Newsletter XLVII 2025

16. bis 22. November

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...

Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.

 

4. November 2004 (INES Klass.?) Akw Balakovo, RUS

10. November 1950 (Broken Arrow) B-50 Riviére-du-Loup in Kanada

11. November 1983 (INES 3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR

16. November 2001 (INES Klass.?Forschungsreaktor HFR in Petten, NLD

19. November 2003 (INES 2) Atomfabrik La Hague, FRA

19. November 1975 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU

20. November 1959 (INES 4) Atomfabrik Oak Ridge, USA

22. November 2002 (INES 2) Akw Tihange, BEL

28. November 2007 (INES 2) Akw Ascó, ESP

29. November 1970 (INES 3 NAMS 2,5) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR

29. November 1955 (INES 4) Forschungsreaktor EBR-I, USA

30. November 1975 (INES 5) Akw Sosnowy Bor, Leningrad, UdSSR

 

Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de

 


22. November


 

Oberstes Gericht lehnt Bolsonaros Antrag auf Hausarrest ab

Der brasilianische Ex-Präsident soll versucht haben, seine Fußfessel aufzubrechen. Das oberste Gericht sah akute Fluchtgefahr und ließ Jair Bolsonaro verhaften.

Kurz nach der präventiven Festnahme von Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro wegen möglicher Fluchtgefahr hat der Oberste Gerichtshof des Landes einen Antrag auf Verlängerung des Hausarrests abgelehnt. Bolsonaro soll zuvor unter anderem versucht haben, seine elektronische Fußfessel aufzubrechen. Auf Anweisung des Obersten Gerichtshofs wurde der 70-Jährige daher vom Hausarrest ins Gefängnis verlegt.

Bolsonaro wollte demnach ohne die Fußfessel an einer Demonstration seiner Anhänger teilnehmen, sagte der Oberste Richter Alexandre de Moraes. Es sei daher von einer "erhöhten Fluchtgefahr" auszugehen. Angesichts der Verhaftung seien nun die Anträge der Verteidigung hinfällig. Bolsonaros Anwälte hatten am Freitag beantragt, dass der 70-Jährige seine noch ausstehende Strafe ebenfalls im Hausarrest verbüßen darf, und auf gesundheitliche Probleme verwiesen.

Das Gericht veröffentlichte nun ein Video, in dem Bolsonaro sagte, er habe aus "Neugierde" einen Lötkolben an seine Fußfessel gehalten. In dem Video war das stark beschädigte und mit Brandspuren versehrte Gerät zu sehen, das sich jedoch noch am Knöchel des Ex-Präsidenten befand.

Wegen eines versuchten Staatsstreichs gegen seinen Nachfolger Luiz Inácio Lula da Silva war Bolsonaro im September zu mehr als 27 Jahren Haft verurteilt worden.

[...] Bolsonaros Lage war in den vergangenen Tagen immer aussichtsloser geworden, nachdem US-Präsident Donald Trump von ihm abgerückt war. Dieser hatte den Prozess gegen Bolsonaro zuerst als "Hexenjagd" bezeichnet und Sanktionen gegen Richter des obersten Gerichts verhängt. Zudem wurden brasilianische Importe in die USA mit Strafzöllen von 50 Prozent belegt.

In der vergangenen Woche hatte Trump die Zölle jedoch wieder aufgehoben, da sie die Preise für wichtige Lebensmittel wie Kaffee und Fleisch erhöhten. Auch mit Präsident Lula versteht sich der US-Präsident nach eigenen Aussagen mittlerweile gut.
 

IMHO

Nachdem Don Trumpl die Rechten sicher in der Tasche hat, schleimt er sich nun bei den Linken ein ...

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Vereinigte Staaten unter Don Trumpl

Die Grossmacht USA erpresst die zerstückelte EU und die Schweiz

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Entweder nachgeben oder höhere Zölle: Je stärker Grossmächte sind, desto mehr missbrauchen sie ihre Macht.

Gegenwärtig dominiert das Nachgeben. Die EU reguliert US-Tech-Konzerne weniger streng als geplant und importiert noch mehr hoch subventionierte US-Agrarprodukte, Frackinggas sowie US-Waffen. Die Schweiz verzichtet darauf, digitale Dienstleistungen zu besteuern, und soll mehr US-Waffen und Agrarprodukte kaufen. Die einseitig verlangten Zölle werden geschluckt.

Keine Regierung protestiert öffentlich dagegen, dass die Zollpolitik der USA gegen lange erarbeitete Vereinbarungen der Welthandelsorganisation WTO verstösst. Das könnte die US-Regierung verärgern.

Tatsächlich haben Grossmächte, wenn sie internationale Abkommen oder anderes internationales Recht verletzen, selten Sanktionen zu befürchten.

Russland wird zwar sanktioniert, führt jedoch den Krieg in der Ukraine weiter.

Die USA töten Menschen in der Karibik und im östlichen Pazifik. Israel tötet, zerstört und besetzt Land in Gaza und im Westjordanland sowie in Syrien. Die Türkei hat sich ebenfalls Land in Syrien angeeignet. Dies alles bleibt ohne Sanktionen.

Die Grossmacht USA kann ihre Gesetze sogar gegenüber US-Firmen, die in der Schweiz oder in der EU ansässig sind, sowie weltweit gegenüber sämtlichen Managern und Verwaltungsräten mit einem US-Pass durchsetzen. Diese können von der US-Justiz belangt werden, wenn sie beispielsweise einseitig erlassene Boykott-Massnahmen der USA nicht befolgen. Die USA können –anders als andere Länder – ihre Gesetze ausserhalb ihres Hoheitsgebietes durchsetzen.

[...] Laut offizieller Version der US-Regierungen, von US-Think-Tanks und vieler Medien geht es stets um die Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten.

«Taiwan und die Ukraine sind zurzeit die Frontstaaten im globalen Wettstreit zwischen Diktaturen und Demokratien, der die kommenden Jahre prägen wird.» («Tages-Anzeiger» 6.8.2025)

Doch bei den 44 Staaten, welche die USA seit Ende des Zweiten Weltkriegs direkt oder indirekt angegriffen haben, ging es fast immer um Macht- und Interessenpolitik.

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New York unter Don Trumpl | Der Faschist schwärmt für den kommunistischen Irren

„Sehr rationale Person“: Trump ist plötzlich begeistert vom künftigen New Yorker Bürgermeister Mamdani

Der US-Präsident hatte den Demokraten gerade noch einen „einhundertprozentigen kommunistischen Irren“ genannt. Nun lobt Trump den Muslim in höchsten Tönen. Der zeigt sich zufrieden mit dem Treffen.

Es war ein erstaunlich versöhnliches Treffen in Washington – offenbar konnte selbst US-Präsident Donald Trump sich nicht dem Charme von Zohran Mamdani entziehen: Der Republikaner wirkte geradezu entzückt vom künftigen New Yorker Bürgermeister, den er vor Kurzem noch als „kommunistischen Irren“ bezeichnet hatte.

„Du hast die Chance, etwas Großartiges zu schaffen“, schwärmte Trump, schüttelte Mamdani wiederholt die Hand und pries dessen „unglaublichen Wahlkampf gegen viele kluge Leute“. Das Treffen im Weißen Haus hinter verschlossenen Türen sei „wirklich gut“ und „sehr produktiv“ gewesen, sagte der 79-Jährige weiter.

Vor laufenden Kameras gaben der Republikaner und der 34-jährige linke Demokrat, der höhere Steuern für Reiche und Unternehmen fordert und Trump als „Faschist“ bezeichnet hat, ein erstaunlich harmonisches Bild ab.

[...] Im Oval Office versicherten beide Seiten, man wolle bei der Sicherheit in der Millionenmetropole an einem Strang ziehen. Doch gerade dieses Thema machte bei aller Einigkeit wohl am deutlichsten klar, wo künftig Konfliktpotenzial liegen dürfte: Trump stempelt Migranten immer wieder pauschal als Kriminelle ab und erklärte auch jetzt, man müsse „bekannte Mörder und Drogenhändler“ aus der Stadt bekommen.

Mamdani wiederum betonte, es gehe ihm darum, die Bevölkerung New Yorks zu schützen. Zugleich seien viele New Yorker über das Vorgehen der Bundesbehörden verunsichert.

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22. November 2002INES Kategorie 2 "Störfall" (INES 2) Akw Tihange, BEL

Bei dem Zwischenfall wurde versehentlich ein Überdruckventil geöffnet. Dies führte zu einem raschen Druckabfall im Primärkühlkreislauf und damit zu einer Verringerung der Fähigkeit des Kreislaufs, Wärme aus dem Reaktor abzuführen.
(Kosten ?)

Nuclear Power Accidents
 

Wikipedia de

Kernkraftwerk Tihange#Störfälle, Schäden und Reaktionen

Am 22. November 2002 ereignete sich ein Störfall im Block 2 (INES 2). Der Reaktor – zu dieser Zeit heruntergefahren und nicht mehr kritisch – produzierte noch Nachzerfallswärme, die wie im Leistungsbetrieb durch zirkulierendes Kühlmittel im Primärkreislauf abgeführt wurde. Bei einem Test wurde irrtümlich ein Sicherheitsventil des Druckhalters geöffnet, wodurch der Druck im Primärkreislauf sehr schnell von 155 bar auf 85 bar fiel. Der hohe Druck im Primärkreislauf während des Betriebs bewirkt, dass das Wasser auch bei hoher Temperatur nicht siedet, sondern flüssig bleibt. Sinkt der Druck, dann sinkt auch die Siedetemperatur des Wassers. Dann kann die Nachzerfallswärme der Brennelemente nicht mehr abtransportiert werden und es besteht die Gefahr einer Kernschmelze. Im konkreten Fall wurden aufgrund des rapiden Druckabfalls mehrere Sicherheitssysteme aktiviert, die Wasser in den Primärkreislauf hineinpumpten und so die Brennelemente weiter kühlten. Das irrtümlich geöffnete Überdruckventil wurde nach drei Minuten wieder geschlossen ...
 

Liste der Kernkraftwerke in Belgien

Mit Stand Juni 2023 werden in Belgien an 2 Standorten 5 Reaktorblöcke mit einer installierten Nettoleistung von zusammen 3928 MW betrieben; 3 Blöcke an 3 Standorten mit einer installierten Nettoleistung von zusammen 2024 MW wurden bereits endgültig stillgelegt. Der erste kommerziell genutzte Reaktorblock ging 1962 in Betrieb.

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21. November


 

Polizeieinsatz bei der Grünen Jugend

Mit gezogenem Schlagstock

Im Februar stürmten vermummte Po­li­zis­t*in­nen eine Wahlparty der Grünen Jugend. Die fordert bis heute vergeblich die Löschung ihrer Daten.

Vermummt, behelmt und mit Schlagstöcken in der Hand sollen Polizeibeamte am 23. Februar eine Bundestagswahlparty der Grünen Jugend Berlin gestürmt haben. Einige Mitglieder seien daraufhin erkennungsdienstlich behandelt worden. Bis heute fordert die Grüne Jugend eine Löschung von Fotos der Betroffenen – ohne Erfolg.

Um etwa 22 Uhr sollen die Po­li­zis­t*in­nen damals in die Räume der Landesgeschäftsstelle der Grünen Jugend in Friedrichshain eingedrungen sein, um dann etwa ein dutzend Mitglieder draußen auf dem Gehweg aufzureihen. Den Grund für die Stürmung soll die Polizei anfangs nicht genannt haben. Die Festgehaltenen wurden fotografiert und mussten stundenlang in der Kälte stehen, heißt es von den Sprecherinnen der Grünen Jugend, Hannah Fuge und Teresa Reichelt.

[...] Schwarze Kleidung als Stürmungsgrund

Erst nach langer Zeit und wiederholtem Fragen habe die Polizei den Anlass ihres Einsatzes erklärt: In der Nähe seien schwarz gekleidete, randalierende junge Menschen beobachtet worden. Daraufhin will die Polizei beobachtet haben, dass ähnlich gekleidete Personen das Gebäude der Grünen betreten hätten.

Im Nachgang habe die Polizei versprochen, die Bilder innerhalb von 30 Tagen wieder zu löschen – das aber sei bis heute nicht geschehen, beklagt die Grüne Jugend. Man habe sich bereits an den Landespolizeibeauftragten Alexander Oerke gewendet. Auch der hält die Polizeimaßnahme und das Einbehalten der Fotos für rechtswidrig: Es habe keinen hinreichenden Tatverdacht für die Aktion gegeben, hört man aus seinem Büro.

