11. März 2011 (INES-7 NAMS 7,5) Akw Fukushima I Daiichi, JPN
11. März 2006 (INES-4) Nuklearmedizin IRE Fleurus, BEL
11. März 1997 (INES-3) Atomfabrik Tōkaimura, JPN
11. März 1958 (Broken Arrow) Mars Bluff, South Carolina, USA
12. März 2011 (INES-3) Akw Fukushima II Daini, JPN
13. März 1980 (INES-4) Akw Saint-Laurent, FRA
14. März 2011 (INES Klass.?) Akw Pickering, ON, CAN
14. März 1961 (Broken Arrow) Yuba City, CA, USA
18. März 2011 (INES-2) Akw Doel, BEL
19. März 1971 (INES-3 NAMS 2) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
22. März 1975 (INES Klass.?) Akw Browns Ferry, Alabama, USA
25. März 1955 (INES-4 NAMS 4,3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
26. März 1954 ("Castle Romeo" H-Bombe mit 11 MT) Bikini Atoll, MHL
28. März 1979 (INES-5 NAMS 7,9) Akw Three Mile Island, Harrisburg, USA
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
7. März
Physiker Harald Lesch spricht über Bayerns Kernfusions-Pläne: „Das muss irgendeine Magie sein“
Im Freistaat soll das erste funktionierende Fusionskraftwerk entstehen. Doch der Plasma- und Astrophysiker Harald Lesch hat Zweifel. Im Interview erklärt er, warum das nicht funktionieren kann.
Frankfurt am Main – Die Kernfusion wird von einigen als Energie der Zukunft angepriesen. In Bayern will die Landesregierung in Kooperation mit dem Unternehmen Proxima Fusion den ersten funktionsfähigen Kernfusionsreaktor der Welt bauen. CSU-Chef Markus Söder will nach dem Bau des Forschungsreaktors die bei der Kernfusion entstehende Energie für Deutschland nutzbar machen.
Aber ist das in dieser kurzen Zeit überhaupt möglich? Schließlich forschen Wissenschaftler seit Jahrzehnten an der Sternen-Energie. Im Interview mit fr.de von Ippen.Media erklärt der Plasma- und Astrophysiker Harald Lesch, wieso er ernste Zweifel an den Fusionsplänen aus Bayern hegt.
Herr Lesch, eine ganz einfache Frage zum Einstieg: Wann können wir mit Strom aus einem Kernfusionsreaktor aus der Steckdose rechnen?
Wenn ich mich an Sibylle Günter erinnere, die Generaldirektorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, dann sagt die: „Sicherlich nicht vor 2050“. Das wären also noch rund 25 Jahre. Wenn Sie aber sehen, wie lange Stuttgart 21 dauert, wie lange es dauert, bis in Deutschland überhaupt mal was passiert, dann hat man von daher schon eine gewisse Trägheit. Das zweite ist, dass unglaublich viele technische Probleme in der Kernfusion noch überhaupt nicht gelöst sind. Deswegen dauert das noch sehr lange. Die ganze Kernfusions-Community schaut dabei auf den ITER-Reaktor in Cadarache (Frankreich, Anm. d. R.). Der befindet sich seit 2007 im Bau. Von einem funktionierenden Reaktor sind wir noch weit entfernt.
[...] Erlauben wir uns trotzdem das Gedankenspiel: Bayern schafft es und baut den ersten funktionsfähigen Fusionsreaktor. Was würde das für die Energiesicherheit auf der Welt bedeuten?
Nix. Schauen Sie, auf der ganzen Welt hat Kernenergie einen Beitrag von weniger als zehn Prozent. Das ist gar nichts. Die Nutzung von Kernkraft ist angesichts der erneuerbaren Energien, in Kombination mit Batterien, eigentlich eine Rohrkrepierer-Technologie. Das ist vorbei, weil sie wahnsinnig hohe Kosten und Risiken produziert. Denken Sie daran: Wir haben in Deutschland 1700 Castorenbehälter mit radioaktivem Müll an der Oberfläche stehen, die darauf warten, in ein Endlager zu kommen. Das wird überhaupt nicht mehr angesprochen.
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USA genehmigen Bau eines neuartigen SMR-Atomreaktors – Technologie noch unerprobt
Die US-amerikanische Atomaufsichtsbehörde U.S. Nuclear Regulatory Commission (NRC) hat erstmals eine Baugenehmigung für ein kommerzielles Atomkraftwerk einer neuen Generation erteilt.
Der sogenannte Natrium-Reaktor des Unternehmens TerraPower soll im Ort Kemmerer im Bundesstaat Wyoming entstehen.
Der Reaktor gehört zu den sogenannten Small Modular Reactors (SMR) beziehungsweise fortgeschrittenen Reaktorkonzepten. Laut Unternehmen soll das Kraftwerk eine Leistung von 345 Megawatt liefern und mit einem Energiespeichersystem auf bis zu 500 Megawatt hochgefahren werden können. Der Bau soll in den kommenden Wochen beginnen, die Fertigstellung ist für 2030 geplant.
Der Natrium-Reaktor nutzt eine schnelle, natriumgekühlte Reaktortechnologie in Kombination mit einem auf geschmolzenem Salz basierenden Energiespeicher. Als Brennstoff dient hochangereichertes Uran (auf fast 20%!!), das derzeit vor allem in Russland hergestellt wird. Die Anlage wird im Rahmen eines Demonstrationsprojekts des U.S. Department of Energy entwickelt und entsprechend mit Fördergeldern unterstützt.
Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass die Technologie bislang nicht im kommerziellen Maßstab erprobt ist.
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Atommüll-Alarm auf den Autobahnen!
Castor-Transporte von Jülich, Garching & Berlin stoppen!
Anti-Atom-Demo am Samstag, 7. März 2026, um 11:30 vor dem Rathaus in Ahaus
54 Initiativen rufen zu Demo in Ahaus
Die Initiativen rechnen nun schon in der nächsten oder übernächsten Woche mit dem ersten Castor-Transport. Sie kündigen deshalb eine Intensivierung und Ausweitung ihrer Proteste an:
54 Initiativen, Verbände und Parteien rufen für Samstag, 7. März, in Ahaus zu einer großen Protest-Demonstration auf. Auftakt ist um 11.30 Uhr vor dem Rathaus in Ahaus. Danach geht es zur Castor-Strecke Richtung Zwischenlager.
9. März: Mahnwache zu Reul-Besuch in Ahaus-Ottenstein
Für Montag, 9. März, hat die BI „Kein Atommüll in Ahaus“ zudem ab 19.15 Uhr eine Mahnwache in Ahaus-Ottenstein, Ecke Im Garbrock/Solmsstraße, aus Anlass eines Besuchs von NRW-Innenminister Herbert Reul angemeldet. Der Innenminister hat wie zuvor schon Ministerpräsident Hendrik Wüst und seine Stellvertreterin Mona Neubaur eine Gesprächseinladung der Anti-Atom-Initiativen ausgeschlagen. Nun wird er vor seiner Lesung mit Protest empfangen.
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Atomausstieg muss geLINGEN – Keine Deals mit Putin!
ROBIN WOOD fordert die sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik Lingen
Lingen - Mit einer kreativen Aktion vor der Brennelementefabrik Lingen und in der Fußgängerzone haben ROBIN WOOD-Aktivist*innen gestern Druck für die sofortige Stilllegung der Atomanlage gemacht. In Schutzkleidung, mit einem „Uranbecken“ und einem Banner mit der Aufschrift „Atomausstieg muss geLINGEN“ demonstrierten sie erst vor der Fabrik. Anschließend zogen sie durch die Innenstadt, um Menschen mit Theaterszenen vor den Gefahren der Atomproduktion zu warnen. Einige der Aktivist*innen stellten Macron und Putin dar, andere eine Gegendemonstration. Anlass für die heutigen Proteste ist insbesondere die geplante Zusammenarbeit des russischen Staatskonzerns Rosatom mit ANF in Lingen.
Trotz des Atomausstiegs in Deutschland produziert ANF, eine Tochtergesellschaft des französischen Framatome-Konzerns, im niedersächsischen Lingen weiterhin Brennelemente für den Betrieb von Atomkraftwerken weltweit.
„Bauteile für Atomanlagen herzustellen, untergräbt den beschlossenen Atomausstieg. Hochradioaktive Risiken werden damit von Deutschland aus in alle Welt exportiert. Das ist angesichts des Kriegs mitten in Europa noch verantwortungsloser als ohnehin schon. Die Brennelementefabrik gehört stillgelegt – und zwar sofort“, fordert Cécile Lecomte von ROBIN WOOD.
[...] „ROBIN WOOD fordert die Verantwortlichen im Bund und im Land Niedersachsen, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um das gefährliche Geschäft zugunsten von Rosatom zu unterbinden“, ergänzt Johannes Probst von ROBIN WOOD. „Auch auf europäischer Ebene müssen Atomgeschäfte mit Russland endlich sanktioniert werden. Jede Zusammenarbeit mit dem russischen Staatskonzern birgt unkalkulierbare Risiken und füllt die Kriegskasse von Putin.“
6. März
300.000 Unternehmen betroffen
Bericht: Trump-Regierung verweigert Rückzahlung illegaler Zölle
Die Aufgabe, die illegalen Trump-Zölle an betroffene Unternehmen zurückzuzahlen, ist laut der US-Zollbehörde eine beispiellose Herausforderung. Offenbar will sich die US-Regierung nun aus der Affäre ziehen.
Die US-Regierung hat einem Medienbericht zufolge die Rückerstattung von Zöllen abgelehnt, die der Oberste Gerichtshof der USA für rechtswidrig erklärt hat. Die "Financial Times" bezog sich in ihrem Bericht auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte die von US-Präsident Donald Trump auf Basis eines Notstandsgesetzes verhängten Abgaben am 20. Februar für unzulässig erklärt. Der Supreme Court machte jedoch keine Vorgaben zur Abwicklung der Rückzahlungen an die mehr als 300.000 betroffenen Importeure. Rund 2000 Unternehmen haben Klage eingereicht. Trump hat erklärt, die Rechtsstreitigkeiten um die Auszahlung könnten sich über fünf Jahre hinziehen.
Das von Trump bemühte Notstandsgesetz von 1977 ermächtige den Präsidenten nicht zur Verhängung von Zöllen, hatten die Richter erklärt. Der Präsident kritisierte das Urteil scharf und verhängte daraufhin neue Zölle auf Basis eines anderen Gesetzes.
In dieser Woche hatte ein Richter am Gericht für internationalen Handel entschieden, dass Importeure Anspruch auf Rückzahlungen für bereits entrichtete Zölle haben. Die Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) muss demnach nun die Einfuhrkosten für Millionen von Sendungen, für die kein Zoll hätte verlangt werden dürfen, die Gebühren endgültig berechnen und die zu viel gezahlten Beträge mit Zinsen erstatten.
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Klimawandel:
Erderwärmung hat sich laut Studie deutlich beschleunigt
Forscher haben die Erderwärmung untersucht und dabei Faktoren für natürliche Temperaturschwankungen herausgerechnet. Das Ergebnis: Die Erde erhitzt sich immer schneller.
Einer Studie zweier Klimaforscher zufolge hat sich die Erderwärmung seit rund zehn Jahren stark beschleunigt. Während die globale Temperatur von 1970 bis 2015 um durchschnittlich 0,2 Grad Celsius pro Jahrzehnt gestiegen sei, seien es in der Dekade danach etwa 0,35 Grad gewesen, schreiben Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der US-Statistiker Grant Foster im Fachjournal Geophysical Research Letters.
Die Jahre 2023 und 2024 waren die bislang wärmsten seit Beginn der Messungen. Bislang war allerdings unklar, ob sich die Erwärmung auch beschleunigt hat. Um dies zu prüfen, haben die beiden Forscher natürliche Schwankungen, etwa Einflüsse durch Vulkanismus, Sonnenzyklen oder das Klimaphänomen El Niño, herausgerechnet. So berechnet, bleiben 2023 und 2024 trotzdem die wärmsten Jahre seit Messungsbeginn.
"Starke und statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung"
"Wir können nun erstmals eine starke und statistisch signifikante Beschleunigung der Erderwärmung nach 2015 belegen", sagte Co-Autor Foster. "Entscheidend ist, dass wir aus den Messdaten bekannte, natürliche Schwankungen herausrechnen, sodass das zufällige Rauschen geringer wird und daher das langfristige Erwärmungssignal klarer hervortritt."
Setzt sich der aktuelle Trend fort, würde die im Pariser Klimaabkommen anvisierte Grenze von maximal 1,5 Grad Celsius Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit voraussichtlich 2028 oder 2029 erreicht. "Wie schnell sich die Erde weiter erwärmt, hängt letztlich davon ab, wie rasch wir die globalen CO₂-Emissionen aus fossilen Energien auf null reduzieren", sagte Rahmstorf. Die 1,5-Grad-Grenze gilt erst als überschritten, wenn die Temperatur einige Jahre entsprechend hoch ist.
