04.06.2016

Neues zum THTR-Störfall - 30 Jahre danach

AKW-Störfall planmäßig herbeigeführt?

Artikel aus www.die-glocke.de

Hamm/Essen (be) - Jahrzehntelang war es ruhig um das 1989 stillgelegte Kernkraftwerk in Hamm-Uentrop. 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe im ukrainischen Tschernobyl gerät der THTR in die Schlagzeilen. Es geht dabei um einen Störfall am 4. Mai 1986, bei dem Radioaktivät freigesetzt wurde.

„Die Freisetzung geschah absichtlich“, sagt Dr. Hermann Schollmeyer im Gespräch mit der „Glocke“. Der heute 82-Jährige war 1986 als Ingenieur für den Kraftwerksbauer Brown-Boveri verantwortlich für den Abschaltmechanismus des Thorium-Hochtemperatur-Reaktors (THTR) und fünf Gasturbinen. Alarmiert durch die Aussagen des Kraftwerksexperten hat die Piratenfraktion im NRW-Landtag eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Antworten wird es im Umweltausschuss am 15. Juni geben.

Technische Probleme in der Anlage

In der Uentroper Anlage habe es Probleme gegeben, berichtet Schollmeyer, der vor 30 Jahren an Sitzungen des Kraftwerkskonsortiums teilnahm. Die radioaktiven Brennelemente – Graphitkugeln, so groß wie Tennisbälle – hatten sich in den Leitungen verklemmt.

Wenige Tage zuvor, am 26. April 1986, war es im ukrainischen Tschernobyl zu einem Super-Gau gekommen. Eine radioaktive Wolke trieb in den Tagen danach auf Westeuropa zu. „Da ist ein Schlaumeier auf die Idee gekommen, die blockierten Leitungen im Reaktorkern mit Helium freizublasen“, erinnert sich Schollmeyer an Gespräche. Man wollte die Strahlenwolke aus dem Osten mutwillig nutzen, um das zu vertuschen. „Das Gas wurde von Hand abgelassen“, ist Schollmeyer überzeugt.

Unbemerkt blieb die Freisetzung von Radioaktivität schon damals nicht. Die Zusammensetzung der freigesetzten radioaktiven Stoffe konnte nach Messungen von Wissenschaftlern nicht aus dem Reaktor in Tschernobyl stammen. Experten des Darmstädter Öko-Institutes stellten 1986 fest, dass drei Viertel der Strahlung von 35.000 Becquerel aus dem THTR stammten, der Rest aus dem havarierten Reaktor in der Ukraine. Die Betreiber des Hammer Meilers sprachen damals von einem Unfall – und bleiben bis heute bei ihrer Darstellung: „Wir haben nichts unter den Teppich gekehrt“, sagt Guido Steffen für die Hochtemperatur Kernkraftwerk GmbH (HKG). Grenzwerte für Strahlenbelastung seien nicht überschritten worden.

Zum Störfall in Hamm-Uentrop ist im August 1986 auch ein Untersuchungsbericht für den Landtag in Düsseldorf vorgelegt worden. Darin heißt es, Bedienungsfehler hätten zum Ausstoß von Helium und Brennelemente-Abrieb geführt.

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