China - Halbinsel Shandong - HTR-PM

04.01.2018

Erster HTR-PM-Behälterkopf in Position

Dieser Artikel erschien in www.world-nuclear-news.org und wurde übersetzt mit dem www.deepl.com/translator

Der Druckbehälterkopf wurde an einer der beiden gasgekühlten Hochtemperaturreaktoren der Demonstrationsanlage HTR-PM in Shidaowan in der chinesischen Provinz Shandong installiert.

Der Druckbehälterkopf wurde am 27. Dezember auf Block 2 installiert, wie die China Nuclear Industry 23 Construction Company Limited (CNI23) mitteilte. In einem ca. 1 Stunde und 35 Minuten dauernden Arbeitsgang wurde das 80 Tonnen schwere Bauteil mit 76 Schrauben am Druckbehälter befestigt.

"Dies ist die erste Installation des Druckbehälterdeckels des weltweit ersten Gen IV-Reaktors, was darauf hindeutet, dass die interne Installation des Reaktordruckbehälters vor der Schließung abgeschlossen wurde", bemerkte CNI23.

Im Dezember 2012 begannen die Arbeiten an der Demonstrationsanlage HTR-PM, die mit zwei kleinen Reaktoren und einer Turbine ausgestattet ist, am Standort Shidaowan in China Huaneng. China Huaneng ist die federführende Organisation im Konsortium zum Bau der Demonstrationseinheiten zusammen mit der China Nuclear Engineering Corporation (CNEC) und dem Institut für Nuklear- und Neue Energietechnologie der Tsinghua-Universität, das führend in Forschung und Entwicklung ist. Chinergy, ein Joint Venture von Tsinghua und CNEC, ist der Hauptauftragnehmer für die Nuklearinsel.

Die beiden HTR-PM-Doppelreaktoren der Demonstrationsanlage werden eine einzige 210-MWe-Turbine antreiben.

Der Druckbehälter des ersten Reaktors wurde im März 2016 innerhalb des Reaktorsicherheitsgebäudes installiert. Der etwa 25 Meter hohe und rund 700 Tonnen schwere Behälter wurde von Shanghai Electric Nuclear Power Equipment hergestellt. Der zweite Druckbehälter wird noch in diesem Jahr installiert.

Die ersten Graphitmoderatorkugeln wurden im April letzten Jahres in den Kern des ersten Reaktors eingefüllt. Im Juli wurden die thermohydraulischen Parameter des Dampferzeugers validiert. Die Demonstration HTR-PM soll noch in diesem Jahr ans Netz gehen und mit der Stromerzeugung beginnen.

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Karte der nuklearen Welt:
China - Halbinsel Shandong

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Kalter Kaffee als frisch serviert?! Revolution, Evolution oder Scharlatanerie?
Eine, schon lange geforderte, umfassende Studie zum Thema Radioaktivität und Gesundheit scheint jedenfalls angesagt.
Gesundheitspolitiker aller Länder - egal ... - kommt endlich aus den Puschen!

11.01.2018

Länger leben dank Radioaktivität

Dieser Artikel von Alex Reichmuth erschien in bazonline.ch

Wissenschaftler fordern eine Lockerung des Strahlenschutzes – aus gesundheitlichen Gründen.

Für viele Schweizer mag es gewöhnungsbedürftig wirken, was jüngst in Nuclear News zu lesen war, der Zeitschrift der Amerikanischen Wissenschafts-Vereinigung für Kerntechnik (American Nuclear Society). Die beiden Kernphysiker Jerry M. Cuttler und William H. Hannum setzten sich für einen Paradigmen-Wechsel beim Schutz vor Radioaktivität ein. «Es ist offensichtlich geworden, dass die Gesellschaft einen sehr hohen Preis bezahlt wegen der Angst vor tiefdosierter Strahlung», schrieben die Wissenschaftler. Ihr Plädoyer für eine drastische Lockerung der Grenzwerte begründeten sie damit, dass massvolle Radioaktivität das Abwehrsystem stimuliere und Organismen ermögliche, ihre Lebenserwartung zu erhöhen: «Studien haben gezeigt, dass tiefe Strahlungsdosen die Lebensspannen von Tieren und Menschen verlängern.»

Die beiden Autoren sind renommierte Fachleute. Der Kanadier Jerry Cuttler ist Strahlenexperte an der Universität Toronto und ehemaliger Präsident der Canadian Nuclear Society. Der Amerikaner William Hannum diente lange für das US-Departement Energie und war unter anderem für die Agentur für Kernenergie der OECD tätig.

Doch ist die Aussage, radioaktive Strahlung nütze der Gesundheit, nicht eine zynische Verdrehung der Wirklichkeit? Ist die Forderung nach einer Lockerung des Strahlenschutzes nicht ein menschenverachtendes Plädoyer zugunsten der Atomkraft? Jedenfalls ist die Bevölkerung in der Schweiz und in vielen anderen Ländern fest überzeugt, dass radioaktive Strahlung eine unvergleichliche Gefahr darstellt und schon geringste Dosen verheerend für die Gesundheit sind. Das zeigt sich etwa beim erbitterten Streit um die Lagerung radioaktiver Abfälle.

