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Zeitungsartikel 2020
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29.01.2020 - Klimawandel - Sowjetischer Atommüll: eine tickende Zeitbombe in der Arktis

Artikel von Laura Krugenberg aus www.mdr.de

Russland will die Öl- und Gasvorkommen im Arktischen Meer anzapfen. Doch auf dem Meeresgrund liegen Tausende Tonnen Atommüll aus Sowjetzeiten. Das macht die Förderung zu einem hohen Risiko. Umweltschützer schlagen Alarm.

Wenn das Eis schmilzt

Was anderen große Sorge bereitet, spielt Russland wirtschaftlich in die Hände: Der Klimawandel bringt das arktische Eis rasant zum Schmelzen und russische Ölfirmen werfen bereits begehrliche Blicke in Richtung Norden. Denn in der Arktis schlummern noch immer große Reserven bislang unangetasteter fossiler Rohstoffe.

Ende Dezember 2019 unterschrieb die russische Regierung den neuen Arktisplan, durch den die militärische und wirtschaftliche Erschließung der Region vorangetrieben werden soll. Das kostet viel Geld. Denn die Förderung von Öl ist nicht nur wegen der klimatischen Bedingungen ein kostenintensives und schwieriges Unterfangen. Auf dem Meeresboden liegen auch Tausende Tonnen versenkten Atommülls. Die Ortung und Entsorgung des radioaktiven Abfalls ist aufwendig und kostet Unsummen. Einige der besonders gefährlichen Objekte sollten eigentlich bis 2020 gehoben werden. Doch die Bergungen verzögern sich und das Risiko steigt, denn das Salzwasser nagt an den Schutzhüllen. Radioaktives Material droht auszutreten.

Das sowjetische Erbe: 17.000 Container und 19 Frachter mit radioaktivem Müll

Im Gespräch mit dem MDR sagte Oskar Njaa von der norwegischen Naturschutzorganisation Bellona, dass die Sowjetunion zwischen 1955 und 1993 insgesamt 17.000 Container und 19 Frachter mit radioaktivem Müll, 735 radioaktiv-kontaminierte Schwermaschinenteile, 14 Atomreaktoren sowie ein komplettes Atom-U-Boot im Arktischen Meer versenkte. Hinzu kommen zwei weitere U-Boote, die 1989 und 2003 in Folge von Unfällen sanken. Der Großteil der atomaren Abfälle befindet sich heute in der Karasee und entlang der Küste des ehemaligen Atomtestgeländes Nowaja Semlja, im russischen Gebiet der Arktis. Bellona unterstützt seit 2010 russische Kartierungs- und Meeresexpeditionen, denn sowohl der Inhalt der Container, als auch die Koordinaten vieler Objekte sind unbekannt. Vor allem die U-Boote und Reaktoren, deren Standorte man kennt, stehen unter ständiger Beobachtung, da von ihnen die größte Gefahr ausgeht.

Ein Wettlauf gegen die Zeit

Nach Angaben der Naturschutzorganisation Bellona, müssen die zwei Atom-U-Boote K-27 und K-159 schnellstmöglich gehoben und richtig entsorgt werden. Bei Ersterem besteht seit Jahren ein extrem hohes Risiko, dass es zu einer Kettenreaktion im Reaktor und letztendlich zu einer Explosion kommen könnte. Das U-Boot befindet sich vor der Küste der Nowaja Semlja, in nur 50 Metern Tiefe und hat noch rund 90 kg hochangereichertes Uran an Bord. Auch bei dem anderen U-Boot gehen Experten davon aus, dass schon bald ein größeres Leck im Rumpf entstehen könnte. Würden große Mengen radioaktives Material in das Arktische Meer gelangen, hätte das nicht nur schwere Folgen für das gesamte Ökosystem, sondern auch für den konventionellen Fischfang. Die Schäden wären so gut wie irreparabel. Im schlimmsten Fall könnten, durch Strömungen und wandernde Fischschwärme, auch andere Meeresgebiete in Mitleidenschaft gezogen werden, sowie radioaktive Stoffe in den Nahrungskreislauf gelangen. In einem internen Bericht des russischen Umweltministeriums von 2011 wird mehrmals betont, dass die beiden U-Boote bis spätestens 2014 gehoben werden müssen, da die akute Gefahr einer Umweltkatastrophe besteht. Doch diese, sowie die anderen Reaktoren und Container, liegen immer noch auf dem Meeresgrund und werden zunehmend instabiler.

