Newsletter IV 2022

Der THTR-Rundbrief

22. bis ... Januar

 

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Auszug aus der PDF-Datei
Nuclear Power Incidents & Accidents + NAMS + INES

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17. Januar 1966 - (Broken Arrow) - Palomares - Ein B-52 Langstreckenbomber mit 4 Wasserstoffbomben an Bord stürzt ab und Plutonium verseucht ca. 200 Hektar in der Provinz Almeria ...

20. Januar 1965 - (INES 4 - NAMS 3,8) - LLNL Lawrence Livermore National Laboratory - 259 TBq radioaktiver Strahlung wurden freigesetzt. Informationen zu diesem Störfall habe ich bisher nicht gefunden ...

21. Januar 1968 - (Broken Arrow) - Thule Airport, Grönland - Absturz eines B-52 Bombers mit 4 Wasserstoffbomben an Bord ...

21. Januar 1969 - (INES 5 - NAMS 1,6) - Akw Lucens - Beim Versagen des Kühlsystems eines experimentellen Reaktors im Versuchsatomkraftwerk Lucens (VAKL) im Kanton Waadt gab es eine partielle Kernschmelze ...

05. Februar 1958 - (Broken Arrow) - Tybee Island - Zusammenprall zweier Flugzeuge in der Luft, eine Atombombe bleibt verschollen ...

06. Februar 1974 - (INES 4-5) - Akw Sosnowy Bor - Aufgrund siedenden Wassers ereignete sich ein Bruch des Wärmetauschers im Block 1. Drei Menschen starben ...

 

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26. Januar

 

Südkorea bekräftigt Atomausstieg und nimmt großes Solarkraftwerk in Betrieb

In Südkorea stehen Präsidentschaftswahlen an, danach könnte sich die Energiepolitik des Landes ändern. Die aktuelle Regierung bleibt auf dem Weg weg vom Atom.

Südkorea bleibt bei seiner Energie-Strategie, die Nutzung der Atomkraft in dem Land auslaufen zu lassen. Das bestätigte Energieminister Moon Sung-wook laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap in einer Pressekonferenz. Kurz zuvor hatte der oppositionelle Kandidat für die Präsidentschaftswahl im März in Südkorea Yoon Suk-yeol angekündigt, falls er gewählt werde, würde er den Kurs ändern und auf Atomkraft setzen, um so schneller aus der Stromerzeugung aus Kohle aussteigen zu können und die Luftverschmutzung zu verringern ...

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Radon-Karte: Konzentrationen in Boden und Luft

Neue Karten der Radonbelastung in Deutschland

Hochaufgelöste Kartierung zeigt Radonwerte im Boden und Potenzial für Innenraumbelastung

Wie viel radioaktives Radongas kommt im Boden vor? Und wieviel gelangt davon potenziell in Innenräume von Gebäuden? Das zeigen nun neue Karten des Bundesamts für Strahlenschutz. Die auf Basis neuer Messungen und maschinellen Lernens erstellten Karten geben eine genaueres Bild der Radonbelastung in Deutschland und können so verraten, wo Schutzmaßnahmen nötig werden. Erhöhte Radonwerte können Auslöser für Lungenkrebs sein.

Das radioaktive Gas Radon entsteht natürlicherweise durch den Zerfall von Uran und Thorium im Untergrundgestein. Das Gas kann dann aus dem Boden aufsteigen und auch in Gebäude dringen. Lebt oder arbeitet man über längere Zeit in Räumen mit erhöhter Radonbelastung, steigt das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Die Radonbelastung ist in Deutschland vor allem dort hoch, wo granitische, stärker uranhaltige Gesteine vorkommen, wie in den Mittelgebirgen Süddeutschlands ...

 

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25. Januar

 

Neues Atommüll-Zwischenlager in Hanau? Entscheidung ist gefallen

Der seit Jahren währende Prozess um ein weiteres Atommüll-Zwischenlager in Hanau ist zu Ende. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat jetzt enschieden.