Durch Oerke habe auch schon ein klärendes Gespräch zwischen dem Landesvorstand der Grünen Jugend und der Polizei stattgefunden, so die Grüne Jugend. Auf viel Verständnis sei man da aber nicht gestoßen, schon gar nicht habe es eine Entschuldigung für das Vorgehen gegeben. Stattdessen habe sich die Polizei bemüht, ihr Verhalten zu rechtfertigen ...

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Akw Kashiwazaki-Kariwa

Japan könnte leistungsstärkstes AKW der Welt wieder hochfahren

Nach der Tsunami-Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 gehen alle Atomkraftwerke in Japan vom Netz. Seit einigen Jahren vollzieht das Land jedoch eine Wendung. Zahlreiche Akw arbeiten wieder - das größte steht vor seiner Wiederinbetriebnahme.

Das größte Atomkraftwerk der Welt in der japanischen Präfektur Niigata ist seiner Wiederinbetriebnahme einen Schritt näher gekommen. Er werde den Neustart des AKW Kashiwazaki-Kariwa genehmigen, sagte der Gouverneur von Niigata, Hideyo Hanazumi, bei einer Pressekonferenz. Für eine Inbetriebnahme benötigt es nun noch die Zustimmung der Atomaufsichtsbehörde Japans. Das AKW ist das theoretisch leistungsstärkste Kernkraftwerk der Welt. De facto sind alle Reaktoren abgeschaltet.

Das Akw Kashiwazaki-Kariwa war, wie alle Kernkraftwerke in Japan, nach der Tsunami-Katastrophe von Fukushima im Jahr 2011 vom Netz genommen worden. Das ressourcenarme Japan bemüht sich jedoch seit einigen Jahren um eine Rückkehr zur Atomenergie, um seine Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe zu verringern. Bislang wurden insgesamt 14 Reaktoren, größtenteils im Westen und Süden des Landes, unter strengen Sicherheitsauflagen wieder in Betrieb genommen.

Das AKW Kashiwazaki-Kariwa wäre das erste Kraftwerk des Fukushima-Betreibers Tepco, das seit der Katastrophe wieder in Betrieb gehen würde. Die Atomanlage mit einer Fläche von 400 Hektar wurde mit einer 15 Meter hohen Mauer ausgestattet, die vor Tsunamis schützen soll ...

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Bundesrat gibt grünes Licht für CO2-Speicherung

In Deutschland darf klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) künftig für kommerzielle Zwecke abgeschieden und tief unter dem Meeresboden gespeichert werden. Der Bundesrat stimmte am Freitag einer entsprechenden Gesetzesänderung der Bundesregierung zu, das neben dem Einsatz sogenannter CCS-Technologie auch den Aufbau eines CO2-Pipelinenetzes in Deutschland vorsieht. Das Gesetz sei ein "wichtiger Baustein zur Dekarbonisierung unserer Volkswirtschaft", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Stefan Rouenhoff (CDU).

CO2-Speicher auf dem Festland sind der Gesetzesnovelle zufolge zunächst nicht vorgesehen, die Bundesländer sollen aber eigene Regelungen für die Speicherung an Land erlassen können. Ein zentraler Punkt sind in dem Gesetz zudem die Transportwege. Dafür soll ein Pipeline-Netz aufgebaut werden.

CCS steht für Carbon Capture and Storage. Dabei wird das Treibhausgas CO2 nicht in die Atmosphäre ausgestoßen, sondern abgeschieden und dann dauerhaft in tiefliegenden geologischen Gesteinsschichten gespeichert. Werden die abgeschiedenen Treibhausgase nicht eingelagert, sondern industriell verwertet, ist zudem von CCU (Carbon Capture and Utilization) die Rede.

[...] Umweltschützer üben scharfe Kritik an der Technologie. Klimaschützer befürchten, dass Staaten oder Unternehmen den Abschied von fossilen Energieträgern unter Hinweis auf die Option CCS auf die lange Bank schieben könnten.

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Vereinigte Staaten unter Don Trumpl

US-Küstenwache stuft Hakenkreuz offenbar nicht mehr als Hasssymbol ein

Die Verwendung des Hakenkreuzes ist in Deutschland strafbar – in den USA nicht. Die US-Küstenwache will nun offenbar auch die Kategorisierung als Hasssymbol aufheben.

Die US-Küstenwache will Hakenkreuze laut einem Medienbericht künftig nicht mehr als Hasssymbole klassifizieren. Wie die Washington Post berichtete, soll am 15. Dezember eine neue Richtlinie in Kraft treten, der zufolge das NS-Symbol dann als "potenziell spaltend" eingestuft wird. Auch die Schlinge, ein Symbol der einstigen Lynchmorde in den USA, sowie die Konföderiertenflagge, würden mit dieser Neuerung nur noch als spaltend bewertet. Die Flagge bleibe dabei aber weiter verboten. Beide Symbole gelten als Verherrlichung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten.

Der amtierende Kommandant der Küstenwache, Admiral Kevin Lunday, sagte der Washington Post, dass solche Symbole sowie andere extremistische oder rassistische Darstellungen auch weiter "gegen unsere Grundwerte verstoßen und gemäß den geltenden Richtlinien mit der gebotenen Ernsthaftigkeit behandelt werden".

Gründe für die neue Richtlinie nannte er nicht. Sprecherin Jennifer Plozai gab an, die Küstenwache werde die Änderung der Richtlinie prüfen.

[...] Wie andere Behörden orientiert sich auch die Küstenwache mit den neuen Richtlinien am Kurs von US-Präsident Donald Trump. Die Vorgängerin von Kommandant Lunday, Admiralin Linda Fagan, war am ersten Tag von Trumps zweiter Amtszeit entlassen worden. Regierungsbeamte gaben an, sie hätte sich zu sehr auf Diversitätsinitiativen und die Verfolgung sexueller Übergriffe konzentriert.

Lunday übernahm das Amt kommissarisch. Daraufhin ordnete er innerhalb weniger Tage an, die Richtlinie der Küstenwache zu Schikanen und Belästigungen auszusetzen, in der auch die Klassifizierung des Hakenkreuzes enthalten ist. Trump nominierte Lunday später für das Amt des Kommandanten, seine Bestätigung durch den US-Senat steht noch aus.

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Gewalt im Westjordanland

Mit dem Bulldozer durch die Camps

Ein neuer Bericht von Human Rights Watch wirft Israel Kriegsverbrechen in den Flüchtlingslagern des Westjordanlands vor. Mindestens 850 Häuser sind nicht mehr bewohnbar.

In einer Straße aus Schotter und Staub, vor heruntergelassenen Rolltoren, stehen Frauen in Kopftüchern und langen Kleidern und streiten sich mit Soldaten in olivgrüner Uniform mit Maschinengewehren im Anschlag. „Wir werden zurückkehren“, schreien die Frauen, einige heben Protestschilder, andere Kinder in die Luft.

Die staubige Straße befindet sich in der Nähe von Tulkarem, einer Stadt im Westen des Westjordanlands, die Szene ist Teil eines Videos, das vor zwei Tagen in den sozialen Netzwerken zirkulierte. Es zeigt Menschen am Eingang des Flüchtlingslagers Nur Shams, die vergeblich versuchen, zu ihren Häusern im Camp zurückzukehren. Israelische Soldaten verhindern dies, zerren die Demonstrierenden weg vor den Augen der Fotografen. Ein Journalist wird dabei verletzt.

Die Männer und Frauen protestieren, weil sie vor zehn Monaten aus ihrem Wohnort vertrieben wurden. So wie die Ein­woh­ne­r*in­nen zwei weiterer Camps im Westjordanland – Dschenin und Tulkarm. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, findet die internationale Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW). In einem neuen Bericht wirft HRW der israelischen Regierung Kriegsverbrechen und Verletzungen des humanitären Völkerrechts in den drei Flüchtlingslagern vor.

Während der sogenannten Militäroperation „Eiserne Mauer“ im Januar und Februar 2025 hat Israel die Bevölkerung der drei Camps vertrieben, etwa 32.000 Menschen. Deren Häuser sind teilweise zerstört oder beschädigt worden, mindestens 850 sind nicht mehr bewohnbar. Bislang ist es den Ein­woh­ne­r*in­nen nicht gestattet, nach Hause zurückzukehren. Menschen, die dies versuchten, würden mit Schüssen zurückgewiesen. Laut der Organisation ist dies Teil einer Politik der ethnischen Säuberung.

[...] Die Gewalt bei der Vertreibung spiele ebenfalls eine Rolle, so wie der Mangel an alternativer Versorgung. Wohngebäude seien mit Bulldozern plattgemacht worden, die Menschen per Lautsprecher und Drohnen aufgefordert worden, ihre Häuser zu verlassen, schreibt die Organisation. Viele suchten Zuflucht bei Verwandten in den Städten oder in Moscheen und Schulen. Doch wann und ob sie in die Camps zurückkehren können, ist unklar.

Die Genfer Konventionen sehen vor, dass Vertreibungen nur aus unumgänglichen militärischen Gründen erfolgen können. Die Bevölkerung muss dann humanitär versorgt werden und zurückgelassen werden, sobald die Gefechte in dem Gebiet zu Ende sind ...

 


20. November


 

Vereinigte Staaten unter Don Trumpl

Nach Aufruf zur Befehlsverweigerung

Trump droht Demokraten mit Todesstrafe

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Donald Trump hat sechs Demokraten »aufwieglerisches Verhalten« vorgeworfen. Dieses sei mit dem Tode zu bestrafen. Auslöser war ein Aufruf an Soldaten, Befehle zu verweigern, die gegen das Gesetz verstoßen.

Sechs US-Demokraten haben aktive Soldaten oder Geheimdienstler in einer Videobotschaft zur Befehlsverweigerung in bestimmten Fällen aufgerufen.

Präsident Donald Trump hat die Abgeordneten daraufhin als »Verräter« beschimpft und mit der Todesstrafe gedroht. Die sechs Personen seien »Verräter«, schrieb Trump am Donnerstag in seinem Onlinedienst Truth Social. Er warf ihnen »aufwieglerisches Verhalten« vor. In einem späteren Beitrag schrieb er: »aufwieglerisches Verhalten, bestrafbar mit dem Tode«.

Die sechs Personen hatten am Dienstag ein Internetvideo veröffentlicht, in dem sie aktive Soldaten oder Geheimdienstler aufrufen, »illegale Befehle« zu verweigern. Die drei Frauen und drei Männer sind selbst frühere Militärs oder Geheimdienstmitarbeiter. Bei den Kongressmitgliedern handelt es sich um die Senatorin Elissa Slotkin, die früher für den Auslandsgeheimdienst CIA tätig war sowie den Senator Mark Kelly, früher bei der Marine und als Astronaut tätig. Aus dem Repräsentantenhaus beteiligten sich die früheren Militärangehörigen Chris Deluzio, Jason Crow, Maggie Goodlander und Chrissy Houlahan, die teils in der Marine und bei der Luftwaffe dienten.

»Diese Regierung spielt unser Militär in Uniform sowie professionelle Geheimdienstleute gegen amerikanische Bürger aus«, heißt es in dem Video. Die Soldaten und Sicherheitsmitarbeiter hätten jedoch einen Eid geschworen, die US-Verfassung zu schützen und könnten deshalb ungesetzliche Befehle verweigern ...

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Vorzugsbehandlung für Big Tech

Der Bundestag hat eine Steuerregel abgeschafft, die Digitalkonzernen wie Google missfiel. Das ist mehr als ein Gefallen für Big Tech.

Mehr europäische Unabhängigkeit von den Produkten der US-Digital-Konzerne wünschen sich laut einer neuen Umfrage zwei Drittel der Bundesbürger:innen. Das sahen die Regierungen Deutschlands und Frankreichs bei ihrem Gipfel zur „Digitalen Souveränität“ diese Woche auch so. Eine eigenständige Politik in die Tat umzusetzen, stößt aber schnell an Grenzen der Macht genau dieser Unternehmen.

Das zeigte sich kürzlich an einem Beschluss des Bundestages, mit dem die schwarz-rote Mehrheit die sogenannte Lizenzschranke abschaffte. Das ist eine Steuer-Regel, durch die US-Digital-Konzerne potenziell mehr Abgaben in Europa zahlen müssten. Zur Streichung des Paragrafen 4j des Einkommensteuergesetzes sagte Christoph Trautvetter vom Netzwerk Steuergerechtigkeit: „Vermutlich ist das auf den Druck von Unternehmen wie Google, Amazon, Meta und der US-Regierung zurückzuführen.“

Als die Lizenzschranke 2017 eingeführt wurde, sollte sie eine bestimmte Form der Steuervermeidung durch große Unternehmen erschweren. Grundsätzlich geht es darum: Ein US-Unternehmen erzielt in Deutschland zum Beispiel hohe Gewinne, die es aber herunterrechnet, indem seine hiesige Tochterfirma beträchtliche interne Lizenzgebühren an eine weitere Tochter in Irland zahlt, wo die Gewinnsteuer niedriger ist.

