Newsletter XXIV

27. - 31. Mai 2021

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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31.05.2021 - Ausstellung zum Thema Radioaktivität: Im Geist der Asse

Das Kunstduo Saori Kaneko und Richard Welz beschäftigt sich mit den Risiken der Atomenergie. Ihre Arbeiten zeigt derzeit der Kunstverein Wolfenbüttel.

Atomenergie, Radioaktivität und der Umgang mit dem strahlenden Müll sind Themen, die sich eigentlich nicht auf einen regionalen Betroffenheitsradius eingrenzen lassen: Allzu weltumspannend und auch zeitlich unfassbar ist die Auswirkung eines Unfalls nach technischem oder menschlichem Versagen, wie Ende April gerade der 35. Jahrestag der Explosion des Reaktor-Blocks 4 im ukrainischen Tschernobyl in Erinnerung rief.

Und doch gibt es Orte, da werden Ausein­andersetzungen intensiver geführt als anderswo. Das niedersächsische Wolfenbüttel gehört dazu: Lediglich zehn Kilometer südöstlich liegt das stillgelegte Steinsalzbergwerk unter dem Höhenzug Asse. Seit 1967 als Versuchs-, ab 1971 dann zur „Routineeinlagerung“ schwach- und mittelradioaktiver Abfälle genutzt, gelangte es als Asse II zu trauriger Berühmtheit – nicht nur, dass dort jahrelang ohne seriöse Dokumentation rund 126.000 Fässer problematischen Inhalts einfach nur verklappt wurden.

Auch die geologische Formation erwies sich, anders als von der Politik beschworen, nicht als stabil und säuft nun ab unter rund 12.000 Litern täglichen Wassereintritts ...

 

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Geothermie in Deutschland

30.05.2021 - Energie aus der Tiefe der Erde

Geothermie verspricht nicht versiegende Wärme aus dem Erdinneren - und das nahezu klimaneutral. Warum spielt die Erdwärme in Deutschland bisher nur eine geringe Rolle bei der Energiewende?

In zwei bis drei Kilometern Tiefe fließt und dampft mancherorts heißes Thermalwasser mit Temperaturen von mehr als 100 Grad, mit dem ganze Städte beheizt werden könnten. Anders als bei Wind- und Sonnenenergie, deren Gewinnung in Abhängigkeit vom Wetter schwankt, ist die Wärme aus dem Boden dauerhaft verfügbar. Doch bislang machen Geothermie-Anlagen nur rund eineinhalb Prozent des sogenannten "Endenergieverbrauchs Wärme" aus.

Potenzial der Geothermie wird kaum genutzt

"Geothermie spielt in Deutschland noch nicht die Rolle, die sie eigentlich spielen müsste", findet Erwin Knapek, ein Pionier der Tiefengeothermie. Als Bürgermeister von Unterhaching im Landkreis München brachte er 2007 Deutschlands erstes geothermisches Heizkraftwerk ans Netz. Inzwischen stammt mehr als 60 Prozent der in der Gemeinde benötigten Wärme aus dem angezapften Thermalwasser unter der Stadt.

Eine Pumpe befördert das 133 Grad warme Wasser aus 3500 Metern Tiefe nach oben. Im Kraftwerk wird die Wärme mit Hilfe eines Wärmetauschers in das Fernwärme-Netz der Stadt eingespeist. Das abgekühlte Thermalwasser fließt zurück in den Boden und erhitzt sich erneut. Ein Kreislauf, der vermutlich nicht versiegt, denn aus dem bis zu 5000 Grad heißen Erdkern können riesige Mengen Wärme entzogen werden. Der Vorteil: "Tiefengeothermie ist nahezu CO2-frei und kann grundlastfähig Wärme, Kälte und Strom produzieren", sagt Knapek. Bis 2050 könnte man so drei Viertel der benötigten Wärmeleistung in Deutschland damit abdecken ...

 

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30.05.2021 - Solarausbau noch immer in Zeitlupe

Stimmen aus der Energiewirtschaft fordern mehr Tempo beim Errichten neuer Solaranlagen

Der Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert einen massiven Ausbau der Photovoltaik. Um die Klimaziele zu erreichen, würden bis 2030 Solaranlagen mit einer Leistung von mindestens 150 Gigawatt (GW) benötigt. Das entspräche knapp einer Verdreifachung der bisherigen Kapazitäten.

