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Atommüll

16. Juni 2020 - „Die Regierung sieht tatenlos zu“

Artikel von Joachim Wille aus www.fr.de

Strahlende Reststoffe aus der Uran-Anreicherung hierzulande werden als Reststoffe deklariert nach Russland exportiert. Ein deutsch-russisches Bündnis fordert, diese Praxis zu beenden.

Deutschland ist Vorreiter beim Atomausstieg. Im Jahr 2022 werden die letzten drei der ehemals 19 Reaktoren zur Stromproduktion abgeschaltet. Die Bundesrepublik spielt aber weiterhin eine wichtige Rolle bei der Produktion von Nuklearbrennstoffen, bei der große Mengen Reststoffe anfallen – und diese werden nach Russland exportiert. Ein russisch-deutsches NGO-Bündnis hat nun in einem gemeinsamen Appell Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Präsident Wladimir Putin aufgefordert, diese Transporte sofort zu stoppen.

Die strahlenden Reststoffe fallen bei der Anreicherung von Uran bei dem internationalen Atomunternehmen Urenco an, das auch in Deutschland einen Standort betreibt – im westfälischen Gronau. Urenco gehört zu je einem Drittel Großbritannien, den Niederlanden sowie den Stromkonzernen RWE und Eon. Das Gronau-Werk verfügt trotz des Atomausstiegs über eine unbegrenzte Zulassung. Bei der Produktion des in den AKW nutzbaren Brennstoffs entsteht abgereichertes Uran-Hexafluorid (UF6), das von Urenco nicht als Abfall, sondern als Wertstoff deklariert wird und daher nicht unter das im Atomgesetz fixierte Verbot des Nuklearmüll-Exports fällt. Laut Urenco wird das Material am Zielort Novouralsk im Ural wiederangereichert. Experten der Umweltverbände halten das Argument für vorgeschoben, wegen des niedrigen Urangehalts lohne sich das gar nicht, befindet etwa Greenpeace. Etwa 90 Prozent seien nicht wiederverwertbar und würden voraussichtlich dauerhaft in Russland verbleiben, so der BUND.

Die Transporte nach Russland waren 2010 aufgrund öffentlichen Drucks eingestellt worden, im Oktober 2019 wurden sie aber neu gestartet. Laut dem Vertrag zwischen Urenco und dem russischen Unternehmen Tradewill sollen bis 2022 rund 12 000 Tonnen zur „Wiederanreicherung“ geliefert werden. Das mit UF6 beladene Schiff „Mikhail Duding“ traf am Montag nach einer Fahrt quer durch die Ostsee im russischen Hafen von Ust-Luga bei St. Petersburg ein. Die Fracht wird von dort per Schiene unter anderem durch die Region um Tschernobyl in den Ural transportiert.

Der Appell an Merkel und Putin wurde inzwischen von fast 50 Organisationen, Abgeordneten und Experten unterzeichnet. Sie kritisieren, dass die Bundesregierung die Transporte für nicht genehmigungspflichtig hält, da sie dem Wertstoff-Argument folge. Während die Rückführung von Castor-Atombehältern nach Deutschland wegen der Corona-Pandemie gestoppt wurde, um die Einsatzkräfte zu schützen, gehe die UF6-Verschiffung nach Russland ungehindert weiter. Die Exporte von Gefahrgut widersprächen den UN-Zielen für eine nachhaltige Entwicklung und der Basler Konvention zur Kontrolle der grenzüberschreitenden Beförderung gefährlicher Abfälle, heißt es in dem Appell.

BUND-Vorsitzender Olaf Bandt kritisierte: „Die Bundesregierung sieht tatenlos zu, wie ein Teil des ungelösten Atommüllproblems wieder still und heimlich nach Russland entsorgt wird.“ Die Bundesrepublik müsse endlich einen kompletten Atomausstieg vollziehen. Solange die Urananreicherungsanlage Gronau und die Brennelementefabrik Lingen unbefristet weiterlaufen dürften, könne davon keine Rede sein. Vitaly Servetnik von der NGO Russische Sozial-Ökologische Union warnte, das UF6-Problem in ein Land mit schwächeren Umweltvorschriften und schwächerer öffentlicher Kontrolle zu verlagern, sei unverantwortlich. „Dieses Verbrechen an nachfolgenden russischen Generationen muss sofort gestoppt werden.“

