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THTR Rundbrief Nr. 153, November 2020:


Inhalt:

Die liebe Polizei ... Begünstigt Hammer Polizeihistorienseite rechtsradikale Einstellungen?

Rechtes nukleares (T)rollback wird scheitern!

Gronau: Der Widerstand geht weiter!

THTR-Rückbau

HTR-PM in China

Japan: Neustartversuch für HTTR

HTR-Konferenz in Indonesien

Norwegen fälschte AKW-Testergebnisse

Jüdische Zeitschrift „Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart"

Landrechtebewegung in Indien

Liebe Leserinnen und Leser!

 


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Die liebe Polizei ...

THTR-Rundbrief Nr: 153, November 2020

Begünstigt Hammer Polizeihistorienseite rechtsradikale Einstellungen?

Als Bürgerinitiative, die auch mit Hilfe von gewaltfreien Aktionen auf ihr Anliegen aufmerksam machen will, müssen wir im Blick haben, wie die Vertreter der Staatsmacht auf unsere Aktivitäten reagieren. Deswegen haben wir uns die letzten 45 Jahre bemüht, unser inhaltliches Anliegen für die Polizei nachvollziehbar zu machen und höflich zu erklären. Mit Erfolg. Wir konnten mit zahlreichen Aktionen des Zivilen Ungehorsams und Blockaden dazu beitragen, dass der THTR letztendlich stillgelegt werden musste. Es bildeten sich Arbeitskreise von kritischen Polizisten, die innerhalb der Polizei unsere Sichtweise vermittelten und dort für kontroverse Diskussionen sorgten. Denn die gefährliche Radioaktivität macht auch vor Polizisten nicht halt.

Unsere Hauptaktionen in den 80er Jahren sind Geschichte. Inzwischen hat sich das gesellschaftliche Klima stark nach Rechts verschoben. Eine rechtsradikale Partei sitzt im Bundestag, Antisemitismus und Rassismus nehmen deutlich zu. Auch in der Polizei, auch in Hamm.

Rechtsterrorist bei der Hammer Polizei

Im Februar 2020 wurden die Wohnungen der rechtsterroristischen Gruppe S. durchsucht. Thorsten Wollschläger aus Hamm war dort Mitglied und als Polizeiangestellter zeitweilig für die Ausstellung von Waffenscheinen zuständig. Er wollte 5000 Euro für den Waffenkauf zur Verfügung stellen und damit Terroranschläge gegen „Ausländer“ und Antifaschisten unterstützen.

Wikipedia schreibt: "Nach SWR-Recherchen teilte er im März 2018 eine Zitattafel mit dem Bild einer Pistole und dem Text: 'Lieber Polizist, das da ist deine Dienstwaffe! Die ist nicht nur zum Angucken da, die soll uns und dich beschützen und deshalb benutze sie auch endlich! Wenn du das nicht willst und kannst, gib sie uns, wir werden sie mit Sicherheit gegen jedes Gesindel einsetzen! Schönen Gruß, dein Volk und Dienstherr!' Im Oktober 2019 teilte er folgendes Zitat: „Wir müssen von Zeit zu Zeit Terroranschläge verüben, bei denen unbeteiligte Menschen sterben. Dadurch lässt sich der gesamte Staat und die gesamte Bevölkerung lenken. Das primäre Ziel eines solchen Anschlags sind nicht die Toten, sondern die Überlebenden, denn die gilt es zu lenken und zu beeinflussen."

Das "Westfalenblatt" berichtete, dass bereits im Jahr 2018 bei Wollschläger von den Ermittlern konsequent weggeschaut wurde: "Kripobeamte machten Fotos von den Flaggen und vom Klingelschild ihres Kollegen. Seinen Namen hatte W. in einer Art Sütterlin geschrieben, und an seinem Briefkasten wies er darauf hin, dass er 'keine Lügenpresse' und 'keinen Flüchtlingsbericht der Stadt Hamm' haben wolle. Die Kriminalbeamten kamen zu dem Schluss, dass sich Thorsten W. nicht strafbar gemacht hatte – und unternahmen nichts. Sie sollen nicht einmal ein Gespräch mit ihrem Kollegen geführt haben. Der Vorgang soll auch nicht schriftlich festgehalten worden sein".

