Die Reaktorpleite - THTR 300 Die THTR-Rundbriefe
Studien zum THTR uvm. Die THTR-Pannenliste
Die HTR-Forschung Der THTR-Störfall im 'Spiegel'

Die THTR-Rundbriefe aus 2017

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THTR Rundbrief Nr. 149, Dezember 2017:


Inhalt:

THTR in China: Oh! Ein Problem mit „konventioneller“ Technik!

THTR-Rückbau: Hat die NRW-Regierung einen Plan?

Bundesrechnungshof kritisiert THTR-Betreiber

HKG-Steuerbefreiung

THTR-Werbung mit Sprit und Esprit!

HTR in Polen?

HTR-Experimente in den Niederlanden

Transportbehälter aus Ahaus können im THTR Hamm repariert werden

BI Ahaus wurde 40 Jahre alt!

„Klimaklage“ gegen RWE: „Es lebe der Rechtsstaat!“

Kritik an Facebook

Wie der Westfälische Anzeiger Antifaschisten an den Pranger stellt

Liebe Leserinnen und Leser!

 


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THTR in China: Oh! Ein Problem mit „konventioneller“ Technik!

Titelblatt - THTR Rundbrief Nr. 149, Dezember 2017Nach den Prognosen der chinesischen Atomenergiebehörde müssten die beiden THTR-Reaktorblöcke auf der Halbinsel Shandong (Tsingtao) bereits im Dezember 2017 Strom liefern. Aber es kam wie schon so oft anders als man dachte, wie inzwischen von verschiedenen Seiten zugegeben wurde. Noch am 5. April 2017, als über die Beladung der Reaktoren mit den nicht radioaktiven Moderatorkugeln berichtet wurde, schien alles im Zeitplan zu laufen.

Doch dann berichtete die Homepage World Nuclear News (WNN) am 17. September 2017: „Fünf Jahre nach dem Beginn des HTR-Programms sind die technischen Tests der meisten innovativen Komponenten und Materialien abgeschlossen und das Reaktorgefäß und einige nicht-brennbare Graphitkugeln werden vor Ort beladen“. Um anschließend zuzugeben: „Auf der Baustelle in Shidaowan in der Provinz Shandong sind die Dampferzeuger und das Reaktorgefäß in der Endmontage, sagte Wu. Zu den herausragenden Arbeiten gehört die abschließende Prüfung des Dampferzeugers, der die Wärme von Heliumkühlmittel auf eine Wasser / Dampf-Schleife überträgt. Wu sagte, diese sollten bis nächsten April abgeschlossen sein“ (1).

Es werden also immer noch Kugeln beladen und es wird bis April 2018 die Funktionsfähigkeit des Dampferzeugers geprüft. Mal sehen, was anschließend dazwischenkommt. Im Oktober 2017 bestätigten die 150prozentigen deutschen THTR-Freunde von der „Biokernsprit“-Homepage (siehe Artikel auf den nächsten Seiten) bestehende Probleme auf ihre ganz eigene Art:

„Von unseren chinesischen Kontakten hören wir: Der HTR-PM könnte vsl. 1 Jahr Verspätung wegen Problemen mit der konventionellen Technik haben. Das ist bei solch grossem Erstprojekt nicht überraschend. Andere Grossprojekte beweisen es (Berlin, Stuttgart, Hamburg, Olkiluotto, Flamanville). Die Fortschritte sind im Übrigen deutlich sichtbar. Die vorab geschätzten Kosten für dieses Erstmodell sollen ca. 1 Mrd. Euro betragen. Auch das ist nicht außergewöhnlich. Am 30. Juli erfüllte die Dampfturbine die Getriebe-Anforderungen und der Testlauf verlief erfolgreich.

Am 11. August wurde das Planziel (250.000 Brenn-Kugeln in 2017 vier Monate vor dem Termin übererfüllt). Probekugeln wurden in Petten (NL) und im KIT Karlsruhe mit Erfolg getestet.“

Wenn die Skandale um den Flughafen Berlin und um den Bahnhof in Stuttgart von diesen Leuten als „nicht überraschend“ bezeichnet und mit dem THTR verglichen werden, dann können wir uns noch auf so Einiges gefasst machen. Auffällig ist, das die gravierenden Probleme dem konventionellen Teil zugeschoben werden und selbstverständlich nicht dem Nuklearen. Ebenfalls bezeichnend ist, dass staatlich finanzierte bundesdeutsche und niederländische Forschungsinstitute an der chinesischen THTR-Entwicklung beteiligt sind.

In China selbst sind weitere THTR-Projekte geplant: Machbarkeitsstudien für HTR-PM 600-Reaktoren werden zur Zeit in Sanmen (Zhejiang Provinz), Ruijin (Jiangxi Provinz), Xiapu und Wan'an (Fujian Provinz) und Bai'an (Guangdong Provinz) durchgeführt. Das sind Orte, die auf der Höhe von Taiwan liegen und sich bis kurz vor Hongkong im Süden hinziehen.

Wie schon im letzten THTR-Rundbrief gemeldet, wurden die Kooperationsvereinbarungen vom 15. Mai 2017 für die Zusammenarbeit und Entwicklung von HTR´s zwischen China und Saudi-Arabien im August 2017 von beiden Seiten unterzeichnet. Hier geht es hauptsächlich um den Betrieb von Meerwasserentsalzungsanlagen unter Einsatz von Hochtemperaturreaktoren und um die Weitergabe von Know how.

Anmerkungen

(1) http://www.world-nuclear-news.org/NN-China-plans-further-high-temperature-reactor-innovation-1909171.html

 

Durchsuchen der reaktorpleite.de mit dem Stichwort: China
http://www.reaktorpleite.de/interne-suche.html?searchword=China

 

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THTR-Rückbau: Hat die NRW-Regierung einen Plan?

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Der THTR befindet sich nach seiner Stilllegung von 1997 bis 2027 im sogenannten Stilllegungsbetrieb, der jedes Jahr mehrere Millionen Euro kostet. Nach zwanzig Jahren – also jetzt im Jahre 2017 – soll nach den damals getroffenen Vereinbarungen der Betreiber HKG dem NRW-Wirtschaftsministerium als Genehmigungsbehörde mitteilen, wann und wie der Rückbau des THTR vonstattengehen soll. Bisher ist noch nichts in der Öffentlichkeit hierzu bekanntgeworden. Da auch finanzielle Aspekte eine Rolle spielen, gehen unsere Fragen vom 16. 11. 2017 auch an das NRW-Finanzministerium. Hier ist der konkrete Fragenkatalog:

Die letzte uns bekannte konkrete Äußerung der NRW-Landesregierung zu einem möglichen Rückbau des THTR erfolgte am 17. Oktober 2008 und liegt damit mittlerweile neun Jahre zurück.

In dem „Sachstand Kostenentwicklung Rückbau THTR Hamm-Uentrop“ der Landesregierung für den Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Energie vom 17. 10. 2008 heißt es:

„Gemäß Genehmigungsbescheid 7/12c, Auflage 3.20, ist die Anlage THTR 300 bis zum vollständigen Abbau sicher eingeschlossen zu halten. Im Jahre 2017, d. h. nach 20 Jahren sicherem Einschluss, ist die atomrechtliche Aufsichtsbehörde zu informieren, wie lange der sichere Einschluss aufrecht erhalten werden soll.“

Hieraus ergeben sich folgende Fragen, um deren Beantwortung wir bitten:

1. Da das Jahr 2017 fast um ist: Wie lange soll der sichere Einschluss des THTR noch aufrecht erhalten werden? Bestehen Bestrebungen für einen Rückbau des THTR? Welche Informationen liegen ihrem Ministerium vor?

2. Welche möglicherweise verschiedenen Handlungsoptionen ergeben sich hieraus? Welche bevorzugt ihr Ministerium? Fanden oder finden Gespräche mit den Betreibern in dieser Sache statt? Was wird ihr Ministerium als nächstes tun?

3. In dem oben genannten Sachstandbericht wird das von dem Betreiber HKG in Auftrag gegebene Gutachten „Kosten des Rückbaus des THTR 300“ vom Mai 2008 erwähnt. Dort bezifferte die „Siempelkamp NIS Ingenieurgesellschaft mbh“ die Gesamtkosten des Rückbaus auf 347,1 Millionen Euro. Sie schrieben hierzu: „Die ermittelten Kosten über rd. 347,1 Mio. Euro erscheinen eher optimistisch“. Warum erscheinen ihnen diese prognozierten Kosten eher optimistisch?

4. In welchem finanziellen Rahmen werden sich nach derzeitigem Sachstand die Kosten für den Rückbau bewegen?

5. Bestehen für die HKG bzw. RWE Rückstellungsverpflichtungen für den THTR Hamm und wenn ja, in welcher Höhe? Hat der Betreiber HKG entsprechende Rückstellungen gebildet und bestimmte finanzielle Zusagen gegeben? Von wem wären die Kosten bei unzureichenden Rückstellungen zu tragen?

6. Wie schätzt ihr Ministerium das Gefährdungspotential eines Rückbaus angesichts des radioaktiven Inventars (unter anderem 1,6 kg Kernbrennstoff) und vergangener Störfälle ein?

7. Wie hoch sind aktuell und voraussichtlich in Zukunft die jährlichen Kosten für den Betrieb der „sicher eingeschlossenen Anlage“ THTR? Wie gestaltet sich die Aufteilung der Kosten der jeweiligen Akteure? Sind alle finanziellen Zusagen bisher eingehalten worden? Bestehen Zusagen der Betreiber für die Zeit nach 2022?

