Newsletter XXXIX 2022

01. bis 08. Oktober

 

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Nuclear Power Accidents

Diese PDF-Datei enthält eine fast vollständige Liste der bekannt gewordenen Unfälle und Freisetzungen von Radioaktivität. Sobald neue Informationen verfügbar sind, wird diese PDF-Datei erweitert und aktualisiert ...

Auszug aus der PDF-Datei für diesen Monat:

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01. Oktober 1981 (INES 3 | NAMS 1,3) Sellafield Atomfabrik, GBR

03. Oktober 1986, Atom-U-Boot K-219, UDSSR

03. Oktober 1952, Atombombentest auf Trimouille Island, GBR

05. Oktober 1966 (INES 4) Akw Enrico-Fermi-1, USA

07. Oktober 1957 (INES 5 | NAMS 4,6) Windscale Atomfabrik, GBR

09. Oktober 2006, Atombombentest bei Punggye-ri, PRK

12. Oktober 1969 (INES 4) Sellafield Atomfabrik, GBR

15. Oktober 1958 (INES 4) Vinca Boris Kidrič Institut, YU

17. Oktober 1969 (INES 4) Akw Saint-Laurent, FRA

18. Oktober 2011 (INES 1) Akw Karachi, PAK

19. Oktober 1989 (INES 1) Akw Vandellòs-1, ESP

30. Oktober 1961, Zar-Bombe AN602 über Nowaja Semlja, UdSSR

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Wir suchen aktuelle Informationen. Wer helfen kann, sende bitte eine Nachricht an: nukleare-welt@reaktorpleite.de

 

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08. Oktober

 

Europa importiert Uran | Sanktionen Russland

Trotz atomaren Drohungen: Europa importiert weiter Uran aus Russland

Europäische Länder importieren jährlich Uran im Wert von Hunderten Millionen Euro aus Russland. Sanktionen dagegen gibt es keine. Welche Länder blockieren sie?

„Der russische Nuklearterror erfordert eine stärkere Reaktion der internationalen Gemeinschaft, einschließlich Sanktionen gegen die russische Atomindustrie und deren Kernbrennstoff.“ Mit diesen Worte twitterte der ukrainische Präsident Wolodymyr Zelensky im August nach dem Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja seinen Zorn in die Welt.

Seine Forderung blieb unerfüllt ...

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GaskriseMidCatfossile Energie

Macron: "Wir brauchen keine neuen Gasverbindungen"

Gaskrise: Deutschland und Spanien machen Druck auf Frankreich, damit Paris seinen Widerstand gegen die Pyrenäen-Pipeline MidCat aufgibt. Macron hält sie aber für unnötig, er fordert stattdessen mehr Stromtrassen.

Nach neunjähriger Pause war es am vergangenen Mittwoch soweit. Erstmals fanden wieder bilaterale deutsch-spanische Regierungskonsultationen statt. Die wurden im nordwestspanischen Galicien abgehalten. Kanzler Olaf Scholz hatte das halbe Kabinett auf eine Klassenfahrt nach A Coruña an die Atlantikküste mitgenommen.

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Macron sagte kürzlich unmissverständlich vor einem Gespräch mit Bundeskanzler Scholz: "Wir brauchen keine neuen Gasverbindungen." Und man kann einen Fakt nicht bestreiten, den Frankreichs Präsident auf den Tisch gelegt hat. Nicht einmal die beiden kleinen Pipelines über Larrau in den Bergen oder über Biriatu an der Atlantikküste sind ausgelastet ...

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Klimaschutz | Heizkosten | Kohleausstieg | AKW-Laufzeit 

Der Klima-Deal

Alle reden über Energiesicherheit, nicht über Klimaschutz. Umso drängender wird das Jahrhundertthema. In dieser Woche hat Minister Habeck die Klimapolitik reanimiert. Ob sie wirklich wieder auflebt, muss sich erst noch zeigen.

Was ist mit dem Klimaschutz? Dem Jahrhundertthema. Interessiert es derzeit überhaupt jemanden? In der sich zuspitzenden Energiekrise scheint das Thema aus der öffentlichen Debatte verschwunden zu sein. Entlastungspaket, Doppelwumms, AKW-Laufzeiten – das sind die Stichworte, die die politische Diskussion beherrschen.

Und auch die Prioritäten vieler Bürgerinnen und Bürger haben sich verschoben. Verständlicherweise. Wer nicht weiß, ob er die Heizkosten für seine Wohnung in diesem Winter bezahlen kann, macht sich erst mal wenig Gedanken darüber, ob es im nächsten Sommer schon wieder extreme Hitzewellen geben wird ...

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Off Topic ? | CO2 | Klima- und Umweltschutz

Der Mensch ist ein Verdrängungskünstler

Fleisch ist meine Gemüse? Wir sollten uns schnell an den Gedanken gewöhnen, dass wir nicht mehr so weitermachen können wie bisher. Gerade auch bei unserem Essverhalten. Die Uhr tickt.

Die Wahrheit ist: Es gibt mehr Gründe, die für den Verzicht auf Fleisch sprechen als dagegen. Aus Respekt vor dem Leben an sich. Um Tierleid bei der Aufzucht, Haltung und Schlachtung zu vermeiden. Als Beitrag zum Klima- und Umweltschutz, denn die industrielle Massentierhaltung erfordert einen enorm hohen Einsatz von Ressourcen. Laut Greenpeace werden pro Kilogramm Rindfleisch umgerechnet 13,3 Kilogramm CO2 freigesetzt. Die gleiche Menge Mischbrot verursache 0,75 Kilo CO2, Äpfel 0,5 Kilo, und Tomaten 0,2 Kilo CO2. Je mehr Fleisch wir also „produzieren“, desto schneller schreitet die Erderwärmung voran. Auch gesundheitliche Motive können eine Rolle spielen. Davor sollten und dürfen wir nicht die Augen verschließen.

Aber der Mensch ist ein Verdrängungskünstler. Und es gelingt uns vortrefflich gut, alle Argumente auszublenden ...

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Klima Aktivisten | Anklage | Konsequenzen

Klima-Aktivisten "Letzte Generation":

Von der Klimademo in den Knast?

Sie kleben sich an Straßen und verärgern zahlreiche Autofahrer oder sie drehen Öl-Pipelines zu: Die "Letzte Generation". Durch ihre Proteste drohen den Klima-Aktivisten auch harte Strafen. Einem Familienvater aus Dresden drohte sogar Gefängnis – und trotzdem will er weiter demonstrieren.

Sie üben in Dresden für eine Straßenblockade, die Mitglieder der Klima-Aktionsgruppe "Aufstand der letzten Generation". Die jungen Klima-Aktivisten werden von Christian Bläul angeleitet. Der 40-jährige Dresdner hat sich neben seinem Beruf als Software-Entwickler ganz dem Kampf gegen den Klimawandel verschrieben – und seit 2019 an über 50 Straßenblockaden teilgenommen. Doch was motiviert den Familienvater trotz drohender Inhaftierung und möglichem finanziellen Ruin sowie Streit in der Familie? ...

 

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07. Oktober

 

Österreich | Klage | Taxonomie

"Nicht nachhaltig, nicht grün"

Österreich klagt gegen Atomkraft-Regel in EU

Künftig will die EU immer stärker auf grüne und nachhaltige Energie setzen - schließt dabei aber auch Atomkraft und Gas mit ein. Österreich will da nicht mitmachen und reicht eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof ein.

Österreich klagt wegen der von der EU-Kommission geplanten Einstufung von Atomenergie als nachhaltig vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. "Atomkraft und Gas sind weder grün noch nachhaltig. Deshalb haben wir wie angekündigt eine Klage gegen die Taxonomieverordnung der EU-Kommission eingereicht", erklärte Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) in Wien ...

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Schweiz | Beznau | automatisch abgeschaltet

Reaktorschnellabschaltung im KKW Beznau 2

Im Kernkraftwerk (KKW) Beznau 2 ist es heute Morgen aufgrund einer technischen Störung im Turbinenbereich zu einer automatischen Reaktorschnellabschaltung gekommen. Für Mensch und Umwelt bestand keine Gefahr. Die Störung wurde zwischenzeitlich vom Werk analysiert und behoben. Das ENSI hat die Angaben des KKW Beznau 2 zur Störungsursache und deren Behebung geprüft. Das Werk kann den Leistungsbetrieb wieder aufnehmen.