2013 war der Ausbau der Solarenergie nach rabiaten Veränderungen der Rahmenbedingungen durch die seinerzeit "schwarz-gelbe" Bundesregierung fast zum Stillstand gekommen und seitdem nur noch sehr schleppend verlaufen. Erst in den vergangenen beiden Jahren hat er wegen des fortschreitenden Preisverfalls der Anlagen wieder etwas an Fahrt aufgenommen. 2020 kamen immerhin 4,8 GW hinzu. In den Spitzenjahren 2010, 2011 und 2012 waren es aber jeweils mehr als sieben GW gewesen.

Der BDEW fordert nun wie andere auch, das jährliche Ausbauvolumen auf mindestens zehn GW zu steigern, was unter anderem nach den Erfahrungen der zurückliegenden Boom-Jahre Zehntausende Arbeitsplätze im Handwerk schaffen würde ...

 

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29.05.2021 - Atomkraftwerk mit CO₂‑Staubsauger

Im englischen Sizewell ist ein neues AKW geplant. Nun gibt London Fördergeld, damit dort künftig CO2 aus der Luft gesaugt werden kann. Atomkraft ist Klimaschutz, lautet die Botschaft. Wer nachrechnet, findet etwas anderes heraus.

Sizewell C ist ein Projekt, das Atomkraft-Fans und Atomkraftgegner gleichermaßen elektrisiert. Die britische Regierung will mit dem im Bau befindlichen Atomkraftwerk an der Nordsee zeigen: Die Kernspaltung hat eine Zukunft auf der Insel und bringt den Klimaschutz voran.

Kritiker auch in Großbritannien sehen das Projekt als Beleg für die Unsinnigkeit der Technologie: Atomkraft ist viel zu teuer und ihr Ausbau dauert zu lange, um weltweit einen wesentlichen Beitrag zum CO2-Sparen zu bringen.

Doch nun hat sich London etwas überlegt, um Gegner vielleicht doch umzustimmen: Sizewell C soll genutzt werden, um das Treibhausgas CO2 aus der Luft zu saugen ...

Auch eine Nutzung von deren Abwärme für DAC-Anlagen macht die Kernkraft nicht zur Wunderwaffe gegen den Klimawandel, als die die AKW-Bauer sie so gerne anpreisen.

Erneuerbare Energien können weltweit billiger und schneller ausgebaut werden, wie Studien zeigen. Und sie vermeiden damit schnell große Mengen Treibhausgase, die dann nicht mehr nachträglich wieder aus der Luft gesaugt werden müssen ...

 

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29.05.2021 - Spanien legt Pläne für Umbau auf Erneuerbare vor

Spanien hat beträchtliche Fortschritte auf dem Weg zu seinem Ziel gemacht, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Neuer Politikbericht der Internationalen Energieagentur.

Seit der letzten ausführlichen Überprüfung durch die IEA im Jahr 2015 hat Spanien ein langjähriges Problem mit nicht kostendeckenden Strom- und Gastarifen gelöst und alle Kohleminen geschlossen, was dem Land erlaubt, dem Thema Klimawandel Priorität einzuräumen und seine Ziele mit den Zielen und Ambitionen der EU in Einklang zu bringen. Spaniens 2050-Ziel für nationale Klimaneutralität sieht vor, dass 100 Prozent des Stroms und 97 Prozent des gesamten Energiemixes aus erneuerbaren Energien stammen sollen. Die Energiepolitik des Landes konzentriert sich auf den massiven Einsatz von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Elektrifizierung und erneuerbarem Wasserstoff. Gleichzeitig hat Spanien betont, wie wichtig es ist, einen gerechten Übergang zu gewährleisten, um sicherzustellen, dass Gemeinden in traditionellen Energieregionen und -sektoren, insbesondere im Kohlebergbau, nicht von den Veränderungen zurückgelassen werden ...