[...] Aus Klingbeils Haus ist zu hören, man habe sich an Empfehlungen der Industrieländer-Organisation OECD orientiert, die die internationalen Steuer-Verhandlungen jahrelang koordinierte. Derweil ergaben Recherchen des Netzwerks Steuergerechtigkeit, dass bereits Klingbeils Vorgänger, Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP), im September 2024 die Finanzverwaltung angewiesen habe, für US-Firmen eine Ausnahme von der Lizenzschranke zu machen – rückwirkend bis 2018. Während eine offizielle Bestätigung fehlt, vermutet auch Grünen-Finanzexpertin Karoline Otte, das sei auf Druck aus Washington geschehen.

Und es ist offenbar nicht der einzige derartige Fall. Im vergangenen Juli gestattete die Gruppe der größten westlichen Industriestaaten (G7) den USA eine weitreichende Ausnahme bei der globalen Mindeststeuer für Unternehmen. Eigentlich sollen die großen Firmen überall mindestens 15 Prozent Gewinnsteuer zahlen, doch die USA dürfen weiterhin parallel ihr eigenes System anwenden, das Ausweichmöglichkeiten beinhaltet. Trump hatte mit Schikanen gedroht, sollten die anderen nicht spuren.

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Reichtum von G20-Milliardären steigt um 2,2 Billionen Dollar

Die Reichen in den G20-Staaten sind laut einer Studie jetzt noch viel reicher. Mit dem Geld, das sie 2024 verdient haben, könnte man knapp vier Milliarden Menschen für ein Jahr aus der Armut befreien.

Das Vermögen der Milliardäre in den G20-Staaten ist laut der Entwicklungsorganisation Oxfam im vergangenen Jahr um 2,2 Billionen Dollar gewachsen. Demnach konnten die Superreichen ihr Vermögen innerhalb eines Jahres von 13,4 Billionen auf 15,6 Billionen Dollar steigern, heißt es in einer Analyse der Nichtregierungsorganisation kurz vor dem G20-Gipfel der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer am 22. und 23. November im südafrikanischen Johannesburg.

Allein dieser Vermögenszuwachs würde ausreichen, um 3,8 Milliarden Menschen aus der Armut zu befreien, schreibt Oxfam in seiner Studie. Die Kosten hierfür beliefen sich auf 1,65 Billionen Dollar pro Jahr. 3,8 Milliarden Menschen könnten damit über die von der Weltbank definierte Armutsgrenze von 8,30 Dollar pro Tag gehievt werden.

Oxfam forderte Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen Staats- und Regierungschefs auf, ein internationales Gremium gegen Ungleichheit zu schaffen. Dieses solle eine ähnliche Rolle einnehmen wie der Weltklimarat (IPCC) bei der Klimakrise. Zudem müsse die auf dem G20-Gipfel in Brasilien gestartete Initiative für eine globale Besteuerung von Superreichen umgesetzt werden. Kürzungen in der Entwicklungszusammenarbeit müssten zurückgenommen werden.

[...] Trotz der Absagen der Präsidenten der USA und Chinas nimmt Kanzler Merz am Gipfel in Südafrika teil. »G20 bleibt für Deutschland ein wichtiges multilaterales Format zur Abstimmung mit führenden Industrie- und Schwellenländern«, hatte die Bundesregierung kürzlich erklärt.

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Urananreicherung für Akw Cruas in Sewersk

Frankreich erhöht Energie-Abhängigkeit von Russland: Macron segnet heiklen Transport ab

Frankreich lässt sein Uran wieder in Russland anreichern. Auf der Strecke bleibt das europäische Ziel, die Energieimporte aus dem Krieg führenden Land zu stoppen.

Es war ein zeitlicher Zufall: Emmanuel Macron zelebrierte am Montag mit Wolodimir Selenski die Bestellung von 100 französischen Kampfflugzeugen durch die Ukraine, als Greenpeace eine Mitteilung veröffentlichte, die für den französischen Präsidenten weniger glorreich klingt. Die Umweltorganisation wirft ihm nichts weniger als „Heuchelei“ vor: Macron zeige Entschlossenheit gegen den russischen Aggressor; gleichzeitig lasse er neue Geschäfte mit dem russischen Staatskonzern Rosatom zu.

Der brisante Vorwurf geht auf letzten Samstag zurück. Ein lokaler Vertreter von Greenpeace France fotografierte im Hafen von Dunkerque (Dünkirchen) die Beladung des russischen Frachters Mikhail Dudin mit zehn Containern. Laut den Warnaufschriften enthalten sie atomares Material. Das Schiff fährt unter panamaischer Flagge, gehört aber dem russischen Konzern Rosatom. Er transportierte bis 2022 Uran aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague nach Petersburg; in dem „verbotenen“ sibirischen Standort Sewersk wurde der nukleare Brennstoff sodann angereichert.

EU-Ziele sollen eigentlich zur Unabhängigkeit von Russlands Energie führen

Die Fotos scheinen zu belegen, dass der französisch-russische Transport über die Ostsee wieder aufgenommen wird. Electricité de France (EDF) wollte den Umstand nicht bestätigen, bestreitet ihn aber auch nicht. Außer Frage steht, dass das Präsidialamt im Élysée-Palast einen so heiklen Atomtransport abgesegnet hat. Für Macron ist er peinlich, weil der französische Präsident an vorderster diplomatischer Front gegen das Putin-Regime antritt; deshalb macht er sich auch für das Projekt RePowerEU zur Unabhängigkeit Europas von russischem Öl und Gas stark.

Uran ist von diesem Vorhaben ausgenommen. Zu viele AKW-Betreiber in der EU hängen von russischer Atomtechnologie ab – auch in Frankreich. Für Gründervater Charles de Gaulle sollte der AKW-Park aus 56 Reaktoren die energetische Unabhängigkeit der Nation gewährleisten. Unter Putin hat der von ihm 2007 gegründete Rosatom-Konzern seine Expertise aber nach und nach auch den Franzosen zur Verfügung gestellt. Frankreich kann sein in La Hague aufbereitetes Uran in Sewersk – und zwar nur dort – anreichern lassen, um es dann im französischen AKW Cruas ein zweites Mal zu verwenden ...

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Akw Temelin

Tschechiens teure SMR-Wette: Große Versprechen mit hohen Risiken

Der Staatskonzern ČEZ hat mehr als 7 Milliarden Kronen in Rolls-Royce SMR investiert - eine Technologie, die bisher nirgends kommerziell funktioniert

Großbritannien will den Bau seiner ersten modularen Atomreaktoren (SMR) auf der Insel Anglesey (Akw Wylfa) umsetzen, trotz hoher Risken - und auch Tschechien sieht darin die Zukunft der eigenen Energieversorgung. Der Staatskonzern ČEZ hat bereits mehr als 7 Milliarden Kronen in Rolls-Royce SMR investiert: Eine äußerst riskante Vorleistung auf eine Technologie, die bisher nirgendwo kommerziell funktioniert.

Die britischen Anlagen sollen Mitte der 2030er-Jahre ans Netz gehen. Drei Reaktoren sind in einer ersten Phase geplant, langfristig sogar acht. Doch bisher existiert kein fertiges Pilotprojekt, das zeigt, dass die versprochene Bauzeitverkürzung durch modulare Fertigung tatsächlich funktioniert. Experten warnen seit Jahren, dass SMR-Projekte oft dieselben Probleme wie Großreaktoren haben, nur mit kleinerem Output, aber ähnlich hohen Kosten und identischen Atommüllproblemen.

ČEZ investiert Milliarden - ohne gesicherte Lieferkette für tschechische Firmen

Tschechien will den ersten Rolls-Royce-Reaktor in Temelín errichten, gefolgt von bis zu drei Einheiten in Tušimice. Doch selbst der tschechischen Industrie bleibt bislang unklar, welchen Anteil sie real überhaupt leisten kann. Rolls-Royce setzt stark auf internationale Zulieferer. Für Schlüsselkomponenten sind bereits Verträge mit Siemens Energy und dem US-Unternehmen BWX Technologies geschlossen. Wo es hier Aufträge für tschechische Firmen geben soll? Škoda JS könnte eventuell Teile des Primärkreislaufs liefern, Vereinbarungen dazu gibt es aber nicht.

[...] Klimaschutz als Vorwand für ungelöste Risiken

SMR werden von ihren Befürwortern als schnelle, klimafreundliche Lösung präsentiert. Doch sie lösen kein einziges der bekannten Atomprobleme: radioaktiver Abfall bleibt bestehen, Sicherheitsrisiken steigen durch mehr, kleinere Standorte, die Wirtschaftlichkeit ist ungeklärt weil es SMR in Serie noch gar nicht gibt.

Statt seine Energiewende rasch zu beschleunigen, setzt Tschechien Milliardenbeträge auf ein technologisches Experiment, das mehr Fragen als Antworten produziert. Erneuerbare Energien in Kombination mit Speichern sind weit billiger, soviel ist fix.

Insider sind sich fix: Die tschechischen SMR-Pläne sind weniger ein strategischer Schritt Richtung Energiesouveränität, sondern riskante Industriepolitik zugunsten eines britischen Projekts, dessen Erfolg völlig ungewiss ist. Tschechien zahlt schon jetzt mit: Für Reaktoren, die vielleicht nie gebaut werden.

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20. November 1959INES Kategorie 4 "Unfall"  (INES 4) Atomfabrik Oak Ridge, Tennessee, USA

Durch eine chemische Explosion wurden 15 Gramm Plutonium-239 freigesetzt.
(Kosten ?)

Nuclear Power Accidents
 

Langsam aber sicher werden relevante Infos zu Störungen in der Atomindustrie aus Wikipedia entfernt!

Wikipedia de

Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen

Die Liste von Unfällen in kerntechnischen Anlagen nennt Vorfälle, die im Rahmen der internationalen Bewertungsskala INES als Unfall der Stufe 4 und höher einzustufen sind. Weniger schwere Störfälle sind in der Liste meldepflichtiger Ereignisse in deutschen kerntechnischen Anlagen und in der Liste von Störfällen in europäischen kerntechnischen Anlagen erfasst.

Diese Liste beschränkt sich auf kerntechnische Anlagen. Nicht aufgenommen sind daher Unfälle und Risiken, die sich beim Abbau und bei der Weiterverarbeitung von Uran, bei Uranerz-Abraumhalden oder -Absetzseen ereignet haben, wie beispielsweise der 1979 eingetretene Bruch eines Absetzsee-Dammes in den USA, der mehr Radioaktivität freisetzte als der in dieser Liste enthaltene Three Mile Island-Unfall ...

20. November 1959

In der radiologisch-chemischen Fabrik Oak Ridge National Laboratory in Tennessee gab es während der Dekontamination der Arbeitsanlagen eine chemische Explosion. Es wurden insgesamt 15 Gramm Plutonium-239 freigesetzt. Dieses verursachte bei der Explosion eine erhebliche Kontaminierung des Gebäudes, der angrenzenden Straßen und der Fassaden von angrenzenden Gebäuden. Man glaubt, dass die Explosion durch den Kontakt von Salpetersäure mit phenolhaltigen Dekontaminierungsflüssigkeiten ausgelöst wurde. Ein Techniker hatte vergessen, einen Verdampfer mit Wasser zu reinigen und so frei von Dekontaminierungsflüssigkeiten zu machen. Flächen, die nicht dekontaminiert werden konnten, wurden mit einer auffälligen Warnfarbe gekennzeichnet oder einbetoniert.

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19. November


 

Verfassungsgericht rügt Oberlandesgericht wegen Kriminalisierung von Journalismus

Hausdurchsuchungen beim ehemaligen Piratenradio Radio Dreyeckland und bei Redakteuren in Freiburg verstießen gegen die Pressefreiheit. Damit kippt das höchste deutsche Gericht eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart, das mit der Staatsanwaltschaft wegen eines Links im Internet die Unterstützung einer verboten Vereinigung herbeifabuliert hatte.

Eine juristische Auseinandersetzung um Hausdurchsuchungen 2022 in Freiburg hat fast drei Jahre später nun vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe endlich ein positives Ende für den zentral von der Repression betroffenen Journalisten Fabian Kienert gefunden. Durchsucht wurden am 17.01.2023 auf Anordnung der Staatsanwaltschaft und des Amtsgerichts Karlsruhe die Räumlichkeiten des nicht-kommerziellen Radio Dreyeckland (RDL) und die Wohnungen von zwei Mitarbeitern.

