Newsletter XIX

25. - 27. April 2021

***


        2021
2020 2019 2018 2017 2016
2015 2014 2013 2012 2011

Aktuelles+ Hintergrundwissen

***

 

27.04.2021 - Klimaministerin veröffentlicht Büchlein über „Märchen der Atomlobby“

Leonore Gewessler sagt, die Atomlobby sei bemüht, “die Atomkraft als umwelt-und klimafreundlich zu verkaufen. Wir decken einige ihrer Märchen auf und legen die Fakten auf den Tisch“.

„35 Jahre nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl gibt es weltweit nach wie vor mehr als 400 Atomreaktoren. Wir leben noch immer mit dem Risiko eines verheerenden Unfalls, denn selbst bei den moderns­ten Atomkraftwerken kann ein schweres Unglück mit weitreichenden Folgen nicht ausgeschlossen werden“, schreibt Leonore Gewessler, Klimaministerin von Österreich, im Vorwort der 13-seitigen Broschüre über „Die Märchen der Atomlobby“.

„Wir haben mit den Erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse klimafreundliche und leistbare Alternativen. Bis 2030 werden wir in Öster­reich 100 % sauberen Ökostrom beziehen. Wir zei­gen vor: es geht, ohne fossile Brennstoffe und ohne Atomenergie“, schreibt sie weiter.

Dann versucht sie die Märchen im Detail aufzuzeigen ...

 

*

 

Sch... erwischt!

27.04.2021 - Altmaier entschuldigt sich für Rechenfehler bei Windkraft-Schallbelastung

Jahrelang setzte eine Bundesbehörde die Infraschall-Belastung von Windkraftanlagen zu hoch an – und lieferte Windkraft-Gegnern damit Argumente. Nun bittet Bundeswirtschaftsminister Altmaier um Entschuldigung.

Wie viel Lärm machen Windkraftanlagen? Nachdem die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Schallbelastung durch Windkraftanlagen jahrelang zu hoch veranschlagte, hat sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nun für die fehlerhaften Berechnungen entschuldigt. »Es tut mir sehr leid, dass falsche Zahlen über einen langen Zeitraum im Raum standen«, sagte Altmaier in Berlin. Die Behörde ist dem Bundeswirtschaftsministerium unterstellt. Sie gab die Belastungen durch unhörbaren Infraschall mit 100 Dezibel statt mit 64 Dezibel an.

Altmaier sagte, es lägen »Welten« zwischen den BGR-Zahlen und dem, »was tatsächlich der Fall ist«. Er halte »diesen Vorgang für sehr problematisch«. Er werde dafür sorgen, dass er aufgeklärt wird.

Die Akzeptanz von Windanlagen an Land habe »ein Stück weit« unter den falschen Zahlen gelitten, sagte Altmaier. Er hoffe, dass Menschen, die sich große Sorgen über die Auswirkungen der Infraschall-Belastung auf ihre Gesundheit machen, nun »eine gewisse Erleichterung« verspürten ...

 

*

 

27.04.2021 - 35 Jahre Tschernobyl - Lehren aus der Reaktorkatastrophe

35 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl erinnert Matthias Eickhoff an die damaligen Geschehnisse und zieht eine Bilanz sowohl für die (Energie-)Politik, als auch für die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland. (GWR-Red.)

In der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 trat im sowjetischen AKW Tschernobyl das bis dato Undenkbare ein: Reaktor 4 geriet bei einem Experiment außer Kontrolle und explodierte. Aus einem GAU – dem „Größten Anzunehmenden Unfall“ – wurde über Nacht ein Super-GAU. Die Folgen waren und sind bis heute katastrophal. Zunächst unterschätzte die sowjetische Parteiführung in Kiew und im zentralen Moskau die Auswirkungen sträflich und verordnete absolute Geheimhaltung. So wurden die Menschen in Westeuropa erst einige Tage später durch die Messung von erhöhter Radioaktivität in Schweden alarmiert ...

Die internationale Folgen

Der Super-GAU hatte international große Konsequenzen: In der Sowjetunion war er einer der Sargnägel auf dem kommunistischen Zeitalter. Partei- und Regierungschef Michail Gorbatschow schwieg zunächst genau wie die gesamte Staatsführung. Erst später leitete er unter dem Druck der Ereignisse seine berühmt gewordenen Ansätze der „Perestroika“ (Politik des gesellschaftlichen Öffnung) und „Glasnost“ (Politik der Transparenz) ein. Diese öffneten die bis dahin hermetisch abgeschirmte sowjetische Gesellschaft und führten schließlich zum Zerfall der Sowjetunion.

Auch im restlichen Europa waren die Folgen dramatisch, wurden aber sehr unterschiedlich wahrgenommen. In Osteuropa wurde versucht, Tschernobyl in seinem ganzen Ausmaß zu verschweigen. Auch in Ländern wie Frankreich fand die Reaktorkatastrophe offiziell kaum statt. Das ist sicherlich ein Grund, warum in Frankreich, aber auch in Tschechien, der Slowakei und Ungarn die Atomkraft bis heute nicht wirklich hinterfragt wird. Durch das vollkommene Ausblenden von Tschernobyl sind die offensichtlichen Risiken der Atomkraft niemals wirklich ins gesellschaftliche Bewusstsein eingedrungen ...