Der Reaktor des KKW Beznau 2 wurde heute um 09:06 Uhr automatisch abgeschaltet. Die Anlage hat auslegungsgemäss reagiert. Die Massnahmen zur Behebung der Störung wurden vom Werk eingeleitet. Der Schutz von Mensch und Umwelt war zu jeder Zeit gewährleistet. Die Anlage befindet sich in einem sicheren Zustand. Es besteht somit keine Gefahr für Mensch und Umwelt ...

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Windpark Forschung | Effizienzsteigerung

DLR testet Hightech-Rotorblätter für Forschungswindpark erfolgreich

Köln - Die immer größeren und leistungsfähigeren Anlagen stellen die Windindustrie angesichts begrenzter Testmöglichkeiten vor Herausforderungen. Ein neuer Forschungswindpark in Niedersachsen soll zur technologischen Weiterentwicklung von Windenergieanlagen beitragen. Dabei kommen Hightech-Rotorblätter mit einer umfangreichen Messsensorik zum Einsatz ...

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Radioaktiv | Strahlenschutz

Atomkraft nein danke!

Radioaktive Strahlung schadet auch in geringen Dosen

Entlang der gesamten nuklearen Produktionskette entsteht radioaktive Strahlung. Auch Niedrigdosen machen krank. Dies sollte in der Atomdebatte berücksichtigt und am deutschen Ausstieg festgehalten werden. Frankreich baut Atom wider jede Vernunft aus.

Vom Uranabbau über den Betrieb bis zu Rückbau und Entsorgung von AKW sind Arbeitskräfte nuklearer Strahlung ausgesetzt. Studien weisen darauf hin, dass bereits Niedrigdosen radioaktiver Strahlung die Gefahren für bestimmte Krankheiten deutlich erhöhen. Die Atom- und Strahlenkommission des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) diskutiert in einem Papier die unsichtbaren Opfer der Atomkraftnutzung und fordert einen besseren Strahlenschutz für Beschäftigte und Bevölkerung ...

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Großbritannien | Sellafield

07. Oktober 1957 (INES 5 | NAMS 4,6) Windscale Atomfabrik, GBR

Ein Feuer entzündete Plutonium und erzeugte eine sehr große Menge radioaktiven Staub (1786 TBq), der u.a. umliegende Milchviehbetriebe zur Aufgabe zwang.

Nuclear Power Accidents.pdf

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Dieser Unfall ist der letzte und einzige Störfall in Sellafield vor 2005, der noch nicht aus der deutschen Wikipedia verschwunden ist (siehe Sellafield#Zwischenfälle).

Seit den späten 1940er Jahren und der Inbetriebnahme von Windscale/Sellafield wurden etwa 20 Zwischenfälle gemeldet, bei denen Radioaktivität freigesetzt wurde. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde der im täglichen Betrieb anfallende Atommüll in großen Mengen in flüssiger Form über eine Pipeline in die Irische See abgeleitet.

Wikipedia

Windscale-Brand

Am 10. Oktober 1957 kam es in einem britischen Kernreaktor in Windscale (heute Sellafield, England) zu einem Brand. Dieser setzte eine Wolke mit erheblichen Mengen radioaktiven Materials frei, die sich über Großbritannien und über das europäische Festland verteilte ...

Am 7. Oktober 1957 begannen die Techniker mit dem Ausheizvorgang, der nach drei Tagen abgeschlossen sein sollte. Der heruntergefahrene Reaktor von Pile 1 wurde bei abgeschalteten Ventilatoren um 19:25 Uhr angefahren und bei 250 °C stabilisiert. Durch die freigesetzte Wigner-Energie sollte die Temperatur auf den vorgesehenen Höchstwert von 350 °C steigen ...

Der Unfall wird später für Dutzende von Krebstoten verantwortlich gemacht.

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AtomkraftwerkePlag

Sellafield (ehemals_Windscale), Großbritannien 1957

Windscale wurde in den 1940er Jahren in Betrieb genommen. Der Standort war zunächst für die Inspektion und Verpackung von Kleinwaffenmunition zuständig und später, begünstigt durch seine isolierte Lage, für die Plutoniumproduktion für das britische Atomwaffenprogramm ...

Am 7. Oktober 1957 wurde Pile 1 zum neunten Mal aufgeheizt, und zunächst gab es keine Komplikationen. Als aber am folgenden Tag die Temperatur nicht auf die notwendige Höhe stieg, entschied sich die Belegmannschaft für ein erneutes Aufheizen, woraufhin der Reaktor außer Kontrolle geriet. Es kam zu einer sprunghaften Erhöhung der Temperatur, die sich in den nächsten Tagen fortsetzte, ohne dass diese gestoppt werden konnte. Am 10. Oktober brannte der Reaktor, es wurde Radioaktivität freigesetzt. Alle Löschversuche scheiterten. Am 11. Oktober 1957 wurde eine Höchsttemperatur von 1.300 °C erreicht, und eine große radioaktive Wolke mit Jod, Cäsium, Strontium und Plutonium verteilte sich über der Irischen See. Mit großen Mengen Wasser konnten der Reaktor schließlich gekühlt und das Feuer am Folgetag gelöscht werden.

Es wurde niemand evakuiert. Das ganze Ausmaß des Unfalls und die Fehler in Organisation und Technik wurden 30 Jahre geheim gehalten ...

 

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06. Oktober

 

Energiewende | Solaranlage | Bürokratie

Strom durch Solaranlagen

Über die Dächer zur Energiewende?

In Deutschland soll mehr Energie mithilfe von Solaranlagen gewonnen werden - noch wird das Potenzial des Sonnenstroms zu wenig genutzt. Doch dafür müssten Bürokratiehürden abgebaut und Personallöcher gestopft werden.

Von April bis Oktober braucht Tobias Bücklein für sein Haus in Konstanz keinen Strom von außen. Den produziert seine Solaranlage auf dem Dach. Zudem gibt es einen Batteriespeicher, für nachts oder wenn die Sonne mal ein paar Tage nicht scheint.

Als sich Bücklein im Jahr 2017 für die Solaranlage entschieden hat, war das Schwierigste: die Bürokratie. "Ich fand es einen enormen Aufwand, sodass man eigentlich schon gar keine Lust mehr hatte, es zu machen", erzählt der Hausbesitzer. Eine Baugenehmigung braucht es meist nicht, aber das Baurecht ist in allen 16 Bundesländern anders. Dazu kommen Steuerfragen, die Anmeldung bei der Bundesnetzagentur und beim Netzbetreiber. Der kauft den überschüssigen Strom, der von der Solaranlage ins Netz gespeist wird, ab ...

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Atomstrom | Frankreich | China | Erneuerbare

Studie zu Atomstrom: Atom-Ära geht allmählich zu Ende

Der Anteil der Nuklearenergie weltweit sinkt weiter. Während Deutsche wegen maroder AKWs in Frankreich bangen, setzt China stärker auf Erneuerbare.

BERLIN taz | Eine symbolträchtige Entwicklung: Erstmals seit rund 40 Jahren wurde der Anteil der Atomkraft an der weltweiten Stromerzeugung im Jahr 2021 wieder einstellig. Nur noch 9,8 Prozent des Stroms wurden durch Kernspaltung erzeugt; der historische Höchststand hatte im Jahr 1996 bei 17,5 Prozent gelegen.

Die Zahlen stammen aus dem am Mittwochnachmittag in Berlin vorgestellten World Nuclear Industry Status Report 2022 (WNISR). Herausgeber ist der renommierte Atomenergieberater Mycle Schneider, der den Report jährlich mit einem internationalen Team verfasst.

Es zeigt einmal mehr den Bedeutungsverlust des Nuklearstroms. Dieser ergibt sich aus zwei Trends: Einerseits stagniert die atomare Erzeugung, andererseits steigt die weltweite Gesamtstromerzeugung an. Mit 2.653 Milliarden Kilowatt­stunden (Terawattstunden, TWh) lag die absolute Erzeugung im Jahr 2021 weiterhin knapp unter dem historischen Höchstwert von 2006. Dabei kompensiert der Zubau an Reaktoren in China etwa den Rückgang der Atomstromerzeugung im Rest der Welt. Nach wie vor wird die Atomkraft von fünf Ländern ­dominiert, die 71 Prozent des ­gesamten Atomstroms erzeugen. Es sind – in dieser Reihenfolge – die USA, China, Frankreich, Russland und Südkorea ...

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Schulden | Energiepreis | Ausbau | Erneuerbare

200 Milliarden neuer Schulden wegen schwachen Ausbaus der Erneuerbaren

Ein neuer staatlicher Schuldenberg von 200 Mrd Euro ist das Ergebnis des schwachen Ausbaus der Erneuerbaren Energien.