Nach gegensätzlichen Urteilen von untergeordneten Gerichten hat das Verfassungsgericht nun aber der Verfassungsbeschwerde von Kienert gegen ein Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart stattgegeben. „Einstimmig“ stellen die zwei Richter und die Richterin des 1. Senats der Ersten Kammer fest, dass sein „Grundrecht aus Artikel 5, Absatz 1, Satz 2“ des Grundgesetzes verletzt wurde. In dem Artikel wird das Recht auf Meinungsfreiheit unterstrichen. Der zweite Satz lautet: „Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet.“ Weithin wird ausgeführt, dass eine Zensur nicht stattfinden darf.

Die Entscheidung des Verfassungsgerichts hat nun die Gesellschaft für Freiheitsrechte e.V. (GFF) im Internet veröffentlicht. Die GFF hatte gemeinsam mit dem Journalisten und der der Rechtsanwältin Angela Furmaniak die Beschwerde eingereicht. „Das Bundesverfassungsgericht stellt in erfreulicher Deutlichkeit klar, dass die Strafverfolgungsbehörden auch dann die Rundfunk- und Pressefreiheit beachten müssen, wenn sie gegen eine* Journalist*in ein Strafverfahren führen“, erklärt die Rechtsanwältin zum Ergebnis. Furmaniak ist froh, dass das Bundesverfassungsgericht „eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Stuttgart korrigiert hat, „die gleich in mehreren Punkten ein verfassungsrechtlich unzureichendes Verständnis der Strafprozessordnung offenbarte.“

[...] Im Rahmen des Verbots gegen linksunten.indymedia wurden in Freiburg etliche Projekte zum Ziel staatlicher Repression. Auch hierzu hatten Gerichte längst geurteilt, dass auch die Razzia im Selbstverwalteten Freiburger Kulturzentrum (KTS) illegal war. Hier wurden das beschlagnahmte Geld und die Computer verschiedener Initiativen sogar erst nach vier Jahren wieder zurückgegeben, wie Overton berichtet hatte. Auch hier hatten die Aktivisten auf eine konsequente Verschlüsselung gepocht.

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Harrisburg Akw TMI

US-Regierung gewährt Milliardenkredit für Reaktivierung von Three Mile Island

In wenigen Jahren soll das stillgelegte Atomkraftwerk Three Mile Island wieder Strom produzieren. Die US-Regierung vergibt dafür einen Kredit.

Microsoft wird Atomstrom bekommen, mit staatlicher finanzieller Hilfe: Der US-Energieversorger Constellation Energy Generation bekommt Geld vom US-Energieministerium für die Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Three Mile Island, das künftig Microsoft mit Strom versorgen soll.

Constellation Energy Generation erhalte einen Kredit in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, teilte das US-Energieministerium mit. Die Gesamtkosten für die Reaktivierung der 835-Megawatt-Anlage werden auf etwa 1,6 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Das Atomkraftwerk Three Mile Island wurde 2019 aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Im vergangenen Jahr kündigte Constellation Energy Generation an, das Kraftwerk wieder in Betrieb nehmen zu wollen, nachdem der Energieversorger mit Microsoft eine langfristige Vereinbarung über die Abnahme des Stroms geschlossen hat. Demnach will der Software-Konzern mindestens zwei Jahrzehnte lang die gesamte Strommenge des Kraftwerks abnehmen.

[...] Das Atomkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania hatte ursprünglich zwei Blöcke. In einem davon kam es 1979 zu einer partiellen Kernschmelze. Es war der bislang schlimmste Atomunfall in den USA. Der andere Block blieb bis zu seiner Abschaltung 2019 in Betrieb. 2027 oder 2028 soll er laut Constellation Energy Generation wieder ans Netz gehen, dann unter dem Namen Crane Clean Energy Center.

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Rückbau des Akw Isar, Reaktor 2

Panne bei Rückbau in stillgelegtem Kraftwerk Isar 2

  • Beim Rückbau des stillgelegten Atomkraftwerks Isar 2 in Niederbayern ist ein 800 Kilogramm schweres Metallteil in das Wasserbecken gefallen und hat die innere Auskleidung beschädigt.
  • Durch den Riss sind wenige Kubikmeter leicht radioaktiven Wassers in den Zwischenraum gelaufen.
  • Die Baustelle ruht seit dem Vorfall vom vergangenen Donnerstag in Teilen – möglicherweise bis Weihnachten.

Der Rückbau des 2023 abgeschalteten Atomkraftwerks Isar 2 in Niederbayern ist nach einem Schaden vorübergehend gestoppt worden – zumindest teilweise.

Seit eineinhalb Jahren befindet sich das stillgelegte Kernkraftwerk Isar 2 in Niederaichbach (Landkreis Landshut) im Rückbau. Momentan ruht die Baustelle allerdings in Teilen. Der Grund dafür ist nach Betreiberangaben ein sogenanntes meldepflichtiges Ereignis.

Bei dem Vorfall am Donnerstag habe ein herabfallendes Metallteil einen Schaden verursacht, sagte Kraftwerksleiter Carsten Müller. Die Aufarbeitung laufe. Erst danach könne der Rückbau in vollem Umfang fortgesetzt werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist bei dem Zwischenfall passiert?

Müller zufolge fiel bei der unter Wasser stattfindenden Zerlegung der Einbauten im Reaktordruckbehälter ein etwa 800 Kilogramm schweres Metallstück in das Becken. Das Metallteil habe die innere Auskleidung des doppelwandigen Beckens beschädigt. Durch den Riss seien „wenige Kubikmeter Wasser“ in den Zwischenraum zwischen der inneren und äußeren Beckenwand gelaufen.

Das Leck sei abgedichtet und das Wasser über die Gebäudeentwässerung aufgefangen worden. „Hier fließt kein schmutziges Wasser in die Isar“, so Müller. Auswirkungen auf die Umgebung und die Umwelt habe der Vorfall insofern nicht gehabt. Das Wasser sei lediglich in sehr geringem Maß radioaktiv, so Müller. „Unbedeutend.“ Zudem sei kein Mitarbeiter verletzt worden.

[...] Wie ist der Stand bei Isar 1 und Isar 2?

Block 1 des Kernkraftwerkes Isar in Niederbayern wurde 1979 in Betrieb genommen, Block 2 folgte 1988. Im Zuge des deutschen Atomausstiegs wurde der Meiler Isar 1 im März 2011 zusammen mit bundesweit sieben weiteren Kernkraftwerken abgeschaltet. Er befindet sich seit 2017 im Rückbau. Das Kernkraftwerk Isar 2 ging als eines der letzten drei noch laufenden Atomkraftwerke in Deutschland in der Nacht zum 16. April 2023 vom Netz. Damit war der deutsche Atomausstieg vollzogen. Der Rückbau von Isar 2 begann etwa ein Jahr später.

In der Folge gab es immer wieder Diskussionen um eine Wiederinbetriebnahme. Der Betreiber Preussen-Elektra betonte stets, dass dies nicht möglich sei. Geschäftsführer Guido Knott sagte am Dienstagabend, er wolle einmal mehr betonen, „dass die Messe endgültig gelesen ist“.

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Akw Wylfa

Britischer SMR-Plan: Hohe Risiken hinter der Mini-Atomoffensive

London setzt auf kleine modulare Reaktoren: Kritiker warnen jedoch vor Sicherheitslücken, vehementen Kostenrisiken und energiepolitischer Abhängigkeit.

Die britische Regierung will auf der walisischen Insel Anglesey ihren ersten kleinen modularen Reaktor (SMR) errichten und verkauft das Projekt als schnellen Beitrag zu Energiesicherheit und Klimaschutz. Doch Fachleute und Umweltorganisationen warnen: Die Mini-Atommeiler sind alles andere als eine Wunderwaffe.

Der SMR soll auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Wylfa entstehen und vom Rüstungskonzern Rolls-Royce entwickelt werden. Die Regierung setzt darauf, dass SMR-Blöcke schneller gebaut werden können als klassische Atomkraftwerke, die oft Jahrzehnte Verzögerung aufweisen. Bis 2030 sollen die ersten Anlagen Strom liefern.

Doch genau diese Versprechungen gelten in der Fachwelt als höchst fragwürdig. Bisher existieren weltweit kaum realisierte SMR-Projekte und jene, die begonnen wurden, leiden unter massivsten Kostenexplosionen. Auch in Großbritannien gibt es keine marktreifen Designs, geschweige denn genehmigte Serienfertigungen. Die reale Bauzeit dürfte daher weit über den wahrscheinlich viel zu optimistischen Regierungsangaben liegen.

Transatlantischer Streit und sicherheitspolitische Bedenken

Die Entscheidung zugunsten eines britischen SMR hat außerdem diplomatische Spannungen mit den USA ausgelöst. Washington hatte den Bau eines großen Westinghouse-Reaktors favorisiert und wirft London vor, energiepolitische Risiken in Kauf zu nehmen. Hinter den Kulissen wächst die Sorge, dass die britische Strategie die Zusammenarbeit bei Sicherheits- und Geheimdienstfragen belasten könnte.

[...] Während zwei große Atomkraftwerke im Land bereits im Bau sind (Hinkley Point C und Sizewell C), bleibt unklar, wie realistisch die SMR-Pläne tatsächlich sind und wer dann für Kostenüberschreitungen haften wird.

Für viele Energieexperten ist klar: Die britische SMR-Strategie ist eigentlich absolut kein Klimaschutzprogramm, sondern eine teure Hochrisikowette auf unbewiesene Technologie ...

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19. November 2003 (INES 2 Klass.?)INES Kategorie 2 "Störfall" Atomfabrik La Hague, FRA

Freisetzung von radioaktiver Strahlung in die Umwelt bedeutet INES 3 ...
 

X Arbeiter wurden bei Reinigungsarbeiten mit Plutonium kontaminiert.
(Kosten ?)

Nuclear Power Accidents
 

Die Nukleare Kette

La Hague, Frankreich

Die Wiederaufbereitungsanlage von La Hague stellt Plutonium und Uran aus verbrauchten Atombrennstäben her. Große Mengen von Atommüll und Spaltmaterialien werden gelagert, was die Gefahr der Proliferation von Plutonium stark erhöht. Zudem verschmutzt radioaktiver Müll das Meer und die Atmosphäre. Schon haben mehrere Studien eine erhöhte Inzidenz von Leukämie bei Kindern im Umkreis von La Hague gezeigt ... 
 

Wikipedia de

Wiederaufarbeitungsanlage La Hague

Die in dieser Wiederaufarbeitungsanlage behandelten hochaktiven Substanzen setzen laufend explosiven Wasserstoff frei, der bei Reaktion mit Sauerstoff die Gebäudedichtheit bedroht. Zur Vermeidung einer Explosion wird die Gebäudeluft durch kontinuierliche Zirkulation von Wasserstoff befreit. Während 3,5 Stunden funktionierte diese Umwälzung nur noch im Normalbetrieb, beide Reserveluft-Stränge waren durch Defekt respektive Instandhaltungs-Arbeiten nicht einsatzfähig. (Quelle: ASN)

Greenpeace stellte unter Aufsicht eines vereidigten technischen Sachverständigen fest, dass über ein viereinhalb Kilometer langes Rohr täglich 400 Kubikmeter radioaktives Abwasser in die Straße von Alderney über Herqueville gespült wurden. Dieser Vorgang ist legal, da nur das Versenken von Fässern mit Atommüll im Meer verboten ist, die direkte Einleitung hingegen nicht.

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INES Kategorie ?19. November 1975 (INES Klass.?) Akw Gundremmingen, DEU

Zwei Arbeiter starben. Da Radioaktivität nicht als Ursache des Unfalls angesehen wurde, bekam dieser Vorfall keine INES-Einstufung

Wikipedia de

Kernkraftwerk Gundremmingen

Im November 1975 kam es zu einem Unfall, bei dem erstmals in der Bundesrepublik Deutschland Menschen in einem Kernkraftwerk ums Leben kamen (Spiegel). Zwei Schlosser, Otto Huber, 34, und Josef Ziegelmüller, 46, hatten am 19. November 1975 um 10:42 Uhr den Deckel eines Ventils am Primärwasser-Reinigungskreislauf von Block A demontiert, um eine fehlerhafte Stopfbuchse zu tauschen. Zuvor wurde der Reaktor gegen sechs Uhr abgeschaltet und drucklos gemacht. Die Arbeiter hatten die Leitung, in der das defekte Ventil saß, mit zwei Absperrventilen stromaufwärts und abwärts vom System getrennt. Der Ventildeckel platzte beim Lösen unerwartet ab. Unbemerkt befand sich in diesem Teil der Leitung gespanntes Wasser mit einem Druck von 65 bar und ca. 265 °C, welches beim Abplatzen des Deckels teilweise verdampfte und dabei die beiden Arbeiter schlagartig verbrühte. Während Huber sofort starb, versuchte Ziegelmüller noch, zur Personenschleuse zu rennen, brach aber ebenfalls unter Schmerzen kurz davor zusammen. Ziegelmüller wurde kurze Zeit darauf mit dem Hubschrauber in eine Ludwigshafener Spezialklinik für Verbrennungen gebracht und starb einen Tag danach ...
 

