Newsletter V 2026

1. bis 7. Februar

***


Aktuelles+ Hintergrundwissen

Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...

Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.

 

Februar 2008 (INES Klass.?) Atomfabrik La Hague, FRA

Februar 2008 (INES Klass.?) Akw Paluel, FRA

1. Februar 2010 (INES Klass.?) Akw Vermont Yankee, USA

4. Februar 2008 (INES-0) Akw Krümmel, DEU

5. Februar 1958 (Broken Arrow) Tybee Island, Georgia, USA

6. Februar 1974 (INES-5) Akw Sosnowy Bor, Leningrad, UdSSR

8. Februar 2004 (INES-0) Akw Biblis, DEU

12. Februar 2013 (Nordkoreas 3. Atomwaffentest) P'unggye-ri, PRK

13. Februar 1960 ("Gerboise bleue", Frankreichs 1. Atombombentest) Reggane, DZA

13. Februar 1950 (Broken Arrow) Princess Royal Island, BC, CAN

16. Februar 2011 (INES-2 Klass.?) Atomfabrik Tricastin, FRA

22. Februar 1977 (INES-4) Akw Jaslovské Bohunice, SVK

 

Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de

 


7. Februar


 

Wachsende Kritik: Diese Probleme werden für Donald Trump zur Herausforderung

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Während Trump international die große Bühne sucht, verliert er in den USA zunehmend an Zustimmung. Welche Herausforderungen die US-Regierung hat.

Washington, D. C. – Tausende Menschen auf den Straßen von Minneapolis. Blumen liegen auf der Straße vor einem Zaun. An ihm ist ein Schild befestigt. „Live like Alex“, steht auf dem weißen Papier. Es sind Szenen eines Landes, das sich zunehmend gegen Donald Trumps Politik wehrt. Und das nicht nur in demokratischen Hochburgen wie Minneapolis. Immer mehr Zeichen deuten darauf hin, dass auch im republikanischen Lager der Widerstand wächst.

Das deutlichste Zeichen sind die jüngsten Umfragen. Laut dem Pew Research Center sind 61 Prozent der Befragten mit der Arbeit von Donald Trump unzufrieden. Vor allem unter den Republikanern wächst die Unzufriedenheit. Die Unterstützung für Trumps Politik ist laut Pew um mehr als 10 Prozentpunkte zurückgegangen. Im Februar des vergangenen Jahrs gaben 67 Prozent an, dass sie alle oder die meisten Pläne und politischen Maßnahmen von Trump unterstützten. Im Januar 2026 sind es noch 56 Prozent. Und laut Umfragen zu den Anfang November stattfindenden Midterm-Wahlen liegen die Demokraten derzeit mit rund fünf Prozentpunkten vor den Republikanern. Mehrere Faktoren könnten in diese wachsende Unzufriedenheit hineinspielen.

1. ICE-Einsätze in Minnesota Grund für wachsende Unzufriedenheit mit Donald Trump

Im Januar wurden in Minneapolis Alex Pretti und Renée Good bei Einsätzen von ICE und der Grenzschutzpolizei CBP erschossen. Die beiden US-Bürger hatten gegen die „Operation Metro Surge“ protestiert, einen der größten Einsätze der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE. Die Trump-Regierung gab in den jeweiligen Pressekonferenzen nach dem Tod der beiden Zivilisten an, sie hätten eine Gefahr für die ICE-Beamten dargestellt. Bild- und Videoaufnahmen der Vorfälle schüren allerdings heftige Zweifel an dieser Darstellung. Eher sieht es so aus, dass sowohl Pretti als auch Good friedlich waren. Renee Good wurde in ihrem Auto erschossen, als sie von einem ICE-Beamten vorbeifuhr. Alex Pretti wurde erschossen, als er bereits am Boden kniete und entwaffnet war.

Durch die in den sozialen Medien kursierenden Videos waren die Aussagen der Trump-Regierung und der zuständigen Heimatschutzministerin Kristi Noem für viele Amerikaner deutlich als Lügen zu erkennen. Die Vorfälle lösten eine Protestwelle im gesamten Land aus. Inzwischen hat Donald Trump eingeräumt, in Minneapolis hätte es „etwas sanfter“ zugehen müssen.

[...] Insgesamt wächst die Kritik an Donald Trumps Politik in den USA. 37 Prozent der Befragten der Pew-Studie sagen aber auch, dass sie zufrieden damit sind, wie Trump das Land führt. Wie langfristig der stellenweise existierende Widerstand gegen Trump ist, wird sich noch herausstellen. Die im November anstehenden Zwischenwahlen im Senat und Repräsentantenhaus könnten zeigen, auf wie viel Rückhalt Donald Trump zählen kann. Bis dahin ist es jedoch noch eine lange Zeit. Und die größte Waffe der aktuellen US-Regierung ist die strategische Diskreditierung objektiver Berichterstattung, das Verbreiten von Falschinformationen und die Unterminierung des Vertrauens in den Journalismus.

*

Protest gegen AfD-Jugend

„Faschos nerven“

Am Samstag gründeten sich in Berlin der Landesverband der Generation Deutschland. Ein Teilnehmer des Gegenprotests wurde dabei von einem Pkw angefahren.

Berlin taz Am Samstag gründete sich in Berlin der Landesverband der AfD-Jugend „Generation Deutschland“, begleitet von Gegenprotest. Doch bis kurz vor Beginn der Gründungsversammlung um 14 Uhr herrschte Ungewissheit über den Austragungsort des Protests bei den Antifa-Aktivist:innen. Eifrig versuchten diese den Veranstaltungsort herauszufinden. In bewährter antifaschistischer Manier wurden Orte abgeklappert, die für die Gründung der AfD-Jugend infrage kommen.

Mit einem Post auf Social Media versuchte der AfD-Politiker Martin Kohler, kurzzeitig eine falsche Fährte zu legen und den Gegenprotest nach Pankow zu leiten, wo die AfD einen Veranstaltungsraum hat, der auch als das „Braune Haus“ bekannt ist. Doch rund eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung herrschte schließlich Gewissheit: Mit dem Slogan „Auf gehts, ab gehts, Faschos nerven“ machte ein Aufruf die Runde, zur Bundeszentrale der extrem rechten Partei in Berlin Wittenau zu kommen. Dort hat neben der Bundespartei auch die Berliner AfD ihren Hauptsitz.

Über den Ort des Geschehens war die Berliner Polizei offensichtlich besser informiert. Diese hatte sich schon vor der AfD-Parteizentrale positioniert und die Zufahrtsstraßen rings um die Parteizentrale abgeschirmt. Mit Tröten, Trillerpfeifen, Topfschlagen und bekannten Parolen wie „Ganz Berlin hasst die AfD“ brachten die nach und nach ankommenden Teilnehmenden des Gegenprotests lautstark ihren Unmut gegen die Gründung der AfD-Jugendorganisation zum Ausdruck. Dieser fiel jedoch übersichtlich aus. Augenscheinlich etwa 200 Personen versammelten sich vor der Parteizentrale. „Wir werden immer wieder gegen die AfD auf die Straße gehen“, schallte es dort aus einem Lautsprecher.

Kurzfristig zum Protest gegen die Gründungsveranstaltung der Berliner AfD-Jugend aufgerufen hatte ein Bündnis verschiedener Organisationen, darunter etwa die Initiativen Widersetzen und Studis gegen rechts. Von zwei Seiten versuchten die An­ti­fa­schis­t:in­nen den Weg zur Parteizentrale abzuriegeln. Zu spät allerdings, denn der Großteil der AfD-Mitglieder war da schon im Gebäude.

Gegendemonstrant angefahren

Laut übereinstimmenden Aussagen mehrerer Teilnehmender des Gegenprotests soll zuvor ein Demonstrationsteilnehmer, der auf einem Fahrrad unterwegs war, von einem Pkw angefahren worden sein, dessen Fahrer sich gerade auf dem Weg zur Gründung der AfD-Jugend befand. Der betroffene Aktivist berichtete der taz, der Fahrer habe den Motor zuvor mehrfach aufheulen lassen. „Das war auf jeden Fall vorsätzlich“, äußerte sich der Betroffene zu dem Vorfall. Der Zusammenstoß ging glimpflich aus und der Betroffene kam mit leichten Schmerzen am Bein davon. Nun ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung...

*

Deepfake-Betrug auf Rekordniveau: KI macht Täuschung massentauglich

Vom Enkeltrick bis hin zu gefälschten Bewerbungen: KI macht Betrugsmaschen nicht nur günstiger und schneller, sondern auch schwieriger erkennbar. Die Zahl der Vorfälle hat weltweit massiv zugenommen.

Deepfake-Betrug hat inzwischen ein industrielles Ausmaß erreicht. Laut einer Analyse der AI Incident Database sind Werkzeuge zur Erstellung maßgeschneiderter und teils sogar personalisierter Betrugsmaschen längst keine Nischenprodukte mehr. Stattdessen lassen sie sich kostengünstig und in großem Umfang einsetzen. „Die Möglichkeiten haben plötzlich ein Niveau erreicht, auf dem so gut wie jede:r gefälschte Inhalte produzieren kann“, sagte Simon Mylius gegenüber The Guardian. Der MIT-Forscher ist selbst an einem Projekt im Zusammenhang mit der AI Incident Database beteiligt. „Es ist so leicht zugänglich geworden, dass es praktisch keine Einstiegsbarrieren mehr gibt.“

Betrugsfälle erreichen neuen Rekord

Die AI Incident Database dokumentiert Vorfälle, bei denen KI-Systeme Schäden verursacht haben oder zumindest kurz davor waren. Sie erfasst unter anderem Verkehrsunfälle autonomer Fahrzeuge oder Fehlidentifikationen durch Gesichtserkennung. Ziel der Datenbank ist es, Muster zu erkennen, um ähnliche Vorfälle künftig zu vermeiden. Mylius hat allerdings berechnet, dass Betrug und gezielte Manipulationen in elf der vergangenen zwölf Monate den größten Anteil der gemeldeten Fälle ausmachten. Die konkreten Betrugsformen unterscheiden sich zwar, haben jedoch eines gemeinsam: Sie beruhen auf dem Einsatz von KI.

So überwies beispielsweise ein Finanzverantwortlicher eines global agierenden Unternehmens aus Singapur im vergangenen Jahr fast 500.000 Dollar an Betrüger:innen, da er fälschlicherweise annahm, sich in einem Videoanruf mit der Unternehmensführung zu befinden. Auch in Bewerbungsverfahren kommen Deepfakes zunehmend zum Einsatz. Werden solche gefälschten Bewerber:innen eingestellt, besteht das Risiko, dass sensible Unternehmensdaten gestohlen oder Schadprogramme eingeschleust werden. Und auch der klassische Enkeltrick erlebt durch realistisch klingende KI-Stimmen einen neuen Aufschwung.

[...] „Das Ausmaß ändert sich“, bestätigte Fred Heiding, der in Harvard selbst zu KI-gestützten Betrugsformen forscht. „Es wird so billig, dass fast jede:r es jetzt nutzen kann. Die Modelle werden immer besser – sie werden viel schneller, als die meisten Expert:innen denken.“ Das größte Risiko stehe allerdings noch bevor. Während Deepfake-Stimmen schon sehr realistisch sind, erreichen Videos bislang noch nicht die gleiche Qualität. Sobald sich das ändert, ist mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Betrugsfälle zu rechnen.

*

Kriegsende?

Der 21-Punkte-Plan von Donald Trump hat den Waffenstillstand im Gazakrieg gezeitigt, mithin den Krieg beendet. Stimmt das überhaupt?

Viele hohle Worte sind in den letzten beiden Jahren zur Beschreibung von Abläufen und Entwicklungen im Gazakrieg verwendet worden. Zu den trügerischsten gehören in letzter Zeit “Waffenstillstand” und “Kriegsende”. Nachdem Donald Trumps 21-Punkte-Plan in Kraft trat, wurden die Kampfhandlungen offiziell eingestellt. Das hat mit der Realität indes nichts zu tun, denn die israelischen Angriffe dauern auch in diesen Tagen an.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums im Gazastreifen (die mittlerweile auch in Israel als glaubwürdig eingestuft werden) wurden seit Inkrafttreten des Waffenstillstandsabkommens bis zum 17.1.2026 464 Menschen getötet, darunter mindestens 100 Kinder, und 1275 weitere durch Beschuss israelischer Streitkräfte verletzt. Inzwischen ist die Zahl der Toten, verschiedenen Quellen zufolge, schon auf weite über 500 PalästinenserInnen angestiegen. In Israel werden diese Daten weitgehend trocken registriert (wenn sie überhaupt berichtet werden), ohne sich mit “dem Thema” weiter größer zu befassen.

Mehrere Gründe lassen sich dafür anführen. Zum einen ist für das Gros der israelischen Bevölkerung der Krieg mit der “Befreiung” der letzten (toten) Geisel und ihrer kollektiv gefeierten Bestattung an sein Ende gelangt. Das Schicksal der Palästinenser während und nach dem (vermeintlichen) Ende des Krieges interessiert die allerwenigsten jüdischen BürgerInnen. Die Aufmerksamkeit richtet sich nunmehr auf die Frage der Nominierung einer staatlichen Kommission zur Untersuchung der Katastrophe des 7. Oktobers und des nicht minder katastrophalen Krieges, den Israel vom Zaun gebrochen hat. Dies wiederum hat primär mit der unmittelbar nach dem 7. Oktober begonnenen, perfiden Regierungpraxis zu tun, der es darum geht, sämliche Schuld am Desaster von sich abzuwälzen und sie der Armee und den Geheimdiensten zuzuschreiben. Denn Wahlen stehen dieses Jahr an, und nichts ist der Regeirungskoalition bedrohlicher, als der mögliche Macht- und Herrschaftsverlust. Gelogen wird dabei am laufenden Band, ohne die mindeste Verunglimpfung und giftige Besudelung aller Gegner der Regierung (und Netanjahus) auszulassen.

Zum zweiten sind der israelische Premier und seine Getreuen ohnehin nicht an einer wirklichen Beendigung des Krieges interessiert. Das hat vor allem damit zu tun, dass sie den perpetuierten Kriegszustand brauchen, um besagte Untersuchungskommission zu verhindern (in Kriegszeiten dürften die Herrschenden nicht kritisiert bzw. am Vollzug ihres Amtes behindert werden); aber auch damit, dass sie von ihren kahanistischen Koalitionspartnern kritisch angegangen werden: Die Kriegsziele seien gar nicht erreicht worden, der von Netanjahu proklamierte “totale Sieg” sei ausgeblieben; die Hamas bestehe noch, reorganisiere sich und sei mitnichten entwaffnet worden; man habe zwar nicht einen vollen Rückzug aus dem Gazastreifen begehen müssen, aber viele “militärische Errungenschaften” seien infolge der schwachen Haltung der Regierung (gegenüber Trump) preisgegeben worden.