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Mikroplastik im Feinstaub
Studie aus Leipzig: Wir atmen Autoreifen
In einer Großstadt wie Leipzig atmen die Menschen jeden Tag 2,1 Mikrogramm Plastik über die Luft ein. Das vergrößert das Risiko für viele Krankheiten.
Keine Frage: Die Luft in deutschen Städten ist in den vergangenen Jahren besser geworden. Dennoch gibt es immer wieder hohe Feinstaubwerte. Bei manchen Wetterlagen, wie zuletzt im Januar und Februar, überschreiten sie die EU-Grenzwerte.
Eine neue Studie des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (Tropos) und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg zeigt nun am Beispiel von Leipzig, welche möglichen Gesundheitsgefahren damit verbunden sind. Dafür haben die Forschenden Analysen des Feinstaubs erstellt, die in dieser Tiefe bisher kaum möglich waren.
Das Ergebnis: Menschen in einer Stadt wie Leipzig atmen ungefähr 2,1 Mikrogramm Plastik pro Tag über die Luft ein. Das sind vier Prozent des gesamten Feinstaubs. Zwei Drittel davon stammen vom Reifenabrieb. Die Folgen für die Gesundheit: das Sterberisiko durch Herzkreislauferkrankungen steigt um 9 Prozent, beim Lungenkrebs um 13 Prozent.
Warum sind kleinste Plastikteile gefährlich?
Aufgrund ihrer geringen Größe können vor allem die kleineren Nanoplastik-Partikel (kleiner als 1 Mikrometer) tiefer in die Atemwege und die Lungen eindringen. Dort können sie oxidativen Stress oder Entzündungsreaktionen auslösen, die zu Atemwegserkrankungen beitragen. Die Partikel können zudem Schwermetalle oder Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) auf ihrer Oberfläche transportieren. PAK-Warnungen kennen wir vom Grillen.
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Einstufung durch Verfassungsschutz
AfD-Jugend in Nordrhein-Westfalen ist rechtsextremistischer Verdachtsfall
Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen hat die neue Jugendorganisation der AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. Es handele sich um die Vorgängerorganisation, nur mit neuem Namen.
Die neu gegründete AfD-Jugendorganisation in Nordrhein-Westfalen ist vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft worden. Das teilte das Landesinnenministerium mit.
Begründet wurde die Entscheidung damit, dass es sich beim NRW-Verband der Generation Deutschland (GD NRW) im Kern um die vorangegangene Organisation handele, diese habe lediglich einen neuen Namen, sagte Innenminister Herbert Reul (CDU).
Es bestünden demnach »gewichtige Anhaltspunkte« dafür, dass es sich bei der Generation Deutschland NRW de facto um eine Fortführung des Personenzusammenschlusses Junge Alternative NRW (JA NRW) handele, der sich im März 2025 formell aufgelöst hatte. Auch die Junge Alternative NRW war vom Landesverfassungsschutz 2023 als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft worden.
Junge Alternative 2025 bundesweit aufgelöst
Die Einstufung der Junge Alternative als rechtsextremistischer Verdachtsfall hatte der NRW-Verfassungsschutz seinerzeit damit begründet, dass der Landesverband ideologisch auf einen Kurs eingeschwenkt sei, der durch ein »völkisch-ethnisches Volksverständnis und Fremdenfeindlichkeit« geprägt gewesen sei. Insbesondere sei es darum gegangen, Menschen mit Migrationsgeschichte und Muslime auszugrenzen und verächtlich zu machen.
Die Junge Alternative hatte sich im Frühjahr 2025 bundesweit aufgelöst, die Nachfolgeorganisation Generation Deutschland ist sehr viel enger an die AfD angebunden, da sie , anders als die Junge Alternative, kein eigenständiger Verein ist. Die Parteijugend ist nun Teil der Partei – nur AfD-Mitglieder können in der GD sein – weshalb es vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) keine eigene Einstufung der Nachwuchsorganisation mehr gibt. Sie wird somit als Teil der Gesamtpartei vom BfV als rechtsextremistischer Verdachtsfall bearbeitet.
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6. März 2006 (INES-2) Atomfabrik NFS, Erwin, TN, USA
In einer Anlage der Firma Nuclear Fuel Services in Erwin liefen 35 Liter hochangereichertes Uran aus, was eine siebenmonatige Abschaltung erforderlich machte.
(Kosten ca. 115 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia en
Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator
Nuclear Fuel Services
Nuclear Fuel Services (NFS)
ist ein amerikanisches Nuklearunternehmen. Die Firma ist neben BWX Technologies Hauptlieferant für Kernbrennstoff für die amerikanische Marine. Daneben beschäftigt sich die Firma mit den Umarbeiten vom Plutonium und Uran aus Kernwaffen zu Brennstäben für Kernkraftwerke. Das Kernkraftwerk Browns Ferry ist einer der Hauptkunden. Zusätzlich beschäftigt man sich mit der Dekontamination von alten Kernkraftanlagen. Der Hauptsitz Erwin ist eine kleine Stadt in Tennessee, Unicoi County.
Am 20. August 2007 wurde bekannt, dass es in Erwin fast zu einem Kritikalitätsunfall gekommen wäre...
5. März
China rüstet auf, Trump schaut weg:
Taiwan droht im Schatten von Iran und Ukraine die Katastrophe
Die Welt steckt in der Dauerkrise. Neben den Kriegen in der Ukraine und im Iran brodelt es zwischen China und Taiwan – und steht kurz vor der Eskalation. Eine kommentierende Analyse.
Peking – China erhöht den Druck auf Taiwan. Die Volksrepublik hat beim jährlichen Nationalen Volkskongress die Wortwahl deutlich verschärft. So werde China „separatistische Kräfte entschieden bekämpfen“ und sich äußerer Einmischung widersetzen, wie aus dem Arbeitsbericht der Regierung hervorgeht. So weit, so vage. Derartig äußerte sich Peking bereits beim Volkskongress vergangenes Jahr. Neu dagegen: China kündigt an, die „Sache der nationalen Wiedervereinigung“ voranzutreiben.
Diese „nationale Wiedervereinigung“ ist offenbar auf Taiwan gemünzt. China zählt die Insel und seine 23 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zu seinem Staatsgebiet. Man baut bereits seit Jahren eine immer größere Drohkulisse im Südchinesischen Meer auf. Das Handeln Pekings macht deutlich: Auch Gewalt zieht China in Erwägung. Taiwan wehrt sich gegen den Einfluss aus Peking und wird seit Jahrzehnten unabhängig regiert. Kommt jetzt der lange befürchtete Angriff auf das Land?
[...] Aus dem Krieg der USA und Israels wird auch deutlich: Europa hält sich mit Kritik zurück. Netanjahus und Trumps Vorgehen erntet kaum Gegenwind aus der deutschen Regierung. Kanzler Merz bemüht sich um eine betont diplomatische und neutrale Bewertung des Angriffs auf Teheran, der zu einem Flächenbrand zu werden droht. Europa ist zudem auf Russland und den sich seit Jahren hinziehenden Krieg in der Ukraine fokussiert.
Deutschland hält keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan. Gleichzeitig sieht sich das Auswärtige Amt mit Taiwan „durch enge und substantielle wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen“ mit der Bundesrepublik verbunden, wie es auf der Website des Außenministeriums heißt. Ob diese Verbindung stark genug ist, damit sich Merz gegen China stellt, ist unklar. Wie für einen großen Teil der restlichen Welt war die wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Freundschaft jedenfalls auch für Deutschland nie stark genug, um Taiwan als eigenständiges Land anzuerkennen. Oder die Abhängigkeit von China ist nun mal stärker als die von Taiwan.
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Spaniens Ministerpräsident pocht auf Völkerrecht und sagt: „Nein zum Krieg“
Während der Bundeskanzler Friedrich Merz, der französische Präsident Emmanuel Macron und Großbritanniens Premier Keir Starmer sich wie andere in der EU weitgehend hinter den Krieg stellen, den Israel und die USA gegen den Iran entfacht haben, pocht der spanische Ministerpräsident in der EU isoliert auf das Völkerrecht. Pedro Sánchez verurteilt die Angriffe. Er zieht sich erneut den Zorn von US-Präsident Donald Trump zu, der mit Sanktionen droht, auch weil das Land den USA die Nutzung der US-Basen in Spanien untersagt hat.
„Unsere Haltung lässt sich mit einem ‚Nein zum Krieg‘ zusammenfassen.“ Mit dieser Aussage hat der innenpolitisch schwer angeschlagene Ministerpräsident Pedro Sánchez sein außenpolitisches Profil geschärft, sich aber in der EU weiter isoliert. Er präsentiert sich als Verteidiger des Völkerrechts und geht damit, anders als andere europäische Staats- oder Regierungschefs, auf Konfrontationskurs zu Israel und den USA. Er schließt sich dem sehr eindeutigen Urteil der Völkerrechtsexperten an und verurteilt der Krieg der USA und Israel gegen den Iran als klar „völkerrechtswidrig”.
[...] Regierungs- und Staatschefs anderer großer EU-Länder, wie der Franzose Emmanuel Macron oder der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz hatten sich dagegen sogar weitgehend uneingeschränkt hinter die Angriffe gestellt. Gemeinsam mit dem britischen Premier Keir Starmer hatten sie sich einseitig gegen die iranische Reaktionen auf die Bombardement gewendet und gefordert: „Iran muss seine willkürlichen Militärschläge unterlassen.“ Es wurde damit praktisch so getan, als habe der Iran den Krieg begonnen.
Dass der Bundeskanzler als “Vasall” auftritt, wie es in einigen Medien bezeichnet wird, ist wahrlich nicht neu. Bei israelischen Angriffen im vergangenen Juni hatte Merz auf dem G7-Gipfel sogar noch vielsagend erklärt: „Das ist die Drecksarbeit, die Israel macht für uns alle.” Entsprechend fiel bekanntlich auch sein Verhalten beim Völkermord aus, den Israel in Gaza nach Ansicht der allermeisten Experten begeht, und den auch Sánchez so benannt hat.
[...] EU stellt sich hinter Sánchez
Es ist dagegen schon einigermaßen erstaunlich, dass die EU-Kommission klare Worte gegenüber Trump gefunden hat und, anders als Merz, Spanien die Solidarität gegenüber den Trump-Drohungen zugeisichert hat. „Jede Bedrohung eines Mitgliedstaats ist per Definition eine Bedrohung gegen die EU“, erklärte der Kommissionsvizepräsident Stéphane Séjourné. Man sei bereit, die Interessen der gesamten EU in Handelssachen zu verteidigen. Auch die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der Ratspräsident Antonio Costa hätten Sánchez in Gesprächen ihre Solidarität ausgesprochen, teilte Sánchez mit.
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Plan für das neue Heizungsgesetz
"Die Grüngasquote verteuert Heizen für alle - auch Bestandskunden"
Der Ölpreis steigt, der Gaspreis explodiert. Der Iran-Krieg ist ein weiterer Grund, sich ernsthaft mit einer Wärmepumpe auseinanderzusetzen. Ein anderer ist das Gebäudemodernisierungsgesetz von Union und SPD. Der Entwurf enthält zwei Ansätze, die das Heizen mit Öl und Gas teurer machen würden als das bisherige Heizungsgesetz: Biotreppe und Grüngasquote. Wirtschaftsinstitute und auch die Bundesregierung selbst warnen vor Mehrkosten von bis zu 700 Euro im Jahr. "Uns bereiten die Pläne wenig Bauchschmerzen", sagt Kerstin Stratmann vom Fachverband Gebäudeenergie im Podcast das "Klima-Labor von ntv". Ihr zufolge hat die Wärmepumpe Heizungsbauer, Handwerk und auch Immobilienwirtschaft bereits von sich überzeugt. "Sie ist die beste und wirtschaftlichste Lösung. Daran wird die Abschaffung des Heizungsgesetzes nichts ändern."
ntv.de: Ist der Iran-Krieg der letzte Beweis dafür, dass Deutschland auch beim Heizen vom Erdgas wegkommen muss?
Kerstin Stratmann: Ja. Der Preis für Heizöl ist um 20 Prozent gestiegen. Beim Gas gab es den größten Preissprung seit 2023. Die Märkte haben reagiert. Das ist hoffentlich einigen Menschen noch mal deutlich geworden. Manchmal bedarf es geopolitischer Schlaglichter, um die Strategie anzupassen und zu schauen, ob der Kompass in die richtige Richtung zeigt. Bei den Reformen des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) deuten einige Berichte darauf hin, dass das nicht der Fall ist. Und wenn die Politik ihren Kurs nicht korrigiert, sollte das jeder selbst für seinen Heizungskeller tun.
