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07. - 12. Juli 2021

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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12.07.2021 - Umweltrisiko Atomkraftwerk: BUND klagt gegen Brennelemente-Exporte

Berlin. Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Klage gegen die Ausfuhr von Brennelementen beim Verwaltungsgericht Frankfurt eingereicht. Zuvor hatte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einen Widerspruch des BUND gegen den Export von Brennelementen nach Belgien zurückgewiesen. Der Schutz von Mensch und Umwelt werde vom Atomgesetz nicht erfasst, da es an umweltbezogenen Bestimmungen fehle. Auch gehe von dem maroden Atomkraftwerk Doel keine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland aus.

Olaf Bandt, BUND-Vorsitzender: "Anstatt den wichtigen Sachverhalt inhaltlich zu prüfen, hat es sich das Bundesamt leichtgemacht und gesagt, es fehle der Umweltbezug. Ohne Umweltbezug kein Klagerecht für anerkannte Umweltverbände. Ein Unfall mit katastrophalen Auswirkungen für Mensch und Natur ist aber bei jedem Atomkraftwerk jederzeit möglich. Und es geht hier um den Export von Brennelementen an marode belgische Atomkraftwerke nahe der deutschen Grenze. Die Entscheidung des BAFA ist für mich nicht nachvollziehbar. Daher lassen wir die Sache nun gerichtlich prüfen."

Selbst das oberste Gericht in Belgien, der Belgische Verfassungsgerichtshof, hat in seinem Entscheid (Nr. 34/2020 vom 5. März 2020, Gz. 6328) die Laufzeitverlängerung von Doel 1 und 2 wegen fehlender Umweltverträglichkeitsprüfung für unrechtmäßig erklärt ...

 

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12.07.2021 - Atomkrieg: "Deutschland wäre strategisches Ziel"

Über 80 Prozent der Deutschen ist gegen Nuklearwaffen und fordert deren Abzug aus Deutschland, so auch der Bundestag. Weshalb liegen in der Eifel dennoch US-Atombomben zum Einsatz bereit?

In kaum einem Politikbereich handelt die Bundesregierung so widersprüchlich wie in ihrer Haltung zur Verbreitung atomarer Waffen. Während sich das Auswärtige Amt unter Leitung von Minister Heiko Maas einerseits für die nukleare Abrüstung einsetzt, verteidigt der SPD-Politiker die Stationierung US-amerikanischer Atombomben in Deutschland. Sie sollen im Zuge der nuklearen Teilhabe der Nato im Konfliktfall von deutschen Tornados ins Ziel gebracht werden. Ein solcher Einsatz aber wäre nicht nur völkerrechtlich fragwürdig, sondern stünde auch im Widerspruch zu internen Regelungen der Bundeswehr.

Obwohl die große Mehrheit der Deutschen diese militärische Strategie kritisch sieht, hält die Bundesregierung an der nuklearen Teilhabe fest. Und nicht nur das: Sie ignoriert weiterhin einen fraktionsübergreifenden Beschluss des Deutschen Bundestags. Die dortigen Fraktionen hatten sich vor bereits elf Jahren auf einen Abzug der US-Atombomben von Fliegerhorst Büchel im rheinland-pfälzischen Teil der Eifel geeinigt ...

 

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12.07.2021 - Neue Risse im Kernkraftwerk Neckarwestheim entdeckt

Bei der jüngsten Revision sind 17 neue Risse gefunden worden – die Sicherheit der Anlage sei aber gewährleistet, betont das Umweltministerium. Atomkraftgegner halten dagegen ein Abschalten des Reaktors für notwendig. Selbst eine Kernschmelze sei nicht auszuschließen.

Stuttgart/Neckarwestheim - Das letzte Atomkraftwerk Baden-Württembergs, das GKN II in Neckarwestheim, ist nach der jüngsten Revision vom Umweltministerium als sicher bezeichnet worden. Seit 2018 schwelt dort ein Streit um damals 300 entdeckte Risse in den Rohren der vier Dampferzeuger. Die Prüfergebnisse zeigten aber nun, heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums, dass „die ergriffenen Maßnahmen, um Risse zu verhindern beziehungsweise frühzeitig zu erkennen, wirken.“ Zu undichten Stellen an Heizrohren sei es in der gesamten Betriebszeit der Anlage noch nie gekommen. Die Sicherheit sei deshalb gewährleistet ...