[...] Zum anderen bedient die politische Praxis und die ihr anverwandten katzbuckelnden Medien die Ablenkung von den realen Gegebenheiten durch die Schaffung und gegebenenfalls Aufblähung von immer neuen Kampfgebieten, Herausforderungen und Sensationen. Wenn man den nicht erlangten “totalen Sieg” kaschieren will, kann man leicht neue (bzw. alt-neue) Fronten öffnen: Während Gaza blutet, hält die israelische Bevölkerung seit geraumer Zeit den Atem an, ob ein neuer Krieg mit dem Iran bevorsteht. Wen interessiert da noch das horrende Schicksal von palästinensischen Kindern im Gazastreifen, das Pep Guradiola zum Thema erhob (und die Empörung der Sportmedien in Israel entfachte).

Im Zeitalter eines Trumps wechseln die Diskurs- und Erregungsschauplätze in immer kürzeren Zeitabständen: Der Venezuela-Übergriff ist vom Grönland-Vorhaben abgelöst worden, die neue “Bedrohung” Kuba ist mittlerweile angesagt, Iran schwebt in der Luft, etc.pp. Der Krieg in der Ukraine ist schon längst “uninteressant” geworden. In Israel war er noch nie sonderlich “interessant”; man hat ja seinen eigenen Krieg. Wenn jetzt mit Iran ein neuer Waffengang losbrechen sollte (das hängt ganz von Trump ab), wird es für Israels (und Irans) Bevölkerung desaströs. Die IDF-Gewalt in Gaza (und der Siedler-Terror im Westjordanland) darf dabei dennoch weitertoben. In Israel rührt das kaum jemand an, und wenn, dann nur, um dem permanenten Krieg noch eindringlicher das Wort zu reden. Kriegsende? Eher ein zynisch orchestriertes “Missverständnis”.

 


6. Februar


 

Neues Atomkraftwerk

Paks II in Ungarn: Russland startet AKW-Bau – Siemens Energy in heikler Lage

Russland beginnt mit dem Bau von Paks II in Ungarn. Deutsche Technik ist beteiligt – doch Berlin kann kaum eingreifen. Warum das zum politischen Problem wird.

Russland baut – mitten in der EU. Mit dem Gießen des ersten Betons hat der Staatskonzern Rosatom am Donnerstag in Ungarn den Bau des neuen Atomkraftwerks Paks II offiziell gestartet. Nach Standards der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) befindet sich das AKW damit offiziell „im Bau“.

Der Baustart wurde von Rosatom-Chef Alexej Lichatschow und IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi begleitet – ein seltenes Bild internationaler Legitimation. Es markiert einen heiklen Moment: Während Europa seine Energieabhängigkeit von Russland reduzieren will, entsteht ausgerechnet in einem EU-Land ein neues russisches Großprojekt.

Rosatom liefert den Reaktor – Siemens Energy die Schlüsseltechnik

Für Deutschland ist das brisanter, als es auf den ersten Blick scheint. Nicht nur, weil die Bundesrepublik aus der Atomkraft ausgestiegen ist und bei Dunkelflauten zunehmend Strom aus dem Ausland importiert, vor allem aus Frankreich. Sondern auch, weil Siemens Energy Paks II mit Schlüsseltechnik für den konventionellen Betrieb des Kraftwerks beliefert.

Die nukleare Technologie – Reaktordesign, Kerntechnik und Brennstoffsysteme – stammt vollständig von Rosatom. Siemens Energy seinerseits liefert konventionelle, gleichwohl sicherheitsrelevante Komponenten für den nichtnuklearen Teil der Anlage, darunter Turbinen, Generatoren und Leittechnik. Diese Systeme entscheiden darüber, wie stabil und sicher das Kraftwerk Strom produziert und ins Netz einspeist.

[...] Der Staatskonzern mit Sitz in Moskau ist zudem nicht nur in Ungarn aktiv, sondern bleibt trotz des Ukraine-Krieges einer der einflussreichsten Akteure der globalen Kernenergie. Rosatom baut derzeit nach eigenen Angaben mehr als 40 Reaktoren in elf Ländern und hält rund 17 Prozent des Weltmarkts für nuklearen Brennstoff. Innerhalb der EU sind zahlreiche Reaktoren auf russische Technologie, Wartung oder Brennstofflieferungen angewiesen.

Genau diese Abhängigkeiten erklären zusätzlich, warum es bislang keine EU-Sanktionen gegen Rosatom gibt – und warum der Baustart von Paks II mehr ist als ein ungarisches Sonderprojekt. Er zeigt, wie begrenzt Brüssels Handlungsspielraum in der Kernenergie tatsächlich ist – trotz weiterer Bemühungen, Russland aus diesem Bereich zurückzudrängen.

*

„Rückwärtsgewandte Symbolpolitik“

CSU-Mann nennt Atomkraft-Pläne unrealistisch

CSU-Chef Markus Söder kämpft seit Jahren für die Kernenergie. Ausgerechnet der Energiepolitiker Steffen Vogel widerspricht nun im Landtag deutlich: „Es wird in Deutschland kein Atomkraftwerk mehr gebaut werden.“

Es ist demnächst drei Jahre her, seit das letzte bayerische Atomkraftwerk vom Netz gegangen ist, Isar 2 bei Landshut. Doch der Phantomschmerz ist im Freistaat noch immer groß. Besonders heftig ist die Nuklear-Nostalgie bei den Vertretern der Vergangenheitspartei AfD ausgeprägt. Aber auch in der CSU und vor allem bei Parteichef Markus Söder herrscht Sehnsucht nach Kühltürmen und Radioaktivität.

„Die Option Kernkraft muss offengehalten und die Wiederinbetriebnahme der zuletzt abgeschalteten Kernkraftwerke geprüft werden“, forderte er im Bundestagswahlkampf vor einem Jahr. Weil selbst Söder nach der Wahl einsehen musste, dass eine Reaktivierung von Isar 2 praktisch unmöglich ist, verlegte er sich zuletzt auf eine neue Forderung: sogenannte Mini-AKWs (Small Modular Reactors).

Als Vorbild für Bayern nannte Söder einen Kleinreaktor in Kanada, bei dem es sich allerdings um eine Forschungsanlage aus dem Jahr 1959 handelt. Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung kam zum Ergebnis, dass eine Marktreife der Minimeiler nicht absehbar sei. „Nach wie vor bestehen erhebliche Forschungs- und Entwicklungsbedarfe.“

Auch in der CSU gibt es inzwischen ernst zu nehmende Stimmen, die keine Atommärchen mehr verbreiten wollen. „Es wird in Deutschland kein Atomkraftwerk mehr gebaut werden“, rief der CSU-Abgeordnete Steffen Vogel in der jüngsten Landtagssitzung Richtung AfD-Fraktion, als diese mal wieder Kühlturm-Romantik verströmt hatte. „Das ist unrealistisch. Das muss man einfach benennen dürfen.“

Von AfD-Zwischenrufen unbeeindruckt („Sagen Sie das dem Söder!“) fuhr der Energiepolitiker fort: Es gebe keine Mitarbeiter mehr, Genehmigungen seien unrealistisch, hinzu kämen Klagerisiken. „Wir sind bei diesem Thema durch, und deshalb ist das rückwärtsgewandte Symbolpolitik, wenn Sie so etwas fordern.“...

*

Merz-Plan für Kernfusion: Zentraler Denkfehler könnte Deutschland zurückwerfen

Als Verheißung grenzenloser Energie zieht die Kernfusion derzeit massive politische Aufmerksamkeit auf sich. Doch die Begeisterung für diese Zukunftstechnologie droht den Blick auf die zeitlichen Realitäten der Energiewende zu vernebeln.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Kernfusion zur strategischen Zukunftstechnologie erklärt und zugleich die Windenergie rhetorisch zur Übergangslösung herabgestuft. Das klingt nach Aufbruch, beruht aber auf einem grundlegenden Denkfehler. Es vermischt technologische Zeithorizonte mit politischen Aufgaben. Die Folgen wären nicht abstrakt, sondern energie-, industrie- und klimapolitisch spürbar.
Kernfusion ist ein langfristiges Versprechen

Ausgangspunkt der aktuellen Debatte ist ein Panel auf dem Handelsblatt-Energiegipfel 2026. Dort wurde deutlich, wie groß die Lücke zwischen politischem Anspruch und industrieller Realität der Kernfusion noch ist. „Fusion kann langfristig eine wichtige Ergänzung im Energiesystem werden“, betonte dabei der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) zufolge Thomas Riekert, TÜV NORD-Experte und Vorsitzender der Kommission Kerntechnik des TÜV-Verbands. „Aber wir müssen ehrlich sagen: Zentrale technische und regulatorische Fragen sind noch nicht gelöst.“

In der Fachwelt gilt die Fusion unstrittig als potenziell revolutionäre Energiequelle. Gleichzeitig herrscht Einigkeit darüber, dass sie keine Lösung für die nächsten Jahrzehnte darstellt. Das spiegelt auch die offizielle Linie der Bundesregierung wider. Im „Aktionsplan Fusion“ hält das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fest, dass die Technologie keine kurzfristige Antwort auf die Energieversorgung sein kann. Der Schwerpunkt liegt auf Forschung, Infrastruktur und technologischen Demonstratoren, nicht auf dem Bau eines marktreifen Kraftwerks. Bis 2029 sind dafür über zwei Milliarden Euro vorgesehen.

[...] Eine Wette ohne Einsatz

Die Diskrepanz zwischen dem politischen Anspruch des Kanzlers und der industriellen Realität bleibt damit eklatant. Solange die Bundesregierung die Fusion zwar zur Chefsache erklärt, aber im Gegensatz zur internationalen Konkurrenz die notwendigen Milliarden für den Kraftwerksbau schuldig bleibt, ist die Technologie keine Strategie, sondern eine Wette.

Das eigentliche Problem ist dabei nicht die Begeisterung für die Fusion, sondern der Versuch, sie bereits heute politisch gegen die Windkraft in Stellung zu bringen. Sollte sich der optimistische Zeitplan der Fusionsbefürwortenden an der harten Realität aus Materialmangel und Tritiumknappheit verzögern, stünde Deutschland ohne Plan B da – mit einer vernachlässigten Windkraftbranche und einer Fusionsindustrie, die mangels Kapital abgewandert ist.

*

Energie

Batterie-Elektroden aus Hohlkugeln und Rost

Mit Eisenoxid gefüllte Kohlenstoff-Kugeln könnten Lithium-Ionen-Akkus verbessern

Akku-Optimierung: Ein neuer Elektrodentyp könnte Lithium-Ionen-Akkus günstiger, umweltfreundlicher und unabhängig von kritischen Rohstoffen machen. Möglich wird dies durch eine Art Gel aus Kohlenstoff-Hohlkugeln, in deren Poren Eisenoxid eingelagert ist – Rost. Dieses rostige Spherogel kann Lithiumionen elektrochemisch speichern und wieder abgeben. In ersten Tests erreichte diese Rost-Anode bereits eine hohe Kapazität und gute Haltbarkeit, wie Forschende berichten.

Lithium-Ionen-Akkus sind bislang der Goldstandard bei den mobilen Stromspeichern – und nahezu unverzichtbar. Doch in den Akkus stecken Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel, deren Vorkommen begrenzt sind oder beim Abbau erhebliche Umweltschäden verursachen. Die Batterieelektroden enthalten zudem oft giftige Lösungsmittel. Deshalb suchen Wissenschaftler schon länger nach Alternativen – beispielsweise in Form anderer Elektrodenmaterialien.

Kohlenstoff- Hohlkugeln als Elektroden-Material

Eine solche Alternative könnten nun Saeed Borhani von der Universität Salzburg und seine Kollegen gefunden haben. Sie haben ein Elektrodenmaterial auf der Basis von winzigen Kohlenstoff- Hohlkugeln entwickelt. „Kohlenstoffbasierte Materialien haben sich als vielversprechende Kandidaten für Elektroden in Lithium-Ionen-Batterien erwiesen. Sie sind reichlich vorhanden, chemisch stabil und bieten anpassbare strukturelle Eigenschaften“, erklärt das Team.

Als besonders interessant haben sich dabei Hohlkugeln aus Kohlenstoff erwiesen. „Aus Salzburg kommen ja bekanntlich die Mozartkugeln. Analog zu diesen gefüllten Schokoladenkugeln kann man sich die Kohlenstoff-Hohlkugeln vorstellen“, erklärt Seniorautorin Stefanie Arnold von der Universität des Saarlandes. Die Hohlräume und poröse Wandstruktur solcher Kugeln eignen sich gut dazu, andere Atome oder Moleküle aufzunehmen. „Die Herausforderung ist jedoch, passende Metalloxide über chemische Synthese in den Hohlraum zu bringen“, so Arnold.
Eisenpartikel machen das Spherogel zum Akku-Bauteil

Für ihre Hohlkugel-Elektrode haben die Forschenden ein sogenanntes Spherogel aus den Kohlenstoffkugeln hergestellt – eine poröse Masse aneinanderhängender, jeweils rund 170 Nanometer kleiner Hohlkugeln. Mithilfe eines auf Eisenlaktat beruhenden Syntheseverfahrens belud das Team diese Kohlenstoff-Kugeln mit Eisen-Nanopartikeln. „Eisen hat den Vorteil, dass es weltweit reichlich vorhanden ist, zumindest theoretisch eine hohe Speicherkapazität aufweist und gut zu recyceln ist“, erklärt Arnold.

[...]  „Unsere Resultate positionieren eisenbeladene Kohlenstoff-Spherogele als nachhaltige, leistungsstarke Elektroden für Lithium-Ionen-Akkus“, konstatieren Borhani und seine Kollegen. „Sie bieten eine Kobalt- und Nickel-freie Alternative, die Probleme wie eine Volumenausdehnung der Elektrode oder abnehmende Kapazität umgeht.“

*

Atom statt Wind: Tschechien blockiert die Energiewende

Nur fünf WIndkraftanlagen gingen 2025 in Tschechien ans Netz

Tschechien setzt weiterhin stark auf Atomkraft – und bremst zugleich den Ausbau erneuerbarer Energien massiv aus. Während neue Atomkraftwerke in Dukovany und Temelín geplant werden, ist für das Jahr 2026 kein einziges neues Windrad vorgesehen. Diese Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur energiepolitischen Ausrichtung des Landes auf.

Bereits im vergangenen Jahr fiel der Windkraftausbau äußerst gering aus: In ganz Tschechien gingen lediglich fünf neue Windkraftanlagen mit insgesamt rund 13 Megawatt Leistung ans Netz. Für das laufende Jahr sind laut Medienberichten überhaupt keine neuen Anlagen geplant. Zum Vergleich: In Österreich wurden 2025 insgesamt 48 neue Windräder errichtet, die mit 285 Megawatt mehr als das Zwanzigfache der tschechischen Leistung erbringen.

Dabei liegt Tschechien beim Anteil von Windstrom schon jetzt weit unter dem europäischen Durchschnitt. Lediglich rund ein Prozent des Stroms stammt aus Windenergie, während der EU-Schnitt bei etwa 19 Prozent liegt. Österreich – ebenfalls ein Binnenland – erreicht mit Windkraft bereits einen Anteil von rund 16 Prozent an der Stromerzeugung.