Kürzlich hat die deutsche Bundesregierung beschlossen, 200 Milliarden Euro aus einem schuldenfinanzierten Sondervermögen an Verbraucher*innen und Unternehmen zum Ausgleich für die gestiegenen Energiepreise zu zahlen.

Dies wird aber bei Weitem nicht die Energiepreissteigerungen der fossilen und atomaren Energien seit dem letzten Sommer ausgleichen können. Die Preissteigerungen für die Energiekund*innen von Erdgas, Erdöl, Kohle und Uran liegen ja wesentlich höher als die Zuwendungen, die nun Energiekund*innen der fossilen Energielieferungen als Ausgleich bekommen sollen.

Die hohen Energiepreise sind das Ergebnis einer Politik unter Kanzlerin Merkel, die ab 2007 begann, den Ausbau der Erneuerbaren Energien drastisch einzuschränken. Hätten wir heute in Deutschland 100% Erneuerbare Energien – was im Stromsektor mit den exponentiellen Wachstumsgeschwindigkeiten des Ökostromes bereits bis 2012 möglich gewesen wäre – hätten die weltweiten Preissteigerungen der fossilen und atomaren Energie kaum Auswirkungen auf die Geldbeutel von Energiekund*innen in Deutschland ...

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Belgien | Doel

Abschaltung des Kernreaktors Doel 2: automatischer Stopp nach Kurzschluss

Der Kernreaktor Doel 2 ist am Donnerstagmorgen automatisch abgeschaltet worden. Auslöser war ein Kurzschluss im Steuerstab-Betriebssystem. Einer der Stäbe war in den Reaktor gefallen. Nach Angaben des Betreibers Engie besteht kein Sicherheitsrisiko. Wie lange Doel 2 außer Betrieb sein wird, ist noch nicht bekannt.

Gegen 9.45 Uhr kam es zu einem Kurzschluss im Kontrollsystem der Steuerstäbe, wodurch einer der Stäbe sich löste und herunterfiel, heißt es in einer Erklärung von Betreiber Engie-Elektrabel gegenüber VRT NWS. "Daraufhin erfolgte eine automatische Abschaltung." Es handelt sich um einen Zwischenfall im nuklearen Teil des Kernreaktors, aber es habe nie ein Sicherheitsrisiko bestanden, betonte Engie weiter: "Eine automatische Abschaltung bedeutet nur, dass die Sicherheitssysteme richtig arbeiten", so Engie-Sprecherin Hellen Smeets ...

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Niedersachsen | Atommüll | Emsland Lingen

Atommüll: Mehr Konsens als Krach

Lagerung radioaktiver Abfälle ist kaum Konfliktthema in Niedersachsens Großer Koalition

Jenseits der aktuellen Diskussion um die Laufzeitverlängerung für die drei in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke scheint der jahrzehntelange Großkonflikt um die »friedliche« Nutzung der Kernenergie einigermaßen befriedet. Anders ist kaum zu erklären, dass das Thema im niedersächsischen Landtagswahlkampf fast keine Rolle spielt. Dabei ist Niedersachsen das Atommüll-Bundesland Nummer eins. Für die Zukunft sind Konflikte um die bestehenden und geplanten Anlagen auch deshalb wahrscheinlich.

[...]

In der Nähe von Lingen steht mit dem AKW Emsland auch eines der drei noch betriebenen Kernkraftwerke. Anders als bei den Atommülllagern, wo zumindest zwischen den großen Parteien in Niedersachsen eher Konsens vorherrscht, gibt es hier Differenzen. Während die CDU und die aktuell oppositionelle FDP verlangen, dass die Laufzeit des Reaktors über den gesetzlich fixierten Abschalttermin zum Jahresende hinaus verlängert wird, sprechen sich SPD und Grüne in Niedersachsen dagegen aus. Ob sie diese Position über den Wahltag hinaus beibehalten, bleibt indes abzuwarten. Im aktuellen »Niedersachsen-Check« antworteten 72 Prozent auf die Frage, ob die Abschaltung des AKW Emsland überdacht werden soll, mit Ja.

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Windfahne Grün | Laufzeit | Atomgesetz

Atomkraft: Russisch Roulette

Die Energie- und Klimawochenschau Teil 2: Kampagne fordert dauerhaftes Neun-Euro-Ticket, FDP will längere AKW-Laufzeiten und die Dürre-Situation hat sich entspannt.

[...]

Auch in Sachen Atomkraft (und Friedenspolitik sowieso) haben grüne Minister einstige Grundsätze ihrer Partei längst aufgegeben und wollen die Atomkraftwerke Isar 2 und Neckarwestheim 2 länger laufen lassen.

Dafür muss allerdings das Atomgesetz geändert werden, das bisher für die genannten Meiler und einen weiteren das Aus für Ende 2022 vorsieht. Doch darüber gibt es im Bundeskabinett weiter keine Einigung, weil die FDP auf die von AfD und Union angestoßene Kampagne zur Laufzeitverlängerung aufgesprungen ist. Eine Beschlussfassung des Kabinetts wurde am gestrigen Mittwoch vertagt, wie unter anderem der Stern berichtet.

Am Reaktor Neckarwestheim 2 wird seit einigen Jahren eine zunehmende Zahl von Haarrissen am Rohrsystem des äußeren Kühlkreislaufs festgestellt, weshalb der Weiterbetrieb, so er denn zustande kommt, im Dezember voraussichtlich die Gerichte beschäftigen wird.

Die FDP ficht das allerdings ebenso wenig an wie die Pannenmeldungen von der Isar oder die Tatsache, dass die umfassende, alle zehn Jahre vorgesehene Sicherheitsüberprüfung der Anlagen bereits seit mehr als vier Jahren überfällig ist.

Statt, wie vom Wirtschaftsministerium vorgesehen, die Anlagen bis in den April hinein in der Reserve weiterlaufen zu lassen, will sie eine Laufzeitverlängerung "über 2023 hinaus". Natürlich nur in Sorge um die Stromversorgung und keinesfalls mit der Aussicht auf gewaltige Zusatzgewinne, die die Betreiber bei diesem Russisch Roulette angesichts der derzeitigen Strompreise mit den alten, abgeschriebenen Anlagen machen können.

Übrigens: Die FDP hatte 2010 in Koalition mit der Union, die alten Laufzeitbeschränkungen aufgehoben, nur um sie ein halbes Jahr später nach der mehrfachen Reaktorhavarie im japanischen Fukushima in sehr ähnlicher Form wieder einzuführen. Jetzt will sie also ihren alten Ausstiegsbeschluss aus dem Jahre 2011 wieder kassieren, aber der Zustand und das Alter vieler westeuropäischer AKW lässt erwarten, dass wir eventuell auf einen erneuten Meinungsumschwung nicht allzu lange warten müssen ...

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Medien | Journalismus | Demokratie

„Die Vierte Gewalt“: Sind unsere Medien demokratiegefährdend?

Streitschrift Richard David Precht und Harald Welzer haben eine scharfzüngige Medienkritik verfasst und die Welt stürzt sich drauf. Zu Recht? Was ist so falsch an ihrer Kritik? Der vielfach prämierte Journalist Malte Herwig hat das Buch für uns gelesen

[...]

Precht und Welzer erheben den Vorwurf, dass sich der politische Journalismus heute mehr für Politiker als für die Politik interessiere. Statt Information und Analyse politischer Inhalte liefere die Presse persönlich zugespitzte Wer-gegen-wen-Berichterstattung, vermenge Fakten mit Meinung und steigere sich im Wettstreit mit „Direktmedien“ wie Twitter, Tiktok und Telegram in eine Eskalationsspirale der Empörung hinein: Selbst in seriösen Medien seien moralistisches Hyperventilieren und die Diffamierung Andersdenkender inzwischen an der Tagesordnung: die ganze „Kultur der Assholery“, wie sie in den sozialen Medien gepflegt wird. „Die Öffentlichkeit, unverzichtbar für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, verkam und verkommt so in weiten Teilen zur Bühne permanenter Empörung.“ ...

 

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05. Oktober

 

Klimawandel | Dürre | Trockenheit

Dürre alle 20 statt alle 400 Jahre

Eine Studie weist nach: Sommerdürren auf der Nordhalbkugel sind durch den Klimawandel mindestens 20-mal wahrscheinlicher geworden. Die Forschungsgruppe macht deutlich: Solange die Welt nicht aus Kohle, Öl und Gas aussteigt, wird die Lage schlimmer.

Trockene Felder, Waldbrände, Flüsse mit Niedrigwasser: Der vergangene Sommer war ungewöhnlich trocken – nicht nur in Europa, sondern auf fast der ganzen Nordhälfte der Erdkugel.

