Newsletter XXXIII 2022

Der THTR-Rundbrief

14. bis ... August

 

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Nuclear Power Accidents

Diese PDF-Datei enthält eine fast vollständige Liste der bekannten Unfälle und Freisetzungen von Radioaktivität. Sobald neue Informationen verfügbar sind, wird diese PDF-Datei erweitert und aktualisiert ...

Auszug aus der PDF-Datei für diesen Monat:

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01. August 1983 (INES Klass.?Akw Pickering, ON, CAN

02. August 1992 (INES Klass.?Akw Pickering, ON, CAN

04. August 2005 (INES Klass.?Akw Indian Point, NY, USA

06. August 1945 (1. Atombombenabwurf der USA) Hiroshima, JPN

09. August 1945 (2. Atombombenabwurf der USA) Nagasaki, JPN

09. August 2004 (INES 1 Klass.?Akw Mihama, JPN

09. August 2009 (INES 1 Klass.?Akw Gravelines, FRA

10. August 1985 (INES 5) U-Boot K-431, UDSSR

12. August 2001 (INES 2) Akw Phillipsburg, DEU

12. August 2000, U-Boot K-141_Kursk, RUS

18. August 2015 (INES 2) Akw Blayais, FRA

19. August 2008 (INES 1) Akw Santa Maria de Garoña, ESP

21. August 2007 (INES 2) Akw Beznau, CHE

21. August 1945 (INES 4) Los Alamos, NM, USA

25. August 2008 (INES 3) IRE Fleurus, BEL

29. August 1949 (1. Atombombentest der UDSSR) Semipalatinsk, KAZ

30. August 2003, U-Boot K-159, RUS

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Wir suchen aktuelle Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: nukleare-welt@reaktorpleite.de

 

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19. August

 

Ausbau Erneuerbare Energien

Energiekrise verschärft sich

Jetzt wird auch noch der Strom knapp

Erst Gas, jetzt auch noch Strom: Für Deutschland wird es in den kommenden Wintern eng mit der Energieversorgung. Die Strompreise sind so hoch wie nie. Das liegt nicht nur an den reduzierten Gaslieferungen aus Russland und dem Rhein-Niedrigwasser.

Während sich Unternehmen und Verbraucher mit Blick auf die kommenden Winter vor allem um Gasengpässe sorgen, braut sich am Strommarkt eine gefährliche Gemengelage zusammen. So könnte in Deutschland bald nicht nur das Gas, sondern auch der Strom knapp werden. Denn die Frage ist, ob Europas Energieversorger in diesem Winter genug Strom erzeugen können.

[...]

Beim Export in die Schweiz betrug der Anstieg sogar mehr als das Sechsfache. Der Stromexport aus Deutschland nach Frankreich hat sich bereits im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr fast versechsfacht. Die Folge: Deutschland verstromt derzeit ungewöhnlich viel Erdgas, um insbesondere Frankreich Strom zu liefern ...

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19. August 2008 (INES 1) Akw Santa Maria de Garoña, ESP

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Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Santa_María_de_Garoña

Am 15. Juli und am 19. August wurden die beiden Batterie-Systeme des Werks getestet. Deren ermittelte Kapazität war gemäß Behörde CSN ungenügend. Diese Gleichstrom-Systeme erfüllen bei Störfällen diverse Sicherheits-Funktionen, so etwa als Starthilfe für die Notstrom-Diesel oder Anzeige des Reaktor-Zustandes. Problematisch an diesem Ereignis ist vor allem auch, dass nach Feststellung der Fehlfunktion des ersten Systems am 15. Juli das zweite System vom Betreiber nicht sofort, sondern erst am 19. August 2008 getestet wurde ...

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Der oben zitierte Text zum INES-1-Vorfall von 2008 ist 2022 in der Wikipedia nicht mehr aufzufinden.

Offensichtlich werden langsam aber sicher alle wichtigen Informationen zu Störfällen in der Atomindustrie aus der Wikipedia entfernt!

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CSN - Consejo de Seguridad Nuclear

http://web.archive.org/web/20141122120320/http://www.csn.es/index.php/es/nuclear-power-plants/santa-maria-garona 

Meldepflichtige Ereignisse

Ereignis der Stufe I im Kernkraftwerk Santa María de Garoña, gemeldet am 18. August 2008, aufgrund der Feststellung eines Kapazitätsfehlers in den Versorgungsbatterien der Hauptbusse A und B.

Eine anschließende Analyse des Fehlers konnte die Hypothese nicht ausschließen, dass die Batterien gleichzeitig eine geringere als die erforderliche Kapazität aufwiesen und damit gegen die Betriebsspezifikationen verstießen ...

Übersetzen mit https://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

 

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18. August

 

Greenpeace | Castorbehälter | Streckbetrieb

Atomausstieg

Greenpeace verlangt Anti-AKW-Bekenntnis von Bündnis 90/Die Grünen

Mit einem nachgebauten Atommüllbehälter drängen Umweltschützer die Regierungspartei, sich klar gegen einen Streckbetrieb der Atomkraft zu stellen.

Mit dem vier Tonnen schweren Nachbau des gelben Castorbehälters protestierten sechs Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten schon am Donnerstagmorgen vor der Parteizentrale von Bündnis 90/Die Grünen in Berlin. Sie entrollten ein Transparent mit der Aufschrift „Atomkraft? Keinen Tag länger!“. Damit verwiesen die Umweltschützer auf die auch von prominenten Politikern aus den Reihen der an der Bundesregierung beteiligten Partei angedeutete Bereitschaft, den strikten Atomausstiegsfahrplan aufzuweichen. Angesichts einer möglicherweise ab Herbst oder Winter bevorstehenden Engpasssituation der deutschen Energieversorgung über einen zeitlich gestreckten Betrieb der letzten drei deutschen Atomkraftwerke über das gesetzliche Abschaltdatum 31. Dezember hinaus könnten sie mit sich reden lassen, hatten mehrere hochrangige Parteivertreter wie beispielsweise die Parteivorsitzende Ricarda Lang jüngst angedeutet. Greenpeace spreche mit dem Protest nun „allen voran die Vorsitzenden Ricarda Lang und Omid Nouripour“ an, „sich geschlossen zum gesetzlich festgelegten Atomausstieg am 31. Dezember 2022 zu bekennen. „Die Grünen dürfen sich nicht vor den Karren einer populistischen Pro-Atom-Kampagne spannen lassen“, sagte Gerald Neubauer, Energie-Experte von Greenpeace ...