 

Durchsuchen der reaktorpleite.de mit dem Stichwort: THTR-Rückbau

http://www.reaktorpleite.de/interne-suche.html?searchword=THTR-Rückbau

 

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Bundesrechnungshof kritisiert THTR-Betreiber, weil sie sich vor Zahlungen drücken wollen:

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Der Bericht des Bundesrechungshofes an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages nach § 88 über die übergreifenden Aspekte der Planung, Steuerung und Kontrolle bei Stilllegung und Rückbau nuklearer Versuchsanlagen vom 17. April 2015 weist auf Seite 43 in seinem Kapitel 5 „Transparenz der Gesamtkosten“ auf Ungereimtheiten bei der Übernahme des Bundes bei den Kosten für Stilllegung und Rückbau des THTR hin:

„In anderen Fällen sind die Gründe für die Herausnahme oder Aufnahme von Projekten nicht erkennbar. So enthält der Haushalt 2015 im Gegensatz zu den Vorjahren keinen Hinweis mehr auf die bisherige finanzielle Beteiligung des Bundes an der Stilllegung des THTR in Hamm-Uentrop. Der Bericht an den Haushaltsausschuss führt das Projekt auf, verweist aber darauf, dass die finanziellen Verpflichtungen des Bundes im Jahr 2009 ausgelaufen seien. Dies ist zumindest missverständlich, da über die Aufteilung der Kosten für den Rückbau der Anlage ab dem Jahr 2023 und eine mögliche Beteiligung des Bundes noch nicht entschieden ist.“

Auf Seite 49 stellt der Bundesrechnungshof deutlich dar, dass hinter den von der Atomwirtschaft sehr niedrig angegebenen Kostenerwartungen (wie beim THTR-Rückbau mit 347,1 Millionen Euro geschehen) das Kalkül steht, zu einem sehr frühzeitigen Zeitpunkt möglichst billig für immer aus der finanziellen Verantwortung entlassen zu werden:

„Die genannten Beispiele weisen darauf hin, dass der Anstoß für kerntechnische Forschungsaktivitäten in einigen Fällen nicht vorrangig vom Bund, sondern von Landesseite oder der Stromwirtschaft ausging. Sie zeigen zugleich eine bisher schon ausgeprägte Tendenz, den Aufwand für die Beseitigung der Altlasten aus diesen Aktivitäten auf den Bund zu verlagern. Dies ist vor allem dann problematisch, wenn die dadurch auf den Bund zukommenden Risiken und der angemessene Beitrag der in der Verantwortung stehenden Träger nicht klar benannt werden. Dies zeigt das Beispiel der WAK GmbH, wo der Beitrag der privaten Betreiber auf der Grundlage einer deutlich zu niedrigen Kostenerwartung festgeschrieben worden war und die dramatisch steigenden Kosten nunmehr weitestgehend vom Bund zu tragen sind. So sollte insbesondere mit Blick auf die noch ausstehenden Festlegungen beim THTR vermieden werden, dass sich die privaten Gesellschafter gegen eine unzureichende und eher ‚symbolische’ Pauschalzahlung von den Risiken möglicher erheblicher Kostensteigerungen befreien können.“

Hier ist der Bericht einsehbar:

https://www.bundesrechnungshof.de/de/veroeffentlichungen/beratungsberichte/langfassungen/langfassungen-2015/2015-bericht-uebergreifende-aspekte-der-planung-steuerung-und-kontrolle-bei-stilllegung-und-rueckbau-nuklearer-versuchsanlagen-pdf

 

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HKG-Steuerbefreiung

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Der Status eines „Gemeinsamen Europäischen Unternehmens“ für die THTR-Betreiber HKG wurde im Jahre 2010 für weitere 8 Jahre verlängert. 2018 müsste also eine weitere Verlängerung erfolgen. Mit diesem Status ist laut Artikel 48 des Euratom-Vertrages eine Steuerbefreiung verbunden. Im Jahr 2002 hatten wir mit den zuständigen NRW-Ministerien einen intensiven Briefwechsel zu diesem Thema, der im Rundbrief 77 einsehbar ist:

http://www.reaktorpleite.de/nr-77-november-02.html

 

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THTR-Werbung mit Sprit und Esprit

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Nachdem der THTR-Förderer und Konzernchef Hermann Josef Werhahn 2016 verstorben ist (1), sieht es offensichtlich Mau aus in der Kasse der rührigen THTR-Eiferer, die sich um die Homepage mit dem irritierenden Namen „Biokernsprit“ versammelt haben. Die seltsamen Schlagworte zur Kennzeichnung ihrer Anliegen ganz oben im Text hallen mir noch im Ohr:

„Stauwälle statt Staumauern – Kugelbett-Ofen statt Dino-Meiler – Auffangen statt Abprallen – Sprit statt Batterien“. Zuviel Sprit ist aber auch nicht gut – ist meine Meinung!

Um diese bahnbrechenden Botschaften in einem Rahmen, der auch den allerhöchsten Ansprüchen genügt, ruckzuck bis hin zum allerletzten Zweifler transportieren zu können, benötigen die kernigen Spri(n)ter sage und schreibe „bis zu 40.000 Euro“ um ihre Webseite zu professionalisieren. Was liegt da nicht näher, per Crowdfunding bei Klickstarter so richtig in die neue Zeit durchzustarten?

Bis zum 30. Juni 2016 meldeten sich ganze 13 Unterstützer, die nur 646 Euro für das hehre Ziel lockermachen wollten – wie depremierend! Wer soll jetzt „das Wissen um den HTR-Kugelbett-Reaktor lebendig erhalten“, die letzte Schlafmütze aus dem Bett scheuchen und die Reaktorwelt retten?

Jetzt aber mal ganz im Ernst: Wenn solche Leute schon so ungelenk bei der Einrichtung einer professionellen Homepage herumwerkeln, was stellen sie womöglich an, wenn sie ganz real einen wildgewordenen radioaktiven Kugelhaufen sicher ins Bett bringen müssen?

Auch das durch und durch seriöse „Nuklearforum Schweiz“ wartet in seinem neuesten vierseitigem „Faktenblatt“ mit harten Fakten statt Fake News auf: „So erlebt derzeit das bereits vor Jahrzehnten in Deutschland erprobte Konzept eines gasgekühlten Hochtemperatur-Kugelhaufenreaktors in China eine WIEDERGEBURT“!! – Wünscht sich das nicht jeder Mensch? Und warum sollte es nicht auch beim THTR eine realistische Option sein, denn „ein Unfall mit Kernschmelze ist aus naturgesetzlichen Gründen nicht möglich“?

Und in der nächsten Ausgabe schreibe ich, wie das neue Kugelhaufen-Perpetuum mobile dritter Art ein Hamsterlaufrad antreibt. Oder um es in Bio-Kernsprit-Rhetorik auszudrücken: „Ideen statt Weiterso“!

Anmerkungen

(1) http://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie/244-rheinischer-kapitalismus-moorhuhn-kontra-werhahn.html

 

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HTR in Polen?

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In Ausgabe Nr. 147 schrieb ich, dass beabsichtigt ist, etwa 30 Kilometer von Warschau entfernt einen HTR zu bauen. Im rechtlichen Bereich gibt es offensichtlich Probleme. In der ATW, dem Organ der deutschen Atomwirtschaft, war dies Anlass genug, auf vielen Seiten zu debattieren:

„In der Ausgabe von Juli 2016 wurde ein Artikel über die rechtlichen Hindernisse für den Bau von HTRs in Polen veröffentlicht. Die Autoren haben eine Reihe von Einwänden gegen das polnische Atomgesetz und vertreten die These, es gebe für den Bau von HTR-Reaktoren rechtliche Hindernisse. In diesem Beitrag wird dargelegt, dass der Bau von HTR-Reaktoren auf der Grundlage der bestehenden polnischen Gesetze und Vorschriften möglich ist.“

Quelle:

http://www.kernenergie.de/kernenergie/fachzeitschrift-atw/hefte-themen/2017/08-09_aug-sep.php#

 

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HTR-Experimente in den Niederlanden

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Im Badeort Petten befindet sich das Energy research Centre of the Netherlands (ECN), das seit Jahrzehnten zur HTR-Linie forscht. Die Brennelemente für den chinesischen THTR wurden hier geprüft. Das ist aber längst nicht alles, was aktuell passiert:

„Forscher der NRG (Nukleare Forschungs- und Beratungsgruppe) in den Niederlanden arbeiten schon lange an den als sicher(er) geltenden Thorium-Flüssigsalzreaktoren. Nun wurden neuartige Experimente begonnen. Diese Experimente im niederländischen Petten markieren die ersten ihrer Art seit über 45 Jahren, denn frühe Versuche wurden aufgrund der nicht überwindbaren Anforderungen an die Materialien eingestellt.

Vor zwei Wochen wurde im Rahmen des Experiments SALIENT ein Satz konzentrischer versiegelter Röhren in den Kern des experimentellen High Flux Reactors in Petten eingefahren.(...) In der Branche gelten diese neuen Experimente als eine Art Morgendämmerung, nachdem die Experimente in den 1970er Jahren aufgrund technischer Probleme weltweit scheiterten. Doch immer noch sprechen viele Nuklear-Physiker Thorium ein besonderes Potential zu, da das Konzept in sich wesentlich sicherer sowie sogar ökologischer bezüglich nuklearem Abfall sei und deshalb die nächste Generation von Kernreaktoren antreiben könnte.“

Quelle vom 28. 8. 2017:

https://www.elektormagazine.de/news/it-s-all-about-energy-neue-experimente-am-thorium-reaktor

 

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Transportbehälter aus Ahaus können im THTR Hamm repariert werden

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Im Transportbehälterlager Ahaus (TBL-A) befinden sich seit 1995 genau 305 Transport- und Lagerbehälter (TBL) – auch Castoren genannt – aus dem THTR Hamm. Sie enthalten 600.000 radioaktiven Kugelbrennelemente. Hubertus Zdebel (MDB Die Linke) hat im Bundestag nachgefragt, ob im Falle einer Undichtigkeit der Behälter diese nach Hamm zurücktransportiert werden können, um sie dort zu reparieren.

