***


Zeitungsartikel 2019
Hintergrundwissen Aktuell+.

***

Was kostet es uns eigentlich, den Atommüll in Nowouralsk lagern zu lassen?

*

Anreicherungsanlage Gronau 

22.10.2019 - Uran-Müll geht wieder nach Russland

Artikel aus taz.de

Urenco hat die umstrittenen Exporte von Uranhexafluorid wieder aufgenommen. Das gilt offiziell als Wertstoff – obwohl nur ein Bruchteil recycelt wird.

Genau zehn Jahre ist es her, dass der Export von hochgiftigem Uran-Hexafluorid von der Urenco-Fabrik im westfälischen Gronau nach Russland gestoppt wurde. Damals war bekannt geworden, dass das abgereicherte Uran, das bei der Herstellung von Brennelementen anfällt, in russischen Atom-Kombinaten unter offenem Himmel in rostigen Behältern lagert. Nach öffentlichem Druck hatte Urenco diese Exporte damals gestoppt.

Doch jetzt wurden sie wieder aufgenommen. Ohne dass die Öffentlichkeit darüber informiert wurde, hat das Unternehmen, an dem die deutschen Energieversorger Eon und RWE beteiligt sind, für die Jahre 2019 bis 2022 den Export von 12.000 Tonnen abgereichertes Uran nach Russland vereinbart, erklärte das Bundesumweltministerium in einer Antwort auf eine Frage des Linken-Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel.

Eine weitere Anfrage der Grünen-Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, die der taz und dem ZDF-Magazin „Frontal 21“ vorliegt, zeigt zudem, dass von dieser Möglichkeit in den letzten Monaten bereits reichlich Gebrauch gemacht wurde: Zwischen Mai und September sind an sechs Terminen jeweils rund 600 Tonnen Uran-Hexafluorid von Gronau per Zug in die „Ural Integrated Electrochemical Plant“ bei Jekatarinburg in Russland gefahren wurden – insgesamt knapp 3.600 Tonnen.

Hubertus ZdebeL: „Es geht offenkundig darum, dass erhebliche Mengen Atommüll in Russland billig entsorgt werden“

Möglich ist der Export, weil das Uran-Hexafluorid offiziell nicht als Atommüll, sondern als Wertstoff deklariert wird. Doch selbst wenn es tatsächlich wieder angereichert wird, verbleiben am Ende des Prozesses mindestens 80 Prozent der gelieferten Menge als Atommüll in Russland. Für Zdebel, den Atomexperten der Linken, steht darum fest: „Bei dieser Neuauflage der Russland-Exporte geht es offenkundig darum, dass erhebliche Mengen Atommüll in Russland billig entsorgt werden.“

Kritik am Umweltministerium

Zuständig für die Transporte ist das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und Wirtschaft, das generell dem Wirtschaftsministerium untersteht. In dieser Frage liege die Fachaufsicht aber beim Umweltministerium, sagt Zdebel und sieht es als „Skandal“, dass das Ministerium nichts tue, „um diesen Atommülltransport zu stoppen“. Eine Sprecherin des Umweltministeriums weist das zurück. Nach Atomrecht sei der Export nicht genehmigungs-, sondern nur anzeigepflichtig. „Wir haben darum keine rechtlichen Einwirkungsmöglichkeiten“, sagte sie der taz.

Die Urananreicherungsanlage im westfälischen Gronau, die auch die Brennelementefabrik im nahen Lingen beliefert, sorgt in der Großen Koalition schon länger für Streit. Die Forderung, die Werke in Gronau und Lingen zu schließen, hatte die SPD in den Koalitionsverhandlungen nicht durchsetzen können; stattdessen steht im Koalitionsvertrag nur, man werde prüfen, auf welchem Weg sich dieses Ziel rechtssicher erreichen lasse.

Nach Ansicht von Silvia Kotting-Uhl, Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses und Atomexpertin der Grünen, sollte die Bundesregierung nun endlich handeln. „Sie muss den Export-Vorstoß zum Anlass nehmen, Urenco endlich zu schließen“, sagte Kotting-Uhl der taz. Obwohl seit 2017 entsprechende Rechtsgutachten im Ministerium vorliegen, passiere nichts. „Unterdessen häuft Urenco Jahr für Jahr einen immer größeren Atommüllberg an, für den es keine Lösung gibt.“ Das Unternehmen selbst äußerte sich zunächst nicht zu den neuen Exporten, kündigte am Dienstag aber eine Stellungnahme an.

Hinweis: In diesem Text hieß es zunächst, zwischen Mai und Oktober seien knapp 3.000 Tonnen Uran-Hexaflurorid nach Russland exportiert werden. Die korrekte Zahl lautet 3.600 Tonnen.

*

Karte der nuklearen Welt:

Nicht nur in Nowouralsk, auch in Sewersk, Selenogorsk und im
Chemiekombinat Angarsk, wird abgereichertes Uran aus den
Uran-Anreicherungsanlagen in Gronau und Almelo verarbeitet.

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2019

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang
Hintergrundwissen Aktuell+.

***

Hintergrundwissen

*

Durchsuchen der reaktorpleite.de mit dem Suchwort:

Uranhexafluorid

Urenco

*

30.06.2007 - Urantransporte durch ganz Europa

In den russischen Anreicherungsanlagen wird das abgereicherte Uranhexafluorid mit den verbliebenen Restmengen von Uran235 soweit angereichert, dass wieder Uranhexafluorid mit einem Uran235-Anteil von 5 bis 6 Prozent gewonnen wird.