 

*

 

27.04.2021 - Ansteckende Solarzellen

Solaranlagen haben ganz offensichtlich einen R-Wert von über eins, kaum ist ein Nachbar damit infiziert, steckt er seine ganze Umgebung an. Und das ist gut fürs Klima.

Der Begriff "Ansteckung" ist derzeit extrem negativ besetzt. Wen wundert's: Das Sars-CoV-2 Virus und seine Mutanten verbreiten weltweit Horror. Fast jeder außer einigen Spinnern und Spinnerinnen hat Angst vor Ansteckung, sei es über Aerosolwolken, Klimaanlagen, Einkaufswagen, Haustiere (sind hustende Hunde eigentlich ansteckend?).

Angesichts der Gesamtlage ist fast in Vergessenheit geraten, dass Ansteckung manchmal auch etwas Gutes mit sich bringen kann. Lachen ist ansteckend. Gute Laune bei Sonnenschein ist ansteckend. Gähnen und Kopfkratzen sind ansteckend, wobei das weder gut noch schlecht ist. Dass Dinge wie Gähnen und Kratzen auf das Gegenüber überspringen, liegt an einem Resonanzsystem in unserem Gehirn, den Spiegelneuronen. Nun haben Wissenschaftler herausgefunden: Nicht nur Nervenzellen, auch Solarzellen sind ansteckend - mit positiven Folgen ...

 

*

 

27.04.2021 - Al Gore: Wir leben am Anfang einer Nachhaltigkeitsrevolution

Angesichts erhöhter Klimaziele durch viele Regierungen ist der ehemalige US-Vizepräsident optimistisch, dass der Kampf gegen die Klimakrise aufgenommen wurde.

Friedensnobelpreisträger Al Gore ist optimistischer denn je, dass die internationale Gemeinschaft den Kampf gegen die Klimakrise angenommen hat. "Dieser Moment ist von reichlich und berechtigter Hoffnung erfüllt, dass wir jetzt gerade den lange erwarteten politischen Wendepunkt beim Klima überschreiten", sagte der Klimaschützer und frühere US-Vizepräsident am Montag auf einem virtuellen Gipfel zur Zukunft der Erde.

Grund zu Optimismus

Seine Zuversicht begründe sich unter anderem darin, dass viele Länder vergangene Woche erheblich stärkere Klimaziele für die nächsten neun Jahre verkündet hätten, sagte Gore. Die Technologie-, Geschäfts- und Investitionssektoren hätten zudem bereits einen Sprung nach vorne gemacht, etwa bei der Kostenreduzierung von Wind- und Solarenergie, aber auch bei Batterien und Elektroautos."

Wir leben in der frühen Phase einer Nachhaltigkeitsrevolution", sagte Gore, der 2007 gemeinsam mit dem Weltklimarat (IPCC) für seinen Einsatz für das Klima mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet worden war. "Sie hat das Ausmaß der industriellen Revolutionen gepaart mit dem Tempo der digitalen Revolution. Und viele glauben, dass sie die größte Geschäftsmöglichkeit in der Geschichte der Welt ist." Zugleich machte er klar: "Unsere Reise voran wird natürlich schwierig sein." ...

 

**

So viel zum Rückblick auf 1986, wenden wir uns nun wieder der Zukunft zu.

**

 

26.04.2021 - Mythen über Tschernobyl im Faktencheck

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl jährt sich zum 35. Mal. Was am 26. April 1986 in der Ukraine geschah, ist längst nicht mehr geheim. Trotzdem bleibt Tschernobyl von Mythen umwoben. Die DW hat fünf davon geprüft.

Ist Tschernobyl die größte Atomkatastrophe aller Zeiten?

"Mitternacht in Tschernobyl. Die geheime Geschichte der größten Atomkatastrophe aller Zeiten" oder "...die bisher größte dagewesene Nuklearkatastrophe der Menschheitsgeschichte" - Schlagzeilen und Bezeichnungen wie diese werden immer wieder benutzt und nur selten hinterfragt ...

Verstehe man unter einer "Atomkatastrophe" nicht nur Unfälle in Nuklearanlagen sondern auch alle von Menschen verursachten radioaktiven Emissionen, dann habe es in der menschlichen Geschichte Ereignisse gegeben, die für viel mehr atomare Verseuchung gesorgt hätten als der Super-GAU von Tschernobyl, sagt die US-amerikanische Forscherin Kate Brown. " Nehmen wir die Produktion von Plutonium. Die amerikanischen und sowjetischen Werke, die Plutonium für die Atombombe produzierten, gaben im Rahmen des normalen Arbeitsalltags jeweils mindestens 350 Millionen Curies (Anmerkung der Redaktion: Einheit der Aktivität eines radioaktiven Stoffes) in die Umgebung ab. Und das war kein Unfall", erklärt die Professorin für Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft am Massachusetts Institute of Technology im DW-Interview.