Der Antwort ist zu entnehmen, dass bei nachgewiesener Undichtigkeit so ein Behälter mit einer entsprechend erteilten Genehmigung tatsächlich wieder in den THTR gebracht werden kann. Die grundsätzliche Möglichkeit des Transportes ist in diesem Jahr um 10 Jahre verlängert worden und ist bis zum 24. Januar 2027 gültig.

Der Transportbehälter wird im Falle einer Undichtigkeit nach Hamm zurücktransportiert und im THTR mit Hilfe eines Schleusenwagens in den Raum ZD04 R174 (Reaktorbetriebsgebäude) gebracht und dort repariert. Die in dem Behälter befindlichen Brennelementekugeln selbst dürfen hierbei wohlgemerkt nicht untersucht werden. Nach der Reparatur muss der Behälter wieder nach Ahaus zurücktransportiert werden.

Genauer Wortlaut:

http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/134/1813499.pdf

 

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BI Ahaus wurde 40 Jahre alt!

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Am 8. Oktober 2017 feierte die „Bürgerinitiative kein Atommüll“ in der Stadthalle von Ahaus mit Sekt, Rede der Bürgermeisterin, Ausstellung und Musik ihr 40jähriges bestehen. An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch nachträglich!

In den 90er Jahren fanden insgesamt 59 Castortransporte mit den 600.000 radioaktiven Brennelementen aus dem THTR in das Zwischenlager nach Ahaus statt. Während in Hamm die kontinuierliche atompolitische Arbeit nach den anstrengenden Auseinandersetzungen um die Stilllegung des THTR leider nur noch die Sache von weniger als einem halben Dutzend Aktiven war, fanden in Ahaus Demonstrationen mit vielen Tausend Menschen und zahllosen Aktionen und Blockaden statt, die bundesweit viel Aufmerksamkeit erregten.

Zur Feier des Tages habe ich meinen Buchbeitrag „Castortransporte von Hamm nach Ahaus. Zwei Bürgerinitiativen wehren sich gegen Atomkraft“ aus dem Buch „Ahaus. Das Buch zum Castor“ aus dem Jahr 1999 ins Netz gestellt. Er zeigt unter anderem, dass ziemlich vielen Bürgern und Institutionen aus Hamm der Transport des in Hamm produzierten Atommülls nach Ahaus ziemlich gleichgültig war. Hauptsache er war erstmal weg:

„Die NRW-Landesregierung hatte bis zum August 1993 rund 430 Millionen DM der Betreibergesellschaft "Hochtemperatur-Kernkraft GmbH" (HKG) teilweise ohne Beschlüsse des NRW-Parlaments zukommen lassen, um ihren drohenden Konkurs abzuwenden. Außerdem mußte der nordrhein-westfälische Minister Einert zugeben, daß es im THTR technische Komplikationen gab, die noch verbliebenen 500.000 Graphit-Kugeln aus dem Reaktorkern zu entnehmen.

Die Transporte nach Ahaus mußten deswegen bis zum Januar 1994 unterbrochen werden. Die Reaktion des Umweltausschusses des Rates der Stadt Hamm zeugt in diesem Zusammenhang von einer unglaublichen Ahnungslosigkeit und Ignoranz: "Daß die Kugeln nun entfernt würden, wurde allgemein als positiv empfunden, denn dann seien sie schließlich weg" (Westfälischer Anzeiger vom 3. 12. 1993).“

Hier ist der gesamte Buchbeitrag einzusehen:

http://www.machtvonunten.de/lokales-hamm/315-castortransporte-von-hamm-nach-ahaus.html

 

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Es lebe der Rechtsstaat!

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Begeistert schrieb „Germanwatch“ am 13. 11. 2017 auf ihrer Homepage:

„Der 5. Zivilsenat des OLG Hamm hat heute Rechtsgeschichte geschrieben: Er hat klar zu erkennen gegeben, dass große Emittenten wie RWE grundsätzlich verpflichtet sind, Betroffene von Klimaschäden in armen Ländern zu unterstützen. Damit geht die Klimaklage von Saúl Luciano Lliuya gegen RWE in die nächste Phase. (...) Das Verfahren ist ein Präzedenzfall, weil es ähnliche Rechtsvorschriften wie die hier angewendete in sehr vielen Ländern gibt. Luciano Lliuya möchte mit der Zivilklage erreichen, dass RWE entsprechend seinem Anteil an der Verursachung des Klimawandels für Schutzmaßnahmen an einem Gletschersee oberhalb der Andenstadt Huaraz aufkommt.“

Da ich zusammen mit etwa hundert anderen BürgerInnen als Zuschauer dem Prozess beiwohnte, konnte ich miterleben, dass es sogar in unserem Hamm mit dem Richter Ralf Mayer einen kompetenten und kritischen Menschen gibt, der die überfordert wirkenden RWE-Vertreter arg in Verlegenheit brachte. Respekt! Die 16 angereisten Germanwatch-Vertreter und Unterstützer des peruanischen Kleinbauerns, die zwei Jahre für das Zustandekommen dieses Prozesses gearbeitet hatten, liessen nach der Verkündigung des Ergebnisses die Sektkorken knallen.

Aber was bedeutet der Richterspruch realistisch? Wenn alles gutgeht, wird mit dem juristischen Verfahren tatsächlich begonnen. Etwa ein halbes Jahr werden die beiden Kontrahenten verhandeln, um sich auf einen neutralen Gutachter zu einigen. Ein oder zwei Jahre wird das weitere Verfahren dauern. Wie es endet, weis keiner. Nichts ist entschieden.

In diesem Zusammenhang sollte die Frage erlaubt sein, ob es ratsam ist, sich in wichtigen politischen Fragen zu sehr auf deutsche Gerichte zu verlassen. Etwas irritierend war es schon, als führende Germanwatch-Vertreter mehrmals euphorisiert nach der Gerichtsverhandlung ausriefen „Gott sei dank gibt es in Deutschland noch einen Rechtsstaat!“ – Schön wärs ja. Aber ist diese NGO schon so weichgespült, dass sie gar kein historisch-politisches Bewußtsein mehr hat und selbst die aktuellen Justizskandale offensichtlich nicht zur Kenntnis nimmt?

Was hat denn die deutsche Justiz mit gewaltfreien Wiederaufrüstungsgegnern in den 50er Jahren gemacht? Wie übel spielte sie in der Folgezeit Kriegsdienstverweigerern und Apodemonstranten mit? Wie viele PlatzbesetzerInnen gegen Atomkraft und CastorblockiererInnen wurden verurteilt? Wieviel Vergehen von Konzern blieben ungesühnt? Wieviele Rechtsterroristen gedeckt und laufengelassen? Wieviel Flüchtlingsheimanzünder nicht strafrechtlich verfolgt? Und wieviel gewaltfreie Sitzblockierer gegen Naziaufmärsche hart bestraft? Die Liste lässt sich fortsetzen.

Deswegen: keine Illusionen! Der politische Kampf mit direkten gewaltfreien Aktionen und Massenmobilisierung ist die Voraussetzung von gesellschaftlichem Fortschritt. Von alleine oder wegen schöner Worte lenken unsere politischen Gegner nicht ein.

 

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Kritik an Facebook

Besprechung des Buches "Das Netz in unsere Hand! Vom digitalen Kapitalismus zur Datendemokratie" von Thomas Wagner.

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Facebook ist toll!Die von vielen Menschen mittlerweile als Binsenwahrheit akzeptierte Tatsache, dass die NetznutzerInnen mit ihren Daten für ihre in Anspruch genommenen Dienste zahlen und dafür von den BetreiberInnen überwacht und analysiert werden, leuchtet Wagner bis in die tiefsten Abgründe des Datendschungels akribisch aus und fördert hierbei ebenso erschreckende wie bisher kaum beachtete Details zutage. Und was mindestens genauso wichtig ist, er deckt Zusammenhänge und Mechanismen auf, wie über die Datenauswertung hinaus eine genaue Verhaltensmustervorhersage, gezielte Steuerung und Manipulation menschlichen Verhaltens und politischer Prozesse durch Internetkonzerne wahrscheinlich werden.

Das alles ist nur möglich, weil wir bisher unsere Kommunikations-Infrastruktur ausgerechnet Konzernen überlassen haben. Facebook stellt sich als quasi öffentliche Einrichtung dar, die dem Gemeinwohl dient. Wagner zeigt jedoch auf, dass eine von gesellschaftlicher Einflussnahme abgekoppelte digitale Parallelwelt zur Mehrung von Profit und Macht für die Eigentümer entstanden ist.