Die vier Dampferzeuger mit zusammen 16 400 Rohren bilden einen Sekundärkreislauf, der dem radioaktiven heißen Wasser aus dem Primärkreislauf die Hitze entzieht. Die Rohrwände müssen dabei extrem hohen Druck aushalten, zugleich aber müssen sie sehr dünn sein, damit die Hitze gut aufgenommen werden kann. Entstanden sind die Risse, weil nach einem Leck in einem Kondensator Wasser in die Rohre der Dampferzeuger gekommen ist, das eine andere chemische Zusammensetzung besaß und die Rohre angegriffen hat ...

Daneben werfen die Aktivisten der EnBW als Betreiberin und dem Umweltministerium vor, die Ergebnisse verfälscht zu haben, weil die früher gemessenen Risse „über den gesamten Rohrumfang gemittelt und somit unzulässig flachgerechnet“ worden seien ...

 

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11.07.2021 - Japans Plutoniumvorrat ist 2020 auf 46,1 Tonnen gestiegen

Japans Plutoniumvorrat ist 2020 auf insgesamt 46,1 Tonnen angestiegen. Das sind 0,6 Tonnen mehr als im Vorjahr und der erste Anstieg seit 3 Jahren.

Die japanische Atomenergiekommission (JAEC) hatte ursprünglich erklärt, dass das Land seinen Plutoniumbestand im Rahmen der im Juli 2018 überarbeiteten Richtlinien reduzieren würde und die Menge in seinem Besitz war seither rückläufig gewesen.

Internationale Gemeinschaft äußerte Bedenken über Japans Plutoniumvorrat

Plutonium wird aus abgebrannten Kernbrennstoffen aus Atomkraftwerken gewonnen, um sie wiederzuverwerten. Die internationale Gemeinschaft hat jedoch Bedenken über Japans großen Plutoniumvorrat geäußert und argumentiert, dieser könne in Atomwaffen umgewandelt werden ...

 

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10.07.2021 - EU-Nachhaltigkeitslabel: Konservative und Liberale wollen Greenwashing von Atomkraft

Spätestens seit der Nuklearkatastrophe von Fukushima vor 10 Jahren ist klar: Atomkraft ist keine Zukunftstechnologie. Der Atomstrom von heute ist der radioaktive Müll von morgen.

Die Pannengeschichte bei der deutschen Endlagersuche macht deutlich, welche Bürde dies für künftige Generationen bedeutet. Angesichts des ungelösten Atommüllproblems und der Gefahr von fatalen Unfällen ist eigentlich klar: Die Gewinnung von Strom aus Atomkraft ist nicht nachhaltig.

Doch Europas Konservative und Liberale wollen das nicht wahrhaben. Im Gegenteil: Wenn es nach Ihnen geht, soll der EU-Standard für nachhaltige Investitionen (die sogenannte EU-Taxonomie) künftig auch Investition in Kernkraftanlagen umfassen. Damit bekämen Investitionen in Atomkraft ein Nachhaltigkeitslabel, ähnlich wie der Bau von Windrädern und Solaranlagen. Genau das haben gerade 87 Europaparlamentarierinnen und Europaparlamentarier der Christdemokraten, der Liberalen, der Rechtskonservativen und der Rechtsradikalen in einem gemeinsamen Brief an die Kommission gefordert ...

 

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09.07.2021 - Hamburg will städtische Dächer zur Energiegewinnung nutzen

Hamburgs Senat will die städtischen Dächer zur Energiegewinnung nutzen. Mit einem kurzfristigen Sonderprogramm sollen insgesamt 100.000 Quadratmeter Photovoltaik-Flächen geschaffen werden.