Statt den Rückstand bei den Erneuerbaren aufzuholen, richtet sich der politische Fokus in Tschechien zunehmend auf neue Atomprojekte. Besonders ambitioniert sind Pläne für sogenannte Small Modular Reactors (SMR) an bis zu 46 Standorten. Diese Reaktoren existieren jedoch bislang nur auf dem Papier. Selbst optimistische Einschätzungen der Atomindustrie gehen davon aus, dass ein erster SMR-Reaktor frühestens 2039 in Betrieb gehen könnte...

*

INES Kategorie 4 "Unfall" 7. Jan. und 6. Feb. 1974 (INES-4 + INES-5) Akw Sosnowy Bor, Leningrad, UdSSR INES Kategorie 5 "Ernster Unfall"

Der sekundäre Kühlkreislauf von Block 1 brach und setzte kontaminiertes Wasser in die Umwelt frei
(Kosten ca. 11,4 Millionen US$)

Nuclear Power Accidents
 

Wikipedia de

Kernkraftwerk Leningrad#Störfälle und Gefahren

Störfälle und Gefahren

Bereits im ersten Betriebsjahr ereignete sich am 6. Februar 1974 der erste Unfall. Im Block 1 brach der Wärmetauscher aufgrund siedenden Wassers. Radioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf wurde zusammen mit hochradioaktivem Filterschlamm in die Umwelt freigesetzt. Drei Menschen starben an den Folgen der Verbrennungen durch siedendes Wasser. (INES: 4–5) ...
 

AtomkraftwerkePlag

Leningrad (Russland)

AKW nahe Sankt Petersburg

Das Atomkraftwerk Leningrad, das auch Sosnowy Bor genannt wird, gehört zu den störanfälligsten Anlagen in Russland. Es ist nur etwa 5 km von Sosnovy Bor und 70 km von der Millionenstadt St. Petersburg entfernt ...

1974: Ernste Unfälle der INES-Stufe 4-5

Bereits kurz nach Inbetriebnahme ereigneten sich am Reaktor zwei schwerwiegende Unfälle, die beide mit den INES-Stufen 4-5 (Unfall/Ernster Unfall) klassifiziert wurden.

Nachdem bereits am 7. Januar 1974 ein Gasbehälter, der radioaktive Gase zurückhalten sollte, zerstört wurde, kam es kurz darauf zu einem ernsten Unfall. Am 6. Februar 1974 zerbrach der Zwischenkreislauf (intermediate circuit) des Reaktors, da dieser ungewollt kochendes Wasser enthielt. Drei Mitarbeiter kamen ums Leben, hochradioaktives Wasser und radioaktiver Schlamm von Filterpulver wurden in die Umwelt freigesetzt ...

 


5. Februar


 

CO2-Zertifikatehandel

Brüssel legt die Axt am Klimaschutz an

Die EU diskutiert Pläne, ihr Emissionshandelssystem zum Klimaschutz weiter zu untergraben. Die Preise zogen in den letzten Jahren stark an.

Es geht um das wichtigste Instrument des Klimaschutzes in der EU: Seit 2005 gilt das „Emission Trading System“ – der Europäische Emissionshandel ETS. Nach diesem brauchen Industrieunternehmen eine „Erlaubnis“, um Treibhausgase auszustoßen – in Form eines Zertifikats. Diese Zertifikate werden nach dem sogenannten „Cap & Trade“-Prinzip gehandelt: Es gibt eine Obergrenze (Cap), die festlegt, wie viele Treibhausgas-Emissionen insgesamt ausgestoßen werden dürfen. Wer mehr braucht, muss Zertifikate zukaufen. Im vergangenen Herbst hatten die EU ein neues Klimaziel beschlossen: Bis 2040 sollen die Treibhausgasemissionen der 27 Mitgliedstaaten um 90 Prozent unter das Niveau von 1990 sinken. Und obwohl davon erst 37 Prozent geschafft sind, plant Brüssel offenbar, den ETS abzuschwächen.

Anfangs wurden die Zertifikate kostenlos ausgegeben, was vielen Konzernen einen Milliardengewinn bescherte: Sie preisten die Kosten ein, gaben sie also an die Verbraucher weiter. Gesetzeslage ist aktuell, dass diese kostenlose Zuteilung ab diesem Jahr stark verringert wird, die letzten kostenlosen Zertifikate sollten für besonders betroffene Industriebereiche 2034 eingestellt werden. Um das Klimaziel tatsächlich erreichen zu können, sollte die Versteigerung von neuen Zertifikaten 2039 enden. Doch jetzt sind Pläne bekannt geworden, dass diese Ziele offenbar deutlich nach hinten verschoben werden sollen, das Handelsblatt hatte zuerst darüber berichtet.

„Das CO2-Gebührensystem muss weg“, forderte am Donnerstag Christian Kullmann, Chef des Spezialchemiekonzerns Evonik, „mindestens aber drastisch reformiert werden“. „Die Industrie funkt SOS“, erklärte Markus Steilemann, Chef des Lobbyverbandes der chemischen Industrie. Seit Wochen macht die Industrie Druck mit solchen Ansagen an die Politik. Gerade die Konzerne, die in den letzten Jahren ihre Betriebe nicht zukunftsfitt gemacht haben, sehen sich mit Millionensummen konfrontiert, die sie für die Zertifikate investieren müssen. Das macht ihre Produkte teurer und auf dem Weltmarkt weniger attraktiv. Evonik-Chef Kullmann warnte, der Emissionshandel gefährde allein in Deutschland mindestens 200.000 Industriearbeitsplätze.

[...] Nach den Plänen der EU war ursprünglich vorgesehen, ab dem kommenden Januar den Emissionshandel auszudehnen auf die Bereiche Verkehr und Gebäude. Dadurch wird fossiles Heizen oder Tanken teurer. Allerdings haben vor allem die osteuropäischen Mittgliedstaaten dagegen Front gemacht, der Start des sogenannten „ETS2“ wurde im vergangenen Jahr auf Januar 2028 verschoben. Die jetzt diskutierten weiteren Verschiebungen sollen in einen Plan münden, der bis Sommer vorgestellt wird: Dann müssten Europaparlament und die Mitgliedstaaten diesem Plan noch zustimmen.

*

Einspeisevergütung für Solarstrom sinkt – Was das für PV-Besitzer bedeutet

Ab Februar gibt es weniger Geld für den privaten Solarstrom. Nach den Plänen der Bundesregierung könnte das 2027 sogar komplett wegfallen – warum sich eine PV-Anlage trotzdem lohnen kann.

Berlin – Wer eine Solaranlage auf dem Dach oder Balkon hat und überschüssigen Strom ins Netz leitet, erhält aktuell 7,86 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Ab dem ersten Februar sinkt die sogenannte Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf 7,78 Cent für Anlagen bis zu zehn Kilowattpeak (kWp) Leistung, wenn nur ein Teil des produzierten Stroms abgegeben wird. Wer alles ins Netz leitet, der bekommt statt bislang 12,47 Cent ab dem nächsten Monat noch 12,35 Cent pro kWh.

Durch die Vergütung wollte der Bund den Einbau von Solaranlagen fördern. Aus Sicht von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche scheint das aber zum Problem zu werden. Im Monitoringbericht des Wirtschaftsministeriums heißt es, dass durch die vielen kleinen PV-Anlagen eine große Menge nicht steuerbaren Stroms ins Netz gerate. „An sonnenreichen Tagen mit geringer Last kann dies zu Netzengpässen führen“, so der Bericht. Deshalb sei es womöglich notwendig, die Vergütung für jeden durch „leistungs- oder kapazitätsbezogene Prämien“ zu ersetzen. Heißt: Die EEG-Einspeisevergütung könnte schon bald Geschichte sein. Dabei gibt es auch andere Lösungen zur Regulierung von Stromeinspeisung. Etwa den Einsatz sogenannter Smart-Meter.

EEG-Einspeisevergütung sinkt – Lohnt sich eine PV-Anlage trotzdem?

Laut dem Energieversorger 1komma5° könnte die staatliche Förderung bereits im Jahr 2027 enden, wenn die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch 2026 anpasst. Das könnte Betreibern von PV-Anlagen Hunderte von Euro im Jahr kosten. Bei einer Maximalleistung von rund 10.000 kWh produziertem Strom jährlich und einem Einspeiseanteil von 70 bis 80 Prozent könnten PV-Besitzer ohne intelligente Steuerung 550 und 620 Euro im Jahr verlieren. Aufsmmiert auf eine Laufzeit von 20 Jahren wäre das ein Verlust von 11.000 bis 12.500 Euro, so 1komma5°.

Das Ende der Einspeisevergütung gelte aber nur für Anlagen, die nach der Abschaffung in Betrieb genommen werden. Wer sich vorher noch für eine PV-Anlage entscheidet, dem sichert das EEG eine Förderlaufzeit von 20 Jahren zu.

[...] Den Erfolg des EEG kann man heute in Zahlen betrachten. Im Jahr 2025 lag der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland bei 55,9 Prozent des gesamten Strommixes. Das hatte das Frauenhofer-Institut zu Beginn des Jahres errechnet...

*

Erneuerbares Stromsystem

Energie aus Luft

China hat den größten Druckluft-Speicher weltweit in Betrieb genommen – als Ergänzung zur fluktuierenden Ökostrom-Einspeisung. Neben Solar- und Windkraft fährt das Land nun auch Netze, Speicher und steuerbare Reservekapazitäten hoch.

China hat einen riesigen Energiespeicher in Betrieb genommen, der mit Druckluft arbeitet. Es ist nach Angaben des Betreibers mit 600 Megawatt Leistung und 2.400 Megawattstunden Speicherkapazität das bisher größte Druckluftspeicher-Projekt weltweit.

Für China ist das mehr als ein Technikrekord. Es ist ein Baustein für ein Stromsystem, das immer stärker von Wind- und Solarspitzen geprägt wird – und deshalb flexible Puffer braucht, um Schwankungen auszugleichen.

Technisch arbeitet die Anlage in der Ostprovinz Jiangsu nach dem Prinzip einer großen, wiederaufladbaren "Luftbatterie": Überschüssiger Strom treibt Kompressoren an, die Luft stark verdichten und in unterirdischen Kavernen speichern – in diesem Fall in großen Salzkavernen, wie sie auch für Erdgas-Lager genutzt werden. Wenn Strom gebraucht wird, strömt die Luft kontrolliert aus, treibt Turbinen an und erzeugt wieder Elektrizität.

Das Besondere an diesem Projekt: Es handelt sich um eine Variante, bei der die bei der Verdichtung entstehende Wärme nicht einfach verloren geht, sondern in Wärmespeichern – etwa mit geschmolzenem Salz und Druckwasser-Wärmespeichern – zwischengespeichert und beim Rückverstromen ebenfalls genutzt wird. Dadurch kann das System effizienter arbeiten als ältere Druckluftspeicher-Konzepte, die zur Erwärmung der kalten Expansionsluft zusätzlich fossile Energie einsetzen mussten.

Nach Angaben des Betreibers Harbin Electric besteht das Kraftwerk aus zwei 300-Megawatt-Blöcken, die inzwischen vollständig am Netz sind. Diese Leistung entspricht der eines Kohlekraftwerks. Erwartet wird eine Jahresstromproduktion von rund 792.000 Megawattstunden, laut Harbin Electric ausreichend für den Stromverbrauch von rund 600.000 Haushalten.

[...] Eine von der NEA und der zentralen Planungsbehörde NDRC angekündigte "Sonderaktion" sieht vor, bis 2027 neben den klassischen Pumpspeicher-Kraftwerken mehr als 180.000 Megawatt "neuartige" Energiespeicher – also vor allem Batterie- und Druckluftspeicher sowie Schwungräder – zu installieren.

Das fördert einen Boom bei Speichertechnologien, die Energie länger als die bisher meist üblichen Lithium-Ionen-Batterien vorhalten können. Druckluftspeicher werden üblicherweise auf Speicherzeiten von vier bis zwölf Stunden ausgelegt.

Für China zählt dabei nicht nur Klimapolitik, sondern auch Versorgungssicherheit. Nach den Stromengpässen und Abschaltungen einzelner Regionen Anfang der 2020er Jahre gilt die Stabilität der Versorgung als Hauptaufgabe.

*

Urananreicherung

Gronau grundsätzlich atomwaffentauglich

Im westfälischen Gronau wird Uran für Atomkraftwerke angereichert. Auch die Produktion von Uran für Atombomben ist dort zumindest technisch möglich.

Noch kommen sie vereinzelt, aber zu vernehmen sind sie schon, die Rufe nach einer deutschen Atombewaffnung. Zuletzt forderte etwa Brigadegeneral Frank Pieper im Stern taktische Atomwaffen für die Bundeswehr. Konventionelle Rüstung reiche zur Abschreckung nicht mehr aus. Pieper ist, immerhin, Direktor Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr. Er betonte, er äußere sich als Privatperson.

Der Historiker Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, sieht ebenfalls Handlungsbedarf: „Die nukleare Frage ist der Kern der nationalen Souveränität eines Staates. Auch Deutschland muss sich dieser Frage stellen“, sagte er, ebenso im Stern. Dort verwies außerdem Chemiker, Reaktorsicherheitsexperte und Whistleblower Rainer Moormann auf die technische Machbarkeit. Prinzipiell könne die Urananreicherungsanlage (UAA) im westfälischen Gronau zum Atombombenbau genutzt werden. Moormann veröffentlichte 2008 eine kritische Neubewertung der Sicherheit von Kugelhaufenreaktoren und sorgte über die Medien und durch Vorträge für die Verbreitung seiner Kritik.

Die Gronauer UAA ging 1985 in Betrieb und ist bundesweit die einzige Fabrik dieser Art. Betreiber ist das Unternehmen Urenco (Uranium Enrichment Company), einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich der Uranreicherung.

[...] Die Gronauer Anlage verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung. Der BBU und andere Initiativen fordern schon seit Langem ihre dauerhafte Stilllegung: Seit fast 40 Jahren demonstrieren Ak­ti­vis­t:in­nen jeden Monat – mit einem Sonntagsspaziergang am Tor der UAA.

*

Wasserstoffbombe verschwunden (Broken Arrow)5. Februar 1958 (Broken Arrow) Tybee Island, Georgia, USA

Wikipedia de

Tybee-Bombe

Die Tybee-Bombe ist eine 3,5 Tonnen schwere Mark-15-Wasserstoffbombe, die am 5. Februar 1958 in der Nähe der Insel Tybee Island vor Savannah, Georgia verloren ging. Nachdem ein Boeing B-47-Bomber des Strategic Air Command der US Air Force während eines Trainingsfluges in der Luft mit einer F-86 zusammengestoßen war, musste der Kommandant die Bombe abwerfen, um das Flugzeug sicher landen zu können. Sie ist eine von elf vermissten Kernwaffen der USA ...
 

Wikipedia en

Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator 

Broken Arrow incidents

Das US-Verteidigungsministerium hat mindestens 32 "Broken Arrow"-Vorfälle zwischen 1950 und 1980 offiziell anerkannt.

Weiterlesen...

