19.06.2012, Radioaktive Wolke

Behörden führten Fukushima-Flüchtlinge in die Irre

SPIEGEL ONLINE

Kurz nach dem AKW-Unglück von Fukushima zeigten Messungen, wo die radioaktive Belastung am stärksten war. Doch die zuständigen Behörden gaben die Daten nicht weiter, wie jetzt bekannt wurde. Tausende Menschen flohen wegen der Kommunikationspannen in die falsche Richtung.

Tokio - Die japanischen Behörden haben den Bürgern kurz nach dem AKW-Unfall von Fukushima wichtige Messdaten vorenthalten, berichtet ein Minister. Das habe dazu geführt, dass Menschen in ein Gebiet flohen, in dem die radioaktive Belastung besonders stark war.

Nach dem Unglück von Fukushima am 11. März 2011 verließen etwa 160.000 Menschen ihre Häuser in der Nähe des AKW. Zwischen dem 17. und 19. März hatte das US-amerikanische Militär die radioaktive Belastung in einem Kreis von etwa 45 Kilometern rund ums Kraftwerk gemessen. Das Ergebnis: Rund 25 Kilometer nordöstlich des AKW war die Belastung besonders groß. Die Menschen dort waren der sonst für ein Jahr noch erlaubten Strahlendosis binnen acht Stunden ausgesetzt.

Doch die Aufsichtsbehörde für nukleare und industrielle Sicherheit (Nisa) und das Ministerium für Wissenschaft und Technik, denen die Daten vom Außenministerium übermittelt worden waren, gaben die Information nicht weiter ans Büro des Premierministers, das die Evakuierung koordinierte. "Es ist außerordentlich bedauerlich, dass die Information nicht weitergegeben und genutzt wurde", sagte Wirtschaftsminister Yukio Edano, der zur Zeit der Katastrophe Regierungssprecher gewesen war. Der Fehler sei kaum zu verzeihen, sagte er.

Die japanische Regierung hatte schon vorher eingeräumt, dass es durch interne Kommunikationsfehler misslungen sei, frühzeitig Vorhersagen zu veröffentlichen, wie sich das radioaktive Material um Fukushima herum ausbreite. So kam es dazu, dass Tausende in dieselbe Richtung flohen, in die sich auch die radioaktive Wolke ausbreitete.

Edano gab nicht bekannt, ob Behördenmitarbeiter für die Fehler gefeuert oder anderweitig zur Rechenschaft gezogen würden.

Obwohl das AKW-Unglück das Vertrauen der Japaner in die Kernkraft stark erschüttert hat, werden die ersten Reaktoren wieder hochgefahren: Der Reaktor 3 des Atomkraftwerks Oi in der Provinz Fukui soll frühestens am 8. Juli wieder in vollem Betrieb sein, der Reaktor 4 am 24. Juli.

Bis zum Sommer will die Regierung klar machen, welchen Anteil die Atomenergie an der Stromversorgung des Landes künftig haben soll. Die zur Diskussion stehenden Optionen reichen von einem Atomausstieg bis hin zum Ausbau der Atomkraft.

wbr/Reuters/dpa

URL: http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/japan-hielt-daten-ueber-fukushima-wolke-zurueck-a-839731.html

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