Erwarten Sie, dass die schwarz-rote Koalition beim Entwurf für das Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) nach dem Beginn des Iran-Kriegs nachsteuert?
Ich spreche für die Elektrotechnik, nicht für die Gaswirtschaft, aber einige haben wahrscheinlich wahrgenommen, dass die Gasspeicher nur noch zu 20 Prozent gefüllt sind. Wird es noch einmal kalt, könnte es teuer werden. So verstehe ich zumindest unsere Wirtschaftsministerin: Der Iran-Konflikt ist keine Frage der Knappheit, sondern des Preises.
[...] Kommt die Grüngas- oder die Grünölquote auf die Biotreppe drauf?
Jein. Die Biotreppe gilt für neue Gas- oder Ölheizungen. Ab 2029 muss man diesen speziellen Biotarif beziehen. Die Grüngasquote ist eine Vorgabe für die Anbieter der Brennstoffe. Die Gaswirtschaft muss dafür sorgen, dass ihre Standardtarife ab 2028 ein Prozent Biobeimischung enthalten. Somit ist die Grüngasquote eine Teuerung für alle, die mit Gas oder Öl heizen: Eigenheimbesitzer, aber auch Mieterinnen und Mieter. Auch dann, wenn die Gasheizung bereits zehn Jahre oder noch älter ist. Diese Vorgabe für den Bestand gibt es im GEG nicht. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) rechnet nur durch die Grüngasquote mit Mehrkosten von 350 Euro für einen Zwei-Personen-Haushalt ab Mitte der 2030er Jahre. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt sogar auf 450 Euro jährlich.
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Wärmewende
Wasserstoff aus dem Garten: Wie ein Start-up die Gasheizung ersetzen will
Ein norwegisches Start-up speichert Solarstrom als Feststoff-Wasserstoff im Garten. Jetzt drängt es auf den deutschen Markt.
Die Heizungsdiskussion erlebt eine Renaissance. Seit die Regierungskoalition am 24. Februar ihre Eckpunkte zum Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) vorgelegt hat, ist klar: Die 65-%-Pflicht für erneuerbare Energien beim Heizungstausch fällt. Gasheizungen sind vorerst wieder uneingeschränkt erlaubt. Doch ab 2029 greift eine sogenannte Bio-Treppe, die steigende Anteile klimafreundlicher Brennstoffe vorschreibt. Schon ab 2028 soll eine Grüngasquote die Gasversorger verpflichten, wachsende Anteile von Biomethan oder grünem Wasserstoff bereitzustellen.
Doch woher soll das grüne Gas kommen? Biomethan ist begrenzt, grüner Wasserstoff aus Großelektrolyseuren teuer und selten. Photoncycle aus Oslo könnte eine Lösung gefunden haben: Wasserstoffproduktion aus dem eigenen Garten mit integrierter Speicherung. Jetzt hat das Start-up 15 Mio. € erhalten – und drängt auf den deutschen Markt.
- Solarpanels auf dem Dach
- einer oberirdischen Verarbeitungseinheit am Haus
- einem rund 3 m³ großen Speichertank, der im Garten in den Boden eingelassen wird.
Den Kern der Lösung bildet eine reversible Hochtemperatur-Brennstoffzelle.
- Wenn die PV-Anlage auf dem Dach im Sommer mehr Strom produziert als der Haushalt verbraucht, nutzt die im System installierte Brennstoffzelle den Überschuss, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Der Wasserstoff wird in einem Metallhydrid-Speicher unter der Erde gelagert.
- Im Winter kehrt sich der Prozess um: Die gleiche Zelle wandelt den gespeicherten Wasserstoff wieder in Strom und Wärme um.
Erzeugung und Rückverstromung passieren also in ein- und demselben Gerät. Ein separater Elektrolyseur ist nicht nötig. Das macht das System kompakter als konventionelle Power-to-Gas-Anlagen und grundsätzlich geeignet für den Einsatz am Eigenheim. Kein Wunder, denn Photoncycle zielt auf den B2C-Markt.
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Geowissen
Meeresspiegel: Pegel liegen höher als gedacht
Fehlerhafte Methodik führte zu unterschätzten Ausgangswerten in 90 Prozent der Studien
Methodik-Fehler: Gängige Studien haben den aktuellen Meeresspiegel für viele Küstenregionen falsch ermittelt – er liegt bis zu einem Meter höher als gedacht, wie eine Metaanalyse enthüllt. Das bedeutet: Auch das Risiko für Überflutungen und Landverlust wurde vielerorts stark unterschätzt. Schon jetzt leben demnach 68 Prozent mehr Menschen unter dem Meeresspiegel und 37 Prozent mehr Landfläche ist betroffen, so das Team in „Nature“. Schuld an der Diskrepanz sind falsche Referenzwerte und fehlerhafte Methoden.
Die Erwärmung der Ozeane und der Einstrom von immer mehr Schmelzwasser treibt die Meeresspiegel in die Höhe. Allein im 20. Jahrhundert sind die Pegel um rund 15 Zentimeter gestiegen, inzwischen kommen jährlich weitere vier Millimeter dazu – und die Anstiegsrate beschleunigt sich weiter. Schon jetzt verursacht dies in Küstengebieten und Inseln häufigere Überflutungen und schleichenden Landverlust. Küstenregionen müssen sich daher anpassen – durch verbesserte Küstenschutzmaßnahmen oder das Evakuieren besonders gefährdeter Gebiete.
Das Problem jedoch: Prognosen des künftigen Meeresspiegels – beispielsweise im Weltklimabericht – sind relative Werte. Sie geben an, wie stark sich die künftigen Pegel im Vergleich zum heutigen Zustand ändern werden. Um zu wissen, was dies für einzelnen Küsten bedeutet, muss man daher den aktuellen Meeresspiegel vor Ort kennen. Doch genau an diesem Punkt hapert es, wie nun Katharina Seeger und Philip Minderhoud von der Universität Wageningen in den Niederlanden entdeckt haben.
Reale Pegel um bis zu einen Meter höher
Festgestellt haben die Forschenden dies, als sie die Methodik und Ergebnisse von 385 aktuellen Veröffentlichungen zu Küstenschutz und Klimafolgen genauer überprüften. Dies enthüllte: Fast alle Studien nutzen eine fehlerhafte Methodik, wenn es um die Interpretation von Satellitendaten zum Meeresspiegel geht. Als Folge sind auch ihre Pegelwerte falsch. „Unsere Berechnungen zeigen, dass die gemessenen Meeresspiegel an vielen Küsten höher sind als in den Studien ermittelt“, berichtet Seeger.
Im Schnitt haben die bisherigen Risikoanalysen den Meeresspiegel demnach um 20 bis 30 Zentimeter unterschätzt. In einigen Regionen Südostasiens liegen die Pegel sogar einen Meter höher als bislang ermittelt. „Andere Gebiete mit großen Diskrepanzen liegen in Lateinamerika, an der Westküste Nordamerikas, in der Karibik, in Afrika, dem Indo-Pazifik und dem Mittleren Osten“, so das Team.
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5. März 1969 (INES-3) Atomfabrik
Windscale/Sellafield, GBR
Freisetzung von 370 MBq Plutonium im Labor von Gebäude B229.
(Kosten ca. 84,5 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus...
Dieser Störfall sowie mehrere andere Freisetzungen von Radioaktivität sind in Wikipedia nicht mehr zu finden.
Wikipedia de
Sellafield
Der Komplex wurde durch einen katastrophalen Brand 1957 und durch häufige nukleare Störfälle bekannt und unter anderem deshalb auch in Sellafield umbenannt. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet...
4. März
Atomkraftwerke: Nuscale lebt 2025 von Aktienverkäufen – spekulatives Geschäft mit marginalen Umsätzen
Corvallis - Die Nuscale Power Corporation, Anbieter von Mini-Atomkraftwerken (Small Modular Reactors, SMR), hat ihre Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vorgelegt. Während das Unternehmen regelmäßig strategische Fortschritte bei der Kommerzialisierung seiner SMR-Technologie meldet, zeigt ein Blick auf die Finanzkennzahlen ein deutliches Bild: Der operative Jahresumsatz bleibt mit 31,5 Mio. USD (2024: 37,0 Mio. USD) marginal.
Die Erlöse stammen im Wesentlichen aus Lizenzvereinbarungen und Engineering-Dienstleistungen, unter anderem im Zusammenhang mit dem rumänischen Projekt von RoPower Nuclear S.A. Ein operatives, kommerzielles Kraftwerksgeschäft mit signifikanten Erlösen existiert bislang nicht - und ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.
Nuscale zieht Liquidität aus dem Kapitalmarkt - operatives Geschäft marginal
Die finanzielle Basis des Unternehmens speist sich weiterhin primär aus Aktienverkäufen. Allein im vierten Quartal 2025 platzierte Nuscale 39,3 Millionen neue Aktien über ein At-the-Market-Programm und erzielte dabei 750 Mio. USD. Damit übersteigen die Mittel aus Kapitalerhöhungen die operativen Umsätze um ein Vielfaches. Für Investoren bedeutet dies eine deutliche Verwässerung bei gleichzeitig ausbleibender operativer Eigenfinanzierung.
Auch die Kostenstruktur verdeutlicht die Schieflage. Den 31,5 Mio. USD Umsatz stehen 20,0 Mio. USD Herstellungskosten (cost of sales) gegenüber. Besonders ins Gewicht fallen die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen (G&A) in Höhe von 609,8 Mio. USD. Diese beinhalten unter anderem einen erheblichen Meilensteinbeitrag im Rahmen der Partnerschaft mit Entra1 Energy sowie weitere strategische und administrative Aufwendungen.
Operativ arbeitet Nuscale damit weiterhin klar defizitär. Eine eigenständige Finanzierung aus dem laufenden Geschäft ist derzeit und auf absehbare Zeit nicht erkennbar...
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Erste Prüfphase geplant
Japans abgelegene Insel Minami-Torishima soll als Standort für ein Atommüllendlager geprüft werden
Die japanische Regierung hat angekündigt, die Insel Minami-Torishima, die zum Dorf Ogasawara gehört, als möglichen Standort für ein Atommüllendlager prüfen zu lassen. Die Insel liegt rund 1.950 Kilometer südöstlich des japanischen Festlands.
Wirtschaftsminister Ryosei Akazawa erklärte, die Regierung wolle auf der Insel eine sogenannte „bunken chosa“ durchführen. Dabei handelt es sich um eine Auswertung vorhandener wissenschaftlicher Studien und geologischer Daten als ersten Schritt eines dreistufigen Auswahlverfahrens. Nach Angaben Akazawas weist die staatliche Karte zu wissenschaftlichen Standortkriterien darauf hin, dass Minami-Torishima eine vergleichsweise hohe Wahrscheinlichkeit erfülle, die erforderlichen Bedingungen für eine geologische Tiefenlagerung zu erfüllen. Die gesamte Insel befindet sich im Besitz des japanischen Staates.
[...] Das Verfahren zur Bestimmung eines Endlagers für hochradioaktive Abfälle besteht aus drei Stufen. Die nun geplante „bunken chosa“ bildet die erste Phase und basiert ausschließlich auf der Analyse bestehender Daten. Erst in späteren Schritten folgen detailliertere geologische Untersuchungen vor Ort.
Vertreter der Agentur für natürliche Ressourcen und Energie des Wirtschaftsministeriums besuchten am Nachmittag des 3. März den Bürgermeister von Ogasawara, Masaaki Shibuya, um dessen Zustimmung einzuholen. Akazawa erklärte, während der Abstimmung über eine Informationsveranstaltung für die Gemeindeverwaltung habe der Bürgermeister zusätzlich um eine separate Versammlung für die Einwohner gebeten.
[...] Lage von Minami-Torishima spricht für die Eingung als Lagerort
Minami-Torishima liegt etwa 1.950 Kilometer südöstlich des Zentrums von Tokyo im Pazifik. Die Anreise dauert mit dem Flugzeug etwa vier Stunden, per Schiff vier bis fünf Tage. Die Insel gehört zur Ogasawara-Inselkette und befindet sich auf der Pazifischen Platte, die von Fachleuten als geologisch stabil eingestuft wird.
Nach Einschätzung von Experten spricht die Lage auf einer vergleichsweise stabilen tektonischen Platte für die Eignung als Atommüllendlager. Der Transport radioaktiver Abfälle über große Entfernungen sowie die technischen Anforderungen an unterirdische Bauarbeiten sind allerdings eine Herausforderung.
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Die UNO wird von Israel und den Vereinigten Staaten ermordet
Lassen Sie uns klarstellen, was die Vereinigten Staaten und Israel verfolgen. Das Ziel der USA ist nicht die Sicherheit des amerikanischen Volkes. Das Ziel ist die globale Vorherrschaft. Der Versuch zielt darauf ab, die UNO und die internationale Rechtsordnung zu zerstören – ein Versuch, der scheitern wird.