Seine menschenverachtende Ideologie verbreitete er exzessiv im Netz, auch bei YouTube, las rechtsradikale Zeitschriften (u. a. „Junge Freiheit“) im Dienst, hisste an seinem Haus die Reichsbürgerfahne, zog Nazikleidung an, klebte und befestigte entsprechende Autoaufkleber und Parolen usw ... . Bei seinen Polizeikollegen galt er lediglich als Mittelalterfreak und Sonderling. Niemand setzte seinem jahrelangen rechtsradikalen Treiben ein Ende.

Neben Wollschläger sind in Hamm mehrere andere Polizisten auffällig geworden. Im Jahr 2016 wurde ein Verfahren gegen einen inzwischen pensionierten Polizisten angestrengt, der der Reichsbürgerszene zugerechnet wurde. Zwei weitere Prüffälle sind inzwischen bekannt geworden. Ein Polizist wurde im Februar 2020 in den Kreisvorstand der AfD Hamm gewählt, trat allerdings nach wenigen Tagen wieder zurück.

Eine ganz besondere Polizeigeschichtsschreibung!

Bei meinen Recherchen zu Thorsten Wollschläger und der Gruppe S. stieß ich auf einen Eintrag im Gästebuch der Homepage der "Polizeihistorischen Sammlung Paul" aus Hamm. Dort schrieb Wollschläger bereits am 23. November 2001: "wirklich gut gelungen". Was gefiel ihm, was bestärkte ihn in seinen Ansichten, was fehlte womöglich, um sein rechtes Weltbild ins Wanken zu bringen? Die Homepage wurde von dem seit 2002 pensionionierten Hammer Polizeihauptkommissar a. D. Siegfried Paul (ehemaliger Personenschützer von NRW-Minister Figgen) ehrenamtlich erstellt und auch von den Hammer Polizeipräsidenten unterstützt und gelobt.

Auf dieser Homepage befinden sich eine Vielzahl von Artikeln. Darunter sind etliche fragwürdige Beiträge. Hier werden distanzlos die euphorischen Einsatzberichte Hammer Polizisten vom Einmarsch eines Polizeibataillons ins Sudetenland im Jahr 1938 veröffentlicht. Kurz darauf wurden 200.000 tschechoslowakische Juden ermordet, zahllose Antifaschisten mussten fliehen.

Bei einer auf dieser Seite dokumentierten Schilderung des Einsatzes von Hammer Polizisten in den Niederlanden während der Verfolgung von Juden im Jahr 1942 versuchen sich die Täter damit herauszureden, indem sie das Verhalten holländischer Polizisten moralisch schlechter als ihr Eigenes darstellten und diese als „Nazipolizei“ bezeichneten. In dieser Selbstdarstellung wurden Lügen und Ausreden veröffentlicht, die das mangelnde Unrechtsbewusstsein der Täter frappierend deutlich machen.

Eine weitere bemerkenswerte Peinlichkeit auf der Polizeihistorienseite ist die "Gedenktafel" für die "in Erfüllung ihres Dienstes" gefallenen Polizisten im zweiten Weltkrieg. Hier findet eine Täter/Opfer- Umkehr statt: "Wie insgesamt die deutsche Bevölkerung, so musste auch die Hammer Polizei einen erheblichen Blutzoll während des II. Weltkrieges zahlen". Es fällt auf, dass die 52 aufgelisteten gestorbenen Polizisten nur teilweise in Hamm zu Tode kamen. Eine große Anzahl der Aufgeführten fiel in Russland oder Polen. Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, was die Aufgabe deutscher Polizisten in den "besetzten Gebieten" war. Es gibt Ausstellungen, Bücher und Berichte, wie die Polizisten in diesen Gebieten zu Massenmördern und Kriegsverbrechern wurden, gegen die sich manchmal sogar Widerstand regte.

Rechtsradikale Freikorps als Vorbild

Auf der Polizeihistorienseite wird zudem der rechtsradikale und demokratiefeindliche Terror von Hammer Freikorps-Mitgliedern nach dem Ersten Weltkrieg als legitime Vorgehensweise rechtschaffener Ordnungshüter dargestellt: Chaos verhindern, Sicherheit und Ordnung schaffen. - Das ist der Klassiker, um rechtsradikale und autoritäre Krisenlösung zu rechtfertigen.

