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28. April - 03. Mai 2021

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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03.05.2021 - Klimaschutzgesetz - CO2-Preis von 100 Euro rückt in greifbare Nähe

Bundesumweltministerin Svenja Schulze will das Klimaschutzgesetz rasch nachschärfen. Fachleute weisen ihr den Weg. Ein CO2-Preis von 100 Euro scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Wer wissen will, wohin die Reise in Sachen Klimaschutz geht, ist gut beraten, Patrick Graichen zuzuhören. Der Direktor des Thinktanks Agora Energiewende gehört zu den Experten, deren Rat bei den Grünen, bei der SPD und auch in Teilen der Union gleichermaßen geschätzt wird. Graichen ist überdies nur Thinktank-Chef auf Zeit: Der Beamte ist von seinem Dienst im Bundesumweltministerium lediglich beurlaubt.

Am Montagmorgen stellte der Ökonom sechs Eckpunkte vor. Darin skizziert er, wie man das Klimaschutzgesetz so ändern könnte, dass es den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts gerecht wird ...

 

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Das Militär als Verursacher der Klimakatastrophe

03.05.2021 - Krieg gegen die Umwelt

Die für eine sozial-ökologische Wende und globalen Klimaschutz nötigen Mittel sind nur ein Bruchteil der weltweiten Rüstungskosten

Kriege führen zu massenhaften Verlusten an Menschenleben durch die unmittelbaren Kampfhandlungen. Ihre Folgen reichen jedoch noch weiter. So wurde die Umwelt immer wieder für kriegerische Zwecke in Mitleidenschaft gezogen, Felder wurden verbrannt, Gewässer vergiftet und Land unbrauchbar gemacht, um der Bevölkerung und gegnerischen Truppen die Existenzgrundlage zu entziehen. Immer mehr kommt es bei Kriegen direkt oder indirekt auch zur Schädigung natürlicher Ökosysteme. Gewaltige Schädigungen verursachte der Zweite Weltkrieg mit Flächenbombardements und der Verminung von Land und Ozeanen. Viele Waffeneinsätze haben zudem Langzeitwirkungen für die menschliche Gesundheit durch Schadstoffe, die sich im Trinkwasser und der Nahrungskette anreichern.

Kriege und Kriegsfolgen

Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki waren der erste Massenmord der Geschichte mit unmittelbar mehr als 100.000 Toten. Noch gravierender waren die Langzeitwirkungen der radioaktiv verseuchten Orte. Dort starben über die Jahrzehnte weitere Hunderttausende nach qualvollen Erkrankungen. Die erst im Gefolge des Moskauer Vertrages über den teilweisen Teststopp von 1963 eingestellten oberirdischen Kernwaffentests verursachten ebenfalls weitreichende Schäden für Mensch und Umwelt ...

 

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03.05.2021 - Themenwoche Atomkraft

Nach 60 Jahren Atomstrom in Deutschland, wird nächstes Jahr der letzte Meiler in Lingen abgeschaltet. Die Atomfabriken in Lingen und Gronau bleiben noch und für ein atomares Endlager wird auch im Kreis Steinfurt nach einem Standort gesucht.

Atomanlagen Gronau und Lingen

Vor einem viertel Jahr hat Bundesumweltministerin Schulze aus Münster gesagt, dass zum Atomausstieg auch das Ende für die Atomfabriken in Gronau und Lingen gehört. Passiert ist bisher nichts. Matthias Eickhoff von der Anti-Atom-Gruppe SOFA in Münster ist dafür, die Anlage schnell zu schließen.

Seit Jahren kämpft Eickhof zusammen mit anderen gegen die Atomanlage in Gronau. Die liefert Uranbrennstoff an Kernkraftwerke in der ganzen Welt.

Der britischer Betreiber Unrenco wehrt sich dagegen, dass die Anlage geschlossen wird und argumentiert mit rechtlichen Bedenken. Das würde gegen Grundrechte wie die Eigentums- und Berufswahlfreiheit verstoßen. Außerdem habe Deutschland eine vertragliche Verpflichtung. Vor 50 Jahren ist zwischen Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien der Vertrag von Almelo geschlossen worden, um die Urananreicherung zu fördern. Und Urenco weist noch auf die Zusammenarbeit mit Frankreich und den USA hin. Die Hälfte des Gronauer Urans geht in die USA. Vor zwei Jahren hat der Bundestag einen Gesetzentwurf der Linken abgelehnt, das Werk dicht zu machen. Das gleiche ist erst im März im Wirtschaftsausschuss des NRW-Landtags mit einem Antrag der Grünen passiert ...

 

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03.05.2021 - Grafenrheinfeld: Übergabe der Halle für Atommüll am AKW

Am Atomkraftwerk Grafenrheinfeld ist die Halle für radioaktive Abfälle fertig und betriebsbereit. Sie wird am Montag der BGZ Gesellschaft für Zwischenlagerung übergeben. Die Halle ist für schwach- und mittelradioaktiven Müll vorgesehen, der durch den Rückbau des AKW anfällt. Es ist seit mehr als fünf Jahren nicht mehr am Netz. Bis 2035 soll es verschwunden sein. Die Halle ist 6.000 Kubikmeter groß.

Beim Bau wurde schon beantragt, dass ein Fünftel der Halle für Stoffe anderer Standorte genutzt werden darf – für maximal zehn Jahre. Im Gespräch war, dass Atommüll aus dem Kernkraftwerk Würgassen in NRW nach Grafenrheinfeld kommen könnte. Kritik daran kam vom Schweinfurter „Aktionsbündnis gegen Atomkraft“.

 

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Mit Faktencheck

02.05.2021 - Gewessler tritt „Märchen der Atomlobby“ entgegen

Das Klimaschutzministerium hat anlässlich des jüngst begangenen Jahrestags der Katastrophe von Tschernobyl einen Faktencheck zu zehn gängigen Argumenten der Atomindustrie veröffentlicht, warum Atomkraft angeblich immer noch eine zukunftsträchtige Energiequelle ist. Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) will mit der Liste den „zahlreichen Mythen rund um die vermeintlich sichere und saubere Nutzung von Atomenergie“ Fakten entgegensetzen.

Gewessler kündigte in dem am Samstag verbreiteten Pressetext zum Faktencheck an, dass Österreich seine „konsequente Haltung“ und das „langjährige Engagement für eine Welt ohne Atomkraft“ fortführen und weiterhin für ein nachhaltiges, klimafreundliches Energiesystem der Zukunft eintreten werde. In der detaillierten Zehn-Punkte-Liste des Ministeriums finden sich Argumente gegen klassische Behauptungen der Atomindustrie wie jene, dass Atomkraft klimafreundlich sei, überdies kostengünstig und mittlerweile sicher.