AtomkraftwerkePlag

Gundremmingen A (Bayern)

1975 starben während einer Reparatur zwei Schlossermeister aufgrund starker Verbrühungen durch ausgetretenen radioaktiven Dampf.

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18. November


 

Emissionshandel verschoben

Warum Europa den CO2-Preis retten muss

Europa war angetreten, ein verständliches Modell zur CO2-Reduktion zu entwickeln. Nun aber gewinnen Subventionen und Ordnungsrecht an Gewicht.

Der Beschluss des EU-Umweltrates zur Verschiebung des Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (ETS 2) auf das Jahr 2028 wirkt auf den ersten Blick politisch vernünftig: Haushalte und Mittelstand seien am Limit, die erwarteten Preissprünge sind schwer verkraftbar, die Länder brauchen mehr Zeit, um sich anzupassen. Und diese Anpassung ist nicht in einem Jahr zu leisten.

Das Problem sind die sehr unterschiedlichen Ausgangsbedingungen in den Mitgliedstaaten. Je unsicherer aber die Höhe zukünftiger CO2-Preise sein wird, desto wichtiger sind Ordnungsrecht und Subventionen. Die Krux: Damit wird Klimapolitik ineffizient, bürokratisch und teuer. Und so sollte sie ja eigentlich nicht sein.

Der Beschluss ist Folge eines Konstruktionsfehlers im ETS 2. Einem EU-weit einheitlichen CO2-Preis stehen sehr ungleiche Durchschnittseinkommen in den jeweiligen EU-Ländern gegenüber. Die sogenannte Lenkungswirkung ist deshalb in ärmeren Mitgliedstaaten stärker als in reichen – obwohl letztere deutlich mehr Emissionen verursachen. Es war nur eine Frage der Zeit, dass dieser Punkt zum politischen Sprengstoff werden würde.

Wenn Höchstpreise nun an die schwächeren Mitgliedstaaten angepasst werden, würde der CO2-Preis in Deutschland sogar sinken. Die Motivation, in moderne Heizungen oder E-Autos zu investieren, würde erneut schwächeln. Deutschland ist aber für fast ein Viertel der Emissionen bei Heizung und Verkehr verantwortlich.

[...] Tatsächlich fehlt ein Lösungsansatz, wie die globalen Klimaziele wirtschafts- und sozialverträglich umzusetzen wären. Europa war angetreten, eine Blaupause für wirtschafts- und sozialverträglichen Klimaschutz zu liefern. Das Schweizer Modell mit Klimageld und klaren Reduktionszielen könnte ein solches Modell sein.

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Vereinigte Staaten unter Don Trumpl

Trumps Manöver bei der UNO ist amerikanischer Imperialismus, der sich als Friedensprozess tarnt

Don Trumpl sagt heute dies und morgen das Gegenteil, und er tut alles, um die Situation für alle anderen zu verschlimmern ...Palästina bleibt das endlose Opfer der Manöver der USA und Israels. Die Folgen sind nicht nur für Palästina, das einen regelrechten Völkermord erlitten hat, verheerend, sondern auch für die arabische Welt und darüber hinaus.

Die Trump-Regierung drängt diese Woche im UN-Sicherheitsrat (UNSC) auf eine von Israel ausgearbeitete Resolution, die darauf abzielt, die Möglichkeit eines palästinensischen Staates auszuschließen. Die Resolution bewirkt drei Dinge. Sie etabliert die politische Kontrolle der USA über den Gazastreifen. Sie trennt den Gazastreifen vom Rest Palästinas. Und sie ermöglicht es den USA und damit auch Israel, den Zeitplan für den angeblichen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen festzulegen – was bedeuten würde: niemals.

Das ist Imperialismus, der sich als Friedensprozess tarnt. An sich ist das keine Überraschung. Israel bestimmt die Außenpolitik der USA im Nahen Osten. Überraschend ist jedoch, dass die USA und Israel mit dieser Farce möglicherweise davonkommen könnten, wenn die Welt nicht dringend und empört ihre Stimme erhebt.

Der Rest der Welt hat zwei Tatsachen erkannt

Der Entwurf der UN-Sicherheitsratsresolution würde einen von den USA und Großbritannien dominierten Friedensrat unter dem Vorsitz von niemand anderem als Donald Trump selbst einrichten, der mit weitreichenden Befugnissen über die Regierungsführung, die Grenzen, den Wiederaufbau und die Sicherheit des Gazastreifens ausgestattet wäre. Diese Resolution würde den Staat Palästina ins Abseits drängen und jede Übertragung von Befugnissen an die Palästinenser von der Zustimmung des Friedensrats abhängig machen.

Dies wäre eine offene Rückkehr zum britischen Mandat von vor 100 Jahren, mit dem einzigen Unterschied, dass nun die USA statt Großbritannien das Mandat innehätten. Wäre es nicht so tragisch, wäre es lächerlich. Wie Marx sagte, wiederholt sich die Geschichte, zuerst als Tragödie, dann als Farce. Ja, der Vorschlag ist eine Farce, aber Israels Völkermord ist es nicht. Er ist eine Tragödie ersten Ranges ...

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Warum sich Atomkraft und erneuerbare Energien nicht vertragen

Eine Aufhebung des AKW-Neubauverbots verzögert die Energiewende. Allein schon die vage Aussicht auf ein neues Atomkraftwerk bremst Investitionen und verunmöglicht die Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien. Das hält die Schweizerische Energiestiftung in einer am Dienstag veröffentlichten Politikfolgenabschätzung fest.

Der Bundesrat beabsichtigt die Streichung des Neubauverbots aus dem Kernenergiegesetz. Die Energiestiftung (SES) wirft ihm vor, dass er in der Botschaft ans Parlament die Folgen dieser Weichenstellung in den nächsten 20 Jahren unterschlägt – der Zeit also, in der der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden müsste.

Die Politikfolgenanalyse beleuchtet nach Angaben der SES diesen «blinden Fleck» nach einer Aufhebung des Neubauverbots anhand von drei Szenarien. Angenommen wurden Szenarien ohne AKW-Bauprojekt bis hin zu einer Mitfinanzierung eines AKW-Neubaus durch den Staat.

Bei allen drei Szenarien wäre eine Investitionsbremse für die Energiewende die Folge. Verunsicherte Marktakteure würden weniger in den Ausbau von Solar-, Wind- und Wasserkraft sowie Batteriespeichern investieren.

Ziele im Stromgesetz verfehlt

In allen untersuchten Szenarien würde die Schweiz ihre Ausbauziele verfehlen, wie sie das 2024 gutgeheissene Stromgesetz vorgibt. Im schlechtesten Szenario würde der Photovoltaik-Ausbau den Zielen bis 2045 um 30 Prozent hinterherhinken.

[...] Grosse Unsicherheit bei AKW

Im weiteren hält die Politikfolgenstudie fest, dass sich Atomkraft und erneuerbare Energien nicht vertragen. Der Bau neuer AKW sei nicht nur technologisch, sondern auch regulatorisch, finanziell und zeitlich mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. «Diese Unsicherheiten strahlen auf den Ausbau der sicheren und planbaren erneuerbaren Energien ab», heisst es.

Die Schweiz braucht gemäss der SES eine klare und verlässliche Energiepolitik. Ans eidgenössische Parlament appelliert die Stiftung, das AKW-Neubauverbot aufrecht zu erhalten und die Planungssicherheit für die vom Volk gutgeheissenen Ausbauziele zu gewährleisten.

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Militärische Forschung an Unis

Ein „Hunter-Killer“-U-Boot trotz Zivilklausel

Die TU Berlin hat sich rüstungsrelevante Forschung verboten. Doch ein Waffenkonzern wirbt offen mit der Kriegsanwendung eines gemeinsamen Projektes.

In der TU Berlin ist man stolz auf die eigene Zivilklausel, ein selbstauferlegtes Verbot von Forschung für militärische Zwecke. Als kurz nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine Olaf Scholz die „Zeitenwende“ ausruft, war TU-Präsidentin Geraldine Rauch eine der wenigen, die sich gegen den Militarisierungsrausch auch an den Hochschulen stellte. „Mir scheint, wir lassen etwas zu schnell von moralischen Werten ab“, schrieb Rauch damals in der Fachzeitschrift Forschung & Lehre. „Die Rolle von Hochschulen ist es, Forschung und Lehre im Sinne einer stabileren, sozialeren und nachhaltigeren Welt zu betreiben“, bekräftigte sie.

Doch wo die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Nutzung von Technologien verlaufen, ist nicht immer eindeutig. „Dual Use“ nennt man dieses Phänomen: dass Technologien sowohl zivil als auch militärisch nutzbar sind. Solche Technologien bewegen sich oft in einer rechtlichen Grauzone und können für Unternehmen eine Art Einstieg in die Rüstungsproduktion sein. Und auch an den Hochschulen drohen solche Technologien, die Grenze zwischen ziviler und militärischer Forschung zu vermischen.

Ein Beispiel ist das Projekt Modifiable Underwater Mothership (MUM), das Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) entwickelt, die Marinesparte des Rüstungskonzerns ThyssenKrupp – unter aktiver Beteiligung der TU Berlin. Sie wollen ein autonom operierendes, modular aufgebautes U-Boot entwickeln, dessen einzelne Komponenten je nach Einsatzzweck flexibel ausgetauscht werden können. Weil das MUM vollständig unbemannt fahren soll, könnte es theoretisch ganzjährig, also 365 Tage im Einsatz sein. Die Fachzeitschrift European Security & Defense spricht von einem „Durchbruch“, der „neue Standards“ setzen werde. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Unbemannte U-Boot-Waffe

Gerade die modulare Bauweise des MUM macht die Forschung allerdings heikel. Zwar wird das Projekt mit dem hehren Ziel der „Erkundung und ressourcenschonenden Nutzung der Weltmeere“ beworben, und tatsächlich sind zivile oder wirtschaftliche Anwendungen durchaus denkbar ...

 


17. November


 

Solarstrom für Google: Total Energies liefert 15 Jahre lang erneuerbare Energie an Googles Rechenzentren in Ohio

Paris (Frankreich) - Total Energies und Google haben einen 15-jährigen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) über eine Strommenge von 1,5 TWh aus zertifizierter erneuerbarer Energie unterzeichnet.

Der Strom stammt aus dem kurz vor der Fertigstellung stehenden Solarkraftwerk Montpelier in Ohio, das an das PJM-Netzsystem angeschlossen ist, das größte in den Vereinigten Staaten. Die Vereinbarung soll Googles Rechenzentren in Ohio langfristig mit CO2-freiem Strom versorgen.

„Die Stärkung der Netze durch den Einsatz zuverlässiger und sauberer Energie ist entscheidend, um die digitale Infrastruktur zu unterstützen, auf die Unternehmen und Privatpersonen angewiesen sind“, sagte Will Conkling, Director of Clean Energy and Power bei Google. „Unsere Zusammenarbeit mit Total Energies wird dazu beitragen, unsere Rechenzentren zu betreiben und das wirtschaftliche Wachstum in Ohio zu fördern.“

[...] Mit dem PPA setzt Google seine Strategie fort, neue CO2-freie Energie in die Netze einzuspeisen, in denen das Unternehmen tätig ist. Gleichzeitig stärkt Total Energies seine Position als Anbieter von maßgeschneiderten Energielösungen für energieintensive digitale Infrastrukturen. Ende 2025 soll die installierte Bruttoleistung erneuerbarer Stromerzeugungskapazität bei Total Energies 35 GW erreichen, bis 2030 plant das Unternehmen eine Nettostromproduktion von mehr als 100 TWh.