Die Entscheidung um das Atommüll-Zwischenlager in Hanau ist nun endlich gefallen. Seit Jahren schwelte der Streit um ein weiteres Zwischenlager für radioaktive Abfälle im Technologiepark Wolfgang. Jetzt hat sich die Stadt durchgesetzt. Sie muss der Entsorgungsfirma Orano NCS keine Baugenehmigung erteilen, berichtet die dpa ...

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Atomkraft: Zwei ukrainische Reaktoren gehen wegen Problemen vom Netz

Energoatom hat Reaktoren in Chmelnyzkyj und Saporischschja vom Netz genommen, um Reparaturen durchzuführen. Strahlung sei nicht ausgetreten, heißt es.

Block 1 des Atomkraftwerks Chmelnyzkyj in der westlichen Ukraine ist am heutigen Dienstagmorgen abgeschaltet worden. Es gebe ein Problem mit dem Differentialschutz des Blocktransformators, teilte der Betreiber Energoatom mit. Eine Kommission soll die Ursachen des Vorfalls untersuchen, es seien Vorkehrungen getroffen worden, um die nicht näher benannten Folgen zu minimieren ...

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Atomausstieg in Großbritannien

Die Regierung in London verspricht eine nukleare Renaissance. Tatsächlich werden in Großbritannien viel mehr Reaktoren stillgelegt als neu gebaut. Gleichzeitig gibt es einen Windkraft-Boom vor allem vor den Küsten.

Großbritannien ist eines der Hoffnungsländer für die Atombranche. Am Standort Hinkley Point im Südwesten der Insel werden derzeit zwei neue große Reaktoren gebaut. Zudem unterstützt die Regierung in London die Entwicklung von Mini-AKW, die ab Mitte der 2030er Jahre Strom liefern sollen. Von der Öffentlichkeit viel weniger beachtet, läuft in dem Land aber ein Rückbau der Atomkraft, dessen Tempo gerade dem deutschen AKW-Ausstieg ähnelt ...

Allein seit Mitte 2021 haben die britischen Betreiber laut IWR vier Reaktoren mit einer Gesamtleistung von rund 2.500 Megawatt abgeschaltet, zuletzt traf es vor einigen Tagen das AKW Hunterston B2 nahe der schottischen Kleinstadt West Kilbride.

Doch der Ausstieg geht schon in diesem Jahr weiter. Bis Juli sollen die beiden älteren AKW-Blöcke des Kraftwerks Hinkley Point B mit zusammen 840 Megawatt vom Netz gehen ...

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Neubauer: EU-Taxonomie ist „größtes Greenwashing aller Zeiten“

Die Klimaktivistin Luisa Neubauer kämpft gegen ein grünes Label für Atomkraft und fossiles Gas in Brüssel. Der von der EU-Kommission vorgeschlagene Finanzrahmen sei etwas auf das „sich Frankreich und Deutschland geeinigt haben“ um Lobbyisten-Verbände zu befriedigen, kritisiert Neubauer im Exklusivinterview mit EURACTIV.

 ... Schließlich haben Sie erwähnt, dass es in Deutschland eine neue Regierung gibt, an der nun auch die Grünen beteiligt sind. Wie wird sich dies Ihrer Meinung nach auf die Klimapolitik in Deutschland und auf EU-Ebene auswirken?

Ich bin mir noch nicht sicher, was die neue Regierung angeht. Wir bekommen gemischte Signale. Allerdings glaube ich nicht, dass wir in einer Zeit leben, in der es noch sinnvoll ist, auf eine Regierung zu hoffen, die auf magische Weise die Klimakrise beseitigt.

Ich würde eher sagen, wir leben in einer Zeit, in der wir uns selbst an die Arbeit machen müssen, uns selbst organisieren müssen, selbst auf die Straße gehen müssen, selbst den Druck erhöhen müssen und selbst die Organisation übernehmen müssen, die getan werden muss.

Ich denke, das ist etwas, worauf ich sehr setze und worauf ich mich sehr konzentriere. Und schließlich werden die Regierungen folgen, und ich denke, es steht nicht zur Debatte, ob wir diesen großen Übergang schaffen werden.

Die große Frage ist, ob wir es schnell genug und gerade genug schaffen werden, und das ist die Aufgabe, vor der wir jetzt stehen. Wenn wir eine Chance haben wollen, brauchen wir jeden, den wir kriegen können.