Bestrahlte Tiere sind im Vorteil

Doch Cuttler und Hannum können sich auf eine Vielzahl wissenschaftlicher Resultate abstützen, die tatsächlich darauf hinweisen, dass massvolle Radioaktivität die Gesundheit fördert und insbesondere die Häufigkeit von Krebs verringert. Unbestritten ist zwar, dass eine hohe Dosis, insbesondere wenn sie schlagartig erfolgt, schädlich bis tödlich sein kann. So gab es nach den Atombomben-Abwürfen 1945 über Hiroshima und Nagasaki unter den Bewohnern, die nicht unmittelbar durch die fürchterlichen Druck- und Hitzewellen zu Tode kamen, viele, die stark radioaktiv belastet wurden und einige Wochen oder Monate später an der sogenannten Strahlenkrankheit starben, die unter anderem mit inneren Blutungen einhergeht.

Die Folgen der Strahlung bei den Überlebenden der Atomexplosionen in Japan sind dank langjährigen Wissenschafts-Programmen der USA sehr gut erforscht. Sie zeigten Erstaunliches: Bei Menschen, die die Strahlenkrankheit überlebten, war die Rate, im Alter an Krebs (insbesondere Leukämie) zu erkranken, nur geringfügig erhöht. Bei denjenigen Überlebenden, die mutmasslich nur mässig bestrahlt worden waren, zeigte sich sogar ein tendenziell tieferes Risiko für Leukämie als bei der Gesamtbevölkerung Japans.

Ab den späten 1940er-Jahren gab es eine grosse Zahl von Tierversuchen mit nuklearer Bestrahlung – mit eindeutigen Resultaten: Massvolle radioaktive Strahlung fördert die Gesundheit, führt zu weniger Krebs und verlängert die Lebensspanne von Tieren. Die sogenannte Mega-Mouse-Study, bei der ab 1947 mit Millionen Mäusen experimentiert wurde, ergab eine um bis zu vierzig Prozent tiefere Krebssterblichkeit. Ebenso alterten manche Tiere nach der Bestrahlung langsamer. Versuche mit Hunden kamen zu ähnlichen Schlüssen: Eine Bestrahlung bis zu etwa 700 Millisievert (mSv) pro Jahr befördert deren Gesundheit.

Sievert ist die physikalische Einheit für die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung. 700 mSv pro Jahr liegt 700 mal über dem Grenzwert, der in der Schweiz für die breite Bevölkerung gilt, und 35 mal über demjenigen für Mitarbeiter von Kernanlagen. Insbesondere liegt eine Belastung von 700 mSv pro Jahr auch weit über derjenigen in den Sperrzonen im Japan, die nach dem Unfall im AKW Fukushima verhängt wurden.

Aus dem All, aus dem Untergrund

Die Wirkung massvoller Strahlung bei Menschen ist weniger gut belegt als bei Tieren. Denn Bestrahlungs-Experimente, bei denen Menschen absichtlich einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt würden, sind natürlich nicht zulässig. Es gibt aber eine Vielzahl von Untersuchungen bei Personen, die nach Unfällen eine bestimmte Strahlung abbekommen haben, die berufsbedingt eine höhere Strahlendosis akzeptieren müssen, oder die aufgrund ihres Wohnorts einer erhöhten natürlichen Hintergrundstrahlung ausgesetzt sind.

Die natürliche Strahlung stammt aus dem Weltall, vor allem aber aus dem Untergrund. An gewissen Orten ist sie aus geologischen Gründen stark erhöht, etwa im indischen Bundesstaat Kerala oder in Guarapari in Brasilien. Der Ort mit der weltweit höchsten bekannten Strahlung ist der Kurort Ramsar im Iran, wo bis zu 260 mSv pro Jahr gemessen werden. Auch in der Schweiz liegt die natürliche Hintergrundstrahlung an vielen Orten um das Mehrfache über dem Grenzwert, der für Strahlung aus künstlichen Quellen gilt – vor allem in den Alpen. Natürliche und künstliche Strahlung unterscheiden sich aber nur durch ihre Herkunft, nicht in ihrer Wirkung auf Mensch und Tier.

Es gab eine ganze Reihe von Untersuchungen über den Gesundheitszustand der Bevölkerung in Kerala, Guarapari oder Ramsar. Dabei konnten keine negativen Effekte der Strahlung nachgewiesen werden. Studien in China, Indien oder in den USA haben zudem gezeigt, dass Bewohner von Gegenden mit erhöhter natürlicher Radioaktivität oftmals gesünder sind und weniger häufig an Krebs leiden als Bewohner in Gegenden mit tieferer Belastung. Ein Teil dieser Resultate weist allerdings methodische Mängel auf, weil andere Faktoren, die die Gesundheit beeinflussen (wie etwa das Rauchverhalten), ungenügend berücksichtigt wurden.

Auch der Gesundheitszustand von Mitarbeitern von Kernanlagen wurde mehrfach untersucht. Viele Resultate zeigen, dass bei erhöhter Belastung das Krebsrisiko sinkt. Eine Übersichtsstudie von 2011, die elf solche Erhebungen auswertete, kam zum Schluss, dass AKW-Mitarbeiter vierzig Prozent seltener an Krebs sterben als die übrige Bevölkerung.