"Sehen wir uns den radioaktiven Niederschlag bei der Detonation von Atombomben in Zeiten der oberirdischen Kernwaffentests in Gebieten auf der ganzen Welt an. Und nehmen wir nur ein Isotop, ein radioaktives Jod, das für die menschliche Gesundheit schädlich ist, weil es von der menschlichen Schilddrüse aufgenommen wird und Schilddrüsenkrebs und -erkrankungen verursacht. Tschernobyl setzte geschätzt 45 Millionen Curies radioaktiven Jods frei. Und die Sowjets und die Amerikaner setzten in nur zwei Testjahren 1961 und 1962 keine 45 Millionen Curies, sondern 20 Milliarden Curies radioaktives Jod frei." Und das sei nicht aus Versehen oder als Ergebnis eines menschlichen Fehlers geschehen, betont die Wissenschaftlerin ...

 

*

 

26.04.2021 - 35 Jahre nach Tschernobyl – der europaweite Atomausstieg ist überfällig

IPPNW warnt vor Taxonomieplänen der EU

Anlässlich des 35. Jahrestags der Atomkatastrophe von Tschernobyl, warnt die internationale Ärzt*innenorganisation IPPNW vor den Taxonomieplänen der EU und appelliert an die Bundesregierung, die hochriskante Atomkraft ohne jegliche Hintertür von der Taxonomie auszuschließen. Neueste Studien zu den Auswirkungen der Atomkatastrophe von Tschernobyl zeigten, dass Niedrigstrahlung nach Atomunfällen nicht nur Krebserkrankungen, sondern auch schwere Nicht-Krebserkrankungen und Auswirkungen auf das Erbgut verursachen. Die Bundesregierung müsse sich klar gegen den Druck der französischen Atomlobby positionieren.

„Tschernobyl war der größte Atomunfall, den wir bisher erlebt haben. Eine Fülle an medizinischen Studien zu den gesundheitlichen Folgen von Niedrigstrahlung wurde seitdem durchgeführt. Die Erkenntnisse der letzten 35 Jahre sprechen eine klare Sprache. Doch das Joint Research Center (JRC) in Karlsruhe, das die EU in Fragen zur Bewertung der Atomkraft berät, ignoriert die Ergebnisse der großen medizinisch-epidemiologischen Studien zu den Gesundheitsfolgen bei Nuklear- und Uranbergarbeitern sowie aus der medizinischen Strahlenanwendung“, betont die IPPNW-Vorsitzende Dr. med. Angelika Claußen. Wirtschaftliche Interessen würden hier willentlich über die der Gesundheit gestellt.

Mögliche strahlenbedingte Gesundheitsfolgen wie Hirn- und Herzinfarkte wurden von der westlichen Forschung lange nicht anerkannt. Doch neuere, länderübergreifende Studien an Atomarbeitern aus Frankreich, Großbritannien und den USA haben gezeigt, dass es auch bei relativ niedriger und langsam erfolgender Aufnahme von ionisierender Strahlung zu tödlichen Hirn- und Herzinfarkten infolge von Blutgefäßschädigung kommen kann ...

 

*

 

26.04.2021 - Rekord weltweiter Rüstungsausgaben: Waffen, noch mehr Waffen

Im Coronajahr haben die Staaten der Welt Prioritäten gesetzt. Während die Wirtschaft geschrumpft ist, wuchsen die Rüstungsausgaben.

STOCKHOLM taz | Die weltweiten Militärausgaben haben 2020 einen neuen Rekord erreicht. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri beziffert sie in seinem am Montag erschienenen jährlichen „World Military Expenditure“-Bericht auf 1,981 Billionen Dollar – so viel wie noch nie. Während das globale Bruttonationalprodukt (BNP) laut IWF-Berechnungen im „Coronajahr“ 2020 um 4,4 Prozent schrumpfte, kletterten die Militärausgaben um real 2,6 Prozent.

„Wir können also mit einiger Sicherheit sagen, dass die Pandemie keine signifikanten Auswirkungen auf die globalen Militärausgaben hatte“, konstatiert der Sipri-Forscher Diego Lopes da Silva: Offen sei allerdings, ob sich das 2021 womöglich ändere.

Mit 4,4 Prozent und damit überdurchschnittlich stark steigerten die USA ihre Militärausgaben auf 778 Milliarden Dollar – 39 Prozent aller globalen Militärausgaben oder etwa genauso viel, wie die auf der weltweiten Rangliste auf den Plätzen 2 bis 13 folgenden nächsten zwölf Staaten zusammen für ihr Militär aufgewendet haben. Die Nato-Mitglieder stehen mit 1,103 Milliarden Dollar allein für 55 Prozent der weltweiten Ausgaben.

