Newsletter XVI

13. - 15. April 2021

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Sind Atom und Gas nachhaltig?

15.04.2021 - EU-Kommission drückt sich um Entscheidung

Die Europäische Union will bestimmen, was künftig als grüne Geldanlage gilt. Doch ausgerechnet bei Gas- und Atomstrom, der als besonders umstritten gilt, hat sich Brüssel nun vertagt.

Eigentlich sollten die neuen Regeln aus Brüssel endlich für Klarheit sorgen: Ab kommendem Jahr soll in Europa eine Art »Öko-Ampel« gelten, die festlegt, welche Technologien nachhaltig sind und welche nicht. Die sogenannte EU-Taxonomie soll etwa Investoren die Auswahl von Anlagezielen leichter machen.

Doch in dem Brüssler Entwurf für die Taxonomie werden ausgerechnet zwei kontroverse Technologien ausgeklammert. Man plane einen separaten Vorschlag dazu, »wie bestimmte wirtschaftliche Aktivitäten, primär im Energiesektor, zur Dekarbonisierung beitragen«, heißt es in dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt. Jetzt soll bis Dezember geklärt werden, ob Atom und Gas die Kriterien für nachhaltige Investments erfüllen ...

 

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15.04.2021 - Milliarden fürs Militär – und Millionen Menschen hungern

138’700 Dollar pro Minute werden weltweit für Atomwaffen ausgegeben. Mit 40 Cent pro Tag könnte man ein hungerndes Kind ernähren.

Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI wurden im Jahr 2019 weltweit rund 1917 Milliarden US-Dollar für Militär und Rüstung ausgegeben. Das sind 241 US-Dollar pro Kopf der Weltbevölkerung, 66 Cent pro Tag. Zum Vergleich: Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen brachte im gleichen Jahr 8 Milliarden US-Dollar zusammen. Mit diesen Mitteln unterstützte die Organisation 97 Millionen Menschen in 88 Ländern. Trotzdem hungern weltweit 690 Millionen Menschen und zwei Milliarden leiden an Mangelernährung.

Etwa 3,1 Millionen Kinder unter 5 Jahren sterben jährlich durch Hunger, alle 10 Sekunden verhungert ein Kind. Mit 40 Cent könnte das UN-Welternährungsprogramm eines dieser Kinder einen ganzen Tag lang ernähren. Das würde pro Jahr 452,6 Millionen US-Dollar kosten. Rechnen wir grosszügiger mit einem Betrag von 10 US-Dollar pro Tag und Kind, würde das pro Jahr 11,315 Milliarden US-Dollar kosten ...

 

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Früher oder später werden sie sich alle an Ihren eigenen Worten messen lassen müssen.

Chinas Außenministerium:

14.04.2021 - Japan darf die Welt nicht für die Entsorgung von Atomabwässern zahlen lassen

Japan darf die Welt nicht für seine Entsorgung von den radioaktiv kontaminierten Abwässern des Fukushima-Atomkraftwerks zahlen lassen.

Der Sprecher des chinesischen Außenamtes Zhao Lijian sagte dazu vor Medienvertretern am Mittwoch in Beijing weiter, der Ozean sei nicht Japans Mülleimer und der Pazifik nicht Japans Kanalisation.

Zur Aussage, dass die japanische Seite um die Erlaubnis der USA gebeten hatte, bevor Japan diese Entscheidung getroffen habe, betonte Zhao Lijian, dass die Erlaubnis der USA keine Erlaubnis der internationalen Gemeinschaft sei. Zudem sei kaum zu erwarten, dass die USA der japanischen Seite ihre Dankbarkeit ausdrückten. Die USA sollten vom Schutz der maritimen Umwelt und der menschlichen Gesundheit und Sicherheit ausgehen und die japanische Seite auffordern, die Entsorgung von Atomabwässern auf ehrliche, wissenschaftliche und verantwortungsvolle Weise zu behandeln, anstatt prinzipienlos zu sein und mit Doppelmoral vorzugehen, so der chinesische Sprecher ...