Die vollständige Buchbesprechung „Klick-Sklaven aller Länder vereinigt euch!“ ist hier einsehbar:

http://www.machtvonunten.de/medienkritik/314-klick-sklaven-aller-laender-vereinigt-euch.html

 

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Wie der "Westfälische Anzeiger" in Hamm Antifaschisten an den Pranger stellt

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Nein, einfach wieder zur Tagesordung übergehen und so tun, als wäre nichts geschehen, kann ich nach den Ausfällen des „Westfälischen Anzeigers“ gegen das antifaschistische Jugendbündnis „Haekelclub 590“ und gegen den „Runden Tisch gegen Radikalismus und Gewalt“ kurz vor der Bundestagswahl nicht. Immerhin hat auch diese Art von Stimmungsmache den Weg der AFD in den Bundestag möglich gemacht. Deswegen drucke ich an dieser Stelle meinen Artikel aus der monatlich erscheinenden „Graswurzelrevolution“ vom September 2017 ab:

Es war bereits vier Wochen nach G 20. Der Bundestagswahlkampf war langweilig. Und dann das Sommerloch. Dies nutzte der Redakteur Andreas Wartala (nicht zu verwechseln mit Walhalla!) beim Hammer "Westfälischen Anzeiger", um die Provinz aus ihrem Dämmerschlaf mit einem Aufmacher aufzuschrecken, der den Durchschnittsleser in die tiefsten Abgründe von Extremismus und Gewalt vor ihrer eigenen Haustür blicken ließ:

„'Haekelclub 590' im Blick. Jugendbündnis bei Staatsschutz aktenkundig / Schwarzer Block am Runden Tisch. Das Antifaschistische Jugendbündnis 'Haekelclub 590' aus Hamm ist beim Staatsschutz aktenkundig. Das ergaben Recherchen unserer Redaktion zum Thema 'linke Gewalt' in Hamm nach den Krawallen beim G20-Gipfel vor vier Wochen in Hamburg."

Penibel zitierte der Redakteur Statistiken des Staatsschutzes mit "Erkenntnissen" aus Hamm und breitete vor dem Auge der aufgeschreckten LeserInnen des Provinzblattes ein wahres Horrorszenario aus: Körperverletzungen, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Landfriedensbruch, Sachbeschädigungen, Beleidigungen und Volksverhetzung gingen angeblich gleich dutzendfach seit 2013 auf das Konto des Häkelclub-Umfelds!

Dieser hat sich zu allem Überfluss auch noch frech in die Grundfesten demokratischer Institutionen dieser Stadt eingenistet: "Der Haekelclub ist Mitglied des von der Hammer Politik initiierten Runden Tisches gegen Radikalismus und Gewalt. (...) Finanziert durch Fördermittel aus dem Bundesprogramm 'Demokratie leben' ..." Gekrönt wird dieser Artikel von einem Titelfoto, auf dem in martialischer Pose schwerbewaffnete PolizistInnen in Hamm gerade einen am Boden liegenden Antifaschisten Fesseln anlegen.

In Hamm gibt es seit vielen Jahren eine rechte Szene, die eng angelehnt an ihr berüchtigtes Dortmunder Vorbild rege Aktivitäten vorweisen kann und bundesweit bekannte rechte Führungspersonen hervorgebracht hat. Das breite antifaschistische Jugendbündnis "Haekelclub 590", an dem auch Junggüne und Jusos beteiligt sind, hat sich den Rechten mit Demonstrationen und Kundgebungen entgegengestellt. Dabei wurden die Antifas in den letzten Jahren von der Polizei oft drangsaliert und behindert. Ein paar kleine Blockaden und Widerworte gegenüber der Polizei wurden "aktenkundig".

Der Westfälische Anzeiger stellte in seinem reißerisch aufgemachten Artikel nicht Drohungen, menschenverachtende Aktionen und Hetze der Rechten an den Pranger, sondern kurz vor der Bundeswahl die linke Gegenwehr. Rechte Leserbriefschreiber setzten anschließend Antifas mit "Terroristen" gleich. Stellungnahmen von der VVN und dem betroffenen Haekelclub wurden vom WA nicht abgedruckt. Einzig der Partei "Die Linke" gelang es, eine unmissverständliche Stellungnahme in dem Blatt zu platzieren.

SPD und Grüne duckten sich auffallend weg und sagten gar nichts dazu, obwohl es auch ihre Jugendorganisationen waren, die von der Lokalzeitung diffamiert wurden. Einen Tag später legte das Blatt nach und fragte einen kirchlichen Repräsentanten des Runden Tisches gegen Gewalt: "Gibt es (...) eine linke Szene in Hamm?" Die unverhohlene Lust auf Hexenjagd springt hierbei ins Auge.

THTR Rundbrief Nr.:149 - Nationalzeitung 1973 1, gedruckt in der Druckerei des 'W A' in HammJahrelang haben wir uns daran gewöhnt, dass ein paar nette, zugängliche JournalistInnen des Lokalblattes unsere Themen wie Ökologie, Fahrradfahren, ja sogar Atomkraftkritik bereitwillig aufgegriffen haben. Dabei wurde nur zu gerne verdrängt, dass die Beschäftigung mit diesen Themen längst im Mainstream angekommen ist und nichts Außergewöhnliches mehr darstellt wie vor 40 Jahren. Wir haben also einerseits etwas erreicht, andererseits sind wir immer noch den konventionellen, rechten Medien ausgeliefert, wenn es darauf ankommt.

Der "Westfälische Anzeiger" gehört dem stramm-rechtskonservativen Verleger Dirk Ippen, der nicht nur mit seiner eigenen Kolumne die LeserInnenschaft höchstpersönlich auf den rechten Weg bringen will, sondern sich im Laufe der Jahrzehnte ein über die ganze Republik ausgebreitetes Lokalzeitungsimperium aufgebaut hat. In Hamm wurde in der Vergangenheit die rechtsradikale "Nationalzeitung" in der WA-Hausdruckerei Griebsch gedruckt und im Lokalteil erschienen Anzeigen für das Naziblatt.

Um nicht der Willkür solcher Medienkonzerne ausgesetzt zu sein, ist es wichtig, eigene lokale Medien zu entwickeln, die nicht nur von uns selbst, sondern auch von vielen anderen Menschen gelesen werden.

 

 

 

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Liebe Leserinnen und Leser!

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Nächstes Jahr erscheint die Ausgabe 150 des Rundbriefes. Das wäre ein schöner Anlass zu sagen, jetzt reicht es aber auch. Angesichts des Ausmasses der aktuellen Rechtsentwicklung und Verblödung, der verantwortungslosen Tatenlosigkeit gegenüber dem Klimawandel und der weitgehenden Inaktivität des Großteils der Bevölkerung, könnte man doch sagen „ihr werdet schon noch sehen, was ihr davon habt“ und sich wegen offensichtlicher Beratungsresistenz vieler Menschen nach 45 Jahren aus der politischen Arbeit zurückziehen.

Könnte man. Aber ich fürchte, ich könnte den Mund dazu nicht halten. Und da wäre es doch wirklich schade, wenn wir ein so verbreitetes Medium wie diesen Rundbrief nicht mehr zur Verfügung hätten. Weit Verbreitet? – Oh ja, es zählen nicht nur die hundertzehn Papierexemplare. Über die Homepage Reaktorpleite.de werden mehre hunderttausend „Visits“ (ein Visit ist ein einzelner Besucher, der auf mindestens drei Seiten der Homepage wenigstens 30 Sekunden verweilt) jährlich erreicht. Ein rasantes Wachstum ist angesagt! – Also: In Zukunft soll der Rundbrief weitererscheinen!

Meine persönliche Homepage Machtvonunten.de wird in diesem Monat fünf Jahre alt und ebenfalls immer intensiver genutzt. Von den 320 eingestellten Artikeln aus etwa 30 verschiedenen Zeitschriften befassen sich immerhin 60 mit dem THTR:

http://www.machtvonunten.de/atomkraft-und-oekologie.html

Auch auf diese Weise gelingt es uns immer mehr, den herrschenden Medien unsere Informationen und Meinungen entgegenzusetzen, weil wir mit unseren Artikeln oft unter den ersten Suchergebnissen bei Google angezeigt werden.

 


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Spendenaufruf

- Der THTR-Rundbrief wird von der 'BI Umweltschutz Hamm' herausgegeben und finanziert sich aus Spenden.

- Der THTR-Rundbrief ist inzwischen zu einem vielbeachteten Informationsmedium geworden. Durch den Ausbau des Internetauftrittes und durch den Druck zusätzlicher Infoblätter entstehen jedoch laufend Kosten.

- Der THTR-Rundbrief recherchiert und berichtet ausführlich. Damit wir das tun können, sind wir auf Spenden angewiesen. Wir freuen uns über jede Spende!

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BI Umweltschutz Hamm
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Die Reaktorpleite - THTR 300 Die THTR-Rundbriefe
Studien zum THTR uvm. Die THTR-Pannenliste
Die HTR-Forschung Der THTR-Störfall im 'Spiegel'

Die THTR-Rundbriefe aus 2017

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THTR Rundbrief Nr. 148, Sommer 2017:


Inhalt:

Wohin mit dem strahlenden Müll aus dem THTR Hamm und Jülich sowie dem Abbrandmessreaktor (AMR) Hamm?

Störfall im Thoriumreaktor in Halden (Norwegen)!

HTR in China kurz vor der Fertigstellung? Deal Chinas mit Saudiarabien. HTR-Lobby aktiv

Rückblick: Erfolgreicher Widerstand gegen den Pebble Bed Modular Reactor (PBMR) in Südafrika und Deutschland. – Atomlobby bekommt beim erneuten Anlauf einen Dämpfer

NRW-Wahlen, Qualen ...