Noch stärker als die USA erhöhte Deutschland im vergangenen Jahr seine Militärausgaben: Mit 52,8 Milliarden und einem Plus von 5,9 Prozent rückte es von Platz 8 auf Platz 7 vor, hinter China, Indien, Russland, Großbritannien und Saudi-Arabien. Laut Sipri stiegen die Militärausgaben Deutschlands damit seit 2011 um 28 Prozent, ihr Anteil am BNP erhöhte sich in diesem Zeitraum von 1,2 auf 1,4 Prozent ...

 

*

 

26.04.2021 - Ukrainische Atomkraft in der Sackgasse

Im September 2020 kündigte der ukrainische Präsident Volodymyr Selenskyj eine Initiative zum Bau von zwei neuen Reaktorblöcken am bestehenden AKW-Standort Khmelnitskyj an. Einen Überblick zur Lage der ukrainischen Atomwirtschaft 35 Jahre nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl präsentiert Oleksandra Zaika.

In der Ukraine sind derzeit an vier AKW-Standorten 15 Reaktorblöcke mit einer installierten Gesamtleistung von 13,8 Gigawatt in Betrieb. Dabei ist der Standort Saporischja mit sechs Reaktoren der größte in ganz Europa. Die Atomkraft stellte in den letzten Jahren 50-55% der Stromerzeugung im Land zur Verfügung, obwohl jedes Jahr mehrere Reaktorblöcke für einige Monate für Wartungszwecke außer Betrieb sind.

Der Atomstrom ist in der Ukraine im Vergleich mit anderen Erzeugungsquellen am billigsten. Sein Preis spiegelt jedoch nicht die realen Kosten, er wird aus politischen Motiven künstlich geringgehalten. Der staatliche Atombetreiber Energoatom wurde z.B. im April 2020 vom gleichfalls staatlichen zentralen Stromaufkäufer mit 0,57 Griwna pro Kilowattstunde vergütet – das entspricht weniger als 2 Eurocents.

Atomkraft ist dennoch nicht billig, denn der Tarif beinhaltet nicht alle Kosten und negativen Externalitäten, die mit der Stromproduktion der AKW verbunden sind. Insbesondere sind hier die Kosten für die Behandlung abgebrannter Brennstäbe und die Atommüllentsorgung zu nennen. Zudem sind die Rückstellungen für den späteren Rückbau der Anlagen viel zu niedrig angesetzt und verlieren inflationsbedingt an Wert ...

 

*

 

26.04.2021 - 35 Jahre nach Tschernobyl: Die Atomkraft ist nicht zu bändigen

  • Vor 35 Jahren ereignete sich die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.
  • Doch die Toten und die schwer erkrankten Menschen von Tschernobyl und auch von Fukushima, die verstrahlten Landschaften – all das hat vielerorts nicht zu einem Umdenken geführt.
  • Doch man darf sich keinen Illusionen hingeben: Die Atomkraft ist nicht zu bändigen, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.

Berlin. Als am 26. April 1986 das Atomkraftwerk von Tschernobyl explodiert, konnte die Welt das noch auf die Probleme einer sozialistischen Mangelwirtschaft unter den Bedingungen des kalten Kriegs schieben. Bei der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima am 11. März 2011 zog dieser bequeme Erklärungsversuch aber nicht mehr. Selbst einem technologisch hoch entwickelten Land wie Japan gelang es nicht, die Gefahren der Atomkraft zu bändigen.

Es war Bundeskanzlerin Angela Merkel, die daraus die richtigen Schlüsse zog. Die Physikerin war bis zum Unfall in Fukushima selbst glühende Verfechterin der Nuklearwirtschaft. Ihre schwarz-gelbe Koalition hatte 2010 den von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossenen Atomausstieg wieder aufgehoben.

Doch auf der Pressekonferenz kurz nach der Katastrophe in Japan war der Kanzlerin ihr Entsetzen anzusehen. Einige Tage später handelte sie gewohnt pragmatisch: Der Ausstieg vom Ausstieg wurde rückgängig gemacht ...

 

*

 

25.04.2021 - Zum 35. Tschernobyl-Jahrestag: Erfolgreiche Radtour zum THTR!

Auf dem Weg durch Hamm-Uentrop bewunderten alle den Hindu-Tempel

Einen Tag vor dem Tschernobyl-Jahrestag fand in Hamm am Sonntag eine der größten Anti-Atomkraft-Demonstrationen der letzten Jahre statt. Die Bürgerinitiative Umweltschutz Hamm und Hamm gegen Atom veranstalteten eine Fahrradtour zum Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR) nach Uentrop. Treffpunkt der FahradfahrerInnen war der Willy-Brandt-Platz am Hammer Hauptbahnhof. Anschliessend fuhren wir Richtung Uentrop, um am Hindutempel auf die FreundInnen aus Beckum und Ahlen zu treffen und gemeinsam zum stillgelegten THTR zu fahren.

