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03. - 09. März 2021

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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09.03.2021 - Atomausstieg: Schlamperei macht sich bezahlt

Energiekonzerne nutzen Merkels schlecht organisierten Wiedereinstieg in den Atomausstieg, um Forderungen durchzusetzen. Das Wirtschaftsministerium steht ihnen hilfreich zur Seite

Der Bund wird den Betreibern der Atomkraftwerke 2,43 Milliarden Euro für das Abschalten ihrer Anlagen zahlen. Das berichtet unter anderem die Berliner Zeitung. Demnach einigte sich die Bundesregierung nach zehn Jahren Verhandlungen vor verschiedenen Schiedsgerichten mit RWE, Vattenfall, Eon und EnBW auf diese Summe, die als Ausgleich für entgangene Gewinne und umsonst getätigte Investitionen gilt.

... Unternehmen haben bei Enteignung oder erzwungener Stilllegung nicht nur einen Anspruch, den Wert der Anlagen, Immobilien etc. ersetzt zu bekommen, sondern auch die Gewinne, die ihnen nun entgehen, müssen abgegolten werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Schiedsgerichtsverfahren höchst intransparent sind. Sie finden für gewöhnlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und Deutschland wird im Falle einer gegen die Bundesrepublik gerichteten Klage für gewöhnlich vom besonders unternehmerfreundlichen Wirtschaftsministerium vertreten.

Angesichts der Nähe zu den Energiekonzernen, die dieses Ministerium in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat, könnte man durchaus den Eindruck bekommen, RWE hat über die Entschädigung mit sich selbst verhandelt.

 

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08.03.2021 - Japans nuklearer weißer Elefant

Auch zehn Jahre nach dem Reaktorunglück von Fukushima will die Regierung in Tokio nicht begreifen, dass damals auch die Atom-Strategie des Landes zerborsten ist. Dabei schafft die Realität längst neue Fakten.

Am 12. März 2011 konnte die Weltgemeinschaft live am Bildschirm verfolgen, wie Druckwellen über dem Kernkraftwerk Fukushima Daiichi erahnen ließen, wie im Innern die Reaktorblöcke explodierten. Doch auch zehn Jahre danach will die japanische Regierung noch immer nicht wahrhaben, dass damals auch die nukleare Energiestrategie des Landes zerborsten ist. Bis heute hält sie offiziell an der Kernkraftnutzung fest, doch die Realität im Stromsektor ist eine andere: In Japan ist der Ausstieg aus der Kernenergie längst im Gange.

Der Atomunfall im März 2011 löste in Japan eine Debatte um die Kernkraftnutzung aus, und es gingen, ähnlich wie in Deutschland, bis zu 200 000 Menschen auf die Straße um einen Ausstieg zu fordern. Die Regierung unter dem als Kernkraftbefürworter bekannten Premierminister Shinzo Abe lehnte einen Ausstieg jedoch mit der Begründung ab, dass die Technologie für Japans Energiesicherheit sowie eine günstige und klimafreundliche Stromversorgung unerlässlich sei. Nach jahrelangem Ringen wurden die Zielvorgaben für den Anteil der Kernkraft an der Stromerzeugung im Jahr 2030 schließlich von 53 Prozent auf 20 bis 22 Prozent gesenkt. Doch selbst diese Zahl scheint illusorisch. 2019 produzierten japanische Kernkraftwerke gerade einmal sechs Prozent des Stroms des Inselstaates ...

 

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08.03.2021 - Entschädigung für den Atomausstieg: Kritik an die falsche Adresse

Die Laufzeitverlängerung spielt bei der Entschädigung fast keine Rolle. Faktisch war der schwarz-gelbe Atomausstieg verbindlicher als der rot-grüne.

Dass die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke für deren Abschaltung jetzt noch 2,4 Milliarden Euro Entschädigung bekommen, ist ohne Frage ärgerlich. Schließlich gäbe es viele Dinge, wofür dieses Geld besser eingesetzt wäre. Doch die Kritik, die Teile von Grünen, SPD und Linken in diesem Zusammenhang an Union und FDP üben, ist unfair.

Denn darin wird meist der Eindruck vermittelt, dass die Entschädigung vor allem deshalb fällig wird, weil die konservativ-liberale Koalition 2010 die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängert hatte, bevor sie dann nach Fukushima wieder verkürzt wurde. „2,4 Milliarden Euro sind der Preis für die wenige Monate währende Laufzeitverlängerung der damaligen schwarz-gelben Bundesregierung“, kommentierte etwa Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer. Doch das ist schlicht nicht wahr ...

 

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08.03.2021 - Atombehörde stimmt neuen Reaktoren in AKW Dukovany zu

Der tschechische Energiekonzern CEZ hat eine Zustimmung der nationalen Atombehörde SUJB zur Platzierung von zwei neuen Reaktoren im Atomkraftwerk Dukovany erhalten. Das teilte CEZ-Sprecher Ladislav Kriz heute mit. Die Zustimmung gilt für zwei Reaktoren mit einer Leistung von je bis zu 1.200 Megawatt, hieß es.