Nach einem Einbruch zwischen 2013 und 2018 aufgrund fehlender finanzieller Anreize haben die Investitionen in erneuerbare Energien ab 2019 wieder Fahrt aufgenommen. Der Anteil der erneuerbaren Energien am nationalen Strommix stieg von 33 % im Jahr 2010 auf 44 % im Jahr 2020. Die Regierung will die Installationen von erneuerbaren Energien in Haushalten und Unternehmen ausbauen sowie die Nutzung von erneuerbaren Energien in der Industrie und beim Heizen fördern ...

 

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29.05.2021 - US-Soldaten enthüllen per App Atombomben in Europa

US-Soldaten haben laut einem Medienbericht beim Lernen mit Karteikarten-Apps Geheimnisse über in Europa stationierte Atomwaffen preisgegeben. Die Enthüllungsplattform Bellingcat berichtete am Freitag, bei einer Online-Suche mit Militärbegriffen auf die im Netz einsehbaren Karteikarten gestoßen zu sein. Diese ließen Rückschlüsse auf die genauen Standorte der Atomwaffen und andere geheime Daten zu.

Demnach nutzen US-Soldaten in allen sechs europäischen Militärbasen, die mit dem Schutz der Stützpunkte und Waffensysteme betraut sind, Karteikarten-Apps wie Chegg, Quizlet und Cram, um sich Informationen wie Sicherheitsprotokolle zu merken. Bellingcat gab nun bei Google-Suchen geläufige Abkürzungen und Begriffe wie "WS3" für Waffenlagerungs- und Sicherheitssysteme, "PAS" für Flugzeugbunker und "vault" für eine im Boden eingelassene Betonkammer ein - und stieß so auf die Karteikarten ...

 

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Neustart Solarindustrie:

28.05.2021 - Meyer Burger eröffnet Solarmodulfabrik an ehemaligem Solarworld-Standort

Thun, Schweiz / Freiberg - Nach der Inbetriebnahme der Solarzellenproduktion in Thalheim (Bitterfeld-Wolfen) hat die Schweizer Meyer Burger Technology AG nun planmäßig auch die Hightech-Modulfabrik im sächsischen Freiberg in Betrieb genommen. Damit hat der Wandel vom reinen Equipment-Zulieferer zum Hersteller von Solarzellen und –modulen einen weiteren Meilenstein erreicht.

Nach dem politischen Abwürgen der Solarindustrie in Deutschland in den 2010er Jahren keimt neue Hoffnung an den alten Solar-Produktionsstandorten auf. Wirtschaft und Politik sehen einen wichtigen Punkt auf dem Weg zum Neustart der Solarindustrie in Europa erreicht. Doch so schnell können die Folgen des Kahlschlags nicht überwunden werden ...

Die Solarindustrie in Deutschland war noch zu Beginn der 2010er Jahre weltweit führend, als der deutsche Solarmarkt durch eingeleitete politische Maßnahmen des damaligen Umweltministers (Norbert Röttgen) fast schlagartig einbrach. Innerhalb von zwei Jahren gingen die PV-Zubauzahlen in Deutschland von über 8.000 MW (2012) auf rd. 1.000 MW (2014) und damit um fast 90 Prozent zurück. Die Folge war eine beispiellose Abwicklung der deutschen Solarindustrie mit einem Verlust von zigtausenden an Industrie-Arbeitsplätzen ...

 

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28.05.2021 - GLOBAL 2000 Einspruch gegen AKW Mochovce 3-Betriebserlaubnis

Österreichische Bundesregierung ist gefordert, wie im Regierungsprogramm angekündigt, eine neue Umweltprüfung durchzusetzen

Wien (OTS) - Am Himmelfahrtstag veröffentlichte die slowakische Atomaufsicht ÚJD die Betriebserlaubnis für den seit 1985 in Bau befindlichen Atomreaktor Mochovce 3. Ein leitender Mitarbeiter der Aufsicht erklärte in einer Pressekonferenz, dass der Reaktor betriebsbereit sei.

