Newsletter XVI 2026
19. bis 25. April
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Radioaktivität kumuliert; das bedeutet, radioaktive Partikel reichern sich im lebenden Organismus immer weiter an und mit der Zeit können ähnliche Schäden auftreten, wie bei einer kurzzeitig einwirkenden, massiven Strahlenbelastung ...
Die PDF-Datei "Nuclear Power Accidents" enthält eine Reihe weiterer Vorfälle aus verschiedenen Bereichen der Atomindustrie. Einige der Ereignisse wurden nie über offizielle Kanäle veröffentlicht, so dass diese Informationen der Öffentlichkeit nur auf Umwegen zugänglich gemacht werden konnten. Die Liste der Zwischenfälle in der PDF-Datei ist daher nicht zu 100% identisch mit "INES und die Störungen in kerntechnischen Anlagen", sondern stellt eine Ergänzung dar.
1. April 1960 ("Gerboise blanche", Frankreichs 2. Atombombentest) Reggane, DZA
3. April 1960 (INES-4) Akw WTR-2, Waltz Mill, Madison, PA, USA
6. April 1993 (INES-4 NAMS 4,8) Atomfabrik Tomsk 7 Sewersk, RUS
7. April 1989 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-278 "Komsomolez" sank südwestlich der Bäreninsel
9. April 2007 (INES-1 Klass.?) Akw Dampierre, FRA
10. April 2003 (INES-3 NAMS 3,9) Akw Paks, HUN
10. April bis 15. Mai 1967 (Staubstürme) Atomfabrik Majak, UdSSR
10. April 1963 (Atom-U-Boot) U-Boot-Unglücke, SSN-593 "Thresher" sank vor Cape Cod, USA
11. April 1970 (Broken Arrow) U-Boot-Unglücke, K-8 sank im Golf von Biskaya
16. April 1957 ("Joe-35", H-Bombe RDS-37 mit 320 kT) Semipalatinsk, KAZ
19. April 2005 (INES-3) Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
21. April 1957 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR
25. April 1961 ("Gerboise verte", Frankreichs 4. Atombombentest) Reggane, DZA
25. April 1954 ("Castle Union", H-Bombe mit 6.9 MT, Atomtests USA) Bikini Atoll, MHL
26. April 1986 (INES-7 NAMS 8) Akw Tschernobyl, UdSSR
28. April 2011 (INES Klass.?) Akw Ascó, ESP
28. April 1958 ("Hardtack", Atomtests USA) Eniwetok und Bikini Atoll, MHL
Wir sind immer auf der Suche nach aktuellen Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an:
nukleare-welt@reaktorpleite.de
25. April
Iran-Krieg als neue Machtprobe zwischen Trump und Kongress
Nur 60 Tage lang darf ein US-Präsident einen Militäreinsatz ohne Zustimmung des Kongresses befehligen - diese Frist endet am 1. Mai. Es gibt mehrere Szenarien, wie Präsident Donald Trump trotzdem weitermachen könnte.
Donald Trump tritt gerne als starker Präsident auf, der seine qua Verfassung festgelegten Kompetenzen mindestens voll ausschöpft. So darf er als Oberbefehlshaber der Streitkräfte einen Militäreinsatz beginnen, muss dann jedoch den Kongress binnen 48 Stunden formell darüber informieren.
Im Iran-Krieg hat er das fristgerecht am 2. März getan. Doch nun rückt eine zweite Frist in Sichtweite: Ein solcher Einsatz darf ohne Zustimmung der Abgeordneten und Senatoren nur 60 Tage andauern. Diese Deadline läuft am 1. Mai aus.
Sofern bis dahin nicht doch noch eine Verhandlungslösung zwischen Washington und Teheran Gestalt annimmt, muss der Präsident neue Schritte unternehmen, um den Militäreinsatz gegen Iran weiter zu legitimieren. Trump, der in seiner zweiten Amtszeit regelmäßig per Dekret am Parlament vorbei regiert, bleiben mehrere Optionen.
Was ist die War Powers Resolution?
Wie die Kompetenzen im Kriegsfall zwischen Kongress und Präsident geregelt werden, steht in der sogenannten War Powers Resolution. Das Gesetz gefiel schon bei seiner Entstehung 1973 dem damaligen Präsidenten Richard Nixon nicht. Sei Veto wurde jedoch vom Kongress mit Zweidrittelmehrheit überstimmt, womit das Gesetz in Kraft trat.
Die Resolution gilt als eine Lehre aus dem Vietnamkrieg, den die USA seit den 1950er-Jahren mit angefeuert hatten und der erst 1964 erstmals vom Kongress autorisiert wurde.
Die Gründerväter der USA teilten vor fast 240 Jahren in der Verfassung das Thema Krieg auf: Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte, einen Krieg erklären darf aber nur der Kongress. Nun sind Kriegserklärungen außer Mode gekommen; die letzte formelle Kriegserklärung beschloss der Kongress am 4. Juni 1942 gegen Bulgarien, Ungarn und Rumänien, die während des Zweiten Weltkrieges mit Nazi-Deutschland verbündet waren.
Die War Powers Resolution sichert dem Kongress seine Mitsprache auch für moderne Konflikte ohne formelle Kriegserklärung, wobei der Handlungsspielraum des Präsidenten in heiklen Situationen gewahrt bleibt. Wie es nun weitergeht, hängt neben den Entscheidungen in Washington auch von der weiter ungewissen Lage im Nahen und Mittleren Osten ab.
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Trump im Irankrieg
In die Sackgasse gelogen
Sogar Trumps Anhänger begreifen nun, dass der US-Präsident alles andere als ein genialer Dealmaker ist. Das iranische Regime steht solide da.
Fast zwei Monate sind seit Beginn des Angriffs der USA und Israels auf Iran vergangen. Die Bilanz ist verheerend, für die Region, die globale Ökonomie – und die Vereinigten Staaten. Donald Trump hat die USA mit diesem Krieg in eine Sackgasse manövriert, aus der heraus kaum ein Weg erkennbar ist.
Es ist müßig, sich erneut über das erratische Verhalten des Präsidenten, seine wahnwitzigen Postings, seine mitunter stündlichen Wechsel politischer Positionen oder Kriegsziele aufzuregen. Auch seine vollkommen haltlosen Behauptungen etwa über den imaginierten Stand von Verhandlungen mit dem iranischen Regime sind inzwischen durchschaubar geworden. Nur die allerverblendetsten Trump-Jünger faseln noch davon, der Präsident spiele „fünfdimensionales Schach“, dessen Genialität eben ein normaler Mensch gar nicht begreifen könne.
Für die große Öffentlichkeit, einschließlich der republikanischen Wähler*innenschaft, haben die letzten acht Wochen die Offenbarung bedeutet: Trump ist nicht nur kein brillanter Dealmaker. Er ist im Gegenteil ein miserabler Stratege, der sich mit Speichelleckern und Jasagern umgibt und dessen Kurzsichtigkeit und Ignoranz gegenüber jeder fachlichen Expertise die USA in die jetzige Lage gebracht hat. Neu ist, dass nicht einmal Trump es noch vermag, sich aus dem offenkundigen Desaster herauszulügen.
Iranisches Regime steht vergleichsweise solide da
Das iranische Regime hingegen, personell durch die vielen Tötungen hoher Führungsfiguren kräftig durchgeschüttelt, steht vergleichsweise solide und kohärent da. Ein Machtsystem, dem das Wohl des eigenen Volks herzlich egal ist und das sich nicht dem Wählerwillen stellen muss, kann es sich leisten, dass durch die US-Blockade der iranischen Häfen die eigene Wirtschaft ins Taumeln gerät.
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Brexit
Großbritannien sollte wieder in die EU. Sagt der Mann, der für den Austritt zuständig war
Philip Rycroft leitete einst das britische Ministerium zum Austritt aus der Europäischen Union. Jetzt fordert er: Das Land sollte einen Wiedereintritt anstreben. Versprechungen seien nicht erfüllt worden.
Das Vereinigte Königreich sollte sich für Gespräche über einen Wiedereintritt in die Europäische Union einsetzen. Jedenfalls wenn es nach Philip Rycroft geht. Er leitete einige Jahre das für den Brexit zuständige Ministerium in London – und kennt sich demnach mit der Posse aus .
Rycroft sagte, dass eine »nüchterne Einschätzung dessen, was im besten Interesse des Landes liegt«, erforderlich sei, wie der »Guardian« berichtet. Und das sei eben mit einem Wiedereintritt in die EU zu beantworten. Dies könne aber, mahnt er, ein »langer und steiniger Weg« werden. Großbritannien war am 31. Januar 2020 ausgetreten.
Die Versprechen der Brexit-Kampagne zu Themen wie Wirtschaft und Einwanderung seien hinter den Erwartungen zurückgeblieben. »Das große Versprechen eines umfassenden Handelsabkommens mit den USA scheint nun ein unerreichbarer Traum zu sein«, fügte Rycroft hinzu.
[...] Was folgt, ist ein schon fast flammender Appell von Rycroft für Europa. »Die Nachkriegsgewissheiten, die unsere Sicherheit als Nation untermauerten, bröckeln sichtbar«, schrieb er. Angesichts des russischen Angriffskriegs und einer sich zunehmend zurückziehenden USA stehe es außer Frage, »dass wir auf die Solidarität mit unseren Freunden und Nachbarn in Europa setzen müssen, um unsere Verteidigung zu sichern.«
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Kommentar: Russland nutzt das nukleare Katastrophenpotenzial von Tschernobyl aus
Russlands Angriffe auf ukrainische Kernkraftwerke und die Besetzung des größten europäischen AKWs in Saporischschja erhöhen die nuklearen Risiken in Europa.
Das Risiko einer nuklearen Katastrophe ist zurück in Europa, absichtlich herbeigeführt durch einen totalitären russischen Aggressor. Die internationale Politik versagt.
Die Wiederkehr des totalitären Risikos
Die Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 war kein isolierter technischer Unfall, sondern ein systemisches Versagen der totalitären Einstellung der Sowjetmacht gegenüber Risiken. Im sowjetischen Nuklearkomplex hatte Ideologie Vorrang vor Physik, und Geheimhaltung wurde höher gewichtet als die öffentliche Sicherheit. Jahrzehntelang war die Sperrzone von Tschernobyl ein stilles Laboratorium der Erinnerung, eine Mahnung daran, was passiert, wenn ein Staat Kernenergie als Mittel zur Steigerung seines politischen Prestiges und nicht als gefährliche Verantwortung betrachtet.
Seit dem 24. Februar 2022 ist diese totalitäre Einstellung auf den europäischen Kontinent zurückgekehrt, allerdings in einer stärker militarisierten Form. Die Besetzung ukrainischer Nuklearstandorte durch die Russische Föderation ist ein direktes Erbe der sowjetischen Missachtung menschlichen Lebens. Im Gegensatz zu 1986 werden die aktuellen Risiken jedoch absichtlich herbeigeführt. Wir haben es nicht mehr mit einem System zu tun, das eine Katastrophe nicht bewältigen kann, sondern mit einem Regime, das das Katastrophenpotenzial als strategischen Vorteil nutzt.
[...] Das Versagen der internationalen Governance
Der Krieg in der Ukraine hat ein Vakuum im Völkerrecht offenbart. Die IAEO ist zwar für die Überwachung unerlässlich, hat jedoch kein Mandat zur Durchsetzung von entmilitarisierten Zonen.
Trotz der direkten Beteiligung an der Besetzung des Kernkraftwerks Saporischschja und der Nötigung seiner Mitarbeiter bleibt Rosatom aufgrund der ungarischen und slowakischen Abhängigkeiten von russischen Nuklearprodukten weitgehend von Sanktionen der EU verschont.
Wir müssen einen Rechtsrahmen schaffen, der die „vorsätzliche Zerstörung von Stromnetzen“ in der Nähe von Kernkraftwerken als Verbrechen gegen die Menschlichkeit behandelt.
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25. April 1961 ("Gerboise verte", Frankreichs 4. Atomtest) Reggane, DZA
Seit 1945 wurden weltweit über 2050 Atomwaffentests durchgeführt, was eine mögliche Erklärung für die stetig steigende Zahl von Krebserkrankungen sein könnte.
IPPNW Report - August 2023 - Atomwaffentests - (PDF-Datei)
... Oberirdische Tests wurden auf mehreren Atollen im Pazifik, in Semipalatinsk, Kasachstan, auf traditionellem Land der Westlichen Shoshone in Nevada, USA, auf dem Land der Aborigines im australischen Outback, auf dem Land der indigenen Nenetz in der russischen Arktis, auf dem Gebiet von Nomaden in der algerischen Sahara, in der Region der Uiguren in China und anderswo durchgeführt. Die Bewohner*innen wurden oft verspätet oder gar nicht evakuiert und nicht über die Auswirkungen der Tests informiert. Radioaktiver Niederschlag fiel als Staub und Regen herab und verseuchte das Trinkwasser und lokal erzeugte Lebensmittel ...
