Aktuelles Der THTR-Rundbrief

Newsletter XLVIII

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Aktuelles+ Hintergrundwissen

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Auszug aus der PDF-Datei
Nuclear Power Incidents & Accidents + NAMS + INES

Im November jähren sich vier Störfälle:

01.11.1983 - (INES 3) einer von vielen Störfällen in Sellafield ...

03.11.1997 - (INES 3) in der japanischen Atomfabrik Tokaimura wurden 37 Mitarbeiter einer erhöhten Strahlung ausgesetzt.

29.11.1955 - (INES 4) Idaho Falls - In der National Reactor Testing Station Idaho erlitt der Forschungsreaktor EBR-I eine partielle Kernschmelze.

30.11.1975 - (INES 4) Leningrad - teilweise Zerstörung des Reaktorkerns in Block 1 des Leningrader Akw Sosnowy Bor.

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25.10.2021 - Energiewende braucht ein neues Strommarktdesign für dezentrale Bürger-Energie

Die Bundesnetzagentur konsultiert über den Netzentwicklungsplan zum Ausbau des Stromnetzes bis 2035. Dazu erklärt Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND:

"Der aktuelle Netzentwicklungsplan sieht einen überdimensionierten Ausbau der Stromnetze vor. Der BUND fordert schon lange, Stromnetze dezentral, also vor Ort auszubauen. Das hätte nicht nur einen positiven Einfluss auf den Umweltschutz und würde für mehr soziale Gerechtigkeit beim dringend benötigten Ausbau der erneuerbaren Energie sorgen. Strom, der vor Ort in der Hand von Bürgerinnen und Bürgern, Energiegemeinschaften und Kommunen erzeugt, gespeichert und verbraucht wird, muss nicht erst durch die ganze Republik transportiert werden. Gleichzeitig bieten dezentrale Netze eine größere Versorgungssicherheit, weil die Energieversorgung auf die vielen kleinen Anlagen verteilt wird und nicht von wenigen großen abhängig ist.

Der BUND fordert von der neuen Bundesregierung, ihr im Sondierungspapier angekündigtes neues Strommarktdesign schnell umzusetzen. Dieses muss auf Dezentralität mit Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch auf regionaler Ebene basieren. Damit kann der Ausbau der Übertragungsnetze deutlich reduziert werden, wie wissenschaftliche Studien zeigen. Bis dahin muss es ein Moratorium der Stromnetzplanung geben. Die Bürger-Energie-Bewegung wartet sehnlichst darauf, dass man ihr den von der alten Bundesregierung verweigerten rechtlichen Spielraum gibt." ...

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Antiterrormaßnahmen nicht umgesetzt

24.10.2021 - Japan nimmt Atomkraftwerk Fukui wieder vom Netz

Nur vier Monate nachdem das Atomkraftwerk Fukui wieder in den Betrieb genommen wurde, wurde es von der Atomaufsicht des Landes erneut vom Netz genommen.

Der Betreiber Kansai Electric Power musste den Reaktor Mihama Nr. 3 abschalten, da am Montag die Frist abgelaufen ist, bis zu deren Ende die vorgeschriebenen Antiterrormaßnahmen umzusetzen waren.

Atomkraftwerk soll im Oktober 2022 wieder ans Netz gehen

Das Unternehmen konnte die Frist allerdings nicht einhalten und will nun umfassende Sicherheitsprüfungen durchführen. Die Antiterrormaßnahmen sollen bis September nächsten Jahres umgesetzt werden und das Atomkraftwerk soll dann Mitte Oktober seinen Betrieb wieder aufnehmen ...

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Mehr CO2-Emissionen als Indien

23.10.2021 - Beton und Zement befeuern den Klimawandel

Der Bedarf an Beton und Zement wächst mit der zunehmenden Verstädterung - besonders in Afrika und Asien. Bei der Herstellung werden jedoch große Mengen an CO2 freigesetzt, auf eine Tonne Zement kommen rund eine Tonne CO2. Bis 2050 soll sich das ändern.