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Frankreich | Strompreis | Scheindebatte

Wer hohe Strompreise in Deutschland verstehen will, muss eher nach Frankreich schauen als nach Russland

Die strukturelle Krise der französischen Atomkraft ist ein entscheidender Preistreiber auf dem deutschen Strommarkt. Hierzulande wird das kaum wahrgenommen.

Europa erlebt eine Energiepreiskrise historischen Ausmaßes. Auch in Deutschland eilen Großhandelspreise für Strom und Gas von Höchststand zu Höchststand.

Im Vergleich zum Vorjahr liegen die Steigerungen derzeit je nach Produkt bei Faktoren von vier bis sechs und darüber. Und obwohl diese Preise noch nicht mit voller Wucht auf die Verbraucher durchschlagen, sind Millionen Menschen und zehntausende Unternehmen unmittelbar und hart betroffen, bis hin zu existenziellen Fragen.

[...]

Fazit: Das Problem der französischen Atomkraft als ein entscheidender Preistreiber und Unsicherheitsfaktor muss viel breiter ins Bewusstsein dringen. Es gibt viel zu viel zu tun und zu entscheiden, als dass wir uns mit Nebelkerzen und Scheindebatten über ein Wiederaufleben der deutschen Atomkraft beschäftigen können.

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Gasumlage | Übergewinnsteuer | Energiewende

„Selbst für ausgemachte Kapitalisten unanständig“ - Wissenschaftler Harald Lesch spricht bei Markus Lanz Klartext

Bei Markus Lanz ist am Mittwoch über die Gasumlage und die Übergewinnsteuer diskutiert worden. Wissenschaftler Harald Lesch sprach Klartext und ließ kein gutes Haar an den Geschäften der Erdölkonzerne. Eine Aussage von FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermanns ärgerte den Experten besonders.

Gasumlage und Übergewinnsteuer wurden am Mittwoch bei „Markus Lanz“ vehement diskutiert. Insbesondere Wissenschaftler Harald Lesch sprach Klartext. Marie-Agnes Strack-Zimmermanns Aussagen zu Übergewinnen ließen ihn „ziemlich sprachlos“ zurück. Es folgte eine Anklage an die Mineralölkonzerne.
„PR-Stunt“, „politisches Kalkül“, oder gar ein „Taschenspieler-Trick“? Wohlwollende Worte für Christian Lindner fanden am Mittwochabend weder „Welt“-Journalist Robin Alexander, noch Astrophysiker Harald Lesch oder Gastgeber Markus Lanz.

[...]

„Der Klimawandel ist auch bei uns angekommen“, betonte Lesch. Aus diesem Grund sei es nun an der Zeit, alle klimaschonenden Optionen zu nutzen - unter anderem auch Fotovoltaik. Er schlug vor, alle Dächer in Deutschland einzudecken, darunter auch Kirchen. Das sei zwar derzeit nicht überall problemlos durchführbar, wäre aber „ein Zeichen, dass wir tatsächlich mal anfangen, die Energiewende wirklich ernstzunehmen“.

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18. August 2015 (INES 2) Akw Blayais, FRA

Überexposition eines Arbeitnehmers über den gesetzlichen Grenzwert hinaus.

Nuclear Power Accidents.pdf

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AtomkraftwerkePlag

Blayais

Im Juni 2015 mussten zweimal innerhalb einer Woche über 100 Personen aus dem Gebäude von Einheit 4 evakuiert werden, nachdem erhöhte Radioaktivität gemessen wurde. 

Am 18. August 2015 wurde ein Arbeiter einer Strahlung ausgesetzt, die die Richtwerte überstieg. Das Ereignis wurde als Störfall der INES-Stufe 2 klassifiziert.

 

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17. August

 

Ukraine | Saporischschja | Super-GAU

In Saporischschja droht ein Super-GAU!

Meinung Atomkraft? Nein Danke! Die Atompolitik von vier westlichen Staaten steht hinter dem Betrieb des größten Atomkraftwerks in Europa. Jetzt ist es zu einem strategischen Kriegsmittel geworden. Die Eskalationsgefahr muss schnell gebannt werden

Atomkraft ist eine Hochrisikotechnologie und darf niemals zum Spielball in einem Krieg werden – das schien zu Jahresbeginn noch weltweit Konsens zu sein. Nun ist es dennoch passiert: Europas größtes Atomkraftwerk ist Angriffsziel und strategisches Mittel der Kriegsparteien geworden. Beide Seiten beschuldigen sich des Raketenbeschusses auf die empfindliche Infrastruktur. Die möglichen Auswirkungen eines Super-GAUs in Saporischschja sind so gewaltig, dass dessen Verhinderung absolut vorrangiges Ziel sein sollte. Die Weltgemeinschaft muss umgehend alle denkbaren diplomatischen Hebel in Bewegung setzen. Die Zeit drängt.

Wenn 42 Staaten einschließlich der Bundesregierung Wolodymyr Selenskyjs Forderung an Russland bekräftigen, alle Truppen vom AKW-Gelände und aus der Ukraine abzuziehen, dann ist das wenig hilfreich. Natürlich liegt die Ursache des Übels in Wladimir Putins brutalem Überfall und darin, dass russische Truppen das AKW unter Missachtung internationalen Kriegsrechts Anfang März unter ihre Kontrolle brachten, nun sogar als Militärstützpunkt missbrauchen. Doch es gilt, ein gerade ausgebrochenes Feuer so schnell wie möglich zu löschen, statt zuerst nach dem Schuldigen zu suchen oder die Anforderungen an eine Löschaktion zu hoch zu hängen, als dass sie umgesetzt würde.

Seit Wochen versucht der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, eine dringend notwendige Vor-Ort-Inspektion der Anlage in die Wege zu leiten. Anlass zur Hoffnung gibt, dass nun sowohl Russland als auch die Ukraine dem Besuch der Expertengruppe um Grossi zustimmen. Doch es muss viel mehr geschehen ...

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China | Solar Ausbau | Förderung

Das Solardach der Welt

China arbeitet an der grünen Wende. Bereits seit einigen Jahren ist China führend im Solarausbau. Nun will die Regierung auch Solardächer fördern. Die neu installierte Kapazität könnte so auf bis zu 80 Gigawatt pro Jahr ansteigen.