Ein internationales Forschungsteam hat nun ermittelt, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Wahrscheinlichkeit von Dürreperioden hier um mindestens das 20-Fache erhöht hat. Dies bedroht die Nahrungsmittelproduktion und erhöht den Druck auf die Lebensmittelpreise ...

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Zukunft Atomkraft | World Nuclear Industry Status Report

Atomkraft: Trübe Zukunftsaussichten und Gefahren

Abwärts. Das ist die Richtung der Entwicklung, die ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht über Trends in der Nuklearenergie aufzeigt.

Seit 2007 erscheint der „The World Nuclear Industry Status Report“ (WNIST) jährlich und zeigt auf, wie sich die Nuklearindustrie entwickelt. Qualität, wirtschaftliche Kennzahlen, Baufortschritt – in all diesen Bereich zeigt der Report, der am Mittwoch in der Heinrich Böll-Stiftung in Berlin veröffentlicht worden ist, vor allem eine Richtung: Abwärts.

Der Bericht, der die jüngsten Entwicklungen zeigt, legt offen, dass der Anteil des Stroms aus Kernkraftwerken erstmals in 40 Jahren unter zehn Prozent liegt (9,8%) - mehr als zwei Drittel weniger als 1996, als die Stromproduktion in Atomkraftwerken (AKW) einen Höchststand erreicht hatte ...

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EDF | Risse | Cattenom

EDF bestätigt Risse in mindestens einem Reaktorblock in Cattenom

Drei der vier Cattenom-Reaktoren stehen aktuell still. Sie werden auf Risse in Rohren überprüft – bei einem haben diese sich bestätigt. Der Luxemburger Atomexperte Roger Spautz schätzt die Gegenmaßnahmen als nicht langfristig ein.

Wegen mehrfach aufgetauchter, feiner Risse in Leitungen der Notfall-Kühlsysteme hatte der Energieversorger EDF (Électricité de France) Ende August angekündigt, zwölf seiner 56 Atomreaktoren in Frankreich abzuschalten – darunter drei des Kernkraftwerks Cattenom. In mindestens einem Reaktorblock haben sich Risse bestätigt ...

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Klimakatastrophe | Kohleausstieg | BlackRock

Habeck: Kampfansage an die Klimaschutz-Bewegung

Die Energie- und Klimawochenschau Teil 1: Von ministeriellen Rechentricks, verheerenden Klimakatastrophen und grünen Geschenken für Black Rock

... Glaubt man dem Bundeswirtschaftsministerium, dann wurde damit der Kohleausstieg um acht Jahre auf 2030 vorgezogen. Tatsächlich sieht aber erstens das Kohleausstiegsgesetz das Ende der Kohlenutzung für 2036 vor, plus einer etwaigen Verlängerung bis 2038. Und zweitens betrifft die mit RWE getroffene Vereinbarung lediglich drei Braunkohle-Kraftwerksblöcke mit zusammen rund drei Gigawatt Leistung (Niederaußem K sowie Neurath F und G). Nach bisherigem Stand wären das die einzigen RWE-Braunkohlekraftwerke gewesen, die über 2030 hinaus hätten betrieben werden sollen.

Von den anderen acht Braunkohlekraftwerken, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg von der tschechischen EPH (Leag und Mibrag) – zum Teil gemeinsam mit Uniper – auch nach 2030 noch laufen dürfen, ist hingegen gar nicht die Rede gewesen, wie eine Aufstellung des Wirtschaftsministeriums zeigt. Rund 5,6 Gigawatt Leistung haben diese Anlagen zusammen ...

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Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland | Laufzeitverlängerung | Dosisgrenzwert

BUND-Studie zu Gesundheitsgefahren für Arbeiter*innen und Anwohner*innen von Atomanlagen – Nein zu Verlängerung von Laufzeiten

In der Debatte um Laufzeitverlängerungen der deutschen Atomkraftwerke (AKW) werden Risiken und Gefahren eines Weiterbetriebes der AKW zurzeit größtenteils ausgeblendet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert dies und zeigt in einer neuen Studie, dass auch beim Normalbetrieb der AKW Gesundheitsgefahren durch radioaktive Freisetzungen bestehen.

„Wer über den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken spricht, muss auch die Sicherheitsrisiken in der atomaren Produktionskette in den Blick nehmen“, erklärt Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender. „Im Uranbergbau werden täglich unzählige Menschen oft unwissend lebensbedrohlich verstrahlt. Auch in Deutschland kämpfen bis heute Betroffene oft vergeblich um Anerkennung und Entschädigung. Gleiches gilt für Menschen und Nachkommen derer, die in Atomkraftwerken gearbeitet haben. Auch deshalb müssen wir schnellstmöglich raus aus der Atomkraft. Die Studie von Mitgliedern der Atom- und Strahlenkommission des BUND nimmt diese verdrängten Opfer der Atomindustrie in den Blick. Selbst wenn das letzte AKW vom Netz ist, werden Abriss und Endlagerung die Arbeiter*innen weiter gefährden. Wir fordern, die Dosisgrenzwerte für Arbeitnehmer*innen und Bevölkerung zu senken. Wir dürfen weder die Augen vor diesen Opfern der nuklearen Energieerzeugung noch vor den Opfern der fossilen Energieerzeugung verschließen.“ ...

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Erneuerbar | Speicher | Druckluft

Druckluft als Energiespeicher: Größtes und effizientestes CAES-Kraftwerk in Betrieb genommen

Steht mehr Strom zur Verfügung, als benötigt wird, sind intelligente Speicherlösungen gefragt. In China speichert man Strom nun im großen Stil per Druckluft.

  • In der nordchinesischen Stadt Zhangjiakou ist das weltweit größte und effizienteste Compressed Air Energy Storage Kraftwerk (CAES) in Betrieb genommen worden.
  • Es speichert bis zu 400 Megawattstunden an Energie.
  • Auf teures und seltenes Lithium kann als Speichermedium verzichtet werden.

Das bislang größte und effizienteste Kraftwerk dieser Art nahm in dieser Woche in Zhangjiakou seinen Betrieb auf. Es kann 400 Megawattstunden Energie speichern ...

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ErneuerbarStrompreis

Wind- und Solarenergie

Studie: Erneuerbare Energien senken den Strompreis deutlich

Wären 50 Gigawatt mehr Solar- und Windstrom am Netz, hätten die Verbraucher in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten rund 19 Mrd. € weniger für Strom bezahlen müssen.

Die Strompreise sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Die Gründe sind vielfältig, maßgeblich sind aber vor allem Russlands Krieg in der Ukraine und dessen Auswirkungen auf die Erdgasversorgung sowie die Ausfälle französischer Atomkraftwerke. Gut 465 € kostete eine Megawattstunde (MWh) am Day-Ahead-Markt in Deutschland im August 2022. Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im September 2021, lag der Preis noch bei rund 128 € ...

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Energiewende | Klimaschutz | Erneuerbare

Wo die Kritiker der globalen Energiewende falsch liegen

Robert Pollin sagt: Atomkraft und Geo-Engeneering können keinen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz beisteuern. Und wie sieht es mit Flächenbedarf, Energiespeichern und sozialer Gerechtigkeit beim Übergang auf 100 Prozent Erneuerbare aus?

Das Interview mit dem Klimaökonomen Robert Pollin führt der Politikwissenschaftler C.J. Polychroniou. Es erscheint in Kooperation mit der US-Nachrichtenseite Truthout.

Robert Pollin ist Co-Direktor des Political Economy Research Institute an der University of Massachusetts-Amherst. Er ist einer der weltweit führenden progressiven Wirtschaftswissenschaftler und Klimaökonomen.

C.J. Polychroniou: Die Argumente für den Einsatz negativer Emissionstechnologien, wie z. B. die direkte Luftabscheidung und die Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung, gewinnen heute trotz ihrer technologischen Unreife an Boden. Das Gleiche gilt für Kernkraftwerke und sogar für Geo-Engineering, obwohl sie mit Risiken behaftet sind. Welche Rolle können solche Strategien bei den Bemühungen um einen vollständigen Ausstieg aus der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen spielen?

Robert Pollin: Weder Technologien mit negativen Emissionen noch die Kernkraft können wahrscheinlich einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau einer alternativen globalen sauberen Energieinfrastruktur leisten. Es ist sogar wahrscheinlicher, dass sie noch größere Probleme verursachen werden.