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Castortransporte von Jülich ins zentrale Zwischenlager ZZL Ahaus

Kernkraft

Gericht will vor Atommülltransporten entscheiden

Die Genehmigung für den Transport von Atommüll quer durch NRW liegt seit Monaten vor. Doch bevor der erste Castor rollt, will ein Gericht entscheiden. Das ist nur noch eine Frage von Wochen.

Berlin/Düsseldorf (dpa/lnw) - Wann startet der umstrittene Transport von 152 Castor-Behältern mit radioaktivem Material vom rheinischen Jülich ins Zwischenlager Ahaus im Münsterland quer durch Nordrhein-Westfalen? Das Verwaltungsgericht Berlin will spätestens im Dezember über den Eilantrag der Umweltschutzorganisation BUND entscheiden und geht davon aus, „dass bis dahin kein Transport erfolgen wird“, wie ein Gerichtssprecher der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte.

Sollte das Berliner Verwaltungsgericht dem Antrag des BUND stattgeben, wäre ein Transport rechtlich nicht mehr zulässig, erklärte er. Sollte das Gericht den Antrag des BUND zurückweisen, würde es bei der sofortigen Vollziehung der Transportgenehmigung bleiben und der Transport könnte stattfinden. Gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts hätten die Beteiligten jedoch das Rechtsmittel der Beschwerde zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg.

BUND will keine Transporte vor Gerichtsentscheidung

Der Geschäftsleiter des BUND NRW, Dirk Jansen, appellierte an alle Beteiligten, die Gerichtsentscheidung abzuwarten und nicht schon vorher die ersten Castor-Behälter mit Atommüll aus Jülich auf die Fahrt nach Ahaus zu schicken. „Wir haben 22.000 Seiten Verfahrensunterlagen bekommen, die in Teilen geschwärzt waren“, sagte er der dpa. Nach dieser Akteneinsicht werde der BUND NRW seinen Eilantrag fristgerecht bis diesen Dienstag begründen.

[...] Ausstehendes Arbeitsschutzkonzept

Die Gewerkschaft der Polizei NRW hält einen Start der Transporte noch im November für unwahrscheinlich. „Wir haben noch ein Eisen im Feuer“, sagte der stellvertretende Landeschef Markus Robert. Dem örtlichen Personalrat müsse die einsatzführende Behörde zum Arbeits- und Gesundheitsschutz ein Konzept zur Mitbestimmung vorlegen. „Das steht noch aus“, sagte Robert.

[...] Auftraggeberin will noch in 2025 starten

Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen will nach früheren Äußerungen noch in diesem Jahr mit den Transporten beginnen. Sie ist die Betreiberin des Zwischenlagers Jülich und Auftraggeberin der Transporte. Nach Ansicht des BUND ist der Transport des Atommülls nicht hinreichend sicher und die Verlagerung von Jülich nach Ahaus bringe keinen Sicherheitsgewinn.

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Amazonas-Regenwald kippt

Wenn die Wolkenmaschine stockt

Der Amazonas-Regenwald ist der größte Kohlenstoffspeicher der Welt. Allerdings mehren sich Anzeichen dafür, dass der Wald kippt.

Die Größenordnung ist gigantisch: Der Regenwald im Amazonasbecken speichert etwa 80 bis 123 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das Ökosystem im Herzen Südamerikas ist ein sich selbst versorgendes Phänomen. Angetrieben von der Energie der Sonne, verdunsten die Bäume über ihre Blätter durch die Photosynthese riesige Mengen Wasser – so viel, dass daraus Regenwolken entstehen. „Die regnen dann im Flachland und an den Hängen der Anden ab und versorgen so den Regenwald mit neuem Wasser“, sagt Christopher Reyer, Waldexperte am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Dabei bildet die bis zu 6.000 Meter hohe Gebirgskette eine Wasserbarriere: Spätestens hier müssen die Wolken aufsteigen, was sie abregnen lässt. Das Verdunstungswasser aus der Ebene speist Flüsse wie den Rio Negro, den Rio Madeira, den Rio Huallaga oder den Purus, die sich im Zentrum des Kontinents zum Amazonasfluss vereinen und das ganze Becken mit Wasser versorgen. An manchen Stellen ist der Zusammenfluss – der Amazonas – bis zu 20 Kilometer breit; der Bodensee bringt es an seiner breitesten Stelle auf 14 Kilometer.

Bislang half der Regenwald im Amazonas dem Menschen: Dank Photosynthese wird auf 5,5 Millionen Quadratkilometern Kohlendioxid zu Holz umgebaut. Auf einem Quadratkilometer sind bis zu 1.000 verschiedene Bäume produktiv, pro Jahr binden die Pflanzen und der Boden etwa 380 Millionen Tonnen Kohlenstoff, mehr als die 85 Millionen Einwohner Kolumbiens und Venezuelas zusammen.

In seinen besten Zeiten machte das Ökosystem 5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen wett. Allerdings ist das System in Gefahr: Wenn zu wenig Wasser verdunstet, bilden sich weniger Wolken. Die haben weniger Regen zur Folge, weshalb es weniger Wasser in den Flüssen gibt. Teile des Amazonasbeckens fallen trocken, weshalb Bäume absterben und als Verdunster ausfallen und so noch weniger Regen entsteht – ein Teufelskreis.

[...] 2024 kam ein Team um Bernardo Flores von der Federal University of Santa Catarina zu dem Ergebnis, dass eine globale Erwärmung von mehr als 1,5 Grad durchschnittlich zu viel für den Amazonas ist. In ihrem „Global Tipping Points Report“ kam Mitte Oktober 2025 ein Forscherteam schließlich zu dem Schluss, dass die Schwelle, die zum unweigerlichen „Kippen“ des Ökosystems führen wird, niedriger ist als bislang angenommen: Auch sie erwarten einen Zusammenbruch ab einer globalen Erwärmung von 1,5 Grad. Tatsächlich war das vergangene Jahr bereits 1,55 Grad wärmer als vor der industriellen Revolution. Und weil die weltweiten Emissionen auch 2025 weiter anstiegen, statt zu sinken, ist ein neuer Temperaturrekord 2025 nicht unwahrscheinlich.

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Teilstopp wegen Israel-Gaza-Kriegs

Deutschland will wieder alle Rüstungsgüter an Israel liefern

Wegen des harten Vorgehens im Gazastreifen stoppte Deutschland im Sommer den Export mancher Rüstungsgüter nach Israel. Nun hebt die Bundesregierung die Einschränkung auf. Sie schaut allerdings auch auf das Westjordanland.

Im Sommer schränkte die Bundesregierung den Export von Rüstungsgütern an Israel teilweise ein. Nun hebt sie diese Einschränkungen wieder auf, wie Regierungssprecher Stefan Kornelius mitteilte.

»Die Bundesregierung begrüßt den am 10. Oktober in Kraft getretenen Waffenstillstand in Gaza, der sich in den letzten Wochen stabilisiert hat«, sagte Kornelius der Nachrichtenagentur Reuters. »Die am 8. August verkündete Beschränkung zum Rüstungsexport nach Israel wird wieder aufgehoben«, fügte er hinzu. Dies gelte ab dem 24. November. »Die Bundesregierung wird in ihrer Entscheidung zu Rüstungsexporten generell wieder zur Einzelfallprüfung zurückkehren und auf die weiteren Entwicklungen reagieren.«

Mehr als 68.000 Tote im Israel-Gaza-Krieg

Kanzler Friedrich Merz hatte angesichts des umstrittenen israelischen Vorgehens im Gazakrieg Anfang August entschieden, dass die Ausfuhr von Rüstungsgütern, die direkt für den Einsatz im Gazastreifen verwendet werden können, nicht genehmigt würden. Dies betraf aber keine Rüstungsgüter, die Israel etwa zum Schutz gegen Angriffe von außen benötigt. Zugleich hatte Merz Israel die volle deutsche Solidarität bekundet. Dennoch hatte es innerhalb der Union Kritik an der Entscheidung gegeben, obwohl Israel international wegen der hohen Zahl an Toten unter der palästinensischen Zivilbevölkerung und der mangelhaften Versorgung der Menschen kritisiert worden war.

Die israelische Armee war nach dem Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 mit mehr als 1200 Toten in den Gazastreifen eingerückt, um gegen die islamistische Miliz vorzugehen. Bei den Kämpfen starben mehr als 68.000 Menschen ...

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Wohin mit radioaktivem Iod aus Kernbrennstäben?

Entsorgung durch Wiederaufbereitung und Endlagerung im Vergleich

Atommüll-Entsorgung auf dem Prüfstand: Bisher herrscht Uneinigkeit darüber, wie hochradioaktives Material aus Kernbrennstäben am besten entsorgt wird – durch Wiederaufbereitung oder in unterirdischen Endlagern. Das haben Forschende jetzt näher untersucht. Sie verglichen, wie viel des Radionuklids Iod-129 bei den verschiedenen Strategien in der Umwelt landet. Demnach scheint der Atommüll im Untergrund besser verscharrt. Aber auch ein Recycling der Brennstäbe kann sicher sein – sofern das mit Iod-129 belastete Abwasser gut gefiltert wird, wie das Team in „Nature Sustainability“ schreibt.

Beim Betrieb von Kernkraftwerken und Kernforschungsanlagen, aber auch dem Rückbau von Atomkraftwerken fällt kontaminierter Müll an, der radioaktive Isotope wie Plutonium-239, Cäsium-137, Strontium-90 und Iod-129 enthält. Letzteres hat eine Halbwertszeit von 15,7 Millionen Jahren und bleibt daher besonders lange radioaktiv. Von Mülldeponien aus kann sich das Radionuklid zudem leicht in der Umwelt verbreiten. Gelangt Iod-129 über Nahrung oder Trinkwasser in den menschlichen Körper, reichert es sich in der Schilddrüse an und kann dort langfristig zu Krebs führen.

USA versus Frankreich

Doch wohin mit dem Iod-129-haltigen Atommüll, so dass Menschen nicht mit ihm in Kontakt geraten? In den USA werden abgebrannte Brennelemente heute in tiefe unterirdische Endlager gebracht. Dort wird das Material von der Umwelt isoliert und durch Barrieren und Behälter abgeschirmt, die laut Planung mindestens 1.000 Jahre stabil sein sollen. Ähnliches plant Deutschland, sucht allerdings noch nach dem perfekten Standort für eine dauerhafte Lagerung.

Frankreich hingegen verfolgt eine andere Strategie: Das Land recycelt seine abgebrannten Kernbrennstoffe in Wiederaufarbeitungsanlagen, um Plutonium und Uran wiederverwenden zu können. Dabei entstehen Abwässer, die Iod-129 und andere Radionuklide enthalten. Diese werden verdünnt und die so nur noch schwach radioaktiven Abwässer routinemäßig und legal in den Ozean eingeleitet. Nach den französischen Gesetzen ist das erlaubt, weil es unter dem kritischen Grenzwert für die Natur liegt. Auch Großbritannien hat in der Vergangenheit auf diese Wiederaufbereitungsstrategie gesetzt.

Wie entsorgt man radioaktives Iod am besten?

Aber ist diese Verdünnungsstrategie eine gute Lösung? Und was wäre der beste Weg, um mit radioaktivem Iod kontaminierten Atommüll zu entsorgen? Das haben nun Forschende um Haruko Wainwright vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) untersucht. Dafür quantifizierten sie, wie viel Iod-129 unter drei verschiedenen Szenarien in die Umwelt gelangt: dem US-amerikanischen Ansatz, dem französischen Ansatz und einem dritten Ansatz. Bei diesem wird das Iod-129 im Abwasser über neue Filter aufgefangen und in flachen unterirdischen Lagerstätten entsorgt. Geplant ist dies beispielsweise in Japan ...
 

IMHO

All dies sind Versuche, die Probleme und Fehler der Vergangenheit irgendwie unter die Erde zu bringen.
Für die Gegenwart und Zukunft erscheint es mir jedoch weitaus sinnvoller, all diese Fehler zu vermeiden und sich auf eine saubere Energieversorgung zu konzentrieren. Die Energiegewinnung aus Sonne, Wind und anderen erneuerbaren Quellen ist unerlässlich für eine lebenswerte Zukunft unseres Planeten und seiner Bewohner.

 


16. November


 

Iranisches Atomprogramm:

Iran hat Urananreicherung nach eigenen Angaben vollständig eingestellt

Irans Außenminister sagt, sein Land betreibe keine geheimen Atomanlagen und reichere kein Uran an. Es ist die konkreteste Stellungnahme seit den Angriffen im Juni.