Das Solarstrom-Programm der Stadt hat höchste Priorität, denn es stammt von ganz oben. Zu NDR 90,3 sagt Finanzsenator Andreas Dressel (SPD): "Das ist ein Thema, das dem gesamten Senat wichtig ist. Der Erste Bürgermeister hat uns diesen Auftrag gegeben." Hamburgs Dächer seien bereit, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten - und zwar nicht nur mit Gründächern sondern auch mit Energiegewinnung ...

 

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09.07.2021 - Genkai Kernkraftwerk muss seine Erdbebenresistenz prüfen

Das Kernkraftwerk Genkai ist mittlerweile wieder seit ein paar Jahren in Betrieb. Die Atomaufsichtsbehörde (NRA) macht sich jetzt Sorgen um die Sicherheit und hat eine Überprüfung der Erdbebenresistenz angewiesen.

Betreiber Kyushu Electric Power Co. wurde von der Behörde aufgefordert, die Sicherheitsmaßnehmen zu überprüfen. Im April wurde die Methode zur Schätzung der seismischen Bodenbewegung aktualisiert. Die Schätzungen sollen in Genki nun überprüft werden, um sicherzugehen, dass die Anlage einem Erdbeben standhält.

Kernkraftwerk ist angeblich sicher

Die Berechnungsmethode wurde nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima 2011 erstmals eingeführt. Im Rahmen der Nachrüstung wurden sie auf Basis neuer wissenschaftliche Erkenntnisse angepasst. Das Update befasst sich mit Erdbeben, die keinen Mittelpunkt besitzen. Dafür wurden 89 Beben seit 2000 untersucht.

Kyushu Electric weigerte sich allerdings und gibt an, dass sie keine neuen Zahlen benötigen ...

 

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Abrüstung

08.07.2021 - USA planen neuen Weg zur Atomwaffen-Beseitigung

Es sind fast 50 Tonnen Plutoniumoxid, die die USA laut Abrüstungsvertrag mit Russland waffenunfähig machen müssen. Der eigentliche Plan, daraus Brennstäbe zu machen, wurde zu teuer. Ein Experten-Komitee hat jetzt überprüft, ob auch eine Endlagerung möglich wäre.

Die Savannah River Site in South Carolina ist eines der Zentren im US-Nuklearkomplex. Hier sollte – entsprechend des Abrüstungsvertrages zwischen den USA und Russland – eine Anlage zur Produktion von MOX-Brennelementen entstehen: Damit sollte überflüssiges Waffenplutonium aus abgerüsteten Sprengköpfen zu Brennstoff für zivile Kernkraftwerke gemacht und damit für die Gegenseite nachvollziehbar entsorgt werden. Doch in den USA explodierten die Kosten, und auch die zivilen Reaktorbetreiber waren nicht begeistert vom Einsatz dieser Brennelemente.

Deshalb wurde der Bau der halb fertigen Anlage gestoppt und der Kongress möchte einen anderen Plan verfolgen: Das Plutonium soll mit nicht strahlendem Material verdünnt und dann endgelagert werden. Um eine unabhängige Einschätzung dieses Vorhabens zu bekommen, hat die National Academies of Science ein unabhängiges Komitee von Wissenschaftlern zusammengestellt, die das Projekt zwei Jahre lang überprüft haben. Auf der virtuellen Goldschmidt-Konferenz der Geochemiker sind jetzt die Ergebnisse präsentiert worden ...

 

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"Dem Ingeniör ist nix zu schwör" - Pläne zur Abwehr von Asteroidkollisionen

08.07.2021 - Chinas Idee zur Rettung der Erde

Asteroideneinschläge würden auf der Erde heftige Schäden anrichten. Weltraumorganisationen suchen deshalb nach Techniken, um die Bahn solcher Brocken zu verändern. Nun hat China einen Plan für die Welt.

Es ist nicht so, dass Kollisionen von mächtigen Brocken aus dem All mit der Erde pure Science-Fiction sind. Beispiele von Asteroideinschlägen gibt es reichlich, wie die teils vernarbte Erdoberfläche zeigt. Man denke an den mächtigen Chicxulub-Krater, der vor 66 Millionen Jahren das Ende der Dinosaurier eingeleitet hat und ein Massensterben auslöste. Oder an den Tscheljabinsk-Meteorit, der mit 20 Metern zwar verhältnismäßig klein war, aber 2013, als seine Einzelteile auf die Erde prasselten, dennoch mächtige Sprengkraft entfaltete ...