Beginnen wir mit der Kernenergie. Sie hat den großen Vorteil, dass sie Strom erzeugt, ohne CO2-Emissionen zu produzieren. Aber die Kernenergie schafft auch große Probleme hinsichtlich der Umwelt und der öffentlichen Sicherheit, die sich nach der Kernschmelze im japanischen Kraftwerk Fukushima im März 2011 und noch mehr nach der Übernahme der Kontrolle über die Kernkraftwerke Tschernobyl und Saporischschja durch Russland in der Anfangsphase der Invasion in der Ukraine vor sechs Monaten noch verstärkt haben ...

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05. Oktober 1966 (INES 4) Akw Enrico-Fermi-1, USA

Fermi-1, der Prototyp eines schnellen Brutreaktors, erlitt eine partielle Brennstoffschmelze.

Nuclear Power Accidents.pdf

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AtomkraftwerkePlag

Partielle Kernschmelze bei Enrico-Fermi-1

Fermi-1 (auch: Enrico-Fermi-1) war ein missglückter Ausflug der USA in die Schnelle-Brüter-Technologie. Mit dem Bau des Schnellen Brüters bei Monroe im Bundesstaat Michigan war 1956 begonnen worden, 1963 ging der Reaktor in Betrieb. Eigentümer von Fermi-1 war die Power Reactor Development Company (PRDC), Betreiber die Detroit Edison Co. Hersteller war die Power Reactor Development Company.

Die Baukosten hatten sich gegenüber der ursprünglichen Schätzung auf 135 Mio. Dollar verdreifacht, und Anfangsschwierigkeiten beim Betrieb führten zu finanziellen Verlusten. Der Reaktor produzierte 1966, im Jahr seiner Inbetriebnahme, nur Strom für 300.000 US-Dollar und kleinste Mengen an Brennstoff. Nach einem Unfall am 5. Oktober 1966 wurde er vier Jahre repariert, erreichte aber auch danach nie seine volle Leistung. "Die Eigentümer verloren an ihrem müden Brüter vollends die Lust, als die AEC den Ankauf von erbrütetem Plutonium zu Garantiepreisen einstellte. Angedrohte hearings über die finanzielle Bonität der Eigentümer sowie einige grundsätzliche Sicherheitsfragen versetzten dem mißratenen Reaktor schließlich am 29. September [1972] den Todesstoß ...

 

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04. Oktober

 

Frankreich | EDF | Flamanville

Marode AKW plagen Stromkonzern

Paris verstaatlicht Stromversorger EDF

Frankreich hat ehrgeizige Pläne und will als erstes Land der Welt das fossile Zeitalter hinter sich lassen. Dazu verstaatlicht die Regierung in Paris den Stromkonzern EDF. Der hat allerdings Probleme mit seinen maroden Atomkraftwerken, die derzeit nicht kleiner werden.

Frankreich hat das Verfahren zur kompletten Verstaatlichung des Stromkonzerns EDF eingeleitet. Das teilte die Finanzmarktbehörde AMF am Nachmittag mit, wie der Sender Europe 1 berichtete. Der Staat habe ein vereinfachtes öffentliches Übernahmeangebot eingereicht, was ein erster Schritt ist, um EDF von der Börse zu nehmen. Bislang ist EDF bereits zu 84 Prozent in Staatshand. Die auf 9,7 Milliarden Euro bezifferte Maßnahme zielt darauf ab, die übrigen 16 Prozent aufzukaufen. Mit diesem Schritt soll der angestrebte Ausbau der Atomkraft in Frankreich sichergestellt werden ...

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Klima erwärmungCO2fossile Energie

Die Bundesregierung muss aufhören, Klimakiller zu finanzieren

Die Bundesregierung hat versprochen, öffentliche Geldanlagen, die dem Klimaschutz widersprechen, abzuziehen. Besonders die SPD sollte dieses Ziel ambitioniert vorantreiben.

Die Klimakrise, wie sie sich in diesem Jahrhundert entfaltet, ist gemeinsam mit der Biodiversitätskrise die größte Bedrohung für die menschliche Zivilisation. Es steht fest, dass wir unsere CO2-Emissionen drastisch senken müssen, um die schlimmsten Auswirkungen noch abzufedern. Eine Erwärmung der Atmosphäre um drei Grad Celsius bis zum Ende dieses Jahrhunderts, wie sie von aktuellen Modellen vorhergesagt wird, führt zu einem Ende jedes Lebens, wie wir es kennen.

Die Ausmaße der Klimaerwärmung sind unvorstellbar und dennoch real. Bereits in den Achtzigerjahren wussten die größten Unternehmen für fossile Energieträger über die Auswirkungen ihres Geschäfts auf unseren Planeten und die Menschheit Bescheid. Mit massiven Kampagnen und Investitionen in Lobbyarbeit haben sie aus Angst vor Profitverlusten seither trotzdem dazu beigetragen, dass die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern dennoch weiter steigt ...

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BlackoutStromausfallEnergiemarkt

Das sagen Experten: Droht im Winter wirklich der Blackout?

Auf dem Energiemarkt herrscht Krise, nun sind obendrein die Gaspipelines Nordstream 1 und Nordstream 2 beschädigt. Viele Menschen beschäftigt die Sorge, dass es im Winter zu Blackouts kommen könnte. Aber wie real ist diese Gefahr? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Der Winter steht kurz bevor und auf dem Energiemarkt herrscht weiterhin Krise. Ist die Stromversorgung in den kommenden Monaten sichergestellt oder drohen nun häufiger Stromausfälle und Blackouts? Zwei Experten geben Antworten auf die wichtigsten Fragen ...

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WasserstoffErneuerbarErdgas

Warum Wasserstoff als Erdgas-Ersatz ein Märchen ist

Zu teuer - Die Idee, mit Strom aus Erneuerbaren Energien Wasserstoff zu erzeugen und diesen über umgerüstete Erdgaspipelines als Heizgas zu nutzen, fasziniert nur auf den ersten Blick. Worauf die Politik achten muss.

Die per Nord Stream erfolgten Erdgaslieferungen aus Russland zu ersetzen, erweist sich zunehmend als ein kaum zu bewältigendes Unterfangen. So leiden die Lieferungen als Flüssiggas (LNG) unter den begrenzten Verflüssigungskapazitäten in den Ursprungsländern, der beschränkten Schiffskapaziät und unter physikalischen Problemen bei der Regasifizierung in Deutschland oder der mangelnden Vernetzung in Europa ...

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ErneuerbarEnergiewendeGigawatt Factory

Die Lausitz soll zum grünen Kraftwerk werden

Windparks, PV, Speicher und Wasserstoff: So will die Leag bis 2030 Bergbaufolgeflächen für die Energiewende nutzen.

Der Plan ist gewaltig: Die Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) will bis 2030 Windparks und PV-Anlagen mit einer Leistung von sieben Gigawatt errichten. Das Bergbau- und Energieunternehmen will mit diesem „Gigawatt Factory“ genannten Projekt rechnerisch vier Millionen Haushalte mit ökologischem Strom versorgen.

33.000 Hektar Berbaufolgeflächen stehen zur Verfügung

Die Anlagen sollen auf Bergbaufolgeflächen der Leag-Tagebaue von insgesamt etwa 33.000 Hektar entstehen ...

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Rückbau | Radioaktivität

Wie man Atomkraftwerke abreißt

Es reicht nicht, ein Atomkraftwerk bloß abzuschalten. Der Rückbau ist immens aufwendig. Radioaktivität klebt an Oberflächen, sitzt in Ritzen und Spalten und sogar im Material selbst.

»Ganz vorsichtig«, sagt Jörg Meyer, reißt man ein Atomkraftwerk ab. Dann spricht der Nuklearexperte von brachialer Gewalt, vom Hämmern, Sägen, Meißeln, Aufstemmen, Strahlen, Schrubben und Ätzen. Denn ein Kernkraftwerk abzuschalten allein reicht nicht. Man muss es zusammen mit seinem Inventar abbauen. Und das unter größtmöglichem Arbeitsschutz. An 30 Kernkraftwerken soll Anfang 2023 dieser Spagat zwischen Vorsicht und Gewaltakt gelingen ...

 

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03. Oktober

 

Belgien | Tihange

Der Kernreaktor Tihange 3 hat sich unerwartet abgeschaltet

Der Reaktor Tihange 3 im gleichnamigen Atomkraftwerk bei Huy in der Nähe von Lüttich hat sich am Montagmorgen um 8 Uhr 25 selbst abgeschaltet. Die Anlage wurde „in einen sicheren Zustand gebracht.“ Dies bestätigte Kraftwerksbetreiber Engie Electrabel

"Das Personal hat Tihange 3 heute Morgen in einen sicheren Zustand gebracht", hieß es am Montagvormittag von Seiten des Kraftwerksbetreibers Engie Electrabel. Was genau zu dieser Abschaltung geführt hat, ist noch undeutlich.