Laut Kriz handelt es sich um einen der wichtigsten Vorbereitungsschritte vor der Auswahl des Technologielieferanten und vor dem Baubeginn. Die Verfassung der Dokumentation, die über 200 Studien und Analysen beinhalte, habe fünf Jahre gedauert. SUJB-Chefin Dana Drabova sagte dazu, die Bewertung habe keine Fakten ergeben, die die Erteilung einer Genehmigung verhindern würde.

Von einem äußerst schlechten Deal für die tschechische Bevölkerung sprach indes Martin Litschauer, Antiatomenergie-Sprecher der österreichischen Grünen. „Ich halte die Signale in Richtung Ausbau für fatal im Sinne einer naturverträglichen, risikominimierenden und ökonomisch-sinnvollen Energiewende“, sagte Litschauer ...

 

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Demonstration

08.03.2021 - Knapp 500 Atomgegner unterwegs

Vor dem zehnten Jahrestag der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima zogen gestern knapp 500 Demonstranten vom Kirchheimer Bahnhof zum Kernkraftwerk Neckarwestheim. Ihre Forderung: sofort abschalten. Mit der Demonstration wollten sie erneut auf die Gefahren der Atomkraftnutzung aufmerksam machen.

Kirchheim/Gemmrigheim. Unter dem Motto „AKWs abschalten sofort – weitere Energiewende jetzt“, marschierten gestern Nachmittag Hunderte Demonstranten zum Atomkraftwerk Neckarwestheim. Die Trommelgruppe „Lokomotive Stuttgart“ stimmte auf den Demonstrationszug ein, der wie in den Jahren zuvor den gleichen Weg nahm und von Polizeistreifen gesichert wurde. Es kam zu keinen Zwischenfällen. Franz Wagner vom Bündnis Fukushima-Neckarwestheim sprach von knapp 500 Teilnehmern vor Ort und 200 Sympathisanten, die ihre Beiträge eingesandt hatten.

Auf den Transpararenten und in den Grußbotschaften waren Schlagworte wie „Super-GAU in Grün“, „Legt den Schrott-Reaktor endlich still“, „Stadtwerke statt EnBW“ oder „Handeln, bevor es zu spät ist“ zu lesen ...

 

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Japan soll auf grüne Energie setzen

07.03.2021 - Mehrheit der Überlebenden der Katastrophe von Fukushima befürworten Ausstieg aus der Atomenergie

Laut einer aktuellen Umfrage befürwortet die Mehrheit der Überlebenden des Reaktorunfalls in Fukushima vor 10 Jahren Japans Ausstieg aus der Atomenergie.

Etwa 30 Prozent der für die Umfrage befragten Personen befürworten einen sofortigen Ausstieg, 52 Prozent einen schrittweisen Ausstieg.

Nur geringer Prozentsatz der Überlebenden hält Atomkraft für wichtig

Die Umfrage, die im November in den drei von der Katastrophe am stärksten betroffenen Präfekturen Iwate, Miyagi und Fukushima durchgeführt wurde, ergab, dass nur 15 Prozent für den Betrieb von Atomreaktoren in Japan sind ...

 

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07.03.2021 - CSU gegen Transport von Atommüll nach Grafenrheinfeld

Nach dem Protest der Grünen kritisiert nun auch die CSU den angedachten Transport radioaktiven Mülls nach Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt. Der Abfall stammt aus dem Abriss des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen in Nordrhein-Westfalen.

Nach dem Protest des Grünen-Landtagsabgeordneten Paul Knoblach aus Garstadt fordern nun auch die CSU-Kreisverbände Schweinfurt Stadt und Land, dass kein Müll aus dem Abriss des ehemaligen Atomkraftwerks Würgassen in Nordrhein-Westfalen in ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle am ehemaligen AKW Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt transportiert wird ...

 

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07.03.2021 - Planungen für Atomlager Würgassen laufen weiter

Die Planungen für ein Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würgassen im Dreiländereck von NRW, Niedersachsen und Hessen gehen trotz erheblicher behördlicher Bedenken weiter. Man sehe keinen Grund, von dem komplexen Vorhaben abzuweichen, für das der Zeitplan sehr eng sei, sagte ein Sprecher der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Bezirksregierung Detmold hatte im November mitgeteilt, dass das von der BGZ angestrebte Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus ganz Deutschland nicht auf dem Gelände des stillgelegten Kraftwerks errichtet werden könne.

Die Bundesgesellschaft BGZ hatte vor knapp einem Jahr angekündigt, auf dem Areal in Nordrhein-Westfalen südlich von Höxter und Fürstenberg ein «Logistikzentrum» errichten zu wollen. Schwach- und mittelradioaktive Abfälle sollten dort gesammelt und so zusammengestellt werden, dass man sie danach schnellstmöglich ins Endlager Konrad nach Salzgitter bringen könne. Dort entsteht derzeit ein Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle.

Das Areal ist aber nach Angaben der Detmolder Behörde im dortigen Regionalplan «als Fläche für Kraftwerke und einschlägige Nebenbetriebe» ausgewiesen. Eine Nutzung als Lager- und Umschlagplatz für jegliche Abfälle sei nicht zulässig ...

 

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06.03.2021 - Protest am Brandenburger Tor: Erinnerung an Fukushima

Rund 200 Atomkraftgegner erinnern an die Nuklearkatastrophe in Fukushima, die sich vor zehn Jahren ereignet hat.