Atomwaffen A-Z
Reggane
Der erste französische Atomwaffentest mit einer Sprengkraft von 70 Kilotonnen TNT-Äquivalent wurde am 13. Februar 1960 unter dem Code „Gerboise Bleue” (Blaue Wüstenspringmaus) mitten in der Sahara durchgeführt, etwa 50 km südöstlich der Stadt Reggane. Drei weitere oberirdische Atomwaffentests („Gerboise Rouge”, „Gerboise Verte” und „Gerboise Blanche”) wurden in den folgenden Jahren auf dem Testareal von Reggane durchgeführt, bevor sich die französische Regierung aufgrund öffentlicher Proteste genötigt sah, ihre Atomwaffen zukünftig nur noch unterirdisch in den algerischen Bergen bei In Ekker zu testen ...
FAZ - Frankfurter Allgemeine Zeitung
Frankreich ließ Soldaten vorsätzlich verstrahlen
Die aufstrebende Atommacht Frankreich hat bei einer Atomtestserie Anfang der sechziger Jahre Soldaten in radioaktiv verseuchte Gebiete in Algerien entsendet und sich wenig um deren Gesundheit geschert. Das offenbaren Auszüge aus einem geheimen Bericht.
Etwa 50 km südwestlich von Reggane beziehungsweise 20 km südlich des Ortes Hamoudia befand sich bis 1965 ein französisches Kernwaffentestgelände (CSEM - Centre Saharien des Expérimentations Militaires). Dort führte Frankreich am 13. Februar 1960 seinen ersten Kernwaffentest mit einer 70-kT-Atombombe durch, die etwa 4-mal so stark wie die Hiroshima-Bombe war. Am 1. April 1960, 27. Dezember 1960 und 25. April 1961 erfolgten auf diesem Gelände drei weitere oberirdische Atombombentests mit jeweils weniger als 5 kT.
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25. April 1954 ("Operation Castle", Testreihe mit 6 H-Bomben) Bikini Atoll, MHL
Seit 1945 wurden weltweit über 2050 Atomwaffentests durchgeführt, was eine mögliche Erklärung für die stetig steigende Zahl von Krebserkrankungen sein könnte.
Die Nukleare Kette
Bikini & Eniwetok, Marshallinseln
Atomwaffentests
Atomwaffentests auf den Bikini- und Eniwetok-Atollen machten ganze Inselgruppen unbewohnbar. Tausende von Menschen wurden hohen Dosen von Radioaktivität ausgesetzt. Weltweit stieg die Belastung mit strahlenden Partikeln durch radioaktiven Niederschlag an.
Hintergrund
Die beiden Atolle Bikini (Pikinni) und Eniwetok (Āne-wātak) sind Teil der Marshallinseln. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg zunächst von den Japanern, später dann von den US-Streitkräften besetzt. Die US-Streitkräfte wählten das Bikini-Atoll für ihre ersten Atomexplosionen nach dem Abwurf der Bomben auf Hiroshima und Nagasaki aus. Nach der Evakuierung der Inselbewohner wurde am 1. Juli 1946 die Atombombe „Able“ über einer Flotte erbeuteter Schiffe gezündet, die mit Versuchstieren gefüllt waren. Fünf der 78 Schiffe sanken, 14 wurden zerstört. Ein Drittel der Tiere starb infolge der Druckwelle. Marinesoldaten mussten die Decks der verbleibenden Schiffe vom radioaktiven Niederschlag reinigen und waren so hohen Strahlenwerten ausgesetzt. Da sich die Dekontaminierung schließlich als unwirksam erwies, wurden viele der Schiffe im Pazifik versenkt. Insgesamt fanden zwischen 1946 und 1958 auf den Bikini und Eniwetok Atollen 67 Atombombenversuche mit einer Gesamtsprengkraft von etwa 214 Megatonnen statt. Der verheerendste Test war 1954 „Castle Bravo“. Mit 15 Megatonnen hatte diese Wasserstoffbombe die höchste Sprengkraft, die das US-Atomwaffenprogramm jemals erreichte; 1.000-mal stärker als die Hiroshimabombe. Der radioaktive Niederschlag ging um die halbe Welt – nach Australien, Europa und in die USA.
Mehr als 400 Atombombentests waren weltweit durchgeführt worden, bevor 1963 der „Vertrag über das Verbot von Kernwaffenversuchen in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser“ überirdische Atomtests untersagte. In den Zähnen von Kindern waren signifikante Mengen von radioaktivem Strontium gefunden worden – ein aussagekräftiges Indiz für den Umfang der Strahlenexposition, dem die gesamte Weltbevölkerung durch die Atombombentests ausgesetzt wurde.
24. April
Russischer Atomkonzern
Die Welt bleibt abhängig von Rosatom
Mit Rosatom kontrolliert Wladimir Putin den vielleicht wichtigsten Atomkonzern der Welt. Diese Macht weiß er auszunutzen.
Ein breites Lächeln, wie es ihm immer entfährt, wenn er sich überlegen fühlt, huschte Wladimir Putin im Juni 2025 in seiner Heimatstadt St. Petersburg über das Gesicht: „Rosatom ist der unbestrittene weltweite Marktführer in der Entwicklung der Kernenergie“, sagte der Kremlherrscher auf dem Wirtschaftsforum der Newa-Stadt. Der Konzern, den er aus den Überresten der sowjetischen Atomindustrie neu zusammengesetzt hatte, baue gerade 41 Atommeiler in elf Ländern.
Rosatom ist längst das neue Gazprom: Der Gasriese hatte einst fast halb Europa von seinen Erdgasexporten an sich gebunden. „Putin hat verstanden, dass man mit Atomenergie Staaten viel abhängiger machen kann als mit Öl und Gas“, sagt der in die Ukraine geflohene frühere Rosatom-Manager Konstantin Batozkij.
Und das geht viel länger: „Der Bau eines AKW dauert zehn Jahre, es ist 60 Jahre in Betrieb mit russischen Brennstoffen und der Rückbau dauert weitere bis zu 20 Jahre“, rechnet der Träger des Alternativen Nobelpreises Wladimir Sliwjak von der russischen Ökogruppe Ecodefense vor.
Rosatom, in dem auch die Nachfolgefirmen des sowjetischen Erbauers des AKW Tschernobyl Glawatomenergo inkorporiert wurden, kontrolliert derzeit den Löwenanteil der weltweiten Atommeiler-Neubauten. Zudem gebietet er über 13 Prozent der globalen Urangewinnung und 46 Prozent der Urananreicherung: Rosatom hat US-Mitbewerber bei einer kasachischen Uranmine ausgestochen und reichert nun das geförderte Uran des größten Uranproduzenten der Welt an.
Was Rosatom bietet
Der Weltmarktanteil bei Brennelementen beträgt 17 Prozent. Denn inzwischen werden nicht nur die Brennstäbe für russische WWER-Druckwasser-Reaktoren produziert, sondern auch für westliche Meiler.
Anfang April war eine Delegation der russischen Duma (Unterhaus) in Ägypten, um Baufortschritte am AKW Al-Dabaa zu inspizieren. Vier Reaktoren russischer Bauart mit jeweils 1200 Megawatt an der Mittelmeerküste bringen das arabische Land ins Atomzeitalter.
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"Geschwafel eines Superschurken"
KI, Militär, Macht: 22 Palantir-Thesen sorgen für Aufsehen
Palantir-Chef Alex Karp legt 22 Thesen vor – und rückt Tech, Militär und Macht enger zusammen. Kritiker warnen vor einer politischen Agenda.
Abermals sorgt Palantir-CEO Alex Karp für Aufsehen. Am 19. April veröffentlichte der offizielle X-Account des Datenanalyseunternehmens Palantir ein Manifest mit 22 Thesen.
Der Beitrag fasst zentrale Gedanken aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Buch "The Technological Republic" von Firmenchef Karp und Nicholas Zamiska, enger Vertrauter von Karp und im Unternehmen als Leiter für strategische Kommunikation und rechtliche Angelegenheiten zuständig, zusammen.
Palantir sendet damit erneut ein politisches Signal, das weit über Technologie hinausreicht und eher wie ein sicherheitspolitisches Manifest klingt als wie die Vision eines Unternehmens-CEOs.
Die 22 Palantir-Thesen zu Staat, Krieg, Kultur und Künstlicher Intelligenz
Die 22 Thesen zu Staat, Krieg, Kultur und Künstlicher Intelligenz lösen eine Debatte aus, die weit über Silicon Valley hinausreicht.
[...] Kern des umstrittenen Manifests ist die These, das Silicon Valley habe eine "moralische Schuld" gegenüber den Vereinigten Staaten. Ingenieure sollten sich an der Verteidigung des Landes beteiligen. Zugleich stellt Palantir die gängige Ausrichtung des Silicon Valley infrage: Apps, Konsumsoftware und Dienste wie kostenlose E-Mails seien angesichts der technologischen und geopolitischen Herausforderungen der Gegenwart Ausdruck zu geringer Ambition.
Besonders brisant sind die Aussagen zu KI und Militär. Karp und Zamiska schreiben: "Die Frage ist nicht, ob KI-Waffen gebaut werden; es geht darum, wer sie baut und zu welchem Zweck." Das Atomzeitalter ende, ein neues Zeitalter der Abschreckung auf Basis von KI beginne. Damit rückt der Konzern Software ausdrücklich ins Zentrum künftiger Militärmacht.
Kritiker sehen Ideologie hinter Palantir-Geschäft: "Geschwafel eines Superschurken"
Genau hier setzt die Kritik an. Beobachter sehen den X-Beitrag als politisches Manifest eines Unternehmens, das an der Schnittstelle von Technologie und Sicherheitspolitik agiert. Der Populismusforscher Cas Mudde sagte der "Deutschen Welle" das sei "Technofaschismus pur".
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Bundestag beschließt Tankrabatt ab Mai:
So geht es weiter mit den Spritpreisen
Der Tankrabatt ist beschlossen. Ab 1. Mai gilt er zwei Monate für Benzin und Diesel. Doch: Am Freitag gehen die Preise erstmal hoch.
Der Tankrabatt kommt - trotz aller Kritik. Ab dem 1. Mai geht die Energiesteuer damit um 17 Cent runter, entsprechend soll dann auch der Preis an den Tankstellen fallen.
[...] Nach Abstimmung: Spritpreise steigen
2022 gab es ebenfalls einen Tankrabatt aufgrund der hohen Preise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Damals stiegen im Vorfeld die Benzinpreise deutlich, sagt ADAC-Kraftstoffmarkt-Experte Christian Laberer der dpa. Das führte zu dem Verdacht, "dass die Preise vor dem Start des Tankrabatts erhöht wurden, um ein Polster zu schaffen, von dem aus die Preise gesenkt wurden."
Heute passierte auf jeden Fall ähnliches: Nach zwei Wochen mit sinkenden Spritpreisen, ging es um 12 Uhr so stark nach oben wie noch nie seit dem Start der 12-Uhr-Regel. Der ADAC ermittelte bei Superbenzin der Sorte E10 ein Plus von 14,1 Cent, bei Diesel von 16,3 Cent.
Wer mehr verbraucht, spart mehr
Aber selbst wenn die Steuererleichterung bei den Kunden ankommt, profitieren nicht alle gleichermaßen. Die RWTH-Aachen hat zuletzt berechnet, das vor allem besserverdienende Haushalte profitieren, weil die meist auch mehr Sprit verbrauchen.
Die einkommensschwächsten zehn Prozent sparen dagegen nur 6,48 Euro in zwei Monaten - der Tankrabatt gilt für Mai und Juni. Zudem mache der Tankrabatt den Anreiz kaputt, den Verbrauch möglichst zu reduzieren, so der RWTH-Ökonom Aaron Praktiknjo. Dabei sei genau das angesichts der aktuellen Knappheit wichtig.
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Gefährliche Abhängigkeiten
Das Risiko der Atomkraft-Finanzierung
Kostenexplosionen, Sicherheitsrisiken - auch durch den Klimawandel – und geopolitische Abhängigkeiten machen Atomkraft zu einer schlechten Wahl. Experten fordern stattdessen den konsequenten Ausbau Erneuerbarer Energiesysteme.
24.04.2026 – Die zivile Nutzung von Atomkraft erfährt derzeit von verschiedenen Seiten wieder Aufwind. Bereits auf der COP28 hatten sich über 20 Staaten unter Federführung der USA selbst verpflichtet, die nukleare Kapazität bis 2050 zu verdreifachen. Auf Druck der USA hob Weltbank-Präsident Ajay Banga dann im Juni 2025 das langjährige inoffizielle Finanzierungsverbot für Atomkraftprojekte auf. Dieser Kurswechsel der Weltbank hat Signalwirkung für andere multilaterale Entwicklungsbanken. Nach der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) wird erwartet, dass weitere öffentliche Institute diesem Beispiel folgen werden.
Investitionen in Kernenergie – einschließlich kleiner modularer Reaktoren (SMRs) – führen zu Verschuldung und politisch riskanten Abhängigkeiten, zeigt der Report Debt, Delays, Dependencies – Why Public Banks Should Not Support Nuclear Power von Urgewald und Ecodefense. In dem Bericht wird eindringlich vor den Folgen der Weltbank-Entscheidung und einer Renaissance der Atomkraft gewarnt.