In dem Artikel über den Stadtteil Hamm-Heessen schreibt der Autor Siegfried Paul über die dortige Situation ab 1948: "Diese Siedlung erhielt auf Antrag der KPD im Rat der Gemeinde Heessen den Namen 'Karl-Liebknecht-Siedlung'. Übrigens wurde auch die Lütticher Str. in Heessen auf Antrag der KPD in Heessen in 'Rosa-Luxemburg-Str.' umbenannt. Die Bewohner wurden nicht befragt, demokratische Spielregeln waren noch nicht geläufig". Offensichtlich sind dem Autor selbst die parlamentarischen Spielregeln nicht geläufig: Die gewählten Abgeordneten beschließen im Kommunalparlament die Straßennamen. Der damaligen KPD die Verletzung demokratischer Normen vorzuwerfen, weil sie sich bei einer Abstimmung in einem Parlament ausnahmsweise einmal durchgesetzt hat, ist billiger Antikommunismus, den Rechte wie Wollschläger begierig aufgreifen.

Während die Inhalte auf der Polizeihistorienseite Geschichtsrevisionismus, Defizite und mangelnden Einordnungswillen historischer Zusammenhänge sehr deutlich offenbaren, werden hierarchisierende Dienstgradabzeichen und das eingesetzte "Handwerkszeug" als Insignien staatlicher Macht auf breiter Ebene kultiviert. Die Homepage präsentiert insgesamt 26 Anhänge für Dienstgradkunde und 21 Anhänge zum Polizeiknüppel! Thorsten Wollschläger, der sich selbst gerne mit Wappen, Flaggen, Abzeichen, Schwertern, Dolchen und Lanzen zeigte, wird es gefallen haben.

Diese hochnotpeinliche Polizeihistorienseite zeigt deutlich, dass in Hamm ein ideologisch geprägtes Umfeld existiert, das rechtsradikale Einstellungen möglicherweise begünstigt. Die oben erwähnten kritischen Polizisten als positive Entwicklung kommen hier nicht vor.

 

Ein etwa zehnseitiger Artikel mit vielen Updates zu diesem Thema befindet sich auf meiner Homepage unter:

https://www.machtvonunten.de/nationalisten-rechte-neoliberale/384-hamm-rechtsextremist-bei-der-polizei-unter-terrorverdacht.html

 

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Rechtes nukleares (T)rollback wird scheitern!

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Sich selbst als „Klimaschützer“ zu inszenieren und gleichzeitig gegen wirkliche Klimaschützer von Fridays for Future vorzugehen und sie einzuschüchtern ist für Rechtsradikale gängige Praxis und kein Widerspruch. Im letzten Jahr stellte die AfD am 2. 7. 2019 eine Anfrage im NRW-Landtag zur symbolichen Ausrufung des „Klimanotstandes“ vom Klimabündnis Hamm. Hier diffamiert die AfD und markiert ihren Feind: „Mutmaßlich steht das ‚Klimabündnis Hamm’ in direkter Nähe zu anderen ökoradikalen Splittergruppen“. Die NRW-Landesregierung sah in ihrer Antwort bei der symbolischen Ausrufung des Klimanotstandes allerdings kein Problem.

Hämische Mails bekommen wir auch als BI Hamm von Leuten, die uns vorwerfen, wir würden durch unsere Aktivitäten gegen Atomkraftwerke die Klimakatastrophe befeuern und verweisen tr(i)umphierend auf aktuelle Artikel in einigen Medien und auf den geplanten Neubau von Atomkraftwerken weltweit. Für uns, die sich seit 45 Jahren in den vielfältigsten Bereichen des Umweltschutzes engagieren, sind solche Anwürfe nichts Neues. Sie kommen von genau den Leuten, denen Umweltschutz jahrzehntelang völlig egal war.

Inzwischen ist als Resultat unserer langjährigen Arbeit Kritik an der Atomkraft aus guten Gründen Mainstream geworden und wird es dank Atommüll, Störfällen, Skandalen und Atomwaffenbedrohung bleiben. Da können Kleingruppen und Lobbyisten in den unsozialen Medien, dieser Pestseuche der heutigen Zeit, querulieren bis sie schwarz werden.

