02.06.2016

30 Jahre nach dem THTR-Störfall

Leserbrief von Dr. Rainer Moormann im Westfälischer Anzeiger

Leserbrief zu dem Artikel im www.wa.de

Die heutigen THTR-Betreiber streiten die Vorwürfe von Herrn Dr. Schollmeyer ab und verweisen auf den Abschlussbericht der Düsseldorfer Atomaufsicht von 1986, welcher sie von jeder schweren Schuld freispricht. Abgesehen davon, dass dieser Abschlussbericht eine große Zahl von (zufälligen oder vielleicht doch beabsichtigten ?) Mängeln und Fehlern des Betreibers auflistet, welche eine halbwegs exakte Bewertung der Vorgänge ganz außerordentlich erschweren, hält die Aufsichtsbehörde immerhin eine Überschreitung der zulässigen Emissionen durchaus für möglich. Und das, obwohl die Behörde sich mangels neutraler Informationen vielfach auf Angaben der HKG stützte. Vor dem Hintergrund der mir plausibel erscheinenden Enthüllungen von Herrn Schollmeyer ist dieser Abschlussbericht aber ohnehin nur noch von sehr begrenztem Wert, denn wenn der Störfall völlig anders abgelaufen sein sollte, als damals von HKG angegeben, wären auch deutlich größere Freisetzungen denkbar als im Abschlussbericht angegeben: D.h. das von Herrn Schollmeyer vermutete Verstecken von grösseren Mengen des THTR-Drecks in der Tschernobyl-Wolke wäre erfolgreich gewesen.

Schließlich ist darauf zu verweisen, dass 2014 für den THTR-ähnlichen Jülicher Kugelhaufenreaktor AVR durch eine offizielle unabhängige Expertengruppe festgestellt wurde, dass von Betreibern, Gutachtern und Aufsichtsbehörde eine Vielzahl von Störfällen vertuscht oder schöngeredet worden sind. Die bis vor kurzem engen Verflechtungen von Düsseldorfer Atomaufsicht und Betreibern von Kugelhaufenreaktoren lassen die Frage aufkommen, ob es beim THTR Ähnliches gegeben haben könnte.

 


25.05.2016 - Leserbrief von Horst Blume im Westfälischer Anzeiger

Leserbrief zu dem Artikel im www.wa.de

Die Betreibergesellschaft HKG des Thorium-Hochtemperaturreaktors (THTR) verweist auf die Aussagen in dem 95-seitigen Bericht des NRW-Wirtschaftsministeriums aus dem Jahr 1986, um zu belegen, dass bei dem Störfall die radioaktive Belastung weniger als ein Becquerel je Quadratmeter betragen habe. Die Aufsichtsbehörde wird das doch wohl wissen müssen – oder etwa nicht?

Nicht allzuviel wusste das Wirtschaftsministerium und gab dies auf Seite 13 des Berichtes unumwunden zu: "Eine eindeutige Feststellung der Aerosolaktivitätsabgabe am 4. 5. 1986 ist nicht möglich". Die Betreiber hatten nämlich genau zu dem Zeitpunkt des Störfalls mehrmals stundenlang das Messgerät abgeschaltet, um dort angeblich die Uhr nachzustellen. Welch ein Zufall! Diese ungeheure Dreistigkeit der Betreiber bei diesem "Messstreifenskandal" erregte damals monatelang die Gemüter in der Hammer Bevölkerung.

Bei diesem Messgerät handelte es sich um eine Messstelle der THTR-Betreiber. Auf die Idee eine unabhängige, staatliche Messanlage zu installieren, kam die Aufsichtsbehörde erst einige Monate nach diesem peinlichen Schlamassel. Sie versuchte sich in dem Bericht vorzustellen, was in den besagten Stunden passiert sein könnte, stellte allerlei Vergleiche zur Strahlenabgabe kurz vor und nach dem Störfall an, rechnete hin und her und legte sich dann auf einen ungefähren angenommenen Mittelwert fest. Denn die Aufsichtsbehörde hatte keine eigenen Erkenntnisse, sondern nur die Angaben der Betreiber. Wenn jetzt nach den aktuellen Angaben von Herrn Schollmeyer der Störfall ganz anders verlaufen ist, als in dem Bericht angenommen, dann sind auch andere Abläufe und damit auch deutlich höhere radioaktive Emissionen denkbar.

In den Tagen nach dem Störfall haben das Ökoinstitut und Professor Grönemeyer in der unmittelbaren Umgebung des THTR Werte bis zu 50.000 Becquerel pro Quadratmeter gemessen. Die Vereinigten Elektrizitätswerke (VEW) verteilten anschließend ihre Zeitung "Energiekontakt" an alle Hammer Haushalte mit der Schlagzeile: "Im Reaktorgebäude weniger Radioaktivität als draußen".

Der WA schrieb am 31. 5. 1986 in einem Kommentar, wie diese Informationspolitik von Betreibern und Behörden bei der Bevölkerung ankam: "In kritischer Situation sind sie getäuscht, ist Glaubwürdigkeit verspielt worden. Offenbar haben das Stichwort Tschernobyl und die Furcht vor emotionalen Folgen ausgereicht, um rund um den THTR eine gezinkte Informationspolitik zu betreiben, um zu verschweigen und zu beschwichtigen. Vertrauen ist enttäuscht worden. Es wird nur schwer reparabel sein ... .".

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Weiter zu: Zeitungsartikel 2016

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