“Atomkraft ist weder eine Lösung für die Klimakrise noch eine tragfähige Strategie für eine nachhaltige Entwicklung. Die Zukunft der Energieversorgung liegt in sauberen, erneuerbaren, bezahlbaren und demokratischen Systemen – und die öffentliche Finanzierung muss sich entsprechend ausrichten“, kommentiert Claudia Kemfert, Professorin für Wirtschaftswissenschaften den Bericht.
Unwirtschaftlichkeit und explodierende Kosten
Neue Atomanlagen übersteigen die geplanten Budgets regelmäßig um ein Vielfaches. In Europa und Nordamerika liegen die realen Kosten im Schnitt um das 2,7-Fache über den ursprünglichen Schätzungen, wie verschiedene wissenschaftliche Studien belegen. Diese finanziellen Risiken trägt meist die Allgemeinheit, also die Steuerzahler und die Verbraucher, da private Investoren die unkalkulierbaren Kosten meiden. Anfang 2025 hatte sogar der französische Rechnungshof die fehlende Wirtschaftlichkeit der EDF-Kernkraftprojekte kritisiert. Auch deshalb verliert Atomenergie im Vergleich zu Erneuerbaren global an Bedeutung.
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Europa entkoppelt sich von Fossilpreisschocks: Strom durch Wind und Sonne ein Viertel günstiger
Die Daten zeigen auch: Je mehr erneuerbare Energien ans Netz gehen, desto stärker drücken sie die Preise auf dem Strommarkt.
Europa steckt in einer Energiekrise. Die Preise für fossile Energieträger schwanken stark. Investitionen in erneuerbare Energien erweisen sich deshalb als entscheidend, um Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen vor den schlimmsten Preissprüngen zu schützen.
Seit 2019 hat Spanien seine Wind- und Solarkapazität verdoppelt und mehr als 40 Gigawatt zugebaut. Das ist mehr als in jedem anderen EU-Land außer Deutschland, dessen Strommarkt doppelt so groß ist wie der spanische.
Deshalb reagiert der spanische Strompreis deutlich weniger auf die schwankenden Gaskosten. Der Gaspreis sprang am Tag nach Beginn des Iran-Kriegs um 55 Prozent nach oben und pendelt seitdem stark.
In Großbritannien hat die Windkraft einen neuen Rekord aufgestellt. Am 26. März erreichte die britische Windstromproduktion einen Höchstwert von 23.880 Megawatt. Das reicht, um rund 23 Millionen Haushalte zu versorgen.
Eine Auswertung von SolarPower Europe zeigt, dass Solarenergie Europa seit dem 1. März täglich mehr als 100 Millionen Euro an fossilen Energieimporten erspart hat. Insgesamt summieren sich die Einsparungen bereits auf über 3 Milliarden Euro.
Bleiben die Gaspreise hoch, könnten die Einsparungen im Jahr 2026 nach Einschätzung von Fachleuten bis zu 67,5 Milliarden Euro erreichen.
Ein neuer Bericht kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass Strom in einigen europäischen Ländern zwischen 2023 und 2025 im Durchschnitt fast 25 Prozent günstiger war – dank erneuerbarer Energien.
23. April
Stellenabbau bei Facebooks Mutterkonzern
Meta will etwa jeden zehnten Job kappen
Während das Unternehmen von Mark Zuckerberg mehr als 100 Milliarden Dollar in künstliche Intelligenz investiert, soll beim Personal gespart werden. Ein internes Schreiben kündigt bei Meta den Abbau von rund 8000 Stellen an.
Der Facebook-Konzern Meta plant einen weitreichenden Stellenabbau. In etwa vier Wochen, am 20. Mai, sollen rund zehn Prozent der Belegschaft entlassen werden, teilte der Konzern den Mitarbeitenden in einer internen E-Mail mit. Außerdem sollen etwa 6000 derzeit freie Stellen nicht besetzt werden.
Meta hatte zum Jahreswechsel knapp 79.000 Beschäftigte. Damit dürften die Entlassungen nahezu 8000 Menschen treffen. In der unter anderem vom Finanzdienst Bloomberg veröffentlichten E-Mail räumte Personalchefin Janelle Gale ein, dass den Mitarbeitern damit vier Wochen Ungewissheit bevorstünden. Allerdings habe man sich nach Leaks entschieden, die noch unfertigen Pläne schon jetzt in Grundzügen bekanntzugeben.
Gale begründete den Stellenabbau mit dem Ziel, »das Unternehmen effizienter zu führen und Investitionen auszugleichen«. Meta investiert derzeit massiv in künstliche Intelligenz. Allein für dieses Jahr wurden Investitionen zwischen 115 Milliarden und 135 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt .
Kurz zuvor wurde bekannt, dass Meta auf den Computern seiner Mitarbeiter in den USA eine neue Tracking-Software installiert. Die so gewonnenen Daten sollen verwendet werden, um eine künstliche Intelligenz zu trainieren.
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Deutsche Atomanlage als Einfallstor für Russland: Warum die Politik Rosatoms Pläne in Lingen unterbinden muss
Im niedersächsischen Lingen sollen künftig gemeinsam mit dem russischen Staatskonzern Rosatom Brennelemente für AKWs russischer Bauart produzieren. Das würde neue Abhängigkeit schaffen und Russland Zugriff auf kritische Infrastruktur ermöglichen, warnt unser Gastautor.
2026 ist das Jahr des Gedenkens an die zwei größten Atomkatastrophen der Menschheit: zum fünfzehnten Mal jährt sich die Katastrophe von Fukushima. Am kommenden Sonntag, dem 26. April, ist der 40. Jahrestag des Super-GAUs von Tschernobyl. Beide Ereignisse führten der Welt vor Augen, wie schnell atomare Gefahren auch über Landesgrenzen hinweg Umwelt und Gesellschaften gefährden. Umso fataler war der Auftritt von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Mitte März bei einem Kernenergie-Gipfel in Paris, auf dem sie sich für eine nukleare Renaissance in Europa aussprach.
Auffällig war, dass ein Wort in ihrer Rede fehlte: Russland. Allein im Jahr 2024 importierten die EU-Atomkraftwerksbetreiber 15 Prozent ihres Urans aus Russland. Vergangenes Jahr führte allein Frankreich 39 Prozent seines angereicherten Urans aus Russland ein. Vor dem Hintergrund dieser strukturellen Abhängigkeit von Russland ist der Wunsch nach einer „Renaissance“ ein schwerwiegender strategischer Fehler.
Um dies zu erkennen, reicht der Blick ins niedersächsische Lingen. Das französische Atomunternehmen Framatome plant, seine dortige Brennelementefertigung (ANF Brennelemente Fabrik Lingen) zu erweitern, um Brennstäbe für russische VVER-Reaktoren in ganz Osteuropa zu produzieren. Dazu möchte es mit TVEL kooperieren, eine Tochtergesellschaft des staatlich-russischen Atomkonzerns Rosatom. Die Entscheidung über die Genehmigung liegt formal beim Umweltministerium in Niedersachsen, aber faktisch hat auch die Bundesregierung großen Einfluss, weil die Länder die Atomaufsicht in ihrem Auftrag wahrnehmen und sie gegebenenfalls Weisungen erteilen kann.
Die Genehmigung dieses Projekts würde Rosatom in die westliche Atom-Infrastruktur einbinden – und zwar genau in dem Moment in dem Europa sich bemüht, seine jahrzehntelange Abhängigkeit von russischen Energieimporten zu verringern.
[...] Es gibt eine Frage, die viel zu selten gestellt wird: Warum sollte Rosatom einem solchen Geschäft wie in Lingen überhaupt zustimmen? Die Brennstabherstellung ist eine lukrative Technologie, die Russland Einfluss auf alle europäischen Länder verschafft, welche VVER-Reaktoren betreiben. Diese Technologie mit einem westlichen Konkurrenten zu teilen, macht wirtschaftlich keinen Sinn. Es sei denn, es geht gar nicht nur um wirtschaftliche Interessen, sondern um den Zugang an sich. Wenn russische Staatsakteure ein Angebot machen, das solche Folgekosten in Kauf nimmt, sollte man daher hellhörig werden.
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Klimawandel: Was ein schwedischer Forscher vor 130 Jahren herausfand, leugnen manche bis heute
Der schwedische Forscher Svante Arrhenius beschrieb die CO₂-Wirkung erstmals 1896. Doch manche leugnen den Klimawandel bis heute.
Aller Evidenz zum Trotz gibt es immer noch Menschen, die den menschengemachten Klimawandel leugnen – und manche von ihnen sind in außerordentlich mächtigen Positionen. Dabei gibt es nicht nur sehr ausführliche und immer wachsende wissenschaftliche Nachweise für das Phänomen, sondern diese liegen auch schon sehr lange vor – inzwischen 130 Jahre.
Denn genau so lange ist es her, dass der schwedische Forscher Svante Arrhenius in der April-Ausgabe der wissenschaftlichen Publikation „Philosophical Magazine and Journal of Science“ aus dem Jahr 1896 einen Aufsatz veröffentlichte, der als der erste gilt, in dem die Wirkung des Treibhausgases CO₂ auf die globale Temperatur beschrieben wurde. Ironischerweise beginnt Arrhenius’ Aufsatz mit der Bemerkung: „Es wurde schon eine ganze Menge über den Einfluss der Absorption der Atmosphäre auf das Klima geschrieben.“ Insbesondere die Frage, „ob die durchschnittliche Bodentemperatur in irgendeiner Weise von Hitze-absorbierenden Gasen in der Atmosphäre beeinflusst wird“, habe Physiker schon lange beschäftigt.
Und auch die Treibhaus-Metapher erwähnt Arrhenius schon als Teil der bestehenden Literatur und schreibt sie einer Veröffentlichung des französischen Forschers Joseph Fourier aus dem Jahr 1827 zu. Neu in Arrhenius’ Aufsatz zu dem Thema, das er und andere Forschende der Zeit „kosmische Physik“ nannten, war jedoch, dass darin zum ersten Mal der Beitrag, den CO₂ zu diesem Treibhaus-Effekt und zu einer (damals noch nicht realisierten) Erderwärmung leisten kann, thematisiert wurde. Außerdem stellt der Forscher, der auch auf medizinisch-chemischem Gebiet bedeutende Entdeckungen machte, Überlegungen dazu an, wie langfristige Veränderungen des Erdklimas mit der Konzentration des Gases in der Atmosphäre zusammenhängen können.
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Folgen der Atomkraftnutzung
Der Traum von Atommüll ohne Schrecken
Die sogenannte Transmutation soll hochradioaktive Abfälle unschädlich oder sogar energetisch nutzbar machen. Ist das realistisch?
Theoretisch kann man radioaktiven Müll atomphysikalisch „verbrennen“: Man wandelt langlebige radioaktive Substanzen in kurzlebige um. Oder in stabile, die gar nicht mehr strahlen. Was nach Zauberei klingt, ist angewandte Kernphysik – Transmutation heißt das Prinzip. Aber ist es eine praktikable Lösung zur Beseitigung des vorhandenen Atommülls?
Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (Base) zeigt sich skeptisch gegenüber dieser Technik und stützt sich dabei auf ein neues Papier der International Nuclear Risk Assessment Group (INRAG) in Wien, die eng mit dem Öko-Institut in Darmstadt verbunden ist.
Konkret geht es immer um zwei Aspekte – Partitionierung und Transmutation (P&T). Bei der Partitionierung werden die verschiedenen radioaktiven Substanzen getrennt, ehe sie transmutiert, also umgewandelt werden. Die heiklen Stoffe sind die transuranen Stoffe, von denen Plutonium der bekannteste ist.
„Je nach Szenario würden für die Transmutation des gesamten deutschen Inventars von rund 148 Tonnen transuraner Elemente etwa 15 bis 25 Reaktoranlagen benötigt“, so das Base. Die Anlagen bräuchten dafür „selbst unter optimistischen Annahmen“ 150 bis 500 Jahre. Gleichwohl blieben immer langlebige radioaktive Abfälle übrig, die eine Endlagerung erforderlich machten.
Alter Hut?
Grundsätzlich neu ist Transmutation nicht. Im Deutschland des späten 20. Jahrhunderts war bereits eine Atomwirtschaft im Aufbau, die technologisch eine Art von P&T war: Die Partitionierung sollte in der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf erfolgen, die Transmutation im Schnellen Brüter in Kalkar. Die eine Anlage wurde jedoch nie fertiggestellt, die andere ging wegen Sicherheitsbedenken nie in Betrieb.
Auch heute noch halten manche Atomphysiker bei der Nutzung von Transmutation im Grundsatz am alten Konzept von Wackersdorf und Kalkar fest und wollen Energie gewinnen. Andere beschränken sich auf die Behandlung des Atommülls.
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Klimakrise wird zur Gesundheitskrise: Neuer Bericht schlägt Alarm für Europa
Lancet Countdown Europe Bericht warnt eindringlich vor Folgen der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen
Heidelberg - Die Klimakrise ist längst mehr als ein Umweltproblem – sie entwickelt sich zunehmend zu einer der größten Gesundheitsbedrohungen Europas. Das zeigt der aktuelle Lancet Countdown Europe Bericht, der eindringlich vor den Folgen der anhaltenden Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen warnt.
