22.01.2018

SENDETERMIN: Montag den 22.01.2018 um 8:30 Uhr im SWR2

Die schleichende Vergiftung

Risiko Uran

Dieser Artikel von Peter Jaeggi erschien in www.swr.de

Das radioaktive Schwermetall Uran kommt natürlich in der Umwelt vor. Dort ist es ungefährlich. Gelangt es aber in den menschlichen Körper, wirkt es hochgiftig für die Zellen. Anfang 2017 fand ein Schweizer Arzt und Wissenschaftler im Urin seiner Patienten teilweise große Mengen Uran. Die gleiche Entdeckung machte ein Arzt in Düsseldorf. Woher der Stoff kam, ist bis heute rätselhaft.

Woher stammt Uran?

Uran kommt natürlich im Erdboden vor. Das radioaktive Element stammt aus der Entstehungszeit des Universums. In unseren Regionen sind die größten natürlichen Konzentrationen im Granit. Mehr als 99 Prozent dieses Natur-Urans bestehen aus dem Isotop Uran 238.

Ist Uran gesundheitsschädlich?

Früher wurde auf die niedrige Radioaktivität von Uran hingewiesen – die sei nicht gesundheitsschädlich. Doch das stimmt nicht: Uran ist ein sogenannter Alphastrahler, der zwar nur eine sehr geringe Reichweite hat, dafür eine sehr hohe Energie. Das bedeutet, dass Uran besonders gefährlich ist, wenn es vom Organismus aufgenommen wird und die Strahlung so die Zellkerne treffen kann. Und die enthalten unsere DNA, unsere Erbinformationen.

Mehrere Studien legen nahe, dass Kinder von mit Uran belasteten Eltern sehr wahrscheinlich ein größeres Risiko haben, mit Missbildungen geboren zu werden, sagt Thomas Carmine. Weil Uran die Erbsubstanz schädigen könne. In mehreren Experimenten und anhand von Einzelfällen sei zudem belegt worden, dass Uran das Risiko erhöht, an Knochenkrebs zu erkranken.

Wie wird Uran freigesetzt?

Normalerweise bleibt die Uran-Strahlung im Gestein gefangen. Gefährlich wird sie erst, wenn radioaktive Partikel vom Körper aufgenommen werden. Uran-238 hat eine Halbwertszeit von fast viereinhalb Milliarden Jahren. Es zerfällt in mehreren Schritten zu Folgeelementen wie Thorium, Radon, Radium und Polonium. Diese Zerfallsprodukte sind dabei erheblich radioaktiver als das Uran selbst.

Wie äußert sich eine Uran-Vergiftung?

Die ersten Symptome einer Uranvergiftung sind Müdigkeit, längere Erholungszeiten nach dem Sport beispielsweise. Leichte Depressivität. Wenn Sie höhere Uran-Konzentrationen haben, dann können auch Organe nachhaltig geschädigt werden. Vor allem die Nieren, das Knochenmark, die Leber und auch das Nervensystem.

Woher stammt das Uran, das 2017 im menschlichen Urin nachgewiesen wurde?

Der Krimi ist noch nicht gelöst, es gibt jedoch verschiedene Mosaiksteinchen:

  • Der Schweizer Mediziner Carmine ist sicher: „Es muss irgendwie Anfang des Jahres eine größere Menge Uran insofern freigesetzt worden sein, dass Menschen das inkorperiert haben. Auf welchem Weg auch immer Und sei es übers Trinkwasser, über die Nahrungskette oder inhalativ. Und ich denke mittlerweile, dass der Weg über die Einatmung der wahrscheinlichste ist, weil die regionale Verteilung sehr groß war.“
  • Eine entscheidende Rolle spielte offenbar auch das Wetter. Es herrschte damals nämlich eine ungewöhnlich lange austauscharme Wetterperiode. So konnten sich viele Schadstoffe, darunter Uran, in der bodennahen Luft anreichern. In der letzten Januarwoche und Mitte Februar 2017 entstanden windschwache Inversionswetterlagen. Dabei sind die oberen Luftschichten wärmer als die unteren und halten diese am Boden. Und genau in dieser Zeit fanden die Mediziner in der Schweiz und in Deutschland den uranbelasteten Urin.
  • Uranaerosole, die durch den Einsatz von Uranmunition freigesetzt werden. Uranmunition wird intensiv eingesetzt seit 1990 in weltweiten Konflikten. So auch im Irak, in Afghanistan, Lybien, der Ukraine und in Syrien. Bei einem Treffer mit dieser Munition beginnt das auf über 3.000 Grad Celsius erhitzte Metall zu brennen. So entsteht ein Uranoxid-Aerosol, eine Gaslösung mit feinen Uranpartikeln, die der Wind fortträgt und weiträumig verteilt.
  • Uranaerosole zum Beispiel aus dem Syrienkrieg können bis zu uns nach Mitteleuropa gelangen, sagt der Kernphysiker Martin Kalinowski. Er ist zuständig für weltweite Radioaktivitätsmessungen bei der „Organisation über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen“ mit Sitz in Wien.
  • Diese radioaktiven Schwebeteilchen können beliebig lange in der Luft bleiben und lange Reisen vornehmen, sie können aber auch als Staub zur Erde fallen oder von Regen und Schnee herunter gewaschen werden. Das ist nach einer langen Trockenperiode wahrscheinlich mit dem Uran geschehen, das Anfang 2017 in der Schweiz und im Raum Düsseldorf im Urin von Menschen gefunden worden ist.