 

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14.04.2021 - SPD winkt EU-Kampfdrohne durch

Ab 2030 will die Luftwaffe über eine "europäische Drohne" verfügen, die aufklären, abhören oder angreifen kann. Das Waffensystem könnte weltweit exportiert werden

Der Deutsche Bundestag hat heute die Entwicklung und Beschaffung der Eurodrohne auf den Weg gebracht. Zur Abstimmung stand eine sogenannte 25 Millionen-Vorlage der Regierungskoalition von CDU/ CSU und SPD im Haushaltsausschuss, auch der Verteidigungsausschuss hat dazu heute Vormittag seine Zustimmung gegeben. Erwartungsgemäß stimmten die Koalition und die AfD für den Antrag, die FDP enthielt sich, während Die Linke und Grüne dagegen waren. Damit ist der Weg frei für die Serienproduktion eines neuen unbemannten Systems, das ab 2029 an die derzeit beteiligten Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien ausgeliefert werden soll.

Die nun beschlossene Vorlage zur "Industrieunterstützung für den Anfangsflugbetrieb" erlaubt dem Verteidigungsministerium die Unterzeichnung eines Vertrags mit der deutschen Rüstungssparte von Airbus. Der europäische Konzern übernimmt als Hauptauftragnehmer die Endmontage und arbeitet dafür mit den Firmen Dassault Aviation (Frankreich) und Leonardo (Italien) zusammen. Das Gesamtprojekt kostet mindestens 7,6 Milliarden Euro, auf Deutschland entfällt die Hälfte dieser Summe ...

 

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14.04.2021 - Gegen Atommülltransporte: Aktionsbündnis lobt Gemeinderäte

Atomkraftgegner loben Gemeinderäte für ihre Haltung gegen Atommülltransporte von Würgassen nach Grafenrheinfeld. Und fordern gleichzeitig mehr Engagement.

Als positiv wertet das Schweinfurter Aktionsbündnis gegen Atomkraft (SWAB) die jüngsten Beschlüsse von Gemeinderäten, sich gegen die möglichen Transporte von schwach- und mittelradioaktivem Atommüll von Würgassen nach Grafenrheinfeld auszusprechen. Es begrüße, dass sich die Mitglieder – wie etwa in Waigolshausen und Werneck – mit den Risiken und Gefahren von Atommüll auseinandersetzten und der Sicherheit der Bevölkerung den Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen einräumten, heißt es in einer Mitteilung.

Dem Bündnis genügt dies aber nicht: Es erhoffe sich von den hiesigen Kommunalpolitikern "die konsequente, erweiterte kritische Auseinandersetzung" mit dem Thema. Und es baue auf die Unterstützung der SWAB-Forderung, dass kein freigegebenes Material aus dem Abbau des ehemaligen AKW Grafenrheinfeld in den Wertstoffkreislauf gelangt bzw. wie Hausmüll deponiert oder verbrannt wird ...

 

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13.04.2021 - Tritium zwischen Tatsachen und Wissenschaftsleugnung

Gereinigtes Kühlwasser aus Fukushima Daiichi soll in den Pazifik entlassen werden. Aber Warnungen vor einer angeblichen Umweltkatastrophe basieren auf alternativen Fakten.

In Japan ist beschlossen worden, das gesammelte Wasser von der Kühlung der havarierten Reaktoren in Fukushima Daiichi nach einer gründlichen Reinigung ins Meer abzulassen. Die gesammelte Menge wächst wegen eindringendem Grundwasser täglich um 150 Kubikmeter, wodurch die Tankkapazitäten von 1,3 Millionen Kubikmetern auf dem Gelände bis Ende 2022 erschöpft wären. Der Plan ist nun, das Wasser über wenigstens sieben Jahre verteilt ins Meer fließen zu lassen.

