Atomkraftwerk Gundremmingen

27.12.2017

Block B geht endgültig vom Netz

Der Artikel von Christian Rost erschien in www.sueddeutsche.de

- Nach 33 Jahren wird im Kernkraftwerk Gundremmingen einer der beiden aktiven Reaktoren endgültig abgeschaltet.
- Von Block B können voraussichtlich noch in einer Million Jahren Spuren gemessen werden.
- Atomkraftgegner kritisieren, dass der Freistaat bei den erneuerbaren Energien stark auf die Bremse tritt.

Zum Ende des Jahres geht Block B vom Netz. Nach 33 Jahren wird im Kernkraftwerk Gundremmingen im schwäbischen Landkreis Günzburg einer der beiden aktiven Reaktoren endgültig abgeschaltet. "Er stirbt aber nicht", sagt Raimund Kamm, der ehemalige Abgeordnete der Grünen im bayerischen Landtag und Landesvorsitzende des Bundesverbandes Windenergie. Deshalb werde er zum Jahreswechsel auch nicht auf die Abschaltung anstoßen.

Die Energiewende legt die Atomkraft in Deutschland zwar schrittweise still. "Doch von Block B können noch in einer Million Jahren Spuren gemessen werden", sagt Kamm, der auch Vorstand des Vereins "Forum" ist. Der Verein kämpft gegen die Zwischenlagerung von Atommüll in Gundremmingen und fordert auch das sofortige Aus des Blocks C, der nach dem Atomgesetz noch bis zum Jahr 2021 laufen kann. Nicht nur der strahlende Müll aus dem Kraftwerk wird die Menschen in Gundremmingen noch lange beschäftigen. Für den Rückbau des Kraftwerks sind allein 30 bis 40 Jahre veranschlagt, und wo das radioaktive Material langfristig gelagert werden soll, das steht nach wie vor in den Sternen.

Grüne sehen "eklatantes Versagen" beim Atomkraftwerk Gundremmingen

Die Grünen im Landtag erheben schwere Vorwürfe gegen den Energiekonzern RWE und dessen Atomkraftwerk Gundremmingen. Im Laufe der vergangenen eineinhalb Jahren sei das Kraftwerk sechsmal über seiner genehmigte Leistung gefahren und somit regelrecht überheizt worden, so die Grünen.

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Bereits seit 1974 förderte das staatliche Uranunternehmen ENUSA in Salamanca bei Saelices El Chico Uran zu Tage. Die Mine lieferte bis zu ihrer Stilllegung im Jahr 2000 rund 130 Tonnen Uranoxid pro Jahr. Weit mehr als die zehnfache Menge, rund 2.000 Tonnen, soll nun das sogenannte Salamanca-Projekt jährlich produzieren. Damit würde Spanien in die Top 10 der globalen Uranproduzenten aufrücken und selbst die USA und China überflügeln.

Gundremmingen - der Name der an der Donau liegenden Gemeinde mit knapp 1500 Einwohnern steht seit den Sechzigerjahren für Atomkraft. Die höchst umstrittene Form der Energiegewinnung - einst als endlose Energiequelle gefeiert - hat es sogar ins Wappen des Ortes geschafft. Über einer Zinnenmauer mit Torturm ist ein goldenes Atomsymbol auf blauem Grund zu sehen.

Weithin sichtbar stehen in der Landschaft die beiden je 160 Meter hohen Nasskühltürme des Kraftwerks, aus denen bei Vollbetrieb so viel Abwärme dampft, dass man damit eine Großstadt wie München komplett beheizen könnte. Mit einer Leistung von jeweils 1344 Megawatt der Blöcke B und C gilt das Kernkraftwerk als das leistungsstärkste in Deutschland. Ein Viertel des bayerischen Strombedarfs kann es erzeugen. Die Siedewasserreaktoren sind die letzten ihrer Art, die hierzulande noch in Betrieb sind.

Die Atom-Ära in Gundremmingen begann 1966 mit dem Block A, der in einem kuppelförmigen Bau elf Jahre lang Strom lieferte und dabei bewies, wie risikobehaftet trotz aller gegenteiligen Beteuerungen der Energiewirtschaft diese Technik ist. Zwei Jahre vor der Abschaltung des Reaktors kamen zwei Schlosser beim Austausch eines Ventils ums Leben. Bei dem ersten tödlichen Unfall in einem deutschen Kernkraftwerk wurden die beiden Männer von 265 Grad heißem Wasser verbrüht, das sich unter hohem Druck noch in der Leitung befand, an der sie hantierten.