Atomkraftwerke als „Klimakiller“

Atomkraftwerke, die neu gebaut würden, seien vielmehr „Klimakiller“, stellt das Ministerium in dem Papier fest. Denn diese bräuchten Jahre, bis sie überhaupt einsatzbereit seien, wofür aufgrund der fortschreitenden Erderhitzung keine Zeit bleibe. Vielmehr brauche es schnelle Hilfe in Form von Investitionen in erneuerbare Energie. Jeder Euro für Atomkraft verschärfe somit den Klimanotstand ... (Die Märchen der Atomlobby)

 

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01.05.2021 - Deutschland, einig Klimaland?

Die Reaktionen auf das Karlsruher Urteil zum Klimaschutz machen stutzig. Es könnte als Begründung für neue Zumutungen dienen. Ein Kommentar

Deutschland, ein Land von Klimaschützern? Diesen Eindruck könnte man haben, wenn man die ersten Reaktionen auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum deutschen Klimaschutzgesetz verfolgt.

Begreiflicherweise war der Jubel in den verschiedenen Fraktionen der Umweltbewegung groß. Vom Bund für Umwelt- und Naturschutz, über Fridays for Future bis zur Klimaliste zeigte man sich mit dem Urteil sehr zufrieden.

Aus der Parteienlandschaft gab es – mit Ausnahme der AfD und ihres rechten Umfeldes - fast nur zustimmende Reaktionen auf das Urteil: "Die Reaktionen der Regierungsparteien fallen überraschend positiv aus - richtet sich das Urteil doch eindeutig gegen ihre Politik", konstatierte die Süddeutsche Zeitung ...

 

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Vereinigte Staaten von Amerika

30.04.2021 - New Yorker Pannen-AKW wird abgeschaltet

Immer wieder kam es im Atomkraftwerk Indian Point zu Zwischenfällen. Nun wird es abgeschaltet. Im nur 40 Kilometer entfernten New York ist die Erleichterung groß. Doch woher bekommt die Stadt jetzt ihren Strom?

Wenn heute auch der letzte Block des Atomkraftwerks Indian Point endgültig heruntergefahren wird, empfindet Phillip Musegaas vor allem eins: Erleichterung. Jahrzehntelang hat Musegaas mit der Umweltschutzgruppe "Riverkeeper" für die Schließung des Pannenreaktors gekämpft, bei dem man sich aus heutiger Sicht fragt, wie man jemals auf die Idee kommen konnte, dieses Atomkraftwerk ausgerechnet hier zu bauen, am Hudson River, gerade mal 40 Kilometer von New York City entfernt.

Im Umkreis von 80 km leben 20 Millionen Menschen

"Es ist ein sehr großes 2000-Megawatt-Kraftwerk mit einer Menge strahlendem Material auf dem Gelände", erklärt Musegaas. "Im Umkreis von 80 Kilometern leben 20 Millionen Menschen. Bei einem Störfall gäbe es keine Möglichkeit, diese Menschen in Sicherheit zu bringen. Ein schwerer Zwischenfall würde New York City und den gesamten Großraum unbewohnbar machen." ...

 

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30.04.2021 - Neue Kraft muss her

Urteil zum Klimaschutz

Schluss, aus, vorbei. Die Wurschtelei, mit der sich alle Regierungen seit 1990 am Klimaschutz vorbeimogeln, ist seit dem Donnerstag illegal. Das keinerlei revolutionärer Neigung verdächtige Bundesverfassungsgericht hat Parlament und Regierung ins Stammbuch geschrieben, dass sie die Freiheitsrechte der jungen Generation verletzen. Damit ist nun auch höchstrichterlich festgestellt, was Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit über zwanzig Jahren und zuletzt auch Hunderttausende streikender Schülerinnen und Schüler wieder und wieder den Verantwortlichen vorgebetet haben: Die Maßnahmen reichen nicht, sie schieben den Klimaschutz auf die lange Bank und bürden der Gesellschaft in den nächsten Jahrzehnten, und damit vor allem den heute Jungen, gewaltige Lasten auf. Die bis 2030 vom Klimaschutzgesetz noch erlaubten Treibhausgasmengen würden bedeuten, dass danach keinerlei Spielraum mehr bleibt. Die Emissionen müssten 2031 sofort eingestellt werden, um das in Paris 2015 vereinbarte und im Gesetz ausdrücklich auch für Deutschland als verbindlich erklärte Klimaschutzziel noch erreichen zu können. Damit aber würde erheblich in die Freiheitsrechte der jungen Klägerinnen und Kläger eingegriffen. Bis zum 31. Dezember 2022 muss nachgebessert werden.

Und zwar gewaltig. Unter anderem wird der im Kohlegesetz vorgesehene Weiterbetrieb vieler Braunkohlekraftwerke bis in die 2030er Jahre hinein kaum möglich sein. So lässt sich auf keinen Fall, wie in Paris unterschrieben, der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen ...

 

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30.04.2021 - Neuer Stoff für Lingen

Atomenergie Ein russisch-französisches Konzernduo soll eine deutsche Uranfabrik retten

Vor 35 Jahren setzte die Katastrophe von Tschernobyl Menschen auf der nördlichen Erdhalbkugel unter Schock. Wie hätten sie damals einen Blick in die Zukunft verkraftet? Heute wird weltweit fast doppelt so viel Atomstrom produziert wie damals. Der Altersdurchschnitt der Reaktoren hat sich mehr als verdreifacht. Der deutsche „Atomausstieg“ ist kein richtiger, da zwei Uranfabriken mit unbegrenzter Betriebserlaubnis halb Europa mit Brennstoff beliefern. Vielerorts gilt Atomkraft als salonfähig, wird gar zum Klimaretter stilisiert, obwohl sie im Zeitalter erneuerbarer Energien wirksame Klimapolitik behindert. Schrille Behauptungen der Atomindustrie verdecken deren tiefe Krise. Der ökonomische Druck verschärft den Kampf um Marktanteile und führt mitunter zu seltsamen Kooperationen.

Wie zu der zwischen Frankreich und Russland. Bereits 2018 unterschrieben die Staatskonzerne EDF und Rosatom einen Kooperationsvertrag. Nun soll die Zusammenarbeit der beiden Atomstaaten mit einem Joint Venture im niedersächsischen Lingen zementiert werden. Die Rosatome-Tochter TWEL, global führend bei der Herstellung von Kernbrennstoffen, will die umstrittene Brennelementefabrik in Lingen zu 25 Prozent erwerben und damit der jetzigen Betreiberin ANF/Framatome, einer EDF-Tochter, unter die Arme greifen.