80 Drachenflüsterer besuchen den DrachenDie über 80 FahrradfahrerInnen gedachten nicht nur der Tschernobyl-Katastrophe in Russland im Jahr 1986, sondern erinnerten an den zeitgleichen Störfall im THTR, wo radioaktive Kugelbrennelemente sich im Rohrsystem des Reaktors verklemmt hatten. Bei dem Versuch sie freizublasen wurden sie zerstört und teilweise als Staub hinausbefördert, was zu einer erhöhten Strahlenbelastung in der Umgebung führte. Benigna Grüneberg erinnerte in ihrer Rede anschaulich, dass damals davon abgeraten wurde, Kinder im Sand spielen zu lassen, Gastronomen verstrahlte Lebensmittel vernichten mussten und BäuerInnen ihre Tiere nicht weiden lassen konnten.

Drache zu Boden geflüstertWerner Jäger-Kersting betonte für die BI Umweltschutz an die zahlreichen Aktionen, Großdemonstrationen und Blockaden, die von uns in der Zeit von 1986 bis 1989 durchgeführt worden sind, um diesen Pleitereaktor endlich stillzulegen. Viele der TeilnehmerInnen von damals waren nach 35 Jahren wieder auf dem Platz und erinnerten sich an den Schrecken, aber auch an den erkämpften Erfolg und gaben diese Erfahrungen an die Jüngeren weiter. Die Anti-Atom-Bewegung präsentierte sich an diesem Tag am THTR immer noch erstaunlich vital!

 

*

 

Gewalt gegen Aktivisten weltweit

25.04.2021 - »Firmen beauftragen Mörder, um Umweltschützer töten zu lassen«

Umweltschützer in Ländern wie Kolumbien, Brasilien und den Philippinen kämpfen gegen illegale Abholzung, Bergbau und andere Megaprojekte, die ihr Land zerstören. Ihren Einsatz bezahlen sie oft mit dem Leben.

Die Nichtregierungsorganisation Global Witness hat in ihrem 2020 veröffentlichten Bericht »Defending Tomorrow« ein Rekordhoch von Morden dokumentiert: Allein im Jahr 2019 wurden weltweit 212 Menschen, die Umwelt, Tiere oder ihr Land verteidigten, umgebracht – durchschnittlich mehr als vier pro Woche. Und das ist nur die offizielle Statistik: Die Organisation geht davon aus, dass die Mordrate tatsächlich höher ist; Morde in Ländern und Regionen, in denen die Arbeit von Presse und Nichtregierungsorganisationen eingeschränkt ist, bleiben undokumentiert.

In keinem Land der Welt wurden mehr Umweltaktivisten ermordet als in Kolumbien. Doch auch die Philippinen und Brasilien sind für sie besonders gefährliche Regionen.

Die Organisation wertet derzeit die jüngsten Daten aus der Pandemiezeit aus – klar ist bereits, dass das Risiko nicht gesunken ist, im Gegenteil. »Die Morde gehen weiter«, sagt Alice Harrison von Global Witness ...

 

*

 

25.04.2021 - Litschauer: Tschernobyl als Mahnung - Atomenergie ist das Risiko nicht wert

Grüne: 4 Prozent der globalen Energieerzeugung versus Gefahr für Hunderttausende

Wien (OTS) - „Die Nacht des 26.4.1986 hat mit einem Schlag die Welt verändert und ging ins kollektive Gedächtnis der ganzen Welt ein. Die größte Nuklearkatastrophe aller Zeiten hat auch hier in Österreich, 1000 km entfernt, 13 Prozent der Böden stark radioaktiv belastet ...

„Besonders betroffen macht es mich daher, wenn die Atomlobby probiert, diese Tragödie durch gezinkte Zahlen herunterzuspielen. Die in sozialen Netzwerken kolportierten 60 Strahlentoten durch den Tschernobyl-Supergau sind blanker Hohn für die Zehntausende von Menschen, die an den Spätfolgen gestorben, oder erkrankt sind. Die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges (IPPNW) gehen gar von 100.000 Toten und bis zu 900.000 Invaliden aus. Genau feststellen kann das niemand, aber feststeht, dass Tschernobyl nach 35 Jahren immer noch tötet“, sagt Litschauer ...

 

*

 

Weltspiegel - Umland von Tschernobyl

25.04.2021 - Leben mit der Strahlung - und der Angst

Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wurden Zehntausende Menschen umgesiedelt. Die Dörfer rings um die Sperrzone sind längst wieder bewohnt. Doch an der Gefahr hat sich nichts geändert.

Die die Belastung von Boden, Blättern und Baumrinden in der Sperrzone rund um die Atomrunie von Tschernobyl ist hoch. Bei Waldbränden in der Vegetation rund um das Kraftwerk werden Partikel aufgewirbelt, radioaktiv verseuchter Rauch treibt in Richtung der Dörfer am Rande der Sperrzone.