Das Bundesumweltministerium teilte auf FR-Anfrage mit, der Export von UF6 bedürfe als „sonstiger radioaktiver Stoff“ keiner atom- oder strahlenschutzrechlichen Ausfuhrgenehmigung, es genüge eine Anzeige beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) in Eschborn. „Das Material wird in Russland genutzt, um Uran mit natürlicher Isotopenzusammensetzung herzustellen, das dann an die Urenco zurückgeliefert werden soll“, sagte ein Sprecher. Es entspreche der internationalen Praxis, dass das dabei anfallende, noch weiter abgereichertes Uran bei dem dortigen Unternehmen, sprich in Russland, verbleibe. Über längerfristige Vereinbarungen zwischen Urenco und der russischen Seite liegen laut dem Ministerium keine Informationen vor.

Nach FR-Informationen hatte das Umweltministerium innerhalb der Regierung vorgeschlagen, den Betrieb der Atom-Anlagen in Gonau und Lingen gesetzlich zu beenden. Der Vorstoß fand aber keine Mehrheit.

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Karte der nuklearen Welt:

UF6 Atommülltransporte von Gronau nach Russland ...

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Russland

Urenco

Uranhexafluorid

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atommüllreport

Urananreicherungsanlage Gronau (UAA)

URENCO wurde basierend auf den Vertrag von Almelo (1970) von den Regierungen von Großbritannien, Niederlande und Deutschland gegründet. Die Vertragsstaaten haben sich verpflichtet, Forschung, Entwicklung und Technik der Gaszentrifugentechnologie zu fördern, sowie die Nutzung zu militärischen Zwecken zu verhindern. 

Seit Jahrzehnten lagert der Abfall, v.a. Uranhexafluorid (UF6), soweit er nicht nach Russland gebracht worden ist, in Gronau unter freiem Himmel. UF6 ist nicht nur radioaktiv, sondern auch hochgiftig. In Verbindung mit Wasser reagiert es sofort zu extrem aggressiver Flusssäure. Für eine solche Reaktion reicht z.B. schon Luftfeuchtigkeit aus. Kommt ein Mensch z.B. nach einem Störfall damit in Kontakt, sind schwere Hautverbrennungen sowie radioaktive Kontamination die Folge. Eingeatmet zerfrisst Flusssäure die Lunge und kann zum Tod führen ...

https://www.atommuellreport.de/daten/uaa-gronau.html

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AtomkraftwerkePlag

Export von Atommüll

ZDF frontal21 wies in einem Fernsehbeitrag vom Juni 2007 darauf hin, dass aus der Urananreicherungsanlage in Gronau abgereichertes Uranhexafluorid nach Russland exportiert worden war. Die Atomindustrie spricht von wiederverwendbarem Wertstoff, in Wirklichkeit handelt es sich aber um Atommüll. Über 90 % des Urans können nämlich nicht wiederaufbereitet werden, sondern lagern in rostigen Tonnen unter freiem Himmel und stellen eine ernste Gefahr für Mensch und Umwelt dar ...

https://atomkraftwerkeplag.wikia.org/de/wiki/Export_von_Atomm%C3%BCll

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Wikipedia

Nowouralsk

1946 begann in Novouralsk der Bau einer Fabrik zur Produktion von hochangereichertem Uran für Atomwaffen. Somit wurde Nowouralsk wichtiges Zentrum der Nuklearindustrie im Ural. Aufgrund derer hohen strategischen Bedeutung wurde es zu einer geschlossenen Stadt erklärt und mit dem Codenamen Swerdlowsk-44 versehen, der noch bis 1994 verwendet wurde.

Nowouralsk ist das offiziell benannte Ziel der Atommülltransporte aus Gronau, Uh6 könnte aber auch in Tomsk7, Mayak oder Angarsk verarbeitet werden ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Nowouralsk

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18.06.2020 - Solar-Förderdeckel ist nun aufgehoben

Wegen eines Koalitionsstreits über Windräder zog sich die Aufhebung der Deckelung der Solarförderung hin. Nun hat der Bundestag an beides einen Haken gemacht.