 


4. Februar


 

Ende des Atomabkommens New Start

„Nuklearwaffen für die EU wären konsequent dumm“

Der Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland sei praktisch schon tot gewesen, sagt Florian Eblenkamp von der Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen. Trotzdem sei er sinnvoll gewesen.

taz: Herr Eblenkamp, der New-Start-Vertrag limitiert die Zahl der Atomsprengköpfe in Russland und den USA auf jeweils 1550 Stück. Das ist ausreichend, um die Welt einige Male ins Armageddon zu bomben. Welchen Unterschied macht es denn, wenn das Abkommen am Donnerstag ausläuft und neue Sprengköpfe hinzukommen könnten?

Florian Eblenkamp: Natürlich sind die nuklearen Waffenarsenale schon so zerstörerisch, dass ein Sprengkopf mehr da keinen großen Unterschied macht. Dass der Vertrag ausläuft, zeigt aber, dass bei Atomwaffen jegliche Zurückhaltung verloren geht. Das Vertrauen zwischen den USA und Russland ist komplett erodiert. Beide Seiten können sich nicht auf die Weiterführung eines Abkommens einigen, für das sie nicht mal etwas an ihrer aktuellen Politik ändern müssten, sondern einfach die bestehende Praxis weiterlaufen lassen könnten.

[...] taz: Wie kommt es, dass dieses Thema dann immer wieder aufkommt?

Eblenkamp: Das ist eine Kombination aus Ideenlosigkeit, um ein komplexes Problem vermeintlich einfach zu lösen, und Kraftmeierei. Ich möchte mal den Politiker sehen, der Atomsprengköpfe in seinem Wahlkreis haben will. Diese Waffen müsste man auch irgendwo testen. Welches europäische Land würde Gebiet dafür hergeben? Außerdem: Es wird oft so getan, als müsste man Atomwaffen besorgen, und dann hätte man schon die Abschreckungswirkung. Mit der militärischen Fähigkeit ist es aber nicht getan.

taz: Ach so?

Eblenkamp: Man muss doch auch glaubwürdig zeigen, dass man die Waffen einsetzen würde. Man muss sich dann immer wieder mal auf die Brust trommeln und sagen: „Wir sind irgendwie ein bisschen böse.“ Und das müsste man so machen, dass jemand wie Putin davon beeindruckt ist. Im Zweifel ist aber jemand wie Putin, dem die Menschenwürde egal ist, immer glaubwürdiger, wenn er mit diesen Waffen droht. Es ist deswegen eine sehr schlechte Verteidigungsstrategie, sich auf Nuklearwaffen einzulassen – jenseits von allen taktischen Überlegungen und völkerrechtlichen Problemen, die man sich damit einfängt...

*

New-Start-Vertrag:

Russland wirft USA bewussten Verzicht auf Abrüstungsvertrag vor

Der New-Start-Vertrag zwischen Russland und den USA läuft aus, eine Verlängerung wird nicht mehr erwartet. Die Verantwortung sieht Russland bei der US-Regierung.

Einen Tag vor dem Auslaufen des atomaren Rüstungskontrollvertrags New Start zwischen Russland und den USA geht Russland nicht mehr davon aus, dass es zu einer Verlängerung kommen wird. Russland habe von der US-Regierung keine Antwort auf das Angebot einer Verlängerung um ein Jahr erhalten, teilte das Außenministerium in Moskau laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass mit. Diese "bewusste" Entscheidung der USA sei "fehlerhaft" und bedauerlich.

Öffentliche Erklärungen seitens der USA ließen nicht darauf schließen, dass sich die USA noch an das Abkommen gebunden fühlten, heißt es weiter in der Erklärung des Außenministeriums. Dementsprechend sehe sich auch Russland nicht mehr an die Verpflichtungen des Rüstungskontrollvertrags gebunden und betrachte sich als "frei in der Entscheidung über weitere Schritte".

[...] Zahl von Atomsprengköpfen erstmals seit Jahrzehnten nicht begrenzt

Die USA und Russland haben den New-Start-Vertrag 2010 unterzeichnet. Der jüngste in der Reihe wichtiger Rüstungskontrollverträge zwischen den beiden Atommächten verpflichtet sie dazu, jeweils nicht mehr als 1.550 einsatzfähige Atomsprengköpfe und maximal 700 Trägersysteme wie Interkontinentalraketen und Langstreckenbomber zu besitzen. 2021 war der Vertrag ausgelaufen, wurde damals aber um fünf Jahre verlängert.

[...] Russlands Präsident Wladimir Putin gab damals an, den Vertrag nicht endgültig aufkündigen und sich weiter an die Obergrenze halten zu wollen. Im vergangenen Herbst schlug er den USA eine informelle Verlängerung um ein weiteres Jahr vor, worauf die US-Regierung von Präsident Donald Trump jedoch nicht reagierte. 

Trump will Abrüstungsabkommen unter Einbeziehung Chinas

Grund dafür ist vor allem die atomare Aufrüstung Chinas: Die Volksrepublik besaß vor wenigen Jahrzehnten noch etwas mehr als 200 Sprengköpfe, inzwischen jedoch 600. Das US-Verteidigungsministerium geht davon aus, dass China bis 2035 bis zu 1.500 Sprengköpfe besitzen könnte, und damit in etwa so viele wie jeweils die USA und Russland. China ist nicht nur der einzige Staat weltweit, der die Zahl seiner Sprengköpfe aktiv erhöht, sondern auch das einzige Land neben den USA und Russland, das mit luft-, see- und bodengestützten Atomwaffen über die sogenannte nukleare Triade verfügt.

[...] Der Thinktank Federation of American Scientists (FAS) warnte bereits 2023 mit Blick auf die eingelagerten Atomsprengköpfe Russlands und der USA davor, dass die beiden Länder nach dem Auslaufen von New Start ihre Arsenale binnen kurzer Zeit nahezu verdoppeln könnten.

*

Bund steigt bei Tennet Germany ein: 25,1 Prozent Beteiligung über KfW unterzeichnet

Frankfurt / Bayreuth - Der Bund beteiligt sich über die KfW mit 25,1 Prozent an Tennet Germany. Der Einstieg markiert einen strategischen Schritt zur Absicherung des milliardenschweren Netzausbaus und stärkt die staatliche Einflussnahme auf kritische Energieinfrastruktur in Deutschland.

Mit der Vertragsunterzeichnung am 3. Februar erhält der Bund Mitspracherechte bei Deutschlands größtem Übertragungsnetzbetreiber. Die Beteiligung erfolgt zu gleichen Konditionen wie bei privaten Investoren und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.

Strategischer Einstieg des Bundes sichert Einfluss und Finanzierung
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat im Auftrag der Bundesregierung den Vertrag zum Erwerb von 25,1 Prozent der Anteile an Tennet Germany von der niederländischen Tennet Holding unterzeichnet. Der Übertragungsnetzbetreiber betreibt mit mehr als 14.000 Trassenkilometern das größte deutsche Strom-Übertragungsnetz und ist zentral für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Integration von Offshore-Windstrom.

Mit der Minderheitsbeteiligung erhält der Bund Mitbestimmungsrechte bei Geschäftsführung und Geschäftsplan sowie die Entsendung stimmberechtigter Vertreter in Gesellschafter- und Aufsichtsgremien. Bundesministerin Katherina Reiche betont den energiepolitischen Kontext: „Für das Erreichen der energiepolitischen Ziele ist der bedarfsgerechte Ausbau der Stromnetze erforderlich. Der Einstieg des Bundes bei Tennet trägt dazu bei, den milliardenschweren Kapitalbedarf in den kommenden Jahren abzusichern. Mit dieser Investition in die Infrastruktur der Zukunft stärken wir den Standort Deutschland."

Finanziell wird der Anteilserwerb durch eine Risikoübernahme des Bundes abgesichert, ohne dass Mittel aus dem Bundeshaushalt abfließen. Die Refinanzierungs- und Verwaltungskosten der KfW werden hingegen aus dem Haushalt getragen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte die dafür nötigen Mittel Mitte Januar 2026 freigegeben. Die Angemessenheit des Kaufpreises wurde durch zwei Fairness Opinions sowie ein Wirtschaftlichkeitsgutachten bestätigt.

[...] Langfristig soll sich der Anteil der Tennet Holding auf 28,9 Prozent verwässern, sie bleibt damit aber in alle wesentlichen Entscheidungen eingebunden. Synergieeffekte zwischen Tennet Netherlands und Tennet Germany sollen erhalten bleiben, insbesondere bei der gemeinsamen Entwicklung der Infrastruktur für Offshore-Windparks in der Nordsee. Der direkte Erwerb durch die KfW ermöglicht zudem die Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens des niederländischen Staates in Höhe von rund 3,3 Mrd. Euro...

*

"Mehr Angebot als Abnehmer"

US-Raffinerien leiden unter venezolanischem Öl

Im Januar verdreifachen sich fast die Ölexporte aus Venezuela in die USA. Mit Folgen für den Handel: Die Preise fallen, viele Ladungen bleiben unverkauft.

Nach dem Abschluss eines Liefervertrages zwischen Washington und Caracas kämpfen die Raffinerien an der US-Golfküste mit dem rasanten Anstieg der Öllieferungen aus Venezuela. Das Überangebot drückt Händlern und Schifffahrtsdaten zufolge auf die Preise und führt dazu, dass etliche Ladungen unverkauft bleiben. Die schwache Nachfrage erschwert die Pläne von US-Präsident Donald Trump, das Öl des südamerikanischen Landes vorrangig in die USA zu leiten. "Wir stehen alle vor dem Problem, dass es mehr Angebot als Abnehmer gibt", sagte ein Händler.

Die Exporte in die USA haben sich im vergangenen Monat auf 284.000 Barrel pro Tag (bpd) fast verdreifacht. Die Raffinerien klagen, dass die Preise im Vergleich zu konkurrierenden kanadischen Sorten zu hoch seien. Während venezolanisches Schweröl zuletzt mit einem Abschlag von etwa 9,50 Dollar pro Barrel zur Nordsee-Sorte Brent angeboten wurde, wurde kanadisches WCS-Öl am Dienstag mit einem noch attraktiveren Abschlag von rund 10,25 Dollar gehandelt. Die Handelshäuser Vitol und Trafigura, die neben dem US-Konzern Chevron Lizenzen für den Export erhielten, haben nun Mühe, Käufer zu finden.

Eine Entlastung für den Markt könnte aus Indien kommen. Der indische Mischkonzern Reliance Industries erwägt Importe, nachdem Trump am Montag ein Handelsabkommen mit Neu-Delhi verkündet hatte. Dieses sieht vor, dass Indien im Gegenzug für US-Zollsenkungen kein russisches Öl mehr kauft und stattdessen auf Lieferungen aus den USA und möglicherweise auch aus Venezuela setzt. China, ehemals der wichtigste Abnehmer, fällt dagegen derzeit aus. Seit Jahresbeginn wurden keine Lieferungen mehr dorthin verzeichnet, und der Staatskonzern PetroChina hat Händler angewiesen, das Geschäft vorerst ruhen zu lassen...

*

"Teure Hirngespinste" der EU

Atomgefahr für Österreich: Hunderte Mini-Meiler geplant

Die EU will Hunderte neue, kleine Atomkraftwerke zulassen. Kritiker warnen vor hohen Kosten, neuen Russland-Abhängigkeiten und massiven Umweltfolgen.

Die EU-Kommission setzt auf eine umstrittene Idee: Hunderte kleine Atomkraftwerke sollen in den kommenden Jahrzehnten quer über Europa entstehen. Die sogenannten "Small Modular Reactors", kurz SMR, werden als schnelle Lösung für Klimaziele und Energiesicherheit verkauft. Doch der Widerstand wächst.

Gefährliches Kernkraft-Experiment

Vor allem Umweltorganisationen schlagen Alarm. Sie sehen in den Mini-Meilern keinen Fortschritt, sondern einen gefährlichen Schritt zurück. Kritiker sprechen von einem politischen Experiment, das an der Realität vorbeigehe. Denn bislang existiert in Europa kein einziges genehmigtes oder gebautes SMR-Projekt.

Gigantische Kosten und Bauverzögerungen

Besonders stark treibt Frankreich das Thema voran. Präsident Emmanuel Macron gilt als einer der größten Befürworter der Atom-Offensive. Auch Großbritannien setzt auf die neue Reaktor-Generation. Industrie-Konzerne wittern Milliardengeschäfte, doch auf dem Boden der Tatsachen bleibt vieles vage.

"In den vergangenen drei Jahrzehnten sind in Europa genau drei neue Atomkraftwerke ans Netz gegangen - mit gigantischen Kosten und teils langen Bauverzögerungen", sagt Atom-Sprecherin Patricia Lorenz von Global 2000. Wie und wo plötzlich Hunderte Mini-Meiler entstehen sollen, sei völlig unklar - der EU-Plan sei nichts als ein "teures Hirngespinst"

[...] Fabriken existieren nur auf Papier

Befürworter des "Atom-Comebacks im Kleinformat" schwärmen von einer Serienproduktion wie aus dem Baukasten. Doch die dafür nötigen Fabriken existieren bislang nur auf dem Papier, Genehmigungen, Sicherheitsfragen und Endlagerprobleme sind ungelöst. Währenddessen schreitet der Ausbau erneuerbarer Energien rasch voran.

Fakt ist: Die Mini-Meiler klingen modern und clever - doch bei genauerem Hinsehen bleibt von Europas Atom-Vision vorwiegend eines übrig: ein teures Versprechen mit vielen offenen Fragen.

*

INES Kategorie 0 "Meldepflichtiges Ereigniss" 4. Februar 2008 (INES-0) Akw Krümmel, DEU

Wikipedia de

Kernkraftwerk_Krümmel

Am 4. Februar 2008 ereignete sich ein Schwelbrand in einer Lüftungsanlage. Innerhalb einer Stunde konnte das Feuer durch die Werkfeuerwehr gelöscht werden, externe Hilfe war nicht notwendig. Die Atomaufsichtsbehörde entsandte einen Sachverständigen, Radioaktivität sei zu keiner Zeit ausgetreten. Dieser Vorfall (INES 0) wurde von zahlreichen Umwelt- und Klimaschutzorganisationen zum Anlass genommen, die Sicherheit des Kernkraftwerks Krümmel und der Kernenergie anzuzweifeln...
 

AtomkraftwerkePlag

Krümmel (Schleswig-Holstein)

Siedewasserreaktor • Leistung: 1.402 MW • Typ: BWR-69 • Hersteller: KWU • Baubeginn 5. April 1974 • Inbetriebnahme: 14. September 1983 • Abschaltung: 6. August 2011 • Beginn und Ende Rückbau: offen
 

Der Spiegel 

Die Pannenserie des AKW-Betreibers Vattenfall

Ärger beim Atomkraftwerk-Betreiber Vattenfall: Fast täglich werden neue Details der Zwischenfälle in Brunsbüttel und Krümmel sowie neue Störungen bekannt. Der Konzern wird für seine Informationspolitik und Sicherheitskultur gerügt. Nun droht der Entzug der Betreiberlizenz...