116 Tage Stillstand pro Jahr

Das Unternehmen generiert seit einigen Jahren unterm Strich mehr Verluste als Gewinne. Dass der deutsche Kundenstamm seit Fukushima kontinuierlich schrumpfte, versuchte die Geschäftsleitung in Lingen auszugleichen, indem sie Kunden im restlichen Europa und Amerika hinzugewann. Doch langfristig wird das nicht ausreichen, um rentabel zu sein. Etwa die Hälfte der aus Lingen belieferten Reaktoren ist 40 Jahre alt oder älter und damit besonders störanfällig. In Frankreich etwa steht jeder Meiler im Durchschnitt 116 Tage im Jahr still. In Schweden führte der immer teurer werdende Betrieb zweier Uraltmeiler noch vor Laufzeit-Ende zu deren Schließung ...

 

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MiK, ick hör dir trapsen ...

29.04.2021 - US-Außenministerium startet SMR-Unterstützungsprogramm

Das US-Außenministerium hat angekündigt, das Programm "Foundational Infrastructure for Responsible Use of Small Modular Reactor Technology" (FIRST) zu starten, das "Unterstützung beim Aufbau von Kapazitäten in den Partnerländern" bieten wird. Als Anfangsinvestition hat das Ministerium 5,3 Millionen US-Dollar zur Unterstützung von FIRST-Projekten zugesagt.

Das Programm wurde während des Leaders Summit on Climate vorgestellt, den die Biden-Harris-Administration letzte Woche veranstaltete.

"FIRST ist ein Programm zum Aufbau von Kapazitäten, das darauf abzielt, die strategischen Beziehungen zu vertiefen, Energieinnovationen zu unterstützen und die technische Zusammenarbeit mit Partnerländern im Bereich der sicheren Kernenergieinfrastruktur voranzutreiben", sagte das State Department ...

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

 

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29.04.2021 - Urteil zum Klimaschutzgesetz: Karlsruhe for Future

Das Bundesverfassungsgericht erklärt das deutsche Klimagesetz für verfassungswidrig – und fordert „Entwicklungsdruck“ für klimaneutrale Lösungen.

Ausgerechnet Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich nach der Klatsche für die Bundesregierung begeistert: Ein „großes & bedeutendes Urteil“ habe das Bundesverfassungsgericht da beschlossen, twitterte er am Donnerstagvormittag gleich nach der Veröffentlichung der Entscheidung. „Es ist epochal für Klimaschutz & die Rechte der jungen Menschen. Und sorgt für Planungssicherheit für die Wirtschaft.“

Dabei hatte das Gericht eine Nachbesserung des Klimaschutzgesetzes gefordert. Die Reduzierung der Treibhausgase ab 2030 soll jetzt schon festgelegt werden, damit sich die Gesellschaft besser und schneller auf die erforderliche Klimaneutralität vorbereiten kann. Nur so könnten unverhältnismäßige Eingriffe in die Freiheit künftiger Generationen vermieden werden ...

Die Klä­ge­r:in­nen zeigten sich nach Veröffentlichung der Entscheidung begeistert. Damit habe des Verfassungsgericht ein „Recht auf Zukunft“ anerkannt, sagte Anwalt Remo Klinger. Luisa Neubauer sprach von einem „Grundrecht auf Klimaschutz“.

Klinger räumte ein, dass die konkreten Forderungen des Bundesverfassungsgerichts nicht sehr radikal seien. Aber er geht davon aus, dass die Feststellungen des Gerichts dennoch helfen, politischen Druck zu entfalten ...

 

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29.04.2021 - Gletscherschwund beschleunigt sich weltweit

Bisher genaueste Bilanz bestätigt rasanten Eisverlust von Gebirgs- und Arktisgletschern

Die Gletscher der Gebirge und Arktis schrumpfen schneller denn je. Das bestätigt die bisher umfassendste Bilanz aller rund 220.000 Gletscher weltweit. Demnach verlieren sie inzwischen 298 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr. Insgesamt haben die Gletscher in den letzten 20 Jahren damit so viel Eis verloren wie die Eisschilde Grönlands und der Antarktis zusammen. Am stärksten betroffen sind die Gletscher der Alpen, Alaskas und Islands, wie die Forscher im Fachmagazin „Nature“ berichten.

Das Problem ist nicht neu: Schon seit Jahren präsentieren Wissenschaftler immer alarmierendere Zahlen zum Gletscherrückgang in den Gebirgen und Polarregionen der Erde. Die Eisschmelze erreicht immer neue Rekordwerte und könnte in Teilen der Westantarktis, Grönlands und des Himalaya bereits irreversibel sein. Während jedoch der Eisverlust in Grönland und der Antarktis gut erfasst und überwacht ist, gibt es für die vielen Gebirgsgletscher weltweit noch große Unsicherheiten.

Bisher genaueste Bestandsaufnahme

Jetzt gibt es genauere Daten: Ein Team um Romain Hugonnet von der Universität Toulouse hat die bisher genaueste und umfassendste Bestandsaufnahme aller weltweit rund 220.000 Gletscher erstellt – und ihre Eisentwicklung der letzten 20 Jahre gemessen. Möglich wurde dies durch Daten des NASA-Satelliten Terra, der seit 1999 alle 100 Minuten einmal die Erde umkreist und dabei Stereoaufnahmen der Oberfläche macht ...

 

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Greenwashing per Gesetz

29.04.2021 - Versorger liefern bis zu 58 Prozent weniger Ökostrom als offiziell angegeben

Viele deutsche Stromversorger sind schmutziger, als sie tun. Ein Gesetz will, dass sie ihren Ökostromanteil künstlich groß rechnen. Nach jahrelanger Kritik plant die Regierung nun eine Reform.

Deutschlands Stromversorger liefern ihren Kundinnen und Kunden erheblich weniger Ökostrom, als sie offiziell ausweisen. Das geht aus einem Gutachten des Hamburg Instituts im Auftrag des Ökostromanbieters Lichtblick hervor.

Der Energiekonzern E.on zum Beispiel weist einen Ökostromanteil von 56 Prozent aus, obwohl erneuerbare Energien nur sieben Prozent seines Strommixes ausmachen. Der Versorger EnBW steigert seinen Ökostromanteil auf dem Papier von 13 auf 65 Prozent, das Unternehmen Vattenfall von 15 auf 66 Prozent. Insgesamt hat das Hamburg Institut 30 Versorger untersucht, die meisten davon sind schmutziger, als sie auf dem Papier ausweisen.