In Berlin ist am Samstag an die Reaktorkatastrophe in Fukushima vor zehn Jahren erinnert worden. Vor dem Brandenburger Tor demonstrierten dabei knapp 200 Menschen gegen Atomkraft, wie die Polizei mitteilte. Dazu aufgerufen hatten unter anderem die mit dem Friedensnobelpreis prämierte Ärzteorganisation IPPNW sowie Umwelt- und Anti-Atomkraft-Organisationen wie Greenpeace Energy oder Japanese Against Nuclear.

„Atomkraft ist nicht beherrschbar, stellt ein absolut inakzeptables gesellschaftliches Risiko dar und dient weder Umwelt noch Klima, Wirtschaft oder Gesundheit“, erklärte Alex Rosen von IPPNW Deutschland. Sönke Tangermann, Vorstand bei Greenpeace Energy eG, sagte: „Atomkraft ist nicht nur gefährlich, sondern auch teurer als jede andere Energieerzeugungsart – und angesichts des immer aufwendigeren Uran-Abbaus keineswegs völlig CO2-frei.“ ...

 

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05.03.2021 - In Deutschland beginnen Vorbereitungen für nukleare Aufrüstung

Baumaßnahmen am Fliegerhorst Büchel

Die Ärzteorganisation IPPNW kritisiert die Entscheidung der Bundesregierung trotz der Pandemie und vor der Wahl am 26. September 2021, die Neustationierung von Atomwaffen in Büchel vorzubereiten. In einer Antwort an die Fraktion DIE LINKE vom 1. März 2021 bestätigt die Bundesregierung, dass 2022 Bauarbeiten am Bundeswehr Fliegerhorst Büchel an der Start- und Landebahn beginnen und bis 2026 andauern sollen. Die geplanten Kosten der Um- und Ausbaumaßnahmen betragen knapp 260 Millionen Euro.

„Während Ärzt*innen mit neuen Mutanten von Covid-19 ringen und daran arbeiten, das größte Impf- und Testprogramm in Deutschlands Geschichte durchzuführen, werden Gelder für den Einsatz von Atomwaffen von der Bundesregierung verschwendet. Das ist nicht nur verantwortungslos, das ist ein Skandal“, sagt Dr. med. Lars Pohlmeier, Arzt aus Bremen und Vorstandsmitglied der IPPNW Deutschland ...

 

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05.03.2021 - Atomausstieg: Regierung und Energiekonzerne einigen sich über Schadenersatz

Klar war bisher, dass die Energiekonzerne Ausgleichszahlungen für den Atomausstieg bekommen. Nun ist auch geklärt, um wie viel Geld es sich handelt

Die Bundesregierung hat sich mit den vier Energiekonzernen EnBW, Eon/PreussenElektra, RWE und Vattenfall über die Zahlung eines finanziellen Ausgleichs wegen des beschleunigten Atomausstiegs geeinigt. Alle damit zusammenhängenden Rechtsstreitigkeiten würden nun beigelegt, teilte die Regierung mit. Für den Atomausstieg habe das keine Folgen; es bleibe dabei, dass das letzte deutsche Atomkraftwerk spätestens Ende 2022 vom Netz geht.

Die Bundesrepublik Deutschland zahlt laut Ergebnisbericht über die Verhandlungen einen Ausgleich in Höhe von insgesamt etwa 2,428 Milliarden Euro; 1,425 Milliarden Euro gehen an Vattenfall, 880 Millionen Euro an RWE, 80 Millionen Euro an EnBW und 42,5 Millionen Euro an E.ON/PreussenElektra. Damit sollen die Reststrommengen ausgeglichen werden, die RWE und Vattenfall nicht mehr in ihren Anlagen erzeugen können. Auch geht es um den Ausgleich von Investitionen, die die Unternehmen im Vertrauen auf die 2010 in Kraft getretene Laufzeitverlängerung getätigt hatten und die wegen der Rücknahme der Laufzeitverlängerung entwertet worden seien; das betrifft EnBW, E.ON/PreussenElektra und RWE ....

 

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05.03.2021 - atomstopp: ,In Zukunft ohne EURATOM' offiziell als Petition im Europäischen Parlament registriert

Die erfolgreiche Registrierung der Petition ,In Zukunft ohne EURATOM' kann atomstopp vermelden - just am gleichen Tag, an dem auch ein Fahrplan für den mehrmals verschobenen Start der ,Konferenz zur Zukunft Europa' fixiert wurde.

»Es ist ein guter Tag für die wichtige Weiterentwicklung der europäischen Idee: Die lange verschobene ,Konferenz zur Zukunft Europas' wird nun am Europatag, dem 9. Mai starten! Die Bürger_innen der EU sind in diesem Rahmen ausdrücklich eingeladen, ihre Anliegen an die Politik zu äußern. Und die ersten hunderten Unterstützer_innen von ,In Zukunft ohne EURATOM' sind schon mal rechtzeitig mit dabei, denn unsere Petition wurde nun mit der offiziellen Registrierung durch das EU-Parlament bestätigt!« ...

 

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05.03.2021 - Zehn Jahre Reaktorkatastrophe von Fukushima: Nie wieder!