Vorgestellt wurde die Analyse von den Co-Direktoren Joacim Rocklöv (Universität Heidelberg) und Cathryn Tonne (Barcelona Institute for Global Health) im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung an der Universität Heidelberg. Der Bericht macht deutlich: Luftverschmutzung, extreme Hitze und die Ausbreitung von Infektionskrankheiten nehmen spürbar zu – mit direkten Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Fossile Energien als Gesundheitsrisiko
Europa steht laut Bericht gleich doppelt unter Druck: wirtschaftlich und politisch - durch die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern – und gesundheitlich durch deren Folgen. Schadstoffe in der Luft belasten die Atemwege, Hitzewellen führen zu steigenden Sterblichkeitsraten, und veränderte klimatische Bedingungen begünstigen die Ausbreitung von Krankheiten.
„Der durch fossile Brennstoffe angetriebene Klimawandel ist eine wachsende Bedrohung für die Gesundheit“, betont Rocklöv. Besonders besorgniserregend sei, dass immer mehr Menschen in Europa davon betroffen sind.
[...] Infektionskrankheiten auf dem Vormarsch
Ein besonders alarmierender Befund: Klimabedingte Infektionskrankheiten breiten sich zunehmend aus. Steigende Temperaturen und veränderte Ökosysteme schaffen neue Lebensräume für Krankheitsüberträger wie Mücken oder Zecken. Institutionen wie das Robert Koch-Institut u.a. beobachten bereits eine deutliche Zunahme entsprechender Fälle.
Hoffnung durch konkrete Maßnahmen
Trotz der alarmierenden Zahlen zeigt der Bericht auch positive Entwicklungen. In vielen Ländern werden bereits Maßnahmen umgesetzt, um sowohl den Klimawandel zu bremsen als auch die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.
Beispiele reichen von lokalen Hitzeaktionsplänen über bessere Luftreinhaltepolitik bis hin zu neuen Strategien im Gesundheitswesen.
22. April
Rechtsextremismus in Brandenburg
Initiative beklagt Woche der rechten Gewalt in Cottbus
Nach den Neonazi-Drohungen gegen einen Pfarrer in Cottbus gab es mindestens sieben weitere rechte Vorfälle in der Stadt. Auch eine Uni-Party war betroffen.
Die mutmaßlichen Neonazi-Angriffe auf die Privatwohnung eines Pfarrers und eine Sprecher*in der Linksjugend Lausitz am Donnerstag haben bundesweit Bestürzung und Solidaritätsbekundungen ausgelöst. Gleichzeitig werden immer mehr rechte Vorfälle bekannt, die sich in den vergangenen Tagen in der Stadt ereignet haben sollen. Die Initiative Sichere Orte Südbrandenburg sprach am Dienstag von mindestens sieben weiteren extrem rechten Übergriffen und Provokationen.
[...] Nach Bekanntwerden der Angriffe auf die Linksjugend-Sprecher*in und den Pfarrer, der sich auch bei der Initiative Sichere Orte engagiert, gab es viel verbale Unterstützung. Etwa schrieb Anna-Nicole Heinrich, Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf Instagram: „Wer Menschen einschüchtert, die sich für Demokratie und ein gesellschaftliches Miteinander einsetzen, greift uns alle an.“
Wer sich gegen rechte Gewalt stellt, braucht wirksames politisches und polizeiliches Handeln
Ricarda Budke, Initiative Sichere Orte Südbrandenburg
Ebenfalls auf Instagram äußerte sich Brandenburgs Bildungsministerin Manja Schüle (SPD): „In Cottbus wurden nicht nur Türen eingetreten – hier wird versucht, zivilgesellschaftliches Engagement mundtot zu machen.“ Und der CDU-Fraktionsvorsitzende Steeven Bretz erklärte: „Wer Menschen bedroht, die sich für Zusammenhalt, Demokratie und Mitmenschlichkeit einsetzen, greift unsere Grundwerte an.“
Ricarda Budke nahm die Landespolitik jetzt in die Pflicht: „Die Landesregierung muss jetzt die Förderung von Demokratieprojekten, Kultur und sozialen Einrichtungen massiv ausweiten und nicht kürzen“, betonte sie Dienstag.
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Schwarzfahren kostet Freiheit – Steuerbetrug nur Milliarden
Zwei Vergehen, zwei Welten: Was die Union bei Schwarzfahrern fordert, gilt für Milliarden-Betrüger offenbar nicht.
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig will Schwarzfahren entkriminalisieren und vom Straftatbestand zur Ordnungswidrigkeit zurückstufen. Die Union lehnt das vehement ab – ist aber in anderen Fällen bei Gesetzesverstößen Tätern sehr nachlässig gegenüber.
Wer derzeit wegen Schwarzfahrens zu einer Geldstrafe verurteilt wird, diese aber nicht zahlen will oder kann, riskiert eine Ersatzfreiheitsstrafe. Bei fehlender Zahlung muss der Betroffene ins Gefängnis. Dabei entsprechen zwei Tagessätze einem Tag Haft.
Die Bundesjustizministerin will dies ändern: Der Tatbestand des "Erschleichens von Leistungen" soll neu bewertet werden:
"Aus meiner Sicht sprechen gute Gründe für eine Entkriminalisierung. Die Verfahren binden viele Ressourcen in der Justiz, die an anderer Stelle sinnvoller eingesetzt werden könnten."
Stefanie Hubig
Ähnlich schätzt dies auch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KfN) ein. Eine echte Entkriminalisierung könnte zu einer erheblichen Entlastung von Polizei und Justiz führen.
[...] Beim Schwarzfahren handele es sich keineswegs um eine Lappalie, betont dagegen die rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Susanne Hierl. "Vor diesem Hintergrund lehnen wir eine Abschaffung des § 265a StGB entschieden ab. Stattdessen gilt es, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr konsequent zu schützen", sagt Hierl gegenüber Legal Tribune Online. Wer wiederholt ohne gültigen Fahrschein unterwegs ist, so die CSU-Politikerin, schade damit nicht nur den Verkehrsbetrieben:
"Solches Verhalten untergräbt die Solidargemeinschaft, die den öffentlichen Verkehr trägt, und verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden."
Milde bei Milliardenbetrug – Härte bei Bagatellen
Diese Härte gegen Gesetzesverstösse ist bei anderen Themen nicht erkennbar, etwa bei Straftaten durch Cum-Ex-Steuerverschiebereien. Jährlich entgehen dem Staat durch Steuerhinterziehung Milliarden. Kanzleien Vermögender erarbeiten Konzepte für diese Betrugsmaschen.
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Zweiter Castor-Behälter im Zwischenlager Ahaus eingetroffen
Münster/Jülich/Ahaus · Erneut ist mit großem Polizeiaufgebot hochradioaktiver Atommüll durch Nordrhein-Westfalen gefahren worden. Begleitet wurde der Transport auch von Protesten und Mahnwachen.
Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen ist in der Nacht zum Mittwoch in Nordrhein-Westfalen ein zweiter Atommüll-Behälter von Jülich nach Ahaus gebracht worden. Am frühen Morgen traf der Castor im Brennelemente-Zwischenlager Ahaus ein, wie ein Polizeisprecher berichtete. Der Transport sei ohne besondere Vorkommnisse erfolgt.
Der Speziallaster mit dem Behälter war am Abend rund eine Stunde später als geplant in Jülich losgefahren. „Aufgrund von Verzögerungen in den Betriebsabläufen zur Vorbereitung des Transports kam es zu einem späteren Start als vorgesehen“, erklärte die Polizei Münster. Zu keinem Zeitpunkt sei dadurch aber eine Gefahrenlage entstanden, betonte die Behörde. Nähere Einzelheiten nannte die Polizei nicht.
Mahnwachen gegen die Transporte in Jülich, Bottrop und Ahaus
Wie schon beim ersten Castor-Transport vor vier Wochen demonstrierten Atomkraftgegner gegen die Transporte. Sie hatten sich am Abend zu Mahnwachen in Jülich, Ahaus und an der Transportstrecke in Bottrop versammelt. Ein Plakat in Jülich nannte die Transporte „konzeptlos, überflüssig und gefährlich“.
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Das iranische Atomkraftwerk Buschehr & die iranischen Atomwaffen / Made in Germany?
Vorwort: „Ohne zivile Atomenergie gibt es keine militärische Nutzung der Technologie – und ohne militärische Nutzung gibt es auch keine Atomenergie“. |
Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima zeigen die Gefahren der Atomkraft. Eine noch größere Gefahr und Katastrophe für die Menschheit ist jedes Land, das mithilfe der "friedlichen" Atomkraft in den Besitz von Atomwaffen gelangt.
Politik und Medien beklagen, dass der Iran über die Nutzung der Atomkraft an Atomwaffen kommen könnte. Häufig „vergessen“ wird in der Berichterstattung der Baubeginn des ersten iranischen AKW durch die deutsche Kraftwerksunion, durch Siemens und AEG. Auch der Zusammenhang zwischen dem Irankrieg, der Idee weltweit viele kleine AKW zu bauen und der Gefahr von Proliferation wird gerne übersehen.
Das erste iranische Kernkraftwerk wurde bereits in den 1970er Jahren geplant und sollte von der Kraftwerk-Union (KWU), einem Joint Venture von Siemens AG und AEG, errichtet werden. Damals wurde der Iran noch von einer (aus deutscher Sicht) "guten Diktatur", von Schah Mohammad Reza Pahlavi, regiert. Er war durch einen CIA-Putsch installiert worden. Der Bau des AKW begann am 1. Mai 1975, wobei ursprünglich zwei Druckwasserreaktoren vorgesehen waren, wie sie im Kernkraftwerk Biblis verwendet wurden. Die Fertigstellung war für 1982 geplant, wobei der Bau der Sicherheitshülle in die Zuständigkeit der Fried. Krupp AG fallen sollte.
Nachdem im Jahre 1979 jedoch das Schah-Regime im Verlauf der islamischen Revolution gestürzt und durch die Mullah-Autokratie ersetzt wurde, kam der Bau zum Erliegen – Block 1 war zu diesem Zeitpunkt zu 85 % fertiggestellt, Block 2 zu 50 %. Siemens zog sich aus dem Projekt zurück, das später von der Sowjetunion fertiggestellt wurde.
Warum haben Länder wie Pakistan, Indien, Nordkorea, Israel und zukünftig evtl. auch der Iran Atomwaffen?
Weil sie mithilfe der sogenannten „friedlichen Nutzung der Kernenergie“ Mittel und Wege gefunden haben, Atomkraftwaffen zu bauen. Am Anfang der Bombe stehen Atomkraftwerke mit deren Hilfe sich zumindest "schmutzige Atomwaffen" bauen lassen. Eine schmutzige Bombe ist eine Waffe, die konventionellen Sprengstoff mit radioaktivem Material kombiniert, um dieses bei einer Explosion in der Umgebung zu verteilen. Selbst der Abschuss einer mit radioaktivem Material gefüllten Rakete führt zu einer massiven Verseuchung.
Der nächste wichtige Schritt zu realen Atomwaffen sind Uran-Anreicherungsanlagen, Plutoniumproduktion und Wiederaufarbeitung. Und jedes alte und neue AKW vergrößert die Gefahr für den Weltfrieden, denn es besteht stets ein reales Proliferationsrisiko (Dual-Use).
21. April
Castor-Transport – Countdown: 151
Proteste am Dienstag in Jülich, Bottrop, Ahaus – Macht mit!
Wir gehen von einem zweiten Castor-Transport am Dienstag, 21. April aus. Es soll wieder nur ein Castor-Behälter transportiert werden. Wir fordern weiterhin eine langfristig sinnvolle und sicherheitsorientierte Atommüllpolitik! Wenn das Tempo so weitergeht, dauert die von der NRW-Atomaufsicht angeordnete „unverzügliche Räumung“ des genehmigungslosen Zwischenlagers Jülich bereits 12 Jahre Vorbereitungszeit + mehrere Jahre Transport-Zeit – aktuell sind wir bei einem Castor pro Monat! Das ist kein Konzept, sondern Irrsinn, der lediglich den Wünschen der Atommüllverursachern entspricht, deren Verantwortung abzuschieben und zu verschleiern!
Kommt zu den Protesten am Dienstag:
- 18 Uhr Mahnwache am Forschungszentrums Jülich (Stetternicher Staatsforststraße ca. 20m vor der Kreuzung Wilhelm-Johnen-Str.)
- 18 Uhr Auftakt Ahaus Rathaus, danach Demo zur Transport-Route Schorlemer Straße/ Schöppinger Straße bei Teppich Janning, dort ca. 19:00 Uhr symbolische Blockade in Form eines X, danach Demo-Zug über die Transport-Route Schöppinger Straße zur Dauer-Mahnwache ab ca. 20:15 Uhr am ZZL - Ahaus - Zentrales Zwischenlager
- 20:30 Uhr Mahnwache in Bottrop an der Kreuzung Fernewaldstraße/ Oberhausener Straße nahe den Autobahnbrücken, wo wir im Januar erfolgreich demonstriert haben, es soll in Castor-Sichtweite demonstriert werden
- –> alle oben genannten Proteste sind angemeldet und fallen unter das Versammlungsrecht, die Polizei muss euch also Zugang gewähren! Bei Stress mit der Polizei ruft den Ermittlungs-Ausschuss an, egal ob Platzverweise, Identitätskontrollen oder Festnahmen. Erreichbar ab Dienstag, ca 15 Uhr unter 0151-51402319
- organisiert weitere eigene Proteste, ggf. als Spontanversammlung, die Risiko-Str. ist 170km lang, ladet über den Ticker Menschen zum Mitmachen ein
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Wohin mit dem Atommüll?