Ursache des groß angelegten Greenwashings ist die gesetzliche Stromkennzeichnung. In dieser muss jeder Versorger angeben, aus welchen Quellen er die Elektrizität für seine Kunden beschafft hat und wie viel Gramm CO₂ bei der Produktion einer Kilowattstunde seines Stroms verursacht werden.

In diesen Strommix müssen die Anbieter allerdings nachträglich Ökostrom reinrechnen, den sie gar nicht gekauft und geliefert haben: Sie sollen zusätzlich angeben, was ihren Kunden an EEG-Umlage auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird. »Die Verantwortung für die jahrelange Verbrauchertäuschung liegt nicht bei den Versorgern, sondern beim Gesetzgeber«, stellt ein Lichtblick-Sprecher trocken fest ...

 

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29.04.2021 - Urteil des Bundesverfassungsgerichts: Klimaschutzgesetz nicht ausreichend

Das Bundesverfassungericht gibt den Beschwerden mehrerer Klä­ge­r:in­nen Recht. Es fehlten ausreichende Vorgaben für die Emissionsminderung.

Das Bundes-Klimaschutzgesetz greift aus Sicht des Bundesverfassungsgerichts zu kurz. Die Karlsruher Richter verpflichteten den Gesetzgeber am Donnerstag, bis Ende kommenden Jahres die Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen für die Zeit nach 2030 näher zu regeln. Verfassungsbeschwerden mehrerer Klimaschützer waren damit zum Teil erfolgreich.

Die zum Teil noch sehr jungen Beschwerdeführenden seien durch die Regelungen in dem Gesetz in ihren Freiheitsrechten verletzt, erklärten die Richter. „Die Vorschriften verschieben hohe Emissionsminderungslasten unumkehrbar auf Zeiträume nach 2030.“

Einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur wie geplant auf deutlich unter 2 Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, sei dann nur mit immer dringenderen und kurzfristigeren Maßnahmen machbar. „Von diesen künftigen Emissionsminderungspflichten ist praktisch jegliche Freiheit potenziell betroffen, weil noch nahezu alle Bereiche menschlichen Lebens mit der Emission von Treibhausgasen verbunden und damit nach 2030 von drastischen Einschränkungen bedroht sind“, heißt es in der Erklärung. Zur Wahrung grundrechtlich gesicherter Freiheit hätte der Gesetzgeber Vorkehrungen treffen müssen, „um diese hohen Lasten abzumildern“ ...

 

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29.04.2021 - Neue Hoffnung für die deutsche Solarbranche

Anfang Mai starten zwei neue Modulwerke in Deutschland, zugleich soll die Serien-Produktion von organischen Solarzellen beginnen. Die Erwartungen sind enorm, denn die deutsche Solarwirtschaft steckt tief in der Krise

... Auf dem Schild an der A9 kurz vor der Abfahrt Bitterfeld steht immer noch "Solar Valley": Vor zehn Jahren glaubten sie hier, das solare Pendant zur US-amerikanischen Hightech-Schmiede "Silicon Valley" zu sein. Die Hälfte aller Solarzellen auf der Welt war damals "Made in Germany", der Standort in Sachsen-Anhalt der zweitgrößte Europas - nach dem in Frankfurt/Oder mit dort 5.000 Beschäftigten.

Aber dann kürzten die Bundesminister Peter Altmaier (Umwelt, CDU) und Philipp Rösler (Wirtschaft, FDP) gemeinsam die Solartarife so stark, dass die gesamte Branche zusammenbrach.

"Von der Solarwirtschaft ist in Deutschland nicht mehr viel übrig", urteilt Norbert Allnoch, Chef des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien (IWR). Waren im Jahr 2011 laut Bundeswirtschaftsministerium noch 156.700 Menschen in der Solarbranche beschäftigt, so gab sie Anfang 2019 gerade noch 45.700 Lohn und Brot. "Fast die gesamte industrielle Wertschöpfung ist verloren gegangen", sagt Allnoch. Von den 350 Solarzellenproduzenten, die es vor zehn Jahren in Deutschland noch gab, sind kaum ein paar Dutzend übrig ...

 

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28.04.2021 - Neue Studie: Die Energiewende braucht mehr Dezentralität und weniger Netzausbau – und wird dadurch billiger und gerechter

Berlin. Anhand der Modellierung eines Energiesystems, das den gesamten Energiebedarf an Elektrizität, Wärme und Verkehr zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien deckt, wird deutlich: Dezentralität erspart Netzausbau, und die Systemkosten liegen dennoch nicht notwendigerweise höher. Statt Monopolstrukturen zu begünstigen, erlaubt Dezentralität zudem eine breite Teilhabe. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und die Technische Universität Berlin (TU Berlin) stellen dazu heute auf den Berliner Energietagen eine Energiewende-Studie vor:

- Der gesamte Energiebedarf Deutschlands an Strom, Wärme und Mobilität kann zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden – ohne außer-europäische Energie-Importe und auch ohne Wasserstoff-Importe.
- Die derzeitige Netzausbauplanung ist überdimensioniert, insbesondere aufgrund der Vernachlässigung der Kosten des Netzausbaus bei der Systemplanung; 100 Prozent Erneuerbare Szenarien werden bisher nicht berücksichtigt.
- Baut man trotzdem das Netz, wie von der Bundesregierung vorgesehen, aus, macht dies die Energiewende erheblich teurer. Zudem fließen mehr Investitionen in Technologien wie Stromtrassen und Offshore-Windparks, die eine breite gesellschaftliche Teilhabe erschweren.

Für die Studie entwickelten die Forscher*innen um Prof. Dr. Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt, und Prof. Dr. Christian von Hirschhausen, Forschungsdirektor am DIW und Professor für Infrastrukturpolitik an der TU Berlin, insgesamt fünf Szenarien ...

 

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28.04.2021 - Wie wir in Deutschland 50 Millionen Elektroautos aufladen können

Der notwendige Ausbau der E-Mobilität braucht mehr Kraftwerkskapazitäten und robustere Netze. So können wir beides bewältigen

Nur wenige Themen sind aktuell so umstritten wie die Frage nach dem künftigen Antrieb unserer PKW-Flotte. Ende März habe ich mir in "Ist die Elektromobilität wirklich eine Mogelpackung?" ein paar Vorurteile gegenüber der Nachhaltigkeit von E-Autos angesehen. Die Kommentare waren entsprechend zahlreich, thematisieren aber oft einen Aspekt, der im Artikel gar nicht zum Tragen kam: Wie sollen wir in Deutschland überhaupt eine nennenswerte Anzahl von E-Autos aufladen?