Berlin. Vor zehn Jahren vertrieb der Super-Gau im japanischen Atomkraftwerk Fukushima zehntausende Menschen aus ihrer Heimat und verstrahlte weite Gebiete. Die Folgen der Reaktorkatastrophe vom 11. März 2011 sind bis heute in Japan spürbar. Aber auch in Deutschland und Europa bedroht Atomkraft Mensch und Natur. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die BUNDjugend und unsere japanische Partnerorganisation von Friends of the Earth (FoE Japan) fordern daher: endlich abschalten – für eine nachhaltige Zukunft!

... Alexandra Struck, aus dem Vorstand der BUNDjugend: „Zehn Jahre nach Fukushima versucht die Atomlobby wieder, Atomkraft als Wundermittel gegen die Klimakrise zu verkaufen. Dabei fischt sie gerade in der jüngeren Generation nach Unterstützer*innen, denen die verheerende Reaktorkatastrophe nicht mehr so präsent ist. Daher ist es unsere Pflicht als Gesellschaft unermüdlich über die Risiken und Folgeprobleme der Atomtechnologie aufzuklären ...

 

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04.03.2021 - Rheinland-Pfalz will Parkplätze für Solarstrom nutzen

Mit einem Vorstoß im Bundesrat will Rheinland-Pfalz erreichen, dass Auto-Parkplätze verstärkt für die Erzeugung von Solarstrom genutzt werden. Das Land schlägt dafür die Integration von Solar-Carports ins Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor. Große Parkplatzflächen seien überall in Rheinland-Pfalz präsent und "stellen eine riesige ungenutzte Flächenreserve für den Ausbau der Photovoltaik dar", erklärte Umwelt- und Energieministerin Anne Spiegel (Grüne) am Donnerstag in Mainz, einen Tag vor der Bundesratssitzung in Berlin.

Bei Solar-Carports könnten auch Ladesäulen für Elektroautos direkt integriert werden, erklärte das Ministerium. Die Nutzung von bereits versiegelten Flächen für die Photovoltaik werde in weiten Teilen der Öffentlichkeit akzeptiert. "Mit der Gewinnung von Solarenergie auf Carports kann Energie vor Ort produziert, gespeichert und wieder verbraucht werden", sagte Spiegel. "Dies wäre ein Meilenstein für eine dezentrale Energiewende." ...

 

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04.03.2021 - Leck oder Bruch? Gutachter fordert, Neckarwestheim II abzuschalten

Bis Ende kommenden Jahres soll das Kernkraftwerk Neckarwestheim II noch Strom erzeugen. Doch nun warnt ein namhafter Gutachter: Das 32 Jahre alte Kraftwerk sei unsicher, es könne jederzeit zu einem schweren Unfall kommen. Dem SWR liegen seine Angaben exklusiv vor.

Schon vor zwei Jahren kam bei Routineuntersuchungen in Neckarwestheim (Kreis Heilbronn) heraus, dass es an Rohren, die radioaktives Wasser enthalten, Korrosion und Risse gibt. Das Umweltministerium kam nach Prüfung zum Ergebnis: keine Sicherheitsbedenken. Denn falls diese Rohre wirklich kaputt gingen, dann gebe es zuerst ein winzig kleines Leck, aus dem radioaktives Wasser austreten würde. Dies aber würden Sensoren erkennen und das Kraftwerk könne kontrolliert abgeschaltet werden.

Gutachter: Spezielle Art der Korrosion in Neckarwestheim

Doch genau dieser Einschätzung widerspricht der ehemalige Leiter der Abteilung "Sicherheit kerntechnischer Einrichtungen" im Bundesumweltministerium, Dieter Majer. Die Schäden an den Rohren, die radioaktives und unter extrem hohen Druck stehendes Wasser führen, seien schon 2018 als sogenannte "interkristalline Spannungsrisskorrosion" eingeschätzt worden. Diese sehr spezielle Art der Korrosion trete nur auf, "wenn drei bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, die in Neckarwestheim gegeben waren", erklärt Majer ...

 

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03.03.2021 - Nein zur Beteiligung Russlands an Brennelementefertigung in Lingen

„Bundesdeutscher Atomausstieg gerät zur Farce!“: Bundesregierung und EU müssen russisch-französische Pläne stoppen

Anti-Atomkraft-Initiativen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) protestieren gegen den geplanten Einstieg des russischen Atomkonzerns TVEL in die Produktion von atomaren Brennelementen beim französischen Atomkonzern Framatome im niedersächsischen Lingen.

Mit Unverständnis und großer Sorge nehmen Umweltorganisationen und Anti-Atomkraft-Bündnisse das Vorhaben zur Kenntnis und kündigen weitere Proteste gegen die bundesweit einzige Brennelementefabrik in Lingen sowie gegen die damit verbundenen internationalen Atomtransporte an.

Wie einer Ankündigung des Bundeskartellamts sowie Medienberichten zu entnehmen ist, liegt dem Kartellamt seit dem 12. Februar 2021 ein entsprechender Antrag zur Zusammenarbeit der französischen Framatome und der russischen TVEL vor. Framatome ist eine Tochter des staatlich-französischen Energiekonzerns EdF und betreibt die Brennelementefabrik in Lingen, TVEL ist eine Tochter des staatlich-russischen Atomkonzerns Rosatom ...

 

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Ein Trippelschritt in die richtige Richtung.

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03.03.2021 - Mehr Transparenz bei Lobbyisten: Lobbyregister kommt

Die große Koalition einigt sich doch noch auf ein Lobbyregister. Allerdings kommt es wegen der Union nur in abgespeckter Form.

