Newsletter L 2022

15. bis 19. Dezember

 

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Nuclear Power Accidents

Diese PDF-Datei enthält eine Liste bekannt gewordener Unfälle und Freisetzungen von Radioaktivität. Sobald neue Informationen verfügbar sind, wird diese Liste erweitert und aktualisiert ...

Auszug für diesen Monat:

02. Dezember 1949 (INES 4 | NAMS 3,8) Atomfabrik Hanford, USA

05. Dezember 1965 (Broken Arrow) Douglas A-4E Skyhawk, USA

06. Dezember 1972 (INES 3 | NAMS 1,6) Atomfabrik Sellafield, GBR

07. Dezember 1975 (INES 3) Akw Greifswald, DDR

21. Dezember 1972 (INES Klass.?!) Atomfabrik Pawling, USA

31. Dezember 1978 (INES 4) Akw Belojarsk, UdSSR

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Wir suchen aktuelle Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: nukleare-welt@reaktorpleite.de

 

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19. Dezember

 

Letzte Generation | Protest | Polizei kosten

Proteste der Letzten Generation:

Blockieren wird noch teurer

Die staatlichen Maßnahmen gegen Klima-Aktivist:innen werden massiver. Die Polizei in München will von ihnen nun auch Kosten fürs Wegtragen verlangen.

Die Ak­ti­vis­t:in­nen der Letzten Generation müssen in München bald auch Polizeikosten bezahlen, wenn der Kleber von der Straße gelöst wird und sie weggetragen oder weggeführt werden. Dies kündigte die Münchener Polizei am Sonntag gegenüber an. Rechtsgrundlage dafür ist unter anderem die bayerische Polizeikostenverordnung, sagte ein Sprecher gegenüber der taz ...

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Stromerzeugung | Bioenergie

Neuer Leistungsrekord 2022

Strom aus Bioenergie überholt Atomstrom in Deutschland

Die Bedeutung der Atomenergie in Deutschland geht 2022 immer weiter zurück, selbst die Bioenergie-Anlagen produzieren mittlerweile mehr Grundlaststrom als die letzten drei Atomkraftwerke. Am 17.12.022 haben die Bioenergie-Anlagen in Deutschland zudem einen neuen Leistungsrekord (Allzeithoch) aufgestellt.

Am letzten Samstag waren in Deutschland Bioenergie-Anlagen mit einer Leistung von über 5.200 MW am Netz und haben Strom in die deutschen Netze eingespeist, soviel Kraftwerksleistung wie noch nie. Zur selben Zeit waren die drei im Streckbetrieb befindlichen Atomkraftwerke in Deutschland mit nur noch rd. 3.700 MW am Netz ...

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Frankreich | Flamanville | Kosten gestiegen

Weitere Verzögerung der Inbetriebnahme des EPR in Flamanville

Die Beladung des EPR-Reaktors Flamanville 3 in Frankreich mit Brennelementen hat sich erneut um mindestens sechs Monate verzögert. Die geschätzten Kosten zum Zeitpunkt der Fertigstellung erhöhen sich um weitere 500 Mio. EUR (530 Mio. USD), teilte EDF mit.

In einem Update vom 16. Dezember teilte EDF mit, dass die Verladung der Brennelemente, die bisher für das zweite Quartal 2023 vorgesehen war, nun für das erste Quartal 2024 geplant ist.

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Das Unternehmen gab außerdem bekannt, dass die geschätzten Kosten für die Fertigstellung der Anlage von 12,7 Mrd. EUR auf 13,2 Mrd. EUR gestiegen sind ...

Übersetzt mit https://www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

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Berater Politik | Lobbyist | Lobbyregister

The Dark Side of Consulting:

Warum viele Berater in Berlin auch Lobbyisten sind

Consultants und Lobbyisten lassen sich normalerweise gut auseinanderhalten. Doch bei genauerem Hinsehen stellt man mehr Ähnlichkeiten und Vermischungen fest, als einem lieb sein kann. Auch viele Berater müssen sich deshalb ins Lobbyregister eintragen

Die Verknüpfungen von Beratung, Lobbyismus und Politik sind vielfältig, aber leider oft undurchsichtig.

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Fazit: Consultants betreiben Lobbyismus

Also doch: Consultants sind – wenn man diesem Gedanken folgt und pointiert formulieren möchte – Lobbyisten. Oder anders und etwas gesetzter ausgedrückt: Bei Consulting-Unternehmen, die Bundesministerien von der Unterabteilungsleitungsebene aufwärts in der Form der Expertenberatung unterstützen, ist es wahrscheinlich, dass sie die Merkmale eines Interessenvertreters im Sinne des Lobbyregistergesetzes erfüllen und sich dort eintragen müssen ...

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Naturschutz | Biodiversität | Weltnaturgipfel

Gipfel einigt sich auf Naturschutzabkommen

Auf dem Weltnaturgipfel haben sich die Teilnehmer auf ein neues UN-Naturschutzabkommen geeinigt. Rund 200 Staaten setzten sich das Ziel, mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen.

Nach rund zweiwöchigen Verhandlungen haben sich die Teilnehmer des Weltnaturgipfels im kanadischen Montreal auf eine Abschlusserklärung geeinigt. Darin setzten sich die rund 200 Staaten das Ziel, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen bis 2030 unter Schutz zu stellen. Außerdem wollen sie mehr Geld für den Schutz der Artenvielfalt ausgeben. Dafür sollen unter anderem reichere Länder ärmeren Ländern bis 2025 rund 20 Milliarden Dollar jährlich zukommen lassen.