Ja, dieser Strom muss auch irgendwo erzeugt werden, aber da nicht von heute auf morgen alle Autos zugleich elektrifiziert werden, können wir diese Kapazitäten nach und nach zubauen. Zudem könnten wir auch darüber nachdenken, ob 48 Millionen Autos überhaupt so eine gute Idee sind und ob es nicht auch weniger tun. Gerade, wenn wir in unseren Städten die Straßen gerechter aufteilen und weniger Menschen auf den eigenen PKW angewiesen sind ...

 

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Technische Universität Wien

28.04.2021 - Neuer Katalysator für geringeren CO2-Ausstoß

An der TU Wien suchte man nach einem Katalysator, der Kohlendioxid in andere Substanzen umwandeln kann. Fündig wurde man nun in der Materialklasse der Perowskite.

Wenn der CO2-Anteil der Atmosphäre nicht weiter steigen soll, dann muss das Kohlendioxid dort, wo es entsteht, in etwas anderes umgewandelt werden. Weil es sich bei CO2 allerdings um ein sehr stabiles Molekül handelt, kann das nur mit Hilfe spezieller Katalysatoren gelingen. Das Hauptproblem mit solchen Katalysatoren war bisher ihre mangelnde Stabilität: Nach gewisser Zeit verlieren viele Materialien ihre katalytischen Eigenschaften.

An der TU Wien forscht man an einer speziellen Klasse von Mineralien – den Perowskiten, die bisher weniger als Katalysatoren, sondern eher für Solarzellen, als Anodenmaterial oder elektronische Bauteile eingesetzt wurden. Nun gelang es, einen speziellen Perowskit herzustellen, der sich ausgezeichnet als Katalysator eignet, um CO2 in andere, nützliche Substanzen umzuwandeln, etwa in synthetische Treibstoffe. Der neue Perowskit-Katalysator ist sehr stabil und auch relativ billig, sodass er sich industriell einsetzen lassen würde ...

 

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28.04.2021 - Solarstrom treibt Deutschland an

Artikel von Wolfgang Pomrehn aus telepolis.de

Die Energie- und Klimawochenschau: Von Speichern, Elektrorädern, mit Wasserstoff hergestelltem Stahl und einer viel zu warmen Arktis

Wow. Das war mal wieder ein neuer Rekord. Am gestrigen Dienstag lieferten Solaranlagen zeitweise mehr als 40 Gigawatt, wie die Daten des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme zeigen. Demnach wurde zwischen 12:15 und 13:45 Uhr nicht ganz 41 GW ins Netz eingespeist. Zusätzliche knapp acht GW lieferten die Windkraftanlagen. Der bundesweite Bedarf betrug zu dieser Zeit um die 64 GW.

Sonne und Wind haben ihn also für ein paar Stunden über die Mittagszeit zu rund 75 Prozent abgedeckt. Auch das ist für einen Werktag und dafür, dass die Sonne noch niedrig steht, ein rekordverdächtig hohes Niveau.

Ja, ja. Die Sonne scheint nicht immer, wird es gleich durchs Forum raunen. Sicherlich. Aber immerhin liefert sie zur Hauptbedarfszeit. Außerdem sind die Anlagen breit im Land verteilt, das heißt, der Strom wird meist verbrauchernah erzeugt, was die Netze entlastet.

Schließlich gibt es durchaus die unterschiedlichsten Speicherlösung, teils bereits vorhanden, teils entwickelt, teils denkbar. Alles in den unterschiedlichsten Skalen, was ebenfalls zur Entlastung der Netze beitragen könnte. Nicht nur Telepolis berichtet seit Jahren immer wieder darüber.

Und ja, es müsste von Bundesregierung und Bundestag deutlich mehr für den raschen Ausbau der Speichertechnologien getan werden. Ein erster Schritt könnte sein, die Übertragungsnetze, die ein natürliches Monopol mit staatlicher Profitgarantie bilden, in eine öffentlich-rechtliche Gesellschaft zu überführen.

In Dänemark wurde das zu Beginn des Jahrtausends getan. Das entsprechende Unternehmen Energinet hat den Auftrag, die Energiewende zu unterstützen und einen Teil seiner Einnahmen in Forschung und Entwicklung im Bereich Speicher und Netze zu stecken. Gewinn wird darüber hinaus nicht gemacht.

Batterien fürs Netz

Als ein Baustein einer Speicherlösung könnten übrigens auch die Batterien von Elektroautos und -bussen genutzt werden. (In Berlin fahren inzwischen über 100 E-Busse, die allein schon wegen der geringeren Lautstärke der Motoren ein echter Gewinn sind.)

Es müssen ja nicht gleich 50 Millionen E-Autos auf die Straßen, da in den Städten mehr und mehr Menschen aufs Rad umsteigen und viele vor lauter Blech die Straßen nicht mehr sehen können.

Aber Taxen, Busse, Krankenwagen, Lieferfahrzeuge und ähnliches braucht man auch, wenn in Städten das ÖPNV-Netz engmaschiger geknüpft wird und deren Batterien könnten - finanzielle Anreize und entsprechende Organisation vorausgesetzt - in den Ruhezeiten für die Netzstabilisierung genutzt werden.

Geladen würden sie vorzugsweise, wenn das Stromangebot groß ist. Wenn sie zudem in ihrer Standzeit ans Netz angeschlossen bleiben - ein durchschnittlicher Privat-Pkw fährt weniger als eine Stunde am Tag - könnten Sie bei Bedarf auch Strom zurück ins Netz liefern.

Technisch ist derlei heutzutage möglich, setzt aber unter anderem feste Standorte für die jeweiligen Fahrzeuge voraus, die sich an der Netzstabilisierung beteiligen. Oder es wird doch noch mal überlegt, Batterie und Fahrzeug voneinander zu trennen.

Die inzwischen gescheiterte israelische Firma Better Place hatte ab 2007 für ein entsprechendes Konzept geworben. Fahrzeuge sollten an Elektrotankstellen ihre fast leeren Akkus gegen geladene tauschen können. Das hätte aus der Sicht des Netzes den Vorteil, dass das Beladen sowie die zusätzliche Unterstützung der Netzstabilität besser geplant werden könnten.

Post unter Strom

Das Potenzial für derartige Lösungen wird derzeit aufgebaut, doch es fehlt noch an Konzepten und einem regelnden Eingriff des Gesetzgebers. Allein 2020 wurden in Deutschland E-Autos mit einem Ladevolumen von neun Gigawattstunden zugelassen, schrieb im März das PV-Magazin. Die nutzbare Ladeleistung liege aber bisher nur im Bereich von einigen Dutzend Megawatt.

