Südkorea

23.10.2017

Voten für die Atomenergie in Südkorea

Der Artikel von Patrick Welter erschien in www.nzz.ch

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In wollte sich durch lokale Bürgerversammlungen den Sukkurs für den Ausstieg aus der Atomenergie holen. Diese Taktik ist fehlgeschlagen.

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In hat in seinem Bestreben, das Land aus der Atomkraft herauszuführen, einen herben Rückschlag erlitten. Ein eigens einberufenes Gremium von 471 Bürgern stimmte nach drei Monaten Beratung mit annähernd 60% dafür, die Reaktoren Shin Kori 5 und Shin Kori 6 in der Stadt Ulsan im Südosten Koreas weiter zu bauen. Die Regierung erklärte, sich an diesen Entscheid der Bürgerversammlung zu halten. Damit bricht Moon ein Wahlversprechen.

Moon hatte vor seiner Wahl im Mai angekündigt, Korea hin zur umweltfreundlichen Energie und heraus aus der Kernenergie zu führen. Der linksliberale Politiker setzte dabei keinen Endpunkt, sondern wollte die bestehenden Kernkraftwerke bis zur Stilllegung aus Altersgründen weiterlaufen lassen. Der Ausstieg war erst für etwa 2060 geplant. Im Juni hatte Moon demonstrativ den ältesten Atommeiler des Landes nach Ablauf der Betriebsdauer aus dem Verkehr gezogen. Sichtbarstes Zeichen des langfristigen Ausstiegs war aber der Plan, den Bau der Reaktoren Shin Kori 5 und Shin Kori 6 abzubrechen. Dagegen aber regt sich der Widerstand.

Lokale Anwohner waren verärgert, weil der Bau der Reaktoren viel Arbeit und Kaufkraft in die Region gebracht hat. Landesweit ist die Meinung für oder gegen den Weiterbau weitgehend gleichmässig gespalten. Wirtschaftsvertreter wiesen auf künftig steigende Energiepreise hin in einem Land, dessen Stromversorgung zurzeit zu 30% an der Kernenergie hängt. Südkorea hat 24 Reaktoren in Betrieb und deren 5 im Bau. Der Regierung drohten zudem Entschädigungszahlungen von rund 1 Bio. Won (0,87 Mrd. Fr.).

Die beiden Reaktoren waren schon zu rund einem Drittel fertiggestellt, womit umgerechnet 1,5 Mrd. Fr. oder ein Fünftel der Gesamtsumme schon verbaut waren. Moon liess den Bau im Juni für drei Monate stoppen, um mit einer eigens eingesetzten Bürgerversammlung einen Entscheid herbeizuführen. Die ungewöhnliche Form der Entscheidungsfindung gründet in dem Bemühen von Moon, nach dem Skandal um die selbstherrlich und abgehoben regierende Vorgängerin Park Geun Hye die Bürgerbeteiligung an der Politik zu stärken. Trotz dem Votum für den Weiterbau der beiden Kernreaktoren erhielt der Präsident von der Bürgerversammlung Unterstützung für sein Vorhaben, langfristig den Anteil der Kernenergie an der Stromversorgung zu verringern.

Das staatliche Unternehmen Korea Hydro & Nuclear Power Co., das das Baukonsortium leitet, kündigte an, den Bau nach dem für kommende Woche erwarteten Entscheid der Regierung aufzunehmen. Die Reaktoren sollen bis 2021/2022 fertiggestellt werden. Der Bau der Atomkraftwerke ist ein wichtiges Signal für den koreanischen Energieversorger Kepco, der auf ausländische Aufträge für Kernkraftwerke hofft. Kepco hatte 2009 den Auftrag gewonnen für den Bau von vier Reaktoren in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Im Gegensatz zur Vorgängerregierung will Präsident Moon auch den Anteil der Kohle an der Energieversorgung deutlich verringern. Er hat versprochen, in seinen fünf Jahren im Amt alle Kohlekraftwerke, die älter als 30 Jahre sind, zu schliessen. Ferner sollen keine neuen Kohlekraftwerke mehr errichtet werden. Südkorea hat 59 Kohlekraftwerke, die rund 40% des benötigten Stroms liefern. Den Anteil der erneuerbaren Energien will die Regierung mit Subventionen bis 2030 auf etwa einen Fünftel ausbauen. Mit einem Anteil von weniger als 7% liegt Korea unter den OECD-Staaten derzeit deutlich abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Um den Befund zu untermauern, sind gut ein Dutzend Greenpeace-Aktivisten zwei Tage später in das Gelände des nahe der deutschen Grenze gelegenen Atomkraftwerks Cattenom eingedrungen und haben am Rand eines Abklingbeckens Feuerwerkskörper gezündet. Acht Minuten später wurden die Eindringlinge festgenommen. Über den Kurznachrichtendienst Twitter teilte der Betreiber damals mit: „Greenpeace-Aktivisten auf dem Gelände. Gestoppt von Gendarmen. Kein Zugang zur nuklearen Zone. Keine Auswirkung auf die Sicherheit der Anlagen.“

EDF hat angekündigt, in den nächsten zehn Jahren 50 Milliarden Euro zu investieren, um die ursprünglich auf 40 Jahre veranschlagte Lebensdauer zahlreicher Reaktoren zu verlängern. Bis 2022, dem Ende der derzeitigen Legislaturperiode, werden 23 der 58 Reaktoren die Schwelle überschritten haben. Von Greenpeace zitierte Experten beziffern den Investitionsbedarf auf 140 bis 222 Milliarden Euro.

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