BERLIN taz | Es dürften die Vorwürfe gegen den Fraktionsvizechef der Union, den CSU-Abgeordneten Georg Nüßlein, gewesen sein, die der Sache zuletzt noch einmal einen Schub verliehen haben. Nach monatelangem Ringen haben sich die Fraktionen von CDU/CSU und SPD auf die Einführung eines Lobbyregisters geeinigt. Die Pflicht zur Registrierung soll für Lobbyarbeit bei Bundestagsabgeordneten, Fraktionen und Bundesregierung gelten, wie beide Seiten bestätigten. Das Ziel: Die Arbeit von Lobbyisten transparenter zu machen.

Diese müssen sich demnach vor Kontaktaufnahme künftig in ein Register eintragen und Angaben zu ihrem Arbeit- oder Auftraggeber, zur Anzahl der Beschäftigten und zu finanziellen Aufwendungen machen. In Ministerien sollen Treffen bis hinunter zum Unterabteilungsleiter einen Eintrag in das Register nötig machen. Das Lobbyregister soll digital beim Bundestag geführt werden und öffentlich einsehbar sein. Bei Verstößen droht demnach ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro ...

 

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03.03.2021 - EU-Kommission überprüft Milliarden-Entschädigung für Kohlekonzerne

In Brüssel gibt es Zweifel, ob Ausgleichszahlungen für "entgangene Gewinne, die sehr weit in die Zukunft reichen" das laut EU-Beihilferecht "erforderliche Mindestmaß" darstellen

Die Frage, wie eigentlich die Summe der geplanten Entschädigungszahlungen an Energiekonzerne für die Stilllegung von Braunkohlekraftwerken in Deutschland zustande kommt, hat Rechtsanwältin Roda Verheyen schon vor mehreren Monaten aufgeworfen: "4,35 Milliarden Euro für was?" überschrieb sie im September einen Gastbeitrag für das Portal der Umweltorganisation Greenpeace.

Nun will auch die EU-Kommission dieser Frage nachgehen und hat am Dienstag eine "eingehende Untersuchung" eingeleitet. Der Ausgleich für den "vorzeitigen Ausstieg" aus der Braunkohleverstromung müsse auf das erforderliche Mindestmaß beschränkt werden, erklärte die für Wettbewerbspolitik zuständige Vizepräsidentin Margrethe Vestager. "Die uns bisher zur Verfügung stehenden Informationen erlauben es uns nicht, dies mit Sicherheit zu bestätigen. Daher leiten wir dieses Prüfverfahren ein." ...

 

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Bitte auch die Kommentare lesen.

03.03.2021 - AKW-Bauschutt: Unabhängige kritisieren Verharmlosung

Lübeck: Die Unabhängigen lehnen die Einlagerung von freigemessenen Bauabfällen auf der Deponie Niemark entschieden ab. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unabhängigen, Dr. Rolf Tetzlaff-Gahrmann und das Bürgerschaftsmitglied Lars Lehrke erklären dazu gemeinsam: "Wir kritisieren die Verharmlosungsstrategie der Landesregierung. Die Bauabfälle aus dem Rückbau der Atomkraftwerke, die in Niemark eingelagert werden sollen, sind kein normaler Bauschutt."

Und führen aus:

(")Die Freimessung besagt mitnichten, dass das Material unbelastet ist. Dessen Einlagerung bedeutet eine zusätzliche Belastung und eine solche ist auch unterhalb festgesetzter Grenzwerte zu vermeiden. Diesem Grundsatz widerspricht die Verbringung und Einlagerung in Lübeck. Deshalb wollen wir Minister Albrecht mit kritischen Argumenten konfrontieren und zum Umdenken bewegen.

Nicht die auf der Deponie Beschäftigten oder Anwohner müssen beweisen, dass Gefahren durch freigemessenen AKW-Bauschutt bestehen, sondern die AKW-Betreiber müssen Gesundheitsgefahren durch Freigemessenes ausschließen ...

 

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03.03.2021 - Radioaktivität nährt tiefe Biosphäre

Radioaktiver Zerfall liefert Mikroben im tiefen Sediment ihre Lebensgrundlagen

Artikel aus www.scinexx.de

Strahlende Nahrungsquelle: Ein Großteil der Lebenswelt in tiefen Sedimenten wird von Radioaktivität angetrieben – vom natürlichen Zerfall radioaktiver Elemente, wie nun eine Studie bestätigt. Denn die dabei freiwerdende Strahlung erzeugt Wasserstoff und andere für die Mikroben lebenswichtige Moleküle. In nassem Sediment entsteht dabei besonders viel strahlenbedingter Wasserstoff– das könnte Konsequenzen für atomare Endlager haben.

Ob kilometertief unter dem Meeresgrund oder im „Keller“ der Kontinente: Trotz Dauerdunkel, kargen Nährstoffen und hohem Druck existiert eine vielfältige Gemeinschaft verschiedenster Mikroben und Kleinstorganismen. Die Biomasse dieser tiefen Biosphäre entspricht mindestens der der oberirdischen Lebenswelt und umfasst Quadrilliarden von Zellen. Diese überdauern die Härten der Tiefe nicht etwa passiv und im Sparmodus, sondern betreiben aktiven Stoffwechsel und vermehren sich sogar.