Nach einem Störfall gesünder

Eine tiefere Sterblichkeit wegen Krebs und anderer Leiden ergab sich ebenfalls bei britischen Radiologen im Vergleich zur gesamten Ärzteschaft in ihrem Land. Radiologen waren vor allem in früheren Jahrzehnten einer deutlich höheren Strahlenbelastung als ihre Berufskollegen ausgesetzt.

Ein unerwartetes Ergebnis zeigte auch eine Untersuchung in Taiwan, wo ab 1982 etwa 10'000 Menschen einer stark erhöhten Strahlung ausgesetzt waren. Der Grund war, dass Stahl, der im Hausbau eingesetzt wurde, wegen eines Industrieunfalls durch strahlendes Cobalt-60 versetzt war. Die Strahlung, die die Betroffenen in ihren Wohnungen während Jahren abgekommen haben, war im Schnitt etwa so stark wie diejenige, die anfänglich in der Sperrzone um das AKW Fukushima herrschte. Die Auswertung zeigte aber, dass die Betroffenen signifikant seltener an Krebs litten als die übrige Bevölkerung Taiwans. Zudem gab es weniger Fälle angeborener Missbildungen.

2010 kam der ukrainische Medizinwissenschaftler Alexander Vaiserman in einer Übersichtsarbeit zum Schluss, dass der gesundheitliche Nutzen massvoller ionisierender Strahlung (zu der auch radioaktive Strahlung zählt) in mehr als 3000 Studien nachgewiesen wurde. Es gibt mittlerweile viele Strahlenbiologen, die überzeugt sind, dass massvolle Radioaktivität für Menschen von Vorteil sein könnte.

Davon wollen die meisten Präventivmediziner allerdings nichts wissen. Der Strahlenschutz orientiert sich weiterhin an der unbelegten Hypothese, dass schon geringste Dosen schädlich sind, und dass sich bei einer Verdoppelung der Strahlung auch die Gesundheitsrisiken verdoppeln. Demnach lautet das Ziel, jede noch so geringfügige Strahlenexposition zu vermeiden. Über die mutmasslichen Gesundheitsvorteile bei mässiger Belastung weiss man in der Öffentlichkeit so gut wie nichts.

Das war nicht immer so: In den 1920er- und 1930er-Jahren hatte Radioaktivität einen sehr guten Ruf. Es wurde sogar offensiv damit geworben. Viele Kurorte wie St. Blasien im Schwarzwald, Brambach in Sachsen oder Bad Gastein in Österreich strichen hervor, dass das Wasser in ihren Bädern mit radioaktivem Radon versetzt ist und betonten die Heilkraft, die daraus resultiere. Der Kurort Lurisia im italienischen Piemont setzte auf den Slogan «Lurisia – das radioaktivste Wasser der Welt», um das eigene Mineralwasser anzupreisen.

Trainingseffekt für den Körper

Erst nach den Atombomben-Abwürfen in Japan und dem Ende des Zweiten Weltkriegs griff die Angst vor jeglicher radioaktiver Strahlung um sich – mutmasslich bewusst von den Amerikanern befördert, zwecks Abschreckung. 1956 stellte die US-Akademie der Wissenschaften die erwähnte Hypothese auf, wonach auch bei geringfügiger Radioaktivität die Gesundheitsschäden gleichmässig mit der Dosis ansteigen. Rasch wurde diese Hypothese weltweit zur Grundlage des Strahlenschutzes gemacht.

In Wahrheit dürfte es so sein, dass massvolle Radioaktivität einen Trainingseffekt auf das Abwehrsystem der Körpers hat. Dieser besitzt wirkungsvolle Schutzmechanismen gegen DNA-Strangbrüche und mutierte Zellen, die täglich millionenfach auftreten und zur Entstehung von Krebs führen können. Radioaktive Strahlen fördern zwar grundsätzlich Strangbrüche und Mutationen. Erfolgt die Bestrahlung aber massvoll – so die medizinische These – werden die Reparaturmechanismen aktiviert, aber nicht überfordert und damit gestärkt.

Auch das Immunsystem verbessert durch mässige Bestrahlung vermutlich seine Fähigkeit, Krebszellen im Körper zu vernichten. Experimente mit Zellgewebe bestätigen, dass Zellen, die einer tiefen Dosis ausgesetzt werden, anschliessend widerstandsfähiger gegenüber starker Bestrahlung sind.

In der Medizin ist grundsätzlich bekannt, dass eine eigentlich schädliche Einwirkung auf Zellen, etwa durch giftige Substanzen, der Gesundheit nützen kann, sofern sie in tiefem Ausmass erfolgt. Man spricht vom Hormesis-Effekt. Dieser könnte auch bei radioaktiver Strahlung spielen. «Wir brauchen erhöhte Hintergrundstrahlung, um unsere Gesundheit zu verbessern», forderte darum schon 2005 John R. Cameron, inzwischen verstorbener amerikanischer Professor für medizinische Physik. Brisant ist, dass der gesundheitsfördernde Effekt am grössten zu sein scheint bei Strahlungsbelastungen, die denjenigen entsprechen, die in weiten Teilen der Sperrgebiete um die Havarie-Reaktoren in Tschernobyl und Fukushima herrschen.