 


3. Februar


 

Vor Midterms im November

Trump fordert Änderung des Wahlrechts

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Seine Wahlniederlage 2020 schiebt der US-Präsident auf angeblich "korrupte" Bundesstaaten. Mit Blick auf die Kongresswahlen im November forderte er nun Änderungen, die laut Verfassung gar nicht möglich sind.

Dass Donald Trump seine Niederlage bei der Präsidentschaftswahl 2020 nie akzeptiert hat, ist bekannt. Jetzt will der US-Präsident offenkundig eine Wahlniederlage der Republikaner bei den Zwischenwahlen im November unter allen Umständen verhindern.

"Die Republikaner sollten sagen: Wir wollen übernehmen. Wir sollten die Wahlen übernehmen - an mindestens vielen, etwa 15 Orten", sagte Trump in einem Podcast-Interview mit Dan Bongino. Und weiter: "Die Republikaner sollten die Wahlen nationalisieren. Wir haben Bundesstaaten, die so korrupt sind und dort zählen sie die Stimmen. Wir haben Bundesstaaten, die ich gewonnen habe, die aber anzeigen, dass ich nicht gewonnen habe."

Bund nicht zuständig für Wahlen in den USA

Bongino ist konservativer Podcast-Host und hat außerdem ein kurzes Gastspiel als stellvertretender FBI-Chef hinter sich. Deshalb brauchte Trump von ihm keine kritischen Fragen zu befürchten. Die hätte es aber durchaus gegeben. Denn der Präsident fordert hier etwas, was in den USA verfassungsrechtlich gar nicht vorgesehen ist. Nämlich ein bundesweites, zentralisiertes Wahlkontrollsystem. In den USA führen aber Bundesstaaten und lokale Behörden die Wahlen durch, nicht der Bund. Und schon gar nicht einzelne Parteien.

[...] Razzia in Georgia wegen Wahl 2020

Erst in der vergangenen Woche hatte das FBI ein Wahlbüro im Fulton County im Bundesstaat Georgia auf Unterlagen zur Wahl 2020 durchsucht. Mehrere Quellen bestätigen zudem, dass Trump direkt nach der Razzia mit den FBI-Agenten telefoniert hat.

Todd Blanche, stellvertretender Generalstaatsanwalt, glaubt trotzdem nicht, dass der Präsident in irgendeiner Art und Weise in die Vorbereitung der Razzia einbezogen war.

[...] Geprüft wurden die Stimmen damals unter anderem von dem republikanischen Gouverneur von Georgia.

Das Weiße Haus wollte sich auf Anfrage zu Trumps Vorstoß in Sachen Wahlrechtsänderung nicht äußern. Die neuesten seriösen Umfragen zu den Kongresswahlen im November zeigen übrigens einen stabilen Vorsprung der Demokraten.

*

Deutsche Atombombe: Träume und ihre Basis

Eine Fabrik in Westfalen reichert Uran für Kraftwerke an. Auch die Produktion für Nuklearwaffen wäre dort möglich

Die Forderung nach einer gemeinsamen atomaren Bewaffnung der EU kommt mittlerweile von vielen, darunter Ex-Außenminister Joseph Fischer und die SPD-Sicherheitsexpertin Siemtje Möller. Rufe nach einer explizit deutschen Atombombe sind dagegen bislang eher vereinzelt zu hören. Doch es werden mehr. So forderte Brigadegeneral Frank Pieper Mitte Januar im »Stern« taktische Atomwaffen für die Bundeswehr. Pieper ist immerhin Direktor Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr, betonte aber, er äußere sich zur Sache als Privatperson.

Auch Harald Biermann, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte in Bonn, sieht Handlungsbedarf: »Die nukleare Frage ist der Kern der nationalen Souveränität eines Staates. Auch Deutschland muss sich dieser Frage stellen«, sagte er dem »Stern«.

[...] Die Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau ging 1985 in Betrieb und ist bundesweit die einzige dieser Art. Betreiber ist das Unternehmen Urenco (Uranium Enrichment Company), einer der weltweit führenden Anbieter angereicherten Materials. Es gehört zu gleichen Teilen dem britischen und dem niederländischen Staat sowie den deutschen Energiekonzernen Eon und RWE. Außer in Gronau betreibt der Konzern drei weitere Anlagen in Almelo (Niederlande), Capenhurst (Großbritannien) und Eunice (USA). Mit einem Marktanteil von 25 bis 30 Prozent deckt Urenco einen bedeutenden Teil des globalen Bedarfs an Brennstoff für Atomkraftwerke ab.

Die Anlagen der Urenco arbeiten mit dem Gaszentrifugenverfahren, um den Anteil des spaltbaren Uran-Isotops U-235 zu erhöhen. Im Natur-Uran kommt U-235 nur zu etwa 0,7 Prozent vor. Mit einem Anteil von 99,3 Prozent ist U-238 das mit Abstand häufigste Isotop. Im Gegensatz zu U-235 ist es schwer durch thermische Neutronen spaltbar. Für den Betrieb in AKW muss der Anteil von U-235 auf dreieinhalb bis fünf Prozent erhöht werden.

[...] Das abgereicherte, schwach radioaktive Uran, das in Gronau in großen Mengen anfällt, wird bislang neben der UAA in Containern, aber sonst ungeschützt gelagert. In der Vergangenheit wurde es auch nach Russland exportiert, wo es nach Recherchen des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und russischer Umweltschützer meist unter freiem Himmel aufbewahrt wird. Ein deutsches Endlager für das abgereicherte Uran ist nicht in Sicht. Das frühere Eisenerzbergwerk Schacht Konrad, das aktuell zum Bundesendlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ausgebaut wird, kann den Müll aus Gronau schon aus Platzgründen nicht aufnehmen.

Der BBU und andere Initiativen fordern seit Jahrzehnten die dauerhafte Stilllegung der Gronauer Anlage.

*

Starkregen und Überschwemmungen:

50.000 Menschen nach Überschwemmung in Marokko in Sicherheit gebracht

Noch Tage sollen Starkregen und Überschwemmungen im Norden Marokkos anhalten. Mehr als 50.000 Menschen wurden bereits zu Verwandten und in Notunterkünfte gebracht.

In Marokko haben die Behörden mehr als 50.000 Menschen vor heftigen Regenfällen und Überschwemmungen in Sicherheit gebracht. Wie das Innenministerium mitteilte, betrifft die Evakuierung unter anderem die Stadt Ksar-el-Kebir im Norden Marokkos. Diese stehe bereits teilweise unter Wasser. Für Menschen, die nicht bei Verwandten unterkommen konnten, richteten die Behörden Notunterkünfte ein.

Der marokkanische Wetterdienst warnt vor starkem Wind und Regen, der noch bis Mittwoch in mehreren Provinzen des Landes auftreten werde. In Höhenlagen über 1.500 Metern kann demnach auch Schnee fallen. Die Armee soll beim Schutz vor Hochwasser helfen.

[...] Auch in Marokkos Nachbarstaaten wüteten Starkregen und Überschwemmungen. In Algerien kamen bei Unwettern zwei Menschen ums Leben, darunter ein Kind. In Tunesien gab es im Januar die heftigsten Regenfälle seit mehr als 70 Jahren, mindestens fünf Menschen starben.

*

Bericht von Reporter ohne Grenzen

Polarisierte neue Welt

In Deutschland steigt die Gefahr für Journalist:innen. Angriffe aus dem rechten Milieu und die polarisierte Nahost-Debatte erschweren die Arbeit.

Platz 11 von 180. Auf dem Papier steht Deutschland weiterhin vergleichsweise gut da, wenn es um Pressefreiheit geht. Doch diese Zahl verdeckt die Realität journalistischer Arbeit in Deutschland. Vor allem wer über rechtsextreme Netzwerke berichtet oder den Nahostkrieg begleitet, arbeitet zunehmend in einem Klima der Einschüchterung, der gezielten Diffamierung und der offenen Ablehnung. Angriffe kommen dabei aus dem digitalen Raum, aber auch von der Straße.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) beschreibt in ihrem aktuellen Bericht zur Lage in Deutschland, wie tief gesellschaftliche Polarisierung inzwischen in den medialen Alltag hineinreicht. Journalismus werde immer seltener als notwendiger Bestandteil demokratischer Öffentlichkeit wahrgenommen, sondern als politischer Gegner – mit zunehmenden Auswirkungen auf die tägliche Arbeit von Journalist:innen.

Freier Journalismus gerät dabei aus mehreren Richtungen unter Druck. RSF sieht Bedrohungen durch politische Akteur:innen, digitale Hetzkampagnen sowie durch neue, reichweitenstarke Publikationen, die systematisch Desinformationen verbreiten. Ein Blick in die USA gilt dabei als warnendes Beispiel: Dort sei deutlich geworden, wie politische Macht genutzt werden könne, um kritische Berichterstattung zu diskreditieren, Jour­na­lis­t:in­nen auszugrenzen oder sie mit Klagen einzuschüchtern. Auch deutsche Medienschaffende waren davon betroffen, etwa durch öffentlich geforderte Visumsentzüge wie 2025 etwa im Fall des ZDF-Studioleiters in Washington, oder verschärfte Visaauflagen. RSF wertet solche Maßnahmen als gezielte Druckmittel gegen unliebsame Berichterstattung.

RSF beobachtet die zunehmende Professionalisierung rechtspopulistischer und rechtsextremer Mediennetzwerke international und in Deutschland. Eine neue Generation extremistischer Online-Publizist:innen orientiere sich an internationalen Vorbildern und wirke zunehmend auch in Deutschland meinungsprägend.

[...] RSF dokumentierte im Jahr 2025 insgesamt 55 Angriffe auf Jour­na­lis­t:in­nen und Redaktionen, 2024 waren es 89. Die meisten Übergriffe ereigneten sich bei Recherchen und Demonstrationen im rechtsextremen Umfeld. RSF spricht von einem „wachsenden Selbstbewusstsein“ in der Szene und „einer Normalisierung von Gewalt“ und Einschüchterung gegenüber Medienvertreter:innen.

[...] Medienschaffende in Deutschland wurden wiederholt öffentlich diffamiert – auch von israelischen Offiziellen. Ein prominentes Beispiel war die ARD-Israelkorrespondentin Sophie von der Tann, die der damalige israelische Armeesprecher Arye Shalicar als „das Gesicht vom neu-deutschen Juden- und Israelhass“ bezeichnete...

*

Gefahr für Trinkwasser? Unbekannte Stoffe in Deutschlands wichtigstem Fluss

Reifen-Chemikalien, Weichmacher und mysteriöse Substanzen: Im Rhein schwimmen zahlreiche unterschiedliche Mikroschadstoffe, die teils nicht einmal identifiziert werden können. Das zeigen Daten, die Utopia.de gemeinsam mit Correctiv.Lokal ausgewertet hat. Was bedeutet das für unser Trinkwasser, das zum Teil aus dem Fluss gewonnen wird?

Der Rhein hat heute ein vergleichsweise sauberes Image. In den 50er und 60er Jahren war die wichtigste Wasserstraße Deutschlands durch eine wachsende Industrie stark verschmutzt, in den 80er Jahren gelangten rund 20 Tonnen Chemikalien mit Löschwasser in den Fluss, mit verheerenden Folgen für das Ökosystem. Seitdem hat sich die Wasserqualität stark verbessert – unter anderem durch strengere Gesetze, Umweltprogramme, Kläranlagen und internationale Zusammenarbeit.

Doch nicht alles ist rein im Rhein. Messstationen entlang des Flusses erfassen regelmäßig Verunreinigungen, darunter auch unerforschte Mikroschadstoffe. Daten, die Utopia.de zusammen mit dem Redaktionsnetzwerk Correctiv.Lokal ausgewertet hat, zeigen das Ausmaß.

In mindestens acht Fällen wurden Trinkwasserversorger über die Schadstoffquellen informiert und eigenverantwortliche Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers empfohlen. Utopia.de hat nachgefragt, was das genau bedeutet.

Diese Mikroschadstoffe verunreinigen den Rhein

Die folgenden Schadstoffe haben Messstationen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg von 2020 bis 2025 im Rheinwasser nachgewiesen. Das geht aus Daten hervor, die Correctiv.Lokal uns bei Utopia.de zur Verfügung gestellt hat. Es handelt sich dabei um eine Auswahl, die insgesamt 65 Messergebnisse wiesen eine Vielzahl von unterschiedlichen Mikroschadstoffen nach.

  • Triacetonamin (TAA) wird als Stabilisator für Polymere genutzt. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) ist der Stoff gewässergefährdend und von ihm gehen akute oder chronische Gesundheitsgefahren aus. TAA wurde zehnmal in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Die höchste gemessene Konzentration lag bei 8,6 Mikrogramm pro Liter.
  • Etwa die Hälfte der 65 Einträge ist als „unbekannte Substanz“ deklariert. Hier konnte man den Stoff also nicht eindeutig zuordnen. Die Stoffe lagen in Konzentrationen bis 8,3 Mikrogramm/ Liter vor.
  • Bei 13 Fällen in Nordrhein-Westfalen handelt es sich wahrscheinlich um DPGME- Isomere, also Lösungsmittel. Diese sind unter anderem schwach wassergefährdend.
  • Auch Stoffe zur Herstellung von Weichmachern (α-Methylstyrol) wurden nachgewiesen, diese gelten als deutlich wassergefährdend.
  • Auch Benzothiazol wurde nachgewiesen. Der Stoff wird vor allem für die Reifenherstellung genutzt. Laut Correctiv können Forschende nicht ausschließen, dass die Chemikalie auch ins Trinkwasser gelangen kann.

Manche Schadstoffe entfalten ihre Wirkung erst in hohen Konzentrationen. Doch gerade bei nicht-identifizierbaren Stoffen ist es schwer, das Risiko einzuschätzen. Teils tauchten die Substanzen auch mehrere Tage hintereinander in den Messungen auf...

 


2. Februar


 

USA und Indien:

Donald Trump verkündet Einigung im Zollstreit mit Indien

Indien werde kein russisches Öl mehr beziehen, teilte der US-Präsident mit. Indiens Premier bestätigt das nicht. Gleichwohl senken die USA und Indien gegenseitig Zölle.

Indien will nach Angaben von US-Präsident Donald Trump künftig auf Erdölimporte aus Russland verzichten. Der indische Regierungschef Narendra Modi habe ihm in einem Telefonat zugesagt, stattdessen Öl aus den USA und womöglich aus Venezuela zu kaufen, schrieb Trump auf seiner Plattform.

Wohl angesichts dessen plant Trump nach eigenen Angaben eine Senkung der Zölle auf Güter aus Indien von derzeit 25 auf 18 Prozent. Das sehe eine Handelseinigung vor, die mit "sofortiger Wirkung" in Kraft trete. Im Gegenzug werde Indien damit beginnen, seine Zölle auf US-Waren auf null zu setzen, teilte Trump mit.

Modi habe sich laut Trump zudem verpflichtet, US-Produkte aus den Bereichen Energie, ⁠Technologie und Landwirtschaft sowie weitere ⁠Waren im Wert von mehr als 500 Milliarden ‌Dollar zu kaufen.