Wasserstoff als Energielieferant

Doch woher nehmen diese Tiefenbewohner ihre Energie? Aus Untersuchungen des kontinentalen Untergrunds weiß man, dass viele dieser Mikroben Wasserstoff als chemischen Treibstoff für ihren Stoffwechsel benutzen. In Verbindung mit Chemikalien aus den Gesteinsmineralen gewinnen die Organismen aus ihm Energie und Nahrung. Der Wasserstoff wiederum wird teilweise bei chemischen Reaktionen frei, die durch natürliche radioaktive Zerfälle im Untergrund angestoßen werden.

„Aber in welchem Maße die unterirdischen Ökosysteme auf diesen radiolytischen Produkten beruhen, war bislang kaum bekannt – auch weil man nicht wusste, wie hoch die chemische Ausbeute durch diese Zerfallsstrahlung ist“, erklären Justine Sauvage von der Universität Göteborg und ihre Kollegen. Sie haben deshalb am Beispiel des tiefen Ozeansediments untersucht, wie viel Wasserstoff durch radioaktive Strahlung entsteht.

Nasses Sediment verstärkt Strahlungsausbeute

Im ersten Schritt setzten die Forscher dafür in einem Laborexperiment Salzwasser sowie Proben verschiedener tiefer Meeressedimente der Alpha- und Gammastrahlung radioaktiver Zerfälle aus. Als Gammastrahlen-Quelle nutzten sie Cäsium-137, als Alphastrahler Polonium-210. Es zeigte sich: Im wasserdurchtränkten Sediment entstand bei gleicher Strahlung sehr viel mehr Wasserstoff als im puren Wasser. Der Wasserstoffertrag lag um das bis zu 30-Fache höher.

„Das nasse marine Sediment wirkt wie ein Verstärker für die Produktion der nutzbaren Chemikalien“, erklärt Seniorautor Steven D’Hondt von der University of Rhode Island. Sowohl die Ausbeute an Wasserstoff wie an anderen durch Strahlung oxidierten Substanzen wie Eisenoxiden und oxidiertem Schwefel ist dadurch im marinen Tiefengestein erhöht und kann von Organismen genutzt werden.

Radioaktivität ist Haupt-Treibstoff im tiefen Sediment

Aber was bedeutet dies konkret für das Leben unter den Weltmeeren? Dafür ermittelten die Forscher den Gehalt an natürlichen Radionukliden im Gestein von Bohrkernen aus verschiedenen Stellen des Pazifik und Atlantik. Anhand der Zerfallsraten und den Ergebnissen ihrer Laborexperimente konnten sie daraus die strahlenbedingte Produktion von Wasserstoff in den Meeressedimenten weltweit errechnen.

Das Ergebnis: „Die globale Rate der radiolytischen Wasserstoff-Produktion in den marinen Sedimenten entspricht einem bis zwei Prozent dessen, was weltweit an organischem Material auf den Meeresboden gelangt“, berichten Sauvage und ihr Team. Doch das organische Material nährt nur die Organismen in den oberen, jüngeren Schichten des Meeresgrunds. Im Rest der Sedimente überwiegt die Radioaktivität als Energielieferant, wie die Forscher erklären.

Treibstoff für außerirdisches Leben?

Damit ist die Radioaktivität die treibende Kraft für einen großen Teil der unteririschen Lebenswelt. „Diese Erkenntnis ist fundamental für das Verständnis des Lebens auf der Erde, aber auch für die Habitabilität anderer Himmelskörper wie dem Mars“, sagt Sauvage. Auch der Jupitermond Europa oder der Saturnmond Enceladus könnten mineralische Bedingungen bieten, die eine solche Produktion von Wasserstoff und anderen strahlenbedingten Molekülen erlauben.

„Einige derselben katalytischen Minerale sind auch auf dem Mars vorhanden – und wenn man sie hat, dann läuft auch dieser Prozess ab“, ergänzt D’Hondt. „Vielleicht kann diese radioaktiv bedingte Wasserspaltung daher auch das Leben auf anderen Welten ermöglichen.“ Ob es solches Leben auf dem Mars gibt oder gegeben hat, soll unter anderem der gerade auf dem Roten Planeten gelandete Rover Perseverance erkunden.

Potenzielles Problem für atomare Endlager

Bedeutung könnten die neuen Erkenntnisse auch für atomare Endlager haben: „Wenn man radioaktiven Abfall in Sediment oder Fels lagert, können dort durch diese Prozesse Wasserstoff und Oxidantien entstehen – und das schneller als in reinem Wasser“, sagt D’Hondt. „Das könnte diese Lagersysteme stärker korrodieren als man bisher annimmt.“

Eine mögliche Folge wäre, dass durch die radioaktiv katalysierten Reaktionen vermehrt Lecks auftreten oder dass sich Wasserstoffgas bildet und im Untergrund sammelt.

 

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Eventuell sollten wir unseren Atommüll doch nicht möglichst tief verbuddeln,
ganz bestimmt jedoch sollten wir das Uran im Boden belassen ...