Was nicht heisst, dass diese Leute harmlos sind, da sie in rechtsradikalen Medien und Foren andere Menschen aufhetzen und bis hin zu Morden anstacheln. Die „Junge Freiheit“, oftmals als stramm rechtskonservatives Blatt verharmlost, ist auch ein publizistischer Rettungsanker für Atomfreunde. Ich lese und analysiere dieses Blatt seit 30 Jahren. Zu Beginn war es noch eine kleine Monatszeitung ultrarechter Burschenschaftler und Studenten (1). Thorsten Wollschläger, der rechtsterroristische Polizist aus Hamm (siehe vorherigen Beitrag) hatte die „Junge Freiheit“ an seinem Arbeitsplatz auf dem Bürotisch zur wöchendlichen Lektüre liegen. Dieses Blatt fungiert bei einfältigen Charakteren als Durchlauferhitzer und treibt die rechte Radikalisierung voran. Wer dort schreibt, ist mindestens ein geistiger Brandstifter.

Die „atw – International Journal for Nuclear Power”, das Sprachrohr der Atomlobby, führt als „Experten“ Rechtsaussenexponent Roland Tichy und lässt ihn zu Wort kommen. In seiner Zeitschrift „Tichys Einblick“ pathologisiert er „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig-psychisch krank“ und lies in seinem Blatt frauenfeindliche Äußerungen zu, sodass sogar die Digitalisierungsministerin Dorothee Bär (CSU) die seit 2015 unter Tichys Vorsitz stehende Ludwig-Erhard-Stiftung verlies.

 

(1) https://www.machtvonunten.de/nationalisten-rechte-neoliberale/136-altbekannte-junge-frechheit.html

 

Wer mehr über die kleinen, aber äußerst lautstarken rechten Atompropagandisten im AfD-Umfeld erfahren will, dem empfehle ich den Beitrag „Der Atom-Klüngel“ in Nr. 47 im „ausgestrahlt-magazin“:

https://www.ausgestrahlt.de/blog/2020/05/04/der-atom-kl%C3%BCngel/

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Gronau: Der Widerstand geht weiter!

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In den letzten 11 Monaten konnten wir in Hamm noch einige Aktivitäten gegen die Atommülltransporte von der Urananreicherungsanlage (UAA) in Gronau über Hamm nach Russland durchführen. Und zwar kurz vor Ausbruch der Coronapandemie und auch danach. Am 9. Dezember 2019 fand während des Transportes - ebenso wie an 11 anderen Orten - wieder eine gut besuchte Mahnwache vor dem Hammer Hauptbahnhof statt. Am gleichen Tag wurde ein Interview mit mir zu diesem Thema in „Westfälischer Anzeiger“ abgedruckt (1).

Am 12. Februar 2020 führten wir in den neuen Räumen von Fuge eine sehr interessante Veranstaltung mit dem Co-Vorsitzenden Vladimir Slivyak von Ecodefence in Russland und Matthias Eickhoff aus Münster durch. Am 10. März 2020 beteiligten wir uns in Münster an einer Demonstration durch das Bahnhofsviertel. Am 11. März 2020 (Fukushima-Jahrestag) berichtete ich in Beckum in meiner Rede nach einer Demonstration ebenfalls u. a. über die Urantransporte. Nach einer coronabedingten Pause fand in Hamm vor dem Hauptbahnhof am 22. Juni 2020 wieder eine Mahnwache mit Abstand statt.

Im Januar 2020 übergaben russische Aktivisten im Bundesumweltministerium der BRD 70.000 Protestunterschriften aus Russland gegen die Urantransporte. Trotz vieler grenzüberschreitender Proteste wurden im Juni 2020 zwanzig weitere Transporte genehmigt. Am 4. Oktober 2020 hielten AktivistInnen einen Transport im Münsterland durch eine Kletteraktion über dem Gleis fünf Stunden auf. Anschliessend haben das Umweltministerium, RWE und E.ON schriftlich versichert, dass in Zukunft keine Urantransporte mehr aus Gronau stattfinden werden.