Modi bestätigte Importstopp nicht

Der US-Präsident hatte allerdings bereits im Oktober verkündet, Modi habe ihm versichert, dass sein Land kein Öl mehr aus Russland kaufen werde. Indien zeigte sich damals zu höheren Energieimporten aus den USA bereit, ließ aber offen, ob es seine umstrittenen Öleinfuhren aus Russland stoppen wird.

Auch dieses Mal äußerte sich der indische Premierminister auf der Plattform X zwar erleichtert, dass die Zölle sinken sollen, ließ aber erneut im Unklaren, ob Indien tatsächlich kein Öl mehr aus Russland beziehen wird.

[...] Nach China galt Indien bisher als größter Ölkunde Russlands. Seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 war der Anteil russischen Öls an den indischen Importen von zwei auf fast 36 Prozent im Jahr 2024 gestiegen.

Die Ankündigung erfolgte nur einige Tage nach der Erklärung Indiens und der EU, dass sie ihre Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen abgeschlossen hätten. Das wurde auch vor dem Hintergrund der aggressiven Handels- und Zollpolitik Trumps als geopolitisch bedeutsamer Schritt gewertet.

*

Nachwahl in Texas

Trumps Kuss des Todes

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Bei einer Nachwahl im konservativen Texas siegt überraschend der Kandidat der Demokraten. Und das, obwohl zuvor der US-Präsident ausdrücklich die republikanische Kandidatin empfahl – oder gerade deswegen?

Eigentlich hätte das alles ziemlich glattlaufen müssen für Leigh Wambsganss. Die Nachwahl für einen Sitz im texanischen Senat, bei der Wambsganss als Kandidatin der Republikaner angetreten war, fand schließlich in einem absolut verlässlich republikanischen Senatswahlbezirk statt. So dachte man jedenfalls – bis zum vergangenen Wochenende.

In dem Bezirk, der vor allem die konservativen Suburbs nördlich der Großstadt Fort Worth abdeckt, hatte Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 noch mit gut 17 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Wambsganss, eine im wörtlichen Sinne bestens vernetzte Kandidatin, die für die christlich, nationalistische Mobilfunkfirma Patriot Mobile arbeitet und sich auf ihrer Kampagnen-Website als „bewährte konservative Kämpferin“ präsentierte, schien ihrem demokratischen Gegenkandidaten Taylor Rehmet auch sonst weit überlegen zu sein. Rehmet, ein 33 Jahre alter Politik-Neuling, hatte für seinen Wahlkampf gerade einmal 70 000 US-Dollar zu Verfügung. Bei Wambsganss war es in etwa die zehnfache Summe. Sie wurde außerdem vom republikanischen Partei-Establishment in Texas tatkräftig unterstützt, inklusive des Gouverneurs Greg Abbott. Was sollte da also noch schiefgehen?

US-Medien sprechen von einem Schock für die Republikaner

Nun, am vergangenen Freitag, einen Tag von der Wahl, mischte sich dann noch US-Präsident Donald Trump in das Rennen ein. Offenbar wollte er helfen. „Ihr könnt diese Wahl für Leigh gewinnen, sie hat meine komplette und totale Unterstützung“, schrieb er auf Truth Social. Im Nachhinein stellt sich die Frage, ob dies für die Kampagne von Wambsganss womöglich der Kuss des Todes war.

Der Demokrat Rehmet hat diese Nachwahl jedenfalls nicht nur gewonnen. Er siegte mit 14 Prozentpunkten Vorsprung und hat Wambsganss damit regelrecht deklassiert. Die unmittelbaren Reaktionen in US-Medien changierten zwischen einem „Schock“ für die Republikaner und einer „Demütigung“ für Trump.

[...] Rehmets Erdrutschsieg dürfte jedenfalls im Weißen Haus mit größter Besorgnis zur Kenntnis genommen werden. Denn er zeigt nicht nur, dass die Demokraten plötzlich im Herzland der Republikaner gewinnen können – zur Not auch mit einem politischen Nobody, der praktisch ohne Geld auskommen muss. Es sieht nämlich außerdem so aus, als wäre Trumps Machtwort in diesem Fall eher kontraproduktiv gewesen. Das bedeutet, dass sich die Republikaner bezüglich der Zwischenwahlen 2026 wohl noch deutlich mehr Sorgen machen müssen, als sie es ohnehin schon tun sollten...

*

Gasspeicher-Debatte

Die nächste Gaskrise?

Die Gasspeicher sind deutlich weniger gefüllt als im vergangenen Jahr. Die Debatte geht aber am Grundproblem vorbei: Wie kommt Deutschland endlich vom Erdgas weg, statt nur eine Abhängigkeit gegen eine andere zu tauschen?

Eigentlich keine Sensation, wenn es frostig ist im Winter. Doch mit jedem kalten Tag wird sichtbarer, wie dünn die Sicherheitsdecke im Erdgas-Land Deutschland noch immer ist. Die Gasspeicher sind in diesem Winter auffällig schnell geleert worden. Aktuell liegen die Füllstände im Schnitt noch bei 32 Prozent.

So niedrig waren sie zu dieser Zeit noch nie seit Beginn dieser Bilanzen vor 15 Jahren, noch nicht einmal während der durch Putins Ukrainekrieg verschärften Energiekrise, als der damalige Bundeswirtschaftsminister Habeck (Grüne) uns zwecks Gassparen zu Pullover und Kurz-Duschen geraten hatte. Wird es kritisch beim Heizen und für Industriebetriebe, die Gas brauchen?

Die Bundesregierung versucht zu beruhigen. Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) erklärte, Sorgen seien nicht angebracht, man beobachte die Lage genau. Auch die Bundesnetzagentur betont: Versorgung stabil, Gefahr von Gasmangel derzeit gering – auch, weil Deutschland inzwischen LNG importieren könne und Notfall-Mechanismen klar geregelt seien.

Speicherbetreiber und Teile der Branche sehen das kritischer. Die Versorgung sei "auf Kante genäht", warnt der Speicher-Branchenverband Ines, der noch vor zwei Wochen Entwarnung gegeben hatte. Viel Puffer habe das System nicht mehr, heißt es nun.

Auch der staatliche Energiekonzern Uniper, einer der großen Akteure im Gasgeschäft, teilte mit, die Versorgungssicherheit könne "nicht als jederzeit garantiert vorausgesetzt werden". Mit anderen Worten: Sollten der Februar und der März kalt ausfallen, kann es knapp werden.

Deutschlands Gas-Abhängigkeit hat nur die Adresse gewechselt

Warum sind die Reserven so niedrig? Die Ursache: Deutschland ging mit einem schlechteren Polster in die Heizperiode. Laut Ines wurden zum Winterstart nur rund 75 Prozent statt wie in früheren Jahren bis zu 98 Prozent erreicht.

Man kann das mit der Marktlogik der schwankenden Gaspreise erklären, und die Bundesregierung hat auch versucht, die sich abzeichnenden Probleme durch neue Vorgaben für Mindestfüllstände zu regeln. Doch Fachleute sagen: Dieser Eingriff kam zu spät.

[...] Deutschlands Abhängigkeit ist nach dem Ende des russischen Pipelinegases nicht verschwunden, sie hat nur die Adresse gewechselt. Der Löwenanteil unseres Gases kommt heute per Pipeline aus Norwegen, und das LNG zu rund 95 Prozent aus den USA.

Das Szenario eines Anschlags auf Pipelines ist nicht sehr weit hergeholt, und in den USA sitzt bekanntlich ein Präsident im Weißen Haus, der Energie als Druckmittel begreift. Sicherheit sieht anders aus...

*

„Sand in Motion“-Wärmespeicher speichert Energie effizient und senkt Kosten

Energie aus erneuerbaren Energien lässt sich in einem Wärmesandspeicher speichern. Besonders effektiv soll das ein Speicher mit zirkulierendem Sand können.

Das finnische Start-up The Storage hat in einem Pilotprojekt einen Wärmespeicher auf Basis zirkulierenden Sands installiert, der von erneuerbaren Energien produzierten Strom in Form von Wärme speichert und bei Bedarf wieder abgeben kann. Wie das Unternehmen mitteilt, soll die Anlage bis zu 70 Prozent der herkömmlicherweise anfallenden Stromkosten bei industrieller Nutzung einsparen und CO₂-Emissionen um bis zu 90 Prozent senken können.

Der Energiebedarf der industriellen Wärmeproduktion weltweit macht etwa ein Fünftel des gesamten Energieverbrauchs aus. Ein Großteil, etwa 80 Prozent, wird dabei noch von fossilen Brennstoffen wie Öl und Gas erzeugt. Die Wärmespeicherbatterie von The Storage nutzt dagegen Strom aus erneuerbaren Energien, um ihn mit einer Heizung in Hitze umzuwandeln, sie in einem Wärmesandspeicher vorzuhalten und die Hitze bei Bedarf wieder abzugeben – also auch in Zeiten, in denen erneuerbare Energien, etwa Windkrafträder, aufgrund von wenig Wind keinen oder nur wenig Strom produzieren können.

Die Technik von The Storage heißt „Sand in Motion“. Das Konzept für die Technik hat seine Ursprünge im Jahr 2023. 2024 und 2025 erfolgten dann die Entwicklung und Umsetzung des Wärmesandspeichers. Im Januar 2026 wurde eine Anlage zusammen mit einer Brauerei im industriellen Maßstab in Betrieb genommen, um die Funktion und Wirksamkeit des Sand-in-Motion-Konzepts zu testen. Die Hitze aus dem Wärmespeicher wird dabei von der Brauerei dazu genutzt, fossilfreien Dampf für die Brauereiprozesse zu erzeugen.

Zirkulierender Sand für höhere Energieeffizienz

Das Prinzip des Sandwärmespeichers von The Storage nutzt zwei mit Sand befüllte Silos. In einem befindet sich kühler Sand, im anderen wird bereits erhitzter Sand gespeichert. Der kühle Sand wird zu einem Heizgerät transportiert, das ihn mit Strom aus erneuerbaren Energien auf bis zu 800 °C erhitzt und im heißen Silo stationär gespeichert. Der heiße Sand kann von dort nach Bedarf abgerufen werden und läuft dann durch einen Wärmetauscher, über den dann heißer Dampf erzeugt wird. Durch die Zirkulation des Sands sei die Wärmeübertragungseffizienz bis zu zehnmal höher als bei herkömmlichen statischen Systemen, erklärt The Storage...

*

Umfrage: Große Mehrheit für einen Aufbruch bei der Ökologisierung der Wirtschaft, Umsetzung hinkt nach

Eine neue Umfrage des KONTEXT Instituts zeigt: Die Menschen in Österreich erkennen die Wichtigkeit der Ökologisierung für Wohlstand und Sicherheit, orten aktuell mangelnde politische Reformbereitschaft aber grundsätzlich viel Potenzial in diesem Land.

Insgesamt 84,5 Prozent der Befragten stimmen der Aussage voll und ganz oder eher zu, dass die EU auf zukunftsfähige Wirtschaftszweige setzen muss, um wirtschaftlich neben anderen Weltregionen zu bestehen. Konkreter antworten 79,8 Prozent, dass das Potenzial von Technologien wie erneuerbaren Energien, Speichern und Elektromobilität genutzt werden sollte, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. 64,8 Prozent sind zudem der Meinung, dass es auch für die Sicherheit und Unabhängigkeit in Europa wichtig ist, dass die EU den Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas beschleunigt.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Umfrage, die das KONTEXT Institut zum Jahresbeginn beim Meinungsforschungsinstitut marketagent in Auftrag gegeben hat.

„In der wirtschaftlich und geopolitisch hoch angespannten Lage steht Österreich – wie Europa insgesamt – vor einer Richtungsentscheidung: Bleiben wir bei den überholten Technologien der fossilen Vergangenheit oder investieren wir entschlossen in eine saubere, unabhängige Zukunft?“ sagt KONTEXT-Vorständin Katharina Rogenhofer. „Die Umfrage zeigt klar: Die Menschen in Österreich wollen nach vorne. Sie sehen saubere Zukunftstechnologien als Chance für Wohlstand, Sicherheit und Selbstbestimmung.“

Mangelnde politische Reformbereitschaft, trotz breiter Zustimmung für Veränderung

Die überwiegende Mehrheit allerdings ist der Meinung, dass es in Österreich derzeit sehr schwer sei, grundlegende Veränderungen voranzutreiben (85,2 %). Das Land befinde sich eher in einer Phase des Stillstands als in einer des Aufbruchs (84,4 %). Gerade bei Klimathemen werde zu viel über Risiken und zu wenig über Chancen gesprochen (70,6 %). 85,1 Prozent erkennen eine zunehmende Polarisierung und Spaltung in der Gesellschaft, die eine lösungsorientierte Debatte zu Klimathemen immer schwerer macht.

[...] „Die Bereitschaft für Veränderung ist da – was fehlt, ist eine klare politische Vision und der Wille, sie auch umzusetzen,“ sagt KONTEXT-Vorständin Tina Deutsch. „2026 kann ein Jahr des Aufbruchs werden, wenn Politik und Gesellschaft den Mut haben, die Spaltung zu überwinden und konkrete Lösungen konsequent und gemeinsam voranzubringen.“

 


1. Februar


 

Globale Wirtschaft

Yanis Varoufakis: China bereitet sich wider Willen auf Ausstieg aus dem Dollar vor

Der frühere griechische Finanzminister sagt, die USA weiten ihre Hegemonie aus. Für den Fall, dass die Schulden-Blase platzt, trifft China Vorkehrungen.

Yanis Varoufakis ist überzeugter und enttäuschter Europäer. Als griechischer Finanzminister stemmte sich der Ökonom gegen die harten Austeritätsauflagen der Troika gegen sein Land. Heute warnt er vor neuen Schulden für Panzer. Er sagt, engagiert wie eh und je, im Video-Interview, dass die Technologie-Giganten die Geopolitik verändern. Varoufakis warnt Europa und vor allem Deutschland: Es brauche einen radikalen Politikwechsel, um nicht zwischen den Fronten zerrieben zu werden.

Herr Varoufakis, in einem sehr originellen Buch erklären Sie, dass wir in einer Zeit des Techno-Feudalismus leben. Nur noch wenige reiche Tech-Unternehmen mit angeschlossenen Regierungen beherrschen die Welt. Ist das Ansinnen von Donald Trump, Grönland zu kaufen, Ausdruck dieser Entwicklung?