„Unsere Expert*innen haben zusammen mit mehreren besorgten Ingenieuren, die sich in den letzten Jahren an uns gewandt haben, die Betriebserlaubnis im Detail analysiert“, sagt Agnes Zauner, politische Geschäftsführerin von GLOBAL 2000. „Die Ingenieure kommen zum Schluss, dass fundamentale Sicherheitsfragen weiter nicht oder unzureichend gelöst sind und dass die Inbetriebnahme des Reaktors in diesem Zustand ein fahrlässiges Zocken mit der Sicherheit ganz Mitteleuropas wäre.“

Aus diesem Grund legt GLOBAL 2000 heute formellen Einspruch gegen die Betriebserlaubnis bei der slowakischen Atomaufsicht ein und begründet dies in einer elfseitigen Stellungnahme ...

 

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28.05.2021 - NRW will Öffnungsklausel für Solaranlagen auf Agrarflächen nicht nutzen

Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen nutzen die Länderöffnungsklausel, um Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Freiflächen zu erlauben. NRW bleibt dagegen hart.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) räumt den Bundesländern die Möglichkeit ein, die Flächen für Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu erweitern. Nach Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz hat nun auch Sachsen bekannt gegeben, diese Öffnungsklausel zu nutzen und somit die Photovoltaik auf benachteiligten landwirtschaftlichen Flächen zu ermöglichen. Nordrhein-Westfalen will dagegen von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch machen, bedauert der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW).

Dessen Vorsitzender Reiner Priggen spricht von einem rückständigen Vorgehen der Landesregierung bei der Schaffung zusätzlicher regenerativer Kapazitäten. Aktuell dürfen solare Freiflächenanlagen in NRW, sofern eine finanzielle Förderung nach EEG angestrebt wird, nur auf bestimmten Flächen (z.B. versiegelte Flächen, Konversionsflächen sowie Seitenstreifen längs von Autobahnen und Schienenwegen) errichtet werden.

Mit der sogenannten Länderöffnungsklausel gibt es für die Bundesländer jedoch die Möglichkeit, mit einer Rechtsverordnung in ihrem jeweiligen Landesgebiet liegende Acker- und/oder Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten für die Bebauung mit Photovoltaik-Freiflächenanlagen freizugeben ...

 

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28.05.2021 - China baut 2 mysteriöse Kernreaktoren – Forscher sind besorgt

In der Volkrepublik entstehen gegenwärtig zwei geheime Nuklearreaktoren, mit denen schon 2023 waffenfähiges Plutonium produziert werden soll. 

... Schon 2023 soll der erste der beiden Nuklearreaktoren ans Netz gehen, der zweite soll planmäßig 2026 folgen. Was Forscher:innen dabei besorgt, ist die Aufbereitung von waffenfähigem Plutonium, die Teil des Betriebs sein soll. Das könnte einen Einfluss auf künftige Generationen von Chinas Atomwaffen haben.

Bei den zwei Kernreaktoren handelt es sich um Typen der Kategorie China Fast Reactor 600 (CFR-600), die als "Brüter" dienen, das heißt durch nukleare Reaktionen mehr Brennstoff produzieren als sie verbrauchen. Genau das ist problematisch, denn die meisten Kernreaktoren haben das Ziel, so viel ihres Brennstoffs zu verbrauchen wie möglich und nicht, mehr zu erzeugen. Vor allem dann, wenn sie Plutonium produzieren, das leicht in nuklerare Waffen umgewandelt werden kann, schreibt Popular Mechanics ...

 

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27.05.2021 - Asse-Koordinator zur Atommüllrückholung: "Zeit läuft davon"

Remlingen (dpa/lni) - Der Koordinator der Landesregierung zur Rückholung der rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen aus dem maroden Bergwerk Asse hat ein schnelles Handeln angemahnt. "Das Bergwerk ist in Bewegung. Die Rahmenbedingungen sind schwierig. Die Zeit läuft uns davon", sagte Andreas Sikorski in einem Interview mit der "Braunschweiger Zeitung" (Donnerstag).

Es seien riesige Fehler gemacht worden und die rund 126.000 Fässer mit Atommüll aus der ganzen Republik hätten seiner Meinung nach nie in der Asse landen dürfen. "Wir müssen jetzt aber sehen, wie wir mit der Situation umgehen", sagte Sikorski. Er betonte dabei die Notwendigkeit eines Zwischenlagers für den Müll aus der Asse, weil noch kein Endlager zur Verfügung stehe. "Der Müll muss aber raus, denn kein Mensch weiß, wie lange die Asse noch stabil bleibt", sagte Sikorski ...