Der Reaktor, der eine Leistung von 1.038 Megawatt hat, fiel am Montagmorgen unerwartet nach einem Problem aus und schaltete sich ab. Engie Electrabel analysiere, was genau passiert sei ...

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Teil 1 | Teil 2

Chomsky | Ukraine | Russland

Chomsky: "Es gibt das Risiko, dass der Westen bis nach Russland vordringen könnte"

Noam Chomsky sagt: Der Westen könnte in der Ukraine fortschrittlichere Waffen einsetzen und den Krieg bis nach Russland ausweiten. Warum die ablaufende Neujustierung der Weltordnung in der Katastrophe enden könnte. (Teil 2)

C.J. Polychroniou: Sieben Monate nach Putins verbrecherischem Einmarsch in die Ukraine hat der Krieg einen Wendepunkt erreicht. Mit Putins Aufruf zur "Teilmobilisierung" ist er nach Russland zurückgekehrt, und eine Annexion von Teilgebieten in der Ukraine findet statt. Was bedeutet die Aufstockung der russischen Streitkräfte in der Ukraine für Russland und die Ukraine? Sind Putins Befehle zur militärischen Einberufung ein Eingeständnis, dass Russland in der Ukraine keine "militärische Spezialoperation" mehr durchführt?

Noam Chomsky: Was in Russland geschieht, ist unklar. Es gibt Berichte über Proteste und Zwangsrekrutierungen sowie Aufrufe, "Mütterchen Russland" gegen eine weitere westliche Invasion zu verteidigen, die man aber – wie frühere Versuche, die bis zu Napoleon zurückreichen –, niedergeschlagen werde. Solche Appelle könnten Gehör finden. Die historischen Erinnerungen wurzeln tief. Wie sich die Stimmung in Russland entwickeln wird, können wir aber nur vermuten.

Es war von Anfang an eine kriminelle Invasion und zu keinem Zeitpunkt eine "militärische Spezialoperation", aber im Kreml versucht man weiter, diesen Eindruck zu vermitteln. Es ist unwahrscheinlich, dass die Mobilisierung in nächster Zeit große Auswirkungen auf den Krieg haben wird. Die langfristigen Effekte sind unklar ...

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Photovoltaik | Repowering | Einspeisevergütung

Aktives Repowering und höhere Einspeisevergütung

Die EU-Kommission hat die höheren Einspeisevergütungen für Dachanlagen beihilferechtlich genehmigt. Im überarbeiteten Energiesicherheitsgesetz hat die Bundesregierung außerdem den Weg freigemacht für das aktive Repowering von Solarparks.

Zwei gute Nachrichten gibt es für Betreiber von PV-Anlagen, und zwar sowohl für das Dachflächensegment als auch für die Freifläche. Die EU-Kommission hat drei beihilferechtlich relevanten Regelungen grünes Licht erteilt. Damit können nun unter anderem die höheren Vergütungssätze für kleine Dachanlagen wirksam werden. Sie sind im EEG 2023 geregelt, treten aber jetzt nach der beihilferechtlichen Genehmigung rückwirkend zum 30. Juli 2022 in Kraft ...

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Broken Arrow

03. Oktober 1986, Atom-U-Boot K-219, UDSSR

Am 03. Oktober 1986 explodierte ein Torpedo auf dem sowjetischen Atom-U-Boot in seinem Silo. Das Boot sank 3 Tage später und liegt seitdem mit 2 Atomreaktoren und mindestens 30 Nuklearsprengköpfen an Bord in etwa 5500 Metern Tiefe etwa 1000 Kilometer östlich der Bermudas und 2000 Kilometer vor der Küste Amerikas ...

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Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/K-219

K-219 war ein Atom-U-Boot der sowjetischen Marine. Sie gehörte dem Typ Projekt 667A an, NATO-Bezeichnung: Yankee-I-Klasse. Als Raketen-U-Boot (SSBN) war es die Aufgabe der 1971 gebauten K-219, im Rahmen der nuklearen Abschreckung U-Boot-gestützte ballistische Raketen (SLBM) vor die Ostküste der USA zu tragen, um im Falle eines Atomkrieges eine möglichst kurze Reaktionszeit zu gewährleisten.

Am 3. Oktober 1986 detonierte rund 680 Seemeilen nordöstlich der Bermuda-Inseln im Atlantischen Ozean eine der Raketen in ihrem Silo, der Raketenraum füllte sich mit Wasser. Die K-219 tauchte daraufhin auf und trieb drei Tage an der Wasseroberfläche. Am 6. Oktober sank das U-Boot schließlich aus letztlich nicht geklärter Ursache. Vier Besatzungsmitglieder starben, der Rest der Mannschaft wurde gerettet ...

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Atombombentest

03. Oktober 1952, Atombombentest auf Trimouille Island, GBR

Großbritanniens erster Atombombentest

Wikipedia

Liste von Kernwaffentests#Großbritannien

Großbritannien nutzte dafür Testgelände in Australien (12 Tests), auf der Weihnachtsinsel (6 Versuche) und auf Malden Island (3 Versuche).

Die Operation Hurricane war der erste britische Atombombentest, der am 3. Oktober 1952 auf Trimouille Island, einer der 174 kleinen Montebello-Inseln an der Nordwestküste in Western Australia durchgeführt wurde ...

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Atomwaffen A - Z

Trimoulle Island - Montebello-Inseln

Die Montebello-Inseln liegen etwa 100 km nordwestlich vor der australischen Küste. Hier führte Großbritannien im Jahr 1952 bis 1956 mit der Zustimmung des australischen Premierministers Robert Menzies insgesamt drei Atomtests heimlich durch. Ob Menzies sein Kabinett in die Entscheidung mit einbezog, ist fraglich. Die australische Bevölkerung wusste zunächst nichts darüber.

Die erste britische Atombombe wurde im Rahmen der „Operation Hurricane“ am 3. Oktober 1952 um 8 Uhr Ortszeit detoniert. Sie war eine Plutoniumbombe mit einer Sprengkraft von 25 KT (Kilotonnen) und wurde auf einem Schiff, der HMS Plym, zur Detonation gebracht. Das Schiff war in einer Lagune geankert, nahe der Trimouille Insel. Das Plutonium, das für die Implosionsbombe ähnlich der „Fat Man“-Bombe, verwendet wurde, war in Windscale (später Sellafield) produziert sowie aus Kanada geliefert worden. Die Explosion wurde unter Deck gezündet und damit 2,7 Meter unter Wasser. Sie erzeugte einen Krater auf dem Meeresboden, der 6 Meter tief und mehr als 300 Meter breit war ...

 

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02. Oktober

 

Nord-Stream | Treibhausgas | Verantwortung

Nord-Stream-Pipelines: Es entweicht kein Gas mehr

Forscher warnen vor erheblichen ökologischen Folgen der Explosion. Die Suche nach den Verantwortlichen geht weiter, westliche Medien legen sich bereits auf einen Täter fest.

In einer Hinsicht hat sich die Lage an den beschädigten Nord-Stream-Pipelines beruhigt: Es tritt kein Gas mehr aus.

[...]

Die riesigen Mengen Methan, die freigesetzt wurden, lösen unter Forschern große Besorgnis aus.

Einmal, weil Methan ein stärkeres Treibhausgas ist als Kohlendioxid. Laut Umweltbundesamt wirkt es etwa 25-mal so stark. Dagegen sprachen Forscher kürzlich von einer rund 82-fachen Klimawirksamkeit. Dass es mit 12,4 Jahren wesentlich kürzer in der Atmosphäre verbleibt als CO₂, beruhigt die Wissenschaftler nicht.

Ein anderer Grund: Erdgas enthält neben Methan auch andere Spurengase, wie Benzol. Sie können in der Tier- und Pflanzenwelt der Ostsee erhebliche Schäden verursachen, auch die Gesundheit der Menschen kann beeinträchtigt werden ...

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Speicher | Energiewende | Energieversorgung

Stromspeicher: Speicherkapazität in Deutschland steigt rasant

Wind- und Sonnenenergie benötigen Stromspeicher, die eine durchgängige Energieversorgung sicherstellen. Vor allem Privatkunden treiben den Ausbau voran, aber auch für Großspeicher gibt es erste konkrete Pläne.