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Naturschutzbund sieht Abkommen kritisch

Der Naturschutzbund NABU reagierte hingegen mit Ernüchterung auf das Abkommen. Trotz inhaltlicher Fortschritte reiche die Vereinbarung nicht aus, um den Verlust der Artenvielfalt und von Ökosystemen zu stoppen oder umzukehren. "Die Welt rast in der Natur- und Klimakrise auf einen Abgrund zu", warnte NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger. "Doch statt entschieden zu bremsen, geht sie lediglich etwas vom Gas."

Der NABU bemängelte unter anderem das Fehlen messbarer Ziele, die den Biodiversitätsverlust durch Landwirtschaft, Fischerei und Handel aufhalten könnten ...

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Öko System | Wirtschaft | Natur

Monetarisierung von Ökosystemleistungen

Mit der Natur rechnen

Unternehmen berücksichtigen den Wert der Biodiversität kaum in ihren Investitionsentscheidungen. Das soll sich ändern, doch das Thema ist auf dem UN-Naturgipfel in Montreal umstritten.

Die Zahl ist beeindruckend. Mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts hängt von der Natur ab, also von funktionierenden, stabilen Ökosystemen. Das hat das Davoser Weltwirtschaftsforum 2020 in einer Studie ermitteln lassen.

Viele Wirtschaftsbereiche sind danach zum Beispiel von guter Wasserqualität, nachhaltig genutzten Wäldern, funktionierender Bestäubung oder der Kontrolle von Krankheitserregern durch die Natur angewiesen. Werden Natursysteme zerstört, trifft das den Bausektor am stärksten, gefolgt von der Landwirtschaft und der Nahrungsmittel- und Getränkebranche.

Fachleute schätzen, dass bereits bis 2030 der Kollaps von Ökosystemen, wie der Verlust von Bestäubern im Agrarsektor oder von Fischbeständen, einen Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung um 2,7 Billionen US-Dollar verursachen könnte. Das entspricht knapp drei Prozent ...

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Wasserstoff Gewinnung | Energiewende | Energieträger

Schallwellen als Elektrolyse-Turbo

Hochfrequente Vibrationen erhöhen Wasserstoff-Ausbeute um das 14-Fache

Good Vibrations: Ein verblüffend simples Hilfsmittel könnte die Wasserstoff-Gewinnung effizienter machen. Denn wenn man die Elektrolyse hochfrequenten Schallwellen aussetzt, steigern die Vibrationen die Wasserstoffausbeute um das 14-Fache, wie ein Experiment nun belegt. Der Grund: Zum einen verhindert die akustische Beschallung die Ansammlung störender Gasblasen an den Elektroden. Zum anderen werden H2O-Moleküle aus ihrem Verbund herausgeschüttelt, was die Wasserspaltung erleichtert.

„Grüner“ Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein der Energiewende und als klimafreundlicher Energieträger. Für seine Gewinnung werden Wassermoleküle in Elektrolyse-Anlagen in Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Die dafür nötige Energie kann Sonnen- und Windstrom liefern oder auch das Sonnenlicht direkt. Um die Effizienz dieser Elektrolyseure zu erhöhen, bestehen ihre Elektroden meist aus teuren Platinmetallen, außerdem wird eine stark saure oder alkalische Elektrolytlösung verwendet – was zu schneller Korrosion der Anlagen führt.

Elektrochemie mit Vibrationen

Doch es geht auch anders ...

 

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18. Dezember

 

Energiepolitik | Klimaziele | LNG

Energiepolitik der Ampel:

Mit Tempo in die falsche Richtung

In Rekordzeit hat die Regierung das erste deutsche Flüssiggasterminal eingeweiht. Schade, dass sie beim Klimaschutz nicht so viel Elan zeigt.

Wenn jetzt doch wieder Gas kommt, muss ich dann überhaupt noch die Heizung runterdrehen oder kürzer lauwarm duschen, um Putin kein Geld in den Rachen zu werfen? Die Botschaft, die vom Medientamtam zur Einweihung des ersten deutschen Flüssiggasterminals in Wilhelmshaven ausgeht, ist mehr als zwiespältig.

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Klimabesorgte würden sich mal endlich richtig Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien wünschen. Stattdessen hat das LNG-Schiff „Höegh Esperanza“ nun bis zum 31. Dezember 2043 die Erlaubnis, tiefgefrorenes in gasförmiges Flüssiggas umzuwandeln – und führt so die deutschen Klimaziele ad absurdum ...

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Letzte Generation | Demokratie | Versagen Klima Politik | Reichsbürger

Letzte Generation und Reichsbürger:

Die staatsgläubigen Klimaaktivisten

Die Letzte Generation nimmt buchstäblich ernst, was Gesetzeslage ist. Damit stellt sie die Politik bloß, die darauf panisch und absurd reagiert.

Es war von verquerer Symbolik: Auf die Razzia gegen die Reichsbürger folgte eine Razzia gegen Klimaaktivisten der Letzten Generation. Diese Ereigniskette insinuiert, dass von rechts und links Terror gegen den Staat droht. Tatsächlich ist es jedoch genau andersherum: Niemand ist so staatsgläubig wie die Letzte Generation. Die Aktivisten wollen die Regierung zwingen, ihre eigenen Gesetze ernst zu nehmen.

Es scheint längst vergessen, aber das letzte Kabinett Merkel hat 2021 ein Klimaschutzgesetz verabschiedet, nach dem Deutschland bereits im Jahr 2045 klimaneutral sein soll. Man muss kein Mathematiker sein, um sofort zu erkennen, dass nur noch 23 Jahre bleiben. Eigentlich wäre also Tempo angesagt, doch stattdessen wird viel Zeit vergeudet. Noch nicht einmal ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen ließ sich durchsetzen ...

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Korruption | EU-Parlament | Sozialdemokraten | Marokko

EU-Korruptionsfall Eva Kaili: Wie aus "Katargate" ein "Marokkogate" wird

Geheimdienst und Botschafter des autoritären Königreichs spielen nach Ansicht der Ermittler eine zentrale Rolle in dem Skandal.