 

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Das Pannen-Protokoll

27.05.2021 - AKW Krsko schrammte knapp an Katastrophen vorbei

Die Liste der dramatischen Störfälle im Schrott-AKW ist lang: Seit 2008 wurden fünf gravierende Zwischenfälle in Krško dokumentiert - und je älter der Reaktor wird, desto größer wird auch das Risiko. Die Umweltprüfung sollte auch diese „Überalterung“ in den Fokus nehmen - eine Verlängerung wäre hochriskant.

Der „Krone“ liegt eine Liste der dramatischen Beinahe-Katastrophen im slowenischen Nuklearreaktor vor. Seit den 2000er-Jahren - hier lief das AKW bereits zwei Jahrzehnte auf Hochtouren - häufen sich die Zwischenfälle im 80 Kilometer von der steirischen Grenze entfernten Krško:

2008: Es kommt zu einem Verlust von Kühlmittel im Kernstück des Reaktors. Das radioaktiv belastete Wasser kann gerade noch aufgefangen werden.

2012: Aufgrund eines Hochwassers verstopfen Laub und Schlamm, die in die Kühlwasserzuleitung gelangt sind, die Filter der Kühlpumpen. Es folgt eine Notabschaltung des Reaktors. „Das ist wie die Vollbremsung eines schwer beladenen, uralten und dahin rasenden Lastwagens auf der Autobahn. Wenn man Glück hat, halten die Bremsen“, zieht Reinhard Uhrig, Anti-Atom-Experte von Global 2000 einen drastischen Vergleich ...

 

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27.05.2021 - Erster Power-to-X-Atlas

Atlas zeigt Standorte für die grüne Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen

Wo auf der Welt lassen sich Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe nachhaltig und kostengünstig aus „grünem“ Strom erzeugen? Welches Potenzial es dafür wo gibt, zeigt nun der weltweit erste Power-to-X-Atlas. Für ihn haben Forscher Standorte weltweit auf Basis von Wetter, Flächenverfügbarkeit, aber auch technischen und sozioökonomischen Faktoren bewertet. Auch die Frage, woher Europa und Deutschland am besten ihren Wasserstoff beziehen sollte, haben sie untersucht.

Strom aus Sonne, Wind und Co kann fossile Kraftstoffe nicht in allen Bereichen direkt ersetzen. Denn für viele Anwendungen werden Brenn- und Kraftstoffe benötigt, beispielsweise in Stahlwerken, für den Antrieb von Flugzeugen oder auch um Ausgleichskraftwerke zu betreiben. Als klimafreundliche Lösung dafür gelten Power-to-X-Technologien: „Grüner“ Strom wird dabei genutzt, um mittels Elektrolyse Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe herzustellen.
Standorte weltweit bewertet

Wo in der Welt solche CO2-neutralen Brenn- und Kraftstoffe auf nachhaltige Weise produziert werden könnten und zu welchen Kosten, haben nun Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE untersucht. Dafür werteten sie für jeden Standort 70 Indikatoren aus, darunter Flächenverfügbarkeit, Wetterbedingungen, Peripherie-, Speicher- und Transportkosten, aber auch sozioökonomische und politische Faktoren. Betrachtet wurden dabei primär außereuropäische Standorte ...

 

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27. Mai 2021 - Wie Japans Atomlobby auf einen neuen Klimaplan setzt

Artikel von Martin Kölling aus https://www.heise.de

Die Regierung will Nippons Emissionen bis 2030 doppelt so schnell senken wie bisher geplant. Die Industrie wittert die Chance für eine Wiederbelebung der AKWs.

Japans frisch aufgesetzter neuer Klimaplan gibt der Atomlobby neuen Schwung, die seit der Fukushima-Katastrophe von 2011 in der Defensive ist. Der Unternehmensverband Keidanren forderte bereits im März unverhohlen, bis 2030 die Zahl der reaktivierten Atommeiler von derzeit neun auf 30 Einheiten zu erhöhen. "Atomkraft nicht zu nutzen, ist keine Option", erklärte im Februar der Vorsitzende Hiroaki Nakanishi. Es müsse nun eine Diskussion darüber beginnen, wer eine neue Vision für die Atomkraft entwickeln könne.