Nach der Reinigung erfüllt das Wasser mit einer Ausnahme alle Kriterien für Trinkwasserqualität. Die Ausnahme ist Tritium, eine radioaktive Form des Wasserstoffs. Es ist chemisch fast identisch mit Wasserstoff im Wasser und lässt sich deshalb nicht ausfiltern. Das in Fukushima Daiichi gelagerte Wasser enthält rund 2,2 Gramm Tritium. Es entsteht als Nebenprodukt bei der Kernspaltung in Brennelementen und im Reaktorkühlwasser. Aber es entstehen auch jedes Jahr rund 200 Gramm Tritium durch die kosmische Strahlung in der Erdatmosphäre.

Aus der Halbwertszeit von 12,3 Jahren lässt sich berechnen, dass sich zu jedem Zeitpunkt rund 3.400 Gramm natürliches Tritium auf der Erde befinden, fast ausschließlich in den Ozeanen. Vor dem Unfall von Fukushima Daiichi wurde in Japan jedes Jahr rund ein Gramm Tritium aus den Kernkraftwerken in die Umwelt entlassen. Hinzu kamen weitere 4 Gramm aus den Aufbereitungsanlagen. Ähnliches gilt auch für Großbritannien und Frankreich. Dabei emittiert die Aufarbeitungsanlage La Hague in Frankreich mit rund 40 Gramm pro Jahr die mit Abstand größte Menge ...

 

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Bündnis fordert Ende für Endlager:

13.04.2021 - Alle gegen Konrad

Bei der Forderung nach dem Aus für Schacht Konrad in Salzgitter ziehen auch der CDU-Oberbürgermeister, die IG Metall und das Landvolk mit.

Jahrzehntelang wurde der Salzstock Gorleben auf seine Tauglichkeit als Endlager für die hochradioaktiven Abfälle erkundet. Im September flog er von der Liste der infrage kommenden Standorte. Nun will die Anti-Atom-Bewegung mit Schacht Konrad eine weiteres nukleares Langzeitprojekt kippen.

Das ehemalige Eisenerzbergwerk Konrad in Salzgitter wird von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) zum Endlager für schwach und mittelradioaktive Abfälle ausgebaut. Es soll bis zu 303.000 Kubikmeter Atommüll aufnehmen, die Inbetriebnahme ist nach immer neuen Verzögerungen nun für 2027 geplant. Aktuell werden die Baukosten mit 4,2 Milliarden Euro beziffert – ursprünglich waren einmal 900 Millionen Euro kalkuliert worden.

77 Anti-Atom-Initiativen sowie mehrere Umweltverbände fordern das Aus für Schacht Konrad. Die Pläne für dieses Endlager stammten aus den 1970er-Jahren, heißt es in der gestern verbreiteten Erklärung. Es habe für Konrad niemals ein vergleichendes Auswahlverfahren gegeben. Nach heutigem Stand von Wissenschaft und Technik wäre das Endlager nicht mehr genehmigungsfähig ...

 

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Klima- und Umweltargumente „ignoriert“:

13.04.2021 - Umwelthilfe reicht Klage gegen Weiterbau von Nord Stream 2 ein

Die Deutsche Umwelthilfe hat eine Klage gegen den Weiterbau der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 beim Hamburger Verwaltungsgericht eingereicht. Nach Ansicht der DUH werden Klima- und Umweltargumente beim Bau der Pipeline ignoriert.

 

Die Klage richtet sich gegen die Genehmigung der Bauarbeiten durch das zuständige Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), wie die DUH am Dienstag mitteilte. Ein Sprecher des Verwaltungsgerichts bestätigte den Eingang. Nach Ansicht der DUH werden Klima- und Umweltargumente beim Bau der Pipeline ignoriert.

Das BSH hatte zuvor Widersprüche der DUH und des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gegen eine Baugenehmigung von Mitte Januar zurückgewiesen. Die Behörde hatte Nord Stream 2 damals den sofortigen Weiterbau in deutschen Gewässern erlaubt ...

 

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13.04.2021 - Nuklearkatastrophe von Fukushima: Kontaminiertes Wasser ins Meer

Japan will in zwei Jahren rund eine Million Tonnen radioaktives Wasser ins Meer leiten. Die Internationale Atomenergiebehörde hat das gebilligt.

