Zeitungsartikel 2019  

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Toshiba und Hitachi - Inspire the Next

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17.01.2019 - Japaner wollen selbst in Großbritannien keine Atomkraftwerke mehr bauen

Artikel von Benjamin Triebe aus www.nzz.ch

Nach Toshiba stoppt jetzt auch Hitachi den Bau von Kernkraftwerken im Vereinigten Königreich. Die Projekte gelten als unwirtschaftlich – solange sich die Bedingungen nicht ändern.

Mit dem japanischen Industriekonzern Hitachi nimmt der zweite Konstrukteur von Atomkraftwerken innerhalb weniger Monate Abstand von Großbritannien. Wie Hitachi am Donnerstag bestätigte, wird das Unternehmen die Arbeit an dem Reaktorprojekt Wylfa in Wales auf Eis legen. Die Bauarbeiten hatten noch nicht begonnen – ähnlich wie bei dem Moorside-Projekt, einem geplanten Kraftwerk nahe dem nordenglischen Atomkomplex Sellafield. Die Planung für Moorside wurde im November gestoppt, als der ebenfalls japanische Elektronikkonzern Toshiba die mit der Planung beauftragte Tochtergesellschaft liquidierte. Damit häufen sich die Fragezeichen hinter der britischen Energiestrategie.

Viele Pläne, kaum Fortschritt

Wylfa und Moorside waren zwei von einer Handvoll geplanter Kernkraftwerke auf der Insel. Die Initiative zu dieser Atomoffensive geht bis auf die Labour-Regierung im Jahr 2006 zurück. Die nachfolgenden Regierungen hielten an dem Vorhaben fest, durch eine Reihe neuer Reaktoren alte Kern- und Kohlekraftwerke zu ersetzen, die ab den 2020er Jahren vom Netz gehen, sowie die Schadstoffemissionen zu senken. Mit Ausnahme des von der französischen EDF entwickelten Kraftwerks Hinkley Point C im westenglischen Somerset ist bis heute keines der Projekte über das Reissbrett hinausgekommen. In Somerset haben nach vielen Verzögerungen inzwischen die Bauarbeiten begonnen.

Bei Hinkley Point C garantiert der britische Staat EDF für 35 Jahre einen sehr hohen Absatzpreis pro Megawattstunde, der weit über dem Marktpreis liegt. Zu dieser Konzession war er bei den anderen Kraftwerksprojekten nicht bereit, was angesichts der verbreiteten Kritik nachvollziehbar ist. Doch nur zu Marktpreisen, selbst zu jenen für teureren Strom aus erneuerbaren Energien, ist der Bau eines Kernkraftwerks in Grossbritannien nicht rentabel – besonders, wenn er von privaten Unternehmen wie Toshiba und Hitachi vorangetrieben werden soll statt von staatlich kontrollierten Firmen wie EDF oder der chinesischen CGN, die ebenfalls Pläne auf der Insel wälzt. Die Kosten für Wylfa werden auf 28 Mrd. $ geschätzt.

In Britannien mehren sich nun die Stimmen, die entweder eine Überarbeitung der nationalen Energiestrategie und eine Abkehr von teuren Kernkraftwerken fordern oder zumindest eine Revision der Finanzierungsmechanismen. Die Regierung erwägt laut Medienberichten bereits, ein Modell auf Kernkraftwerke auszuweiten, bei dem der Betreiber und seine Investoren schon während des Baus einen Rückfluss an Kapital erhalten, obwohl die Anlage noch keinen Strom erzeugt – gewissermassen einen Vorschuss auf den späteren Erlös. Das sei besser als eine weltfremd hohe Einspeisevergütung, heisst es.

Auch der Standpunkt der Regierung, wonach nur private Investoren und nicht der Staat den Bau finanzieren sollen, wankt: Bei Wylfa offerierte London am Ende sogar, bis zu einem Drittel der Anteile zu übernehmen und Kredite beizusteuern – letztlich vergeblich. Hitachi wägte stattdessen ab, welche Projekte im Unternehmen Priorität haben, und da steht derzeit beispielsweise die im Dezember angekündigte Übernahme der Netzwerksparte von ABB zuvorderst. Sollte sich die Lage in Grossbritannien ändern, hätte der Industriekonzern neben Wylfa noch (weniger weit fortgeschrittene) Pläne für ein zweites Atomprojekt in der Schublade.

Strommix auf dem Prüfstand?

Auch wenn der britische Reformbedarf gross ist bei der Finanzierung des Baus von Kernkraftwerken, die anfangs hohe Investitionen und viel Geduld erfordern und später grosse operative Risiken mit sich bringen: So schnell werden die Lichter auf der Insel nicht ausgehen. Die Kraftwerke aus den nun gestoppten Projekten wären erst in mehr als einem Jahrzehnt ans Netz gegangen.

Das bietet noch die Chance, den künftigen Strommix zu überdenken. Er bestand im dritten Quartal 2018 zu knapp 40% aus Erdgas, zu 23% aus Atomkraft und zu einem Drittel aus erneuerbaren Energien. Nichts zu tun, ist für die Regierung nach zwei Rückzügen in drei Monaten eine leichtfertige Option.

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Karte der nuklearen Welt:

Aus, erst für Moorside und nun auch für Wylfa!

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