Newsletter LIII 2025
28. Dezember bis 3. Januar
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Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
2. Dezember 2009 (INES 2) Akw Cruas, FRA
2. Dezember 1949 (INES 4 NAMS 3,8) Atomfabrik Hanford, USA
5. Dezember 1965 (Broken Arrow) Douglas A-4E Skyhawk, USA
6. Dezember 1972 (INES 3 NAMS 1,6) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
7. Dezember 1975 (INES 3) Akw Greifswald, DDR
8. Dezember 1955 (INES 3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
10. Dezember 1994 (INES 2 Klass.?) Akw Pickering, ON, CAN
10. Dezember 1968 (INES 4) Atomfabrik Majak, UdSSR
12. Dezember 1952 (INES 5) Akw Chalk River, Ontario, CAN
14. Dezember 2001 (INES Klass.?) Akw Brunsbüttel, DEU
16. Dezember 1987 (INES 1) Akw Biblis A, DEU
21. Dezember 1972 (INES Klass.?) Pawling, NY, USA
27. Dezember 2009 (INES 1) Akw Fessenheim, FRA
27. Dezember 1999 (INES 2) Akw Blayais, FRA
27. Dezember 1960 (Gerboise rouge, Frankreichs 3. Atomtest) Reggane, DZA
30. Dezember 1958 (INES 4) Atomfabrik Los Alamos, NM, USA
31. Dezember 1978 (INES 4) Akw Belojarsk, UdSSR
1. Januar 1977 (INES 5) Akw Belojarsk, UdSSR
2. Januar 1958 (INES 4) Atomfabrik Majak, UdSSR
3. Januar 1961 (INES 4 NAMS 2,9) SL-1, NRTS, Idaho, USA
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
3. Januar
Venezuela:
USA wollen laut Donald Trump Venezuela vorerst selbst regieren
Der US-Präsident will Venezuela bis auf Weiteres unter US-Vorherrschaft stellen. Zudem sollten US-Unternehmen in dem Land Erdöl fördern, kündigte Trump an.
Nach dem Angriff auf Venezuela und der Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro wollen die USA bis auf Weiteres die Regierungsgeschäfte in dem Land übernehmen. Das kündigte US-Präsident Donald Trump in einer Pressekonferenz an.
"Wir werden das Land so lange regieren, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und vernünftigen Übergang durchführen können", sagte Trump in seinem privaten Anwesen in Mar-a-Lago in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Die US-Regierung könne nicht das Risiko eingehen, dass ein anderer Akteur Venezuela übernimmt. Nach eigenen Angaben will Trump "Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit" für die Menschen in Venezuela.
Details dazu, wie eine US-Verwaltung in Venezuela aussehen könnte, nannte Trump auch auf Nachfragen von Reportern nicht. "Wir werden es mit einer Gruppe führen und wir werden sicherstellen, dass es ordentlich geführt wird", sagte der US-Präsident. "Wir wählen verschiedene Leute aus. Und wir werden Sie dann wissen lassen, wer diese Leute sind." Außenminister Marco Rubio werde die Details ausarbeiten.
Zudem kündigte Trump an, dass die USA ihre "großen US-Ölunternehmen nach Venezuela schicken" würden. In Venezuela könnte deutlich mehr Öl gefördert werden als zurzeit, sagte Trump.
[...] US-Militär wäre für zweiten Angriff bereit
Wenn nötig, sei das US-Militär bereit, einen zweiten Angriff auf Venezuela zu starten, sagte Trump weiter. Zurzeit gehe er aber nicht davon aus, dass ein weiterer Angriff notwendig sei.
[...] Trump sprach der venezolanischen Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado die Fähigkeit ab, das Land zu regieren. Machado genieße weder die Unterstützung noch den Respekt der Bevölkerung, sagte er. Nach eigenen Angaben hat Trump seit der Verhaftung Maduros keinen Kontakt zu Machado gehabt. Auch andere Personen in Venezuela seien nicht in der Lage, das Land zu führen.
Machado hatte zuvor gefordert, dass Edmundo González Urrutia die Präsidentschaft des Landes übernehmen solle. Der im spanischen Exil lebende González habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, heißt es in einer Mitteilung Machados auf der Plattform X. Für die Opposition sei nun die Zeit gekommen, Venezuela zu regieren, schrieb Machado. Sie rief die Streitkräfte des Landes dazu auf, González als Oberbefehlshaber anzuerkennen.
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US-Angriff auf Venezuela
Trump: Maduro gefasst und außer Landes gebracht
Die USA haben ihre Drohungen wahr gemacht und Luftangriffe auf Venezuela geflogen. Laut Präsident Trump wurde zudem Venezuelas Staatschef Maduro festgenommen.
US-Präsident Donald Trump hat einen US-Angriff auf Venezuela bestätigt. "Die Vereinigten Staaten von Amerika haben erfolgreich einen groß angelegten Angriff gegen Venezuela und dessen Staatschef, Präsident Nicolas Maduro, durchgeführt", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Maduro sei "zusammen mit seiner Frau festgenommen und aus dem Land geflogen" worden, schrieb der US-Präsident weiter. Wo sich beide derzeit befinden, ist unklar.
[...] Luftangriffe mitten in der Nacht
Venezuelas Hauptstadt Caracas war seit etwa 2 Uhr Ortszeit (7 Uhr MEZ) von schweren Explosionen erschüttert worden. Die venezolanische Regierung warf der US-Regierung einen "schweren militärischen Angriff" vor, der sich gegen "zivile und militärische Orte in Caracas und den Bundesstaaten Miranda, Aragua sowie La Guaira rund um Caracas" gerichtet habe. Venezuela erklärte den Ausnahmezustand und eine Mobilisierung des ganzen Landes zur Abwehr.
[...] Trump hat Venezuela immer wieder vorgeworfen, den Drogenschmuggel in die Vereinigten Staaten aktiv zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden. Bereits im Dezember hatte der US-Präsident gesagt, die Tage von Maduro, der auch von vielen europäischen Staaten nicht als rechtmäßiger Präsident Venezuelas anerkannt wird, seien "gezählt".
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3. Januar 1961 (INES 4 NAMS 2,9) SL-1, NRTS, Idaho, USA
Bei diesem Unfall im quasi ersten Small Modular Reactor (SMR) starben 3 Menschen und 41 TBq radioaktive Strahlung wurden freigesetzt
(Kosten ca. 26 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Wikipedia de
Idaho National Laboratoy
Der Stationary Low-Power Reactor Number One (SL-1) war ein Reaktor mit besonders geringer Leistung, gedacht für die Versorgung von abgelegenen Stationen der United States Army wie beispielsweise Radarstationen in der Arktis mit elektrischer Energie und Wärme. Bei einem Unfall am 3. Januar 1961 kamen drei Menschen, das Bedienpersonal des Reaktors, ums Leben. Radioaktives Iod trat aus dem Reaktorgebäude aus und kontaminierte die Umgebung mit dem 50-100-fachen der natürlichen Belastung, noch 80 km entfernt lag in Windrichtung das Strahlungsniveau beim Doppelten des Normalen ...
Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen#1960er Jahre
In der National Reactor Testing Station Idaho erlitt der experimentelle SL-1-Reaktor einen kritischen Vorfall mit einer Dampfexplosion und schwerer Freisetzung radioaktiven Materials, bei dem die drei Mitglieder der Bedienungsmannschaft getötet wurden. Mit Ausnahme von Jod-131 blieb die Verbreitung der Strahlung auf eine Fläche von 12.000 m² begrenzt. Im Umkreis von 30 km um den Reaktor war die Kontamination der Vegetation durch Jod-131 etwa 100-mal so hoch wie die natürliche Strahlungsintensität. Selbst 80 km entfernt war die Belastung der Vegetation noch doppelt so hoch ...
... Die Rettungsmannschaft konnte zuerst weder ein Feuer noch die Opfer finden, aber sie fand Strahlungswerte von etwa 10 mSv/h innerhalb des Reaktorgebäudes. Als geeignete Schutzausrüstung eingetroffen war, drang ein Team in das Reaktorgebäude ein und fand einen Toten und ein weiteres Mitglied der dreiköpfigen Bedienmannschaft noch lebend. Von den Rettungskräften erhielten laut einem Bericht der Atomenergiekommission der USA 22 eine Äquivalentdosis in der Größenordnung von 30 bis 270 mSv. Der Reaktor wurde demontiert und der 12 t schwere Reaktorkern und das Druckgefäß einige Monate später vergraben ...
2. Januar
Kern-Kreislaufwirtschaft und Fusionsreaktoren
Atomkraft-Ideen der CSU: Zukunftsmusik, die vom Hier und Jetzt ablenkt
Die CSU will neue Atomkraft für Deutschland – mit Kleinreaktoren, „Kreislaufwirtschaft“ und Fusionsenergie. Ob diese in den kommenden Jahrzehnten einsatzbereit sein wird, ist unklar. Wichtiger wäre es, die Energiewende heute anzupacken.
Die CSU nutzt die Nachrichtenarmut zum Jahresbeginn, um vor ihrer Klausurtagung in der kommenden Woche mit einem neuen energiepolitischen Vorstoß von sich reden zu machen. Wobei der so neu gar nicht ist. Die Christsozialen wollen – der durchschnittlich aufmerksame Beobachter dieser Partei ahnt es bereits – zurück zur Atomkraft. Nicht zur alten, schmutzigen Atomkraft, sondern gewissermaßen zurück in die Zukunft: mit Kleinreaktoren, einer „Kreislaufwirtschaft bei der Kernenergie“, die radioaktiven Müll reduzieren soll, und mit Fusionsreaktoren.
Die Sache hat jedoch mehr als nur einen Haken. Ganz ohne Atommüll wird auch eine „Kernenergie-Kreislaufwirtschaft“ nicht auskommen, und ein Endlager für die radioaktiven Abfälle der Vergangenheit ist noch immer nicht gefunden. Ob Fusionsreaktoren jemals massentaugliche Wirklichkeit werden, ist zudem bislang technisch gar nicht klar. Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie – wenn überhaupt – erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts einen relevanten Anteil an unserer Stromversorgung haben könnten.
Die Zeit für die Energiewende ist jetzt
Das Problem ist nicht, dass sich die CSU Gedanken um die Energieversorgung der fernen Zukunft macht. Das Problem ist vielmehr, dass solche Forderungen und Positionspapiere offenbar vom Unwillen ablenken sollen, im Hier und Jetzt genug für Klimaneutralität und Energiesicherheit zu tun...
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Chemikalien in Lebensmitteln verursachen Billionenschäden
Eine internationale Forschendengruppe untersuchte die Auswirkungen der vier gebräuchlichsten Chemikalien im Lebensmittelsystem.