Der EU-Korruptionsskandal um Eva Kaili, inzwischen oft "Katargate" genannt, entwickelt sich immer mehr zu einem Spionagethriller und bekommt einen ganz neuen Dreh – nicht zuletzt, da der Lebensgefährte von Eva Kaili ein Geständnis gegenüber den belgischen Ermittlern abgelegt hat. Klar ist: Der Fall weitet sich aus.

Die inzwischen abgesetzte Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments und Abgeordnete der griechischen Sozialdemokraten ist nur die prominenteste der vier Personen, die im Rahmen der Ermittlungen bisher inhaftiert wurden oder gegen die ermittelt wird.

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"Skandal der Sozialdemokraten"

Dass die Unterlagen der Ermittler ausgerechnet einer belgischen und einer italienischen Zeitung zugespielt wurden, hat unter anderem damit zu tun, dass im Mittelpunkt des Skandals der frühere EU‑Abgeordnete Pier Antonio Panzeri steht.

Das hat aber auch damit zu tun, dass Panzeri etliche weitere Abgeordnete bestochen haben soll, wie zum Beispiel den Belgier Marc Tarabella. Das hat Giorgi gegenüber den Ermittlern eingeräumt. Tarabella ist, wie etliche Akteure in dem Skandal, ebenfalls "Sozialist". Das gilt auch für den Italiener Andrea Cozzolino, dessen Name der Lebensgefährte von Kaili ebenfalls genannt hat.

Damit haben wir es ganz offensichtlich mit einem Skandal zu tun, der besonders die Sozialdemokraten betrifft. Das könnte deren zentralen politischen Schwenk in Bezug auf Marokko erklären, doch dazu weiter unten mehr ...

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Kernfusion | Finanzierung Fusion Forschung

Kernfusion-Durchbruch: Mehr Schein als Sein

In Kalifornien ist es gelungen, in einem Fusionsexperiment mehr Energie rauszuholen als man reingesteckt hat. Da schlägt mein Physikerherz höher. Aber so einfach ist es nicht.

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Die Energie, um die Laser zu betreiben, ließ man einfach unter den Tisch fallen. Tatsächlich wurde insgesamt rund 167 Mal mehr Energie eingesetzt, als am Ende rauskam. Und wenn schon Durchbruch, dann fand der im August 2021 statt, als es erstmals überhaupt gelang, per Laserfusion Atomkerne zu verschmelzen. 

Wobei die Fusion selbst auch schon anderen gelungen ist. An der Joint European Torus Anlage JET in England wurden per Magnetfusion Ende letzten Jahres fünf Sekunden lang Kerne verschmolzen.

Von einem Durchbruch zu sprechen, der uns auf Kurs zu einem Fusionsreaktor bringt, ist eher PR für die weitere Finanzierung der Forschung denn Realität. Es wird Zeit für die Landung ...

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Energiewende | Politik blockiert | Landwirte

Politik blockiert Energiewende

Interesse an Photovoltaik-Freiflächen im Südwesten größer als erlaubt

Das angestrebte Zubau-Volumen von 200 Megawatt jährlich für PV-Freiflächen in RLP wurde 2022 bereits vollkommen ausgeschöpft. Und in BW sind die Grenzen so eng, dass kaum neue Solarparks möglich sind.

Der Bedaf für Solarstrom aus Freiflächenanlagen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ist da und viele Landwirte würden gerne bauen, doch die Widerstände und gesetzlichen Hürden sind groß.

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Beim dringend benötigten Photovoltaikausbau kommt der Südwesten nicht recht weg vom Fleck. Beim Pro-Kopf-Zubau ist Baden-Württemberg im Bundesländervergleich schon auf Rang 11 abgerutscht (2021), da es insbesondere bei den Solarparks wenig Zubau gab. Bliebe es bei den 0,2-Prozent-Flächenziel, würde dies nicht nur die Versorgungssicherheit in Baden-Württemberg negativ beeinflussen, sondern auch dafür sorgen, dass die Klimaschutzziele nicht erreicht werden können.

 

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17. Dezember

 

Energiepolitik | Laufzeit | Kernfusion

„Ein AKW ist keine Märklin-Eisenbahn“

In den deutschen Energiepolitik gibt es Ende 2022 zwei gefährliche Phantasievorstellungen: Längere AKW-Laufzeiten über den 15. April 2023 hinaus und die neue Hoffnung auf Kernfusion.

Beide Phantasiewelten werden hauptsächlich von der FDP und von Teilen der Unionsparteien genährt, die noch immer nicht die wirklichen Chancen der erneuerbaren Energien erkannt haben oder erkennen wollen. Der ersten Phantasievorstellung hat soeben der EnBW-Chef Georg Stamatelopoulos eine Absage erteilt und die zweite ist schiere und teure Zukunftsmusik.

[...]

Schon bisher wurde bei der Fusionsforschung weit mehr versprochen als erfüllt werden konnte. Denn Sonnen- und Windenenergie sind schon heute konkurrenzlos preiswert. Dazu auch der EnBW-Chef in der Süddeutschen Zeitung: „Am wichtigsten ist, unsere Ausbauziele bei erneuerbaren Energien schnell zu erreichen.“

Aus klimapolitischen Gründen, aus technischen Gründen und aus preispolitischen Gründen führt an der raschen solaren Energiewende kein Weg vorbei. Die Lösung steht am Himmel. Sie heißt: Solarenergie, Windenergie, solarer Wasserstoff als Speichermedium ...

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Klimawandel | Desinformation | Twitter | Musk

Polarisierung in sozialen Medien

Klima-Desinformation boomt auf Twitter

Laut einer Analyse sind Lügen und Desinformation über den Klimawandel auf Twitter sprunghaft angestiegen, seit Elon Musk die Social-Media-Plattform übernommen hat. Begonnen hat der Boom klimaskeptischer Inhalte schon 2019.