 

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24. Januar

 

Eine Ohrfeige für die EU-Kommission

Atom und Gas sollen nach den Vorstellungen der EU-Kommission künftig ein grünes Label tragen. Eine Idee, die das engste Beratergremium der Kommission überrascht hat und mit der es jetzt abrechnet - in einem Schreiben, das dem NDR vorliegt.

Die fundamentale Kritik kommt ausgerechnet von den Experten, die sich die EU-Kommission selbst als Berater ausgesucht hat. 57 weltweit führende Nachhaltigkeitsexperten der Finanzwirtschaft, Vertreter der Industrie und Umweltgruppen sollten gemeinsam Regeln finden für Geldanlagen, die sich grün und nachhaltig nennen dürfen. "Plattform für nachhaltige Finanzen" heißt diese Expertengruppe. Sie sollte die Kriterien für das entwickeln, was die EU "Taxonomie" getauft hat.

Doch zu Silvester überraschte die EU-Kommission ihre eigenen Experten mit einem Vorschlag, der auch Atom- und Gaskraftwerken ein grünes Label ermöglicht. Dies kritisiert das Beratergremium nun scharf. "Die meisten Beiratsmitglieder sehen ein ernsthaftes Risiko, dass eine nachhaltige Taxonomie untergraben wird", heißt es in der offiziellen Stellungnahme zum Kommissionsentwurf ...

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Streit um EU-Taxonomie:

Europäische Zerreißprobe

Deutschland lehnt den EU-Vorschlag zur Taxonomie endgültig ab. Es drohen Greenwashing im Finanzsektor – und aussichtsreiche Klagen.

BERLIN taz | In einem Punkt sind sich Brüssel und Berlin einig: Wichtige Dokumente liefert man am besten erst kurz vor Ablauf der Frist ab. Am 31. Dezember 2021 kurz vor Mitternacht übersandte die EU-Kommission ihren Entwurf für die Details der „grünen Taxonomie“ an die Mitgliedstaaten, der zu einem Aufschrei in Europa führte. Und nun schickte die Bundesregierung ihre Stellungnahme dazu auch erst am späten Freitagabend ins EU-Hauptquartier, ganz knapp, bevor am 22. Januar die Frist ablief ...

Weil sich manche Länder gesträubt haben, sind Atom und Gas nicht im Taxonomie-Gesetz gelistet. Jetzt könne diese Regel nicht einfach durch die Hintertür des „Rechtakts“ wieder eingeführt werden, empört sich Turmes. Seine österreichische Amtskollegin Leonore Gewessler sieht es ähnlich, auch ein juristisches Gutachten der Deutschen Umwelthilfe stützt diese Interpretation.

Claude Turmes ist deshalb zuversichtlich, dass der Vorstoß der EU-Kommission vor Gericht scheitern wird ...

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Rechtsexperte: "Grünes Label für Atomkraft" dürfte vor dem EuGH nicht bestehen

Energierechts-Experte Götz Reichert hat einen Hebel gefunden, mit dem der Europäische Gerichtshof die EU-Taxonomie für nichtig erklären könnte.

Die von der EU-Kommission vorgeschlagene Taxonomie-Verordnung, die Atomkraft und Erdgas als "nachhaltig" einstuft, dürfte vor dem Europäischen Gerichtshof keinen Bestand haben. Davon geht der Jurist Götz Reichert aus, Leiter der Abteilung für europäisches Energierecht am Centrum für europäische Politik (cep).

Der Europavertrag verbiete es, "wesentliche Aspekte" durch einen delegierten Rechtsakt der EU-Kommission zu regeln, erläutert Reichert im Tagesspiegel. Falls EU-Staaten gegen die Taxonomie klagen würden, müsse der Europäische Gerichtshof (EuGH) sie für "nichtig" erklären ...