Der Iran hat die Anreicherung von Uran nach eigenen Angaben vollständig eingestellt. "Es gibt derzeit keine Anreicherung, weil unsere Anreicherungsanlagen angegriffen wurden", sagte Außenminister Abbas Araghtschi der Nachrichtenagentur AP am Sonntag in Teheran. Der Iran setzte infolge der israelischen und US-amerikanischen Angriffe auf seine Atomanlagen im Sommer die Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus, weshalb keine verlässlichen Informationen über die Schäden an den Atomanlagen vorliegen. Die iranische Regierung spricht von "erheblichen Schäden", die jedoch schnellstens behoben werden sollten, um das Nuklearprogramm fortzuführen.

Araghtschi versicherte zudem, der Iran betreibe keine geheimen Atomanlagen. Sämtliche Einrichtungen stünden demnach unter Aufsicht der IAEA. Es war die bislang konkreteste Stellungnahme der Islamischen Republik zu ihrem Atomprogramm, seitdem Israel und die USA im Juni die Atomanlagen des Landes bombardiert hatten.

Araghtschi äußerte sich infolge von Berichten verschiedener US-Medien, darunter die Washington Post und die New York Times. Den Medienberichten zufolge hat die iranische Regierung den Bau einer geheimen unterirdischen Nuklearanlage namens Kuh-e Kolang beschleunigt. Sie soll in der Nähe der bekannten Atomanlage in Natanz liegen. Weder von offizieller iranischer Seite noch in iranischen Medien wurde die Anlage erwähnt. Die iranische Führung ist laut Außenminister Araghtschi weiterhin bereit, die Atomverhandlungen mit dem Westen wieder aufzunehmen, jedoch nur auf Grundlage gegenseitigen Respekts und ohne Druck.

Keine Einigung über das Atomprogramm

Westliche Staaten werfen dem Iran vor, Atomwaffen bauen zu wollen. Laut einem IAEA-Bericht verfügte der Iran vor Beginn des Kriegs im Juni über mehr als 400 Kilogramm Uran mit einem Reinheitsgrad von 60 Prozent. Westlichen Angaben zufolge ist der Iran weltweit der einzige Staat ohne Atombomben, der so hoch angereichertes Uran besitzt. Für den Bau von Atomwaffen wäre eine weitere Anreicherung auf einen Reinheitsgrad von mehr als 90 Prozent erforderlich. Zur Stromerzeugung mit Atomkraft ist eine Anreicherung auf 3,67 Prozent ausreichend ...

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Der Gaza-Krieg war ein gutes Geschäft für US-Rüstungskonzerne

Kriege sind Geschäfte für die Rüstungsindustrie. Das war auch beim israelischen Krieg gegen Hamas und die Bevölkerung des Gazastreifens so. Für die amerikanischen Rüstungsindustrie zahlten sich der Tod und das Leiden der Menschen aus. Das dürfte auch erklären, warum die US-Regierung unter Biden und unter Trump weiter an der Seite Israels standen, um die Waffenpipeline aus den USA nach Israel offen zu halten.

Nach dem Wall Street Journal sind bereits 2023 die Waffenverkäufe an Israel massiv angestiegen. Bewilligt wurden unter Biden Waffenverkäufe in Höhe von mehr als 32 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr, vor allem Kampfflugzeuge und Bomben für den Krieg aus der Luft.

Ein Großteil der Waffen für Israel wurde mit amerikanischen Steuergeldern bezahlt. Normalerweise erhält Israel eine jährliche Militärhilfe in Höhe von 3,3 Milliarden, 2024 waren es mit 6,8 Milliarden doppelt so viel. Nicht über Geld geleistete Militärhilfe ist darin nicht enthalten.

Boeing hat wohl am meisten profitiert. Dieses Jahr mit 7,9 Milliarden für Präzisionsbomben, letztes Jahr hatte Washington den Kauf von F-15-Kampfflugzeugen für 18,8 Milliarden gebilligt, die Auslieferung soll 2029 beginnen. Waffenkäufe müssen in den Regel lange voraus vereinbart werden. Gleichwohl zeigt das Geschäft an, dass Israel sich weiter für einen möglichen Luftkrieg in der Region aufrüsten will.

[...] Palantir-Chef Alex Karp behauptete sogar, seine Technik sei „erfolgreich“ zur Identifizierung von Zielen in Gaza eingesetzt worden. Das sei effizient gewesen, die meisten Toten seien ja „Terroristen“ gewesen, darunter auch Zehntausende Kinder und Frauen, so präzise ist Palantirs Technik.

[...] Während die USA 66 Prozent der Importe von schweren Waffen geliefert hat, war Deutschland für den Rest verantwortlich. Das waren vor allem Fregatten und Torpedos, aber auch Motoren für gepanzerte Fahrzeuge. Im August hatte Bundeskanzler Merz erklärt, Deutschland werde vorerst keine Waffenexporte mehr genehmigen, wenn diese in Gaza eingesetzt werden können. Nach dem Waffenstillstand wird bereits wieder die Aufhebung des Exportverbots gefordert.

Italien macht ebenso Geschäfte mit dem israelischen Militär (leichte Hubschrauber, Bordkanonen oder Komponenten für F-35-Kampfflugzeuge) wie Großbritannien (Komponenten für Kampfflugzeuge, Radarsysteme und Zieltechnik) oder Frankreich ...
 

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Söders Traum von Mini-AKWs

Wer Wachstum will, muss Nebelkerzen löschen

Markus Söders Vorstoß für Mini-AKWs zeigt: Nebelkerzen sind bei bürgerlichen Parteien beliebt. Das gilt auch für Wasserstoff-Pkw oder E-Fuels. Kaum zu glauben, dass die Union nun eine tatsächliche Technikrevolution mitbeschlossen hat.

Wenn eine Partei in der deutschen Politik eine bestimmte Lösung ablehnt, aber keine bessere anzubieten hat, vollzieht sich oft ein fürchterliches Schauspiel: Es werden Worthülsen verschossen und Ablenkungsmanöver gestartet.

Beispiel Atomkraftwerke: CSU-Chef Markus Söder forderte am Wochenende mal wieder »kleine, smarte Reaktoren«, die angeblich »nicht solche Subventionen« bräuchten, »wie das früher nötig war«. Söder meint damit sogenannte Small Modular Reactors (SMR).

SMR-Startups fallen derzeit aber vor allem dadurch auf, dass sie zuerst Subventionen verschlingen und dann ihre Pläne einstellen oder gleich bankrottgehen. Etwa NuScale und die sogenannte »Ultra Safe Nuclear Corporation« in den USA. In Kanada und den USA existieren SMRs bis jetzt nur in Form von Planungen und Baugruben. Ein Projekt in Kanada, das Söder explizit erwähnte, wird mit mehr als zwei Milliarden US-Dollar vom kanadischen Staat gefördert. Atomkraft »ohne Subventionen« gibt es nun einmal nicht. Da sind die erneuerbaren Energien schon lange deutlich weiter.

Beispiel Elektroauto: Weil Union, FDP und Hubert Aiwangers Freie Wähler nicht akzeptieren wollten, dass batterieelektrischen Pkw die Zukunft gehört, schwenkten sie beidhändig Nebelkerzen. Links das Wasserstoffauto, rechts die E-Fuels, mit denen man dann in zehn Jahren noch neue Verbrennungsmotoren betanken wollte. E-Fuels haben mehrere so gravierende Nachteile, dass Fachleuten längst klar war, dass sie allenfalls für Nischenmärkte und Spezialanwendungen Potenzial haben.

Sie sind extrem ineffizient: Ein E-Auto fährt mit der gleichen Strommenge sechs- bis siebenmal so weit wie ein mit aus der gleichen Strommenge hergestellten E-Fuels betankter Verbrenner. Und ihre Inhaltsstoffe – flüssiges CO₂ und Wasserstoff aus erneuerbarem Strom – bleiben bis auf Weiteres rar und teuer.

Mehr Ferraris als H₂-Autos

BMW behauptet unterdessen unverdrossen, man wolle im Jahr 2028 einen Wasserstoff-Brennstoffzellen-Pkw auf den Markt bringen. Ein Vorserienmodell fuhr, sehr demonstrativ, Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. Eine Wasserstofftankstelle in Aiwangers Landkreis ist allerdings gerade abgebaut worden – so wie viele andere in ganz Europa auch. Es tankt einfach niemand dort ...

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Bidirektionales Laden ab 2026: So wird Ihr E-Auto zum Kraftwerk

Bidirektionales Laden macht E-Autos zu Stromspeichern. Wir erklären Technik, neue Regeln ab 2026 und wie Haushalte bis zu 700 € sparen können.

Ab 2026 ändert sich für Elektroautos in Deutschland ein zentraler Punkt: Sie dürfen Strom nicht nur aufnehmen, sondern wirtschaftlich sinnvoll auch wieder abgeben. Der Bundestag hat das Energiewirtschaftsgesetz angepasst und damit die Doppelbelastung bei Netzentgelten beendet. Damit entsteht erstmals ein Rahmen, der bidirektionales Laden für Haushalte, Unternehmen und Netzbetreibende praktikabel macht. E-Autos können künftig als flexible Speicher wirken – im eigenen Haus oder im öffentlichen Netz.

Kurz zusammengefasst

  • Ab 2026 werden E-Autos rechtlich wie andere Speicher behandelt und zahlen Netzentgelte nur noch einmal.
  • Damit wird das bidirektionale Laden wirtschaftlich interessant – für Haushalte und für das Stromsystem.
  • Studien sehen Einsparungen von bis zu 22 Mrd. € pro Jahr im europäischen Energiesystem und bis zu 700 € pro Haushalt.
  • Technische Standards, geeignete Fahrzeuge, Wallboxen und Smart Meter entscheiden, wie schnell das Ganze Realität wird.

Was sich im Energiewirtschaftsgesetz ändert

Bisher war das Prinzip einfach – und ungünstig: Strom, der aus einer Fahrzeugbatterie zurück ins Netz eingespeist wurde (Vehicle-to-Grid, V2G), galt rechtlich wie normaler Verbrauch. Für denselben Strom fielen also Netzentgelte und Abgaben mehrfach an. Wirtschaftlich war das ein Totalausfall.

Mit der Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) dreht der Bundestag diese Logik. E-Autos werden künftig regulatorisch wie Speicheranlagen behandelt. Also ähnlich wie Pumpspeicherwerke oder große stationäre Batteriespeicher. Die zahlen Netzentgelte nur einmal – beim Laden ...

 


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Aktuelles+

16. November 2025

Exponentielle Erneuerbare, Solarstrom für alle und eine Zehn-Jahres-Wette auf Batteriespeicher

In zehn Jahren decken Batteriespeicher die Lücke komplett ab, wenn Sonne, Wind und Bioenergie einmal nicht ausreichen, wettet Matthias Willenbacher, Gründer der nachhaltigen Investing-Plattform Wiwin und Mitglied im Klimareporter°-Herausgeberrat. Von der Wirtschaftsministerin fordert er eine technologieoffene Ausschreibung statt nur für Gaskraftwerke.

Klimareporter°: Herr Willenbacher, laut dem neuen Report zum globalen CO2-Budget wachsen die erneuerbaren Energien zwar weltweit schnell, der Energiebedarf wächst aber schneller und die "Lücke" wird durch ebenfalls wachsende fossile Verbrennung gedeckt. Im Ergebnis steigen die CO2-Emissionen weiter. Wie kommen wir da heraus?

Matthias Willenbacher: Diese vermeintlich vertrackte Lage ist in Wahrheit bereits dabei, sich aufzulösen. Und das viel schneller, als viele glauben.

Die globalen Daten zeigen eindeutig, dass die Erneuerbaren schneller wachsen als der Strombedarf. Laut den neuesten Zahlen stieg die weltweite Stromnachfrage im ersten Halbjahr 2025 um 369 Milliarden Kilowattstunden, während Solar- und Windenergie zusammen 403 Milliarden Kilowattstunden zusätzlich ins Netz brachten. Die erneuerbaren Energien überholen die Kohle in der Stromproduktion.

Wir sehen also genau das, was nötig ist, um die CO2-Emissionen endlich zu senken: Erneuerbare Energien decken schon heute den zusätzlichen Bedarf. Auch in Europa und Deutschland findet eine Verschiebung statt. Im Oktober hat Deutschland trotz aller politischen Hürden bereits einen Erneuerbaren-Anteil von 62 Prozent erreicht.

Je schneller wir den Ausbau vorantreiben, desto stärker sinken die Kosten und desto eher erreichen wir den Punkt, an dem erneuerbare Energien nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch unschlagbar sind.

Wenn Solar- und Windkraft ihren exponentiellen Wachstumspfad fortsetzen – und die Zahlen sprechen dafür –, werden sie nicht nur den steigenden Energiebedarf decken, sondern fossil erzeugten Strom auch vollständig ersetzen. Wir müssen lediglich den bereits funktionierenden Weg radikal konsequent weitergehen.