Zement und Beton sind von gewaltiger Bedeutung für Bau- und Infrastrukturprojekte rund um die Welt - doch ebenso gewaltig sind die Auswirkungen auf den Treibhauseffekt: Allein die Zementproduktion steht für sieben Prozent der weltweiten CO2-Emissionen, drei mal mehr als der Ausstoß im Luftverkehr. "Das ist mehr als alle Emissionen der gesamten Europäischen Union oder Indiens und liegt nur noch hinter denen Chinas und der USA", erklärt die Klimaforscherin und Ko-Vorsitzende einer Expertengruppe des Weltklimarats IPCC, Valérie Masson-Delmotte ...

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22.10.2021 - RWE will Atomkraftwerke nicht weiter betreiben – Erneuerbare Energien wirtschaftlich attraktiver

Münster – Angesichts hoher Strom- und Gaspreise wird die mediale Forderung nach einem Weiterbetrieb der Atomkraftwerke immer lauter. Doch die Stromversorger winken ab, haben längst andere Pläne und ihr Geschäftsmodell umgestellt.

Trotz der rasant gestiegenen Energiepreise hat der Energieversorger RWE in einem Interview mit der Börsenzeitung ein Revival der Atomenergie eindeutig ausgeschlossen. Und auch in Ländern mit Atomkraftwerken wie Frankreich schützen die Kernkraftwerke nicht vor den aktuell hohen Strompreisen, ganz im Gegenteil ...

Börsen-Strompreise in Frankreich trotz Atomkraftwerke deutlich höher als in Deutschland

Frankreich hat eine Atomkraftflotte mit einer Gesamtleistung von rd. 62.000 MW, davon sind derzeit Kernkraftwerke mit einer Leistung von rd. 40.000 MW am Netz. Dass eine große Zahl an Atomkraftwerken nicht vor hohen Strompreisen schützt, zeigen die aktuellen Börsenstrompreise in den europäischen Ländern. Gestern (22.10.2021) musste an der Strombörse auf Tagesbasis am Spotmarkt zur Mittags-Auktion für die heutige Lieferung in Frankreich für Strom knapp 21 ct/kWh gezahlt werden, in Belgien 16,1 ct, in den Niederlanden 15,1 ct, in der Schweiz 22,7 ct und in Deutschland lediglich 7,2 ct je kWh. Damit war der Börsenstrom in Frankreich im Vergleich zu Deutschland fast dreimal so teuer ...

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22.10.2021 - Politik sieht noch keinen Klima-Notstand

Der große Klimastreik von Fridays for Future heute in Berlin erhöht den Druck auf die verhandelnden Koalitionäre. Die Forderungen sind konkret: 80 Prozent Ökostrom und Kohleausstieg bis 2030, keine neuen Autobahnprojekte, festes Auslaufdatum für den Verbrennungsmotor.

Zumindest atmosphärisch bemüht sich die angehende Bundesregierung darum, es sich mit der Klimabewegung nicht zu verscherzen. So löst der designierte Kanzler Olaf Scholz seine vor der Wahl gegebene Zusage ein und trifft sich am 12. November mit Lea Bonasera und Henning Jeschke, die als Hungerstreikende mit ihrer wochenlangen Aktion im September das Treffen erzwangen ...

Klima-Koalition lässt auf sich warten

Dass die drei künftigen Koalitionäre SPD, Grüne und FDP die Klima-Lage deutlich anders bewerten, lassen ihr Sondierungspapier und die dazu gemachten Äußerungen unschwer erkennen. Ihre Rolle als Klimaschutzpartei konnten die Grünen in den bisherigen Gesprächen nicht wie erwartet zur Geltung bringen. Über die Gründe dafür schweigen sie sich bisher aus.

Lieber heben sie Erfolge wie den beabsichtigten früheren Kohleausstieg, die ausgeweitete Solarpflicht und das Lösen der Ausbaubremsen bei den erneuerbaren Energien hervor. Auf dieser Grundlage sei es noch möglich, auf den 1,5-Grad-Pfad des Pariser Klimaabkommens zu kommen, versuchen grüne Spitzenpolitiker vorzurechnen ...

