14.12.2018 - Wer steckt hinter dem ominösen «Energie Club Schweiz»?

Kurt Marti aus infosperber.ch

Der neu gegründete «Energie Club Schweiz» attackiert die Strompolitik des Bundesrats und malt den Strom-Blackout an die Wand.

Mitte November gab der Atomlobby-Verband «Aktion für vernünftige Energiepolitik Schweiz» (Aves), in dem sich mehrere Dutzend bürgerliche National- und Ständeräte tummelten, sein überraschendes Ende bekannt (siehe Infosperber: Albert Rösti: Der Atomhut ist weg). Gleichzeitig empfahl die Aves seinen Mitgliedern, dem neu gegründeten «Energie Club Schweiz» beizutreten, «um die weiteren energiepolitischen Kräfte zu bündeln».

Drei Wochen später, am Tag nach der Wahl der beiden neuen Bundesrätinnen, erschien im «Tagesanzeiger» und in der NZZ ein Inserat mit dem Titel «Grossbaustelle Energiepolitik» (siehe oben). Ein neuer Verein «Energie Club Schweiz» (ECS) fordert, dass die «neue Kraft» im Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (Uvek) «dringend die Energie-Grossbaustelle aufräumen» und dass die Schweiz auf «eigene Kraftwerke» setzen müsse. Denn die Schweizer Stromversorgung sei «unsicher» (weil Solar und Wind), «unsauber» (weil Kohle) und «unschweizerisch» (weil Import). Welche «eigenen Kraftwerke» gemeint sind, verrät das Inserat nicht.

«Vielleicht schon radioaktive Muttermilch»

Auf seiner Homepage geht der «Energie Club Schweiz» einen Schritt weiter und malt den Strom-Blackout und die Stromlücke an die Wand. Zudem wehrt er sich gegen staatliche Regulierungen und engagiert sich erstaunlicherweise auch noch für den Schutz der Landschaft und der Umwelt. Doch mit welchen Kraftwerken die Stromlücke gefüllt werden soll, lässt der « Energie Club Schweiz» offen.

Die nukleare Herkunft der bisher wenig bekannten Mitglieder des Vorstandes führt weiter. Beispielsweise der Präsident des «Energie Clubs Schweiz», Urs Bolt, der als «Bankfachmann, Finanzanalyst und als Top Influencer in FinTech, Blockchain und Energie» vorgestellt wird. Was nicht dort steht: Bolt ist auch Vereinspräsident der Schweizer Sektion von «Energy for Humanity», dessen Mitbegründer Daniel Aegerter ist, der im Jahr 2000 seine Software-Firma «Tradex Technologies» für 5,6 Milliarden US-Dollar verkaufte.

Heute ist Aegerter Verwaltungsrats-Präsident der «Armada Investment AG», die als Investorin der «Transatomic Power» auftritt, welche in den USA zukünftige Atomreaktoren entwickelt.* Ziel von «Energy for Humanity» ist die Lösung des Klimaproblems durch den Bau neuer Atomkraftwerke. Mitglied des Verwaltungsrats ist auch Marcel Rohner, der frühere Konzernchef der UBS.

Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» scherzte Aegerter, er habe «vielleicht schon radioaktive Muttermilch» gehabt. Tatsächlich haben seine beiden Eltern Physik studiert und kämpfen seit Jahrzehnten gegen den Atomausstieg und für neue Atomkraftwerke. Seine Mutter Irene Aegerter war in den 1990er Jahren Kommunikationschefin des «Verbandes Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen» (VSE) und hat die Lobbyorganisation «Frauen für Energie» (FFE) gegründet, deren Präsidentin Elisabeth Ruh ist.

Hier schliesst sich der Kreis, denn die Physikerin Ruh ist auch Mitglied des Vorstands des «Energie Clubs Schweiz». Ein entsprechender Hinweis auf die atomfreundliche Organisation «Frauen für Energie» fehlt auf der ECS-Internetseite. Stattdessen wird Ruh dort als Physiklehrerin an der Kantonsschule Hohe Promenade und Major der Führungsunterstützungstruppen vorgestellt.

Verlinkung auf das atomfreundliche CC-Netzwerk

Eine weitere atomare Duftmarke setzen die Links der Homepage des «Energie Clubs Schweiz», insbesondere auf das «Manifest» des «Carnot-Cournot-Netzwerk» (CCN) und dessen eifrige KämpferInnen fürs Atom.

Dort steht das atomare Glaubensbekenntnis:

«Den Einsatz gewisser Technologien staatlich zu verbieten oder künstlich zu forcieren, führt auf Dauer zu Obskurantismus, Ignoranz und Abhängigkeit. Die in der übrigen Welt laufenden Entwicklungen in den Bereichen Kernkraft der vierten und weiterer Generationen, in der Kernfusion und anderen Technologien dürfen in der Wissensnation Schweiz nicht brachliegen.»

Als Präsident des liberalen CC-Netzwerkes amtet Emanuel Höhener, der von 2003 - 2007 Mitglied der Axpo-Konzernleitung und von 2004 - 2008 Verwaltungsrats-Präsident der «Kernkraftwerk Leibstadt AG» war. Zum CCN-Vorstand gehört auch der emeritierte Basler Wirtschaftsprofessor und Weltwoche-Kolumnist Silvio Borner, der zusammen mit einem Dutzend Mitstreitern im Buch «Versorgungssicherheit: Vom politischen Kurzschluss zum Blackout» gegen die Energiestrategie 2050 anschrieb. Als prominenter Mit-Autor tritt darin Eduard Kiener auf, der ehemalige Direktor des «Bundesamts für Energie».

------

* Nachtrag: «Transatomic Power» hat ihre Geschäfte nach siebenjähriger Forschungsarbeit im September 2018 eingestellt.

------

Themenbezogene Interessen (-bindung) der Autorin/des Autors

Kurt Marti war früher Beirat (bis Januar 2012), Geschäftsleiter (bis 1996) und Redaktor (bis 2003) der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES)

*

Weiter zu: Zeitungsartikel 2018

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang

***

 

GTranslate

Afrikaans Arabic Belarusian Bulgarian Chinese (Simplified) English Finnish French Georgian Hebrew Hindi Indonesian Japanese Lithuanian Malay Polish Portuguese Russian Spanish Swedish Thai Turkish
brennkugel.jpg