China hat sich des Themas nun angenommen und hofft, der Gefahr von Asteroiden auf Erdkollisionskurs mit Raketentechnik entgegentreten zu können. Um den Kurs eines solchen Brockens entscheidend zu ändern, will die aufstrebende Raumfahrtnation fast zwei Dutzend der größten Raketen des Landes losschicken. Am National Space Science Center mit Verwaltungssitz in Peking haben Forscher in Simulationen gezeigt, dass der Einschlag von 23 Raketen des Typs »Langer Marsch 5« auf einem Asteroiden, der etwa das 1,4-Fache des Erdradius entfernt ist und eine bestimmte Größe hat, ausreichen könnte, um ihn von seiner ursprünglichen Bahn abzulenken ...

 

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08.07.2021 - Atomkraft: Neue Risse an Rohren des AKW Neckarwestheim entdeckt

Atomkraftgegner sind empört, dass das AKW nach einer Revision wieder ans Netz geht, das zuständige Umweltministerium versucht zu beruhigen.

Während der jährlichen Sicherheitsüberprüfung im Block II des Atomkraftwerks Neckarwestheim im Kreis Heilbronn sind 17 neue Risse an Rohren festgestellt worden. "Die Anzahl der sicherheitstechnisch relevanten Befunde ist damit rund 0,6 Promille höher als im Vorjahr und erneut deutlich unter dem Niveau von 2018 und 2019", ordnete das baden-württembergische Umweltministerium ein. Auch seien die neuen Risse deutlich kürzer und weniger tief. Aus Sicht des Ministeriums greifen die eingeführten Sicherheitsvorkehrungen. Atomkraftgegner sind dennoch empört, dass das AKW wieder ans Netz geht.

2018 waren erstmals Risse in manchen der rund 16.400 Heizrohre der vier Dampferzeuger entdeckt worden. Lecks habe es deswegen aber noch nie gegeben, teilte das Ministerium mit ...

 

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07.07.2021 - Atomwaffen-Protest aktuell wie lange nicht

Aktionswoche als Signal für künftige Bundesregierung

Anlässlich des heutigen 4. Jahrestages des Vertrages zum Verbot von Atomwaffen demonstrieren in dieser Woche über 100 Aktivist*innen von IPPNW und ICAN am Fliegerhorst in Büchel gegen die dort stationierten US-Atomwaffen. Mit ihrem Protest fordern sie von der künftigen Bundesregierung ein Ende der nuklearen Teilhabe und den Beitritt Deutschlands zum Atomwaffenverbotsvertrag (AVV).

Die Aktionswoche startete mit der Fahrradsternfahrt “Bikes not Bombs” von Bonn, Trier, Mainz, Koblenz und Cochem. Etwa 30 Aktivist*innen legten die letzte Strecke von Büchel zum Fliegerhorst in einer gemeinsamen Fahrraddemo zurück. Am heutigen Mittwoch sind Debatten zu der Vision einer atomwaffenfreien Welt und die Geburtstagsparty zum Atomwaffenverbotsvertrag am Abend geplant. Ein weiteres Highlight ist die Theaterperformance “We claim your Space” in Zusammenarbeit mit der Universität der Künste aus Berlin am Samstag ...

 

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Ungarn und Slowenien

07.07.2021 - Atomkraftwerke auf wackeligem Grund

Ungarn und Slowenien bauen weiter auf Atomkraft – und das in von Erdbeben gefährdeten Gebieten. In der EU und anderen europäischen Ländern regt sich Widerstand. Das von einem möglichen Atom-Gau bedrohte Deutschland hingegen schweigt.

470 Kilometer von Bayern entfernt steht das ungarische Kernkraftwerk Paks. Nach den Plänen der ungarischen Regierung sollen dort in den kommenden Jahren zwei neue Reaktorblöcke entstehen. Bis 2085 sollen diese Ungarn mit Atomenergie versorgen. Doch wie das österreichische Umweltbundesamt in einer Studie ermittelt hat, bestehen in der Region erhebliche Gefahren einer Oberflächenverschiebung. Erdbeben könnten das Kernkraftwerk Paks erschüttern, mit schwerwiegenden Folgen.