Endlager dringend gebraucht
In Deutschland wird sich die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle noch Jahrzehnte hinziehen. Auch andere Länder suchen.
Immerhin diese Zahlen gelten als valide: Durch den Betrieb der Atomkraftwerke sind in Deutschland rund 28.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll angefallen. Das entspricht 10.500 Tonnen Schwermetall, die in etwa 1.900 Castorbehältern verpackt wurden oder noch werden. Der hochaktive Müll besteht aus den ausgedienten Brennelementen aus den Kraftwerken sowie aus in Glas eingeschmolzenen Rückständen der Wiederaufarbeitung. Obwohl die hochradioaktiven Teile nur etwa 5 bis 10 Prozent des gesamten Volumens aller radioaktiven Abfälle in der Bundesrepublik ausmachen, enthalten sie mehr als 99 Prozent der Radioaktivität.
Derzeit wird dieser Atommüll in 16 Zwischenlagern gebunkert. 13 dieser Lager befinden sich an den Standorten stillgelegter Atomkraftwerke. Die drei übrigen – Gorleben in Niedersachsen, Ahaus in Nordrhein-Westfalen und Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern – sind sogenannte zentrale Zwischenlager. Sie nehmen die strahlenden Abfälle aus verschiedenen Kraftwerken auf. Wo und wann der hochradioaktive Atommüll dauerhaft gelagert wird, ist völlig unklar.
[...] Mit seinen ungelösten Atommüllproblemen steht Deutschland nicht alleine da. Aktuell gibt es weltweit kein in Betrieb befindliches Endlager für „zivilen“ hochradioaktiven Atommüll. Das einzige betriebene Endlager für hochradioaktive Abfälle ist die unterirdische Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) im US-Bundesstaat New Mexico, die jedoch ausschließlich für militärische Abfälle genutzt wird. Allerdings befinden sich mehrere Endlager für den Atommüll aus der „zivilen“ Atomkraftnutzung in Bau- oder Planungsstadien.
Wie sieht es woanders aus?
Am weitesten fortgeschritten ist das Endlager im finnischen Onkalo. In der Lagerstätte in knapp 500 Tiefe im Granitgestein läuft bereits seit 2024 der Testbetrieb. Die Einlagerung der ersten abgebrannten Brennstäbe soll voraussichtlich noch in diesem Jahr anlaufen. Das Endlager soll bis in die 2120er Jahre genutzt und dann dauerhaft verschlossen werden.
Zheleznogorsk in Sibirien galt lange Zeit als sogenannte „verbotene Stadt“, weil dort mit hoch angereichertem Uran und waffenfähigem Plutonium hantiert worden sein soll. Im Bau ist ein Untergrundlabor, das die Tauglichkeit des umgebenden Gneis-Gesteins für eine spätere Endlagerung von hochradioaktiven Abfällen nachweisen soll.
Noch nicht so weit ist man in Frankreich und der Schweiz. In Frankreich soll das Endlager für hoch- und mittelradioaktive Abfälle bei Bure in der Region Grand Est entstehen. Der Atommüll wird den Plänen zufolge in einer rund 160 Millionen Jahre alten Tonschicht in etwa 500 Metern Tiefe eingelagert werden. Der Baubeginn ist für 2027 oder 2028 geplant.
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Bangkok richtet Kühlzentren ein
Gefühlt bis zu 50 Grad – Thailand leidet unter Extremtemperaturen
Hitzewellen sind in Südostasien im Zuge des Klimawandels längst keine Seltenheit mehr. Nun kämpfen die Menschen in Thailand gegen extreme Temperaturen. Die Behörden sprechen dringende Warnungen aus.
Seit fast drei Wochen ächzen weite Teile Thailands unter extremer Hitze mit gefährlichen gefühlten Temperaturen von teilweise mehr als 50 Grad Celsius. Besonders schlimm betroffen ist die Hauptstadt Bangkok. Als Reaktion hat die Stadtverwaltung mehr als 300 kostenlose Kühlzentren (»Cooling Centers«) eingerichtet, die Schutz vor der Belastung bieten sollen. Denn der Aufenthalt im Freien wird zunehmend unerträglich.
Seit dem 1. April liege der sogenannte Hitzeindex konstant im kritischen Bereich von 42 bis knapp 52 Grad Celsius, berichtete die Zeitung »Bangkok Post« unter Berufung auf die Bangkok Metropolitan Administration (BMA). Der Hitzeindex (HI) ist ein Maß zur Beschreibung der tatsächlich gefühlten Temperatur unter Berücksichtigung der Lufttemperatur und der Luftfeuchtigkeit. Zwar gilt der April traditionell als heißester Monat in Thailand – doch die Temperaturen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.
Hitze ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko
Für viele Menschen wird der Aufenthalt im Freien damit zunehmend zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko. Die Behörden raten dringend, direkte Sonneneinstrahlung zu vermeiden und auf Warnzeichen wie Schwindel, Erschöpfung oder Hitzekrämpfe zu achten – speziell in den heißesten Stunden des Tages am Mittag und Nachmittag.
Das Netz der Kühlzentren umfasst Hunderte klimatisierte Einrichtungen – darunter Bibliotheken, Gesundheitszentren, Schulen und Verwaltungsgebäude. Ergänzt wird es durch zahlreiche schattige Außenbereiche.
Hitzewellen und Extremtemperaturen
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Förderung von Biogas-Anlagen läuft aus
Druck auf dem Kessel
Die Chefin ist ihren Kolleginnen ganz nahe, aber sehen kann sie sie nicht. Sie malochen in luftdichten, fensterlosen Stahlbehältern, jeder etwa 23 Meter im Durchmesser. Die Belegschaft hat nie Feierabend, aber man muss sie pfleglich behandeln: bloß nicht überfüttern. Sonst quittiert sie den Dienst. "Ich sage gerne: Wir haben hier sechs Angestellte und Millionen unbezahlte Mitarbeiter", sagt Christine Heidler und lächelt. Es sind wohl eher Milliarden.
Heidler leitet die Biogasanlage in Nennhausen im Havelland. Die Mikroben, von denen sie spricht, fressen Silage aus Mais und Gras, dazu gerne geschrotetes Roggenkorn. Sie machen daraus Gas. Die Bundesregierung hat solche Anlagen ab dem Jahr 2000 als Baustein erneuerbarer Energien gefördert. Sie garantierte Betreiberinnen und Betreibern zunächst für 20 Jahre feste Zahlungen für den eingespeisten Strom. Aber diese Zeit ist nun für die ersten Anlagen abgelaufen – und für viele wird das zum Problem.
Langjähriger Zuschuss sollte Mut zu Investitionen machen
Christine Heidler führt zwischen den sechs moosgrünen Rundtürmen hindurch über die Anlage. Jeder Turm ist gefüllt mit einer süßlich-säuerlich riechenden Suppe, so viel wie etwa in ein olympisches Schwimmbecken passen würde. Riesige Paddel rühren darin. Das Biogas steigt nach oben und wird abgesaugt, die Motoren in den kleinen Blockheizkraftwerken auf dem Gelände verbrennen es zu Strom und Wärme. Der feste, faserige Reststoff am Boden der Behälter wird wieder ans Tageslicht gepresst. Aus ihm macht man Dünger.
Als der erste Teil der Anlage in Nennhausen 2005 ans Netz ging, bekam die Firma für jede eingespeiste Kilowattstunde etwa 20 Cent Zuschuss, gesichert für zwanzig Jahre. So wollte der Staat Betreiber dazu bewegen, die nötigen Investitionen zu wagen - und Banken dazu, die Kredite zu geben. Die Anlage in Nennhausen kostete bisher acht Millionen Euro, sagt Christine Heidler.
Für Landwirte waren die Anlagen interessant, weil sie mit dem zusätzlichen Einkommen schwankende Ernten ausgleichen konnten. Was sie in ihrem Betrieb eh nicht mehr gebrauchen konnten, ließ sich so wenigstens noch in Biogas umwandeln – zum Beispiel Futterreste.
Kürzerer Förderzeitraum, weniger Geld
Ende 2025 lief die Förderung für die älteste der drei Linien in Nennhausen aus, 2030 und 2031 folgen die beiden anderen. Wer weitermachen will, muss sich bewerben: Die Bundesnetzagentur schreibt die Förderung zweimal im Jahr aus, Geld bekommt nur, wer den Zuschlag holt. Der Betrieb in Nennhausen kriegt nun noch 17,8 Cent pro Kilowattstunde, zwölf Jahre lang. "Es wird grenzwertig", sagt Heidler.
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Amnesty wirft Putin, Trump und Netanjahu „raubtierhaftes Gebaren" vor
Die Menschenrechtsorganisation erhebt schwere Vorwürfe im Jahresbericht. Doch es gibt auch Entwicklungen, die Hoffnung machen.
Es sieht düster aus für die Menschenrechte in vielen Teilen der Welt. Daran lässt der Jahresbericht von Amnesty International, der in der Nacht zum Dienstag veröffentlicht werden sollte, keinen Zweifel. „Das Jahr 2025 war weltweit vom raubtierhaften Gebaren der Mächtigen geprägt“, schreibt die Internationale Generalsekretärin Agnès Callamard in ihrem Vorwort.
Machthaber wie der Russe Wladimir Putin, der US-Amerikaner Donald Trump, der Israeli Benjamin Netanjahu und andere hätten „bei ihren Beutezügen vor massiver Zerstörung, Unterdrückung und Gewalt“ nicht zurückgescheut, „um sich wirtschaftliche und politische Vorherrschaft zu sichern“, so die Bilanz. Dies gefährde die internationale Ordnung, „die aus der Asche des Holocaust und der unsäglichen Zerstörung durch zwei Weltkriege entstanden“ sei und „die in den vergangenen 80 Jahren stetig, unter großen Mühen – und leider nicht stabil genug – aufgebaut worden“ sei, konstatiert Callamard.
Anmesty-Jahresbericht: Auch einige ermutigende Entwicklungen
Die Sorge über Angriffe Trumps oder Putins auf die regelbasierte Ordnung bedeuteten keineswegs, dass man Chinas Weltsicht einnehmen solle. „Das kann keine Alternative sein, denn auch China lehnt die universellen Menschenrechte und die Überwachung der Einhaltung internationaler Übereinkommen rundheraus ab“, analysiert die Amnesty-Vertreterin. „Das chinesische Streben nach Vormachtstellung mag eine andere Form annehmen und mit anderen Mitteln umgesetzt werden, doch das Ergebnis ist dasselbe: Ungerechtigkeit und Unterdrückung.“
„Das Verfahren gegen Rodrigo Duterte vor dem Internationalen Strafgerichtshof ist ein Zeichen der Hoffnung für den Kampf der Opfer um Gerechtigkeit.“
Joel Ruiz Butuyan, Menschenrechtsanwalt
[...] Zugleich bedauert Callamard, dass nur wenige Länder den Mut aufbrächten, ihre Stimme „über das Donnern der Geschütze zu erheben, die die Diplomatie ersetzt haben“. Sie lobt jene Länder, die die Völkermordklage Südafrikas gegen Israel unterstützten oder die, wie Spanien, „konsequent die Demontage der normativen Leitplanken“ anprangerten.
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21. April 1957 (INES-4) Atomfabrik Majak, UdSSR
11 Personen wurden verstrahlt und erkrankten, eine der Arbeiterinnen starb 12 Tage später.
(Kosten ?)
Nuclear Power Accidents
Im Laufe der Jahre haben sich in Majak etwa 235 radioaktive Störfälle ereignet, von denen nur wenige bekannt wurden ...
Die Nukleare Kette
Majak/Kyschtym, Russland
Atomfabrik
Die russische Atomindustrieanlage in Majak kontaminierte durch eine Serie von Unfällen und radioaktiven Lecks mehr als 15.000 km² mit hoch radioaktiven Abfallprodukten. Der Kyschtym-Unfall verseuchte 1957 eine große Fläche der östlichen Uralregion. Tausende Menschen mussten umgesiedelt werden. Bis heute zählt die betroffene Region zu den am stärksten kontaminierten Orten der Erde.
Hintergrund
Die Produktionsgenossenschaft Majak war die erste und, mit einem Gelände von mehr als 200 km², größte Atomindustrieanlage der Sowjetunion. Zwischen 1945 und 1948 wurden an diesem Standort zwischen Jekaterinburg und Tscheljabinsk fünf Atomreaktoren gebaut, um Plutonium für das sowjetische Atomwaffenprogramm herzustellen. Die Anlage wurde kontinuierlich erweitert, bis 1987 die Produktion gestoppt und der Betrieb schrittweise eingestellt wurde. Von 1949 bis 1956 wurden insgesamt 100 PetaBecquerel (Peta = Billiarde) an radioaktivem Abfall in die Zuflüsse der Tetscha geleitet – unter anderem Strontium-90, Cäsium-137, Plutonium und Uran.1 Zum Vergleich: Die radioaktive Belastung des Pazifischen Ozeans durch den Super-GAU von Fukushima schätzt man auf etwa 78 PBq. Zudem kam es in Majak bis 1968 zu mindestens acht kritischen Unfällen ...