Kein Geld und keine Technik

Die russische Militärfirma Malachit legte bereits 2004 Pläne zur Bergung der U-Boote vor. Doch der Staatskonzern erhielt von der Regierung keinen Auftrag zur Umsetzung. Allein eine Bergung hätte rund 62 Millionen Euro gekostet – eine Summe, die der russische Staatshaushalt nicht hergibt. Vor allem weil man seit einigen Jahren hohe Summen in den Militärsektor investiert.

Doch auch die technischen Möglichkeiten sind noch begrenzt. Das Risiko, dass bei der Hebung radioaktives Material austreten oder Wasser in die Reaktoren eindringen könnte, ist extrem hoch. Nach Informationen der norwegischen Umweltschutzorganisation Bellona von 2017 arbeitet das staatliche russische Institut für Schiffbau Krylow seit einigen Jahren an einem Schiff, welches sichere Bergungen möglich macht. Geplant war, eines der U-Boote bis Ende 2020 zu heben. Dies sei  aber nicht mehr realistisch, so Oskar Njaa von der Naturschutzorganisation. Man sei zwar optimistisch, dass in den nächsten Jahren eine Bergung stattfindet, eine genauere Prognose kann man jedoch nicht aufstellen.

Wann die U-Boote vom Grund des Arktischen Meeres gehoben werden, ist unklar. Die letzte ernsthafte Diskussion zur Atommüllproblematik wurde in Russland 2017 geführt, als das Kurchatow Institut den Vorschlag machte, die Firmen, die im Arktischen Meer nach Öl bohren wollen, sollen sich finanziell an den Bergungen beteiligen. Der Vorschlag konnte sich aber erwartungsgemäß nicht durchsetzen. Somit gibt es auch 2020 noch keine konkreten Pläne und die Gefahr einer Umweltkatastrophe wächst weiter.

Russlands Pläne für die Arktis

Russlands Interesse an der Arktis geht jedoch weit über das eigene Hoheitsgebiet hinaus, in dem der radioaktive Schiffsschrott liegt. Es geht um den sogenannten Lomonossow-Rücken, der bis zum Nordpol reicht. Laut Seerechtkonvention der Vereinten Nationen kann ein Staat das von ihm beherrschte Meeresgebiet ausweiten, wenn ein darüber hinaus ragendes unterseeisches Gebirge als Teil seiner Landmasse betrachtet werden kann. Schon 2001 beantragte Moskau bei der UN eine solche Ausweiteung von rund 1,2 Millionen km². Der Lomonossow-Rücken sei eine Fortsetzung des sibirischen Festlandes, so die Argumentation. Die UN lehnte diesen Anspruch ab. Glaubt man den Angaben der russischen Regierung, befinden sich unter dieser Fläche rund 4,9 Milliarden Tonnen Öl und Gas. 2015 reichte Russland erneut einen Antrag ein, der noch geprüft werden muss. Laut Dr. Christoph Humrich von der Universität Groningen, kann dies auch noch eine Weile dauern. Denn auch Dänemark und Kanada beanspruchen den Lomonossow-Rücken für sich.

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Karte der nuklearen Welt:

Östlich der Insel Nowaja Semlja ist Atommüll allgegenwärtig, die Bergung gestaltet sich extrem schwierig und eine korrekte Lagerung ist teuer.

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02.02.2020 - »Da bahnt sich was an«

Aktivisten protestieren gegen Castortransporte und Versuche, die Atomkraft zu rehabilitieren

Der bislang letzte Castor-Transport nach Gorleben dauerte 126 Stunden. Tausende Demonstranten stellten sich im November 2011 dem Konvoi mit hochradioaktivem Atommüll auf seiner Fahrt von Frankreich immer wieder in den Weg, mehr als 20 000 Polizeibeamte aus Bund und Ländern waren im Einsatz ...

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Update vom 03.02.2020 zu:

THTR = PBMR = Schnäppchen von der Resterampe!

Bei einem Medienbriefing am Freitag sagte André De Ruyter, Eskom werde "keine neuen modularen Kernreaktoren bauen" und bezeichnete den Wortlaut des am Donnerstag veröffentlichten Dokuments als "unglücklich".

Er sagte, man wolle stattdessen "Interesse an der möglichen Übernahme des modularen Kernbrennstoffkraftwerks" wecken und diese "Last" von Eskom abnehmen lassen ...

THTR = PBMR = Schnäppchen von der Resterampe!