Poesie und Protest gegen Uranabbau und Landraub in Indien

Liebe Leserinnen und Leser!

 


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Wohin mit dem strahlenden Müll aus dem THTR Hamm und Jülich sowie dem Abbrandmessreaktor (AMR) Hamm?

Die Diskussion über den zukünftigen Verbleib der ca. 300.000 radioaktiven Brennelementekugeln aus dem kleinen THTR in Jülich habe ich in den letzten Ausgaben des Rundbriefes ausführlich dokumentiert (1). Zur Debatte stehen der vorläufige Verbleib in einem möglichst sicheren Zwischenlager in Jülich oder der Transport in das BEZ Ahaus oder aber die aufwendige und riskante Verschickung in die USA, wo das radioaktive Material ursprünglich herkam. Desweiteren ist ebenfalls ungeklärt, was mit den ca. 600.000 Brennelementekugeln aus dem THTR Hamm geschehen soll, die seit den 90er Jahren im BEZ Ahaus lagern.

Über den Standort eines „Endlagers“ konnte bekanntlich keine Einigung erzielt werden. Atomkonzerne und parlamentarische Gremien versuchen seit Jahren, einen Konsens herzustellen, der eine breite gesellschaftliche Zustimmung als Ziel hat.

Die Bundestagsfraktionen von CDU, SPD und Grünen (!) haben gemeinsam eine Novellierung des Standortauswahlgesetzes für die Endlagerung des radioaktiven Atommülls vorgelegt, zu dem im März 2017 eine Anhörung im Bundestag stattfand. Am 1. März 2017 titelte der Westfälische Anzeiger „THTR-Müll in die USA? Atom-Kritiker fürchten Aufweichen der gesetzlichen Bestimmungen“. Der Hammer SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Tewes, bisher nicht sonderlich durch Wortmeldungen zu Atom-Themen aufgefallen, ist sich nach der Anhörung aber sicher, dass für die 600.000 THTR-Kugeln in Zukunft ein Exportverbot gilt. Am 9. März 2017 betonte er im WA: „Ich halte das Risiko der theoretischen Möglichkeit eines Exports aber für nahe Null“. Der WA schreibt zu diesem „heiklen Sachverhalt“ jedoch: „Das für die Atomaufsicht zuständige Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gab darauf eine mehrdeutige Antwort. Nach Satz 2 der neuen Regelung solle für Kernbrennstoffe aus Forschungsreaktoren die Möglichkeit bestehen, ‚diese in eine Anlage ins Ausland zu bringen und dort zu endlagerfähigen Gebinden zu verarbeiten’. Ziel dieser Regelung sei es, die Herstellung von Abfallgebinden für die Endlagerung in Deutschland sicherzustellen – Rücktransport inklusive“.

Wer hat die Definitionsmacht?

Es stellt sich hier also sehr deutlich die Frage, wer hat hier die Definitionsmacht zu entscheiden, ob der THTR als Forschungs- oder als Leistungsreaktor klassifiziert wird. Die Bundesregierung, Michael Tewes, die Opposition, die Atomindustrie mitsamt ihren Wissenschaftlern oder gar die Anti-Atombewegung?

Ein überregionales und breit aufgestelltes Bündnis von Anti-Atomkraft-Initiativen, das „Bündnis gegen Castor-Exporte“, machte am 22. März 2017 in einem offenen Brief an alle Bundestagsabgeordnete auf Schlupflöcher bei den THTR-Brennelementen aus Jülich und Hamm aufmerksam und bemängelte bei der Entscheidungsfindung das Verfahren als intransparent (2). Seiner Meinung nach stellen die beiden Kugelhaufenreaktoren sowohl von der Menge (455 Castoren) als auch von seinen Eigenschaften her ein viel größeres Problem bei der Entsorgung dar als der Müll aus Leichtwasserraktoren. Weiter heißt es in dem Offenen Brief: „Bei näherer technisch-physikalischer Betrachtung etwaiger Konditionierungsvorgänge des Jülicher/ Hammer Atommülls in den USA muss davon ausgegangen werden, dass fast der gesamte radioaktive Kohlenstoff C-14 des Mülls in den USA in die Atmosphäre abgegeben würde. Die Atomkugeln sollen dort nämlich in einem riskanten Prozess verbrannt oder vergast werden und dabei kann man C-14 nicht ausfiltern. Die drastische Verminderung des nach Deutschland zurückkommenden Müllvolumens wird also mit grossen Umweltbelastungen in den USA erkauft. (...) Die Begriffe „Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen zu Forschungszwecken“ und „Anlagen zur Spaltung von Kernbrennstoffen zur gewerblichen Erzeugung von Elektrizität“ sind weder in der jetzigen, noch in der neuen Fassung des Atomgesetzes oder des Standortauswahlgesetz legal definiert. Das ist weder aus naturwissenschaftlicher, noch aus juristischer Sicht „wissenschaftsbasiert“ und erst recht nicht „transparent“. Ganz besonders nicht vor dem Hintergrund, dass solche nicht-eindeutigen Definitionen die Frage aufwerfen, was damit bezweckt werden soll.

Wir vermuten, dass damit Export-Optionen gewahrt werden, die durch die Novellierung eindeutig ausgeschlossen werden sollen. Der Umstand, dass das BMUB in der Diskussion um die Export-Schlupflöcher verlauten ließ, es gebe keine eindeutige Positionierung der Bundesregierung, ob der THTR Hamm ein Forschungsreaktor oder ein Leistungsreaktor sei, gibt allen Grund zu dieser Annahme. Gleiche Unklarheit besteht in Bundesregierung und Bundestag seit Jahren zum AVR Jülich. Nach unserer Auffassung versteht man unter Forschungsreaktoren ausschließlich Neutronenquellen, und eine solche Definition sollte im Gesetz verankert sein.

Bis zum Jahr 2018 sind laut verschiedenen Anfragen und Anträgen von Grünen und Linken Gelder im Bundeshaushalt für den Jülicher Atommüll eingeplant, die auch für die Verbringung der 152 Castoren in die USA genutzt werden dürfen – das widerspricht den Beteuerungen, dass der Export ausgeschlossen sei.“

All diese Bedenken der Umweltbewegung wurden in dem Verfahren bislang nicht berücksichtigt. Hinzu kommt noch, dass in den Debatten um den HTR-Müll ein Reaktor völlig ausgespart wurde. Es handelt sich um den

Abbrandmessreaktor (AMR) in Hamm-Uentrop

Noch nie gehört? – Kein Wunder, lediglich drei kümmerliche Kurzerwähnungen des AMR Hamm-Uentrop sind im Netz zu finden. Der AMR war ein Miniforschungsreaktor, der zur Gewinnung von freien Neutronen (Neutronenquelle) betrieben wurde, um den Abbrand der HTR-Brennelementekugeln messen und charakterisieren zu können. Die Betreiber wollten ein Debakel wie beim AVR Jülich nicht nochmal erleben, wo sie bei 50 Castoren nicht wussten, was tatsächlich an Radioaktivität drin ist.

Spätestens im April 1995 sind die radioaktiven Bestandteile des AMR in zwei Castoren von Hamm nach Ahaus gebracht worden. Die Besonderheit: Sie enthielten 3,9 kg hochangereichertes Uran und zwar nahezu 93 Prozent. Damit könnten ohne Zwischenschritte Atombomben hergestellt werden. Bei Wikipedia findet der AMR lediglich in einem Satz als „Hilfsreaktor“ Erwähnung (3).

In der Aufbewahrungsgenehmigung vom 7. 11. 1997 für das Transportbehälterlager Ahaus wird auf Seite neun angegeben, dass sich in den zwei Behältern „maximal“ 767 bestrahlte AMR-Brennelemente mit einem mittleren Abbrand von 130 MWd/Mg Schwermetall befinden. Dieses hochangereicherte Uran ist natürlich ein echtes Entsorgungsproblem und kam in den bisherigen offiziellen Überlegungen nicht zur Sprache.

Anmerkungen

(1) http://www.reaktorpleite.de/57-frontpage/thtr-rundbriefe/rundbriefe-2015/522-thtr-rundbrief-nr-145-mai-2015.html#3.Thema

http://www.reaktorpleite.de/57-frontpage/thtr-rundbriefe/rundbriefe-2015/523-thtr-rundbrief-nr-146-dez-2015.html#4.Thema

(2) https://sofa-ms.de/?p=687#more-687

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Transportbeh%C3%A4lterlager_Ahaus

 

Durchsuchen der reaktorpleite.de mit dem Stichwort: THTR-Rückbau
http://www.reaktorpleite.de/interne-suche.html?searchword=THTR-Rückbau

 

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Störfall im Thoriumreaktor in Halden (Norwegen)!

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Norwegen hat die drittgrößten Thoriumvorkommen der Welt. Im Rundbrief Nr. 131 schrieb ich, dass im Jahr 2009 die norwegische Regierung nach der Kenntnisnahme einer in Auftrag gegebenen wissenschaftlichen Studie über den mangelnden energiepolitischen Nutzen von Thoriumreaktoren von einem Bau dieser speziellen Variante als Leistungsreaktoren abgesehen haben (1).

Doch trotzdem wurde der bereits 1959 errichtete kleine Thorium-Versuchsreaktor in Halden wenige Kilometer südöstlich von Oslo in der Nähe zur Grenze nach Schweden weiterbetrieben. Sein Name ist Halden Boiling Water Reactor (HBWR) und befindet sich 30 bis 50 Meter unter einem felsigen Hügel (2).

