Als Gesellschaft zocken wir mit unseren Großbanken, unseren Kernkraftwerken und unserem Planeten.

Nobelpreisträger Stiglitz vergleicht die Finanzkrise und die Atomkatastrophe in Fukushima

Ralf Streck, 12.04.2011 in Telepolis

Der Professor der Columbia University New York und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz fordert in seinem Artikel Gambling with the Planet[1], der in verschiedenen Zeitungen[2] und Sprachen [3] veröffentlicht worden ist, dass das "Glückspiel mit unserem Planeten" endlich aufhören müsse. Stiglitz, der auch vor den "katastrophale Folgen" der harten Sparprogrammen gewarnt[4] hatte, die nun zum Absturz von Portugal[5] führten, zieht eine Parallele zwischen der verheerenden Finanzkrise und der Atomkatastrophe in Japan. Für Stiglitz zieht sich ein "gemeinsamer roter Faden" durch beides: "Experten aus der Atom- wie aus der Finanzindustrie versicherten uns, dass das Risiko einer Katastrophe durch neue Technologien so gut wie beseitigt werde."

Wer dieser Propaganda aufgesessen ist, wurde, so Stiglitz, eines Besseren belehrt: "Nicht nur bestanden diese Risiken, sondern ihre Folgen waren so enorm, dass sie mit Leichtigkeit jeden angeblichen Nutzen der Systeme, den die führenden Köpfe dieser Branchen versprochen hatten, auslöschten." So hätten die "Zauberer der Finanzwelt" die Komplexität der Risiken nicht verstanden, wie auch die Betreiber von Atomkraftwerken offenbar die Komplexität ihrer Anlagen und deren Gefahren nicht begreifen. Zudem fragt Stiglitz: "Gibt es noch weitere 'schwarze Schwäne', deren Eintreten nur eine Frage der Zeit ist?" Ähnlich wie kürzlich der Internationale Währungsfonds[6] (IWF) gelangt offenbar auch Stiglitz zu der Einschätzung, dass "die Art und Weise, wie die letzte Krise gemanagt wurde, möglicherweise das Risiko eines künftigen Finanzgaus erhöht hat".

Zwar sagt Stiglitz das nicht, doch dieser Gau könnte ebenfalls von Japan ausgehen, denn es handelt sich um ein extrem verschuldetes Industrieland, dessen Probleme, die es schon zwei Jahrzehnte vor sich herschiebt, durch das Erbeben, den Tsunami und die Atomkatastrophe ebenso unbeherrschbar[7] werden wie die Meiler in Fukushima. Übertragen auf den gefährlichen Atomsektor stellt Stiglitz fest, dass zwar in Deutschland einige ältere Atomreaktoren stillgelegt werden sollen, "doch in den USA und anderswo bleiben sogar Kraftwerke mit demselben fehlerhaften Design wie in Fukushima weiter in Betrieb". Aus berufenem Mund ist zudem zu lesen, dass "schon die Existenz der Atomindustrie an versteckten staatlichen Subventionen hängt".

Einen 'schwarzen Schwan' spricht er direkt an, an dessen Eintreten er nicht zweifelt: die globale Erwärmung und Klimawandel. "Die Kosten der Emissionsreduzierung verblassen im Vergleich zu den möglichen Risiken, vor denen die Welt steht." Wer in "Las Vegas zocken geht", verliere mehr, als er gewinnt: "Als Gesellschaft zocken wir mit unseren Großbanken, unseren Kernkraftwerken und unserem Planeten." Er macht auch ein paar Gewinner aus: "Banker, die unsere Wirtschaft in Gefahr bringen, und die Eigentümer der Energieunternehmen, die unseren Planten in Gefahr bringen." Als Gesellschaft werden wir, wie alle Glücksspieler, verlieren. "Das leider ist die Lehre aus der japanischen Katastrophe, die wir auf eigene Gefahr weiter ignorieren", stellt Stiglitz fest.

Links:

  1. http://www.project-syndicate.org/commentary/stiglitz137/English
  2. http://www.ftd.de/finanzen/:top-oekonomen-joseph-stiglitz-gluecksspiel-mit-unserem-planeten/60036253.html
  3. http://www.elpais.com/articulo/economia/global/Jugar/planeta/elpepueconeg/20110410elpnegeco_5/Tes
  4. http://www.ftd.de/finanzen/:top-oekonomen-joseph-stiglitz-gluecksspiel-mit-unserem-planeten/60036253.html
  5. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/34/34508/1.html
  6. http://www.heise.de/tp/blogs/8/149415
  7. http://www.heise.de/tp/blogs/8/149626

Kurze Geschichte zum 'schwarzen Schwan':
Alle Schwäne sind weiß - davon waren die Europäer bis ins 17. Jahrhundert überzeugt. Dann wurde Australien entdeckt. Dort gibt es schwarze Schwäne - was keiner für möglich gehalten hatte, war auf einmal Realität.
Unwahrscheinlich, besser jedoch Unvorstellbar ist alles nur solange, bis es das erste Mal passiert.

News URL: http://www.heise.de/tp/blogs/8/149644

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