Weitere Uran-Quellen in unserem Lebensumfeld

  • Uran gelangt durch die Verbrennung von Kohle in die Luft

Europas gefährlichste uranhaltige Quelle für Flugasche sind die beiden Uralt-Braunkohlekraftwerke in der Nähe von Pristina im Kosovo. Die Weltbank bezeichnete das Werk „Kosova A“ bereits vor vielen Jahren als die „größte punktuelle Quelle für Umweltverschmutzung in Europa“ – die schlimmste Dreckschleuder auf dem Kontinent. Dessen Schadstoffausstoß, verteilt über riesige Gebiete, überschreitet die europäischen Grenzwerte bisweilen um das 70-Fache.

  • Uran steckt in den meisten Phosphatdüngern und gelangt so in Ackerboden und Trinkwasser

Seit Jahrzehnten sammelt sich in unseren Ackerböden Uran. Enthalten ist es in den meisten Phosphatdüngern. Die meisten natürlichen Phosphatvorkommen waren früher Meere, die dann ausgetrocknet sind. Im Meerwasser ist Phosphat und Uran drin. Wenn das austrocknet, gibt es Ablagerungen. Deshalb stecken in solchen natürlichen Phosphaten erhebliche Mengen an Uran.

Allein die deutsche Landwirtschaft hat bisher in all diesen Jahrzehnten um die 15.000 Tonnen Uran ausgebracht. Konservativ geschätzt. Ein Teil davon sammelt sich nicht in den Ackerböden, sondern gelangt ins Grundwasser gelangt und damit in unser Trinkwasser. Deswegen ist verseuchtes uranbelastetes Trinkwasser die wohl unmittelbarste Gefahr, die vom Uran ausgeht.

Uran ist nicht primär wegen seiner Radioaktivität gefährlich, sondern wegen seiner toxischen Wirkung

Laut WHO-Richtlinien sollte ein Erwachsener weniger als ein Mikrogramm Uran pro Tag und Kilogramm Körpergewicht aufnehmen. Sonst drohen Langzeitschäden. Etwa der Niere. Der WHO-Wert ist oberstes Limit. Er wurde auf politischen Druck hin mehrmals nach oben korrigiert. Dennoch wird sorglos tonnenweise kontaminierter Dünger auf Äckern ausgebracht. Deshalb fordern Experten, dass endlich ein Grenzwert für Uran im Dünger festgelegt werden soll.

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Artikel vom 1.12.2016:
Pentagon bestätigt Einsatz von Uran-Munition in Syrien

Universität Oldenburg:
Informationen über Uran Munition (Depleted Uranium, DU)

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Foodwatch-Forderungen:
Sichere Grenzwerte, deutliche Warnhinweise

Deutsche Wasserakademie:
Uran Grenzwert

Umweltinstitut München e.V.:
Gefahr fürs Baby - Radioaktivität im Trink- und Mineralwasser

Contra Magazin:
170 Millionen Amerikaner trinken radioaktiv verseuchtes Leitungswasser

reaktorpleite:
Uranforschung - Uran im Trinkwasser

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Der Konsument:
Uran in Düngemitteln - Gift aus dem Garten

Bundesumweltamt:
Uran in Boden und Wasser (.pdf)

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INWORKS-Studie
Die INWORKS-Studie beruht auf den Messdaten von 300.000 Arbeitern in Atomkraftwerken, diese Daten reichen bis zu 60 Jahre zurück.

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