China baut Erneuerbare Energien aus. Seit kurzem will die chinesische Regierung auch Solardächer verstärkt fördern und ausbauen, um seine Emissionen zu reduzieren.

China fördert Rooftop-PV

Dachsolaranlagen sind im Aufwind, wie China Daily berichtet. Grund sind Fördermaßnahmen der Regierung, zu denen ein fest garantierter Einspeisetarif über Marktniveau und Partnerprogramme mit Städten und Regionen gehört. Zudem soll die Hälfte der neu gebauten öffentlichen Einrichtungen bis 2025 mit Solaranlagen auf Dächern ausgestattet werden.

In den letzten fünf Jahren ist die installierte Leistung von Solardachanlagen in China bereits deutlich angestiegen. Von nur 4 Gigawatt im Jahr 2016 stieg sie rapide auf 19,4 Gigawatt im Jahr 2017 an. 2021 waren insgesamt 27,3 Gigawatt Rooftop-PV in China installiert. Es wird erwartet, dass die Gesamtkapazität bis 2025 erneut stark anwächst, nämlich auf rund 94,7 Gigawatt.

Ende Juni rief die nationale Energiebehörde Chinas dazu auf, Landkreise für ein Solardach-Förderprogramm zu nominieren. Daraufhin entwickelten 25 Provinzen Pilotprogramme für Aufdach-Solaranlagen. Im Osten und Süden Chinas werden derzeit die meisten dezentralen Photovoltaikanlagen installiert. Das liegt wohl vor allem an der stärkeren Wirtschaftskraft dieser Landesteile, denn in den Provinzen Zhejiang, Shandong, Jiangsu und Anhui ist die Stromnachfrage besonders hoch ...

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Klimaschutz | Dürre | Hochwasser

Was sich kein Politiker zu sagen traut

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
sengende Hitze, ausgetrocknete Flüsse, brennende Wälder:
Dieser Sommer vermittelt uns eine Ahnung davon, was uns in den kommenden Jahren erwartet. Der Planet heizt sich schneller auf, als es selbst pessimistische Wissenschaftler erwartet haben, und noch immer wirkt die Klimaschutzpolitik wie Tropfen auf den heißen Stein.

Bezahlbare Energie für die gesamte Bevölkerung hat derzeit Priorität, das ist schon klar. Aber es mutet absurd an, dass wir selbst jetzt noch verzweifelt versuchen, unsere Lebensgewohnheiten vollständig beizubehalten, nur dass Gas halt teurer wird und künftig aus Norwegen statt aus Russland kommt. Noch immer traut sich kein einziger führender Politiker, den Bürgern reinen Wein einzuschenken.

Reiner Wein würde bedeuten: Wir müssen unseren Konsum, Verkehr und Verzehr grundsätzlich hinterfragen und ändern. Das sagt sich leicht und tut sich schwer, auch das ist klar. Deshalb habe ich die Journalistin Sara Schurmann dazu befragt. Sie beschäftigt sich intensiv mit den Folgen der Erderhitzung und hat das Buch "Klartext Klima" geschrieben. Was Sie zu sagen, ist bemerkenswert:

Dürren, Stürme und Überschwemmungen nehmen auch hierzulande zu. Wie schlimm ist die Lage an der "Klimafront" wirklich?

In Deutschland und Europa herrscht oft noch die Vorstellung, dass es uns schon nicht so hart treffen werde. Natürlich wird der Globale Süden schon heute viel härter von den Auswirkungen der Klimakrise getroffen. Aber es ist eine Illusion, dass die nördlichen Länder glimpflich davonkommen ...

 

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16. August

 

Erneuerbare Energien | Landwirtschaft | Agri Photovoltaik

Schlaues Konzept mit Sojaersatz-Wiese und Agri-PV

Wiesenpflanzen statt Soja als Futtermittel, Agri-Photovoltaik mit nachgeführten Solartrackern, niedertemperierte Abfallwärmenutzung für Trocknung – was in der Landwirtschaft alles möglich ist, zeigt Michael Schneider aus Stoffenried.

Der Landwirt Michael Schneider aus Stoffenried verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz beim Thema Nachhaltigkeit und Agri-PV. Er betreibt Wiesen-PV und macht aus grüner Biomasse wie etwa blühenden Wiesen Sojaersatz für den gesamten Nutztierbereich. So löse er das Omega3-Mangelzeitalter auf, wie er selbst uns schrieb. Fest steht außerdem, dass weniger Soja als Futter für Nutztiere importiert werden muss. Auf diese Weise wird CO2 eingespart – und vielleicht die eine oder andere Monokultur, die brasilianischen Urwald verdrängt ...

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Erneuerbare Energien | Hitze Trocken | Niedrigwasser

Nötig sind Privilegien für den Ausbau der Erneuerbaren Energien

Rekordtiefstände im Rhein und die unglaubliche Bevorzugung der Brandbeschleuniger Erdöl, Erdgas und Kohle beim Transport. Ein Kommentar.

Die Wälder brennen auch in Europa wie nie zuvor, eine nie dagewesene monatelange Dürre bringt katastrophale Missernten, eine Hitzewelle jagt die andere und sie kosten immer mehr Hitzetode. Und nun sind schon im August der Rhein und andere Flüsse bald auf Rekordniedrigwasserstand, was es bislang in ähnlicher Form nur manchmal im Herbst gab.

[...]

Falsche Bevorzugung

Jetzt sollen auf der Bahn die Hauptverursacher des Niedrigwassertandes auf den Flüssen – Erdöl, Erdgas Kohle – bevorzugt befördert werden? Warum aber nicht Solarmodule, nicht Windkraftequipment, nicht Biokraftstoffe, nicht Personen, die vom Erdölauto auf die Bahn umsteigen wollen oder gar Lebensmittel. Nein: Bevorzugt transportieren soll die Bahn nun die Klimabrandbeschleuniger Erdöl, Erdgas, Kohle ...

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PutIn | Horrorclown | Taschenfüller

Nach Invasion: Putin kontrolliert jetzt Bodenschätze der Ukraine im Wert von mehr als zwölf Billionen Dollar

Laut einer Analyse von SecDev für die „Washington Post“ hat Russland inzwischen die wichtigsten Naturschätze der Ukraine im Wert von 12,4 Billionen US-Dollar (12,15 Billionen Euro) fest im Griff.
Moskau kontrolliert dem Bericht zufolge derzeit 63 Prozent der ukrainischen Kohlevorkommen, elf Prozent des Erdöls, 20 Prozent des Erdgases, 42 Prozent der Metalle und 33 Prozent der seltenen Erden.