 

(1) https://www.machtvonunten.de/lokales-hamm/374-atomtransporte-schon-in-kleinsten-mengen-toedlich.html

 

In der Märzausgabe der Zeitschrift „Graswurzelrevolution“ (446/447) berichtete ich in dem Artikel „Kleine Urenco-Reaktoren: Small is not beautiful“ über die Vorbereitungen von Urenco, in den USA und Europa kleine HTR-Reaktoren zu entwickeln und zu bauen. Sie sollen auch militärischen Zwecken dienen:

https://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/373-kleine-urenco-reaktoren-small-is-not-beautiful.html

 

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THTR-Rückbau

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In gut zwei Jahren soll mit der Planung des THTR-Rückbaus begonnen werden. Am 21. Dezember 2019 berichtete der Westfälische Anzeiger auf zwei Doppelseiten ausführlich über den stillgelegten Reaktor und die bisher von den Betreibern herausgegebenen Informationen (1). Am 30. Dezember 2019 habe ich in einem längeren Leserbrief geantwortet und über Gefahren, Kosten und zeitliche Perspektiven geschrieben (2). – So langsam wird es Zeit, sich mit dem Thema Rückbau zu beschäftigen, um nicht Betreibern und Regierungen das Feld zu überlassen.

(1) https://www.wa.de/hamm/letzte-geheimnis-thtr-hunderte-tonnen-radioaktiver-muell-hamm-reaktor-atommuell-13366573.html

(2) https://www.machtvonunten.de/leserbriefe-von-horst-blume/369-rueckbau-uran-im-thtr-hat-halbwertzeit-von-160-000-jahren.html

 

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HTR-PM in China

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Seit zwei Jahren steht der Hochtemperaturreaktor (HTR-PM) in China auf der Halbinsel Shandong (Shidaowan) nach Angaben seiner Betreiber mal wieder kurz vor seiner Inbetriebnahme. Im Grunde sei er sogar schon in Betrieb. Nur ein paar Kleinigkeiten wären noch zu erledigen.

Im letzten Jahrtausend lange angekündigt, im Jahr 2005 die endgültige Bauabsicht bekräftigt und 2012 mit dem Bau begonnen, zieht es sich hin. Mittlerweile goutiert die zahlenmässig kleine verbliebene deutsche Atomgemeinde jedes Schräubchen, das in der Anlage angezogen wird mit enthusiastischem Beifall und sich steigernder Euphorie.

Das Schweizer Atomforum verkündete am ersten April 2020: „Beim zweiten Modul des in China in Bau stehenden Kugelhaufen-Hochtemperaturreaktors HTR-PM sind Schlüsselkomponenten miteinander verbunden worden. Die China National Nuclear Corporation (CNNC) teilte mit, dass am 18. März 2020 der sogenannte Knotenpunkt des zweiten Moduls fertiggestellt wurde. Dabei sind der Druckbehälter, der Dampferzeuger und die Heissgasleitung des Reaktors gekoppelt worden. Nach Angaben der CNNC erfolgte die Koppelung des Schlüsselknotens zweieinhalb Tage früher als geplant“.

Die Homepage (hoffentlich) „Gaufrei" verkündete am 27. Juli 2020, dass das Projekt nach Angaben der Betreiber „in die Phase der Inbetriebnahme eingetreten ist. Das ist für das Demoprojekt die abschließende Phase. Nach und nach wird nun eine umfassende Verifizierung der Systeme und Ausrüstungen durchgeführt werden. Damit wird eine solide Grundlage für den kommerziellen Betrieb der folgenden Einheiten geschaffen“.

An anderer Stelle dieses Artikels wird allerdings betont, dass der HTR-PM lediglich "über die Voraussetzungen verfügt, um in die Phase der Inbetriebnahme einzutreten". Was denn nun?

Am 20. Oktober vermeldete "Gaufrei" „viel Fortschritt" und das vor dem geplanten Netzanschluss im Jahr 2021 der Leckage-Test für den Primärkreislauf des 1. Moduls "spezifikationsgemäß" durchgeführt wurde.

Vollmundige Ankündigungen zur Zukunft von Hochtemperaturreaktoren gibt es natürlich trotz aller Verzögerungen weiterhin. Das Neimagazin schrieb am 2. September 2020:

„Weitere 18 solcher HTR-PM-Blöcke werden in Shidaowan vorgeschlagen. Über HTR-PM hinaus schlägt China eine vergrößerte Version mit der Bezeichnung HTR-PM 600 vor, bei der eine 650 MWe Turbine von sechs HTR-PM-Reaktorblöcken angetrieben wird. Machbarkeitsstudien über den Einsatz von HTR-PM 600 sind für Sanmen (Provinz Zhejiang), Ruijin (Jiangxi), Xiapu und Wan'an (Fujian) und Bai'an (Guangdong) im Gange".