Es hängt nicht direkt damit zusammen, aber es passt ins Bild. Landraub oder Landaneignung haben in Europa eine lange Tradition. Donald Trump hat recht: Die Dänen hatten ein paar Schiffe hingeschickt und das Land in Besitz genommen. Oder denken Sie an Nordamerika: Wir haben Schiffe hingeschickt und das Land einfach gestohlen. Zur Erklärung von Grönland braucht man das Konzept des Techno-Feudalismus nicht. Aber denken Sie an das ikonische Foto, auf dem bei seiner Inauguration die verschiedenen Tech-Lords um Trump herumstehen. Die großen Technologiekonzerne sind die Machtbasis jeder Regierung. Doch diese Macht ist etwas anderes als früher der Kapitalismus: In der Industrialisierung wurden Maschinen gekauft, um etwas zu produzieren. Sie hatten einen Traktor, um Weizen zu produzieren. Sie hatten Dampfmaschinen, um Textilien zu erzeugen. Mit Robotern haben Sie Autos hergestellt. Die Technologiekonzerne produzieren nichts. Sie stellen die direkte Verbindung mit den Menschen her und stecken diese in eine Art digitales Fürstentum, für deren Benutzung sie eine Art Miete verlangen – und zwar von Käufern und Verkäufern von Produkten. Anbieter wie Amazon, Uber und Airbnb sind, obwohl sie so aussehen, keine freien Märkte. Kunden und Verkäufer sind total ausgeliefert. Sie können nicht direkt miteinander Kontakt aufnehmen – außer durch den Algorithmus. Der Algorithmus arbeitet wie Gosplan – das zentralwirtschaftliche Komitee für Wirtschaftsplanung in der Sowjetunion. In dem Moment, wo man dieses System betritt, verlässt man den Boden des Kapitalismus. Die Konzerne, die diesen „Cloud-Kapitalismus“ betreiben, nehmen außerdem 40 Prozent des Preises. Sie kassieren also enorme Summen, ohne dafür etwas zu produzieren. Die gigantischen Summen, die die Unternehmen kassieren, geben ihnen eine ungeheure Macht. Henry Ford hatte niemals solche Macht, Walmart hat sie nicht – außer sie bewegen sich in ihre eigene Cloud. Wegen dieser Macht hat sich Trump die Tech-Lords geholt. Denn er weiß, es steht nicht zum Besten um die USA: Die verarbeitende Industrie liegt weiter hinter China zurück, die USA machen noch einen viel geringeren Anteil am globalen Bruttosozialprodukt aus, das Land ist massiv überschuldet. Trotzdem hat das Land so viel Geld wie nie zuvor. Donald Trump kann heute sagen, ich möchte heute Venezuela und morgen vielleicht, keine Ahnung, Grönland, weil die neuen Tech-Feudalisten ihm das Geld geben, das sie wegen ihrer Mieten im Übermaß einnehmen...

*

Bergbaukatastrophe in DR Kongo

Hunderte Tote bei Erdrutsch in Coltanmine

Eine Schlammlawine nach schweren Regenfällen fordert über 200 Tote in Kongos größter Coltanmine Rubaya. Sie liegt in dem Rebellengebiet im Osten des Landes.

Die Regenzeit im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat mit voller Wucht eingesetzt. Seit Tagen schüttet es in Strömen. In den abschüssigen Masisi-Bergen westlich der Millionenstadt Goma fließen gigantische Wassermassen die Hänge herunter und weichen den Boden auf.

Dies hat am vergangenen Mittwoch und Donnerstag in der Bergbau-Region Rubaya, rund 80 Kilometer nordwestlich von Goma, zu mehreren Erdrutschen geführt, bei welchen Teile der Mine verschüttet wurden. „Die Leute vor Ort schätzen, dass mehr als 200 Menschen ihr Leben verloren haben, mehr als 20 Verletzte wurden geborgen und befinden sich in medizinischer Behandlung“, sagt Kamber Lumumba, Sprecher des Rebellengouverneurs der Provinz Nord-Kivu.

Die Masisi-Berge liegen mitten in dem von den Rebellen der M23 (Bewegung des 23. März) kontrollierten Gebiet. Das lukrative Minengebiet von Rubaya nahmen die von Ruanda unterstützten Rebellen im April 2023 ein. Die Provinzhauptstadt Goma selbst fiel im Januar 2025 in Rebellenhand.

Seitdem kontrolliert die M23 die Exportwege der Mineralien aus Rubaya ins Nachbarland Ruanda, von wo aus sie auf den Weltmarkt gelangen, vor allem nach Asien. Der lukrative Mineralienabbau und -handel mitten im kriegsgeschüttelten Ostkongo ist seit Jahrzehnten international umstritten.

[...] Unter den Verletzten sind zahlreiche Frauen und Kinder. Lumumba schätzt, dass unter den Schlammmassen zahlreiche weitere verschüttet liegen. Daraus sollen nun Konsequenzen gezogen werden: „Der Gouverneur hat Anweisung gegeben, dass Kinder und Frauen nicht mehr in den Minen arbeiten dürfen“, so Lumumba. „Sie gehören nicht dorthin, sondern in die Schule.“

Oft verdienen sich Kinder in dieser dichtbesiedelten Bergregion ihre Schulgebühren mit dem Graben in den engen Stollen von Rubaya. Frauen durchsieben in den Bächen im Tal das Wasser nach ausgewaschenen Coltansteinchen.

Tantal, das weltweit begehrte Mineral

Rubaya ist die größte Coltan-Mine der Demokratischen Republik Kongo. Jährlich werden dort rund 1.000 Tonnen der Mischung aus Tantal- und Nioberz gefördert, die in der DR Kongo als Coltan („Colombit-Tantalit) bezeichnet wird – knapp die Hälfte der Gesamtproduktion des Landes. Tantal, ein enorm hitzebeständiges Mineral, wird für Akkubatterien besonders in Handys und Computer benötigt. Rund 15 Prozent des weltweit derzeitig verfügbaren Tantals stammen aus Rubaya...

*

Autokraten begreifen den Wandel

"Ganz ehrlich: Europa macht Energiewende so, als würde man wollen, dass sie scheitert"

"Teuer wird der Strom komischerweise erst, sobald er im Netz landet", sagt Greg Jackson im "Klima-Labor" von ntv. Der Brite geht im Podcast hart mit der europäischen Politik ins Gericht. Ihm zufolge lässt sie sich von Lobbyisten zu falschen und teuren Lösungen verleiten: "Etablierte Akteure wissen nicht, wie sie mit Disruption und Veränderung umgehen oder sogar Geld verdienen sollen." Wie man es besser macht, sieht man ihm zufolge in Ländern wie Saudi-Arabien: "Der gesamte Nahe Osten folgt dem norwegischen Modell."

ntv.de: Im vergangenen Jahr haben erneuerbare Energien einen Anteil von 55,9 Prozent am deutschen Strommix gehabt. 2030 sollen es 80 Prozent sein. Ist das machbar?

Greg Jackson: Wenn man Emissionen senken will, sollte man alles elektrifizieren, was geht. Entscheidend ist letztlich aber nicht, wie viel Prozent des Stroms erneuerbar sind: Nur 25 oder 30 Prozent unseres Energieverbrauchs sind Strom. Alles andere ist Gas in Fabriken oder Benzin in den Autos. Selbst ein E-Auto, bei dem der gesamte Strom mit Gas hergestellt wird, hat weniger Emissionen als ein fossiles Auto. Wer sich also unermüdlich darauf konzentriert, Strom erneuerbar zu machen, riskiert, die Strompreise in die Höhe zu treiben und die öffentliche Zustimmung für die Energiewende zu verlieren.

Ein zu starker Fokus auf erneuerbare Energien treibt den Strompreis in die Höhe?

Wenn man erneuerbare Energien richtig nutzt, senken sie die Strompreise. Das machen wir in Europa aber nicht. Ganz ehrlich: Wenn man wollte, dass die erneuerbaren Energien scheitern, würde man wahrscheinlich das tun, was wir tun.

Was machen wir denn?

Etablierte Unternehmen der fossilen Brennstoffwirtschaft, aber auch der Stromindustrie bauen immer neue Anlagen, bevorzugt an den falschen Orten. Deshalb müssen wir zusätzlich ein enorm großes Stromnetz bauen. Das ist teuer. Das muss aufhören. Wir nutzen auch nicht Batterien, Elektrofahrzeuge und Flexibilität, um die Preise zu senken. Das wäre möglich. In Großbritannien sorgen flexible Verbraucher für viermal günstigere Strompreise als Kohlekraftwerke auf Stand-by. Trotzdem sind wir in Europa das einzige Land, in dem Verbraucherflexibilität in großem Maßstab umgesetzt wird.

Bei der deutschen Regierung scheint Flexibilität nicht auf der Agenda zu stehen. Davon hört man jedenfalls nichts.

Regierungen hören immer auf die Industrie. Gerade die fossile Industrie hat viele Lobbyisten. Die Zukunft? Nicht. Niemand wirbt für Dinge, die es nicht gibt. Aber etablierte Akteure wissen nicht, wie sie mit Disruption und Veränderung umgehen oder sogar Geld verdienen sollen. Deshalb zwingen sie der Politik teure bestehende Lösungen auf. Das war in anderen Branchen ähnlich...

*

Pflanzenschutzmittel:

Großteil des europäischen Bodens ist mit Pestiziden belastet

Einer Studie zufolge sind mehr als zwei Drittel der Böden in Europa durch Pflanzenschutzmittel belastet. Neben der Landwirtschaft sind auch Wälder und Wiesen betroffen.

In Europa sind mehr als zwei Drittel der Böden einer Studie zufolge mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt. Das schädige auch nützliche Bodenorganismen, schreibt ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift Nature. Die Mittel seien nicht nur für Vögel oder Bienen und andere Insekten eine Belastung, sondern auch für Böden, teilten die Forschenden mit.

Die Wissenschaftler um den Bodenökologen Marcel van der Heijden von der Universität Zürich – darunter Mitarbeiter der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission im italienischen Ispra – untersuchten insgesamt 373 Bodenproben in 26 europäischen Ländern auf Rückstände von zahlreichen Pflanzenschutzmitteln. Zudem analysierten sie Auswirkungen auf Bakterien, Pilze und wirbellose Bodenbewohner, die organisches Material zersetzen und damit Nährstoffkreisläufe antreiben.

[...] "Eine unbegrenzte Zulassung gefährdet die Sicherheit von Umwelt und Mensch"

Die Untersuchung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission plant, dass Pflanzenschutzmittel künftig ohne regelmäßige Neuzulassungen auf den Feldern verteilt werden können. Das sei der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt, sagt Scherber. "Stattdessen sollte die Agrarpolitik endlich anerkennen, dass Vielfalt statt Einfalt der Weg in eine nachhaltige Zukunft ist."

"Hier wird aufgezeigt, dass die aktuelle Bewirtschaftung für kommende Generationen nicht nachhaltig ist", sagte Carsten Brühl, Leiter der Abteilung Gemeinschaftsökologie und Ökotoxikologie an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, der ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. "Eine unbegrenzte Zulassung von Pestiziden ohne regelmäßige Überprüfung gefährdet die Sicherheit von Umwelt und Mensch."

*

Beneš-Dekrete in der Slowakei

Enteignungen nach Ethnie wie 1945

Enteignungen aus ethnischen Gründen sind in Europa rechtswidrig. Doch in der Slowakei passiert genau das: Der Staat nimmt Angehörigen der ungarischen Minderheit Grundstücke weg - Grundlage ist ein Gesetz von 1945.

Der slowakische Anwalt kann es erst nicht glauben. Mehrere Mandanten bitten Janos Fiala-Batora um Unterstützung. Ihre Grundstücke seien enteignet worden, und zwar wegen der 80 Jahre alten Beneš-Dekrete.

"Eine Verordnung, die ein Beneš-Dekret in der Slowakei umsetzt, ist in der Tat noch in Kraft und einige Staatsbeamte haben herausgefunden, wie sie das weiterhin anwenden können", sagt Fiala-Batora.

Sie beschlagnahmen Land basierend auf der ethnischen Zugehörigkeit der Vorfahren. Betroffen sind hauptsächlich Ungarn, aber auch viele Österreicher.

"Ohne Entschädigung, im Stillen, mit System"

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Deutschen aus der Tschechoslowakei vertrieben. Auch die Angehörigen der ungarischen Minderheit wurden kollektiv als Nazi-Kollaborateure gesehen. Während in Tschechien die meisten Deutschen vertrieben wurden, konnten in der Slowakei alle enteignet werden, die "Deutsche, Ungarn oder Verräter" waren. Grundlage waren die Beneš-Dekrete, benannt nach dem früheren Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, Edvard Beneš.

Enteignungen, die aus verschiedensten Gründen nicht vollendet wurden, setzten slowakische Behörden nun fort, empört sich der Anwalt. Dies geschehe ohne Entschädigungen, oft im Stillen und mit System.

[...] Die liberale Opposition in der Slowakei hatte das Thema aufgegriffen und sich auf die Seite der ungarischen Minderheit gestellt. Ethnische Ungarn machen etwa neun Prozent der Bevölkerung aus.

Fico, eigentlich ungarnfreundlich und ein Verbündeter des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, verbot daraufhin per Eilgesetz jede Kritik an der Friedensordnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Wer also die Beneš-Dekrete infrage stellt, riskiert eine Haftstrafe von einem halben Jahr.

[...] "Die Progressive Slowakei verurteilt die Anwendung der Kollektivschuld nach dem Zweiten Weltkrieg. Wir fordern die Regierungen der Slowakei und Ungarns auf, die Vergangenheit beiderseits aufzuarbeiten. Nach dem Vorbild der deutsch-tschechischen Erklärung aus dem Jahr 1997", sagt Simecka.

Der Anwalt Fiala-Batora findet, auch die EU-Kommission müsse aktiv werden. Schließlich habe die Slowakei in ihren Beitrittsgesprächen versichert, dass die Beneš-Dekrete zwar Teil ihrer Rechtsordnung seien - aber nicht mehr angewendet würden.

*

INES Kategorie ?1. Februar 2010 (INES Klass.?) Akw Vermont Yankee, USA

Freisetzung von radioaktiver Strahlung in die Umwelt bedeutet INES-3 ...

Aus dem AKW waren Tritium und Cäsium ausgetreten; diese Lecks und die damit verbundenen Kosten führten schließlich zur Abschaltung der Anlage.
(Kosten ca. 821 Millionen US$)

Nuclear Power Accidents
 

Wikipedia de

Kernkraftwerk Vermont Yankee

Im Februar 2010 wurden Spuren von 137Cs auf dem Gelände des Kernkraftwerks festgestellt, deren Konzentration nach Angaben der Regierung von Vermont drei- bis zwölfmal höher lagen, als durch den Eintrag von Atomwaffentests und der Tschernobylkatastrophe zu erwarten wäre. Der Betreiber Entergy kündigte daraufhin an, den Boden abtragen und als Atommüll entsorgen zu wollen.

Am 27. August 2013 kündigte der Eigentümer Entergy trotz der verlängerten Lizenz an, dass das AKW im Jahr 2014 stillgelegt werden soll, da der Weiterbetrieb sich ökonomisch nicht mehr lohne. Grund für den Senatsentscheid war ein Tritium-Leck in den Untergrund des Werks.

Weiterlesen...

*

INES Kategorie ?Februar 2008 (INES Klass.?) Atomfabrik La Hague, FRA

Wikipedia de

Wiederaufarbeitungsanlage La Hague

Die in dieser Wiederaufarbeitungsanlage behandelten hochaktiven Substanzen setzen laufend explosiven Wasserstoff frei, der bei Reaktion mit Sauerstoff die Gebäudedichtheit bedroht. Zur Vermeidung einer Explosion wird die Gebäudeluft durch kontinuierliche Zirkulation von Wasserstoff befreit. Während 3,5 Stunden funktionierte diese Umwälzung nur noch im Normalbetrieb, beide Reserveluft-Stränge waren durch Defekt respektive Instandhaltungs-Arbeiten nicht einsatzfähig.