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22.10.2021 - „Schildbürgerstreich ersten Grades und Ohrfeige“ - Bürger-Frust über abgelehnte Photovoltaik-Anlage in Bernau

Die Ablehnung einer Photovoltaik-Großanlage in Bernau frustriert viele Bürger. Wollen die Politiker wirklich die Energiewende, fragen sich zwei im Leserforum.

Sepp Genghammer (Bernau): „Nun hat also der Bernauer Gemeinderat mit großer Mehrheit von CSU und ihren Freunden wieder ein wichtiges Klimaschutzprojekt, die Photovoltaikanlage im Moos, zu Fall gebracht. Wo doch gerade unser CSU-Ministerpräsident immer noch den Ausbau der Windkraft verhindert und dann auf den Sonnenstrom verweist. Als Grund muss vor allem die Landschaft herhalten, die dann aber beim Autobahn-Ausbau oder beim Hotel auf dem Hitzelsberg wieder gar keine Rolle spielt. Schön, wenn auf die möglichen PV-Anlagen auf den Hausdächern verwiesen wird ...

Heribert Burdick (Bernau): „Die Ablehnung der Freilandfotovoltaikanlage im Bernauer Moos mit Verweis auf den Naturschutz und die Optik ist ein Schildbürgerstreich ersten Grades und eine Ohrfeige für alle, die mit Blick auf die Klimakrise und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts fordern, dass auch Bernau seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten sollte. Besonders das Argument, die Photovoltaikanlage störe die Landschaft und das Ortsbild, ist geradezu grotesk, schaut man sich etwa die monumentale Hässlichkeit des Gebäudes der Firma Schuster an der Chiemseestraße an, wo die Gemeinde es nicht einmal durchgesetzt hat, diesen Bunker etwas ansehnlicher gestalten zu lassen ...

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Liebe Freundinnen und Freunde,

vielen von euch wird es genauso gehen wie uns: Wir sind mit den klimapolitischen Vereinbarungen im Sondierungspapier der zukünftigen Ampel-Koalitionäre nicht sehr zufrieden - viele schöne Worte, aber bislang wenig konkret-verbindliche Festlegungen PRO Klimaschutz - für die Erreichung der Pariser Klimaziele reicht's definitiv nicht und der Atombereich fehlt noch vollkommen. Da ist leider noch sehr viel zu tun und schon jetzt ist die bremsende Handschrift der FDP und von Teilen des SPD deutlich zu erkennen.

Deshalb gilt für uns: Nicht stillsitzen und abwarten, sondern eingreifen wo möglich:

1. Klimastreik 22.10.
Wir rufen zur Teilnahme am nächsten Klimastreik der Fridays auf, jetzt am Freitag, 22.10. zentral in Berlin, aber auch z. B. um 15 Uhr am Hauptbahnhof in Münster oder auch in Gronau um 16 Uhr am Café Extrablatt in der Fußgängerzone. Informiert euch, wo in eurer Nähe was los ist.
https://fridaysforfuture.de/

2. Versammlungsgesetz-Demo Köln 30.10.
Und dann haben wir immer noch eine realexistierende schwarz-gelbe Landesregierung in NRW, die immer noch ein scharfes, repressives Versammlungsgesetz durchdrücken will.
Dagegen findet am Samstag, 30.10. in Köln (13 Uhr ab Friesenplatz) die dritte landesweite Großdemo statt - auch dazu rufen wir natürlich auf - Demonstrationsfreiheit ist für eine emanzipierte Gesellschaft wie Luft zum Atmen!
https://www.nrw-versammlungsgesetz-stoppen.de/

3. Demo Lützerath 31.10. - Kohleabbau sofort stoppen!
Dieselbe NRW-Landesregierung unterstützt auch weiter RWE beim Abriss der Dörfer am Tagebau Garzweiler. Aktuell geht der Kampf um Lützerath. Es gibt regelmäßig Proteste, darunter jeden Sonntag Dorfspaziergänge.