Die Gemeinde profitiert von den Einnahmen

1977 havarierte dann Block A: Nach Kurzschlüssen an zwei Hochspannungsleitungen bei feuchtem Wetter wurde die Schnellabschaltung eingeleitet. Aufgrund von Fehlsteuerungen lief allerdings zu viel Wasser zur Notkühlung in den Reaktor. Mehrere Hundert Kubikmeter radioaktives Wasser fluteten das Gebäude. Es musste später "kontrolliert", wie es damals hieß, ins Freie abgelassen werden. Es war das Ende für Block A, die Betreiber des Kraftwerks meldeten einen wirtschaftlichen Totalschaden. 1984 gingen dann die Blöcke B und C ans Netz - begleitet von heftigen Protesten bis in die Gegenwart.

Während die Gemeinde Gundremmingen vom Kernkraftwerk profitiert - ein Gutteil der jährlichen Gewerbesteuereinnahmen von zuletzt neun Millionen Euro dürften die Kraftwerksbetreiber RWE und Eon gezahlt haben - das gut 600 Arbeitsplätze sichert, ziehen immer wieder Demonstranten vor dem AKW auf, um gegen Atomkraft zu protestieren. Nach den Nuklearkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima war das so, aber auch in ruhigeren Zeiten ließ die Anti-Atom-Bewegung nicht locker. Experten wiesen auf die Gefahren durch die angeblich risikobehaftete Bauweise der Siedewasserreaktoren hin.

136 Tonnen

Kernbrennstoff werden jeweils in den Blöcken B und C vorgehalten. Jeder Reaktor ist mit 782 Brennelementen beladen, wobei ein Brennelement 174 Kilo Uran enthält. Zusammen erzeugen die beiden Reaktoren im Jahr rund 20 Milliarden Kilowattstunden Energie. Das entspricht etwa einem Viertel des bayerischen Stromverbrauchs im Jahr.

Zuletzt wurde bekannt, dass im AKW fehlerhafte Spaltelemente verwendet werden, was auch die österreichische Landesregierung im 110 Kilometer entfernten Vorarlberg alarmierte. Landeshauptmann Markus Wallner forderte das bayerische Umweltministerium auf, das Material schnellstens auszutauschen zu lassen. Der Betreiber des Kraftwerks versicherte, es bestehe keine Gefahr und wirbt weiter mit dem Slogan "Modern, moderner, Gundremmingen".

Alternative Energien könnten die Atomkraft längst ersetzen

Was der Gemeinde bleiben wird nach der Abschaltung der Blöcke B und schließlich C ist ein Haufen Müll, der noch Tausende Jahre strahlen wird. Weil auch 34 Jahre nach der ersten Regierungserklärung des damaligen Kanzlers Helmut Kohl, der eine zügige Entsorgung von Atommüll ankündigte, kein geeignetes Endlager gefunden ist, muss Gundremmingen auf unabsehbare Zeit mit den Altlasten leben. Das dort errichtete Zwischenlager für verbrauchte Brennelemente - jeder Reaktor ist mit 784 Brennelementen beladen, wobei eines 174 Kilo Uran enthält - könnte zur Dauerlösung werden. Bis zu 192 Castoren mit je 180 Kilo radioaktiven Substanzen können in dem Lager untergebracht werden.

Raimund Kamm bezeichnet es als "Verbrechen", dass man nach wie vor nicht wisse, wo der tödlich strahlende Müll letztlich einmal gelagert werden soll. "Ich bin nicht überzeugt, dass wir ein Endlager hinkriegen werden", sagt der 65-Jährige. All diese Probleme vor Augen, appelliert er an die Staatsregierung, bei den erneuerbaren Energien aufs Tempo zu drücken und so schnell wie möglich auch Block C vom Netz zu nehmen.

Windkraft und Photovoltaik könnten die Atomkraft längst ersetzen, wenn der Freistaat bei der Energiewende nicht ständig auf die Bremse treten würde. 1000 neue Windräder könnten genauso viel Strom erzeugen wie die beiden noch aktiven Blöcke in Gundremmingen, sagt Kamm.

Angst vor den Ruinen des Atomzeitalters

Viele Deutsche haben Angst vor den Resten abgeschalteter Atomkraftwerke - der Kehrseite des Atomausstiegs. Deshalb bekämpfen nun Aktivisten, die früher gegen Atomkraftwerke protestiert haben, deren Abriss. Insbesondere Stromkonzerne wollen den Abriss möglichst schnell hinter sich bringen, um die Verantwortung für den Müll loszuwerden.

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