So geschah es auch bei den Bränden im vergangenen Jahr. Der Schock bei den Menschen in Mahdyn, einem kleinen Dorf ein paar Kilometer von der Sperrzone entfernt, sitzt bis heute tief. "Da war dieses Geräusch, lauter als ein Zug", sagt einer der Bewohner. "Erst kam schwarzer Rauch, dann die roten Flammen. Wir sind weggelaufen."

Nun haben die Dorfbewohner sich im Gemeindezentrum versammelt und beraten über den Wiederaufbau, wie es überhaupt weitergehen soll. Und sie reden über ihre Angst vor der unsichtbaren Gefahr, der Strahlung.

Mykola Bukhovez, ihr Bürgermeister, drückt aus, was den Menschen in Mahdyn Sorgen bereitet: "Die Strahlung ist um das Mehrfache gestiegen, denn die ganze Radioaktivität war im Boden. Wie hoch, kann ich offiziell nicht sagen, aber wir wissen aus der Erfahrung, dass die Feuerwehrleute, die in verstrahlten Gebieten arbeiten, in der Regel krank werden." ...

 

**

 

Weiter zu: Zeitungsartikel 2021

 

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang
Aktuelles+ Hintergrundwissen

***

 

Aktuelles+

 

**

 

25.04.2021 - MiK rüstet sich für kommende wichtige Schlachten

Bei den Recherchen zu MiK - Militärisch-industrieller Komplex, Sparte Nuklearindustrie, Unterabteilung Atomlobby - habe ich mehrere interessante Artikel gefunden, die darauf hinweisen, dass MiK im Wahljahr 2021 fieberhaft an einem grundlegenden Strategiewechsel in der Kommunikation arbeitet.

1. Statt wie bisher ausschließlich als homogener Block bekannter, klar interessengeleiteter und scheinbar hochoffizieller mächtiger Institutionen aufzutreten (IAEA, WNA, WANO, Deutsches Atomforum, etc.), erscheinen sie nun zusätzlich als ein bunte Truppe von vielen kleinen, neu gegründeten NGOs, die den Anschein einer breiten Bürgerbewegung erwecken sollen. Die personellen Überschneidungen klären jedoch das Bild, die Mitglieder der neuen NGOs sind genauso wie die Mitglieder der altbekannten Lobbyorganisationen Angestellte, Ex-Angestellte und / oder deren Angehörige, Nutznießer der Atomindustrie.

2. Kommunikationswissenschaftler und Werbeprofis werden angeheuert, um dem Wolf die Kreide zu füttern. Hinweise auf Gefahren und Risiken der Uranwirtschaft werden ebenso wie alle harten Fakten aus sämtlichen Ansprachen gestrichen; stattdessen wird ganz offensiv und lautstark die unbestreitbare Notwendigkeit von Atomkraftwerken zur Abwendung der Klimakrise behauptet. Auch vom medizinischen Fortschritt und all den noch nicht absehbaren Errungenschaften, die uns die Atomforschung in Zukunft noch bringen wird, ist viel die Rede. All diese eher diffusen Annahmen und Ankündigungen werden als unwiederlegbare Tatsachen dargestellt. Und immer wieder der wenig dezente Wink mit dem Zaunpfahl, dass jeder klar denkende Mensch dies doch erkennen muss ...

Wer es wagt, dem zu widersprechen, kann also nicht ganz bei Sinnen sein.

Die Angst der Atomindustrie vor dem Machtverlust ist durchaus verständlich, denn die Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien ist atemberaubend und es ist offensichtlich, dass die Erneuerbaren die Atomenergie eher früher als später vom Energiemarkt verdrängen werden.

Atomkraftwerke braucht es nur für Atombomben.

Bis vor 35 Jahren waren noch mehr als 70 der fast 200 Länder weltweit bereit, in Atomenergie zu investieren. Heute betreiben noch 56 Länder aktive Forschungsreaktoren, und von diesen 56 haben nur noch 32 kommerzielle Kernkraftwerke am Netz. Einige dieser Länder haben bereits ihren Ausstieg aus der Uranindustrie angekündigt. Die MiK muss sich also beeilen, wenn Deutschland in 1 ½ Jahren aussteigt, fällt ihnen ein ganz wichtiger Stein aus der Krone. Die Zeit drängt, wenn der erste Stein fällt, ist wie beim Dominoeffekt, das Spiel gelaufen (Kettenreaktion). Das Ende der Atomenergie beschleunigt sich mit jedem Mitglied der Atomgemeinde, das "von der Fahne geht".

Gegenwärtig stellt sich die Situation wie folgt dar: Zuckerbrot und Peitsche für alle

Je nach Bedarf werden traditionelle Methoden der schwarzen Pädagogik in modernisierter Form eingesetzt.

MiKs Propagandaabteilung malt den lieben Kindern schöne, phantastisch bunte Bilder einer rosigen Atomzukunft.

Den Eltern, Großeltern und den nicht ganz so lieben Kindern werden andere Visionen präsentiert: Eine graue, von Zombies heimgesuchte Welt ohne Ordnungskräfte, Militär, (Atom-)Industrie, Arbeitsplätze und Sicherheit, also "no future" für die folgenden Generationen.