Wer auf Twitter den Suchbegriff "climate" eingibt, bekommt derzeit als Top-Ergebnis "#ClimateScam" angezeigt, Klimaschwindel. Der Hashtag dient als eine Art Sammelbecken für Lügen und Desinformationen über den Klimawandel. Mit schrillen Falschbehauptungen werden Zweifel gestreut und Klimaschutzmaßnahmen lächerlich gemacht.

Von einer "erfundenen Katastrophe" ist etwa die Rede. Unterstellt wird die Absicht, "Angst und Schuldgefühle zu schüren, um uns zu besteuern und unsere Freiheiten zu beschneiden".

[...]

Dabei ist, wie die Studie hervorhebt, keineswegs die Zahl der Nutzer:innen gestiegen, die den Klimawandel leugnen und "klimafeindliche Ansichten" verbreiten. Vielmehr ist es eine kleine Minderheit, die nun noch extremer und lautstärker agiert, dadurch mehr Aufmerksamkeit erhält und so andere mitzieht. Nur zehn Twitter-Accounts sind derzeit für ein Viertel der klimaskeptischen Inhalte verantwortlich ...

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Kernfusion | Kernwaffen ForschungLLNL | Lawrence Livermore National Laboratory

Zwei Megajoule rein, drei Megajoule raus:

Warum die gelungene Kernfusion ein wissenschaftlicher, aber noch kein technologischer Durchbruch ist

Ein Kernfusionsexperiment in den USA hat erstmals eine positive Energiebilanz erzielt. Wer jetzt auf eine baldige Lösung unserer Energieprobleme hofft, täuscht sich allerdings.

Die Direktorin des Lawrence Livermore National Laboratory (LLNL), Kimberly Budil, blieb auch in der Stunde des Erfolges erstaunlich ehrlich. Der Bau eines stromliefernden Kernfusionsreaktors sei immer noch Jahrzehnte entfernt, sagte die Physikerin am Dienstag an einer Pressekonferenz.

[...]

Die Energiegewinnung war bisher nur ein Nebengleis der Forschung

Die National Ignition Facility ist nicht der ideale Ort, um die Entwicklung eines kommerziellen Fusionsreaktors voranzutreiben. Diese Forschungseinrichtung untersteht der National Nuclear Security Administration und dient in erster Linie dazu, Kernwaffenexplosionen zu simulieren ...

 

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16. Dezember

 

Energiekrise | Flamanville | Mochovce | Olkiluoto

Stromausfall: Atomkraftwerke helfen der EU nicht aus der Energiekrise

Die Nutzung der Kernenergie wird seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert, nicht zuletzt wegen der Energiekrise auch in den einzelnen EU-Mitgliedsländern. Dabei ist der EU-Markt für Atomkraftwerke überschaubar klein, derzeit sind lediglich drei AKW-Projekte im Bau oder stehen kurz vor der kommerziellen Inbetriebnahme. Das wird sich auch so schnell nicht ändern.

In der Europäischen Union mit den 27 Mitgliedsstaaten sind aktuell die drei Atomkraftwerke Flamanville-3 (Frankreich), Olkiluoto-3 (Finnland) und AKW Mochovce-3 (Slowakei) in der Bau- bzw. Inbetriebnahmephase. Doch eine Erfolgsgeschichte ist bisher keines der drei Projekte, die jeweiligen Kosten- und Bauzeitpläne konnten nicht einmal ansatzweise eingehalten werden. Nach der Inbetriebnahme dieser drei AKW dürfte dann wegen der langen AKW-Bauzeiten eine große Pause von 10 bis 15 Jahren entstehen, in der kein einziges neues AKW in der EU ans Netz geht, die laufenden AKW aber immer älter werden ...

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Whistleblower | Geheimdienste

Besserer Schutz für Hinweisgeber Bundestag stimmt für Whistleblower-Gesetz

Hinweisgebende aus Behörden und Unternehmen sollen künftig besser geschützt werden. Das hat der Bundestag beschlossen. Diese Neuregelung hätte allerdings schon vor einem Jahr umgesetzt werden müssen.

Wer in seiner Firma oder Behörde auf einen Missstand hinweist, soll künftig besser vor beruflichen Repressalien geschützt werden. Ein vom Bundestag beschlossenes Gesetz sieht vor, dass die Hinweisgebenden nach ihrer Meldung nicht benachteiligt werden dürfen; andernfalls können sie Schadenersatz geltend machen. Dafür stimmten die Ampel-Fraktionen, Union und AfD votierten dagegen, die Linke enthielt sich. Das Gesetz muss noch durch den Bundesrat.

[...]

Die Organisation Transparency International Deutschland lobte Verbesserungen, sieht aber noch Luft nach oben. Entscheidend sei, dass es künftig auch anonyme Meldewege geben solle, erklärte Sebastian Oelrich von Transparency. In bestimmten Bereichen sei es jedoch für potenzielle Hinweisgebende schwierig zu beurteilen, ob sie geschützt sind oder nicht ...

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Medien | Russland | Nato Osterweiterung | Verhandlungen

Das ignorierte Angebot: Russlands Briefe vom 17. Dezember 2021

Vor einem Jahr wiederholte Russland, es werde die Nato in der Ukraine nicht akzeptieren. Der Westen verweigerte Verhandlungen.

Die westliche Ukraine-Berichterstattung weist nicht erst seit Kriegsbeginn eine Reihe weisser Flecken auf. Kein Mensch weiss hierzulande beispielsweise, dass der Westfreund Boris Jelzin schon im März 1997 – Jahre bevor Wladimir Putin an die Macht kam – im Vorfeld der ersten NATO-Osterweiterung gegenüber dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton deutlich machte, spätestens mit einem NATO-Beitritt der Ukraine würde für Russland eine rote Linie überschritten. Offensichtlich war dies bereits damals in bestimmten US-amerikanischen Kreisen eine sicherheitspolitische Option.