20. April
Erneuerbare Energien unter Trump
Größter Windpark der USA geht heimlich ans Netz
Keine große Feier, sondern eine leise Inbetriebnahme: Die USA haben einen neuen größten Windpark – und das Trump zum Trotz.
Es dauerte mehr als 20 Jahre, aber das größte erneuerbare Energieprojekt in der Geschichte der USA produziert seit Kurzem Strom. Die Inbetriebnahme des SunZia-Windparks im US-Bundesstaat New Mexico wurde jedoch nicht groß gefeiert, sondern geschah still und leise. Ob es daran liegt, dass mit US-Präsident Donald Trump ein erklärter Windkraftgegner im Weißen Haus sitzt, ist ungewiss.
Die Trump-Regierung hat seit ihrem Amtsantritt im Januar 2025 die bundesstaatliche Unterstützung für Windkraft kontinuierlich zurückgefahren. So wurden neue Auflagen für die Genehmigung von Windanlagen erlassen und bisherige Steuerrabatte eliminiert. Die Industrie versucht deshalb große Schlagzeilen zu vermeiden.
Es dürfte daher ein Zeichen der Zeit sein, dass weder die Besitzer des Windparks noch der kalifornische Stromnetzbetreiber, an den der Strom aus den Windturbinen fließt, den Beginn der Stromerzeugung öffentlich gemacht hatte. Das Stromnetz Analyse-Portal GridStatus berichtete als Erstes über den Start der Produktion. Die Analysten des Portals wunderten sich, wie es dem kalifornischen Netzbetreiber Caiso in der vergangenen Woche gelungen war, seinen bisherigen Rekord für Windkraft um fast 500 Megawatt zu überbieten. „Der starke Anstieg legt nahe, dass hier SunZia in Betrieb gegangen ist“, erklärte Abby Lestina, Analystin bei GridStatus.
Der SunZia-Windpark soll sich laut Medienberichten derzeit in der Testphase befinden. Wann genau der kommerzielle Start der insgesamt 916 Turbinen erfolgen soll, ist nicht bekannt, das Nachrichtenportal E&E News berichtet jedoch, dass damit noch in diesem Quartal zu rechnen sei.
Der Windpark hat eine Kapazität von 3,5 Gigawatt und könnte somit Strom für mehr als 1 Million Haushalte erzeugen. Obwohl der Windpark in New Mexico steht, sorgt eine fast 900 Kilometer lange Hochspannungsleitung dafür, dass der Storm bei Kunden in Kalifornien und Arizona aus der Steckdose kommt.
[...] Trotz Präsident Trumps „Drill, Baby, Drill“-Agenda, die vor allem den Abbau von fossilen Brennstoffen wie Öl oder Erdgas vorantreiben soll, haben die USA im vergangenen Jahr ihre Kapazität im Bereich der erneuerbaren Energien deutlich gesteigert. Knapp 88 Prozent aller neuen Produktionskapazitäten waren im vergangenen Jahr Solar- oder Windenergie
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Blutwerte
CO₂-Konzentration im menschlichen Körper wird bald kritisch
Die CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre nimmt kontinuierlich zu. Blutuntersuchungen zeigen, dass es dadurch im menschlichen Körper zu Veränderungen kommt. Sollte der Trend anhalten, könnte ein wichtiger Blutwert bald einen kritischen Bereich erreichen.
Perth (Australien). Die CO₂-Konzentration in der Erdatmosphäre hat seit 2004 um mehr als zehn Prozent zugenommen und kürzlich mit 424 parts per million (ppm) den höchsten Wert seit zwei Millionen Jahren erreicht. Der Mensch hat sich ursprünglich bei einer CO₂-Konzentration von etwa 280 bis 300 ppm entwickelt. 2000 lag die CO₂-Konzentration noch bei 369 ppm. Angesichts dieser rapiden Zunahme haben Forscher des The Kids Research Institute Australia untersucht, ob und wie die CO₂-Konzentration den Körper des Menschen beeinflusst.
Sie haben dazu Blutproben von 7.000 Personen aus der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), die im Zeitraum von 1999 bis 2020 alle zwei Jahre entnommen wurden, analysiert. Die Blutproben offenbaren, dass auch die CO₂-Konzentration im menschlichen Organismus zunimmt, etwa mit der Rate, mit der auch die CO₂-Konzentration in der Luft ansteigt.
„Was wir beobachten, ist eine allmähliche Veränderung der Blutchemie, die den Anstieg von Kohlendioxid in der Atmosphäre widerspiegelt, der den Klimawandel antreibt.“
Bicarbonat kann kritischen Wert erreichen
Wie die Forscher erklären, nimmt durch die höhere CO₂-Konzentration im Körper der Bicarbonatwert im Blut ebenfalls zu. Dieser ist seit 1999 im Mittel um sieben Prozent gestiegen, während die durchschnittlichen Calcium- und Phosphorwerte abgenommen haben. Sollte diese Entwicklung anhalten, wird der Bicarbonatwert in den kommenden fünf Jahrzehnten einen kritischen Bereich erreichen.
„Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, zeigen Modellrechnungen, dass die durchschnittlichen Bicarbonatwerte innerhalb von 50 Jahren die obere Grenze des heute als gesund geltenden Bereichs erreichen könnten. Auch die Calcium- und Phosphorwerte könnten im Laufe dieses Jahrhunderts an die untere Grenze ihrer gesunden Bereiche sinken.“
Im Körper ist Bicarbonat entscheidend an der Stabilisierung des Säure-Basen-Haushalts beteiligt.
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IEA-Bericht: Solarenergie überholt erstmals alle anderen Energiequellen
Photovoltaik lieferte 2025 den größten Beitrag zum globalen Energiewachstum. Strombedarf stieg doppelt so schnell wie die Gesamtnachfrage.
Erneuerbare Energien sind im Trend, und eine besondere Rolle spielt dabei die Solarenergie. Im vergangenen Jahr hat ihr Zuwachs erstmals den aller anderen Energieträger überholt.
Wie aus dem Global Energy Review 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) hervorgeht, entfielen mehr als 25 Prozent des weltweiten Energieangebotswachstums auf Photovoltaik – noch nie zuvor hat eine moderne erneuerbare Energiequelle die globale Primärenergie-Expansion angeführt.
[...] 600 Terawattstunden Solarzuwachs in einem Jahr
Die Zahlen im Stromsektor sind bemerkenswert: Solaranlagen erzeugten 2025 weltweit rund 600 Terawattstunden (TWh) mehr als im Vorjahr. Das ist – abgesehen von den Erholungsphasen nach Wirtschaftskrisen – der größte jemals von einer einzelnen Stromerzeugungstechnologie verzeichnete Jahresanstieg.
Erneuerbare und Kernenergie deckten zusammen fast 60 Prozent des gewachsenen Energiebedarfs ab. Die saubere Stromerzeugung überstieg sogar das gesamte Strombedarfswachstum – emissionsarme Quellen kompensierten den Anstieg also mehr als vollständig.
Batteriespeicher erwiesen sich als die am schnellsten wachsende Stromtechnologie: Rund 110 Gigawatt (GW) neue Kapazität gingen ans Netz – mehr als je zuvor in einem einzelnen Jahr bei Erdgaskraftwerken.
[...] CO₂-Emissionen: China sinkt, Industriestaaten steigen
Die globalen energiebedingten CO₂-Emissionen legten 2025 um etwa 0,4 Prozent zu – langsamer als in den Vorjahren.
Chinas Emissionen sanken dank des rasanten Erneuerbaren-Ausbaus sogar absolut. Indiens Emissionen stagnierten – abgesehen von den Pandemiejahren – erstmals seit den 1970er-Jahren, begünstigt durch eine starke Monsunsaison.
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Immer wieder: Atomkraft? Nein, danke
Krass: Im Jahr 2025 wurden in Deutschland fast 3.000 erlegte Wildschweine wegen überhöhter Strahlenbelastung vernichtet. Sie fressen sehr viele Waldpilze, die nach wie vor mit Cäsium-137 belastet sind. Das berichtete die Bild am Samstag unter Berufung auf das Bundesverwaltungsamt. Die Ursache: der Super-GAU von Tschornobyl (russisch Tschernobyl), der jetzt fast auf den Tag genau 40 Jahre her ist.
Am 26. April 1986 explodierte der Kernreaktor im Block 4 des Atomkraftwerks Tschornobyl, damals in der Sowjetunion, heute auf ukrainischem Gebiet. Es ist der bisher schwerste Unfall in der Geschichte der zivilen Atomkraft-Nutzung. Die Folgen dauern an. Das zeigt sich vor Ort, eine Sperrzone mit einem Radius von 30 Kilometern um den havarierten Block bleibt für Jahrtausende unbewohnbar. Aber es laufen eben auch verstrahlte Wildschweine durch den Bayerischen Wald. Fast 2.000 Kilometer vom Ort des Super-GAU entfernt.
Das macht es absolut unverständlich, dass vor allem Unionspolitiker*innen zu jeder sich bietenden Gelegenheit den deutschen Atomausstieg infrage stellen. Zum Beispiel vor ein paar Tagen der Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn. Er könne sich vorstellen, deutsche Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen, sagte der CDU-Politiker am Rande eines sogenannten Innovationskongresses der Fraktion. Dagegen spricht vieles: AKWs sind zwar emissionsarm, neue Anlagen sind aber extrem teuer und ihr Bau dauert lange. Nicht einmal die großen Energiekonzerne sprechen davon. Sie wollen auch nichts von der Wiederinbetriebnahme ihrer abgeschalteten AKWs wissen.
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Papier aus dem Umweltministerium
Experten kritisieren EU-Atomstrategie
Experten des Bundesumweltministeriums kritisieren die Pläne der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen zum Einsatz kleiner, modularer Kernreaktoren. Das geht aus einem internen Papier des Ministeriums hervor, das dem SWR vorliegt.
Nach den Plänen von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sollen in Zukunft Mini-AKW den europäischen Energiemix ergänzen, um Klimaziele zu erreichen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Die "Strategie für die Entwicklung und den Einsatz von kleinen, modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) in Europa" hatte von der Leyen im Rahmen des zweiten Nuclear Energy Summits am 10. März 2026 in Paris vorgestellt.
Fachleute widersprechen
Dem SWR liegt exklusiv ein internes Papier aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) vom 13. März vor, das zu den SMR-Plänen Stellung nimmt. Das Papier soll die Position der zuständigen Fachabteilung im Ministerium wiedergeben und in die weitere Abstimmung der Bundesregierung zu der Strategie und den Beratungen auf EU-Ebene einfließen.
"Die Fachleute sprechen Tacheles", bewerten Insider des SPD-geführten Ministeriums den Inhalt des Papiers. Es widerspricht in zentralen Punkten den Positionen der EU-Kommission zu den angeblichen Vorteilen der kleinen, modularen Reaktoren.
"Zu teuer, zu unsicher, zu spät"
Kernaussagen des Papiers: Auch für SMR müssten sehr hohe Anforderungen an die nukleare Sicherheit gelten. An den grundlegenden Risiken ändere die kleinere Bauweise nichts. Daher hätten "Mini-AKW" gegenüber herkömmlichen AKW auch keinen Kostenvorteil - im Gegenteil. Um die Leistung eines großen Reaktors zu erreichen, müssten etwa vier kleine Kernkraftwerke gebaut werden, von denen jedes einzelne die hohen Sicherheitsstandards erfüllen müsse.
[...] Das bisher weltweit einzige SMR-Projekt wird als Referenz herangezogen: "Für das SMR-Projekt (geplant vier SMR) in Darlington in der kanadischen Provinz Ontario (CAN) werden bisher Gesamtkosten von 13,3 Mrd. Euro angegeben", heißt es in dem Papier. Aufgrund der geringeren elektrischen Leistung lägen die spezifischen Kosten pro Megawattstunde bei SMR derzeit über denen großer Atomkraftwerke. Fazit: "Die häufig angeführten Kostenvorteile durch Modularität sind bislang nicht empirisch belegt."
19. April
Atomkraft in Belarus
Lukaschenkos Kraftwerk und Moskaus Beitrag
Seit 2020 nutzt Belarus Atomkraft, zum Schrecken von Umweltschützern und Tschornobyl-Überlebender. Um Stromgewinnung geht es dabei nur zum Teil.
An einem eisigen Februarabend im Jahr 2026 versank die belarussische Hauptstadt Minsk im Nebel. Die Zwei-Millionen-Stadt sah auf Satellitenbildern aus wie ein schwarzer Fleck, nicht weit entfernt von Kyjiw, das ebenso dunkel in der Winterdämmerung lag. In der ukrainischen Hauptstadt war nach einem russischen Raketenangriff der Strom ausgefallen. Aber wer hatte Minsk angegriffen?