 

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23. Januar

 

Die Atombombe war eine Zäsur für die Grundlagenwissenschaft der Physik

Alexander Unzicker im Gespräch über seine These, dass mit dem Zweiten Weltkrieg, der Entwicklung der Atombombe, dem Aufstieg der USA und der Militarisierung der Forschung in der Wissenschaft die Grundlagenforschung verloren gegangen ist

Florian Rötzer: Sie haben gerade ein neues Buch geschrieben mit dem Titel "Einsteins Albtraum". Sie gehen davon aus, dass irgendwann mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Aufstieg der USA etwas in der Wissenschaft verloren gegangen ist, was Sie Grundlagenforschung nennen. Sie bringen das auch mit der Entwicklung der Atombombe und der Computertechnik und dem Wissenschaftsbetrieb zusammen, der in den USA entstanden ist. Was würde denn für Sie eine Grundlagenwissenschaft kennzeichnen?

Alexander Unzicker: Grundlagenwissenschaft behandelt die großen Fragen, wie die Welt, wie die Natur funktioniert. Was sind genau Elementarteilchen? Welche Eigenschaften haben sie? Was sind Naturkonstanten? Das sind ganz elementare Fragen, die die Physiker wie Einstein, Erwin Schrödinger oder Paul Dirac vor hundert Jahren umgetrieben haben ...

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Klimaschutz in den USA:

Die meisten Staaten setzen auf Atomkraft

- Auch in den USA gewinnt der Kampf gegen den Klimawandel an Bedeutung.
- Doch in den meisten Bundesstaaten will man fossile Energien unter anderem durch neue Atomkraftwerke ersetzen.
- Damit hat auch Microsoft-Gründer Bill Gates etwas zu tun.

Der Kampf gegen den Klimawandel nimmt auch in den USA allmählich Fahrt auf. In vielen Teilen des Landes werden Anlagen zur Erzeugung von erneuerbarer Energie gebaut oder geplant. Doch nicht alle sind überzeugt, dass der Bedarf allein durch Wind und Sonne gedeckt werden kann. Während immer mehr US-Staaten die Abkehr von Kohle, Öl und Gas forcieren, rückt daher auch jenseits des Atlantiks die Kernkraft wieder in den Fokus ...

In einigen anderen, überwiegend von den Demokraten regierten Staaten wird dagegen betont, dass die Kosten für neue Reaktoren deutlich über denen für Windräder oder Solaranlagen lägen und die ungeklärten Fragen der Sicherheit sowie der Endlagerung ohnehin Ausschlusskriterien seien. „Ein Fokus auf die kurzfristigen Vorteile kann die langfristigen Probleme der Atomkraft nicht beheben“, sagt David Bobzien, Leiter der Energieabteilung der Regierung von Nevada ...

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Bundesverwaltungsgericht: Streit um Atommüll-Zwischenlager

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig befasst sich am Dienstag mit dem schon seit Jahren schwelenden Rechtsstreit um ein Atommüll-Zwischenlager in Hanau. Die obersten Verwaltungsrichter verhandeln nach Angaben des Gerichts die Klage eines Entsorgungsunternehmens gegen die Stadt. Kläger ist die Firma Orano NCS GmbH. Sie will demnach eine Baugenehmigung für die Nutzungsänderung eines Gebäudes in ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle erreichen.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) erklärte auf Anfrage, er hoffe darauf, dass sich das Bundesverwaltungsgericht der vorinstanzlichen Entscheidung anschließen werde und damit die Haltung der Stadt Hanau bestätige ...

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Atomkraft nachhaltig, Solarhandel nicht: Baywa zu EU-Plänen

Die EU-Pläne zur Einstufung der Atomkraft als nachhaltig stoßen in der deutschen Ökostrombranche auf scharfe Kritik. Teile der erneuerbaren Energien würden durch die Pläne schlechter gestellt als Bau und Betrieb von Atom- und Gaskraftwerken, sagte der Vorstandschef der Baywa, Klaus Josef Lutz, in München.

Der Mischkonzern betreibt als ein Hauptgeschäftsfeld Bau und Handel von und mit Solar- und Windanlagen. Die sogenannte Taxonomie der EU sieht vor, Investitionen in nachhaltige Energien zu fördern. Dazu zählen nach dem Brüsseler Konzept Atomkraftwerke und zumindest vorübergehend auch Gaskraftwerke.