Sollte es dem Kreml gelingen, ukrainisches Land, das während der russischen Invasion eingenommen wurde, tatsächlich zu annektieren, würde Kiew fast zwei Drittel seiner Bodenschätze verlieren, so der Bericht. Dadurch würde Russland dem Land seine wichtigsten wirtschaftlichen Pfeiler entziehen ...

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Neubau Akw | Flamanville | Hinkley Point C | Olkiluoto

Atomoffensive bleibt aus

Die Energiekrise in Europa hat der Nuklearindustrie bisher keine Aufträge gebracht. Stattdessen kollabieren ältere Meiler, während die Baukosten für neue AKWs steigen.

In keinem anderen Land wird ähnlich hitzig über die Energiepolitik gestritten wie in Deutschland. Aber die Energiekrise hinterlässt auch in anderen Ländern Europas tiefe Spuren. Neubauprojekte für Atomkraftwerke hat sie bisher nicht angeschoben, zumal diese frühestens im nächsten Jahrzehnt Strom liefern würden und weder den von Putin initiierten Gasnotstand noch die hohen Strom-, Gas- und Ölpreise aktuell beeinflussen könnten. So konzentriert sich die Diskussion vor allem auf Laufzeitverlängerungen.

Die Atomindustrie taugt aber auch deshalb kaum als Retter in der Krise, weil sie sich gerade jetzt „in erschreckender Verfassung“ präsentiert, so Mycle Schneider, Herausgeber des World Nuclear Industry Status Report, gegenüber der taz. Die Lage der Nuklearbranche sei prekär und sehr viel problematischer als allgemein wahrgenommen. Und das nicht nur wegen der Kostenexplosionen und extremen Verzögerungen bei den im Bau befindlichen Kraftwerken. Viel dramatischer, so Schneider, sei der Kollaps der französischen Atomflotte und der Alptraum in der Ukraine. Dort wird mitten im Kriegsgebiet das Atomkraftwerk Saporischschja als Schutzschild missbraucht.

[...]

Die zweite Katastrophe findet in Frankreich statt, wo – nach Kapazität bemessen – mehr als die Hälfte der Atomkraftwerke seit Monaten nicht zur Verfügung steht. Zu wenig Kühlwasser aus überhitzten Flüssen, Korrosionsschäden, Haarrisse, Schweißnahtprobleme, Personalnöte und anstehende Wartungs- und Reparaturarbeiten bei altersschwachen Anlagen haben Frankreich in einen akuten Notstand versetzt. Der Strompreis ist weit höher als in Deutschland und war kurzzeitig an den Börsen auf irrwitzige drei Euro je Kilowattstunde geklettert. Ohne massive Stromimporte und den Betrieb der Gaskraftwerke gingen in der Grande Nation die Lichter aus. Zugleich musste der französische Staat den maroden Atomkonzern EDF übernehmen, dessen Schuldenberg bis zum Jahresende auf 65 Milliarden Euro geschätzt wird. Dass sich die Fertigstellung des einzigen AKW-Neubaus in Flamanville immer weiter verzögert, komplettiert das Desaster. Der Rechnungshof hat die Kosten dort zuletzt auf horrende 19,2 Milliarden Euro beziffert.

Wie geht es im Nachbarland weiter? Die Ausfälle können „mehrere Jahre dauern“, räumt EDF ein ...

 

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15. August

 

Laufzeit | FrackingAtomlobby

IMHO

Laufzeitdebatte versandet im Sommerloch

Zur Nutzung der Kernenergie hat mittlerweile fast jeder etwas zum Besten gegeben, und es gab die abstrusesten Vorschläge, nur leider keine neuen:

Der selbsternannte "Energieexperte" der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, präsentiert seinen Beitrag in besonders einfacher Sprache:

"Ich würde die Kernkraftwerke so lange länger laufen lassen, so lange die Gasmangellage dauert."

Voll clever, der Mann weiß natürlich ganz genau, dass die Erdgaskrise niemals endet und wir in wenigen Jahren unweigerlich aus der Nutzung fossiler Ressourcen aussteigen werden. Im Klartext: Er will einfach, dass wir endgültig zur Kernenergie zurückkehren.

Andere "Experten" meinen, wir sollten uns China als Vorbild nehmen, sowie Japan, Ägypten und die Türkei.

Interessanterweise steht Russland nicht ganz oben auf der Liste der vorbildlichen Länder, obwohl Putin Atomkraftwerke nicht nur in Russland, sondern auch die Akws in der Türkei und Ägypten bauen lässt.

Bevor es noch peinlicher wird und unsere Blechbüchsenarmee womöglich auch noch auf die Idee kommt, die Todesstrafe wieder einzuführen und den "Fehrbelliner Reitermarsch" zur Nationalhymne zu erheben, ist das Sommerloch, gefüllt mit dem ganzen Müll der Vergangenheit, hoffentlich bald überstanden.

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Frankreich | Hitze

Energieversorgung

Hitzewelle bringt Frankreichs Atomkraftwerke ins Schwitzen

Seit Wochen herrscht auch in Frankreich wieder brütende Hitze. Das macht den Atomkraftwerken des Landes zu schaffen. Doch die Vormachtstellung der Kernenergie stellt das bisher nicht in Frage.

Seit Wochen brütet Frankreich - wie andere europäische Staaten - immer wieder bei Temperaturen von um die 40 Grad. Vielerorts wird das Trinkwasser knapp, die Böden trocknen aus, Waldbrände wüten. Auch die Atomkraftwerke (AKW) des Landes kommen durch die Hitze ins Schwitzen.

Etwa ein Fünftel der 56 Reaktoren müssten eigentlich den Betrieb einstellen oder zumindest auf eine Minimalkapazität begrenzt werden, weil die Flüsse, in die sie das erhitzte Kühlwasser ableiten, mittlerweile zu warm sind und eine festgelegte Temperaturgrenze überschreiten. Doch diese Regel hat die französische Regierung mindestens bis zum 11. September ausgesetzt ...

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Vertrauen | Atomausstieg

In der Atomfrage geht es um Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung

Von Tschernobyl über Gorleben und den Ausstiegsbeschluss bis zur Endlagersuche hat unsere Gastautorin Atompolitik miterlebt, dagegen gekämpft und einiges mitgestaltet. Die Bundestagsabgeordnete der Grünen wirft einen persönlichen Blick auf die aktuelle Debatte.