Auch im Lieferverkehr gibt es Bewegung. Die Deutsche Post AG hat ja vor einigen Jahren sogar ein eigenes Unternehmen gegründet, um sich mit Elektrofahrzeugen ausstatten zu können. Etablierte Hersteller waren nicht bereit gewesen, auf ihren Bedarf einzugehen.

Eigentlich sollte 2020 die Streetscooterproduktion dennoch wieder eingestellt werden. Die Konzernmutter scheute neue Investitionen in diesem ihr eher fremden Geschäftsfeld.

Doch jetzt hat man sich bei der Post eines anderen besonnen, schreibt Golem.de. Es sollen sogar neue, größere Modelle gebaut werden.

Bis 2022 soll die Scooterflotte der Post- und Paketboten von derzeit 15.000 auf 21.500 anwachsen. Bis 2025 ist der Einsatz von 35.000 Elektrofahrzeugen geplant, wobei nun doch auch bei anderen Herstellern eingekauft wird.

IKEA gegen Verbrenner

Derweil werden die Rufe lauter, die Benzin- und Dieselmotoren auslaufen zu lassen. 27 Firmen, darunter das Möbelhaus IKEA, der Autobauer Volvo Car, der schwedische Energiekonzern Vattenfall und der umstrittene Taxikonkurrent Uber fordern die EU auf, spätestens ab 2035 den Verkauf von Pkw mit Verbrennungsmotoren zu verbieten.

Volvo Car will ab 2030 nur noch Elektroautos anbieten. Sein schwedischer Konkurrent Polestar geht noch einen Schritt weiter. Wie die Welt erfahren haben will plant das Unternehmen bis 2030 die Produktion und die Auswahl der Rohstoffe so umzustellen, dass kein CO2 mehr anfalle.

Wie das gehen können wisse man noch nicht, sei aber fest entschlossen. Bisher würden bei der Herstellung des Polestar 2 26,2 Tonnen CO2 freigesetzt. Das leichteste wird sein, die Energieversorgung vollständig auf erneuerbare Energieträger umzustellen.

Stahl ohne Koks

Komplizierter könnte es bei den Rohstoffen werden. Ob es ein Revival der Holz-Autos gibt, wie sie einst Volvo verkaufte? Möglich ist aber auch, dass Polestar wie Volvo demnächst ohne Koks erzeugten Stahl bezieht.

Im vergangenen Jahr ist am Bottnischen Meerbusen im nordschwedischen Luleå in Zusammenarbeit mit Vattenfall eine erste Pilotanlage in Betrieb gegangen, die Stahl mit Wasserstoff und Ökostrom herstellt. Volvo hat gerade mit Hersteller SSAB ein Kooperationsabkommen unterschrieben.

Alle reden vom Auto, aber die eigentliche Elektrorevolution findet bei den Fahrrädern statt. Über sieben Millionen E-Fahrräder sind bereits auf den deutschen Straßen unterwegs, und allein im vergangenen Jahr kamen zwei Millionen hinzu, schreibt die Frankfurter Neue Presse.

Auch die Post ist längst auf diesen Zug aufgesprungen. Der Konzern hat bereits 8.000 Elektrofahrräder und rund 9.000 -dreiräder (E-Trikes). Bis 2025 sollen zusätzliche 5.000 E-Trikes angeschafft werden. Ansonsten ist geplant, die Fahrzeuge verstärkt mit Strom aus eigenen Solaranlagen zu laden.

Unbeliebte Autobahnen

Gerne übersehen wird allerdings von den Freunden der E-Autos, dass der Elektromotor nicht alle Probleme löst. Besonders nicht das der verstopften Städte und dass Wege zwischen den Städten eigentlich oft besser im Zug zurückgelegt werden sollten.

Derzeit werden jedoch weiter Autobahnen durch das Land gebaut, doch keine mehr ohne Proteste. An der geplanten Trasse der A14 im Norden Sachsen-Anhalts gibt es dieser tage Planungen für eine Waldbesetzung, in Berlin wollen Linkspartei und Grüne den Bau der A100 stoppen, während die SPD eine Volksbefragung über den Weiterbau plant, und auch an Hessens Skandalbaustelle, der A49-Verlängerung, ist noch keine Ruhe eingekehrt.

Offenbar beachtet das Straßenbauunternehmen die im Boden der Trasse vorhandenen hochgiftigen Altlasten nicht und gefährdet mit dem Abraum die Trinkwasserversorgung der Region, wie die Oberhessische Zeitung berichtet (Beitrag als Bilddatei auf Twitter).

Autobahngegner würden den sofortigen Entzug der wasserrechtlichen Genehmigung fordern. Die Wurzelstöcke der Bäume würden nicht fachgerecht entsorgt, obwohl sie zum Teil mit krebsgefährdeten Substanzen aus der Sprengstoffherstellung belastet seien. Die geplante Autobahn führt unter anderem auch über das Gelände einer ehemaligen Sprengstofffabrik.

Arktis erwärmt sich

Das Copernicus-Programm der europäischen Wetterzentral im britischen Reading hat seine Bilanz für 2020 vorgelegt. Demnach war das vergangenen Jahr für unseren Kontinent das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

surface temperatur anomalies 1950 - 2020Grafik: climate.copernicus.eu

Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre würde weiter zunehmen, CO2 um 0,6 Prozent und Methan (CH4) um 0,8 Prozent. Letzteres wird zwar im Gegensatz zu CO2 in der Atmosphäre durch chemische Prozesse im Laufe von mehreren Jahrzehnten abgebaut, ein einzelnes Molekül CH4 wirkt aber als Treibhausgas erheblich effektiver als ein CO2-Molekül. Es entweicht unter anderem bei der Förderung von Erdgas und Erdöl, aus Kohlegruben, alten Mülldeponien und Reisfeldern.

Weltweit war 2020, wie bereits berichtet, zwar kein neues Rekordjahr aber immer noch eines der drei wärmsten. Besonders im nördlichen Sibirien und den angrenzenden Regionen der Arktis lagen die Temperaturen erheblich über dem langjährigen Mittelwert.

Global 60-month average temperatur - 1850 - 2020 - Increase above 1850 - 1900 reference levelAbweichung der global gemittelten Temperatur vom Durchschnitt der Jahre 1850 bis 1900 in verschiedenen Datensätzen unterschiedlicher Institutionen. Um die natürlichen von Jahr zu Jahr auftretenden Schwankung herauszufiltern wurden die Daten über 60 Monate gemittelt. Grafik: climate.copernicus.eu 

Sonst noch

Ansonsten wäre noch auf den 35. Jahrestag der Reaktorkatastrophe im ostukrainischen Tschernobyl (Strahlende Touristen) hinzuweisen, bei der 1986 große Mengen Radioaktivität entwichen, die von Winden zumTeil bis nach West- und Nordeuropa getragen wurden.