Eine neue AKW-Vision

Die Zeit drängt für die Fans der Atomkraft. Denn inzwischen tobt in der Regierung ein Meinungskampf mit den Fans erneuerbarer Energien um Japans neue Energiestrategie. Das mächtige Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (Meti) entwirft gerade die konkreten Pläne, mit denen die Regierung ihre massiv verschärften Klimaziele erreichen will.

Auf dem Klimagipfel von US-Präsident Joe Biden kündigte Regierungschef Yoshihide Suga an, dass Japan die Treibhausgasemissionen bis 2030 nicht mehr nur um 26 Prozent unter den Wert von 2013 senken will, sondern um 46 Prozent. Doch damit das gelingt, muss der Anteil von Öl-, Gas- und Kohlekraftwerken einer Modellrechnung zufolge auf 40 Prozent halbiert werden. Im bisherigen Plan ist fossilen Energieträgern ein Anteil von über 50 Prozent zugedacht.

Wie der Streit konkret ausgehen wird, ist noch offen. Das japanische Institut für Erneuerbare Energien (REI) wirbt für eine atom- und kohlestromfreie Lösung, um das Emissionsziel zu erreichen. Dafür müssten alle Atom- und Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt und der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung auf 45 Prozent erhöht werden.

Planer glauben nicht dran

Aber da dieser Vorschlag sowohl auf den Widerstand der Atom- wie auch die Kohlelobby sowie die Überzeugungen vieler Wirtschaftsplaner und -politiker stößt, wird die Regierung wahrscheinlich an allen Energieträgern festhalten. In dem Fall kann Japans desavouierte Atomindustrie darauf hoffen, dass die Macht des Faktischen wenigsten mittelfristig zu einer Renaissance der Atomkraft führen wird.

Um den Anteil von thermischen Kraftwerken zu senken, kommen Atomkraftwerke und erneuerbare Energien in Frage. In der bisherigen Energiestrategie für 2030 sind sie mit einem Anteil von 20 beziehungsweise 22 bis 24 Prozent an der Stromproduktion eingeplant. Ein Atomstromanteil von 20 Prozent entspricht der Keidanren-Forderung, 30 der ursprünglich 54 Atomreaktoren des Landes wieder in Betrieb zu nehmen.

Das Problem für die Planer ist, dass dieser Wert auch gleichzeitig die Obergrenze für den Atomstromanteil darstellt. Denn an einen Reaktorneubau ist angesichts des öffentlichen Widerstands gegen die Atomkraft nicht zu denken. Das wiederum bedeutet, dass erneuerbare Energien bis 2030 gut 40 Prozent des Stroms liefern müssten.

Problem Netzkapazität

Dies entspricht einer Verdopplung des ursprünglichen Ziels, ist aber weniger dramatisch, als es auf den ersten Blick scheint. Denn auch ohne starken politischen Rückenwind der Regierung haben vor allem Solarstromananlagen in den vergangenen Jahren geblüht. Grüne Energieträger liefern schon jetzt fast 20 Prozent des Stroms und erfüllen damit das ursprünglich für 2030 angepeilte Ziel schon heute.

Das Dilemma: Wenn Japan weniger Atomstrom will, müsste der Anteil von Wind-, Sonnen-, Wasser- und Geothermiekraftwerken dementsprechend steigen. Nur dürfte es schwierig sein, den Anteil der grünen Energieträger massiv über die 40-Prozent-Schwelle zu bekommen. Denn nach Aussage der REI-Direktorin Mika Kobayashi ist dies das Maximum an grünem Strom, den das derzeitige Netz überhaupt verkraften kann.

Die Wiederbelebung der Atomkraft hat allerdings einen weiteren Haken: Sie ist keine langfristige Lösung, Denn bis 2050 müssten viele Meiler aus Altersgründen vom Netz genommen werden. Und Neubaupläne gibt es wie erwähnt bisher nicht. Die politischen Signale legen nahe, dass es nicht zu einer Revolution, sondern nur einer Evolution in Japans Energiestrategie kommen wird.