Als der Super-Gau in Tschernobyl 1986 Radioaktivität über halb Europa verteilte, war ich gerade sieben Jahre alt. Die Sowjetunion wollte den Unfall nicht zugeben. In Skandinavien schlugen die Messgeräte an. Erst Tage nach dem Unfall berichteten die Medien. Die Bundesregierung war hilflos.

Meine Eltern: hochgradig besorgt. Meine Familie kaufte literweise H-Milch und stapelte sie im Keller, weil die frische Milch durch radioaktiven Fallout belastet sein könnte – wie heute noch Pilze und Wildtiere besonders im Süden Bayerns.

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Die Auseinandersetzung mit der gewaltigen Zerstörungskraft der Atomkraft – ob als Bombe oder durch Unfälle in der "zivilen" Nutzung – sowie die Erfahrungen aus der Endlagerkommission haben meine Überzeugung gestärkt, dass wir den Planeten, unser einziges Zuhause, diesem großen und unnötigen Risiko nicht länger aussetzen dürfen.

Denn es gibt deutlich bessere und sicherere Alternativen zur Atomkraft, in jeder Hinsicht. In Verantwortung nicht nur für uns selbst, sondern auch für die nachfolgenden Generationen ist daher der einzig richtige Weg, den Atomausstieg zu vollenden.

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Ausbau Erneuerbare | Versprechen | Fakten

Atomkraft ist eine Fata Morgana

Während in Deutschland darüber diskutiert wird, die Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen, hat die französische Stromerzeugung einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das Beispiel zeige, dass die Atomkraft all ihre Versprechen nicht gehalten hat, argumentieren BEE-Chefin Simone Peter (Grüne), Klaus Mindrup (SPD) und der Forscher Eicke Weber (FDP). Die Autoren sind sich parteiübergreifend einig, dass die Ampel jetzt alle Kraft in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken müsse.

Das Ausmaß der Ignoranz gegenüber Fakten in der derzeitigen energiepolitischen Debatte in Deutschland ist besorgniserregend und demokratiegefährdend. Während in Deutschland von Energiewende-Skeptikern und letzten Atomfreunden von der Rettung durch die Atomenergie geträumt wird, befindet sich die angeblich versorgungssichere Atomenergie in unserem Nachbarland Frankreich im Krisenmodus ...

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Fracking | Erdgas | Kini Jödler

Kommentar: Fracking in Deutschland ist auch keine Lösung

Kein Platz, kein wirtschaftlicher Gewinn, kein Klimanutzen und dann auch noch der Umweltschaden. Der Aufwand für das Fracking würde sich nicht lohnen.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) fordert, die umstrittene Erdgasförderung aus unkonventionellen Quellen mittels Fracking "ergebnisoffen zu prüfen". Als sei das nicht schon längst geschehen, beispielsweise durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) oder im Regelungspaket Fracking der drei Bundesministerien für Wirtschaft, Umwelt und Forschung der Vorgängerregierung. Dass die wichtigsten unkonventionellen Erdgasfelder in Norddeutschland liegen, kommt ihm dabei gut zupass. So braucht er in Bayern weiterhin nichts zu tun, etwa Windkraftwerke zu bauen. Schließlich gilt Erdgas ja jetzt als "Grün" ...

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Erneuerbare Energien | Landwirtschaft | Agri Photovoltaik

Agri-Photovoltaik-Konferenz

Landwirtschaft und Solarenergie kombinieren

Flächen mehrfach nutzen und Strom und Nahrungsmittel ernten. Das ist die Vision der Agri-Photovoltaik. Die letzten zehn Jahre haben gezeigt: Es funktioniert. Erfolgsgeschichten und Geschäftsmodelle werden im September in Amsterdam diskutiert.

Agri-Photovoltaik gehört zu den spannendsten Entwicklungen in der Welt der Erneuerbaren Energien. Mit PV-Modulen über landwirtschaftlichen Flächen können diese doppelt genutzt und sowohl Nahrungsmittel als auch Energie produziert werden. Der Solarplaza-Summit in Amsterdam bringt die wichtigsten Akteure aus der Agri-PV-Branche zusammen und zeigt Geschäftsmodelle und Case-Studies der noch jungen Agri-PV-Branche auf.
Landwirtschaft und Solarenergie kombinieren

Grundsätzlich unterscheiden sich Agri-PV-Anlagen im Hinblick auf die produzierte Strommenge kaum von anderen PV-Anlagen, die direkt auf offenen Flächen montiert werden. Technische Komponenten und Halterungen für die Anlagen unterscheiden sich hingegen sehr wohl, da Höhe und Ausrichtung, Montagekonstruktionen und Moduldesign sich deutlich von klassischen Freiflächenanlagen unterscheiden.

Das Fraunhofer-Institut unterteilt die Agri-Photovoltaik grob in drei Bereiche: Solarmodule über Ackerflächen, Weideflächen oder Gewächshäusern ...

 

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14. August

 

Energiewende | ökologi... | Reform | System Change

Amputierte Energiewende, grüne Technokratie und ein neues ökologisches Manifest

Kalenderwoche 32: Die Klimakrise ist in der Vorstellung der meisten Menschen, auch der Politiker, noch weit weg, sagt Michael Müller, SPD-Vordenker und Mitglied im Herausgeberrat von Klimareporter°. Die Klimawende dürfe nicht zum Brandbeschleuniger für die Spaltung zwischen Arm und Reich werden.

Klimareporter°: Herr Müller, derzeit läuft das "System Change Camp" in Hamburg. 40 Gruppen rufen zu einem Systemwechsel und zum sofortigen Erdgasausstieg auf. Erstmals soll bei einer geplanten Massenaktion der Klimabewegung Sabotage in den Aktionskonsens aufgenommen worden sein. Kann die Klimabewegung so zu alter Stärke zurückfinden?

Michael Müller: Geschichtlich war die Umweltbewegung seit den 1970er Jahren lange Zeit aktionsorientiert und nicht unbedingt auch theorieorientiert. Eine Ausnahme waren die beiden Energiewendekonzepte und das Treibhausgasreduktions-Szenario von 1990.