Am 16. Februar 2026 sandte einer von uns (Jeffrey Sachs) einen Brief an den UN-Sicherheitsrat, in dem er davor warnte, dass die Vereinigten Staaten kurz davor stünden, die Charta der Vereinten Nationen zu zerreißen. Diese Warnung hat sich nun bewahrheitet. Die Vereinigten Staaten und Israel haben ohne Genehmigung des Sicherheitsrats und ohne legitime Berufung auf das Recht auf Selbstverteidigung gemäß Artikel 51 einen unprovozierten Krieg gegen den Iran begonnen, was einen flagranten Verstoß gegen Artikel 2(4) der Charta darstellt. Sie versuchen, die Charta der Vereinten Nationen und die internationale Rechtsstaatlichkeit zu zerstören, aber sie werden scheitern.
Im Sicherheitsrat vom 28. Februar 2026 richteten die USA und ihre Verbündeten ihre Verurteilung nicht gegen die amerikanische und israelische Aggression, sondern gegen den Iran. Ein US-Verbündeter nach dem anderen verurteilte den Iran für seine Vergeltungsschläge, versäumte es jedoch absurderweise, den illegalen und unprovozierten Angriff der USA und Israels auf den Iran zu verurteilen. Dieses Verhalten dieser Länder war beschämend und stellte die Realität völlig auf den Kopf.
„Es mag gefährlich sein, Amerikas Feind zu sein, aber sein Freund zu sein ist tödlich“
Die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels wurden von Trump als notwendig bezeichnet, weil der Iran „jede Gelegenheit abgelehnt hat, seine nuklearen Ambitionen aufzugeben, und wir das nicht mehr hinnehmen können“. Das ist natürlich eine glatte Lüge. Wie in dem Brief vom 16. Februar dargelegt, hat der Iran vor einem Jahrzehnt einem Atomabkommen zugestimmt, dem Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (JCPOA), der vom UN-Sicherheitsrat in der Resolution 2231 verabschiedet wurde. Es war Trump, der das Abkommen 2018 aufkündigte. Im Juni 2025 bombardierte Israel den Iran mitten in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Auch diesmal wurden die Kriegspläne Israels und der USA bereits vor Wochen festgelegt, als Netanjahu sich mit Trump traf, und die laufenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran waren eine Farce. Dies scheint die neue Vorgehensweise der USA zu sein: Verhandlungen aufnehmen und dann versuchen, die Verhandlungspartner zu ermorden
[...] Ein Staat, der von permanentem Krieg, permanenter Besatzung und der Auslöschung der Palästinenser sowie der unbefristeten Unterwerfung von Millionen von Menschen abhängig ist, hat keine Zukunft, und die Politik, die die Vereinigten Staaten derzeit im Namen Israels verfolgen, wird dieses Ergebnis eher beschleunigen als verhindern.
Die Zwei-Staaten-Lösung, die der Rat wiederholt befürwortet hat, bietet Israel einen Weg zum Frieden. Tragischerweise lehnt Israel dies ab. Das Ergebnis wird letztendlich das Ende Israels in seiner derzeitigen Form sein, zumal sich die US-Bevölkerung zunehmend gegen die gewalttätige Theokratie Israels und für die Sache Palästinas wendet. Vielleicht wird es einen demokratischen Staat geben, in dem Araber und Juden friedlich zusammenleben und die Apartheid ein Ende findet.
Das sind harte Wahrheiten, aber Notfälle erfordern Ehrlichkeit. Die UNO wird von Israel und den Vereinigten Staaten ermordet. Der Sicherheitsrat muss sich aus der militärischen Besetzung durch die USA befreien und sich daran erinnern, dass er der Hüter des Versprechens der UN-Charta ist, den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit zu wahren.
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Atommüllendlager:
Bundesumweltministerium streicht zeitliches Ziel für Atommüllendlager
Die Suche nach einem Standort für hoch radioaktive Abfälle wird fristlos verlängert. Das bisherige Zieljahr 2031 ist laut einem Ministeriumspapier nicht realistisch.
Das Bundesumweltministerium nennt kein zeitliches Ziel mehr für die Entscheidung über das geplante Atommüllendlager. Das geht aus einem Referentenentwurf hervor, aus dem der Deutschlandfunk zitiert. Darin ist das ursprüngliche Zieljahr 2031 ersatzlos gestrichen. Dieses habe sich als nicht realistisch erwiesen. Eine gesetzliche Frist sei nicht mit den Anforderungen an das Auswahlverfahren für den bestmöglichen Standort vereinbar.
Bereits vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass die Suche nach einem Standort bis in die 2070er-Jahre andauern könnte. Dies hatte ein Gutachten im Auftrag des Bundesamtes für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung ergeben. Das Bundesumweltministerium hatte daraufhin eigentlich Maßnahmen zur Beschleunigung des Verfahrens angekündigt.
Vorlage eines Gesetzentwurfs angekündigt
Noch im November hatte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) gesagt, den Entscheidungsprozess bei der Suche nach einem Standort für ein Atommüllendlager beschleunigen zu wollen. Ihm sei wichtig, bei der Suche "ab 2027 deutlich schneller voranzukommen", sagte Schneider damals. Für Anfang 2026 kündigte er die Vorlage eines entsprechenden Gesetzentwurfs an.
An diesem Nachmittag findet eine Regierungsbefragung im Bundestag statt, bei der sich Schneider gemeinsam mit Bundesbildungs- und Familienministerin Karin Prien (CDU) den Fragen der Abgeordneten stellt.
[...] In dem künftigen Endlager sollen die 27.000 Kubikmeter hoch radioaktiver Überreste aus 60 Jahren deutscher Atomstromerzeugung für eine Million Jahre sicher deponiert werden. In den bisherigen Zwischenberichten wurde rund die Hälfte der Landesfläche untersucht und als ungeeignet ausgeschlossen – darunter schon 2020 der lange als Endlager favorisierte Salzstock in Gorleben.
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Uranatlas: Atomenergie verstärkt die geopolitische Abhängigkeit Europas von Russland
Außerdem ermöglicht der Einsatz von Atomkraft erneutes nukleares Wettrüsten
München/Berlin/Hamburg - Anlässlich des 15. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Fukushima am 11. März und des 40. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl am 26. April warnen die Herausgeber*innen des Uranatlas 2026 vor einem neuen nuklearen Wettrüsten: „Nicht nur modernisieren alle Atomwaffenstaaten ihre Arsenale und Trägersysteme. Es besteht die große Gefahr, dass weitere Staaten Atomwaffen herstellen.“ Die Herausgeber*innen Nuclear Free Future Foundation (NFFF), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Rosa-Luxemburg-Stiftung, Umweltstiftung Greenpeace und .ausgestrahlt appellieren gemeinsam an die Bundesregierung, sich für nukleare Rüstungskontrolle, einen erneuten New-Start-Vertrag und Abrüstung einzusetzen.
Die zivile Atomkraft ist eng mit der nuklearen Aufrüstung verknüpft, wie der Atlas darlegt. Von den 65 derzeit im Bau befindlichen Atomkraftwerken (AKW) werden 63 in oder von Atomwaffenstaaten gebaut.
Angelika Claußen, Co-Vorsitzende der Ärzt*innenorganisation IPPNW ergänzt: „Wir sind überzeugt, dass zu einer langfristig effektiven nuklearen Abrüstung auch der Ausstieg aus der Atomenergie gehört. In Deutschland müssen wir diesen Ausstieg noch vollenden, indem wir die Urananreicherung und die Produktion von Brennelementen beenden. Gerade jetzt, da öffentlich über europäische Atomwaffen mit deutscher Beteiligung spekuliert wird, wäre dies ein wichtiges Zeichen für Abrüstung und eine friedliche Zukunft mit erneuerbaren Energien.”
Mini-Reaktoren erfolglos
Ungeachtet dessen fordern Unionspolitiker*innen wie etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche den Bau von sogenannten Small Modular Reaktoren (SMR) und damit den Wiedereinstieg in die Atomkraft.
Susanne Gerstner, stellvertretende Vorsitzende des BUND: „Einen Wiedereinstieg in die Atomkraft darf es in Deutschland nicht geben. Die vermeintlich kleinen Reaktoren sind teuer, gefährlich und unwirtschaftlich. Zudem scheitern weltweit immer mehr Projekte an den horrenden Kosten und fehlender Wirtschaftlichkeit. Der SMR-Hype ist eine Nebelkerze, die unnötig Steuergelder verbrennt. Deutschland ist aus gutem Grund, mit Zustimmung der Union, aus der Atomkraft ausgestiegen, daran gibt es nichts zu rütteln.“
3. März
Moral in der Politik
Es gibt keine Politik ohne Moral. Die Frage ist nur, welche
Moralische Politik ist schwer in Verruf geraten – wenn Linke sie nutzen. Doch das ist ein taktischer Fehler. Eine neue, junge Generation in den USA zeigt gerade, warum.
Man kann die USA als moralisches Projekt verstehen. Die Vereinigten Staaten wurden schließlich auf Prinzipien gegründet, die moralisch präsentiert und argumentativ ausgearbeitet wurden – ausgehend von den allgemeinen Menschenrechten und deren universeller Geltung. Sie formten sich im Widerstand gegen die als vernunftfeindlich gesehene Monarchie Großbritanniens. Ein Widerstand, der in den Worten von Thomas Paine, dem aufklärerischen Gründungsvater der USA, ein "moralisches Gebot" war.
Vor ziemlich genau 250 Jahren, Anfang Januar 1776 und damit sechs Monate vor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, veröffentlichte Thomas Paine seinen Text Common Sense. Es ist ein philosophisches Pamphlet, das die Menschen einander auf den Straßen von Philadelphia, ja in den gesamten britischen Kolonien des nordamerikanischen Kontinents regelrecht aus den Händen rissen. Common Sense wurde auch deshalb ein Best- und Longseller, weil Paine, der brillante Stilist und scharfe Denker, so klar die Grundlagen einer anderen, moralischen Form von Politik umriss, die er 1792 dann in seiner Schrift Rights of Man ausformulierte.
Was Paine hier entwickelte, war etwas bis dahin qualitativ Neues: eine positive Theorie staatlicher Aufgaben. Er forderte progressive Besteuerung, öffentliche Bildung für arme Kinder, Altersversorgung für Menschen über 50, Unterstützung für junge Paare sowie Armenhilfe. Für damalige Zeiten war das eine proto-sozialdemokratische Agenda.
Die moralische Logik dahinter: Wenn Rechte natürlich und universal sind, dann ist Armut nicht einfach Schicksal, sondern vor allem das Ergebnis schlechter Institutionen – insbesondere jener der Aristokratie, die durch Erbrecht und Privilegien den gesellschaftlichen Reichtum konzentriert. Der Staat hat damit nicht nur eine negative Schutzpflicht, sondern eine positive moralische Pflicht zur Umverteilung.
Moral, das machte Paine deutlich, ist die Grundlage von Politik und von demokratischen Institutionen. Heute hingegen hat es Moral als Kern politischen Handelns doppelt schwer: Die progressive Seite argumentiert allzu oft technokratisch und scheut sich, etwa beim Thema Steuern, den moralischen Faktor wachsender Ungleichheit zu benennen. Und die reaktionäre Seite hat statt Moral das "Recht des Stärkeren", wie es Stephen Miller ausdrückt, Vize-Stabschef des Weißen Hauses und Stratege der MAGA-Bewegung.
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Niederlage für Umweltorganisation BUND
Gericht lehnt Eilantrag gegen Castortransport ab
Ein Gericht macht Weg für Atomtransporte von Jülich nach Ahaus frei. Damit könnten schon nächste Woche radioaktive Brennelemente durch NRW rollen.
Schon in wenigen Tagen könnten radioaktive Brennelemente aus dem Forschungszentrum Jülich mitten durch die Ballungsräume Nordrhein-Westfalens ins Zwischenlager Ahaus rollen. „Ich denke, dass es nächste oder übernächste Woche losgeht“, so Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW, der taz.
„Trotz jahrelanger Warnungen und Proteste könnten die Castoren schon nächste Woche rollen“, glaubt ebenfalls Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. Auch ein Sprecher der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), die den Abtransport der Brennelemente vorantreibt, sprach auf taz-Anfrage von einem Zeitraum von „einigen Wochen“.
[...] Entscheidung ist unanfechtbar
Es sei „nicht ersichtlich, dass die Antragsgegnerin die Gefahr von Drohnenangriffen auf die Transporte unterschätzt haben könnte“, beschloss das OVG trotz geschwärzter Genehmigungsunterlagen. Die Entscheidung sei „unanfechtbar“.