"Während Atom- und Erdgaskraftwerken, die offensichtlich nicht nachhaltig sind, ein grünes Mäntelchen umgehängt werden soll, ist der Handel mit Solarmodulen und Ökostrom nicht in den Taxonomie-Kriterien berücksichtigt", sagte Lutz. "Wer soll denn all die nachhaltigen Produkte in den Markt bringen, wenn nicht der Handel?" ...

 

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22. Januar

 

Brückenenergie und Erneuerbare

Einfach nur Glück gehabt

Die Erderwärmung ist eine Gefahr für unser Überleben – die atomare Vernichtung nicht weniger. Lieber gleich komplett umsteigen, als auf AKWs setzen.

Was die taz-Autorin Silke Mertins am 13. Januar „Tabu­thema Atomkraft“ nennt, ist in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der ARD schon lange und in den letzten Monaten auch in der Welt, im Spiegel und der Süddeutschen Zeitung diskutiert worden. Ein „großes Tabu“, wie die Kollegin meint, ist die Frage nicht.

„Wenn die Erderwärmung die größte politische Krise unserer Zeit ist, von deren Lösung das Überleben der Menschheit abhängt“, so schreibt sie, „wie kann es dann sein, dass die klimaschädlichen Kohlekraftwerke nicht zuerst abgeschaltet werden?“ Gemeint ist: erst Kohlekraft und dann AKWs abschalten. Also längere Laufzeiten der noch drei deutschen AKWs, die zum Jahresende 2022 vom Netz sollen.

Silke Mertins überschätzt – wie viele Journalisten oder auch Bill Gates – die alten Energieträger und unterschätzt die Chancen einer raschen hundertprozentigen Energieversorgung mit erneuerbaren Energien ...

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Brennelementefabrik Lingen

Anti-Atom-Demo in Lingen: Protest gegen russischen Einstieg

Am Sonnabend haben Menschen gegen den umstrittenen Einstieg eines russischen Atomkonzerns bei der Brennelementefabrik in Lingen demonstriert. Der Veranstalter sprach von rund 160 Teilnehmern.

Die Polizei hingegen habe 90 bis 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer gezählt, sagte ein Sprecher. Die Protestkundgebung verlief friedlich, hieß es von beiden Seiten. Der russische Atomkonzern Rosatom will sich an der Brennelementefabrik in der emsländischen Stadt beteiligen. Bislang gehört sie dem französischen Unternehmen Framatome ...

 

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Aktuelles+

 

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Atomwaffen

Vier Atomwaffenstaaten sind kriegsbereit – dieser Vertrag könnte sie stoppen

Xanthe Hall / Telepolis

Ein Jahr nach dem Inkrafttreten des Atomwaffenverbotsvertrags ist Deutschland noch nicht Teil dieses historischen Abrüstungsvertrags. Warum eigentlich nicht?

Die Spannungen zwischen der Nato und Russland spitzen sich täglich zu. Ein Krieg in der Ukraine steht bevor, heißt es aus den USA – daran seien die Russen schuld. Die gleichen Alarmglocken schlagen für die Menschen in Russland ihre eigenen Medien an. Dort wächst die Angst vor der Nato; in den USA die vor Russland.

Vier Atomwaffenstaaten stehen in Bereitschaft. Alle dementieren die Absicht eines Krieges. Gleichzeitig bereiten sie diesen vor.

Besonders explosiv wird die Situation durch die Atomwaffen auf beiden Seiten – denn durch sie wächst die Gefahr eines Atomkriegs. Laut den Wissenschafter:innen des Bulletin of Atomic Scientists bleiben der Menschheit metaphorisch noch 100 Sekunden bis zum Weltuntergang durch einen Atomkrieg.

In ihrem Statement warnten sie am Donnerstag vor einem gefährlichen, neuen atomaren Wettrüsten. Es sei an der Zeit, die Weltuntergangsuhr – auf Englisch Doomsday Clock – zurückzudrehen, so die Wissenschaftler:innen.

Seit drei Jahren steht die Uhr auf 100 Sekunden vor zwölf, ohne jede Verbesserung.

Heute vor einem Jahr ist der UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen (AVV) in Kraft getreten. Ein Vertrag, der die Macht hat, die Doomsday Clock zurückzudrehen. Er beschreibt den Weg zur Abschaffung aller Atomwaffen – den besten Schutz vor dem Atomkrieg.