Am Abend zuvor hatte Alexander Lukaschenko, selbsternannter Präsident von Belarus, die Beamten der Stadtverwaltung gerügt, weil die Straßenbeleuchtung seiner Meinung nach zu lange in Betrieb war. Angeblich reichten schon fünfzehn Minuten im Dunkeln, um zum Beispiel die Renten erhöhen zu können. Doch schon am nächsten Tag nahm Lukaschenko diese Anordnung zurück. Sie hatte bei den Minskern für Unmut gesorgt. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle war gestiegen.
Tausende Belarussen fragten in den hauptstädtischen Internetforen: „Was ist passiert? Und was ist mit dem neuen Atomkraftwerk?“
Das AKW nahe der Stadt Astrawez, das erste und bislang einzige in Belarus, produziert mindestens 40 Prozent des belarussischen Energiebedarfs. Doch an jenem kalten Februartag wurde einer der beiden Reaktoren gewartet.
Politische Gründe
Die Reaktoren von Astrawez, Belarus’ erstem AKW, gingen 2021 und 2023 ans Netz. Das Reaktorunglück von Tschornobyl, dessen Folgen einst das drängendste soziale Problem in Belarus waren – blendete die staatliche Propaganda in den letzten zwei Jahrzehnten bewusst aus. Stattdessen versprach die Regierung günstigere Stromkosten nach der Inbetriebnahme des Kraftwerks.
Doch die Stromtarife für die belarussische Industrie gehören nach wie vor zu den höchsten in der Region, sagt die bekannte Expertin für nachhaltige Entwicklung und Nuklearfragen Tatsiana Nowikawa. Sie war Teil der Anti-Atomkraft-Kampagne in Belarus, organisiert vom „Grünen Netzwerk“. Heute lebt sie im litauischen Vilnius, nur rund 50 Kilometer entfernt vom AKW Astrawez. Sie erklärt, dass das belarussische Stromnetz bereits vor der Inbetriebnahme des AKW einen Überschuss produziert hatte, der sogar exportiert wurde. Die Entscheidung, das „friedliche Atom“ zu nutzen, sei demnach eine politische gewesen.
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Sánchez auf Konfrontationskurs:
Spanien will EU-Abkommen mit Israel kippen
Bei einer Kundgebung der Sozialistischen Partei an diesem Sonntag in Gibraleón hat der Ministerpräsident angekündigt, am Dienstag der EU die Forderung nach Bruch des Assoziierungsabkommens mit Israel vorzulegen.
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat einen Wahlkampftermin in der Provinz Huelva genutzt, um eine der weitreichendsten außenpolitischen Botschaften der vergangenen Wochen zu platzieren. "An diesem Dienstag wird die spanische Regierung in der EU die Forderung vorlegen, dass die Union ihre Assoziierung mit Israel beendet", sagte er vor den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Treffens.
Sánchez betonte, Spanien sei "ein befreundetes Volk Israels", teile jedoch nicht die Politik der dortigen Regierung. Er rief die übrigen europäischen Staaten auf, sich der Initiative anzuschließen.
Die Ankündigung kam nicht aus heiterem Himmel. Bereits Tage zuvor hatte Sánchez die EU aufgefordert, das Assoziierungsabkommen mit Israel auszusetzen, nachdem er den bislang heftigsten israelischen Angriff auf den Libanon seit Beginn der Offensive verurteilt hatte. An diesem Sonntag verband er diesen Appell mit einem konkreten Zeitplan.
[...] Krieg beenden - "Netanjahu stoppen"
Auf der Kundgebung wandte sich Sánchez auch an diejenigen, die "diesen Krieg begonnen haben", und forderte sie auf, ihn zu beenden und "Netanjahu zu stoppen". Dass er diese Botschaft bei einem Wahlkampfauftritt platzierte, ist kein Zufall. Der Regierungschef will Spanien auf der europäischen Bühne profilieren und zugleich sein progressives Image bei den Wählerinnen und Wählern in Andalusien schärfen.
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Ein Paket für Unabhängigkeit, ein Paket für Haushalte und eins für günstigen Strom
Wir stehen vor einer Grundsatzentscheidung – zwischen einem Energiesystem mit Freiheit, Erneuerbaren und Flexibilität oder einem mit fossilen Abhängigkeiten, erklärt Carolin Dähling von der Energiegenossenschaft Green Planet Energy, Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Die "atomare Phantomdebatte" löst für sie kein einziges Problem.
Klimareporter°: Frau Dähling, für Samstag hatte ein Bündnis zu Demonstrationen unter dem Titel "Erneuerbare Energien verteidigen!" aufgerufen. Scharfe Kritik richtete sich gegen Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU.
Erst diese Woche wurde bekannt, dass das Wirtschaftsministerium die Gaslobby um Vorschläge gebeten hat, um die Batteriespeicher bei Auktionen für ein Strom-Backup gegenüber Gaskraftwerken zu benachteiligen. Was meinen Sie – würde ein Rücktritt von Reiche die Lage verbessern?
Carolin Dähling: Nein, es greift viel zu kurz, das Rollback allein an Katherina Reiche festzumachen. Dann entlässt man zu viele andere aus der Verantwortung. Die Verabschiedung von Gesetzen ist Aufgabe des Bundestages. Alle Abgeordneten dort sind in der Verantwortung, diese Gesetze im Sinne unserer Gesellschaft zu erlassen.
Es geht um eine Grundsatzentscheidung: Wollen wir schnellstmöglich in ein Energiesystem, das auf Freiheit, erneuerbaren Energien und Flexibilität basiert, oder halten wir an fossilen Abhängigkeiten fest, ungeachtet der Kosten und Schäden?
Gleichzeitig tut Katherina Reiche nichts, um ihr Image als Gas-Lobbyistin zu korrigieren. Inhaltliche Kritik aus der Erneuerbaren-Szene prallt scheinbar weitgehend ab.
Studien zu den Auswirkungen des Netzpakets, Umfragen mit parteiübergreifendem Rückhalt für die Solarförderung oder konkrete Vorschläge für eine bessere Synchronisation von Netz- und Erneuerbaren-Ausbau werden – bislang jedenfalls – nicht aufgegriffen. Stattdessen hört man immer wieder dieselben Schlagworte, etwa dass die Erneuerbaren nun "erwachsen" sind.
Anstatt klar zu sagen, dass die fossile Energiekrise die zentrale Ursache für die hohen Energiepreise ist, argumentiert Reiche immer wieder mit falschen oder überzogenen Zahlen gegen die Erneuerbaren. Das stellt die Realität auf den Kopf. Die Erneuerbaren stehen für Preisstabilität. Wer weiter auf Öl und Gas setzt, importiert die Kosten internationaler Konflikte gleich mit.
Was wir einfordern, ist zuerst einmal, gehört zu werden, in einem ehrlichen Dialog mit der Erneuerbaren-Branche anstatt über sie hinweg. Und die Bereitschaft, Argumente und Gegenvorschläge ernst zu nehmen. Denn im Stromsektor sind die Erneuerbaren längst systemsetzend, sie sind nicht irgendeine Randtechnologie, die man nach Belieben drosseln kann.
Gerade deswegen ist es ein Skandal, wenn sich das Ministerium Papiere von Eon und EnBW schreiben lässt. Eine so einseitige Lobbypolitik nutzt nicht der Gesellschaft, sondern fossilen Konzernen. Die Energiewende wird dadurch unnötig teuer und langsamer. Speicher und Flexibilität könnten den Bedarf an neuen Gaskraftwerken deutlich senken – und damit auch Kosten und CO2-Emissionen.
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Über 80.000 demonstrieren deutschlandweit für eine schnellere Energiewende und gegen fossile Abhängigkeit
Berlin - Deutschlandweit sind Samstag mehr als 80.000 Menschen auf die Straße gegangen, um für Erneuerbare Energien und gegen die Blockade der Energiewende durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu protestieren. Das breite Bündnis der Initiator:innen wertet die Proteste als riesigen Erfolg und klares Signal an die Wirtschaftsministerin, ihren Kurs in der Energiepolitik zu ändern.
Zu den heutigen Demonstrationen in vier Großstädten versammelten sich tausende und zehntausende Menschen. In Berlin gingen 24.000 Menschen auf die Straße, in München 12.000. In Hamburg forderten 15.000 und in Köln 30.000 Demonstrierende einen konsequenten Ausbau von Wind- und Sonnenenergie, um unabhängig zu werden von unsicheren und teuren Öl- und Gaslieferanten. Die Politik der Bundesregierung, gerade von Wirtschaftsministerin Reiche, ging zuletzt in die entgegengesetzte Richtung.
Dabei ist klar: Angesichts rasant steigender Energiepreise in Folge des Iran-Kriegs und den zunehmend gravierenden Folgen der Klimakrise, entscheidet die Unabhängigkeit von fossilen Energien immer stärker über Sicherheit und Stabilität.
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19. April 2005 (INES-3) Thorp, Seascale, Atomfabrik Windscale/Sellafield, GBR
20 Tonnen Uran und 160 Kilogramm Plutonium sind im Laufe eines Jahres aus einem geplatzten Rohr in der Wiederaufbereitungsanlage für thermische Oxide (Thorp) in Sellafield ausgetreten.
(Kosten ca. 76 Millionen US$)
Nuclear Power Accidents
Die Nukleare Kette
Sellafield/Windscale, Großbritannien
Die größte zivile und militärische Atomanlage Europas steht in Sellafield. Während hier in der Vergangenheit Plutonium für das britische Atomwaffenprogramm produziert wurde, dient der Standort heute als Wiederaufbereitungsanlage für Atommüll. Der Großbrand von 1957 sowie zahlreiche radioaktive Lecks kontaminierten die Umwelt und setzten die Bevölkerung erhöhten Strahlenwerten aus ...
Dieser INES 3-Störfall von 2005 ist der erste und einzige Störfall in Sellafield nach Windscale 1957, der noch in Wikipedia zu finden ist. Das bedeutet, dass alle Unfälle aus den 48 Jahren zwischen 1957 und 2005 nicht mehr gefunden werden können.
Wikipedia de
Sellafield# Zwischenfälle
Im April 2005 wurde in Sellafield ein Leck entdeckt, durch das etwa 83.000 Liter radioaktive Flüssigkeit, bestehend aus Salpetersäure, Uran und Plutonium, monatelang unbemerkt entweichen konnten. Es handelt sich um den schwersten Zwischenfall in einer Atomanlage Großbritanniens seit 1992. Die Öffentlichkeit wurde erst Wochen danach informiert, erste Presseberichte erschienen am 9. Mai 2005. Später berichtete der „Independent on Sunday“, dass das Rohr seit August 2004 leck gewesen sei, dies aber erst am 19. April 2005 entdeckt wurde.
Für den Zwischenfall wurde das britische Nuklearunternehmen BNG (British Nuclear Group), das für die Stilllegung der Reaktoren von Sellafield zuständig ist, am 16. Oktober 2006 wegen Fahrlässigkeit zur Zahlung von 500.000 Pfund (rund 750.000 Euro) verurteilt. Die Kosten dieses Ereignisses werden auf 76 Millionen Dollar geschätzt.
Seit den späten 1940er Jahren und der Inbetriebnahme von Windscale/Sellafield wurden etwa 20 mehr oder weniger schwere Zwischenfälle gemeldet, bei denen Radioaktivität freigesetzt wurde. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet.
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Aktuelles+
19. April 2026
Völkerrecht in der Krise
Das Recht der Gleichen
Das Völkerrecht ist nicht tot, aber stark reformbedürftig. Europa sollte sich für mehr Gleichheit einsetzen – und die ehemals Blockfreien umwerben.
Die Völkerrechtsordnung der Nachkriegszeit gibt es nicht mehr. Das zeigte sich schon vor dem rechtswidrigen Angriff der USA und Israels auf Iran. Anfang des Jahres bekannte Donald Trump freimütig, dass ihn nur seine eigene Moral interessiere, nicht das Völkerrecht. Er schob hinterher, dass es darauf ankomme, was man unter Völkerrecht verstehe. Sein Verständnis offenbarte er kurz später bei der Gründung des „Trump Board of Peace“ in Davos: eine Organisation wie ein Golfclub, maßgeschneidert für Trump. Zwar enthält die Satzung ein Lippenbekenntnis zum Völkerrecht, aber was man darunter versteht, ist, wie gesagt, Ansichtssache.
Den Gegenpol zu Trump in Davos bildeten Mark Carney und – „for sure“ – Emmanuel Macron. Beide bekannten sich zu einer multilateralen Ordnung nach dem Prinzip souveräner Gleichheit.