Klimaneutralität bis zur Mitte des Jahrhunderts

Im langfristigen Klimaplan, mit dem die Regierung bis 2050 Klimaneutralität erreichen will, sind neben einer massiven Erhöhung erneuerbarer Energien weiterhin fossile Kraftwerke vorgesehen. Zudem plant die Regierung bereits, das Stromnetz aus- und gleichzeitig die Hürden für eine Wiederbelebung der Atomkraft abzubauen.

Ende April verlängerte die Atomaufsicht erstmals die maximale Betriebsdauer eines Reaktors von 40 auf 60 Jahre. Außerdem will die Japan AG auch bei der Entwicklung neuer Reaktortechnologien mitspielen. Die Regierung will Unternehmen unterstützen, die sich im Ausland an der Umsetzung kleiner modularer Reaktoren beteiligen, auf die weltweit die Befürworter der Atomkraft setzen.

Der Ingenieurskonzern JGC hat sich daraufhin im April an dem amerikanischen Unternehmen NuScale beteiligt, das einer der Pioniere dieser neuen Atomkraftwerke ist. Solange kein politisches Wunder geschieht, könnte Japan also im Ergebnis der verschärften Emissionsziele wieder stärker auf Atomkraft setzen – allen Zweifeln der Bevölkerung zum Trotz. (bsc)

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Die Atomlobby ist der Staat in jedem Staat ...

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Die Suche in der reaktorpleite.de mit dem Suchwort 

     
  Japans Atomlobby  
     

 

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

Warum Japan an der Atomkraft festhält

22.07.2018 - Japans Grundlast

Artikel von Christoph Neidhart aus www.sueddeutsche.de

Seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima wächst der Anteil der erneuerbaren Energien im Land rasant. Nur die Regierung propagiert weiter die Kernkraft. Warum eigentlich?

In ihrem neuen Energiekonzept hat sich die japanische Regierung verpflichtet, künftig Alternativenergien zu fördern. Dennoch setzt die Regierung weiterhin auf die Kernkraft. Im Jahre 2030 sollen laut Energiekonzept wieder 22 Prozent des Stroms von Atommeilern produziert werden. Die Atomenergie sei eine wichtige Stromquelle für die sogenannte Grundlast - darunter versteht man den minimalen Verbrauch während der Nacht. Zugleich will die Regierung laut Konzept Japans Abhängigkeit von der Kernkraft "so weit wie möglich verringern". Das sei nicht nur widersprüchlich, hält die Tageszeitung Asahi Shimbun Premier Shinzo Abe vor. Es sei auch unrealistisch, gehe von veralteten Ansätzen aus und ignoriere die rasante Entwicklung in der Energietechnik.

Auf der Insel Kyushu deckte der Solarstrom am 30. April 2017 75 Prozent des Bedarfs

Japan steigt derzeit in einem Tempo auf erneuerbare Energien um, das niemand erwartet hatte. So wurden 2017 Solaranlagen mit insgesamt sieben Gigawatt Kapazität installiert, 2018 könnten es noch mehr werden. Im Herbst dürfte die gesamte Kapazität der Solaranlagen 50 Gigawatt überschreiten ...

 

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26.10.2013 - Von Atomlobby gesteuert

Fukushima-Super-GAU: Ärzte werfen UN-Berichterstattern vor, Gesundheitsfolgen gezielt zu ­verharmlosen. Unabhängige Experten rechnen mit bis zu 20000 Opfern

Jana Frielinghaus in 'junge Welt'

»Die Kernenergie ist eine Technologie, die sich für Japan nicht eignet. Und vielleicht für kein Land der Welt. Die Risiken sind nicht akzeptabel.« Das sagte Gregory Jaczko, früherer Vorsitzender der Nuklearaufsicht der USA, am 14. Oktober nach einer Inspektion der Atomkraftwerksruine im japanischen Fukushima. Trotz dieser Einschätzung, die immer mehr Experten teilen, wollen Japans und die globale AKW-Lobby die Hochrisikotechnologie auch nach dem Super-GAU vom 11. März 2011 um jeden Preis retten. Ihr Einfluß reicht weit in Institutionen hinein, die eigentlich unabhängige Einschätzungen liefern sollten. Das zeigt sich unter anderem an einem Bericht es Wissenschaftlichen Komitees der Vereinten Nationen für Strahlungsfolgen, UNSCEAR, zu den durch den Super-GAU von Fukushima hervorgerufenen Risiken, der am Freitag in New York veröffentlicht wurde.