Weiterlesen...

*

INES Kategorie ?Februar 2008 (INES Klass.?) Akw Paluel, FRA

Wikipedia de

Kernkraftwerk Paluel

In einem der vier Blöcke wurden im Februar Fehldispositionen von Isolations-Armaturen vorgefunden, die während mehr als fünf Monaten bestanden. "Dies stellte" schreibt die Behörde ASN "während besagtem Zeitraum die Dichtheit des Containments in Frage, wäre ein Unfall passiert". Eine Kernschmelze hätte also möglicherweise Freisetzungen zur Folge gehabt.

Weiterlesen...

 


Aktuelles+ Hintergrundwissen Seitenanfang

 

Aktuelles+

2. Februar 2026 

„Wirtschaftliche Staatskunst“ entlarvt: Eine wichtige Säule der hybriden Kriegsführung der USA ist für alle sichtbar

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Es handelt sich dabei sicherlich nicht um Diplomatie und auch nicht um Zwang. Es ist Krieg, der mit wirtschaftlichen Mitteln geführt wird, mit dem Ziel, eine Wirtschaftskrise und soziale Unruhen herbeizuführen, die zum Sturz der Regierung führen.

John Maynard Keynes schrieb in seinem berühmten Werk „Die wirtschaftlichen Folgen des Friedens“ (1919): „Es gibt kein subtileres und sichereres Mittel, die bestehende Grundlage der Gesellschaft zu zerstören, als die Währung zu entwerten. Dieser Prozess setzt alle verborgenen Kräfte der Wirtschaftsgesetze auf der Seite der Zerstörung in Gang, und zwar auf eine Weise, die nicht einmal einer von einer Million Menschen erkennen kann.“

Die Vereinigten Staaten beherrschen diese Kunst der Zerstörung, indem sie den Dollar als Waffe einsetzen und mit Wirtschaftssanktionen und Finanzpolitik den Zusammenbruch der Währungen der Zielländer herbeiführen. Am 19. Januar veröffentlichten wir „Der hybride Krieg der USA und Israels gegen den Iran“, in dem wir beschrieben, wie die Vereinigten Staaten und Israel durch eine koordinierte Strategie aus Wirtschaftssanktionen, finanzieller Nötigung, Cyberoperationen, politischer Subversion und Informationskriegführung hybride Kriege gegen Venezuela und den Iran führen. Dieser hybride Krieg wurde konzipiert, um die Währungen des Iran und Venezuelas zu zerstören, um interne Unruhen und letztendlich einen Regimewechsel zu provozieren.

Diese Gesetzlosigkeit ist illegal, rücksichtslos, schädlich, destabilisierend und letztlich unwirksam

Am 20. Januar, nur einen Tag nach unserem Artikel, bestätigte US-Finanzminister Scott Bessent öffentlich, ohne Einschränkungen, Entschuldigungen oder Zweideutigkeiten, dass unsere Beschreibung tatsächlich der offiziellen Politik der USA entspricht.

Es ist höchste Zeit, dass die Nationen der Welt sich dem skrupellosen wirtschaftlichen Verhalten der USA stellen… Diese Gesetzlosigkeit ist illegal, rücksichtslos, schädlich, destabilisierend und letztlich unwirksam, um die eigenen Ziele der USA zu erreichen, geschweige denn globale Ziele.

In einem Interview in Davos erklärte Minister Bessent ausführlich, wie die Sanktionen des US-Finanzministeriums bewusst darauf ausgerichtet waren, die iranische Währung zum Zusammenbruch zu bringen, das Bankensystem zu lähmen und die iranische Bevölkerung auf die Straße zu treiben. Dies ist die „Maximaldruck”-Kampagne, um Iran den Zugang zu internationalen Finanz-, Handels- und Zahlungssystemen zu verwehren. Bessent erklärte:

Präsident Trump hat das Finanzministerium und unsere OFAC-Abteilung, das Amt für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte, angewiesen, maximalen Druck auf den Iran auszuüben. Und das hat funktioniert, denn im Dezember ist ihre Wirtschaft zusammengebrochen. Wir haben gesehen, wie eine große Bank unterging; die Zentralbank hat begonnen, Geld zu drucken. Es herrscht Dollarmangel. Sie sind nicht in der Lage, Importe zu tätigen, und deshalb sind die Menschen auf die Straße gegangen.

Dies ist die eindeutige Kausalkette, durch die die US-Sanktionen zum Zusammenbruch der Währung und zum Versagen des Bankensystems geführt haben. Diese monetäre Instabilität führte zu Importengpässen und wirtschaftlichen Problemen, was wiederum zu Unruhen führte. Bessent schloss mit der Charakterisierung der Maßnahmen der USA als „Wirtschaftspolitik“ und des wirtschaftlichen Zusammenbruchs des Iran als „positive“ Entwicklung:

Das ist also Wirtschaftspolitik, ohne dass ein Schuss fällt, und die Dinge entwickeln sich hier sehr positiv.

Wirtschaftskrieg dieser Art verstößt gegen die Grundprinzipien des Völkerrechts und der UN-Charta

Was Außenminister Bessent beschreibt, ist natürlich keine „Wirtschaftspolitik“ im herkömmlichen Sinne. Es handelt sich um einen Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln, der darauf abzielt, eine Wirtschaftskrise und soziale Unruhen herbeizuführen, die zum Sturz der Regierung führen. Dies wird stolz als „Wirtschaftspolitik“ gepriesen.

Das menschliche Leid, das durch einen offenen Krieg und vernichtende Wirtschaftssanktionen verursacht wird, unterscheidet sich nicht so sehr, wie man vielleicht denken könnte. Der wirtschaftliche Zusammenbruch führt zu einem Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und Treibstoff und zerstört gleichzeitig Ersparnisse, Renten, Löhne und öffentliche Dienstleistungen. Ein absichtlich herbeigeführter wirtschaftlicher Zusammenbruch treibt die Menschen in Armut, Unterernährung und vorzeitigen Tod, genau wie ein offener Krieg.

Dieses Muster des Leidens als Folge von US-Sanktionen ist gut dokumentiert. Eine bahnbrechende Studie von Francisco Rodríguez und Kollegen in The Lancet zeigt, dass Sanktionen in hohem Maße mit einem starken Anstieg der Sterblichkeit verbunden sind, wobei die stärksten Auswirkungen bei einseitigen, wirtschaftlichen und US-Sanktionen zu beobachten sind und die Gesamtzahl der Todesopfer mit der eines bewaffneten Konflikts vergleichbar ist.

Ein Wirtschaftskrieg dieser Art verstößt gegen die Grundprinzipien des Völkerrechts und der UN-Charta. Einseitige Sanktionen, die außerhalb der Autorität des UN-Sicherheitsrats verhängt werden, insbesondere wenn sie darauf abzielen, der Zivilbevölkerung Not zuzufügen, sind illegal. Hybride Kriegsführung umgeht das Völkerrecht nicht, indem sie auf Bombardierungen verzichtet (obwohl die USA und Israel natürlich auch illegal den Iran bombardiert haben). Die Illegalität der „Wirtschaftspolitik” der USA gilt nicht nur für den Iran und Venezuela, sondern für Dutzende weiterer Länder, die durch US-Sanktionen geschädigt werden.

Zwar verursachen die US-Sanktionen kurzfristig Elend, doch ihr unablässiger Einsatz veranlasst andere Volkswirtschaften zunehmend dazu, sich aus dem finanziellen Würgegriff der USA zu befreien.

Höchste Zeit, sich dem skrupellosen Wirtschaftsverhalten der USA entgegenzustellen

Europa hat vielleicht begonnen zu begreifen, dass es keine Rettung ist, sich an den Wirtschaftsverbrechen Amerikas mitschuldig zu machen, da die Regierung Trump nun in gleicher Weise gegen Europa vorgeht, wenn auch mit Zöllen statt mit Sanktionen. Trump hat Europa mit Zöllen gedroht, weil es Grönland nicht an die USA abgetreten hat, obwohl er diese Drohung zumindest vorübergehend zurückgenommen hat. Als Trump Frankreich „einlud“, seinem Friedensrat beizutreten, drohte er mit einem Zoll von 200 % auf französischen Wein, sollte Frankreich die Einladung ablehnen. Und so weiter und so fort.

Die Vereinigten Staaten können diese Art von umfassender Wirtschaftskriegsführung betreiben, weil der Dollar die Leitwährung im globalen Finanzsystem ist. Wenn Drittländer sich nicht an die US-Sanktionen gegen den Iran und Venezuela halten, drohen die USA mit Sanktionen gegen die Banken dieser Drittländer, insbesondere damit, sie aus dem Dollar-basierten Zahlungsverkehr (bekannt als SWIFT-System) auszuschließen. Auf diese Weise setzen die USA ihre Sanktionen gegen Länder durch, die ansonsten gerne weiterhin mit den Ländern Handel treiben würden, die die USA in den wirtschaftlichen Ruin treiben wollen.

Zwar verursachen die US-Sanktionen kurzfristig Leid, doch ihr unablässiger Einsatz veranlasst andere Volkswirtschaften zunehmend dazu, sich aus dem finanziellen Würgegriff der USA zu befreien. Die BRICS-Staaten und viele andere erweitern den internationalen Handel in ihren eigenen Währungen und schaffen damit Alternativen zur Verwendung des US-Dollars, wodurch sie diesen Sanktionen entgehen. Die Fähigkeit der USA, anderen Ländern Finanz- und Handelssanktionen aufzuerlegen, wird bald nachlassen, wahrscheinlich sogar rapide in den kommenden Jahren.

Es ist höchste Zeit, dass die Nationen der Welt sich dem skrupellosen Wirtschaftsverhalten der USA entgegenstellen. Die USA führen einen immer intensiveren Wirtschaftskrieg und bezeichnen ihn dabei als „Wirtschaftspolitik”. Dieses rechtswidrige Vorgehen ist illegal, rücksichtslos, schädlich, destabilisierend und letztlich unwirksam, um die eigenen Ziele der USA zu erreichen, geschweige denn globale Ziele. Europa hat bisher weggeguckt. Vielleicht wird Europa, das nun ebenfalls bedroht ist, aufwachen und sich dem Rest der Welt anschließen, um dem dreisten und illegalen Verhalten der USA ein Ende zu setzen. 

 


Aktuelles+ Hintergrundwissen Seitenanfang

 

Hintergrundwissen

Die Karte der nuklearen Welt


**
Autokraten?
Shipping Pooh, Narrencap Mudi, Don Trumpl, Wlad Putin, Recep Egowahn, Kim Young Unsinn, Vik Uranwahn und die anderen Horrorclowns!

Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume!

https://www.ecosia.org/search?q=Trumps+Zerstörung+der+Demokratie

https://www.ecosia.org/search?q=Wirtschaftskrieg

https://www.ecosia.org/search?q=BRICS
 

**

Wikipedia

Wirtschaftskrieg

Ein Wirtschaftskrieg im engeren Sinne ist eine Wirtschaftssanktion, die im Rahmen von Sanktionen gegen die Volkswirtschaft der feindlichen Bevölkerung verhängt wird und durch Gegenmaßnahmen des sanktionierten Staates eskaliert. Als politisches Schlagwort wird der Begriff für Wirtschaftssanktionen verwendet.

Allgemeines

Über die militärische Auseinandersetzung hinaus wird die Zivilbevölkerung des Feindes auch durch wirtschaftliche Zwangsmittel getroffen. Im weiteren Sinne soll der Wirtschaftskrieg, ohne dass eine militärische Auseinandersetzung stattfindet, die Zivilbevölkerung wirtschaftlich schädigen. Im letzteren Fall ist der Wirtschaftskrieg mit der Wirtschaftssanktion identisch. Um einen archetypischen Wirtschaftskrieg handelt es sich, wenn der sanktionierte Staat selbst wirtschaftliche Gegensanktionen ergreift. Im Wirtschaftskrieg können neben ökonomischen oft auch juristische, politische und/oder geheimdienstliche Instrumente Verwendung finden.

Wirtschaftskriege müssen nicht gegen einen bestimmten Staat gerichtet sein, sondern können auch der Unterstützung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit im Rahmen der Außenwirtschaftspolitik dienen.[2] Dann wird häufig von einem Handelskrieg gesprochen.

Der Historiker Sönke Neitzel verwandte 2010 eine sehr weit gefasste Definition von Wirtschaftskriegen als

„Konflikte, die im Wesentlichen mit wirtschaftlichen Mitteln ausgetragen werden, auf die Wirtschaft zielen oder deren Ausgang von ökonomischen Faktoren dominiert wird. Wirtschaftskriege können somit Teil eines ‚heißen Krieges‘ sein, aber auch in Friedenszeiten ausgetragen werden […] Entscheidend ist, dass ökonomische Aspekte einen Krieg oder – in Friedenszeiten – den Charakter der bilateralen Beziehungen bestimmen.“

[...] 2018 begann der Handelskonflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China. Er wurde 2018 von US-Präsident Donald Trump und 2025 vom Handelsblatt als Wirtschaftskrieg bezeichnet...
 

BRICS

(ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der ersten fünf Mitgliedsstaaten) ist eine zunächst informelle Vereinigung von Staaten. Gegründet 2009 als BRIC durch Brasilien, Russland, Indien und die Volksrepublik China erfolgte 2010 die Erweiterung um Südafrika. 2024 kamen Ägypten, Äthiopien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate hinzu, 2025 Indonesien, weshalb die Vereinigung auch als BRICS plus bezeichnet wird.

Zweck der Vereinigung

Die BRICS entstand in der Finanzkrise 2008 als eine informelle Vereinigung zum Brechen der unterstellten Dominanz des „Westens“ im Weltfinanzwesen. Die Interessen der jeweiligen Mitglieder sind nicht einheitlich und eine gemeinsame Strategie wurde auch nicht festgelegt. Die BRICS bildet keine zivilisatorische Einheit wie bei den G7. 2024 bestand immer noch eine unsichere Struktur ohne klaren Inhalt und gemeinsame Ziele. Es gibt auch keine Verpflichtungen, was es für neue Mitglieder interessant macht...

**

YouTube

https://www.youtube.com/results?search_query=Trumps+Zerstörung+der+Demokratie

https://www.youtube.com/results?search_query=Wirtschaftskrieg

https://www.youtube.com/results?search_query=BRICS
 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema Atom*

 


Zurück zu:

Newsletter IV 2026 - 25. bis 31. Januar

Zeitungsartikel 2026

 


Für die Arbeit an 'THTR Rundbrief', 'reaktorpleite.de' und 'Karte der nuklearen Welt' braucht es aktuelle Informationen, tatkräftige, frische Mitstreiter und Spenden. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: info@reaktorpleite.de

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto: BI Umweltschutz Hamm

Verwendungszweck: THTR Rundbrief

IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79

BIC: WELADED1HAM

 


Aktuelles+ Hintergrundwissen Seitenanfang

***