Jedes dieser Verständnisse des Völkerrechts hat seine Geschichte. Trumps Völkerrecht stammt aus dem Kolonialismus. Es diente imperialen Mächten dazu, ihre Interessenssphären abzustecken. Ungleichheit war in ihm angelegt: Den kolonisierten Völkern verweigerten die Europäer die Anerkennung als vollwertige Rechtssubjekte – um sie zu unterdrücken. Dieses Völkerrecht stabilisierte zudem die Ungleichheit im Innern der Großmächte. Mächtige Kreise profitierten am meisten von kolonialer Expansion: Herrscher, Kolonialgesellschaften, Plantagenbesitzer. Zugleich schuf Kolonialismus ein Ventil für soziale Spannungen, sei es durch Streitkräfte, Auswanderung oder billige Kolonialwaren wie Zucker.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verlor dieses Völkerrecht mit steigendem Lebensstandard an Rückhalt. Kolonialismus und Sklaverei kamen in den kritischen Blick einer zunehmend demokratischen Öffentlichkeit. So entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrittweise die Vision eines universellen, egalitären Völkerrechts. Internationale Institutionen sollten den Gegenentwurf zum Imperialismus und den Katastrophen des 20. Jahrhunderts bilden. Kooperation statt riskanter Expansion sollte den Wohlstand für alle mehren.
So ganz egalitär war jedoch auch dieses Völkerrecht nicht. Während die Dekolonisierung politische Macht neu verteilte, gaben die führenden Industriestaaten wirtschaftlich und militärisch das Ruder nicht aus der Hand. Der Kalte Krieg verkomplizierte Veränderungen. Das Völkerrecht der Gleichen blieb daher Illusion. Zu groß waren die faktischen Ungleichheiten zwischen den Staaten.
Diese Schieflage hat sich mittlerweile verschlimmert, seitdem die Ungleichheit in den USA und anderen entwickelten Ländern wieder angestiegen ist. Es begann mit dem Schwenk zu neoliberaler Wirtschaftspolitik. Zwar profitieren westliche Konzerne von globalen Lieferketten, doch ihre Heimatländer bezahlten dafür mit dem Niedergang der Industriegesellschaft. Das erleichterte den Streitkräften die Personalgewinnung, polarisierte aber das politische System. Mittlerweile gelingt es einer Symbiose aus Superreichen und aufstrebenden Autokraten, den Unmut in politische Macht zu münzen, die sie zu ihrem wirtschaftlichen Vorteil einsetzen.
Diese Oligarchie richtet die Weltpolitik nun an ihren Interessen aus. Dazu gehört die Kontrolle von natürlichen Ressourcen, ob in Venezuela, Grönland, Russland oder der Golfregion, aber auch politische Kontrolle über andere Staaten, die sich besser über befreundete Autokraten gewinnen lässt als durch Werben um die Gunst demokratischer Mittelschichtgesellschaften.
Europa müsste mit anderen Staaten kooperieren, die sich aus der Umklammerung der Großmächte befreien wollen. Davon gibt es einige, in Lateinamerika, Süd- und Ostasien und Afrika
Ist angesichts dessen ein Völkerrecht der Gleichen jenseits wohlfeiler moralischer Empörungsnarrative noch vorstellbar? Wenn überhaupt, dann nur ein Völkerrecht, das nicht nur eine formale regelbasierte Ordnung, sondern ein hohes Maß an sozialer Gleichheit in den Mittelpunkt stellt, global wie lokal. Nur so lässt sich das Regiment autokratischer Oligarchen eindämmen. Zugleich schafft soziale Gleichheit die Voraussetzungen, unter denen Demokratie nachhaltig gelingen kann, ohne sie herbei zu bomben.
Ein solches Völkerrecht der Gleichen müsste jedoch machtpolitisch bestehen können. China verhält sich zwar zurückhaltender als die USA, doch letztlich auch hegemonial. Europa müsste mit anderen Staaten kooperieren, die sich aus der Umklammerung der Großmächte befreien wollen. Davon gibt es einige, in Lateinamerika, Süd- und Ostasien und Afrika. In der Summe sind diese Staaten machtpolitisch den damaligen „Blockfreien Staaten“ des Kalten Kriegs haushoch überlegen. Zudem sind selbst die Großmächte zu vernetzt und abhängig, um ein breites Staatenbündnis unter der Flagge des Völkerrechts der Gleichen zu ignorieren. Politische Einigkeit dürfte ein solches Bündnis oft nur schwer finden, doch äußere Bedrohung kann Wunder wirken.
Natürlich würde das Völkerrecht der Gleichen Europa einiges abverlangen. Europa müsste international denken und teilen. Das Gleichheitsversprechen dieses Völkerrechts muss eingelöst werden – formell wie materiell, lokal wie global. Dazu müsste bei vielen neuralgischen Themen ein Kassensturz stattfinden, sei es das Unrecht der Vergangenheit oder die Weltwirtschaftsordnung.
Ein solches Völkerrecht der Gleichen könnte zu einer hegemonialen Idee im Sinne Gramscis werden. Autokratische Kräfte profitieren nicht zuletzt von Abstiegsangst im Zeichen grassierender Ungleichheit. Ihre Erzählung ist rückwärtsgewandt, begrenzt auf das Versprechen, Privilegien zu sichern. Das dürfte auf Dauer schiefgehen, wenn autokratische Regimes zugleich die Erosion von gesellschaftlicher Gleichheit auf die Spitze treiben. Irgendwann bekommt auch der letzte Trumpist mit, dass er vielleicht doch nicht zum Kreis der Privilegierten gehört und man Kulturkampf nicht essen kann. Dann kann das Versprechen einer Weltgesellschaft der Gleichen diese Regimes durch eine Fortschrittserzählung erschüttern. Europa hat die Chance, sie mitzugestalten.
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Hintergrundwissen
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Sklaverei
Menschen ohne Rechte
In der Sklaverei wird ein Mensch zum Eigentum eines anderen Menschen. Der Sklave hat keine eigenen Rechte und ist von seinem Besitzer völlig abhängig. Im alten Ägypten, im antiken Griechenland oder auch im Römischen Weltreich war die Sklaverei verbreitet. Überall mussten Sklaven niedrige und oftmals harte Arbeiten verrichten.
Wie wurden die Menschen zu Sklaven? Meist gerieten sie als Kriegsgefangene unter die Herrschaft der Sieger oder sie wurden bei Überfällen geraubt. Die Sieger verkauften die Menschen dann als Sklaven. Viele Sklaven wurden auch bereits unter fremder Herrschaft geboren und waren nie frei.
Ab dem 16. Jahrhundert entwickelte sich ein reger Sklavenhandel zwischen Europa, Afrika und Amerika. Europäische Kolonialmächte wie Spanien oder England schafften über acht Millionen Schwarze nach Nord- und Südamerika. Mit diesem verbrecherischen Handel ließ sich viel Geld verdienen. Die meist schwarzen Sklaven arbeiteten unter sehr schlechten Bedingungen auf den Plantagen der reichen Weißen.
Im Jahr 1833 verbot Großbritannien den Sklavenhandel, 1865 schafften ihn auch die USA endgültig ab. Mit der Menschenrechtskonvention der UNO wurde die Sklaverei 1948 weltweit verboten. Allerdings gibt es bis heute in manchen Ländern sklavereiähnliche Abhängigkeiten, zum Beispiel Kinderarbeit oder Zwangsprostitution.
Völkerrecht
Völkerrecht ist ein Sammelbegriff für alle Rechtsnormen, die das Verhältnis der (unabhängigen) Staaten untereinander und die Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten und den internationalen Organisationen regeln. Im Gegensatz zum Recht kann das Völkerrecht nicht von einer zentralen Gewalt durchgesetzt werden, sondern ist von der Anerkennung
der jeweiligen Staaten abhängig. Völkerrecht entsteht durch Verträge, die sich mit der Anerkennung fremder Staatsgebiete, Beschränkung kriegerischer Handlungen, dem diplomatischen Austausch und Verkehr, der Schlichtung von Streitigkeiten, Fragen des internationalen Handels etc. beschäftigen. Von zentraler Bedeutung sind die Verfassung der Vereinten Nationen (UN) (UN-Charta) von 1945, die Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen sowie die Konventionen und Abkommen des Europarates.
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Wikipedia
Sklaverei
ist ein soziales System der Unfreiheit und Ungleichheit, in dem Menschen als Eigentum anderer behandelt werden. Bei der Sklaverei im engen Sinne der Geschichtsschreibung war das Recht, Sklaven zu erwerben, zu verkaufen, zu mieten, zu vermieten, zu verschenken und zu vererben, gesetzlich verankert. Die Sklavengesetze regelten die privat- und strafrechtlichen Gesichtspunkte der Sklavenhaltung und des Sklavenhandels; darüber hinaus bestimmten sie auch, welche Rechte den Sklaven zugestanden wurden.
In vielen sklavenhaltenden Staatswesen und Gesellschaften behielten Sklaven eine gewisse Rechtsfähigkeit und konnten zum Beispiel die Gerichte anrufen oder Eigentum mit Einschränkungen erwirtschaften, das es ihnen in manchen Gesellschaften und Ländern erlaubte, durch Selbstkauf die Freiheit zu erlangen. In manchen Staatswesen war Sklaverei erblich, das heißt die Nachkommen von Sklaven waren ebenfalls unfrei.
Im weiteren Sinne zählen zur Sklaverei auch Freiheitsberaubung und Nötigung von Menschen ohne gesetzliche Grundlage, beziehungsweise als Verstoß gegen die geltenden Gesetze und die Menschenwürde sowie Ausbeutung illegal Aufhältiger. Die Grenzen zwischen Sklaverei und „sklavereiähnlichen“ Erscheinungen wie etwa Zwangsarbeit (in Industrie, Bergbau, Plantagen etc.) oder Zwangsprostitution sind fließend.
Völkerrecht
Das Völkerrecht ist eine überstaatliche, aus Prinzipien und Regeln bestehende Rechtsordnung. Es regelt die Beziehungen zwischen den Völkerrechtssubjekten (meist Staaten) auf der Grundlage der Gleichrangigkeit. Die Bezeichnung Internationales Öffentliches Recht wird seit dem 19. Jahrhundert synonym verwendet, was auch auf den starken Einfluss des englischen Fachausdrucks public international law zurückzuführen ist.
Wichtigste positivrechtliche Rechtsquellen des Völkerrechts sind die Charta der Vereinten Nationen und das in ihr niedergelegte allgemeine Gewaltverbot, das als Völkergewohnheitsrecht auch über die Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen (UNO) hinaus verbindlich ist und jedem Staat etwa einen Angriffskrieg verbietet.
Das supranationale Recht gilt als Besonderheit des Völkerrechts, weil es ebenfalls überstaatlich organisiert ist; allerdings weist es durch die Übertragung von Hoheitsgewalt auf zwischenstaatliche Einrichtungen einige Besonderheiten auf, die nicht vollständig mit dem Völkerrecht erklärbar sind.
Imperialismus
Als Imperialismus (von lateinisch imperare ‚herrschen‘; imperium ‚Weltreich‘; etwa bei Imperium Romanum) bezeichnet man das Bestreben eines Staatswesens bzw. seiner politischen Führung, in anderen Ländern oder bei anderen Völkern politischen und wirtschaftlichen Einfluss zu erlangen, bis hin zu deren Unterwerfung und zur Eingliederung in den eigenen Machtbereich. Typischerweise geht das damit einher, eine ungleiche wirtschaftliche, kulturelle oder territoriale Beziehung aufzubauen und aufrechtzuerhalten.
Der Begriff als solcher wurde im 16. Jahrhundert geprägt und galt damals als Negativbezeichnung für eine im Gegensatz zum Rechtsstaat auf Militärmacht und Despotie basierende Herrschaft. Als eigentliches Zeitalter des Imperialismus gilt das späte 19. Jahrhundert, wozu auch die verschiedenen marxistischen Imperialismustheorien beitrugen. Im Nachhinein wurde Imperialismus auch für eine Reihe von antiken Großreichen angenommen.
Der Begriff Imperialismus umfasst mehr als Kolonialismus und muss deshalb vor allem von Kolonisierung getrennt werden. Edward Said sieht beim Imperialismus „die Praxis, Theorie und die Benehmensregeln eines dominierenden städtischen Zentrums gegenüber einem regierten fernen Territorium“, der Provinz. Said zufolge sei Kolonisierung nicht mehr als die Besiedlung entfernter Länder. Robert J. C. Young stimmt dem insoweit zu, als Imperialismus aus dem Zentrum operiere, als staatliche Politik, während Kolonisierung nicht mehr als Siedlungs- oder Wirtschaftsentwicklung bedeute.
Kolonialismus
Als Kolonialismus wird die dauerhafte Inbesitznahme von Territorien und die Unterwerfung, Vertreibung oder Ermordung der dort ansässigen Bevölkerung durch eine auswärtige Macht bezeichnet. Kolonisten und Kolonialisierte stehen einander dabei kulturell in der Regel fremd gegenüber, was bei den Kolonialherren im neuzeitlichen Kolonialismus mit dem Glauben an eine kulturelle Überlegenheit über die sogenannten „Naturvölker“ und teils an die eigene rassische Höherwertigkeit verbunden war. Diese Vorstellung wurde durch frühe Theorien einer soziokulturellen Evolution gestützt. Die Kolonisierung der Welt durch europäische Nationen war sowohl Folge als auch Triebkraft der Ideologie des Eurozentrismus. Als Akteure beteiligten sich Privatleute, Firmen und Staaten, die Kolonialisierungen zunächst meist förderten oder absicherten. Auf längere Sicht gerieten die eingerichteten Kolonien fast alle in staatliche Hand.
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