Heute ist die Umweltbewegung in weiten Teilen eine "grüne Technokratie", hochspezialisiert, aber keine gesellschaftliche Reformbewegung. Ich sehe die immanente Schwäche darin, dass der Klimakrise, dem Ressourcenraubbau, der Überlastung der Ökosysteme, aber auch der wachsenden sozialen Ungleichheit keine konkrete Vision eines ganzheitlichen humanen Fortschritts entgegengestellt wird.

Das ist natürlich eine gewaltige Aufgabe, aber sie ist notwendig. Überhaupt muss sich die Umweltbewegung nicht am Möglichen, sondern am Notwendigen ausrichten. Und das ist die sozial-ökologische Gestaltung der Transformation. Wenn das die Klimabewegung macht, quasi "Das ökologische Manifest" schreibt, dann wird sie in unserer Zeit, die so sehr unter Theorielosigkeit leidet, zum Motor des Umbaus ...

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alter Reaktorrisk | Wiederauf... | Atommüll

Zukunft der Kernkraft

Nukleare Technologien für die Klimarettung

Die meisten Kernkraftwerke sind alt und ineffizient, das Atommüllproblem bleibt ungelöst. Könnten technische Lösungen die Kernkraft zukunftsfit machen?

Telefonieren Sie noch über Festnetz? Hören Sie sich noch die neuesten Kassetten mit Ihrem Walkman an? Oder ärgern Sie sich etwa täglich über die Auflösung Ihres Röhrenbildschirms? Für die meisten wird die Antwort Nein lauten. Technologie, die mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel hat, ist in der Regel heute veraltet und wird nicht mehr verwendet. Alt ist nicht gleich schlecht – doch wenn es um kritische Infrastruktur geht, etwa um Sicherheit oder Energieversorgung, verlassen wir uns gerne auf den neuesten Stand der Technik.

Umso erstaunlicher, dass ein Großteil der Kernkraftwerke der Welt zwischen dreißig und vierzig Jahre alt ist. Obwohl Betreiber ihre AKWs laufend warten und neue Sicherheitsmaßnahmen installieren, hat sich das Design der Reaktoren im Wesentlichen seit den Fünfzigern nicht verändert: Die meisten Kernkraftwerke laufen mit Druckwasser- oder Siedewasserreaktoren ...

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KlimazieleGlasgow | Klimakonferenz | Erwärmung

Wie? Was? Neue Klimaziele? Das hat doch sicher noch Zeit!

Forst und Wüste Bis September sollen alle Staaten ihre nationalen Klimaziele erneuern, so sieht es der Pakt von Glasgow vor. Raten Sie mal, wie viele Staaten das bisher getan haben. Eine Antwort finden Sie hier

Der diesjährige Sommer lässt uns den Klimawandel mit Dürren, Waldbränden, Überflutungen und Gletscherabbrüchen deutlich spüren (Ja, liebe Zweifler, alles, was ich gerade aufgezählt habe, lässt sich auf die globale Erwärmung zurückführen). Aber zum Glück machen wir ja was dagegen: Es gibt die jährlichen Klimakonferenzen, auf denen wird was beschlossen, dann werden alle Länder aktiv, und ein Jahr später macht man von da weiter … So die Theorie. In der Praxis passiert leider herzlich wenig. Also fast gar nichts.

Noch mal schnell das Prinzip erklärt: Wir haben bemerkt, dass es auf der Erde heißer wird, als uns guttut. Nach ein bisschen Hin und Her haben wir festgestellt, dass wir selbst daran schuld sind, indem wir Unmengen Kohlenstoffdioxid und Methan in die Atmosphäre blasen. Dank der umfassenden Berichte des Weltklimarats, in dem sich Hunderte internationale Klimaforschende zusammengeschlossen haben, glauben das mittlerweile auch fast alle (bis auf wenige Unbelehrbare, die dafür aber glauben, dass US-amerikanische Politiker*innen im Keller einer Pizzeria einen Kinderpornoring betreiben) ...

 

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Aktuelles+ 14. August

 

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Kommunikation | Propagandamilitärisch-industrieller KomplexIrak-KriegUkraine-Krieg

Gehirnwäsche? – Strategische Kommunikation!

Bei der Rechtfertigung des Irak-Krieges unterliefen dem damaligen US-Präsidenten und der Nato Fehler. Daraus wurde inzwischen gelernt. Der Ukraine-Krieg Russlands soll als seit 1945 beispielloser Zivilisationsbruch erscheinen.

Die Zeilen, die Wolfgang Borchert zwei Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach Hiroshima schrieb, waren bewegt von der großen Sorge vor einem nuklear geführten Dritten Weltkrieg, und motiviert davon, dass nur wenige Menschen die gleiche Entschiedenheit an den Tag legten:

Du. Mann auf dem Dorf und Mann in der Stadt. Wenn sie morgen kommen und dir den Gestellungsbefehl bringen, dann gibt es nur eins: Sag Nein!

Denn wenn ihr nicht Nein sagt, wenn ihr nicht nein sagt, Mütter, (…) dann wird der letzte Mensch, mit zerfetzten Gedärmen und verpesteter Lunge, antwortlos und einsam unter der giftig glühenden Sonne und unter wankenden Gestirnen umherirren, einsam zwischen den (…) betonklotzigen verödeten Städten, der letzte Mensch, dürr, wahnsinnig, lästernd, klagend - und seine furchtbare Klage:

Warum? wird ungehört in der Steppe verrinnen, durch die geborstenen Ruinen wehen, versickern im Schutt der Kirchen, gegen Hochbunker klatschen, in Blutlachen fallen, ungehört, antwortlos (…) all dieses wird eintreffen, morgen, morgen vielleicht, vielleicht heute Nacht schon, … wenn – wenn – wenn ihr nicht Nein sagt.
Wolfgang Borchert

Damit die Bevölkerung solchen Warnungen nicht folgt, hat sich der militärisch-industrielle Komplex die "Strategische Kommunikation", eine Manipulationstechnik der Werbeindustrie zu eigen und zu Nutze gemacht. 2015 beklagte die Kalkarer Strategischmiede Joint Air Power Competence Centre (JAPCC), dass ihre Gegner ("hostile entities") die Öffentlichkeit so effektiv beeinflusst haben, dass die Mehrheit der Bevölkerung skeptisch gegenüber den Operationen der Militärs ist.