Synthetische Chemikalien gefährden Gesundheit und Umwelt und kosten jährlich Billionen Dollar. Das ist das Ergebnis der im Dezember veröffentlichten Studie «Invisible Ingredients» (unsichtbare Zutaten), die sich mit den vier häufigsten synthetischen Chemikalien im Lebensmittelsystem befasst. Bisphenole, Pestizide, PFAS und Phthalate haben demnach schwerwiegenden Folgen für Mensch und Natur.
Entkommen kann man ihnen kaum, selbst dann nicht, wenn man sein Gemüse pestizidfrei selbst anbaut und die Kuh von Hand melkt. Ob Phthalate als Weichmacher in Plastikhandschuhen, PFAS im Boden und in der Pfanne, Bisphenole in der Wasserleitung oder Chemikalien in Plastikboxen – sie finden sich überall, sogar in der Luft. Werden Lebensmittel im industriellen Rahmen produziert und verarbeitet, gibt es natürlich ein paar Verschmutzungsquellen mehr: Förderbänder, Melkmaschinen, Plastikfolie, Dichtungen und Pizzakartons zum Beispiel.
3 Billionen Dollar Schaden jedes Jahr
Die vier untersuchten Chemikaliengruppen trügen massgeblich zu steigenden Krebsraten, Entwicklungsstörungen und Unfruchtbarkeit bei und zerstörten die Grundlage der globalen Landwirtschaft, listen die Forschenden auf.
Insgesamt kosteten allein diese Auswirkungen die Weltwirtschaft jedes Jahr rund 3 Billionen Dollar. 1,4 bis 2,2 Billionen fallen im Gesundheitssystem an, mindestens 0,6 Billionen Dollar betrage der ökologische Schaden, den die Autorinnen und Autoren nach eigenen Angaben nicht vollständig erfasst haben. Berücksichtige man zusätzlich lediglich die Kosten für Wasserreinigung sowie landwirtschaftliche Verluste, entstünden weitere Kosten von 640 Milliarden Dollar.
2,2 Billionen Dollar, das sind ausgeschrieben 2’200’000’000’000 Dollar. Oder zwei bis drei Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP), schreiben die Autorinnen und Autoren. Oder so viel wie der Gewinn der 100 grössten börsennotierten Unternehmen, vergleicht der «Guardian».
[...] Insgesamt gehen 37 Prozent der berechneten Kosten auf Pestizide zurück, 28 Prozent auf PFAS, 24 Prozent auf Phthalate und 10 Prozent auf Bisphenole. Alle vier Chemikaliengruppen können sich wie Hormone verhalten oder ins Hormonsystem eingreifen. Sie gehören zur Gruppe der endokrinen Disruptoren, die in kleinsten Mengen wirksam sind. Besonders besorgniserregend sind deshalb die langfristigen demografischen Folgen: Bis 2100 wird die Chemikalienbelastung im Mittel 525 Millionen Geburten verhindert haben, die meisten in Asien...
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Energiewende
Bundesnetzagentur genehmigt mehr als 2000 Kilometer neue Stromautobahnen
Die Energiewende hat im vergangenen Jahr zumindest in Teilbereichen Fortschritte gemacht. 2025 genehmigte die Bundesnetzagentur so viele Kilometer Stromleitungen wie noch nie.
Der für die Energiewende nötige Ausbau des Stromübertragungsnetzes kommt voran. Im vergangenen Jahr genehmigte die Bundesnetzagentur rund 2000 Kilometer neue Hochleistungsstromleitungen, die oft auch »Stromautobahnen« genannt werden. Dies sind etwa 45 Prozent mehr als im Vorjahr (2024: 1280 Kilometer), wie die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa mitteilte.
Abgeschlossen wurden 2025 unter anderem die Genehmigungsverfahren für die vier Gleichstromleitungsprojekte A-Nord, Ultranet, SuedLink und SuedOstLink, die durch mehrere Bundesländer verlaufen und zumeist als Erdkabel verlegt werden. Es sind Hochleistungsüberlandleitungen, die vor allem Windstrom aus dem Norden in die Verbrauchszentren im Süden und Westen bringen sollen.
[...] »Rekordjahr der Netzgenehmigungen«
Behördenpräsident Klaus Müller sprach von einem »Rekordjahr der Stromnetzgenehmigungen«. »Der Ausbau des Stromnetzes ist unerlässlich für den Erfolg der Energiewende.«
[...] Schon mehrere Tausend Kilometer fertiggestellt
Von den 16.800 Kilometern waren Ende Juni 2025 mehr als 3500 Kilometer fertiggestellt, das waren 500 Kilometer mehr als ein Jahr zuvor. Die drei Projekte A-Nord, SuedLink und SuedOstLink sollen 2027, Ultranet Ende 2026 in Betrieb genommen werden.
Das Stromübertragungsnetz mit seinen Höchstspannungsleitungen hat bislang eine Länge von rund 39.000 Kilometern...
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Vollmobilisierung in der Arktis: Putin treibt Atom-Eisbrecher für Erdgas an ihre Grenzen
Die Arktis entwickelt sich zunehmend zum Brennpunkt geopolitischer Energie- und Infrastrukturpolitik. Was als strategische Zukunftsroute konzipiert ist, wird dort zum Stresstest für Planung, Technik und Machtanspruch.
Russland hat im Dezember 2025 erstmals seine komplette Flotte nuklear betriebener Eisbrecher zeitgleich eingesetzt. Diese Vollmobilisierung gilt als sichtbares Signal für den Druck, unter dem Russlands Kriegs- und Rohstoffökonomie steht: Der Kreml muss die Seewege in der Arktis selbst bei extremen Winterbedingungen offenhalten, um Öl- und LNG-Exporte weiter sichern zu können.
Arktis offenbart fragiles System
Tatsächlich ist der Einsatz technisch beeindruckend. Russland verfügt weltweit über die einzige operative nukleare Eisbrecherflotte, darunter vier moderne Einheiten des Projekts 22220 sowie ältere Schwergewichte wie Yamal und 50 Let Pobedy. Nuklearer Antrieb erlaubt dauerhaft hohe Leistung, selbst im mehrjährigem Packeis der Arktis. Genau diese Fähigkeit macht den arktischen Seeweg für Moskau zum strategischen Rückgrat seiner Energieexporte Richtung Asien – insbesondere seit westliche Sanktionen Pipeline-Lieferungen nach Europa weitgehend gekappt haben.
Doch die gleichzeitige Aktivierung aller verfügbaren Atom-Eisbrecher ist weniger Ausdruck von Stärke als ein Warnsignal. Sie zeigt, dass Russland an die operative Grenze seiner arktischen Infrastruktur stößt.
[...] Wenn selbst maximale Eisbrecherpräsenz nötig ist, um den Verkehr im Golf von Ob, im Jenissei-Golf und entlang der Nördlichen Seeroute (NSR) aufrechtzuerhalten, wird deutlich, wie fragil das System bereits heute ist. Denn Eisbrecher können Routen öffnen – sie ersetzen jedoch keine funktionierende Transportkette aus geeigneten LNG-Tankern, Häfen, Versicherungen und stabilen Eisbedingungen.
[...] Anfang 2024 kollidierte der nukleare Eisbrecher 50 Let Pobedy in der Kara-See mit einem Frachter; russische Medien berichteten über Rumpfschäden. Ein schwerer Unfall eines nuklearen Eisbrechers oder eines LNG-Tankers wäre politisch und ökologisch schwer beherrschbar – insbesondere in der empfindlichen Arktis.
Putins LNG-Pivot stützt sich auf eine Infrastruktur, die zugleich technisch beeindruckend und strukturell verwundbar ist. Eisvariabilität, Sanktionsdruck, Tankerknappheit und alternde Eisbrecher verdichten sich zu einer Hochrisikowette für Russlands Energiepolitik im hohen Norden.
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2. Januar 1958
(INES 4) Atomfabrik Majak, UdSSR
Bei einem Unfall im Majak-Komplex kamen drei Menschen ums Leben, eine Arbeiterin wurde schwer verletzt.
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Im Laufe der Jahre haben sich in Majak etwa 235 radioaktive Störfälle ereignet, von denen nur wenige bekannt wurden ...
Wikipedia de
Majak, 2. Januar 1958
Nach einem Kritikalitätsexperiment sollte die Uran-Lösung in geometrisch sichere Behälter umgefüllt werden. Um Zeit zu sparen, umgingen die Experimentatoren die Standardprozedur zum Umfüllen, weil sie davon ausgingen, dass die verbliebene Lösung weit unterkritisch sei. Allerdings reichte durch die veränderte Geometrie beim Umfüllen die Anwesenheit der Personen aus, um genügend Neutronen zu reflektieren, damit die Lösung prompt kritisch wurde. Die Lösung explodierte und drei Arbeiter erhielten Strahlendosen von etwa 60 Gray und starben nach fünf bis sechs Tagen. Eine Arbeiterin in 3 Meter Entfernung erhielt 6 Gray, überlebte die akute Strahlenkrankheit, litt aber an schwerwiegenden Folgeerkrankungen ...
1. Januar
Atommüllzwischenlager in Gorleben
Bürgerinitiative will keine Beteiligungssimulation
Die Betreiberin muss sich das Zwischenlager Gorleben über 2034 hinaus genehmigen lassen – und will Bürger mitreden lassen. Gegner sind skeptisch.
Behörden und Betreiberin haben, so hat es zumindest den Anschein, aus dem gescheiterten Endlager-Projekt in Gorleben gelernt. Statt wie in der Vergangenheit einen Atommüll-Standort von oben durchzudrücken, wollen sie nun die Bürgerinnen und Bürger einbeziehen. Als erster Testlauf soll die Verlängerung der Betriebserlaubnis für das Zwischenlager von hochradioaktiven Abfällen in Gorleben dienen. Umweltschützer aber kritisieren das jetzt gestartete Verfahren als „Beteiligungssimulation“.
Eigentlich sieht das Standortauswahlgesetz vor, dass bis 2031 feststeht, wo das Atommüllendlager entstehen wird. Tatsächlich aber wird sich die Suche noch Jahrzehnte hinziehen. Und bis das Endlager dann gebaut ist und befüllt werden kann, dauert es wohl bis ins nächste Jahrtausend.
Das hat Konsequenzen für die Zwischenlagerung der hochradioaktiven Abfälle. Sie müssen viel länger als geplant in den insgesamt 16 oberirdischen Hallen verwahrt werden – diese stehen an den Standorten der abgeschalteten Atomkraftwerke sowie in Gorleben (Niedersachsen), Ahaus (Nordrhein-Westfalen) und Lubmin (Mecklenburg-Vorpommern).
Diese Zwischenlager wurden allerdings nur für bis zu 40 Jahre genehmigt. Als erstes wird die Betriebserlaubnis für das Zwischenlager Gorleben auslaufen – und zwar im Jahr 2034. Dort strahlen, verteilt auf insgesamt 420 Stellplätze, 113 Castorbehälter mit hochradioaktiven Abfällen vor sich hin. Insgesamt befinden sich in den deutschen Zwischenlagern etwa 1.750 Castoren.