Detlef zum Winkel hat im März 2017 auf Meldungen aufmerksam gemacht, nach denen bereits im Januar 2017 eine erhöhte Radioaktivität im nördlichen Europa durch eine Wolke mit Jod 131 verursacht wurde (3). Während das US-Militär ein mit Messinstrumenten bestücktes Spezialflugzeug schickte, um der Sache auf den Grund zu gehen, blieben die europäischen Staaten tatenlos, die deutschen Medien schwiegen dazu. Detlef zum Winkel recherchierte weiter und fand unter anderem folgendes heraus:

„Am 3. März 2017 veröffentlichte die norwegische NGO Bellona einen Bericht über einen Störfall im Forschungsreaktor Halden nahe der Grenze zu Schweden. Er ereignete sich bereits am 24. Oktober 2016, wurde von einer Handvoll englischsprachiger Medien gemeldet und alsbald wieder vergessen. (...)

Bellona klärt nun darüber auf, dass dieser Störfall ziemlich bedenklich gewesen sei. Er habe sich beim Hantieren des Personals mit beschädigten Brennelementen ereignet. Über das Belüftungssystem dieses in einer Bergkammer errichteten, unterirdischen Forschungsreaktors sei Radioaktivität freigesetzt worden. Am nächsten Tag habe die norwegische Atomaufsicht verfügt, die Abgabe in die Außenluft zu sperren. Dadurch hätten sich weitere ernsthafte Probleme an dem Reaktor ergeben, nämlich eine Unterbrechung der Kühlwasser-Zirkulation, Temperaturfluktuationen und ein Ansteigen des Neutronenflusses im Core mit der Gefahr einer Bildung von Wasserstoffblasen. (...) Fluktuation ist ein euphemistischer (beschönigender, H. B.) Begriff für Temperaturanstiege; erhöhter Neutronenfluss weist auf gestiegene Reaktivität hin.

Angesichts dieser ‚sehr speziellen Situation’ habe die Atomaufsicht dann doch eingewilligt, das Belüftungssystem wieder einzuschalten, auch wenn dadurch weiter Radioaktivität in die Umwelt geblasen wurde. Damit dürfte auch das Geheimnis der Strahlenwolke gelüftet und ihre Herkunft gefunden worden sein.

Anmerkung Nr. 5: Keine öffentliche Resonanz für den Bellona-Bericht (allein die Webseite Energy News sorgte für seine Verbreitung). Angeblich ist ja auch alles innerhalb der Limits geblieben. Bellona kritisiert, der Vorfall weise auf eine ärmliche Sicherheitskultur hin. Das Institut für Energietechnik habe als Betreiber von Halden die norwegische Atomaufsicht zu spät und unzureichend informiert und erst eine Woche später den Ernst der Lage eingestanden - das Standardverfahren der Nuklearindustrie.

Die mangelnde Sicherheitskultur zeigt sich freilich auch am Desinteresse der großen Medien, an ihrer Unfähigkeit, die Relevanz einer scheinbar alltäglichen Störung im Nuklearbetrieb zu erkennen sowie an der Untätigkeit der Umweltbehörden“ (4).

Der Forschungsreaktor in Halden wird seit 2011 von einem internationalen Konsortium unter norwegischer Leitung und unter Beteiligung vom Westinghouse-Konzern, Finnland, England, Korea und dem EU-Institute for Transuranium Elements betrieben. In Halden werden unter anderem thoriumhaltige Brennstäbe getestet, die das US-Unternehmen Lightbridge vermarkten will (5).

Die Erprobung der Brennelemente in einer Mischung aus Thorium und Plutonium im norwegischen Halden ordnet der Autor zum Winkel folgendermaßen in die weltweiten nuklearen Bestrebungen der Atomindustrie ein:

„In Halden werden Experimente zur Verwendung von Thorium als Spaltstoff in Reaktoren durchgeführt. Thorium kommt beim Hochtemperaturreaktor ebenso zum Einsatz wie bei futuristischen Konzepten eines Flüssigsalzreaktors. Auch der Europäische Druckwasserreaktor (EPR) soll später einmal mit Thorium-Anteilen betrieben werden können“.

Anmerkungen

(1) http://www.reaktorpleite.de/thtr-rundbrief-nr-134-januar-2011.html#2.Thema

(2) http://www.nucnet.org/all-the-news/2016/01/11/thorium-nuclear-fuel-testing-continues-at-norway-s-halden-reactor

(3) https://www.heise.de/tp/features/Beinaheunfall-in-Norwegen-3648067.html

(4) Siehe (3)

(5) http://ir.ltbridge.com/releasedetail.cfm?releaseid=937141

 

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 HTR in China kurz vor der Fertigstellung?

Deal Chinas mit Saudiarabien. HTR-Lobby aktiv

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Wir erinnern uns: Ende 2012 wurde in China auf der Halbinsel Shandong in Shidaowan (bis 1914 unter deutscher Kolonialherrschaft Tsingtao genannt) mit dem Bau von zwei 200 MW HTR-Reaktoren begonnen. Im letzten Rundbrief berichtete ich über den Abschluss der Tiefbauarbeiten, den Einbau des Reaktordruckbehälters und die Fertigstellung des Simulations-Teststandes zum Üben des Personals. Und darüber, dass die Zwillingsanlage für die Kühlung nur eine einzige Turbine hat (1).

Am 5. April 2017 wurden die beiden Reaktoren mit den ersten nichtradioaktiven Moderatorkugeln beladen. Jede der Graphitkugeln hat einen Durchmesser von 6 cm und wiegt 192 Gramm. Erst später werden die Anlagen mit Brennelementen bestückt, die sieben Gramm Uran und einen Anreicherungsgrad von 8,5 % haben. Diese Kugeln werden unter höchst fragwürdigen Umständen in der Inneren Mongolei in Baotou produziert (2). Letztendlich wird der elf Meter hohe Reaktorhohlraum mit insgesamt 245.318 Elementen gefüllt sein (3).

Ob die beiden Zwillingsreaktoren tatsächlich wie geplant im Dezember 2017 in Betrieb gehen können, muss abgewartet werden. Aus den Erfahrungen mit dem THTR in Hamm wissen wir, dass ab dann die Probleme erst richtig anfangen.

Darüberhinaus plant China in Ruijin in der Provinz Jiangxi zwei 600 MW HTR mit jeweils sechs Reaktormodulen für die kommerzielle Nutzung. Mit dem Bau soll nächstes Jahr begonnen werden. Die Netzanbindung ist angeblich für 2021 vorgesehen – eine sehr gewagte Prognose.

Saudiarabien will HTR´s von China

Erste Kooperationsvereinbarungen zwischen Saudiarabien und China sind bereits im Januar 2016 abgeschlossen worden. Nach intensiven Vorbereitungen im März 2017 wurden am 15. Mai 2017 die Modalitäten einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie für den Bau von Hochtemperaturreaktoren diskutiert und festgelegt. Etwa 40 Experten aus beiden Ländern, darunter die Tsinghua University Institute of Nuclear, arbeiteten drei Tage lang die nächsten Schritte aus. Bereiche wie geistiges Eigentum, Lieferkette für Bauteile, Finanzierung, Ausbildung von Personal und ein nukleares Regelsystem für Saudiarabien waren Themen, die behandelt wurden (4).

In den nächsten 20 Jahren plant Saudiarabien – auch für den Betrieb von Meerwasserentsalzungsanlagen – 16 Atomkraftwerke zu errichten (5). Wie realistisch das ist, sei an dieser Stelle einmal dahingestellt.

HTR-Lobby wittert Morgenluft

Die offizielle Homepage der schweizer Atomfreunde überschrieb ihren aktuellen Artikel zum Thema mit „Vierte Generation in China in den Startlöchern“ und versuchte, den HTR-Neubau propagandistisch auszuschlachten. Da wird wohl in Zukunft noch so Einiges kommen. Am 21. Juni 2017 fand in Zürich ein Vortrag von Wentao Guo, einem wissenschaftlichen Assistenten aum Paul Scherrer Institut (PSI) zum Thema HTR in China statt (6).

Der FDP-Politiker Klaus-Dieter Humpich schrieb am 29. April 2017 zu den neuen geplanten Kugelhaufenreaktoren allen Ernstes: „Es ist möglich einen Reaktor zu bauen, der so sicher ist, daß man ihn in einem Wohngebiet bedenkenlos aufstellen könnte. (...) Für die öffentliche Akzeptanz sind medienwirksame Vorführungen an Demonstrationskraftwerken notwendig. (...) Nur so, kann der Angstindustrie und ihrer Propaganda wirksam entgegen getreten werden“ (7) .

Spätestens bei dem Stichwort „Angstindustrie“ wird es offensichtlich: Hier handelt es sich um einen verschwörungstheoritisch motivierten Schreiber beim „Europäischen Institut für Klima und Energie e. V.“ (EIKE e. V.), welches bei Wikipedia folgendermaßen charakterisiert wird: „Der Verein wird von der Fachwelt nicht als seriöses Institut, sondern als klimaskeptische Lobbyorganisation betrachtet“ (8).

Selbstverständlich handelt es sich in diesem Fall um einen besonders skurrilen Fall eines FDP-Politikers. Allerdings regieren in NRW seit der neuen Landtagswahl 2017 FDP und CDU. Und wenn jahrzehntelang unter Rotgrün auf manchmal etwas verschlungenen Wegen eine Förderung der HTR-Forschung möglich war, wird so etwas unter Schwarzgelb sicherlich erst recht zu erwarten sein. Deswegen sollten wir wachsam sein.