Während der JAPCC-Konferenz unter dem Titel "Strategische Kommunikation" beklagten die Strategen einen, wie sie fanden, Kommunikationsfehler der US-Administration unter George W. Bush bei der Rechtfertigung des Irak-Krieges:

Die Menschenrechte sind der Bereich, in dem die Nato im Vorteil ist, da die Feinde der Nato in der Regel Gruppen und Länder sind, die sich nicht um diese Rechte scheren. Wenn es misslingt, die Öffentlichkeit für eine Unterstützung militärischer Operationen zu gewinnen (…), dann steht in direktem Zusammenhang mit der moralischen Rechtfertigung eines Krieges.

Im Irak-Krieg 2003 beging die Bush-Regierung einen großen strategischen Fehler, indem sie auf den den Besitz von Massenvernichtungswaffen durch Saddam Husseins Regime verwies. In den 1990er-Jahren führte Saddam Hussein ein Massenmordprogramm durch, das systematisch bis zu 250.000 Iraker in Folterkammern und auf den riesigen Tötungsfeldern das Leben kostete, wie es die Koalitionsstreitkräfte im Jahr 2003 aufdeckten.

Wären die Beweise für Saddam Husseins Gräueltaten einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht worden, wäre die öffentliche Unterstützung für den Krieg viel stärker gewesen.
JAPCC-Konferenzvorbereitungsmanukskript, S. 44 (Übers.: B. T.)

Der Nato unterlief der Fehler, dass ihre Lüge von den Massenvernichtungswaffen des Irak als Legitimation für den Überfall und den seither endlosen militärischen Konflikt aufflog.

Den Militärs ging es bei ihrer Kritik an US-Präsident Bush nicht darum, dass dieser Krieg hunderttausende Menschenleben forderte, dass er völkerrechtswidrig war und dass Nato-Truppen dort nachweislich Kriegsverbrechen begingen. Das Problem war, dass die Öffentlichkeit aufgrund der offensichtlichen Lüge gegen diesen Krieg eingestellt war. Das passiert ihnen nicht noch einmal.

Einfache Geschichten mit klarem Gut-Böse-Muster

Die Essener Konferenz von 2015 empfahl laut Auswertungsmanuskript Seite 12, für die Manipulation der Öffentlichkeit einfache Geschichten mit klarem Gut-Böse-Muster zu verbreiten.

Man könne sie in ständig veränderter Form immer wieder verbreiten, etwa so: In einfachen Geschichten sind die eigenen Soldaten im Gegensatz zur anderen Seite Vertreter des Guten. Beim Gegner ist die Gefahr zuhause, doch die eigenen Soldaten sind "gut trainierte junge Menschen, die eine fantastische und noble Arbeit in herausfordernden Umständen erledigen".

Solche Geschichten sollen eine menschliche Dimension enthalten, auch dadurch, dass sie direkt im Herz der an den eigenen Aktionen Beteiligten das Gute darstellen. Besonders gut eignen sich beispielsweise Berichte von Piloten, die "humanitäre Hilfe zu hungernden Kindern" brachten, oder Militärs mit großer Präzision böse Kerle beobachteten – sie sind ja die Guten – und die dann auf Basis intelligent zusammengestellter Bildmaterialien ihren Schlag ausführten, heißt es im Auswertungsmanuskript auf Seite 15.

Schwungvoll-harmonische Musik und eine sympathische, entschiedene Frauenstimme, die Verteidigung, Sicherheit und Allianz im Angesicht der Aggressivität der Rivalen könne die erwünschte Wirkung verstärken.

Bilder, die sich nicht mehr gut machen

Die Propaganda hat auch aus dem Vietnam-Krieg gelernt, in dem die Bilder von US-Bomberflotten, die sogenannte Bombenteppiche über bewohnten Gebieten ausklinkten, von Massakern und Napalm-Angriffen oder auch von Exekutionen sowie der durch Giftgaswolken erwirkten Entlaubung des dortigen Regenwaldes den Widerstand gegen den Krieg in den westlichen Metropolen ansteigen ließ.

Heute werden Bilder von Brutalität nur dann verbreitet, wenn sie der Gegenseite zugeordnet werden können. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine wird für die westliche Öffentlichkeit als seit 1945 beispielloser Zivilisationsbruch aufbereitet.

Ergebnis: Wer heute gegen die Lieferung von Waffen, auch von schwerem Kriegsgerät an die Ukraine ist, wird in der Öffentlichkeit schnell zum Putin-Propagandisten.

Wer vom Anteil des Westens an der Entwicklung der Spannungen spricht, die zum Ukraine-Krieg führten, wird schnell ausgegrenzt und delegitimiert. Wer davor warnt, einen Krieg in einem Staat mit dem leistungsstärksten Atomkraftwerk Europas weiter zu befeuern, dem verschließen sich viele Ohren.

Es ist bestürzend, zu sehen, wie viele Menschen ohne Nachdenken zum unkalkulierbaren Risiko des nuklearen Endes der europäischen Zivilisation ‚Ja‘ sagen und Diplomatie als naiv ablehnen. Das erinnert an die Warnungen Wolfgang Borcherts. Die Gehirnwäsche der Strategischen Kommunikation greift.

In der Situation haben Aktive der Friedens- und Umweltbewegung einen Appell in den öffentlichen Diskurs eingebracht, um zum Nachdenken anzuregen:

Die in viele massive Völkerrechtsbrüche seit dem Ende des Kalten Krieges verwickelten Nato-Staaten beantworten den Krieg Russlands gegen die Ukraine mit einem Wirtschaftskrieg aus vielen Einzelmaßnahmen wie Sanktionen, Embargos und Extrazöllen. Ihr Bestreben, Russland zu ruinieren – so die Außenministerin Baerbock nach Kriegsausbruch führt zu sozialen Verwerfungen in Europa und weltweit, die der Bevölkerung zusetzen:

Inflation, Lieferkettenunterbrechungen, beschleunigte Verbreitung von Armut, vor allem auch im globalen Süden durch Inflation, Lieferkettenunterbrechungen, Exportstopp für Düngemittel usw.

Die Verbreitung von Armut nimmt dramatische Form an. (…) Die Lieferung von immer mehr und schweren Waffen in die Ukraine kostet noch mehr Menschenleben und steigert das Risiko, das von den 15 Atomreaktoren in der Ukraine ausgeht: Ihre Sicherheit hängt von einer zuverlässig ununterbrochenen Kühlung – also von einer sicheren Versorgung mit Wasser ab. Dafür bedarf es eines stabilen Stromnetzes.