Genehmigungsverfahren in Gorleben eingeläutet
Der Betreiber der Anlage, die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), hat jetzt das Genehmigungsverfahren für eine verlängerte Zwischenlagerung in Gorleben eingeläutet und will auch die Öffentlichkeit beteiligen. Bürger:innen, die ihren Wohnsitz im Landkreis Lüchow-Dannenberg haben, können sich bis zum 18. Januar 2026 für die Teilnahme in einer sogenannten Dialoggruppe bewerben. Sie erhielten eine fachliche Einordnung und könnten dann den weiteren Prozess mitgestalten, teilte die BGZ mit.
[...] „Gegen einen regionalen Dialog zu den Problemen der Zwischenlagerung für die nächsten 100 Jahre spricht natürlich nichts“, sagt BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. Allerdings sei das Timing fragwürdig und das Wort „Beteiligung“ irreführend.
Die Bürgerbeteiligung werde nicht viel bringen wird, fasst Ehmke die Kritik der BI zusammen: Die Gesellschaft für Zwischenlagerung wolle bis Mitte 2026 die Betriebsverlängerung beantragen, die Treffen der Dialoggruppe seien jedoch bis Ende des Jahres angesetzt. Die Dialoggruppe bleibe bei dem Antragsverfahren also praktisch außen vor. Tatsächlich gebe es keinerlei Mitwirkungs- und Mitspracherechte für die Öffentlichkeit...
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Leapfrogging: Wenn Entwicklungsländer Deutschland überholen
China übersprang die Verbrenner-Ära und dominiert jetzt E-Autos. Afrika macht es nach – mit Solar statt Kohle und ohne Fehler des Westens.
Über viele Jahre hatte China versucht, Deutschland bei der Entwicklung von Verbrenner einzuholen. Allem Aufwand zum Trotz ist dies nie wirklich gelungen. Als Konsequenz hat China nach Antriebsalternativen gesucht, welche einen höheren Wirkungsgrad erreichen können, als die physikalisch limitierten Verbrenner, die maximal etwa 50 Prozent der Energie ihrer Kraftstoffe auf die Straße bringen können.
Letztlich blieb da ein elektrischer Antrieb, der im Grunde keineswegs neu war, aber vor etwa 100 Jahren im Wettlauf mit den auf Mineralöl basierenden Kraftstoffen den Kürzeren zog, nicht zuletzt, weil es damals noch keine Batterien mit dem benötigten Energieinhalt gab.
Es war folglich konsequent, bessere Batterien zu entwickeln und sich die dafür benötigten Rohstoffe zu sichern. Von den westlichen Automobilherstellern, die blind auf ihre Verbrennertechnologie vertrauten, nicht weiter ernst genommen, entwickelte man in China mit staatlicher Unterstützung sowohl die passenden Motoren und Antriebsstränge als auch die benötigten Batterien.
Der Verlust der traditionellen Automobilindustrie hat regional dramatische Auswirkungen
Die Tatsache, dass die deutsche Automobilindustrie in der Hoffnung, dass sie ihren Erfolg bei den Verbrennern einfach fortschreiben könne, die Augen vor der Entwicklung in China und Südostasien einfach verschlossen hatte, büßen jetzt nicht nur die Beschäftigten der Automobilhersteller und ihrer Zulieferer, sondern letztlich auch die Einwohner der süddeutschen, vom Automobil geprägten Regionen.
[...] Leapfrogging hilft Entwicklungsländern auf die Sprünge
Noch fehlt es Afrika an Strom. Bis vor wenigen Jahren hatten über eine Milliarde Afrikaner so wenig Strom zur Verfügung wie die gut elf Millionen Belgier. In Uganda ist bislang nur jeder vierte Haushalt an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.
Bei der Elektrifizierung folgen viele Länder Afrikas inzwischen weniger dem Weg der westlichen Industriestaaten mit der Verstromung fossiler Brennstoffe, die zu einem hohen CO2-Ausstoß führt, sondern nutzen stattdessen immer stärker das Potenzial ihrer natürlichen Ressourcen Wind, Wasser und Sonne. Kenia etwa investiert Milliarden US-Dollar in Solar- und Windkraftanlagen.
[...] Doch die Erträge der kleinbäuerlichen Betriebe in Afrika lassen sich noch erheblich steigern. Als Schlüssel dazu gilt die Mischwirtschaft. Dabei werden etwa Soja und Mais zeitgleich auf dem gleichen Feld angebaut und verstärken einander im Wachstum. Das ist ein Grund, warum die UN-Organisation IFAD (Internationaler Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung) gezielt auf die Förderung kleinbäuerlicher Betriebe setzt.
Mit industriellen Erntemaschinen geht eine solchem Mischwirtschaft nicht. Und damit hat Afrika eine Chance, die Fehler der industrialisierten Landwirtschaft der Industrieländer zu überspringen.
Für die Industrieländer, welche die Last ihrer etablierten Industrien weiter schleppen und gleichzeitig nach Lösungen für morgen suchen müssen, ist diese Doppelbelastung schwer zu ertragen.
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„Am Ende ganz ohne Atommüll“: CSU fordert Rückkehr der Atomkraft in Deutschland
Ziel der neuen deutschen Atomforschung müsse es sein, „vom Nachzügler wieder zum Vorreiter“ zu werden, heißt es in einem CSU-Papier. Die Partei träumt von einer „Kreislaufwirtschaft für die Kernenergie“.
Zur Sicherstellung der Energieversorgung setzt die CSU im Bundestag trotz Atomausstiegs auf eine Rückkehr der Kernenergie in Deutschland und den Bau von Mini-Kernkraftwerken. Konkret fordern die Christsozialen die Erforschung und den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für die Kernenergie.
„Wir wollen den Turnaround bei der Kernforschung schaffen. Unser Land kann es sich nicht leisten, neue Technologien zu verschlafen“, heißt es im Entwurf eines Positionspapiers, das bei der Klausur der CSU-Abgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon beschlossen werden soll.
Die Winterklausurtagung findet vom 6. bis 8. Januar statt – erstmals unter der Leitung von Landesgruppenchef Alexander Hoffmann. Als Gäste erwartet werden unter anderem der litauische Präsident Gitanas Nauseda und Kanzler Friedrich Merz (CDU). Wie jedes Jahr kommt auch CSU-Chef Markus Söder.
[...] Umstritten ist bei der Kernenergie auch der Verweis auf kostengünstige Energie. Selbst die früheren Betreiber der Atommeiler erklären seit Langem, dass Atomstrom die teuerste Form der Stromerzeugung mit bis zu 49 Cent pro Kilowattstunde ist. Der 2023 umgesetzte Atomausstieg in Deutschland basiert auf einem Beschluss des Bundestages, dem auch die CSU 2011 zugestimmt hatte. Die Frage zur Nutzung der Kernenergie ist in Deutschland dennoch weiterhin hochumstritten und wird kontrovers diskutiert.
Das Positionspapier der CSU setzt zudem auf die Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher – also auch Privatpersonen. Zudem werden dort wiederholt die vollständige Abschaffung des Heizgesetzes samt der Förderung von emissionsarmen Wärmelösungen inklusive des Heizens mit Holz genannt.
[...] Außerdem werden der Bau eines Fusionsreaktors in Deutschland und neuer Gaskraftwerke gefordert. Deutschland müsse „Selbstversorger“ bei Gas werden. Des Weiteren setzt der CSU-Energiemix auf eine verstärkte Nutzung von Bioenergie und perspektivisch auch von Wasserstoff.
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1. Januar 1977 (INES 5) Akw
Belojarsk, UdSSR
Im Block 2 ereignete sich eine teilweise Kernschmelze, die Reparaturen dauerten mehr als ein Jahr …
(Kosten ca. 3500 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Langsam aber sicher werden relevante Infos zu Störungen in der Atomindustrie aus Wikipedia entfernt!
Wikipedia de
Kernkraftwerk Belojarsk#Störfälle Block 2
1977 wurde in Block 2 die Hälfte der Brennelemente in der aktiven Zone zerstört ...
Liste von Unfällen in kerntechnischen_Anlagen#1970er_Jahre
Bei einem Unfall schmolzen 50 % der Brennstoffkanäle des Blocks 2 vom Belojarsker KKW, einem Druckröhrenreaktor ähnlich dem RBMK. Die Reparatur dauerte etwa ein Jahr. Das Personal wurde hohen Strahlenbelastungen ausgesetzt.
Wikipedia en
Übersetzung https://www.DeepL.com/Translator
Nuclear power accidents by country#Russia
AtomkraftwerkePlag
Beloyarsk (Russland)
1964 bis 1979 gab es eine Serie von Ereignissen, bei denen in Beloyarsk-1 Brennstoffkanäle zerstört und Arbeiter mit erhöhter Strahlung belastet wurden. 1977 schmolzen 50 % der Brennelemente in Beloyarsk-2; das Personal wurde hoher Radioaktivität ausgesetzt. Die Reparaturarbeiten dauerten ungefähr ein Jahr. Der Vorfall wurde als ernster Unfall mit INES-Stufe 5 klassifiziert. Bei einem Feuer, das wegen einer herunterfallenden Abdeckplatte am 31. Dezember 1978 ausbrach, erlitten acht Personen eine erhöhte Strahlendosis ...
Es wurde zudem über diverse Störfälle beim Brüter-Betrieb in den 1990er Jahren berichtet ...
31. Dezember
Bei 35 Grad am Traumstrand: Wo bleibt da noch die Selbstentfaltung?
Der Soziologe Philipp Staab beschreibt, wie der Klimawandel unsere Gesellschaft in eine Systemkrise geführt hat und warum der grüne Kapitalismus als Lösung bei vielen nicht verfängt.
Philipp Staab hat als Soziologe selbstredend ein gutes Gespür für Begriffe, die die Gesellschaft erklären sollen. Ein Begriff, den er während der Ampelregierung immer wieder hörte, war der von der "ökologischen Klasse". Bei Staab löste er Unbehagen aus.
Was ist damit eigentlich gemeint?, fragte er sich. Und wo war diese Klasse bloß, während die Energiewende so richtig Gegenwind bekam, als sie mit dem Heizungsgesetz in die Haushalte einzog und sich der Wut auf der Straße, in den Gazetten und an den Urnen entlud?
Staab, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, begab sich auf die Spur der ökologischen Klasse. Ab April 2023 schickte er seine Studierenden in Unternehmen, die für grünen Wandel stehen, also etwa Elektroautos oder Solarmodule fertigen. In Deutschland arbeitet immerhin mehr als ein Fünftel in grünen Berufen.
Staab erwartete eigentlich, "auf die stillen Operateure der grünen Erneuerung zu treffen, die mit politischem Rückenwind ausgestattet nun ihre Eroberung der alten Industriegesellschaft beginnen sollten". Also auf eine Art "ökologische Klasse."