Australien nutzt mit dem "Solar Sharer"-Programm künftig mittägliche Photovoltaik-Überschüsse, um den Haushalten – auch ohne eigene Dachanlage – drei Stunden kostenlosen Solarstrom zu schenken. Ist das gut für die Akzeptanz der Energiewende oder einfach nur Verschwendung?

Das Programm ist ein starkes Signal und trägt eindeutig zu mehr Akzeptanz der Energiewende bei. Solarstrom wird immer günstiger, und wenn der Verbrauch gezielt in die Mittagsstunden gelenkt wird, lassen sich Angebot und Nachfrage deutlich besser zusammenbringen.

Genau das macht Australien vor: Statt überschüssige Solarenergie abzuregeln, wird sie für drei Stunden kostenlos an alle Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben.

Damit ein solcher Ansatz auch in Deutschland funktioniert, brauchen wir endlich die passenden Rahmenbedingungen. Ein zügiger Smart-Meter-Rollout, flexible Stromtarife und zeitvariable Netzentgelte würden automatisch dafür sorgen, dass sich der Verbrauch in jene Stunden verschiebt, in denen erneuerbarer Strom reichlich und preiswert verfügbar ist. Wer dann mittags wäscht, lädt oder produziert, profitiert unmittelbar.

Wenn Menschen direkt erleben, dass die Energiewende ihnen ganz konkret Vorteile bringt, also kostenlosen oder besonders günstigen Solarstrom, dann entsteht Vertrauen. Je mehr günstiger Solarstrom am Markt ist, desto sinnvoller ist es, den Konsum dorthin zu lenken, und desto mehr Menschen profitieren unmittelbar.

Über Jahrzehnte galt der Emissionshandel als das marktwirtschaftliche und liberale Instrument, um gerade die Industrie auf sanfte und effiziente Weise zu dekarbonisieren. Neuerdings beklagen aber energieintensive Zweige wie die Chemie über untragbare Lasten aus dem Emissionshandel und fordern dessen Aussetzung, wenn nicht gar Abschaffung. Was ist da passiert und wie kann der Konflikt gelöst werden?

Klima- und Umweltschutz haben traditionell die schwächste Lobby, deshalb überrascht es mich nicht, dass ausgerechnet besonders CO2-intensive Industrien jetzt den Emissionshandel aussetzen oder abschaffen wollen. Dort versucht man immer wieder, den regulatorischen Hebel zu lockern und Verantwortung abzuwehren.

Doch wir lösen das Problem nicht, indem wir die Regeln aufweichen. Deshalb braucht es eine starke Gegenlobby für Mensch und Umwelt, also gesellschaftliche und politische Stimmen, die konsequent einfordern, dass Klimaschutz nicht verhandelbar ist.

Und was war Ihre Überraschung der Woche?

Für mich war die Entscheidung des Bundestages, Großbatteriespeicher baurechtlich zu privilegieren, ganz klar die Überraschung der Woche. Endlich wird anerkannt, dass Großspeicher keine Randtechnologie mehr sind, sondern eine wichtige Säule in einem modernen, flexiblen Energiesystem.

Ich sehe es so wie Ursula Heinen-Esser, die neue Präsidentin des Erneuerbaren-Verbandes BEE, die große Batteriespeicher als Rückgrat eines solchen Systems bezeichnet. Sie ermöglichen die optimale Integration fluktuierender erneuerbarer Energien.

Viele unterschätzen, wie schnell sich unser Energiesystem tatsächlich wandelt. Die Netzbetreiber haben längst Zusagen für Speicherkapazitäten in einer Größenordnung gemacht, die bisherige Zukunftsprognosen deutlich übertrifft: insgesamt mehr als 75.000 Megawatt.

Solche Größenordnungen tauchen in vielen langfristigen Energieszenarien frühestens zur Mitte des Jahrhunderts auf, nicht aber für das kommende Jahrzehnt. Selbst wenn nicht alle Projekte umgesetzt werden: Die "Pipeline" wächst, und die Kosten von Batterien sinken weiter.

Gleichzeitig sehe ich die rechtliche Gleichstellung von Kleinspeichern und Autobatterien als ebenso bedeutende Entwicklung. Fahrzeugbatterien werden beispielsweise zunehmend als mobile Speicher genutzt, die perspektivisch aktiv ins Energiesystem eingebunden werden können.

Und mit dem wachsenden Markt für Second-Life-Batterien aus E‑Autos entsteht zusätzlich ein enormes Potenzial für kostengünstige stationäre Speicher. Damit wächst ein Energiesystem mit großen und kleinen Speichern zusammen.

Dass diese Dynamik jetzt so schnell Fahrt aufnimmt, hätte ich vor wenigen Monaten nicht erwartet. Umso erfreulicher ist sie, denn mit starken Speichern wird die Energiewende gelingen.

Ich gehe eine Wette ein: In zehn Jahren werden Batteriespeicher die gesamte Residuallast abdecken können – also genau jene Lücke schließen, die entsteht, wenn Sonne, Wind und Bioenergie einmal nicht ausreichen.

Zum Schluss noch eine Frage an Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Warum wurden die geplanten 10.000 Megawatt Reservekapazität nicht technologieoffen ausgeschrieben? Viele Experten kritisieren die einseitige Ausrichtung auf Gaskraftwerke und können diese nahezu planwirtschaftliche Festlegung nicht nachvollziehen.

 


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Hintergrundwissen

Die Karte der nuklearen Welt

 
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Die Suchmaschine Ecosia pflanzt Bäume!

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https://www.ecosia.org/search?q=Emissionshandel
 

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9. November 2025 - Für Marktlenkung und Akzeptanz - Australien verschenkt Solarstrom

30. September 2025 - Experten warnen vor Fokus auf Gaskraftwerke

10. Mai 2025 - 100 Prozent Ökostrom - Kein Blackout für die Energiewende

4. März 2025 - Solarenergie im Keller: Immer mehr Haushalte speichern Strom

26. Januar 2025 - Günstiger als Lithium: Warum die größte Batterie der Welt auf Rost setzt

15. November 2024 - Klimapolitik im Umbruch - "Dann braucht es unbedingt ein Klimageld"

27. März 2024 - Größter Batteriespeicher im Norden entsteht in Bollingstedt

5. Januar 2024 - Neue Rekordeinnahmen im Emissionshandel: Über 18 Milliarden Euro für den Klimaschutz
 

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Wikipedia de

Erneuerbare Energien

Als erneuerbare Energien (EE) oder regenerative Energien, auch alternative Energien, werden Energiequellen bezeichnet, die im menschlichen Zeithorizont für nachhaltige Energieversorgung praktisch unerschöpflich zur Verfügung stehen oder sich verhältnismäßig schnell erneuern. Damit grenzen sie sich von fossilen Energiequellen ab, die endlich sind oder sich erst über den Zeitraum von Millionen Jahren regenerieren.

Erneuerbare Energiequellen gelten, neben der effizienten Nutzung von Energie, als wichtigste Säule einer nachhaltigen Energiepolitik (englisch sustainable energy policy) und der Energiewende. Zu ihnen zählen Bioenergie (Biomassepotenzial), Geothermie, Wasserkraft, Meeresenergie, Sonnenenergie und Windenergie. Ihre Energie beziehen sie von der Kernfusion der Sonne, die bei weitem die wichtigste Energiequelle ist, aus der kinetischen Energie der Erddrehung und der Planetenbewegung sowie aus der erdinneren Wärme.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird in vielen Staaten weltweit vorangetrieben. 2018 deckten erneuerbare Energien 17,9 % des weltweiten Endenergieverbrauchs ...
 

Energiewende

Energiewende, auch Energietransition, bezeichnet im Deutschen den Übergang von einer fossilen Energieversorgung zu einem nachhaltigen Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien. In einigen Ländern – etwa Deutschland – umfasst dieser Prozess auch den Ausstieg aus der Kernenergie. International ist überwiegend der englische Begriff energy transition gebräuchlich, während Energiewende im engeren Sinne meist die deutsche Ausprägung dieses Transformationsprozesses bezeichnet.

Der Begriff wurde nach dem 1980 erschienenen Buch Energiewende – Wachstum und Wohlstand ohne Erdöl und Uran des Öko-Instituts kulturell rezipiert und teilweise als Lehnwort in andere Sprachen übernommen (beispielsweise „The German Energiewende“ oder „A Energiewende alemã“).

Ziel der Energiewende ist, die von der konventionellen Energiewirtschaft verursachten ökologischen, gesellschaftlichen und gesundheitlichen Probleme zu minimieren und die dabei anfallenden, bisher im Energiemarkt kaum eingepreisten, externen Kosten vollständig zu internalisieren. Angesichts der maßgeblich vom Menschen verursachten Globalen Erwärmung ist heutzutage besonders die Dekarbonisierung der Energiewirtschaft durch Beendigung der Nutzung von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Erdgas von Bedeutung. Ebenso stellen die Endlichkeit fossiler Energieträger sowie die Gefahren der Kernenergie wichtige Gründe für die Energiewende dar ...
 

Batteriespeicher

Ein Batteriespeicher, auch als Solarbatterie, Solarakkumulator oder Hausspeicher bezeichnet, ist ein stationärer Energiespeicher auf Basis eines Akkumulators und/oder eines Kondensators. Wichtige Kenngrößen von Batteriespeichern sind die Leistung (Watt) und die Speicherkapazität (Wattstunden).

Die Anzahl von Solarstromanlagen mit Batteriespeicher stieg in Deutschland von 5.000 Speichern im Jahr 2013 auf 1,8 Millionen im Jahr 2024.

Einsatzbereiche

Batteriespeicher ermöglichen in Kombination mit einer Photovoltaikanlage eine Stromversorgung abfern des Stromnetzes.

Im häuslichen Bereich werden Batteriespeicher oft im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage betrieben (Hauspeicher). Somit können Ertragsüberschüsse während des Tages in ertragsarmen bzw. ertragslosen Abend- und Nachtstunden genutzt werden und Eigenverbrauch, Autarkie und Versorgungssicherheit erhöht werden.

Im gewerblichen Bereich werden Batteriespeicher mit größerer Speicherkapazität eingesetzt. Einer der größten geplanten Batteriespeicher mit bis vier Stunden Laufzeit bei 50 MW Leistung entsteht derzeit am Kraftwerksstandort Duisburg-Walsum ...
 

Emissionsrechtehandel

Der Emissionsrechtehandel, Emissionshandel oder Handel mit Emissionszertifikaten, ist ein marktbasiertes Instrument der Umweltpolitik zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung. Dabei werden ökonomische Anreize zur Reduktion von Schadstoffemissionen geschaffen. Emissionshandelssysteme für CO2 und andere Treibhausgase werden als Form der CO2-Bepreisung in der Europäischen Union, China und anderen Ländern als wichtiges Instrument zur Eindämmung des Klimawandels eingesetzt.

In einem Emissionshandelssystem verteilt oder verkauft eine zentrale Behörde eine begrenzte Anzahl von Zertifikaten, die zur Emission einer bestimmten Menge eines Schadstoffs über einen definierten Zeitraum berechtigen. Verursacher von Emissionen müssen am Ende des Zeitraums Zertifikate in Höhe ihrer Emissionen abgeben. Dazu müssen sie von der Behörde oder anderen Verursachern ausreichend Zertifikate erhalten bzw. zukaufen. Überschüssige Zertifikate können sie an andere Verursacher verkaufen.

Der Emissionshandel ist eine marktbasierte Form der Umweltregulierung, die es ermöglicht, dezentral zu entscheiden, wie Emissionen am kosteneffektivsten eingespart werden können. Der Weltklimarat IPCC hält in seinem Sechsten Sachstandsbericht fest, dass mit Stand 2020 mehr als 20 % der globalen Treibhausgasemissionen durch Kohlenstoffsteuern oder Emissionshandelssysteme abgedeckt waren, Erfassungsgrad und Preise jedoch nicht ausreichten, um starke Emissions-Reduktionen herbeizuführen. Demnach haben Kohlenstoffbepreisungsinstrumente dort, wo sie eingesetzt wurden, zwar Anreize für kostengünstige Emissionsminderungsmaßnahmen geschaffen. Jedoch seien diese im Bewertungszeitraum ohne ergänzende Maßnahmen und bei den vorherrschenden Preisen weniger wirksam gewesen, um auch kostspieligere Maßnahmen zu fördern, die für weitere Reduzierungen ebenfalls erforderlich sind ...
 

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