Grundsätzlich sind Kriege abzulehnen, erst recht dort wo AKWs stehen. In der Ukraine steht Europas leistungsstärkstes AKW, seine Havarie wäre für ganz Europa verheerend. Die gegenwärtigen Kriege bergen neben dem Leid, das sie verursachen, das Potential in sich, in einem nuklearen Inferno zu münden. Der einzige zu verantwortende Ausweg aus dieser Gefahrenlage ist der der Diplomatie.
Friedensökologischer Appell

Diese Botschaft wird nicht nur bei Veranstaltungen zum Antikriegstag auf offene Ohren stoßen. Die brandgefährliche Eskalationspolitik und das Messen mit zweierlei Maß werden zunehmend hinterfragt werden, wenn die Politik des Wirtschaftskrieges gegen Russland ihre armutssteigernde Wirkung in der Gesellschaft entfaltet.

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

MIK saugt uns aus ...

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Die interne Suche:

Kommunikation

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

Die Reaktorpleite - THTR 300#Kommunikation ist eine hohe Kunst

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25. April 2021 - MiK rüstet sich für kommende wichtige Schlachten

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10. März 2021 - Deutsche Umwelthilfe warnt vor Renaissance der Atomkraft unter dem Deckmantel des Klimaschutzes

 

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YouTube-Kanal - Reaktorpleite

 

arte Doku - 00:01:54

Ausschnitt aus "Wy We Fight - Amerikas Kriege"

US-Präsident Dwight D. Eisenhower: Warnung vor dem militärisch-industriellen Komplex

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Terra X - 09:21

Eine kurze Geschichte des Friedens

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arte Doku - 00:52

Atombombe : Die mächtigste Bombe der Welt

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arte Doku - 01:38:43

Doku: Why We Fight - Amerikas Kriege - Der militärisch-industrielle Komplex

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Deutsche Fernsehgeschichte - 01:06:28

Von wegen, wir haben nichts davon gewusst! Diese Sendung ist von 1958.

Atomstaub über uns - Gefahren radioaktiver Strahlung (Dokumentation, 1958)

 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema

 

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Ecosia

Diese Suchmaschine pflanzt Bäume!

 

Stichwortsuche: Manipulation Kommunikation

https://www.ecosia.org/search?q=manipulation kommunikation

 

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Wikipedia

 

Gehirnwäsche

Gehirnwäsche (englisch brainwashing, auch Mind Control, „Bewusstseinskontrolle“) ist ein Konzept zu sogenannter psychologischer Manipulation. Dabei wird mit Taktiken der mentalen Umprogrammierung das Selbstvertrauen und die eigene Urteilskraft der Zielperson angegriffen, um deren Grundeinstellungen und Realitätswahrnehmungen zu destabilisieren und anschließend durch neue Einstellungen zu ersetzen. Ältere Gehirnwäsche-Methoden versuchten den psychischen Widerstand mit körperlicher Gewalt zu brechen. Theorien der Gehirnwäsche entstanden zunächst im Zusammenhang mit totalitären Staaten. Später wurden sie vereinzelt auch in religiösen Gruppen (Sekten) angewandt. Ob Gehirnwäsche möglich ist, ist wissenschaftlich nicht gesichert.

1975 hat die UNO in ihrer Erklärung über den Schutz aller Personen vor Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (Nr. 3452, 9. Dezember 1975) auch die Methode der Gehirnwäsche mittels manipulativer Psychotechniken eingeschlossen ...

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Integrierte Kommunikation

Integrierte Kommunikation bezeichnet im Bereich der Kommunikationspolitik den Prozess der vernetzten strategischen Kommunikation. Sie umfasst Analyse, Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle (Management) der gesamten internen und externen Kommunikation von Unternehmen bzw. Organisationen mit dem Ziel, eine konsistente Unternehmenskommunikation zu gewährleisten.

Die moderne Unternehmenskommunikation nutzt zahlreiche Wege, um mit den jeweiligen Zielgruppen zu kommunizieren. Die Integrierte Kommunikation hat die Aufgabe, aus der Vielfalt der eingesetzten Instrumente und Maßnahmen der internen und externen Kommunikation ein widerspruchsfreies Kommunikationssystem zu erstellen, um ein für die Zielgruppen der Kommunikation konsistentes Erscheinungsbild über das Unternehmen bzw. über Produkte, Dienstleistungen, aber auch Ideen oder Meinungen des Unternehmens zu vermitteln.

Die integrierte Kommunikation ist zugleich ein Managementprozess. Dieser beinhaltet die Planung und Koordination der Inhalte sowie die Auswahl der Kommunikationsinstrumente ...

 

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Widerstand (Politik)

Als Widerstand wird die Verweigerung des Gehorsams oder das aktive oppositionelle Handeln gegenüber der Obrigkeit oder der Regierung bezeichnet.

Dabei ist es zunächst von nachgeordneter Bedeutung, ob die Machthaber, gegen die Widerstand geleistet wird, die Herrschaft legal, legitim oder aber illegal ausüben. Bewertungen wie „gerechtfertigter Widerstand“, Ziele und Mittel des Widerstands, moralische und rechtliche Belange setzen einen Betrachter-Standpunkt voraus: es kommt darauf an, von wem, an welchem Ort und zu welcher Zeit die Bewertung vorgenommen wird. Der Widerständige wird den Widerstand immer anders bewerten als der, gegen den sich der Widerstand richtet. Letzterer aber ist in der Regel die „Obrigkeit“, die gleichzeitig die Definitionsmacht über Recht und Gesetz innehat. Widerstand befindet sich entsprechend außerhalb der gesetzten Ordnung.

Hintergrund und Abgrenzung

Widerstand als Form der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung ist in der politischen Kultur Europas schon seit der Antike verankert. In fast allen Gesellschaftsformen bestand oder besteht ein Konsens, dass Widerstand in bestimmten Fällen notwendig und legitim sein kann. In konkreten Fällen gehen die Meinungen darüber zuweilen auseinander.

Widerstand ist von der Revolution abzugrenzen, weil er nicht grundsätzlich auf die Neuformierung der gesellschaftlichen Ordnung abzielt. So kann unter Umständen die Wiederherstellung eines alten Rechts oder einer aufgehobenen Rechtsordnung das zentrale Anliegen sein. Dennoch kann eine als Widerstand begonnene Bewegung in einer Revolution münden ...

 

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Newsletter XXXII 2022 - 07. bis 13. August | Zeitungsartikel 2022

 

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