Der Aufbau von großen Kapazitäten zum Speichern von Strom gilt als Nadelöhr der Energiewende. Denn Sonne und Wind liefern zwar kostenlose Energie, lassen sich aber leider nicht nach Bedarf an und ausschalten. Also müssen Speicher beispielsweise den von Windrädern und Solarzellen am Mittag produzierten Strom in den Abendstunden und den Nächten bereitstellen oder im Sommer produzierte Überschüsse für den Winter nutzbar machen ...

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Bernays | Propaganda | Public Relations

Die PR ist eine Fortsetzung des Krieges mit friedlichen Mitteln

Edward Bernays, der „Father of Spin“, machte aus Propaganda „Public Relations“. Das hört sich nach unterschiedlichem Gebrauch in Krieg und Frieden an. Doch gibt es diesen Unterschied überhaupt?

Er beriet mehrere amerikanische Präsidenten. Goebbels, der ein Buch von ihm in seiner Bibliothek hatte, wollte sich von ihm beraten lassen. Aber der Angefragte, Edward Bernays, wollte nicht. Nicht nur, weil er Jude und der Neffe Sigmund Freuds war. Die Nazis hingegen störte so etwas im Bedarfsfall nicht. Frei nach Hermann Göring: „Wer Jude ist, bestimme ich.“

Sowohl genetische als auch intellektuelle Gründe hielten Edward Bernays von den Nazis fern und zogen ihn zur Psychoanalyse. In den USA, wohin seine Familie mit dem noch nicht Einjährigen 1892 aus Wien eingewandert war, suchte er die Werke seines Onkels „Siggi“ bekannt und verkäuflich zu machen ...

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Teil 1 | Teil 2

Chomsky | Ukraine | Putin

Chomsky: "Wird Putin einfach die Koffer packen und sich davonschleichen?"

Noam Chomsky sagt: Noch hat Moskau nicht das gemacht, was die USA in Kriegen unternehmen: Infrastrukturen zerstören. Wird Putin bei einer Niederlage einfach verschwinden? Warum Diplomatie weiter möglich ist. (Teil 1)

[...]

C.J. Polychroniou: Präsident Selenskyj forderte die Vereinten Nationen (UN) auf, Russland für seinen Einmarsch in der Ukraine zu bestrafen, indem sie ihm sein Vetorecht im Sicherheitsrat entziehen. Erst vor wenigen Tagen hatte der EU-Präsident ähnliche Forderungen gestellt. Technisch gesehen kann ein Land zwar wegen "anhaltender Verletzung" der Grundsätze der Charta aus der Uno ausgeschlossen werden, aber ist es nicht ein verfehlter Vorschlag?

Noam Chomsky: Man kann Präsident Selenskyj gut verstehen, aber unabhängig von den technischen Aspekten ist allein die Tatsache, dass der Vorschlag ernsthaft erwogen wird, aufschlussreich. Hat irgendjemand in Erwägung gezogen, die USA auf diese Weise zu bestrafen, als sie in den Irak einmarschierten, um nur ein Beispiel für ihre "anhaltende Verletzung" des Kernprinzips der Charta zu nennen, das die "Androhung oder Anwendung von Gewalt" in internationalen Angelegenheiten verbietet (wobei Ausnahmen hier keine Rolle spielen)? Diese Verstöße, die nicht nur anhaltend, sondern äußerst schwerwiegend sind, sind offensichtlich, auch wenn sie im Mainstream der USA praktisch unter Tabu stehen.

Ich denke, wir sollten uns auf das konzentrieren, was für uns im Zentrum stehen sollte: Die Politik der Vereinigten Staaten. Wollen wir die offizielle Position der USA akzeptieren, einen Krieg zu führen, um Russland ernsthaft zu schwächen und eine diplomatische Lösung auszuschließen? Oder ist es sinnvoll, die US-Regierung dazu zu drängen, sich dem größten Teil der Welt, einschließlich der Deutschen und anderen Europäern, anzuschließen und nach einem Weg zu suchen, die Schrecken zu beenden, bevor sie weitere Tragödien nicht nur in der Ukraine, sondern auch weit darüber hinaus verursachen? ...

 

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01. Oktober

 

Demo Lingen | Streckbetrieb | Geschäft Russland

Demo in Lingen: Kein Streckbetrieb, kein Geschäft mit Russland

In Lingen haben rund 200 Personen am Sonnabend gegen einen Weiterbetrieb der letzten deutschen Kernkraftwerke protestiert. Drei Meiler sind noch am Netz, sie sollen Ende des Jahres abgeschaltet werden.

Wegen der aktuellen Energiekrise könnte das endgültige Aus zumindest von zwei Atomkraftwerken (Akw) jedoch verschoben werden. Die Bundesregierung will spätestens Anfang Dezember entscheiden, ob insbesondere Isar 2 in Bayern und Neckarwestheim in Baden-Württemberg im ersten Quartal 2023 im sogenannten Streckbetrieb weiter Strom produzieren sollen. Dafür spreche momentan vieles, sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) vor Kurzem. Die europäische Stromproduktion sei wegen ausgefallener Akw in Frankreich nicht ausreichend gesichert ...

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Klimawandel | Wachstum

40 Jahre „Terra-X“

Wissenschaftsjournalist Harald Lesch: „Die Leute haben nicht verstanden, wie dramatisch der Klimawandel ist“

Seit 13 Jahren führt Harald Lesch durch die „Terra-X“-Reihe „Faszination Universum“ im ZDF. Im Interview spricht er über den nunmehr 40-jährigen Erfolg der Serie, verliert aber auch deutliche Worte zum Klimawandel.

[...]

Hannah Schweiwe: Der Klimawandel wird immer deutlicher auch direkt vor unserer Haustür. Dennoch hat man den Eindruck, dass noch zu wenig getan wird, um dem entgegenzuwirken. Woran liegt das?

Harald Lesch: Die Leute haben nicht verstanden, wie dramatisch der Klimawandel ist. Wir haben sehr lange nicht hingehört auf die Warnungen der Klima- und Planetenforschung, die seit mehr als 50 Jahren das Gleiche sagt: „Wir können so nicht weitermachen.“ Wir machen trotzdem so weiter. Das hat natürlich damit zu tun, dass bei uns die Wählerinnen und Wähler darüber entscheiden, wer sie regiert. Wenn heute jemand sagt, wir müssen verzichten und runter von den Wachstumsraten, wird der nicht gewählt. Die Altparteien können mit dem Thema Ökologie nichts anfangen. FDP, CDU und selbst die SPD sind in keinster Weise auf ökologische Fragen vorbereitet. Die Wahrnehmung, dass wir in einer Transformation und die fetten Jahre vorbei sind, hat sich diese Gesellschaft lange erspart ...

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Klimawandel | Wetter-Phänomen | Pazifik

Meteorologen verkünden „außergewöhnliches“ La Niña-Ereignis

Das dritte Jahr infolge tritt das Wetter-Phänomen La Niña auf. Das könnte in einigen Regionen Dürren und heftige Stürme begünstigen.

Kassel – Viel Regen und buntes Laub auf den Straßen: Inzwischen ist in Deutschland der Herbst angekommen. Die Temperaturen haben sich deutlich abgekühlt. Meteorologinnen und Meteorologen wagen nun Prognosen für die kommenden Monate. Dabei wurde ein seltenes Wetter-Phänomen bestätigt.

Expertinnen und Experten weisen darauf hin, dass das dritte Jahr in Folge das Wetter-Ereignis La Niña aufgetreten sei ...

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Rüstungsexport | Saudi-Arabien | Jemen

Westliche Werte

Berlin mordet mit

Scholz-Regierung genehmigt Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien – trotz Riads Krieg im Jemen. Bundesweiter Aktionstag der Friedensbewegung

Die Entscheidung soll schon kurz vor der Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in die Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und Vereinigten Arabischen Emirate im geheim tagenden Bundessicherheitsrat gefallen sein: Die beiden führenden Mitglieder der Kriegskoalition gegen den Jemen erhalten Rüstungsgüter im Wert von insgesamt 37,4 Millionen Euro aus der BRD. So kauft Riad für 36,1 Millionen Ausrüstungsteile und Bewaffnung für die Kampfflugzeuge »Eurofighter« und »Tornado«. Die Emirate bekommen für 1,3 Millionen Ersatzteile vom deutschen Hersteller Kappa Opto Electronics, der auch Saudi-Arabien beliefert. Die braucht Abu Dhabi für seine Tankflieger, ohne die der Jemen-Krieg nicht weitergeführt werden könnte ...