An die nukleare Abschreckung glauben nur noch die wenigsten Staaten: in Summe ungefähr 40. Die restlichen rund 150 Staaten leben ohne Atomwaffen und ohne nukleare Teilhabe.

Sie fühlen sich durch die Atomwaffen anderer Staaten bedroht, wohlwissend um die Folgen eines Atomkriegs. Denn schon ein regional "begrenzter" Krieg hätte verheerende Auswirkungen.

In den letzten Jahren haben Klimatolog:innen die potenziellen Auswirkungen eines Atomkriegs unter Verwendung aller strategischen, großen Atomwaffen berechnet. Die Folge wäre ein nuklearer Winter. Weiteren Analysen der IPPNW zufolge, hätte schon ein "begrenzter" Atomkrieg fatale, globale Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung.

Ein Temperatursturz, gepaart mit dem Ausbleiben des Niederschlags, würde sich ähnlich gefährlich auswirken, wie die Erderwärmung durch die Klimakrise. Der Unterschied: Wir würden erfrieren und verhungern, anstatt auszutrocknen und zu ersticken.

Desinformation statt Rationalität

Klimakatastrophe, nukleares Wettrüsten und der Abbau der Rüstungskontrolle – wir stecken in einer multiplen Krise. Rationale Entscheidungsfindungen und Lösungsansätze werden durch Desinformationen unterminiert.

Gleichzeitig schüren Drohgebärden, wie die der nuklearen Abschreckung Angst. Der UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen ist ein erster Schritt zur Lösung dieser Probleme.

Ein Jahr in Kraft, zeigt der Vertrag bereits erste Resultate: Mehr als 100 Finanzinstitute haben seit dem Inkrafttreten ihre Finanzmittel aus der Atomwaffen-Branche abgezogen.

Auch Städte reagierten: So beschloss der New Yorker Stadtrat den städtischen Rentenfonds nicht mehr bei Atomwaffenherstellern anzulegen und damit 250 Milliarden US-Dollar abzuziehen.

Innerhalb der Nato beginnt der Widerstand gegen den UN-Vertrag zu bröckeln: Die Nato-Mitglieder Norwegen und Deutschland sowie eine Reihe von Nato-Partnerstaaten, wie Schweden, Finnland und die Schweiz, nehmen an der Staatenkonferenz in Wien als Beobachter Teil. Dabei geht es um die konkrete Umsetzung des Atomwaffenverbotsvertrags.

Weltweit sind dem Vertrag bereits 59 Staaten beigetreten und 86 haben unterzeichnet. Die Nato-Staaten weigern sich bisher, sich dieser Mehrheit anzuschließen.

Die Behauptung: die Nato-Mitgliedschaft lasse einen Beitritt nicht zu. Doch das ist ein Irrglaube: Rechtlich gibt es keine Hürde – Atomwaffen werden im Nordatlantikvertrag nicht einmal erwähnt.

Die Blockade ist politisch. Mit dem Glauben an die nukleare Teilhabe wird eine Einheit zwischen den NATO-Staaten suggeriert, die in dieser Form gar nicht existiert.

In Deutschland ist dieser Druck zurzeit eindeutig zu spüren: Deutschland darf nicht "aus der Reihe tanzen" – die Angst: Russland könnte nicht genügend abgeschreckt werden.

Stattdessen soll Deutschland indirekt nuklear massiv aufrüsten. Neue lenkbare US-Atombomben sollen in Deutschland stationiert werden. Um die Bomben einsetzen zu können, werden wiederum moderne, milliardenschwere Flugzeuge benötigt. Diese sollen von deutschen Steuergeldern bezahlt werden.

Hyperschallwaffen befeuern das Wettrüsten

Und damit nicht genug: Am Donnerstag warnten die Wissenschaftler:innen des "Bulletin of Atomic Scientists" in ihrem Statement außerdem vor einem gefährlichen, atomaren Wettrüsten durch die Entwicklung von Hyperschallwaffen durch die USA, Russland und China. Derzeit ist eine Stationierung dieser neuen Mittelstreckenraketen mit Hyperschallgeschwindigkeit in Deutschland in der Diskussion.