Am Sonntag, 31. Oktober wird daraus eine große Demo werden - dazu rufen wir auf. Treffpunkt ist um 11.30 Uhr in Lützerath:
https://www.alle-doerfer-bleiben.de/

4. Petition zu radioaktiv kontaminierten Metallen
Durch die Stilllegung und den beginnenden Abriss der AKW fallen immer mehr radioaktiv verseuchte Materialien an. Eine Petition aus BaWü fordert nun vom Bundestag und der Bundesregierung ein Exportverbot und ein Ende des Einschmelzens von radioaktiv verseuchten Metallen. Die Gefahren werden hierbei bisher leichtfertig unterschätzt und kleingeredet. Deshalb unterstützt bitte die wichtige Petition - danke:
https://weact.campact.de/petitions/stopp-des-exports-und-des-einschmelzens-radioaktiv-kontaminierter-metalle

5. Blick über den Tellerrand:
a) Frankreichs Präsident Macron will die Atomenergie in Frankreich massiv ausbauen, mit sechs großen Reaktoren und vielen kleineren - ein absoluter Wahnsinn, der auch damit zusammenhängt, dass für den Erhalt der französischen Atomwaffen zwingend auch eine "zivile" Atomindustrie nötig ist.
Zugleich hat Greenpeace Frankreich aufgedeckt, dass Frankreich derzeit eine große Menge wiederaufgearbeitetes Uran nach Russland verbringt. Greenpeace und auch Ecodefense protestieren dagegen!
b) Urenco ist auch nicht untätig - derzeit finden nach unseren Infos neue Uranmülltransporte von der der britischen UAA Capenhurst bei Liverpool nach Russland statt. Auch mit der Mikhail Dudin und auch über den Hafen Ust-Luga bei St. Petersburg. Urenco kann es nicht lassen - und die Bundesregierung schweigt.
c) Wir rechnen damit, dass Urenco hofft, auch aus Gronau nach der NRW-Landtagswahl im nächsten Mai wieder Uranmüll nach Russland bringen zu können - das wollen wir unbedingt verhindern. Mit diesen Uranmüllexporten muss endgültig Schluss sein.

Es gibt also viel zu tun - auf geht's!

Atomfreie Klimagrüße
SOFA (Sofortiger Atomausstieg) Münster, Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen
www.sofa-ms.de, www.urantransport.de

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21.10.2021 - Umweltschützer als ausländische Agenten

Wladimir Sliwjak, Träger des Alternativen Nobelpreises 2021, über den Kampf gegen die Atomkraft in Russland

Ich gratuliere Ihnen zum Alternativen Nobelpreis. Was bedeutet der Preis für Sie?

Das ist eine Unterstützung für die Zivilgesellschaft. Dieser Preis lenkt die Aufmerksamkeit auf die Umweltaktivisten in Russland. Genauso wie der Friedensnobelpreis für Dmitri Muratow von der »Nowaja Gaseta«. Wir Aktivisten der Umwelt- und Menschenrechtsbewegung sind in Russland gefährdet. Einige sitzen im Gefängnis oder mussten fliehen, weil sie strafrechtlich verfolgt werden.

Sie bleiben in Russland?

Ja. Es ist natürlich schwierig, hier Umweltarbeit zu machen, aber man kann etwas bewegen. Deswegen bleibe ich.

Ihre Organisation Ecodefense zählt zehn Aktivistinnen und Aktivisten. Kann man mit so wenigen Menschen etwas bewegen?

Was wir an Quantität nicht bieten können, müssen wir an Qualität haben. Und unsere Aktivisten sind hoch motiviert. Sie wissen, dass jederzeit Gefängnis oder Gewalt drohen können, und machen trotzdem weiter. Alle unsere Mitglieder sehen ihre Arbeit für die Umwelt als Sinn ihres Lebens an. Und wir können auch auf eine ganze Reihe von Erfolgen blicken. So haben wir in Kaliningrad den Bau eines Atomkraftwerkes verhindert, das für die Produktion von Exportstrom gedacht war. Im Kontakt mit westlichen Umweltschützern und Banken konnten wir erreichen, dass Letztere hierfür keine Kredite vergaben ...