Zu erwähnen wäre auch, dass noch immer nicht klar ist, ob der Deal aus dem Kohleausstiegsgesetz gilt, der RWE, der Mibrag sowie Leag (beide gehörten EPH) ein paar Milliarden Euro aus dem Steuersäckel fürs Abschalten ihrer längst abgeschriebenen Anlagen bescheren soll. Das Prüfverfahren der EU-Kommission läuft weiter.

In Nature Climate Change ist außerdem zu Wochenbeginn eine Studie erschienen, die auf erhebliche Bilanzierungsproblem bei den Treibhausgasemissionen hinweist. Die Länder können sich die Aufnahmefähigkeit ihrer Wälder und andere Landschaften gutschreiben lassen, aber sind dabei offensichtlich zu großzügig.

Immerhin 5,5 Milliarden Tonnen CO2 verschwinden so jährlich aus den Bilanzen, die sich aber durchaus in der Atmosphäre als Treibhausgas ansammeln und nicht in Bäumen oder ähnlichem gebunden werden. Das ist immerhin mehr als ein Achtel der globalen Emissionen.

Von Armin Laschets Revierpakt in NRW wäre schließlich noch zu berichten, mit dem dieser sich gerne zum Klimaschützer machen würde, der aber von den Umweltverbänden und Bürgerinitiativen am Rhein scharf wegen der Beteiligung von RWE und der fortgesetzten Zerstörung von Dörfern kritisiert wird.

Und zum Schluss noch ein kleines Twitter-Video, das einen Eindruck davon vermitteln mag, weshalb Meteorologen und Klimatologen so fasziniert von ihrem Metier sind. Die Bewegungsgesetzte der Atmosphäre zu entschlüsseln, mathematisch zu beschreiben und mit ihnen Simulationen durchzuführen ist das eine, aber Naturschauspiele wie diese Windhose zu dokumentieren, gehört sicherlich zu den Highlights im Berufsleben eines Wettermenschen.

 

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Weiter zu: Zeitungsartikel 2021

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Nun macht mal endlich hin, der Preis für eine inkonsequente Energiepolitik ist zu hoch ... 

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Die Suche in der reaktorpleite.de mit dem Suchwort 

     
  Solarstrom  
     

 

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

20. November 2020 - Klimalügner

Artikel von Mathias Bröckers aus www.telepolis.de

Warum fiebersenkende Maßnahmen kaum Sinn machen, wenn Herz, Nieren und Lungen weiter zerstört werden

Kaum eine Debatte wird derzeit emotionaler geführt als die um den Klimawandel. Aktivisten von "Fridays For Future" und "Extinction Rebellion" stehen Skeptiker und Leugner gegenüber, die die Gefahren von CO₂ und der Erderwärmung für überschätzt halten oder für nicht einmal vorhanden.

Zwar schmilzt Grönland wieder zu Grünland, aber wächst nicht anderswo gerade wieder das Packeis? Und gab es nicht vor 250 Millionen Jahren Unmengen CO₂ in der Atmosphäre und einen rapiden Anstieg der globalen Temperatur und im Mittelalter, wo sie gar nicht hingehört, eine kleine Eiszeit? Und war die Erde nicht schon immer klimatischen Zyklen, Veränderungen der kosmischen Strahlung und des Sonnenmagnetfelds ausgesetzt, die dann zu Dürreperioden, Hitzewellen oder Überflutungen führten? Und wenn nachgewiesenermaßen simpler Wasserdampf zu 80 Prozent für den Treibhauseffekt verantwortlich ist, wie können da Stoffe wie CO₂ oder Methan, die nicht einmal ein Prozent der Atmosphäre ausmachen, eine entscheidende Rolle spielen?

Und wenn die Klimaforscher an ihren Kurven, die menschengemachte CO₂-Emissionen als Ursache für den Temperaturanstieg aufzeigen, ein wenig herumgeschraubt haben, ist das nicht ein Beweis, dass diese Klimamodelle falsch sein müssen? Werden wir nicht nach Strich und Faden verschaukelt von Wissenschaftlern, die nicht die wahren Fakten aufzeigen und erklären, sondern einer politischen Agenda folgen? Oder die in einem Gruppendenken verhaftet sind, das durch Forschungsförderung und Schwerpunktsetzung bei Publikationen sowie durch politischen Druck nur die herrschende Lehrmeinung bestätigt, aber mit echter Wissenschaft nichts mehr zu tun hat?

Den Gegenpol zu solchen kritischen, skeptischen Fragen bilden die Gutachten des Weltklimarats (IPCC) und die von den meisten Forschern weltweit unterstützten Klimamodelle, die bei einem weiteren CO₂-Anstieg in der Atmosphäre stark steigende globale Durchschnittstemperaturen und fatale Folgen nicht nur für küstennahe Regionen der Erde vorhersagen. Dazu gehören extreme Hitzewellen, Dürre, Ernteausfälle, Flüchtlingsströme und - in letzter Konsequenz - das Ende der Zivilisation. Doch Panikmacher, Apokalyptiker und Fatalisten lügen sich in Sachen CO₂ genauso in die Tasche wie die Skeptiker und Leugner einer menschengemachten Erderwärmung. Wir haben also "Klimalügner" auf beiden Seiten, die blind geworden sind für die Wirklichkeit ...

 

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Nach dem Ja zum Energiegesetz

29.05.2017 - Rudolf Rechsteiner: «Die Atomlobby hat einen perfiden Plan»

Artikel von Gabriel Brönnimann aus www.tageswoche.ch

Das Ja zum Energiegesetz hat die Schweizer Atomkraft-Befürworter erst recht mobilisiert, warnt Grossrat Rudolf Rechsteiner im grossen TagesWoche-Interview.

Rudolf Rechsteiner ist promovierter Ökonom. Er begann seine berufliche Laufbahn als Wirtschaftsredaktor der «Basler Zeitung». Seit Anfang der 1990er-Jahre lehrt er zu Umwelt- und Energiepolitik an den Universitäten Bern und Basel, seit 2010 auch an der ETH Zürich. Er engagiert sich stark in der Anti-Atomkraft-Bewegung. Von 1995 bis 2010 sass Rechsteiner für die SP des Kantons Basel-Stadt im Nationalrat; seit 2012 ist er wieder Mitglied des Grossen Rates, des Kantonsparlaments von Basel-Stadt.