Hyperschallwaffen fliegen verhältnismäßig niedrig, mit einer extrem hohen Geschwindigkeit, sodass sie von konventionellen Raketenabwehrsystemen nicht erkannt werden können. Die russische "Zirkon"-Rakete für die Marine soll bereits ab 2022 einsetzbar sein; die landgestützten Raketen der USA, "Dark Eagle" ab 2023.

Gleichzeitig kursieren die Berichte über die Reaktivierung des US-Artilleriekommandos Mainz-Kastel in Wiesbaden. Dort war im Kalten Krieg das Kommando für die US-amerikanischen Mittelstreckenraketen. Hier könnten die "Dark Eagle"-Raketen deponiert werden.

Die US-Armee und SPD-Wehrbeauftragte des Bundestags streiten ein solches Vorhaben ab – bisher gäbe es noch keinen Stationierungsplan. Die Reaktivierung des Artilleriekommandos sei lediglich ein Zeichen der Abschreckung in Richtung Russland.

Die Lage ist ernst; die Lage angespannt. Doch wenn Deutschland und die Nato weiter aufrüsten und Zeichen setzen, die als Wettrüsten verstanden werden, können wir uns von diplomatischen Gesprächen und einer friedlichen Deeskalation verabschieden.

Die Partner der "International Campaign to Abolish Nuclear Weapons" (ICAN) in Deutschland kritisierten die geplante Aufrüstung der Bundesregierung deshalb heute stark. Der sogenannte "nukleare Schutzschirm" der USA biete keinen Schutz.

Im Gegenteil: mit einer Aufrüstung befeuere Deutschland den ohnehin schon sehr gefährlichen Konflikt zwischen der Nato und Russland. Zum Jahrestag des Atomwaffenverbotsvertrags fordern die Aktivist:innen heute eine Beendigung der Stationierung von US-Atombomben in Deutschland und einen Ausstieg aus der nuklearen Teilhabe der Nato.

In einer Zeit, in der wir von nuklearem Wettrüsten, einem Abbau der Rüstungskontrolle und der Klimakrise bedroht sind, heißt es handeln statt Absichtserklärungen geben. Das gilt auch für die Bundesregierung. Weniger Geld für die Finanzierung von Rüstungsprojekten der USA auszugeben, würde Milliarden Investitionen in den Klimaschutz ermöglichen. Mit einem Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag könnte Deutschland den ersten Schritt machen und die Weltuntergangsuhr ein Stück zurückdrehen.

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Neun Staaten erpressen die Welt mit Nuklearwaffen ...

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Durchsuchen der reaktorpleite.de:

 

Die Suche nach

Atomwaffenverbotsvertrag

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

14. Dezember 2021 - 50 Nobelpreisträger fordern deutliche Abrüstung

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29. September 2021 - Deutschlands Militarisierung: am Wahlabend kein Thema

 

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YouTube-Kanal "Reaktorpleite"

 

Der Spiegel - 05:34

Der nukleare Urknall: Atomwaffentests der USA

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陳炫志 - 01:19:28

Die Geschichte der Atombombe – Hiroshima & Nagasaki

 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema

 

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Ecosia

Diese Suchmaschine pflanzt Bäume!

 

Stichwortsuche: Atomwaffenverbotsvertrag

https://www.ecosia.org/search?q=Atomwaffenverbotsvertrag

 

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ICAN Deutschland

 

Atomwaffenverbotsvertrag

Inhalt des Vertrags

Was verbietet der AVV?

Der AVV verbietet Staaten Atomwaffen zu entwickeln, zu testen, zu produzieren und zu besitzen. Außerdem sind die Weitergabe, die Lagerung, der Einsatz, sowie die Androhung verboten. Darüber hinaus verbietet der Vertrag die Unterstützung solche Aktivitäten. Weiterhin wird den Staaten die Stationierung von Atomwaffen auf eigenem Boden verboten ...

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Bedeutung des Vertrags

Wird der Vertrag die Debatte zu Atomwaffen beeinflussen?