Währenddessen erhöhen hohe Militärs, Politiker, Beamte, Journalisten und andere Angestellte - Nutznießer des Systems MiK - den Druck auf Andersdenkende, Bar für Bar; natürlich ohne Quittung und sicher auch ohne nachweisbare Spuren zu hinterlassen.

Lügen und Betrügen? Na logisch, funktioniert doch!

Uran wird als Rohstoff der Zukunft hochgejubelt und gleichzeitig werden Uranminen geschlossen, weil der Preis unter den Wert gefallen ist, der den Betrieb der Minen decken würde. Im Januar 2011 lag der Uranpreis bei 60 US-Dollar, im Januar 2021 ist er bei 30 US-Dollar.

Atomkraft wird als das Mittel zur Bewältigung der Klimakrise angepriesen, obwohl eigentlich allen klar ist, dass das nicht stimmt. Da bleibt kein blaues Auge trocken, wenn auf EU-Ebene ganz unverhohlen hartes Powerplay gespielt wird.

Dieses Jahr wird viel gewählt

Also werden wieder alle, ganz besonders die hässlichsten Vögel der politischen Kaste, professionell aufgehübscht. Meistens reicht schon ein wenig Stilberatung und Photoshop, aber wenn nötig, kommt auch die Grundsanierung mit dem Skalpell zum Einsatz. Mit den neuen Bildern in allen Medien werden die Wölfe dann als scharfe Rotkäppchen in den Wahlkampf geschickt.

Mittel für all diese Maßnahmen hat MiK in der Vergangenheit schon reichlich gesammelt. Und beim aktuellen Kampf um die Atomenergie geht es um den Zugriff auf weitere zig Milliarden Steuergelder für die nächsten 50 Jahre.

Aber keine Angst, erst wenn das alles nicht mehr reicht, wird MiK die Truppen aufmarschieren lassen ...

 

**

 

Weiter zu: Zeitungsartikel 2021

 

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang
Aktuelles+ Hintergrundwissen

***

 

Hintergrundwissen

 

**

 

reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Wer zahlt für den nächsten Super-Gau? 

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

*

 

Die Suche in der reaktorpleite.de mit dem Suchwort 

     
  Super-Gau  
     

 

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

25.04.2017 - Unfall in grenznahem AKW Niemand haftet für den Super-GAU

Artikel von Jürgen Döschner aus www.tagesschau.de

Tihange, Fessenheim, Temelin - Deutschland ist umgeben von alten Atomkraftwerken. Die Angst vor einem schweren Unfall steigt. Neue Studien zeigen nun: Die Opfer eines Super-GAU würden weitgehend auf den Schäden sitzen bleiben.

Atomkatastrophen verursachen gigantische Schäden - auch finanziell. Allein Tepco, der Betreiber des AKW Fukushima, hat bislang rund 60 Milliarden Euro Schadenersatz gezahlt. Im dichtbesiedelten Europa wären die Schäden bei einem Super-GAU noch größer und würden weit über die Grenzen hinweg spürbar sein. Um die Haftung in solchen Fällen zu regeln, gibt es gleich fünf internationale Abkommen.

"Das Problem dabei ist nur, dass die zu erwartenden Kosten um ein Vielfaches höher sein werden, als die in den Abkommen festgelegten Haftungssummen und Deckungsvorsorgesummen", sagt Lena Reuster, Wissenschaftlerin beim "Forum Ökologische und Soziale Marktwirtschaft" (FÖS). "Die Kosten eines Super-GAU liegen eher im dreistelligen Milliardenbereich, und die Haftungsgrenzen der Betreiber, die liegen eher im dreistelligen Millionenbereich."

Reuster ist Autorin einer Studie zum Thema. Berechnungen zeigen, dass ein Super-GAU wie der in Tschernobyl oder Fukushima, Kosten in Höhe von 100 bis 400 Milliarden Euro verursacht. Haften müssen die AKW-Betreiber jedoch in den meisten Staaten nur bis zu einer Obergrenze von unter einer Milliarde, lediglich in Belgien und den Niederlanden sind es 1,2 Milliarden Euro ...

 

*

 

Wenn über Atomunfälle gesprochen wird, so geht es meist um Fukushima 2011 und Tschernobyl 1986. Schon der Unfall in Harrisburg 1979 ist uns irgendwie nicht mehr so richtig in Erinnerung, obwohl die Freisetzung von Radioaktivität in Harrisburg mehr als doppelt so hoch war wie in Fukushima. Dann wären da noch Majak und Windscale/Sellafield, beide im Jahre 1957 usw. ...