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01. Oktober 1981 (INES 3 | NAMS 1,3) Sellafield Atomfabrik, GBR

Wiederaufbereitung von Brennelementen, die nur 27 Tage lang gekühlt worden waren, führte zur Freisetzung von 0,9 Tbq radioaktivem Jod

Nuclear Power Accidents.pdf

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AtomkraftwerkePlag

Sellafield (ehemals_Windscale), Großbritannien

Im November 2001 wurde vom Europäischen Parlament eine Studie zu den möglichen toxischen Auswirkungen der Wiederaufarbeitungsanlagen in La Hague (Frankreich) und Sellafield veröffentlicht, die von WISE/Paris unter der Leitung von Mycle Schneider verfasst wurde. Deren Resümee war, dass bis zu diesem Zeitpunkt auf beide Standorte die höchste vom Menschen je verursachte Freisetzung von Radioaktivität zurückzuführen war, vergleichbar einem großen Atomunfall in jedem Jahr. Die Freisetzung radioaktiver Substanzen war möglicherweise doppelt so hoch wie die nach der Katastrophe von Tschernobyl. In der Umgebung beider Standorte wurde ein deutlicher Anstieg der Leukämie-Fälle festgestellt; es wird als möglich angesehen, dass die radioaktiven Emissionen aus beiden Anlagen dazu beigetragen haben. In Sellafield sind signifikante Konzentrationen von Radionukliden in Nahrungsmitteln, Sedimenten in Flora und Fauna entdeckt worden. Festgestellt wurden Carbon-14, Cäsium-137, Cobalt-60, Jod-129, Plutonium, Strontium-90, Technetium-99, letzteres mit 214.000 Jahren Halbwertszeit ...

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Vergleichbare Atomfabriken gibt es überall auf der Welt:

Uran-Anreicherung und Wiederaufarbeitung - Anlagen und Standorte

Bei der Wiederaufarbeitung lässt sich das Inventar abgebrannter Brennelemente in einem aufwändigen chemischen Verfahren (PUREX) voneinander separieren. Abgetrenntes Uran und Plutonium können danach erneut verwendet werden ...

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Dieser Störfall sowie mehrere andere Freisetzungen von Radioaktivität, die von Sellafield ausgingen, sind nicht mehr in der deutschen Wikipedia zu finden.

 

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Aktuelles+ 01. Oktober

 

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Belgien | Laufzeit verlängern | Blackout Frankreich | Merit Order

Belgien zeigt Probleme bei Verlängerung der Laufzeiten von AKW

Die Grünen bestätigen, dass es bei der "Einsatzreserve" von zwei AKW um Blackout-Verhinderung in Frankreich geht. Belgien belegt derweil, dass ein Weiterbetrieb ohne Sicherheitschecks nicht auskommt. Was daraus für Deutschland folgt.

Wir mussten vor einigen Jahren etliche Sicherheitsanalysen durchführen, damit die Meiler am Netz bleiben dürfen, und nun sollen wir innerhalb von zehn Tagen vor Ende der Betriebsgenehmigung mal eben die Laufzeit verlängern?

Die Worte der belgischen Engie-Sprecherin Anne-Sophie Hugé zum möglichen Weiterbetrieb von belgischen Atomkraftwerken sollte man sich im Rahmen der deutschen Debatte um eine sogenannte "Einsatzreserve", "Notreserve" oder einen "Streckbetrieb" genauer ansehen.

Der belgische Energieversorger Engie reagierte damit auf Forderungen aus der Politik, die Abschaltung von bekannten Riss-Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 doch noch zu verhindern. Beide Meiler werden von Engie betrieben. Hugé zeigte sich irritiert darüber, dass die christdemokratische Innenministerin Annelies Verlinden die Atomaufsichtsbehörde (Fanc) mit einer Prüfung darüber beauftragen wollte, ob die Stilllegung von Doel 3 ausgesetzt oder sogar rückgängig gemacht werden könne

"Wir müssen in diesen unsicheren Zeiten der Versorgungssicherheit Vorrang einräumen", machte Verlinden deutlich, dass sie bereit ist, sogar einen Super-GAU hinzunehmen. Auch sie brachte eine Art "Stand-by" für die Reaktoren ins Spiel, ein weiterer Begriff für eine Notreserve oder Einsatzreserve.

Die Äußerungen sorgten auch bei der Fanc für Irritationen und Verwunderung, zumal die Anfrage gerade zehn Tage vor dem geplanten Abschalttermin von Doel 3 kam.

Engie-Sprecherin Hugé wie den Vorstoß von Verlinden rundum zurück: Ein Weiterbetrieb sei reichlich absurd und technisch sowie aus Sicherheitsgründen nicht machbar. Das gelte sowohl für Doel 3 als auch für Tihange 2, dessen Abschaltung spätestens am 1. Februar kommendes Jahres erfolgen soll.

"Es gibt keine Untersuchungen dazu, wie es sich auswirken würde, wenn die Meiler noch länger am Netz blieben", so Hugé. Tatsächlich wurde in Belgien am vergangenen Samstag Doel 3 endgültig abgeschaltet und nun soll mit dem Rückbau begonnen werden.

Es ist seit Langem bekannt, dass es sich bei Doel 3 und Tihange 2 um Riss-Reaktoren oder "Bröselreaktoren" handelt. Seit Jahren berichtet Telepolis über die gefährlichen Meiler im belgisch-deutschen Grenzgebiet ...

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Akw Doel, nordwestlich von Antwerpen ...

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Die interne Suche:

Blackout Frankreich

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

18. Januar 2022 - Frankreich immer näher am Blackout

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23. Dezember 2021 - Ausfall französischer AKW versetzt Schweizer Stromhüter in Alarmbereitschaft

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17. Januar 2017 - Atom-Frankreich versucht Blackout abzuwenden

*

06. Juni 2011 - Bei Hitze und Kälte läuft nichts mehr

 

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YouTube

 

Stichwortsuche: Blackout in Frankreich

https://www.youtube.com/results?search_query=Blackout in Frankreich

 

Videos:

tagesschau - 05:28

Fridays for Future: Weltweite Klimaproteste

*

ZDF frontal - 08:38

Teurer Strom und schwache Netze - kann Atomkraft die Rettung sein?

*

Deutsche Fernsehgeschichte - 01:06:28

Von wegen, wir haben nichts davon gewusst! Diese Sendung ist von 1958.

Atomstaub über uns - Gefahren radioaktiver Strahlung (Dokumentation, 1958)

 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 150 Videos zum Thema

 

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Ecosia

Diese Suchmaschine pflanzt Bäume!

 

Stichwortsuche: Blackout Frankreich

https://www.ecosia.org/search?q=Blackout Frankreich

 

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Wikipedia

 

Stromausfall

Ein Stromausfall (auch: ungeplante Versorgungsunterbrechung) ist eine temporäre Netzstörung im Stromnetz, durch die unbeabsichtigt die Elektrizitätsversorgung der Stromverbraucher unterbrochen ist. Geplante Versorgungsunterbrechungen werden zuvor angekündigt und müssen ebenfalls der Bundesnetzagentur gemeldet werden. Die längerfristige absichtliche Einstellung der Energieversorgung wird als Stromsperre bezeichnet ...

Stromausfall in Kernkraftwerken („Schwarzfall“)

... Verschiedentlich hatten KKW aber bereits mit Problemen zu kämpfen, die das ordnungsgemäße Funktionieren dieser Notstromaggregate respektive deren Zuschalt-Vorrichtungen betrafen. Am bekanntesten diesbezüglich sind wohl die Nuklearunfälle von Fukushima und die Störfälle von 2006 im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich 1975 im Kernkraftwerk Greifswald, 1982 im belgischen Kernkraftwerk Doel, 1999 im französischen Kernkraftwerk Blayais, 2000 im New Yorker Kernkraftwerk Indian Point 2, 2001 im taiwanesischen Kernkraftwerk Maanshan, 2004 im Kernkraftwerk Biblis, 2007 im französischen Kernkraftwerk Dampierre und Kernkraftwerk Penly und schweizerischen Kernkraftwerk Beznau 1 und 2011 im französischen Kernkraftwerk Tricastin.

Am 26. April 1986 übte das Bedienungspersonal des Kernkraftwerks Tschernobyl das Beherrschen eines Kernreaktors (Block 4) bei einem vollständigen Stromausfall. Dabei kam es auf Grund schwerwiegender Verstöße gegen die geltenden Sicherheitsvorschriften und wegen der bauartbedingten Eigenschaften des mit Graphit moderierten Kernreaktors zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der zum Brand und zur Explosion des Reaktors (Katastrophe von Tschernobyl) führte ...

 

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Newsletter XXXVIII 2022 - 24. bis 30. September

Zeitungsartikel 2022

 

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