[...]

Was Russland der NATO vorschlug …

Am 17. Dezember 2021 liess Russland der NATO und den USA jeweils einen Vertragsentwurf zukommen, der Sicherheitsgarantien für beide Seiten rechtsverbindlich festlegen sollte. – Die Forderungen Russlands scheinen auch aus heutiger Distanz weder absurd noch unerfüllbar: 

Beide Seiten sollten bestätigen, sich nicht als Gegner zu betrachten;

Rückkehr zu den Prinzipien der „gleichen und unteilbaren Sicherheit“;

Verzicht auf die Anwendung und Androhung von Gewalt;

uvm.

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Erneuerbare | Ausbau

Erneuerbare: Ausbau beschleunigt sich

Weltweit sind 2022 mehr Windräder und Solaranlagen ans Netz gegangen als erwartet. Dieser Trend hält an. Warum auch Deutschland mehr in Erneuerbare investieren sollte.

In Deutschland ist die Handbremse für die erneuerbaren Energieträger immer noch nicht vollständig gelöst, aber weltweit hat der Ausbau 2022 kräftig an Fahrt aufgenommen. Das geht aus einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris hervor, die dort für die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die internationalen Energiemärkte beobachtet.

Demnach hätten Regierungen allein seit März 2022 eine halbe Billion US-Dollar für die Förderung der sauberen Stromlieferanten ausgegeben.

[...]

Hierzulande kommt derweil immerhin der Ausbau der Solarenergie wieder in Schwung, der vor zehn Jahren von der damaligen schwarz-gelben Regierung jäh abgewürgt wurde. 2022 sind nach den Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme 2022 bisher Anlagen mit einer Gesamtleistung von 5,5 GW installiert worden ...

 

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15. Dezember

 

Biogas | Preisbremse | Abschöpfung

Agrarministerin begrüßt Regelung für Biogas bei Preisbreme

Die niedersächsische Agrarministerin Miriam Staudte begrüßt die Regelungen für Biogas im Gesetz über die Strom- und Gaspreisbremse. Es sei eine gute Nachricht, dass die Abschöpfung von Strommarkterlösen bei Biogasanlagen erst ab einem Megawatt Bemessungsleistung greifen, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Hannover. Dies bedeute, dass die meisten Biogasanlagen von der Abschöpfung befreit seien. „Biogasanlagen sind für das Gelingen der Energiewende von großer Bedeutung“, sagte Staudte. „Ohne sie können wir unsere Klimaziele kaum erreichen - daher ist es richtig, sie zu unterstützen.“ Der Bezug auf die Bemessungsleistung sei eine zentrale Forderung ihres Hauses an den Bund gewesen ...

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Atommüll | Castor | Endlager

Zwischenlager Grafenrheinfeld: Forscher untersuchen, was langfristig mit Atommüll in den Behältern passiert

Über viele Jahrzehnte sollen Castorbehälter vor den Strahlen nuklearer Brennelemente schützen. Doch können sie das so lange? Wie ein Projekt das jetzt herausfinden soll.

Was passiert mit hochradioaktiven Atomabfällen, wenn sie 40 Jahre lang in einem Castor-Behälter gelagert werden? Das weiß niemand. Die bundeseigene Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), die für die Entsorgung des Mülls zuständig ist und an den deutschen Atomkraftwerken (AKW) die Zwischenlager betreibt, will herausfinden, ob und wie sich das Innenleben der Behälter im Laufe der Zeit verändert. Mit einem lang angelegten Forschungsprojekt, dessen Ziele die BGZ jetzt bei einer interkommunalen Gemeinderatssitzung in Schwebheim (Lkr. Schweinfurt) erstmals in Unterfranken vorgestellt hat. Denn betroffen ist auch der AKW-Standort Grafenrheinfeld.

Die Motivation ist nicht nur Forscherdrang, sondern reichlich praktisch: Die Genehmigung des Zwischenlagers BZR in Grafenrheinfeld läuft bis 2046. Bis dahin wird es in Deutschland für die tausende von Jahren strahlenden Rückstände kein Endlager geben. Deswegen plant die BGZ, eine Verlängerung zu beantragen. Dabei wird sie, wie an den anderen Zwischenlager-Standorten auch, nachweisen müssen, dass das Material in den Stahlbehältern weiter sicher eingeschlossen ist. Denn Erfahrungswerte gibt es bislang nicht ...

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Wasserstoff | Namibia | Erdgas | Senegal

Deutschlands Hunger nach afrikanischem Wasserstoff

Energie und Klima – kompakt: Deutschland will grünen Wasserstoff in der namibischen Wüste produzieren lassen. Auch blauer Wasserstoff soll zum Einsatz kommen. Warum das keine gute Idee in Hinsicht auf Klimaschutz ist.

Immerhin möchte die deutsche Bundesregierung künftig nicht nur, wie schon auf Telepolis angesprochen, gerne fossiles Erdgas aus dem Senegal importieren, sondern auch grünen Wasserstoff bzw. grünes Ammoniak aus Namibia. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert ab 2023 vier deutsch-namibische Wasserstoff-Projekte mit etwa 30 Millionen Euro, weitere Milliardenprojekte sind in der Pipeline.

[...]

Auf 4.000 Quadratkilometer im Tsau-Khaeb-Nationalpark möchte Hyphen die Produktion von grünem Wasserstoff aufbauen, mit dem Ziel, einmal fünf Gigawatt Energieerzeugungskapazitäten und einen Elektrolyseur mit drei Gigawatt Kapazität aufzubauen und somit 300.000 Kubiktonnen Wasserstoff im Jahr produzieren zu können.