„Wir sind fassungslos“, sagt BUND-Landesvize Ciesla. „Trotz Zweifel in Sicherheitsfragen sollen nun hoch radioaktive Transporte quer durchs Land rollen.“ Die OVG-Entscheidung sei „aus der Zeit gefallen“, findet auch Helge Bauer von der Antiatomorganisation ausgestrahlt: „Der Aufruf Irans zu Vergeltungsschlägen in europäischen Staaten betrifft auch die geplanten Castortransporte.“
[...] Auch Landesregierung hat Bedenken
Auch in der NRW-Landesregierung selbst wachsen offenbar die Bedenken gegen die Transporte: „Wenn es nach mir ginge, könnte ich auf die anstehenden Castortransporte gerne verzichten“, teilt NRW-Innenminister Herbert Reul der taz mit. Die Polizei werde aber „ihren Job machen und diesen Einsatz professionell begleiten“. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Nordrhein-Westfalen, Patrick Schlüter, nennt die Transporte dagegen schlicht „Wahnsinn“ mit „Folgen für die Sicherheit im Land“.
Wie die Linkspartei und Teile von SPD und Grünen rufen Antiatominitiativen, Klimagruppen und Kirchen deshalb für kommenden Samstag um 11.30 Uhr zu einer Anticastordemonstration vor dem Rathaus in Ahaus auf. Am darauffolgenden Montag soll Innenminister Reul, der dann in Ahaus zu Gast ist, mit einer Mahnwache an seine Verantwortung erinnert werden.
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Völkerrechtliches Dilemma?
"Diese Reaktion von Merz auf den Iran-Angriff ist ein Dammbruch"
Weder die Bundesregierung noch die E3-Staaten nennen die US-iranischen Angriffe auf Iran einen Völkerrechtsbruch. Matthias Goldmann, Professor für Internationales Recht an der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Oestrich-Winkel, hält das nicht nur für falsch, sondern aus europäischer Sicht auch für langfristig gefährlich. Im Gespräch mit ntv.de erklärt der Völkerrechtler, wie weit das Selbstverteidigungsrecht des Iran geht, inwiefern ein Umdenken in Berlin wichtig ist - und warum Ramstein für Deutschland zum Problem werden könnte.
ntv.de: Herr Goldmann, Israel und die USA verteidigen die Angriffe auf den Iran als einen Präventivschlag. Rechtfertigt die Bedrohungslage durch das iranische Atomprogramm den Einsatz?
Matthias Goldmann: Nein. Um es kurz zu machen: Das, was die USA und Israel im Iran jetzt führen, ist ein verbotener Präventivkrieg und damit völkerrechtswidrig. Präventivschläge sind nur in engen Ausnahmefällen erlaubt, nämlich wenn ein Angriff unmittelbar bevorsteht und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Beides ist hier nicht gegeben. Das zeigen die Verhandlungen, die noch liefen und bei denen der Iran laut dem Vermittler Oman erhebliche Zugeständnisse gemacht hat. Zudem wurde das iranische Waffenarsenal im Zwölftagekrieg vor einem Jahr erheblich geschwächt. Es gibt absolut keine Beweise dafür, dass der Iran kurz vor einem nicht anders abwehrbaren Waffengang stand, geschweige denn dass dieser in absehbarer Zeit auch die USA treffen könnte, wie Trump behauptet.
CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen sprach von einem Dilemma: Hält man sich strikt an das Völkerrecht, das einen Einsatz verbietet, erhält das Terrorregime Iran eine Art Freifahrkarte. Muss das Ziel einen Angriff nicht gewissermaßen legitimieren können?
Zunächst ist äußerst fraglich, was hier überhaupt das Ziel ist. Geht es Trump und Israel wirklich darum, ein Terrorregime auszuschalten? Iran begeht zweifellos Völkerrechtsverstöße, etwa gegen Demonstranten. Aber wenn das Völkerrecht wirklich leitend gewesen wäre, dann hätte man laufende Verhandlungen mit Iran nicht abgebrochen. Stattdessen gibt es viele Anhaltspunkte dafür, dass es eher darum ging, Iran als Macht im Nahen Osten zu schwächen, damit es anderen Mächten nicht mehr im Weg steht.
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Erneuerbare-Energien-Gesetz
"Ministerin Reiche will die Gewinne der fossilen Konzerne sichern"
Heimische erneuerbare Energien sind die Lösung gerade in Zeiten von Krisen und Kriegen, sagt Hans-Josef Fell. Der Miterfinder des EEG kritisiert die aktuellen Pläne der schwarz-roten Koalition für Solardächer, Netzausbau, Bioenergie und Heizungen.
Klimareporter°: Herr Fell, im Jahr 2000 waren Sie als Grünen-Bundestagsabgeordneter einer der Miterfinder des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das der Solar- und der Windenergie zum Durchbruch verholfen hat. Nun arbeitet Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) an einem neuen EEG, das – Zitat – "konsequent auf Bezahlbarkeit, Kosteneffizienz und Versorgungssicherheit" ausgerichtet sein soll. Klingt gut. Was halten Sie von den Plänen?
Hans-Josef Fell: Wenn es Katherina Reiche damit ernst meinen würde, müsste sie sofort das Ziel 100 Prozent erneuerbare Energien bis spätestens 2035 ausgeben. Bei einem verschleppten Ausbau der Erneuerbaren bis 2045 müssen Bürger und Unternehmen mit insgesamt 320 Milliarden Euro an Mehrkosten rechnen, weil viel zu lange auf die teuren fossilen Energien gesetzt würde.
Wie kommt diese Zahl zustande?
Wir von der Energy Watch Group haben das berechnet. Es ist doch auch plausibel: Erneuerbare Energien sind selbst mit Speichern heute die kostengünstigste Art der Stromerzeugung. Und nur sie bieten als heimische Energie geopolitische Versorgungssicherheit. Man kann die Sonne nicht ausschalten, wie der frühere US-Präsident Jimmy Carter in der Ölkrise in den 1970er Jahren sagte.
Fossile und atomare Energien werden immer wieder als Erpressung und Kriegswaffe eingesetzt, wie man aktuell im Iran-Konflikt an der Sperrung der Straße von Hormus sehen kann. Infolgedessen ist gerade der Heizölpreis von 85 auf 115 Euro pro 100 Liter hochgeschossen.
Kosteneffizienz in den Energienetzen schafft man, indem man eine dezentrale, verbrauchernahe Erzeugung – Stichworte: maximaler Selbstverbrauch, Energy Sharing, flexible Strompreise – endlich zulässt und befördert. Reiche geht es aber nicht um demokratische Teilhabe mit Bürger-Energien, sondern um die großen Gewinne ihrer Freunde aus dem fossilen und atomaren Konzerngeschäft.
Die Wirtschaftsministerin will unter anderem die Einspeisevergütung für kleinere Solaranlagen streichen. Ist es nach mehr als einem Viertel-Jahrhundert an EEG-Förderung nicht an der Zeit, das zu tun?
Nein. Die langjährig feste Einspeisevergütung ist das Instrument, das den Ausbau der erneuerbaren Energien billig macht, da Banken bei Investoren kaum Risikoaufschläge für Fremdkapital berechnen. Reiche geht es ausschließlich darum, Konzerngewinne zu sichern. Jede auf dem eigenen Hausdach erzeugte, selbst verbrauchte oder eingespeiste Kilowattstunde ist eine Kilowattstunde, die ein Stromkonzern nicht mehr an Kunden verkaufen kann...
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AKWs um 500 Milliarden unterversichert - NGOs bei EU-Kommission für neue AKW-Haftpflicht
Nicht einmal ein halbes Prozent der Schäden eines Super-GAUs wären in Europa von Haftplichtversicherungen gedeckt
Nicht einmal ein halbes Prozent der Schäden eines Super-GAUs wären in Europa von Haftplichtversicherungen gedeckt. Zehn engagierte Atomkraftgegner_innen aus sieben EU-Staaten erörterten diesen Missstand mit hochrangigen Vertretern der Generaldirektion Energie.
Beim Austausch mit Jan Panek, dem für Atomenergie zuständigen Direktor der Generaldirektion Energie und zwanzig seiner Expert_innen hat die europäische Anti-Atom-Bewegung deutlich gemacht, dass die unzureichende Haftpflichtversicherung für Atomkraftwerke weiterhin ein zentrales ungelöstes Problem darstellt. Laut staatlichen französischen Berechnungen würde ein Super-GAU in Mitteleuropa 530 Milliarden Euro an Schäden nach sich ziehen. Versichert sind aber je nach Land nur 1,5 bis 2,5 Milliarden Euro, also nicht einmal ein halbes Prozent.
[...] "Bei den atomstopp-Unterschriftenkampagnen von 2013 und 2016 haben sich 23.500 Menschen für eine angemessene und verpflichtende Haftpflicht für AKW-Betreiber stark gemacht. Nach diesem Gespräch auf Expert_innenebene wird die Anti-Atom-Bewegung in internationaler Zusammenarbeit das Thema gezielt wieder auf die politische Ebene bringen, um langfristig Kostenwahrheit für Atomstrom herzustellen", kündigt Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben! an.
2. März
Macron kündigt Atom-Aufstockung an
Nukleares Dominanzgehabe
Frankreich bietet seinen EU-Partnern den nationalen Schutzschirm an. Die Kontrolle über seine Sprengköpfe will Macron aber nicht aus der Hand geben.
Frankreich wird mit seiner nuklearen „Force de frappe“ den amerikanischen Schutzschirm kaum ersetzen können, auf den sich Westeuropa seit dem Kalten Krieg in einem blinden Vertrauen verlassen hatte. Wie trügerisch dieses Vertrauen in die Nato unter US-Vorherrschaft war, hat Donald Trump mit seiner strategischen Wende erwiesen.
Die indirekte Aufforderung des US-Präsidenten, die Europäer sollten künftig selber für ihre Sicherheit sorgen, kommt aber auch dem seit Langem geäußerten Wunsch des französischen Präsidenten Emmanuel Macron entgegen, dass die Europäische Union eine eigenständige Verteidigungspolitik mit einer von den USA unabhängigen Rüstung entwickelt – ohne allerdings der Nato und den nordamerikanischen Paktstaaten ganz den Rücken zu kehren.
[...] Macron bietet den anderen EU-Ländern im exklusiven Klub der Atommächte nur eine Passivmitgliedschaft an. Das heißt, auch in Zukunft entscheidet der französische Staatschef ganz alleine über die Abschreckungs- und Einsatzdoktrin. Eine Mitsprache kann es zum Ausbau des atomaren Arsenals geben, zu gemeinsamen Übungen und Manövern sowie – und das ist ein wichtiger Punkt – zur eventuellen Stationierung von Kernsprengkörpern in anderen EU-Staaten.
Europa wird damit in absehbaren Zukunft nicht eine eigenständige Atommacht. Aber das ist wohl auch besser so. Wer in diesem Poker der gegenseitigen Abschreckung mit Weltuntergangszenarien mitmacht, geht enorme Risiken ein. So etwas wie geruhsame Sicherheit ist damit nicht zu gewinnen.
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OVG-Entscheidung: Castortransporte in NRW dürfen stattfinden
Die umstrittenen Castor-Transporte in NRW sind vom Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg genehmigt worden. Geklagt hatte ein Umweltverband.
Die Beschwerde des Umweltverbands BUND gegen den Transport von Castor-Behältern von Jülich nach Ahaus hatte keinen Erfolg. Dies teilte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg am Montag mit. Die Entscheidung ist den Angaben zufolge unanfechtbar (Aktenzeichen: OVG 7 S 2/26).
Streitpunkt Störung durch Drohnen
Es geht um Atommüll aus dem Forschungsreaktor Jülich. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) war bereits in erster Instanz mit einem Eilantrag gescheitert. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte der Umweltorganisation abgesprochen, klageberechtigt zu sein. Das sah der Verband anders und zog vor das OVG.
Das Argument des BUND: Der Schutz der Castor-Behälter gegen Störmaßnahmen oder etwa Angriffe durch Drohnen sei nicht gewährleistet. Laut Mitteilung des Oberverwaltungsgerichts ist aber die Entscheidung, den Transport zu genehmigen, im Ergebnis "nicht zu beanstanden".
OVG sieht öffentliches Interesse
Zwar dürfe der BUND, entgegen der Auffassung des Verwaltungsgerichts, gerichtlich gegen die Beförderungsgenehmigung vorgehen. "Der Antrag ist aber unbegründet. Das öffentliche Interesse an einer baldigen Räumung des Lagers in Jülich – dessen Genehmigung bereits vor Jahren ausgelaufen ist – überwiegt", teilte das OVG mit...