Jedenfalls beklagten Jerry Cuttler und William Hannum in ihrem Plädoyer in Nuclear News, dass der Strahlenschutz heute unsinnig streng sei. Das führe auch dazu, dass die Anwendung radioaktiver Strahlung in der medizinischen Diagnostik und Behandlung stark eingeschränkt seien.

Weiter bewirke die übergrosse Angst vor jeglicher Radioaktivität absurderweise auch, dass der Schutz vor tatsächlich gefährlichen Strahlungsdosen leide. «Es gibt viele durch Waffenprogramme nuklear belastete Standorte, wo Sanierungen nötig sind, um übermässig strahlendes Material von der Umgebung fernzuhalten», schrieben die beiden Forscher. Die überhöhten Anforderungen trieben die Sanierungskosten in «astronomische» Höhen und behinderten damit die Eliminierung von strahlendem Material.

Cuttler und Hannum fordern nun «eine konstruktive Debatte, um sichere Grenzwerte zu bestimmen». An diesen solle sich der Strahlenschutz künftig orientieren. (Basler Zeitung)

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Wikipedia:
Der Petkau-Effekt
besagt, dass schwächere Strahlendosen über einen längeren Zeitraum eher genetische Schäden anrichten.

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Wikipedia:
Hormesis
ist die schon von Paracelsus formulierte Hypothese, dass geringe Dosen schädlicher oder giftiger Substanzen eine positive Wirkung auf Organismen haben können.

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INWORKS-Studie
Die INWORKS-Studie beruht auf den Messdaten von 300.000 Arbeitern in Atomkraftwerken, diese Daten reichen bis zu 60 Jahre zurück.

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Radioaktiv

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22.01.2018

SENDETERMIN: Montag den 22.01.2018 um 8:30 Uhr im SWR2

Die schleichende Vergiftung

Risiko Uran

Dieser Artikel von Peter Jaeggi erschien in www.swr.de

Das radioaktive Schwermetall Uran kommt natürlich in der Umwelt vor. Dort ist es ungefährlich. Gelangt es aber in den menschlichen Körper, wirkt es hochgiftig für die Zellen. Anfang 2017 fand ein Schweizer Arzt und Wissenschaftler im Urin seiner Patienten teilweise große Mengen Uran. Die gleiche Entdeckung machte ein Arzt in Düsseldorf. Woher der Stoff kam, ist bis heute rätselhaft.

Woher stammt Uran?

Uran kommt natürlich im Erdboden vor. Das radioaktive Element stammt aus der Entstehungszeit des Universums. In unseren Regionen sind die größten natürlichen Konzentrationen im Granit. Mehr als 99 Prozent dieses Natur-Urans bestehen aus dem Isotop Uran 238.

Ist Uran gesundheitsschädlich?

Früher wurde auf die niedrige Radioaktivität von Uran hingewiesen – die sei nicht gesundheitsschädlich. Doch das stimmt nicht: Uran ist ein sogenannter Alphastrahler, der zwar nur eine sehr geringe Reichweite hat, dafür eine sehr hohe Energie. Das bedeutet, dass Uran besonders gefährlich ist, wenn es vom Organismus aufgenommen wird und die Strahlung so die Zellkerne treffen kann. Und die enthalten unsere DNA, unsere Erbinformationen.

Mehrere Studien legen nahe, dass Kinder von mit Uran belasteten Eltern sehr wahrscheinlich ein größeres Risiko haben, mit Missbildungen geboren zu werden, sagt Thomas Carmine. Weil Uran die Erbsubstanz schädigen könne. In mehreren Experimenten und anhand von Einzelfällen sei zudem belegt worden, dass Uran das Risiko erhöht, an Knochenkrebs zu erkranken.

Wie wird Uran freigesetzt?

Normalerweise bleibt die Uran-Strahlung im Gestein gefangen. Gefährlich wird sie erst, wenn radioaktive Partikel vom Körper aufgenommen werden. Uran-238 hat eine Halbwertszeit von fast viereinhalb Milliarden Jahren. Es zerfällt in mehreren Schritten zu Folgeelementen wie Thorium, Radon, Radium und Polonium. Diese Zerfallsprodukte sind dabei erheblich radioaktiver als das Uran selbst.

Wie äußert sich eine Uran-Vergiftung?

Die ersten Symptome einer Uranvergiftung sind Müdigkeit, längere Erholungszeiten nach dem Sport beispielsweise. Leichte Depressivität. Wenn Sie höhere Uran-Konzentrationen haben, dann können auch Organe nachhaltig geschädigt werden. Vor allem die Nieren, das Knochenmark, die Leber und auch das Nervensystem.

Woher stammt das Uran, das 2017 im menschlichen Urin nachgewiesen wurde?