Österreich, dessen Grenze gerade einmal 180 Kilometer vom Kernkraftwerk entfernt liegt, erklärte, dass dort keine AKWs gebaut werden dürften. Die Österreicher forderten Ungarn infolge der Studie Mitte Mai zu einer offiziellen Stellungnahme auf, die bislang ausblieb. Möglich ist, dass die EU-Kommission sich an die Seite Österreichs stellt und ein Vertragsverletzungsverfahren einleitet, sollte die nukleare Sicherheit in Ungarn nicht gegeben sein ...

 

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Russisches Strahlenschiff verschrottet

07. Juli 2021 - Tschernobyl des Polarmeers saniert

Artikel von Reinhard Wolff aus https://taz.de

Ein mit Brennelementen vollgestopfter Frachter war lange ein radioaktiver Hotspot am Barentsmeer. Nun wurde die „Lepse“ im Zwischenlager verschrottet.

STOCKHOLM taz | „Schön, dass die Geschichte so endet“, freut sich Oscar Njaa von der norwegischen Umweltschutzorganisation Bellona: „Der hohe Norden ist nun ein sicherer Platz geworden.“ Nach fast drei Jahrzehnten ist die Sanierung einer der gefährlichsten radioaktiven Hinterlassenschaften der Sowjetunion endlich abgeschlossenen worden. Von der 85 Jahre alten „Lepse“, die in Medien den Beinamen „schwimmendes Tschernobyl“ erhalten hatte, ist nur noch strahlender Schrott übrig.

Bellona war 1993 auf das rostige Schiff aufmerksam gemacht worden, das nur wenige Kilometer vom Zentrum der nordrussischen Halbmillionenstadt Murmansk am Kai lag, vollgestopft mit Atommüll. 1936 war der Frachter „Lepse“ vom Stapel gelaufen, während des Zweiten Weltkriegs gesunken und wieder gehoben worden.

Seit 1962 hatte er erst als Versorgungsschiff für die „Lenin“, den ersten sowjetischen Atom-Eisbrecher gedient. Seit Ende der 1980er Jahre fungierte die „Lepse“ als schwimmendes ­Atommülllager für abgebrannte Brennelemente sowjetischer Atom-Eisbrecher und Atom-U-Boote.

Die sowjetische Methode zur „Entsorgung“ von Atommüll war damals entweder die Lagerung an Land – teilweise ungesichert unter freiem Himmel – oder auf Schiffen. Neben der „Lepse“ gab es noch zwei weitere. Viele abgebrannte Brennelemente und Atomreaktoren wurden einfach im Nordmeer versenkt.

Größte nukleare Müllkippe der Welt

Vor allem das Meeresgebiet rund um die Arktisinsel Nowaja Semlja, auf der auch Atombomben-Tests stattfanden, hatte sich mit der Zeit in einen regelrechten „Atommüllfriedhof“ verwandelt. Das polare Barentsmeer galt als größte nukleare Müllkippe der Welt.

Vermutlich war geplant, auch die „Lepse“ dorthin zu schleppen und zu versenken oder am Strand ihrem Schicksal zu überlassen. Das Chaos nach dem Ende der Sowjetunion verhinderte das wohl.

Moskau war mit dem verantwortungslosen Umgang mit Strahlenmüll auch nicht allein. Alle Atommüll produzierenden Länder – auch Deutschland – versenkten bis zum Verbot 1994 Nuklearmüll im Meer. Die Einleitung radioaktiver Abwässer ist bis heute erlaubt.

Die Situation in Nordwestrussland galt aber schon aufgrund der schieren Menge ungesicherter Lagerplätze für Zehntausende von Brennelementen, Unmengen anderen Strahlenmülls und fast 200 ausgemusterten Atom-U-Booten mit ihren Kernreaktoren als Sonderfall. Norwegen reagierte zuerst und bot Russland Hilfe an.