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Protest gegen Atomgeschäfte mit Russland:
Greenpeace blockiert Frachter in Frankreich
Bei einer Protestaktion gegen französische Atomgeschäfte mit Russland sind vier Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace in Frankreich in Polizeigewahrsam genommen worden. Wie die Staatsanwaltschaft Dünkirchen am Montag der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, handelt es sich bei den Aktivisten um drei Frauen und einen Mann aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Die Behörden leiteten demnach ein Ermittlungsverfahren ein.
Etwa 20 Greenpeace-Aktivisten hatten in der Nacht zu Montag den Frachter "Mikhail Dudin" in einer Schleuse am Hafen von Dünkirchen blockiert, um gegen die anhaltenden Geschäftsbeziehungen zwischen dem französischen Energieunternehmen EDF und dem russischen Unternehmen Rosatom zu protestieren. Die Blockade des Frachters war nach Angaben der Polizei am Vormittag beendet worden. Die Aktivisten hätten sich unerlaubt in eine Sperrzone begeben, hieß es.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft leiteten die Behörden ein Ermittlungsverfahren wegen "Behinderung der Arbeitsfreiheit" ein, die mit einer einjährigen Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 15.000 Euro geahndet werden kann.
Nach Angaben von Greenpeace hat der Frachter seit Beginn des Ukraine-Kriegs häufig angereichertes oder natürliches Uran aus Russland nach Frankreich gebracht. "Uran: EDF liebt Putin", stand auf einem Banner, das an der Schleuse angebracht war.
[...] Greenpeace wirft Frankreich vor, die russische Wirtschaft "und damit auch ihre Kriegsmaschinerie" zu unterstützen. Nach Angaben der Organisation wird etwa im sibirischen Sewersk Uran aus benutzten Brennelementen erneut angereichert. Bei wiederangereichertem Uran sei Frankreich "zu 100 Prozent von Russland abhängig", heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Greenpeace-Bericht.
Zudem importiere Frankreich natürliches Uran aus den ehemaligen Sowjetrepubliken Kasachstan und Usbekistan. Im vergangenen Jahr stammte etwa die Hälfte der französischen Uran-Importe aus diesen beiden Ländern. Ein Großteil davon wird nach Angaben von Greenpeace mit Hilfe des russischen Atomkonzerns Rosatom über russisches Staatsgebiet transportiert.
Frankreich braucht Uran für seine 57 Atomreaktoren. Diese liefern etwa 70 Prozent des Stroms in Frankreich. Die französische Regierung plant den Bau von insgesamt 14 neuen Atomreaktoren.
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Nach Glyphosat-Gutachten
Krebsforscher verliert seinen Posten
Direktor Mandrioli muss das Ramazzini-Institut verlassen. Waren seine Forschungsergebnisse zu brisant? Institut und Betroffener widersprechen sich.
Kostete ein für die Industrie unbequemes Glyphosat-Gutachten Daniele Mandrioli seinen Job? Oder fiel der Direktor des Krebsforschungszentrums am Ramazzini-Institut in Bologna bloß einer „internen Reorganisation“ zum Opfer, wie die Institutsleitung behauptet?
Der Mediziner Mandrioli leitete das „Cesare Maltoni“-Zentrum seit 2020. Es forscht dazu, welche Gefahr von chemischen Substanzen ausgeht, Krebs auszulösen, und ist auf diesem Gebiet führend. In den letzten Jahrzehnten wurden in breit angelegten Langzeitstudien etwa 200 Substanzen vor allem an Ratten und Mäusen getestet. Bei 47 wurden die Forscher*innen fündig.
Auch beim Glyphosat, dem weltweit meistgenutzten Herbizid, das in der EU für die Landwirtschaft noch bis mindestens 2033 zugelassen ist. Seit 2015 untersuchten die Forscher*innen den Wirkstoff, im Juni 2025 veröffentlichten sie die „Global Glyphosate Study“, bei der Mandrioli die Federführung hatte.
Kernergebnis war, dass Glyphosat auch in niedriger, bisher als sicher geltender Dosierung krebserregend wirkt. Daraufhin kündigte die Generaldirektion Gesundheit der EU-Kommission eine Überprüfung ihrer bisherigen Risikobewertung und damit auch der Zulassung des Herbizids an. Der Chemiekonzern Bayer-Monsanto warf der Studie schwere methodologische Fehler vor.
[...] Mandrioli sagte in seinem einzigen Interview seit dem Jobverlust dem Corriere della Sera, die Kündigung sei allein „vom Institut entschieden“ worden. Seine Anwälte hätten dann die Vertragsauflösung ausgehandelt. Mandrioli redet auch von einem enormen Druck, dem er nach Veröffentlichung der Glyphosat-Studie ausgesetzt gewesen sei.
„Tiefe Sorge“ äußern die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter*innen des Forschungszentrums, und auch Philip Landrigan, jahrelang Leiter der dem Institut verbundenen Accademia Ramazzini, verlangte in einem offenen Brief nach Erklärungen. Bisher sind sie nicht gekommen.
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CO2-Bepreisung: Fünf Irrtümer, die einer wirksamen Klimapolitik im Weg stehen
CO2-Bepreisung gilt als Klimaschutz-Schlüssel, doch Kritiker zweifeln. PIK-Forscher widerlegen nun fünf verbreitete Irrtümer. Was steckt wirklich dahinter?
Ob Steuererhöhungen, gekürzte Renten oder steigende Krankenkassenbeiträge – die Kosten des Klimawandels werden bezahlt werden, die Frage ist nur von wem und wie. Spätestens wenn die Versicherungsprämien klettern, merkt auch der vermeintlich unbeteiligte Bürger: Nichtstun hat seinen Preis.
Fachleute des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) plädieren deshalb für einen anderen Weg. In ihrem soeben bei Springer Gabler erschienenen Buch "CO2 hat seinen Preis. Warum eine wirksame Klimapolitik die CO2-Bepreisung braucht" – digital kostenlos verfügbar – erklären sie, warum der Markt beim Klimaschutz kein Feind, sondern ein entscheidendes Werkzeug ist, und räumen dabei mit weit verbreiteten Irrtümern auf.
Brücken bauen
Fossile Brennstoffe sukzessive zu verteuern, gilt als wegweisend für wirksame Klimapolitik – und ist doch Gegenstand erbitterter Kontroversen. In seinem neuen Buch erklären PIK-Direktor Ottmar Edenhofer und seine Co-Autoren vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung dieses Konzept und korrigieren Fehlwahrnehmungen.
[...] Die Publikation will in leicht verständlicher Form neueste, in renommierten Fachzeitschriften veröffentlichte Forschungsergebnisse präsentieren. Darunter mehrere Beiträge des PIK und des Anfang 2025 ins PIK überführten Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC). Im Ergebnis will das Buch fünf populäre Irrtümer zur CO2-Bepreisung als Leitinstrument der Klimapolitik erklären.
[...] Importeure, die energieintensive Produkte aus dem Ausland beziehen, sind mit dem CBAM ziemlich unzufrieden, weil sie für ihre Importe aus dem Ausland jetzt auch CO2-Abgaben bezahlen müssen und damit einen Nachteil gegenüber Firmen haben, welche ihre gesamte Lieferkette außerhalb der EU halten, also innerhalb der EU keine Wertschöpfung betreiben.
Edenhofer sieht in der CO2-Bepreisung zudem einen sicherheitspolitischen Vorteil für die EU, denn sie mindert im Ergebnis die Öl- und Gas-Einnahmen autoritär regierter Staaten.
1. März
Eine neue Studie bringt das Leben in der Nähe von Kernkraftwerken mit höheren Krebssterberaten in Verbindung
Übersetzung https://www.deepl.com/de/translator (kostenlose Version)
Eine landesweite Analyse ergab, dass Landkreise, die näher an Kernkraftwerken liegen, höhere Krebssterberaten aufweisen.
Eine umfangreiche neue Studie legt nahe, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, um die potenziellen gesundheitlichen Auswirkungen des Lebens in der Nähe von Kernkraftwerken zu verstehen. Die Ergebnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Politiker aller politischen Lager auf eine Ausweitung der Kernenergie in den USA drängen.
Die Studie ergab, dass US-Counties, die näher an in Betrieb befindlichen Kernkraftwerken (KKW) liegen, höhere Krebssterblichkeitsraten aufweisen als weiter entfernte Counties. Die Studie wurde von Forschern der Harvard T.H. Chan School of Public Health durchgeführt und letzte Woche in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.
„Unsere Studie legt nahe, dass das Leben in der Nähe eines Kernkraftwerks ein messbares Krebsrisiko mit sich bringen kann – eines, das mit zunehmender Entfernung abnimmt“, sagte der leitende Autor Petros Koutrakis, Professor für Umweltgesundheit in Harvard, in einer Pressemitteilung. „Wir empfehlen, weitere Studien durchzuführen, die sich mit dem Thema Kernkraftwerke und deren Auswirkungen auf die Gesundheit befassen, insbesondere in einer Zeit, in der Kernenergie als saubere Lösung für den Klimawandel gefördert wird.“
Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Kernenergie vor einem Comeback zu stehen scheint. Im vergangenen Jahr erließ Präsident Donald Trump eine Durchführungsverordnung, in der er Reformen der Nuclear Regulatory Commission forderte, der Behörde, die die Branche beaufsichtigt und Lizenzen vergibt. Die Verordnung forderte auch eine Ausweitung der amerikanischen Kernkraftkapazität von etwa 100 Gigawatt im Jahr 2024 auf 400 Gigawatt bis 2050, mit der Begründung, dass Kernkraft die Energieunabhängigkeit des Landes gewährleisten und gleichzeitig „hochmoderne, energieintensive Industrien wie künstliche Intelligenz und Quantencomputing“ unterstützen könne...
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USA greifen Devisenquelle Kubas an
Washington will Havannas Ärztemissionen unterbinden
In der vergangenen Woche weilte der Geschäftsträger der US-Botschaft in Kuba, Mike Hammer, zu einem Arbeitsbesuch in Italien. Man kann sich fragen, was macht Havannas ranghöchster US-Diplomat in Italien? Klarer wird dies, wenn man sich anschaut, wen er dort getroffen hat. Hammer kam unter anderem mit dem Regionalpräsidenten von Kalabrien, Roberto Occhiuto, zusammen. In der süditalienischen Region sind derzeit rund 400 kubanische Ärzte in medizinischen Einrichtungen tätig. Im Laufe des Jahres soll die Zahl sogar auf 1000 Ärzte aufgestockt werden. Washington dagegen will, dass Italien die kubanischen Mediziner nach Hause schickt.
Zuletzt haben die Vereinigten Staaten den Druck auf Kuba maximal erhöht und faktisch eine Ölblockade gegen das Land verhängt. Die Entsendung von Ärzten und medizinischem Personal in die ganze Welt ist für Kuba eine bedeutende Deviseneinnahmequelle. Von Einnahmen bis zu sechs Milliarden US-Dollar jährlich ist die Rede. Das Vorgehen gegen die kubanischen Ärztebrigaden im Ausland ist Teil der Politik der Strangulierung Kubas durch Washington. Das US-Außenministerium spricht in diesem Zusammenhang von »Zwangsarbeit« und »Menschenhandel«.
Lukrativer Export medizinischer Dienstleistungen
Die kubanischen Mediziner waren im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, von der damaligen italienischen Regierung von Ministerpräsident Guiseppe Conte als Nothilfe für die überlasteten Kliniken ins Land geholt worden – zu einer Zeit, als Deutschland etwa seine Grenzen für Reisende aus Italien schloss. Vor allem für das Gesundheitssystem im wirtschaftlich schwachen Süden Italiens wurde daraus bald eine strukturelle Hilfe. Italien ist das einzige Land der EU, das mit Havanna einen Vertrag über den Einsatz von Ärzten geschlossen hat.
[...] Trump nimmt seit 2018 Ärztemissionen ins Visier
In Donald Trumps erster Amtszeit beendeten bereits Brasilien (2018), Bolivien (2019), Ecuador (2019) und El Salvador (2020) die kubanischen Ärztemissionen in ihrem Land. Und die in Venezuela steht nach der Entführung von Präsident Nicolás Maduros durch die USA ebenfalls auf der Kippe. Derzeit fließt kein Geld mehr von Caracas nach Havanna. In Afrika hingegen empfangen Länder wie Angola und Südafrika weiterhin kubanische Ärzte, und im Nahen Osten hat Katar Vereinbarungen mit Kuba erneuert...