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21.10.2021 - Reaktorblock nach Zwischenfall in russischem Atomkraftwerk abgeschaltet

- In der Nacht zu Donnerstag ist in einem russischen Atomkraftwerk ein Reaktor nach einem Zwischenfall abgeschaltet worden.
- Aus einem Rohr sei Dampf ausgetreten.
- Es handelt sich nach Angaben des Betreibers um einen Teil des Systems, in dem kein radioaktiv belastetes Wasser fließe.

Rostow am Don. Nach einem Zwischenfall in einem Atomkraftwerk im Süden Russlands ist ein Reaktorblock für Wartungsarbeiten vom Netz genommen worden.

In dem Kraftwerk rund 120 Kilometer von der Stadt Rostow am Don entfernt sei in der Nacht zum Donnerstag ein Austritt von Dampf aus einem defekten Rohr festgestellt worden, teilte der Betreiber Rosenergoatom im sozialen Netzwerk Telegram mit. Das Rohr sei allerdings Teil eines Kraftwerksystems, in dem kein radioaktiv belastetes Wasser fließe ...

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21.10.2021 - BMU will mit Künstlicher Intelligenz Klimaschutz und Energiewende voranbringen

Berlin - Das Bundesumweltministerium (BMU) hat die zweite Förderrunde zur Beschleunigung von Klimaschutz und Energiewende mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) gestartet.

Die Projekte der Förderinitiative "KI-Leuchttürme für Umwelt, Klima, Natur und Ressourcen" sollen für eine klimagerechte Digitalisierung beispielgebend sein. Für die KI-Leuchttürme stehen bis 2025 Fördermittel in Höhe von voraussichtlich 66 Millionen Euro bereit. Projektskizzen können bis zum 30. November 2021 eingereicht werden. Die KI-Initiative ist ein Beitrag zur Umsetzung der KI-Strategie der Bundesregierung, die das Ziel hat, Deutschland und Europa zu einem führenden KI-Standort zu machen und KI gleichzeitig verantwortungsvoll und gemeinwohlorientiert zu entwickeln.

"In künstlicher Intelligenz stecken große Chancen für den Klimaschutz. So kann eine KI die Effizienz von Erneuerbaren Energien steigern, höhere Recyclingraten in der Kreislaufwirtschaft ermöglichen und den Energiebedarf von Gebäuden reduzieren“, so Bundesumweltministerin Svenja Schulze. Nun gelte es, das Potenzial von KI für den Klimaschutz frühzeitig zu erkennen und zu nutzen ...

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Aktuelles+

 

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Auszug aus einem Interview des Jacobin Magazine mit Noam Chomsky

(Teil 1)

20.10.2021 - «Der US-amerikanische Imperialismus wird sich kaum ändern»

(Teil 2)

21. Oktober 2021 - «Statt zu terrorisieren ein humanitäres Programm starten»

Christian Müller / infosperber.ch

Noam Chomsky: Ziehen die USA aus ihrer teuren, mörderischen, aber erfolglosen Aussenpolitik jetzt die Konsequenzen?

Noam Chomsky ist emeritierter Professor an der weltberühmten US-University MIT, ist Autor zahlreicher Bücher über die Politik, speziell auch über die Aussenpolitik der USA. Er ist einer der wenigen prominenten Publizisten, die sich weigern, sich dem US-amerikanischen Mainstream-Denken – die Welt soll so leben, wie es die USA vorgeben – zu unterwerfen. In einem ersten Teil anwortete Chomsky im linken US-amerikanischen «Jacobin Magazine» auf Fragen zu Afghanistan. In diesem zweiten Teil zeigt Chomsky auf, dass die USA stets im Krieg waren und erörtert die Rolle der Antikriegsbewegung. (cm)

Jacobin: Wir fragen uns, ob es humanitäre Projekte gibt, die Ihrer Meinung nach von Progressiven unterstützt werden sollten – abgesehen von der Beendigung der Sanktionen gegen verschiedene Länder und der Aufnahme weiterer Flüchtlinge –, Projekte, die nicht in die Falle der Fortsetzung der Interventionen tappen.