Ganz uneigennützig war das nicht. Mehrere dieser Lager waren nur wenige Kilometer von der norwegisch-russischen Grenze entfernt. Man fürchtete auch, dass eine mögliche radioaktive Belastung des Barentsmeers den norwegischen Fischfang auf unabsehbare Zeit gefährden könnte.

Hilfe für Russland

Neben verschiedenen nationalen Programmen der skandinavischen Staaten, mit denen finanziell oder mithilfe eigener Spezialisten die Entschärfung einzelner besonders gefährlicher Hotspots in Angriff genommen wurde, stellte ab 2003 auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) mit der Northern Dimension Environmental Partnership ein multilaterales Programm auf die Beine, um Russland beim Rückbau und der Dekommissionierung nuklearer Anlagen und einer sicheren Entsorgung von abgebrannten Brennelementen und anderem Atommüll zu helfen.

Die „Lepse“ erwies sich dabei als spezielles Problem. Von den knapp 650 Brennelementen an Bord waren vor allem nach einem Störfall an einem der „Lenin“-Reaktoren viele in einem stark beschädigten Zustand auf die „Lepse“ verladen worden.

Solche beschädigten Brennelemente führten zu einer hohen Strahlenbelastung für die Besatzung. Man ging deshalb dazu über, Brennelementecontainer im Lagerraum einfach mit Zement einzubetonieren. Das machte das Schiff nicht nur gefährlich instabil, auch normales Entladen wurde unmöglich.

Nachdem man sie 2012 von Murmansk zu einer Marinewerft am Barentsmeer geschleppt und mit den Sanierungsarbeiten begonnen hatte, stellte sich schnell heraus, dass der Rumpf des gesamten Schiffs aufgesägt werden musste, um die Ladung Stück für Stück zu entfernen.

Nun im Zwischenlager bei Murmansk

Von einer „technisch komplexen und herausfordernden Aufgabe“ sprach deshalb auch Balthasar Lindauer, EBRD-Abteilungsleiter für nukleare Sicherheit im vergangenen Jahr. Anfang Juni konnte die Arbeit zur Beseitigung „der ernsten Gefahr für Menschen und Umwelt in der Barentsmeer-Region“ (EBRD) endgültig abgeschlossen werden.

„Ein wirklich bedeutendes Ereignis“, sei das „Ende diesen Strahlenschiffs“ nach 27 Jahren Projektzeit, sagt Andrei Zolotkov, Leiter des Bellona-Büros in Murmansk, der früher auf der „Lepse“ gearbeitet hatte. Der Strahlenschrott, der von dem Schiff noch übrig ist, wandert nun in ein von Deutschland mit 600 Millionen Euro mitfinanziertes und mitkonstruiertes atomares Zwischenlager in der Sajda-Bucht nördlich von Murmansk.

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Beispiele strahlender Hinterlassenschaften rund um Murmansk ...

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Die Suche in der reaktorpleite.de mit dem Suchwort 

     
  Atommüll Russland  
     

 

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

29.01.2020 - Klimawandel - Sowjetischer Atommüll: eine tickende Zeitbombe in der Arktis

Artikel von Laura Krugenberg aus www.mdr.de

Russland will die Öl- und Gasvorkommen im Arktischen Meer anzapfen. Doch auf dem Meeresgrund liegen Tausende Tonnen Atommüll aus Sowjetzeiten. Das macht die Förderung zu einem hohen Risiko. Umweltschützer schlagen Alarm.

Wenn das Eis schmilzt

Was anderen große Sorge bereitet, spielt Russland wirtschaftlich in die Hände: Der Klimawandel bringt das arktische Eis rasant zum Schmelzen und russische Ölfirmen werfen bereits begehrliche Blicke in Richtung Norden. Denn in der Arktis schlummern noch immer große Reserven bislang unangetasteter fossiler Rohstoffe.