Japan wird über eine Million Tonnen aufbereitetes Wasser aus dem Unglücksreaktor von Fukushima ins Meer leiten. Regierungschef Yoshihide Suga gab diese Entscheidung zur Entsorgung des Wassers am Dienstag bekannt. Die Pläne haben bereits Proteste bei Umweltschützern, Fischern und Landwirten der Region ausgelöst sowie Besorgnis in Peking und Seoul. Das Ablassen des Wassers wird voraussichtlich Jahre dauern.

Die Entscheidung soll einen jahrelangen Streit um hunderttausende Tonnen Wasser beenden, das unter anderem zur Kühlung der Atomanlage nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe im Jahr 2011 verwendet worden war. Das Wasser wurde nach japanischen Angaben einem umfangreichen Filterungsprozess unterzogen, um die meisten radioaktiven Isotope zu entfernen. Das Isotop Tritium bleibt dabei jedoch zurück. Für Menschen ist es laut Experten nur in sehr hohen Dosen schädlich.

Aktuell haben sich rund 1,25 Millionen Tonnen Wasser in der Anlage von Fukushima angesammelt. Die Internationale Atomenergiebehörde hat den Vorschlag für das Ablassen des aufbereiteten Fukushima-Wassers bereits gebilligt. Wie die Regierung am Dienstag mitteilte, sollen die Arbeiten zum Ablassen des verstrahlten Kühlwassers in etwa zwei Jahren beginnen ...

 

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13.04.2021 - Windkraftgegner tritt ab

Mitglied des CDU-Wirtschaftsflügels zieht sich wegen Vorwürfen aufgrund seiner Nebentätigkeiten zurück

Und noch ein CDU-Abgeordneter zieht sich zurück. Während alles auf die Kandidatensuche der Union schaut, kündigte am Wochenende mit Joachim Pfeiffer ein weiteres Mitglied der Garde der Energiewende-Verhinderer seinen Abschied auf Raten an.

Pfeiffer ist Mitglied des Bundestages und dort bisher energie- und wirtschaftspolitischer Sprecher der Unionsfraktion. Ein Amt, das er am Wochenende niederlegte. Zugleich gab er auch seine bereits erfolgte Nominierung für den Urnengang im September im baden-württembergischen Wahlkreis Waiblingen zurück, wie unter anderem der Spiegel berichtet.

Pfeiffer war in den letzten Wochen wie einige weitere seiner Fraktionskollegen wegen seines Geschäftsgebahrens unter Druck geraten. Nach einem Bericht der Zeit scheint Pfeiffer sein Wahlkreisbüro in Waiblingen zumindest auch als Anlaufstelle für die von ihm geleiteten Unternehmen "Dr. Joachim Pfeiffer Consulting" und "Maconso GmbH" genutzt zu haben ...

 

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13.04.2021 - Gaskraftwerk: Ist der Strom aus Erdgas nachhaltig?

Artikel aus utopia.de

Gaskraftwerke setzen Treibhausgase frei, dennoch nehmen sie bei der Energiewende eine besondere Stellung ein. Worum es dabei geht und wie nachhaltig die Methode ist, liest du hier.

Gaskraftwerke sollen die Energiewende begleiten

Gaskraftwerke sind Teil des Stromnetzwerks in Deutschland. Die bestehenden Anlagen arbeiten hauptsächlich mit Erdgas, das zu den fossilen Brennstoffen gehört. Wie auch bei Kohle oder Erdöl entstehen dabei klimaschädliche Treibhausgase und CO2-Emissionen. Diese bewirken, dass sich die Erde zunehmend erwärmt und beschleunigen somit den Klimawandel.

Die Energiewende soll die Stromerzeugung ohne fossile Brennstoffe bewerkstelligen. Das Umweltbundesamt (UBA) nennt das Energieziel für 2050: Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Dafür muss ein Umbau der Energieversorgung erfolgen. Wind- und Solaranlagen ersetzten die alten Kraftwerke, die derzeit rund 40 Prozent der energiebedingten CO2-Emissionen verantworten.

