26.06.2017

Hand in Hand gegen Atomkraft

Artikel von Madeleine Gullert und Elke Silberer aus www.rp-online.de

Aachen. Im Grenzgebiet von Belgien, Deutschland und den Niederlanden geben sich rund 50.000 Menschen die Hand. Ihre Forderung: das Atomkraftwerk Tihange abschalten. Die Organisatoren sehen die Aktion als starkes Signal.

Sonntag 14.45 Uhr: Wie auf Kommando geben sich die Ersten die Hand, andere reichen gelbe Bänder zum weiter entfernt postierten Nachbarn weiter. Plötzlich steht die Menschenkette am deutsch-niederländischen Grenzübergang Aachen/Vaals. So weit das Auge reicht und nach Angaben der Veranstalter noch viel weiter: bis ins belgische Huy zu den Kühltürmen des Kernkraftwerks Tihange und bis ins Aachener Stadtzentrum. 50.000 Menschen bilden nach Angaben des grenzüberschreitenden Bündnisses "Stop Tihange" eine 90 Kilometer lange Kette durch drei Länder - wenn auch mit kleinen Lücken.

"Das ist das stärkste Zeichen, das die Region sendet", sagt der Chef der Städteregion Aachen, Helmut Etschenberg am Grenzübergang. Tausende seien auf die Straße gegangen, um zu zeigen: "Wir wollen mit diesem Unsicherheitsfaktor Tihange 2 nicht weiter leben, und wir werden auch keine Ruhe geben." Etschenberg steht an der Spitze des Widerstands einer Allianz von rund 100 Kommunen. "Das ist etwas, was nicht ungehört und unerhört bleiben kann", sagt er. Zufrieden ist auch Jörg Schellenberg. "Das gab es so noch nie: Eine Menschenkette durch drei Länder und drei Sprachräume gemeinsam gegen überalterte Reaktoren", betont der Sprecher vom Aachener Aktionsbündnis gegen Atomenergie, das die "Kettenreaktion" organisiert hat. Die Menschenkette werde natürlich nicht zur Schließung der AKW führen, aber sie sei ein Signal.

Die Teilnehmer fordern, dass die Kraftwerksblöcke Tihange 2 bei Lüttich und Doel 3 bei Antwerpen sofort abgeschaltet werden. In den Reaktorbehältern sind Tausende Mikrorisse, deren Zahl sich vor kurzem noch erhöht hat: Laut Betreiber Engie Electrabel nicht etwa, weil es tatsächlich mehr geworden wären, sondern weil die Messgeräte anders positioniert und diese Stellen dadurch erst sichtbar geworden seien. Der Betreiber der Meiler, Engie-Electrabel, begrüßte die Aktion. "Wir respektieren die Meinungsfreiheit", sagt Serga Dauby, Sprecher des Kraftwerks Tihange. "Wir werden den besorgten Menschen in der Grenzregion beweisen, dass unser AKW sicher ist."

Die Menschen in der Region sind aber besorgt - und sauer. Wie der Aachener Wulf Katte, der mit Frau und Kindern Stunden vor dem Kettenschluss auf den Rädern zu seinem Abschnitt Richtung Maastricht fährt. "Ich bin wütend, dass der Betreiber Electrabel die Ängste der Bürger ignoriert und dass die wirtschaftlichen Interessen vor Sicherheit gehen." In Scharen fahren die Demonstranten am Morgen mit ihren Rädern aus Aachen über Vaals weiter in die Niederlande: Vereine, Familien mit Kindern, große Kinder- und Jugendgruppen oder etwa die geschätzt 60 Leute aus dem Frankenberger Viertel in Aachen, die mit "Stop Tihange"-Aufklebern und "Atomkraft Nein Danke"-Fähnchen unterwegs sind. Auch aus Mönchengladbach haben sich Demonstranten in drei Reisebussen auf den Weg gemacht und wollen Teil der Kettenreaktion sein.

Eine Unbekannte in der Rechnung der Veranstalter ist der belgische Streckenabschnitt. Machen die Belgier mit? Sie machen mit. Auf Streckenabschnitten bei Lüttich muss man vor lauter Belgiern Protestler aus Köln suchen, die laut Planung eigentlich dort stehen sollen. Die 19-jährige Lara Bedrich ist mit ihrer Mutter aus der Domstadt gekommen. Sie engagiert sich für Greenpeace. Und sie ist empört, dass das Kernkraftwerk Tihange immer noch in Betrieb ist. "Das betrifft ganz NRW, wenn da ein Super-GAU passiert", sagt sie.

Mögliche Folgen einer Atomkatastrophe im rund 70 Kilometer entfernten Tihange hat eine von der Städteregion Aachen in Auftrag gegebene Risiko-Studie gezeigt: Bei üblichen Wind-Verhältnissen können demnach weite Teile des Rheinlands verstrahlt und die Grenzregion unbewohnbar werden. "Nicht nur die belgischen Behörden müssen jetzt handeln", sagt Mitinitiator Jörg Schellenberg. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) müsse endlich dafür sorgen, dass die Brennelementefabrik in Lingen geschlossen werde, die noch immer die Reaktoren in Doel bei Antwerpen und Tihange beliefere.


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