Doch diese fand er nicht vor. Von einer begeisterten Unterstützung jener Gruppe für die Energiewende, so ergaben die 72 Interviews, konnte nicht die Rede sein. Warum war das so?
Staab ist heute überzeugt, dass nicht nur die handwerklichen Fehler beim Heizungsgesetz schuld daran waren. Die Gründe reichen tiefer. Staab spricht von einer "Identitätskrise der spätmodernen Gesellschaft".
[...] Politische Kipppunkte
Das Problem der etablierten Parteien sei, dass sie mit alten Rezepten versuchen würden, bei den Wählerinnen und Wählern zu punkten. Also mit dem Versprechen auf eine bessere Zukunft durch die ökologische Modernisierung.
Das aber rufe bei der Bevölkerung Abwehr hervor, selbst bei so harmlosen Vorschlägen wie dem "Veggieday". Denn im Wissen um die gestohlene Zukunft entstehe der Wunsch, die Gegenwart zu umklammern samt dem alten fossilen Grundgerüst.
"Zwar hat der größte Teil der Menschen Angst vor den Flammen", schreibt Staab. "Aber gegen die politischen Löschversuche regt sich massiver Unmut bis zu dem Punkt, dass die Feuerwehr davongejagt wird."
[...] Braucht es wirklich erst eine ökologische Klasse, eine laute Massenbewegung, die für die grüne Transformation auf die Straße geht? Oder reicht es nicht vielmehr, wenn Solarmodule und Wärmepumpen, Batteriespeicher und E‑Autos so attraktiv werden, dass sich die Leute allein mit Blick auf ihren Geldbeutel dafür entscheiden?
Zumindest die passive Unterstützung für die Transformation scheint da zu sein. Ob aber die ökologische Modernisierung der richtige Weg ist, um aus der von Staab ausgemachten Systemkrise zu führen, die sich in Klimawandel und Artensterben manifestiert, ist freilich eine andere Frage...
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Frankreich: Neues AKW? - Nicht vor 2038!
Bei Atomstrom nichts Neues: später und viel teurer
Das neue Reaktordesign namens ERP2 ist nicht einmal noch ausgreift verfügbar, kritisierte der französische Rechnungshof 2023. Ohne dass die angesprochenen Probleme inzwischen beseitigt worden wären, dreht sich das AKW-Karussell weiter.
Das stört die Aktivitäten der wegen Unrentabilität vor 2 Jahren verstaatlichten EDF (Électricité de France; Betreiber von 56 AKWs) kaum. Baubeschlüsse für sechs neue Reaktoren sollen trotzdem bereits 2026 gefällt werden.
Rasch wurden noch davor die wesentlichsten zwei Daten verändert. Man ahnt es als Atomstromkenner schon; es sind die Baukosten und der Zeitpunkt der Inbetriebnahme. In beiden Fällen wie gewohnt ins Negative, also teurere Reaktoren und die später am Netz.
Die AKW-Kostenexplosion hat die üblichen Ausmaße, wenn vergleichsweise Projekte aus den letzten 30 Jahre herangezogen werden: Aus 2020 veranschlagten 51 Mrd. € sind 2025 satte 79 Mrd. € geworden. Wenn der sechste Reaktor Strom erzeugen wird, wird die Schwelle von 100 Mrd. € sicher überschritten sein.
In Atomkraftkreisen würde man sagen: Business as usual.
Der Ordnung halber seit noch hinzugefügt: Den ökonomischen Wahnsinn zahlen primär die Franzosen mit Steuergeld. Denn Privatinvestoren würden AKWs mangels Rentabilität nie und nimmer finanzieren...
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31. Dezember 1978 (INES 4) Akw Belojarsk, UdSSR
Wikipedia de
Kernkraftwerk Belojarsk#Störfälle Block 2
Am 30./31. Dezember 1978 sank die Temperatur in der Gegend auf bis zu −50 °C. In der darauffolgenden Silvesternacht kam es durch die niedrigen Temperaturen zu einem schweren Zwischenfall, der sich fast zu einem GAU ausgedehnt hätte. Das Dach der Turbinenhalle stürzte aufgrund von Materialermüdung ein. Teile fielen auf den Generator und es kam zu einem Kurzschluss, der einen Brand in der Turbinenhalle auslöste. Messleitungen zum Reaktor wurden zum Teil zerstört. Brennendes Öl erschwerte es den Feuerwehrleuten, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Um einen GAU zu verhindern, musste der Reaktor heruntergefahren werden. Dichter Rauch gelangte in die Schaltwarte, so dass das Bedienpersonal die Schaltwarte zeitweilig verlassen musste und nur für eine kurze Zeit diese zwischenzeitlich wieder betreten konnte, um einige Schaltungen durchzuführen. In den ersten Stunden machte man sich aus Sorge vor Konsequenzen daran, die nahegelegene Arbeiterstadt Saretschny zu evakuieren. Man versuchte bereits, in der Oblast Swerdlowsk viele Busse und Züge für die Evakuierung zu organisieren.
Acht Menschen wurden schwer radioaktiv verstrahlt, knapp zwei Dutzend waren zeitweise durch das Rauchgas bewusstlos, aber nach einigen Stunden waren die Reaktoren wieder unter Kontrolle ...
30. Dezember
Einsätze im Gazastreifen
Israel entzieht Hilfsorganisationen die Lizenz
Nach mehr als zwei Jahren Krieg ist die humanitäre Lage im Gazastreifen weiter katastrophal. Trotzdem untersagt Israel künftig zahlreichen Hilfsorganisationen Einsätze in dem Gebiet. Betroffen ist auch Ärzte ohne Grenzen.
Zahlreiche internationale Hilfsorganisationen sollen ab Anfang Januar keinen Zugang mehr zum Gazastreifen bekommen. Israel wirft ihnen vor, gegen neue Regeln der Regierung verstoßen zu haben. Diese sähen eine Überprüfung internationaler Organisationen vor, die im Gazastreifen tätig sind.
Betroffen ist demnach unter anderem Ärzte ohne Grenzen. Der Hilfsorganisation wird dem Ministerium zufolge zur Last gelegt, Aufgaben von Mitarbeitern, denen Israel eine Kooperation mit der Hamas und anderen militanten Gruppen vorgeworfen hat, nicht ausreichend geklärt zu haben.
37 Hilfsorganisationen betroffen
Nach Angaben des Diaspora-Ministeriums sind bisher 37 Organisationen vom Entzug der Zulassung betroffen. Nach Darstellung Israels erbringen diese Organisationen nur einen kleinen Teil der gesamten Hilfsleistungen im Gazastreifen. Ärzte ohne Grenzen teilte dagegen mit, sie sei "eine der größten medizinischen Organisationen, die derzeit im Gazastreifen tätig sind"...
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Steigender CO₂-Preis
VdK fordert Unterstützung für Geringverdiener
Zum 1. Januar steigen die CO₂-Preise für fossile Brennstoffe. Der Sozialverband VdK fordert Entlastungen für einkommensschwache Haushalte.
epd/ |taz | Angesichts steigender CO₂-Preise fordert der Sozialverband VdK eine gezielte Entlastung von Geringverdienern. „Während Haushalte mit höheren Einkommen die steigenden CO₂-Preise vergleichsweise leichter tragen oder durch Umstieg auf klimafreundliche Alternativen kompensieren können, trifft die Belastung kleine Einkommen deutlich härter“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Dienstag. Menschen mit geringen finanziellen Ressourcen verfügten häufig nicht über die nötigen Mittel, um beispielsweise auf ein E-Auto umzusteigen.
Nötig sei ein „sozial gerechtes Klimapaket“, betonte Bentele. Dazu gehöre die gezielte Förderung von E-Mobilität, die untere Einkommensgruppen beim Umstieg auf E-Autos etwa durch eine Kaufprämie unterstütze. Zudem brauche es einen zuverlässigen öffentlichen Nahverkehr, ein preisstabiles Deutschlandticket sowie ein bundesweites Sozialticket als echte Alternative zum eigenen Auto.
Um die Energiepreise beim Heizen von Wohnungen zu senken, müsse es eine sozial gestaffelte Förderung für die Sanierung von Gebäuden geben, fügte Bentele hinzu. Die VdK-Präsidentin sprach sich zudem dafür aus, die Überlegungen für ein sozial gestaffeltes Klimageld wieder aufzugreifen. Eine solche Kompensationszahlung hatte die Ampelkoalition in der vergangenen Legislatur angekündigt, aber schließlich nicht umgesetzt.
Verbraucher*innen müssen ab kommendem Jahr einen höheren CO2-Preis auf Heizöl, Erdgas, Benzin und Diesel zahlen. Ab dem 1. Januar wird pro Tonne Kohlendioxid ein Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro eingeführt. Die Preissteigerung beläuft sich laut Bundesumweltministerium auf bis zu etwa 3 Cent pro Liter bei Benzin und Diesel und bis zu 0,22 Cent je Kilowattstunde bei Erdgas...
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Debanking als politische Waffe
Die Kontokündigungen bei der Roten Hilfe und andere Organisationen zeigen, dass der autoritäre Staatsumbau nicht nur in den USA voranschreitet und das Verschwinden des Bargelds keine so gute Idee ist.
Eigentlich sind die Jahresendtage auch bei der linken Gefangenenhilfsorganisation Rote Hilfe eine Zeit, wo die politischen Aktivitäten etwas pausieren. Doch in diesem Jahr waren die letzten Tage für vielen Ehrenamtlichen und die wenigen Festangestellten der Roten Hilfe besonders stressig. Das zeigen gleich zwei Pressemitteilungen des RH-Bundesvorstands in den letzten Tagen.
Am 23. Dezember teilte die RH mit, dass ihr in einer konzertierten Aktion gleich zwei Banken sämtliche Konten gekündigt haben. Dabei handelt es sich um die sich selbst als sozialökologisch verstehende GLS-Bank und die Göttinger Sparkasse. Beide Banken haben angekündigt, die Konten der RH innerhalb von zwei Monaten auflösen zu wollen. Gründe haben sie nicht genannt. Daher ist die RH auch nur auf Vermutungen angewiesen. So heißt es in der Pressemitteilung:
„Nach Einschätzung der Roten Hilfe stehen die zeitlich eng aufeinander folgenden Kündigungen in direktem Zusammenhang mit der Entscheidung der US-Regierung unter Donald Trump, die sogenannte ‚Antifa Ost‘ als ausländische Terrororganisation zu listen. Diese Maßnahme hat keine Entsprechung im deutschen Recht und basiert auf einem einzelnen Strafverfahren mit äußerst fragwürdiger Beweislage. Die Bundesregierung hat die Einstufung nicht übernommen und mehrfach betont, dass von dem allein juristischen Konstrukt ‚Antifa Ost‘ keine erhebliche Gefährdung ausgehe. Dennoch entfaltet die US-Entscheidung faktisch globale Wirkung.“
In der zweiten Pressemitteilung vom 26.12. gab die RH einen Überblick über die bisherigen Reaktionen auf die Kontokündigungen und wies auf eine Veranstaltung unter dem Titel „Debanking und die Folgen für die Rote Hilfe e.V“ hin, die auf der Konferenz des Chaos Computer Clubs kurzfristig angesetzt wurde. Diese spontane Terminierung war auch ein Akt der Solidarität und es ist wichtig, dass sich mit dieser neu geschärften Waffe der repressiven Staatsapparate viele Organisationen beschäftigen sollten, die nicht der Staatsraison folgen und auf funktionierende Kontoverbindungen angewiesen sind.