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Roland Koch preist Reiches Energiepolitik – und entlarvt dabei die fossile Doppelmoral
Ex-Ministerpräsident Roland Koch behauptet im Kommentar für die Ludwig-Erhard-Stiftung, Katherina Reiche setze Marktwirtschaft bei Erneuerbaren Energien um. Stimmt das?
| Der ehemalige hessische Ministerpräsident Roland Koch feiert Katherina Reiches Energiepolitik als Rückkehr zur Marktwirtschaft. Sein Kommentar für die Ludwig-Erhard-Stiftung liest sich wie ein Lehrstück der freien Marktwirtschaft. Doch wer genau hinschaut, findet darin vor allem eines: die perfekte Blaupause fossiler Doppelmoral. ist Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung. Die Kernthese: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche befreie die erneuerbaren Energien endlich aus dem „Subventions-Eldorado“ und führe sie in den richtigen Markt. „Bezahlt werden sollte nur, was auch gebraucht wird“, schreibt Koch. „Zurück zur Marktwirtschaft“, fordert er. Klingt vernünftig. Ist es aber nicht. |
[...] Mario Buchinger, Wirtschaftsingenieur und Berater, bringt es in seiner Antwort auf LinkedIn auf den Punkt: „Leider fordern Sie von den Erneuerbaren das, was bei Fossilen und Nuklear immer konsequent ignoriert wird: Marktkonformität.“
Das ist der zentrale Widerspruch in Kochs gesamtem Kommentar: Er fordert Marktwirtschaft für Windräder und Solaranlagen, während fossile Energieträger in Deutschland weiterhin mit zweistelligen Milliardenbeträgen subventioniert werden. Laut Umweltbundesamt beliefen sich die umweltschädlichen Subventionen in Deutschland zuletzt auf über 65 Milliarden Euro pro Jahr.
Die G7-Staaten haben 2016 versprochen, fossile Subventionen bis 2025 abzubauen. Stattdessen hat Deutschland sie um 49 Prozent gesteigert – die zweithöchste Steigerungsrate in der gesamten G7-Gruppe.
[...] Die Karriere des Roland Koch: Ein Muster
Wer Roland Koch nicht (mehr) kennt: Er war von 1999 bis 2010 Ministerpräsident in Hessen. 1999 gewann er die Landtagswahl unter anderem mit einer Unterschriftenkampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft, die für breite Empörung sorgte. In die Schwarzgeldaffäre der hessischen CDU war er verwickelt, nachdem illegale Parteispenden als angebliches Erbe deutscher Juden verbucht worden waren. Koch forderte „brutalstmögliche Aufklärung“ – bis sich herausstellte, dass er mutmaßlich selbst an der Verschleierung beteiligt war.
[...] Kochs gesamter Kommentar basiert auf einer Prämisse, die physikalisch falsch ist: dass fossile und erneuerbare Energien sich auf dem gleichen „Markt“ befinden. Tun sie nicht. Fossile Energie hat Grenzkosten, die vom Weltmarkt diktiert werden – von Kriegen, von Spekulanten, vom Wetter in Texas. Erneuerbare Energie hat Grenzkosten von nahe null, sobald die Anlage steht. In einem echten, vollständig internalisierten Markt hätten fossile Energien keine Chance.
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Agri-PV-Kraftwerk Herbstheim startet Betrieb: Sauberer Strom und Landwirtschaft Hand in Hand
In der Gemeinde Höhnhart im Bezirk Braunau ist ein weiteres Vorzeigeprojekt für die Energiewende ans Netz gegangen
Wien/Höhnhart – Die oekostrom AG hat im Ortsteil Herbstheim eine neue Agri-Photovoltaikanlage mit 7,8 Megawattpeak (MWp) in Betrieb genommen. Das Kraftwerk verbindet Solarstromproduktion mit landwirtschaftlicher Nutzung – und bringt der Bevölkerung einen direkten finanziellen Vorteil.
Die Anlage liegt am Rand eines bestehenden Industriegebiets und wird künftig rund 3.000 Haushalte mit sauberem, erneuerbarem Strom versorgen. Gleichzeitig bleibt die Fläche weiterhin produktiv: Rund die Hälfte wird als Ackerland genutzt – geplant sind unter anderem Hafer und später Soja –, die andere Hälfte als Grünland. Möglich macht diese Doppelnutzung ein modernes Anlagenkonzept mit einachsig nachgeführten Modulen, die den Energieertrag steigern und die Stromproduktion besser an den tatsächlichen Verbrauch anpassen.
Allein im Jahr 2026 nimmt die oekostrom AG insgesamt 30 MW aus Agri-PV-Projekten in Betrieb – ein klares Signal für den weiteren Ausbau regionaler Solarstromproduktion.
[...] Auch für die Bevölkerung bringt das Kraftwerk konkrete Vorteile: Bürger:innen aus Höhnhart erhalten Zugang zu einem exklusiven, vergünstigten Kraftwerktarif. „Uns ist wichtig, dass Gemeinden und Bürger:innen spürbar an den Projekten vor Ort teilhaben“, erklärt Vorstandsmitglied Jan Häupler. Damit soll die regionale Wertschöpfung gestärkt und die Akzeptanz für erneuerbare Energieprojekte weiter erhöht werden.
[...] Mit dem Kraftwerk in Herbstheim zeigt sich einmal mehr, wie Energiewende und Landwirtschaft sinnvoll kombiniert werden können – regional verankert, technologisch innovativ und mit direktem Nutzen für die Menschen vor Ort.
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1. März 2006 (INES-2) Akw Kozloduy, BGR
Bei der Leistungsreduzierung im Druckwasserreaktor russischer Bauart (WWER) stellten die Betreiber fest, dass 22 von 61 Steuerstäben nicht mit den Antriebsmechanismen bewegt werden konnten.
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Kernkraftwerk Kosloduj#Störfälle
Am 1. März 2006 fiel in Block 5 eine von vier Hauptkühlmittelpumpen aus, weshalb die Leistung durch Einfahren einer Gruppe von 6 Steuerstäben um 30 % reduziert werden sollte. Von diesen blieben jedoch 3 in der obersten Position hängen, woraufhin der Reaktor durch Einspritzen von Borsäure in den Kühlkreislauf heruntergefahren wurde. Anschließend wurde eine Schnellabschaltung durch Einfahren der restlichen neun Gruppen mit insgesamt 54 Steuerstäben simuliert, um deren Funktion zu überprüfen. Dabei zeigte sich, dass weitere 19 Steuerstäbe in gleicher Weise versagten (insgesamt also 22 von 60). Ursache der Störung war ein verändertes Design der Steuerstäbe seitens des Herstellers Gidropress. Im Falle eines gleichzeitigen Kühlmittelverlusts (z. B. durch Abreißen der Zuleitung) hätte deren Versagen zur Überhitzung und zum Schmelzen des Reaktorkerns führen können. Der Betreiber hatte den Zwischenfall ursprünglich auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse mit der Stufe 0 klassifiziert, aber die Aufsichtsbehörde ordnete ihn auf Stufe 2 ein. Der Störfall wurde erst zwei Monate später bekannt...
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Aktuelles+
1. März 2026
Solarer Vollstopp, vorgetäuschte Heiz-Freiheit und eine Koalition, die von RWE abschreibt
Haus- und Wohnungseigner sollten nicht dem fossilen Irrweg der "Eckpunkte" folgen, sondern dem Markt und der Vernunft, appelliert Carolin Dähling von der Energiegenossenschaft Green Planet Energy, Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Grünes Gas und Grünöl seien keine Lösung, zudem viel zu knapp und teuer.
Klimareporter°: Frau Dähling, mit dem Entwurf für das neue Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) holt die Regierungskoalition – nach dem Netzpaket und den Eckpunkten zum Gebäude-Klimaschutz – zum dritten Schlag gegen die Erneuerbaren aus. Wen trifft es denn jetzt?
Carolin Dähling: Am härtesten trifft es private Solaranlagen. Ab 2027 soll es für neue Photovoltaik-Dachanlagen unter 25 Kilowatt gar keine Einspeisevergütung mehr geben. Stattdessen ist eine Pflicht zur Direktvermarktung geplant, obwohl dafür die Voraussetzungen fehlen oder sich dies für die Anlagenbetreiber schlicht nicht rechnet.
Dazu kommen höhere Smart-Meter-Kosten sowie eine Drosselung der Einspeiseleistung. Das macht den Einbau für viele Hauseigentümer:innen bald unwirtschaftlich, trifft den Mittelstand und das Handwerk hart – und das gerade in einem Bereich, der bei der Bevölkerung den größten Rückhalt hat.
Dabei ist längst klar, dass die große Mehrheit der Eigenheimbesitzer:innen die Streichung der Einspeisevergütung ablehnt. Das gilt auch für die meisten Unions-Wähler:innen.
Das Wirtschaftsministerium redet von Kosteneffizienz, aber der Effekt für den Staatshaushalt wäre minimal, der Schaden für Arbeitsplätze und Unternehmen aber enorm. Der Solarausbau im privaten Segment geht schon jetzt zurück – mit diesen Plänen droht ein Vollstopp.
Manche Anlagen rechnen sich zwar auch ohne Förderung, aber was wird aus Mieterstrom-Modellen oder mit Familien, die nicht gleichzeitig in Batteriespeicher, Wärmepumpe und E‑Auto investieren können?
Auch bei Photovoltaik sind Reformen und die Weiterentwicklung der Förderung sinnvoll, dafür muss aber zuerst die Grundlage geschaffen werden: flächendeckende Smart Meter, eine faire Direktvermarktung und ein stabiler Strommarkt.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es immerhin im EEG-Entwurf: Die Ausschreibungsmengen für die erneuerbaren Energien bleiben bis 2032 planbar und steigen bei Solar-Freiflächen sogar an. Nach wie vor will die Bundesregierung den Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch bis 2030 auf 80 Prozent hochschrauben.
Das passt nur eben überhaupt nicht mit den neuen Hürden und Blockaden zusammen.
Beim Gebäude-Klimaschutz will die Koalition die Vorschrift streichen, in neuen Heizungen 65 Prozent erneuerbare Energien einzusetzen. Dafür sollen künftig Quoten für grünes Gas und grünes Öl gelten. Was halten Sie von den dazu von CDU, CSU und SPD vorgelegten Eckpunkten?
Das kommende Gebäudemodernisierungsgesetz wird den Trend zur Wärmepumpe nicht stoppen. Aber es sorgt für viele vermeidbare Fehlinvestitionen in Gasheizungen, die schon bald sehr teuer werden und über Jahrzehnte hinweg CO2 ausstoßen.
Betroffen sind Eigentümer:innen, die sich vom Signal vermeintlicher Wahlfreiheit täuschen lassen – und vor allem Mieter:innen. Denn Vermieter:innen werden kaum noch Anreize haben, auf klimafreundliches Heizen umzusteigen. Sie können die Mehrkosten für fossiles Heizen mit teuren Beimischungen einfach über die Betriebskostenabrechnung auf die Mieter:innen abwälzen.
Statt den Aufbruch in die klimafreundliche Zukunft fortzusetzen, suggeriert die Bundesregierung, man könne einfach weitermachen mit Öl und Gas – nur etwas teurer und mit einem grünen Etikett versehen.
Dabei hatten sich Verbraucher:innen, Handwerksbetriebe und Kommunen längst auf den Umbau eingestellt. Wärmepumpen boomen, die Förderprogramme werden gut angenommen, und die Wohnungswirtschaft ist bereit für den Wandel.
Jetzt aber werden sogar neue Ölheizungen wieder möglich. Das bremst die Modernisierung und schwächt unsere Wettbewerbsfähigkeit.
Auch rechtlich ist dieser Kurswechsel fragwürdig, denn er unterläuft die EU-Gebäuderichtlinie und das Klimaschutz-Verschlechterungsverbot im Verfassungsrecht.
Die Koalition wirft damit nicht nur ihre Klimaziele über Bord, sondern fällt sogar hinter das unter der großen Koalition 2020 beschlossene Gebäudeenergiegesetz zurück. Selbst uralte Kessel dürfen jetzt über 30 Jahre hinaus weiterlaufen, wenn ein bisschen Biomethan oder Wasserstoff beigemischt wird – ungeachtet von Herkunft, Wirkung oder Verfügbarkeit.
Das Ergebnis werden steigende Emissionen und eine noch größere Klimaschutzlücke im Gebäudesektor sein.
Positiv an den Eckpunkten ist immerhin, dass die Förderung für den Heizungsumstieg bis mindestens 2029 weitergehen soll. Das ist für viele Menschen entscheidend, um die Kosten einer Wärmepumpe zu stemmen. Jetzt braucht es stabile Förderbedingungen und eine gerechtere Förderlogik, damit auch Haushalte mit geringerem Einkommen investieren.
Trotz des Rückschritts bleibe ich zuversichtlich. Der Markt zeigt längst, wohin die Reise geht. Wärmepumpen sind physikalische Wundermaschinen – sie vervielfachen die eingesetzte Energie und arbeiten deutlich effizienter als jede Technologie, die Energie durch Verbrennung gewinnt und dabei große Verluste hinnehmen muss.