Neue Solaranlagen werden auch in Zukunft über die Ökostrom-Umlage gefördert. Der Bundestag stimmte am Donnerstag dafür, den Förderdeckel von 52 Gigawatt installierter Leistung aufzuheben.

Das Parlament verabschiedete nach langem und heftigem Streit in der schwarz-roten Koalition auch eine Regelung für Mindestabstände zwischen neuen Windrädern und Wohnhäusern - es bleibt damit künftig den Bundesländern überlassen, ob sie so eine Regelung wollen und wie sie sie ausgestalten ...

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17.06.2020 - Nukleare Forensik - Ursache eines verheimlichten Nuklearunfalls rekonstruiert

2017 tauchte eine radioaktive Wolke über Europa auf, deren Ursprung offenbar in Russland lag. Jetzt konnten Forscher nachweisen, was dort passiert ist

Im September 2017 meldeten europäische Messstationen eine beunruhigende Entdeckung: In der Luft über Europa ließ sich fast 100-mal mehr Radioaktivität nachweisen als in der Folge der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011. Zwar ging von der Belastung noch längst keine gesundheitliche Gefahr aus, doch Forscher standen vor einem Rätsel: Anders als bei dem Unfall in Japan handelte es sich dabei nicht um das Radionuklid Jod-131, sondern um Ruthenium-106. Zudem lagen keinerlei Informationen über nukleare Unfälle irgendwelcher Art vor ...

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16.06.2020 - Experimente mit Neutronen

In Garching steht der leistungsstärkste Forschungsreaktor Deutschlands - Doch die Kritik wird immer lauter

Garching - Zur Feier des Tages kam eine "Atom-Mahlzeit" auf den Tisch: Nach "Vorfluterbrühe mit Kerneinlage" (Leberknödelsuppe) gab's "Uranstäbe" (Weißwürste), die mit "radioaktivem Kühlwasser" (Bier) heruntergespült wurden.

Und zum Dessert servierte man den 200 Ehrengästen um Ministerpräsident Wilhelm Hoegner "Garchinger Gammadunst" - vulgo: Käse. Anlass für dieses strahlende Menü im Januar 1957 war das Richtfest des Forschungsreaktors München (FRM), der später nur Atom-Ei genannt wurde - wegen seiner Aluminiumkuppel. Das markante Gebäude beheimatete den ersten Forschungsreaktor in Deutschland, der im Vorort Garching auf der grünen Wiese gebaut wurde. Die aus heutiger Sicht eigenartige Namensgebung beim Festessen zeugt davon, dass die Einstellung zur Kernenergie damals eine andere war. In Zeiten von Fukushima und Atomausstieg würde man heute wohl auch in Garching nicht mehr mit "radioaktivem Kühlwasser" anstoßen. Wobei: Nach Feiern ist beim Forschungsreaktor München II (FRM II) zurzeit ohnehin niemand zumute. Denn der 2004 in Betrieb gegangene Nachfolger des Atom-Eis sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt ...

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16.06.2020 - Atomlager in Tschechien: Vier mögliche Standorte

FREISTADT. Anti Atom Komitee kritisiert Entscheidung scharf.

Die tschechische Regierung hat die möglichen Standorte für Atommülllager von neun auf vier reduziert. Die Entscheidung darüber war schon seit langem überfällig, wurde aber wegen des Widerstandes der betroffenen Gemeinden immer wieder verschoben. Bei den noch zur Wahl stehenden Standortgemeinden handelt es sich um Janoch bei Temelin, Horka, Hradek und Brezovy Potok.

"Die Entscheidung erfolgte weitgehend unter Ausschluss der betroffenen Gemeinden, obwohl den Gemeinden ein gesetzlich verankertes Mitspracherecht zugesagt wurde, aber ein solches Gesetz wurde gegen den Protest der Gemeinden bis heute nicht verabschiedet. Damit wird jede Transparenz in der Standortwahl unterbunden", übt Manfred Doppler vom Anti Atom Komitee scharfe Kritik an der Vorgehensweise der tschechischen Regierung ...

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