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29.10.2019 - Radioaktiver Gletscherstaub - Kryokonit birgt ein strahlendes Geheimnis

Artikel von Dagmar Röhrlich aus www.deutschlandfunk.de

1870 bemerkte der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld dunkle Löcher im Eis eines Gletschers. Das bräunliche Pulver darin nannte er Kryokonit. Der dunkle mineralische Belag lässt das Eis schneller schmelzen. Und er ist erstaunlich oft radioaktiv, wie Analysen nun belegen.

Der Kryokonit ist kein neues Phänomen, doch die Aktivität der Menschheit hat die Menge regelrecht explodieren lassen. Denn seine Ausgangssubstanz trägt der Wind heran – manchmal über Tausende von Kilometern hinweg. Es ist Gesteins- und Wüstenstaub, dazu Aschepartikeln vulkanischer Eruptionen und inzwischen jede Menge Ruß. Ruß aus Waldbränden, den Abgasen der Dieselmotoren, der Industrie- und Kraftwerksschornsteine, erklärt Giovanni Baccolo von der Universität Milano-Bicocca.

„Kryokonit entsteht nur im Sommer, wenn die Gletscher schmelzen und Wasser den Staub zusammenschwemmt, den der Wind auf die Oberfläche geweht hat. Kryokonit besteht aus Mineralen und organischer Substanz.“

Die organische Substanz, das ist der Ruß aus diesen weit entfernten Quellen – und das ist Material, das vor Ort entsteht, durch die Aktivität von Mikroorganismen, die in Biofilmen auf den Partikeln leben. Nun hat dieser Kryokonit eine ganz besondere Eigenschaft: Er saugt Schadstoffe auf wie ein Schwamm. Nicht nur Schwermetalle, sondern auch Radionuklide – die natürlichen aus dem Gestein der Umgebung ebenso wie den Fallout von Atombombentests und Reaktorunfällen.

Kryokonit ist mitunter stark radioaktiv

„Wenn wir die radioaktive Belastung von Flechten, Moosen oder Böden mit der von im Kryokonit vergleichen, kann die darin bis zu 100 Mal höher sein.“

Die Werte, die Wissenschaftler im Kryokonit messen, können für Gebiete außerhalb einer Sperrzone wie der von Tschernobyl außergewöhnlich hoch werden. Carolin Clason von der Universität Plymouth hat auf 17 Gletschern – von der Arktis bis zur Antarktis – Kryokonit untersucht. In einem Gletscher in der schwedischen Arktis enthielt der Kryokonit pro Kilogramm 3069 Bq Cäsium 137, auf dem Morteratsch-Gletscher in der Schweiz 13558. Das ist fast das Zehnfache dessen, was im Fleisch für den menschlichen Verzehr sein darf.

Strahlende Substanzen reichern sich an

Wie die hohen Werte zustande kommen, dazu haben sie und ihre Kollegen eine Theorie entwickelt:

„Wir glauben, dass das daran liegt, dass die Radionuklide über mehrere Stufen aufkonzentriert werden: Der Schnee holt sie aus der Luft, und sie landen auf dem Gletscher. Dort wird der Schnee durch die nachfolgenden Schneefälle zu Eis verdichtet, und dabei werden auch die Radionuklide zusammengepresst. Wenn das Eis schmilzt, spült das Schmelzwasser die Radionuklide weg. Und wenn dieses Wasser dann durch den Kryokonit sickert, nimmt der die Radionuklide daraus auf.“

Dabei scheinen Biofilme auf den mineralischen Kryokonitteilchen eine zentrale Rolle zu spielen:

„Wir haben noch nicht alle Proben analysiert, aber es sieht so aus, als ob die Proben mit dem höchsten organischen Gehalt auch die höchsten Anteile an Radionukliden aufweisen.“

Nuklearunfälle und Atomtests haben Spuren hinterlassen

In den Proben von der Nordhemisphäre dominieren jedenfalls die Signale der Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima, in denen von der Südhemisphäre die der oberirdischen Atomwaffentests im Pazifik. Inwieweit die Belastung des Kryokonits mit radioaktiven Stoffen ein Risiko darstellt, wird derzeit untersucht. Die Forscher wollen wissen, ob die angereicherten Radionuklide durch die weltweite Gletscherschmelze in die Nahrungskette gelangen – und welche Auswirkungen das haben könnte.

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Karte der nuklearen Welt:

Ablagerungen auf Gletschern sind radioaktiv ...

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radioaktiv

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10.04.2019 - Forscher warnen vor in schmelzenden Gletschern gespeicherter Radioaktivität

Ein internationales Wissenschaftler-Team hat vor weltweit im Gletschereis eingeschlossenen radioaktiven Partikeln gewarnt, die durch die Schmelze freigesetzt werden könnten. Die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima sowie Atomwaffentests hätten in den Gletschern der Alpen, dem Kaukasus, der Arktis, der Antarktis, in Kanada und auf Island radioaktive Spuren hinterlassen, sagte die britische Forscherin Caroline Clason am Mittwoch in Wien. Angesichts der durch den Klimawandel schmelzenden Gletscher sitze die Menschheit auf einer tickenden Zeitbombe.