Ende Dezember 2019 unterschrieb die russische Regierung den neuen Arktisplan, durch den die militärische und wirtschaftliche Erschließung der Region vorangetrieben werden soll. Das kostet viel Geld. Denn die Förderung von Öl ist nicht nur wegen der klimatischen Bedingungen ein kostenintensives und schwieriges Unterfangen. Auf dem Meeresboden liegen auch Tausende Tonnen versenkten Atommülls. Die Ortung und Entsorgung des radioaktiven Abfalls ist aufwendig und kostet Unsummen. Einige der besonders gefährlichen Objekte sollten eigentlich bis 2020 gehoben werden. Doch die Bergungen verzögern sich und das Risiko steigt, denn das Salzwasser nagt an den Schutzhüllen. Radioaktives Material droht auszutreten.

Das sowjetische Erbe: 17.000 Container und 19 Frachter mit radioaktivem Müll

Im Gespräch mit dem MDR sagte Oskar Njaa von der norwegischen Naturschutzorganisation Bellona, dass die Sowjetunion zwischen 1955 und 1993 insgesamt 17.000 Container und 19 Frachter mit radioaktivem Müll, 735 radioaktiv-kontaminierte Schwermaschinenteile, 14 Atomreaktoren sowie ein komplettes Atom-U-Boot im Arktischen Meer versenkte. Hinzu kommen zwei weitere U-Boote, die 1989 und 2003 in Folge von Unfällen sanken. Der Großteil der atomaren Abfälle befindet sich heute in der Karasee und entlang der Küste des ehemaligen Atomtestgeländes Nowaja Semlja, im russischen Gebiet der Arktis. Bellona unterstützt seit 2010 russische Kartierungs- und Meeresexpeditionen, denn sowohl der Inhalt der Container, als auch die Koordinaten vieler Objekte sind unbekannt. Vor allem die U-Boote und Reaktoren, deren Standorte man kennt, stehen unter ständiger Beobachtung, da von ihnen die größte Gefahr ausgeht ...

 

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Wikipedia

 

Atommüllproblematik der russischen Marine

Die Atommüllproblematik der russischen Marine entsteht durch den Betrieb, Stilllegung und Abwrackung von atomreaktorgetriebenen Schiffen, darunter auch U-Booten. Eine Lösung, hochradioaktiven Abfall langfristig sicher zu entsorgen, kennt man noch nicht. 

Viele außer Dienst gestellte Schiffe lässt man zunächst in den Marinestützpunkten liegen. In der Sajda-Bucht lagen im Jahre 2000 etwa 120 ausgemusterte Atom-U-Boote vertäut.

Brennstäbe und Ähnliches aus dem Betrieb und aus der Entsorgung werden in einer Reihe von Anlagen zwischengelagert (Andrejewa-Bucht usw.).

Der Jablokow-Report von 1993 von Alexei Wladimirowitsch Jablokow wies aus, dass die Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt Müll mit einer Strahlung von insgesamt 2,4 Millionen Curie (89 Billiarden Becquerel) versenkt hatte, darunter 18 Reaktoren aus U-Booten bzw. aus einem Eisbrecher ...

 

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AtomkraftwerkePlag

 

Atommüll in Arktis und Antarktis

Nach einem Artikel der "Zeit" aus dem Jahre 1999 wurden viele kontaminierte Atom-U-Boote der sowjetischen Nordmeerflotte inklusive der strahlenden Reaktoren einfach im Eismeer entsorgt. Darüber hinaus ereigneten sich in der Arktis in den Regionen Murmansk und Archangelsk Unfälle bei der sowjetischen Atom-Flotte, wodurch Seeleute radioaktiver Strahlung ausgesetzt und die Umwelt kontaminiert wurden. 1989 brach z. B. ein Brand auf dem Atom-U-Boot Komsomolez aus, was zu Kurzschlüssen bei den Reaktorkontrollen und zu Wassereinbrüchen führte. Nach dem Untergang des U-Boots lagen Sprengköpfe mit Plutonium frei und korrodierten; sie sollen mittlerweile versiegelt worden sein ...

 

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YouTube-Kanal "Reaktorpleite"

 

Bewegte Bilder zum Thema:

Atomfriedhof Arktis

Eine arte Produktion von 2013 ...

 

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Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 120 Videos zum Thema Atomkraft.

 

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