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Die Suche in der reaktorpleite.de mit dem Suchwort 

     
  Radioaktivität  
     

 

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

29.10.2019 - Radioaktiver Gletscherstaub - Kryokonit birgt ein strahlendes Geheimnis

Artikel von Dagmar Röhrlich aus www.deutschlandfunk.de

1870 bemerkte der schwedische Polarforscher Adolf Erik Nordenskiöld dunkle Löcher im Eis eines Gletschers. Das bräunliche Pulver darin nannte er Kryokonit. Der dunkle mineralische Belag lässt das Eis schneller schmelzen. Und er ist erstaunlich oft radioaktiv, wie Analysen nun belegen.

Der Kryokonit ist kein neues Phänomen, doch die Aktivität der Menschheit hat die Menge regelrecht explodieren lassen. Denn seine Ausgangssubstanz trägt der Wind heran – manchmal über Tausende von Kilometern hinweg. Es ist Gesteins- und Wüstenstaub, dazu Aschepartikeln vulkanischer Eruptionen und inzwischen jede Menge Ruß. Ruß aus Waldbränden, den Abgasen der Dieselmotoren, der Industrie- und Kraftwerksschornsteine, erklärt Giovanni Baccolo von der Universität Milano-Bicocca.

„Kryokonit entsteht nur im Sommer, wenn die Gletscher schmelzen und Wasser den Staub zusammenschwemmt, den der Wind auf die Oberfläche geweht hat. Kryokonit besteht aus Mineralen und organischer Substanz.“

Die organische Substanz, das ist der Ruß aus diesen weit entfernten Quellen – und das ist Material, das vor Ort entsteht, durch die Aktivität von Mikroorganismen, die in Biofilmen auf den Partikeln leben. Nun hat dieser Kryokonit eine ganz besondere Eigenschaft: Er saugt Schadstoffe auf wie ein Schwamm. Nicht nur Schwermetalle, sondern auch Radionuklide – die natürlichen aus dem Gestein der Umgebung ebenso wie den Fallout von Atombombentests und Reaktorunfällen ...

 

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YouTube Kanal:

'Reaktorpleite' - 'Playlists' - 'Radioaktivität weltweit ...'

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube Kanal Reaktorpleite - Yellow Cake: Die Lüge von der sauberen EnergieYellow Cake: Die Lüge von der sauberen Energie

 

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AtomkraftwerkePlag

 

Radioaktivität und Strahlung

Was bedeutet "radioaktive Strahlung"?

Strahlung, der wir ausgesetzt sind, stammt aus verschiedenen Quellen: aus dem Weltraum, aus Gestein und Gasen, von der Medizin, aus Atomwaffentests sowie von Atomunfällen und dem Betrieb von Atomkraftwerken.

Hinter dem in der Umgangssprache verwendeten Begriff der "radioaktiven Strahlung" verbergen sich eigentlich zwei Phänomene: Radioaktivität und ionisierende Strahlung.

Unter Radioaktivität versteht man die Eigenschaft von Radionukliden (instabilen Atomkernen), zu zerfallen, d. h. sich spontan in andere Atomkerne umzuwandeln. Radionuklide kommen in der Natur vor, können aber auch künstlich bei der Kernspaltung in Atomkraftwerken erzeugt werden.

Beim Zerfall instabiler Atomkerne wird sogenannte ionisierende Strahlung ausgesendet. Ionisierende Strahlung tritt in verschiedenen Arten auf: als Teilchenstrahlung, wie z. B. Alphastrahlung aus Protonen und Neutronen (α-Strahlung) sowie Beta- oder Elektronenstrahlung aus Elektronen (β-Strahlung), und als elektromagnetische Strahlung, wie z. B. Gamma-Strahlung (γ-Strahlung). Trifft ionisierende Strahlung auf Atome oder Moleküle, kann sie Elektronen herausschlagen, so dass Ionen oder Molekülreste übrigbleiben. Anders ausgedrückt: sie kann Atome und Moleküle von Materie, also auch Zellen und Gewebe von Lebewesen, verändern und zerstören. Ionisierende Strahlung kann einen DNA-Strangbruch bewirken und irreversible Schäden verursachen. Aufgrund veränderter Zellteilung können beispielsweise ein verändertes Blutbild oder Krebs resultieren ...

 

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Plutonium-Batterien und radioaktive Verseuchungen

In der Raumfahrt werden seit Jahrzehnten sogenannte Radionuclidbatterien zur Stromerzeugung eingesetzt, die Energie aus radioaktivem Zerfall gewinnen; der englische Begriff dafür ist Radioisotope Thermoelectric Generators (RTGs). In RTGs werden meist Plutonium oder Americium genutzt. Außerdem wurden sogenannte Radioisotope Heater Units (RHUs) zur Erzeugung von Wärme für die Instrumente entwickelt.

Die USA verwendeten ein RTG zum ersten Mal 1961 im Navigationssatellit Transit 4A, ein weiteres 1969 im Wettersatellit Nimbus III. RTGs und zum Teil RHUs wurden in den Missionen Apollo, Pioneer, Viking, Voyager, Galileo, Ulysses, Cassini und New Horizons eingesetzt. Die Mars-Rover Pathfinder, Spirit und Opportunity nutzten zwar Solarenergie, erzeugten die Wärme für die Instrumente aber mit RHUs. Bei der Curiosity-Mission ab 2011 wurde zum ersten Mal der Multi-Mission Radioisotope Thermoelectric Generator zur Erzeugung von Strom und Wärme gleichermaßen verwendet. Seit den 1960er Jahren setzten auch die Sowjetunion und später Russland Radionuclidbatterien in der Raumfahrt ein.