Auch wenn Gaskraftwerke Erdgas verwenden, kommt ihnen eine spezielle Position zu. Die Bundesregierung setzt beim Umbau der Stromversorgung auf die flexiblen Gaskraftwerke, um eine lückenlose Versorgung mit Strom zu gewährleisten. Wind- oder Solarstrom sind auf gewisse Wetterbedingungen angewiesen. An windigen oder sonnigen Tagen produzieren die Anlagen oftmals mehr Strom, als die Verbraucher:innen gerade benötigen. In Zeiten mit ungünstigen Wetterbedingungen dagegen reicht die aktuelle Produktion nicht immer aus. Stromspeicher können solche Schwankungen ausgleichen. Wie die Regierung erklärt, könnte es trotz Speicherung noch vorkommen, dass Lücken in der Stromversorgung entstehen. In diesen Situationen sollen Gaskraftwerke schnell einspringen und die Stromversorgung sicherstellen.

Das UBA bezeichnet daher Gaskraftwerke als Brückentechnologie. Sie sollen in den nächsten Jahren die erneuerbaren Energien ergänzen. Das UBA weist jedoch darauf hin, dass die Gaskraftwerke langfristig nicht im Einklang mit dem genannten Energieziel stehen. Gaskraftwerke sind Zug um Zug vom Stromnetz zu nehmen, sobald erneuerbare Quelle ausgebaut sind – ähnlich, wie jetzt schon alte Kohlekraftwerke stillgelegt sind.

Gaskraftwerk die schnelle Lösung für zwischendurch

Gaskraftwerke bieten sich als Übergangslösung für die Energiewende vor allem aus zwei Gründen an:

Flexibler Einsatz – Das UBA erklärt, dass Gaskraftwerke ohne lange Vorlaufzeiten Strom produzieren können. Die Kraftwerke lassen sich so schnell bei Bedarf zuschalten und speisen Strom ins Netz ein.
Wenig CO2-Emissionen – Sie setzen weitaus weniger Kohlendioxid-Emissionen (CO2) frei als Kraftwerke, die andere fossile Energieträger nutzen. Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR) liegen bei Erdgas die Kohlenstoffdioxid-Emissionen um rund 40 Prozent unter denen von Steinkohle, im Vergleich zu Braunkohle sind es sogar 50 Prozent.

Das UBA berichtet, dass die Energiewende mit den bestehenden Kraftwerken zu schaffen sei. Aus ihren Untersuchungen geht hervor, dass erst zum Ende des Jahrzehnts neue effiziente Kraftwerke benötigt würden. Dies könnten sowohl Gasturbinen- oder Gas-Dampfkraftwerke sein.

Gasturbinenkraftwerke – Die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt, dass diese herkömmliche Art der Kraftwerke mit einer Turbine arbeiten. Sie produzieren Strom, indem ein brennendes Gemisch aus Luft und Erdgas durch Turbinen strömt. Dies treibt dann Stromgeneratoren an. Dabei entstehen Temperaturen von bis zu 1.500 Grad Celsius. Die Abgase enthalten das Treibhausgas Kohlendioxid sowie Wasserdampf und Stickstoff.
Gas- Dampfkraftwerke (kurz GuD) – Diese Technologie nutzt das Erdgas gleich doppelt. Die heißen Abgase treiben zusätzlich eine Dampfturbine an, die ebenfalls Strom produziert. Damit ist ein GuD effizienter als ein Gasturbinenkraftwerk.
Kraft-Wärme-Kopplung (kurz KWK) – Hierbei erzeugen die heißen Abgase der Gasturbine Wärme. Das Bundesministerium für Energie erläutert, dass diese KWK-Kraftwerke Strom und Wärme produzieren, zum Beispiel für Fernwärme in Heizungen oder für die Industrie. Dadurch nutzen diese Anlagen das Erdgas ebenfalls besser aus und sind somit energieeffizienter.