*

21.01.2014 - Anklage in Russland gegen Ex-Manager von Rosatom

Im Juli 2011 klickten dann auch für Jewgenij Evstratov die Handschellen. Der aus der Atomstadt Angarsk am Baikal-See stammende Top-Manager wollte sich gerade in den Ruhestand zurückziehen.

»Korruption hat es bei Rosatom immer gegeben«, kommentierte der Vorsitzende der russischen Umweltorganisation »Ecodefense«, Vladimir Slivjak, die Anklage gegen die Atommanager gegenüber »nd«. »Doch unter dem derzeitigen Chef Sergej Kirienko hat sie bisher ungekannte Ausmaße angenommen. Es gibt keine Kontrolle der Finanzflüsse von außen«, so Slivjak.

*

18.06.2014 - Russland - Ecodefense in Schwierigkeiten

Die russische Justiz hat die Umweltorganisation Ecodefense zu Agenten des Auslands erklärt. Damit droht den Aktivisten eine schärfere Überwachung durch die Behörden und eine Behinderung ihrer Arbeit.

*

Wikipedia - Ecodefence

Die Organisation wurde Ende 1989 in Kaliningrad gegründet.
Atomkraft und Kohle als Energieträger sollen durch erneuerbare Quellen abgelöst werden.

*

https://urantransport.de/

Nicht nur Castortransporte fahren mit radioaktiver Fracht. Viel öfter fahren Schiffe, LKW und Züge mit Uran quer durch die Welt, täglich durch die BRD. Versorgt werden damit Atomfabriken wie die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen, welche Atomkraftwerke weltweit mit Brennstoff versorgen. Beide Anlagen sind nicht vom sogenannten Atomausstieg betroffen und dürfen unbefristet weiter produzieren.

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang
Hintergrundwissen Aktuell+.

***

Aktuell+. Mehr Lesenswertes ...

*

24.10.2019 - Atommüll-Endlager - Finnland hält Atomkraft jetzt für Klimaschutz

Nachdem die Finnen ihr Atommüll-Problem mit einem „sicheren“ Endlager für gelöst halten, steigt die Zustimmung zur Kernenergie. Sogar manche Grünen-Politiker sehen in der Atomkraft einen unvermeidbaren Baustein im Kampf gegen die Klimakrise.

Wohin mit dem Atommüll? Diese Frage stellt sich seit Jahrzehnten und wird immer dringlicher. Während die Generation Anti-Atom-Kraft in die Jahre kommt und nun den jungen Klimaaktivisten Rückendeckung gibt, nutzt die Atomlobby ihre Chance und schiebt Klimaschützern, die sich explizit auf die Wissenschaft berufen, pseudowissenschaftliche Argumentationen unter, um die scheinbare Notwendigkeit von Atomkraft zu untermauern.

*

Samstag den 26. Oktober 2019, 12 Uhr am Bahnhof Lingen

23.10.2019 - Atomkraftgegner fordern Stilllegung von AKW Emsland – Demo geplant

Die dortige Brennelementefabrik beliefert auch die umstrittenen Kernkraftwerke Tihange und Doel, sagen Kritiker.

Atomkraftgegner wollen am Samstag gegen die Brennelementefabrik und das Kernkraftwerk im emsländischen Lingen demonstrieren. Zu der Veranstaltung in Lingen werden 500 bis 700 Teilnehmer erwartet, wie Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen am Mittwoch sagte.

*

23.10.2019 - EU-Kommission sieht Minireaktoren skeptisch

Vertreter der EU-Kommission sehen den Bau von kleinen Atomreaktoren in Europa eher skeptisch. Plänen der Kommission zufolge soll der Anteil der Atomenergie an der europäischen Stromversorgung zurückgehen und nicht wachsen.

Das wurde bei einem gemeinsamen Forum von Vertretern der US-Administration und der EU-Kommission in Brüssel deutlich. Unter anderem der US-Kernkraftwerksbauer Westinghouse will seine sogenannten Small-Scale-Reaktoren international vermarkten. In den kommenden 15 Jahren könnten solche Minikraftwerke rund zehn Prozent des nuklearen Erzeugungsmarktes ausmachen. Beispielsweise Polen zeigt daran Interesse. Jüngst schloss Westinghouse zudem eine Kooperation mit dem französischen Energiekonzern EDF

*

23.10.2019 - Photovoltaik - Ölscheichs läuten die Energiewende ein

Das Golfemirat Dubai nimmt die größte Solarenergieanlage der Welt in Betrieb. Bis 2050 sollen Erneuerbare fast die Hälfte des Energieverbrauchs decken.

Das größte Solarkraftwerk der Welt mit einer Leistung von fast 1,2 Gigawatt hat im Golfemirat Dubai den Betrieb aufgenommen. Die 3,2 Millionen Photovoltaikmodule erzeugen Strom zum Preis von 2,2 Cent pro Kilowattstunde – ein bislang unerreichter Wert.

*

ZDF - Frontal 21 - nachgehakt

22.10.2019 - Wieder Atommülltransporte nach Russland

Frontal21 berichtete 2007 über Transporte mit abgereichertem Uran aus Deutschland nach Russland. Der Atommüll stammte aus der Produktion von Kernbrennstäben der Firma Urenco im westfälischen Gronau.

*

22.10.2019 - GEH unterzeichnet Vertrag über einen kleinen Modulreaktor in Polen

GE Hitachi Nuclear Energy (GEH) hat eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit bei der möglichen Anwendung seiner kleinen modularen Reaktortechnologie BWRX-300 in Polen bekannt gegeben.

Übersetzen mit www.deepL.com/Translator

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang
Hintergrundwissen Aktuell+.

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang


***

 

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish
fische.jpg