[...] Erst vor wenigen Wochen vermeldete die DKP, dass ihr die GLS-Bank die Konten schon zum 31. Dezember 2025 gekündigt hat. Auch ihr wurden keine Gründe genannt, aber es gab vorher von einer GLS-Mitarbeiterin eine gezielte Nachfrage nach einen Spendenkonto für Kuba. Tatsächlich berichtete bereits im Juni 2020 der linke Schweizer Vorwärts:
„Immer mehr Banken führen keine Inlandzahlungen mehr durch, die einen Bezug zu Kuba haben. Konkret: Mitgliederbeiträge und Spenden an Solidaritätsorganisationen werden verweigert. Es ist die Umsetzung der Verschärfungen der US-Blockade gegen Kuba hier bei uns.“...
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Manipulierte Monsanto die Forschung zu Glyphosat?
Eine der wichtigsten Glyphosat-Studien wurde zurückgezogen, auch weil Hersteller Monsanto daran verdeckt mitschrieb. Nun zeigt sich: Auch eine zweite Studie wird geprüft.
Sasha Kaurov staunt noch heute, der Erste gewesen zu sein: Gemeinsam mit der renommierten US-Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes forderte er im Sommer den Rückzug einer umstrittenen Studie zur gesundheitlichen Wirkung des Unkrautvernichters Glyphosat, die schon vor 25 Jahren erschienen war. Die Arbeit von Williams, Kroes und Munro hatte das weltweit meistgenutzte Pestizid im Jahr 2000 für unbedenklich und nicht krebserregend erklärt. Bis heute prägt das Papier die wissenschaftliche Debatte – obwohl schon 2017 öffentlich wurde, dass Monsanto die Studie verdeckt mitverfasst hatte. Monsanto ist der Hersteller des meistverkauften Pestizids der Welt, inzwischen ist er mit dem deutschen Chemiekonzern Bayer fusioniert.
Fünf Monate nach der Beschwerde-E-Mail an den Verlag des Journals Regulatory Toxicology and Pharmacology zog dieser die Studie zurück: Der Chefredakteur erklärte schriftlich, es bestünden erhebliche Zweifel an der Autorenschaft und den Ergebnissen, die offenbar durch Interessenkonflikte belastet seien. Die drei Autoren hätten möglicherweise Geld für die Studie erhalten und dies verschwiegen. Der Artikel habe lange als "Meilenstein" für die Sicherheitsbewertung von Glyphosat gegolten – nun sei unklar, wie glaubwürdig die Schlussfolgerungen seien.
Der Vorgang ruft Fragen in Erinnerung, die sich seit der Veröffentlichung der internen Dokumente des Konzerns Monsanto im Jahr 2017 stellen: Hat das Unternehmen Forschungsarbeiten zur gesundheitlichen Wirkung des weltweit wohl berühmtesten Unkrautvernichters manipuliert? Wie viel Vertrauen verdienen Zulassungsbehörden, deren Einschätzungen auch auf diesen Arbeiten basierten? Müssen sie ihre Bewertung neu aufrollen? Nach ZEIT-Recherchen prüft der Verlag eines weiteren wissenschaftlichen Journals inzwischen mindestens eine Veröffentlichung zu Glyphosat.
Um diese Dokumente geht es
2017 wurden interne Dokumente, darunter E-Mails von Monsanto-Mitarbeitenden, in einem US-amerikanischen Gerichtsprozess öffentlich. Sie diskutierten darin offen über Studien, die sie teilweise oder vollständig selbst verfasst – und die wahre Urheberschaft verschleiert hatten...
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SMRs in der Krise: Mini-Atomkraftwerke halten Versprechen nicht
Kleine modulare Kernreaktoren gelten bei manchen Akteuren seit einigen Jahren als Hoffnungsträger der Energiepolitik. Allerdings zeigt sich immer deutlicher, dass sie die Versprechen schlicht nicht halten können.
Die Atombranche träumt
Kaum eine neue Technologie wurde zuletzt so offensiv beworben wie die sogenannten Small Modular Reactors (SMR). Sie sollen günstiger, schneller zu bauen und flexibler einsetzbar sein als klassische Atomkraftwerke. Doch während Regierungen und große Konzerne weiter auf die Mini-Meiler setzen, zeigen sich bereits deutliche Risse im optimistischen Bild, berichtet die Financial Times.
SMR unterscheiden sich vor allem durch ihre Größe von herkömmlichen Reaktoren. Selbst die leistungsstärksten Modelle kommen lediglich auf etwa 350 Megawatt und bieten damit nur einen Bruchteil der Kapazität großer Anlagen. Genau darin liegt ihr vermeintlicher Vorteil: geringere Anfangsinvestitionen und kürzere Bauzeiten sollen Atomstrom attraktiver machen, insbesondere im Zuge der globalen Energiewende.
[...] An den Finanzmärkten ist die Begeisterung zuletzt deutlich abgekühlt. Mehrere US-Unternehmen aus dem SMR-Sektor haben massive Kursverluste hinnehmen müssen. Investoren zweifeln zunehmend daran, ob sich die Technologie wirtschaftlich durchsetzen kann. Denn obwohl die Anlagen kleiner sind, liegen die Kosten pro erzeugter Einheit Strom oft höher als bei großen Reaktoren. Zudem fehlt bislang ein einheitlicher Industriestandard: Weltweit existieren fast 130 unterschiedliche SMR-Konzepte.
Mehr strahlender Müll
Hinzu kommen bekannte Probleme der Atomenergie. Die Versorgung mit Uran ist geopolitisch heikel, die Anreicherung konzentriert sich auf wenige Staaten. Studien deuten außerdem darauf hin, dass SMR teilweise deutlich mehr radioaktiven Abfall produzieren als herkömmliche Kraftwerke. Sicherheitsfragen bleiben ebenfalls zentral - denn viele kleine Atomkraftwerke lassen sich längst nicht so einfach insbesondere vor terroristischen Anschlägen absichern wie eine große Anlage...
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30. Dezember 1958
(INES 4) Los Alamos, NM, USA
Aufgrund eines Unfalls im Los Alamos National Laboratory starb ein Operator an akuter Strahlenkrankheit.
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Langsam aber sicher werden relevante Infos zu Störungen in der Atomindustrie aus Wikipedia entfernt!
Dieser INES 4 Unfall und zwei weitere Unfälle mit insgesamt 3 Toten werden in vier Sätzen abgehandelt.
Wikipedia de
Los Alamos National Laboratory#Probleme
Probleme
In den 1940er und 1950er Jahren ereigneten sich in Los Alamos drei Atomunfälle mit tödlichen Folgen, zwei davon mit demselben Plutoniumkern, dem sogenannten Demon Core (INES 4). Der dritte Kritikalitätsunfall (30. Dezember 1958) betraf das unsachgemäße Hantieren mit einer plutoniumhaltigen Flüssigkeit. (Der Operator starb an akuter Strahlenkrankheit)
Dieser Unfall führte dazu, dass in den USA bei der Arbeit mit kritischen Massen von Handarbeit zur Verwendung von Manipulatoren übergegangen wurde.
Auf dem Gelände des LANL befinden sich große Mengen radioaktiver Abfälle. Die Wiederaufarbeitung und Entsorgung ist bis heute andauernd.
Die Plutonium Facility PF-4 des LANL, eine zentrale Einrichtung des Stockpile-Stewardship-Programms zur Erhaltung des vorhandenen Nuklearwaffenpotentials der USA, ist seit 2014 wegen mangelhaften Risikomanagements im Umgang mit Spaltmaterial geschlossen ...
29. Dezember
Umstrittenes Gutachten zur Energiewende
Neue Hinweise auf Einflussnahme des Wirtschaftsministeriums
Greenpeace hat 28 Änderungen am Energiewende-Monitoring aufgedeckt. Laut Ministerium gehen sie auf die Wissenschaftler zurück. Doch es gibt Zweifel.
Der Verdacht auf Einflussnahme des Bundeswirtschaftsministeriums auf das wissenschaftliche Energiewende-Monitoring bekommt neue Nahrung. Das Haus von Katherina Reiche (CDU) hat Vorwürfe der Umweltorganisation Greenpeace zu Änderungen an dem Gutachten mit Hinweis auf einen Bericht der Bundesnetzagentur zurückgewiesen, der erst nach der Abgabe der ursprünglichen Fassung veröffentlicht wurde. Doch dieser Bericht wurde dem begutachtenden Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität Köln (EWI) bereits vorab zugestellt, berichtet der Newsletter-Dienst Table.Briefings.
Der Hintergrund: Reiche hat im Frühsommer beim EWI das Gutachten in Auftrag gegeben. Diese Expertise soll Grundlage für weitere Entscheidungen sein. Kritiker:innen fürchten, dass die Ministerin das Monitoring als Grundlage für ein Abwürgen der Energiewende nutzt. Deshalb sind Hinweise auf eine Einflussnahme brisant.
Ende August hat das Ministerium einen Entwurf vom EWI bekommen, im September veröffentlichte Reiche die finale Fassung. Greenpeace hat nach einem Antrag im Rahmen des Informationsfreiheitsgesetzes Zugang zu dem Entwurf sowie dem E-Mail-Verkehr zwischen den Gutachtern und dem Ministerium bekommen. Ein Vergleich mit der veröffentlichten Fassung zeigte 28 Änderungen, die Greenpeace zufolge weit über rein redaktionelle Eingriffe hinausgehen.
[...] Dass die Abweichungen auf die Wissenschaftler und nicht auf das Ministerium zurückgehen, erscheint zweifelhaft. Denn die Gutachter haben laut Table.Briefings am 29. August explizit erklärt, keine Änderungen mehr vornehmen zu wollen. Das Ministerium habe dem EWI aber mitgeteilt, es werde das Institut informieren „ob und welche Anpassungen erforderlich werden“.
Das Bundeswirtschaftsministerium bleibt bei seiner Darstellung. „Wie bereits dargelegt, liegen alle Änderungen, die die Gutachter zwischen der Entwurfs- und der finalen Fassung des Berichts am Bericht vorgenommen haben, in der Verantwortung der Gutachter“, sagte eine Sprecherin der taz. Die Gutachter hätten Gelegenheit zum fachlichen Austausch mit der Bundesnetzagentur gehabt. Der habe auch einen vertraulichen Einblick in den Bericht zur Versorgungssicherheit umfasst, bestätigte sie. Das EWI ist für Anfragen erst wieder am 5. Januar erreichbar.