Bei Gaskraftwerken sind die Methan-Emissionen entscheidend

Um wirklich zu beurteilen, ob Erdgas den Strom klimafreundlicher produziert, sollte in die Rechnung alle Auswirkungen auf die Umwelt einfließen.

  • Methan-Emissionen – Die BGR weist in ihrer Studie zur Klimabilanz von Erdgas darauf hin, dass Methan den größten Anteil im Erdgas ausmacht. Bei der Förderung, dem Transport und der Verarbeitung von Erdgas kann Methan immer entweichen. Lange Transportwege von Erdgas wirken sich daher durch diese Emissionen negativ für das Klima aus. Das Treibhausgas Methan zerfällt schneller in der Atmosphäre als Kohlenstoffdioxid. Allerdings hat es einen stärkeren Effekt auf die Erderwärmung. Laut Übersicht der Vereinten Nationen wirkt Methan in einem Zeitraum von 20 Jahren 56 Mal stärker als die vergleichbare Menge Kohlenstoffdioxid auf die Erderwärmung.
  • Erdgasreserven – Wie bei Kohle oder Erdöl sind die Reserven der Erde auch für Erdgas nicht unerschöpflich. Laut einem Energiebericht von BP verfügt Deutschland selbst kaum noch über nennenswerte Reserven. Den Bedarf decken daher Zukäufe aus dem Ausland. Hauptsächlich liefern Russland, Norwegen sowie die Niederlande das Erdgas an. Bei diesen Transporten durch Pipelines wiederum kann Methan in die Atmosphäre entweichen.

Damit stellt sich die Frage, wie nachhaltig die Gaskraftwerke tatsächlich sind:

  • Greenpeace wendet sich gegen die offizielle EU-Definition für nachhaltige Investitionen. Mit der EU-Klassifizierung gelten zum Beispiel Kraftwerke, deren Treibhausemissionen unter 100 Gramm CO2 pro Kilowattstunde bleiben, als nachhaltig. Einige der Gaskraftwerke können unter bestimmten Voraussetzungen den Richtwert erfüllen. In der Rechnung fehlen jedoch die Methan-Emissionen aus den vorgelagerten Prozessen, wie Förderung und Transport. Die Folgen könnten Förderungen für angeblich nachhaltige Anlagen sein, die die Klimaziele von Deutschland nicht unterstützen. Bis 2050 soll die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad Celsius ansteigen. Bei diesem Wert sehen die Forscher:innen Chancen, dem Klimawandel zu begegnen.
  • Die BGR wirft ebenfalls die Frage auf, ob nicht mit Blick auf die Methan-Emissionen der erwartete Klimavorteil von Erdgaskraftwerken verloren geht.

Gaskraftwerk: Geht es auch anders?

Die Stromherstellung durch erneuerbare Energiequellen, wie zum Beispiel Windkraft, sind wetterbedingten Schwankungen unterworfen. Dadurch entstehen Überproduktionen, die sich nicht immer sinnvoll verwenden lassen.

Greenpeace Energy berichtet von der Möglichkeit, den überschüssigen Windstrom als sogenanntes Windgas zu nutzen. Dabei wandelt ein technisches Verfahren den Windstrom zu Wasserstoff um. Dieser lässt sich so in das bestehende Erdgasnetz einspeisen.

Eine weitere Alternative, die Greenpeace nennt, ist Biogas. Allerdings ist hierbei die Herkunft der Bioabfälle, mit der die Anlage arbeitet, wichtig. Für nachhaltiges Biogas sollten tatsächlich Abfälle das Gas produzieren und keine eigens für diesen Zweck angebauten Pflanzen.

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Kann Erdgas unsere Probleme lösen?