Ja – denn die Debatte zur nuklearen Abrüstung ist nach dem Kalten Krieg zum Stillstand gekommen. Der öffentliche Fokus richtet sich in den letzten Jahren vor allem auf die Herausforderungen der Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen (Iran, Nordkorea). Atomwaffen werden als Symbole der Macht und Stärke stilisiert. Der neue Vertrag und die Bewegung dahinter stellt das in Frage. Aus Sicht der überwätigenden Mehrheit der Staaten sind Atomwaffen schlicht inakzeptabel, ein unkalkulierbares Risiko für ihre Bevölkerungen. Fast alle Staaten haben dauerhaft auf Atomwaffen verzichtet. In einer multipolaren Welt der asymmetrischen Kriegsführung, der nichtstaatlichen Akteure, der Cyber- und Drohnenkriege ist dieses Festhalten an Atomwaffen nicht etwa “realistisch”, sondern hochgefährlich. Der Glaube, wir könnten langfristig auf nukleare Abschreckung setzen und Tausende Atomwaffen 24 Stunden am Tag einsatzbereit halten, ohne dass sie jemals eingesetzt werden, ist bestenfalls naiv. 

Jene Staaten, die nicht auf nukleare Abschreckung setzen haben mit dem AVV erstmals ihre Position zu Atomwaffen völkerrechtlich kodifiziert. Auf dieser Grundlage können sie mit größerer Geschlossenheit und Vehemenz ihr Recht einfordern, den von Atomwaffen ausgehenden Risiken nicht länger ausgesetzt zu sein ...

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Unterstützung für das Atomwaffenverbot

Überblick über die Unterstützung von Staaten für den Atomwaffenverbotsvertrag

Am 07.07.2017 haben von den 193 UN-Staaten ganze 122 Staaten für die Verabschiedung des Atomwaffenverbotsvertrags gestimmt. Allein die Niederlande hat dagegen gestimmt, Singapur hat sich enthalten.

Die Resolution zur Atomwaffenverbotsvertrag in der UN-Vollversammlung wurde am 7. Dezember 2020 von 130 Staaten unterstützt, 42 Staaten stimmten dagegen und 14 enthalten.

Bis heute (Stand: 28. Dezember 2021) haben 86 Staaten den Verbotsvertrag unterzeichnet, 59 Staaten haben ratifiziert bzw. sind beigetreten. Der Verbotsvertrag ist am 22. Januar 2021 in Kraft getreten ...

 

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Wikipedia

 

Atomwaffenverbotsvertrag

Der Atomwaffenverbotsvertrag (abgekürzt AVV; englisch Treaty on the Prohibition of Nuclear Weapons, abgekürzt TPNW) ist eine internationale Vereinbarung, die Entwicklung, Produktion, Test, Erwerb, Lagerung, Transport, Stationierung und Einsatz von Kernwaffen verbietet, außerdem die Drohung damit. Am 22. Januar 2021, 90 Tage nach der 50. Ratifizierung, trat der Vertrag in Kraft.

Im Dezember 2016 nahm die UN-Generalversammlung eine Resolution mit einem Verhandlungsmandat für einen solchen Vertrag an. Die erste Verhandlungsrunde fand in New York im März 2017 statt, die zweite im Juli 2017. An der ersten Konferenz beteiligten sich 132, an der zweiten 124 der 193 Mitgliedstaaten, unter anderem Österreich als Mitinitiator. Der ausgearbeitete Vertrag wurde am 7. Juli 2017 mit 122 Stimmen angenommen; die Niederlande stimmten dagegen, Singapur enthielt sich. Auf der UN-Generalversammlung unterzeichneten im September 2017 zunächst 53 Staaten. Bis zum 8. Oktober 2021 hatten 86 Staaten unterzeichnet, 56 Staaten den Vertrag ratifiziert.

Die offiziellen und De-facto-Atommächte und die NATO-Staaten mit Ausnahme der Niederlande nahmen nicht an den Verhandlungen teil und unterzeichneten den Vertrag auch später nicht. Als einzige Staaten, bei denen Bestrebungen zum Bau von oder zur Verfügung über Atomwaffen vermutet werden, nahmen der Iran und Saudi-Arabien an den Verhandlungen teil, aber auch sie unterzeichneten den Vertrag nicht ...

 

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