Das ist ausgerechnet das Gebiet, in dem schon die einstige deutsche Kolonialmacht Diamanten abbaute, was dem Projekt auch angesichts der unzureichenden Entschädigung der Opfer des Genozids an den Herrero und Nama einen seltsamen Beigeschmack gibt. Bleibt zu hoffen, dass es bei den von Hyphen versprochenen 3.000 Jobs, die zu 90 Prozent mit lokalen Arbeitskräften besetzt werden sollen, bleiben wird ...

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Sonne Wind | Wasserstoff | Syn Fuel | Nordafrika

Könnte uns Nordafrika mit grünem Wasserstoff und SynFuels versorgen?

Studie zeigt Machbarkeit und Potenzial für importierte Brennstoffe aus erneuerbaren Energien

Das Potenzial ist da: Um Verkehr und Industrie auf erneuerbare Energien umzustellen, werden enorme Mengen grüner Strom, Wasserstoff und alternative Kraftstoffe benötigt – zu viel, um sie komplett im eigenen Land zu produzieren. Abhilfe könnten aber entsprechende Anlagen im Nahen Osten und Nordafrika bieten. Denn dort könnten einer Studie zufolge jährlich mehr als 400.000 Terawattstunden Sonnen- und Windstrom erzeugt und daraus Energieträger für weniger als zwei Euro pro Liter gewonnen werden – vorausgesetzt, man investiert.

Für die Energiewende und besonders für die Dekarbonisierung der emissionsreichen Sektoren Verkehr und Industrie sind enorme Mengen an grünem Strom, Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen nötig. Doch woher nehmen? Es ist absehbar, dass Deutschland nur einen Teil seines künftigen Wasserstoff- und Strombedarfs selbst decken kann. Deutlich mehr Potenzial gibt es dagegen dort, wo Sonne und Wind reichlich vorhanden sind und günstig in erneuerbare Energieträger umgewandelt werden können ...

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Brennelemente Lingen | Russland | Mikhail Dudin | Kasachstan | China

Brennstäbeexport Lingen-Russland-Kasachstan - Endkunde ist chinesischer Atomkonzern CGN

Russisches Uranschiff weiter in Rotterdam - "Fragwürdige Geschäfte" mit China

Wie der "Spiegel" heute berichtet, hat sich der französische Atomkonzern Framatome bei dem Brennelemente-Deal mit Kasachstan auch auf "fragwürdige Geschäfte" mit China eingelassen. Die Brennstäbe aus dem emsländischen Lingen sollen letztlich in chinesischen Atomkraftwerken des staatlichen Atomkonzerns CGN zum Einsatz kommen. Aber die US-Regierung hat schon im Herbst 2021 die Ausfuhr von "radioaktiven Materialien" an CGN wegen des Verdachts auf mögliche militärische Aktivitäten "ausgesetzt". Die zuständigen Bundesministerien Wirtschaft und Auswärtiges wollten sich gegenüber dem "Spiegel" zu dem Atom-Deal nicht äußern.

Der "Spiegel" wirft zu Recht unter anderem die Frage auf, wie dieses weitverzweigte Atomgeschäft mit Russland, Kasachstan und China zur "neuen China-Strategie" der Bundesregierung passt ...

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Russland | Ukraine | Atomwaffe | Putin

Russlands Staats-TV: Nur Atomwaffen-Einsatz führt im Ukraine-Krieg zum Sieg

Moskau - Laut eines russischen Kommandeurs gibt es nur einen Weg, wie Russland den Ukraine-Krieg noch gewinnen kann. Man befinde sich nicht nur in einem Krieg mit der Ukraine, sondern mit dem ganzen Westen. „Wir haben nicht die Ressourcen, diesen Krieg so noch lange zu führen“, sagte Alexander Sergejewitsch Chodakowski im russischen Staats-TV. Darüber berichten unter anderem die US-Nachrichtenportale CNN und Newsweek. „Jeder weiß, dass die nächste Stufe der Eskalationsspirale im Ukraine-Krieg nur die atomare Stufe sein kann“, so der Anführer der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk.

[...]

Der russische Präsident selbst hat den Einsatz von Atomwaffen im Ukraine-Krieg bislang immer wieder ausgeschlossen. Nur wenn Russland selbst attackiert werden würde, wäre ein Nuklearschlag gegen den Angreifer eine Option. Im Oktober sagte Putin laut der Nachrichtenagentur AP, der Einsatz von Atomwaffen ergebe „keinen Sinn, weder politisch noch militärisch.“ ...

 

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Letzte Generation | Widerstand | Demokratie | Versagen Klima Politik

Kriminalisierung der Aktivisten der Letzten Generation

Die Staatsanwaltschaft des rot-grün-schwarz regierten Brandenburg schlägt überzogen gegen die den politischen Betrieb störenden Klima-Aktivisten zu. Radikale, auch friedliche und Staatstreue Opposition ist nicht erwünscht.

Kurz nach der großen Razzia gegen Reichsbürger, die einen Regierungssturz planten und dafür einen militärischen Arm aufbauten, kam es in fünf Bundesländern zu Razzien in Wohnungen von Aktivisten der „Letzten Generation“. Nach Angaben der Gruppe richteten sich die Durchsuchungen gegen elf Mitglieder, von denen sich allerdings bereits fünf in Präventivhaft in Gefängnissen befinden. Weitere Festnahmen gab es nicht. Es wurden Handys, Laptops und Plakate beschlagnahmt.

Es geht um überaus fragwürdige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neuruppin wegen Bildung einer oder Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung nach § 129 StGB. Das ist eine Vereinigung, die gegründet wurde, um Straftaten zu begehen. Der Vorwurf richtet sich nicht explizit gegen die Sitzblockaden auf Straßen und Flughäfen, sondern gegen Aktionen im April und Mai, als Aktivisten versuchten, den Betrieb des Raffineriebetriebs PCK Schwedt (Uckermark) durch Zudrehen von Ventilen und Sich-Festkleben an Anlagen zu stören.

