11.05.2016

Mängel bei Akw-Lieferungen?

Artikel von Bärbel Nückles, aus badische-zeitung.de

Weltweit verbaute Stahlteile aus der französischen Reaktorschmiede in Le Creusot sollen fehlerhaft sein.

STRASSBURG. In Frankreichs Reaktorschmiede in Le Creusot sollen seit Jahrzehnten Qualitätskontrollen gefälscht worden sein. Betroffen seien, das berichtete die französische Wirtschaftszeitung "Les Echos", mindestens 400 Komponentenlieferungen, die während der vergangenen 50 Jahre in Kernkraftwerken weltweit verbaut wurden.

Stahlteile aus Frankreich wurden unter anderem im schweizerischen Akw Beznau verwendet, das just wegen Unregelmäßigkeiten im Material des Druckbehälters stillsteht. Auch Fessenheim an der deutsch-französischen Grenze im Elsass gehört zu den mutmaßlichen Schwachstellen, sagt Jean-Paul Lacôte von der elsässischen Umweltschutzorganisation Alsace Nature und Mitglied der lokalen Überwachungskommission Fessenheim. Die Schmiede von Le Creusot gehört erst seit 2006 zum französischen Atomkonzern Areva, hat jedoch Druckbehälter für den gesamten französischen Nuklearpark, also für 58 Reaktoren, hergestellt.

Die Atomaufsicht verlangt nun eine Klärung

Von dort stammt auch der Druckbehälter für den Reaktor des modernsten Typs, den EPR, den Areva im Auftrag des Stromkonzerns Electricité de France (EdF) bei Flamamville in der Normandie errichtet. Nachdem die Atomaufsicht im vergangenen Jahr dort Produktionsmängel im Reaktorstahl ausgemacht hatte, wurden die Produktionsbedingungen in Le Creusot genauer untersucht. Nach den neuesten Enthüllungen verlangt die Atomaufsicht nun binnen zwei Wochen eine Klärung.

Die Mehrzahl der französischen Meiler stammt aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Die beiden Reaktoren in Fessenheim sind seit 1977 in Betrieb. Schon wenige Jahre später wurden dort Risse im Material der Druckbehälter bekannt. Der Akw-Betreiber EdF bestritt stets, dass daraus ein Sicherheitsrisiko abzuleiten sei.

Im Zusammenhang mit den Zehnjahresinspektionen in Fessenheim 2009/ 2011 konnte die Atomaufsicht zwar keine Mängel erkennen. Für Kritiker wie die französische Atomphysikerin Monique Sené, die für die lokale Überwachungskommission Fessenheim (Clis) den Prozess damals begleitet hat, war die Materialermüdung an den beiden Rektoren aber nicht zweifelsfrei dokumentiert. Ein Makel, der mit den neuen Enthüllungen neue Nahrung bekommt. "Mit ihrem Gebaren", sagt Sené, "gräbt sich die französische Atomindustrie ihr eigenes Grab." Bislang ist aber unklar, in welchem Ausmaß Manipulationen an den Produktionsprotokollen vorgenommen wurden und welches Risiko damit einhergeht.

Jean-Paul Lacôte, der auch dem französischen "Komitee für Transparenz und nukleare Sicherheit", der staatlich legitimierten Dachorganisation der lokalen Überwachungskommissionen, angehört, sagt, diese versuche seit einem halben Jahr vergeblich, Informationen über mögliche Produktionsmängel in Le Creusot zu bekommen. Kein gutes Licht wirft das Verhalten jedenfalls auf den Konzern und die gesamte französische Atombranche. Sowohl Areva wie EdF, die sich beide mehrheitlich in Staatsbesitz befinden – sind laut Gesetz zur Transparenz verpflichtet. Mit den erneuten Anschuldigungen steht auch der künftige Export des EPR auf dem Spiel. Er sollte neues Aushängeschild der französischen Atomindustrie werden.

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