 

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Japan: Neustartversuch für HTTR

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Dem Hochtemperatur-Testreaktor, der 1999 zum ersten Mal in Leistungsbetrieb lief und seit der Fukushima-Katastrophe abgeschaltet werden musste, wurde nach Berichten von World Nuclear News vom 2. Juni 2020 eine Wiederanlaufgenehmigung erteilt. Es wurden neue Sicherheitsvorschriften vorgeben, um in Zukunft besser mit Störfällen und „Naturphänomenen" umgehen zu können. Die bereits 2014 beantragten Inspektionen liefen nach Angaben der Betreiber positiv. In dem High Temperature Engineering Test Reactor wird nicht mit Kugelbrennelementen gearbeitet, sondern mit hexagonalen Graphitblöcken. Das Forschungszentrum Jülich hat in den Jahren 1992 bis 1995 mit fünf Untersuchungen und Studien an der Entwicklung des HTTR in Japan beigetragen. Weitere Infos im THTR-Rundbrief Nr. 88 (2004):

THTR-Rundbrief Nr: 88, Februar 2004 - Der HTTR in Japan

 

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HTR-Konferenz in Indonesien

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Vom 2. bis 4. Juni 2021 soll im indonesischen Yogyakarta die zehnte internationale Konferenz zur Hochtemperaturreaktor-Technologie stattfinden. In dem 35köpfigen Organisationskomitee sind Vertreter aus zahlreichen Ländern (u. a. Schweiz, Niederlande, Polen, Südafrika) benannt worden. Allerdings bis jetzt noch niemand aus der BRD.

Die indonesische Atomenergieorganisation Batan hatte bereits seit den 70er Jahren Interesse an dem Bau von Hochtemperaturreaktoren und arbeitete mit dem Foschungszentrum Jülich intensiv zusammen.

In den Jahren 2002 und 2003 führte das Forschungszentrum Geesthacht (GKSS) ein wissenschaftliches Projekt in Jakarta (Indonesien) durch. Günter Lohnert, damals Leiter der Abteilung "HTR-Sicherheitsanalysen" bei Siemens/Interatom und später Lehrstuhlinhaber an der Uni Stuttgart ("Kompetenzzentrum Kernenergie"), hielt zahlreiche Gastvorlesungen in Indonesien. Ebenfalls Dr. Hans-Joachim Klar von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Weitere Informationen über HTR und Indonesien im THTR-Rundbrief Nr. 144 (2014):

THTR-Rundbrief Nr: 144, November 2014 - THTR in Indonesien?

 

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Norwegen fälschte AKW-Testergebnisse

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Norwegen hat die drittgrößten Thoriumvorkommen der Welt und betrieb seit 1958 in 30 bis 50 Meter Tiefe in einem Berg den Thoriumreaktor Halden, in dem 2016 ein Störfall stattfand. Im THTR-Rundbrief Nr. 148 berichteten wir hierüber (1). Im Mai 2020 wurde durch einen Whistleblower bekannt, dass in der Zeit zwischen 1990 und 2005 Forschungsergebnisse in diesem Reaktor bewusst gefälscht, weitergegeben und teilweise weltweit für die Weiterentwicklung neuer Atomkraftwerke genutzt wurden.

Die taz schrieb hierzu: „Diese Manipulationen könnten „sowohl sicherheitsmäßige Risiken wie ökonomische Konsequenzen“ mit sich bringen. Man habe deswegen die Staatsanwaltschaft informiert. Es ist nicht die erste Panne des Instituts: Im vergangenen Jahr hatte man hinter Schutzwänden zwei alte Forschungsreaktoren entdeckt, deren Existenz man schlicht vergessen hatte.

Diesmal wurden Testergebnisse, die nicht das erbrachten, was Kunden nachgefragt hatten, vom Forschungspersonal einfach „passend gemacht“ – mal durch Änderung der tatsächlich ermittelten Daten oder durch einen geänderten Versuchsaufbau, der dann in Wirklichkeit gar nicht mehr dem entsprochen hatte, was bestellt war. Ein anderes Mal kamen andere Druck- und Temperaturwerte zum Einsatz als die rapportierten (2).