Nachdem Bayern bei einigen Aktivisten die Präventivhaft bei Aktivisten der Letzten Generation ausgereizt hat und im rot-grün regierten München durch eine vermutlich anfechtbare Allgemeinverfügung Sitzblockaden ohne Anmeldung verboten wurden, bei denen sich Aktivisten ankleben oder anderweitig befestigen (Rot-Grün in München verbietet Klimakleber-Aktionen der Letzten Generation), kam jetzt also der nächste Schlag.

Die „wehrhafte Demokratie“ setzt sich gegen die lästigen Blockierer und Mahner zu Wehr und will ihren durchaus friedlichen Widerstand kriminalisieren, um sie wegsperren zu können. Dabei wissen die Behörden die Mehrheit der Bürger hinter sich, Politiker haben die Aktivisten auch schon als Chaoten, Kriminelle und Terroristen ausgemacht. Den Schritt, in Richtung einer kriminellen Vereinigung zu ermitteln, hätte man nicht unbedingt erwarten sollen, aber offenbar war der politische Druck hoch, die Kriminalisierung der klimapolitischen Proteste voranzutreiben. In Brandenburg regiert eine rot-schwarz-grüne Koalition. Staatsanwaltschaften sind in Deutschland ja bekanntlich politisch nicht unabhängig, sondern instrumentalisierbar. Dass man dabei auf eine lange zurückliegende Aktion zurückgreift, zeigt, dass man offenbar mit der Kriminalisierung der aktuellen Aktionen nicht weit gekommen wäre und deswegen nach geeigneten Vorfällen gesucht hatte..

Fragwürdig ist überhaupt die Ermittlung, weil die Gruppe zwar möglicherweise Straftaten wie Hausfriedensbruch oder Nötigung begeht, aber diese sind nicht das Ziel wie bei einer kriminellen Vereinigung, sondern die Erzielung von Aufmerksamkeit auf das als drängend gesehene Anliegen des Klimaschutzes. Die Proteste sind auch alles andere als staatsfeindlich, sie sind umgekehrt darauf aus, den Staat, der als demokratischer Repräsentant anerkannt wird, zum Handeln zu bewegen – mit der Berufung auch noch auf ein Verfassungsgerichtsurteil, das der Politik mangelnde Handlungsbereitschaft attestiert hat.

Für die Letzte Generation, die friedlich, wenn auch lästig mit den Sitzblockaden und anderen Aktionen dafür protestiert haben, dass die Politik nun schnell handeln müsse, wofür man taktisch klug die Einführung eines Tempolimits von 100 km/h und des 9-Euro-Tickets als erste Schritte forderte, kommt das Vorgehen wahrscheinlich nicht ungelegen. Es lässt die Klimaaktivisten zu Verfolgten und eine Art Märtyrer für die gute Sache werden.

Darin liegt die Möglichkeit, dass sich Mitglieder oder Anhänger der Gruppe radikalisieren, was nicht aus sich heraus geschieht, sondern durchaus als Reaktion auf das staatliche Vorgehen, das nun offenbar auf Härte setzt – möglicherweise, weil die Aktivisten aufzeigen, dass der Klimaschutz zwar politisch verfolgt wird, aber eben nur halbherzig und gerade in Kriegszeiten mit einem Rückgriff auf fossile Energien und Aushebeln des Umweltschutzes, was es wahrscheinlich macht, dass sowohl das 1,5- als auch das Zwei-Grad-Ziel verfehlt wird. In der deutschen Regierung bremst vor allem die FDP, die noch dazu stur am Fetisch der freien Fahrt für Autos festhält und dazu noch weitere Autobahnen bauen will.

Die Letzte Generation behauptet, es gebe jetzt noch ein Zeitfenster von 2-3 Jahren, um Klimakipppunkte zu verhindern, die eine „lebensfeindliche Heißzeit“ einleiten. Da wird es durchaus apokalyptisch. Man sieht sich an einem „einzigartigen Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte“. Darüber kann man streiten, aber eine strafrechtliche Verfolgung ist schlicht überzogen.

„Wir wussten, dass der Staat nicht einfach hinnehmen würde, dass wir sein Versagen jeden Tag an die Öffentlichkeit bringen“, schreiben die Aktivisten. „Seit einem Jahr sehen wir Einschüchterungsversuche, Versuche unser Handeln zu unterbinden, Versuche uns mundtot zu machen. Wir wurden beschimpft, verurteilt, ins Gefängnis gesperrt. Mit den Ermittlungen wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung erreicht dies ein neues Niveau. Deutschland ist eine Demokratie. Voraussetzung für den demokratischen Prozess ist die Möglichkeit, sich frei und öffentlich zu versammeln, sich als Gruppe zusammenzuschließen und auch Widerstand zu leisten. Wenn dieses Prinzip Kriminalisierung erfährt, bedroht das die demokratischen Grundfesten.“

Es ginge den Behörden darum, sie einzuschüchtern und sie ungehinderter überwachen zu können. Man werde nicht aufgeben, auch wenn man eingesperrt würde: „Aber ist es nicht absurd, dass hier gegen friedliche Menschen ermittelt wird, während die wahren Kriminellen sich Millionen Gewinne ausschütten und dieses Land in den Untergang schicken?“

Fridays for Future solidarisieren sich nun mit der Letzten Generation gegen die staatlichen Übergriffe: „Wir verurteilen die Razzien, die gerade bei Aktivist:innen der #LetzteGeneration durchgeführt werden, aufs Schärfste. Diese Kriminalisierung von Klimaprotesten ist unverhältnismäßig und gefährlich.“ Das Zentrum für Politische Schönheit wie viele andere ebenfalls: „Der Staat fährt schwerste Geschütze auf: Präventivhaft und jetzt 129a. Die Polizei wird zum Handlanger der Fossil- und Autofahrlobby. Schluss mit der Kriminalisierung! Volle Solidarität mit den Betroffenen!“