31.01.2020 - Eskom sucht Interesse an der Kommerzialisierung von PBMR

Der südafrikanische Energieversorger Eskom veröffentlichte gestern einen Antrag auf eine Interessenbekundung für die Wiederbelebung des gesamten oder von Teilen des Pebble Bed Modular Reactor (PBMR)-Projekts. Das Unternehmen sucht Investoren, die sich an PBMR Ltd., der Entwicklung und dem Einsatz des Reaktordesigns und an der Herstellung von TRISO-Brennstoff beteiligen wollen ...

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31.01.2020 - Andrei Sacharow - Der Vater der sowjetischen Wasserstoffbombe

Vom Erfinder von Kernwaffen für die Sowjetunion zum Menschenrechtler: Die Lebensgeschichte des russischen Wissenschaftlers Andrei Dmitrijewitsch Sacharows ist von Widersprüchen geprägt. Dennoch folgte der Physiker stets konsequent seinem Gewissen – selbst als ihn dies zum „Staatsfeind Nummer 1“ machte.

Das Leben von Andrei Sacharow besteht scheinbar aus zwei Hälften: Am Anfang stand das Leben als genialer Physiker, der Sowjetrussland zur Wasserstoffbombe verhalf. Neben der Entwicklung von Kernwaffen arbeitete Sacharow jedoch auch an Fusionsreaktoren zur zivilen Nutzung der Kernenergie und an Problemen der Kosmologie. Das von ihm entwickelte Tokamak-Prinzip ist noch heute Basis zahlreicher Fusionsreaktoren in der Forschung.

In der zweiten Hälfte seines Lebens setzte sich Sacharow konsequent für Abrüstung, dem Kampf um Menschenrechte und die freie Rede in der Sowjetunion ein. Dies brachte ihm nicht nur den Friedensnobelpreis, sondern auch Ärger der sowjetischen Staatsmacht ein. Zeitweilig galt er sogar als „Staatsfeind Nr. 1“ der Sowjetunion ...

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30.01.2020 - Grüne fordern Widerspruch gegen Laufzeitverlängerung für AKW Cattenom

Frankreich will trotz Mängeln die Laufzeit des Atomkraftwerks Cattenom verlängern. Bundeswirtschaftsminister Altmaier schweigt zu den Plänen.

Pannenmeiler wird das französische Atomkraftwerk Cattenom genannt. Es steht nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt in Lothringen. Im Jahr 2018 wurden über 40 Störfälle gemeldet. Eigentlich sollte Cattenom nach 40 Dienstjahren im Jahr 2026 vom Netz gehen. Doch in der jüngsten Energieplanung der französischen Regierung findet sich der Meiler nicht auf der Abschaltliste.

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29.01.2020 - Krebsgefahr durch Radon - Strahlung in der Region: Wo die Krebsgefahr am höchsten

Mit einer groß angelegten Studie möchte das Bundesamt für Strahlenschutz bundesweit die Radonbelastung innerhalb von Gebäuden ermitteln.

Das radioaktive Edelgas Radon ist nach Angaben der Behörde für rund fünf Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland verantwortlich. 
Das Problem: Bei Radon ist nicht die Höhe des Wertes entscheidend, sondern die Dauer des Einflusses auf den Körper. „Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist umso größer, je mehr Radon in der Atemluft ist und je länger der Zeitraum ist, in dem Radon eingeatmet wird“, erklärt der Sprecherin des Bundesamts ...

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29.01.2020 - Warum Atomenergie keinen Beitrag zur Energiewende leisten kann

Der Ausstieg aus der Kohle ist beschlossen. Doch weil der Ausbau der Erneuerbaren Energien stockt, fordern Lobbyverbände eine Renaissance der Atomenergie. Energieexpertin Claudia Kemfert hält davon überhaupt nichts und warnt vor Kosten und Risiken.

Rund 50 Jahre ist es her, dass sich erstmals Widerstand gegen die Stromerzeugung mittels Atomkraft regte. Unsicher, riskant, gesundheitsschädlich – diese Aspekte werden seither mit der Atomenergie verbunden, in den vergangenen Jahrzehnten stieg mit den atomaren Unfällen in Tschernobyl in der heutigen Ukraine 1986 sowie Fukushima in Japan 2011 die Skepsis gegenüber dieser Form der Energieerzeugung. In Deutschland wurde nach dem Super-GAU (größter anzunehmender Unfall) in Japan der endgültige Ausstieg aus der Atomkraft besiegelt ...

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29.01.2020 - Shikoku Electric Power legt gegen einstweilige Verfügung gegen Kernkraftwerk keinen Widerspruch ein

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