Zitat: «Die Axpo hofft wohl, mit ein paar dicken Parteispenden an SVP, FDP und CVP für ihre dicken Lügen von Kostendeckung und Klimaschutz nochmals für 20 bis 30 Jahre eine Mehrheit zu finden, die das glaubt.»

Herr Rechsteiner, das Energiegesetz (EnG) wurde vom Volk deutlich angenommen. Sind Sie zufrieden?

Ja, ich bin einerseits sehr zufrieden. Die Angst, die die Gegner gezielt geschürt haben, hat diesmal nicht gesiegt. Das Resultat hat meine Erwartungen übertroffen: 58 Prozent – das ist kein Zufall, sondern ein klares Bekenntnis zu den neuen Technologien.

Einerseits? Gibt es denn Gründe, nicht zufrieden zu sein?

Die Vorlage hat wichtige Themen ausgespart. Der Elefant im Wohnzimmer, wenn Sie so wollen, das sind die defizitären Schweizer Atomkraftwerke. Die Atomlobby macht nun Jagd auf Subventionen.

Aber AKW werden doch keine neuen mehr gebaut. Das verbietet das EnG.

Schon. Aber die bestehenden AKW sind ja nicht einfach verschwunden. Die Millionen-Kampagne der SVP verfolgte einen Zweck: Die immer wiederkehrende Behauptung, nur Atomkraftwerke könnten die Versorgungssicherheit garantieren, es fehle an Winterstrom usw.; es gab eine gewisse Unsicherheit, ob die Stimmenden auf diese Angstmacherei hereinfallen.

Aber dann ist doch jetzt alles gut? Oder wo liegt das Problem?

Axpo und Alpiq machen bei den jetzigen Strompreisen etwa eine halbe Milliarde Franken Verlust pro Jahr. Die beiden Konzerne wollen nun selber Hilfe vom Bund. Deshalb geht die Diffamierung der erneuerbaren Energien als «Subventionsnehmer» ungebremst weiter, so etwa nach dem Motto «wir wollen gleiches (Un-)Recht».

Aber die Rhetorik hat doch nichts bewirkt. Der Elefant steht obsolet im Raum herum.

Die Erneuerbaren wären jetzt bereit für eine Expansion zu sehr tiefen Kosten. Aber – das sieht man schon an den tiefen Richtwerten im Gesetz – es wird weiter blockiert; das Geld reicht ja nicht einmal, um die alten Projekte auf der Warteliste des Bundes zu realisieren.

«Es war und ist ein Kompromiss.»

Ich dachte, erneuerbare Energien sollen jetzt gefördert werden? Worüber haben wir denn abgestimmt?

Es war und ist eben ein Kompromiss. Historisch daran ist: Es wird nie wieder AKW geben. Und jede AKW-Schliessung erhöht die Nachfrage nach erneuerbaren Energien. Aber wir sind noch nicht so weit. Über die Schuldenberge und die versteckten Kosten der alten Atomkraftwerke haben die Firmen einen Nebelschleier gelegt. Viele Leute glauben heute, die Wasserkraftwerke produzierten teurer als die Atomkraftwerke. Das Gegenteil ist der Fall. Würde man Transparenz schaffen und die Kosten minimieren wollen, würde man die Atomkraftwerke jetzt alle vom Netz nehmen ...

 

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Wikipedia

 

Solarstrom

Solarstrom bezeichnet umgangssprachlich aus Sonnenenergie gewandelte elektrische Energie. Diese Energieform zählt zu den Erneuerbaren Energien, da sie auf der Erde tagsüber täglich zur Verfügung steht und die Sonne, nach menschlichen Maßstäben betrachtet, eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle darstellt.

In Deutschland wurden im Jahr 2008 Solarzellen mit einer Leistung von 1.460 MW hergestellt. Damit kam Deutschland auf den zweiten Platz hinter China, wo Solarzellen mit einer Leistung von 2.589 MW produziert wurden. Deutschland und Japan verloren 2008 Weltmarktanteile in der Zellfertigung; dagegen konnten insbesondere China, Taiwan und weitere asiatische Länder deutlich Weltmarktanteile gewinnen. 2008 kam rund jede dritte weltweit verkaufte Solarzelle aus China; Deutschland fertigte rund 19 Prozent der Weltproduktion. 

Von 2010 bis 2014 hat sich die installierte Leistung der Photovoltaik in Deutschland von 18 auf 38 GW mehr als verdoppelt. Im Jahr 2014 ist der Ausbau jedoch deutlich auf 1,9 GW eingebrochen, was unterhalb des von der Bundesregierung vorgegebenen Ausbaukorridors von 2,5 GW liegt. Dennoch trägt die Solarenergie in Deutschland derzeit an sonnenreichen Sommertagen mehr als die Hälfte der Verbrauchsspitzen zur Mittagszeit bei, in Bayern und Baden-Württemberg sogar zwei Drittel.

Sollte der Zubau auch in den nächsten Jahren jährlich weiterhin hohe einstellige und evtl. sogar zweistellige Gigawattzahlen erreichen, könnte Solarstrom bereits in wenigen Jahren in der Lage sein, an sehr sonnigen Tagen einen Großteil des deutschen Stromverbrauchs zu decken. An einem Sommertag beträgt die Spitzenlast in Deutschland rund 70 Gigawatt.

 

 

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AtomkraftwerkePlag

 

Inkonsequente Energiepolitik

Im Großen und Ganzen hat die Energiewende seit 2011 einen erfolgreichen Verlauf genommen, nicht wegen, sondern trotz der Energiepolitik unter Angela Merkel. Von der Politik halbherzig begonnen, schlecht geplant, immer wieder verzögert und ausgebremst, hat sie sich zu einem weitgehend eigenständigen Prozess entwickelt.

Als die schwarz-gelbe Regierung nach Fukushima ihre Laufzeitverlängerung rückgängig machte, beschränkte sie sich darauf, alte Reaktoren abzuschalten und einen 11 Jahre langen Zeitplan für den Atomausstieg zu initiieren, der zwar die Zumutungen für die deutschen Atomkonzerne niedrig hält, zugleich aber die deutsche Bevölkerung eine weitere Dekade lang den Gefahren der Atomenergie aussetzt. Der Atomausstieg wurde nicht ins Grundgesetz aufgenommen, die Atomfabriken in Gronau und Lingen, Atomforschung und Forschungsreaktoren wurden vom Atomausstieg ausgenommen, der Euratom-Vertrag ist bis heute nicht gekündigt worden.

Rahmenbedingungen für die Energiewende wurden kaum gesetzt. Dennoch ist die Nutzung der erneuerbaren Energien schneller vorangeschritten als vermutet, einfach weil die Zeit reif dafür war ...

 

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