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2025: Der Streit
Zündstoff aus Garching
Der Forschungsreaktor der TU München steht reparaturbedingt weiter still, im neuen Jahr aber soll er wieder hochgefahren werden. Mehr Aufmerksamkeit dürfte allerdings der aufgelaufene Atommüll erregen: Dieser soll in den kommenden Monaten abtransportiert werden – über Hunderte Kilometer.
Sie hoffen nun also auf das neue Jahr. Wieder einmal, könnte man sagen. 2026 sollen die Kernphysikerinnen und Wissenschaftler der verschiedenen, teils internationalen Forschungsgruppen endlich wieder Versuche mit Neutronen am Forschungsreaktor in Garching machen können. Eigentlich hatten die Betreiber schon angekündigt, dass der FRM II, die Forschungsneutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz, wenn schon nicht im Sommer 2024, so doch zumindest 2025 nach Jahren des Stillstands wieder in Betrieb gehen sollte. Doch die Reparaturen verzögerten sich abermals. Der Zentralkanal, das Herzstück der Anlage, muss ersetzt werden; die Spezialanfertigung gestaltet sich komplexer als gedacht. Jedes Material, jedes Fertigungsverfahren muss eigens zertifiziert werden.
„Derzeit warten wir auf die Prüfergebnisse für die letzte Schweißnaht am Prototyp des Zentralkanals“, erklärt FRM-II-Pressesprecherin Andrea Voit. Erst wenn auch dieses letzte Schweißverfahren abgenommen ist, kann das eigentliche Werkstück, auf das alle warten, gefertigt werden.
[...] Für abgebrannte Brennelemente geht in Garching der Platz aus
Andererseits verursacht ein still stehender Forschungsreaktor keinen Atommüll. Die abgebrannten Brennelemente, die sich seit der Inbetriebnahme des FRM II im Jahr 2004 angesammelt haben, lagern bisher in Garching in einem Abklingbecken. Das Becken wird langsam, aber sicher voll. Von den maximal 50 Plätzen sind bereits 47 belegt. Soll der Forschungsreaktor also 2026 tatsächlich wieder anlaufen, muss der Atommüll weggeschafft werden.
Der Weg dafür ist politisch seit Langem vorgezeichnet: Die Garchinger Brennelemente werden, so ist es vertraglich geregelt, in Ahaus im Münsterland zwischengelagert, bis es irgendwann ein Endlager für Atommüll in Deutschland geben wird. Die bisher noch fehlenden, nötigen Genehmigungen für einen Transport von insgesamt zehn Brennelementen, jeweils fünf in einem Spezialbehälter, hat das zuständige Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) im August 2025 erteilt; sie sind knapp zwei Jahre gültig.
[...] Eine bessere Alternative wäre es angesichts all dessen, den Garchinger Reaktor weiterhin stillstehen zu lassen, bis ein niedrig angereicherter Brennstoff vorliegt, meint Grünen-Politiker Büchler. Inzwischen hat die TU München als Betreiberin des FRM II die Forschung an einem solchen Brennstoff zumindest offiziell begonnen und meldet nun erste Erfolge: Die Bestrahlungstests des neuen Brennstoffs unter realen Bedingungen, wie sie am FRM II auftreten, seien erfolgreich abgeschlossen worden. Noch bis Ende 2025 werde man einen offiziellen Genehmigungsantrag für die Umrüstung einreichen. Doch auch hier ist der Zeitrahmen sehr weit: Mit der Genehmigung planen die Verantwortlichen am FRM II erst Ende 2030. So lange freilich dürfte der Forschungsreaktor nicht stillstehen.
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Wenn die Realität schneller ist als die Regulierung: Deutschlands Speicherboom
Großbatteriespeicher sind so günstig geworden, dass die Planungen von Politik und Verwaltung wieder einmal Makulatur sind. Sie sind die neue Grundstruktur unseres erneuerbaren Energiesystems.
Während das politische Chaos von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zu erwarten war – vielleicht nicht in dieser Dimension, aber doch in seiner Grundrichtung –, trat im Jahr 2025 eine Technologie aus dem Schatten, die politisch lange nur als Randnotiz der Energiewende galt: Großbatteriespeicher.
Reiches Monitoringbericht zur Energiewende im September blendete das Thema Batterien weitgehend aus, und selbst in ihrem Zehn-Punkte-Plan sucht man es vergeblich. Genau hier liegt die eigentliche Überraschung: Der Durchbruch fand dennoch statt.
Mit der baurechtlichen Privilegierung von Großspeichern hat der Bundestag im November einen überfälligen Schritt getan – weg von einer kommunalen und länderspezifischen Behördenlotterie, hin zu einer bundeseinheitlichen Regulierung.
Damit ist klar: Diese Technologie ist ein zentraler, integraler und systemrelevanter Baustein eines flexiblen, erneuerbaren Stromsystems. Diese neue Planungssicherheit für Projektierer und Investoren lässt erwarten, dass die Projektpipeline für Großbatteriespeicher weiter wachsen wird.
[...] Deshalb muss der Ausbau der Speicherkapazitäten auf das nächste Level gehoben werden. Großbatteriespeicher sind keine Ergänzung mehr, sondern Teil der Lösung. Sie sind die neue Grundstruktur unseres Energiesystems. Sie ermöglichen eine Energiewende, die uns unabhängig macht. Kurz: Sie machen ein vollständig erneuerbares Energiesystem jetzt so richtig praktikabel.
Damit steht die Überraschung des Jahres fest: Der Markt hat gezeigt, wie schnell sich eine Infrastruktur verändern kann, wenn eine Technologie ausgereift und wirtschaftlich attraktiv ist. Während Batterien in Berichten und Strategiepapieren noch ignoriert wurden, entsteht gerade eine Speicherlandschaft, die jede bisherige Prognose übertrifft.
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Polens Energiewende gewinnt Speed: Erneuerbare Kapazität soll bis 2035 auf 91,5 GW steigen
Vor allem Solarenergiefreiflächen wachsen vehement
Polens Stromversorgung war jahrzehntelamg stark von Steinkohle und Braunkohle geprägt, da diese vor Ort agebaut wurde. Doch dieses Modell gerät immer mehr unter Druck: alternde Kohlekraftwerke, ein wachsender Strombedarf sowie die Dekarbonisierungsvorgaben der Europäischen Union verändern die Prioritäten in der Energiepolitik grundlegend. Während die Kohleverstromung schrittweise zurückgeht, verlagern sich Investitionen und Kapazitätsausbau immer stärker in Richtung erneuerbarer Energien.
Vor diesem Hintergrund prognostiziert GlobalData, ein internationales Analyse- und Consultingunternehmen einen massiven Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung in Polen. Demnach soll die installierte Leistung aus erneuerbaren Energien von rund 33,3 GW im Jahr 2024 auf mehr als 91,5 GW bis 2035 anwachsen.
[...] Solar- und Windkraft als treibende Kräfte
Den größten Anteil am Ausbau der erneuerbaren Kapazitäten werden Solar- und Windenergie übernehmen.
Die installierte Leistung von Photovoltaikanlagen lag 2024 bei etwa 21,2 GW und soll bis 2035 auf rund 59,1 GW anwachsen, sich also mehr als verdoppeln. Getragen wird dieses Wachstum durch große Freiflächenprojekte, den weiteren Ausbau dezentraler Anlagen sowie durch Auktionsmodelle im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes.
Auch Windenergie bleibt ein zentraler Pfeiler. An Land soll die Windkraftkapazität von etwa 10,1 GW im Jahr 2024 auf rund 17,7 GW im Jahr 2035 steigen. Ermöglicht wird dies unter anderem durch Anpassungen bei Abstands- und Genehmigungsregeln sowie durch neue Investitionsimpulse. Zusätzlich kommt ab 2026 Offshore-Windkraft ins Spiel: In der Ostsee entstehen demnächst großskalige Projekte, die bis 2035 eine Leistung von etwa 12,3 GW erreichen sollen. Grundlage dafür sind das Offshore-Wind-Gesetz sowie langfristige Vertragsmodelle.
[...] Strategische Leitlinien wie die Energiepolitik Polens bis 2040 und der aktualisierte Nationale Energie- und Klimaplan schaffen Planungssicherheit für Investoren. Gleichzeitig spielt der Netzausbau eine Schlüsselrolle: Investitionen des staatlichen Übertragungsnetzbetreibers Polskie Sieci Elektroenergetyczne S.A. sind entscheidend, um steigende Mengen schwankender erneuerbarer Erzeugung in das Stromsystem zu integrieren...
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US-Medien
Zensiert – blamiert
Das Nachrichtenmagazin CBS kippt die Ausstrahlung eines TV-Beitrags. Der legt Misshandlungen von abgeschobenen Geflüchteten nach El Salvador offen.
Selten hat sich Zensur so auf offener Bühne beobachten lassen wie im Fall des TV-Beitrags über das salvadorianische Foltergefängnis CECOT, der von der CBS-Nachrichtenchefin Bari Weiss drei Stunden vor der Ausstrahlung des etablierten investigativen Magazins gekippt wurde. Ihre Begründung, der Beitrag sei journalistisch mangelhaft, erweist sich als vorgeschoben.
Der knapp 14-minütige Film enthält schockierende Szenen und Zeugenaussagen von venezolanischen Migranten, die im März durch die Trump-Regierung verhaftet und nach El Salvador ausgeflogen worden waren. Man hatte sie entkleidet, kahl geschoren, brutal misshandelt und kaum bekleidet in Sammelzellen eingesperrt, wo sie wie Pakete auf Stahlregalen kauern mussten.
Der Beitrag war nicht mangelhaft, sondern hatte bei CBS bereits alle redaktionellen und juristischen Überprüfungen bestanden. Er ist ein drastisches Dokument, wie weit die derzeitige US-Regierung in ihrem Kampf gegen Migranten Menschenrechte verletzt. Er widerlegt auch die Behauptung von Trumps Sprecherin, nur übelste Kriminelle seien nach El Salvador gebracht worden. Vielmehr waren die Hälfte der Verhafteten bislang nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.
[...] Bari Weiss hatte keine Erfahrungen im TV-Journalismus, als sie vor drei Monaten an die Spitze von CBS-News katapultiert worden war. Sie hatte sich aber einen Namen als streitbare Autorin und Kritikerin vermeintlicher Zensur an Universitäten oder in sozialen Netzwerken wie Twitter gemacht. Jetzt hat sie gezeigt, dass sie selbst nicht vor Zensur zurückschreckt, wenn diese politisch opportun ist.