Der Krimi ist noch nicht gelöst, es gibt jedoch verschiedene Mosaiksteinchen:

  • Der Schweizer Mediziner Carmine ist sicher: „Es muss irgendwie Anfang des Jahres eine größere Menge Uran insofern freigesetzt worden sein, dass Menschen das inkorperiert haben. Auf welchem Weg auch immer Und sei es übers Trinkwasser, über die Nahrungskette oder inhalativ. Und ich denke mittlerweile, dass der Weg über die Einatmung der wahrscheinlichste ist, weil die regionale Verteilung sehr groß war.“
  • Eine entscheidende Rolle spielte offenbar auch das Wetter. Es herrschte damals nämlich eine ungewöhnlich lange austauscharme Wetterperiode. So konnten sich viele Schadstoffe, darunter Uran, in der bodennahen Luft anreichern. In der letzten Januarwoche und Mitte Februar 2017 entstanden windschwache Inversionswetterlagen. Dabei sind die oberen Luftschichten wärmer als die unteren und halten diese am Boden. Und genau in dieser Zeit fanden die Mediziner in der Schweiz und in Deutschland den uranbelasteten Urin.
  • Uranaerosole, die durch den Einsatz von Uranmunition freigesetzt werden. Uranmunition wird intensiv eingesetzt seit 1990 in weltweiten Konflikten. So auch im Irak, in Afghanistan, Lybien, der Ukraine und in Syrien. Bei einem Treffer mit dieser Munition beginnt das auf über 3.000 Grad Celsius erhitzte Metall zu brennen. So entsteht ein Uranoxid-Aerosol, eine Gaslösung mit feinen Uranpartikeln, die der Wind fortträgt und weiträumig verteilt.
  • Uranaerosole zum Beispiel aus dem Syrienkrieg können bis zu uns nach Mitteleuropa gelangen, sagt der Kernphysiker Martin Kalinowski. Er ist zuständig für weltweite Radioaktivitätsmessungen bei der „Organisation über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen“ mit Sitz in Wien.
  • Diese radioaktiven Schwebeteilchen können beliebig lange in der Luft bleiben und lange Reisen vornehmen, sie können aber auch als Staub zur Erde fallen oder von Regen und Schnee herunter gewaschen werden. Das ist nach einer langen Trockenperiode wahrscheinlich mit dem Uran geschehen, das Anfang 2017 in der Schweiz und im Raum Düsseldorf im Urin von Menschen gefunden worden ist.

Weitere Uran-Quellen in unserem Lebensumfeld

  • Uran gelangt durch die Verbrennung von Kohle in die Luft

Europas gefährlichste uranhaltige Quelle für Flugasche sind die beiden Uralt-Braunkohlekraftwerke in der Nähe von Pristina im Kosovo. Die Weltbank bezeichnete das Werk „Kosova A“ bereits vor vielen Jahren als die „größte punktuelle Quelle für Umweltverschmutzung in Europa“ – die schlimmste Dreckschleuder auf dem Kontinent. Dessen Schadstoffausstoß, verteilt über riesige Gebiete, überschreitet die europäischen Grenzwerte bisweilen um das 70-Fache.

  • Uran steckt in den meisten Phosphatdüngern und gelangt so in Ackerboden und Trinkwasser

Seit Jahrzehnten sammelt sich in unseren Ackerböden Uran. Enthalten ist es in den meisten Phosphatdüngern. Die meisten natürlichen Phosphatvorkommen waren früher Meere, die dann ausgetrocknet sind. Im Meerwasser ist Phosphat und Uran drin. Wenn das austrocknet, gibt es Ablagerungen. Deshalb stecken in solchen natürlichen Phosphaten erhebliche Mengen an Uran.

Allein die deutsche Landwirtschaft hat bisher in all diesen Jahrzehnten um die 15.000 Tonnen Uran ausgebracht. Konservativ geschätzt. Ein Teil davon sammelt sich nicht in den Ackerböden, sondern gelangt ins Grundwasser gelangt und damit in unser Trinkwasser. Deswegen ist verseuchtes uranbelastetes Trinkwasser die wohl unmittelbarste Gefahr, die vom Uran ausgeht.

Uran ist nicht primär wegen seiner Radioaktivität gefährlich, sondern wegen seiner toxischen Wirkung

Laut WHO-Richtlinien sollte ein Erwachsener weniger als ein Mikrogramm Uran pro Tag und Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Sonst drohen Langzeitschäden. Etwa der Niere. Der WHO-Wert ist oberstes Limit. Er wurde auf politischen Druck hin mehrmals nach oben korrigiert. Dennoch wird sorglos tonnenweise kontaminierter Dünger auf Äckern ausgebracht. Deshalb fordern Experten, dass endlich ein Grenzwert für Uran im Dünger festgelegt werden soll.