Mein Appell an alle Eigentümer:innen ist daher: Folgen Sie nicht diesem fossilen Irrweg, sondern dem Markt und der Vernunft. Schon heute lässt sich mit Wärmepumpen bares Geld sparen.
Wer künftig neue Gas- und Ölheizungen einbaut, soll laut den Eckpunkten ab 2029 einen Anteil von zehn Prozent an klimafreundlichen Brennstoffen einsetzen, nach Stand der Dinge wird das vor allem Biomethan sein. Die Biogasbranche sieht darin neue Chancen für ihren erneuerbaren Energieträger. Wie berechtigt ist das?
Erneuerbares Gas spielt eine wichtige Rolle für die Wärmewende. Viele Haushalte sind noch auf Gasheizungen angewiesen. Deshalb bieten wir bei Green Planet Energy ein Gasprodukt mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Gasen an, vor allem mit Biogas, das fossiles Erdgas Schritt für Schritt ersetzt und so einen messbaren Beitrag zur Energiewende leistet.
Gleichzeitig ist klar: So ein Produkt ist keine Dauerlösung und auch nicht deutschlandweit sinnvoll. Die verfügbaren Mengen an hochwertigem Biomethan sind begrenzt und entsprechend wertvoll. Für alle, die die Möglichkeit haben, ist der Umstieg auf eine Wärmepumpe oder Fernwärme die bessere Wahl.
Für die Biomethan-Branche kann die geplante Grüngas-Quote langfristig zwar neue Vermarktungschancen eröffnen. Viele bestehende Biomasse-Anlagen sind jedoch auf die Stromerzeugung ausgelegt. Investitionen in Technik und Gasnetzanbindung wären notwendig, die vielerorts gar nicht möglich sind.
Gleichzeitig gerät die Nachhaltigkeit der Gasproduktion unter Druck: Wenn der Markt stark wächst, könnten Produzenten vermehrt auf günstigere, weniger umweltschonende Einsatzstoffe setzen, um preislich mithalten zu können.
Der Wettbewerb um Biomethan wird sich dadurch weiter verschärfen, denn auch Industrie und andere Sektoren sind auf erneuerbare Gase angewiesen. Wird die Quote jedoch so ausgestaltet, dass sie den Einbau zahlreicher neuer Gasheizungen begünstigt, droht sie das eigentliche Ziel zu verfehlen: Statt Klimaschutz voranzubringen, würde sie zusätzliche Engpässe bei erneuerbarem Gas schaffen, das dann in anderen Bereichen zur Dekarbonisierung fehlt.
Zugleich ist die angekündigte "Bio-Treppe" viel zu spät und zu niedrig angesetzt, um die Klimawirkung der gestrichenen 65-Prozent-Regel zu ersetzen. Bis 2029 muss sich im Bestand erst einmal gar nichts ändern. Und dann sind lediglich zehn Prozent Grüngasquote für neu installierte Heizungen geplant.
Kurz gesagt, Grüngas und grünes Öl sind keine echte Lösung, sie sind viel zu knapp und extrem teuer. Wer sich heute für eine fossile Heizung entscheidet, zahlt morgen doppelt – mit steigenden CO2-Kosten, hohen Beimischpreisen und einem sinkenden Immobilienwert.
Das sogenannte Netzpaket von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) haben Sie als "Frontalangriff auf die Energiewende" bezeichnet. Befürworter des Gesetzespakets verweisen aber darauf, dass die erneuerbaren Energien schon an die 60 Prozent des Strombedarfs abdecken und damit auch Verantwortung übernehmen müssen, dass die Netze nicht überlastet werden und die Netzentgelte nicht zu sehr steigen. Wie gehen Sie mit dieser Kritik um?
Wir lehnen das Netzpaket in der jetzigen Form ab, weil es den Ausbau der Erneuerbaren in vielen Regionen massiv ausbremsen würde. Auf unsere Initiative hat sich eine breite Allianz aus mehr als 20 Hamburger Energieunternehmen an die CDU gewandt und eine sofortige Abkehr von den Plänen des Bundeswirtschaftsministeriums gefordert.
Die Grunddiagnose ist ja richtig: Es gibt ein echtes Problem mit den Netzen. Wir müssen Ökostrom effizienter nutzen, statt ihn teuer abzuregeln.
Die Frage ist, was daraus folgt. Geht es nach Wirtschaftsministerin Reiche, ist in Netzgebieten mit einer Redispatch-Quote von über drei Prozent – also Regionen, in denen mehr als drei Prozent der jährlichen Ökostromproduktion wegen Netzüberlastung abgeschaltet werden müssen – künftig wohl gar kein Neubau von Erneuerbaren-Anlagen mehr möglich.
Denn Betreiber sollen dort umfangreich und für die Dauer von zehn Jahren auf Entschädigungszahlungen verzichten müssen, um einen Netzanschluss zu bekommen. Das würde vor allem den Ausbau im Norden, im Osten und in Bayern drastisch einschränken. Allein schon dieser "Redispatch-Vorbehalt" macht Projekte unwirtschaftlich.
Kritisch zu sehen ist außerdem, dass die knapp 900 Verteilnetzbetreiber noch mehr Macht erhalten sollen. Sie können Kapazitäten für Großprojekte wie Rechenzentren oder Elektrolyseure reservieren – Wind- und Solaranlagen müssen sich dann hinten anstellen.
Sogar schon genehmigte Erneuerbaren-Projekte verlieren so Planbarkeit und Finanzierbarkeit. Ohne klare gesetzliche Leitplanken entscheiden dann Netzbetreiber über politische Ziele. Die EEG-Ausbaupfade dürfen nicht auf diese Weise heimlich sabotiert werden.
Bei dieser Kritik bleiben wir aber nicht stehen. In einem offenen Brief an Katherina Reiche haben wir im Bündnis für smarte Netze Lösungen aufgezeigt. Es braucht einen flächendeckenden Smart-Meter-Rollout und ein Fachgremium im Wirtschaftsministerium für digitale Steuerung statt reiner Mangelverwaltung.
Intelligentes Netzmanagement ist das Mittel der Wahl, nicht die Verweigerung. Wer echte Kosteneffizienz will, muss fossile Kraftwerke stoppen, den Erneuerbaren-Ausbau beschleunigen, die Sektorenkopplung vorantreiben und Netzbetreiber stärker in die Verantwortung nehmen. Denn bei der Digitalisierung der Netze sind sie viel zu langsam vorangekommen.
Wegen unzureichend ausgebauter Netze ausgerechnet die Erneuerbaren zu bremsen, löst nicht die eigentlichen Probleme. Das verzögert nur den notwendigen Ausbau. Den hat die Bundesregierung auf dem Papier ja weiterhin zum Ziel erklärt.
Und was war Ihre Überraschung der Woche?
In dieser Woche wurde ein RWE‑Strategiepapier bekannt, das wirklich uns alle alarmieren muss: Die Bundesregierung hat den Konzern gezielt um eine Einschätzung zu Ausschreibungen für Erdgaskraftwerke gebeten.
In dem Papier werden Batteriespeicher benachteiligt und Gaskraftwerke massiv bevorzugt. Genau davor hat Green Planet Energy gewarnt – und genau deshalb hatten wir Beschwerde gegen die jetzige Kraftwerksstrategie eingelegt.
Jetzt zeigt sich, wie Großkonzerne wie RWE ihre fossilen Interessen durchsetzen – gegen innovative Erneuerbaren-Lösungen und auf Kosten der Bürger:innen. Das ist ganz klar wettbewerbsverzerrend.
Die Folgen wären dramatisch: längere fossile Abhängigkeit und Machtkonzentration bei wenigen Giganten.
Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur warnen seit Jahren vor der Machtkonzentration bei wenigen Energiekonzernen. Wir brauchen stattdessen offene Verfahren für alle Technologien, von Batteriespeichern über Pumpspeicher bis zu nachhaltiger Biomasse. Wie offenkundig diese Regierung fossile Konzerninteressen bedient und ihre Ideen bei RWE und Co abschreibt, ist erschreckend.
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Hintergrundwissen
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Wikipedia
Wärmepumpe
Eine Wärmepumpe ist allgemein eine Kraftwärmemaschine, die unter Aufwendung technischer Arbeit thermische Energie aus einem Reservoir mit niedrigerer Temperatur (in der Regel ist das die Umgebung) aufnimmt und – zusammen mit der Antriebsenergie – als Nutzwärme auf ein zu beheizendes System mit höherer Temperatur überträgt. Umgangssprachlich ist damit meist die Wärmepumpenheizung gemeint, die in Gebäuden für Heizzwecke eingesetzt wird.
Weitere Anwendungen sind die Brauchwassererwärmung, die Erzeugung von Prozesswärme und der Einsatz in Wäschetrocknern. Den Kreisprozess der Wärmepumpe verwendet man auch zum Kühlen (so beim Kühlschrank oder der Klimaanlage). Im Gegensatz zur Wärmepumpe ist beim Kälteprozess die aus dem zu kühlenden Raum abgeführte Wärme die Nutzenergie, die zusammen mit der Antriebsenergie als Abwärme an die Umgebung abgeführt wird...
Energiewende
Energiewende, auch Energietransition, bezeichnet im Deutschen den Übergang von einer fossilen Energieversorgung zu einem nachhaltigen Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien. In einigen Ländern – etwa Deutschland – umfasst dieser Prozess auch den Ausstieg aus der Kernenergie. International ist überwiegend der englische Begriff energy transition gebräuchlich, während Energiewende im engeren Sinne meist die deutsche Ausprägung dieses Transformationsprozesses bezeichnet.
Der Begriff wurde nach dem 1980 erschienenen Buch Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran des Öko-Instituts kulturell rezipiert und teilweise als Lehnwort in andere Sprachen übernommen (beispielsweise „The German Energiewende“ oder „A Energiewende alemã“).
Ziel der Energiewende ist, die von der konventionellen Energiewirtschaft verursachten ökologischen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Probleme zu minimieren und die dabei anfallenden, bisher im Energiemarkt kaum eingepreisten, externen Kosten vollständig zu internalisieren. Angesichts der maßgeblich vom Menschen verursachten Globalen Erwärmung ist heutzutage besonders die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft durch Beendigung der Nutzung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Erdgas von Bedeutung. Ebenso stellen die Endlichkeit fossiler Energieträger sowie die Gefahren der Kernenergie wichtige Gründe für die Energiewende dar. Die Lösung des globalen Energieproblems gilt als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts...
Die großen Vier (Energieversorgung)
Die großen Vier waren die vier größten Energie-/Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) in Deutschland: E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall.
Zu den „großen Vier“ gehörten auch zahlreiche Tochterunternehmen, wie z. B. Eprimo und E wie einfach (jeweils zu 100 Prozent im Besitz von E.ON), Naturenergie plus und Yello Strom (zu 100 Prozent im Besitz von EnBW).
Im Rahmen der Liberalisierung der Energiemärkte in der Europäischen Union wurden in Deutschland im Laufe der 1990er- bis Anfang der 2000er-Jahre aus ehemals acht großen Energiekonzernen nur noch vier. „Die großen Vier“ hielten in den ersten Jahren der Liberalisierung ein Oligopol in der Stromerzeugung mit beträchtlicher Marktmacht. So urteilte der Monitoringbericht 2007 von Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt:
..., dass E.ON und RWE ca. 52 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten in 2003 und 2004 zur Verfügung stehen. Die vier größten Stromversorgungsunternehmen kommen in diesem Zeitraum auf einen gemeinsamen Anteil von über 82 Prozent. Auch bei der in diesen Jahren erzeugten Nettostrommenge zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Anteile auf geringfügig höherem Niveau. E.ON und RWE halten einen gemeinsamen Anteil von rund 60 Prozent in diesen Jahren, der Anteil der vier größten Stromversorgungsunternehmen liegt bei rund 90 Prozent.
Der Anteil Erneuerbarer Stromerzeugung, im Jahr 2007 bei 14,2 % vom Stromverbrauch, wird bei diesen Prozenten außen vorgelassen...
Katherina Reiche
Katherina Birgitt Reiche (* 16. Juli 1973 in Luckenwalde) ist eine deutsche Politikerin (CDU), ehemalige Lobbyistin und Managerin. Sie ist seit dem 6. Mai 2025 Bundesministerin für Wirtschaft und Energie im Kabinett Merz.
Zuvor war sie von 1998 bis 2015 Mitglied des Deutschen Bundestages, von 2005 bis 2009 eine der stellvertretenden Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Von 2009 bis 2013 war sie Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und von 2013 bis 2015 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. Im September 2015 verzichtete sie auf ihr Bundestagsmandat.
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag arbeitete Reiche als Hauptgeschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und als Vorsitzende der Geschäftsführung von Westenergie. Von Juni 2020 bis zu ihrem Amtsantritt als Ministerin war sie Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrates der Bundesregierung...
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