Noam Chomsky: Nehmen Sie George W. Bush, der für die Invasion Afghanistans und die spätere Invasion des Irak verantwortlich war – Millionen von Menschen wurden getötet, Länder zerstört, die ganze Region durch ethnische Konflikte verwüstet, die es vorher nicht gab.
Wir könnten jetzt ein humanitäres Programm starten, indem wir zum Beispiel Impfstoffe für Lateinamerika, die Karibik, Afrika und Asien zur Verfügung stellen. Auch Bush hat einige gute Dinge getan. Seine Gesundheitsprogramme in Afrika zum Beispiel waren sehr hilfreich. Das war eine humanitäre Intervention. Biden hat zumindest einige kleine Schritte in diese Richtung unternommen. Aber nicht die grossen Schritte, die von der «People’s Vaccinemovement» gefordert werden, wie die Ausserkraftsetzung der Patente von den exorbitanten geistigen Eigentumsrechten. Diese Rechte patentieren nicht nur das Produkt, sondern auch das Verfahren. Das ist etwas Neues, das von Bill Clinton und anderen neoliberalen Fanatikern in der Welthandelsorganisation eingeführt wurde. Es ist eine radikale Verletzung des Freihandels, wie es sie in der Vergangenheit nie gegeben hat. Und das alles im Dienste von mehr Profit für die Pharmaunternehmen. Nun, wir können das abschaffen und anderen Ländern erlauben, die Impfstoffe herzustellen, die ohnehin grösstenteils (an den Universitäten, Red.) mit öffentlichen Geldern entwickelt wurden.

Wirtschaftsblockade gegen Kuba als Bestrafung für Ungehorsam

Doch kommen wir zu Kuba: eine der schlimmsten Gräueltaten der Neuzeit. Die ganze Welt – im wahrsten Sinne des Wortes – ist entschieden gegen das, was wir tun. Die letzte Abstimmung bei den Vereinten Nationen fiel mit 184 zu 2 Stimmen zugunsten der Beendigung der Wirtschaftsblockade der Vereinigten Staaten gegen Kuba aus. Israel war das einzige Land, das mit den Vereinigten Staaten stimmte, weil es ein US-Vasallenstaat ist. Niemand sonst tat dies. Wurde darüber überhaupt berichtet?

Bei der Blockade geht es darum, Kuba dafür zu bestrafen, dass es sich uns widersetzt hat – was das Aussenministerium in den 60er-Jahren als «erfolgreiche Missachtung» bezeichnete. Die Vereinigten Staaten lassen niemanden damit durchkommen, also erfinden sie alle möglichen Geschichten über Menschenrechte. Es gibt tatsächlich Menschenrechtsverletzungen in Kuba – in der Tat einige der schlimmsten in unserer Hemisphäre. Sie finden in der südöstlichen Ecke Kubas statt, an einem Ort namens Guantanamo Bay, den die Vereinigten Staaten mit vorgehaltener Waffe eingenommen haben und sich weigern, ihn an Kuba zurückzugeben. Was in Guantanamo geschieht, sind vielleicht die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen in der ganzen Hemisphäre.
Wir sollten aufhören, die Menschenrechte an einem Ort zu verletzen, den wir Kuba mit vorgehaltener Waffe entrissen haben und nach wie vor besetzt halten, weil dort ein wichtiger Hafen liegt. Auch das wäre eine humanitäre Intervention.

Sie können sich in der Welt umsehen und unendlich viele solche Dinge finden. Aber eine wirkliche humanitäre Intervention? Die gibt es kaum.
Es ist sehr schwer, einen echten Fall von humanitärer Intervention zu finden. Natürlich wird jede Aktion einer Grossmacht als «humanitär» bezeichnet. Das ist universell. Als Adolf Hitler in Polen einmarschierte, geschah das, um die Menschen vor dem wilden Terror der Polen zu schützen. Wenn wir Aufzeichnungen des Hunnen Attila hätten, wäre er wahrscheinlich auch «humanitär» gewesen.