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Artikel vom 1.12.2016:
Pentagon bestätigt Einsatz von Uran-Munition in Syrien

Universität Oldenburg:
Informationen über Uran Munition (Depleted Uranium, DU)

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Foodwatch-Forderungen:
Sichere Grenzwerte, deutliche Warnhinweise

Deutsche Wasserakademie:
Uran Grenzwert

Umweltinstitut München e.V.:
Gefahr fürs Baby - Radioaktivität im Trink- und Mineralwasser

Contra Magazin:
170 Millionen Amerikaner trinken radioaktiv verseuchtes Leitungswasser

reaktorpleite:
Uranforschung - Uran im Trinkwasser

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Der Konsument:
Uran in Düngemitteln - Gift aus dem Garten

Bundesumweltamt:
Uran in Boden und Wasser (.pdf)

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INWORKS-Studie
Die INWORKS-Studie beruht auf den Messdaten von 300.000 Arbeitern in Atomkraftwerken, diese Daten reichen bis zu 60 Jahre zurück.

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03.01.2018

Studie: USA töten mit Atombomben hunderttausende Amerikaner

Der Artikel von John Dyer erschien in www.wienerzeitung.at

Durch Tests in Nevada sind offenbar mehr Amerikaner gestorben als durch die Bombenabwürfe in Japan.

Die USA sind das weltweit einzige Land, das bislang Atombomben in einem Krieg verwendet hat. Nun behauptet ein Forscher, dass durch die Atomwaffentests in Nevada in den 50er und 60er Jahren mehr Amerikaner ums Leben gekommen sind, als es bei den zwei Bombenangriffen in Japan im August 1945 Opfer gab. Deren Zahl wird in Japan auf 250.000 geschätzt.

Der Ökonom Keith Meyers von der Universität Arizona wies in einer Studie auf die schädlichen und vielfältigen Auswirkungen von Atomwaffentests auf Menschen hin. "Diese Studie zeigt, dass es mehr Opfer im Kalten Krieg gab, als bislang angenommen wurde." Im Mittelpunkt der These von Meyers steht der radioaktive Niederschlag, der sich auch in der Milch abgelagert hat, welche Amerikaner über Jahre getrunken haben. "Während der 50er Jahre wurde Milch in der Region verbraucht, in welcher sie hergestellt wurde." Er meint, dass zwischen 1951 und 1973 695.000 Amerikaner im Mittleren Westen und Nordosten der Vereinigten Staaten an Krebs erkrankt oder gestorben sind, die mit dem radioaktiven Isotop I-131 versetzte Milch getrunken haben. Dabei sei das dadurch entstandene Vorkommen an Todesfällen überraschenderweise nicht rund um das Testgelände am höchsten gewesen, sondern dort, wo der Fallout bereits moderat war.

100 Tests in Nevada

Bis 1949 wurden Atomwaffentests im Südpazifik durchgeführt. 1963 erfolgte ein Verbot von Tests unter freiem Himmel. Doch insgesamt sind rund 100 überirdische Atomwaffentests in Nevada durchgeführt worden. Oftmals sollten dadurch explizit die Auswirkungen auf Menschen und Tiere überprüft werden, wie Meyers erklärt. Die Verlagerung der Tests unter die Oberfläche habe rund 24 Millionen Menschen das Leben gerettet, erklärt der Wissenschafter. Dennoch würden auch heute noch einige Menschen unter den Folgen der Atomwaffentests leiden. "Durch diese Atomwaffentests wurden Millionen von Amerikanern den Auswirkungen von schädlichem radioaktivem Material ausgesetzt und viele leben bis heute mit den Folgen dieser Verschmutzung."

Einige dieser Opfer, die während der Atomwaffentest in New Mexico in der Region gelebt haben, machen nun auch öffentlich auf ihre Situation aufmerksam und fordern eine offizielle Entschuldigung. "Ich erinnere mich, als wäre es gestern passiert", sagt der 89-jährige Darryl Gilmore, der seinerzeit an der Universität von New Mexico Musik studiert hat. Damals habe es lediglich die Information gegeben, dass ein einsam gelegenes Munitionsdepot explodiert sei. Gilmore hat den Großteil seines Lebens mit Hautkrebs gekämpft.

Auch in Nordkorea dürfte die Gegend rund um das Atomtestgelände schwer radioaktiv verseucht sein. Flüchtlinge sprechen von einer seltsamen Häufung schwerer Krankheiten, für die die Ärzte keine Erklärung hätten.

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https://www.keithameyers.com/

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Karte der nuklearen Welt:
USA - Nevada Test Site -
Hier führten die USA von 1951 bis 1992 insgesamt 904 Nukleartests durch, davon ca. 100 oberirdische Tests, teilweise in Sichtweite von Las Vegas und seit dem Atomteststoppabkommen im Oktober 1963 ca. 804 unterirdische Tests, wobei mindestens 15 der unterirdischen Tests aus Versehen zu oberirdischen wurden, weil die immense Ladung das Deckgestein einfach wegriss.

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25.01.2018

Radon

Die unsichtbare Gefahr aus dem Untergrund

Dieser Artikel erschien in www.br.de

Man kann es nicht sehen, nicht fühlen, nicht riechen oder schmecken. Das Edelgas Radon ist jedoch die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Über den Boden kann das natürlich vorkommende radioaktive Gas in Häuser eindringen.

Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas. Es entsteht durch radioaktiven Zerfall von Uran, das es überall auf der Welt in unterschiedlichen Konzentrationen im Boden gibt. Besonders hoch liegt die Radonkonzentration deshalb in Böden und Gesteinen, die viel Uran enthalten. "Wir haben zum Beispiel in Deutschland ein höheres Radonpotenzial in bestimmten Gegenden: In Bayern sind das der ostbayerische Wald und das Voralpenland, auch Gegenden bis hin zu München. Das liegt wirklich am Urangehalt. Zum Beispiel der Bayerische Wald - das sind eher Granitgebiete. Und Granit hat ein höheres Radonpotenzial", erläutert Michaela Kreuzer, Leiterin der Abteilung "Wirkungen und Risiken ionisierender Strahlung" am Bundesamt für Strahlenschutz.

Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

Über Risse und Spalten im Boden entweicht Radon ins Freie oder ins Innere von Gebäuden. Wird Radon eingeatmet, gelangt es in die Lunge und in die Bronchien. Das Radongas ist an sich nicht gefährlich, weil es zum Großteil einfach wieder ausgeatmet wird. Gefährlich sind die Zerfallsprodukte, vor allem Polonium 214 und 218. "Das sind Schwermetalle, die lagern sich auf der Lunge ab, können dort DNA schädigen, Zellen schädigen, und begünstigen dadurch eine mögliche Lungenkrebserkrankung", sagt Michaela Kreuzer. Gefährlich wird das vor allem, wenn ein Mensch über längere Zeit hohen Dosen von Radon ausgesetzt ist. Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. "Führend ist Rauchen, aber selbst Asbestbelastung oder Dieselbelastung kommt nach Radonbelastung." Laut Berechnungen der Strahlenschützer sterben jedes Jahr in Deutschland etwa 2.000 Menschen an den Folgen einer Radon-Exposition.

Radon brachte bereits Bergleuten im Mittelalter den Tod

Schon im Jahr 1550 gab es Berichte von Georg Agricola, dass in Schneeberg im Erzgebirge viele Bergleute an Atemwegserkrankungen starben. Erst im 19. Jahrhundert erkannte man, dass es sich dabei um Lungenkrebs handelte. "Und so um 1950 wusste man: Die Ursache sind Radon und seine Zerfallsprodukte", erläutert Michaela Kreuzer. "Und dann hat man bei den Bergarbeitern großflächig Studien initiiert und untersucht, wie hoch ist das Lungenkrebs-Risiko durch Radon. Dort wurde gefunden: Es gibt ganz klar einen ursächlichen Zusammenhang." Besonders betroffen waren die Bergarbeiter im Uranabbau, die unter schwierigen Arbeitsbedingungen und ohne Belüftung in den Stollen extrem hoher Radonbelastung ausgesetzt waren. Seit 1993 wird am Bundesamt für Strahlenschutz eine der weltweit größten Studien zu beruflich mit Radon belasteten Bergarbeitern durchgeführt. Sie umfasst knapp 60.000 ehemalige Beschäftigte, die zwischen 1946 und 1990 für das Uranerzbergbau-Unternehmen Wismut gearbeitet haben. Allein bis zum Jahr 2011 wurden mehr als 9.000 Fälle von Lungenkrebs ehemaliger Wismut-Beschäftigter als Berufskrankheit anerkannt.

Radon gelangt vom Boden über undichte Stellen ins Haus

Tückisch ist, dass man das radioaktive Radon weder sehen noch riechen noch schmecken kann. Wissenschaftler haben jedoch Karten erstellt, auf denen farblich markiert ist, in welchen Gebieten in Deutschland besonders viel Radon vorkommt. "Das Radon ist ja gasförmig und sehr mobil und entweicht aus dem Boden ins Freie. Und im Freien, in der Außenluft, kann sich das sofort verteilen und verdünnen. In der Außenluft haben wir Konzentrationen zwischen fünf bis 30 Becquerel pro Kubikmeter. Problematisch sind eher die Wohnungen", stellt Michaela Kreuzer fest. Radon kann nämlich über undichte Fundamente, Rohre, Fugen oder Kabelschächte ins Haus eindringen und sich dort anreichern. Die Radonkonzentration ist dann oft in den Kellerräumen besonders hoch, kann aber über Türen und Treppen in die oberen Stockwerke gelangen. "Da verdünnt es sich zusehends, aber hat eben deutlich höhere Konzentrationen als in der Außenluft", weiß Michaela Kreuzer.

Empfehlenswert ist eine Radon-Langzeitmessung

Um für einen Ort zuverlässige Radonwerte zu erhalten, braucht man allerdings Geduld, wie Simone Körner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg erklärt: "Die Radonkonzentration schwankt sehr stark im Jahresverlauf. Also zum einen Mal durch den Tag-Nacht-Rhythmus - auch wie die Leute die Wohnung benutzen - also lüften und durchmischen. Und auch im Jahresverlauf, weil im Sommer lüftet man in der Regel mehr als im Winter. Darum ist es besser, Sie machen eine Langzeitmessung, sodass Sie einen zuverlässigen Wert haben, der Ihnen auch was über die Jahresmittel aussagt." Strahlenschützer und Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO empfehlen, einen Wert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft möglichst nicht zu überschreiten. Wird dieser Wert im Jahresmittel überschritten, empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz bereits Sanierungsmaßnahmen, um die Radonkonzentration zu senken. 2017 wurde ein Strahlenschutzgesetz verabschiedet: Der Referenzwert liegt bei 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft. "Dieses Strahlenschutzgesetz tritt am 31.12.2018 in Kraft. Ab dann ist der Referenzwert sozusagen Gesetz", sagt Simone Körner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt in Augsburg.