 

NAMS - Nuclear Accident Magnitude Scale

bewertet die Schwere eines Atomunfalls anhand der Freisetzung von Radioaktivität (sortiert nach Release TBq), die Kosten in Millionen US-Dollar beziehen sich auf den Dollarkurs von 2013 …

 

Das dreckigste Dutzend:

 

Date

Location

Release TBq
Terabecquerel
NAMS

INES

Cost
(mil. US$)
April/26/1986 Tschernobyl, Ukraine 5,2 Mio. 8 7 32078.5
März/28/1979 Three Milles Island, USA 3,7 Mio. 7,9 5 2773.4
März/11/2011 Fukushima, Japan 1,59 Mio. 7,5 7 166088.7
Sept./29/1957 Majak, Kyshtym, USSR 1,0 Mio. 7,3 6 2351.4
Sept./11/1957 Rocky Flats, USA 7800 2,3 5 8189.0
April/01/1967 Majak, USSR 5600 5 5 0
April/06/1993 Seversk, Tomsk 7, Russia 3500 4,8 4 51.4
Okt./07/1957 Windscale, UK 1786 4,6 5 89.9
März/25/1955 Sellafield, UK 1000 4,3 4 4400
Mai/01/1968 Sellafield, UK 550 4 4 1900
Juni/19/1961 Sellafield, UK 540 4 3 800
April/10/2003 Paks, Hungary 360 3,9 3 42.8
           

 

Die gesamte Liste herunterladen: 

NAMS + INES - Nuclear Power Accidents (PDF)

 

**

 

Wikipedia

 

Super-Gau - Auslegungsüberschreitende Störfälle

Als auslegungsüberschreitende Störfälle werden Unfälle bezeichnet, bei denen stärkere Belastungen auftreten als beim oben definierten Auslegungsstörfall. Bei einer Freisetzung von Radioaktivität jenseits der gesetzlich festgelegten Grenzwerte ist definitionsgemäß der Rahmen des Auslegungsstörfalls überschritten, es handelt sich um einen auslegungsüberschreitenden Störfall.

Streng genommen erfüllt ein Unfall ab der INES-Stufe 5 diese Bedingung. Ein auslegungsüberschreitender Störfall mit INES-Stufe 5 ereignete sich beispielsweise 1957 im britischen Nuklearkomplex Sellafield (früher Windscale, siehe Windscale-Brand) und auch im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island (1979). Es ist jedoch in der Politik beziehungsweise Presse üblich, erst schwere und katastrophale Unfälle als „Super-GAU“ zu bezeichnen (INES 6 und INES 7). Bekannteste Beispiele für Super-GAUs sind die Katastrophen von Fukushima (2011) und Tschernobyl (1986). In manchen Fällen wurden der Standort und seine Umgebung auf lange Zeit unbewohnbar, beispielsweise die vier Kilometer vom Kernkraftwerk Tschernobyl gelegene Stadt Prypjat.

Maßnahmen für den Fall auslegungsüberschreitender Störfälle sind im Notfallhandbuch des jeweiligen Kraftwerks festgelegt. Mögliche auslegungsüberschreitende Störfälle werden außerdem in die Katastrophenschutzplanungen der Behörden einbezogen. Durch Stresstests können zudem die Sicherheitsreserven ermittelt werden, die bei auslegungsübergreifenden Störfällen noch zur Verfügung stehen, um etwaige Auswirkungen auf die Umwelt zu mindern.

Durch einen auslegungsüberschreitenden Störfall geht in der Regel die Investition in die betroffene kerntechnische Anlage vollständig verloren. Kosten für Notfallmaßnahmen, für die Beseitigung der Unfallschäden (soweit möglich) und volkswirtschaftliche Kosten (beispielsweise durch zusätzliche Krebserkrankungen) können die bis dahin erwirtschafteten Betriebsgewinne um ein Vielfaches überschreiten. Diese Risiken versichert kein Versicherungsunternehmen; den größten Teil tragen die Staaten, also deren Steuerzahler.

 

**

 

AtomkraftwerkePlag

 

Weitere Atomunfälle und Störfälle

"Die Geschichte lehrt dauernd, aber sie findet keine Schüler."
(Ingeborg Bachmann)

Neben den Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl haben sich weitere Atomunfälle ereignet, die zu großen radioaktiven Verseuchungen führten, wie in Majak oder Tomsk, oder Störfälle, die nur aufgrund glücklicher Umstände nicht in einem GAU endeten. Allein diese Ereignisse müssten ausreichen, die Gefahren der Nutzung "friedlicher" Atomenergie vor Augen zu führen.

Nach einer Schätzung aus dem Jahr 2012 verursachten die Unfälle zusammen mit den Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima Kosten in Höhe von 471 Mrd. US-Dollar ...

 

**

 

Weiter zu: Zeitungsartikel 2021

 

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang
Aktuelles+ Hintergrundwissen

***

Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm
Verwendungszweck: THTR Rundbrief
IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79
BIC: WELADED1HAM

***


SeitenanfangPfeil nach oben - Hoch zum Seitenanfang


***

 

GTranslate

deafarbebgzh-CNenfifrelhiitjaltmsplptruessvthtr
high-power-derfilm.jpg