Die AfD frohlockt und eskaliert wie üblich, wenn sie von „Asphaltterroristen“ spricht. Cicero macht sich lustig über das „Land der Krötenzäune“, anstatt über das Artensterben zu sprechen: „Über das Phänomen der Letzten Generation sollten wir uns nicht wundern: Die jüngere Generation wird in der Schule und in den Medien täglich mit Untergangsszenarien überschüttet. „Fünf vor Zwölf“ ist zum Dauerzustand geworden.“ Schuld sei die Indoktrination, so läuft die Verweigerung, über ein System nachzudenken, das Natur und Klima gefährdet. Das Untergangsszenario wird nicht nur von verblendeten jungen Menschen gepflegt, sondern entgegen dem Politikwissenschaftler und Journalisten von zahlreichen Naturwissenschaftlern aufgrund von Studien und Simulationen.

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Friedliche Klimaaktivisten und bewaffnete, putschbereite Staatsfeinde in einen Sack und immer drauf?

Irgendetwas läuft hier völlig falsch!

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Die interne Suche nach

Versagen Klima Politik

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

07. November 2022 - COP27 in Ägypten: Gibt es einen Ausweg aus dem globalen Klima-Versagen?

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06. November 2022 - Strafen für Ak­ti­vis­t:in­nen: Und was ist mit dem Klima?

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07. August 2022 - Real existierende Politiker, die nicht tun, was nötig ist

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08. Juli 2022 - "Die Eliten versagen, sie sind unfähig, auf die Klimakrise zu reagieren"

 

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YouTube

Stichwortsuche: Versagen Klima Politik doku

https://www.youtube.com/results?search_query=Versagen+Klima+Politik+doku

 

Videos:

2022 - euronews - 1:30

"Fridays for future": Hundertausende demonstrieren gegen den Klimawandel

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2020 - ZDF: zeit - Harald Lesch - 43:35

Deutschland im Klimawandel

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2019 - Clixoom nature - 6:40

Klimapolitik ungenügend: Deutschland versagt im Klimaschutz-Index!

 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema

 

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Ecosia

Diese Suchmaschine pflanzt Bäume!

 

Stichwortsuche: Klimawandel Politik Versagen

https://www.ecosia.org/search?q=Klimawandel%20Politik%20Versagen

 

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Natur Freunde Deutschland

21. Dezember 2012 - Das Versagen der Politik im Klimawandel

Zur Krise des globalen Klimaschutzes erklärt der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands Michael Müller:

Der weltweite Klimawandel ist auch ein Zeichen für das Versagen der Politik. Weil im Zweifelsfall die Wachstumsinteressen wichtiger und stärker sind als die ökologische Vernunft, weil nationale Interessen entscheidender sind als internationale Solidarität, weil in den Industrieländern der Klimawandel scheinbar weiter weg ist als in den ökologisch sensiblen Regionen der sogenannten Dritten Welt, weil der Widerspruch zwischen kurzfristigen Erfolgen und längerfristigen Reformen immer größer wird, kommt die ökologische Modernisierung nicht voran ...

 

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Wikipedia

Forschungsgeschichte des Klimawandels

Die Forschungsgeschichte des Klimawandels beschreibt die Entdeckung und Untersuchung von Klimawandel-Ereignissen im Rahmen geologischer und historischer Zeiträume, einschließlich der seit dem 20. Jahrhundert stattfindenden globalen Erwärmung. Die systematische Erforschung von natürlichen Klimawechseln begann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der allmählichen Rekonstruktion der Eiszeit-Zyklen und anderen klimatisch bedingten Umweltveränderungen im Rahmen der Paläoklimatologie und der Quartärforschung. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden menschliche Einflüsse auf das Erdklimasystem über Treibhausgase vermutet, entsprechende Berechnungen wurden aber bis in die 1960er Jahre hinein stark angezweifelt. Detaillierte Darstellungen zur Forschungsgeschichte des Klimawandels, insbesondere zu der im Laufe des 20. Jahrhunderts feststellbaren anthropogenen Klimaveränderung, finden sich beispielsweise im 1. Kapitel des Vierten Sachstandsberichts des IPCC und ausführlicher bei dem US-amerikanischen Physiker und Wissenschaftshistoriker Spencer R. Weart. Eine auf der Arbeit von Spencer Weart basierende deutschsprachige Ausarbeitung findet sich auf der Homepage von Skeptical Science.

Während der Treibhauseffekt bereits im Jahr 1824 entdeckt wurde, konnte die klimaerwärmende Wirkung der stetig ansteigenden Konzentration von Kohlenstoffdioxid in der Erdatmosphäre aufgrund verbesserter Messmethoden und einer breiteren Datenbasis erst gegen Ende der 1950er Jahre quantifiziert werden. Zwar stellten einige Wissenschaftler fest, dass die vom Menschen verursachte Luftverschmutzung das Klima auch abkühlen könne, es wurde von der Klimaforschung aber ab Mitte der 1970er Jahre zunehmend die Annahme einer Erwärmung favorisiert. In den 1990er Jahren bildete sich durch weiterentwickelte Computermodelle und ein tieferes Verständnis der Kaltzeiten folgender Konsens heraus: Treibhausgase spielen beim Klimawandel eine große Rolle, und durch den Menschen verursachte Emissionen sind für die laufende globale Erwärmung hauptverantwortlich ...

 

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Newsletter XLIX 2022 - 08. bis 14. Dezember

Zeitungsartikel 2022

 

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