28. Dezember
Studie enthüllt: „Ewigkeitschemikalien“ im Trinkwasser bedrohen ungeborenes Leben
Sie tragen den Spitznamen „Ewigkeitschemikalien“ – und ihre Wirkung ist verheerend. Eine neue Studie zeigt alarmierende Zusammenhänge mit Säuglingssterblichkeit.
Mütter in New Hampshire, die in der Nähe von Standorten lebten, die mit „Ewigkeitschemikalien“ kontaminiert waren, hatten laut einer neuen Studie eine dreimal so hohe Säuglingssterblichkeitsrate und mehr Frühgeburten oder Babys mit niedrigem Geburtsgewicht.
Die Analyse eines Teams von Ökonomen, die in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, untersuchte Daten von mehr als 11.000 Geburten zwischen 2010 und 2019. Die Forscher untersuchten, wie Per- und Polyfluoralkylsubstanzen, auch bekannt als PFAS, die Gesundheit von Föten beeinträchtigten, nachdem diese Chemikalien die Trinkwasserversorgung kontaminiert hatten.
[...] Forscher der University of Arizona nutzten ein natürliches Experiment in New Hampshire. Sie identifizierten Mütter, die unwissentlich PFAS aus 41 kontaminierten Standorten ausgesetzt waren, und verglichen anhand von Grundwasserflussdaten diejenigen, die stromabwärts und stromaufwärts der Standorte lebten.
PFAS sind ein Gefahr für ungeborene Kinder
Die Studie ergab, dass Mütter, die Wasser aus Gebieten tranken, die mit PFOA und PFOS kontaminiert waren – beides Stoffe, die als wahrscheinlich krebserregend gelten –, ihr Kind im ersten Lebensjahr mit einer um 191 Prozent höheren Rate als der Durchschnitt verloren. Das entspricht insgesamt 35 zusätzlichen Todesfällen. Außerdem kam es bei ihnen zu 20 Prozent mehr Frühgeburten und zu 43 Prozent mehr Geburten mit niedrigem Geburtsgewicht...
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Russland-Deal: ANF beauftragt Lobby-Agentur
Im Verfahren um den Antrag zur Kooperation mit dem Kreml-Konzern Rosatom wird der Lingener Brennelementhersteller ANF offenbar ungeduldig.
Während die zuständigen Behörden noch damit beschäftigt sind zu prüfen, ob eine Zusammenarbeit mit dem russischen Atomkonzern die Sicherheit in Deutschland gefährden könnte, hat ANF Lingen tief ins Portemonnaie gegriffen und eine Agentur damit beauftragt, Lobbyarbeit im Deutschen Bundestag zu betreiben.
Laut dem Lobbyregister des Bundestages wurde die Consultingfirma „Berlin Global Advisors“ dort vorstellig, um auf höchster Ebene um politische Unterstützung für das brisante Vorhaben zu werben. In dem entsprechenden Registereintrag werden auch die Namen derjenigen Agentur-Mitarbeiter genannt, die mit dem Unterfangen beauftragt wurden:
Ralf Brauksiepe, ehemaliger Staatssekretär im Arbeitsministerium, der später unter Ursula von der Leyen als Staatssekretär im Verteidigungsministerium tätig war, und Frank Schauff, ehemaliger außenpolitischer Berater der SPD-Parteiführung und langjähriger Leiter der Vereinigung Europäischer Unternehmen in Russland.
Das Politik-Magazin Politico schreibt dazu: „Mehreren Abgeordneten zufolge erhielten mehrere Parlamentarier Einladungen zu einem Besuch in Lingen. Schauff ging sogar noch weiter: Auf dem Delegiertenkongress der Grünen in Wiesbaden suchte er den Grünen-Abgeordneten Harald Ebner auf, der zu den schärfsten Kritikern des Lingen-Projekts im Deutschen Bundestag gehört. Er ist außerdem ehemaliger Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Umwelt und Reaktorsicherheit. Der Berater habe versucht zu argumentieren, dass das Projekt mit Rosatom in Lingen „harmlos“ sei, so schilderte Ebner die Situation mit Schauff im Rückblick.“ Ebner brach das Gespräch ab, so Politico...
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Warum wir bei Steuerbetrug über prominente Einzelfälle hinausblicken müssen
Hoeneß oder Middelhoff werden häufig als Beispiele für Steuerverbrechen herangezogen. Doch für eine konsequente Verfolgung ist das der falsche Fokus.
Wenn es um Steuersünder geht, liebt Deutschland den Einzelfall. Der prominente Täter, die belegbare Schuld, das rechtskräftige Urteil, und die Ordnung ist wiederhergestellt. Diese Fälle sind gut erzählbar, sie erzeugen Genugtuung und senden eine beruhigende Botschaft: Der Rechtsstaat funktioniert. Doch genau diese Erzählung verdeckt ein unangenehmes Paradox.
Denn sie lenkt den Blick weg von der Frage, welche Fälle überhaupt entdeckt und verfolgt werden – und welche eben nicht. Prominente Namen wie Uli Hoeneß, Alfons Schuhbeck oder Thomas Middelhoff stehen zweifellos für Schuld. Sie haben Steuern hinterzogen, sie wurden überführt, sie wurden verurteilt. Das ist richtig. Aber sie stehen eben auch für überschaubare Einzelfälle, die sich mit den bestehenden Strukturen innerhalb unserer Behörden bewältigen lassen.
Klassische Steuerhinterziehung folgt einem bekannten Muster: eine Person, eine Tat, ein Verfahren. Dafür sind Finanzämter und Staatsanwaltschaften organisatorisch gemacht. Hier greifen Routinen, hier funktionieren Abläufe, hier ist Verantwortung klar zuzuordnen. Ganz anders sieht es aber dort aus, wo Finanzkriminalität organisiert oder gar industriell betrieben wird.
Tax Trades wie Cum/Ex und Cum/Cum etwa waren hochkomplexe Geschäftsmodelle: entwickelt von Banken, abgesichert durch Kanzleien, ermöglicht durch internationale Strukturen, und mit einem Schaden in Milliardenhöhe. Während prominente Einzeltäter wegen zweistelliger Millionenbeträge verurteilt wurden, blieb und bleibt der größte Steuerraub der deutschen Geschichte über Jahre hinweg erstaunlich folgenarm.
Das ist kein Zufall, sondern ein strukturelles Versagen. Besonders deutlich wird es beim Blick auf den Staat selbst – genauer: auf seine Verwundbarkeit gegenüber finanziellem und politischem Einfluss. Der Cum/Ex-Skandal hat offengelegt, wie durchlässig die Grenzen zwischen Ministerien und Bankenlobby zeitweise waren.
[...] Eine ehrliche Debatte über (Steuer-)Gerechtigkeit beginnt deshalb nicht bei den bekannten Namen. Sie beginnt bei der Frage, warum Milliardenverluste möglich waren, obwohl Warnungen vorlagen. Sie beginnt bei klaren Regeln gegen Lobbyeinfluss, bei besser ausgestatteten Ermittlungsbehörden und bei dem politischen Willen, auch dort konsequent hinzusehen, wo es unbequem wird. Prominente Einzelfälle sind kein Beweis für einen starken Staat. Sie sind oft nur der Beweis dafür, dass er meistens dort am härtesten zuschlägt, wo es am einfachsten ist.
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Großbritannien: Gigantisches Gezeitenkraftwerk vor Somerset geplant
Umsetzung noch nicht fix, obwohl es Investoreninteressen gibt
Wie der Guardian und Somersetlive berichten, plant die Architektin des London Eye, Julia Barfield, aus dem Architekturbüro Mark Barfield, ein spektakuläres Gezeitenkraftwerk vor der Küste von Somerset. Das Projekt mit dem Namen West Somerset Lagoon soll sich in einem rund 14 Meilen langen Bogen von Minehead nach Watchet über den Bristolkanal erstrecken und die Kraft des dort weltweit zweithöchsten Tidenhubs nutzen.
[...] Geplant sind 125 Unterwasserturbinen mit einer maximalen Leistung von 2,5 Gigawatt - genug, um rund zwei Millionen Haushalte mit Strom zu versorgen. Damit würde das Kraftwerk in eine ähnliche Größenordnung wie das nahegelegene Atomkraftwerk Hinkley Point C kommen. Die Baukosten werden auf etwa 11 Milliarden Pfund geschätzt.
Laut dem Guardian zielt das Projekt ausdrücklich darauf ab, den stark wachsenden Strombedarf durch den KI-Boom in Großbritannien klimafreundlich zu decken. Barfield betont, dass erneuerbare, gut planbare Energiequellen wie Gezeitenkraft eine sinnvolle Antwort auf den steigenden Energiehunger von Rechenzentren seien.
[...] Ob das Projekt realisiert wird, hängt jedoch maßgeblich von staatlicher Unterstützung ab – trotz vorhandener Investoreninteressen.
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28. Dezember 2025
Deutschland: Konzernmonopole treiben Lebensmittelpreise hoch
Lebensmittelpreise in Deutschland sind so stark gestiegen wie nirgends in Europa. Bei den Produzenten kommt davon wenig an.
Die Weihnachtszeit ist für viele Einzelhandelsunternehmen die umsatzstärkste im Jahr. Dieses Jahr nicht. Zumindest nicht in Deutschland. «Eher schwach», sei das Weihnachtsgeschäft bisher, schrieb der deutsche Einzelhandelsverband am 21. Dezember in einer Mitteilung. Dem bisher «enttäuschenden» Weihnachtsgeschäft «fehlt es an Schwung», fand er schon am 14. Dezember. Man hoffe auf die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.
So kann man es auch ausdrücken. Das Konsumklima in Deutschland ist so schlecht wie seit April 2024 nicht mehr. Die «Sparneigung» der Deutschen sei zuletzt in der Finanzkrise so hoch gewesen, beklagte das Marktforschungsinstitut GfK am 19. Dezember. Der Experte Rolf Bürkl vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen auf die Angst der Deutschen vor Inflation sowie aktuelle politische Gegebenheiten zurück. Die deutsche Regierung hat unter anderem angekündigt, das Rentensystem umbauen zu wollen.
Die naheliegenderen Gründe: Wer nach dem Wocheneinkauf nicht genügend im Portemonnaie hat, der hält sich bei anderen Ausgaben zurück. Lebensmittel in Deutschland werden seit Jahren überdurchschnittlich schnell teuerer. Zwischen Januar 2020 und Juli 2025 sind die Preise um durchschnittlich 37 Prozent gestiegen. Nach dem Ernährungsreport 2025 nimmt der Anteil derer, die beim Einkaufen auf den Preis achten, weiter zu.