Unterschied zwischen Wohn- und Arbeitsräumen

Das Bundesamt für Strahlenschutz schätzt, dass es in etwa jedem zehnten Haus in Deutschland ein Problem mit Radon geben könnte. Wird der Referenzwert überschritten, müssen Schutzmaßnahmen gegen Radon ergriffen werden. Das Strahlenschutzgesetz unterscheidet allerdings zwischen Aufenthaltsräumen und Arbeitsräumen. Für Aufenthaltsräume, und da gehören auch Wohnungen dazu, wird tatsächlich nur der Referenzwert festgeschrieben. "Da kommt den Vermietern eine Schlüsselrolle zu und da ist es sehr empfehlenswert, frühzeitig Kontakt mit dem Vermieter aufzunehmen", sagt Simone Körner. Bei Arbeitsräumen sind die Regelungen beim Überschreiten verbindlicher: "Dann muss reduziert werden und im Gesetz ist dann auch schon vorgegeben, dass das innerhalb von 24 Monaten erfolgen muss. Da muss auch schon die Nachmessung passiert sein. Da sind tatsächlich konkrete Zeiträume vorgegeben."

Schutzmaßnahmen vor erhöhter Radon-Belastung

Bei hohen Werten kann man ein Haus gegen das Einströmen von Radon wappnen. "Ein Radonbrunnen saugt die radonhaltige Luft unter dem Gebäude ab, sodass sie gar nicht erst in die Räume gelangt", erklärt Simone Körner. Eine Drainage, die unterhalb des Fundaments verlegt wird, kann die radonhaltige Bodenluft absaugen. Eine einfache Maßnahme ist es, häufig intensiv zu lüften. Besonders im Bodenbereich sollten Risse, Fugen und Rohrdurchführungen abgedichtet werden. Wird ein Keller nicht genutzt, sollte man die Wege vom Keller ins Erdgeschoss abdichten - oder zumindest dichte Türen zwischen Keller und Wohnräumen einbauen. Wird der Keller genutzt, sollte man ihn belüften - zum Beispiel durch Ventilatoren oder Lüftungsanlagen. Auch ist es empfehlenswert, im ersten Stock oder noch höher zu schlafen und nicht im Erdgeschoss oder tiefer. Bei einem Neubau kann bereits eine Gebäudeisolierung gegen Bodenfeuchte vor Radon schützen.

Ist Radon auch für andere Krebsarten verantwortlich?

"Derzeit ist nur nachgewiesen, dass Radon Lungenkrebs verursacht. Aus Bergarbeiterstudien haben wir Hinweise darauf, dass auch andere Tumore, wie Hals-Nasen-Rachen-Tumore häufiger vorkommen. Aber man kann davon ausgehen, dass bei Radonkonzentrationen, die in Wohnungen wesentlich niedriger sind, andere Tumore wahrscheinlich keine Rolle spielen", sagt Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie aus der Schweiz, nach der Radon ein Risikofaktor für Hautkrebs ist, hält das Bundesamt für Strahlenschutz bislang für nicht ausreichend belegt.

Radon sollte man sich nicht unnötig aussetzen

Trotzdem wird Radon sogar für medizinische Zwecke genutzt. Manche Kurorte werben mit einer Radontherapie, die zum Beispiel Rheumakranken helfen soll. Inwiefern es sinnvoll ist, Radon zu Heilzwecken zu verwenden, wird kontrovers diskutiert. Der gesundheitsfördernde Effekt ist umstritten. "Risikoabschätzungen über die Radonbelastung in Radonheilbädern kommen zu dem Schluss, dass Patienten bei Trink- und Inhalationskuren einer erhöhten Strahlenbelastung ausgesetzt sind, die unter gesundheitlichen Aspekten den Sinn solcher Kuren in Frage stellen", heißt es auf radon-info, der Radon-Informationsseite eines Sachverständigenbüros. Und: "Zudem können vor allem Behandlungspersonal und die Bevölkerung in der Umgebung von Radonbädern einer erhöhten Strahlenbelastung unterliegen." Die gezielte Behandlung mit Radon sollte jedenfalls nicht als Wellness-Urlaub missverstanden werden. "Früher war das ja tatsächlich so: Einer war an Rheuma erkrankt und die ganze Familie ist in das Radonbad gezogen und hat dort zwei Wochen Urlaub gemacht. Also davon raten wir ganz ganz dringend ab. Wirklich nur diejenige Person mit Schmerzen bei medizinischer Indikation und sonst kein Aufenthalt, weil eben jede unnötige Strahlenexposition vermieden werden sollte", rät Michaela Kreuzer vom Bundesamt für Strahlenschutz.

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Bundesamt für Strahlenschutz:
Die Wismut Uranbergarbeiter-Kohortenstudie

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Radon

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