Jacobin: Sie erwähnen George W. Bush. Er ist in den Augen des liberalen Establishments rehabilitiert worden. Bush war anfangs das personifizierte Böse, das uns in zwei Kriege stürzte, die wir nicht hätten beginnen dürfen. Dann wurde er zu einer Art stümperhaftem Trottel, der Dick Cheney, dem wahren Drahtzieher hinter den Kulissen, in die Quere kam. Jetzt ist Bush eine Art liebenswerte Figur geworden – ein volkstümlicher Maler, der mit Michelle Obama befreundet ist.
Wir haben in den Medien gesehen, wie Biden den Abzug aus Afghanistan verpfuscht hat. Sie sagen, dass er sich davon nicht mehr erholen kann. Das könnte die Chancen der Demokraten bei späteren Wahlen zunichte machen. Aber Bush ist, wie es scheint, von jeglicher Schuld für seine Rolle als Kriegsverbrecher verschont geblieben. Können Sie darüber sprechen, wie und warum die Medien ihre eigene Rolle in der jüngsten Geschichte weisszuwaschen versuchen?

Die Medien umgehen die Namen der Kriegsverbrecher

Noam Chomsky: Was ist mit Henry Kissinger? Er wird geehrt, obwohl er einer der schlimmsten Kriegsverbrecher der modernen Geschichte ist. Im Jahr 1970 folgte Kissinger loyal seinem Herrn Richard Nixon und übermittelte Befehle, die meines Erachtens in der Geschichte so vorher nie aufgetaucht sind. Die Befehle an die amerikanische Luftwaffe lauteten: «Massive Bombenkampagne in Kambodscha. Alles, was fliegt, gegen alles, was sich bewegt.»

Schauen Sie, ob Sie in den historischen Aufzeichnungen eine Entsprechung dazu finden – bei den Nazis, bei irgendjemandem. Und es waren nicht nur Worte. Es führte zu einer entsetzlichen, grausamen Bombenkampagne. Oder gehen Sie nach Indien. Henry Kissinger unterstützte die pakistanische Zerstörung von Ostbengalen. Eine gigantische Anzahl von Menschen wurde getötet, vielleicht eine Million oder sogar mehr. Und Kissinger drohte Indien mit Bestrafung, falls es wagen sollte, das Gemetzel zu stoppen. Was waren die Gründe dafür? Kissinger hatte einen Fototermin mit Mao Zedong in China geplant. Sie wollten sich treffen, die Hände schütteln und die Entspannung verkünden. Doch um dorthin zu gelangen, musste Kissinger Pakistan durchqueren. Und dieses ganze Gemetzel seinen Fototermin unterminiert.

Und was ist mit Chile? Kissinger war der Mann, der sich für den Sturz der Regierung von Salvador Allende stark machte. Dabei ging er zweigleisig vor: Ein Weg war reine Gewalt – ein Militärputsch. Dann gab es eine sanfte Schiene: «Lasst die Wirtschaft aufschreien!» – es den Menschen wirtschaftlich unmöglich machen, zu leben. Nun, die USA bekamen schliesslich, was sie wollten, und errichteten 1973 eine brutale Diktatur. Der militärisch inszenierte Putsch fand übrigens ebenfalls an einem 11. September statt, er war also das erste Ereignis «9/11».

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Hintergrundwissen

 

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reaktorpleite.de

 

Karte der nuklearen Welt:

Hat MiK uns alle eingenordet?