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01.11.2019 - Großbritannien setzt auf Satelliten zur Unterstützung der nuklearen Säuberungsarbeiten

Die britische Weltraumbehörde und die Nuclear Decommissioning Agency (NDA) haben kleinere Unternehmen und Universitätsgründungen aufgefordert, satellitengestützte Technologien zu erforschen und zu entwickeln, die dazu beitragen könnten, die Bemühungen des Landes bei der nuklearen Stilllegung zu unterstützen.
Die Initiative will satellitengestützte Erdbeobachtungsdaten nutzen, um Lösungen für Herausforderungen des Asset Managements an Stilllegungsstandorten zu ermöglichen ...

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IPPNW-Pressemitteilung vom

01.11.2019 - Keine Freigabe von AKW-Abbau-Material

Offener Brief an die Umweltministerkonferenz 

Die Ärzteorganisation IPPNW unterstützt das Anliegen von 90 Gruppen und Organisationen der Anti-Atom-Bewegung, das Thema „Freigabe radioaktiver Stoffe“ auf die Tagesordnung der nächsten Umweltministerkonferenz vom 13.-15. November 2019 in Hamburg zu setzen und die dazu vorliegende Kritik zu erörtern.

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31.10.2019 - Artenvielfalt - Insektensterben hier zu Lande noch dramatischer?

Eine Münchner Studie entdeckt bedenkliche Rückgänge auf Wiesen, aber auch in Wäldern und Schutzgebieten - und das in kurzer Zeit. 

Innerhalb von nur zehn Jahren ist die Zahl und Vielfalt von Insektenarten in Wäldern und auf Wiesen in Deutschland massiv zurückgegangen – selbst Schutzgebiete und Naturwaldreservate bilden davon keine Ausnahme.

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30.10.2019 - Atommüll - Workshop zur Endlagersuche

Wohin mit Deutschlands Atommüll? 1.900 Behälter mit hochradioaktiven Abfällen müssen in einem sicheren Endlager gelagert werden. Doch die Suche gestaltet sich schwierig. Die zuständige Behörde setzt auf Bürgerbeteiligung und veranstaltete einen Workshop in Kassel.

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29.10.2019 - Energie - Aussterbende Atomkraft

Mit einer weltweiten Renaissance der Atomkraft wird es nichts. AKW sind die teuerste und die langsamste Option für den Klimaschutz. Die Analyse.

Er sollte das Leuchtturmprojekt der französischen Atombranche werden und die Renaissance der Kernkraft in den Industriestaaten einläuten: das neue AKW, das derzeit in Flamanville am Ärmelkanal erstellt wird. Doch das Projekt entwickelt sich immer mehr zum Fiasko. Der Bau des Reaktors sei ein „Misserfolg“ für die Nuklearindustrie des Landes, sagte jetzt Wirtschaftsminister Bruno Le Maire in Paris. Das sind ungewöhnlich deutliche Worte in dem Staat, der mit mehr als 70 Prozent den höchsten Atomstrom-Anteil weltweit hat. Er forderte den Energiekonzern EDF auf, binnen eines Monats einen Aktionsplan vorzulegen, um die Probleme in den Griff zu kriegen.

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29.10.2019 - Argentinier wird neuer IAEA–Chef

Der Nuklearexperte Rafael Grossi setzte sich am Dienstag gegen den Rumänen Feruta durch. Er folgt dem im Juli verstorbenen Japaner Amano nach.

Knapp dreieinhalb Monate nach dem Tod des bisherigen IAEA-Chefs Yukiya Amano bekommt die Internationale Atomenergiebehörde in Wien einen neuen Generaldirektor. Der argentinische Karrierediplomat und Nuklearexperte Rafael Grossi setzte sich nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen am Dienstag gegen seinen schärfsten Widersacher, den Rumänen Cornel Feruta, durch und erreichte die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit in dem 35 Staaten umfassenden IAEA-Gouverneursrat, dem Exekutivgremium der Organisation.

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29.10.2019 - Michael Sailer - Honorar-Experte | Die destruktive Rolle des "Öko-Instituts"

Der laut 'taz' "anerkannte Nuklear-Experte" und langjährige Geschäftsführer des sogenannten Öko-Instituts, Michael Sailer, erwies sich wieder einmal als Honorar-Experte. Ein neuer Beratervertrag mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) sichert ihm einen Tagessatz von über 1.600 Euro.

Schon 1996 hatte Michael Sailer durch abwertende Aussagen über CASTOR-Blockaden (Interview in der 'taz', 5.12.1996) für eine Spaltung des Öko-Instituts gesorgt. Drei prominente Vertreter der Umweltbewegung, Stephan Kohler, Günter Altner und Gerd Michelsen, kündigten daraufhin ihren Austritt aus dem Trägerverein des Öko-Instituts an.

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29.10.2019 - Benzau - Klimawandel bremst AKW-Betreiber – weil das Aare-Wasser noch wärmer wird

Eine neue Prognose zeigt steigende Flusstemperaturen – für die Beznau-Betreiberfirma Axpo ist das ein Problem: Sie muss die Leistung des AKWs drosseln. Axpo-Sprecher Noel Graber sagt, man halte dies für unverhältnismässig, akzeptiere die Vorgabe aber vorläufig.

Knapp 15 Grad betrug die Wassertemperatur der Aare bei Brugg in den vergangenen Tagen. Rund 20 Kilometer weiter, bei der Messstation Felsenau, lag die Temperatur bei knapp 16 Grad.

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