Vertreter mehrerer Ländersektionen der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) kommen nach Auswertung des ihnen vorliegenden Berichtsentwurfs zu einem vernichtenden Urteil. Am Freitag informierten in Berlin Angelika Claußen, Vorsitzende der deutschen IPPNW-Sektion, und ihr Stellvertreter Alex Rosen über die Positionen der Organisation. Der UN-Bericht verharmlose »systematisch das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen der Fukushima-Katastrophe«, so Claußen. Darin heißt es unter anderem, daß »kein erkennbarer Anstieg von Krebserkrankungen in der betroffenen Bevölkerung zu erwarten sei«. Solche Aussagen seien »gezielte Desinformation«, äußerte Rosen ...

 

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Wikipedia

 

Kernenergie_in_Japan

Seit Fukushima sparten die Japaner massiv Strom, um vorsichtshalber – man befürchtet weitere Beben bzw. Nachbeben – möglichst viele Kernreaktoren abgeschaltet lassen zu können.

Am 26. August 2011 waren nur 18 der ehemals 54 japanischen Kernreaktoren in Betrieb. Im Dezember 2011 lieferten 9 Reaktoren Strom, im Februar 2012 waren nur 2 der ehemals 54 Reaktoren am Netz. Dennoch wurde die für den Sommer geltende Energiesparverordnung im nachfrageschwächeren Winter aufgehoben.

Im März 2012 ging der vorletzte noch laufende Kernreaktor planmäßig vom Netz; im Mai 2012 ging der letzte Reaktor, der Reaktor 3 im Kernkraftwerk Tomari (ein Druckwasserreaktor mit 866 MW Nettoleistung; seit Dezember 2009 am Netz), wegen Wartungsarbeiten vom Netz; seitdem war Japan atomstromfrei. Vielerorts in Japan weigerten sich lokale Behörden beharrlich, heruntergefahrene Kernreaktoren wieder anfahren zu lassen ...

 

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AtomkraftwerkePlag

 

2011-2012: Demonstrationen, Abschaltungen und Ausstiegspläne

Seit Sommer 2011 setzt Japan verstärkt auf erneuerbare Energien, die bis 2020 ein Fünftel des Energiebedarfs decken sollen. Im April 2012 wurden zudem Pläne bekannt, erneuerbare Energien nach deutschem Vorbild zu fördern. Daneben müssen Öl, Erdgas und Kohle importiert werden. Die Stilllegung aller japanischen Reaktoren bringt auch positive Effekte mit sich: Der japanische Photovoltaik-Markt ist 2013 gegenüber dem Vorjahr um das Dreifache gewachsen. Es wurden Anlagen mit einer Leistung von 7 Gigawatt installiert.

Solaranlagen wurden auch in den letzten Jahren weiter stark ausgebaut, und bis 2030 sollen die erneuerbaren Energien einen Anteil von 25 bis 30 % erreichen.

Ab 2012: Kehrtwende unter Abe

Nach dem Wahlsieg der LDP im Dezember 2012 zeichnete sich schnell ab, dass der Atomausstieg rückgängig gemacht werden sollte, obwohl 70 % der Japaner die Atomkraft ablehnten. Gleich nach der Machtübernahme kündigte der neue Premierminister Abe an, abgeschaltete Atomkraftwerke wieder ans Netz zu nehmen und neue Reaktoren bauen zu wollen. Der neue Umweltminister Nobuteru Ishihara erklärte, ein Atomausstieg sei unverantwortlich, und bezeichnete die Proteste der Bevölkerung als "Massenhysterie".

Am 16. Januar 2013 verschob die IAEO 47 japanische Reaktoren in die Kategorie "Long-Term Shutdown", was die Anzahl der weltweit aktiven Reaktoren auf 390 vermindert hätte. Auf Verlangen der neuen japanischen Regierung wurde dies drei Tage später rückgängig gemacht ...

 

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