Anmerkungen

(1) http://www.reaktorpleite.de/reaktorpleite-thtr300/alle-thtr-rundbriefe/thtr-rundbrief-nr-147.html#3.Thema

(2) http://www.reaktorpleite.de/thtr-rundbrief-nr-144-november-14.html#Hochtemperaturreaktor-China

(3) http://www.world-nuclear-news.org/NN-Fuel-loading-starts-at-Chinese-demonstration-HTGR-0704175.html

(4) http://www.world-nuclear-news.org/NN-China-Saudi-Arabia-begin-HTGR-feasibility-study-1705174.html

(5) http://www.world-nuclear-news.org/NN-Feasibility-study-for-Saudi-Arabian-HTGR-project-1703174.html

(6) http://www.nuklearforum.ch/de/nuklearforum-schweiz/veranstaltungen/3-forums-treff-2017

(7) http://www.nukeklaus.de/home/die-kugelhaufen-sind-zurueck/

(8) Siehe (7)

 

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Rückblick: Erfolgreicher Widerstand gegen den Pebble Bed Modular Reactor (PBMR)
in Südafrika und Deutschland.

Atomlobby bekommt beim erneuten Anlauf einen Dämpfer

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THTR-Tagung des BUND-NRW in Hamm

Am 19. November 2016 fand vom BUND NRW und der Natur- und Umweltschutzakademie NRW in Hamm das mit 35 Teilnehmern gut besuchte Seminar „Kugelhaufenreaktoren, Thorium und Transmutation: Die letzten Strohhalme der Atomlobby“ statt.

Vorträge hielten: Jürgen Streich (Rückblick), Dr. Rainer Moormann (Aufblick - Technik - Gefährdungspotential), Uwe Hiksch (Überblick weltweit). Horst Blume hielt in diesem Rahmen einen Vortrag über den Widerstand gegen den THTR in der BRD und in Südafrika. Das Kapitel zu Südafrika wird hier dokumentiert:

Widerstand gegen den PBMR in Südafrika

Der Entwicklung in Südafrika schenkten wir zunächst wenig Beachtung. Die Vorbereitungen für den Bau des PBMR rekonstruierten wir erst im Nachhinnein. Bereits zu Apartheidszeiten im Jahr 1987 besuchte Klaus Knizia von den VEW Südafrika, um dem dortigen Regime den THTR schmackhaft zu machen. Auch Funktionsträger vom Forschungszentrum Jülich unterstützten ihn dabei. In den Medien häuften sich kritische Berichte über diese unerhörte Zusammenarbeit mit dem Apartheidsregime. Es ist schon sehr bezeichnend, dass nach dem Niedergang des THTRs in Deutschland die Betreiber ausgerechnet hier ihre besten Freunde gefunden haben. Und es ist noch erstaunlicher, dass nach der Ablösung des Rassistenregimes die neue Regierung des ANC nach 1994 an den Intentionen ihrer Vorgänger festhielt und ebenfalls einen THTR bauen wollte.

Böll-Stiftung

Von herausragender Bedeutung für uns war der intensive Kontakt mit Stefan Cramer in Südafrika. Er war der Leiter der grünennahen Heinrich Böll-Stiftung und engagierte sich hochmotiviert gegen einen Reaktor, der auch mit der Unterstützung rotgrüner Regierungen in Südafrika gebaut werden sollte. Das war schon eine sehr spezielle Situation! Stefan übersetzte Teile unserer Reaktorpleite-Homepage ins Englische, weil damals die automatischen Übersetzungsfunktionen im Netz noch nicht so gut waren. Er arbeitete mit der Umweltorganisation Earthlife Africa zusammen und gab unsere Infos weiter. Stefan und ich schrieben öfters in der Zweimonatszeitschrift „afrika süd“ in deutscher Sprache über die Gefahren des PBMR. Dies ist die Zeitung der Anti-Apartheidsbewegung und ihrer Nachfolger. Es folgten in den Jahren 2003 und 2004 eine Vielzahl von Aktivitäten zu Südafrika. Die Böll-Stiftung erreichte die Durchführung eines Dialog-Hearings zwischen Parlament und Bürgerinitiativen in Südafrika. Paralell dazu nahmen wir in Deutschland Kontakt zur Südafrikanischen Botschaft in Berlin auf und äußerten unsere Bedenken.

Bürgerantrag in Hamm

Gleichzeitig reichten wir in Hamm zusammen mit mehreren anderen Umweltgruppen beim Beschwerdeausschuss der Stadt Hamm einen Bürgerantrag ein. Unser Ziel war, einen Erfahrungsaustausch über den THTR zwischen Hamm und Kapstadt zu organisieren. Die Verwaltung von Hamm musste sich ja notgedrungen mit den Problemen des THTR befassen und hatte auch extra jemanden eingestellt, der diesen Bereich mehrere Jahre lang aufgearbeitet hatte. – Der Antrag wurde wie erwartet abgelehnt, aber das Thema wurde in Hamm beachtet und diskutiert.

Bauvorbereitungen

In den nächsten zwei Jahren begannen in Südafrika die Bauvorbereitungen für den PBMR. – Und in Deutschland natürlich auch, das sollte nicht vergessen werden!! - Mindestens fünf deutsche Firmen lieferten maßgebliche Anlagenteile für den im Bau befindlichen PBMR in Südafrika:

+ Meridium in Walldorf lieferte Softwareprodukte

+ SGL Carbon aus Wiesbaden und Meitingen lieferten Graphit

+ EHR aus Essen lieferten Rohrleitungssysteme

+ RWE-Nukem aus Hanau stellt die Kugelbrennelemente her

+ Uhde, Tochter von KruppThyssen, aus Dortmund sollte die Brennelementefabrik in dem Nuklearzentrum Pelindaba bauen

Uhde

Da Uhde in Dortmund in der Nähe von Hamm liegt, bot es sich an, hier einzugreifen. Im Jahr 2005 habe ich mit dieser Firma in der Jubiläumsausgabe 100 des THTR-Rundbriefes viel über die Rolle von Uhde als Tochter von Rheinmetall geschrieben.

Friedrich Ostendorff, einer der Blockade-Bauern von 1986 und inzwischen grüner Bundestagsabgeordnete, forderte Außenminister Fischer auf, die Exportgenehmigung für nukleare Komponenten zu untersagen. Weiterhin wandte er sich an den damaligen Wirtschaftsminister von NRW.

Wir nahmen Kontakt zu den „Kritischen Aktionären“ auf, die dann ihrerseits auf der jährlich stattfindenden Aktionärsversammlung von Kruppthyssen eine Rede zu diesem Thema hielten. Im Jahr 2007 führten wir zusammen mit einigen Gruppen eine kleine Kundgebung vor Uhde in Dortmund durch und fuhren anschließend mit einem Autokorso weiter nach Münster, um dort gegen die NRW-Atomanlagen zu demonstrieren. 2008 reiste ein WDR-Filmteam nach Hamm und Südafrika und berichtete eine Dreiviertelstunde über unsere Zusammenarbeit.

All diese Aktivitäten hatten im Grunde einen recht überschaubaren Umfang und wurden von nur wenigen Menschen durchgeführt. Auch die Mehrzahl der Umweltgruppen in der BRD interessierte sich kaum für dieses „exotische“ Thema und musste jedesmal motiviert werden, sich zu beteiligen. Aber es waren sehr konkrete Ansatzpunkte und Aktivitäten, die sich gegen nukleare Akteure in der BRD richteten, die mit Südafrika Geschäfte machten. Sie fanden einen nicht zu unterschätzenden Widerhall in vielen Medien.

Im Jahr 2009 wurde der Bau des PBMR letztendlich aufgegeben, weil er für Südafrika eine Nummer zu groß und zu teuer war. Über eine Milliarde Dollar wurden in dieses sinnlose Projekt gesteckt.

Nachtrag: Wie ging es weiter?

Selbstverständlich gab es seit 2009 immer wieder Versuche der Atomlobby und des südafrikanischen Staates, neue Atomkraftwerke zu bauen. Noch Anfang 2010 waren bei der PBMR-Firma 800 Angestellte beschäftigt, die nach ihrer Entlassung ihrem alten Arbeitsplatz hinterhertrauerten. Bereits im März 2011 stellte die Regierung öffentliche Überlegungen an, insgesamt sechs AKW´s mit 9.600 MW zu errichten (1). Motiviert wurde sie hierbei durch die von AKW-Betreibern finanzierte US-Forschungsorganisation EPRI. Im September 2014 wurde bekannt, dass die südafrikanische Regierung ein Abkommen über nukleare Partnerschaft mit dem russischen Staatskonzern Rosatom für diese AKW´s unterzeichnet hatte. Hierbei handelte es sich nicht um HTR´s, sondern um Kraftwerke russischer Bauart (2).

Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass Vorvertäge für den Bau von AKW´s und nukleare Kooperationen mit den USA (2009), Südkorea (2010) und mit Russland (2014) abgeschlossen wurden. Der südafrikanische Gerichtshof hat allerdings Ende April 2017 die Abkommen für „ungesetzlich“ erklärt, weil diese nur dem korrupten und sich schamlos bereichernden Präsidenten Zuma und seinen Geschäftspartnern zugute kommen würden. Der geplante Bau von acht Atomkraftwerken wurde gestoppt und dem Präsidenten eine empfindliche Niederlage beigebracht. Das Neue Deutschland (ND) schrieb am 2. Mai 2017:

„Basis des Verfahrens waren Klagen der Umweltorganisationen »Earthlife Africa« und »Southern African Faith Communities Environment Institute« (Safcei), der Rechtsstreit lief seit Herbst 2015. Doch nicht nur Umweltschützer triumphieren. In Südafrika wird das Urteil auch als Schlag gegen korrupte Praktiken gesehen, die das Land in eine Finanz- und Verfassungskrise hätten führen können. Denn die Kosten des Atomdeals wurden auf eine Billion Rand (70 Milliarden Euro) geschätzt, ein transparentes Beteiligungsverfahren gab es nicht. Letzteres war auch der Hauptkritikpunkt des Gerichts. Richter Bozalek bemängelte, dass das Parlament nicht - wie in der Verfassung vorgesehen - über die Regierungspläne debattieren konnte. Die Ende März entlassene Energieministerin Tina Joemat-Pettersson hatte das Abgeordnetenhaus überhaupt erst im Juni 2015 über die längst getroffenen Absprachen unterrichtet“ (3).

Es wurde weiterhin bekannt, dass die Energieaufsichtsbehörde Nersa keinerlei öffentlichen Anhörungsprozess durchgeführt hat, obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wäre. Dies zeigt, mit welchen undemokratischen Mitteln Atomkraftwerke hier durchgesetzt werden sollen. Sie versuchen es immer wieder und deswegen ist Wachsamkeit angesagt. Inzwischen steigt mit Südkorea ein wichtiger Vertragspartner und ein sehr großer Player auf dem internationalen Nuklearmarkt selbst aus der Atomenergie aus und leitet eine spektakuläre Energiewende hin zu mehr Alternativenergie ein (4). Immer mehr Staaten wenden sich von der Atomkraft ab. Das sind die Zeichen der Zeit und sie machen Hoffnung!

Anmerkungen

(1) Rundbrief 137: http://www.reaktorpleite.de/41-frontpage/thtr-rundbriefe/rundbriefe-2011/409-thtr-rundbrief-nr-137-dezember-2011.html#3.Thema

(2) Rundbrief 144: http://www.reaktorpleite.de/55-frontpage/thtr-rundbriefe/rundbriefe-2014/495-thtr-rundbrief-nr-144-november-14.html#suedafrika

(3) ND vom 2. 5. 2017: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1049579.atomdeal-gestoppt.html?sstr=atomdeal|gestoppt

(4) Taz vom 20. 6. 2017: https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5424050&s=in+jahren+ist/

 

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NRW-Wahlen, Qualen ...

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Sicherlich wird ein großer Teil der LeserInnen des Rundbriefes zu Recht enttäuscht sein über das schlechte Abschneiden von Linken und Grünen bei der NRW-Wahl im Mai.

- Obwohl wir als Mitglied oder Befürworter von Bürgerinitiativen wissen, dass tatsächliche Veränderungen meist durch außerparlamentarische Bewegungen und Aktionen vorbereitet und erkämpft werden müssen. Oft genug haben wir die Erfahrung machen müssen, dass ParteipolitikerInnen - trotz gegenteiliger Beteuerungen – der Verwirklichung unserer Ziele entgegenstehen. Das dies eine lange Tradition hat, zeigen die aufrührerischen Gedichte des libertären Revolutionsdichters Oskar Kanehls (1888 – 1929), die von Wolfgang Haug neu kommentiert veröffentlicht wurden. Hier wird sogar erwähnt, dass sich in den 20er Jahren der entstehende Energiekonzern RWE mit Hilfe rechter Politiker in den Kommunen Monopole und Pfründe sicherte.

Die oft schlechten Erfahrungen vieler Menschen mit Parteipolitikern klingen in einem Spottgedicht Kanehls an, das auch heute nichts an Aktualität eingebüßt hat:

"Ihr müsst nur pünktlich zahlen auf euern Mitgliedsschein.
Und immer bei den Wahlen für uns zur Stelle sein."

Meine Besprechung des Buches „Kein Mensch hat das Recht, für Ruhe und Ordnung zu sorgen“ ist in der Monatszeitung „Graswurzelrevolution“ (Nr. 417) einzusehen:

http://www.machtvonunten.de/literatur/304-das-sollen-gedichte-sein.html

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Poesie und Protest gegen Uranabbau und Landraub in Indien

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Der Kampf der etwa 90 Millionen Adivasis (Ureinwohner) und noch einmal ebensovielen Dalits (sogenannte Unberührbare) in Indien gegen Landraub und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen durch Uranabbau, Staudammbau und Großindustrie wird nicht nur mittels politischer Aktionen geführt, sondern hat auch eine kulturelle Dimension. Denn Konzerne und Kastenhindus versuchen seit Jahrzehnten gezielt, das soziale Gefüge und das Selbstwertgefühl dieser Ausgegrenzten zu zerstören.

Doch auch auf kulturellem Gebiet entwickelt sich Widerstand, wie sich die BesucherInnen auf mehreren Veranstaltungen in Deutschland im Jahr 2016 mit der jungen Adivasi-Dichterin Jacinta Kerketta und ihrer Verlegerin Ruby Hembrom überzeugen konnten.

In ihren Gedichten erinnert sie nicht nur an die Aufstände der Adivasis gegen britische und hinduistische Unterdrückung seit dem 18. Jahrhundert, sondern auch an den Kampf gegen eine zerstörerische industriell-kapitalistische Wirtschaftweise, die massiv die Existenz mehrerer hundert millionen Menschen in Indien gefährdet. Auf Deutsch ist im Draupadi Verlag ihr Gedichtband mit dem Titel „Glut“ als Sinnbild von brennender Hoffnung und als Symbolbild von zu erweckendem Widerstandsgeist erschienen. In ihm verleiht sie den Menschen und der Natur ihre Stimme, wenn das Unglück über sie hereinbricht:

"Arglos im Schlaf

verstömt sich

der Blüten Duft.

Da schreckt sie auf, empört,

und die Poren füllen sich

mit dem Gestank von Maschinen,

in den Ohren dröhnen Explosionen."

 

Meine Besprechung des Gedichtbandes von Jacinta Kerketta ist unter dem Titel „अंग Adivasis in Indien: Poesie und Protest“ in der Monatszeitung „Graswurzelrevolution“ (Nr. 413) nachzulesen:

http://www.machtvonunten.de/literatur/299-adivasis-in-indien-poesie-und-protest.html

 

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Titelseite des THTR-Rundbrief Nr. 49 im April 1994

Die Zeichnung von Fritz Brümmer „Kugeln hin, Kugeln her“ von Seite eins dieses Blättchens befand sich bereits vor 23 Jahren auf der Titelseite des THTR-Rundbriefes Nr. 49 und zeigt damit deutlich, dass das Thema THTR-Atommüll heute noch genauso ungelöst auf der Tagesordnung steht, wie damals.

Damit auch Jüngere und/oder mit nicht so viel „Spezialistenwissen“ vertraute Interessierte sich mit dem Thema THTR beschäftigen können, werde ich in Zukunft versuchen, allgemeinverständlicher zu schreiben. Das ist angesichts der manchmal komplizierten Materie sicherlich nicht immer einfach.

Die von Werner Neubauer vor fast zwei Jahren konzipierte und immer weiter ergänzte „Karte der nuklearen Welt“ auf reaktorpleite.de entwickelt sich zum Renner. Über 50.000 Menschen besuchten sie bisher und informierten sich ausführlich in den mehr als 600 Einträgen über die Details der jeweiligen Standorte:


- Die Karte der nuklearen Welt -

Die Karte der atomaren Welt - Google Maps! - Stand der Bearbeitung bei der Veröffentlichung am 23.08.2015Die Karte der atomaren Welt - Google Maps! -  Stand der Bearbeitung am 25.11.2016Vom Uranabbau und der Verarbeitung, über die Atomforschung, den Bau und Betrieb von Atomanlagen inklusive der Störfälle in Atomkraftwerken, bis hin zum Umgang mit Uranmunition, Kernwaffen und Atommüll.

- Weltweit, beinahe, alles auf einen Blick mit Google MapsWeltweit, beinahe, alles auf einen Blick mit Google Maps -


Vor genau zehn Jahren fand unsere vielbeachtete Aktion gegen Uranhexafluorid-Transporte in den Wohngebieten am Hammer Verschiebebahnhof statt. Diese UF 6 – Transporte zur Urananreicherungsanlage Gronau (UAA) finden übrigens auch heute noch statt. Grund genug, sich daran zu erinnern und sie im Auge zu behalten (schöne Fotos von der Aktion damals inclusive):

http://www.machtvonunten.de/lokales-hamm/307-uranhexafluorid-transporte-durch-hamm.html

Vor wenigen Wochen machten in Hamm die Radler von Grohnde nach Tihange zur Menschenkette Station. Zusammen mit Marcos und Hartmut gelang es kurzfristig mit THTR-Kurzvortrag, Pressetermin und gelungener Lokal-Berichterstattung sowie Stippvisite zum Hindutempel ein kleines Programm aufzustellen. Interessante Infos über die einzelnen Stationen der Reise findet mensch hier:

http://grohnde-tihange.apgw.de/2-etappe-absolviert-und-hamm-kennengelernt/

Die Post will für das Postfach der Bürgerinitiative ab sofort Geld haben. Da es inzwischen aber kaum noch genutzt wird, werden wir es zum Anfang nächsten Jahres kündigen. Deswegen steht im Impressum jetzt schon mal die neue Anschrift.

 

Durchsuchen der reaktorpleite.de mit dem Stichwort: Atommüll-Transport
http://www.reaktorpleite.de/interne-suche.html?searchword=Atommüll-Transport

 

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