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Die Suche in der reaktorpleite.de mit dem Suchwort 

     
  Erdgas  
     

 

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

21.01.2020 - Strom- und Ölpreise: Wir lassen uns von der Umwelt subventionieren

Artikel von Ralf Volke aus www.rnd.de

  • Es scheint, als gäbe es im Bewusstsein vieler Verbraucher so etwas wie ein natürliches Recht, auf Kosten der Umwelt zu leben.
  • Dabei werden die Konsequenzen unseres gegenwärtigen Handelns in der Zukunft sichtbar sein.
  • Die Rohstoffe sind zu billig und der Ausstoß von CO₂ hat keinen nennenswerten Preis.

... Für das Klima besonders verheerend sind dabei alle Produkte, die wir aus fossilem Kohlenstoff herstellen – wie eben Benzin oder Diesel oder den Brennstoff für Kohlekraftwerke. Es gibt unterschiedliche Berechnungen, was ein Liter Benzin kosten müsste, wenn mit dem Preis auch alle Umwelt- und Gesundheitskosten abgebildet werden sollten.

Der amerikanische Klimawissenschaftler Drew T. Shindell kam 2015 zu dem Ergebnis, dass mindestens 90 Euro-Cent Umweltaufschlag pro Liter Benzin fällig wären, wenn man die Umweltkosten einbeziehen wollte. Der Erdgaspreis müsste sich demnach ungefähr verdoppeln.

Dabei sind Shindells Berechnungen eher zurückhaltend. Es gibt andere Studien, nach denen sogar 2 bis 3 Euro Umweltaufschlag auf einen Liter Benzin fällig wären, wollte man damit auch alle Umwelt- und Gesundheitsschäden bezahlen. Man mag sich einmal vorstellen, was passieren würde, wenn jemand solche Preise an der Zapfsäule durchzusetzen versuchte ...

 

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Wikipedia

 

Gaskraftwerk

Ein Gaskraftwerk ist ein Kraftwerk, welches als Primärenergiequelle die chemische Energie aus der Verbrennung eines Brenngases nutzt. Mit Abstand am häufigsten wird Erdgas eingesetzt, daneben auch Biogas, Holzgas, Kohlegas, Kuppelgase u. a. Brenngas. Wird die Bezeichnung Gaskraftwerk ohne nähere Angabe verwendet, so handelt es sich in der Regel um Erdgas ...

Emissionen von Treibhausgasen

Gaskraftwerke verursachen im direkten Betrieb geringere Emissionen als Kohlekraftwerke. Da jedoch Erdgas größtenteils aus Methan besteht, das ein starkes Treibhausgas ist, müssen Erdgasverluste während der Förderung und dem Transport ebenfalls in die Treibhausbilanz von Gaskraftwerken mit einbezogen werden. Je nach Herkunft des Erdgases ist die Treibhausbilanz unterschiedlich groß, zumal in der Wissenschaft noch Unsicherheit über die Methanverluste der Vorlaufketten besteht. Insbesondere bestehen in der Forschung große Differenzen über die Gasverluste bei der Schiefergasförderung, bei der üblicherweise auf Hydraulic Fracturing zurückgegriffen wird ...

 

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AtomkraftwerkePlag

 

Greenwashing

Unter Greenwash oder Greenwashing (Grünfärben) versteht man, wenn Unternehmen versuchen, sich mit Hilfe von Öffentlichkeitsarbeit und PR-Kampagnen ein umweltfreundliches Image zu geben. Kein Wunder, dass sich auch Atomkonzerne, die in Deutschland und anderen Ländern ein schlechtes Ansehen haben, dieser Strategie bedienen.

LobbyControl veröffentlichte im Jahr 2007 eine Studie, in der sie Ziele und Instrumente von Greenwashing untersuchte. So zielen Unternehmen meist darauf ab, mehr Akzeptanz für ihre Geschäftsfelder zu erreichen, politische Entscheidungen zu beeinflussen oder staatliche Unterstützung zu erhalten, beispielsweise für Klimaschutzprojekte. Als Instrumente unterscheidet LobbyControl Anzeigen- und Werbekampagnen, Nachhaltigkeitsberichte, umweltfreundliche Modellprojekte und vieles mehr ...

 

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