 

The English version of this world map:

https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=1fCmKdqlqSCNPo3We1TWZexPjgNDQOaLD

 

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Durchsuchen der reaktorpleite.de

mit den Stichworten:

       
  Krieg Terror  
       

brachte u.a. folgende Ergebnisse:

 

31.08.2021 - Hochgerüstet, korrupt und kriminell

telepolis.de

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13.07.2021 - Wo der Kalte Krieg noch immer Opfer fordert

zeit.de

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Nationale nukleartechnische Aktivitäten und Ambitionen

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Die Uranstory - Atomlobby / Uranwirtschaft / MiK

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YouTube-Kanal "Reaktorpleite"

 

Bewegte Bilder zu den Themen: Atomkraft, Korruption, MiK, Rüstung, Klima-, Natur- und Umweltschutz ... 

 

ARD Monitor - 08:57

Atomwaffen in Büchel: Regierung belügt uns

 

Frieder Wagner - 01:32:12

Deadly Dust - Todesstaub Uran-Munition und die Folgen

 

hr - Jürgen Neven-du Mont - 01:06:28

Atomstaub über uns - Gefahren radioaktiver Strahlung (Dokumentation, 1958)

 

Wird in einem neuen Fenster geöffnet! - YouTube-Kanal "Reaktorpleite" Playlist - Radioaktivität weltweit ... - https://www.youtube.com/playlist?list=PLJI6AtdHGth3FZbWsyyMMoIw-mT1Psuc5Playlist - Radioaktivität weltweit ...

In dieser Playlist finden sich über 100 Videos zu den Themen: Atomkraft, MiK, Rüstung, Korruption, Klima-, Natur- und Umweltschutz ...

 

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Ecosia

Diese Suchmaschine pflanzt Bäume!

 

Stichwortsuche: Krieg Terror

https://www.ecosia.org/search?q=Krieg+Terror

 

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AtomkraftwerkePlag

 

Atomwaffen weltweit

Bestand an Atomsprengköpfen

Derzeit verfügen laut Angaben der Federation of American Scientists (FAS) neun Staaten über Atomwaffen.

Der Bestand an Atomsprengköpfen weltweit, der 1986 mit 70.300 seinen Höhepunkt erreicht hatte, wird derzeit auf insgesamt 13.100 geschätzt. Davon befinden sich rund 9.600 in militärischen Beständen, der Rest soll abgebaut werden (Stand: Mai 2021).

Uran und Plutonium

Für die Herstellung von Atomwaffen benötigt man Uran und Plutonium. Beide Substanzen wurden bereits militärisch verwendet, bevor man begann, sie für die Stromerzeugung und Isotopenproduktion zu nutzen. Waffenfähiges Uran muss hochangereichert sein und mindestens 90 % des Isotops Uran-235 enthalten. Waffenfähiges Plutonium muss zu über 90 % aus Plutonium-239 bestehen und wird in speziellen Reaktoren erzeugt, in denen Natururan verwendet wird.

Die globalen Bestände an hoch angereichertem Uran im Jahr 2017 wurden auf 1.340 Tonnen geschätzt, die für separiertes Plutonium auf 230 Tonnen (militärische Bestände) und 290 Tonnen (zivile Bestände) ...

 

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Wikipedia

 

Kernenergie nach Ländern

Gegenwärtig betreiben 30 Länder weltweit 441 Kernreaktoren mit einer gesamten elektrischen Nettoleistung von rund 390 Gigawatt (Stand: 27. Juni 2020).

Geschichte

Mit der zivilen Nutzung der Kernenergie in Kernkraftwerken begann man Mitte der 1950er Jahre. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nutzung der Kernenergie gesellschaftlich höchst umstritten und wurde mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki assoziiert. US-Präsident Dwight D. Eisenhower skizzierte 1953 seine Vision einer friedlichen Nutzung der Kernenergie in der Rede Atoms for Peace vor den Vereinten Nationen. Erste kommerzielle Kernkraftwerke waren 1956 die Magnox-Reaktoren des Kernkraftwerk Calder Hall und 1957 der Druckwasserreaktor Kernkraftwerk Shippingport, der von den U-Boot-Reaktoren entlehnt war und die Zukunft der friedlichen Nutzung der Kernenergie bis heute prägt ...

 

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Weiter zu: Zeitungsartikel 2021

 

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