Der Einsatz radioaktiver Batterien hat mehrmals zu schweren Unfällen geführt:

1964 stürzte ein Satellit der US-amerikanischen Marine beim Start ab und verteilte ein Kilogramm Plutonium in der Atmosphäre.

1978 kontaminierte der Reaktorkern des sowjetischen Satelliten "Kosmos 954" nach einer Bruchlandung 124.000 Quadratkilometer in Kanada. 

1996 stürzte die russische Sonde Mars-96 mit 200 Gramm Plutonium ins Grenzgebiet zwischen Chile und Bolivien ab ...

 

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Wikipedia

 

Radioaktivität in der Umwelt

Radioaktivität kommt in unserer Umwelt teils natürlich (ohne Zutun des Menschen) vor, teils wurde oder wird sie durch menschliche Tätigkeiten erzeugt („anthropogen“). Ursachen natürlicher radioaktiver Strahlung sind primordiale Radionuklide mit ihren Folgeprodukten sowie Nuklide, die durch die kosmische Strahlung in der Erdatmosphäre erzeugt werden. Menschlich verursachte Radioaktivität weist meist eine von der natürlichen abweichende Isotopenzusammensetzung auf, denn sie enthält auch kurzlebige, nicht in Zerfallsreihen oder Spallationsprozessen entstehende Radionuklide.

Natürlich vorkommende Radioaktivität

Die primordialen Radionuklide stammen aus dem Material der Urerde und sind wegen ihrer großen Halbwertszeit heute noch vorhanden. Zu ihnen gehören das im menschlichen Körper stets enthaltene Kalium-40 und die als Kernbrennstoff wichtigen Isotope des Urans. Weitere Radionuklide entstehen indirekt als ständig nachproduzierte Zerfallsprodukte der radioaktiven Zerfallsreihen dieser primordiale Nuklide, wie das überall aus dem Erdboden austretende Gas Radon. Diese Nuklide bezeichnet man als radiogen. Weitere, kosmogene Radionuklide werden laufend in der Atmosphäre durch Kernreaktionen mit der kosmischen Strahlung erzeugt. Zu ihnen gehört Kohlenstoff-14, der ebenso wie Kalium-40 durch den Stoffwechsel in alle Organismen gelangt.

Die Strahlung der überall vorhandenen natürlichen Radionuklide wird als Terrestrische Strahlung bezeichnet.

Vom Menschen erzeugte oder freigesetzte Radioaktivität

Schon lange vor Entdeckung der Radioaktivität wurden durch menschliche Tätigkeiten wie Bergbau und Kohleverbrennung radioaktive Stoffe freigesetzt. Paracelsus beschrieb 1567 die Schneeberger Krankheit. Metallerze und Kohle enthalten mehr Radionuklide als die durchschnittliche Biosphäre; Schachtanlagen befördern Radon aus dem Erdinnern an die Oberfläche.

Mit der Förderung von Uran, dem Bau von Kernkraftwerken und vor allem dem Bau und dem oberirdischen Test von Kernwaffen wurde Radioaktivät in die Biosphäre entlassen, die globale Auswirkungen hatte.

Große Mengen an radioaktiven Substanzen wurden (neben den Atomtests bis 1963) durch Unfälle kerntechnischer Anlagen frei. Am bekanntesten sind die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl und die Nuklearkatastrophe von Fukushima. Nach 1990 wurde ebenfalls der Kyschtym-Unfall 1957 und die dabei ausgetretene Osturalspur bekannt ...

 

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Radionuklidbatterien für die Raumfahrt

Eine ausreichend große, kompakt angeordnete Menge von 238Pu erhitzt sich durch seinen eigenen radioaktiven Zerfall bis zur Weißglut, und gibt dabei nur sehr geringe Mengen von Gammastrahlung ab, sodass man mit der dünnsten Abschirmung im Vergleich zu fünf anderen potenziell geeigneten Nukliden auskommt. Es wird deshalb in oxidierter Form als chemisch träges Plutoniumdioxid zur Erzeugung elektrischer Energie in Radionuklidbatterien verwendet.

Radionuklidbatterien werden wegen ihrer Langlebigkeit in der interplanetaren Raumfahrt eingesetzt, vor allem für Raumsonden, die das äußere Sonnensystem erreichen sollen. Denn Solarzellen liefern in großer Sonnenentfernung nicht mehr genug Energie. Eingebaut wurden solche Nuklearbatterien beispielsweise in die Voyager-Sonden, Cassini-Huygens (1997–2005 zu Saturn) oder New Horizons (2006–2015 zu Pluto). Früher wurden Radionuklidbatterien mit Plutonium 238Pu auch in erdumkreisenden Satelliten verwendet.

1964 verglühte der Satellit Transit 5BN-3 der USA mit einer Radionuklidbatterie an Bord bei einem Fehlstart etwa 50 Kilometer über dem Pazifik. Der Satellit enthielt knapp ein Kilogramm Plutonium, welches sich anschließend messbar auf der gesamten Nordhalbkugel verteilte ...

 

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Weiter zu: Zeitungsartikel 2021

 

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