Foodwatch: Weihnachtliche Lebensmittel um 20 Prozent teurer als zum letzten Jahresende
Lebensmittel, die um Weihnachten besonders nachgefragt sind, sind im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 21 Prozent teurer geworden. Das hat die Konsumentenorganisation Foodwatch anhand eines «Winterwarenkorbs» bei Aldi Nord ermittelt. Nur zwei der 25 Produkte sind günstiger geworden: Rotkohl und Rosenkohl. Früchte- und Kräutertee, Gänsebrust und Schoggi-Weihnachtsmänner sind dagegen um bis zu 70 Prozent teurer geworden. «Trotz sinkender Importkosten für Kakao, Orangen und Getreide», sagt Foodwatch-Geschäftsführer Chris Methman zu «Öko-Test».
Zu Anfang des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine war der Preisanstieg nachvollziehbar, weil die Waren aus der Ukraine plötzlich fehlten. Dafür hat sich aber grösstenteils längst Abhilfe gefunden. Die Lebensmittelhersteller griffen dafür häufiger zu Tricks, die aus Lebensmitteln mehr Gewinn herausholen sollten, wie Shrinkflation oder Skimpflation (Infosperber berichtete regelmässig).
Am Preisanstieg verdienen hauptsächlich die Grossen Vier
Die Preise in Deutschland stiegen dennoch weiter, schneller als fast überall anders in Europa. «Bei Milcherzeugnissen sind sie um 75 Prozentpunkte gestiegen», sagt Tomaso Duso, Vorsitzender der deutschen Monopolkommission. Hauptgrund sei die wachsende Marktmacht der Lebensmittelkonzerne, stellte die Kommission in einem Sondergutachten fest.
Die vier grossen Einzelhandelsketten Aldi, Edeka, Rewe und Schwarz (Lidl, Kaufland) kontrollieren je nach Einschätzung zwischen 80 und 90 Prozent des Marktes. Deren Margen stiegen, zitiert die «Tagesschau», während bei den Konsumentinnen und Konsumenten das Geld knapp wird. Die vier Supermarktketten streiten das ab. Besonders kritisch sieht Duso dabei, dass Lebensmittelverkäufer zunehmend selbst Lebensmittel herstellen. Die Eigenmarken erhöhen die Marktmacht der Konzerne weiter.
«Mineralwasser hat sich teilweise innerhalb eines Monats um fast 30 Prozent verteuert», sagt Steffen Vogel von Oxfam. Das könne man nicht mehr mit dem Ukrainekrieg erklären. Besonders gestiegen seien die Preise der Eigenmarken. Lieferanten würden «Ausgequetscht wie eine Zitrone», so der Titel eines Oxfam-Berichts vom November 2025.
Die Produzenten haben das Nachsehen
Bei den eigentlichen Produzenten bleibt immer weniger hängen. Einzelne «Super-Angebote» der Discounter, die das allgemeine Preisniveau nicht abbilden, machen Schlagzeilen. Butter, meldeten deutsche Medien unlängst, koste teilweise nur noch 99 Cent. Die Milchbauern bekommen für ihre Milch dabei nur wenig mehr als die Produktionskosten. Wenn der Preis weiter sinke, liege er unter den Herstellungskosten, sagt der Milchbauer Elmar Hannen gegenüber «Plusminus», das die Konsumentenstimmung im Video zusammengefasst hat. In Spanien und Frankreich ist das verboten.
Foodwatch fordert, die Mehrwertsteuer für gesunde Lebensmittel wie Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte abzuschaffen und richtete dafür einen Apell an den deutschen Landwirtschafts- und Ernährungsminiser Alois Rainer. Davon, Einzelhandelskonzernen Produzentenpreise unter den Herstellungskosten zu verbieten, wie es in anderen Ländern Gesetz ist, hält schon einmal nichts. Einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommision lehnte er ab.
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Hintergrundwissen
Die Karte der nuklearen Welt
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Monopolkommission
Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette
Sondergutachten der Monopolkommission, Bonn, 21. November 2025
Die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel und in Teilen der Nahrungsmittelindustrie ist in den letzten Jahren nach Feststellung der Monopolkommission erheblich gestiegen. „Die Macht des Lebensmitteleinzelhandels und teilweise der Hersteller ist zulasten der Verbraucherinnen und Verbraucher deutlich gestiegen, während die Landwirtschaft oft den Weltmarktrisiken ausgesetzt ist“, erklärt Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission. Der Grund dafür sind zahlreiche Zusammenschlüsse in der Branche und die zunehmende Ausweitung der Aktivitäten des Handels auf die Herstellungsebene. Die Monopolkommission, ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung, hat heute ihr Sondergutachten zum Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette an das Bundeswirtschafts- und an das Bundeslandwirtschaftsministerium übergeben. In dem Gutachten hat die Monopolkommission die Marktverhältnisse intensiv untersucht. Auslöser dafür waren die Bauernproteste im Jahr 2024 sowie die hohen Lebensmittelpreise der letzten Jahre.
Fusionen entlang der gesamten Lieferketten schärfer kontrollieren
Die Monopolkommission empfiehlt, die voranschreitende Konzentration im Einzelhandel zu stoppen und künftige Zusammenschlüsse verstärkt daraufhin zu prüfen, wie sie sich auf die gesamte Lieferkette auswirken. Da der bereits stark konzentrierte Lebensmitteleinzelhandel seine Aktivitäten zunehmend auf vorgelagerte Marktstufen ausdehnt, reicht eine Betrachtung der Auswirkungen auf direkte Wettbewerber auf der Handelsebene nicht mehr aus. Die Fusionen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass rund 85 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels von vier großen Unternehmensgruppen kontrolliert werden: Edeka, Rewe, Schwarz (Lidl) und Aldi. Durch die Ausdehnung auf die Herstellerebene verstärken die Händler ihre Verhandlungsposition gegenüber Herstellern. Bei manchen Produkten treten sie in direkte Verhandlungen mit der Landwirtschaft...
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Statista
Lebensmittelpreise steigen schneller als Löhne
Der Gang zum Supermarkt ist für viele Deutsche dieser Tage kein Vergnügen. Viele klagen über hohe Lebensmittelpreise – und das zu Recht. Kaum irgendwo sind die Nachwirkungen der Inflationskrise so stark zu spüren wie an der Supermarktkasse. Die Inflationsrate hat sich zwar weitgehend normalisiert, das hohe Preisniveau ist aber geblieben.
Um mehr als 40 Prozent sind die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke seit Anfang 2019 gestiegen. Damit haben sich Lebensmittel nicht nur stärker verteuert als die Verbraucherpreise insgesamt (+26%) – die Preise für Nahrungsmittel sind auch stärker gestiegen als das Lohnniveau: Laut Statistischem Bundesamt sind die Nominallöhne in Deutschland seit dem ersten Quartal 2019 um 31 Prozent gestiegen. Damit sind die Reallöhne zwar ebenfalls leicht gestiegen, der Wocheneinkauf im Supermarkt schlägt aber auch objektiv stärker zu Buche als noch vor einigen Jahren...
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Verbraucherzentrale NRW e.V.
Steigende Lebensmittelpreise: Fakten, Ursachen, Tipps
In den letzten Jahren sind die Preise für Lebensmittel stark gestiegen. Wir beleuchten die Fakten, Hintergründe und Ursachen, beantworten Fragen - und geben praktische Tipps für den Einkauf.
Das Wichtigste in Kürze:
- Auch wenn die Lebensmittelinflation sich mittlerweile verlangsamt hat, kosten Lebensmittel heute immer noch etwa 30 Prozent mehr als 2021.
- Etliche Faktoren spielen in den Preisanstieg hinein, darunter gestiegene Energiekosten, die schwierige internationale politische Lage und Arbeitskräftemangel, aber auch Missernten durch den Klimawandel, versteckte Preiserhöhungen sowie Mitnahmeeffekte.
- Die massiven Preissteigerungen stellen viele Verbraucher:innen vor finanzielle Herausforderungen.
- Die Verbraucherzentralen fordern seit langem Politik und Bundeskartellamt auf, die Preisentwicklung im Handel und bei Herstellern sowie versteckte Preissteigerungen genau zu untersuchen.
- Zwei Marktchecks im Jahr 2023 zeigen, dass sich die gleichen oder vergleichbaren Produkte in Supermärkten und Discountern preislich extrem unterscheiden können. Preise vergleichen lohnt sich also mehr denn je.
Inhaltsverzeichnis
Was ist eigentlich eine Inflation?
Wie sehr sind die Preise wirklich gestiegen?
Was verursachte die starken Preissteigerungen?
Was kann ich beim Einkaufen bei hohen Lebensmittelpreisen beachten?
Ein Blick in die Glaskugel: Wie geht es mit den Lebensmittelpreisen weiter?
Was kann die Politik tun, um Verbraucher:innen zu entlasten?...
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foodwatch
Neue Trinkwasserverordnung
Preis-Check: Weihnachtsessen deutlich teurer als 2024
Mandarinen, Zimtsterne und Knusperente – viele typische Weihnachtslebensmittel kosten in diesem Jahr deutlich mehr als 2024. Ein foodwatch-Check zeigt, wie stark die Preise gestiegen sind – und warum Millionen Menschen dadurch unter Druck geraten.
foodwatch hat 24 typische Weihnachtsprodukte bei Aldi Nord mit den Preisen des Vorjahres verglichen. Ergebnis: Der gesamte Warenkorb ist um 21 Prozent teurer geworden – von 58 Euro im Dezember 2024 auf über 70 Euro in diesem Jahr. Besonders stark verteuerten sich unter anderem Schokoweihnachtsmänner (+70 Prozent), Gänsebrustfilet (+70 Prozent) und Zimtsterne (+30 Prozent). Auch gesunde Lebensmittel wie Kürbis, Walnüsse und Orangen kosten deutlich mehr....
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Wikipedia
Liste der größten Einzelhandelsunternehmen
Folgende Liste sortiert die 100 größten Einzelhandelsunternehmen der Welt. Alle Angaben stammen aus dem Bericht Global Powers of Retailing 2025 des britischen Beratungsunternehmens Deloitte, welches die 250 größten Einzelhandelsunternehmen der Welt auflistet. Bei den gelisteten Unternehmen sind nur Umsätze aus dem Einzelhandelsgeschäft angegeben. Angegeben ist zudem der Gewinn (aus allen Geschäftstätigkeiten) und der Hauptsitz eines jeden Unternehmens. Alle 250 Unternehmen der Liste kamen 2023 auf einen gemeinsamen Umsatz von 6 Billionen US-Dollar. Von den Unternehmen der Liste kamen 89 aus Europa (davon 17 aus Deutschland) 85 aus Nordamerika, 54 aus Asien/Pazifik, sowie 13 aus Lateinamerika und 9 aus Afrika/Mittlerer Osten.
Ranking
2023 war das US-amerikanische Unternehmen Walmart mit einem Einzelhandelsumsatz von über 600 Milliarden US-Dollar das größte Einzelhandelsunternehmen der Welt. Es war im selben Jahr auch gleichzeitig das umsatzstärkste Unternehmen der Welt...
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YouTube
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