Der Deutschlandfunk ergänzte: „Mal manipulierten die Forscher die Daten, mal änderten sie den Versuchsaufbau heimlich ab. Betroffen sind mindestens vier internationale Projekte. Bei drei weiteren besteht Fälschungsverdacht. Diese Fälschungen sind geschickt gemacht und schwer aufzudecken. (...) Diese Materialien wurden ja getestet, um beispielsweise herauszufinden, wie korrosionsbeständig oder langlebig die Brennelemente beim Einsatz im Kernkraftwerk sind. Das bedeutet, dass die Manipulationen durchaus Konsequenzen haben könnten. Wie ernst diese Konsequenzen wären, hängt davon ab, wie diese Testdaten weiterverwendet wurden’“ (3).

(1) THTR-Rundbrief Nr: 148, Sommer 2017 - Störfall im Thoriumreaktor in Halden (Norwegen)!

(2) https://taz.de/Manipulation-in-der-AKW-Forschung/!5686879/

(3) https://www.deutschlandfunk.de/forschungsreaktor-halden-norwegen-faelschte-testergebnisse.676.de.mhtml?dram:article_id=477337

 

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Jüdische Zeitschrift „Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart"

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Über die sehr interessante halbjährlich erscheinende progressive jüdische Zeitschrift „Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart" habe ich in der „Graswurzelrevolution“ Nr. 451 eine Besprechung geschrieben: „Von Babylon nach Jalta. Jüdische Zeitschrift diskutiert über neue Allianzen und 'unerhörte' Positionen“:

https://www.machtvonunten.de/medienkritik/385-von-babylon-nach-jalta.html

 

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Landrechtebewegung in Indien

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Der für zwölf Monate geplante Fußmarsch der indischen Landrechtebewegung Ekta Parishad von Delhi nach Genf musste wegen Corona im März 2020 in Armenien abgebrochen werden. Artikel in „Graswurzelrevolution“ Nr. 449:

https://www.machtvonunten.de/indien-suedasien/377-corona-stoppt-fussmarsch-der-indischen-landrechtebewegung-ekta-parishad.html

 

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Liebe Leserinnen und Leser!

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Die ersten 55 Ausgaben des THTR-Rundbriefes waren jeweils bis zu 100 Seiten dick und dokumentierten u. a. wichtige Dokumente, Briefwechsel mit Behörden, Radioaktivitätsmessungen, Diskussionen um Strahlenschutz und Zeitschriftenartikel. Für zukünftige Recherche und Geschichtsschreibung zum THTR und zum Widerstand sind sie sehr wichtig.

Von Beginn an gingen diese Exemplare in regelmäßigen Abständen auch an das Hammer Stadtarchiv. Als ich vor zwei Jahren nachfragte, ob vielleicht noch das ein oder andere Heft benötigt würde, bekam ich nach mehreren Nachfragen die Auskunft, dass das Archiv die „Bestände derzeit nicht kurzfristig überprüfen könne“, aber „eventuell würden wir auch noch einmal eine komplette Serie übernehmen“.

Offensichtlich sind die THTR-Rundbriefe nicht mehr auffindbar. - Das ist ein Armutszeugnis. Von den ersten 55 Ausgaben gibt es nur noch einige wenige vereinzelte Exemplare. Neben der Deutschen Nationalbibliothek, wohin zwei Pflichtexemplare gehen, ist der THTR-Rundbrief nur noch in Stuttgart bei der Bibliothek für Zeitgeschichte (Dokumentationsstelle für unkonventionelle Literatur, die übrigens für den Bezug bezahlt hat!) und beim sehr empfehlenswerten und rührigen Archiv für alternatives Schrifttum (afas) in Duisburg einsehbar, das ich einmal besucht habe. Es ist ein freies Bewegungs-Archiv mit viel ehrenamtlicher Mitarbeit und wenig staatlichen Zuschüssen. Aber offensichtlich zuverlässiger als so manche Behörde, wie man am Beispiel Stadtarchiv Hamm sehen kann. Der afas-Bestand umfasst 2.000 Regalmeter, 9.000 Periodika mit 200.000 Einzelheften und 4.500 Broschüren aus den Sozialen Bewegungen.

Die sehr interessante Homepage möchte ich an dieser Stelle empfehlen: http://afas-archiv.de/

 

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Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

Spendenkonto:

BI Umweltschutz Hamm

Verwendungszweck: THTR Rundbrief

IBAN: DE31 4105 0095 0000 0394 79

BIC: WELADED1HAM

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